Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger Jahrgang 1954 Freitag, den 10. August Nummer 61 Die Stadt. Von Theodor Storm. Am grauen Strand, am grauen Meer Und seitab liegt die Stadt; Der Nebel drückt die Dächer schwer. Und durch die Stille braust das Meer Eintönig um die Stadt. Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai Kein Vogel ohn Unterlaß; Die Wandergans mit hartem Schrei Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei. Am Strande weht das Gras. Doch hängt mein ganzes Herz an dir. Du graue Stadt am Meer; Der Jugend Zauber für und für Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir, Du graue Stadt am Meer. De Fahrt zurück. Von Friedrich Griese. Diese Fahrt zurück ist, bei ernsthafter Absicht, schneller getan, als man 15 sich am täglichen Tag eingesteht. Auf das letzte gesehen, ist dazu nur nötig, daß man sich einiger besonders eindringlicher Spätfrühlingstage des vorigen Jahres erinnert, daraufhin die Strecke von Kiel bis in die Heimat, die südwestliche Ecke Mecklenburgs, hinter sich bringt — und die ^ahrt zurück ist auf diese Weise schon weit über ihren Beginn hinaus- xekornmen. Wenn man da angelangt ist, gibt es vorläufig nichts Wichtigeres als die Frage, ob der alte Lorenz noch lebt. Und es kommt, wie es zu erwarten war: Lorenz lebt. Seit Jahren hält sich der Tod zwar in [einer nächsten Nähe auf, Lorenz aber beachtet ihn gar nicht; auf diese Slrt hat er es fertig bekommen, einfach noch so am Leben zu bleiben, fr kümmert jedoch nicht hin, mit zahnlosem Munde und b!md und taub; Md so spricht er an unserem ersten gemeinsamen Frühlingstag dieses Wahres mit mir über die Verkehrsmittel. Ich erzähle ihm von den Förde- Lunpfern, die zwischen Kiel und Laboe fahren und die, wie man hort, in diesem Sommer ihre Schnelligkeit erhöhen sollen; andere sagen freilich, ins; gewichtige Gründe gegen diese Maßnahme sprechen, aber wie es tun auch sein mag, wenn man sie alle miteinander auf ihren Ursprung betrachtet: Im Grunde war das eine Fahrzeug schon im vorhergehenden drin, man hat es nur nicht im rechten Augenblick erfahren. „In den nächsten Wochen sollen sogar die Dörfer hier angeflogen werden", sagt Lorenz, und er ist nicht im geringsten erstaunt darüber, fann wird also der, der Lust hat und es bezahlen kann, einmal für einige Minuten auffteigen, seinen Hof unter sich lassen und seine Wiesen betrachten, ob die nach einem so kalten und trockenen Maimonat von Oben her vielleicht ein wenig fröhlicher aussehen. Manche alte Mutter wird bann vor der Tür ihres Häuschens stehen, den Himmel mit allem liranherum besehen, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber danach wird sie unverweilt an ihre weitere Tagesarbeit gehen. „Wir sollen hier nun auch eine Reichsstraße haben, gerade wir , sagt Lorenz, „hast du davon gehört?" Vielleicht habe ich schon davon gehört; Lorenz läßt sich aber nicht weiter darauf ein, er findet das ganz in der Ordnung. „Hier ist nämlich and) einmal die erste Landesbahn gebaut worden", sagt er. Und ]o erfahre ich also, warum er heute mit mir gerade über Fahrzeuge spricht. Lorenz ist das Buch der ganzen Gegend; alles, was sich hier in feiner Lebenszeit zugetragen hat, hat er erlebt, und alles, was er erlebt hat, hat er in feinem Kopf ausgeschrieben. Hier wurde allo die erste Landesbahn gebaut. Es war nicht gerade die erste, die war schon gebaut, von den Preußen natürlich, und sie sihrten sie ein Ende durch diese Ecke Mecklenburgs. Aber die Leute von damals waren vorsichtig, sie ließen diese Bahn weit an den kleinen (Hübten hier vorbeigehen; es gab im Sommer Kuhweiben. spielende Linder, Gänseherben, Schafäcker, und außerdem mußte die Stadt bald OL-rroüftet und dem Erdboden gleichgemacht fein, wenn täglich einmal dic>s rasende Ungetüm sie Heimsuchen sollte. . Später baute das Land bann also seine eigene Bahn; wenn schon olles zugrunbe gehen sollte, bann sollte bas wenigstens bunt) bie Hand . der eigenen Lanbeskinder geschehen. Alles vorausgesagte Unglück trat freilich nicht sogleich ein, dafür hatte aber die Bahn selber mancherlei zu bestehen. Im Winter verlief alles ganz ordentlich, mutig fuhren die Männer auf der Maschine ihre Strecke herunter, sie hatten Güterwagen an Ort und Stelle zu bringen, Menschen vertrauten sich diesem Fluch nicht an. So gingen die kalten Monate also hin. „Im Frühling wurde alles anders", sagt Lorenz; „stelle dir die Strecke einmal vor, sie wird heute ja noch befahren." Ich stelle sie mir also vor, ich kenne sie ja. Ueberall zu beiden Seiten liegen Aecker und Felder und vor allem die Viehweiden. Und hier, gerade hier, trat damals zu jeder Stunde, wenn die Maschine sich vorfühlte, der Bulle von feiner Herde weg und betrachtete, was da langsam herankam. Er hatte es nicht eilig, stand mit erhobenem K, pf, schnaubte ein paarmal zornig und zuletzt trat er zwischen bie Schienen. Da war er also roieber. Der Führer auf ber Maschine kannte ihn schon, er hielt an, pfiff ein paarmal, ließ Dampf ab, setzte sich in Bewegung, aber bas Tier kam nicht im minbeften in Angst, es stand da, senkte den Kopf und schnaubte. Daraufhin ließ ber Führer ben Zug rückwärts gehen, der Bulle wartete eine Weile, trabte bann ab unb ging zu feiner Herbe zurück. Nun kam ber Zug ganz vorsichtig unb leise roieber in Bewegung, er wollte sich an ber Herbe vorbeischleichen, aber er hatte nicht mit ber Aufmerksamkeit biefes fünbhaft aussätzigen Burschen gerechnet; ber kam abermals heran, und nun würde er nicht wieder gehen. Breitbeinig stand er zwischen dem Gleis, ben Kopf noch tiefer gesenkt unb bereit, alles, was ba herankommen würbe, aus bie Hörner zu nehmen unb burch bie Luft zu wirbeln. Es blie'' den Leuten auf ber Maschine nichts anderes übrig, sie mutzten noch einmal anhalten, Schaufel unb Haken nehmen unb von ihrem Platz herunterfteigen. Was er von Menschen zu erwarten hatte, wußte ber Bulle, ein Mürber wollte er nicht fein, er schnaubte noch einmal unb trottete bann ab, seine Herbe wartete schon auf ihn. Der eine von ben Männern blieb mit bem Haken auf dem Gleis, der andere stieg auf die Maschine, unb bann setzte sich ber Zug hinter bem Mann in Bewegung. Das Tier sah herüber, besah sich ben Haken in ber Hanb bes Mannes, senkte ben Kopf unb fraß bann. Wenn ber ganze Zug hinter bem kleinen Hügel verschwunben war, stieg ber Mann auf, unb nun war biefer tägliche Ueberfall roieber überftanben. Später kam natürlich bie Zeit, ba ber eine ober anbere Dorfmensch sich biesem Beförberungsmittel boch anvertraute. „Am ehesten waren natürlich bie Frauen babei", sagte Lorenz, „unb ba wieder waren es bie alten. Sie sind neugierig, sie müssen alles wissen. Ja, da konnte es geschehen, baß in ber menschenreichsten Zeit zuweilen jebe Woche eine von biefen alten Dorffrauen auf ben Zug stieg. Unb babei wäre benn auch einmal fast ein richtiges Unglück geschehen." Wenn ich Lorenz, biesem alten Dorfmenschen mit bem lebenbigen Buch in seinem Kopf, glauben will, hat sich das Ereignis folgendermaßen zugetragen: Da die Leute auf dem Zug ja fast immer nur Güterwagen hinter sich hakten, brauchten sie ben Dingen keine große Aufmerksamkeit zu schenken. Sie wußten, wo neue Güter mitzunehmen ober andere abzusetzen waren, da hielten sie bann an, im übrigen aber sausten sie ohne Sorge um ben Erbball. Unb ba ihre Maschine ein gutes, braves Haustier war, bas ihnen nicht aus lauter Mutwillen bavonlief, kamen alle brei zusammen: Der Führer, ber Heizer unb ber Schaffner, ben sie immer für alle Fälle Mitnahmen; sie setzten sich auf ber Maschine zusammen und spielten unter Gottes Schutz einen Schafskopf. Sie hatten es ja nicht besonders geräumig, dafür war es aber auch kein aufregendes Spiel, unb alles lief immer gut aus. Wenn bie Maschine nicht mehr mochte, sagte sie bas zu rechter Zeit an; ber eine von ihnen — immer ber, ber gern ein wenig Pause machte, weil ihm seine Karte zum Erbarmen geraten war — füllte neuen Vorrat nach, unb bann lief sie roieber. An einem Tage luben sie auch roieber einmal ein Dorfmütterchen auf. Sie sagte orbentlich Bescheib, wohin sie wollte, bekam ihren Schein unb bann nahm die Maschine ihre Reise durch den Erdteil wieder auf. Der Schaffner ging nach vorne, der Heizer und der Führer warteten schon, und alle drei fuhren in dem ununterbrochenen Spiel fort. „Nun stelle dir die Strecke einmal vor", sagt Lorenz, „da können alle möglichen Dinge vorgehen." Ich stellte mir also die Strecke, wie Lorenz wollte, noch einmal vor. Hier ein Dörfchen, drüben ein Dorf und in der Ferne ein Städtchen. An der einen Stelle steht der Schäfer vor seiner Herde, er strickt, jein Hund läuft um die Herde herum, damit keins von ben Tieren abseits geht, unb ber Schäfer hängt bei feinem Stricken vielerlei Gebauten nach. Weiter hinüber ist eine Pferbeweibe, bie Fohlen laufen heran, werfen ben Kopf auf, schütteln bie Mähne unb stieben ab wie ein Spuk um sagte er um das muhten, daraus sprach: „Sagen Sie man ja nichts; wir sind nämlich entgleist." Dabei deutete er mit der Hand nach draußen hin, wo der Schnee weich und wollig und dick genug lag und alle Unbenheiten deckte. In dieser Weise kann es einem also ergehen, wenn man im Spät- srühling die Fahrt zurück in die Heimat macht, wo noch ein alter Lorenz lebt, dem der Tod an jedem Abend zuwinkt, der das aber sorglos übersieht und auf diese Art einfach noch so am Leben geblieben ist. „Und nun wollen sie in der nächsten Zeit unsere Dörfer hier anfliegen", sagt er und sieht mich mit seinem täglichen Gesicht und keineswegs erstaunt an. Ja, das wird geschehen; irgendeine alte Mutter wird sich dann die Freude am Himmel besehen, beide Hände über dem Kopf zusammenschlagen, und dann wird sie sich unverweilt an ihre weitere Tagesarbeit machen. Der Schaffner erschrak in seine Seele hinein, und dann beugte er sich zu dem Mann hinab und fragte ihn leise, ob er ihm etwas auf Schweigeversprechen anvertrauen könne. Das bejahte der Mann. Daraufhin beugte sich der Schaffner noch tiefer zu ihm hinunter, bann 1 k" — und das war eine sehr schöne Antwort, weil alle Sorgen Wohl der ihm Anvertrauten, die von der Gesahr noch nichts „Ich könnte dir auch noch die andere Sache berichten", sagt Lorenz, „aber die halte ich für übertrieben." Und er spricht von einem der späteren Jahre dieser Bahn, als schon mehrere Menschen täglich mit ihr eine Reise unternahmen. Da war einmal einer dabei, der kannte die Bahn. Es war abends und Winter, draußen war es dunkel, nur der Schnee, der hoch und weich lag, hellte ein wenig. Als der Schaffner in den Wagen trat, hielt dieser Mann ihn an. Er erinnerte sich an frühere Fahrten, und er fragte, warum denn an diesem Abend die Bahn so sachte und ohne Ruck und Stoß laufe. „Ihr hattet hier doch sonst Steine unter den Rädern", sagte er. Mitternacht. Hier wird eine Wiese gemäht, und drüben pflügt man Brachacker. WerM ein Bach in der Nähe ist, bollert und singt er em wenig und ohne große Sorge um den Lauf der Dinge; seine Reise verläuft auf einem natürlichen Wege, und er braucht einem loschen künstlichen Fahrzeug wahrhaftig nicht auszuweichen. Wenn aber ein Wald m der Nähe ist oder der Zug eilt gar unter seinen Kronen hindurch, bann rauscht unb saust er unb hat es nicht im minbeften eiliger als Die ganze Übrige Tageszeit auch. Unb roieber ein Dorf; Hunde, die neben ber Maschine herlausen unb sie ohne falsche Scham überholen ober, wenn sie ber Erscheinung keine so große Bebeutung mehr beilegen, neben ihr herlaufen, Kinder,' bie starr herübersehen, eine alte Mutter, bie schnell Türen unb Kellerklappen schließt, ein Huhn, bas gackernd vor ber Maschine über bas Geleise kreuzt unb zornig hinterherschilt. Ein solches Gelänbe also burcheilt ber Zug, und hin und wieder tut einer der drei Männer einen Blick hinaus: es ist die Heimat, die sie auf biefe Weise einmal täglich von West nach Ost, am anbern Tag von Ost nach West burchmessen. Dann aber hören sie es im Wagen hinter ber Maschine ebenfalls schelten. Der Schaffner fährt verstört hoch: Sie haben vergessen, bie alte Mutter abzusetzen. Sie selbst hat wahrscheinlich ihren Reiseort em wenig verträumt, nun ist sie es gewahr geworben, und da sagt sie es laut genug. Der Führer tut sogleich, was er tun kann: er bringt die Maschine zum Stehen, der Schaffner begibt sich zu seinem Fahrgast und verspricht, daß sie ihn beim nächsten Dorf absetzen wollen. Das ist ber alten Mutter aber in ber Seele zuwider. Sie kennt nur Wagen, bie ba anhalten, wo jemanb absteigen will, keineswegs solche, bie erst beim nächsten Dorf ben Haltepunkt haben. Sie sagt bas völlig beutlid), unb sie will, bah man sie auf ber Stelle 3urutfbringt, mag barüber auch bie ganze Drbnung aufgelöst werben. Sie ist auf ber ftabrt zu einer Taufe, unb sie will keineswegs bie Feier anfgeben, ym andern Falle wird sie bis zum nächsten Dorf fchelten ur^ da wird sie allen Leuten bekanntgegeben, auf welche hinterhältige Weife man sie betrogen hat. Nach einer Weile ruckt der ganze Zug an, saust mm in rückwärtiger Fahrt ab und bringt bas Mütterchen bahin, wo bie Tausgesellschast nun wahrscheinlich schon wartet unb im Geiste alles mögliche Unheil voraussieht. Auf biefe Weife wäre also, nach ben Worten bes alten Lorenz, Damals fast ein Unglück geschehen, unb nur bie Umsicht unb Entschlußkraft ber Männer auf ber Mafchine hat es verhütet. Unb nun", sagt Lorenz unb folgt habet seinem Buch, „stelle bir auch einmal ben Berg vor, bu weißt schon, ben ba hinten, ber so langsam ansteigt; ber ist bas tägliche Kreuz bes Schaffners gewesen." Unb Lorenz berichtet von biefem Berg, unb er sagt, baß jedesmal eine Weile vorher sich der Schaffner in seinen Wagen zuruckgezogen hat. Er tat nichts, horchte nur nach vorn auf die Maschine, und wenn es in ihr zu rumoren und zu stöhnen anfing, bann wußte er, baß nun roieber ber Teufel los war. Er faltete bie Hänbe, horchte abermals unb bann sagte er: „Sie kommt nicht hinüber, ber Berg ist verhext, er wehrt sich." Unb bann kam es auch so, gerabe so; ber Berg wehrte sich, er war wirklich verhext. Nach einer Weile ftanb bie Maschine still, holte tief Atem, schüttelte sich unb barauf lief sie langsam zurück. Sie hielt an, sammelte alle Kräfte unb schnob roieber vor. Meistens gelang es ihr aber auch beim zweiten Mal noch nicht. Dreimal loben alle guten Geister Gott ben Herrn; unb beim britten Male zeigte sie bann auch ihre Starke unb ben Willen, keiner noch so starken Hexerei zu weichen. Sie klomm ben Berg hinan, sie überroanb bie unheimlichen Kräfte, oben fah sie zurück, pfiff laut unb sieghaft, unb bann ftanb ber Schaffner von feinem Behüteplatz auf, faltete bie Hänbe auseinander und fah zum Fenster hinaus, wo bas Lanb nun roieber eben unb gesegnet vor (einen Blicken lag. Zwischen Bayreuth, Heidelberg und Oberammergau. Wesen und Wege einer neuen Theakerform. Von Ernst Wesner. Die Wallfahrer bes Theaters sind in diesem Sommer fleißig unter, roegs. Seit Monaten schon find sie überhäuft mit Pflichten, seit ber Pfingstzeit spielen bereits im Lande die Bühnen, deren Namen Begriff« qcroorben sind. Oberammergau eröffnete biesmal ben Reigen jener großen Spiele, bie ihre Befucher nicht eher entlaßen, als bis fit unter bem Einbruck bes Spiels eine eigene Stellung genommen haben. Dann begann eine Reihe von Festfpielplätzen mit ben vorgesehenen Auf sührungen; zeitlich setzten zwar bie Fran k f u r t e r 0 e ft f p i e l e a u| bem Römerberg eher ein, aber ber Nachbruck lag doch auf ben Abenben, bie von bem Reichssestspielplatzin $) e i b e l b e r g veranstaltet mürben. Enblich erging der Ruf ?on Bayreuth an alle Freunde bes Wagner-Erbes; biefe ebenfo wie bas Passtonsspiel von Oberammergau in aller Welt bekannte Spielfolge nimmt im beutfrfjen Theaierroefen eine Sonberftellung ein, bie unbestritten ist. Denn ber Gebaute von Bayreuth wirb vorerst keiner Wiederholung bedürfen, weil noch kein Werk der Neueren unter den Dichtern und Komponisten von gleich tiefer Weltwirkung ist als das von Richard Wagner. Eher liehe sich der Gedanke verwirklichen, für den Drama, tifer Schiller eine Festspielbühne zu errichten als für Gerhari Hauptmann, eher konnten wir für Beethoven eine Statte des Gedenkens durch die künstlerische Tat bauen als für Richard totrauf). Das mag hart klingen, ist aber einstweilen noch gerechtfertigt, so langt jedenfalls, bis wieder einmal ein künstlerisches Genie, auf deutschem Boden heimatberechtigt, alle Fesseln sprengt, die der Kunst von ben Theoretikern umgelegt worden sind Wenn wir überhaupt einen Augenblick diesen Gedanken überlegt haben, so liegt die Veranlassung keineswegs darin, daß wir etwa jagen wollten, Deutschland besäße noch nicht genügend Festspielstätten und Thingplätze. Was beispielsweise an neuzuerrichtenden Thingplatzen g«. plant ist und zum Teil bereits sich im Bau befindet, darf als so überaus reichlich bezeichnet werden, daß eher vielleicht die Frage berechtigt märe, ob hier nicht züviel des Guten getan wird. Aber es wäre müßig, Ijeult schon zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Solange die Thingplätze ihr« eigentlichen Aufgabe treu bleiben werden, ein Fest- und Weihespiel fui bie engere Umgebung, für ben örtlich begrenzten Teil ber Heimat 311 verwirklichen, kann von einem Zuviel nicht bie Rebe fein. Erst roenn bie künstlerische Leitung bes Thingspiels ben Griff nach ben Sternrn tun würbe, wenn sie im engen Rahmen ber eigenen Möglichkeiten sich zu hohe Aufgaben stellte, um mit Laienspielern nach ber Erfüllung 311. trachten, wäre bie klare Abgrenzung ber Spielpläne zwischen Festspiel unb Thingstätte notroenbig. Denn bas soll klar herausgeschält werben: Das Thingsp 1 el legi. Den Laienspieler ein, um Der Allgemeinheit künstlerische Werte zu oer- Mitteln. Das ortsgebunDene Festspiel Dagegen soll Den Künstler heran., ziehen, Der aus seinem Beruf unD seiner Berufung Die überwältigen! hohe Ausgabe kennt unb ihr gewachsen ist. In Diesem Bereich Der fünft” lerifdjen Betätigung roirD Der Laienspieler in bie Reihe bes Chors zu., rücktreten. Nie wirb ber Laienspieler ben künstlerischen Anforderungen. Des Festspiels gerecht roerDen können. Sein Platz ist im Chor, was nidji: etwa eine Degraöierung beöeutet. Es soll jeöer Dorthin gestellt werden, wo er seine beste Leistung geben kann. Festspielstätte unb Thingplätze haben also Aufgaben, bie sich stall, ooneinanber unterfcheiben, bie sich nie überschneiben bürfen. Es läßt sich zu unserer Genugtuung aus ben bisherigen Beobachtungen über bin künstlerische Wirksamkeit biefer Theatersormen unserer Zeit berichten,, baß Verstoße gegen biefe ungeschriebenen Gesetze nicht begangen worden, sind. Wenn bie Möglichkeit berartiger Gefahren gegeben ist, so wird sch wahrscheinlich erst später heraufbeschworen werben können, weil bin Thingstätten noch um bie Erfüllung ihrer Aufgaben ringen. Ehe jedoqi ein Streit einsetzen wirb, bürste es uns wohl gelungen sein, bie Greu- zen ber künstlerischen Betätigungsgebiete beiber Einrichtungen so tlaf abzuzeichnen, baß Abweichungen sich von selbst verbieten. Was bie Festspieltheater im Reiche sollen, hat Heibelberg be- reits mustergültig gezeigt. Anbere Festspielbühnen erfüllten ihre Au,., gaben aus ben Gesetzen heraus, bie sie sich selbst gaben; es gereich! ihnen zur hohen Ehre, baß sie ihre Ziele weitsteckten unb auch bie innere Kraft bazu besaßen, baß Angestrebte zu verwirklichen. Die Festspielbuhne als Freilicht-, als Naturtheater hat es bann befonbers schwer, wenn sie in ber Nähe einer gut geleiteten Theaterstabt liegt. Dann wirb sie unvergleichlich Starkes unb Großes leisten müssen, roenn nicht bie verwöhnten Zuschauer auf ben Besuch verzichten sollen. Es ist bem Publikum sicher nicht zu Derbenten, baß es lieber eine künstlerisch hochwertig!! Ausführung im geschlossenen Theater als eine von gutem Willen erfüllte, aber nicht mit ber erforderlichen künstlerischen Gestaltungskra|ii durchgeführte Freilichttheater-Vorstellung besucht. Unsere deutschen Festspielbühnen haben ihren Sinn und ihre Aufgabe erst bann erfüllt, roenn sie zu künstlerischen Wallfahrtsstätten werben. Dazu genügt aber nicht bas vielleicht lanbschaftlich überaus reif- voll ober baulich ungemein romantische Plätzchen im Freien, sondern« erforderlich ist vielmehr der auserlesene, durchdachte und angepaßte Spiel- plan und der Einsatz der großen, den Durchschnitt überragenden fiunftiro und Gestalter. Zwischen Bayreuth, Oberammergau unb Heidelberg gibt es fernem Wettkampf; jeder dieser außergewöhnlichen Theaterplätze leistet sein^ Pflicht nach den besonderen Gesetzen seiner Bestimmung, Bayreuth erfüllt feine nationale Aufgabe und hat dabei das Ohr der Welt, we> es ein besonderes Werk auf besondere Weise durch überragende SraJ ber Oper einsetzt. Oberammergau weicht mit seinen dreihundert 3eute wo die andern weder Zeit noch Geld noch Wände haben, um sich Bilder aufzuhängen, gehört ein ehrlicher Borstenpinsel bloß noch in die Faust ganz Eigensinniger und Eigenwilliger... Sie war ein bißchen unser oller Schicksal, scheint mir, eine Art Urgeschöpf, die Gugernella. Aber es ist nicht alles Glück, was glänzt und schon ist. „Etwas langer Satz, Dag." . ,, .Ziemlich lang," gab Dag zu. „Ich wünschte, em bißchen was Brauchbares und Nützliches zu arbeiten..." Er drückte wieder versonnen die Äand. „Genau das, Barby: mittenmang zwischen den andern, richtig und fest aus hartem Lebensgrund und schlichter, rauher Erdkruste. Verstehen Sie das? Sicher. Und nun bin ich tiefer und glatter hlneln- aeraten, als ich jemals zu erwarten wagte, ein emsig dampfender Ar- beitsmann. Sehr gut! Ich vertrage mich immer leidlich mit dem Leben; ich bin auch kein aufgeregter Mensch, der mit dem Kopf gegen die Wände rennt. Aber ich bin kein Windhund, Barby." „Nein, Dag." Er drückte die Hand dankbar, ziemlich innig. „Aber sehn Sie, Barby, mir ist jetzt eins klar, in dieser Stunde besonders klar geworden: Wenn Barby Pick nicht gewesen wäre, bann wär' es vielleicht doch nicht ^o ... Er stand langsam auf und trat in die kleine Verandaöffnung, pflückte draußen eine Blume und legte sie in Barbys Hand. „Barby, ich habe Sie schrecklich gern. Keine große Neuigkeit... Aber, wissen Sie, ich habe mich seit ungefähr zehn Jahren immer mal ernsthaft verlieben wollen. Es gab niemals einen zureichenden Grund. Das mnjj einen Sinn gehabt haben. Glauben Sie an so was?" „Das Schicksal hat wohl andres zu tun." Sie spielte mit der Blume. Er legte seine Hand auf ihre Hand. „Ich habe bestimmt nichts lieber als Sie, Barby. Ihrem Papa, der von Anfang an eine scharfe Pupille auf mich hatte, wird es nicht recht [ein. Ich kann ihm nicht helfen." „Und Mutter?" fragte sie, als habe sie an nichts andres gedacht. „Mutter fpürt, was an jedem dran ist, und hat mich riesig gern." „Sie sagte mir einmal: ,Sei vorsichtig! " „Und Sie lachten, Barby?" „Ja." Ihr hübscher, reifer Mund lachte wieder. „Ich fand Sie manchmal furchtbar komisch, Dag." „So ist es richtig!" Er küßte ihren heißen Mund, legte fest fein Gesicht darauf und ihre Hand an fein Gesicht, der komische Dag. Barby streichelte mit der andern sein geschorenes Haupt. „Merkwürdiges Mädchen! Das gibt mir Heldenmut!" Er zog sie an sich, wie etwas ungeheuer Zerbrechliches. Aber sie kam ihm wieder ruhig mit dem leuchtenden Gesicht und den dunkleren Lippen entgegen. „Dummer Dag!" „Das ist ganz furchtbar ernst, füße Barby!" „Das muh es, glaub' ich, fein, Dag!" XXIV. Ende der Woche regnete es Schnüre; das konnte einen Menschen, den wichtige Geschäfte ins Freie trieben, erbittern. Katarina eilte mit hochgeschlossenem Mantel unter einem viel zu kleinen Schirm dahin. Ihr war heiß im Gehen; nur über den hohen blanken Ueberschuhen spürte sie eine aufreizende feuchte Kühle. Sie hatte vorhin mit Wil am Telephon gesprochen. Sie hätte ihn gern heute zum Tee in der Knesebeckstraße gesehen, um etwas, das ihr am Herzen lag, mit ihm zu bereden. Aber er war grabe heute verhinbert. „Ich erwarte ein halbes Dutzenb Ferngespräche, bie ein bißchen wichtig finb, Kat," hate er bebauert. „Hören Sie, Kat: Ich bin baheim, wissen Sie. Wollen wir bei mir Tee trinken, Kat?" hatte er ernst unb tief gefragt. — So eilig sei es ja nicht; sie habe auch vorher in ber Stabt zu tun... Sie hatte sich vorhin ganz plötzlich zu bem Anruf entschlossen. Nun zögerte sie, zu ihm zu gehen? Sorge — vor Wil? Sie waren inzwischen täglich zusammengewesen, unb Wil, unter feinem trocknen Lächeln nicht grabe ein fügsamer Mensch, hatte sich nicht roieber in alte Erinnerungen verloren ober zu neuen „Efelsfußtritten" veranlaßt gesehen. Katarina hatte jetzt wirklich in ber Stabt zu tun. Sie las mit mur- melnber Stimme ihren Einkaufszettel. Sie hatte ber Welt vergessen. Nach anberthalb Stunben, bie sie mübe gemacht unb alle ihre Nerven erregt hatten unb zittern ließen: „Nein —I" sagte sie, unb ihre Kehle pochte... „Warum nicht?" fragte sie, unb ihre Kehle war noch trockener unb von einer Angst verschnürt... Lu — guter Lu!" betete sie aufrichtig. Der war weit weg unb gehörte jetzt nicht her... Es regnete nicht mehr. Die Straße duftete frisch, unb Katarina atmete beglückt bie Luft ein. Sie wollte unverzüglich heim. Sie nannte bem Fahrer ihre Straße. Es war ein neuer, großer Taxwagen, ber frisch nach Lack unb Leber roch, viel zu rasch unb roenbig auf bem nassen Asphalt, ber große, neue Wagen. So fuhren sie eine Weile gerabeaus. Plötzlich klopfte sie hart unb rasch mit bem Schirmgriff ans Fenster unb gebot bem Fahrer, ben Weg über bie Harbenbergstraße unb ben Steinweg zu nehmen. Es war kein Umweg. Sie wollte ihm bloß, wenn er am Fenller ober auf feinem Balkon stehen unb boch auf sie warten sollte, im Vorbeifahren zu verstehen geben, baß er nicht auf sie warten [olle, und ihm freunbschaftlich zunicken: .Danke bir, Wil!' Ihr Blick suchte, erheitert nach bem Schrecken, bie linke Straßenseite ab. Dort war schon bie Ecke. Ja, ba oben, bicht am Steinplatz, ftanb er wirklich auf feinem lächerlich kleinen Balkon. Sie fah ihn schon von weitem. Langweilte sich vermutlich bei seinen nicht antommenben wichtigen Ferngesprächen? Auch er hatte sie fogleich in bem Wagengewimmel entbedt unb winkte leise unb ernst, als habe er bas alles genau so erwartet. Er beugte sich weit, beängftigenb weit herab, mit feinem verrückt Hellen Haar unb feinen gewaltsam Hellen Augen. Da ließ sie halten. Der Fahrer mußte herausgeben... Also: Sie wollte atü einen Augenblick hinauffahren. .Nein, banke — keinen Tee, lieber WU! Zigarette? Die ist immer erwünscht. Es hanbelt sich roieber um John-m Scribles, Wil. Spllke macht mich verrückt — ich bin es schon. "'ein- Peter steckt nicht mehr bahinter — ist aus bem Weg nach Tölz. Spllke auf eigne Faust, ber ben allmächtigen Vergnügungsmakler gerissen hinhält burch Kabel ober Brief.. „Also noch 'n janzen kleenen Jrofchen!" sagte ber Fahrer hoffnungslos. — ,jiier —!" Sie gab ihm bie brei Grofchen roieber. Sie sah zu Wil hinauf, ber immer noch beängftigenb weit über ber kleinen Eisen- brüftung hing unb gewaltsam herabsah. Sie nickte ihm lachelnb unb inbrünstig zu, so glaubte sie. Sie flieg seltsam schwerfällig aus. Da fiel roieber der Funken in sie hinein, in „angesammeltes Ekraftt , wie Spllke es am Morgen genannt hatte, unb sie erkannte, bah sie m diesem Augenblick alles jagen unb hingeben könne ... Ihre Knie waren jetzt weich. Tu's nicht!... Freiheit — Tanz — Jugenb — fturml$55 Leden — unbezwinglich jung, wie sie selbst, ein Aufruhr, eine rebellische Versäumnis, eine Rückkehr zu sich selbst, ein Erwachen, Hungern unb Darben nach Jugenb, nach sich selbst, ein Zurückfluten unbezwinglich und jung Wil —! dachte sie, ein wenig beschämt unb außer sich. Ach, ber entzauberte Peter, bas war bloß ein ernüchternder Umweg, ein mahnen- ber Wegweiser unb zuletzt ein schlauer Vorwand des Lebens gewesen — unb boch ein Erwecken Freunb Scribles, der diesen allmächtigen Scrid- les für sie lebendig gemacht unb auf bie Beine gebracht hatte... Sie lächelte. Sie wollte über Scribles sprechen? Das war ja Irrsinn! Sie schritt leicht, hoch aufgerichtet, in einer blanken, brennenden Lust, in ihrem brennenden Blut. Doch da wurde sie von einer zarten unb scharfen Stimme mit ihrem Namen gerufen: „Guten Tag, Katarina! Verzeih —1 Du hörtest mich nicht" Es war Nikobem von Glob, ber lächelnbe Vitus-Vetter, ber infolge inbrünstiger Beschäftigung mit Musik reizbare unb gelegentlich zu Raserei geneigte, prinzlich anmutige Herr in grauen Pumphosen. Er ftanb neben ihr, bie Mütze in ber Hanb, sehr blaß unter feinem schwarzen, spitzen Haarpelz. Er war unlängst, wie sie wußte, mit einem Soffer- chen voll in Besessenheit getaner Arbeit wieder gelandet, ausgehungert nach dem Leben ■— sicherlich auch nach Katarina. „Ja? Wohin willst du?" fragte sie verständnislos. Nikodem hob ben Blick unb grüßte ernst zum Balkon hinauf. „Ihr Diener, mein Herr! Das ist Doktor Müncke, der große Weltreporter, wie? Die Mama erzählte mir von bem Herrn. Ich fah euch unlängst im Theater... Ein fröhlicher Mann, prachtvoll hart in Fleisch unb Seele. Ein alter Freunb von bir ?Jugenbgenoß —?" Sein Auge glomm. „Ja: ein alter Freund." . -jri v „Unzweifelhaft, Katarina. Ich bitte dich: Geh jetzt nicht da hinauf! Wenn ich es ausfprechen darf —", sagte er leise unb sah leibenb und noch blasser aus. „Verzeih mir! Louis Hasseibrink — bas ist der Hasen, das ist Tugend und Verstand und noch weitab. Aber das hier —?" grübelte er. „Es ist unerhört und niederträchtig von mir..." Seine Stimme bebte, wie fein Herz unb fein Blut. „Ich weiß nicht, was bu willst"', sagte sie im nächsten Augenblick ruhig, fast gemütlich und traurig. „Unzweifelhaft. Verzeih mir, Katarina!" flehte er zart und leidend. Da steh' ich nun — das ist toll! Ich kann hier nicht stehenbleiben — er ist ein böser Bube! Da oben wartet Wil... Das ist unerträglich! Katarina ftanb schweigend; sie dachte nicht daran, etwas zu erklären, von Tee und Scribles zu reden. Die Spannung der Stunde war mitten durchgerissen. „Das ist unmöglich unb hat mir bie Laune oerborben!" sagte sie kurz, wie zu sich selbst. Sie zuckte nicht mal bie Achsel; sie wandte sich um und ging rasch unb leicht bavon. Nikobem sah ihr, die Mütze in der Hand, mit einem gequälten Zug über bem reifen, hart gepreßten Munb, nach. „Ich werbe noch heute an Dr. Kittel schreiben!" sprach Katarina im Daoongehen erbittert. „Ich werbe roieber unabänderlich mit dem Programm beginnen: Tanzen, tanzen — nichts anderes! Sich selbst gehö- ren, bas ist sehr süß." Sie lächelte. „Man spürt bas eingeborene Gesetz. Sie lehnte ben Kops, ausrufjenb, im Gehen zurück. Sie schloß die Augen, unb ihr Munb zitterte.-- „Verreist — ?" fragte Herr Manfred Spllke, entsetzt, am Telephon. — „Wohin, Frau Kiawinke?" fragte auch Herr Dr. Möncke. — „Die Damen haben es nicht gefügt", berichtete Erika auf Geheiß. „Es ist manchmal so. Ich bin schon bran gewöhnt." — Das war nicht tröstlich ... Wii hatte einen kurzen Brief bekommen: „Lieber Wil! Ich habe etwas Einsamkeit nötig. Ich hätte heute nachmittag gern ein paar Worte über bie ünverbrossen hartnäckigen Spllke unb Scribles mit Ihnen gesprochen. Sie hatten keine Zeit, zu mir zu kommen; aber dann traf ich Vetter Nikobem Glod vorm Haus, ben Musiker; da war es nicht mehr nötig — er gab mir dankenswert einen guten Fingerzeig, so daß ich auf Ihren Fahrstuhl verzichten konnte. Sie sagten mir einmal, daß Sie fest entschlossen feien, im Herbst mal wieder am Lido zu haben. Ein berauschen!) schönes Vorhaben! Ich hätte selbst ganz große Lust bazu. Aber bas geht jetzt nicht. Wie steht es mit Ihnen? Ich verspreche Ihnen, Sie nur manchmal zu beneiden — vorausgesetzt, daß Sie mir eine bunte Karte vom Markusplatz schicken. Herzlichst, aber in Eile — Ihre Kat." XXV. Am vierten Tag nach Katarinas Abreise kam Professor Hasselbrink zurück. Er hatte ungeduldig heimgedrängt; er hatte das verdammte Bummeln und Herumstrolchen satt, auch bas Alleinsein. Es war eine neuartige Forsche, eine ganz ungewöhnliche Nervosität in ihm, bie sich in noch größere Frische umsetzte. Sie hatten beschlossen, gleich nach ber Hochzeit nach Rom zu fahren. Noch so ein Rutsch in bie Welt unb Untätigkeit — aber es geschah mit ber entzückenbsten Frau, bie jeben Tag die Welt neu unb dankbar empfing unb bestaunte: Katarina ohnegleichen... Katarina und die Mama begrüßten ihn in der Knesebeckstraße. Katarina sah müde aus, als habe sie ber Ausflug nach bem Weißen Hirsch 1 angestrengt. War sie krank? Ihre Hände faßten sich kühl an. Aber sie verneinte und sah ihn aufmerksam an. Da geschah etwas Merkwürdiges: Es ging langsam ein warmer roter Hauch über ihr Gesicht, ließ ihre Lippen röter schimmern, wärmte ihre Hände, breitete ein Behagen, eine Zufriedenheit, wieder eine Freude über ihr Gesicht, ihre Brust. (Fortsetzung folgt.1 __ Verantwortlich: l)r. Hcns Thyriot. — Druck unbDerlag:Drühl'scheAnivelsitäts-Duch- unb Sleindruckerei. A. Lange, Gießen.