eben, ’ wnz ■ lind 'einen nchten er »h ich e mich SBtot n wir n jum it chr- lblaut, MM Wege, Seinen, wrans. lies |o ino di« stehen, ilampe, re Seit ngeholi für die ns, die : kalten in und m, der lit Pa- inkram- itaufend ich, und Sicher- n. Nun »tu tordcul- r präch- c räumt t in den lber den ,d starrt tanje«. ;te noÄ sich um neu um tut ftei i es fetzt enktachl, ige gehl in di-kei" serfpt«1*1' nW» tc sie6t' intet »«” „g,$ltef md R tblitze» !»« !!*&' fen. Der ;et H-". cn Stopf le Zis icn eine1 m Sle "‘ r, der W K Sicfiener^amilieiiblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang <955 Montag, den 2. Oktober Nummer 76 Abschied. Von Eduard M ö r t k e. Unangeklopft ein Herr tritt abends bei mir ein: „Ich habe die Ehr, Ihr Rezensent zu sein." Sofort nimmt er das Licht in die Hand, Besicht lang meinen Schatten an der Wand, Rückt nah und fern: „Nun, lieber junger Mann, Sehn Sie doch gefälligst mal Ihre Nas' so von der Seite an! Sie geben zu, daß das ein Auswuchs ts." „Das? Alle Wetter — gewiß! Ei Hasen! ich dachte nicht, All mein Lebtage nicht, Daß ich so eine Weltsnase führt im Gesicht!" Der Mann sprach noch verschiedenes hin und her, Ich weiß, auf meine Ehre, nicht mehr: Meinte vielleicht, ich sollt ihm beichten. Zuletzt stand er auf: ich tat ihm leuchten. Wie wir nun an der Treppe sind, Da geb ich ihm, ganz froh gesinnt, Einen kleinen Tritt, Nur so von hinten aufs Gesäße, mit — Alle Hagel! ward das ein Gerumpel, Ein Gepurzel, ein Gehumpel! Dergleichen hab ich nie gesehn, All mein Lebtage nicht gesehn Einen Menschen so rasch die Treppe htnabgehn! Das Abenteuer am Donnerstag. Von Ludwig v. W o h t Wenn mir einer vorher gesagt hüte, ich würde an einem ge- rotffcn Donnerstag mit 'nem Taschentuch im Mund und 'nem kalben Pfund schwarzer Farbe int Gesicht in 'nem Taxi über den Wroadway fahren, — dein hätte ich wahrscheinlich eine gelangt. Und es kam doch so, denn — aber ich will lieber mit dem An- iimg anfangen. Also, ich heiße Vivian Sanders, Pin einundzwanzig Jahre crlt, mein Haar ist rötlich blond (absolut echt, bitte!» und meine Beine nnd erstklassig — wenigstens sagt man mir das so oft, daß ich cs nun langsam glaube. Leider strebt meine Nase zu sehr nach oben, als daß es bei mir nur klassischen Schönheit langen würde. Wenn Sie jetzt aber denken, daß ich an der Bühne bin, Tanz- tiir( oder kleine Rollen oder so, dann sind Sie schief gewickelt. Ich bin Stenotypistin. Mutter ist bei der Bühne, als Garderobiere. Ich hätte Ma gern erspart, auf ihre alten Tage noch zu ar- »eiten, aber sie will absolut selbständig sein und nicht von mir ab- i "ingen. Außerdem sagt sie, wenn man einmal Thcaterluft gerochen hat, -wmmt man freiwillig nicht mehr davon los. Na, also, ich komme eines Mittags nach Hause, ist unser kleines Wohnzimmer mit Menschen ungefüllt. . Wic ich näher hinsehe, sind außer Mama nur zwei, aber was üir zwei. Viereckige Schultern, viereckige Schuhe, viereckige Bewegungen, mrz und gut, Polizei. Und Ma heult wie ein Schloßhund. Die Beiden drehen sich um, wie ich reinkomme. »Wer ist das?" fragt der eine. »Meine Tochter", schluchzt Ma. »Was wollt Ihr denn hier", fragte ich. «Haussuchung", sagt der Inspektor. »Ihr habt wohl zu lange in der Sonne gelegen? sage ich. „ »Lasscuse die Sorte Bemerkungen", sagt er. „Damit machenses lief) besser. In der Garderobe von Mrs. Lorini ist 'n Schmuck- i"ck gestohlen worden und außer Ihrer Mutter hat niemand ■«tritt." , »Das ist doch idiotisch", schrei ich. „Wenn Ma 's auf Schmuck gesehen hätte, dann hält' sie fünftausendmal Gelegenheit dazu -stabt in den zwölf Jahren, die sie Garderobiere tst. Wird dte '«rriere nich mit sechzig anfangen--" . „ »Haltense den Mund", sagt der Idiot. „Ich hab mein Auftrag. . Na, ich tröste Ma, so gut ich's kann, sic jammert, fte überlebt ■IC Schande nich, die Beiden suchen unsere zwei Zimmer ab, und stecken ihre dicken Finger in Mas ordentlich aufgeräumte Schubladen. „Ich überleb's nicht", stöhnt Ma. Im gleichen Moment bekomm' ich einen Schreck wie noch nie im Leben — ich denke, ich fall' um, so packts mich. Neben der alten Kommode steht Mamas große schwarze Henkeltasche, die sie jeden Tag mit ins Theater nimmt. Die Thermosslasche ist noch drin, und die Hälfte vom Abendbrot. Aber noch etwas anderes tst drin, etwas Blitzendes, Funkelndes ... Die beiden Detektive suchen jetzt den Schrank ab, sie wenden uns den Rücken zu. Ich bücke mich, hab' das Funkelnde in den Fingern, steck's in den Ausschnitt und richte mich wieder auf. Sie drchn sich nicht um —. Mir flimmert's vor den Augen. Fast eine halbe Stunde lang suchen die Beiden noch, dann gehen sie endlich. „Tut mir leid, Ma'm, war unsere Pflicht. —" Wie sie weg sind, hol' ich das Zeug aus meinem Ausschnitt raus, und Ma fällt fast in Ohnmacht. „Nun denk mal ganz scharf nach, Ma —" sag ich ruhig. „Jemand muß dir das in die Tasche gesteckt haben. Wer war gestern außer dir in der Garderobe von Mrs. Lorini?" ' Aber Ma braucht eine Weile, bis sie soweit ist, daß sie nachdenken kann. „Außer mir nur Miß Sittaford", sagt sie schließlich. „Aber die ist mit Mrs. Lorini dick befreundet —" „Schwer vorstellbar für den Richter, daß Miß Sittaford den Schmuck von Mrs. Lorini ausgerechnet in deine Handtasche praktiziert", sag ich kopfschüttelnd. „Hat sie denn was gegen dich?" „Nicht das Geringste", jammert Ma. „Ich hab ihr nie was getan — ich hab überhaupt nie jemand was getan, ich —" „Ruhig, Ma, ruhig —" „Wenn mir nur dieser gräßliche Schmuck schon auö dem Haus wär —" „Dafür laß mich nur sorgen —" sage ich. Nun wäre es ja sehr einfach und bequem gewesen, den Schmuck cinzupacken und als Paketchen an Mrs. Lorini zu schicken, mit der Post. Aber ich wußte: immer würde ein wenn auch vielleicht unausgesprochener Verdacht an Ma kleben bleiben. .Sie hat's gut versteckt, so daß die Polizei nichts bei ihr gefunden hat. Aber dann hat sie's doch mit der Angst gekriegt, konnte so ein großes Stück wohl auch nicht verkaufen, also hat sie's anonym zArückgeschickt.' So ungefähr hätten die Leute gesagt. Und für Ma wäre das Leben zur Hölle geworden. Also mußte ich mir was andres ausdenken ... An diesem Tage ging Ma begreiflicherweise nicht ins Theater. Sie lag mit Fieber im Bett. Aber i ch ging hin, wenn auch nicht offiziell. Ich hatte, mir ncn alten Hut von Ma aufgesetzt, und mich anders zurechtgcmacht als sonst — was eigentlich gar nicht nötig war, denn man kannte mich im Theater nicht. Aber sicher ist sicher. Ich wußte, es war verdammt gefährlich, was ich tat. Wie es mir dann gelungen ist, erstens unbemerkt hinter die Bühne zu gelangen und zweitens in die Garderobe der Lorini, weiß ich nicht mehr. Es war während ihrer großen Szene im ersten Akt, wo sie zwanzig Minuten lang auf der Bühne stehen muß — das hatte ich aus Ma rausgekriegt. Ich leg den Schmuck an ihren Frisiertisch und will schleunigst machen, daß ich rauskomme, als — die Türklinke niedergedrückt wird. Ich kann gerade noch hinter der langen Gardine am Fenster verschwinden. „Komm solange hier rein —" sagt eine Frauenstimme. Schritte. Die Tür fällt zu. „Du bist total verrückt, Vera", sagt eine" Männerstimme, „wenn man uns hier sieht —" „Unsinn. Ich bin mit der Lorini befreundet genug. Außerdem muß ich dir erklären, wie das passiert ist —" „Da gibt's gar nichts zu erklären —" „Hör lieber zu. Also ich hab den Schmuck schon in der Hand, als die alte Kuh, die Sanders rcinkommt. Ich laß das Zeug fallen, die Hand auf dem Rücken, in eine Tasche rein, die am Boden stand. Und dieses Pech! — ausgerechnet auf die Tasche hat es die Alte abgesehen, nimmt ste mit und schiebt damit ab — Was war denn das eben?" „Ich hab nichts gehört." . „So? Na — also jedenfalls, so war das — Du bist eine Gans, Vera! Mit dement albernen Schmuck riskierst du unseren ganzen Plan! Beim Verhör mutz rauskommen, daß du hier warst ... damit bist du em für allemal verdächtig — die Sittaford — die hat ja schon m der Schmuckgeschtchte so ne unklare Rolle gespielt, heitzt es dann. „Daran hab ich wirklich nicht gedacht. „Das ist es ja eben! Na, nun Hilst nichts. Mussen wir eben noch heute loslegen. Watson fragt auch schon, er hat s satt, hier wochenlang den Portier zu spielen. Ich werde ihm sagen: heute Abend steigt die Sache. Ist das Theater gut besucht? „N a" al"o Dann sind sechs-, siebentausend Greenbacks in der Kasse. Murphy ist in ner Viertelstunde mit dem Wagen da. ^ch werd gleich telephonieren — Teufel noch mal, wer hat da denn geniest?" Mer''halten Sie' s mal so lange hinter nem frisch gekampfer- ten Vorhang aus, ohne zu niesen! Sie holten mich raus. . Noslallen", sag ich, „oder tdj schreie! „ . Da hat der Mann aber schon ein Schießeisen in der Hand. Und sein Gesicht sah noch viel gemerngesahrltcher aus als ^„Sie" hat alles gehört", sagt er. „Da haben wir den Salat. Ste mutz gleich weg. Wie kriegen wir ste bloß raus,/tößt die Sittaford hervor. „In zehn Minuten ist die Lrrrrnt hier. „Wer sind Sie überhaupt", fährt der Kerl aus mich los. „Was ^Bevmc^ich'was antworten kann, schreit die Sittaford: „Jack! Der Schmuck! Der Schmuck liegt da! Jetzt endlich hatten sie ihn doch entdeckt. was? Die Ehrliche Finderin und so weiter. Na, kommt uns ganz gelegen. Aber wie kriegen wir dich hier raus? Das ist jetzt die '^"unkmnttich machen", sagt die Sittaford. „Wenn du weißt, "^,Das"we?ß ich. In Murphys Garage." „Gut. Halt ste fest — sie darf sich nicht rühren können — Nun will ich d o ch schreien — aber da schiebt mir dieser Lümmel sein dickes Taschentuch in den Mund, daß ich denke, ich ersticke und dann reiht er ein Stück Gardinenschnur ab und fesselt mtr Die" Sittaford nimmt einen schwarzen Schminkstift vom Frisiertisch und beginnt mir das Gesicht vollzuschmieren. . (Was ich in diesen Minuten dachte, will ich lieber nicht sagens Die Sittaford streicht mich über und über schwarz an und ich kann mich nicht wehren, nicht mal schimpfen kann tc^ Endlist ist sie fertig, mir gerade gegenüber ist em Spiegel. Ich sehe unbeschreiblich aus mit meinem schwarzen Gesicht, das durch das Taschentuch im Mund doppelt so.dick wirkt. Die"Sittaford hängt mir einen bunten Schal um, der mich von Kopf bis zu den Füßen einhüllt, sie lacht mir ins Gesicht. ©o — dies ist eine Statistin, der schlecht geworden ist, verstehst du, Jack? Du bringst sie zum Arzt." „Versteh schon", grinst Jack. „ - . * ~4. „Dann ist's ja gut. Hau ab, mein Junge. Und daß Sie fr unterwegs nicht mausig machen, Sie — Niggergirl! Jack versteht keinen Spaß." _ , Er verstand wirklich keinen Spaß. « Auf dem Weg zum Auto trat er mich zweimal gegen die Schienbeine, daß ich dachte, ich brech zusammen. Na, ich muckste nicht. m t . Die Leute sahen uns natürlich nach, die Garderobenfrau und so weiter — aber beim Theater ist man an Leute in seltsamem S1U$Bie wir^am Portier vorbeikommen, hält mich Jack an, er tut als wollte er mir was Beruhigendes zuflüstern und zischt dabei zum Portier rüber: „Alarm, Watson! Ruf Murphy an. Er soll gleich mit dem Wagen Herkommen. In ner Viertelstunde müßt Ihr den Kies haben, verstanden? Treffpunkt: zehn Uhr in der Garage. Los. Der Portier nickte nur. Jack verfrachtete mich in seinen Zweisitzer und nun kommt also tatsächlich der historische Moment, wo ich mit nem Taschentuch im Mund und nem halben Pfund schwarzer Farbe im Gesicht über den Broadway fahre ... Jack steuert. Ich mache wilde Anstrengungen, um den Knebel herauszubringen. Aber alles, was ich erreiche ist, daß mir ein Zipfel des Taschentuchs aus dem Munde hängt. An der Ecke der neunundsiebzigsten Straße steht ein Paddy und regelt den Verkehr. Jack muß abstoppen. Und da passiert es. Ich angele mit dem rechten Vein und gebe Gas, — der Wagen rnckt nach vorn und prallt dem Paddy gegen die rundliche Kehrseite, daß er vornüberfällt — Jack brüllt etwas. Sofort ist der Paddy wieder auf, und mit einem Sah auf meinem Trittbrett. Er schimpfte solange, bis er den weißen Taschentuchzpifel in meinem Munde sah, — und mein beschwörendes Augenrollen. Dann zog er seine Dienstpistole und sagte: „Kommt mal raus, Ihr Beiden." Na, ob ich raus kam. Er zog mir das Taschentuch aus dem Mund, und ein ganzer Wortstrom kam hinterher. Jack versuchte zweimal zu sagen, ich sei verrückt, und er bringe mich in ne Anstalt, aber der Paddy war nicht dämlich genug, es zu glauben ... • Der Nest ging furchtbar schnell. Der Paddy pfiff Hilfe herbei. Sie holten Jack den Schmuck der Lorini aus der Tasche. Zwei brachten ihn auf die Wache. Die anderen vier und ich rasten zum Theater, wir nahmen den Portier und Murphy fest, grade als sie in den Kasienraum einörangen, wir holten uns noch die Sittaford dazu, und die Lorini bekam ihren Schmuck wieder und gab mir einen Kutz, obwohl ich noch immer schwarz war. Die Direktion engagierte mich für das Büro und Ma war glänzend rehabilitiert — alles das in ner halben Stunde. Sehen Sie, so kann so was passieren. Aber wenn mir das einer vorher gesagt hätte — (siehe oben!). Tragödien in der Tierwelt. Von Karl Rudolf Fischer. Im Laufe der Jahrtausende und Jahrmillionen erdgeschichtlicher Vergangenheit hat nicht nur der Untergrund und Ausbau unserer Erdoberfläche, haben nicht nur Länder und Meere, Gebirge und Täler, Seen und Ströme gewaltige Veränderungen und tiefeinschneidende Umwälzungen erfahren, sondern auch, und zumeist in innigem Zusammenhänge damit, die Tierwelt, die unseren Erdball bevölkert. Manche Tiergeschlechter, die einst der Landschaft ihr charakteristisches Gepräge gaben, in mehr oder minder hohem Maße die Lebewelt regierten und beherrschten, sie find längst versunken und verschollen, und nur noch in den Museen kann unsere Zeit ihre imposanten versteinerten Ueberreste bewundern. Gegen dieses Aussterben, das sozusagen allen erdgeschichtlichen Zeitläuften das Geleit gab, sozusagen von selbst geschah, oft unterstützt und vollendet durch gewaltige Naturkatastrophen, denen die Vergangenheit ja viel mehr als unsere Tage ausgesetzt war, vermochte weder eine grauenhafte Bewaffnung noch riesenhafter Wuchs aufzukommen. Selbst die gigantischen Dinosaurier, jene vorweltlichen Ungeheuer, die zu den gewaltigsten Reptilien gehören, die die Erde je hervorgebracht hat, die eine Länge von mehr als 35 Metern erreichten, sind solchen Veränderungen erlegen. Viel seltener haben sich die Tiere selbst infolge ihrer Kämpfe um die gleiche Nahrung und das gleiche Wohngebiet aufgerieben. Ein treffendes Beispiel dieser Art ließ uns die Verdrängung unserer deutschen Hausratte durch die aus Osten erfolgte Einwanderung der grauen Wanderratten erleben. Sonst aber hat die Natur im Nahmen und Sinne der von der Schöpfung vorgesehenen harmonisch-gleichmäßigen Einteilung alles Erdenlebens ein lebensfähiges Gleichgewicht zu halten gewußt und Raum für alle geschaffen, denen ihr Schicksal eine Bestimmung auferlegte. Das ist anders geworden, seit der Mensch entscheidend und bestimmend in den Kreis der Lebewesen trat. Bedeutungsvoll war für die neue Gestaltung der Tierwelt sein Eingriff in das Landschaftsbild seiner Wohngebiete, die in der Gefolgschaft des Menschen erscheinende Kultur. So werden absichtlich oder unabsichtlich fremde Formen in neu erschlossene Länder eingeführt, die die einheimische Tierwelt verdrängen und vernichten. Noch heute wird man sich erinnern, welch große Verwüstungen die Einbürgerung europäischer Hunde in Neuseeland zur Folge hatte, weil die dort eingesessene Tierwelt sich nicht verteidigen' konnte gegen ein fremdes Raubtier. Besonders schlimm aber ist es solchen Tieren ergangen, die seit altcrsher in menschenleeren Gegenden hausten und nichts von menschlicher Tücke und Vernichtungsweise wußten, deshalb auch keine Scheu vor jenen ersten Menschen hatten, die das Land entdeckten. Ein klassisches Beispiel dieser Art bietet die Stellersche Seekuh, ein großes, wehrloses, seehundartiges Geschöpf, das erst zu Beginn des vorigen Jahrhundert entdeckt wurde und schon um die Jahrhundertmitte ausgestorben war, weil es seines Speckes wegen schonungslos von den Matrosen verfolgt wurde. Ein ähnliches Schicksal hat schon eine Zeitlang zuvor die Drorste ereilt, von der wir heute nur noch ein paar Knochen und spärliche Reste von Eierschalen kennen. Nicht viel bester ist es dem Riese n a l k ergangen, der noch vor hundert Jahren an der Kni" Island ausgedehnte Brutplätze bevölkerte und besten Wohngebiete gewinnsüchtige Händler so gründlich ausgeräubert haben — man benutzte seine Eier jahrzehntelang zu Küchenzwecken, i» selbst zur Schweinemast —, datz heute von großen Museen fiir ein Ei dieses Vogels glatt 10 000 Mark bezahlt werden, und nur einzelne große Sammlungen ein gestopftes Exemplar dieses vc- dauernswerten Tiergeschlechtes aufzuweisen haben. Den blutigsten Naturfrevel, den wir kennen, stellt jedoch jener unglaublich vru- tale und mordsüchtige Vernichtungsfeldzug bestialischer Menschen gegen die Millionenheere der nordamerikanischen .Wanoertauben dar, die innerhalb weniger Jahrzehnte bis auf gant kiimmerliche Reste zusammengeschmolzen sind. Noch in der erst Hälfte des vorigen Jahrhunderts konnte man in Berichten me , daß unter der Last der Taubennester die Bäume im Wald zusammenbrächen. Aber in welch schändlicher Weise hat man in unserem vielgepriesenen Knlturzeitalter den sinnlosesten Vernichtungskampf gegen diese ärmsten Geschöpfe geführt: alljährlich zur Brütezeit zogen Tausende von Menschen mit Aexten in die Wälder und fällten die dicht mit Nestern besetzten Bäume, deren Jnsaffen getötet und eingesalzen wurden. Was diesem Blutbad entkam, das fiel im Herbst zur Zeit des Wanderzuges der abscheulichsten Vernichtung anheim. Um diese Zeit fuhren Jäger, Fänger und Metzger mit der Bahn den Taubenflügen entgegen, deren Richtung im ganzen Lande bekannt gemacht wurde. Wenn nun die Wanderung in vollem Gange war, ein sonnenverfinsternder Zug dem andern folgte, schlug man die Tauben mit langen Stangen herunter, die Jäger schossen mit Gewehren, die Fänger fingen mit Netzen, und dieses Morden dauerte bis tief in die Nacht hinein, wo man Fackeln ansteckte und solange mit Schwefel räucherte, bis Tausende von Tauben erstickt waren. Die Schlachtopfer wurden alsdann zwischen Eis in Fäfler verpackt und nach den Städten verschickt. Zum würdigen Beschluß trieb der Mensch noch seine Schweineherden auf den Schlachtort, die noch tagelang mit den zertretenen und verwundeten Tauben gefüttert wurden. Noch 1879 verschickte eine einzige Firma 1000 Fässer mit 40 000 Dutzend Wandertauben und lieferte nebenher noch 20 000 lebende für den „Sport" des Taubenschießens. Und was war die Folge dieser wahnsinnigen Metzelei? Nicht weniger als 10 000 Dollar wurden vor wenig Jahren für die Auffindung eines einzigen Wander- taubennestcs ausgesetzt, da man den einst so häufigen Vogel für völlig ausgestorbcn hält. Damit jedoch noch nicht genug, noch eine weitere himmelschreiende Blutschuld hat jenes „freie" Amerika auf sich geladen, indem es den schonungslos geführten Vernichtungskrieg gegen die Büffel der nordamerikanischen Prärien gestattete und selbst der wahrlich allen menschlichen Gefühlen hohn- sprechenden Ausrottung nicht rechtzeitig Einhalt gebot. Und wenn wir heute in den zoologischen Gärten uns die kleinen, mit blutunterlaufenen Augen teilnahmslos vor sich hinblickcnden Bisons betrachten, so können wir uns des beschämenden und zugleich wehmütigen Gefühls nicht erwehren, baß menschliche Mordsucht und Habgier es waren, die hier die vielleicht großartigste aber auch zugleich erschütterndste Tiertragödie heraufbeschworen haben und den jähen Untergang dieses imposanten Tiergeschlechtes verschuldeten, der letzten Zeugen einer großen Zeit. Noch vor wenigen Jahrzehnten öurchstampften die Büffel zu Hunderttausenden die weiten Prärien Nordamerikas, während es 1903 nach den sorgfältigen Berichten in den Vereinigten Staaten noch ganze 630 gab, eine Zahl, die inzwischen noch mehr zurückgegangen ist. Noch schlimmer als sonst haust der Mensch dann, wenn ihm außergewöhnliche Naturkatastrophen zu Hilfe kommen. Im Jahre 1899 war die Mündung des St. Lorenzstromes vollkommen vereist, und ein wütender Seesturm jagte immer neue Eispackungen gegen die Bucht. Als er sich legte, traf man ungeheure, endlose Massen grönländischer Seehunde an, die von den Einwohnern der ganzen Umgebung mit Aexten erschlagen wurden. Und als die Strömung immer neue Sechundmassen heranbrachte und die bei den Amerikanern besonders große Profitgier dahinterkam, baß sich diese dem Menschen von der Natur in den Schoß geworfenen Reichtümer bis ins Unermeßliche ausbeuten ließen, ließ man Arbeiterrotten aus dem Inland kommen, die tagelang diese abscheulichen Schlachtorgien fortsetzen halfen und selbst während der Nächte nicht von dem blutigen Naturfrevel abließen. Da die Seehunde sich wegen der angcstauten Eismassen nicht in Sicherheit bringen konnten, sielen dieser Schlächterei nahezu 200 000 Tiere zum Opser. Ebenso schreckliche Verheerungen rote dte sinnlose menschliche Vernichtungsrout können gewaltige Naturvorgänge verschulden. So z.B. erhoben sich im Jahre 1882 in den Küstengewässern von Neuengland gewaltige orkanartige Seestürme, jagten das warme Wasser des Golsstromes beiseite, trieben kalte Strömungen heran und veranlaßten so das Absterbcn von Billionen von Fischen, die längs den Küsten, auf Hunderte von Quadratkilometern hin die Meeresoberfläche bedeckten. Da die Stürme sich bald wteder legten und öer Golfstrom wieder in seine normalen Bahnen zurückkehrte, die ungewohnte Abkühlung also nicht lange wahrte, ist das Aussterben dieser dort heimischen Fischart verhindert worden. , ' , . , Aber nicht nur bas Ausland hat den Untergang ferner großartigsten Tiergeschlechter erlebt, die erschütterndsten Tiertragödien gesehen, auch wir haben die Ausrottung einer Reihe von Großtieren aus der Chronik der früher vorkommenben Tiere zu verzeichnen, von deren Existenz heute nur noch die Sage aus unserer Ahnenzeit Kenntnis gibt. Freilich ist ihre Vernichtung nicht allein auf grenzenlose Mordlust und Habgier des Menschen zuruckzu- führen, nein, ihr Aussterhen ward bedingt durch das Zeitalter der großen Rodungen und die allmähliche Entwicklung der Kulturlandschaft. Der gewaltigste Recke des germanischen Urwaldes war öer Auerochs, der noch in der Zeit, wo das Nibelungenlied entstand, ein häufiges Jagdtier war. Er wird übrigens allgemein als der Stammwater unseres Rindes betrachtet. Aus seinen gewaltigen, gewundenen Hörnern pflegten die Germanen ihre Trinkhörner zu fertigen, die sie mit silbernen, goldenen und kupfernen Ringen beschlugen und in die sie Trinksprüche und heilige Runen eingruben. Selbst im 14. Jahrhundert kam der Ur noch bei uns vor, starb aber bereits im lö. Jahrhundert aus. Ein naher europäischer Verwandter des Auerochsen, der Wisent, hat sich dagegen bis in unsere Zeit erhalten. Seine stark gelichteten Restbestände haben in den unzugänglichen Urwäldern der nordwestlichen Kaukasus ein Asyl gefunden. Dieser Bestand ist aber kürzlich von der Maul- und Klauenseuche heim- gesucht worben. Die Erhaltung des Wisents ist neben bem früheren Zaren, Ser im Urwald von Bialowiecz einige hundert russische Wisente unterhielt, die im Kriege von den deutschen Truppen geschützt wurden, besonders dem Fürsten Pleß zu verdanken, der in seinem oberschlesischen Gatterrevier eine Herde von 600 Stuck unterhält. Unsere größte, noch lebende Hirschart, der Elch, war eben- falls zur Zeit der Ntbelungen mit das gemeinste Jagdtier des öeut- schen Urwaldes. Das Memelgebiet ist heute sein letzter Zufluchtsort. Dem energischen Schutz der preußischen Forstverwaltung ist es zu danken, daß weit über tausend Stück Elchwild erhalten wurden, und man darf sogar hoffen, daß dieser Bestand weiterhin zuntmmt, wenn man bedenkt, daß der Königsberger Bezirk in den 70er Jahren kaum 100 Stück aufzuweisen hatte. Der Mann, der mit dieser Zeit fertig wird. Roman von Walter Julius B l o e m jGDS.). sFortsetzung.) Sie beugt sich zu Anton hinüber, den Blick geradeaus zwischen den Aesten entlaubter Ulmen, ssst, ssst klingt öer Widerhall der Boruberfahrt von Stamm zu Stamm. „Gestehen wir uns, daß wir einigermaßen mit den letzten Karten spielen. „Dazu sind die letzten Karten da." Sie erwidert, Hasard sei verboten. Er schüttelt den Kopf. „Wenn es glückt, nichtl" „Schon gut." Und nach einer Weile: „Aber wenn es mißglückt?" „Dann fangen wir wieder von vorne an." „Man hört von Ihnen kein entmutigendes Wort. Was sind Sie eigentlich für ein Mensch, machen Sie alle Sorgen mit sich selber ab? Spüren Sie das nicht, reden Sie sich diese Härte ein? Ich wenigstens, ich kann seit Wochen kaum noch schlafen." „Ich auch nicht", gesteht er gern. Ihre Rechte kommt vom Steuerrad und streichelt seine Hand, danke, sagt dieser Druck, danke, endlich ein Mensch. Er erfaßt diese Pelzfinger und bedeckt sie mit wild« Küssen. Das ist keinesfalls Liebe, es läßt sich nur musikalisch ausdrücken, ich hatt' einen Kameraden, ungefähr so. ! Dieser hier sitzt allerdings noch lebendig an Antons Seite. Ueber i dem Himmel steht ein grauer Schimmer, ein Schein jetzt, ein j fahles Licht nunmehr, in dem die Scheinwerfer erbleichen. Ueber- ! mäßig schnell geht diese Fahrt, die Gummis sausen, ein Fehlgriff, und der Kasten klebt an den Pappeln, alles aus. Gut, das schadet nichts, wir sind nicht dazu da, um glücklich zu sein und zu genießen. Wozu nämlich, bitte? Ich weiß es nicht, ich kann auf so schön- gefärbte Fragen keine Antwort geben, ich weiß nur, was ich zu tun habe, solange ich nicht im Grabe liege. Dies ist ein Morgen, der nicht geschaffen wurde für ein großes Wagnis. Sicherlich stehen die Sterne schlecht. „Dies ist übrigens wahr. Doktor. Unsre Inserate hätten im Mai erscheinen müssen oder in der Sommerglut, wenn die Körperpflege eine Lust ist. Aber es wird Winter, jeder Tropfen Waschwasser schaudert aus der Haut. Keine gute Zeit für uns." „In Gottesnamen! Irgendwo stimmt es nie. Außerdem kommen wir auf diese Weise ins Weihnachtsgeschäft." I Sie durchfliegen in vierstündiger Fahrt eine trostlose Ebene, ! die von unendlichen Wolkenmassen flachgequetscht wird. Krähen- I schwärme stoßen über die Felder, auf denen Mist raucht. Sie 1 queren Städte und erblicken Wälder von Schornsteinen, deren Schlöte nicht alle qualmen. Der Ungeist herrscht über dies Land, er will öer Not gebieten, indem er das Leben erdrosselt! Vor Amtshäusern drängen sich Menschen, die auf Arbeit warten, mißgünstige Blicke prüfen den kotbespritzten Wagen unö die vornehme Frau am Steuer und den Herrn im dicken Autopelz, die haben es, die können sich so was leisten, unsereiner geht vor die Hunde. Weiß Gott: wie die beiden endlich durch Berlin rollen, durch einen würgenden und tobenden Verkehr, sie trauen auch nur ihren Augen unö fragen sich: wo ist hier ein Schein von Armut, von Schwierigkeiten, von verfahrenen Verhältniffen? An ihnen vorbei paradiert das großartig funktionierende Unternehmen einer Riesenstadt. Die Parade der protestierten Wechsel kann allerdings vom Auto aus nicht abgenommen werden. Hier weiß Rosemarie Bescheid. Sie lebte hier bei ihren Eltern, neun Zimmer in der Ansbacher Straße, festgemauert in der Erden, von hier zog sie mit einem Köfferchen davon, eine kindlich junge Klavierlehrerin mit verzweifelndem Lebensmut, die erst in der Verbindung mit einer arbeitslosen Stenotypistin wieder Boden unter die Füße bekam, zwei Fußbreit Boden. Jetzt rollt sie am Steuer eines achtzigpserdigen Sportwagens zurück in dasselbe Berlin. Zwar übertüncht der Lack einige Schwierigkeiten dieses Unternehmens Wagenschanz. Der äußere Eindruck jedenfalls ist gediegen. Ein Zeitungspalast, durch sechs Stockwerke wimmeln die Ameisenmenschen. Die Wagenschanzleute sind angemeldet, werden erwartet, heute in Berlin, morgen in Hamburg, übermorgen und noch einen Tag in München, dazwischen immer wieder wie der Riese Antäus nächtens zurück auf den Mutterboden der Chemischen Werke, aber nicht um Kraft zu schöpfen, höchstens um sich zu erkundigen, was für Blitze inzwischen dort eingeschlagen sind. Anton läßt seinen Wachtpelz aits Kurland int Wtmen zurück, der Portier streift das herrliche Fahrzeug mit einem flüchtig abschätzenden Blick, vielleicht gibt er eine kleine' telephonische Meldung nach oben? Unwahrscheinlich, aber es könnte nichts schaden. Der graue Anzug macht ebenfalls einen guten Eindruck. Aber ohne Zweifel macht Fräulein Reubolö in ihrer damenhaften Sicherheit stücken! ♦ Die Frau Wundersam mit den sieben Kindern soll es nicht weitersagen, aber schon nach einer Stunde kommt die nächste gerannt, und zehn Minuten darauf gleich fünf Frauen, erbost, vergrämt, rachsüchtig und drängend. Daraufhin fallen die Rolladen vor den Fenstern des Hauses Wagenschanz herunter, und außer der Fabrik wird nun auch der Laden geschlossen, obwohl er doch mit der Fabrik nichts zu tun hat. Weil ein Mann sich auf die Hinterbeine sehen wollte, trotz der Feit und wegen der Zeit, darum geraten jetzt mindestens hundert Menschen in die bitterste Not. Es geht 'rauf und 'runter, es gibt Ueberflutz oder Elend, immer sind es Hunderte, die darauf warten, daß sie mitgerissen werden, von dem einen, der sich auf die Hinterbeine setzen will oder der die Balance verliert. Vor wenigen Tagen noch war diese Fabrik viel zu eng für die Beschäftigten, jeder stieß seinen Nachbarn mit den Ellenbogen, jetzt arbeiten außer den Führenden noch ein paar Uebriggebliebene, die sich sagen, daß man über Bord springen kann, um draußen zu ertrinken^ daß man aber ebensogut auf dem untergehendcn Schiff bleiben kann, genau wie der Kapitän, der den Rest seiner Mannschaft an die Pumpen stellt. . Die paar also stürzen nicht ins Freie, um möglichst schnell in den Genuß der Unterstützung zu kommen, sondern sie bleiben im Werk, fügen sich den Anordnungen von Doktor Wagenschanz und bekommen nichts dafür bezahlt. Aber es gehört plötzlich eine neue Arbeiterin dazu, an die Sechzig, mit strähnigem Grauhaar: die Witwe Wagenschanz hat endlich etwas Geld von der Sparkasse geholt, nicht um ihrem Sohn aus der Klemme zu helfen, nicht um seine Arbeitskraft anzufeuern, nicht um sein Schiff zu retten — sie kocht in der Fabrik jeden Tag in einem mächtigen Bottich eine Suppe, die sich verdammt essen läßt. Eigentlich nur für die paar, die arbeiten,' aber weil es nicht anders geht, und weil man doch die Gören nicht verhungern lassen kann, kommt erst einer mit drei Kindern, und am nächsten Tage ist es eine Familie von vierzig Köpfen, die hier sattgcmacht wird, die Frauen schälen Kartoffeln und putzen Gemüse, die alte Wagenschanz steht mit schwerem Leibe an den Bottichen, wirft die Zutaten hinein und rührt mit den Gebärden einer finsteren, das Unheil ahnenden Priesterin. Um Mittag sitzt man einträchtig beisammen, Teller in der Hand, es riecht nach Fleischsuppe und nach dem unbestimmbaren süßen Duft der Schöuhcitskreme Erotikon, schauderhaft paßt das zusammen, aber die Flcischsuppe, oho! Schlechte Stimmung? Findet ihr? Wir leben in einem Land, in dem alle Ernten verhageln, das ist seit tausend Jahren so, allmählich sollte man es 'raushaben, augenblicklich bekommen wir aber eine gute Fleischsuppe zu essen, den ganzen Bauch voll, soviel du willst, man hat also vollauf Ursache zu der besten Stimmung, findet ihr nicht? Weiß Gott, wir sind plötzlich eine wirkliche Familie geworden, scheint es, das feine Fräulein Reuboldt hat ein Gör auf dem Schoß, putzt ihm das Rotznäschcn und entdeckt verdrängte Instinkte in sich. Elli hat diese Instinkte nie verdrängt, sie spielte schon oft Kindergärtnerin in der Nachbarschaft, wenn sie gerade nichts anderes zu tun hatte. Unter uns, Gott sei Dank, sitzt der alte Tischler Groth, der die Möbel, die Fenster und die Baracke schreinerte, und der seine Arbeit noch nicht bezahlt bekam. Das hat er nun davon, daß er dem verstiegenen Doktor Wagenschanz über den Weg traute. Jetzt kann er verhungern. Aber er verhungert nicht im mindesten, er bekommt seine Suppe wie die andern, und er gehört zu denen, deren Nacken von Schlägen hart geworden ist wie Bullenhaut. „Rupp utt immer", sagte der alte Niederdeutsche, „ick hew ers mut Fru verlorn und dann mitt Sähn im Kriech und dann mitt Geld, ick bin in de Uebung. Wenn et sien rnöt, Madarnrn, dann könnten Se an Ihre Bulljong ook noch de Fettoogen s—paren." Nachher leert sich der große Fabrikationsraum, in dem nicht mehr fabriziert wird, die Frauen schieben ihre Kinder vor sich her, die Männer marschieren ab an die Arbeit. Wird denn hier überhaupt noch etwas getan? O doch, eine ganze Menge. Anton hat sofort durchaesetzt, baß alle einlaufenden Bestellungen aus den ver- pfänderten Lagern beliefert werden dürfen, aber leider bringt der Geldbriesträger seine begehrte Last gleich zum Gerichtsvollzieher. Mon sollte cs in den tausend Jahren also allmählich 'rous- bekommen haben, daß es unsereinem fast niemals gut geht, diese hier fügen sich mit unerschütterlicher Ruhe hinein und tun ihr Bestes, damit es sich ertragen läßt. Schlimmer liegt die Qual auf Rosemarie. Sie hoffte, bas Rauf und Runter sei zu Ende gekommen, sie erbettelte von ihrem Schicksal eine glücklichere Zeit. Schönlein kommt jeden Tag, arbeitet mit Anton: wenn er Rosemarie begegnet, werden feilte Livven dünn, ich hgbe keine Not, saaen die Lipnen. ohne dgß fte sich öffnen, bei mir ist immer gute Zeit ich verstehe mich einzu- richten und verkehre in den obersten Gestllfchaftsklasten der Intelligenz. Alle feine Erwartungen vom Ende der „Komett'^en Werke erfüllen sich prompt, und er empfindet eine gewisse Befriedigung darüber, tvie ein Mann, der weitausschauend mal wieder reckt behalten hat. Aber jetzt. Rosemarie, tagen die dünnen, stummen Lippen, jetzt ist es natürlich zu spät für eine Umkehr. (Fortsetzung folgt.) *Bera nitu orl l tc(): ldr. Hans Thyriot. —Druck und Derlag:Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, 2l. Lange, Gieße.,. In zweien der folgenden Nächte wird Anton in seiner Fabrik gesehen, Rosemarie in ihrem möblierten Zimmer. Gegen Morgengrauen sind sie und der Taubengraue schon wieder verschwnnden. Als sie diese drei Reisen nach Osten, Norden und Süden beendet haben, finden sie die ganze Fabrik ausgeschmückt mit den blauen Klebesiegeln des Gerichtsvollziehers. Die Firma Wagenschanz besaß vier Tage lang kein Haupt, nichts konnte angeordnet werden, es wurde keine Auskunft gegeben, Herr Wagenschanz ist verreist. Wo? Nicht einmal Elli wußte es, sie war unterrichtet, daß sie ruhig gestehen sollte: „Ich habe keine Ahnung." Sie wußte nur, daß Anton in zwei Nächten zurückkam und mit ihr arbeitete, als ob er wunderbarerweise keinen Schlaf brauchte. Aber, Hand aufs Herz, es sah keineswegs so aus, als ob er mit dieser Zeit fertig werde. Pfändungsbeschluß der Gläubiger, die fast alle an unserem Orte wohnen, und zahllose Siegel auf alle erreichbaren Stellen, auf die Möbel, Maschinen und — am schlimmsten — auf das Lager der versandfertigen Waren. Nur die Bank rührt sich nicht, sie weiß warum, sie hat eine kleine Sicherung im Gelöschrank liegen. Sofort nach Antons Rückkehr beginnt das große Rennen. Erst kommen um acht die Arbeiter, sie finden eine stillgelegte Fabrik und wollen ihren rückständigen Lohn haben. Keine Sorge, ihr werdet ihn bekommen. Wann? Weiß ich nicht. Die Mehrzahl der Betrogenen, denen schließlich zu Hause die hungrigen Kinder sitzen, skandalicrt und will die Einrichtung zerschlagen. „Seht mal das Vögelchen a'n." Elli zeigt auf die Pfändungsmarken. „Das ist alles schon sichergestellt. Wenn ihr etwas kaputtmacht, so zerschlagt ihr euer Eigentum. Also los, Aexte liegen im Schuppen." Anton sitzt an seinem gepfändeten Schreibtisch und notiert rachsüchtig die Namen derjenigen Händler, Arbeiter und Angestellten, die ihn bedrohen und die ihm Schwierigkeiten machen, die wird er sich merken. Es giftet ihn gewaltig, daß auch sein Kamerad Fabisch zu den Skandalmachern gehört. „Das wirst du noch bereuen, mein Junge!" Bude zugemacht! Es ist eingetreten, was alle vernünftigen Leute schon im Anfang gewußt haben: Die Wagenschanzwerke stehen vor dem Zusammenbruch. Der Anwalt Peter Schönlein bekommt zu tun, er sitzt Anton gegenüber und redet dringend auf ihn ein. „Machen Sie sich nicht unglücklich, Mann, und melden Sic einen anständigen Konkurs au, sonst holt Sie eines Tages der Staatsanwalt." „Fällt mir gar nicht ein." Schönlein wird dringend. „Wie soll ich es Ihnen klarmachen? Sie haben überall und allen Leuten eingeredet, es stehe gut um Ihre Fabrik. Sie haben Zahlen genannt, die nicht zutreffen." „Es gibt keine zutreffenden Zahlen, Herr Schönlein." „Vor dem Staatsanwalt doch." „Das ist Ihre Sache, mich davor zu bewahren." „Ohne Ihr Einlenken sehe ich dazu keine Möglichkeit, Herr Doktor. Ich betrachte den Fall psychologisch, ich will annehmen, Sie haben das alles auch sich selber eingeredet. Worauf warten Sie noch?" „Auf den Donnerstag nächster Woche", grinst Anton. „Wieso auf den Donnerstag?" „Ich habe so den Eindruck", behauptet Anton, und Schönlein weiß nickt, ob dieser Bankerotteur außer allem noch seinen Spott treibt, „ich habe so das Gefühl, daß mir dieser Tag nicht ungünstig wäre." „Sie sind wohl bei einer Wahrsagerin gewesen?" „Das pi-icntfid) nicht, Herr Sckönlein." Die Wollen dieses Unglücks schlagen hinüber bis zu der Witwe Wagev^ck-"" Sie wird nicht mefir mit Frau Doktor angeredet, kein MeiCch kowwi su ihr und will einen Mann oder einen Sohn bei dem 'v-rrtt Doktor untergebrackt haben. Aber Frauen kommen, deren wtinn-rn uns Mobilen feit mehreren Wochen der ehrlich verdiente Lo^u gefcknkdet wird, jetzt foll wenigstens die Alte Brieftasche auf den Tisch des Hauses, die übrigen in drei Wechseln. Man zögert ein wenig, wer kennt Herrn Doktor Wagenschanz und seine Chemischen Werke, wer weiß, ob die Unterschrift gut ist oder faul? Bedaure, Bargeld ist knapp, eine andre Reglung tm Augen- b^Wi^müßten voraussetzen, daß wir Ihre Wechsel sofort in Umlauf bringen können." t „ „Natürlich, selbstverständlich, wozu sind denn Wechsel da? Kieselbachs Inserate gehen von Hand zu Hand, und mit ruhigem Munde stellt Rosemarie die Zugkraft dieser Texte fest. Geschäft heißt Spielen, Spekulieren, immer, das vergessen die Herren aus dem ästhetischen Paradies gelegentlich. Man betrachtet nut vorsichtig schätzendem Blick diesen unbekannten Herrn, seine Brauen, sein Kinn und sein breitbeiniges Stehen. Nach einer Weile bleibt das Summen dieses riesigen Ameisenhaufens hinter ihnen zurück. Der Motor springt an und sagt sein „Danke, gut gemacht" zu Rosemarie. Doktor Wagenschanz reibt seine Hände: „Erstens Geschütz, Feuer! Schutz. Bums. Das Geld ist weg, das können sie uns nicht mehr pfänden. Und die Wechsel gehen höchstens zu Protest. Aber wir gehen jetzt fürstlich früh-