GichenerZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang 1933 Freitag, den [. Dezember Nummer 93 Mein Stern. Von Conrad Ferdinand Meyer. Oft in meinem Abendwandel hefte Ich auf einen schönen Stern den Blick, Zwar sein Zeichen hat besondre Kräfte, Doch bestimmt und zwingt er kein Geschick. Nicht geheime Winke will er geben, Er ist wahr und rein und ohne Trug, Er beseliget und stärkt das Leben Mit der tiefsten Sehnsucht stillem Zug. Nicht versteht er Gottes dunkeln Willen Noch der Dinge letzten ew'gen Grund, Wunden heilt er, Schmerzen kann er stillen Wie das Wort aus eines Freundes Mund. In die Bangnis, die Bedrängnis funkelt Er mit seinem hellsten Strahle gern, Und je mehr die Erde mählich dunkelt. Desto näher, stärker brennt mein Stern. Holder, einen Namen wirst du tragen, Aber diesen missen will ich nicht, Keinen Weisen werd ich darum fragen, Du mein tröstliches, mein treues Licht! Oie Pallas Athene. Von Lily Hohenstein. In der Vorhalle des Rupprecht-Karl-Gymnasiums stand eine gipserne Pallas Athene.- Seit sechzig, siebzig Jahren. In den Augenwinkeln, in den Gewandfalten, auf den ausgebreiteten Armen lag Jahrzehnte graugrün der Staub, den Generationen von schmutzigen Bubenstiefeln Tag für Tag in den Bau getragen hatten. Durch einen weißen Oelfarbenanstrich war die Pallas Athene nicht schöner geworden. Plötzlich geschah etwas Ungeheuerliches mit ihr. Sechzig, siebzig Jahre lang hatte die Pallas Athene ihre gipsernen Arme einladend nach immer neuen Bubenscharen ausgestreckt. Als ob sie die kleinen unwilligen nnd die größeren und meist immer unwilliger werdenden Humanisten damit an ihren Busen ziehen wolle. Eines Tages aber mußte die einladende Gebärde unterbleiben, denn da lag der rechte Arm, der hoch erhobene, der den unsichtbaren Lanzenschaft hielt, zu kleinen Bröckchen und Krümeln zerschellt, unwürdig auf dem geölten Boden der Vorhalle, bis der Pedell mit Besen und Schippe erschien, kopfschüttelnd die Bescherung besah und dann den Fall dem Direktor meldete. Der Oberstudiendirektor hatte in «einer Jugend kein Glück bei Frauen gehabt. Nur die Pallas Athene hatte er wahrhaft geliebt, denn sie war ein Sinnbild. Sinnbild der Wissenschaft, der er sein Leben und seine Liebe geweiht hatte. Jeden Morgen batte ste ihn mit dem gleichen schweigsamen, männlich ernsten Blick aus leeren Augenhöhlen begrüßt, wenn er sein Amtszimmer aufsuchte. Jeden Mittag, ehe er den Ban verließ, hatte er an der Tür noch einmal den Kopf gewandt und abschicdnehmend nach ihr hingesehen. So kam es. daß dem Herrn Oberstudiendirektor zugleich mit dem gipsernen Arm seines Heiligenbildes ein Stück von seinem Herzen abbrach. Er berief auf fünf Uhr nachmittags den Lehrerrat, und der Fall kam als erster auf die Tagesordnung. Soviel stand fest: der Täter mußte ermittelt und strengstens bestraft werden! Am untersten Ende des langen Tisches, um den im Konferenzzimmer der Lehrerrat versammelt war, saß der Studienreferendar Bickel nnd führte das Protokoll. Das war günstig, denn auf diese Weise durfte er den Kopf über den Tisch beugen und das Schmunzeln verstecken. Wenn der Referendar Bickel Lust gehabt hätte, den Mund aufzutun, dann wäre dieser ganze Lehrerrat samt Aufregung des Direktors und der älteren Lehrkräfte nicht notcg gewesen. Der Referendar Bickel erinnerte sich sehr deutlich an seine eigene Schulzeit im gleichen Gymnasium, und er hatte keine Lust, den Mund aufzutnn. Uebrigens war bereits vor acht Fahren, grad einen Tag nachdem der Referendar Bickel mit Ach und Kram das Maturm bestanden batte, der Pallas Athene em ähnliches Unheil geschehen. Damals hatte sie allerdings nur einen Finger verloren. Wenn man so als frischgebackener Mulus mrt ein paar Kameraden von der Kommerskneipe kommt und ein Flurfenster offen findet, kann allerlei vorkommen. Sie hatten der Pallas Athene einen nassen Regenschirm an die Hand gehängt, und dabei war der Finger abgebrochen. Nun, der Finger hatte sich beim Frühjahrsputz in einem Spucknapf des Treppenhauses gefunden und war wieder angeleimt worden. Dieser Fall war längst vergessen. Der Referendar Bickel kannte den Täter, denn er gab in Untertertia Turnen. Der Turnunterricht lag Mittwochs und Samstags in der letzten Stunde, und es war seit alters Brauch, daß dann die Schüler ihre Ranzen aus dem Klaffenzimmer gleich mit herunterbrachten und in der Vorhalle liegen ließen, ehe sie über den Hof zum Turnsaal marschierten. Ein vollgepackter uralter Ranzen von armseligem, verschätztem Seehundsfell hatte den gipsernen Arm heruntergebrochen. So ein Ranzen ist halt schwerer als ein nasser Regenschirm. Nnd der Referendar Bickel fand sich nicht berufen, der Katze die Schelle anzuhüngen. Eines freilich wußte der Referendar Bickel nicht: daß noch einer da war, der den Attentäter kannte. Hans Eberhard von Rochow hatte diesen Duckmäuser schon seit dem zweiten Tag nicht leiben können. Diesen Duckmäuser, der nach den Osterferien in die Klasse geschneit war Hans Eberhard war von Sexta bis Quarta Primus gewesen, ganz ohne Mühe, es flog ihm einfach so an. Die andern zwanzig kamen, mit aller Mühe, erst weit hinterher. Seit Ostern war dieser Neue der Primus. Aber bas machte Hans Eberhard nicht einmal etwas aus, das war gar nicht wichtig. Er hatte erst seine elektrische Eisenbahn gehabt, er hatte jetzt seinen Radioapparat allerneuester Marke. Das war die eigentliche Wichtigkeit, und die Schule war halt ein Verhängnis, das sich nicht abschütteln ließ, und das auch ganz erträglich war, wenn man es nicht zu tragisch nahm Wie der sogenannte „Ernst des Lebens", von dem die Erwachsenen immer sprachen. Hans Eberhard hätte keine Sekunde länger als früher seinen Hosenboden abgenützt, um dem Neuen die Primuswürde streitig zu machen. Aber eines war mehr als ärgerlich. Dieser Duckmäuser beteiligte sich nie an einem Ulk. Als sie neulich die Maus, die unmittelbar vor Beginn des Unterrichts am Abfallkasten in der Ecke raschelte, mit dem schweren Klassenbuch totgeschlagen und dann auf den Katheder gelegt hatten, um dem Lehrer einen Schreck einzujagen, hatte der Duckmäuser die tote Maus im letzten Augenblick noch am Schwanz erwischt und vom Katheder genommen. Er hatte die Maus während der Stunde unter seiner Bank verwahrt und dann sogar, in der nächsten Pause, ganz heimlich in einer Ecke des Schulhofs begraben. Hans Eberhard hatte es beobachtet, und es hatte seinen Widerwillen verschärft. Es war nicht anzufangen mit diesem Menschen. Das war das Aergerliche. Denn beim ersten Sehen war ihm der Peter Bauer gar nicht so unsympathisch gewesen. Er hatte ein frisches, rotbäckiges Gesicht unter dunkelblondem Haar, als er in seinem vertragenen Anzug mit den zu kurz gewordenen Aermeln und einer kleinen Befangenheit in den Bewegungen am ersten Schultag nach den Osterferien hinter dem Ordinarius in die Klasse getreten war. „Jetzt setz' dich aus die Hosen, Rochow, der da wird's dir nicht leicht machen", hatte der Ordinarius gesagt, und Hans Eberhard batte gelacht. Peter Bauer lachte auch, aber vor Verlegenheit. Er wurde dann neben Hans Eberhard gesetzt, und als der in der nächsten Stunde tatsächlich einmal eine Frage nicht beantworten konnte, hatte Peter Bauer ganz leise vorgesagt. Der Ordinarius hatte ein scharfes Gehör Er bob nur die Hand und sagte dann freundlich: „Bauer, nie vergessen ... du weißt, was davon abhängt ..." Bauer hatte dann nie mehr den Versuch gewagt, einem Kameraden vorzuiagen. Es kostete ihn aber immer eine so große Ueberwindung, daß er bis hinter die breiten, ein bißchen abstehenden Ohren rot wurde. Der alte Matbematiklehrer war weniger taktvoll als der Ordinarius. Und die Mathematik war ja auch das einzige Fach, mit dem Peter Bauer nicht io recht befreundet war. „Du Tropf, nimm dich in acht, du wirst deine Freistelle verlieren", sagte der Professor mehr als einmal, wenn Peter an der Tafel stand wie der Ochse am Berg und die algebraischen Formeln burcheinander- warf. Da wußte es denn also die ganze Klaffe, der Bauer war ein Freischüler! Und der Bauer stand an der Takel und ließ vor Verleaenbeit die bunte Kreide aus der Hand fallen, mit der er eigentlich eine Tangente in den Kreis ziehen sollte. „Nur der Rochow kann das gewesen fein" male der Mathe- matikprofeffor im Lebrerrat, „das ist der frechste Lümmel in der aanzen Schule. Man muß es ihm aus den Kops zusagen, dann wird er schon gestehen." Der Studienreferendar Bickel schmunzelte in fein Protokoll und notierte die Vermutung. Er selber hatte den alten verschavten Seehundsranzen mit einem kräftigen Fußtritt aus den f Gipsirümeln an die andere Wand, zu den übrigen -tianzen. ge- fegt. Und jetzt konnten die da sich die Zahne ausbeißen. Es wurde ein Beschluß angenommen, daß am andern Morgen, vor Beginn des Unterrichts, in allen Klassen eine Aufforderung verkündet werden sollte, die es dem Ehrgefühl des Schuldigen anheimstellte, sich zu melden und die Folgen aus sich zu nehmen. Der Referendar Bickel hatte am andern Morgen die zweite Stunde frei. Er ging dann gewöhnlich in die Wirtschaft zu einem kleinen Frühschoppen. Das machte einen munter für den ganzen Tag. Heute stieg der Referendar gleich nach der ersten Stunde in den dritten Stock hinauf, wo die Untertertia war. Er fand nur noch Rochow in der Klasse, der die Tafel abwusch un6 6te Kreide spitzte, weil er diese Woche die „Ordnung" hatte. Rochow beantwortete die Frage nach Bauer bloß mit einem WitzbüRschen Lachen und sagte dann, der Bauer sei wahrend der ersten Stunde plötzlich aufgesprungen und hinausgerannt. Vielleicht war es ihm übel geworden. Der Lizentiat Psannstiel, der ein gutmutiger Mensch war, hatte ihn als krank ins Klassenbuch eingetragen, obwohl er ja eigentlich nicht entschuldigt war. Bis jetzt war Bauer nicht Referendar Bickel betrachtete nachdenklich das spitzbübische Lachen in dem hübschen Lausbubengesicht Hans Eberhards. Dann nahm er Rochow am Ohr und führte ihn in eine Ecke. Dort hatten sie ein langes Gespräch. „So so", sagte der Referendar nach emer Weile, „du hast also seinen Mut bezweifelt, du hast gesagt. ,Das traust du dich nicht!' So so, du warst das also ... Diesmal bekam öei„Iaft’öu dir^auch?chön überlegt, was für den Bauer auf dem Spiel steht", fragte der Referendar noch. Rochow blieb die Antwort schuldig. „Kerl", sagte der Referendar, „guck mir mal mitten ins Gesicht ... wir sind doch schließlich von einer Generation, wir 'drei ... und wir müßen lernen, daß wir nur aus dem Schlamassel kommen, wenn einer dem andern brav hilft ... Nachher gaben sie sich fest die Hand, nachher gingen sie als zwei tapfere Männer die Treppe hinunter, und der Referendar klopfte selbst । an die Tür des Direktors, weil er ein Gefühl davon hatte, wie dem Rochow mit jeder Stufe das Herz ein bißchen tiefer geruscht war. Bauer war immer noch nicht wiedergekommen. Peter Bauer war es wirklich während der ersten Stunde übel geworden. Er war aufgesprungen und in den Hof gerannt, zu dem kleinen Häuschen mit den fünfundzwanzig Türen. Er hatte dort auch Erleichterung gefunden, aber nur für seinen Magen, der ohnehin von einer Tasse dünnen Kaffees und einer Scheibe Schwarzbrot nicht allzusehr belastet war. Denn der Vater war ein Bildhauer ohne Aufträge. Als Peter Bauer wieder an der frischen Lust stand, fühlte er erst so recht, daß das Herz sich keineswegs mitcrleichtert hatte, und daß es ganz unmöglich war, die Last dieses Herzens wieder in den dritten Stock hinaufzuschleppen. Er schlüpfte aus dem Hoftor, und mit einemmal stand er mitten auf der rauschenden Straße. , , t , Die Freistelle war hin! Alle Gesichter sagten das, die leer wie Fastnachtsfratzen an ihm vorüberhuschten. Alle Autos sagten es mit ihrem Geknatter, alle Motorräder, alle Lastwagen: die Freistelle ist hin! Eigentlich hatte er ja die Freistelle gehaßt. Das war so demütigend. Alle sahen auf ihn herunter, und der seine Rochow gewiß am meisten. Aber einmal, ein einziges Mal hatte er doch mittun müssen, hatte er diesem Rochow beweisen müßen, daß er kein Duckmäuser war! Er fühlte sogar jetzt noch einen kleinen Triumph beim Gedanken an den Augenblick, in dem er dieser scheußlichen Pallas Athene seinen vollgestopften Ranzen an den Arm gehängt hatte. Der Triumph dauerte nicht lange, denn gerade da fiel sein Blick aus die Auslage eines Modegeschästs. Mutti trug immer noch den Mantel von vor vier Jahren! Der Mantel war teuer gewesen, gewiß, 29,50 Mark hatte er gekostet. Und gerade gestern war beschlossen worden, einen neuen zu kaufen. Das war jetzt unmöglich, jetzt mußten die Eltern Schulgeld bezahlen! Und Vati hatte gar keine Aufträge! Immer, wenn er einen Entwurf eingereicht hatte, ging er dreimal am Tag dem Briefträger entgegen. Einmal wenigstens zeigen dürfen, daß man was kann! Immer war's nichts. Und wenn der Briefträger wirklich einmal etwas für Bauer senior hatte, war's entweder eine höfliche Ablehnung oder sogar eine Rechnung. Bauer senior verdiente sich ein bißchen Geld, indem er die Marmordenkmäler in den öffentlichen Anlagen von Zeit xu Zeit sachgemäß reinigte. „Haben Sic schon mal so was gesehen ... und das ist unsere heutige Jugend!", sagte mißbilligend die alte Frau «mit dem Marktkorb am Arm und wies auf den Jungen, der sich blitzgeschwind zwischen Autobußen und Motorrädern durchwand- Um ein Haar hätte der unter dem Bus gelegen! Peter Bauer kümmerte sich nicht um die Zurufe der Paßanten und das Schimpfen des Chauffeurs, er rannte, als hätte er zehntausend Teufel hinter sich. Noch nie hatte er die Eltern so liebgehabt wie eben jetzt! Noch nie hatte er's so gespürt. Viel beßer hätten die Eltern leben können ohne ihn, auf einmal kam ihm das. Mutti könnte sich dann jedes Jahr einen Mantel kaufen und Vati einen Anzug oder wenigstens einen Schlips. Vielleicht mußte jetzt auch diese Pallas Athene bezahlt werden, wenn es herauskam! Sicher war die teuer! wundert Mark, tausend Mark, eine Million, Gott weiß, was eine Pallas Athene kosten kann! Peter-Bauer rannte, rannte, die Tränen liefen ihm über die roten Backen. Der Wind trocknete die Tränen, und die Backen wurden immer von neuem naß. Peter Bauer wußte: er durfte nie wieder zu den Eltern zurückkehren. Die Eltern waren doch unschuldig an der Untat, die Eltern durften nicht hincingczogen werden. Mutti mußte ihren Mantel haben, der alte bekam schon ein Loch. Nie würde er die Eltern wiedersehen! Auf einmal war Peter mitten im Staötpark. Ein Teich war da, auf dem Schwäne und Enten schwammen. Ein kleines Mädchen in weißem Kleid und roter Schärpe stand am Gitter und fütterte die Enten und Schwäne. Peter wünschte inbrünstig, das kleine Mädchen möge ins Wasser fallen Er würde dann nach- springen und das Kind unter Lebensgefahr ans Ufer bringen. Dann war er ein Held! Und der Vater des Mädchens, der ganz gewiß ein Millionär war, würde einfach sagen: „Nein, Herr Bauer, lumpen lasse ich mich nicht, das Schulgeld und die Pallas Athene werde ich bezahlen, und einen Auftrag bekommen Sie selbstverständlich auch." Peter Bauer junior betete zum lieben Gott, daß das kleine Mädchen ins Master fallen möge. Aber das Kindermädchen stand daneben und gab acht. Es war keine Hossnung auf das Wunder. Peter hatte zehn Minuten umsonst aus das Wunder gewartet. ,, _ „ Das Stehen und Warten hatte ihn ruhiger gemacht. Er ging langsam über die Parkwege und dachte nach. Die Pallas Athene mußte bezahlt werden! Und der Ausruf heut früh, vor der ersten Stunde, richtete sich an das Ehrgefühl des Schuldigen. Also, da war nichts zu machen! . ~ , Er konnte Liftboy in einem Hotel werden und von den Trinkgeldern die Pallas Athene abbezahlen. Lieber wäre er nach Amerika gegangen, dort wurden alle Menschen von heut auf morgen reich. Aber jedenfalls war es sehr schwierig, htnzukommen. Liftboys hatte er schon in ihren Uniformen gesehen. Und wenn erst die Pallas Athene abbezahlt war, würde er den Eltern einen Brief schreiben. Daß er sie lieb hätte, und daß sie sich keine Sorgen um ihn machen sollten. Später würde er auch soviel Geld haben, um Mutti Mäntel und Kleider und Vati Anzüge und Schlipse zu kaufen. Viel bester war das, als wenn er weiter in das Gymnasium ging und Geld kostete! Der Direktor war ein bißchen harthörig. Beim dritten Klopfen erst rief er: „Herein!" Da stand in der Tür ein kleiner rotbäckiger Junge in einem verschabten Anzug und zerknüllte in feuchten Händen, dte sehr lang schienen, weil das Handgelenk und der halbe Unterarm aus den Aermeln lugten, ein schmutziges Taschentuch. „Ich habe dte Pallas Athene kaputt gemacht", stotterte der kleine Junge. Weiter kam er nicht mit der Rede, die er sich auf dem ganzen Weg hierher zurechtgelegt hatte. „Hör' mal, Bauer, du bist wohl übergeschnappt?" sagte der Direktor gutgelaunt. Er streckte den Arm aus, und da sah Peter erst, daß Rochow und der Referendar Bickel im Zimmer^waren. Der Direktor faßte mit der einen Hand den Rochow am Ohr und mit der andern den Bauer und stieß ihre Köpfe zusammen. „Ihr seid wohl dick befreundet, ihr zwei", sagte er lachend, „aber du bist zu spät gekommen, Bauer, Rochow hat eben alles gestanden. Es ist ja schön, daß ihr so zusammenhaltet. Aber vergiß doch nicht, Bauer, was für deine Eltern auf dem Spiel steht ... man darf den Edelmut auch nicht übertreiben ..." „Orest und Pylades", sagte der Direktor noch zu dem Referendar Bickel, der schmunzelnd dabeistand. „Ja. ja, der Geist der Griechen stirbt nicht aus! Es wird aufwärts mit uns gehen, wenn unsere Jugend so das Wesentliche des Humanismus erfaßt!" Bickel schmunzelte. _ , , _ „ , . An diesem Mittag spielte Peter Bauer bei Hans Eberhard von Rochow mit der elektrtschen Eisenbahn, weil er so was noch nie aus der Nähe geseben hatte. Dann hörten sie Parts und London. Wir können auch N-nyork kriegen, wenn's dich interessiert", sagte Hans Eberhard, aber >a wurden gerade die belegten Brote und der Kakao gebracht. , . tl m . Rochow senior batte sich natürlich bereit erklärt, die Pallas Athene zu ersetzen. Er hatte das dreckige Ding schon scheußlich gefunden, als er vor drei und einem halben Jahr ins Gnmnallnm kam. um seinen Svrößlina anzumelden, und er war mit der Unf-n im stillen ganz einverstanden. Er schlug dem Direktor vor. doch lieber von einem zeitgenössischen Bildhauer ein- lebensnahes Standbild schaffen zu lassen, und der Direktor war es zufrieden. Den Auftrag bekam Peter Bauer senior. Die Nochi der St Döi Id inn •ottbünr ttt eim •inn mu Bon i Dan 8|, $et Keniat o '•fite! L. 'öuitöf Iteg t Als? n»! Wahrt seicht t°nen i Men s &'° Milcht, fr"8 Men m li-^ie ’l'totl« 'V'1