GietzenerZamilienbliitter * < e< 1 e.______M.. . Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Nummer 70 Montag, den Z0. September ahrgang 193< Wald. ein Brettchen nach Norden dorthin, der Gebein, fein! enjaniNi d-n Stein Die Freikugel. Geschichte aus dem Bayerischen Von Gert Lynch. Die kleine Passion. Von Gottfried Keller. Der sonnige Duft, Septemberluft, Sie wehten ein Mücklein mir aufs Buch, Das suchte sich die Ruhegruft Und fern vom Wald fein Leichentuch. Vier Flügelein von Seiden fein Trug's auf dem Rücken zart, Drin man im Regenbogenfchein Spielendes Licht gewahrt! Hellgrün das schlanke Leibchen war, Hellgrün der Füßchen dreifach Paar, Und auf dem Köpfchen wunderfam Saß ein Federbllfchchen stramm; Die Aeuglein wie ein goldnes Erz Glänzten mir in das tiefste Herz. Dies zierliche und manierliche Wesen Hatt' sich zu Gruft und Leichentuch Das glänzende Papier erlesen, Darin ich las, ein dichterliches Buch; So lieh den Band ich aufgeschlagen Und sah erstaunt dem Sterhen zu, Wie langsam, langsam ohne Klagen Das Tierlein kam zu feiner Ruh. Drei Tage ging es müd' und matt Umher auf dem Papiere; Die Flügelein von Seide fein. ^rtin hat eine Uni. > und bit Sie glänzten alle viere. Am vierten Tage stand es still Gerade auf dem Wörtlein „will!" Gar tapfer ftand's auf selbem Raum, Hob je ein Füßchen wie im Traum; Am fünften Tage legt' es sich, Doch noch am sechsten regt' es sich; Am siebten endlich siegt der Tod, Da war zu Ende feine Not. Nun ruht im Buch fein leicht Mög' uns fein Frieden eigen 8 crt mit bet tote, en 6d)u|, -rz durch, Schießen hat es bei Hias eine besondere Bewandtnis. Er gebraucht echte Freikuqeln welche er alljährlich in der Christnacht zwischen elf und zwölf Uhr selbst meßt. Das Metall dazu stammt vom Friedhöfe. Dort gibt es immer noch alte Grabkreuze, die mit heiligem Blei im Steinfockel befestigt sind. . . , , Eine solche bleierne Freikugel, die, wie man jagt, ihr Ziel niemals verfehlt, hat Hias in der Tasche, als er jetzt beim Jägerwirt eintritt, den fmt mit der Spielhahnfeder über einen Nagel stülpt und Platz nimmt. Kubitschek zwinkert fragend mit den Augendeckeln. Hias nickt bejahend mit dem Kopfe. Laut aber spricht der Wirt: „Es find Schindeln am Dachl", womit hierzulande gemeint ist: Red' nicht, mir können belauscht werden! Nebenan in der Küche hantiert die Magd, eine pralle, leutselige Böhmin. ~ ... ~ Hias zieht seinen Beutel und legt wortlos eine Freikugel hm. Ku- bitschek bekommt einen gierigen Blick. „Gib mir zwei!" flüstert er, aber Hias lehnt rundweg ab Es genügt eine, erwidert er, sie trifft unbedingt! Der Wirt entnimmt der Schanklade die vereinbarten Taufchgegen- ftänbe und schiebt sie auf die Ahornplatte: Eine Flasche Meisterwurz- schnaps, ein halbes Pfund „Brasil'' (herausgeriebener Schnupftabak) und zwei Ranken Gefelchtes (Rauchfleisch). Hias zieht das Griffefte (Mester), schneidet einen Ranken an und probiert den Alkohol. Kubitfchek trinkt mit und entwickelt in leisen Worten den Plan: Zuerst wird oben am Kraterberg das Wehr geöffnet, dann läuft in sieben Stunden der See aus. Wenn die großmächtigen Waster- maffen mit Getöse ins Tal stürzen, ist kaum mehr ein Kanonenschuß zu hören, noch viel weniger aber der Anschlag einer Büchse. In diesen sieben Stunden also muß alles geschehen! Er, Hias, hat bei der ganzen Sache weiter gar nichts zu tun, als den See abzulasten und sich dann aus dem Staube zu machen. Er, Kubitschek, wird alles weitere selbst besorgen Und es bleibt bei der Abmachung: Er das Fleisch und Hias das Geweih. Uebermorgen kann er in der Nacht feinen Sechzehnender ab- holen und gleich drüben im Wenzelreiche (Böhmen) an den Mann bringen. Denn diesmal wird er, der Iägerwirt, den Bock nicht wieder fehlen, dafür sorgt wohl die Freikugel! Kubitschek versichert sich, daß niemand tm Anzuge ist, ruckt eine Wandbank beiseite, hebt ein Fußbodenbrett und zieht eine Flinte hervor. 5)1(15 nimmt eine gefällte Patrone und fetzt feine Freikugel auf. Dann läßt er sich das Gewehr reichen und steckt das Geschoß in den Sauf. Im selben Moment nähern sich die Schritte der Magd. Kubitschek stürzt nach der Tür und Hias will noch flink die Büchse in das Versteck legen — — Da ereignet sich etwas Unerwartetes. In der Eile kommt Hias an den Abzugshahn, es gibt einen Schnapp, und ein mächtiger Knall erschüttert die Luft. Vor der geöffneten Tür steht die Böhmin und macht große, erschreckte Augen. Kubitschek beißt wütend auf die Unterlippe, und Hias starrt auf die rauchende Büchse und zuckt die Achseln. „Kann wirklich nichts dafür", sagt er, aber plötzlich verfärbt er sich, wirst das Gewehr hin und springt 'auf die Bank: Oberhalb an der Wand hängt.ein Det- bilb des Försters Wendell, dem das Anwefen früher gehörte, bevor es noch eine Kneipe war. Hias weist mit dem Finger auf ein Loch. Die Kugel ist mitten durch den Kopf des Bildniffes geflogen. Hias reißt das Gemälde herunter und stellt fest, daß die Freikugel sogar die Haus- planken durchbohrt hat! Eine arg böfe Geschichte, meint er, denn jede Freikugel trifft! Kubitfchek beruhigt zuerst die Magd und schickt sie weg. Dann macht er sich in Flüchen und Vorwürfen Luft und verlangt schließlich eine andere Freikugel. Hias aber schüttelt den Kopf, langt feinen Hut und rennt grußlos davon Der Wirt zischt ausgebracht hinter her und räumt die liegengelassenen Tauschwaren ab: den Meisterwurz, den Brasil, das Geselchte. Die Uhr schlägt eben halb'zehn. Am nächsten Vormittag sitzt Kubitschek aus der Dengelbank und hämmert die Sense. Wie er auf einmal den Blick erhebt und sich den Schweiß wischt, gewahrt er eine Gruppe von Männern, die eilig den Knüppelweg überquert und auf den Iägerhof zusteuert. Der Wirt erkennt blitzende Knöpfe und Uniformen, und nun kann er sich eines Schreckes nicht mehr erwehren. Er fühlt den Impuls in sich, aufzuspringen und fortzuiaufen, aber sogleich hat er sich wieder in der Gewalt. Was können sie ihm schon nachwesten!? Nicht das geringste! Und ruhig dengelt er weiter. Zwei Förster und drei Gendarmen stehen vor Kubitschek und verlangen Auskunft, welcherlei Gäste während der letzten paar Tage, vor allem am gestrigen Abend, in seiner Taverne eingekehrt sind. Kubitschek besinnt sich und zählt gegen ein Dutzend Namen auf, als letzten den Buchecker Hias, der einzige Gast gestern nacht Die Beamten sehen sich an, aber die Forstleute winken ab Nein, nein, der Hias ist es nicht gewesen, dafür stehen sie ein. Um wieviel Uhr der Hias gestern gegangen fei, wollen sie wissen. Punkt halber zehn, antwortet der Wirt und fragt an, um was es sich eigentlich handelt. „Der Förster Wendell ist gestern abend zwischen neun und zehn Uhr durch einen Kopsschuß ermordet worden", berichtet einer von den Gendarmen und fügt an: „Wir müssen den Buchecker Hias nun Dort, wo der Weg von der Heerstraße abzweigt, hangt tm Pfahl. Es hat die Form einer Hand, deren Zeigefinger -reist. Die Inschrift meldet: „Zum Jägerwirt". Der Steg lurd, die Schinderwiese im Roten Moor fuhrt ist mit Knüppeln belegt mb schwankt beim Betreten. Am Rande des Morastes steht eine ver- tnorrte, weißgraue Rane (Baumleiche), die auf der Wetterst e kein lefte mehr hat. Hier hackt bisweilen em Uhu auf, und der Baumhackel Specht) trommelt gern an den iürren Stumpen. Mehrere Marterln nennen die Namen derer, die vom Wege abkamen und tm Sumpfe er- sickten. „Heilige Maria, bitt’ für die armen Seelen! lautet der Text ’tt feinen !,n Heiner on ihn«, ulauf.“ i jmn bin nbet butif ibäube iebermant ns bunlli, die 5)änbt » schrM ich; Fitz ’s ftrenju wirb ihn b tritt mit utsche, M r Stimm:, Jeenbigimj efpötte iii antlagen! u glauben ifer gegen' rch menigi üch gern; rbammei» afenb übel sch ergeben :r uns jis ischehen it unb ich: Fichte 6 ! Weg ui nitterf, p tofeen, Iii# >in," IB n und w nicht buti barafterW [ein in * seit in «* egung • ten," H n ihn [enbeit i* fe non dien M neue 3* (öd)*1, stet, »*! Bi i iton uni« Das Rüden W leben. 'uns ff uns" M, 'S; Ä! ""Es^geh77n'7en Abend hinein. Die ersten Irrlichtes kaum sichtbar, trennen mit violetten Flämmchen weit draußen im Moore Von un- '! aesähr schreit kläglich der Aus (Waldkauz), und unzählige Vißwurmer «nd Wasserjungfern (Libellen) umflirren den Osterbach der vom Schinder- noor aufqefaugt wird. Eine dünne Rauchsaule steigt kerzengerade au- bem Schorn der Kneipe. Die Hauswände sind mit Wetterbrettchen ge- | sanzert, die Legschindeln des Daches mit Intstrummern beschwert Um las obere Stockwerk läuft ein hölzerner Sü)rot (®ang), oon Trocken- sangen überquert, wo Getreidesiebe und Nudelbretter s h) • J snd die Schwämme (Pilze) am Dorrem An der Siebelfeite stapeln gefprengte Wurzelstöcke. Sie triefen von Kien _ .lauer Kubitschek, der Jägerwirt, streift mit dem Dauben die Kruste mm Docht der Hängelampe! Dann reibt er ein Zündholz an. JRe snqfchimmer fliegt über die leeren Tische der ®aftftube. Laut schleif bas Perpendikel der Wanduhr. Kubitschek liest die Zeit ab und geht zum Fenster. Er erwartet den Buchecker Hias. ..... h Hias ist dreißig Jahre alt und von Berus $oI3fa“er Stör drei Jahren als im Winter die Arbeit ruhte, trat er: tm Jirtus ■'Tone auf und zeigte das Kunststückchen, w,e man: ™ n Baumstamm in einer halben Minute mit der bloßen Ar Andenken zerschlägt. Daneben ist Hias ein hervorragender «chutze Zum Andenke^ °n einen Meisterschuß baumelt an seiner Uhrkette ei Pf - inter Glas das Auge eines Karpathengeiers schwimmt. Freilich, mit o doch noch holen!" Ob er, der Iügerwirt, gestern zwischen neun und zehn einen Schuh gehört habe? Kubitschek suhlt, daß sein Puls aussetzt. Er zieht seine Schmai-Dose und nimmt mit gespielter Ruhe eine Prise, Nein, sagt er, von einem Schuh habe er nichts gehört. Die fünf Männer treten außer Hörweite und beraten sich kurz. Dann schicken sie sich zum Aufbruch an. Von Kubitschek weicht ein Alp, Er geht in die Schänke und nimmt einen stärkenden Schluck, Dann holt er das Bild von der Wand und betrachtet den Einschlag der Freikugel, „Kopsschuh", konstatiert er und wird nachdenklich ... Drei Tage sind vergangen. Nach Hias wird eifrig gefahndet. Er ist des Mordes am Förster Wendel! dringend verdächtig. Hias ist über die Grenze ins Böhmische gefluchtet und muh sich auch hier verborgen halten; er würde ausgeliesert, falls er erkannt wird. Er glaubt jetzt selbst daran, daß seine Freikugel dem Förster das Leben nahm. Im gleichen Augenblick schon, als er das Kugelloch im Gemälde sah, hat er geahnt, daß Wendel! erledigt ist. Denn mit Freikugeln ist nicht zu spaßen! Hias ist sehr flau zumute, und er überlegt hin und her, ob er sich nicht sreiwillig dem Staatsanwalt stellen soll. Diese Geschichte würde ihm doch keine Ruhe lassen und sein Leben hinfort verdunkeln. Wenn er in Wirklichkeit auch kein Mörder ist, die Meinung der Leute hat ihn dazu gemacht, denn sie weiß nichts von dem unsreiwilligen Schuß. Hias fackelt nicht länger, sein Entschluß ist gesaßt. In der gleichen Nacht kehrt er auf bayerischen Boden zurück, und am nächsten Morgen meldet er sich beim Gendarmeriekommandanten. Der jedoch schlägt ihm bieder die Hand auf die Achsel und lacht ihm vergnügt ins Gesicht. „Da haben Sie Massel (Glück) gehabt, Buchecker", sagt er, „wir hatten Ihren Steckbrief schon angenagelt! Nun aber ist alles in Ordnung! Der wirklich Schuldige sitzt seit gestern hinter Schloß und Riegel!" Hias greift sich unsicher an den Schädel, und seine Stimme klingt klein und gepreßt, als er den Kommandanten bittet, ihm Näheres über den Fall zu erzählen. Und Hias erfährt, daß der Mörder in der Person des jüngsten Sohnes vom Karlhansel-Bauern verhaftet worden ist. Sein umfassendes Geständnis liegt bereits vor. Wendell hat ihn beim Wildern gestellt, beide rissen gleichzeitig die Büchse hoch, aber der junge Karl- Hansel ist schneller am Hahn gewesen, leider! Wie man ihm denn so bald auf die Spur gekommen fei, erkundigt sich Hias. Der Beamte zögert mit der Antwort, aber dann entschließt er sich doch dazu: „Sie haben wirklich ein beispielloses Massel gehabt, Buchecker! Ein Weibsbild, das nicht genannt fein will, hat den jungen Karlhansel mit geschwärztem Gesicht erkannt und verraten, um Sie, den Unschuldigen, von Verdacht und Steckbrief zu retten!" Hias ist von dem Gehörten völlig entgeistert und geht, aufgewühlt bis ins Innerste, seines Weges. Der führt ihn direkt zum Jägerwirt, von dem er überschwenglich empfangen wird. Sie sprechen sich aus und beäugen immer wieder das geheimnisvolle Kugelloch auf dem Bildnisse Wendells. Der Wirt reibt sich die Hände und grinst vor Vergnügen. Hias fährt ihn gröblich an. Was es denn da zu feixen gibt? Kubitschek, ha—ha, ist heute nicht zu beleidigen. Er freut sich, daß die dunklen Wolken, die auch über seinem Hause schwebten, verzogen sind. Denn er hat mancherlei auf dem Kerbholz, das das Tageslicht scheuen muß. Hias steckt voll zwiespältiger Gefühle. Ist es nun tatsächlich die Kugel des jungen Karlhansel gewesen, die den Förster getroffen hat? Oder war es vielleicht doch seine Freikugel? Derlei Gedanken quälen ihn hestig. Er geht wieder seiner Arbeit noch, aber er ist nicht mehr der alte, unbekümmerte Hias von srüher. So vergehen zwei Monate, und es wird Herbst im Lande. Der Wacholder ist reif geworden, die Brombeerblätter sind knallig rot und die Farne quittgelb. Eines Tages legt Hias Axt und Säge nieder und läßt sich freigeben. Er muß schnell in die Stadt, er hat dort dringend zu tun. Niemand er= sährt von dem Zweck seiner Reise. Cs ist der Termin, wo über den jungen Karlhansel das Urteil gesprochen wird. Der kleine Gerichtssaal ist bis zum Bersten gefüllt. Der Staatsanwalt donnert. Der Angeklagte gibt alles zu. Der Verteidiger spricht nur kurz. Der Fall liegt klar. Die Gerechtigkeit nimmt ihren Laus. Der Hohe Gerichtshof zieht sich zurück zur Beratung. Dann wird das Urteil verlesen. Es lautet auf Tod ... Keiner hat einen anderen Ausfall zu hoffen gewagt. Da geschieht eine Sensation. Hias springt über die Barriere, tritt neben den Angeklagten und beginnt fliegenden Atems und unter höchster Erregung aller Zuhörer in drastischen Worten sein Abenteuer mit der Freikugei in Kubitscheks Wirtsstube zu schildern. Niemand unterbricht seine Rede. Seine Darlegungen sind sachlich und stichhaltig. Er schließt mit der Wendung, daß der Angeklagte vielleicht ein Unschuldiger ist. Die Freikugei könne ebensogut die tödliche gewesen sein! Die Verhandlung wird unterbrochen und der Gerichtssaal unter großem Tumult geräumt. Hias wird in Gewahrsam genommen. Am folgenden Tage bereits ist die Mordkommission unterwegs. Hias hat unter Bewachung den Rest seiner Freikugeln beizubringen und dann beim Jägerwirt einzutressen. Kubitschek und die Magd machen ihre Aussagen. Hias muß eine neue Freikugel aussetzen. Es wird alles rekonstruiert. Jedoch der Kommissar und die Sachverständigen kommen gar bald zu der Ueberzeugung, daß die Freikugel den Förster, obschon er in der Nähe der Kneipe war, unmöglich erreichen konnte. Zeit und Schußrichtung stimmen zwar mit den Tatsachen bedenklich überein, aber die (Entfernung zwischen Abschuß und Wendell ist viel zu groß gewesen. Sie beträgt 3400 Meter. Es wird eigens die Tragweite des gebrauchten Gewehrs feftgefteUt. Sie beträgt 900 Meter. Damit gibt die Kommission die Nachsorjchungen in dieser Richtung aus. Hias wird wieder aus freien Fuß gesetzt und erhält Hne ernsthafte Warnung. Der Unsinn mit den Freikuge!n müsse in Zukunft aushören. Wildern ist ihm nicht nachzuweisen, jedoch das Q wehr und der Rest der Freikugeln sind konfisziert. Um vollkommen sicher sich gehen, wurde die Kugel, die Wendell d Tod brachte, mit den Freikugeln verglichen. Der Gerichtschemiker |u fest, daß die Freikugeln frei von Zinn sind, während die tödliche Suj solches enthält. Hiermit ist das Todesurteil für den jungen Karlhansel rechtskräs geworden. Hias und seine Freikugeln indessen sind noch lange im ®«( jein Bildnis genau an der gleichen Stelle durchlöchert ist ... Ich hab die Nacht gefräumef.. . Volksweise. Ich hab die Nacht geträumet Wohl einen schweren Traum, Es wuchs in meinem Garten Ein Rosmarienbaum. Ein Kirchhos war der Garten, Ein Blumenbeet das Grab, Und von dem grünen Baume Fiel Kron und Blüte ab. Die Blüten tät ich sammeln In einen golbnen Krug; Der fiel mir aus den Händen, Daß er in Stücke schlug. Draus sah ich Perlen rinnen Und Tröpflein rosenrot. Was mag der Traum bedeuten? Ach, Liebster, bist du tot? Unter frenwcn Fahnen. Ein Stück deutscher Soldatenhistorie. Von Herbert V. Pater a. Wohl jeder von uns hat schon einmal in (einem Leben jene Schn sucht nach den lockenden Bildern einer sremden Welt gefühlt, den Starj aus dem Alltag herauszukommen, irgendwohin schemenhaften ®autt bildern nachzujagen, dem Zwang des täglichen Einerleis zu entkomm«!, um irgendwo im Lande „Orplid" ein neues, buntes Leben zu beginnet Uralt wie das Menschengeschlecht selbst ist dieser Trieb, und wir finta ihn bei allen Völkern des Erdkreises, bei einigen mehr, bei einig» weniger entwickelt. Begreislicherweise ist dieser Hang bei den Stämmu und Rassen, die in rauhen oder engbegrenjten Gebieten wohnen, stack« vorhanden als bei solchen, die durch klimatische Verhältnisse und n* liche Einflüsse in der Heimat selbst alles vorsinden, was die Phant« c sich ausdenken mag. So ziehen die Griechen an den sagenumwobenen Hof der Pharao» könige, wilde Bewohner der unwirtlichen Balkangebirge schirmen M Thron persischer Großkönige, und das altgewordene Weltreich Rom uc schlingt Millionen blonder Nordlandssöhne. Nie erlischt jene Sehnsnlll nach der Sonne. Die größte Tragik aller germanischen Volker liegt, i jenen romantischen Fahrten über den dränenden Wall der Alpen |t> roärts, der ewig strahlenden Sonne zu! Germanenkrast schirmt Rem- Adler bis in die parthischen Wüsten — unter dem Kreuz des Wt'i' erlösers stehen germanische Söldner — Karthagos Mauern Widerhalls vom wuchtigen Tritt nordischer Krieger, und vor dem wimmelnden Boll!' leben von Byzanz mit all seinen Rassen und Völkern wacht der bien)' gelockte, eisengepanzerte Prätorianer deutschen Stammes. Unter rausche den Eichen, am Herdfeuer und in der Halle der Großen erzählt d> narbenbedeckte Veteran von (einen wilden Fahrten und Fährnissen, stolz die goldenen Ehrenzeichen den sieberhaft zuhorchenden Jungen, neu Sehnsucht, neue Lust weckend. Und immer wieder zieht die männl;®i Jugend von Herd und Heimat hinweg, fremden Fahnen zu! Noch heute findet man tief in Mesopotamien und bis weit nilouif roärts, ja selbst in Jnnerasrika bis zum Tschadsee die Ziegelsteine n.n Lagern germanischer Legionen, ebenso roie in Spanien, dem heutige Schottland und in der Theiß Ebene; allüberall standen germanische & gionäre aus der Wacht Die Zeit der sogenannten Völkerwanderung J? eine Blüte des Landsknechtstums. Die germanischen Reiche der Vandol ii in Nordafrika und das stolze Gotenreich in Italien sind die (Ergebner» Skandinavische Waräger und seebefahrene Normannen stoßen als erli mit dem ausgehenden Halbmond zusammen. Unter dem Banner tet Kreuzfahrer jinöen wir alle germanischen Stämme vertreten. Das ment1 beherrschende Venedig kämpft gleich seiner stolzen Nebenbuhlerin Gen« seine Schlachten mit deutschen Völkern — wie man damals diese Landn knechte ganz richtig nannte — und auch die Herrschaft der Medicwt ruht ebenso wie der Stuhl Petri auf germanischen Söldnern. Aus der Enge seiner Heimattäler drängt der ungebeugte Schweiz«t' stamm hinab in die blühenden Gefilde Italiens und zeichnet lei" 11 Ehrennamen der „Schweizer Garden" mit blutiger Schrift in die Taft» der Geschichte. Maximilians, des „letzten Ritters" Heldengestalt steigt «'» und vor seinen „frumben Knecht" reitet der alte Frundsberger r "i Sieg zu Sieg. Roms Mauern stürzen unter dem Anprall deutscher Sr* ger, die im Bruderkamps sich jclbft zerfleischen unter der Schlüsselloch des Nachfolgers Christi und dem schwarz-goldenen Panier der rötnW deutschen Kaiser. Columbus betritt den |ungfräulld;en Boden Amerika» unter dem Schutze bayrischer und fläml|d;er STriener, und die «nermeßlicheu Länder der neuen Welt wurden von gerrnanifchen Landsknechten dem spanischen König zu Filmen gelegt. Bartholomäus Diaz und Basco de Tama erobern Indiens Schätze mit deutschen Artednslerv und Pikenieren. Bon den svanischen Fort» aus Panama weht die Fahne bajnvnrischer Söldner. De» wilden Cortez buntzusainmengewiirselte Streitmacht besteht zu drei Fiinsteln an» deutschen Söldnern, und der grimme Pizarro ringt da» riesengroße Reich der Inka» mir mit Hilse seiner getreuen „Alemanos" nleK .merika wird von deutschen Soldaten Englands erobert, und den großen Kampf, ob der nördliche Kontinent 'Amerika» Frankreich oder den Stuart» zinsen soll, fechten wieder deutsche Söldner aus. De» Sonnenkönig» Schweizer-Regimenter sterben bi» ans den letzten Mann aus dem Blutseld von Malplaquet; den heranrasselnden ölfenreliern Oliver Cromwells tönt bei Marston-Moore da» letzte „Es lebe der König Karl von Stuart!" deutsch entgegen. Für und gegen die Freiheit der Union» stauten von Nordamerika streiten deutsche Regimenter. De» großen George Washington» erster Armeechef ist der preußische General v. Steuden, der die wilden, unbändigen Grenzerscharen mit Hilse seiner altbewährten Unterosfizlere nach sriderizianischem Reglement drillt. Man kann heute ruhig behaupten, daß nur deutsche» Blut und deutsche Mannevkrast der jungen Republik zum Endsiege verhalfen. Aber auch aus der Gegenseite sterben die griinrörkigen Hessen todesmutig unter dem linionjack bei iErenton, und ungebeugt ziehen die deutschen Fremdregimenter Groß' britannien» vor den deutschen Bataillonen Washington» vorbei. Ain Kap der guten Hofsnung und tief In den Urwäldern Ceglono erklingen altvertraute Volksweisen au» Württemberg nnd Franken, wo da» berühmte „Kap-Regiment" der holläudsich-oslindischen Kompanie die Fahne Oranten» l>nchhält und illuftre Namen, wie einen V) ort, zu seinen Bntnillonvsührern zählt. Rur ein kleiner Bruchteil jener aufrechten Söhne Schwaben» fleht jemals die heimatlichen Fluren wieder, im aufreibenden Kolonialkriege gegen Mahratten und Singhntesen geht diese» stolze Fremdenregiment völlig zugrunde. Uber den Horizont ragt visionär die Gestalt de» kleinen Korsen. „Vive l’empereurl" schallt e» au» bayrischem, sächsischem, hessischem und bergl« schein Mund. Frankfurter Grenadiere schlagen sich in Sizilien, und die Besatzung der damals sranzösischen Ionischen Inseln stellt ein Chevauleger-Regiment mio Köln und Düfseldors. Für und gegen Napoleon kämpfen Deutsche. Mestsälische Lnnzier» und badensische Dragoner attackieren in Spanien mit wilder Todesverachtung die deutsche Legion Großbritannien», die unter dem Braunschweiger Herzog kämpft: sa selbst aus dem säst völlig vergessenen und unbekannten Kriegsschauplatz aus der Negerinsei San Domingo sinden wir Elsässer .Husaren und Schweizer Voltigeurs. Preußische Osslziere rümpfen zu Hunderten in der russischen Armee de» Jahre» 1812. Da» Westfalen Korps wird ans dem Schiacht- seide van Borodino bi» auf den letzten Manu vernichtet, in der Eiswüste der Beresina verdirbt die fächsische Gardediöision. Die ersten Jahrzehnte de» 19. Jahrhundert» kann man nl» neue Blütezeit de» modernen Landsknechtsiiun» bezeichnen. England erkämpft feine» anßereuropälfchen Kolonialbesitz fast ausschließlich mit deutschen Söldnern, die wieder hergestellten bourbonischen Königreiche in Frankreich und Italien stützen Ihren stet» wankenden Thron nur mit deutschen Soldnern. In Neapel, Rom, Sizilien, Tovkcina, Madrid ist die Dienstsprache der königlichen .Hausregimenler deutsch In Frankreich wird die Fremdenlegion nach der Iulirevolulion von 1830 ausgestellt, der allso» flleld, Zehntausende zuströmen, welcher Andrang bl» ans unsere Tage nie mehr abnimmt. In Rnrdasrlka und Marokko, Indochina und Madagaskar, am Senegal und Niger weht die Trikolore der Fremdenlegion. Die Reaktion nad; 1848 treibt neuerlich Zehntnusende besten deutschen Blates ins Ausland unter die fremben Fahnen. Eine benlich englische Brigade kämpft Im Krimkrieg vor Sebastapol: hannöverische Reiter (Idjern englischen Besitz im Zululande und an den Duellen de» Baal- siusse». Im großen indischen Ausstand de» Jahre» 1854 bluten reindeutsche Britenregimenter, und weit hinein in» wilde Afghanistan marschieren deutschstämmige Soldaten her Königin Viktoria. In Amerika ent brennt 1802 der große Kamps zwischen Nord und Süd um die Sklaven- frage Wieder stehen sich Brüder, Bellern und engere Volksgenossen gegenüber. Die Deulschamerikaner de» Norden» formieren eigene Armeekorps, hie berühmten Reiterschwadronen Dirgimen», die dem Süden zuge schworen, bestehen ausschließlich aus elngewanderten Deutschen Maximilian von Defterreid) geht seinen Todesweg nach Mexiko. Eine vslereichsich-betgische Legion blutet vor Puebla und Oueretnro. Flämische und steirische Osslziere sind die letzten Stützen he» unglücklichen Kaisers. Wilde, blutige Urmalbkämpfe aus Sumatra und Borneo werden von deutsd).holländischen Legionären auogesöchten, die ">ederland>sd)e Fremdenlegion rekrutiert sich bl» heute ausschließlich aus Deutschen. Die süd- nmerlkanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Chile, Peru. Bolivien, Paraguay bekriegen sich unter wahnwitzigen Opfern b « zum 'Weißbluten. Deutsche Ansiedler kämpfen für ihr neue» Vaterland auf feder Seite Don Pedro» brnfililnnifdier Königsthron wird durch deutsche Regt- meuter errichtet, die treu zu ihrem Herrscher stehen. Die letzten Kämpfe um feinen abfallenden Kolonialbesitz von Kuba und ans den Plsilippinen sicht Spanien mit geworbenen deutschen Fremdl-nreglmentern. 1 äpstliche Znaven unter Züricher nnd Luzerner Ossizieren bluten vergeblich 187 an her Porta Pia um die Selbständigkeit des Kirchenstaate« gegen den Anlturm de» geeinten Italiens. , , . . .., In romantischer 'Begeisterung eilen mleher oufenbe deutscher Iüng linde unb Männer ben Buren-Republtken zu .kK sie, Oberst Schiel nb bir deutsche Legion verbluten ans den fübasrika^schen Kopjes und-Drifte Mehr als zweitnuseiid Deutsche sterben in den Gefangenen lagern an St. Helena, da» letzte Aufgebot de» General« ® f io et befteht 3 3™' Dritteln an« Deutschen. Aber and) unter englischer Fahne kampsl und stirbt deutschstämmige Mannfchast au« Natal und dem Kapland: wieder ^Wsi^sind b'ctz'der ^Gegenwart angelangt: der nuffeimenbe Nationalismus hat In den letzten Jahren vor dem Weltkriege die Sucht nach frembem Kriegsdienst zurückgedämmt. Doch sogar hn größten Kriege der Menschheit standen beutsihsprachige Nordamerikaner an der Westfront gegen il>r alte» Heimatland, starben vor den Toren Konstantinopel» brt« tische Soldaten an» Australien und der südafrikanischen Union, bereu Muttersprache brutsch gewesen, hetzten beutschstämmige Bnrensöhne die letzten Helden Leklow» durch den asrikonifcheu Busch... löotf Volk wacht auf. Roman von W alter von M o 1 o. iFortfelziingl Nie sahen die Wertvollen unter uno den Zweck beo Dasein» in ben Gütern dieser Erde erfüllt! Nie hat der Deutsche von der Ausnutzung fremder Völker gelebt! Wir find in die Welt gesandt, um da» Unvergängliche im Zeitlichen auszupslanzen! Wir tragen die Ewigkeit in uno, mehr al» jede» andere Volk! Was ist unsere nationale Einheit? Tiefster Glaube an die llnenblld)feit Ist sie, an die göttliche .Kraft unserer Seelen In der Jrdsichkeit! Wir find da» Herz der Welt. Versinken wir, jo versinkt die Menschheit mit uno. Darüber seien Sie |id) klar!" Fichte hält inne. Fragende Unruhe flutet unter ihm auf. Fichte fixiert einen Herrn, her eifrig auf dem Eckplatz zunächst der Türe init|d)relbt; her Mann sieht erschrocken auf; alle» starrt aus ihn unb auf Fichte; ber Mann verfärbt sich: er erhebt sich, Fichte zeigt zur Türe. „Hinaus, Monsieur!" Al» zöge ihn Fichte« gebieteube Fingerrichtung mit sich, fchleicht der Mann zur Türe. „Hinaus ben Spion!" schreit eine Stimme Im ©aal. Zwei, brel, das ganze Auditorium brüllt auf. Der Mann Ist verfchwunden. Fichte läßt den Arm sinken. Sein Antlitz erstarrt zu neuem, zu drohenderem Ernst. Wenn hie Erdrosselung und Nichtachtung eine» jeden Volke» per« brecherisch 1(1", fährt Fichte fort, „|o ist e» die Unterdrückung nufere» Volke» erst recht! Sie ift Mord an der Gesamtmenschheit! Dagegen rufe id) Sie aus! Deswegen stehe id) hier! Sie haben um bei Menschheit nullen national zu sein! Wenn Sie um ber Menschheit willen, wie eo Ihnen schurkisch geraten wird, Ihre Nationalität |e(;t ausgäben, so wäre do» soviel, al» wolle ein Menfch beten, baburd), das; er Gott lästert! Deut|d)lanb ist von Gott! Wenn die Mensd)heil weiter bestehen soll, müssen wir Deutschen weiter bestehent Nennen Sie mir", spricht Fichte bei sicherem, hellem Blick, „nennen Eie mir doch die Dichter unb die Denker, be Gesetzgeber der anderen Völker, die so wie die unseren jede Regung der Zeit unb ber Völker nur in Hinsicht ans ben Gesamt- sorsichritt ber Menschheit prüften unb werteten!" Dem Üluolanb geht eo um spießbürgerlich nivellierende Gleichheit, um ßiitmacheuben Inneren Frieden, um hohlen äußerlichen Nationalruhm, um häusliche verschim-. melte, sogenannte Glückseligkeit, um Phrasen! Uno geht eo um ber Menschheit Sittlichkeit! Um ber Menschheit Emporentwicklung, uno geht eo um Gott!" Glänzend sind bie Augen zu Fichte emporgerichtet; Fäuste haben | sich geballt, ergriffen gesenkt find die Köpfe, heiß, inbrünstig zustimmend nicken C8efld)ter. Fichte atmet hoch auf. „Viel Ungemach muß der Bauherr erleiden", sprld)t Fichte, „der trachtet, die Zinnen dem Himmel zu zu erhöhen. Id; preise diesen Bauherrn! Er läßt uns hilflos flehen, wenn wir abirren. Wir werden uns erheben", ruft Fichte, „nufer Unglück hat uns gemahnt! Höher ! beim je!" Fichte dreht ben Kopf zum Fenster. Es ist jäh totenstill: Spielerische sranzöslfche Blechmusik hallt dünn von ber Straße in ben Saal empor. „Laßt bie an ben Sieg glauben, bie nur bao Heute sehen", spricht Fichte. „Wir sehen da» MorgenI Wir wissen, daß d>o> Heut«, biv> mir erleben, fein O nbe ist, e» ist nur ein 'Anfang! Die Ewigkeit trat einen Schritt zurück, um neue, um hoppelte Kraft zum Sprung vorwärts unb aufwärts zu gewinnen! *Dlad;l biejen Schritt! Sie werden diesen Saal als neue, al» bessere Menschen, al» einige Deutsche verlassen!" befiehlt Fichte. „Fassen Sie sofort diesen Entschluß! Rur der, ber jeben Deutschen Bruder nennt, ist deutsd;, nur ber, ber alle» bafür aufgibt, ber entschlossen ist, für blefe Gesamtheit zu sterben, besitzt die wahre, die al(inäd;tlge Vaterlandsliebe Seien Sie bereit! Frei will jeder Mensch sein, ber Deutsche voranI Die Freiheit zu lieben, Ist bao Leben! E» bar, nicht bahln kommen", schreit Fichte in ben Saal, „baß boo Wart deutsch zur Legende wirb! Wehrt euch! Umarmt end;, verbrüdert euch, sosort! Rust die Erinnerung an da« alte deutsche Reich In end; wach! Ich beschwöre euch! Ihr Jünglinge", |;>rid;t Fichte, „ihr steht noch ber Unschuld unb ber Natur nahe. Wollt ihr nicht Verbesserung? Id; besd)wöre end; Alte, beratet bie Iugenb! Stärkt Ihr ben Mut burd; eure Erfahrung. Stärkt Ihr bno Gefühl ber Scham, daß sie sieht: selbst bao Alter will mehr alo wir. Dao Vaterlanb beo Deutschen ist", spricht Fichte, „bao Hau» jede» ßanbmannco, bat Heim |cbeo Bürger«, bie Hijsie jede« Arbeiters! Von unten auf wächst die Straft! Uno umschweben die Geister unserer Vorfahren! Sie flehen mit gerungenen Händen: .lieberliefert unbescholten unser Andenken ber richtigen Nachwelt! Nicht oergeblid; wallen wir mit unserem Blute bie Freiheit ber deutschen Berge unb Ebenen erkämpft haben!' OEud; drohen die UngeborenenI Sie molien nicht, baß ihr die Stelle abreißen laßt, bie sie an bie große Vergangenheit ber Menschheit anblnben soll! Da« Auslaut) bc|d;mört euch! Wir kämpfen für alle, hie blind und geknechtet sind! Sollen bie Besten ber Menschheit umsonst an die erhabene Verheißung be» göttlichen Redste« geglaubt unb dastir gelitten hoben? Sollten sie vergeblich dasür mlllionenfndjen Tob gestorben sein? Sie sieben euch an, meine Brüder unb Schwestern, au» ihren Gräbern: .Rasit euch aus!' Fühlt ihr bie stehenden Arme, bie uno umhegen? Höri ihr bie flagenben Stimmen der Zermarterten um uno? Uno Deutsche beschwört ber göttliche Weltplan! Die @nt,d;elbung fällt 1 Durch un»! Wir haben zu entscheiden, ob ber Mensch ein sinnlose«, unfreie« Tier ist, ein Vieh, ob boo Fühlen unserer gepreßten Seelen berechtigt ift, ob nicht, ob eo Höhere« gibt, nl» ba« schmachvolle Dafein, bno wir jetzt führent Die Enlfcheibung darüber ist in eure Hnub gegeben!" gehalten ... alle Gespräche sind ver- Ausland werden konfisziert, die an- -Yerantwortlich: vr. HanS Thhriot. — Druck und Derlag: Brühl'sch« Univeriitäts-Buch. und Stein druckerei, R. Lana«. Gieben. In einer Redaktionsstube sitzt aus einem hochgeschraubten Drehsessel ein junger Mann. Der Untersetzte hebt den erlebten, runden stumpfen Kopf eine finsteren, kinderguten Augen sehen ins Antlitz des Redakteurs. „Journalistik ist", spricht bedächtig der armselige Mann, langsam streicht er das Falzmesser, das er in Händen hält, er wippt auf dem Drehsessel, „die Kunst, dem Volk glauben zu machen, was der Regierung patzt. Was das Volk nicht weih, das macht ihm nicht heih. Was man dreimal sagt, das hält die Menge für wahr! Die Briefe werden unterschlagen, die Reisenden werden angehalten ... alle Gespräche sind verboten Die Journale aus dem Ausland werden konfisziert, die anständigen Redakteure werden arretiert, deportiert und füsiliert, dafür werden neue willfährige Subjekte in das Geschäft gesetzt', unterhaltet nur das Volk mit Nachrichten von der Gesandtschaft des Perserschahs, von der neuesten Klistierspritze, Lehrsatz I: Wenn man einem Kinde em Licht zeigt, weint es nicht! Ja!" nickt der Besucher dem Redakteur zu, auf seinem hohen Sitz mit den Beinen unentwegt wippend. „Der Mensch muh hergeben, was er opfern kann. Gott will, dah die Menschen, um ihrer Freiheit willen, auf alles verzichten. Gott liebt Sklaven. T,a! Der Herr springt vom Drehsessel herab. „Sie können also meinen Beitrag nicht gebrauchen?" fragt der Mann sanft. „Ich darf nicht, Herr von Kleist." Mhm, ich verstehe." Gelassen nimmt der abgewiesene Schriftsteller sein' Manuskript zur Hand, sinnend sieht er darauf nieder, halblaut, prüfend, kritisch gegen sich selbst, liest er noch einmal den Schluß seines Artikels: „Der Existenz einer Gemeinschaft gilt der Kampf, einer Gemeinschaft, die der ganzen Menschheit angehört, die die Wilden der Slldsee noch, wenn sie sie kennten, zu beschützen Herbeistromen wurden: einer Gemeinschaft, deren Dasein keine deutsche Brust überleben und die nur mit Blut, vor dem die Sonne verdunkelt, zu Grabe gebracht werden soll." Der ehemalige Leutnant hebt den Kopf, „es ist wirklich überschwänglich," sagt er zustimmend, „das den Deutschen zu sagen: es ist verrückt, empfinden und handeln zu wollen, an die geheimnisvolle Kraft der Herzen zu appellieren, statt zu kuschen." Kleist steckt lein Manuskript zu sich. „Das Geldschinden, Ducken und Leben im Hofen- sack ist richtiger." Der Herr wendet sich zum Redaktionsfaktotum, das am Stehpult die französischen Zeitungen ausschneidet. „Der Dichter verstebl nichts," spricht der Abgewiesene, „die Welthändel sind eine Wett tut sich sie haben mit der menschlichen Seele und ihren Rätseln nichts zu schaffen. Ihr braucht keine nationale Poesie" Er nimmt seinen chul. „Der Dichter legt die Leier aus den Händen", spricht Kleist freundlich,^ „er schließt sein Lied, er wünscht mit ihm zu enden. Gesegnete Mahlzeit _ er nickt vor sich hin. ..Schlagt uns tot, das Weltgericht fragt euch nach den Gründen nicht. A Dieu." (Fortsetzung folgt.' s» iS, purh Brüder" ruft Fichte „die Menfchenpslicht ist nicht Ruhe, Kampf ist^l'e'^Ewiger LM'mpf in EwAkei^ Trefft die Ent che.dung!" Fichte fentt den Kopf: er verläßt, den Kopf vorgestellt, den Saal. Auf dem schwarzen Brett vor der Universität in Jena klebt eine Auf- forb'’Snb"« ®ör3utUnft Europas seid ihr Studenten, feiert den Geburtstag Napoleons des Großen! Sein Name erfüllt die Welt mit Glanz Europa liegt vor ihm im Staube. Ein vergilbter Druck- zettel ist unter'die Proklamation genagelt, des Freiherrn vom Stein ^lechtungsdekret. „Le nomme Stein ist zum Feinde Frankreichs und Rbeinbmides erklärt, weil er Unruhen in Deutschland zu erregen versuch bat Besagter Stein ist vogelfrei, er kann von jedem Gutgesinnten sofort zur Ha t gebracht werden! 10 000 Taler stehen als Prämie auf fernem Kopf" Mit verstellter junger aufbegehrender Schrift >st darunter geschrieben: „Wenn endlich die Totenfeier des Tyrannen ist, wird jeher oon uns gern um seinen Galgen tanzen. Pereat Napoleon! In weitem Bogen gehen die Jenenser am schwarzen Brette vorbei. Die ^andsmann- f di öfter eilen durch die Türen der Universität em und aus, als sahen sie die Zettel nicht; in allen Herbergen und Ordensheimen sind Hausdurch- fijchunoen 9Zicmcinb n)ßif3, fügt bic 2^ätcr finb. , . . I Hoch oben auf einer Studenbude fingen frisch em Mann und em Mädchen zum Klimperklang ihrer Gitarre: „Es sitzt fei—nc Kro—ne so fest, so hoch. Der mu—tige Sprin-ger er—reicht sie doch! Und se—tzet ihr nicht da—as Leben ein, Ni—e wird euch das Le—den ge—wo—on nen sein! >" !-°> l*r »i™ sä" as; »u w. un° ,u b.. Gut" Ipridfl großzügig der Andere, nach überwundener Bestürzung. Zugegeben aber .." sieghaft hebt er den Zeigefinger. „Unsere Studenten9 dürfen niemals die Vorlesungen sprengen d,e ein Verehrer des Kaisers hält! Das ist gegen die Freiheit der Wissenschaft! „Warum nicht? Wenn sie die Macht dazu haben? Macht ist ehrlos! Der Studiosus darf seine Prlvatmemung haben ja aber: er darf niemals des anderen Meinung dadurch stören! Das ist ""^Snebelt Napoleon unsere Meinung privat oder öffentlich? Ich finde, -r tut es sehr öffentlich l Ist das nicht auch unmenschlich und wider das göttliche Recht?" „Das gebe ich ... vielleicht ... zu. "Das Menschliche muß über dem Nationalen stehen! „Ich bin innig erfreut, Kollega, diese Erkenntnis endlich von Ihnen zu vernehmen." _ u Darum ist der Napoleon ein Schuft! Darum ist jeder, der 'hm hilft, ein "Schuft! Seine Brutalität ist gegen die Menschenrechtes Sie sind also auch der Meinung, dah Napoleons Macht zerbrechlich ist? Um Sott’ Wann hätte ich das gesagt? Sie können einen ängstigen! Gott schütze mich!" Der Prosessor machte eine verwirrte Drehung, seine Rockschötze flattern. „Sie sind furchtbar! A Dien, A Dieu, Verehrter! Ich 'alviere mich." t „ „Sanfte Ruhe, Herr Professor der Logik. * Ich plädiere", spricht ein Advokat vor der französischen Spezial- kom'miision, „ich plädiere, das angeklagte Brüderpaar nicht als Opfer anziisehen, das die Politik verlangt. Ich will hoffen, dah noch kein Urteil die er Art im hohen Gerichtshof gefaßt ist, auf Rechnung der beiden unglücklichen Angeklagten. Diese begingen kein Unrecht, meine Herren sie vertrauten dem Manne, der sich ihnen als ihr Freund attachierte. Die Angeklagten sprachen bloß zu dem Ankläger von der Not des Vaterlandes er gab sich als Landsmann aus, sie konnten nicht wissen, dah er mit' feinen Gesprächen die Absicht verband, sie auszuholen und dann für Geld zu denunzieren! Das allein ist geschehen! Was taten die Angeklagten» Meine Herren! sie behausten und unterstützten ihren Gast- freund, sie gaben in ihren Gesprächen der Hoffnung Ausdruck, daß ihr Vaterland wieder einmal frei und mächtig würde." Starr, ablehnend find di- Gesichter der französischen Offiziere. „Das ist kein Verbrechen!" ruft er'chrocken der Advokat. „Das Gleiche sagten und danach handelten doch auch die Fürsten! Die jetzt Kaiser Napoleon so enge verbunden sind! Zeigten die deutschen Fürsten vielleicht nicht Aergeres durch die Tat, als sie seinerzeit gegen Kaiser Napoleon fochten? Sie kämpften, weil sie ihre Länder selbständig regieren wollten. Es mag ein Irrtum gewesen 'ein. eine Fehlansicht, gewih, aber: was den Fürsten erlaubt war, was nom Kaller dort nicht bestraft wurde, das kann kein Verbrechen bei den Angeklagten fein! Gleiches Recht gilt für alle Menschen. Bedenken Sie, in welches Unglück die Angeklagten bereits dureb die Konfiskation ihrer sämtlichen irdischen Güter gestürzt sind! Sie fitzen schon monatelang im Kerker, sollen die Tränen ihrer Familienangehörigen nach verstärkt werden? Das kann nicht Ihr Wunsch sein» Welche« traurige Beispiel, welche furchtbar demoralisierende Folge mühte hernorfpringen, wenn Sie die Angeklagten schuldig sprächen? Treue, Hllfebereitschaft, Freundschaft, das erste Gut der Menschen, würde dadurch mm gemeinsten Mittel des Verrats heruntergedrückt. Niemand fände daun mehr den Mut, in feinen eigenen vier Wänden das zu sagen, was er fühlt! Nie haben die Angeklagten gegen ein Gesetz, gegen eine Verordnung gefehlt! Wären die Angeklagten ihren Verpflichtungen gegen den Staat nicht nachgekommen, hätten sie von Widerstand gesprochen oder dazu aufgerufen, hätten sie Drohungen heimlich gemünzt selbst dann meine Herren, fänden sicherlich Ihr «charfsmn und Ihre ®ered;- trat eit milderndes Verständnis für die Unglücklichen, fo aber: ifon foldjen Binnen ist nie die Rede gewesen! Die Angeklagten gaben lediglich ihrem Schmerze Ausdruck, sie hofften auf Gott! Dies kann den Angeklagten nicht als Beleidigung Frankreichs ausgelegt werden! Gott, meine Herren, gehört allen Menschen und allen Nationen, vornehmlich den unglücklichen Nationen! Ruft nicht jeder Feldherr vor der Schlacht Gott an? Dazu hat jedermann das Recht, meine Herren! Gott zeigt doch jo erficht ich, daß er auf Ihrer Seite steht. Sempeln Sie den Irrtum der Angeklagten, daß sie meinten, Gott würde ihnen helfen, nicht als Verbrechen. Ich bitte Sie darum! Das Urteil steht Gott zu! Ueberlasfen Sie ihm bie Recht- fprechung, meine Herren, sprechen Sie für die Jrdifchkett die beiden Angeklagten, für die kurze Zeit des Lebens, die den beiden bejahrten Angeklagten noch bevorfteht, frei! Ich bitte Sie inständigst darum! „Ich beantrage Anwendung der Todesstrafe binnen vierundzwanzig ^"Entscheidet die hohe Kommission im Sinne dieses Antrages?" Die Köpfe nicken. Der Stab ist gebrochen. Gebeugt, zitternd fammett der Advokat feine Papiere auf dem Tisch vor sich zusanimen. Der Vorsitzende tritt an den Verteidiger heran. „Sie haben sich sehr geschadet, mein Bester", spricht der Oberst Ick, erfülle nur meine Menschenpflicht! _ "Verhaftet ihn, er predigt Revolution! Holt die Angeklagten! Zur Verkündigung des Urteils!" * Ein Kunsthändler steht im Schaufenster feines Geschäftes. Er hängt Stiche an einen Strick; sie zeigen die Burg Jaxthaufen^des Ritters Gotz mit dem Text: „Es werden Zeiten kommen, da die Gottlofen regieren und die Gerechten in ihre Stricke fallen." Wortlos sehen Manner und Frauen auf der Straße dem Kunsthändler-zu. Er richte sich auf, ferne Frau reicht ihm eine Papptafel, mit Nachdruck stellt er sie m die Mitte des Schaufensters, ganz vorne hin, wo die aufgeklappte Glasscheibe anschließt, Es ist ein schön gemalter Spruch; die Manner und Frauen lesen: „Ihr müßt aus all den tausend Schädeln — der patriotischen von ihm erschlagnen Edeln — Ein prächtig Mausoleum baun In dessen Mitte steht, grotesk aus Stein gehaun — der größte xtger mit gefrontem Haupt, — In seinen Klau'n ein flamm, nach dem sein Blutdurst schnaubt. — Rings an der Knochenwand in grauenvollem Kreis — Laßt bann von Witwen-Mark und ausgepreßtem Schweiß — Zehntausend Lüster-Lampen brennen — Die Nachwelt wirb ihn ohne Inschrift fen"Damit ist natürlich nicht der Kaiser Napoleon gemeint!" spricht auf- klärend der Kunsthändler zu den Menschen vor seinem Gaben „Damit ist ber Haß gemeint, ber bie Menschheit zerreißt. Ich gebe diese Kunst- blätter gratis ab, um bie Nation zum Nötigen zu erziehen. Ich bitte, biefe Blatter zu verlangen." Das Fenster klappt zu; still treten Manner unb Frauen in ben Laben, sie verlangen bas Gratis-Blatt.