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Der Mond, umwallt von Wolken, schwimmt Im feuchten Blau der Luft,- Der Forstteich, matt versilbert, glimmt Durch zarten Nebelduft: Die Glut, vom Hirtenkreis umwacht, Verschwärzt, entflackernd, rings die Nacht,- Eintönig rollt vom Brunnenrohr Der Waflerstrang, der sich verschlürft,- Und zarte, graue Schatten wirft Schräghin das Kirchhoftor. Das Netz der Zuggewölbe schwillt Zum Zelt des Blitzes auf,- Der Mond, in Wettergrau gehüllt, Verschied nach halbem Lauf. Des Irrlichts bläulich siecher Schein Erlischt im Torf am Tannenhain. Des Zeigers Goldblatt blinket matt, Umflort von feuchtem Nebelrauch, Und ängstlich zuckt im Erlenstrauch Sein letztes dürres Blatt ... Peter Cornelius als deutsches Vorbild. Zum ISO. Geburtstage des Malers. Von Dr. Georg Kuhn. Es gibt Künstler, die nur als Schatten unter uns fortleben, aber als glühend verehrte Schatten, deren gewaltige Umrisse zu einem kostbaren Vermächtnis ihres Volkes geworden sind. Ihre unmittelbar lebendige Wirkung ist von ihrer Zeit gleichsam auf« kieiogen worden,- sie haben die notwendige Grundlage gelegt für das Wirken der Kommenden, und so ist ihr Schaffen eingegangen in unzählige Werke, in denen es nur der Kenner als ein mit- «oirkendes Kraftfluidum spürt. Zu diesen Meistern müssen wir wohl Peter Cornelius rechnen. An seinem 100.Geburtstage wurde er als der „größte Maler seines Jahrhunderts" gefeiert. Heute, da die malerische Kultur in Deutschland so reich entfaltet ist, möchten wir ihm den Namen des Malers, d.h. des Künstlers der Farbenwirkung, überhaupt absprechen, denn er selbst sah ja tn der Farbe nur eine „sinnliche Verführung", die von den heiligsten Aufgaben der Kunst ablenkt. Die gewaltigen Freskenwerke, die er in München ausführte und in Berlin plante, sagen mit ihrem komplizierten Inhalt, dessen Vorstellungskreise uns Fremd geworden sind, der großen Menge nichts mehr. Was von ihm lebt, das sind einige Schöpfungen des glücklichen Augenblicks, in denen der tiefste Gehalt seines Wesens den stärksten und volks- iumlichsten Ausdruck fand, so seine „F a u st"-Jllustrationen oder ber Karton der „Apokalyptischen Reiter". Immer wieder 'st eine Neuentdeckung seiner Kunst prophezeit worden. Herman htntm glaubte, daß im neuen deutschen Reich seine Zeit von Keuem anbrechen werde, und auch heute wieder wird man jeden« mlls sagen dürfen, daß dieser Hohepriester einer idealen Kunst, dieser grimmige Feind jedes Naturalismus und Materialismus -um Kronzeugen alles dessen angerufen werden, darf, was von Rutschen Künstlern in ihrem tiefsten Wollen erstrebt wird. Dem «bietenden Zauber seines Wesens hat man sich auch in der Epoche nicht verschließen können, in der man von seinen Idealen am weitesten entfernt war. Ein Beweis dafür ist ein Erlebnis, das Cornelius G u r l i 11 in seiner bekannten „Geschichte der deutschen Tunst im 19. Jahrhundert" erzählte. Er betrachtete mit Schülern «ie Kartons von Cornelius, die damals in der Berliner Natw- «algalerie hingen, und wollte das Veraltete dieses Stils auf- weisen. Aber cs kam anders: „Wie der Meister mir ins Konzept nneiufuhr, wie im Hinsehen aus der kühlen Zeichnung ein ge- «attiaer Geist aufwuchs, den man nicht mit jenem Tagesgeschmack "essen darf, unter dessen Macht jeder von uns steht! Er ist tot «nd ich lebe! Das war der einzige Vorteil, den ich über ihn 'Prana. Aber der Tote erwacht, wenn man ihm durch ferne Werke indurch in die Seele schaut. Da wirkt noch eine Kraft, die nicht begraben wurde, die nur von einem Großen ausgeht, einem Unsterblichen ..." „Nächst dem Dreigestirn Lessing, Goethe und Schiller hat im Reiche der Kunst niemand so großen Anteil an der Entstehung, Stärkung und Vertiefung des nationalen Geistes als Cornelius. Der Wiedergewinnung einer spezifisch deutschen, unserer tiefsten Eigentümlichkeit entsprechenden männlichen Kunst knüpft sich durchaus an seinen Namen. Sein Verdienst ist es, mitten in der tiefsten Erniedrigung unseres Volkes, unter dem schmachvollen Joch der Fremdherrschaft nicht verzweifelt, sich vielmehr erst recht auf das eigene Wesen besonnen zu haben. Er hat die unterbrochene künstlerische Entwicklung da wieder angeknüpft, wo sie einst abgerissen worden war." Mit solchen Worten feierte Friedrich Pecht, der noch einer seiner Schüler war, die Bedeutung des Mannes, in dem die deutsche Kunst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Reformator und Führer gefunden. Dabei mutz man sich tn die Erinnerung rufen, daß mit dem Ende des 18. Jahrhunderts jene große Kunstentwicklnng, die von der Renaissance bis ins Rokoko sich lebendig auswirkt, ihr Ende erreicht hatte, daß das bildnerische Schassen in der höchsten Blüte der deutschen Geisteskultur auf einen kläglichen Tiefstand herabgesunken war. Goethe selbst, der in der Nachahmung der Antike die einzige Rettung erblickte, zeichnete bei seinem Preisausschreiben die charakterlosen klassizistischen Werke aus und wollte von der inneren Glut der unbehilflichen Versuche des jungen Düsseldorfer Künstlers Peter Cornelius nichts wissen. -Dieser aber war schon früh in seinem Innersten von der jungen Bewegung der Romantik ergriffen worden, die die Keime einer neuen deutschen Welt in sich Barg und im germanischen Mittelalter die Ahnen des eigenen Wesens entdeckte. In der Sammlung gotischer Bildwerke, die die Brüder Boisseröe zusammengebracht hatten, erlebte er das Wunder einer Kunstoffenbarung, das fein eigenes Werk entscheidend bestimmte. Aus der starken Vaterlandsliebe, dem glühenden Franzosenhaß der Zeit der Freiheitskriege erwuchs ihm das Bewußtsein, daß er berufen sei, dem herrschenden Zeitgeist den Krieg zu erklären und seinem Volk eine neue Kunst zu geben. „Wenn die Freiheit, die jetzt gewiß und wahrhaft errungen werden wird, würdig genossen und den künftigen Zeiten gesichert werden soll", schrieb er 1813, „so muß der Genius der Nation durchdringen in allen Dingen bis zum untersten Glied. Die Vorsehung hat mir einen großen Wirkungskreis angewiesen. Möge es ihr gefallen, daß ich nur einen Stein zu den Grundfesten eines deutschen Kunsttempels lege, so werde ich nicht vergeblich gelebt haben!" Sein Streben „nach Dürerscher Art" die Welt glühend und streng zu sehen", fand den ersten vollendeten Ausdruck in seinen Bildern zu Goethes „Faust", die eine offene Kriegserklärung an die süßliche Weichheit des damaligen Kunstempfindens waren. „Albrecht Dürers Randzeichnungen habe ich von dem Tage an, da ich mein Werk begann, in meiner Werkstätte", schrieb er an Goethe darüber. „Damals, als ich das Wesen dieser Kunstgattung zu ergründen strebte, schien es mir nötig, in einer Zeit, da man so gern alle Höhen und Tiefen ausgleichen möchte, nicht im Mindesten mit dieser schlechten Seite unseres Zeitgeistes zu kapitulieren, sondern ihm streng und mit offener Stirn den Krieg anzukündigen." Der urdeutsche Gehalt der Goetheschen Dichtung ist hier am stärksten unter all den unzähligen Faust-Illustrationen gestaltet, zugleich ein Werk geschaffen, das ganz den frischen und zarten Duft der deutschen Romantik atmete, während in den allein vergleichbaren Zeichnungen von Delacroix die dumpfe Dämonie der französischen Romantik waltet. Mit diesem Protest gegen den Klassizismus trat Cornelius für die nordische Ausdruckskunst ein, und wenngleich er sich in feiner späteren Laufbahn von diesem Ideal scheinbar weit entfernte, so ist das Germanische doch der beste Teil seines ganzen Schaffens geworden. Als er dann in Rom sich der Bewegung der sogenannten Nazarener anschlotz, die in dem Stil der Frührenaissance ein verwandtes Empfinden ahnten, da rang er darum, den uralten Traum der deutschen Kunst nach Vereinigung von Nord und Süd zu verwirklichen. „Ich glaube fest: Ein deutscher Maler sollte nicht aus seinem Vaterlande gehen!" schrieb er an einen Freund. „Der Aufenthalt hier, wie schön er auch ist, ich halte ihn nur für vorbereitend. Welschlands Herrlichkeit hat mir das Vaterland nicht aus der Brust gelacht." Er erkannte nun, daß das Nationale nicht im Stofflichen, sondern in der geistigen Durchdringung, der persönlichen Auffassung liegt „So wie Goethes „Tasso" zwar in Italien spielt, und sein glücklicher schöner Himmel über ihm weht, und das Werk doch an sich selbst in seinem innersten Wesen deutsch ist", schreibt er, „so hoffe ich, soll's mir auch mit meinem Werke neficn." Die Fresken, die er für das Haus des preußischen Gcnc- raltonsuls Bartholdy schuf, sind daS beste Zeugnis für öie «unsthöhe, die er damals erlangte; sie sind wohl überhaupt das reifste Werk der frühromantischen Malerei. Hier offenbart sich eine Einheit in sich vollendeter Art, in der sich die helle Klarheit der Farben mit der reinen Zartheit des Umrisses zum harmonischen Klange vereint. Nie wicdcr'hat Cornelius diese malerische Reife erreicht. Als er von König Ludwig von Bayern als Reformator der deutschen Kunst nach München berufen wurde, da hatte sich schon seine ernste Strenge in slnstere Askese, seine idealistische Kunstauffassung in fanatische Ablehnung aller sinnlichen Schönheit gewandelt. Als er dann nach Berlin ging, um dort in seinem Sinne weiter zu wirken, wurde er immer weltfremder, einseitiger und hat in seiner grandiosen Verstiegenheit nur noch einige Kartons von erschütternder Gröhe geschaffen, ivic die Entivürfe für die Friedhofshalle, die sein „christlichen Epos" wurden. , „ Man hat Cornelius den „grohartigstcn Konstrukteur unter allen dentschcn Künstlern" einen „Monomanen der absoluten Form" genannt. Man hat ihn mit Hegel verglichen, der ebenfalls aus der inneren Anschauung, ans dem Gerste heraus em mächtiges System schuf, das auf die Wirklichkeit keine Rücksicht nahm. Seine Gleichgültigkeit gegen die Natnr ging so weit, bah er einmal, als man ihn darauf aufmerksam machte, dah die Hand einer seiner Figuren mit sechs Fingern ansgestattet fei, ruhig er- ividcrte: „Nun, dann sollen sie eben auch stehen bleiben! Aber in diesem einseitigen Stil hat er Grandioses vollbracht, erscheint er als ein Meister des dramatischen Gegensatzes, des fort- rcihendcn Schwunges, als ein idealistischer Theatraliker, rote es Schiller war. Unvergänglich bleibt seine Persönlichkeit, ötc vollkommen der Kunst geweiht war. In ihr sah er die Erzieherin und Bildnerin zu allem Edlen und Hohen, die aus dem Volkstum hcrausivachscn uud das ganze Volk durchdringen sollte. Das Tragische seiner Erscheinung liegt darin, dah er die starke Persönlichkeit in sich unterdrückte, dah er das Nebertndivtduelle erstrebte und die Idee, das Allgemeine, eine Welt auherhalb des Menschlichen gestalten wollte. An dieser ungeheuren Aufgabe, die unlösbar war, ist er gescheitert. Aber im Unterliegen blieb er Sieger und als ein Vermächtnis dringt heute sein Bekenntnis zu uns: „Ich habe immer, in allen Verhältnissen meines Lebens eine heilige Scheu für die Göttlichkeit der Kunst bewahrt, ich habe mich nie dagegen versündigt." Das „letzte Wunder Aegyptens". Von I. C. E w a l d F a l l s, Gichcn. Vor genau 2ß Jahren, im September 1908, erfolgten die letzten Spatenstiche in der Mcnapolis, einem einst hochberühmten Brennpunkte antiker und urchrtstlicher Kultur im Randgebiet der Libyschen Wüste. Mein Vetter, der weit über Deutschlands Grenzen angesehene Altertumsforscher der Universität Frankfurt, Professor Karl Maria K a n f m a n u , hatte im Verein mit mir, der ich hauptsächlich naturwissenschastlich und völkerkundlich interessiert war, eine Expedition ausgerüstet, um wiederzuftnden, was die Alten als das letzte Wunder Aegyptens rühmten, den verschollenen Menastempel. Nach diesem geheimnisvollen Bau hatte es schon vor unserem Unternehmen gar manchen gelüstet. Berühmte Afriforscher des verflossenen Jahrhunderts fahndeten nach ihm, manche (Barth und Pacho) unter Einsatz ihres Lebens. Französische und italienische Archäologen zog es bis vor wenigen Jahrzehnten weit in die Wüste hinein im Banne des gesuchten Heiligtums, welchem, wenn wir Sophronios und anderen alten Schriftstellern glauben dürfen, ganz Libyen, ja Aegypten selbst nichts Glanzvolleres an die Seite zu setzen hatten. Aber der mächtige Tempelbau, der als Gegengriindung gegen die letzten Bollwerke ägyptischen Heidentums (des Sarapaions und des Ammon- Orakels) eine geschichtliche Rolle spielte, erschien für immer vom Sandmeer verschlungen. Noch kurz vor unserer Landung an der ägyptischen Küste war, als letzte vor unö, die wohlausgerüstete, militärisch stark gesicherte Expedition eines englischen Archäologen, des Admirals Blomfield, ergebnislos von langer Suche zu- rückgekchrt. So schien es an Ueberhebung und Tollkühnheit zu grenzen, nach diesem Mißerfolgen anderer Nationen, nun noch einmal an das Wagnis heranzugehen, zumal auch im Hinblick aus unsere mehr als bescheidene Ausrüstung. Freilich, Vetter Kaufmann war ein Draufgänger roic ich selber, und fein Entschluß, Sieg und Erfolg an die deutschen Fahnen zu heften, die wir neben der ägyptischen mitsührteu, ließ ihn vor keiner Schwierigkeit — und es gab ungeahnte! — zurückschrecken. Geleitet von einem angesehenen Scheik und einem Häuflein tapferer Auladali-Bednincn durchzog unsere Karawane nach einem bestimmten Plane kreuz und qiter die weite Wüste. Und das in Sommerglutcn! Bleichendes Gebein zeigte uns den Weg. Wir stießen aus vcrlaffcne Totenstädte, aus urweltliche Flußläufe, wir kreuzten jahrmillioncnaltc Stämme versteinerter Wälder der Urzeit. Einen roichtigeit Paß, den wir beim Abstieg vom libyschen Hochplateau entdeckten, taufte Prvfeffor Kaufmann nach dem Namen seiner Vaterstadt „B a b F r a n k e n f u r t", und wir erlebten all die wunderbaren Dinge, welche ich in meinen Büchern „Drei Jahre i tt der Libyschen W ü st e" und ,,3i m Zauber der W ü st e", die auch in englischer Sprache erschienen, zu schildern versuchte. Damals legte ich auch den Grund zu meiner Sammlung von bisher unbekannten „B e d u in e n l i eb er n der L i b y s ch e n W ü st e", tvclchc arabisch und deutsch herauskamen und von deueit die Jnselbücherei eine Ausivahl bietet. Nach dreißigtägiger Fahrt im Kanalsattel schien unser Ende nahe. Unsre Karawane strandete im verschriensten Teil Libyens, in der von den Eingeborenen gefürchteten „Hölle von B it tu n a". Kausmann war aufs schwerste an Dysenterie crkraickt, und auch ich selbst schwankte mehr tot als lebendig im sattel. Aber gerade ans diesem letzten Abstecher vor Abbruch der Expedition hatte Kaufmann mit einer Verbissenheit bestanden, die ihn nicht wiedererkennen ließ. Er trotzte sie dem Scheik und der sich stränbendeu Mannschaft unter Drohungen ab. „Fahren nur zur Hülle", lautete die Losung, und bei allem Elend, diese Höllenfahrt ivard uns zum Glück. Ein Glück, dessen Kunde dann tvcnige Wochen später Kabelbcrichtc und englische Zcttungen mit den Worten in öie Welt trugen, ein „märchenhaftes Ereignis sei Wirklichkeit geworden, ein Ereignis fast einzigartig in der Geschichte moderner Forschung". Denn jene gemiedene Hölle von Bumna — obendrein ein Schlupfwinkel feindlicher Kabylen — sie barg das ersehnte Ziel. Anderthalb Jahrtausende hatte sie auf ihre Entzauberung gcivartet, auf die beiden deutschen Forscher, denen es vergönnt war, in ihrem ungeheuren Trümmerfeld die Stätte des Menastcinpels tviederzuerkennen. Gleich die erste beschriebene Scherbe, die ich auf einem der gelben Schuttberge auflas, brachtc volle Gewißheit und — war's zum Verwundern? — blitzartig unsre Genesung. * In der „Hölle von Bumna" reifte der doppelte Entschluß meines Vetters Kaufmann, hier zu graben und flugs nach Europa heimzukehrcu, um das wichtigste aller Ausgrabungswerk- zeuge zu beschaffen, „das verfluchte Geld". Und bald darauf gönnten wir drei Jahre hindurch dem Spaten keine Ruhe, zwei Deutsche unter den Söhnen und Töchtern der Wüste. Wir erlebten mit unseren Beduinen Freud und Leid, Kämpfe und Vlutsfrenndschaft. Und unsere Grabungen in der Mcnasstadt gewannen in Bedeutung weit über die engeren Interessen der Wissenschaft hinaus. Sie gebaren Kulturwerte! Wir zeigten Gipsvvrkommcn in der Wüste auf, und an den iveißen Tafeln, die man nur aus dem Boden herausznbrechen brauchte, bereicherten sich Unternehmer, wir sanden antike Bewässerungssysteme, welche dem Landesherrn Anregung gaben zur Urbarmachung und Wiedergewinnung von Wüsteneien. Aber als uns selber Reichtum winkte, da stemmte sich Kaufmanns uuver- befferlicher Idealismus gegen das „Geschäft". Er lehnte schroff - man kann es in seinem Buche „Ausgräber, M u m i cm j a g e r und tote Städte" nachlesen — das glänzende Angebot eines Gricchenmillionärs ab, neben das aus der Erde erstehende „Lourdes" der Antike einen klimatischen Wüstcnkurort von Rang zu stellen, ein zweites Hcluan. Wird er’8 heute bedauern? Es war derselbe Kaufmann, der den hohen preußischen Orden ausschlug, für den ihn der Frankfurter Oberbürgermeister A d i ck e s eingc- geben hatte, um sich statt desien weitere Grabungsgelder zu erbitten; er, der niemals Zeit fand, als man ihm nahelegte, dem Vizekönig seine Aufwartung zu machen. Gerade dieser Herrscher, Abbas H i l m i II., dem ich in engstem Verkehr nahetreten durfte, und den ich auf seinem großen Zuge nach der Oase Siwah begleitete, wurde nicht müde, sich von mir über den Fortgang der Grabungen unterrichten zu lassen und aus ihnen zu lernen. Die Funde in der Menasstadt zählen heute zu den Sehenswürdigkeiten Aegyptens. Flinders Petrie, der Nestor der Aegyptologen, rühmt sie als „die umfangreichsten Ausgrabungen, ivelche jemals im Nillande von feiten der Deutschen unternommen worden sind". Seinen englischen Landsleuten und den Amerikanern imponierte der „Rekord", den wir — natürlich ganz unbewußt — ausgestellt hatten: „Der Rekord einer derartigen wissenschaftlichen Grabung in ihrer Ununterbrochenheit und im mörderischen Wüstenklima" („Chicago Tribüne"). Man überdenke einen Augenblick unsere Lage: die trostlose Wasserlosigkeit der Wüste, ihre Sandstürme und Siedetemperaturen, feindliche Stämme, die Fragen unserer Sicherheit und die der Verpflegung von zuweilen 150 Insassen unseres Zeltlagers, schließlich die leidige Geldfrage! Nur auf den Augen „Kaufmann-Efsendis", seiner Frankfurter Gönner und seiner Familie beruhte das gewaltige Schaffen, das dann allerdings über jede Erwartung hinaus erfolgreich war und das uns eine schöne Ueberraschung nach der anderen brachtc. Denn nicht nur der lange gesuchte Menastcmpel — ein Bau, den mau in seinen Ausmaßen und seinem Säulenschmuck mit der konstantinischen Pctcrskirche verglichen hat — stieg aus dem Boden samt den unterirdischen Heiligtümern, zu denen einst tue antike Welt mit ihren Nöten und Anliegen gepilgert kam. Eine unbekannte, ungeahnte Stadt schickte sich an, tvicderzucrstehen: die alte Mc napolis. Bauten von kunsthistorischer Bedeutung mit allen Anzeichen hellenistischer Großstadtarchitektur wurden fret- gelegt, nicht weitiger als fünf Abarten des Basilikenstils über» raschten die wissenschaftliche Welt in ihrer Fülle von Marmor. Dann die großzügigen Beivässcrungsanlagen der alten Wallsahrts- stadt, ihre Friedhöfe, ein uraltes Mönchskloster, Herbergen und Privathäuser. Etwas bisher ganz Unbekanntes waren auch die sog. Eulogicnsabriken, Werkstätten, in denen eine rege Industrie die damals bekannte Welt bis nach Asien hinein (Rabban Hor- miizd), ins Herz von Afrika (Dongola usw.) aber auch hoch zum germanischen Norden hin (Trier) mit Pilgerandenken versah, vor allem mit den zierlichen MenaSampullen. Allein das Frankfurter Museum besitzt gegen hundert Abarten dieser seltsamen Menas- flaschen. Frankfurt, Berlin, Alexandrien und Kairo erhielten den Löivenanteil an den in der Menasstadt gemachten Funden, .luderes kam nach Rom, Bvstott und Washington, aber auch zahlretcye kleinere Museen des deutschen Vaterlandes ivurden voit Prvscssor Kauf m a n tt bedacht. Die Entdeckungen folgten Schlag ans Schlag. Kunstwissenschaft und Archäologie haben sie längst in ihren Bestand eingerciht, und die Reihe der Bände darüber würde eine kleine Bibliothek füllen. Zum Schlüsse erhielten die Grabungen noch eine unerwartete literarische Bestätigung. Es wurden fast gleichzeitig zu Paris und London uralte äthiopische Handschriften entdeckt, welche die Menasstadt in ihrer Glanzzeit (5. und 6. Jahrhundert) schildern, von ihren Denkmälern erzählen und vom Pilgerstrom, der sich zu dieser antiken Wunderstätte ergoß. Auch berichten sie von Kaiser Zeno von Byzanz, der sich in der heiligen Stadt der Wüste einen Palast baute und von der starken Besatzung zum Schutze der aus allen Teilen der Welt dorthin Reisenden. Seit der Entdeckung und Ausgrabung der Mcnapolis erlebte die aus ihrem tausendjährigen Dornröschenschlaf Erweckte, ein neues Pilgertum. Neu und prosaisch, denn an die Stelle der Kamele und feurigen Araberrosse ist nun ein regelrechter Autoverkehr getreten. Gelehrte aller Völker besuchen die Menasstadt, um an der Größe der Vergangenheit zu lernen, Reisegesellschaften, die Besatzungen der in Alexandrien Anker werfenden Schulschiffe und Ausflügler genießen nebenher die Wunder und Luftspiegelungen der Wüste. Mag dabei schon oft das Lob deutschen Geistes und deutschen Wesens erklungen sein, wohl selten werden die Besucher so aufgehorcht haben wie damals, als der „Held von Omdurman", Lord Kitchener of Khartum, ergriffen von dem im Menastempel Geschauten die „M u st e r l e i st u n g deutschen Fleißes, deutscher Ausdauer und deutscher Gelehrsamkeit" vor einem großen Gefolge pries. H o p k i n - son-Pascha berichtete ausführlich über diesen denkwürdigen Besuch des Mannes, der bald darauf Oberkommandierender der britischen Streitkräfte des Weltkrieges werden sollhe, und dem dann auf der Höhe seines Ruhmes ein deutsches U-Boot ein nasses Grab im nordischen Meere bereitete. Gtadtlust macht frei. Bemerkungen zur Frage der Eutstchuug der Städte. Von Senator Karl Anlauf, Hannover. Eine eigentümliche und doch so verständliche Erscheinung in der Gegenwart ist die Belebung des Interesses für die Vergangenheit unseres Volkes. Hierzu gehört es auch, die Frage nach dem Ursprung der deutschen Städte wieder zu beleben, nachdem der heftige wissenschaftliche Streit der Rechtshistoriker seit langer Zeit eingeschlafen ist, ohne eigentlich eine ganz klare Formulierung des Ergebnisses gefunden zu haben. Der schärfste Kämpfer war v. Below, der wie v. Maurer die Entstehung der Städte aus der Dorfgemeinde herlettete. Der ältere Arnold Heusler sah sie aus einer altfreien Gemeinde entstehen. Nitsch machte ein ganz kompliziertes Gebäude aus dieser Frage, er sprach^von einer Bereinigung der Ministerialien und Hörigen des Stadtherrn, Wilda und Girke vertraten die sogenannte Gildentheorie, S o h m und R i e t s ch e l entwickelten die Stadt aus einem Markt oder aus einer Marktansiedlung und Hegel sah sie aus natürlichen Anfängen entstehen. Die Frage muß nur richtig gestellt werden: Wann ist eine Ansiedlung als Stadtgemeinde anzusprechen? In Wirklichkeit gehen nur darüber die Meinungen auseinander. Was war in der Zeit der Karolinger der volkstümlichste Eindruck von der Stadt? Der Rechtsgrundsatz: Stadtluft macht frei! Das heißt, die Abhängigkeit des Einzelnen von einem Grundherrn löschte die Stadtgemeinde aus. Im Anfang aller Siedlung steht das Dorf, das im Anschluß an eine Burg, eine königliche oder fürstliche Pfalz, an einen Bischofssitz oder ein Kloster entstand, unter dessen Schutz und Hörigkeit sie sich begaben. (Die freien Kolonistendörfer unter Karl dem Großen waren gewissermaßen Gründungen der fränkischen Söldner.) Das Dorf ist nicht der Vorgänger der Städte gewesen. Erst im 12. Jahrhundert kamen auch Städtegründungcn durch Verleihung des Stadtrechtes an ländliche Siedlungen vor. Solche Urkunden sind ganz selten. (Auf einem schon älteren Privilegium Ottos I. fußend richtete der Retchenauer Abt Ekkehardt 1075 eine Handelsniederlassung im Dorfe Allensbach ein.) Die Regel ist die Gründung eines Marktes neben einem Dorfe, aus dem später eine Stadt geworden ist. Die älteste Ansiedlung Hildesheims war ein Dorf in der Nähe der heutigen Stadt, das später einfach das Alte Dorf hieß. Von diesem Dorfe ist die Stadt Hildesheim völlig getrennt geblieben. Auch in Goslar bestand eine völlige Trennung des alten Fronhofes von der Siedlung und der eigentlichen Stadt. Ein interessantes Beispiel ist Radolfszell. Im alten Dorfe galt Hofrecht, in der Marktsiedlung öffentliches Recht,- über anderthalb Jahrhunderte haben die beiden Ansiedlungen nebeneinander bestanden. Erst 1287, nachdem beide bereits mit einer gemeinsamen Mauer verbunden waren, bekamen beide öffentliches Recht. Auch Göttingen wurde neben dem alten grundherrschaftlichen Dorfe erbaut. Ebensowenig wie in Burgen, Pfalzen oder Klöstern der Keim steckte, der zu städtischer Wirtschaftsform den Anstoß hätte geben können, ist er im Dorfe zu finden. Dieser Keim konnte nur im Markte liegen. Der Markt entstand aus dem Bedürfnis des Warenaustausches. Es waren einfache Zusammenkünfte von Käufern und Verkäufern an irgendeinem günstig gelegenen Orte, un einer Straßenkreuzung oder einem Flußübergang oder einem Landungsplätze. Den Markt errichten konnte jeder, der da» dazu nötige und gelegene Grundeigentum besaß. Das waren damals nur die großen Herren. , Die Grundherren, die einen Markt besaßt, hakten nnn ein i Interesse daran, die Zoll- und Münzegerechtsame zu erhalten. So i entwickelte sich der öffentlich verliehene Markt und damit das Marktregal für den Landesherrn, das Karl der Kahle durch seinen 1 Befehl an die Grasen des Reiches, sämtliche bestehenden Märkte zu verzeichnen, befestigte. Alle zur Zeit Karls des Großen vor- j handenen wurden anerkannt, alle anderen mußten die Genehmi- I gung nachsuchen. Aus dem Zeitrauin vom 9. bis 12. Jahrhundert liegen eine lange Reihe von Urkunden über Markt-, Münz- und ! Zollverleihnngen vor. Sie nehmen wieder ab unter den Staufern - und verschwinden zuletzt fast ganz, da die geistlichen und weltlichen Territorialhcrren schon im 12. Jahrhundert wieder ansingen, selbst Märkte zu errichten, ohne nach des Kaisers Bewilligung zu fingen. Das Marktrecht ist vielfach irrtümlich dem Stadtrecht gleichgesetzt worben. Das Stadtrecht umfaßt aber das ganze bürgerliche Leben, nicht nur den Markt, Münze und Zoll. Das Stadtgericht richtet über sämtliche Angelegenheiten der Gemeinde. Der Bürger wird der allein regierende Herr in der Gemeinde: damit hat er eigentlich die städtische Verfassung begründet. Die Städte waren somit nach ihrem Charakter schon Städte, bevor die Verleihung des Stadtrechtes erfolgt ist, genau so, wie es Märkte vor der Verleihung des Marktrechtes gegeben hat. In den sogenannten Stadtrechtsurkunden ist sehr wenig vom Stadtrecht die Rede, zumeist sind es nur Bestätigungen von Rechten der Selb st Verwaltung. Man hat bei diesem raschen Erstarken des Bürgertums nach nach den Triebkräften gesucht und geglaubt, sie im Gildewesen zu erblicken. Es wurde häufig die für den Bürger des Mittelalters gangbare Bezeichnung „mercator" so verstanden, die Einwohner der ersten Städte seien nur Kaufleute gewesen, und ihre Gilden hätten die Städte gegründet. Der Name Kaufmann kommt nicht von Verkaufen, sondern vom Einkäufen, im Gegensatz zum Landmann, der sein Saatkorn selbst erzeugt. Auch der Handwerker kaufte ein, namentlich Rohprodukte und war damit ein „mercator". Zudem hat es im 12. Jahrhundert in Deutschland nur wenige Kaufmannsgilden gegeben, dagegen schon eine ganze Anzahl von Handwerkerzünften. Zwar war der Kaufmannsstand im Mittelalter angesehener als der Handwerkerstand, und das Patriziat, welches in den Städten das Regiment führte, setzte sich überwiegend aus Kaufleuten zusammen. Dennoch hat der Kaufmann die übrigen Stände nicht so zurückgedrängt, daß man sagen könnte, die Stadt sei seine alleinige Gründung. Wir dürfen heute als feststehend Folgendes betrachten: Außer den Römerstädten sind in Deutschland fast alle Städte aus Märkten entstanden. Die erste Etappe zur Stadtwerdung war die Seßhaftigkeit der bisher nur im Umherziehen ihren Berus ausübenden Kaufleute und der Handwerker. Wirtschaftlich gesehen war diese Marktsiedlung etwas vom Dorfe Verschiedenes, denn die ! Bewohner nährten sich nicht mehr ausschließlich von der Ackerbewirtschaftung. Für diese Art der Siedlung gab es zwar noch keine Rechtsform, aber man darf sie als alsUrform der S t a d t ansprechen. Sie war noch nicht ganz Stadt, weil das Marktrecht noch der Grundherr hatte und sein Vertreter, der Vogt oder Schultheiß, noch die Siedlung verwaltete. Schon ganz früh jedoch gestaltete sich die Marktsieblung zur „urbis" (mittelalterliche Bezeichnung sür Stadt, die eigentlich Burg bedeutet), d. h. der Ort wurde befestigt. Mit dieser militärischen Sicherung seines Gebietes erstarkte auch das Bürgertum. Wir sehen in diesem Stadium schon eine Vertretung der Bürgerschaft neben dem Stadtherrn. Im 12. Jahrhundert entwickelte sich dieser Rat zum Inhaber der obrigkeitlichen Gewalt, nicht ohne Kämpfe mit dem Stadtßerrn. Langsam kam die Stadtverwaltung in die Hände der Bürger. Das war der klare Weg der Stadtentwicklung, die Kaiser hatten nichts anderes dabei getan, als diese Rechte zu bestätigen. Damit trat auch der Zustand ein: Stadtluft macht frei. In den jungen Städten fanden sich viele Hörige ein, denn sie sahen sich sämtlich der Gewalt des Hofgerichts entrückt. Da ihre Zahl in den Städten erwünscht war, erreichten sie in der Tat mehr oder weniger ihr Ziel, von ihren persönlichen Verpflichtungen gegen ihren Herrn frei zu werden. Nachdem zunächst die Stadt sie in ihren eigenen Angelegenheiten als frei behandelte, wurden sie wirklich frei. Oer Mann, der mit dieser Zeit fertig wird. Roman von Walter Julius B l o e m (GDS.). (Fortsetzung.) Nun soll in ein paar Wochen die Schlacht losgehen, deren Munitionsvorräte hier aufgehäuft sind. Sie erschöpft im voraus die Kredite des kleinen Wagenschanz-Werkes dermaßen, daß die Angestellten und die Arbeiter am nächsten Zahltag nur die Hälfte der Löhne erhalten können, und was die Lieferanten anbetrifft, so werden sie sichtlich nervös und schicken Boten mit den Rechnungen. Warten, wenn ich bitten darf! Es riecht bei uns verdammt nach dem Gerichtsvollzieher. Unter diesen Umständen vermag Doktor Wagenschanz dem Fall Elli nicht die nötige Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Er hat seine Schlacht vorbereitet und dachte an alles dabei, nur fehlt noch eine Kleinigkeit, ein einziges Wörtchen sozusagen. Dies einzige Wörtchen will sich nicht finden lassen. Nun rächt es sich, daß die Wagen- schanz-Werke keinen gelernten Propagandisten besitzen. Kieselbach gibt sich die größte Mühe, der Kandidat stößt Qualm bervvr wie eine Dampfmaschine, es müßte ihm etwas unbedingt Ueberzeugen- des einfallen, etwas ganz Einfaches und sehr Starkes — nun er- wehchen. (Fortsetzung folgt.) Hera» ^wörtlich: l)r. Hans Thyrtot. — Druck und Berlog: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stein drucker ei, R. Lange, Gießen. springen leuchtend aus, er kommt tzervorgerollt. „Einsteigen. Kte- ^^^.Rh'habe es", sagte der Kandidat, „ich habe es endlich. Nun muß ich noch eine Weile hierbleiben, Doktor." Und er läuft schon zur Baracke, in seinem Zimmer flammt bas Licht auf. „Sollen wir warten?" . , o „I was, das kann Stunden dauern. Fahren wir los. Sie schaltet, spürt wie immer angenehm den wohlrgen stnaa, den das Getriebe macht, danke, sagt es, ausgezeichnet, du hast s raus. Das taubengraue Tier kriecht zur Straße. „Komtsch! Seit Wochen sitzt Kieselbach wie vor den Kopf geschlagen da, und nun auf einmal —?" , , , ., , „Der Einfall war von mir", stellt Anton fest. „Aber wenn schon! Man muß nur dasitzen und sich vor den Kopf geschlagen fühlen, nicht weiter wissen und nicht mehr an sich glauben. Plötzlich ist der Einfall da. Das ist die Morphologie des Einfalls. Dann kommt er immer. Und immer rechtzeitig." Man möchte sich in eine Wiese legen,-in die letzte Septemberwiese, Augen zu, und nun von dieser Stimme hören: Bloß nicht immer diese Aufregung. Nur nicht immer das Schlimme furchten. Gute Jahre, schlechte Jahre, gute Jahre. Und im übrigen hat man ja seine Ellenbogen. „Mutz denn alles so schwer sein?" stöht sie hervor. „Doch. Schwer. Immer. Jeder Erfolg wird erlitten. Aber warum wollten Sie nicht mit zu Herrn Schönlein?" „Ich habe ein schlechtes Gewisien gegen ihn. Ich war seit vielen Wochen nicht bet ihm." „Sind Sie verpflichtet, alle Tage zu ihm zu kommen. Sie kann nicht erwarten, batz Doktor Wagenschanz das leise Herzweh spürt. Mit Peter war alles unausgesprochen und voller Widerstände, es war trotzdem ein weiter Gang, nun biegt der Weg mit einem Ruck ab. Aber man zögert, sich Lebewohl zu sagen. Drüben wandern die Putten Raffaels, unsterbliche Lieder geigen aus dem Geheimnisvollen, und darüber führen die Völkergedanken der heutigen Zeit ihren Vernichtungskrieg bis in Peters Seele hinab. Rosemarie sängt immer mehr an zu spüren, der Weg über die Wagenschanz-Werke gleicht einer breiten Landstraße auf der man herrlich marschieren und auch fahren kann. Auch hier ertönt Musik, die harten Rhythmen einer erobernden Weltfreude werden vernommen, frei von allen Zweifeln und von ätzenden Grübeleien kämpft man hier seine Zeit ab, guten Deutes noch ein paar Jahrzehnte, und kein Mensch fragt, warum das allesl Man lebt, man wird sterben, das hat einen wunderbaren Sinn, man muß ihn empfinden. „Ich werde mir unbedingt in ein paar Wochen eine große Wohnung mieten", Doktor Wagenschanz beutet aus eine in der Dunkelheit vorüberziehende Villa hinter Parkgtttern, Blätter fegen an der Mauer. „Es ist mir plötzlich klar geworden, ich brauche Raum. Ich möchte auf Teppichen hin und her gehen. Mit den Fingern über eine Bronzestatue tasten. Ich muß an einem weißgedecktcn Tisch essen, mit silbernem Besteck, und Kristall muß darauf stehen mit einem dunklen Wein. Freunde müssen zu mir kommen und bet mir tafeln. Es soll hoch hergehen." Er stößt laut hervor: „Es muß ein Ausgleich sein." Er fängt Rosemaries staunenden Seitenblick auf, ganz kurz, sie hat ihre Augen nötig, schmale Gassen, huschende Schatten von Hund und Katze in der Dunkelheit. „Ich schlafe in einem Feldbett", fährt Anton fort, „das am Morgen zusammengelegt und in eine Ecke geschoben wird. Es ist mir mit einemmal widerlich geworden. Wenn nächstens alles gutgegangen ist, so werden Sie mir helfen, ein Wohnung einzurichten. Ich verstehe nichts davon, ich kann es nur ungefähr erphantasieren. Sie haben es in den Finger- Glücklicherweise biegen sic jetzt in den Alten Ratsmarkt. An den Kastanienbäumen baumeln die letzten gelben Blätter, ein Sommer ging wieder vorüber, seine Blütenträume reifen nicht. * Die kleine Elli sitzt auf einem Sofa und weint. Manchmal ist sie nicht zufrieden damit, den Nacken an der grünen Ripslehne liegen zu lassen, ihr Kops fällt nach vorn aus die Arme, und die Arme liegen über den Knien. Sie weint um mehr als um eine verlorene Arbeit. Aus ihr löst sich die Verzweiflung über ein Leben, in dem alles krumm gegangen ist, zwei kleine Jahrzehnte glückte nichts — oder soll man von Glück reden, daß man da ist in dieser trostlosen Zeit und inzwischen trotz allem nicht Hungers gestorben? Sie preßt ein feuchtes, zerknülltes, warmes Fetzchen Taschentuch und fragt immer halblaut vor sich hin: „Wozu, wozu?" Es ist ein altes Sofa, auf dem sie sitzt. Es wurde vor hundert Jahren aus braunem Nußholz angcfertigt, und da es nur über begütigende Gebärden verfügt und nicht über Worte, so kann es nicht erzählen, daß hier im Lauf der Jahrzehnte manche Frau gesessen hat, mit großen, leeren Augen und mit den Händen int Schoß, oder weinend wie Elli — tcht immer so wild weinten diese Frauen, denn meistens ging der Schmerz noch viel tiefer. Sicherlich war nun eine Lisa darunter, Peters erste Frau, die hier saß mit einer strengen Falte auf der Stirn, verschränkten Armen und mit den Augen einer Gefangenen, die auf Flucht sinnt, Lisa ergriff ihre Flucht immer sogleich, drei Schritte, Schritte auf kräftigen Füßen zum Flügel, und dann schott das Grollen der gefangenen Stimme zu dem Mann Peter hinüber, der drüben im andern Zimmer seine Schultern ein wenig zusammenzog und sich tiefer über seine Akten beugte. Ganz anderer Schmerz als Ellis Weh- mtt6ef er sichtlich an diesen vergeblichen Anstrengungen und seine Einfälle bleiben in der Niederung besserer Dutzendinserate. Haben wir keine Parole, dann brauchen wir nicht erst loszuschlagen, dann haben wir unsre Schlacht schon im vorhinein verloren. Kieselbach und Fräulein Rcubold befrnden sich nach Arbetts- schluß noch in der Fabrik, diejenigen sind dageblreben, die stch nicht o einfach ein anderes Pult suchen können, wenn dieses hier aus dem Leim gehen sollte. Man darf unglücklicherweise nicht zu Doktor Wagenschanz gehen und ihn bitten, seinen Sturmschritt zu mäßigen. Bor Jahren haben ihm zu viele Leute mit zu vielen Ratschlägen in den Ohren gelegen, als es nicht vorwärts gmg mit ihm. Wohin wäre er gekommen, wenn er sie befolgt hatte? Wohin? Ans Fensterkreuz? Nun müssen seine beiden Mitarbeiter stillehalten und abwarten, ob seine Pläne gelingen werden oder ob das Ganze zusammenkracht. Kieselbach benörgelt jeden Teil des Betriebes, in dem er nichts zu sagen hat, und schwort nur auf die Durchschlagskraft seiner bisherigen Werbung, warum soll die Anton kommt zu den beiden hinüber. „Es will mir nicht aus dem Kopf, was Elli mir vor ein paar Monaten mal sagte, als ich ihr einen Rüssel gab, weil sie zu spät kam. Morgens, sagte sre - aber ich kann das nicht ausdrücken, dafür stnd Sie da, Kieselbach. „Na, was sagte sie denn Großes?" m ,Gar nichts Großes. Sie findet nämlich, es ist ent Vergnügen, wenn man sich morgens zurechtmacht. Erst ist man verschlafen, gähnt und hat ein verquollenes Gesicht. Ungefähr so. Aber im Lauf einer halben Stunde nimmt man sozusagen etne festliche Verwandlung mit sich vor. Jeden Tag." Der Kandidat Kieselbach spielt spöttisch mit seinem Bleistift. Ist diese Anregung eines Laien verrückt oder sollte sie ausnahmsweise brauchbar sein, da auch ein blindes Huhn gelegentlich ein Korn findet? Seine Ohren wackeln, dann stellt er gehässig fest, daß Rosemarie seine schwarzen Fingernägel betrachtet. „Denken Sie also nach, Kieselbach, ob sich daraus nicht eine Idee abzapfen läßt." Doktor Wagenschanz geht wieder davon, eine tiefe Falte zwischen den Augenbrauen, jetzt nach Werkschlutz kann man ihm ansehen, daß er ein Mann mit Sorgen ist. Auf seinem Arbeitstisch häufen sich die Papiere mit Berechnungen. Er muß kühn spielen, wenn er seine Vorsätze durchführen will. Arbeit für dreißig Menschen und eines Tages für dreihundert, das hängt ab von seiner Geschicklichkeit. Von außen gesehen, wachsen die Häuser und die Fabriken aus freiem Antrieb, die Schiffe fahren scheinbar in eignem Auftrag übers Meer. In Wirklichkeit plant überall ein Kopf, was geschehen soll, und ein Mann macht sich Sorgen, er wagt, baut auf, es gelingt ihm, seinen Kreis nach seinem Willen rund zu machen, oder die Dinge wenden sich gegen ihn und er verschwindet in der Masse der Unzählbaren, die das tun, was man ihnen zu tun gibt. Das Telephon schnarrt. Am andern Ende des Drahtes spricht der Anwalt Peter Schönlein. „Sie haben Fräulein Hampel fristlos entlassen, die kleine Elli? Glauben Sie nicht, Doktor Wagenschanz, daß wir den Casus bei einer Flasche in Güte erledigen werden? Wozu Sie geziemend eingeladen sind." Zuerst will Anton loskrachen: .Lassen Sie mich in Ruhe, Sie, wer ist Elli, wer bin ich? Sie lacht gern und gewöhnt sich schwer an Ordnung, ich schreibe ihr ein nettes Zeugnis, morgen findet sie eine andere Stellung oder sie geht eben stempeln, lassen Sie mich jedenfalls in Ruhe mit ihr, ich habe den Kopf mit anderen Dingen voll —‘ Aber in diesem Augenblick bricht etwas in ihm auf, das er nie gekannt hat, vielleicht lieferte Peter Schönlein das Stichwort dazu: „Wein!" Wahrhaftig, verwandelte Gesichter vor sich haben und nicht die sachlichen, bedrückten Mienen vom täglichen Trott, Wein trinken, sich unterhalten, lachen und das Leben schön finden! „Angenehm. Veranstalten wir etwas. Ich werde meine Beiden mitbringen, Kieselbach und Fräulein Reubold. Sie, Herr Schön- letn, wissen natürlich nichts davon, wir haben hier zuweilen ein gewisses Würgen in der Kehle. Was wir hinuntertrinken werden. Den Wein stifte ich." Schönleins verblüfftes Schweigen wird nicht weiter beachtet, es ist dieser Anton Wagenschanz, der alles selbstherrlich anordnet, hier verfügt er sogar über die Gastlichkeit eines Dritten. „Machen Sie sich fertig", erklärt er int Varackenzimmer, „bei Schönlein steigt eine Bowle oder sonst etwas Genießbares." Kieselbach schnüffelt mit den Nasenflügeln. Nun sollte die Freude bei Rosemarie fein. „Ich habe keine Lust." „Natürlich haben Sie. Wir besuchen Ihren Intimus." Sie wehrt sich. „Was soll man denn anziehen?" Doktor Wagenschanz streift mit ruhigem Blick an ihr hinab, von der Schnlter bis zu den Knien. Was hat der Mann für Augen bekommen in diesem Jahr, empfindet sie, man stellt sich ihnen entgegen wie einem Anprall. „Sie sind ausgezeichnet angezogen." Kieselbach setzt aufgeregt seinen Monolog mit der schweigenden Rosemarie fort, während sie zum Hos gehen, um das Auto aus der Wellblechgarage zu holen. Seine Hände fuchteln in der Luft. „Denn tvisscn Sie, man streckt die Glieder wie ein Halbtier, man kratzt sich wie ein Affe, — kommt man nicht aus dem Schlaf wie aus einer ursprünglichen Welt? — und nun durchmißt man im Lauf einer halben Stunde das Wttttdcr der Menschwerdung!" „Nicht übel", meint Anton, während er das Tor aufsperrt, „schreiben Sie sich das auf, Kieselbach, das mit der Menschwerdung und der ursprünglichen Welt, sofort notieren, man vergißt sowas leicht." Drinnen 6rummelt der Taubengraue, seine weißen Tieraugen