Geheim ZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang <933 Montag, den 17. Juli Nummer 54 Gommerabend. Von Martin Weise. Nun kommt die linde Sommernacht, Und kommt wie eine Mutter sacht Zu ihrem müden Kinde. Die Grillen zirpen schon im Korn, Ein letzter Bogel klagt im Dorn, Leis flüstert noch die Linde. Die Wälder werden schwarz und weit. Die Welt steht still im Feierkleid, Die Sterne sind angezündet. Der Himmel raunt in Ewigkeit. Langsam den Stundenschlag der Zeit Die ferne Dorfuhr kündet. Ich denk' der Hellen Kinderzeit Und wie das alles nun so weit, Verrauscht — dahingegangen. Da wird das Heimweh in mir laut Und Knabenwünsche, heiß, vertraut, Erfüllen mich mit Bangen. Oer Mann, der mit dieser Zeit fertig wird. Roman von Walter Julius V l o e m (GDS.). (Nachdruck verboten.) Früher genügte ein kleines weißes Porzellanschild, auf dem in schwarzen, schön verschnörkelten Buchstaben zu lesen stand, daß hier die Spezereiwarenhändlerswitwe Elfriede Wagenschanz 'wohnhaft sei. Jetzt befindet sich an der gleichen Stelle ein Messingschild, das in hochmütiger Ruhe ankündigt: Dr. phil. Anton Wagenschanz, Chemiker. Dieses Schild, kann man es ihr verdenken, wird von der stolzen Mutter an jedem Samstagabend blank geputzt. Das ist jedoch die einzige sichtbare Veränderung im Vergleich zu dem früheren Zustand. Die Grünkramhandlung ging nicht etwa in die Hände des Sohnes über, sie befindet sich vielmehr nach wie vor im Besitz der Witwe Wagenschanz. Anton wäre nicht von selber auf die Universität gegangen, aber seine Mutter wünschte sich auf jeden Fall einen studierten Sohn. Nun ja, den Wunsch sah jie erfüllt. Aber auch jetzt gefällt ihr einziger Sohn ihr nicht recht: weil er keine Stellung findet ... weil er ihren Ehrgeiz nicht erfüllt. Es ist noch nicht lange her, da zweifelte Anton Wagenschanz keinen Augenblick, daß alle Türen sich sperrangelweit vor ihm öffnen würden. .Jetzt werden wir es den Leuten mal zeigen, jetzt sollt ihr was erleben!' So stand er mit seiner Bauerngesundheit vor den Toren des Lebens, siegesgewiß und unverbraucht. Natürlich gab es zuerst einige Schwierigkeiten, um überhaupt auf irgendeinen Arbeitsplatz zu kommen. Aber Anton hatte seine Sache gelernt, seine Professoren bescheinigten ihm, daß er etwas konnte, und ohne Zweifel begann er eine erfolgreiche Laufbahn. Das sagte jeder, der ihn sah, alle Bekannten der Wstwe Wagenschanz blickten wohlgefällig hinter dem Studiosus Wagenschanz her, wenn er in den Ferien zu Hause bei seiner Mutter war: .Seht ihn euch an, wie er geht und steht, schwerkalibrig, jawohl, kein abgeleckter Modeschwengel. Paßt auf, was der einmal leisten wird, blickt in seine ruhigen Augen: damit schaut er sich seine Sache erst von vorn und hinten an und bann schafft er sie, einer der Unfrigen!' Daran bestand nicht der mindeste Zweifel im Bekanntenkreis der Witwe Wagenschanz. Sie teilten ihm sogar schon diese oder jene Frau zu, es war eine unausgesprochene Hoffnung, und jeder meinte eine feiner eigenen Töchter. Wer nimmt es be#i Leuten Übel? Jeder wünscht, daß die ©einigen aus dein ewigen Rechnen um die kleinen Notwendigkeiten herauskommen, durch Beruf oder Heirat. „Der junge Wagenschanz ist jetzt Doktor geworden", hieß es vor fast zwei Jahren, „nächste Woche kommt er heim. Gib dir Mühe, Lieschen, und zeig ihm, was du kochen kannst." Als bann ber Doktor Wagenschanz von ber Universität kam, würbe er jeben Sonntag in einem anbern Hause gefeiert, Lieschen unb Trübe unb Anni sahen kerzengerabe in schönen, neuen Kleibern ba, rebeten sittsam ober hielten klugerweise ben Munb. Ein Sommer fing an, unb an den dunklen, warmen Abenden küßte Anton die hübschesten von ihnen reihum. Diesem Enkel eines Bauern fiel es nicht ein, erst jede einzelne mit Blumen und süßen Redensarten bedächtig einzuwickeln, — er nahm sie in die Arme, wo er sie ungesehen traf, und richtete sich auch nicht im mindesten danach, welche von ihnen das meiste Geld besaß. Er war ein stämmiger Kerl von unversieglicher Gesundheit, ber bie begrünbete Zuversicht hegte, das Leden werde ihm immer ein anständiges Gesicht zeigen. Er begab sich mit Macht auf die Stellensuche, täglich ging irgendein Bewerbungsschreiben zur Post. Und als er merkte, daß er nicht ganz jo einfach ins Brot kam, da verdoppelte er diese Bemühungen. Die Monate gingen dahin, und sieben ober acht Anstellungsschreiben an einem einzigen Tag bildeten eine Art Gesetz. Anton fing an zu begreifen, daß er in eine böse Zeit hineingeraten war, es ging abwärts mit diesem Land, viele Firmen machten zu, viele entließen einen Teil ihrer Angestellten. Die Wirtschaft schrumpfte ein, sie spie Menschen zu Millionen aus. Das war vor anderthalb Jahren. Als der Winter kam, fiel es Anton allmählich auf, daß er nicht mehr eingeladen wurde, die Lieschen und Trudchen unb Anni betrachteten ihn mit zögernden Gesichtern, „Frau Doktor" heißen, ist sicher sehr schön, aber man muß auch leben können. Das fing mit kleinen, spitzen Fragen an — „Haden Sie denn immer noch keine Stellung?" —, das spiegelte sich im sorgenvollen Gesicht feiner Mutter, das türmte sich unheimlich in ben Ablehnungsschreiben der chemischen Betriebe. Aber man darf ben Mut nicht verlieren. Sv lebte er in einer ziehenben Ungebuld, ein volles Jahr hindurch, daß endlich etwas geschähe, was, statt Wirklichkeit zu werden, sich mehr und mehr in eine Fadel verwandelte, schlechthin in einen Glücksfall, den man nicht mehr ernsthaft erwarten konnte. In jener Zeit verliebte er sich in einem Grade, der unter erträglichen Umständen seine Leistungsfähigkeit vervielfacht hätte. * Ein fünfundzwanzigjähriger Mensch hat bas Recht, sich zu verlieben. Aber so wenig wie jeder Liebende ahnt Anton Wagenschanz, daß er in einen Menschen hineinblickt als in ben großen Zauberspiegel ber Zukunft: bas SBilb strahlt mit faltenlosen, immer fröhlichen Wangen, es zeigt eine schwerelose Gestalt, bereu Füße kaum ben Boben berühren. Hinter bem Spiegel jeboch liegen verborgen alle Zeiten, ein Säugling an ber Brust biefer künftigen Mutter, Pflicht unb Sorge für viele Köpfe, spielenbe Kinber unb Heranwachsenbe: Glück, Gram unb Krankheit stehen unsichtbar hinter bem Spiegel: Särge senken sich in das Erdreich: Falten, weißes Haar unb gebeugte Rücken sind vorbereitet — unb ber Stolz unb Friebe über ein vollendetes Leden, dem nichts an Kummer, Last, Arbeit und zäh erreichtem Lohn erspart blieb. In diesen Zauberspiegel blickte der junge Anton Wagenschanz hinein, sieht nur die blühenden Wangen, das Lachen und die schwerelose Gestalt. Es ist ein Mädchen wie hunderttausend andere, nett und gesund, eine seit Jahren erwerbslose Stenotypistin, bie mit einer Freunbin im Häuschen ber Witwe Wagenschanz eine Mansarbe bewohnt. Sie heißt Elli Hampel, als Kinb einer vielköpfigen Arbeiterfamilie spielte ihr Leben sich ab in büftern Hinterhäusern, ihr finb Kellerwohnungen und Mansarden nicht fremd: sie besitzt eine alte Nähmaschine, auf ber sie Gelegenheitsarbeiten für bie arme Nachbarschaft leistet, unbezahlte Arbeiten sehr oft. Es geht ihr schlecht, aber sie leibet niemals Not, weil sie auf eine geheimnisvolle Weise mit allen Möglichkeiten umzugehen versteht. Diese Elli Hampel liebt Anton Wagenschanz. Vorläufig barf es niemand wissen. Es würde ja geradezu komisch klingen: „Wollen Sie meine Frau werden, Elli?" Ja, wovon denn, bitte?" Fragt man ihn: Wie kam denn das, bist du verrückt, du, Doktor philo- sophiae, wie kannst du dich in so ein kleines, dummes Mädchen verlieben? — er würde langsam und nach langem Besinnen antworten: Ich weiß nicht, wie es kam. Sie wohnt schon lange bei meiner Mutter. Das ist beinah alles, was ich über sie sagen kann. Oder, würde er sich verbessern, es wäre tausenderlei über Elli zu sagen, weil feine Frau ihr gleicht. Andere zanken sich mit ben Menschen, mit benen sie nun mal leben müssen, — sie hält Frieben. Anbsre versinken in untätigem Trübsinn — auf Ellis Tisch steht immer ein Blumenstrauß — aus sechs Fetzchen Seide zaubert sie einen bunten Lampenschirm. * Alle Gesichter, die ihn einst willkommen hießen, haben sich grausam verändert. Der Sohn der Witwe Wagenschanz wird nicht mehr mit hoch- achtungsvoller Höflichkeit von den Vätern heiratsfähiger Töchter gegrüßt und Sonntags „zu einem Löffel Suppe" eingelaben. Man verbietet den Töchtern jeden Umgang mit „diesen Leuten". Der Frau Hugendudel, deren Mann ein gutgehendes Schuhgeschäft in der Weifenallee besitzt, fiel es auf, daß ihr Trudchen bei kleinen Einkäufen ziemlich lange ausblieb. Das Mädchen macht doch wohl keine, Geschichten? Das Mädchen ging ahnungslos mit schnellen Schritten über den Alten Ratsmarkt und verschwand in den krummen Gassen der Bvrstadt, ungesehen im Abstand hinter ihr die Mutter. Trudchen Hugendubel betrat schließlich den Grünkramladen ber Witwe Wagenschanz, sie ließ sich von Anton, ber um biese Zeit fast immer hinter ber Theke saß, ein Tütchen gemahlenen Pfeffer geben, ein | Hellheiten und Dunkelheite Trikolore der kleinen Fah I finhunn drei neuer Graus Paris (19. November 1909): Paris würdest Du sehr erkennen, so wie es jetzt aussieht: mit einer plötzlichen gelben Sonne zwischen halb acht und halb neun und von da ab immer grauer, Grau vor Grau und Grau durch Grau gesehen. 3d)' machte eben einen schnellen Weg nach den gro- tzen Boulevards, solange die Himmel noch nicht ganz zugegangen waren: das war unbeschreiblich schön; die Stüdte-Statuen an den entlegenen Ecken der Place de la Concorde gaben Mitteltöne ab zwischen der seinen Helligkeit der Dinge und des Raumes und den Bronzemitten der beiden Fontänen in denen das flache Wasser sich in kleinen, knittrigen Falten rührte um sich noch zu fühlen vor dem Einfrieren. Die einander engegen- gebäumten Steinpferde beim Eingang der Tuileriengärten sahen schwer aus und winterlich unter dem vielen opalen Himmel, und die Baume dahinter hatten schon den violetten Nebenton eines Wintertages. Rechts an der „Strasbourg" nahmen die Kränze und Blumenhaufen merkwürdige Hellheiten und Dunkelheiten an, die nicht mehr Farben waren, und das Xhlu.vk. F„hnen war nur noch wie die eben gemachte Erfindung drei neuer Graus, das Aeuherste, was, nach drei verschiedenen Seiten hin, im Grau zu leisten war. Die Avenue der Champs-Elysees slotz langsam und unsicher auf den Platz zu, und nur, wenn man sich wandte, sah man hinten, als Letztes im Ungewissen, die goldenen Rosse des Pont Alexandre III. ihre Flügel ausreihen. JW; M Städte-Bilder. Aus neuen Briesen von Rainer Maria Rilke. Die ausgereiftesten und bekenntnisreichsten Dichtungen Rilkes aus der Vorkriegszeit find in den Jahren 1907 bis 1914 entstcmden. In das Ringen um diese Werke sührt uns der neue Band „Br efe aus den Jahren 1907 bis 1914" ein, der Insel-Verlag erscheint. Bald in tiefer Einsamkeit, bald in weiten Reisen sucht der Dichter Sammlung und Anregung, und die Eindrücke aus seinen Fahrten formt er bisweilen in unnachahmlichen Schilderungen, wie sie nur ihm gelangen. Wir stellen hier einige dieser Bilder zusammen. Wien (9. November 1907): Hier ist merkwürdig mit dem Menschensehen und mit allem; es ist so, daß es mich völlig unvorbereitet s.ndetz nicht das geringste davon kommt bis zur Sagbarkeit: so> wenig; kann: ich noch bewältigen; daß da eine Stadt ist, eine alte, ihrer selbst fufjere eigene Stadt, die sich um mich begibt, die dasteht mit ihren uralten Kirchen und Häusergruppen, die mit ihren Brücken zwanzigma über den ZU kleinen Fluß und seine Kanäle hin und wieder geht, die mit Menschen strömt, mit raschen Wagen fährt, mit Wagen, die auf dem Asphalt lauüos um.in« Ecken biegen, ein rasches Getrappel vor sich her e,n ganz leichtes Hufi ausklingen rasch und vielfach durcheinander gesetzt, wie beim klöppeln die Hölzer; eine Stadt, in der alles anders ist, als man es kennt, ohne daß dieses Anderssein im Sichtbaren liegt; es schwebt vielmehr nur wie eine alte Verabredung, wie eine nicht abgestorbene, mündlich weitergetze- bene Tradition um das Vorhandene und legt auch das Weiteste noch intim und irgendwie unerwartet aus: sagt du zu ihm, nennt es, kennt es, richtet sich danach ein, macht es populär, zieht es in die Gewohnheit hinein (während Paris alles draußen laßt), geht mit >hm um wie mit Täglichem, gibt sich gutmütig und treu damit ab —; da ist diese «tabi, und man ist nicht imstande, mit einer Andeutung zu geben was diese alten Gassen so besonders, diese Plätze so altmodisch, die alte^ Hofburg; mit ihren Höfen zu zeremoniell und umständlich, die Ringe |o gtanjenb bter Großstabte hielt Dort mußte man natürlich etwas trinken. Die Witwe Wagenschanz sah Halbwegs ein, baß er bie Stellenangebote lesen mußte unb ließ f)änberingenb zu, bah er sich Selb für feine Stammkneipe aus ber Labenkasse nahm. In Antons Kneipe erschien gelegentlich ber alte Tischler Groth, ein Mann von Lebenserfahrung, über sechzig, lieh em f>eUes ober einen Doppelkümmel für Herrn Wagenschanz bringen unb sprach kluge Worte. „Der Härr Doktor wirb boch nicht gleich die Flinte ins Korn werfen? Auf Regen folgt Sonnenschein. Aller Anfang ist schwär. Prost. Es fanb sich vor ben Zeitungen biefer Schänke ein Kreis junger öeute ein zu Herrn Doktor Wagenschanz stieß ber Lehramtskandidat Kiesel- bach, überlang unb klapperig, er ah säst nichts, trank viel unb trug em unruhiges Vogelgesicht über ben hageren Schultern. Dieser las schon längst keine Stellenanzeigen mehr, da er seit fünf Jahren auf em Lehramt wartete; er schrieb gegen mäßiges Honorar die wunderbarsten Liebesbriefe für solche, bie es nicht selber konnten, bie Köchin bes Regierungs- Präsidenten war genau fo seine Kundin wie der Schornsteinfeger, dem diese Briefe galten unb ber vom gleichen Autor bie Antwort schreiben liefe. Mit biefen Einkünften unb einer geringen Unterstützung hielt Kiefelbach ganz schön burch". Er konnte alles schreiben, was man von ihm verlangte: entrüstete „Eingesandts" an die Stadtzeitungen, Eingaben an die Behörden, er erledigte Beleidigungsklagen ohne den Richter, er verfertigte Segen feste Taxe Gedichte zu allen denkbaren Familiensesten, Bewerdungs- hreiben, er schrieb gute Inserate für kleine Kaufleute, Warenbestellungen — ein Mann der Feder, mit fahrigen, wilden Gesten, aber tüchtig, gewandt und voll biffigem Humor, und obwohl er an überhaupt keinem Platze stand, fühlte er sich mit Recht als einen Faktor des öffentlichen Lebens. Biefer Mann wurde Antons Tischkumpan in der Kneipe der Erwerbslosen, ein gar nicht so übler Geselle, besten Lebenswandel lehrte, daß man sich eigene Wege ins Gestrüpp schlagen muhte, ganz gleich wie und wohin. Seit Jahren schon bemühte sich Kieselbach um eine „Schwatzbudenkanbl- batur", ganz gleich wo, Stabt, Lanb- ober Reichstag, Überall bekam man Diäten. Zwar versperrten ihm überall bie Bonzen ben Weg, aber ba er bei ber vorigen Wahl bie Ausrufe schlechthin sämtlicher politischer Ortsgruppen unsrer Stadt versaht hatte, unter Diskretion (und jeder flammend im Feuer echter Gesinnung), so konnte ja noch allerhand aus ihm werden. Sein Auftreten ist wichtig in Anton Wagenschanz' Leben. Denn Kieselbach zerbrach mit einem lose hingeworsenen Wort das Gebäude mühsam gestützter Zuversicht. „Keinen Zweck, mein Herr. Nischt zu wollen. Bei uns arbeiten die Maschinen. Auf allen Plätzen sitzen die Platzhalter." „Aber der Stak muh doch sorgen, dah wir unser Lebensrecht erhalten." „Der Staat", sagte Kieselbach mit weiser Lippe und bestellte den dritten Likör, „ber Staat ist bazu ba, um für jede einfache Sache sieben Akten anzulegen, er verordnet, vernimmt, stellt fest, registriert, zieht in Erwägung und macht sich wichtig, wo er kann — er regelt ben Verkehr auf ber schiefen Ebene, ber sowieso zwanglos nur in einer Richtung erfolgt. Wenn Sie zum Staat gehen, bann finb Sie nicht Herr Doktor Dingsda, ein Mann mit Kenntnissen, Seele, Ausbildung, Privatwünschen, bann finb Sie sofort ber „prisonnier de la paix" Nummer founbfyviel." Gefangener bes Friebens! Gefangene können fllehen, sagte sich Anton im Augenblick, in bem er biefe Gefangenschaft begriff, — aber bas war der letzte rebellische Gedanke für eine lange Zeit, und bevor er ihn ausführte, muhte er tief hinunter ins gestaltlose Schicksal dieser Gesangenschaft. Er lieh sich vollkommen fallen und fiel ins Bodenlose. Von dieser Stunde ob schrieb er keine Bewerbungsbriefe mehr, vier Monate, zehn, ein Jahr. Es war eine seltsame Zeit. An Antons unb Kieselbachs Tisch setzten sich Kameraden vom gleichen Los. Otto Gambel, Elektromonteur, ein fixer, blonder Junge mit scheuen Augen, der nirgends zu Hause war, Alois Fabisch, Konditor, bärenstark, mit einem aufgeschwemmten Mehl- fresserbauch, unb viele andere versammelten sich um ben Schänkentisch, an bem sie bie Gemeinsamkeit ihrer Gefangenschaft empfanben. Es ist unwahr, bah Doktor Wagenschanz maßlos litt. Die Zeit löste sich auf, sie schlich nebelhast dahin, obwohl sie eilte, obwohl der Tag vorbei war, kaum daß er begann. Welcher Tag? Sonntag? Donnerstag? Man spürte kaum noch die Jahreszeiten. Jedenfalls war eine Woche hemm, ohne daß man es merkte, und so merkte man auch von den Monaten nichts. Sogar das Bild [einer Liebe verschwand, es wurde nebelhaft undeutlich unb war Einbilbung gewesen, Ouastch, ein Möbel wie alle andern. Anton saß am Tisch ber Gefangenen, fie lasen Zeitungen unb spielten Karten, zwar bie Späne flogen nicht, aber bie Blätter knallten, ohne Sinn, ohne Einsatz, ohne Gewinn unb Verlust. Unb obwohl sie nichts zu tun hatten, waren sie immer zum Umsinken mübe. (Fortsetzung folgt.) ;V ff ! ,- yn l'e ff"1 L i° “ meint ma •■'if unoerglet Äiii L-md! piff S gnh ®,r*) M, ®«ne L Beifanimi L, los Pr° pH LiiiM-h ' $5 geftern M ßch Mich "ad h) unterbre »längte (i hnod) dem H ich mir (t inge viel wir 8 greifen n Liiugen ba! Liess anbere Wiihielter liiit, «der in »iter nie Da M ganz in ■i unb Dtfi p... Ilgler (: Mche Stabt, p m unb an hl unb Ansd |® «us Taus I Ächten um pt in der. I Aufwand I ergangen he p Utlasberg I Sujor (1 I «iiliegen, IWulen, r 1*11 wn Kan |;11 erst abnt I ’ l«|ommen ■'M doch Itann ein I 'überlebet r:™ hinaus, rManjen ■Mich, me ISÜlilam rNtbliifje l’.Mie s, Üch I 'zu oe Toledo (13. November 1912): „Eine Frau des Himmels und der 2rde" hat der Jesuit Ribadaneira von der Jungfrau Maria gesagt, dies "icf-e sich auf diese Stadt anwenden, „eine Stadt Himmels und der Erzen", denn sie ist wirklich in beiden, sie geht durch alles Seiende durch, ch versuchte neulich, der P. es in einem Satz verständlich zu machen, ndem ich sagte, sie sei in gleichem Matze für die Augen der Verstorbenen, »er Lebenden und der Engel da, — ja, hier ist ein Gegenstand, der allen >en drei, so weit verschiedenen Gesichtern zugänglich sein möchte, über hm, meint man, könnten sie zusammenkommen und eines Eindrucks sein. Diese unvergleichliche Stadt hat Mühe, die aride, unverminderte, ununterworfene Landschaft, den Berg, den puren Berg, den Berg der Erschei- mng, in ihren Mauern zu halten, — ungeheuer tritt die Erde aus ihr lus und wird unmittelbar vor den Toren: Welt, Schöpfung, Gebirg und Schlucht, Genesis. Ich muß immer wieder an einen Propheten denken ,ei dieser Gegend, an einen, der aufsteht vom Mahl, von der Gastlichkeit, ,om Beisammensein, und über den gleich, auf der Schwelle des Hauses ,och, das Prophezeien kommt, die immense Sehung rücksichtsloser Ge- ichte —: so gebärdet sich diese Natur rings um die Stadt, ja selbst in ihr, M und dort, sieht sie auf und kennt sie nicht und hat eine Erscheinung ... Bis gestern war das klarste Wetter, und das Schauspiel der Abende »ollzog sich in ruhiger Geräumigkeit, erst heute komplizierte sich der Hirn- nd, gleich nach Mittag kam es zum Regen, aber ein kalter, verschlossener Lßinb unterbrach den Regen mitten im Satz, schob die Wolken aufwärts end drängte sie zu Massen über die schon gegen Westen geneigte Sonne. In6 nach dem, was ich im weiteren Verlauf zu sehen bekommen habe, nutz ich mir (trotz meines körperlichen Anspruchs auf Wärme) solcher Vor- chnge viel wünschen, — ich ahne, zu was für Bildungen die Atmosphäre Her greifen muß, um sich zum Bilde der Stadt gehörig zu verhalten: Drohungen ballten sich und liehen sich aus in der Ferne über den lichten Reliefs anderer Wolken, die sich ihnen schuldlos imaginäre Kontinente, mtgegenhielten —, das alles über der Oede der davon verdüsterten Land- chast, aber in der liefe des Abgrunds ein ganz heiteres Stück Fluß Heiter wie Daniel in der Löwengrube), der große Gang der Brücke und tann, ganz ins Geschehen einbezogen, die Stadt, in allen Tönen von Hrau und Ocker vor des Ostens offenem und doch ganz unzugänglichem 3tau ... * Algier (26. November 1910): Algier ist zu großem Teil eine fran- Hfische Stadt, aber ein Stück Hang, an dem die alten türkischen, rnau- iischen und arabischen Häuser stehen, hängt noch unter sich und mit Him- nel und Ausblick großartig und angeboren zusammen; dort ist das Darin aus Tausendundeiner Nacht, Bettler und Lastträger gehen wie in Schicksalen umher, Allah ist groß, und es ist keine Macht außer seiner Nacht in der Lust. Mein Zimmer ist auf Osten zu, ich wache täglich von ‘em Aufwand auf, mit dem der Tag sich vorbereitet, plötzlich nach vielen Vorgängen Herrlichkeit springt die Sonne glatt und fertig über die starken Atlasberge. Luxor (18.Januar 1911): Auf dem östlichen (arabischen) Ufer, dem 3>ir anliegen, ist der Luxortempel mit den hohen Kolonnaden knospiger üoiossäulen, eine halbe Stunde weiterhin diese unbegreifliche Tempel- velt von Karnak, die ich gleich den ersten Abend und gestern wieder im Hen erst abnehmenden Monde sah, sah, sah, — mein Gott, man nimmt •17. 3 1) 1) natürlich dort stärker al- am Aequator, und zwar um Ein Körper Zahrgi Das sind nur einige Punkte, die uns zeigen Es gi aus den stellen, b> leidjt aul 6o ei das Gras schlichtem °°n üerfi 'M selbs unb dann Der i Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Derlag: Brühl'sche Universitäts-Duch. und Steindruckerei, R. Lange, Wieben. lige Punkte, die uns zeigen sollen, wie verschieden Pol gegen die unseren sind. Am Südpol herrschen - -*L in umgekehrter Folge. Nordpol, immer nach natürlich dort stärker al- am Aequator, und zwar um lhm. Ein Körper, der hier auf einer Federwage einen Druck von 1 Kilogramm ausubt, also 1 Kilogramm wiegt, ist am Pol um l/i«3 schwerer, zeigt ein um sunf Grad höheres Gewicht. Noch auf andere Art macht sich der Einfluß der Schwerkraft geltend. Bei uns muß das Sekundenpendel, um eine Gewichtsuhr richtig im Gang zu halten, 99,42 Zentimeter lang sein, am Pol würde eine solche Uhr zu schnell gehen, man brauchte das Pendel nur ein kleines Stück, zwei ganze Millimeter, zu verlängern, um wieder richtige Zeit zu haben. Bei Taschenuhren sind entsprechende Veränderungen nicht notwendig. * tonnte, c to, i Äs , „.«Shftj Wiellei* M ■ frre $ l’M bei ..Das fr die ft .Das” icfrer frmilch rey. tz>>. j*lte„r 5 hl jSi einer iieueriäiuuiuiycii . 7;. r m . das Ideal des für die englische Dichtung so roidjtigen „retired gentleman autstellte. Unzählige Bücher handeln in den genauesten Vorschriften vom vollkommenen Angler" und von den einzelnen Disziplinen seinen Kunst, so von der Herstellung der künstlichen Insekten, deren sich der englische Angler als Köder bedient. Walter Scott, Coleridge und andere Dichter haben das Fischen als sachkundige Verehrer besungen Die „Philo- sophie des Angelns" umfaßt bei den gründlichen Söhnen Albions viele Reinheiten" von denen unsere Weisheit nichts träumt. Da ist zunächst die Wahl der richtigen Angel, je nach Kroße und Gattung des Fische^ die Farbe der Schnur, die das grünliche, bläuliche oder gelbliche Aussehen bestimmter Gewässer nachahmt oder auch durchsichtig ist, um keinen Schatten zu werfen: dann die täuschend naturgetreue Anfertigung der „Phantasie-Fliegen", die sich der rechte Angler selbst muß machen können um eine besondere Jnsektenart, die über einem M.chpl"^^p'rlt, schnell zur Hand zu haben. Alles hat für ihn Bedeutung-, dte Wasserwirbel und Luftblasen, die Wetterveränderung, die Schatten. Unendliche Vorsicht wendet er an, wenn er sich dem Wasser nähert, und dann sitzt er wie eine Statue stundenlang. Das Schwerste und Höchste aber sind das , V/bipplng und „Striking", das Hineinwersen der Schnur, die gerade auf die Stelle im Wasser fallen muß, wo man den Fisch vermutet, und das Heraufziehen des Fisches, das mit einer bestimmten Handbewegung und einer mit Viertelsekunden rechnenden Exaktheit erfolgen muß Lange Uebung und hohe Gewandtheit müssen sich dabei auch zu ästhetischer Schönheit vereinen. „Wenige Kunstübungen", heißt es im Vollständigen Angler, verdienen so sehr unsere Bewunderung. Die Attitüden, die der Angler dabei zeigt, 'sind zugleich im höchsten Grade männlich und graziös. An den Grenzen der Erde. , Von Dr. Rudolf Wegner. Wo liegen die Grenzen der Erde? Eine eigentümliche Frage! Da die Erde einer Kugel gleicht, überall und nirgends. Wir können durch ihren Mittelpunkt unendlich viele Durchmesser legen, von denen ,eder zwei Endpunkte hat. Wir suchen für unsere Zwecke den Durchmesser aus der vom Nordpol zum Südpol geht und bekanntlich eine Lange von 12 714 Kilometern hat. Diese gewaltige Strecke könnte das Licht, das m jeder Sekunde 300 000 Kilometer zurücklegt, schon in 1I2» Sekunde durcheilen. Nun wählen wir vier eigentümliche Endpunkte aus, die besonders in der Wissenschaft eine große Rolle spielen, nämlich den Nordpol, Südpol, den höchsten Gipfel der Erde und die Stelle, an der das Meer am tiefsten ist. Zunächst zum Nordpol! Die kühnen Polarunternehmen Amund- s e ns erweckten seinerzeit in der zivilisierten Welt starkes Interesse fiir den Nord- und Südpol, Punkte, die noch viele Geheimnisse für uns bergen. Im Jahre 1909 kam der Amerikaner P e a r y dem Nordpol in Sichtweite nahe! Vor nicht langer Zeit hat der amerikanische Flieger Byrd mit einem Flugzeug den Pol überflogen, desgleichen Amundsen Eine Unmenge Packeismassen häufen sich dort auf, denn Wasser budet den Untergrunds kein fester Boden umgibt den Drehpunkt der Erde, sondern nur. tiefes Meer. Eine Kälte von durchschnittlich 25 Grad herrscht hier, die sn der langen Polarnacht noch tiefer sinken kann. Die Esde dreht sich um ihre Achse in 24 Stunden. Ganz eigenartige Verhältnisse würden sich an den Polen für uns als Beobachter ergeben. In beiden Polen laufen alle Längenkreise zusammen, ein Weiter gibt es nicht Wo man auch auf dem Nordpol hinschauen mag, überall blickt man nach Süden, die'Richtungen Ost und West oder gar Norden gibt es hier nicht. Winde müssen hier aus Süden wehen, die Sonne steht stets südlich. Am Nordpol füllt der Schatten eines senkrechten Stabes immer nach Süden, obwohl die Sonne ebenfalls im Süden zu sehen ist Bei uns zeitg der Schatten, wenn die Sonne im Süden leuchtet, natürlich nach Norden. In der Polarnacht erstrahlen die Sterne dort aus südlichen Richtungen, nur der Punkt, der gerade über dem Haupte des Beobachters steht, der Scheitelpunkt oder das Zenit, ist sozusagen richtungslos. Wohin man sein Auge auch wendet, man sieht überall nach rückwärts, denn der Pol ist gewissermaßen ein Endpunkt der Erdkugel. Mit der Zeit verhält es sich gleichfalls anders als in unserer Heimat. Selbstverständlich läuft die Sonne auch hier in 24 Stunden um den Himmel herum, aber Vor- und Nachmittag gibt es im eigentlichen Sinne nicht. Die Sonne erhebt sich am 21. März über dem Horizont und sinkt am 23. September unter ihn. Ein halbes Jahr kann man hier die Sonne sehen, die gleiche Zeit ist sie unseren Blicken verborgen, oder auch ein halbes Jahr herrscht hier der Tag, man könnte sagen, der Vormittag dauert bis zum 22. Juni, weil dann die 'Sonne sich dem Gesichtskreise nähert. Von Anfang Februar bis zum Sonnenaufgang und vom Untergang bis gegen Mitte November macht sich die Dämmerung bemerkbar. )llle Zeiten, nach denen die Uhren in den Kulturländern gestellt werden, vereinigen sich am Pol, mitteleuropäische, osteuropäische, Greenwicher, chinesische Zeit usw. Ist es in Deutschland gerade 12 Uhr Mittag, dann würde der Beobachter, falls er nach Nordamerika mit einem Fernrohr sehen könnte, die dortigen Bewohner noch im tiefen Morgenschlafe vorfinden, während sie in China sich allmählich zur Ruhe begeben möchten. Wir wissen, daß die Erde sich mit einer ungeheuren Geschwindigkeit dreht, am Aequator betrügt sie in der Sekunde 464 Meter, in Mitteldeutschland ungefähr 300 Meter. Am Pol dreht sich der Beobachter an einem Tage, wenn er auf einer wirklichen Erdachse säße, also in 24 Stunden, um sich selbst. die Verhältnisse am V-. Dö... - . ähnliche Zustände, und zwar in mancher Hinsicht Am Südpol blickt man, im Gegensatz zum Norden, und alle Winde müssen auch aus dieser Richtung kommen. Der Schatten eines senkrechten Stabes fällt hier nach Norden, obwohl die Sonne ebenfalls im Norden zu sehen ist. Dort erhebt sich am 23. September die Sonne über den Horizont und geht am 21. Marz unter. Der Vormittag dauert hier bis zum 22. Dezember. Haben wir auf unserer Halbkugel Sommer, so herrscht auf der südlichen Winter und umgekehrt. Wir treffen hier ähnliche Verhältnisse wie am Nordpol. Der Südpol liegt auf einer weiten ebenen Hochfläche von annähernd 3000 Meter Höhe. Dort ist festes Land und kein Wasser wie am Nord- pol Berg und Tal sind weit und breit nicht zu sehen, eine trostlose mit Schnee und Eis bedeckte Ebene dehnt sich schier ins Endlose vor uns aus. * Wir wandern jetzt zum höchsten Berggipfel, dem Everest im Himalaja der eine Höhe von fast 9000 Meter hat und ungefähr unter der geographischen Breite von Kairo liegt. Kühne Bergsteiger aus England erreichten im Jahre 1924 rung 8600 Meter über dem Meeresspiegel. Nur eine kurze Strecke trennte sie vom Ziel, wahrscheinlich hat ihr Sauerstofs- apparat seine Dienste versagt, so daß sie zu Grunde gehen mußten. Die Kälte belief sich auf etwa 50 Grad. Drei Expeditionen rüstete England 1921 1922 und 1924 aus, um den gewaltigen Bergriesen zu bezwingen. Am 8. Juni 1924 wurden zwei von den kühnen Bergsteigern vor dem Gipfel gesehen, und einige nehmen an. daß sie tatsächlich den höchsten Punkt erreicht haben und erst im Abstiege verunglückten. Um 11 Uhr vormittags wurden sie an diesem Tage am Gipselgrat des Everest gesichtet, sie näherten sich in guter Gangart dem Fuße des letzten Ausschwunges. Diese Stelle erreichten sie um 2 bis 3 Stunden zu spat. Ma» hätte sie dort viel früher beobachten müssen, wenn nicht irgendein unvorhergesehener Zwischenfall ihr Vorankommen verzögert hätte. Nach den gegebenen Umständen kann die Ursache eines unfreiwilligen Aufenthaltes nur in einem Fehler an den Sauerstoffapparaten zu suchen sein, dessen Reparatur Zeit erforderte. Solange der Bergsteiger Sauerstoff zur Verfügung hat, so ist selbst in der Gipfelhöhe des Everest seine Bewegungs- freiheit keine andere, als wenn er etwa am Mont Blanc wäre. Die plötzliche Entziehung des Sauerstoffs mußte aber katastrophal wirken, wie uns George Finchso überzeugend geschildert hat. Man hat nicht das geringste Zeichen menschlicher Anwesenheit am Gipfel entdecken können, »er Luftdruck beträgt in dieser großen Höhe 2h von dem auf dem Erdboden. Wir würden dort leicht von der Bergkrankheit befallen werden. Wasser ist da . oben höchst selten zu finden, bei dem geringen Druck siedet es schon bei etwa 78 Grad. Hätte man schon auf dem Mont Everest nach allen Seiten freien Ueberblict, könnte man bei klarstem Wetter 360 Kilometer weil sehen, etwa so weit, wie Berlin von der Nordseeküste entfernt ist. * Wir begeben uns zum Schluß in das Meer, und zwar dorthin, wo die tiefste Stelle liegt. Oestlich von den Philippinen-Inseln befindet sich eine Meeresrinne, der sogenannte Philippinen-Graben, dessen Tiefe das deutsche Schiff „Planet" im Jahre 1912 durch ein Lot mit fast 9800 Meter fest- gestellt bat. Unlängst lotete unser Kreuzer „Emden" eine noch größere tiefe, die annähernd 10 500 Meter beträgt. Der ganze Mont Everest könnte hier versenkt werden, und er würde noch etwa 1% Kilometer unter dem Meeresspiegel liegen. Die Temperatur beträgt hier nur wenig über 0 Grad. Tiefe Dunkelheit lagert über dem Meeresboden. Der Wasserdruck ist ungeheuer, über tausendmal stärker als der Lustdruck auf ebener Erde, oder es herrschen hier, anders ausgedrückt, über 1000 Atmosphären Druck, wobei man den Druck einer Atmosphäre zu 760 Millimeter an-- nimmt. Alle Gegenstände, die dort hinuntergebracht würden, müßten, falls kein Gegendruck vorhanden ist, vollständig zerquetscht werden. Her- aufgebrachte Tiesseefische platzen an der Oberfläche des Meeres ost auseinnnber, weil dann ein ganz anderer Druck auf ihnen lastet. Dicie Riesentiefe wird ein Mensch wohl nie erreichen, während wir von unseren Endpunkten der Erde den Nord- und Südpol besucht haben, und die Erzwingung des höchsten Gipfels nur noch eine Frage der Zeit ist. Was sind aber Erhebungen und Tiefen von rund 10 000 Meter im Vergleich zum Erdhalbmesser? Sie betragen ungefähr den 700. Teil davon, und es würden auf einem Globus, der einen Durchmesser von 1.40 Meter hat, solche Höhen oder Tiefen nur 1 Millimeter ausmachen. Unsere ganze Erdkugel mit ihren vielen hohen Bergen, Gebirgen und Meeres- tiesen hat verhältnismäßig keine rauhere Oberfläche als eine Apfelsine, und doch kommen uns jene Höhen und Meeresgründe so gewaltig vor. So geben uns die Betrachtungen über die beschriebenen vier Endpunkte der Erde manche Anregung und zeigen so vollkommen andere Derhältmsie als die, unter denen wir leben.