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Bei Menschen aber, die viel und gern lachen, macht sich die phyfiognomische Spannung der Lachmuskeln dadurch bemerkbar, daß die Mundwinkel etwas höher stehen als gewöhnlich, Dabei erscheint die Mundlinie geradlinig, während die Mundfalten starke Ausprägung zeigen. Als besonders charakteristisches Merkmal häufigen Lachens gelten die sogenannten „HahnenpfötchenF kleine, neben den äußeren Augenwinkeln liegende Hautfältchen. Das erzwungene Lachen, das man fo oft hört, wenn einer, der einen Win erzählt, die Pointe hilflos unter den Tisch fallen läßt, kann auch der'Laie an dem Ton erkennen. Aber auch für das gezwungene Lächeln, das im rechten Augenblick zu erkennen oft sehr nützlich fein kann, gibt es ein untrügliches Merkmal, das hier verraten werden fall: Wenn einer innerlich Zweifel hegt, ob er lachen soll oder nicht, und dann aus irgendeinem Grund es für bester hält, zu lächeln, obgleich ihm gar nicht zum Lachen ober zum Lächeln ist, bann verzieht er nur einen Mundwinkel. Allerdings fei hinzugefügt, daß manche Menfck^n beim Lachen ober natürlichen Lächeln den einen Mundwinkel starker verziehen als den anderen, weil sie an Gefichtsneuralgie leiden oder wett bei ihnen die Mundmuskeln der einen Seite kräftiger entwickelt sind. Fast niemals gleicht nämlich die eine Körperhälfte der anderen völlig. Es gibt übrigens eine primitive Form des Lachens, die fast mit absoluter Gewißheit ein geistiges Manko verrät und saft immer anzergk, daß in den betreffenden Individuen primitive Triebschichten so wenig unter der Herrschast des vernünftigen Wollens stehen, daß sie mehr oder weniger oft unbeherrscht in die Persönlichkeitsäuberungen einbrechen Das ist das G r i n s e n. Beim Idioten sinden wir es als Ausdruck des Wohlbehagens, ebenso bei primitiven Menschen, wenn sie sich der reinsten und ungetrübtesten aller Freuden, nämlich der Schadenfreude hingeben. Bei Kindern und Jugendlichen mag das Grinsen als vulgäre Aeuherung hm- genommen werden, bei Erwachsenen wird es in der Regel zu einem geistigen Armutszeugnis. Anders muß das Schmunzeln bewertet werden. Hier halt man als bewußte Gegenbewegung gegen das sich aufdrängende Lachen den Mund fast krampfhast geschlossen. Durch das Schmunzeln drückt man ein verschwiegenes Wissen, den Vorbehalt einer eigenen Meinung aus. Es ist also im Gegensatz zum Grinsen oder zum verzerrten Lachen eine Ausdruckssorm von Niveau. Im verzerrten Lachen liegt eine Wertnega- Hon, eine Ablehnung der Wertanerkennung, die der Partner zu beanspruchen glaubt, im 'Schmunzeln fehlt, wie Dr. Lerf ch einmal hübsch präzisierte, dieses Moment der Wertanerkennung. Verneint wird hier nur die Berettschast zur sprachlichen Verständigung und Bezugnahme. Jeder weiß, daß das Lachen nicht selten auch in gewaltsamer und erkünstelter Weise dazu angewandt wird, um irgendeinen anderen Seelenzustand, z. B. Zorn, Scham, ober Schüchternheit zu verbergen. Auch pflegt man beim Lachen ähnlich wie bei anstrengendem Husten oder Sßürgen oft Tränen zu vergießen. Davon rührt ja die Redewendung her: „Ich habe Tränen gelacht!" Infolge des mechanischen Druckes, den bie bei heftigem Gelächter krampfartig zusammengezogenen Augenschließmuskeln aus bie Tränendrüsen ausüben, werden nämlich diese nicht nur aus- geputzt und ihres Inhaltes entleert, sondern auch zu vermehrter Sekre- tron ungcregt. Wir haben gesehen, warum Lachen gesund ist. Aber auch hier kann ein Uebermah nicht nur schädlich sein, sondern den Lacher gerade^ in Mißkredit bringen, Uebermäßiges Lachen bei geringfügigen Ursachen gilt mit Recht für ein Zeichen von Albernheit. Daher auch das Sprichwort: Am vielen Lachen erkennt man den Narren!" Der Philosoph Schopenhauer schrieb einmal: „Je mehr ein Mensch des ganzen Ernstes fähig ist, desto herzlicher kann er lachen, Menschen, deren Lachen stets affektiert und gezwungen herauskommt, find intellektuell und moralisch von leichtem Gehalt, wie denn überhaupt die Art des Lachens und andrerseits der Anlaß dazu sehr charakteristisch für die Person ist. Wer kennt nicht das sonore H0H0H0 des Würdevollen oder Pathetischen das offene Hahaha des Unbefangenen und Impulsiven, das schon etwas hämisch klingende Hehehe des Gehemmten und das unangenehme Hihihi des Unaufrichtigen oder Versteckten? Auch hier gilt der Satz, daß es der Ton ist, der die Musik macht. Lachen ist die Aeußerung einer frohen Lebensgrundslunmung, zu der wir uns in dieser Zeit mit Eifer bekennen müßen. Ein bißchen Training im Lachen kann keinem schaden. Er mag, wenn ihm nicht zum Lachen ist, den umgekehrten Weg einschlagen und vorerst einmal ordentlich Atern- qnmnastik betreiben. Tief einatmen und tief und kräftig ausatmen. Und zwar in frischer, würziger Luft! Dann wird sich die Seelenstimmung, die das Lachen bedingt, einstellen, dann wird er aus vollem Herzen sich freuen können. Hunger und Durst in der „Grünen Hölle". Von Walter Burkart. Von Rio de Janeiro ist eine Expedition ausgebrochen, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, den seit sünf Jahren vermißten amerikanischen Flieger Paul Redfern aus der Hölle des brasilianischen Urwaldes zu erretten. Der Forschungsrelsende Charles Hasler hat von seiner letzten Expedition zu den brasilianischen Indianern eine Nachricht mitgebracht, die in Rio de Janeiro, der Vaterstadt Redserns, außerordentliches Aufsehen erregte und dort noch jetzt die Gemüter bewegt. Charles Hasler behauptet, bei einem amerikanischen Jndianerskamm einen Weißen angetroffen zu haben. Seine indianischen Dolmetscher erzählten ihm, daß der weihe Mann vor fünf Wintern auf den Flügeln eines großen, brummenden Vogels direkt aus dem Himmel" auf die Erde gekommen fei. Die Indianer hätten sich sofort des Flugzeugs und feines Paffanten bemächtigt und sie als glückbringende Stammesgotcheiten gefangen« gehalten. Charles Hafter behauptet, dieser Weihe sei Paul Redfern Wenn man auch der abenteuerlichen Rettungsexpedition nur allen Erfolg wünschen kann, fo darf doch nicht vergessen werden dah die Teilnehmer im brasilianischen Urwald durchaus keine angenehmen Reifeerlebnisfe erwarten werden. Wie es in dieser „Grünen Hölle" aussieht, schildert der Schweizer Walter Burkart, ein Mann, der jahrelang durch die Urwälder Brasiliens gestreift ist in feinem bei F. A. Brockhaus in Leipzig erschienenen Buche „Der Reiherjäger vom Gran Chaco. Als Jäger und Goldsucher vom Amazonas zum La Plata . Burkart hat besonders viele Abenteuer im Chaco zu bestehen gehabt, um dessen Besitz jetzt Argentinien und Bolivien erbittert kämpfen. Eine dramatische Episode wird im Folgenden mitgeteilt. Unter den Jägern in Fuerke Dlimpo hielt sich hartnäckig das Gerücht aufrecht, im Innern des Chaco befänden sich große Seen mit reichen Reiherkolonien. Der Edelreiher ist eine kostbare Beute für den Jager, er wagt alles, um ihn zu erbeuten. Die ansässigen Viehzüchter unterstützten uns, indem sie uns die Pferde zur Verfügung stellten. So verliehen wir, gut ausgerüstet und aus mehreren Packtieren Nahrungsmittel und Wasser- fähchen mitführend, unter der Anteilnahme sämtlicher Bewohner das Fort. Fast mllhlos ging es tagelang durch geschlossenen Palmenwalch bestanden mit mannshohem Gras. Ueberall stießen wir auf ganze Rudel Hirsche. In der Nacht erscholl das mächtige Brüllen der Jaguare und das Bellen der Wölfe. Langsam änderte sich der Pflanzenwuchs. Der Boden wurde sumpfig, und die Palmen hörten auf. Wir gelangten an den ersten Schlammfluß. Das sind stundenlange, tiefe Ginfentungen, bie in der Regenzeit angefüllt werden und nie vollständig austrocknen. Sie sind ganz überwachsen mit Binsen und allen Arten Wasserpftanzen. Das Wasser selbst ist schwärzlich und schmeckt faulig. Diese manchmal bis zu hundert Meter breiten und sehr tiefen Wasserläufe zu durchqueren, mach e uns viel Arbeit. Im Walde werden einige umgesturzte, trockene Baumstämme geholt, zusammengebunden, und ein kleines Floß. bas Mann tragt, ist fertig Das Floh wird vorwärtsgeschoben und links und rechts mit dem großen Buschmeßer die Wafferpflanzen zerschnitten, bis em pflanzensreier etwa zwei Meter breiter Wasserarm entsteht. Hier treibt man bteJPierbe hinein, bie jetzt ohne Scheu an das andere Ufer schwimmen. Hinten und vorne am Flosse wird eine Leine befestigt, so daß es bequem von einem Ufer zum andern gezogen werden kann. Auf diese Weise werden Menschen und Gepäck hinüberbefördert. Fast jeden Tag gelangten wir anJ°^ toten Fluhläufe. Wir versuchten sie nach Möglichkeit zu umgehen, fanden aber nur selten Anfang und Ende. Dazwi'chen dehnte sich stundenlang niederer Busch aus, bestehend aus der Mimosa. einem hornigen Strauch, dessen Blätter sich bei der Berührung zufammenziehen und wie welk herabhängen. Sie sind überladen mit einer kleinen, gelben Blute, die einen angenehmen, berauschenden Wohlgeruch ausstromt. In dieser O gend trafen wir die ersten Edelreiher mit prachtvollen ehern, die uns zu weiterem Vordringen reizten. Schließlich erreichten wir einen ftnstern Hochwald, und die Wasserläufe hörten auf. , Ein großer Kriegsrat wurde abgehalten. Wir nahmen an, daß dieser Wald nur ein Gürtel fei, den wir in einigen Tagen durchbrechen tonnten, iind dah sich bann dahinter die gesuchten und begehrten Sumpfe und Reihergegenden befinden würden. Allgemein wird dem Weitermarfch nach Westen zugestimmt. Unsere Fäßchen füllen wir mit Wasser und nehmen uns vor, recht sparsam damit umzugehen. Bald stellten sich aber dem Vorwärtsdringen immer größere Schwierigkeiten entgegen. Der Boden ist stundenweit bedeckt mit einer über meterhohen, stacheligen Pflanze, der Caraquata. Weder Mensch noch Pferd finden hier ungehinderten Durchgang. Wir müssen uns auf irgendeine Weise Helsen. Der Vordermann wird mit einem schweren Aste aus Eifenholz bewaffnet, damit muß er mit gewaltigen Schlägen eine Bresche in die Dornhecke schlagen. Jede halbe Stunde wird abgewechselt, und fo können wir wenigstens schrittweife vorwärts. Allerhand kleinere Tiere dienen uns als Nahrung. Massenhaft finden wir große Schildkröten, die vortrefflich schmecken. Der Nasenbär ist unser täglicher, delikater Spießbraten. Doch eines Abends trinken wir unfern letzten Tropfen Master. Jetzt kam die Reihe zu dursten auch an uns. Unsere Pserde hatten sich schon seit mehreren Tagen mit den schleimigen dicken Blättern von Kakteen und dem Wasser aus Schlingpflanzen begnügen müssen. Es gibt zwei Arten dieser wasterspendenden Schlingpflanzen, leider aber kommen sie beide nur spärlich vor. Sie sind armdick un5 hängen aus den Kronen der Bäume herab. Die eine ist hohl und liefert auf einmal bis drei Liter gutes Wasser, von der andern erhält man tropfenweise im Laufe eines Tages ein bis zwei Liter einer schleimigen aber trinkbaren Flüssigkeit. Die große Hitze und die Masse des Ungeziefers ermüdeten uns sehr. Der Wald wimmelte von Zecken, die zu einer furchtbaren Plage wurden. Zu Taufenden fäugten sie sich am Körper fest. Die einen winzig klein, die andern so groß wie Bohnen und ziemlich giftig. Die Kleinen muhte man mit scharfem Mester von der Haut rasieren, doch bleiben bann die Köpfe stecken und erzeugen schmerzhafte, eiternbe Wunden. Noch ein Jahr später waren bei mir einige davon nicht ganz geheilt. m Wir beschlossen, einen letzten Versuch zu wagen. Fünf Mann bleiben im Lager und hatten im Umkreise alle Schlingpflanzen nach Master abzusuchen, um die Fäßchen wieder zu füllen. Drei sollten in verschiedenen Richtungen vorwärts zu gelangen suchen. Am frühen Morgen machten wir uns auf. Von Zeit zu Zeit schnitt ich Kerben in die Bäume, um den Rückweg wieder zu finden. Gegen Mittag erreichte ich lichteren Hochwald, in dem ich ziemlich rasch vorwärts kam. Schon lange hielt ich Aussicht nach den durstlöschenden Schlingpflanzen, aber nirgends waren sie zu finden. Je mehr ich suchte, desto quälender wurde der Durst. Mindestens 40 Grad betrug die brütende Hitze des ausgetrockneten Urwaldes. Es ging gegen Abend, mir wurde ganz wirr im Kopfe, ich dachte nur noch an ein Wort und das hieß „Wasser". In einigen großen, leeren Schneckenhäusern befand sich etwas Flüssigkeit. Sie roch zwar entsetzlich, aber es war doch nah und befeuchtete meine lebrige Zunge. Wie verfefsen war ich nun auf Schneckenhäufer. Kreuz und quer laufend, suchte ich nur nach ihnen. Dann legte ich mich nieder, fühlte aber sofort, daß ich einschlafen wurde vor Entkräftung. Ich setzte mich wieder auf und suchte meine Gedanken zu sammeln. Ein Geräusch machte mich auffafjren. Keine 20 Meter von mir entfernt trat eine Hirschkuh aus dem Holze. Im Feuer brach sie zusammen Ich stürzte auf sie zu, durchschnitt den Hals, um in langen Zugen bas entbehrte Naß, um bas Blut zu trinken. Mochte meine Gier zu groß ober mein Hals zu trocken sein, das Blut gerann und brachte mich dem Ersticken nahe. Da fiel im letzten Augenblick mein Blick auf bas volle Euter ber Hirschkuh, noch ein Schnitt mit bem Messer, unb reichlich entquoll ihm bie rettenbe Milch. In kurzer Zeit erholte ich mich von meiner Erschöpfung unb fühlte mich roieber frisch. Die Sonne war am Unter« gehen unb an eine Rückkehr ins Lager war nicht mehr zu benken. Ich machte ein Feuer unb briet mir bie Keulen unb Rippenstücke. Den aus« lausenden Saft fing ich in großen Blättern auf und genoß ihn gegen den Durst Nachdem ich reichlich gegeßen, streckte ich mich neben dem Feuer aus unb schlief fest bis am Morgen. Im Zickzack trat ich nun meinen Rückweg an, bis ich auf einen Baum mit Kerbzeichen stieß, von bem aus ich mich nun leicht roieber in das Lager zurückfand... Die Dame mit dem Otterpelz. Die Geschichte eines rätselhaften Falles von Caren. Copyright by Mbert L-angen/Georg Müller, München. (Fortfetzung.) 3. Während es der Berliner Kriminalpolizei überlaßen bleibt, das ziemlich dürftige Ergebnis der dortigen Recherchen nach Stralsund roeiter« zuleiten, wird der Leser gebeten, seine Aufmerksamkeit einer Episode zuzuwenden, bie sich ein paar Wochen früher — genau am 27. Ottober des gleichen Jahres — in einem Abteil des Schnellzuges Berlin—Warnemünde abgespielt hatte. . , . ,, . Ein schöner und ungewöhnlich warmer Tag neigte sich seinem Ende zu. Einer jener Spätherbsttage, über deren festlichem Glanz schon ein Hauch von Vergänglichkeit liegt - wie bie Heiterkeit eines Sterbenden. Durch die geöffneten Coupsfenster kam der herbe Dust von abendlichen Wiesen herein. Unb bas ganze Abteil war erfüllt von bem blenbenben Aber^der"einsäme Reisende in der Fensterecke schenkte dem großartigen Schauspiel nicht das geringste Interesse. Neben ihm auf dem Samtpolfter war ber gesamte Inhalt einer Aktenmappe verstreut — eine Unmenge von Schriftstücken, Zetteln und Zeitungsausschnitten — unb feine ganze Aufmerksamkeit galt ber Lektüre eines Brieses, ber in einer altmodisch gezierten Männerhanbfchrift geschrieben war und in der linken Ecke ein Adelsroappen zeigte. Der Mann schien von dem Inhalt des Schreibens nicht sonderlich erbaut. Er taute beim Lesen nervös an feiner Unterlippe unb sog dazwischen in heftigen Zügen den Rauch feiner Ziga- rette ein. Dabei verlor sich sein «lick zuweilen auf Minuten in einem verbißenen Grübeln. ,. ... Man hätte diesen Mann auf den oberflächlichen Eindruck hm für einen Agenten ober kleinen Kaufmann halten können. Er trug einen speckig glänzenden dunklen Anzug mit verbeulten Knien, und seine Wäsch« war nicht tadellos. Das Gesicht war von ungesunder, schwammiger Blosse. Ein rötlicher Bart wucherte um den brutal vorspringenden Unterkiefer. Aber die obere Schädelpartie hatte etwas Verblüffendes. Sie schien nur aus Stirn zu bestehen — einer riesigen nackten Stirn von beinahe erschreckender Intelligenz. Und unter den, gleichsam schuhenden Dach dieser Stirn lagen zwei harte graue Augen. Diese Augen wechselten kauni den Ausdruck. Sie waren wie aus Granit. Wie eingefroren in einer grausamen, brutalen Willenskraft. Das war nicht der Kopf eines bescheidenen Handlungsreisenden. Ebensowenig wie der hochkarätige Solitär, der ihm am Ringsinger der rechten Hand funkelte, zu seiner schäbigen Kleidung paßte. Viel wahrscheinlicher war er irgendein bedeutender Wissenschaftler, der sein Aeuszeres vernachlässigte. Oder auch ein Millionär mit dem Spleen der Anspruchslosigkeit. In Neustrelitz sprang in letzter Minute ein junger Mensch ins Coupö, der, ein wenig atemlos voni Lausen, fragte, ob der Wagen auch direkt- nach Stralsund gehe. Der Herr antwortete ihm einsilbig. Er sammelte, sichtlich verärgert über den Zuwachs, seine verstreuten Papiere in die Aktenmappe, zog sich die Retsemühe tief ins Gesicht und drückte sich unzugänglich in seine Ecke. Der andere verstaute inzwischen einen kleinen Handkoffer im Gepäcknetz. Belegte den Plast gegenüber. Und stellte sich an das geöffnete Fenster. Man konnte ihn, ansehen, wie tief er den Reiz der abendlichen Landschaft genast. Seine braunen Augen spiegelten ein naives Entzücken über die einfachsten und selbstverständlichsten Dinge — den Herbstwald, eine Schafherde, ein flammendes Dahlienbeet. Als der Zug ein paar Minuten auf offener Strecke hielt, zog er ein Skizzenbuch aus seiner Rocktasche und entwarf mit ein paar Strichen die Silhouette eines alten Turmes, der verlassen und finster im Abend stand. Er hatte gar nicht bemerkt, dast ihn sein Reisegenosse schon geraume Zeit unter deni Mützenrande hervor beobachtete. Und er erschrak beinahe über die gelbe, behaarte Hand, die sich plötzlich nach seinem Skizzenbuch ausstreckte. „Lassen Sie sehen!" Es klang ungeduldig. Wie ein Besehl. „Sie sind Berufsmaler?" Der junge Mann lächelte schüchtern. „Ja. Das heistt, eigentlich bin ich Porträtist. Landschaft liegt mir nicht besonders. Aber manchmal, verstehen Sie — haben auch Dinge so etwas suggestiv Persönliches. Wie dieser Turm da. Hat er nicht etwas Tragisches? Etwas von einem Verurteilten? Finden Sie nicht?" Der andere entblöstte ein paar stellte Haifischzähne. „Bedaure — dazu gehört schon die Phantasie eines Künstlers, um aus einem alten Wasserturm eine Tragödie zu konstruieren! Und Sie, Herr, scheinen mir nach dieser Richtung hin besonders begabt zu sein." Die harten Augen um- sastten ihr Gegenüber mit einem eigentümlich saugenden Blick. Und dieser Bück schien ans den Maler eine irgendwie beirrende Wirkung zu üben. Seine dünnen Augenlider begannen zu flattern. Er lächelte verwirrt und ' strich sich mit einer fast hilflosen Gebärde das feine Knabenhaar von den Schläfen zurück. „Ich reise so selten, wissen Sie. Da sind vielleicht die Eindrücke stärker. Früher bin ich viel in der Welt herumgekommen. Ich habe über ein Jahr bei der Marine gedient. Mein Baker war Schtffskapitän und hätte gern gehabt, dast ich bei der See geblieben wäre. Aber ich hielt es nicht aus. Und jetzt komme ich and; kaum heraus. Das Reisen ist eine zu kostspielige Angelegenheit." „Sie sind in Neustrelitz eingestiegen. Leben Sie dort?" Der Maler verneinte. „Ich habe nur eine Schwester dort, die vor ein paar Tagen Witwe geworden ist. Der Mann ist im Dienst verunglückt. Er mar Bahnbeamter. Ich bin zum Begräbnis dort gewesen und fahre jetzt und) Stralsund zurück." „Warum haben Sie sich denn gerade Stralsund zum Wohnsitz ausgesucht? Sie können dock, als Porträtmaler dort keine grasten Chancen haben. Warum leben Sie nicht in der Hauptstadt?" Der junge Künstler zuckte »erlegen die Achseln. „Ganz einfach, weil id) nicht genug Geld habe, mir in Berlin ein anständiges Atelier zu mieten. Mein Vater hat mir in Stralsund ein kleines Haus hinterlassen. Da spare id) wenigstens die Kosten für Wohnung. Und was ich sonst noch zum Leben brand>e, das kann ich mir schon verdienen. Ab uns zu gibt es dach einen Auftrag." Der Mann in der Fensterecke verfiel wieder In Schweigen. Er schien einem Gedanken zu folgen. Dann fragte er unvermittelt: „Können Sie mir gelegentlich ein paar von Ihren Arbeiten zur Ansick)t schicken? Ich bin Kunsthändler — vielleicht kann ick; etwas für Sie tun." Der junge Mann wurde rot vor Freude und sastte sich ans Ohrläppchen. Eine Gebärde, die etwas Kindliches hatte und die er häufig in der Verwirrung gebrauchte. Hastig zerrte er seinen Koffer aus dem Ge- päckuetz und halte daraus ein obenauf liegendes Kuvert hervor. „Zufällig habe id) von einigen meiner Porträts Photographien bei mir, die icy meiner Schwester zeigen wollte. Natürlich schicke ich Ihnen auch gerne Originale.. Aber vielleicht können Sie nach diesen Photos schon jetzt einen gewissen Eindruck gewinnen." Und er reichte seinem Reisegefährten einen kleinen Pack Photographien, die dieser langsam und mit Aufmerksamkeit durchsah. Keine Miene seines undurchdringlichen Gesichts verriet, ob die Bilder seinen Beifall fanden. Und mit beinahe verletzender Gleich- gültigkeit gab er sie dem Künstler zurück. Ein gedrücktes Sck>weigen dehnte [id) zwischen den beiden. Der Maler konnte kauni seine Enttäuschung verbergen. Trübselig starrte er in den verlöschenden Himmel. Der andere hatte die Hand über die Augen gelegt und schien eingeschlafen zu sein. Aber zuweilen streifte zwischen seinen Fingern hindurch ein rascher, lauernder Blick sein Gegenüber. Aus einmal zog er eine abgenutzte Brieftasche heraus, blätterte darin herum und legte sie vor sich auf den kleinen Klapptisch. „Vlelleick)t können wir ein Geschäft miteinander machen", sagte er langsam. „Id) habe eine Nichte, die ich (djon lange einmal porträtieren lassen wollte. Aber sie ist ein sehr schwieriger Typ. Bis jetzt hat es nod) ! fein Maler ferliggebradjt, die Vesonderheit ihres Gesichtsausdrucks auch | nur annähernd herauszubringen Das sage ich Ihnen gleich. Aber vielleicht gelingt es Ihnen. Nach der Art Ihrer Technik zu schließen, Halle ich es für nicht ausgeschlossen." Er reichte dem Maler eine auf gewöhnlichem Pappkarton aufgezogene Photographie. „Hier haben Sie eine einfache Momentaufnahme von lhr, die aber zufällig außerordentlich gut ausgefallen ist. Ich möchte sie in der gleichen Pose gemalt haben. Auch an der Kleidung darf nichts geändert werden — verstehen Sie? Es Ist ein historisches Kostüm, das sie einmal bei einer Wohltätigkeitsvorstellung getragen hat." Der junge Mann hielt das Bild interessiert gegen das Licht. Es zeigte eine Dame in der schweren und kostbaren Iradjt eines vergangenen Jahrhunderts. Ein junges Weib von gefährlichem Liebreiz. Dieses zarte Gesicht war tatsächlich mehr als in traditionellem Sinne schön zu nennen. Es strahlte einen betörenden Zauber aus, der im Tiefperfönlichen wurzelte: im Blick vielleicht, in der magischen Gewalt des Lächelns. Oder auch nur in der feierlichen Grazie, mit der fle das pompöse Kostüm zu tragen verstand — das mit einer Straußenfeder geschmückte Pelzbarett und eine lange, kostbare Mankille aus Otterfell. Die Augen des Künstlers saugten sich verzückt an dem Bilde fest. Die Wangen wurden ihm Heist. „Diese Frau must ich malen!" murmelte er beklommen. Seine Stimme schwankte in einer tiefen Erregtheit. Fast feindselig schob er die Hand des Kunsthändlers beiseite, die sich nach der Photographie ausstreckte. „Lassen Sie mich noch — einen Augenblick bitte..." Er sah nicht den höhnisch geduckten Blick, der ihn ansprang. Wie im Traum rauschte die Stimme des andern in sein Ohr. „Beachten Sie vor allem den Blick — den Ausdruck des Auges! Mit Technik allein ist dem nicht beizukommen. Diesen Blick must man erlebt haben, um ihn wiedergeben zu können! Wie viele Sitzungen werden Sie brauchen?" Der junge Mann rist sich zusammen. Mit trockenen Lippen antwortete er: „Das kann ich nicht genau sagen. Für gewöhnlich genügen mir drei bis vier. Aber vielleicht..." „Das ist zuviel. Eine Sitzung must genügen! Das übrige malen Sie nach dem Gedächtnis!" Der Blick des Mannes bohrte sich in die Augen des jungen Künstlers. Eine lähmende Bestimmtheit war in seinem Ton. „Ich komme am nächsten Samstag gegen zwei Uhr nachmittags zu Ihnen und bringe meine Nichte mit. Sie sorgen dafür, dast wir ungestört bleiben und dast meine Nichte nicht bei Ihnen gesehen wird! Sie werden zu keinem Menschen ein Work von diesem Auftrag erwähnen! Sie dürfen auch keine Kopie von dem Porträt zurückbehalten. Spätestens bis 10. November ist das Bild fertig! Sie schicken es unter Nachnahme von tausend Mark an meine Adresse: Caspar Fuchs, Berlin, Jnvalidenstraste 113. Verstanden?" Der Maler nickte schwer. Die dumpfe Vorstellung von irgend etwas Unentrinnbarem krallte sich in fein Bewußtsein. Er lächelte gequält — ein hilfloses und törichtes Lächeln. Und drückte mit einem Seufzer den Kopf in die Wagenpolster. Als der Zug in Stralsund hielt, bemerkte er mit leiser Beschämung, dast er eingeschlafen war. 4. Kommissar Kling hängte mistmutig den Hörer an und begann eine längere und offenbar wenig genustreiche Wanderung durch fein Amtszimmer. Eine kleine Narbe über feinem rechten Auge flammte hochrot, — eine allen Unterbeamten wohlbekannte Naturerscheinung, die mit Sicherheit auf „Sturm" schliesten liest. „Reuter!" Der Sergeant stürzte herein, so schnell ihn seine kurzen Beine trugen. „Herr Kommissar?" „Lassen Sie diesen Grau vorführen! Der Bursche ist entweder verrückt, oder er hak sich einen Witz mit uns gemacht. Aber das soll lhm schlecht bekommen!" Er blieb am Schreibtisch stehen und trommelte nervös mit dein Bleistift auf der Holzplatte herum. „Sie fahren inzwischen nach der Lindenallee 9. Nehmen Sie ihr Motorrad, ich glaube, es ist ziemlich weit brausten, — und sehen sich ein wenig in der Wohnung dieses Grau um. Ohne viel Aussehen, wenn es geht — verstanden? Es kommt mir darauf an, zu erfahren, wie dieser Mann lebt, bei wem er wohnt und dergleichen. Und versuchen Sie vor allem herauszubekommen, wie lang er gestern von Hause fort war und ob ihn jemand hat heimkehren sehen. Fragen Sie auch auf dem Revier nach, vielleicht weist einer der Schutzleute etwas über ihn zu sagen. Haben Sie einen Personalakt gefunden?" Reuter verneinte. „Das dachte ich mir. Also gehen Sie jetzt, Reuter, und machen Sie die Sache geschickt! Ich möd)te nicht, dast vorzeitig Alarm geblasen wird, nod) bevor wir wissen, ob das ganze nicht ein Bluff ist. Ich habe keine Lust, die Witzblätter mit Stofs zu versorgen." Er liest sich verärgert in seinen Sessel fallen und verabschiedete den Wachtmeister mit einer ungeduldigen Handbewegung. Aber an der Tür rief er ihn nod) einmal zurück und bot ihm, wie zur Entschuldigung, eine Zigarre an. Der brave Reuter rourbe rot vor Glück wie ein Schuljunge, unb verliest mit strahlenbem Gesicht bas Zimmer. Ein paar Minuten später liest ein Polizist den Arrestanten eintreten. Kling stellte mit Genugtuung fest, bast ber junge Mann in ber Zwischenzeit seinem Aeusteren eine bemerkenswerte Sorgfalt hatte angebeihen lassen. Trotzbem sah er jetzt beinahe noch elenber aus als zuvor. Er machte ben Einbruck eines Menschen, ben eine ungeheure Nervenanspannung wachgehalten hat, unb ber, zur Ruhe gekommen, plötzlich in sich zusam- menfällt. Man konnte ihm ansehen, dast es ihm Mühe machte, die Füße vorwärts zu bewegen. Seine Liber waren entzündet. Die Augen hatten ben heisten stumpfen Glanz über-roältigenber Müdigkeit. Dem Kommissar entging dieser Zustand keineswegs. Ader er hoffte, die apathische Stimmung des lungen Menschen für sich ausnützen zu können. (Fortsetzung folgt.) Verantwortlich; Dr. Hans Thyriot. - Druck unb Derlag: Brühl'fche Univerf ikäts-Duch. und Steindruckerei, R. Lange, ©leben.