Siebener Amilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Eietzener Anzeiger Irhrgang <93^ Freitag, den l2.)anuar ^^^ttummer^ den Schnee, bei Wind, durch viele Straßen, im Licht der Bogen- tan@o wirbelte der Schnee, so ging das Paar. Da waren die stummen Häuser, da führten Türen und Tore in die Hauser, da liefen Treppen innen in den Häusern empor, mit vielen Win- dunaen, wie hölzerne Schlangen. Die Schlangentreppen mundeten vor Türen, die führten in die Wohnungen, in Gänge uyd Flure und Dielen der Wohnungen, und von da führten wieder Türen, braunlackierte und weitzlackterte, in die Zimmer, in einem Zimmer stand in einer Ecke ein Bett, und in den Klssen des Bettes lag eine alte Frau im Halbschlaf, im Halbtraum. Es war eine weißhaarige Frau, eine kranke, sehr kranke Frau, es war eine Frau, die schon weit weg war vom Leben, die schon auf einen Ruf von drüben horchte, von droben, von drunten, von weit her, von weit woanders her. Sie war schwach, sie war müde, sie dämmerte dahin und horchte ins halbdunkle Zimmer, in dem nur ein wenig Licht war, von draußen, vom Schnee, von der Bogenlampe. Sie war allein, ein Sohn war irgendwo, eine Tochter war irgendwo, weit in der Welt. Sie war allein, aber das roaj nicht schlimm, man war immer allein, sein Leben lang allein, auch wenn man zu zweien war und zu dreien und zu vieren und zu vielen. Sie hatte es getragen und hatte das getan und dies, und nun hatte sie nichts mehr zu tun als zu horchen. Sie lag und horchte mit bleichem Gesicht. Wie ein Mann sah sie aus, wie ein alter Soldat, das Kinn vorgedrückt, tiefliegend die Augen, die welken Lippen fest geschlossen über zahnlosen Kiefern. Sie lauschte wie ein Soldat au' einen Ruf, auf einen Befehl, sich aufzumachen irgendwohin, vorzurücken, auf ein munteres Signal, auf einen Trompetenstoß etwa. So wirbelte der Schnee und so ging das Paar durch den Schnee, Karl und Maria, die Häuser entlang, Arm in Arm. Sie kamen an ein Haus, dessen Tür überdacht war, das sah einladend aus, und so traten sie unter das Dach und standen nun trocken, und draußen wirbelte der Schnee weiter, und sie sahen ihm zu, dem Schnee. Arm hatten sie in Arm gelassen und standen. Karl sah weg vom Schnee, sah Maria an, die noch unverwandt ins Weiße starrte, ins wirbelnde, drehende, taumelnde Gestöber. Karl sah auf tbren Mund, 'der rot und feucht war von der Frische, und wußte, daß er ihn küssen würde, bald, bald! Das hatte er schon leit einer Stunde gewußt, sie ivußie es wohl auch schon ebenso lang, aber der Entschluß war nicht so leicht durchzuführen, aber jetzt, unter dem Tur- dach, jetzt war es so weit. Maria iah noch immer in den Schnee hinaus. Bebte nicht ihre Lippe? Wurde sie nicht roter und jetzt wieder blasser? Da legte Karl den Arm um Marias L>ch,,ltern und zog sie leicht an sich, und das Mädchen gab dem Druck nach, ohne die Stellung der Füße zu verändern, neigte sich nur zu ihm, und so nun standen sie also eine Weile, aber zu küssen wagten sie sich immer noch nicht. Es war so schwer, zu einem ersten Kuß zu kommen. Der Schnee wirbelte, Marias Gesicht war nun näher bei ihm, ihre Lipven waren nun näher bei ihm, ihren Atem spürte er, warm und suß, und das Zittern ihrer Schultern. Und jetzt wagte er es. Er zog sie dicht an sich, sie sträubte sick tiirfii letzt mußte sie einen Fuß vom Boden beben, sie tat es. sie "aume te ein wenig dünn lag sie an seiner Brust, lag ihr Kopf an seiner Schulter, hob sie das Gesicht ihm ein wenig entgegen. Da legte er auch den anderen Arm um ite und suchte mit dem Rücken die Wand, land sie. fühlte den kalten Stein. nud aab Mama den ersten Kutz. Sie riß sich zurück, ritz ihn mit, '°in Rucken verliest den kalten Stein, dann liest er sich wieder gegen die Wand fallen und nahm das Mädchen mit und küßte es nun ^um «netten Male, lind zum dritten Mal sank er gegen die 9^01161, rf,n”Zp.t! sie sich an ibn. und zum dritten Mal küßte ersie„Sle hat^n nichts gesprochen, kein Wort, hatten die Augen geschlossen, vor denen es purpurn wogte, wußten nichts von der Welt, wußten nur von if)r^n ffirem Bett die Greisin, bleich in den Kissen, die sich vor ihr türmten im schwachen Lickt der Bogenlampe von draustem wie ein Gebirge, das sie zu durchwandern hatte. Hügel hinauf Hügel hinab lsie wanderte nun schon nächtelang, öie ©«Htn Hirte en en schrillen Ruf. die Klingel tönte kurz. Man rief sie schon? Man rief sie endlich? Das schwere bleiche Gesicht bobsie empor. Das Signal, das langerwartete? Der Trompetenstoß? Da klingelte es zum zweitenmal. länger diesmal. Ja, murmelte sie. ia. ja, is schon mcht und siib über das Bettgebirge bin. wo ein Paß sei ein Nickenweg, ein Hirtensteig. Und *um &TittenmM &urd) Me ßti e schrillte der Klingelrus. Aergerlich, fast murrend sagte sie. gestern abend kennengelernt, tn einem Vortrag, waren nebeneinander gesessen und waren miteinander ins Gespräch geraten. Dann waren'sie zusammen weggegaiigen, er battesieheimbegleltetund sie hatte ihm für morgen, also für heute, einen abendlichen Spaziergang zugesagt, und der wurde nun durchgeführt im wirbeln- das Flugzeug wählt. Nobile gibt die Vorzüge des Flugzeugs offen zu. Es ist billiger, weniger abhängig von den Luftströmungen und schneller fertig zum Aufstieg. Er meint aber, diese Vorteile kämen nur bei Fahrten über kurze Strecken voll zur Geltung. Für lange Entdeckungsfahrten steht nach seiner Meinung die Uebcr- lcgenheit des Luftschiffes außer Zweifel. Das Flugzeug muh sich durch die Kraft seiner Bewegung in der Luft halten, das Lnft- schiff „schwimmt" dagegen selbst im Luftmeer. Es kann daher auch langsamer fliegen, ohne deshalb landen zu müssen, ,a es kann sogar bet Windstille in der Lust an einem Punkt stehenbleibcu und vermag sich mit Hilfe einer Landungsboje in genau bestimmbarer Liöhe über dem Erdboden zu halten. Die Arbeitsverhältnisse an Bord sind für die Handhabung wissenschaftlicher Instrumente wesentlich günstiger. Das Luftschiff kann größere Apparate mitnehmen, die störenden Erschütterungen der Motoren können auf ein Mindestmaß herabgcdrückt, ja durch Abstoppcn der Motoren ganz beseitigt werden. Bet Windstille kann sich das Lnftschist vor Anker legen und Besatzung und Instrumente gefahrlos landen. Wir sind heute in der Lage, uns im Luftschiff bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 100 Kilometern bis zu 10 Tagen in der Luft zu halten und in dieser Zeit eine Strecke von 24 000 Kilometern zu erkunden. Diese hoben Erwartungen äußerte Nobile, nachdem er A m u n d- sens und Ellsworths Polarflug an Bord der „Norge" mitgemacht hatte. Dann aber kam der Schiffbruch der „Italia". Es gibt uns Anlaß zu größter Zurückhaltung im Urteil über die Verwendungsmöglichkeit des Luftschiffs. Auf der anderen Seite berechtigt aber die Fahrt des „Graf Zeppelin" nach Nowaja Semlia, Franz-Josephs-Land und Severnaja Semlja zu kühnsten Erwartungen. Auf dieser Fahrt glückte es, mit dem Luftschiff aufs Wasser herunter zu gehen und Verbindung mit dem russischen Eisbrecher „Malygin" aufzunehmcn. Diese Expedition leistete besonders im Aufnchmen von Karten Außerordentliches. So gelang es ihr z.B., die Inselgruppen des Franz-Iosephs-Landes im Laufe von zwei Stunden aus der Luft bis zur geringsten Kleinigkeit aenau aufzunehmen. Payer hatte vier Jahre gebraucht, um eine falsche Karte zu zeichnen. Die Zepvelinfahrt zeigte, daß bet einer Stundenaeschwindigkeit von 100 Kilometer aenaue Karten über einen Küstengürtcl von durchschnittlich 50 Kilometern im Lickübildverfabren ausgenommen werden können. Dieser Vorzug wird besonders deutlich, wenn ein niedriges und flaches Land vermessen werden soll, das vom Erdboden aus nur schwer zu überblicken iß. _ Die Geschehnisse jagten einander. Unsere Zeit ist Zerrne be- deutender Forschungsunternehmungen, die nicht nur durch Anwendung neuartiger technisch»! MiEcl Aufsehen erregen, sondern auch der hervorragenden wiffenschastlichen Eroebniffe weaen unsere Bewunderung verdienen. Das gilt für L"ftschiff und Flugzeug in gleichem Maße. Denken wir daran, daß Milkins die antarktische Inselwelt mit ibrem Gewirr von Küsten und Sunden binnen 5'^ Stunden im Lichtbildnersahrcn a"?, der Luft vermessen bat. daß Byrd während seines löstündigen Südvolarflugcs unun^brochen Kartenaufnabmen machte. Erinnern wir uns auch an Wolfagng v. G r on aus Grönlandflüge, die der Erkundung neuer Lnftver- kebrswe^e dienten. Der Mensch von heute debnt seinen irdischen Lebensraum unermüdlich nach Norden und Süden ans. Weitschauende Gelehrte sind sich darüber im Klaren, daß unsere Polarkahrten keinesmeas nur abenteuerliche R"kordiaad->n. sondern mohlburchdachte For- schunasreisen ßnd. die für die Metternor^erb-stswmung im Dieuste der Lavämirttchaft, der Fischerei und d-r Schifsgbrt die denkbar arößte B-deutung bab-n. Neu sind die B"förd"runasmit»cl. aber Iabrbunderte alt die Kraft, die sie in i*rcn Dienß zminat: der unbändige Forlchertrieh des Menschen. Wer da glaubt, die ksibnen Taten der Pioniere seien nußlos. d-r bewejß nur damit, daß er sie nicht beareift. Jeder einzelne dieser Forscher war sein-n Keilaenosien weit vorai'g und einer wie der andere überragte seine Mitmenschen durch Kühnheit und Todesverachtung. Die Große Seeßß^anae ouf dem Wege durch die .^ghrßund-rte. Ans der Geschichte eines Naturgeheimnisses. Bon Dr. Kurt Haack. Mitten im tiefen Winter ist die Seeschlange plötzlich lebendig geworden. Eine Erscheinung, die sonß nur in den Hundstagen durch die Spalten der Zeitungen zu kriechen pflegte, gewinnt eine neue Bedeutung, seitdem aanz England gespannt nach dem schottischen See von Loch Netz blickt, wo sich das Ungetüm gezeigt haben soll. Die Sache wird zum Wcltgespräch, und allenthalben tauchen Nachrichten von anderen Nngctümen auf. die man mit mehr oder weniger großer Sicherheit beobachtet haben will. Die seit Jahrhunderten lebhaft erörterte Frage, ob cs in den Tiefen der sieben Ozeane uns unbekannte Geschöpfe von phantastischer Fabelhaftigkeit gib», ist dadurch wieder aktuell geworden. Au und für sich ist dieses Problem nur ein Ausschnitt aus einem größeren Komplex, der sich überhaupt mit dem Vorbandcnstin noch unbekannter Tierarten auf unserer Erde beschäftigt. Daß noch solche Geschöpfe in den Urwäldern und Sümpfen wenig erforschter Gebiete baustn, wird sich nicht bestreiten lassen. Der beste Beweis dafür, daß cs noch manches in der Zoologie gibt, von dem unsere Schulweisheit nichts träumt, war die Entdeckung des Okapi durch den englischen Forschungsrcifenden Johnson. Immer wieder suchen Expeditionen nach dem sagenhaften Nandi-Bärcn des afrikani'chen Urwaldes oder nach d"n Sauriern 6-r tvncrgfrikanst.chcn Seen. Daher kann auch der Glaube an die Große Seeschlange nicht so ohne ich fowine ja, ich komme ja schon, brauchst nicht noch einmal zu blasen, Erzengel, schimmernder, und sank suruck. Gott gebe jedem von uns einen so sanften Tod. , Durch den Schneewirbel, Arm in Arm, liefen Karl und Maria, die der Alten das Zeichen gegeben hatten, von unten, von unten unter dem Tttrdach, im Kuß sich dreimal gegen den Klingelknopf drückend. Lief ins Leben, das Erzengelpaar, das Mörderpaar, ins wirbelnde, aus dem die Greisin sanft und ruhig herausgctreten war. (Eroberung der Pole im Fluge. Von Knut Rasmussen. Das „Heldenüuch der Arktis", das der kürzlich verstorbene große dänische Polarforscher Knut Rasmussen bei I. A. Brockhaus in Leipzig veröffentlicht, erhalt dadurch seine besondere Bedeutung, daß hier zum ersten Mal eine Zusammenschau der Entdeckungsreisen zum Nord- und Südpol von den Tagen, da Pythcas aus Massilia die „äußerste Thule" erreichte, bis zur Gegenwart geboten wird, und daß der Verfasser ein berühmter Polarforscher ist, der, unter den Eskimos ausgewachsen, wie kaum ein zweiter berufen erscheint, die Saga vom Heldenmut und der Willenskraft der Polarforscher zu erzählen. Wir geben im Folgenden einen Auszug. Das Wissen um die Arktis wird wie kein anderes mit Entbehrungen, Not und Leiden erkauft. Dennoch ruht der Geist des Menschen nicht, ehe er die letzte Spanne Boden unter des Menschen Fuß gebracht, das letzte Rätsel gelöst hat. Friedtjof Nansen. Einst waren Fahrten in die Polarlünder Sache eines kurzen Sommers. Brach der Winter an, dann floh, der Polarforscher das kalte unwirtliche Land. Kam er in die Heimat, die inzwischen von winterlichem Schnee bedeckt war, so schien es ihm, als setze sich hier der arktische Sommer fort. Dann kam die Zeit, ut der die Polarfahrer dem Klima Trotz boten. Da zeigte sich bald, daß nicht allein die Kälte gefährlich war, es kam auch darauf an. den Körper durch zweckmäßige Nahrung gesund zu erhalten. Besonders galt es, dem Skorbut, dieser schleichenden Seuche der Polarnacht, zu entgehen. Aus jener Zeit stammt die Erkenntnis,, daß die Eismaßen des hohen Nordens auch zur Sommerszeit auf dem Meer umhertreiben und den Schiffen den Weg verlegen. So wählte man jetzt den Winter als beste Reisezeit und wanderte über das festgefrorene Meer. Diese Einsichten waren mit vielen Menschenleben teuer bezahlt. Der Mensch machte sich selbst zum Zugtier und s-hleppte unter grausamen Entbehrungen schwere unhandliche Schlitten durch den tiefen Schnee. Was er zum Leben brauchte, führte er mit sich. Er verstand noch nicht, von der Jagdbeute zu leben, die das Land selbst ihm bot. Er glaubte damals auch noch, in großer Gemeinschaft reisen zu müssen, damit einer dem anderen helfen ^Erst spät erkannte man, wie die Eingeborenen den Polarwtnter überstanden, wie sie mit Hundeschlitten dahinzogen, wie sie jagten und Beute fingen. Man lernte von ihnen, ja man stellte sie selbst in den Dienst der Forschung. Das war die Zeit der großen Schlittenfahrten. , Die jüngste Zeit hat uns das Flugzeug gebracht, bas die Strecken in der Arktis und Antarktis verkürzt. Funkwesen und Flugzeug haben die Technik der arktischen Forschung von Grund auf umacwülzt. Der Wendepunkt liegt im Jahre 1925. Bahnbrecher für die neue Forfchungstcchuik waren Byrd und Milkins im Norden und Süden, Roald Amundsen, Riiser- Larfen, Ellsworth, und Nobile im Norden, Mawson und Riiser-Larsen haben im Siidpolargebiet Schiff, Flugzeug und Schlitten zur Einheit einer reifctechnischcn Zurüstung verbunden. Diese Männer haben aus lustiger Höhe während weniger Jahre mehr unbekanntes Land gesehen als alle ihre Vorgänger seit Beginn des Jahrhunderts. Jeder neue Flug bringt neue Erfahrungen. Je größer die Schwierigkeiten sind, desto größer ist das Verlangen, sie durch Ausdauer und Geschick zu überwinden. Die Entwicklung geht stürmisch voran. Mir erlebten in den letzten Jahren, wie die antarktische Forschung ihre höchsten Leistungen den letzten Errungenschaften der Flngtechnik verdankt. Sie verzichtet aber dabei nicht auf die Vorteile der Skier, Schneeschuhe und Hundeschlitten. Dieser Verbindung der Fortbewegungsmittel gehört die Zukunft. Die neue Zeit hat freilich die Polarfor»chung zu einem teuren Unternehmen gemacht. Ein Zeppelinluftschiff verschlingt z.B. in einer Flugstunde 1000 Mark Betriebskosten. Dafür wird aber auch heute in Stunden soviel ausacrichtet, wie sonst in Iabren. Menn alles gut geht, gibt cs keine Strapazen mehr, der Forscher siüt in seiner geheizten Kabine an den Instrumenten und schwebt behaglich über unwegsame Eisfelder dahin. Aber auch auf so schneller Fahrt kann der Tod lauern. Eine unfreiwillige Landuno auf unbekanntem Gebiet bringt den Flieger in eine viel gefährlichere Laae, als sie einst dem Wanderer drohte, der sich mit einer Tagesleistung von 20 bis ?0 Kilometer beanüacn mußte. Milkins und Bord haben bewiesen, was das Flugzeug leisten kann, und doch baben auch sie unvoreinoenomm-n zugeoeben, daß die stärkste Maschine nur unter attnstigsten Redin"un"en landen kann. Das Fluazeng ist also vorläufig nur für erste Er- kundnnasfahr»en brauchbar. Nmbcrto Nobile, der lanae vor seinen Berühmten Posar- fabrfcn ein bochanaefehencr Lnfifchifsbaner war, weist mit Nachdruck darauf Bin, daß die Puftfaf>rt nirgends sonst so zur Er- weiferung des mt-nWidi-n Missens beige»raaen ba». mi<* in d-r Polarforschuug. Strittig ist nur, ob man besser das Luftschiff oder weiteres ins Reich der Fabel verwiesen werden, mag sich auch der alte Brehm noch so energisch gegen dieses Monstrum ausgesprochen haben, „das zwar nicht im Meere, wohl aber von Zeit zu Zeit in den Köpfen der Schiffer und dann auch regelmäßig in den Tagesblättern spukt". Wir rechnen heute immerhin mit der Möglichkeit, das; die Seeschlange existiert und daß die durch die Jahrhunderte überlieferten Nachrichten von ihr keine leeren Trugbilder waren. Von fabelhaften Tieren ist die Phantasie des Altertums und des Mittelalters erfüllt, aber deutlich tritt uns die Große See- Namen Longicaudata oder langschwänzige Tiere Vorschläge und die nur ein Genus hat, das er Megophias Naf, nennt, und nur ein Spezies: Megophias megophias (Ras.) Ond., eben die Große Seeschlange. Es ist ein Säugetier, dessen nächste Verwandte die Seebären und Seelöwen sind und dessen Ahnherr in dem fossilen Basilosaurus zu suchen ist. Seit diesem grundlegenden Werk, das sich mit der Seeschlange beschäftigt, sind zahlreiche weitere vorzüglich beglaubigte Berichte über das Austauchen rätselhafter Seeungeheuer bekannt geworden, besonders von französischen Seeoffizieren, deren Mitteilungen der Pariser Zoologe Giard 1904 in einer Mitteilung an die Pariser Akademie der Wissenschaften zusammenfaßte und aus denen er den Schluß zog, daß es sich dabei um einen vorsintflutlichen Saurier handeln müsse. Alle Daten und Berichte, die seit etwa 1890 aufgetaucht sind, wurden dann von dem englischen Marineoffizier N. T. Gould in seinem Buch „Der Fall Seeschlange" gesammelt. Er kann sich bereits auf die wissenschaftliche Erforschung der Tief- sec beziehen, die das Problem der Seeschlange in ein ganz neues Licht gerückt hat. Wir wissen heut, daß die ungeheuren Tiefen der sieben Weltmeere noch eine Fülle von Geschöpfen bergen, von denen wir noch keine Ahnung oder doch nur eine sehr ungefähre Vorstellung besitzen. Besonders aufschlußreich sind in dieser Hinsicht die Schilderungen des Engländers Mitchell Hedges gewesen, der gewaltige „Kümpfe mit Niesenfischen" ausgefochten und Sägefische von 50 Zentnern Gewicht, Haifische von 30 Fuß Länge, See- Elefanten von noch größerem Ausmaß ans Licht gebracht hat. Riesige Tintenfische sind gefangen worden, die beweisen, daß der ebenfalls Jahrhunderte für fabelhaft gehaltene „Krake" tatsächlich existiert. Im November 1921 wurde bei Kap May an der Delaware-Bucht ein Säugetier angespült, dessen Gewicht auf über 15 Tonnen geschätzt wurde, das also so viel wie fünf ausgewachsene Elefanten wog. Wenn heute der amerikanische Naturforscher William V e e b e in seiner Stahlkugel in die Tiefen der Meere hinuntersteigt und durch sein Guckloch den phantastischen Zug der Meerun^ehener beobachtet, so erschaut er Wunder über Wunder, die an die Geschöpfe der fernsten Vorzeit gemahnen, riesige See- skorpione, scheußliche Seegurken und Seewalzen, mächtige Seekühe, See-Elefanten usw. Nach diesen Erkenntnissen wird man Mitchell Hedges zustimmcn müssen, wenn er schreibt: „Man hört häufig Geschichten von der sagenhaften Seeschlange und von riesigen Fischen mit Stoßzäbnen, und die Leute lächeln darüber. Wenn man mich fragt, ob ich an die Existenz von Geschöpfen glaube, die in den Tiefen der Ozeane leben und größer sind als I alle Einbildungskraft es sich vorstellen kann, so antworte ich mit einem uneingeschränkten Ja!" schlänge zuerst in den Angaben einiger Kirchenfürsten entgegen, : denen wir gewiß keine leichtfertigen Lügereien zutrauen werden. < Die erste Kunde findet sich in einem Werk des Erzbischofs von : Upsala, Olaus Magnus, der aus dem Jahre 1555 berichtet, daß ; norwegische Fischer eine gewaltige Seeschlange von über 200 Fuß Lange und 20 Fuß Durchmesser in der Nähe der Küste bet Bergen sahen; das Tier, das nur bet schönem Wetter sichtbar war, soll ■ eine Mähne, glänzende Augen und scharfe dunkle Ringe gehabt 1 haben. Der erste Bischof der Grönländer, der ehrwürdige Paul 1 Egede, schreibt dann fast 200 Jahre später in seinem Tagebuch vom ! Jahre 1743: „Den 17.. Juni sahen wir Statenhuck und hatten bas Land beständig im Gesichte bis auf den 64. Grad. Hier ließ sich ein ungewöhnliches, fürchterliches Tier sehen, das sich so hoch über dem Wasser erhob, daß der Kopf über unseren Mastkorb emporzuragen ichicn. Sein Odem war nicht so stark als des Walfisches. Der Kops war schmäler als der Körper, der weich und runzlich schien; es hatte breite hcrunterhängende Tatzen. Wenn es untertauchte, überwarf es sich rückwärts. Nachher kam der lange Schwanz zum Vorschein, mehr als eine Schiffslänge vom Körper." Nicht lange danach sindet sich eine von dem Bergener Lootsengeneral L. von Ferry und anderen Augenzeugen beglaubigte Mitteilung vom 21.2.1751 in dem „Versuch einer Naturgeschichte Norwegens", die der Bischof und Kanzler der Kopenhagener Universität Erik Pou- roppidan verfaßt hat. Das Geschöpf, das die Schifsahrer an einem sehr stillen und heißen Tage auf der Fahrt von Trondheim nach Molde sahen, wird folgendermaßen geschildert: „Der Kopf dieser Seeschlange, den sie mehr als zwei Fuß über der Wasseroberfläche hielt, ähnelte dem eines Pferdes; er war grau, bas Maul ganz J schwarz und sehr groß. Die Augen waren schwarz; eine lange weiße Mähne hing vom Nacken herab bis ins Wasser. Außer dem Kopf und dem Nacken sahen wir sieben oder acht Buchten tseemau- ' nischer Ausdruck für Krümmung) von der Schlange, die sehr dick : waren; nach unserer Schätzung war etwa ein Faden (2 Meter) ] zwischen jeder Bucht." Der Bischof Pontoppidan erzählt nocy von verschiedenen anderen Beobachtungen großer Seeschlangeu und erklärt, seine heftigen Zweifel seien durch unbestreitbare Beweise behoben worden: „Unter unseren besten Seefahrern und Fl,chern sind viele Hunderte, die mit eigenen Augen Seeschlangen gesehen haben, und ihre Beschreibungen stimmen ganz gut überein. Bei meinen Nachforschungen unter den Bewohnern der Nordprovlnz antwortete mir fast jeder Einzelne mit großer Sicherheit und Bestimmtheit. Ja, die sogenannten Nordfahrer, die alljährlich des Handels wegen hierher nach Bergen kommen, schämen sich fast, wenn sie ernstlich über die Sache befragt werden. Sie betrachteten diese Frage als eine ebenso überflüssige, wie die, ob es Kabeliaue ober Aale gibt." Diese ältesten Angaben über die Große Seeschlange sind deshalb so bedeutsam, weil alle späteren Berichte fte int wcjentltcoen bestätigen und ungefähr dieselben Einzelheiten mttteilen. Das englische „Naval Chronicle" hat in seinen Jahrgängen von 1810 und 1818 eingehende, unter eidesstattlicher Versicherung abgegebene Schilderungen solcher Seeungeheuer georacht. Otto v. Kotzebue überliefert einen gleichen Bericht in seinem 1821 erschienenen Werk über seine Entdeckungsreise, an der Chamisso als ^^rforscher tcilnahm. Besonderes Aufsehen erregten die Angabcst des Kapitäns des englischen Kriegsschiffes „Daedalus" vom 11. Oktober 1848, die von dem Führer des Segelschiffes „Mary Ann" unabyangig bestätigt wurden und unter den Gelehrten heftige Streitigkeiten hervorriefen. Auch hochangesehene deutsche Marineoisiziere, wie der Kapitän der Korvette „Elisabeth", Hollman», und se,n damaliger erster Offizier, Georg Wislieenzs, haben von ihnen beobachtete Seeschlangen eingehend geschildert. Eine zusammenfassende Uebersicht über alle bis dahin erschienenen Berichte gab der angesehene holländische Zoologe und Direktor des Zoologischen Gartens im Haag, A. C. O u d e m a n s, in seinem 1892 in eng- U'cher Sprache veröffentlichten Werk „Die Große See'chlange" Eine historische und kritische Abhandlung." Oudemans behandelt nach Ausscheidung einer großen Anzahl von Berlchten. die er für unabsichtliche oder absichtliche Täuschungen halt, 187 wirkliche Beobachtungen, die nach seiner Ansicht volle Glaubwürdigkeit verdienen. Das rätselhafte Seetier wurde in fast allen Meeren beobachtet, am häufigsten an der Ostküste von Nordamerika (65mal , ein her norwegischen Nordwestküste (46mal) und an der schottischen Küste (15mal). Aus diesen authentischen Berichten stellt Oudemans schließlich ein Bild des unbekannten Geschöpfes zusammen und gibt genaue Grösienverbältnisse, freilich nur proportionalgroßen, da die Anaaben über die Gesamtlänge zu sebr voneinander ab- weichen. Danach ist die Länge des Halses 6 Kopflängen, die des Rumpfes TA, die des Schwanzes 13^, die Gesamtlänge 27^Kopflängen. Oudemans beschäftigt sich eingehend mit den etwa ^ Erklärungen, die von den Gelehrten versucht waren. Er kebut es ab, die Secsthlange für eine Reihe von Dclvhincn, einen Schwarm fliegender Fische, einen Meeraal, einen See-Elefanten uw. zu halten, sondern vertritt die Ansicht, dost die SeeV>lan-e <”» S '"e- tter sei, das einer besonderen Familie angehört, für die er den ©er S ernenbaum. Roman von Friedrich Schnack. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Die Getreideernte fiel nicht zur Zufriedenheit des Bauern aus. Die Aehren waren dürftig, die Schulden drückten, zu allem Mißwuchs kam der Verlust einer Kuh, die man notschlachten mußte, weil sie beim Sturz ein Bein gebrochen hatte. Da begann die Bäuerin mit Milch und Mehl zu sparen. Juppi zog den Riemen, der ihm die Hose am Leibe hielt, enger. Beim Wäsche- Handel hatte er im Gesicht etwas zugenommen und magere Ecken ausgesüllt. Nun fiel er wieder ab. Zuweilen stibizte er aus dem Feld eine weiße Rübe, säuberte sie am Brunnen und verzehrte sie roh. Aber er sah über seinen kargen Teller hinaus jenen Traumes- teller in Siebenellen; hinaus über den dürftigen Bauerntisch blickte er aus einen wahrhaften Muttertisch. Da stand das köstlichste Essen und schmeckte nach allem, was gut war: duftende Pilzgerichte, flockige Mehlknödel, süße Kirschen. Aus einem lederbenagelten Feststuhl kauerte er und sah das Licht über eine schneeweiße Tischdecke fluten; eine Fichte aber, vor der man ruhig-heiter sitzen konnte, durchleuchtete sein Bild. Ein Stotz in die Rippen nahm ihm dies Bild — das war Flunk, der ihn zurückritz in die Bauernstube. _ „, , , Im Herbst, als die Blätter fielen, holte er sich beim Schneider drunten im Ort den neuen, grauen Anzug. Er hatte ihn Uber den Arm gehängt und stürzte, glühend vor Glück, den Hang empor. An dem Bildstock trug er ihn vorbei, der gemalten Familie freudenvolle Blicke zuwcrfend: künftig werde er an Sonn- und Feiertagen mit einem guten Anzug zur Kirche gehn. Am Wold lüpfte er die Zweige und kroch hinein in das Serbst- gemach. Rundum baute sich Vuchenlaub. Hinter einem Stamm entbreitete er auf einem Onadertisch. den er sorgfältig abgefegt hatte, den altneuen Anzug. Er legte die Hosen hin. Sie streckten ihre Stossbeine aus. Die Weste. Den Rock. Ein herrlicher Anzug. So einen hatte er noch nie getragen. Bewundernd newle sich Juppi über das Schneidcrwerk. Mit ihm bestonuten die Baume den Schatz. Sie warfen ibm ein paar goldene Blätter darauf. Zu dieser Freude gesellte sich aber bald Belrübuis. Beim Ausräumen im Waoenschuppen fand er die Trümmer seiner Harmonika. Seine Mundharmonika! Die Schalen waren abgerissen, die Meisingzungen lagen bloß und aufgebogen. Die kirschrote Mundleiste war abgenagt, grau von Staub. Wer batte sie so zuaerichtet? Flunk ober Lois. Einer von beiden halle sie ibm oestoBen. Er ließ die Reste ,n die Tasihe gleiten. Auf das Weihnachtsbild seines Gedächtnisses legte sich eine dreckige Dand. , _, V-rdrossen stapfte er durch den fiof, am Hund vorbei, der sich mit ibm anaesrennbet batt- und ibm mit langen Blicke« und > lustigen Launen nachäugte. Aber Juppi sah ihn gar nicht ‘Beran'toottlicb: Dr. HanS Thyriot. - Druck und Deriag: Drühl sch« Univrrsitäts.9Such. und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. me§i§ die Kartoffelernte, stark beeinträchtigt durch die lange i ‘ Nässe des Sommers, etngebracht war, begann es zu schneien. Die Lust über der Tiefe flimmerte. Vom Oedhang n,ederftaubte das Geflock, schimmelig sah die Grstshalde aus, und die Mittag, sichte legte eine weibliche Tracht an. Die Runkelrüben wurden heimgefahren, und nun mußte xyuypi zusammen mit der Magd vor der Rübenkammer, darin man die Feld frischte einlagerte, tagelang nach Schulschlutz Ruben putzen. ( Mit klammen Fingern reinigte er sie von anhaftender Erde und schnitt die Krautstrünke ab. Steif gefroren kroch er nach Einbruch der Dunkelheit in den Stall. Wie anders war der Winter von einst gekommen. Ueber die Fichtenwand vor den Fenstern, darüber in klaren Nachten die Sterne spielten und der Mond wie die Haarspange der Gret blitzte, wirbelte der Flocken'chwarm, weiß wie Flaum, und abends trat der Vater, von der Arbeit heimkehrend, mit beschneitem Rock itnö Schnurrbart in die Stube. So war es, und so fiel der Kind- '©tat! bei den Einsamerkühen war es lau. Wenn Iuppi von der Schnle zurückkehrte, frostklappernd, ihm fehlte es sehr an warmer Unterwäsche, schlüpfte er flink zu den Tieren: das Futtern war ihm jetzt die liebste Hofbeschäftigung. Der Tieratem, die mütterliche Dumpfheit der Kühe umhauchte ihn friedlich. | Und dann gab es da nachts einen Schmaus. Wie hungerte ihn. I Nun war er darauf gekommen, daß dem abzuhelfen war. So hatte es begonnen: ein ganz klein wenig molk er eines Nachts ein paar Milchtropfen eignete er sich an. Nacht für Nacht wurde eS der Tropfen mehr, ein richtiges Milchzehnt zog er. Was ihm nicht von anderer Hand gegeben wurde für seine Müh und «einen Hun- ger. na^m er sich eigenhändig. In eine alte Blcchstbale molk er. Aber einmal, schlaftrunken, lieb er sie offen liegen. Zwei Tage vor Weihnachten war es. Sonst batte er sie immer gut unter dem Strob versteckt. Flunk fand die Schale, als er ibn weckte. Er sah die Milchreste drin. „Du hast die Vieh gemolken, ha?" Und er hielt ibm die Schale unter die Nase. „Hast Mitch getchlappert?" fauchte er. Seine Vohrlocheraugen flackerten gefährlich. Iuppi stand verdattert. Zu laug zögerte er mit der Antwort. Da saß ihm auch schon ein Schlag im Gesicht, auf der Na'e, und das 93htt schoß heraus. Mit Wucht kobolzte er in die Einstreu. Flunk fiel über ibn her und trommelte ibm mit der Vlechsthgle auf dem Kopf herum. Als er von iftm ablieb, konnte Iuppi sich kaum erretten aus den Kuhfladen. Blut- und kotbeschmutzt war er. durclsichiMelt von einen Schluchzen. Er wankte ins Freie. „Tagdieb!" maulte der Knecht ihm nach. Beim Nachtmahl in der Stube schaute keiner der Ester Iuppi an. Niemand redete zu ifmt, kein Schimpfwort fiel, nirfit einmal Lois trat ihn gegen die Schienbeine. Auch die kleine Magd hatte keinen Blick für if'n. , m r . Nach dem Tischgebet sagte der Bauer zu ihm: „Von heut an schläfst auf dem Neuboden!" t Droben im Boden grub er eine Schlashtchle in den größten HeiA-infen und schliefte wie ein Dachs in die Röhre. „Vater ..." heulte er erstickt in die Finsternis des dürren 93aitevnk'ntmcr8, in die gestorbene und aufaeftapefte Wiese. Aber sein Vater war ferner als der fernste Sommer. Ueber das Dach der Scheuer fegten die Schueeböen. Weihnachten kam, der erste Christabend tu der Fremde. In der 93aucrnftu6e grünte eine Fichte, sie lieb viele wesenlose Fichten in Iuppi erwachsen die goldenen Fichten von einst. Weit von ibm tauchten strablende 93äume auf. einer hinter dem andern, einer kleiner als der andere, bis hinab in die allerfernsten Weibnachtsabende, aleich einer sich in die Kindheitsdämmerung verlierenden Waldzeile. LoiS sagte zu Iuppi: „Brauchst nicht dabei zu sein ..." Flunk saote: „Sonst krieost 'ne Nlechschale zum Milchsteblen..." In der Bauernstube rasselte eine kleine Zieaenschelle. die Bäuerin läutete zur G-mBefAerung. Die Leute ginaen feierlich in die Stube: voran der 93alter, nach ibm Lots: dann kam Flunk, zulebt Bärb. die Magd. Iuvvi drückte sich hinaus in den Nos. Sein Herz war steinschwer. Er lehnte sich in die Ecke von Haus und Das Bäumchen! Hinter dem Vorhang und den Bleichen Blu- meugerippen auf der Fensterbank funkelte die Weihnachtsfichte. 93itute Kerzen flammten, ruhig wie Sternenaugen, die sich aus der ß'intteSroelt herabgesenkt hatten auf das tränende Wachs. Silbern blinkte eine Glaskugel: ein heller Vollmond schwebte im Nadelwald der Fichte, gleich dem wirklichen Mond über dem SchneehantL Inppis Augen kletterten an dem Bäumchen aufundnie^der: gutes Kindeslicht strömte ihm zu, Marchenglanz und Jesuschetn. Nüsse und Aepfel hingen daran, auch ein paar Zuckerkringel und -Herzen Schnee und Flitter waren über die Zweige gestaubt. Uten die Leute auch einen Engel auf die Spitze getan? Er sah stbarf hin: oh ihnen flatterte kein Engel auf der Krone, kein sin- aender Seraph: auch kein Fink von Watte und Federn zwitttherte dort. Sie besahen weder Engel noch Vogel. Auch er fiatte feinen Engel, er war ibm entwichen. Aber der Vogel war bei ihm geblieben, in der Rocktasche. Zärtlich tastete er danach. ginn den Kerzen, den weihen, blauen, roten, die ihm ihr Licht rnscbickteu irrte fein Blick zu den Gesichtern. Der Lichtskor umhüllte sie selbst Flunk zeigte eine heitere Miene. Lots strahlte. x,n den Händen hielt er eine neue graue Joppe mit feinen griinen Besätzen und Hirschhornknöpsen, er betrachtete sie von allen Seiten. I-ür Iuppi war kein Häufchen bereitet wie zu Vaters Leb<>eit. Keines un'er dem Bäumchen als Christgeschenk, keines auf dem Tisch daneben als Gebnrtstagsangebinde. , Mit tiefernstem Gesicht wich er langsam vom Fenster. Er hatte genug gesehn. Am liebsten wäre er jetzt bei der Spielzeug Gret gewesen in der Pgsfaner Marktbude. Aber die war wohl schon langst geschlossen, der Markt war ans, auch in Passau blitzten die Flügel der W^ibnachtsengel. Die Gret feierte mit ihrer Schwester ... ©eine Gedanken verliehen die Freundin nnd zogen nach «icben- ellc'n zur Försterin, die so strahlend wie ein Weibnachtsboum ano- fab Das Forsthaus stand am Wald, das HirsAgeweib Über der Tür starrte in die Nacht. Mondhell fah er es im Geist aufohmtnen. Memifi Brannte auch im Forstbgi'8 ein WeibnochtSböomAeu. wenn S auA feine Kind?r dort aab. Er sah es auf dem Ti'ch stebmund die aoldbena-'elten Siük'le schimmerten. Ob jetzt die Rebe durch die Fenster der Försterei in das Zimmer schauten? Zog der pcttrac Nii-sch mit dem Kreuz zwischen seinen Gewelhgsten durch die Christnacht. vorbei an dem schneeüberdeckten Asteraarten? Ibn fror. Wie ein Hase kroch er schaudernd zusammem.Ar konnte sich nicht entschließen, im Heu zu verschwinden — der Licht- flor vor dem Fenster und die stille, hohe Nacht Bannten ibn. Reich ansgestirut war der Himmel. Die Tannen und Fichten da brüße« hinter 6er Wiese ragten fchneebeloden und wie «nwi k- lich in d'e wilchblasie Kuvpel. Neber den Kronen lAwirrien die ! Sterne, ihr Gewimmel Blinzelnder LtchtauoenBlickte^zutc'm nieder. Es waren die Kerzen des Himmels, wo der ließe Gott Wei macht , fctCTt. Der Himmefsbaum war angezündet in der wolkenfofen Christnacht. feine zahllosen Lickster Brannten, so weit der Blick m dm uiwvdli-be Knvvel reickite Der TonueufAaften da drüben am Rond des Teldes miederboste siA nnüberseboubar oben am Firmament. Die Dnnrelbeit zwischen Li^t und Li^i waren die Zweige bi "«er .fsimmefsrnnne. des eosioen Weitmachtsbginns. Inv»rs,ch getröstet hob Invist feinen Bfist fn den Sternenbgn"' von Lichtaezwew zu L'chtgezweio. und lieh ibn mAn in dem Wivfel. her weit ans- äftete, gleich den steinernen Rippen der Kirchenwötbung. Nnter dem Baum aber, wie i ' „o6 über die Woge UNsÄk 8 »Ä 'M» Wipfeldächern. Kalte Lust umschauerte Iuppi. Die Landschaft veränderte ihre Züge, über Nacht wurde sie alt iniirriicl wenn auch die Laubslammen auf den Höhen züngelten Von den Aeckern brenzelte der Kartoffelrauch. Der Wind rütteUe an den Forsten. Das Baumgesicht, wo war es? Emst I hatte es ihn, vor Einschlafen, an den Vater gemahnr, mit einem . Mondlicht und einem Schattenschnurrbart. Das Gesicht war weg. Kindergespinst. Auch das hatte er nicht Scheuer, der Hund schmiegte ihm den Zottolkopf ans Knie. Leis friwmthten die Kühe hinter dem strohverpolsterten Fenster und der sestaefchlosienen Stalltür. Ste atmeten in die Weihnachtsstille. Wie Gold blinkte das Stroh: es hatte einen Krippenschein im ungewissen Schneelicht. ~ ■ fieilta weiß glomm der Schnee. Aus dem 8eiister der Bauernstube fiel fünfter Schimmer, ausgesendet vom Weihnachtsbaum. Da her Streifen zu Füßen des Hauses. Das war alles, was Iuppi'hatte. Mit verschleiertem Auge starrte er auf diesen glitzerw- hen Licksttevvich, den das fremde Bäumchen ihm wirkte, ihm allein. Mehr ivar ihm nicht beschert. Gleich einer Schleppe ödu 65ternen= staub war de7 G immer vor ihm ausgebreitet. Doch ab und zu wurde er verdmikelt. In der Stube umgingen die Leute das Bäumchen, ihre Schatten fielen in den Hof — anders nahm Iuppi nicht an ihrem Gehaben teil. Sie Atmeten Kerzenduft, Harz- und Waldgeruch. Er atmete die kalte Luft und das Winterschweigen. Kein Laut störte den Schlaf der Welt. Es hatte aufgehört zu fchnetn, Walder und Hügel und sie traumhafte Schneelandschaft waren zu Glas gefroren, -wie Engelshaar sah Iuppi die Strähnen des Elses darüber gegossen. Der Himmel schickte seine Sterne. • Leidvoll unentschlossen löste sich Iuppi ausIeiner Ecke, Fuß: vor fphenb trat er tiefe Stapfen in das Weiße. Der tarnte knirschte die gedämpften Stimmen der Einsam^cleute redeten briniwn'in der Stube durcheinander. Behutsam schlich Iuppi an der Wand hin zu dem kristallslimmernden Lichtteppich. Sein < . drängte sich an den Fensterstock, die hungrigen Augen spahtci. -n