Auch. i GiesjenerZamilieiibMer £ Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger________ 6 den- )if)rgang 1955" Stell« j, «en 24.8e»ruar ttummeNb rvollen W"1 h einer blumtn Kleider •rfannte ; Schulte haar in [traf- :c über d stand er nie Augen nig ver- ern, da« men jetzt itn sind, hen Hatz Sie mich zt erjah- tnen, an Orchidee vorigen „ßauf Mama 1, Dvl- Wer ich Ms am um jiltz also Am rließ: ich iester der ien Ti!^ viel von ie sch>'K .. aber „E- ist rn noch } geben: g Iah» neu... !ci angio* fliiot unö Frau, di« verlassen ine h-rd' *"S iapogeien Palmen" iS Zucker" ., dornnlii aus de« zu Ehr-« rn Sin«t Ä tuen« Vot*' s? lurrr-d «• Krokus am Fenster. Bon Lina Staab. Noch feine Wolke, die schweifend ins Blaue rudert. Bräunliche Hecken, silbern bereist und bepudert, halten an Hängen im Wald den weihen Winterrest. Noch sind Blätter aus Eis an die Scheiben gepreßt, aber dahinter haben in diesen grauen Tagen Blumen wie Kinder die Augen aufgeschlagen. Lang war die Nacht. Nun konnten sie nicht mehr warten, wollten wach sein im schmalen Fenstergarten. Ach, ihr zierlich Geäderten, bläulich Behauchten, die wie die Kinder so wenig zum Spielen brauchten — mattes Glas, das den Tropfen aus Gold verhüllt, tiefer, zärtlicher Kelch, heimlich mit Süße gefüllt — Bleibe mir hold und offen, schließe dich nicht: Aus deinem Becher trinke ich Lächeln und Hassen und erstes Licht. Eine Fiasche Malaga. Erzählung von Bruno Brehm. Herr de Nointel bewohnte ein überaus schmuckes Palais in der Straße -Claky, am äußersten Ende von Paris: er war Parlamentsrat, stand mit Her Sonne aus und galt als einer der strengsten Richter. Und wie das schon manchmal so bei ganz gerechten Vätern zugeht, hatte dieser strenge "Richter einen Sohn, der nach kurzem Militärdienst seinen Abschied genommen und sich auf nichts anderes verlegt hatte als nach der Mode zu Heben, die Nacht zum Tag zu machen, Geld unter die Leute zu bringen und in der Gesellschaft, die man die gute nennt, zu glänzen. Ende Oktober des Jahres 1721 tarn nun dieser ebenso stattliche wie lleichisinnige junge Mann gegen zwei Uhr nachts heim in seinen Pavillon. Der Chevalier war bester Saune. Er hatte von Chloe einen Brief erhalten, ider in zierlichen Versen darüber klagte, daß der stolzen, kalten Chloe Herz — gleich einem Täubchen durch des bösen Jägers Pfeil — verwundet sei ldurch Dafnis Feuerblick und nicht eher heilen könne; bevor es durch Dafnis Küsse getobt und gestillt werde. m .. rJ , Der junge Chevalier lächelte selbstgefällig, da ließ ein Gerau-sch Im iKarnin ihn aufhorchen. Nichts I Es mögen wohl Vögel fein, die dort oben Hm Schornstein vor den rauhen Winden Zuflucht suchen. Der junge Herr jschlug die Vorhänge feines Bettes auseinander, entkleidete sich und las. IDa ... wieder ein Geräusch im Kamin. Man wird morgen oben ein «Gitter anbringen müssen, denn es ist nicht angenehm, mitten In der Macht auf solch gespensterhaste Weise gestört zu werden. Auf einmal ein dumpfer Fall. Eine Wolke von Asche und Staub „liegt auf und hüllt das Zimmer ein. Der Chevalier hebt die Kerze hoch mnb versucht den Nebel zu durchleuchten: „Wer da? Ein gepreßtes Stöhnen antwortet ihm. Vor dem Kamin scheint sich etwas Dunkles zu bewegen. Mit erhobener Kerze tritt der junge Herr näher: „Wer da? Die dunkle Gestalt versucht sich aufzurichten und ächzt: „Haben Sie Mitleid mit einem Unglücklichen. Ich werde von den Polizeireitern verfolgt Ich habe mich vor den Häschern in Ihrem Schornstein verborgen. „Ihr Zufluchtsort", erwidert Herr von Nointel, „ist unglücklich gc- wählt, Sie finden sich hier im Hause eines Parlamentsrates, Sie sind bei dem gefürchteten Richter, Herrn von Nointel." Der Mann vor dem Kamin erhob sich langsam: „In meiner Lage hat man nicht viel Zei^zur Wahl. Aber ich hoffe, daß mich derselbe Herr, der m ä) als RichM verurteilt, beschützen wird, wenn ich hilfeheischend leine Schwelle überschreite." „Erstens bin ich nicht der Richter selbst, sondern dessen Sohn , erwiderte der Chevalier, die Kerze wieder auf das Nachttischchen setzend, .^weitens sind Sie nicht über meine Schwelle, sondern durch meinen Kamm gekommen und drittens: wollen Sie die Güte haben, mir Ihre weiteren Wünsche mitzuteilen." ,, m Der Mann vor dem Kamin verneigte sich leicht: „Der erste Punkt Ihrer Erwiderung, mein Herr, läßt m-ch hoffen, daß Sie den zweiten Punkt gütig übersehen und den dritten Punkt dahin beantworten* roerben, daß Sie mir gestatten, in dieser Nacht Ihr Gast sein zu dürfen." War es die gute Laune, in die den jungen Herrn Chloens Brief verhetzt, war es der leichte und doch sichere Ton, den dieser unerbetene Gast angeschlagen hatte, der Chevalier gewährte die Bitte. „Sie können »leiben," sagte er, während er das Licht löschte und die Vorhänge {eines Bettes zuzog, „aber Sie haben bei Tagesgrauen zu verschwinden. Eine Woche später saß der junge Mann, verdrossen und mißmutig beim Adendtisch feines Vaters, an dem auch noch ein zweiter Parlamentsrat namens Salberi teilnahm. Das Gespräch der beiden Richter drehte sich um einen Prozeß, der damals ganz Paris außer Atem brachte, der junge Herr hörte nur mit halbem Ohre zu und dachte an seine Chloe, die ihm seiner schlechten Launen wegen den Laufpaß gegeben hatte. Da trat ein Diener ein, gab einen Korb mit sechs Flaschen ab und überreichte dem jungen Herrn einen Bries. Schon wollte der Chevalier das Schreiben achtlos seinem Vater weitergeben, als ihm der Diener zu- flüfterte, daß dieser Brief ausdrücklich für den jungen Herrn bestimmt sei. „Ich erinnere wicht nicht", sagt Herr de Salberi, während der junge Nointel den Brief überflog, ,chaß zu meiner Zeit Damen ihren Herren Wein schickten." „Wir bekamen damals Bänder und Rosen", erwiderte der alte Herr Nointel überlegen, „aber mir verstehen eben nicht mehr, was man heute für gut findet." „Aber der Wein ist ganz vorzüglich," lobte Herr de Salberi, dem der Diener eine Flasche entkorkt hatte, „ganz vorzüglich." Der junge Herr tos den Bries: Chevalier, ich habe die Ehre, Ihnen den aufrichtigsten Dank für Ihre so freundliche Gastfreiheit zu wiederholen. Sie schienen damals über meine Bemerkung, daß ich noch einen besseren Malaga kenne als den Ihren, ganz ungehalten. Ich nehme mir die Erlaubnis, Ihnen von meinem Wein eine kleine Probe zukommen zu tosten. Ich bin mit Achtung und aufrichtigem Dank Herrn Chevalier» untertänigster und gehorsamster C a r-t 0 u °ch>>« ”“l’s’n”rar'1 unter uns. der Knabe u»r und mn ?">»-" Tuten und ‘Tnhrtun träumte war nicht — längst bevor, oder ohne daß er je die Bekanntschift eines Rosses machte —, mit einem Hengst beritten, der ihm tteu war wie er selbst seinem Stern, heldenhaft stark und uhn, ihn hm- traaend durch Feuer und tausend Gefahren, — ganz zu schweigen v allen Märchen und Rittersogen, die tausendmal in der Phant«s'e wiederholt von Roh und Reiter wimmelten, unzahlbar und unaufhörlich. An mein erstes Pferd erinnere ich mich aus einer Zeit vor dem Lesenkonnen. in einer vorgelesenen Geschichte muhte es am Ende senesopservalen Lebens erschossen werden, aber es sprang zu Tode getroffen auf, um dortbin au taumeln, wo es (einen Herrn wußte, und zu verbluten, von feinen, nein, meinen Armen umschlungen und bitter beweint; ein unersetzlicher Verlust. Auf hölzernen Wiegenkusen stand, aber ein hellbraunes, echtes, lebendig — mir heute noch! — riechendes Fell hatte das nächste, und unvergessen blieb mir die dwielichtstunde, in der 'ch an (einem Haste hing, totwund von einer meverschmerzboren Kränkung und chmerzensselig ihm versichernd, dah ich an ihm den Freund habe, den einzigen auf der Erde, der mich verstand. Lebenswirklich erschien bann erst ein halbes Menschenalter (pater die indische Stute von arabischem Blut namens Mimose, ich weih nicht durch welche Zufälle bis an den Rand der Nordsee verschlagen, um alle angeborene Siebe zum Pferd in mir lebendig und wißend werden zu lassen. Wenn ich in ihren weichen Gangen —, nein, wenn *4 “"“ttenb an keinem Regen ihrer Gliedmaßen, sondern nur an der Veränderung und an der Bewegung der Dinge umher mein Vorwartskommen bemerkte, beim unendlichen' Hinjagen mein Körper mir in den ihren schwand, so erfuhr ich das ewige Vielerlei, das auf aller Erde Lust und Ruhm aller Reiterei ist: die Erhöhung über den Boden in die Lüste, das Vogelhaste, die Verfchmelzung von Leid mit Leib und zugleich die geistige Erhöhung durch die Beherrschung. . Aber von solchem Schimmer im Menschentroum ist zu dem wirklichen Pferd nichts gedrungen. Nichts auch davon, dah ber Oermane fernen höchsten Gott mit ihm beritten machte unb es durch ihn heiligte, auch dem Gotte geopfert starb es seinen kleinen, ihm kaum bekannten Tod. Unter dem Namen Santata ging es mit dem Buddha in feine Sage em, unb als Pegafos erhielt es Flügel an seine Flanken mäst als ob es ihrer bedurft hätte, um dadurch mehr zu werden sondern als Zeichen, dah der vieles Wissende, der sinnlich immer geistige Grieche auch die Geistigkeit wußte, die der Schnelligkeit und Raumuberwindung mne- wohnt. Wir aber entdecken hier einen Vorzug des Rosses, der es zu uns über jedwedes andere Tier erhebt. Denn auch die beste Gabe die das uns nächste unter den Tieren, die der Hund uns bietet. Geselligkeit, die uns erheitern und trösten kann, bleibt eine Angelegenheit des Gemütes unb bleibt baher zurück hinter ber fruchtbaren, wirksamen Verdunbenheit, hinter bem Anteil bes Pferbes an ber Entwicklungsgeschichte des Men- (chen. Zu Roh find die grohen Wanderungen der Volker, der germanischen und skandinavischen Stämme wie nachmals der Burgunder und 2ongo- "barden, der Hunnen und Goten, der Normannen und Sachsen geschehen und nur durch bas Roß möglich geworden. Zu Roß zogen die Kaiser und ihre Heere ihrer Sehnsucht zum goldenen eüben noch auch bas Rotz trug bas Kreuz unb bas Roß eroberte unendliche Lander für den Koran. Im Wagen und auf Rosses Rücken lernte ber Mensch zu reifen, überwand die Fremde, fand er sich Freunde unb fand wieder zurück zu den Getrennten, es wurde zu Land sein Schiff, es überwand für ihn wrenzen, Ströme, Ebenen, Gebirge. Ihn auf seinem Rucken leiblich erhöhend, erhöhte es ihn auch geistig, auch seelisch, machte ihn freier unb kühner, machte ben Reiter ritterlicher, ja, es schuf biefe Tugenben, bie — heute vielleicht vergeßen oder barbarisch scheinend — doch einmal lugenben waren, bie wir unter ben ritterlichen verstehen. Größe ist allemal Große, unb Höhe allemal Höhe: weil wir geistig find, kann uns nichts ungetftig fein. Geistig ist auch ber Raum unb geistig uns darum bas Pferd, das uns hochtragend zuerst ihn zu verneinen half, unb so Iahrtausenbe lang, bis wir lernten, uns selber anders zu helfen. m£ v e Heute heißt es freilich: das Pferd ist tot, es lebe die Pferdekraft! ffin Tier iu lieben ist leichter als einen Menschen zu lieben; es ver- XÄ'JÄM •“»?• K»”l* t.lm des Löwenbändigers. . , ... Es mag lein daß ber Mensch vom Pferbe gesehen wirb, aber nicht wirb und "ge'hK^Die"'Gemeinschaften Mensch "und Pftrd ist leiblich, ZLKrs ä" ä fir-s s ? :n np hilft im* ^Bilbuiui der Beziehung jd)on früh, ff SM bestimmt Das Pferd ist geschaffen zur Flucht, aber ber Reiter schafft es um zum Bleiben. , Das Verhängnis bes Pferbes ist schlimm. Vor den Wagen gekannt meint es vorwärts gehend dem Zwang und der Last zu entkommen, aber Kwäna und L^st hasten ihm an, und es muß dabei bleiben. Dies ver- önbertM emCg niemals, es ist heute noch j° wie es uranfangl.ft» war; niomnic; hnf hns Pferd IM menlchlichen Dienst etwas anderes getnn als L Gegenteilein/s Wiä7ns Mit d7m Seitpferd ist es nicht anders. Der wilde Mustana, dessen Rücken zum erstenmal vom Reiter berührt wird, stürmt davonwenn er, sich krümmend, Zuerst mit allen Vieren empor- Ivrinat so ist das noch nicht ber Wille zum Abwerfen ber Saft, fondern nur bie natürliche Eroberung auf ben Schreck unb den Druck oon oben, unb erst wenn bie Flucht sich nutzlos erweist, versucht er willentlich das Mittel des Schüttelns unb Bäumens. Aber auch gebrochen gezähmt unb ergeben in bas unabänberlid) Unentrinnbare würbe das Pferb (ich> me- mals vom Fleck bewegen, wenn nicht noch immer in ihm ein dumpfer Slang nachhallte aus dem erstickten Trieb, zu entkommen. Das Rind dient freßend unb weih nicht wozu,, aber nicht leidend, braucht es auch nicht zu wissen. Der Hund dient und weih wozu: um bem Herrn zu dienen. Aber auch bas Pferd bient in solch einem Maße, daß es Assen müßte, unb b°ch weiß es nichts Cs weiß bag°gen w°h! daß es frei fein möchte, unbelastet (ein unb laufen; aber bie Bürde >st ewig, unb es darf feiten laufen, unb es muß stehen, wenn es erschrickt unb ,ebe Faser in ihm es in (eine Natur, in die Flucht reißt, unb es bars niemals laufen, wann unb wohin es möchte. Das Pferb hat feinen Willen unb (eine Freiheit aufgegeben wie der Hund; aber es hat dafür nichts Zwei statuenhafte Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett stehen au bem weichen Säufer im Mittelgang bes Schlafwagens. Wie beruhigend! Bahnräuber gehören heute noch zu dem .Lande der Generale unb ber Revolutionen". Nur ihre Devise wechselt, etwa „Nieder mit den Grin- gos!" (Nordamerikaner!) „Zum Schutze ber Kirche!" „Gegen die Wieber- wahl!" „Für bie Landaufteilung!" Das weiße Kopfkissen ins offene Fenster gelegt, Morgenzigarette, draußen rollt sich der Film Mexiko ab in ber Stunbe vor Sonnenaufgang, bie bie schönste ist in den Tropen. Die Betten im amerikanischen Pullman- wagen liegen nicht quer, sondern in der Fahrtrichtung, und so hat man (ein herrliches Aussichtsbett. Dor Tau unb Tag hat man sich gewaschen und rasiert; bie Waschsrage im Schlafwagen ist recht primitiv behandelt, noch nicht einmal gleichwertig unseren gewöhnlichen V-Zugwagen. Nun wird's lebendig im „Aguas Calientes". So heißt mein Wagen. Grotz gemalt ber Name auf beiden Seiten des Waggons. Jeder Schlafwagen Amerikas hat feinen Namen, wie das Schiff zur See. Wolken von Puder und Düften strömen hinter den grünen Friesledervorhängen hervor. Rührend einfach bie ganze Sache im Vergleich zum Luxus ber getrenriten Abteile im beutschen Schlafwagen. Mehr als bie Morgentoilette ber Glut- äugigen lohnt aber ber Blick auf Felsstürze, Maisfelber, Viehweiden au, saftgrüne Zuckerrohrfelber, büfteren Urwald, fauber gereihte Kafieepflan- zungen. Ties unten (er ......hrmuefarbener Menschen, welche die ! I-W-X". «-»! »UI “fff tost«n ta XÄTX* schob ben beiben Nointels ges J unü" entartetes Paris diefen ber Glorienschein zerstört werbe, mit “ _ gc|eiert hat. Niemals Cartouche als Helden — undich w iß ck Zerworfenen fahnden müßen, "ätten üS Ä ^"Nichts" bekommen? Orden und Titel möchte ick sagen, nämlich die Anerkennung von Eigenschaften, bie es zwar nicht hat, die aber der ™ ‘ ihm als glänzende zuschreibt: Stolz, weil seine edle Gestalt, äigel emporgezogen, Stolz auszubrücken scheint. Aber bie natur» jaltung des Pferdehalses ist lässig schräg: Kops und Hals im stumpfen Winkel wie s)als und Rücken. Das nackte Pferd steht träumerisch da und läuft locker und entspannt hin; auch die Freude an Lauf und Freiheit läßt es nur die Füße, aber niemals ben Kopf Heben, sondern den wirft nur ber Schrecken zurück. Mut ferner, — aber es ist so scheu unb schreckhaft noch heute wie ber niemals gezähmte Hirsch. VZaftenlos ist es allein zum Rennen gebaut unb kennt Verteidigung nur durch Flucht. Erschrickt es unter bem Reiter, so fährt es zufammen, wirft sich zur Seite, springt an — lauter Zeichen, bie sein Fluchtverlangen tunbtun, aber durch seine schöne und mächtige Gestalt wirken sie auf den Zuschauer so, als entsprängen sie einer Kühnheit, unb sein entsetztes Auge scheint von Kampflust zu flammen. Ausdauer, die hat es wohl, lieber Gott, dafür ift es ein Pferd unb kein störrischer Ochs; fein Wille ist gebrochen unterm Sattel, in den Sielen — gefangen ist es unentrinnbar, was bleibt ihm übrig/ als ausdauernd zu fein? Auch den Ehrgeiz, den es hat, teilt es mit anderen Tieren. Da kommt die Sonne wie eine riesige Blutapfelsine über den dunstigen Horizont. Man fühlt die kommende Tagesglut voraus. (Und solch ein Pullmanwagen hat nicht einmal eine Dusche!) Jetzt geht's durch ein endloses Lagunengebiet, wie der Spreewald anzuschauen. Es ist die Küste des Stillen Ozeans. Hunderte, Tausende von kleinen Einbäumen, winzigen Segeln, nackten Menschen. Dann aus der Station die ganze Meeresfauna, zubereitet, aus grünen Blättern angeboten. Was bringt sonst die Station des mexikanischen Reisetages? Kokosnüsse, mit dem Machete (Buschmesser) geschält, angeschlagen, zum Trinken fertig. Ein Gebirge ausgetrunkeer Kokosnüsse ziert ja jeden Tropenbahnhos der Erde. Farbenleuchtende tropische Fruchternte schwankt auf dem tiesschwarzen Haarglanze hübscher Indianerinnen, die den bunten Zerape um die Schultern geworfen haben: Guineas und Naranjas (wir sagen Bananen und Apfelsinen) Mangos, die man aber am besten in der Badewanne ißt, wegen ihrer Saftsülle, Tuna, die Kaktusfeige, Aguacate, die schmelzweiche Vutterfrucht, zu der man Pfesfer und Salz braucht, die pepsinhaltige Papaya und Zapote, Ananas und Melone und noch ... Dutzende von Tropensrüchten geheimnisvoll klingenden Namens. „Nieve, Nieve leche! klingt es immer wieder, das ist ein barbarisches Roheis, vom Block ab- gesabt und mit einem Schuh „Wohlgeschmack" vermischt. Tortillas, die unvermeidlichen Maissladen, die Brot und Kartoffeln ersetzen, Pollo, das gebratene Hühnchen — jedenfalls um die Ernährung braucht man nicht besorgt zu sein, wenn's auch Gefchmacksache ist. Die verhungerten Hunde, die langbeinigen Schweine voller Wagenschmiere auf dem Rucken wissen dah für sie ein reicher Tisch gedeckt ist unter den Fenstern des haltenden Schnellzuges. Sie alle aber werden in die Flucht geschlagen von Zopilote, dem Aasgeier. In endlosen Reiher sitzen die Geier längs der Station, fliegen auf, der Reihe nach, wie der Zug sich wieder in Bewegung setzt, jetzt der erste, jetzt der nächste, wie an einer odjnur 36in Speisewagen würde schlecht« Geschäfte machen, die kleine Schlafwagenbar aber liefert uns jetzt den Morgenkaffee. Der Steward hat die Betten in die Tagespolster verwandelt. Draußen brütet schon Hitze, Sonne, Trockenheit. Anziehende und anziehend angezogene Mexikanerinnen reichlich zurechtgemacht, Amerikanerinnen nicht weniger gemalt, sanftere blonde Deutsche und Angelsächsinnen, die nur schwächer und zarter Duften, trotzdem aber einen gepflegten Eindruck machen — wo kommen in Mexiko nur die vielen reisenden Frauen her? Viel Mlschbluk mit reichlich indianischem Einschlag. Die illustrierte Zeitungslekture der , ganzen Welt, alle Sprachen schwirren durch den Puttman. Der Steward ! mischt sich bescheiden in das Gespräch einer schwäbisch sprechenden bezaubernden mexikanischen Schönheit am Rebentisch; sie ist die Tochter einer mexikanischen Mutter und eines Stuttgarter Vaters; der Kellner aber berichtet in reinstem Wienerisch von seinen Erlebnissen als k. u. f. ■ Fliegerin der Ostfront: Deutschtum in Ueberfee! i Kaffepslanzer, Angestellte der „United Fruit", der weltumspannenden j Bananencompanie, Petroleumleute aus Tampico, Mineningenieure, । Licenciados (Rechtsanwälte, Mexiko ist das Land der Advokaten!), das . sind so die Reifegenossen einen, zwei Tage lang von der Guatemala- } arenze bis El Paso, wo man in die USA. eintritt, von dem Pacific bis i hinüber nach Veracruz am Atlantico, hinaus nach Mexiko-Hauptstadt aus > 2265 Meter Höhe. M ... . .. Aus brütend heißem Tiefland zu kühlen Gebirgshohen klettert die Zugschlange diirch die Nacht, gezogen von der donnernden im holl, chen Rot der Oelfeuerung lodernden Maschine. Senkrechte Wände, steile Schluchten, Wolkenschwaden. Blendend weih leuchtet das zackige Gestein in phantastischen Formen. Mondlichtübergossen der weite Ozean rnaje- stütisch, eine Riesensilberscheibe. Schneebedeckte Gebirgsgrate -tief unten ein befreiendes Gewitter. Die vierzig Soldaten, die den Tag auf den Wagendächern verbrachten, haben sich wieder in die Zugkorridore verteilt. Wieder eine Station: Klapprige Fordwagen neben stlberbehangenen Pferden vor dem Estaneo, aus dem der knallende Rhythmus der Marimba, des riesenhaften Holzklaviers tönt. Schmachtende Lieder, wilde Tänze Heraus tritt der Eharro, der Landmann mit Dem Spitzhut. Silbern seine klirrenden Sporen, silbergestickt der Patronengurt, an dem der gewaltig« Coltrevolver tief zum Knie herabhängt. Gerne fchieht er damit etwas unmotiviert Den Genoffen um Die Ohren. Kokett das rot- seiden« Halstuch im Dreieck geknüpft. Unvermeidliche Zigarette im Mund- mintel. Nun fitzt er auf. Gibt eine kleine Vorstellung für di« Zugpaffagiere in etwas eitler Naturreiterei (con brio!) auf dem Bahnsteig. Die Stewards im Zuge bereiten wieder die Betten, dieweil man auf der Aussichtsplattform am Zugende noch eine Cerveza, eisgekühltes Merikanerbier, trinkt. Auf dem Etikett bunt das Bildnis der indianischen Nationalhelden Cauthowos und Moctezuma, Den wir Montezuma nennen. Nächst diesen schon säst sagenhaften Aztekenhelden sind beute in der stark kommunistisch angehauchten Bevölkerung Mexikos zwei Diktatoren so populär, daß sie wohl nächstens auch — als Etikett auf Die Bierflaschen kommen werden, zwei „Patres Patriae : Benito Iu ar e z, reinrassiger Zapotheco-Jndianer, in dessen Zeit das totgeborene Kaiserreich des Erzherzog Maximilian von Oesterreich, des Kapers von Napoleons IN. Gnaden fiel; der andere ist Wfirio D'az. der „Bismarck Mexikos", Der zweiunddreißig Jahre am Ruber blieb, aber als Achtzigjähriger echt mexikanifcherweif« Doch noch einer Revolut.on weichen mußte. Mexiko, Du LanD Der Zukunft, Die leider mol)! immer Zukunft bleiben und nie Gegenwart werden will, schon stärkere Manner find an dir feit dem Unabhängigkeitsjahr 1821 zerbrochen als jener unglückliche Romantiker Maximilian! . _ .. . 9 Mexiko das „Lgnd der Agave". Wie fie im Wappen aufragt, so sehen wir' jetzt vom Bettfenster aus scharf gezackt in die monDfilberne Nacht steilen Bündeln von Schwertern vergleichbar, ganze weite Felder solcher' Schwertbündel ragen. Aus dieser Nationalpflanze macht der Mexikaner nicht nur Bindfaden und allerlei Gewebe, sondern auch Pulque und Aquardiente, lagen wir einen Met ober garendes Bier und einen ganz heimtückischen Schnaps, den der Mexikaner ebenso braucht wie seinen bösen Zuckerrohrschnaps. Und daß ^er Mexikaner gerne gelegentlich mal „un gran Bebeor" ist (mir müssen schon übersetzen. „Urin fer"j, das fehen und hören wir auf all Den kleinen Bahnstationen, auf denen der Zug uns — langsam fahrend — während der Immer noch reichlich warmen Tropennacht einen intimen Einblick in alle die FonDas, Tiendas, Tabernas, Posadas, Hoteles, Bars, der Pueblos und Aldeas — großen und kleinen Dörfer — gestattet. Dann wird das unablässige Singen der Grillen übertönt vom angeheiterten Gesang der Vaqueros n „deutsch" nennt man sie Cowboys!). nd wieder ein blutroter, wolkenloser Sonnenaufgang. Die Cordillere haben wir während der Nacht überwunden. Der letzte Blick vom Bett aus hatte uns den zackigen Atravesado im Mondlicht gezeigt. Jetzt grüßen uns Popocatepeti (Rauchender Berg) und Jxtaccihuatl (Weiße Frau), die Götterberge Mexikos. Gestern der Golf von Tehuantepec, heute rast Der Zug zum Golf von Mexiko herab. Palmen unb immer roieber Palmen, ohne jebes Unterholz, Dicht an Den Wellen, emporfchaukelnb aus weißem Sanbe mit ber Last ber Kokosnüsse. Schäumenbe Wogen sressen sich in den Sanb, atlantische Brise, bie ersehnte, herrliche Salzlust weht in Den Salonwagen, Darinnen so mancher Deutsche sich zur ersehnten Europareis« rüstet. Jetzt hat ber blaue Sonnenhimmel nicht mehr bas Ouälenbe des Inlandes. Jetzt rasen wir durch das mondäne Bad Villa Del Mar, jetzt durch ein Häusermeer, überragt von Türmen unb Kuppeln, mit Azulejas, buntglafierten Barockziegeln. Unmittelbar am branbenben Meere hält ber Zug. Unb vorn Bahnsteig aus erblicke ich schon die deutsch« Flack« des Hapagbarnpsers. Veracruz! Das Mangobaumwunder. Roman von Leo P e r u tz unb Paul F ra nk. Nachdruck verboten. Copyright by Albert Langen, München. (Foriiegung.) Ich bin ein leidenschaftlicher Blumenliebhaber, Doktor - Ich weih, Sie halten mich für einen verständnislosen Vandalen, seit ich gestern Die Blumen im Treibhaus zu Ihrem Schmerz mit Stumpf unD Stiel ausgerottet habe. Nun, ich gebe zu, meine Leidenschaft für tropifche Pflanzen hat sich während ber letzten zwei Tage erheblich abgekühlt, ... aber das hat feine guten Gründe, Doktor. Damals in Agra war mir nichts willkommener als Ulam Singhs Einladung. Ich hatte schon lange t*n Wunsch gehabt, den Tempelgarten zu besichtigen, und so trat ich Denn hinter Dem Gärtner ein. In Der Mitte Des Gartens ftanD ein« mächtige ©ranitfigur, die den Gott Ganisa, den Dämon mit Dem Elefantenkopf und Den vielen Armen Darftellt. UnD rings um bas Götterbild waren Blumenbeete angelegt: Nelken, Hyazinthen, weiße und blaue Strobilcinthusblüten. Ein paar Talipotpalmen mit tiefroten Blütentrauben und zwischen ihnen ein kleiner Weiher dessen Spiegel ganz überdeckt war van den lichtblauen Bluten einer japanischen Lotosart. Ulam Singh beugte sich über eines ber Beet« und reichte mir ein« Nelke. Es war keine gewöhnliche Nelke. Sie war weiß, voll aufgeblüht und gefüllt, aber sie trug eine merkwürdige Zeichnung: In brennroten Blütenblättern eine ganz kleine, dreizinkige Gabel, das Symbol des Gottes mt das Resultat kunstvoller, vielleicht jahrze.hntelan.ger Zucht- unb KreuzSngsversuche...Ich haft« ähnliches noch nie gesehen. Ulam Singh merkte das und nannte feinen Preis: Dreiunbvierzig Rupien. Dreiundvierzig Rupien, das fchien mir zu viel für eine botanische Spielerei, unb ich wandte mich daher zum Gehen. Ulam Singt) machte ein bestürztes Gesicht, winkte mir zu warten, unb verschwand hinter dem Götzenbild. Gleich darauf kam er wieder hervor und bot mir einen Blumentopf mit einem zwerghaft kleinen Jasminstrauch, ber zweierlei Blüten trug, rote unb weiße. Ich fragte nach bem Preis. Dreiundvierzig Rupien", war die Antwort, unb bie Hartnäckigkeit, mit"ber ber Inder diese Ziffer festhielt, fiel mir auf. Ich überlegte ein wenig. Ulam Singh hielt den Handel für abgeschlossen und fragte, ob er mir die Pflanze in Hamiltons Hotel bringen solle. Nun war mir aber im selben Augenblick ein orchideenartiges Gewächs aufgefallen, das im Schatten des Ganifadildes an einer hölzernen Stange emporkletterte. Ich kannte es nicht, hätte es aber gerne im Zustand der Blüte gesehen. Ich fragte deshalb den Gärtner, ob er mcht ein aufgeblühtes Exemplar dieser Orchideenart in seinem Garten habe. Ulam Singh verneinte. „Das ist schade!" sagt« ich. „Die hätte ich gerne gekauft." Ulam Singh überlegte eine Weile. „Kommt ber Sahib diesen Weg zurück?" fragte er Dann. „Wahrscheinlich " „In einer Stunbe?" „Beiläufig! Ja!" „So wird ber Sahib bie Blume haben, bie er wünscht. Er geleitete mich bis zur Gartentür. Dort verabschiebete er sich mit einer tiefen Verbeugung. Ich fand mein« Freunde noch bei ihrem monotonen indischen Frühstück' Fisch Curry unb Wilbbrek, wie alle Tage. Wir machten unsere kleine Spazierfahrt, bann gingen wir zum Tempel, in besten Halle schon die Prunkstücke zur Prozefston ausgestellt waren: ein Thronhimmel, ber auf silbernen Stützen stand, bie saphirbesetzten Tragsessel, bie Pracht- qemänber ber Priester und vor allem die beiden schweren, goldenen Armleuchter, die an den Stoßzähnen des heiligen Tempelelefanten fest- geschraubt werden sollten. Es war schon gegen elf Uhr vormittags, als ich mich endlich meines Blumenhandels erinnerte. Wir gingen alle drei zu Fuß hinunter bis zu Ulam Singhs Garten. Unser Wagen fuhr langsam hin und her. t , Ulam Singh stand mit gekreuzten Armen und vorgebeugtem Kopf unbeweglich vor ber Gartentür unb spähte nach mir aus. Als er mich kommen sah machte er seinen tiefen Salam und wies uns Dann mit einer cinlaDenDen Bewegung feiner Hand in das Garteninner«. Wir traten ein. Die Luft war mit Düften von hunDerterlei Blumen zu die Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Vrühl'fche Univrrs itätS-Vuch» und Steindruckerei. R. Lange, Vieben. ^Er"will mit dem Nachteilzug nach Bombay fahren", wurde mir Antwort des Inders verdolmetscht. . Was hast du in Bombay zu suchen?" wollte der Captarn wissen. 'Ülam Singh zuckte die Achseln, ließ den Kops hängen und gab keine MntlDrei6ifl Rupien. Mein letztes Wort!" ries Elliot. Er setzte seinen Stolz darein, mir zu beweisen, dah ich der ewig betrogene Fremde sei, und, wie gut hingegen er die Leute zu behandeln wisse. Mir war seine Einmengung lästig, aber ich konnte mich ihrer nicht gut erwehren. Ulam Singh schüttelte aus das Gebot der dreißig Rupien bekümmert den Kopf und blickte im Garten umher, ob da nicyt noch etwas wäre, was er mir anbieten könnte. ___ „Kommen Sie, Baron", drängte Elliot und zog mich zum Ausgang. „Ich kenne den Orient. Fünf gegen eins: Der Kerl kommt Ihnen in einer Viertelstunde nachgelausen " Wir verließen den Garten. Ulam Singh begleitete uns trotz des zerschlagenen Handels mit der gleichen unterwürsigen Höflichkeit, mit der er uns empfangen hatte, auf die Straße. Als der Wagen rollte, traf mich fein letzter bittender Blick. • . ... Ich war ärgerlich und schlecht gelaunt. Mich verdroß die wenig rücksichtsvolle Art, in der mir Elliot seine Kenntnis der indischen Handels- brauche demonstriert hotte. „Der Mann ist mir nicht nachgelausen, Cap- Iain", (cwjte ich, als wir in der Nähe des Hotels waren. „Ich muh dle Orchideen haben. Fahren wir zurück." „Wie Sie wünschen", gab Elliot zur Antwort. Wir kehrten um. Eine Viertelstunde später standen wir vor Ulam Singhs Garten. Wir riesen, ohne Antwort zu bekommen. Der Inder war nicht zu Wir traten «In. Elliot ging voran. Der Garten war leer. Die Mittagsglut trieb uns den Schweiß ins Gesicht. Wieder stieg mir der Hanfgeruch in die Nase, diesmal aber stärker und beißender. Elliot war mir, wie gesagt, um ein paar Schritte voraus. Mit einem Male blieb er stehen. „Wir sind falsch gefahren", sagte er. „Das ist nicht der Ort, den wir suchen." „Aber wieso denn?" rief ich Dort steht la der Ganisa. Hier das Bassin mit den blauen Lotosblumen. Und da ist ja noch der Jasminstrauch mit den weihen und roten Blüten!" W"?starrte?'all^d?e7 einander in, Gesicht. Dort, roo eine halbe Stunde vorher die Orchidee mit ihren gelbroten Bluten mannshoch empor» geklettert war, stand jetzt wieder eine schmächtige grüne Pflanze — b e» W. di- ich am Morgen gesehen hatte, ,° klein, daß sie em Tropenhelm hätte bedecken können. Fawcett brach zuerst das Schweigen. . . wünsche Ihnen Glück, meine Herren , sagte er. „Sk sind durch Zufall Zeugen eines sehr charakteristischen indischen Sadhu-Experimentes ZVn S Ahnen Herr Baron, wenn Sie Indien verlassen haben, ein bleibendes Andenken sein wird. Richt jeder Indienfahrer hat das Glück lolck eine interessante Reiseerinnerung mit nach Hausezu nehmen. ^ ^FameAt"hüte wahrhaftig nicht, wie prophetisch diele Worte warem Ulam Singhs Experiment wäre mir ohne Ihre Hilfe, Doktor, ^rklich ein bleibendes Andenken geworben ... aber eines von furchtbarer Art. Was Fawcett aber eigentlich meinte, verstanden wir nicht. Der Gapto'” hatte ein halb verlegenes, halb fteM-hes und ich habe damals wahrscheinlich auch kein sehr kluges Gesicht gemacht „ . „ . hin seit achtzehn Jahren in Indien , erklärte Fawcett. ,Zch habe allerlei ^akirkünst? gesehen. Bei mir zu Hause besitze ich ein ziemlich umfangreiches Dossi^ mit Protokollen über Erlebnisse mit, indischen Sadhus. Dieses Experiment hab« ich jetzt im ganzen funfh^i beobach Einmal an einem Mangobaum, zweimal war eme Bohnenranke das Objekt, einmal ein Zuckerrohr, heute diese Orchidee , . „Was ist eigentlich vorgegangen? fragte ich. „Reginald, glauben tote im handelt es sich nicht mehr um .glauben". Das sind keine Der» mutunqen 5ür mich sind's bestehende Tatsachen. Ihr Gartner ist zweifellos ein Sadhu, ein Hinduheiliger. Er scheint freilich em Anfänger zu fein, etwa im Stadium der Yama, der sogenannten äußeren Bezwingung, die dem Sadhu gewisse höhere Kräfte^ in -^ Linie die Her^chaft über ben Organismus eines fremden Wesens verleiht. Die Art ses ^xper« mentes läßt auf einen Adepten von wenig entwickelten Fähigkeiten ickliesten Aber ich habe auch schon Sadhus in der achten Stufe der Andacht gesehen. Im Samadhu, der .Versenkung in sich selbst. S>« verleiht Gewalt über den Organismus, die weit schwieriger zu erlangen und über» fSn"L u”ÄeÄS. f£" Ä« betmmÖ Ä ""ÄH* !--«>« ich un» M »1. >iuH du.» dl- N-I- KMZWmW gleichen yuge^lide fiel mein Blick auf etwas anderes, das vorher gleich- *aUeine4Ubönen)beiaa”eQrmannsf)01)e Orchidee rankte sich an einer Hölzer- M-LLWWMZW Ich^muß ein verblüfftes aber verwirrtes Gesicht gemacht haben, den beiden andern fiel es auf. . „Baron? Was gibfs denn? fragte ber Offijter. Schauen Sie die Orchidee dort an! sagte ich. "ma ja hie Pflanze, beretroegen mir hergekommen sind. ..... "Nun: ich erkläre Ihnen, die Pflanze war heute morgen noch nicht da. CS' Fawcett'zog^noch immer die Luft durch die Rase: Sie tneinen", sagte er, „daß die Orchidee wahrend Ihrer dresitundlgen Ab- Wesenheit aufgeblüht und die Stange emporgeklettert 'st? „ Nein das-wäre absurd. Das zu behaupten, wäre lächerlich. Reginald gab kein« Antwort, sondern hatte mit Ulam Singh einen kurzen Wortwechsel im Maharattabialekt. lmm._ Er saut" wandte er sich dann an mich, ,chaß die Pflanze immer dagestanden sei. Sie hätten sie nur vorher nicht beachtet. Er behauptet, G'e Neim" Jch^hÄre gute Augen. Sie können mir glauben, Reginald, die Pslan'ze war heute morgen nicht da." SVarocett sprach neuerdings em paar Worte zu Ulam Singh. „Er meint", sagte er bann, ,/bie Orchidee sei °m Morgen im Schatten der Ganisasigur gestanden und deswegen in ihrer garbenroirtung beeinträchtigt gewesen. Darum habe er Sie gebeten, fpater wieder zu kommen. Mich befriedigte diese Erklärung nicht Gaptain EUio war 'ndessen ungeduldig geworden. „Nun, was verlangst du für die Pflanze? fragte " ^Dredundvierzlg Rupien? Bist du toll, Nigger?" ... Wenn Captain Elliot wütend war, dann erklärte er jeden, der nicht aus der Londoner G‘XCSgHUtStSTCroort den Swergjasminstrauch neben die Orchidee und legte die Nelke mit dem roten Zeichen des V'lhnu dazu. Dann beschrieb er mit den Fingern einen Kreis um die drei Pflanzen. Alles zusammen kostete dreiundvierzig Rupien. Man darf den Leuten niemals geben, was sie verlangen", entschied der "Offizier kurz und bündig. „Bieten Sie ihm die Hälfte. M Ulam Singh hatte ihn verstanden und schüttelte heftig.den Kopf. Fragen Sie ihn doch, wozu er das Geld braucht! sagte ich 0U5®Iauben^Sie mir, Doktor, mir wurde ganz wirr im Kopfe bei diesen Worten. Elliot flüsterte neben mir ganz leise sein Nonsence . Haben Sie niemals die Beobachtungen Braids gelesen, die dieser berühmte Physiologe an dem Yoghi Haribo angestellt hat? Und semen Bericht über ben abgeschnittenen Ringfinger bes Hmduweibes toipra? ^"^.Aber, Reginald, die Erklärung! Eine biologisch faßbare Erklärung baf“r®ier6abtu9 haben bie Fähigkeit das Wachstum eines^fremden Organismus ganz außerorbentlich zu befchleumgen und ihn bann wieder in feinen ursprünglichen Zustanb zurückzubringen. Vielleicht mittels Strahlungen bes Körpers. Dungmittel insubstanzieller Natur --man weiß^daruber so gut wie nichts. Sicher ist, baß die meisten Sadhus sich durch ben Dampf gewisser Hanspräparate in einen R°uschzustanb versetzen ... sie nennen es, ber Gottheit naher kommen. Mir 'st der Hans geruch gleich ausgefallen. Wollen Sie mir helfen, ein Protokoll über ben Vorfall aufzunehmen? Für mein Dossier, meine Herren. So habe ich also Ulam Singhs Experimente kennengelernt Ihn selbst suchten und riefen wir eine halbe Stunbe vergeblich. Er zeigte sich nicht unb so verließen wir ben Garten. „ ,, Am Adenb besselben Tages saß ich in Hannltons Hotel am Table d’hote-IHtf). Das Souper war beenbet, die Diener räumten bas Obst ab unb brachten bie bronzenen Karossen mit Wasser, in bem wir uns die Fingerspitzen netzten. Eben, als ich ausstehen unb aus mein Zimmer gehen wollte, kam noch ein verspäteter Gast in ben Speisesoal. Dr. König von ber Ctmnlehr aufgeregt an ben Tisch, jebermann konnte ihm anmerken, daß er im Besitze einer besonberen Sensation war und darauf brannte, **e ^Asto^aus^ ber Prozession wirb nichts. Sie haben umsonst fo lang gewartet, Herr Baron!" „Warum? Was ist geschehen?" bestürmten wir ihn. „Eine kolossale prügelet zwischen Hmbus unb Moflems. Sogar „Wahrhastig?bHier hat man aber nichts gehört! Geschossen? Waren Sie dabei? Was war bie Veranlassung?" rief alles burcheinonder. Dr König wußte es nicht. Er verstanb keinen der Eingeborenen- Dialekte, unb ihm auf englisch zu erklären, was eigentlich vorgefallen war, hatte sich niemanb Zeit unb Mühe nehmen wollen. Aber ber Holelbirktor, ber jetzt in ben Speisesaal kam, wußte mehr von ber großen Neuigkeit. , . . Sehr schwere Unruhen in ber Oftftabt. Die große Prozession nm» (eiber nicht abgehalten werben", sagte er in bem gleichen Tone bes Bedauerns, in dem er uns sonst bekannte, daß die gefüllten Tomaten ans- gegangen feien, ober baß es Kalbsrippen leiber nicht mehr gäbe. „Unb ber Anlaß zu ben Unruhen?" fragte ich. „Ein schweres Sakrileg. Wie Sie wissen, sollte morgen das heilige Buch, bas bie Gebete zu Ehren ber Göttin Pravoti enthielt, ein über tausend Jahre alter Foliant übrigens, mit ber Prozession durch die i Straßen getragen unb ben Gläubigen zur Schau gestellt werden. Nun, ! dieses heilige Buch — Gaunth nennen es bie Hinbus — kann nicht 1 gezeigt werden." „Ist es gestohlen worben?" „Weit schlimmer als bas: Es ist zerrissen unb besubelt worden, noch bazu mit Blut eines Tieres, einer Kuh ober eines Schafes. In den Augen der Hindus kann es keine ärgere Entweihung geben.“ (Fortsetzung folgt.»