GiehenerFamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger I rhrgang <933 Freitag, den 3. Marz Nummer <8 Schlüsselblume im Schnee. Von Leonore G e i b e l. Gedämpft über Nacht Ward deine erste Lust, Liebliche Blume! Verschüchtert stehst du, Trauernd senkst du Das volle Haupt. Dem grausamen Naß Verschließen sich fröstelnd Die lichten Kelche... Nur Geduld, Liebe! Bald badet dich Sonne, Wiegt und kühlt dich der Wind Und sucht der Zitronenfalter, Der Sonnenjüngling, Dich, Farbenverwandte! Arnold Mendelssohn als Musiker und Mensch. Von Dr. H. Hering, Marburg. Als ich vor wenigen Tagen mit einem Verwandten von Arnold Mendelssohn sprach, schien ihm die traurige Nachricht von dem Ableben des Meisters unfaßbar; hatte er ihn doch erst vor kurzer Zeit in Darmstadt ausgesucht und ihn in rüstigster Frische angetroffen. Und wiederum noch vor wenigen Monaten rief Arnold Mendelssohn durch seine Mitwirkung am Flügel gelegentlich der Aufführung einiger seiner Werke angesichts feines hohen Alters allseitige Bewunderung hervor. Nun ist das Unfaßbare geschehen: Eine der markantesten Führerpersönlichkeiten ist uns entrissen! Gewiß hat er ein hohes, gesegnetes Alter erreicht; aber noch immer zu früh trifft uns die Kunde. Denn gerade das letzte Jahrzehnt seines Schaffens galt dem Vorstoß in ein stilistisches Neuland mit seinen großen Vokalwerten, der „Deutschen Mess e", der geistlichen Chormusik (vierzehn Motetten für das Kirchenjahr) und dem „G ebetdesHerrn" in seiner einsamen mystischen Größe. Zeitbedingtem Experimentieren abgeneigt, hatte er für sein Schaffen die Ansatzpunkte in der Hochblüte des A-capella-6ti(5 genommen. Seine Hinneigung zu dieser Zeitperiode bestätigte er durch die Herausgabe und Bearbeitung alter Vokalwerke (Heinrich Schütz: Matthäus-, Lukas-, Jo- hannespafsion, Weihnachtsoratorium, geistliche Konzerte; Madrigale von Monteverdi, Haßler, Lasso). Wenn er auch offen bekennt, „das müßte ein elender Lump sein, der nicht zugibt, daß er von den Alten gelernt hat", so ist er doch niemals bloßer Nachahmer gewesen; stets hat er sich frei gefühlt von allem „Schulstaub"; er hat die alten Vorbilder in ihrer Wesenseiqentümlichkeit bewußt in sich ausgenommen, im persönlich-musikalischen Durchleben bereichert und durch das Bleibende, was feine musikalische Umwelt ihm bot, neuen Ausdrucksmöglichkeiten zugeführt. Wenn man ihn, wie es in der letzten Zeit meistens geschieht, vornehmlich als geistlichen Tonsetzer würdigt, so übersieht man dabei, daß es ihm um eine Gestaltung seiner gesamten Lebensauffassung zu tun war, die allerdings stark im Religiösen wurzelt und den letzten Gründen des Seins zustrebt. Gerade die ethische Fundierung seines schöpferischen Dranges hebt ihn über den großen Kreis feiner Zeitgenossen hinaus. Allem Pathos und Gefühlsüberschwang abhold, er ist nie eine romantische Natur gewesen, sah er in jedem Werk ein geistiges Problem. Immer ist sein musikalisches Geschehen bedingt durch scharfe Logik. Es war darum für ihn eine innere Notwendigkeit, daß den größeren Anteil in seinen Werken die Vokalmusik einnimmt. Die im Text gebundene Bildhaftigkeit und begriffliche Bezogenheit ließen ihn den veranschaulichenden Vokalstil prägen, d. h. die geistige Durchdringung des Textes mit den logischen und darstellenden Möglichkeiten des Musikalischen 4>is zur letzten Konsequenz. Bestärkt durch den Drang zu objektiver Gestaltung wird so auch später die reine Instrumentalmusik frei vom Subjektivismus für ihn zu einem sinnvollen geistigen Geschehen. Der Begriff der Form als solcher nvird ihm unwesentlich; der geistige Lebensprozeß schafft sich selber die Form. Aus solcher Formausfassung erklärt sich die Bevorzugung der Variation in A. Mendessohns Kammermusik. Mit der organischen Intensivierung wird auch die Sonatenform, die von vielen gegenwärtig als zu sehr im Geistigen verankert abgelehnt wird, In ihrem unantastbaren Wert durch das lebendige Beispiel Mendelssohns erwiesen. Unerbittlich strenge Selbstzucht charakterisiert seine Schasfensarbeit. Mit der gleichen Liebe und dem gleichen Ernst tritt er an die jeweilige Aufgabe heran; mag es ein einfaches Volkslied fein, dem er neue Seiten abgewinnt, oder ein dem Monumentalen zustrebender großer Chorsatz. Er kennt nur Sachlichkeit, fernab vom Sensationellen und vom Sinnlichen. „Erotik ist nicht d i e Potenz, die die alleinige lebensbestimmende Macht darstellt, sondern nur ein Faktor unter vielen." Hier liegt ein Hindernis vor, das seinem Opernschaffen eine allgemeinere Auswirkung versagte, wie nicht minder seinen Liedern. Darum erscheint auch sein Melos manchem zu streng und vielleicht auch nicht eingängig genug. Nie wird man in seiner Ausdrucksart billigen Gemeinplätzen begegnen; stets ist seine Sprache gewählt, charakteristisch und überaus mannigfaltig, da sie am individuellen Inhalt eines geistigen, ins Musikalische umgesetzten Prozesses sich formte. Immer ist er voll durchdrungen vom Erleben der Situation, von der Weihe des Erhabenen, den Schauern des Ewigen, Heiligen. Tiefgründig ist er Im Nachgehen des Rein-Menschlichen; Lied und Chorwerke künden davon. Und doch kann er wiederum kernig, mannhaft sein, voll ursprünglicher Kraft, mit einem gesunden Sinn für Humor. Seine Texte wählte er sich abseits der großen Heeresstraße mit besonders kritischer Abwägung. Oft bricht in auffallender Stärke ein Zug zum Volkhaften durch in einfachen, zündenden Melodien, die auf bestem Wege sind, Volkslieder zu werden. So steht ein Lebenswerk in reichster Fülle vor uns. Wenn feinem Schaffen auch nicht zu allen Zeiten die Würdigung zuteil wurde, die ihm feiner Bedeutung nach hätte gebühren müßen, so hat es dennoch nicht an Persönlichkeiten und Instituten gefehlt, die sich für sein Werk einsetzten; so in Darmstadt der Mozart-Verein und der Musikverein unter De Haan und Balling und das Landesorchester; weiter im Reich Professor Dr. Karl Straube mit seinem Thomanerchor,.der die großen Vokalwerke des letzten Jahrzehnts sämtlich zur Uraufführung brachte, Siegfried Ochs t, Dr. Georg Goehler, Altenburg, u. a. Für fein Liedwerk haben eine Reihe von Sängern geworben; so der dem Meister sreundschastlich verbundene Ludwig W ll l l n e r, als einer der ersten Interpreten; Agnes Leydhecker, Tilly K o e n e n, Paula Werner- Jensen und manch andere Kraft. Anderseits setzte sich Arnold Mendelssohn für das Schaffen Mitlebender ein. So ermöglichte er durch den Richard-Wagner-Verein in Darmstadt einen der ersten Hugo -Wolf- Liederabende (Hugo Wolf am Klavier) im Deutschen Reich (1894), ungeachtet der teilweisen Gegnerschaft der Presse. lieber dem Künstler Arnold Mendelssohn darf keinesfalls der Mensch Arnold Mendelssohn übersehen werden. Wem es beschieden war, in die Schaffenswerkstatt des Verstorbenen hineinblicken zu dürfen und ein so hohes Menschentum erkennen zu lernen, dem werden diese Eindrücke unvergeßliches Lebensgut bleiben. Trotz dem Schweren, das ihm das Leben gebracht hatte, hatte er sich eine fast jugendliche Frische und Aufgeschlossenheit zu bewahren gewußt. Fremden Eindringlingen gegenüber konnte er zurückhaltend, kühl sein; anmaßender Selbstbewußtheit begegnete er gern mit einem leisen Zug von Ironie, ohne jedoch dabei zu verletzen. Wo er Werte sah, die der Förderung würdig erschienen, da griff er tatkräftig mit gütiger, hilfsbereiter Hand zu. Unvergeßliche Stunden waren es, wenn er von vergangenen Zeiten erzählte: Von feiner glücklichen Jugend in Ratibor, wie er die nachbarlichen Obstgärten auf verbotenen Wegen besuchte; wie er, um beim Schlachtefest im Hause eines Schulkameraden im Nachbarort nicht zu fehlen, auf der Eisenbahn „schwarz" fuhr; wie er schon mit 5¥t Jahren in die „Klippschule" getan wurde, weil es nach der Ansicht der Mutter „mit ihm zu Haufe nicht mehr auszuhalten war". Mit besonderer Genugtuung erfüllte es ihn, daß sein erster Klavierlehrer sein Bemühen um den Achtjährigen schon nach einem Jahr aufgab „wegen Talentlosigkeit und mangelndem Eifer". Wie er dann später über dem Interesse für Musik die Schularbeit zu kurz kommen ließ; „meine Leistungen waren abomi- nabel schlecht, wie ein Auswurf der Menschheit kam ich mir und andern dabei vor". Ergötzlich war es, zu hören, wie er dennoch gegen die Stimmen wohlmeinender Verwandter vom jurisUschen Studium zur Musik hinüberwechselte. Don besonderem Interesse wird sein erstes Zusammentreffen mit Hugo Wolf in der letzten Zeit des Kölner Aufenthaltes (ein. (1890.) Eines Abends kommt Arnold Mendelssohn ermüdet nach Hause (vierzig Wochenstunden am Konservatorium bedeuten schon eine ganz gehörige Anspannung der Arbeitskraft). Da findet er einen unbekannten Musiker vor: Hugo Wolf, den es drängt, einen Kreis von Verstehenden in feine damals noch unveröffentlichten Lieder einzuführen. Kaum, daß man sich Zeit zum Abendessen läßt, spielt Hugo Wolf aus den drei mit- gebvachten Bänden, bis kaum mehr ein Lied übrig bleibt. So geht es fort bis morgens 1 Uhr. — Zwei Gleichsuchende, Gleichstrebende haben sich hier gefunden und scheiden als Freunde. Maa Ifrntlh Tbnh,fefof)n sich In früherer steil 'd'hi Immer "ol b,|t|ehlgi ul.«. Oir ttlnhrll.lv brl |«m„u Vk.limi Mulifstnh um ()•“» >«* l)«b,ri, noch hnufborr. ttinsi.ht bfo Alk'» ha"' " I",i" ' ü,., Vtlkr l.'lftl |l<») Mr '• ■< 1 j 1 rriißr mlrhrr in /- 1 öff 11 nii(i milcht,, imh er al« '^l|l- 11. nl bv» £)livi'|kikr,liiii,i)liivi ■> und) I iillmvoiig »«richt |el, null and) Imiui vi|ul)i v. nur, bah «» Irgeiibtoo 4ml|d)«ii brr "har, dein lh<1)vii lull (ivlilvl.vn In UonboiL llldjt malji? via, da» macht nlchlO, ft|n tlhinvil Wv l.i|lvn rr.lv «In Mollih Vlrillildjli' (Jkuvnb, trügt |nnl- lunlbbvn .Ivmpvl mit V(ii|ld>rl|l: JDIaiigrl an ttkky#nl)«ll . 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Vlad, zehn >0,1«» mm all.'', mlvbvi In Orbmitig Mit straht,ndrm »l.'sicht und kid)km J)«r- 4'11 mvlhfif streb da» dem $)errn 0i>erst,u,r,ittn,hnt,r, der ernst und wohlwollend nickte. . ... streb war ihm bmitbar slir sonlel «krftdnbnle und nahm sich vor, reiht ausmvrtsmu und 4Ui»irtmnniriih 411 l'ln. Leider hatte rr ba4U tfltte Oh’li’(i«iil)i'lt mehr, denn al» er am Morgen de» elsten lag«» aiissland, hmh vr diesen nicht wehr vor, daslir aber den sorgsam Anlammeng,- h«,teilen stnntapparal 4rr|l»rl, die teksontrttnng zerschnilteu und den (Mi'lhjd)raiif teil l'ln Ermaugelnng hee stord, brr wahrschelnlid) einen i- >।>i.41 gewaihl bflilv, fkmmk ,r sich einen Pont) 4'>'lie«hrten harau|l)lit Tallmpong den Desraubmilen, lobt«rt streb ttartrr unb sieueteiniiehmer von Tallmpong. vil» |l)m vier Wochen |päl,r «In |uiig,r Marn, al» VI slsteut qiigtkllt murb« selile |ld) der IkUlrhert, In d«ns,U.eu Gchaukelstuhi, In dem sein ...... * -lull ihm Im Voflb«wußt.'IN II'im'i twr« ,F,k tönn,n vortoilrtetomin,» Tiere verschwiiideu. Won Leon strelherru von 6 a m p l) a 111, n »>VS. U«b,r bk 'Hrrgm.Ubfr de« Ural erhebt |id) brr Mond. ’Hlmigriin, fllbrrn u«iidikkrt r.igrn blr Alrl.elkkfertt. Um blr rorthrn 'Hlrf,n|t, bunt) bk da» stlüsichrn l«l|« rau|d),nb 411 lal, Ateht. Vllng» „wacht bas uüchtlich, U,b«n. (tlrltlrn grtgru Im lästigen üku». uin Vlbenbsalt«. ersaht bi« Milk bei Wlortrnblumv und taucht seinen VlUssrl Urs In brn |mblo|«tl Meid) Müus« elleii psrisrnd durch» dürre M»4w«ig, do» allenthalben den Wolbboden be.tt. Rohrdommeln bnlllrn km am schllstlinivucherkn tj,r Durd) bas Wipselgealt der Wirbeln rmi|d,t ,.. herbei, vorüber und fort. Oln dürrer Zapfen fallt 411 'Hoden, bann ist " Der kld)t« Nachiwlnd hat sl.h gelegt Rein utistchrn rührt llch Zwl- Ich«,, den Mionrn der 'Hirten fUmmrit «In Stern In grünlichem Licht Dort blr oielhundertsührlg» 'Hlrfr mit bei» IchworArn Vlslloch inmitten br« (rdummes rübrk |ld) bo nicht »tnmeY Legte (Id) nicht «In grauer t.djolivn nur bk Delfniing unb oerschmnnb wiederY 3« h| hin der Mond hinter einer stiihre brr vor unb leuchtet gegen brn 'IMitenltflmni Du schiebt >id) lattgsam unb lautlos ein zwerahaltee Wesen an» brr Zahlung hervor Oln minztar», grau wolliges Röpfiiirn erscheint, und grosse runde Vlugvn lugm nmhrr Del M'm per solgi Der graue Rücken trümmt sich Di« .Hinterbein« stohrn ob, und oll« okr vklnr IpirlArn sich. Rack) beiden «-»dkn breiten si.h stlughilnte au» Unb nun ichweln bo» stlnghürnd)«n, ba« slkgend, 0 ichhorn fdjräa abiortrte, brm U ipenliingmuche 411. ü« landet »ns einem |d)mitrlnbvn WIpselAweig, floppt blr sttiuterhout non brlhm Seikn an seinen dichtbehaarten Morpvr, eilt brn Ast entlang, hüpft aus rlnen 4weiten, hebt ba» bnschlgr Sdiwüng» d)en, rrgnlst rinr 0 sprntnospe, mölbi brn 'Hucket unb sührt bk Aesung mit bvn Itlorbvrpiotrn 411111 Maul Leise tnl|krnb uagei) die ZÜHne an brr sosiigrn Rnospe. „Puh hmi " mm writ her der Ton br« Hürnchen» Ohr erreicht. 0» iilhi brn Rest brr Knospe sollen, richtet |ld) ans, splht bae Ohr, duckt sich, schnrllt hmh und eitkttert bk 0 hir. 3mmri hiiher strebt «» hinaus, bi» sein v it)lu|i|lmf) Im hohlen 'Blrfrn|lmnm unter ihm liegt. „Puh buu". 'Nüber kommen hl« Hine au« bem nad)tsih>»a>4rn JUibrlmnlb stlugi)iirnch„i trnnt brn Ton Uhu, bei surchtbare stetnb ans bem ÄmteAug Urin Augenblick ist 411 verlieren stört, nur |ori In bae sichere Persien. 11nb i(lieber spreizt e» «Ne vier ’Rein« von sich, könnt bk Flalieihaut imh Idjmebt, bild Hchwänzchm ,,l» Steuer mllveitt, schräg nbinÄrle strack» mi| bim Vlftlod) 3ii. „'stich Ijiiii.* Der Ulm ist da Da» Hörnchen aber hackt geborgen im bohlen Stamm, und unter seinem grmnvolligen Pelz |d)ltifll uiifllluoll da» Herz. Unermeßlich beim! sich die Gchneemiiste der nordsibtrischen Tundra. Unter geivalllger üilebeife walzen sich die Wasser de» Jenissei dem Ui»- meer zu. Schnee, ©djnee, dämmernde» Zwielicht 'Dloimlelmme Winternacht. D|lminb liebt aus. Feinkörniger Schnee rieselt vor ihm her, Ilaui sich In Weilen, erhebt sich, wirbelt durcheinander, senkt sich wieder uiw breitet |idi sachte über da» unendliche Weih, , Sterne leuchten am blauschiuarzen Himmel in kristallener Klarheit. Ihr Schein mischl sich mit dem Schneelicht ringsum Da gaukelt ein weiße» Aespensi durch da» bläuliche 8chneell,l,t Die Schnee vale ans der Sihneehnhniagb In lelse rauscheudein Flug schwenkt sie Im Bogen und schwebt der Richinng zu, wo vereinzelte», speirische« Zwergweidengebiisch au» dem Schnee heroarragt Varl wo hartschalige Knospen am Weidengeslrtiuch die Krast Jilr hie Ntichste Sommerzeit speichern, wird da» Schneehuhn tisen. bl» ee sali Ist. Dann inIrb e» fld> langsam eine Lagerröhre scharren und dort mit ne bltidtem Brustgesieber und elngezagenem Kaps (chiasen. Sein Herz aber wird da» warme Wut burd) den Körper treiben Die Schnee (i nie senkt sich, gleitet hart über den 6d)iiee, erhebt die Schwingen, breitet den Stoß und läßt sid) aus eine Schneewehe nieder sinken Sie ist all, darum unterbricht auch nicht da» kleinste braune Ilipselchen da» reine Weiß ihre» Gesieder«. Da braust e» herbei. In schnnrrenbem Fluge sd)leßi «Ine Gchnr Schneekihner ben Weiden zu. Die lknle breite! die Schwingen und folgt langsam in der vulsernnna Sie will erkunden, wo die Hühner ein,allen, sich Ionen dann überraschend nahen, znsiosten und Ihre Fänge In einen warmen Schneehnhnkörper pressen. Die Hühner aber haben sie eröngt. Sie fahren Jill) nach ollen Selten auseinander, werfen |ld) In den Schnee, daß e» auswirbelt und sind oer- idmninden. Die 0 ule fiellt wieder die Schwingen hvd), gleitet ans einen Schneehügel nieder und wartet, Regio« fteht die weiße Chile aus dem Schnee und starrt nach den Löchern hinüber, In denen die weißen Hühner verfchwnnden sind. lieber dem livländischen Hochmoor erhebt sid) ein Wolke ülraublmi wächsl sie heran, |lld)i ß>iß gegen den Zenild dehnt |ldj und will bl sid) geballt. Immer neue Wnlkenberge (d)leben sid) heraus, wachsen gegeneinander und flehen grau und drohend über hem braungrünen Mavl Fern am Rand her weiten Moorsiäche schillert ein Tümpel. Seine User sind versumpst. Ineinander verflochtene» Pslanzengesihlinge lagert über dem Wasser ttliier schwankenden, graugrünen Decke glelih Inmitten der freien Wasserfläche regt eo fick, Kleine, glitzer,,be Welleii- rlnfle rollen auseinander und verlausen sich aus dem im V|iieiihlld)l rölllck) schimmernden Spiegel Ießi tauihi ein sck)warzbrauner Kops au« der Flut und verschwindet mleber. Und nodjinulo erhebt der Wer,) (einen Kopf au» hem Wasser und sichlet her Wasferlllis rüstet zur nächtlichen Iagb Suliald die *?l beiib,d)iillen sid, über die Kalke breiten, hie Kröten ihr Versteck »erlassen, und ble Fledermäuse In zitterndem Fing die ’Hmun- Wipfel umflattern, wird er ans Raub ausgehen (fr wird burd) bas Ara» an ben Waldrand elfen, wa er ein ptä(|d)ern bee Flüßd)en weiß, Dort wird er nach Krebsen und Fischen tauchen, nachdem er seinen ersten Hunger mit Fröschen und Schnecken gestillt bat. Der Nerz hat nicht» Bi-rdächtige« gefunden, (fr taucht weiter ans Der Rücken er|d)ehit. Pläßlich schießt er über den Spiegel dem User zn Kein Rude, floß Ist hörbar. In unfaßbarer Schnelligkeit fährt er auf ein Moasinfelchen und klettert hinauf. Hier liegt zum Knäuel zufaniniengerolll ein zweiter Rerz Der erwacht, ässnet den Rachen, gähnt und springt mit lehernhem Sich dem Freunde entgegen. Und seht (pleleii sie St« fassen |ldj mit den Pranken, ridjteii sich aus, stoßen sich gegen die Brust, und kugeln übereinander. Hiles geschieht lautlos mit lueldmlelleiihen Bewegungen Da fährt ein Windstoß Über sie hin. Hm» dem dunklen Aemälk leuchtet «In Alls), und gralleub rollt der Danner Über bas welle Moor Berelnzelle taubengroß« Haflelsd)oße„ fd)lagen ring» In da» welche Won« und schießen zischend In den wellenbewegten Tümpel Die Rerze stürzen sich kopsüber In» Wasser Sie tauchen unter, erscheinen wieder, sd)wlnunen hierhin und dorthin. Sie Der|iid;«n den Qls- geschassen zu entgehen. . . . .. Nicht, hilft. Immer dichter fallen die Schloßen. Der Tümpel brodelt, er schäumt und zischt Di« Nerz« find verschwunden Rbenddämmer breitet sich Über da, l'anh Da, Unwetter lsl weiter- Rande her verfilzten Pflanzendecke, die schützend über dem Wasser legt, regt e, sich „ . k Die beiden Nerz« lugen hervor, schwimmen über ben Tümpel UnD rüsten sich zur nächtlichen 'JMoorfrofdjjaflb. Bon Finnland her bläst kühler Rtorgenwlnd über ble Karelisch«" Wher Ur schüttelt da» lf spengezweig und läßt ble zitternden Blätter l«is« Hoppern. . ... ., _. , Drüben an der Senke, wo da» Waldwasser glucksend über bl« Stein« rinnt, hoppelt «In Iunghas« an ben Dotterblumen entlang Zwei Unglückshäher sagen sich In den Zweigen und rufen sich schrille 'tuutf 411. linier her breit,djlrtnlflen Krone der uralten Kiefer bockt ein Wald- släUz. (fr ist müde von nüd)Uld)er Jagd (ft bläht fein dicke» Ole fieber, legt ee wieder an. knappt dreimal mit dem Schnabel, zieht die Rickhaut über ble Bugen und versinkt In Halbsd)las. Wie ein Well schieß! die Schwanzmeise Ihrem tun|toolleii 'tiefte zu. Ülroue Baumsieihleu, grüne» Lnubmoo», Inseklengespinsie, Pupvenhiüsen, weiße Birkeniindehäuie gaben den Baustoff, und olle» ist mit Spinngeweben durchsiochten. Bus der Wiese am 'Waldrand zuckt ein Arashalm (fr senkt und hebt sich. Ießi neigen lick) hier und dort die Halme hem 'Hohen zu imh schwanken sachte ans und lebet. Ächt winzige Hühnchen eilen durch» hohe Ara» und folgen Im trippelnden äau| ihrer 'Mutier, der Vluerheime. Sie springet, den Fliegen ttod), die Im Anise schlummern, zupfen an bett zarten Blättchen, schlupfet, bmd) ho» dichte Ara», sagen füg, bleiben Ober Immer in he, Rahe der Mütter. Die Buertzenne reckt den Hai» und muHerl mit prüfendem Blick heu nahen Waldrand Ihr ist ee, al» bewege (ich dort zwischen den dtmklen Stämmen ein helle, Fieck Jedoch, da olle» still bleibt, beruhigt sie sich wieder und seht die Wanderung fort mit ihrer Schar. Drüben aber liegt regio», die Borde, Pranke,, unter ble weiße Brust gezogen, ble Plnselgehärne attsgerichlet ber Und)» aus einen, gestürzten Stamm. Sannenstrahlen gleiten (Iber seinen rätlichgrauen, gefleckten Pelz. Do raschelt e« leise auf her Wiese Im Ara» De» Luchse» Ohrmuscheln hieltet, sich bet’ Richtung zu, tut» her her Tün sein I toiiimelfell t,af Hub seht Oh u .liuliu,- heben unb senken fick)l r»e« Hud)» erstar, l «.ein ('lehrte steht slrosf, seine Bugen |l„h weit geassnet (fr schiebt ble nhiler- prunken weil iiiiier he 11 'Hauch und tritt mit ihnen hin unb hei Lockert (le zum Bbsprung Ießi duckt er den Körper. Seine Rilckenhani zuckt, eie Ine bldjiliehmu te, schwai zsplßige ähimmelrute wackelt erregt. Die vberllpfie zittert. Die l!(iierl)euiir nähert sich ichnnng-ckoa den, Waldrand In de» Luchse» Bilgen tritt der Bn»dmck gieriger Lust ür schnellt hock) 1111b springt Im Bogen, die Bordet Pranken weit gespreizt auf die Henne zu aber - zu kurz (Jin Fehlß» ungl ür hat nie lfntfemung nicht richtig gesihätzl. Bus Hohen Läusen sieht er verbüßt hu grünen Arm» und äugt der 'lltier- henite nach 'M11 laut ruu,djenben unb 1 erflmint <111, wundern sich, daß Id) von diesen (fr- scheinnngen, ble allen III,seren läoiagisihen Buschtiunnaen widersprechen, erzähle, al» ob sie da» nalürllihsie und se|bfliier>iäuhll,I)sle Dlng von her Welt wären Das Unfaßbar» unb Unerklärliche rohrt» una merkwürdig balh olllrtnlld) Der Mensch, her zum erßemnal btt» spukhasle Wtinber des Telephons, da» phanlafHsihe ürelgnl« des Beraplan» erleid Hai, war sicher im erslen Momenl slnrr vor erlment mit «Ifletten Bugen gesehen unb Im eigenen Körper flesühtl laßen Sie mich melier erzählen, Doktor. 0» war ein paar Tage später, buh Ich von Ulom Singh ueilmml«, er solle mich bei einem seiner (fyperlm«nie al» Zeuge anwesend sein laßen (fr sollte seine Kunst vor meinen Bugen erweisen 0» war nicht Mißtrauen unb Im Arunbe and) nicht Wl||eti»li leb, bet mld) diese» 'N erlangen stellen ließ tt» war 'Neugierde, nichi« als 'lletifllerhe, und Id) setzl« schließlich meinen Willen burd) üo würbe vereinbar!, daß lllam Singh da» Ufpei Imeiil In meiner BnwesenheH an Arett» heltiem For Will) an»sühr«n lallte Ich erinnere iiüd) nod) hettllld) oller ber um|liiublld)«n Borb«r»iiung«N, ble her Tuber tra| Der Schauplatz be« Versuch«» war bl« 'Heranba D«r Fox war an «in Siuhll>«In angebunben unb spielt« nmiuogesetzl mit «ln«m Papier- ,lldJ)a« «rft«, wa» Ulam Singh tat, war etwa, sehr Merkwürbige«. Or bradjle «inen schmalen l!eimnanb|trel|eii von her Länge «Ine» halben Weier zum Vorschein, bett schlang «r hinunter unb zog ihn sobattn an (einem ünbe mleber an» bem Hat« hervor, langsam, Zoll süt .soll, zur Reinifltmfl be» „schmutzigen Körortiopts", ml« er lidj auebrüdle Das «rldjelnl Ihnen unmofllld) aber ble lnbischeu Sabhu» sind zweisellv», id) kann wohl sagen nachwrislirh, In unalslch Höherem Maß« Herren Ihre» Mnskelspielu ul» wir. Dann trank Ulfltn Singh Wasser in grüßet. einem Der Hund versuchte mühsam sich zu erheben, sank aber sogleich wieder kraftlos auf den Boden zurück. Ein paar Fliegen summten um feinen Kvvf, aber Billy war zu müde oder zu saul, sie zu verscheuchen. Er stieß ein' leises Jammern aus, das in ein Gähnen überging, streckte sich aus, blinzelte mich nochmals an und begann zu schlafen. Ich kann Ihnen die Erregung nicht schildern, die mich ergriff. Nie vorher in meinem Leben habe ich ein so grausam wahres Bild der Trostlosigkeit des Alters gesehen. Der Hund, der vor einer kleinen Viertelstunde der Uebermut und die Tollheit selbst gewesen war, und der letzt kraftlos aus der Erde lag, zu müde, um die Fliegen zu verscheuchen, das war in einer Art erschreckend und schauerlich, die ich Ihnen heute schwer begreiflich machen kann. „Billy!" rief ich nochmals. Der Hund wendete noch einmal den Kopf nach mir und begann kläglich zu winseln. „Genug!" rief ich Ulam Singh zu. „Es ist genug!" Ulam Singh schrak empor, holte tief Atem und blickte mich an. Dann wies er aus den Hund und lächelte. Nach einigen Augenblicken stand er langsam auf, ging einigemal in der Veranda hin und her und blieb vor dem Hund stehen mit einem Blick, der Triumph auszudrücken schien und zugleich den Wunsch nach Lol, und Anerkennung. Dann bückte er sich, nahm eine von den glühenden Kohlen in die Hand und näherte sich dem Hund. 'S,-. Bod'n der Beranda, und warf große Mengen seines grünlichen Pulvers Svgleich^verbrettete^ sich jener penetrante Hanfgeruch, den ich schon wiederholt wahrgenommen hatte. Ich bekam starke Kop schmerzen- und ein wenig Atembeschwerden. Billy spielte noch immer mit fcl”em(Jp“p!er knäml Ulam Singh nahm indessen die Lotospositur ein. Er setzte den reckten Fun aus den linken Schenkel und ebenso den linken Fuß auf den rechten Schenkel. Dann griff er mit den Händen nach den Fußspitzen und hielt den Atem an. Ich stand hinter ihm und stellte mittels meines Taschenspiegels fest, daß tatsächlich jede Lungentätigkelt aufgehort hatte. Auch die Herztätigkeit schien erloschen zu sein. Die Augen quollen hervor und die Adern an der Stirne begannen anzuschwellen und heftig zu schlagen. „ ... . , Die Untersuchung des Inders hatte mich die ganze Zeit über derart in Anspruch genommen, daß ich das eigentliche Objekt des Versuches, den Foxterrier, ganz außer acht gelassen hatte. Jetzt erst wandte ich mich dem Hund zu. Ein alter, triefäugiger Köter lag vor mir auf der Erde. Der Geifer rQtm ihm aus dem Maul, die Augen blinzelten mich müde an. Ich rief ihn bei seinem Namen. „Billy!" rief ich, „Billy!' Das Tier rührte sich nicht, obwohl die rotglühende Kohle seinem Kopse näher und näher kam. Erst als die Glut ihm die Haare versengte, schnup- । perle er ein wenig und bog den Kops schläfrig zur Seite. Der Hund war j blind vor Alter, und das war es, was Ulam Singh mir hatte zeigen wollen. Ich habe eiserne Nerven, aber das alles war mehr, als ich ertragen konnte. Es schien mir, als wäre das Tier an der äußersten Grenze seines Daseins angelangt, als müsse der dünne Faden, der es am Leben hielt, im nächsten Augenblick zerreißen. Ich sprang auf und verlangte von Ulam Singh — — ich glaube in sehr wirren und unzusammenhängenden Worten --die Beendigung des Experimentes. Ulam Singh beeilte sich nicht eben sehr. Er warf wieder sein Pulverpräparat auf die Kohlenglut, lieh sich langsam und umständlich nieder, schöpfte einige Male tief Atem und nahm endlich die Positur der Lotosblume wieder ein — alles das sehr bedächtig und langsam, wie jemand, der durchaus keine Eile hat. Diesmal beachtete ich sein Verhalten nicht weiter, sondern konzentrierte meine ganze Aufmerksamkeit auf den Hund. Einige Minuten hindurch konnte ich keine Veränderung an ihm wahrnehmen. Mit einem Male hob er scyarf und kurz den Kopf, wurde unruhig, stieß Laute aus, aber kein Winseln mehr, sondern ein Knurren, und im gleichen Moment sah ich plötzlich wieder Leben und Bewegung in seinen Augen, er blickte zu mir auf, erkannte mich — und da schoß mir zum erstenmal jener wahnwitzige Gedanke durch den Kopf, der mich seither nicht wieder loslassen wollte! Ich sah, daß das Experiment geglückt war. Und da durchfuhr es mich, der Versuch mußte wiederholt werden! Das alles mußte ich nochmals sehen — aber nicht an einem Tiere, nicht an einer Pflanze, nein! An mir selbst! Es war Wabnsinn, Doktor, der mir den Gedanken einblies. Tolle Begierde nach dem Unbekannten, Lust, mich ins Dunkle und Ungewisse zu wagen. Derselbe Trieb, der mich zwingt, einen glatten, steilen Felsenturm, an dem kein anderes Auge Griffe für Hände und Tritte für Füße erkennt, zu erklimmen. Doch die Größe der Gefahr, die unerwartet hereinbrechen sollte, konnte ich damals nicht ahnen. Sonst hätte ich niemals den frivolen und verbrecherischen Gedanken gefaßt, auch meine Tochter, mein einziges Kind, in hie Sache hineinzuziehen Ja, auch an ihr sollte das Experiment ans- gesührt werden, ich war begierig danach, das Kind eine Minute lang in der vollen Schönheit eines reifen Weibes zu sehen, ich wollte in ihre Zukunft blicken, ich malte mir aus, daß sie dann ihrer toten Mutter ähnlich sehen müßte, die eine wunderschöne Frau gewesen ist — und da schlug plötzlich Lärm an mein Ohr — der Sessel war umgestürzt, an den der fV.nb gebunden war, Billy tollte in der Veranda umher, sprang auf den Tisch, kläffte, war wild, ausgelassen, übermütig, jung wie vorher — und In mir hatte sich jener Entschluß festgebohrt und festgefressen, der für mich viele Stunden der Angst und der Verzweiflung m sich bergen sollte, und für Ulam Singh den Tod. Das letzte Experiment. Der Baron schwieg eine kurze Weile hindurch, nahm sein Taschentuch vom Halse und besah die Blutflecken. ... Doktor!" sagte er dann, „Sie müssen die Güte haben, s'H di'^Schmtt- wnnde an meinem Halse anzusehen. Sie blutet unausgesetzt. Ich habe Ihnen wohl schon gesagt, daß ich vor ein paar Tagen am Nacken geschnitten worden bin. Natürlich: Gestern haben <5ie ja vergeblich die Wunde unter dem Verbände gesucht — nun, da ist sie, Doktor, sehen »ie sich sie an Ein bißchen Watte und ein kleines Stuck Leinwand! So, das genügt schon, und jetzt will ich in meinem Bericht fortfahren. Was ich Ihnen jetzt erzähle, wird für immer zwischen uns beiden ein Geheimnis bleiben. Nur mein Diener Philipp weiß noch davon, sonst kein Mensch im ganzen Hause. Das Aushilsspersonal, das, ich gestern in aller Eile aufgenommen habe, wird abgelohnt und packt feine oadjen, in einer halben Stunde werden die Leute das Haus verlassen hoben, keiner von ihnen wird mich zu Gesicht bekommen. Die alte Dienerschaft, die ich auf mein mährisches Gut geschickt habe, ist bereits telegraphisch zurückbefohlen. Sie werden mich alle genau so antreffen, wie sie mich vor ihrer Abreise gesehen haben. Kein Mensch wird wissen, daß ich inzwischen zwei Tage lang ein alter Mann gewesen bin. — Das verhängnisvolle Experiment fand vorgestern um ^16 Uhr in meinem Treibhaus statt. Ich hatte erwartet, daß Ulam Singheinige Schwierigkeiten machen werde, aber meine unverhohlene Bewunderung und das Interesse, das ich an seinen Versuchen nahm, machten ihm anscheinend solche Freude, daß er zu allem, was ich verlangte, bereit par. Langsam und umständlich, wie immer, nahm er die Prozedur vor, die er die Reinigung des Sörperinnern" nannte. Ich stand indessen neben dem dünnen Stämmchen, das Sie dort sehen, einem Mangobaum, der erst ein paar Monate alt ist; er war mir kurz zuvor aus Ceylon zugeschickt worden, und Ulam Singh hatte ihn am Vormittag jenes Tages im Treibhause eingepslanzt. Während Ulam Singh das Hanspraparat aus die glühende Kohle schüttete und sich sodann in die „Positur der Lotusblume niederließ, besah ich den Mangobaum und hatte meine Freude an den schönen, blaugrünen Lanzettblättern. Grell, die keine Anhnung davon hatte, was ich mit ihr beabsichtigte, spielte mit ihrer Springschnur, unbekümmert um das, was um sie vorging: nur der Qualm des glimmenden Hanfes war ihr unangenehm, sie hustete und rieb sich die Augen. Ich beobachtete indessen das Anschwellen der Schlagadern an der Stirn Ulam Singhs, und die ersten Minuten vergingen, ohne daß ich eine Veränderung an mir selbst wahrnehmen konnte. Das erste Auffällige, das ich spürte, war ein leiser Schmerz im Zahnfleisch das heißt es war eigentlich kein richtiger Schmerz, |onbcrn eher eine gewisse Unruhe. Auch Grell schien etwas ähnliches zu suhlen, denn ich konnte beobachten, wie sie mehrmals mit der Hemd über die i Backen strich. Diese Erscheinung verging aber bei mir sehr bald, statt ihrer stellte sich ein leises Prickeln auf der Kopfhaut ein — ich notierte mir diese Beobachtungen samt den genauen Zeitangaben in mein ^aschenbuch. Gleich daran klagte Grell über Schmerzen im Fuß. Sie setzte sich auf den Boden nieder und zog die Schuhe aus; ich konnte mir das nur damit erklären daß ihr die Schuhe zu eng wurden. Gleichzeitig sah ich, daß eines der Schürzenbänder gerissen war; ein Knopf sprang ab, und ein paar Nähte platzten. Es war klar, daß ihr Körper gegen das Kinderkleidchen zu rebellieren begann. Jetzt stellten sich auch bei mir neue Erscheinungen ein, solche recht lästiger Art- ein starker Druck im Hinterkopf, ein dumpfer Schmerz im Kreuz und in den Handgelenken, dazu ein gewisses Gefühl der Leere und der Müdigkeit. Ich glaubte es plötzlich in allen Gliedern zu fühlen, daß ich im Begriffe war, ein alter Mann zu werden. Eine unbeschreibliche Angst erfaßte mich, aber ich drückte sie gewaltsam nieder und zwang mich, ruhig zu denken: in einer halben Stunde, sagte ich mir, ist alles wieder, wie es vorher war. Aber der Schmerz im Rückgrat nötigte mich doch, irgend etwas zu suchen, woran ich mich lehnen konnte. Nun wußte ich ja das dünne Mangobaumstämmchen hinter mir, an das lehnte ich mich also, aber ganz leicht, und in dem Bewußtsein, daß es sofort elastisch nachgeben werde. Doch es gab nicht nach, etwas Fremdes, Breites, Festes war hinter meinem Rücken, und ich drehte mich um. Wie soll ich Ihnen jetzt meine Ueberraschung beschreiben, wie soll ich Ihnen schildern, wie mir zumute wurde bei der erstaunlichen Veränderung, die sich meinen Augen darbot? Unter dem Einfluß der Kräfte Ulam Singhs war nämlich auch der Mangobaum gewachsen, er war alt geworden, so wie ich alt geworden war, er stand da, ein starker, knorriger Stamm mit faustgroßen Früchten. Und rings um ihn war unendliches andres Leben entstanden, über und über war er von Schlinggewächsen umsponnen, aus der Erde kam es hervor, von seinen Aesten ringelte es sich herab, Efeugeranke mit blauen, gelben und feuerroten Blüten — vor meinen Augen wuchs der indische Zaubergarten hervor, den Sie gestern gesehen haben, Pflanzen, die ich nie vorher gekannt habe, waren jetzt auf einmal da — Sie, Doktor, waren es, der mir zum ersten Male ihre Namen nannte. Ein Blütenmeer dehnte sich nach allen Seiten und wurde zum undurchdringlichen Dschungel. Aus allen Richtungen wurde ich an- gefallen. Ein Ausruhr der Pflanzenwelt! Ein dünner Zweig schnellte auf mich zu und schlug mir mein Taschentuch aus der Hand Din riesiges Blattgewächs schob sich an mich heran und entfaltete sich knisternd wie ein Zeitungsblatt vor meinem Kopf. Ein bösartiges, kleines Bambusstöckchen versuchte mich in den Fuß zu stechen, mein Knie war plötzlich von einer blaublühenden Winde umschlungen und gefesselt, ich bückte mich, um es frei zu bekommen, und dabei fiel mein Blick auf Grell. (Schluß folgt.) 'verantwortlich: vr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Univ er fitäts-lLuch» und Steindrucker ei, R. Lange, Gießen.