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Dort, von dem Dunkel der Kronen umschirmt, Ist ein heimliches Leben erwacht: Heuwagen schwanken hochgetürmt Durch die rötliche Sommernacht — Und oben Mädel in krausem Gewühl Und Bursche ganz dicht nebenbei — Und aus dem prickelnden, duftenden Pfühl Ein Kichern — ein Singsang — ein Schrei. Und also sind sie vorübergefahr'n, Und es folgen ihrer noch viel, Und ich wette, auch heute, nach vierzig Jahr'n, Ist es Las alte Spiel. Und immer noch fahren unverwandt Der Liebe törichte Fracht Heuwagen im alten Litauerland Durch die rötliche Sommernacht. Hermann Sudermann. Zu seinem 75. Geburtstage. Bon Peter H a m e ch e r. GDS. Hermann Sudermann würdigen, heißt immer wieder: das End- uteil eines Prozesses revidieren, der einst vor dem kritischen Tribunal jegen diesen Dichter entschieden wurde. Das „KotzebueI Kotzebue. , das iem Verurteilten nachgerufen wurde, gellt einem noch in den Uhren, '.nd wenn einst der Beifall, der ihn umbrauste, zu laut war, so war ter Spott, der den glücklich Gestürzten verfolgte, nicht weniger uber- tieben. Der Fall Sudermann gehört in das Kapitel von der Tragödie teä Erfolges. Es ist nicht etwa so, daß Vieser Ostpreuße durchaus m Ni« falsche Zeit läge geriet. Hervortretende Bestandteile seines Wesens iiachten ihn vielmehr zum echten Kind der 3M machten chn auch zu Mem Beherrscher. Aber er geriet in eine falsch« Stellung innerhalb ter Seit, und das wurde sein Unglück, sowohl für seine Person, wie auch m Urteil der kritischen Zeitgenossen. ♦ Das Jahr 1889 brachte zwei neuen Namen plötzlich und über Nacht ins Glück des Erfolges und des Ruhmes. In diesem starken und leben- ti gen Anbruchsjahr des Naturalismus erschienen gleichzeitig Gerhart iauptmanns „Vor Sonnenaufgang und Hermann ^u- Hermanns „E h r e". Man sah an beiden Werken, die di« Geinuter i'regten, das Neue: den Bruch mit der Welt des Gestern den Sturm 1 »es Kommenden, und vor den Zeitgenossen standen bereits die beide Achter zusammen auf einem Sockel wie Goethe und Schiller in ™ _ ■ Diese Verkoppelung mußte für Sudermann zum Unglück ausschlagen, t>«il sie falsch war: weil sie -ihn -in ein falsches Verhältnis zur Literatur- "üwicklung und zum Urteil brachte. Man sah ihn Nicht als den der war, sondern maß ihn mit dem Maßstab einer Hemden, durchaus t-gensätzlichen Erscheinung: trieb ihn auch in einen gewissen Wettbewerb, ter seine natürliche Linie mehr als einmal umbog. ♦ Der Unterschied zwischen der nach innen gewandten Dramatik Ger- Iprt Hauptmanns und dem griffigen keinen Effekt vorbei lass enden ^ühnentemperament Sudermanns ist langst so deutlich, iwß «-ehr auseinandergesetzt zu werden -braucht. D.e Dichter stehen gesw e- in ganz verschiedenen Linien. Hauptmanns naturalis ich- p ss i stische Art, passiv wie sie ist, erscheint von vornherein ganz verschieden °'n der aktiven, direkt zupackenden Art Sudermanns, di« auf grell - dutüche Herausarbeitung der Gegensätze gerichtet 'ft, der HauM>^ . leine Gestaltung ist nicht so sehr weich empfindendes Mitleben, wie : S'iPannte Anteilnahme an den Dingen. So tritt er, wenn wan io wil , "«hr von außen an die Dinge heran: ist er weniger m deri Men chen in den Vorgängen. Als Kind der Zeit kann man ihn von s«nem ^Meninhaltlichen her wohl ansprechen: aber mit der ^iilbewegung jener Jahre hat er nichts zu tun, sondern bleibt eigentlich im Stil des alten Gesellschastsdramas, Fortsetzer, nicht Neuschöpfer. Bei aller zeitlichen Nähe zum Naturalismus konnte keine Art diesem ferner und fremder sein als die Sudermanns. Sein Anderssein aber wurde ihm an= gekreidet bis zur Ungerechtigkeit, bis zum vollkommenen Verkennen feiner starken positiven Qualitäten. Bühnentemperament: ein Gefühl für Entwicklung und Bau eines Stückes, Mick für Wirkungen und zupackender Griff, das ist es, was Sudermann positiv mitbrachte. Dazu kommt das scharfe Auge für Zustände und Typen der Gesellschaft. Er war durchaus ein Mensch der Zeit. Seine dramatische Linie aber ist die des französischen Gefellschafts- stllckes, von dem auch di« Lindau, L'Arronge, Blumenthal herkamen, die er in seinen besten Stücken freilich weit übertrifft, und die gingen nicht fehl, die nach seinen ursprünglichen Anlagen von ihm den Juvenal des fin de sifecle, der Endzeit erwarteten. Ein Stück wie „Sodoms Ende" behält als Gesellschaftssatire seinen bleibenden Wert. Und selbst wenn man Sudermann alles absprechen wollte, so kann man ihm doch das eine nicht absprechen: daß er sich auf die Gesetze der Szene verstand wie kaum einer in Deutschland. Freilich ist auch nicht zu verkennen, daß die aus seinem starken Temperament vorbrechende Neigung zur Wirkung ihn leicht zur Ueber- treibung verführte. Der blendende Szeniker wurde allzu leicht zum Theatraliker, der durch Uebersteigerungen und durch Ueberkolorierungen verblüffen und überrumpeln will. Und der Publikumsersolg, der ihm so reich zuteil wurde, hat ihn sicherlich verleitet, der Neigung zum Krassen die Zügel schießen zu lassen: ja, sie wird ihm in seinen späteren Werken in verhängnisvoller Weise zur zweiten Natur. Er ist nicht nur der Meister der Bühnend eherrschung, er ist auch der Meister der falschen Töne und der unechten Farben, und an diesem Punkt hatte die Kritik recht gegen ihn, wenn man auch immer wieder gegen die Verkleinerung der Erscheinung opponieren muß. Schließlich wußte eine Eleonore D u s e gut, weshalb sie eine Gestalt wie die Magda der Heimat" in ihr Repertoir aufnahm, und ein Stück wie der Einakter „Fritzchen" ist ein Schauspiel, das in seiner Bühnensicherheit etwas Seltenes in unserer dramatischen Literatur bleibt. * „Es muß mit dieser ganzen Richtung aufgeräumt werden", soll der damalige Polizeipräsident von Berlin, Frhr. v. Richthofen, geäußert haben, als er im Herbst 1890 „Sodoms End e" verbot. Dieses Wort bezieht sich natürlich auf die Tendenz der neuen Literatur. Aber es handelte sich in der jungen Literaturbewegung auch um eine Stilrichtung, mit der Sudermann seinem Wesen nach nichts zu tun hatte, und da man ihn auch mit dieser gleichsetzte, kam die Atmosphäre auf, in der die Verkennung bis zur Ungerechtigkeit anwuchs. Weniger aberkennend ist.von jeher der Epiker Sudermann behandelt worden, und in der Tat bleibt hier auch die dichterische Wirkung der Erscheinung eine durchaus reinere. Sudermann gehört zu den stärksten Erzählern unserer Zeit. Wie in seinen Dramen, ist er auch in seinen Romanen nicht der Vertreter einer neuen Stiltechnik: er setzt vielmehr .die Tradition fort, die über Freytag, Spielhagen usw. zu ihm läuft. Als Epiker hat er eine naive, sinnliche Freude am Erzählen, eine naive sinnliche Freude auch an den Dingen und den Menschen, und eine natürliche reiche Stoffhülle bei einer starken Anteilnahme seines Temperaments. Wie er auf der Bühne nicht die Scheu vor dem Theatralischen kennt, kennt er hier nicht die Scheu vor dem Romanhaften des Geschehens: doch bleibt er in feinen Wirkungsmitteln durchweg dichterischer und gezügelter. Er weiß Gestalten aufzubauen und in der Entwicklung weiterzüfllhren. Bon dem Mittel der Spannung macht er jeden Gebrauch und biegt nicht ab vor dem starken Gefllhlsausbruch. Der Bogen des Geschehens aber spannt sich in kühner, natürlicher Sicherheit vom Anfang bis zum Ende. Ablehnung und Zerfaserung gibt es nicht. („Der Katzensteg": „Der tolle Professor .) Der Epiker Sudermann hak vor allem ein echtes Wurzelverhältnis zur Heimaterde. „Frau Sorge", der Erstling, ist gewiß nicht ohne Einfluß auf die Heimatkunst geblieben, und noch während des Krieges gab er, schönstes Zeugnis feiner Liebe zur heimatlichen Welt, jenes Buch, in' dem er sich von der besten Seite feiner starken Begabung zeigt: die „Litauischen Geschichten". So sind im letzten Grunde der positiven, bleibenden Wert« bei Sudermann weit mehr, als man eine Zeit lang wahrhaben wollte, und die Zeit wird die Revision vollziehen, die dieser Gestalt, die so viel des Erfreulichen, rein und schön Wirkenden zeigt, Gerechtigkeit widerfahren läßt. Tropenfahrt. Don Hermann Sudermann. In den mehr als drei Jahrzehnte umspannenden „Briefen Hermann Sudermanns an seine ü r a u , die, herausgegeben von Dr. Irmgard Le ux, bei der I- G. Cotta- fchen Buchhandlung Nachfolger erschienen, zieht das Bild dieser Künstlerehe in der Unmittelbarkeit der Dokumente.an uns vorüber. Aber klarer auch tritt heute, da sich am 30. September der Tag seiner Geburt zum 75. Male jährt, die von der Parteien Gunst und Hatz verwirrte Gestalt des Mannes hervor, der sein langes Leben hindurch ein rastlos nach seinem inneren Gesetz Schassender gewesen ist. Wir geben im folgenden einige Briese des Dichters von seiner Reise nach Ceylon wieder, die seine scharf« Anschauungs- und Gestaltungskraft aufs neue beweisen. Zwischen Port Said und Jsmalia, den 30. November 1903 abends 6 Uhr. Sonnabend. Gestern rauher Nord mit Wolkenflucht und Wellengrau, heute weicher Maiwind mit azurnem Himmel und Tropenglut. — Was ich tausendmal gemalt gesehn, die Lagunen mit Kranichscharen, stelzbeinige Schopsreiher in den purpurnen Wassern, verschwimmend« Inseln am seinen, veilchenfarbenen Himmelsrande — eben hab' ich es mit meinen Augen geschaut. Um drei Uhr fuhren wir von Port Said ab. Besinnst Du Dich auf die wunderbare Schilderung dieses wüsten Nestes in „The light that failed ‘? Als wir in den Hafen einsteuerten und die ersten Hotelboote mit grellrot gekleideten, fezgekrönten Ruderern uns entgegenstürmten, da ,glaubte ich noch einigermaßen an eine Maskerade. — Dann aber ging's los. Ein Pandämonion von Galgenvögeln, Nubiern, Barbaren, Fellachen, Arabern, Griechen, in blauen, roten, goldgelben Frauenröcken und modernen Jacketts darüber, in silbergebrämten Pluderhosen — nacktbeinig, mit klassisch gewandeten Tuniken — Kitteln mit fußbreiten Brustschärpen — ein grelles, schreiendes prügelndes, bettelndes, angreifendes Durcheinander von Dingen, die halb zwischen dem Menschen und dem Affen stehen geblieben schienen. Und nun das Großartigste: Mitten in dieses wüste Getriebe schiebt sich in majestätischer Ruhe eine Gruppe von breiten, flachen Barken, floß- artig und aneinander gebunden. — Alle schwarz, nachtschwarz und auf ihnen Hunderte von phantastisch wilden, schwarzen Gestatten, lautlos, regungslos — nicht in Kopf an Kopf gedrängten Knäueln, sondern jede ein Bild für sich, ein erschreckend düsteres Bild von Hunger, Not, Gram, Verbrechen und Tod. Die Barke der Unterwelt — von einem genialen Romantiker ersonnen und auf die Leinwand gebracht. — Was war's? — Die Kohlenlader, die binnen drei Stunden unser Schiff mit dem nötigen Vorrat zu versehen hatten. Nie int Leben werde ich dieses Bild vergessen, das wie etwas nicht in die Wirklichkeit Gehöriges vor meinen Augen steht. — Dann kam eine Wanderung durch die Stadt, in der nach Kiplings Worten der Auswurf dreier Weltteile sich vereinigt. — Um drei Uhr ging's fort. — An Bäumen mit tellergroßen, roten Blüten, an Palmen, Tamarisken mit Kasuarinen vorbei, die in schmalen Streifen die Quais einfäumen. Denn sonst ist alles kahl, sandkahl. Mitten in die Wüstenei hineingepflanzt steht di« charakterlos«, breitstroßige Stadt da, die der Suezkanal entstehen ließ, und die durch ihn ihr Leben fristet. Der Kanal — eine gradlinige Wasserstraße — wie ein deutscher Mittel- flutz, rechts und links von Lagunen begrenzt, durch die der Kanaldamm als einzig dunkle Linie in dem Lichtmeer sich dahinzieht. Lichter und Farben habe ich in dieser Stunde gesehen, wie noch nie in meinem Leben. Zuerst alles in Lichtgelb. Himmelsrand, Lagunenfläche, Sanddünen — alles eine Symphonie in Gold, dann nach Orange hinüberdunkelnd — und dann mit dem Untergang der Sonne ein Farbenspiel herzaubernd, wie es unser Norden nie gesehen hat. Ein mächtiges Adlerpaar setzte sich auf die Telegraphenstangen des Kanaldammes und ließ uns ruhig oorüberfahren. — Vogelzüge am hohen Himmelsrande, schreckhafte Gestalten mit langen Schnäbeln und schwanz- 105 — hie und da ein züngelndes Feuer, an dem Fellachen auf dem Bahndamm ihr Essen kochen. — Feierliche Stille auf dem ganzen Schiff. Keiner wagt laut zu reden. — Bis die Nacht hereinbricht. * Zwischen Suez und Aden auf dem Roten Meer, den 3. Dezember 1903. Mein liebes Herz, der erst« Tag der Roten-Meer-Fahrt, als wir in dem engen Golf von Suez noch rechts und links Felsenmauern sahen, gehört zu dem Düstersten und Wildesten — wenn man in greller Tropensonne von Düsternis reden kann —, was mir das Leben zu sehen je beschert hat. Hunderte von Meilen, von Felsenwüste umgeben, in der kein Grashalm grünt, kein Vogel fliegt. — Zwischen glühroten Graten Sandwogen, wie Gletscher zwischen Alpengipfeln. Durchs Glas konnte man ihn liegen sehen in gelben Wellen und darüber Fels an Fels, Klippe an Klippe, Bergzug an Bergzug. — Und dabei das Gefühl: Dort ist ein Land, dessen Betreten den Tod bedeutet, den Tod geradeso, wie wenn man über die Reling nächtens ins Meer springt. Den Endpunkt des Landes bildete um die Sonnenuntergangsstunde der Sinai. Wie hab' ich mir die Augen wundgeschaut nach jenem Felsen- rücken, auf den seit Jahrtausenden die Phantasie der Menschheit wie hypnotisiert hinstarrt; und an dem, körperlich betrachtet, so gar nichts Bemerkenswertes ist, nicht einmal sein« Umgebung überragt er. — Von da an kam Wasser, Wasser, so weit das Auge reicht, nun schon zwei Tage lang. Und noch zwei Tage wird es dauern, bis das schauerlich ausgedörrte Aden sich uns zeigen wird. Dort ist keines Kulturmenschen Stätte, nur ein paar englische Offizier« mit ihren Mannschaften müssen der schattenlosen Glut standhalten. — Und dann kommt der Indische Ozean, aus dem als erstes Wunderland Ceylon austauchen wird! Colombo, den 13. Dezember 1903, Galle Face Hotel. Meine Lieben, Geliebten! Wenn mir einer sagt, ich sei verhext und durch Zauberei mitten ins Paradies hinein verschlagen, so würde ich ihm antworten, daß das Paradies ein mäßiges Vergnügen gewesen sein muh, verglichen mit den Wundern an Natur und Kultur, in denen ich lebe. Denkt Euch einen schneeweißen, mit zwei Stock hohen Loggien begrenzten Prachtsaal, m welchem schillernde Vögel aus- und einfliegen, und durch dessen Bogen man das veilchenfarbene Meer und die wehenden Palmenwedel sieh!, denkt Euch, von der Decke herabgelassen, Dutzende von elektrisch bewegten Fächern, welche eine leicht« Kühle allüberallhin verbreiten, denkt Euch ein Heer dunkelhäutiger Diener mit Blumengesichtern, mit großen Schild patikämmen in den langen Haaren, in Weiberkleidern und mit goldenen Ringen an den nackten Zehen, denkt Euch eine Reihe auserlesenster Gerichte, welche auf einen Fingerzeig zur Karte hin geräuschlos vor uns erscheinen, und ebenso geräuschlos verschwinden, wenn man Messer und Gabel hinlegt, und denkt Euch als Dessert Haufen megekannte Woh- gerüche verbreitender Früchte, die, in Eis gepackt, vor uns hingestellt werden, Bananen, gegen welche die unsrigen schmecken wie ichleimige Kartoffeln, Ananasse von zwei, drei verschiedenen Arten, ein grunschaliger Apfel und drin die duftigste Orangenart, ein« den Melonen ahnttcye Frucht, Papaya genannt, von einem solchen Aroma, daß sie schon vom. Nebentisch herüberduftet, eine Frucht: Pnango, eine andere Mangostin, jede rätselhafter als die andere. Und nun henkt Euch als Cherub ,m Paradiese die stete Mahnung: Vorsicht, wenig Fruchte essen, damit es- ^"Seit''gestern^mittag haus' ich hier. Um sieben Uhr morgens hat iSer Waiter mir einen Tee mit Bananen, Marmelade, Brot und Butter ans- Bett gebracht, dann das kühle Morgenbad, und nun htz 'ch da und begucke mir bie beiden Marabus, die drüben auf, dem Dache fitzen, als ob das o fein müßte, und die aussehen wie zwei abenteuerliche Vogelsaurier, aus einem Phantasiebilde der Jurazeit geschnitten. — Zu meiner Füßen rauscht das Meer, und eine Gruppe Kokospalmen schiebt ih.e Stämme, schlank wie üilienstengel, zwischen mein Auge und d,e glitzern!, blaue Wasserwelt. Dunkelbraune Drawidas — so oder Tamils heißt Der Volksstamm, der mit den arischen Singhalesen Ceylon bewohnt bader ihre Zebus in der Brandungswoge. — Das ist die Szenerie, in der ich ^Die Einfahrt gestern in die Stadt gehört zu den Augenblicken, die: man bis zu feinem Tode nicht vergißt. Tausend Augen mochte man haben, und lie hätten auch nicht ausgereicht. Ein Wundergarten voll Palmen. Malvenbäumen, Flammenakazien und so fort — Terrassen mit Springbrunnen, in denen bunte Vögel badeten das war das erste, wasichsa. Dann kamen Paläste im Stil einer etwas abenteuerlichen Renaissance, und dann ging's hinaus auf eine Wiesenfläche — so goldgrun neben dem Smaragd der Palmenwedel, neben dem blauen Leuchten des Meeres - wie ich' noch nie im Leben eine Wiesenslache sah — Wir ?lle laßen ir den Rikschas und lachten uns zu, wußten aber nicht, wie wir die Augen, vor dieser übermächtigen Lichtkraft schützen sollten, die uns blendete uni, ängstigte. — Und dann kam die Einsahrt ins Hotel, das wie ein verwunschenes Schloß einsam am Meeresstrande liegt. Abends nach dem dinner erglühen blaue, rote, grüne Flammen in den Palmenkronen hoch oben — ein Sternenhimmel unter dem echten, der als Feuerspiel genugem könnte, denn nie — auch in Frostnachten nicht — sehen wir etmas pKt! f! fftf 5 --- Von dem tausendfältigen Blühen schreib' ich Euch ein andermal, wenn ich Über den botanischen Charakter dessen, was ich sehe, ein wenig meyc im klaren sein werde. — Aber was wollen Namen? Und doch sind sie nötig, um in der verwirrenden Fülle irgend eine Richtschnur zu geben. Was denkt Ihr Euch beim Namen „Malvenbaum ? Gar nichts. Weim ich Euch sag«, dah auf mittelhohen Bäumen mit Blättern, die mit unserem Tulpenbaum entfernte Aehnlichkeit haben, goldgelbe und purpurne Bluten — wahrscheinlich männliche und weibliche — von der Große nnett mittleren Faust nebeneinander sitzen, so habt Ihr schon..«her ein » Manchmal blühen auf einem Baum vier, fünf, zehn verschiedene Blumes von all den blühenden Schlingpflanzen, die sich ineinander flechten. Bwlew und orange, lilienweiß und purpur — alles leuchtet mitsammen dur-0 bas spiegelnde Grün der Blätter, von denen eines häufig die Grogs eines Kindes hat. Aus der Geschichte des deutschen Weidwerks. Von Dr. Friedrich Spreen. Wenn der Herbst mit seiner frischen Klarheit über Wald und F«"° ein spätes Sonnengold breitet und aus bleichen Nebeln und leichten we- spinften phantastische Schleier webt, dann beginnt des Jägers rechte W». bann vuft's überall wie im Liebe Wilhelm Müllers: „Es lebe, was auf Erden, Stolziert in grüner Tracht, Die Wälder und die Felder, Der Jäger und die Jagd!" Solch fröhlicher Jagdruf und lauter Hifthornklang durchtönt als helle Melodie die Geschichte unseres Volkes. Den alten Germanen, den echten Söhnen des Waldes, in der« trotzigen Augen schon Tacitus di« grimme Freud« am Kampf mit dem wilden Getier aufleuchten sah, war bie Lust am frischen fröhlichen Sagen tief eingewurzelt, und der Reichtum ihrer unendlichen Jagdgrund« vou ihnen bie Kunst des edlen Weidwerkes ganz natürlich dar zur SM- i rung ihrer Aecker und zur Sorge für den Unterhalt. Das Wild gab ce Deutschen Nahrung und Kleidung; Bär, Wolf und Eber waren st'm größten Feind«. Mochte er sich auch zur Erlegung solchen> Raubzeug- der Fallgruben und der Schlingen bedienen, bie ihm gemäß« zlrt Jagens war doch der offene Kämpf mit dem Tier«, dem er mit dem Speer furchtlos entgegentrat, oder das er mit [einen Hunden hetzt« U*V erlegte. Schon sriih jagte der Germane nicht einsam, wir wissen v Vereinen keltischer Jäger und auch die Deutschen vor der Völkerwanderung hatten ihre geheiligten Jagdbrüderschaften, die unter dem Schutz« des Gottes standen und altüberlieferte Gebräuche und S-itten sorgsam befolgten. Elch, Renntier, Auerochs und Wisent waren die edelste Beut«, während Luchs und Fuchs, Dachs und Otter, dazu Gevögel aller Art alltäglich feinem Streifen durchs Waldesdickicht zum Opfer fielen. Doch das Recht des freien Tierfangs, das ungebunden« Schwelgen in allen Jagdfreuden ward schon früh beschränkt und gehindert. Die ältesten germanischen Volksrechte, di« uns überliefert sind, lassen bereits Anfänge eines Jagdrechts und eines Jagdschutzes für Tiere erkennen. Der Wildfrevler, der auf fremdem Grund und Boden ein Wild erlegt, wird mit Geldbuße bestraft; Hirsche und Falken, sowie alle gezähmten Tiere standen unter besonderer Hut. Freilich weidmännisch in unserem Sinne wurden di« Jagden noch nicht betrieben; man schont« weder Alter noch Geschlecht des Wildes und jagte das ganze Jahr hindurch. Der feine fportmäßige Genuß, den der Römer an der Jagd empfand und den Oppian in feinem Jagdgedicht fo begeistert schildert, war dem germanischen Markgenossen noch nicht zu eigen. Der erste Jäger aus reiner Passion, dem wir in den Quellen begegnen, ist Karl der Große. Sein Freund und Sänger Angilbert hat uns einen solchen kaiserlichen Jagdzug beschrieben. In den Schwarm der Jagdspieße tragenden Knaben und der Jägerburschen, die die halsgefesselten Hunde und Bracken hielten, trat Karl, den einfachen Goldreif ums Haupt. Auch di« Königin kam im dunkeln Purpurgewand, das goldene Diadem auf der Stirn, und bestieg den schäumenden Zelter, während iber ganze Hof unter Hörnerklang und Hundegebell folgte. Am Waldessaum ist das Jagdheer versammelt. Die Hunde, von den Ketten erlöst, rasen durch das Holz und spüren einen Eber auf. Di« Männer stürmen mit lautem Getöse nach. Endlich stellen die Hunde das wilde Tier; der König als der Schnellste, stößt ihm das Eisen in die borstige Brust und daun stieben wieder alle auseinander, neuem Wilde nach. Abends aber vereint in goldgefchmückten Jagdzeiten alle ein frohes Mahl, und dann ruhen die Müden unter dem Zeltdach im grünen Waide ... Der große Karl hat auch zuerst das Jagen in den königlichen Pfalzen streng verboten, und das Recht -der Bannforste und des Wildbannes, das -nur dem Herrn und feinen Gesellen bi« Jagd gestattete, wurde dann immer weiter ausgebildet. So ward der gemeine Mann, vor allem der Bauer, völlig von dem Leben und den Freuden des Waldes ausgeschlossen; «ine streng« Waldhut ward eingeführt, Tiergärten und Umzäunungen wurden angelegt, und Fürsten wie Adel -begannen eine schwer« Bedrückung auf das unfrei« Volk auszuüben, dessen Felder so eng von dem Jagdgebiet -des Herrn umschlossen waren. Die Frondienste der Bauern nehmen in dieser Franken zeit ihren Anfang! sie müssen an der Instandhaltung der Tiergärten arbeiten, bei den großen Hofjagden Dienste leisten -und nicht -selten erstickt das üppig« Wachsen -des Waldes ihre mühsam gesäte Frucht, verwüstet das Wild ihre Mecker. Wie weit die Jagdleidenschaft bald um sich griff, beweist -de« starke Anteilnahme der Geistlichen. Ursprünglich hatte sich in den Schriften der Kirchenväter zum ersten Mal eine Opposition gegen das Toten der Waldtiere erhoben. So war dem Geistlichen durch das kanonische Recht di« Jagd verboten, doch man kehrte sich nicht daran, und immer wieder mußten Konzilien und Päpste das unheilig« Weidwerk untersagen. Aber auch das rmtzte nur wenig. Die Jagd wird nun in der Zeit des Ritterdienstes und Minnesangs zum gesellschaftlichen Hauptfport. Atmet das R-ibeiungenl-ied noch etwas von der freien Waldeslust und der. ungeschlachten Derbheit der altdeutschen We-idg-enossen, fo entfaltet sich vor uns «n den großen höfischen Epen das reichste Bild des vornehmen Jagdbetri-ebes im 12. und 13 Jahrhundert. Nach bestimmten Gesetzen wird der Husch gehetzt, und höchst schwierig ist die Kunst, das erlegte Tier nach rechter Sitte und Art zu zerteilen, zu „zerwuken . Das Jagdser«momell^ erfordert genaueste Beobachtung aller klemften Darschr-lften, di« Strecke wird vorher von zünftigen Jagern mit sorgsam üressierten Spurhunden präpariert, bevor -di« großen Herren -dahmi-agen. Die ^jaguim freien Revier ist am beliebtesten; dieses „Uebertanbja-gen >?,rd bisweilen mit zähem Eifer viele, viele Meilen hin -durch Dick und Dmm betrieben- Das edelste Wild ist der Hirsch, und -die vornehmste Jagd wieder gilt dem weihen Hirsch. Wer ihn erlegt, dem -steht -das Recht srei der schönsten Dame des Hofes einen Kuß zu geben. Aber durch dle e Gunst befindet er sich in einer gefährlichen Situation, denn >eder Ritter verlangt, daß man sein« Dame für die schönst« halte, der ungluckuche Kußspender zieht sich durch jede Wahl den Haß femer Genosftn-zu. Zu so furchtbaren Konflikten führte die Jagd nach dem weißen Husch, daß .3«,wirk 8*U* mit aufgestellten Netzen oder errichteten Hecken, durch d.« ^r weg Hirsches zu einem bestimmten Ziel ^gelenkt wurde zurucktre em Du Vasallen bereiteten ihrem Herrn °in köstliches S^uspiel im Fre.-en u ü alles kam auf 'Huckt und Zahl -der Meute an, so daß ein guter topurpuno «in wEvLTt wär SS die Zahl -der Hunde «ES A'gneurs auf mehrere tausend stieg Auch -di« Damen nahmen daran ted, unö bann lL nA'sich Än herrlichsten Wa* W im Walde aufgebaut worden waren. Em« besonder«^ Ausbildung erjugr die Falkenbeize, über deren Methode uns der Hohenftaufe Kaiser Fr,eo rich II. «in eingehendes Buch hinterlassen hat. ... m..x5 allmäb- Neben der Lust und Pracht -de- r-,tterl-ichen.Webens wuj> üUmap lich als düsteres G-egenbild das Elend und die Not ber Sauern empor allnächWch?uf"dm Feldern skaäL; «^durfte 1«ine Aecker,„feine feeat sw««.«»« sw® u. tände und Revolutionen hervor, in -denen -das Bolk vergeblich dies« ent» etzlichen Ketten abzuschütteln sucht«. Manche große Forderungen, die in )em Bauernkrieg aufgestellt wurden, lassen sich auf die Jagd als Ursache zurückführen. Nun formte sich in der Phantasie des Volkes aus myiho- logischen Vorstellungen heraus die Gestalt -des wilden Jägers, wie sie Bürgers Ballade zeichnet, des gottlof-en blutsaugerifchen Nimrods, der zur Strafe für -die an den Bauern begangenen Untaten bis in die Ewigkeit Hetzen muß und gehetzt wird. Als eine letzt« große Jäg-ergestalt steht an der Scheide zwischen dem Mittelalter und -der Neuzeit Kaiser Maximilian. Er liebt es nach, auf gefährlicher Gems-enjagd -die fchwerste Felswand zu ersteigen, und steht dem Wild Hern Äug -in Ang gegenüber. Das leichtsinnige Drauflosschi-eßen und das nutzlos« Verwunden der Tier« ist ihm wie den ritterlichen Jagd- Herren verhaßt, die ein einziges Wild aufs Korn nehmen und kunstgerecht jagen. Doch schon bei Maximilian, dem „großen Weidmann", ist massen- weises Hinschlachten des Wildes nichts Seltenes und die Jagd der Folgezeit findet dann an dief-em unvernünftigen Hinmorden besonderes Gefallen. Das Zeremoniell, wie «s I. B. von Rohr -beschrieben hat, muffte genau «ingehalten werden; wer dagegen frevelte, wurde „über den Hirsch gelegt" -und bekam Schläge mit -der flachen Klinge der Jagdmesser. August von Sachsen erlegte allein in einem Monat, dem November, 1532 Wildsauen. Im 17. Jahrhundert waren die Jagdfronde furchtbarer denn je. Jeder Wildbeschädiger konnte ohne weiteres totgeschossen werden. Gegen solche Auswüchse -der Jagdlustbark-sit hat sich dann -im 18. Jahrhundert eine starke humane Strömung kundgetan, -als deren wichtigster Vertreter Friedrich der Große, ein konsequenter Feind der Jagd, gelten darf. Das immer -deutlicher sich entfaltende Naturgefühl der Jäger trug zu einer solchen Veredelung des Sportes bei, und er vermag sich heute mit feiner andächtigen Verehrung -des Schönen zu vereinen, wie dies aus Bismarcks herrlichen Jagdbriefen hervorleuchtet. Phantasien im Bremer Ratskeller. Von Wilhelm Hauff. » (Fortsetzung.) „Als ich -so gesprochen, waren wir nicht mehr zu zwei, sondern ein dritter sah neben mir und hielt mir das Büchlein hin zum Unterschreiben: der aber, der dies tat, war nicht der Zirkelschmied, sondern ein anderer. „Wer war cs denn? sag' an!" riefen die Apostel ungeduldig. Die Augen des alten Kellermeisters funkelten greulich, und feine bleichen Lippen bebten; er setzte mehreremal an, um zu sprechen, aber ein Krampf schien ihm die Kehl« zuzuschnüren. Da blickte er auf einmal fest und mutig in eine dunkle Ecke, tränt fein Glas aus und warf es an die Erde. „Was hilft alle Reue, alter Balthasar", sprach er, indem große Tränen in seinen Wimpern hingen; ,cher bei mir saß — war -der Teufel." Es war bet diesen Worten unheimlich, dis zur Verzweiflung unheimlich in dem Gemach; die Apostel schauten ernst und schweigend in ihre Römer, Bacchus hatte das Gesicht in die Hände gedrückt, und di« Rose war bleich und stille. Kein Atemzug rührte sich, man hörte nur, wie in dem Totenkopf des Alten die Zähne jchaudernd aneinander klapperten. „Mein Vater hatte mich gelehrt, meinen Namen zu schreiben, als ich noch ein kleiner, frommer Knabe war; ich unterschrieb ihn ins Buch, das mir der andere mit feinen Krallen vorhielt. Von da an ging mir ein Leben auf -in Saus und Braus; in ganz Bremen gab es keinen Mann [o fröhlich als den Kellermeister Balthasar, und getrunken hab' ich, was der Keller Gutes und Köstliches hatte. Zur Kirche ging ich nie, sondern wenn sie zusammenläuteten, schritt ich hinab zum besten Faß und schenkte mir ein nach Herzenslust. Als ich alt wurde, kam oft ein Grauen über mich, und es fröstelte mir durch die Glieder, wenn ich ans Sterben dachte; hatte zwar kein Weib, das um mich jammerte, aber auch keine Kinder, die mich trösteten, da trank ich -denn, wenn die Todesgedanken über mich kamen, bis ich von Sinnen war und schlief. So trieb ich's lange Jahre, mein Haar -ward grau, meine Glieder schwach, und ich sehnte mich, zu schlafen im Grabe. Da war mir eines Tages, als sei ich erwacht und könne doch nicht recht erwachen; die Augen wollten sich nicht auftun, die Finger waren steif, als ich mich aus dem Sette heben wollte, und die Beine lagen starr wie ein Stück Holz. An mein Bett aber traten Leute, betasteten mich und sprachen: ^Der alte Balthasar ist tot/ Tot, dachte ich und erschrak, tot und nicht schlafen? Tot bin ich und denke? Mich erfaßte eine unnennbare Angst, ich fühlte, wie mein Herz stille stand, und wie sich doch etwas in mir regte und in sich zusammenzog und bange, bange war; das war mein Körper nicht, denn der lag steif und tot, was war es denn?" „Deine Seele!" sprach Petrus dumpf; „deine Seele!" flüsterten ble andern ihm nach. .... m , .. „Da maßen sie meine Länge und Breite, um die sechs Brettlein fertig zu machen, und legten mich hinein und ein hartes Kiffen von Hobelspänen unter meinen Schädel und nagelten die Bahre zu, und meine Seele wurde immer ängstlicher, weil sie nicht schlafen konnte. Dann hört« ich die Totenglocke läuten auf der Domkirche, sie hoben mich auf, und kein Auge weinte um mich. Sie trugen mich auf Unser Lieben Frauenkirchhof, dort hatten sie mein Grab gegraben, noch höre ich die Seile schwirren, die sie heraufzogen, als ich unten lag; bann warfen sie Steine und Erde herab, und es ward stille um mich her. Aber meine Seele zitterte heftiger, als es Abend wurde, als es zehn Ubr elf Uhr schlug auf allen Glocken: Wie wird es dir gehen,-wie wird es bir 'gehen? dachte ich bei mir. Ich wußte noch ein Gebetlein aus alter Vit das wollte ich sprechen, aber meine Sippen standen still. — Da schlug es zwölf Uhr, und mit einem Ruck ward die schwere Grabesdecke abgerissen, und auf meinen Sarg geschah ein schrecklicher Schlag. — Ein Schlag, daß die Hallen dröhnten, sprengte jetzt eben die Ture des Gemaches auf, und eine große, weiße Gestalt erschien auf der Schwelle. Ich war durch Wein und die Schrecknisse dieser Nacht so exaltiert und außer mir selbst gebracht, daß ich nicht aufschrie, nicht auffprang, wie wohl sonst geschehen wäre, sondern geduldig das Schreckliche anstarrte, das jetzt kommen sollte; mein erster Gedanke war nämlich: Jetzt kommt der Teufel. habt ihr je im Don Juan jenen bangen Moment geschaut, wo Tritte dumpf und immer näher tönen, wo Leporello schreiend zuruckkommi und die Statue des Gouverneurs, ihrem Streitrotz auf dem Monument entstiegen, zum Gastmahl kömmt? Riesengroß, mit abgemessenem, dröhnendem Schritt, ein ungeheures Schwert in der Hand, gepanzert aber cchne Helm, trat dir Gestalt ins Gemach, Sie war von Stein, das Gesicht steif und seelenlos; oder -dennoch tat sich der steinerne Mund auf und sprach: , Gott grüß' euch, vielliebe Reben vom Rheine; muß doch das schone Nachbarskind besuchen an ihrem Jahrestag, Gott grüß' Euch, Jungfrau Rose, Darf ich auch Platz nehmen in eurem Gelaggaden?"^ Sie schauten alle verwundert nach der riesigen Statue, Frau Rose aber brach das Stillschweigen, schlug vor Freude die Hände zusammen und schrie: „Ei, du meine Güte! 's ist ja der steinerne Roland", so seit vielen hundert Jahren auf dem Domhofe in der lieben Stadt Bremen steht, Ei, das ist schön, daß Ihr uns die Ehre antut, Herr Ritter; leget doch Schild und Schwert ab und machet es Euch bequem; wollet Ihr Euch nicht obenan setzen an meine Seite? O Gott, wie mich das freut! Der hölzerne Weingott, so indessen wieder um ein Erkleckliches gewachsen, warf mürrische Blicke bald auf den steinernen Roland, bald aus die naive Dame seines Herzens, die ihre Freude so laut und unverhohlen ausgelassen. Er murmelte etwas von ungebetenen Gästen und strampelte ungeduldig mit den Beinen. Aber Rose drückte ihm unter dem Tische die Hand und beschwichtigte ihn durch süße Blicke. Die Apostel waren näher zusammengerückt und hatten dem steinernen Gast einen Stuhl neben dem alten Fräulein eingeräumt. Er legte Schwert und Schild in die Ecke und setzte sich ziemlich ungelenk auf das Stühlein, aber ach, dies war für ehrsame Bremer Stadtkinder und nicht für einen steinernen Riesen gemacht, es knackte, als er sich setzte, morsch zusammen, und solang er war, lag er im Gemach. „Schnödes Geschlecht, das solche Hitschen zimmert, worauf zu meiner Zeit nicht einmal ein zartes Fräulein hätte sitzen können, ohne mit dem Sitz durchzubrechen", sagte der Heros und stand langsam auf; der Kellermeister Balthasar aber rollte ein Halbeimerfaß herbei an den Tisch und lud den Ritter ein, Platz zu nehmen. Es knackten nur ein paar Dauben, als er sich setzte, aber das Faß hielt aus. Dann botAhm der Kellermeister ein großes Römerglas mit Wein, er faßte es mit der breiten, steinernen Faust, aber krach! war es entzwei, daß ihm der Wein über die Finger lief. „Ei, Ihr hättet auch die Handschuh' von Stein füglich ablegen können", sprach Balthasar ärgerlich und kredenzte ihm einen silbernen Becher, so ein Maß hielt und in früherer Zeit Tummler genannt wunde. Der Riter faßte ihn, drückte nur einige unbedeutende Buckeln in den Becher, sperrte das steinerne Maul auf und goß den Wein hinab. „Wie mundet Euch der Wein?" fragte Bacchus den Gast; „Ihr habt wohl lange keinen getrunken?" „Er ist gut, bei meinem Schwert! sehr gut! Was ist es für Gewächs?" „Roter Engelheimer, gestrenger Herr!" antwortete der Kellermeister. - Das steinerne Auge des Ritters bekam Leben und Glanz, als er dies hörte, die gemeißelten Züge verschönerte -ein sanftes Lächeln, und vergnüglich schaute er in den Becher. „Engelheim! du süßer, trauter Name!" sprach er. „Du edle Burg meines riiterlichen Kaisers; so nennt man also noch in dieser Zeit deinen Namen, und die Reben blühen noch, die Karl einst pflanzte in seinem Engelheim? Weiß man denn auch von Roland noch etwas auf der Welt und von dem großen Karolus, seinem Meister?" „Das müßt Ihr den Menschen dort fragen", erwiderte Judas, „wir geben uns -mit der Erde nicht mehr ab. Er nennt sich Doktor und Magiftei! und mutz Euch Bescheid geben können über sein Geschlecht." Der Riese richtete sein Auge fragend auf mich, -und ich antwortete: „Edler Paladin! Zwar ist die Menschheit in dieser Zeit lau und schlecht geworden, ist mit dem -hohlen Schädel an die Gegenwart genagelt und blickt nicht vor-, nicht rückwärts, aber so elend sind wir doch nicht geworden, datz wir nicht der großen, herrlichen Gestalten gedächten, die einst über unsere Batererde gingen und ihren Schatten werfen noch -bis zu uns. Noch gibt es Herzen, die sich hinüberretten in die Vergangenheit, wenn die Gegenwart zu schal und trübe wird, die höher schlagen bei dem Klang großer Namen und mit Achtung durch die Ruinen wandten, wo einst der große Kaiser saß in seiner Zelle, wo seine Ritter um ihn standen, wo Eginhard" bedeutungsvolle Worte sprach, die traute Emma dem treusten seiner Paladine den Becher krödenzte. Wo man den Namen Eures großen Kaisers ausspricht, da ist auch Roland unvergessen, und wie Ihr ihm nahe standet im Leben, so enge seid Ihr mit ihm verbunden in Lied und Sage und in den Bildern der Erinnerung. Der letzte Ton Eures Hifthorns tönt noch -immer aus dem Tal von Ronceval durch die Erde und wird tönen, bis er sich in die Klänge der letzten Posaune -mischt." „So haben wir nicht vergebens gelebt, alter Karl", sprach der Ritter, „die Nachwelt feiert unsere Namen." „Ha!" rief Johannes feurigen Mutes, „diese Menschen wären auch wert, Wasser aus dem Rhein zu saufen statt des Rebenblutes seiner Hügel, wenn sie den Namen des Mannes vergessen hätten, der zuerst die Reben pflanzte int Rheingau. Auf, ihr trauten Gesellen und Apostel, stoßet an, unser herrlicher Stammvater lebe, es lebe Kaiser Karl der Große!" Die Römer klangen, aber Bacchus sprach: „Ja, es war eine schöne, herrliche Zeit, und ich freue mich ihrer wie vor tausend Jahren. Wo jetzt die wundervollen Weingärten stehen vom Ufer bis hinauf an die Rücken der Berge und hinauf und hinab im Rheintal Traube an Traube sich schlingt, da lag sonst wüster, düsterer Wald. Da schaute einst Kaiser Karl Gaden (Gadern), altdeutsches, noch jetzt in Süddeutschland übliches Wort für Haus -von nur einem Gemach, dann Kammer, Gemach. 11 Der steinerne Roland wurde 1404 auf dem Markte zu Bremen vor dem Rathaufe errichtet. 12 Eginhard, richtiger Einhard (770—840), der berühmte Geschichtschreiber und Biograph Karls des Großen. haft solch eine heißen — die Rosen/ So sprachen die Elemente; wir aber jubelten über dt« herrlichen Gaben, schmückten das Kindlein mit frischem Weinlaub und schickten es -dem Kaiser in -die Burg. Und er erstaunte ü-ber die Herrlichkeit des Rebenkindes, -hat es fortan gehegt und gepflegt und die Rebe am Rhein -feinen herrlichsten Schätzen gleich geachtet." „Andreas!" rief Jungfrau Rose, „lieber Vetter, du haft solch eine schöne, zarte Stimme, willst du äicht fingen zum Ruhme des Rheingaues und feiner Weine?" „Wenn es Euch erheitert, edle Jungfrau, und Euch nicht Beschwerde macht' edler Bacchus, wie auch Euch nicht unangenehm ist, mein Herr und Ritter Roland, so will ich eins fingen." Und er fang eine schone Weife voll zarter Töne und Worte, klangvoll und zierlich gefuget, fo daß man wohl inerten konnte, es -fei ein Lied eines alten Meisters von 1400 ober 1500. Verflogen find feine Worte aus meinem Gedächtnis, aber feine Weife möchte ich doch wohl finden, denn sie war einfach und schön, und Petrus begleitete ihn mit einem sonoren, herrlichen Sekund. Die Lust des Gesanges schien über alle herabzukommen, denn als Andreas geendet, fang Judas unaufgefordert ein Lied, und ihm folgten die übrigen. Selbst Rose, so sehr sie sich zierte, mußte ein Lied von 1615 singen, was pe mit angenehmer, etwas zitternder Stimme vortrug. Mit dröhnendem Baß fang Roland eine Kriegshymne der Franken, von welcher ich nur einige Worte verstand, und endlich, als sie alle gesungen, -schauten sie aus mich, und Rose nickte mir zu, etwas zu fingen. Da Hub ich denn an: aus seiner Burg in Engelheim an den Bergen hin, er sah, wie die Sonne schon im März so warm diesen Hügel begieße und den Schnee hinabrolle in den Rhein, -wie so frühe die Bäume dort sich -belauben und das junge Gras dem Frühling voraneile aus der Erde. Da erwachte in ihm der Gedanke, Wein zu pflanzen, wo sonst der Wald lag. Und ein geschäftiges Leben regte sich im Rheingau bei Engelheim, der Wald verschwand, und die Erde war bereit, den Weinstock aufzunehmen. Da schickte er Männer nach Ungarn und Spanien, nach Italien und Burgund, nach der Champagne und nach Lothringen und ließ Reben herbeibringen und senkte die Reiser in der Erde Schoß. Da freute sich mein Herz, daß er mein Reich ausbreite im deutschen Lande, und als dort die ersten Reben blühten, zog ich ein im Rheingau mit glänzendem Gefolge; wir lagerten auf den Hügeln und schafften in der Erde -und schassten in den Lüften, und meine Diener breiteten die zarten Netze aus und fingen den Frühlingstau auf, daß 'er den Reden nicht schade; sie fliegen hinauf und brachten warme Sonnenstrahlen nieder, die sie -sorgsam um die kleinen Beerlein gossen, schöpften Wasser im grünen Rhein und tränkten die zarten Wurzeln und Blätter. Und als im Herbst das erste zarte Kind des Rheingaues in der Wiege lag, da hielten wir ein großes Fest und luden alle Elemente zur Feier ein. Und sie brachten köstliche Geschenke und legten sie dem Kindlein als Angebinde in -die Wiege. Das Feuer legte seine Hand aus des Kindes Augen und sprach: ,Du sollst mein Zeichen an dir tragen ewiglich; ein reines, mildes Feuer soll in dir -wohnen und dich wert machen vor allen andern. Und die Lust in zartem, goldenem Gewände kam heran, -legte ihre Hand auf, des Kindes Haupt und sprach: ,Zart und licht sei deine Farbe, wie der goldene Saum des Morgens auf den Hügeln, wie das goldene Haar der schönen Frauen im Rhein-gau/ Und das Wasser rauschte heran in silbernen Kleidern, bückte sich auf das Kind und sprach: .Ich will deinen Wurzeln immer nahe fein, daß dein Geschlecht ewig grüne und blühe und sich ausbreite, so weit mein Rheinstrom reicht/ Aber die Erde kam und küßtö bas Kindlein auf den Mund und wehte es an mit süßem Atem. .Die Wohlgerüche meiner Kräuter', sprach sie, .die herrlichsten Dusle meiner Blumen habe ich für dich gesammelt zum Angebinde. Die köstlichsten Salben aus Ambra und Myrrhen werden gering sein gegen deine Dufte, und deine lieblichsten Töchter wird man nach der Königin der Blumen „Am Rhein, am Rhein, da wachsen unsre Reben, Da wächst ein deutscher Wein, Da wachsen sie am User -hin und geben Uns diesen Labewein." Sie lauschten, als sie diese Worte hörten, sie nickten sich zu und rückten näher zusammen, und -die entfernteren streckten die Köpfe vor, als wollten sie kein Wort verlieren. Mutiger erhob ich meine Stimme, lauter und immer lauter war mein Gesang, denn es wogte in mir wie Begeisterung, vor solchem Publikum zu singen. Die alte Rose nickte den Text mit dem Kopfe und summte den Chorus leise, leise mit, und Freude und Stolz blickte aus -den Augen der Apostel. Und als ich geendet, drängten sie sich zu, drückten mir die Hände, und Andreas hauchte einen Kutz auf meine Lippen. - - , . „Doktor!" rief Bacchus, ,/Doktor, welch ein Lied! wie geht einem Da das Herz auf. Herzens-Doktor, hast du das Lied gedichtet in deinem eigenen graduierten Gehirn?" „Nein, Euer Exzellenz, solch ein Meister des Gesanges bin ich nicht. Aber den, der es gedichtet, haben sie längst begraben; er hieß Matthias Claudius!" „Sie haben — einen guten Mann begraben", sagte Paulus. „Wie klar und munter ist dies Lied, so klar und helle wie echter Wein, so mutig und munter wie der Geist, der im Weine wohnet, und gewürzt mit Scherz und Laune, die wie ein würziger Dust aus dem fRömer fteigen; der Mann hat gewiß verstanden, welch gutes Ding es um ein Glas lautern Weines ist." „Herr er ist lange tot, das weiß ich, aber ein anderer großer Sterblicher hat gesagt: .Guter Wein ist ein gutes, geselliges Ding, und über Mensch kann sich wohl einmal von ihm begeistern lassen!' Und ich denke, der alte Matthias hat auch so gedacht unter guten Freunden, hätte ia sonst solch ein schönes Lied nicht machen können, das noch heute alle fröhlichen Menschen fingen, die im Rheingau wandeln oder edeln Rheinwein trinken/' (Schluß folgt.) Verantwortlich: vr. Hans Thyriot. — Druck und Der lag: Brühl'sche Uni versitäts-Duch-und Steindrucker ei, D. Lange, Gießen. Gießener ZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang <952 Freitag, den 2. September Nummer 68 Colour & Grey Control Chart Abendlied. Von Gottfried Keller. das Spiel, bis er endlich, mit der spitzen Nase hart an die Mauern anlaufend, laut schrie: „Heran, heran, ihr Leute, schlagt mir die Tür ein, hier schlagt mir eine Tür ein!" — Er gab Länge und Breite —— - Zoll an, und es geschah, wie er geboten. Nun picUwJP" Haus und lächelte wohlgefällig, als der Meister hätten gerade die Höhe eines tüchtigen zwei- Mocq nocy wanoi ny aus oem Abenvselv, nur dem sinkenden Gestirn gesellt; trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Ueberfluß der Welt! pel ging in dem innern Raum bedächtig auf • die Maurer mit Hammer und Hacke, und sowie ster sechs Fuß hoch, vier Fuß breit! — dort ein hoch, zwei Fuß breit!" so wurde es flugs ein- >rend dieser Operation kam ich nach H., und es nzusehen, wie Hunderte von Menschen um den und allemal laut aufjubelten, wenn die Steine er ein neues Fenster entstand, da, wo man es :te. Mit dem übrigen Ausbau des Hauses und ie dazu nötig waren, machte es Krespel auf _ _ )em sie alles an Ort und Stelle nach seiner e verfertigen mußten. Die Possierlichkeit des Die gewonnene Ueberzeugung, daß alles am Ende L schickt, als zu erwarten stand, vorzüglich aber die ihm freilich nichts kostete, erhielt aber alle bei guter Laune. So wurden die Schwierigkeiten, die die abenteuerliche Art zu bauen herbeiführen mußte, überwunden, und in kurzer Zeit stand ein völlig eingerichtetes Haus da, welches von der Außenseite den tollsten Anblick gewährte, da kein Fenster dem andern gleich war usw., dessen innere Einrichtung aber eine ganz eigene Wohlbehaglichkeit erregte. Alle, die hineinkamen, versicherten dies, und ich selbst fühlte es, als Krespel nach näherer Bekanntschaft mich hineinführte. Bis jetzt hatte ich nämlich mit dem seltsamen Manne noch nicht gesprochen, der Bau beschäftigte ihn so sehr, daß er nicht einmal sich bei dem Profesior M. Dienstags, wie er sonst pflegte, zum Mittagessen einfand, und ihm, als er ihn besonders eingeladen, sagen ließ, vor dem Einweihungsfeste seines Hauses käme er mit keinem Tritt aus der Tür. Alle Freunde und Bekannte verspitzten sich auf ein großes Mahl, Krespel hatte aber niemanden gebeten als sämtliche Meister, Gesellen, Burschen und Handlanger, die sein Haus erbaut. Er bewirtete sie mit den feinsten Speisen; Maurerburschen fraßen rücksichtslos Rebhuhnpasteten, Tischlerjungen hobelten mit Glück an gebratenen Fasanen, und hungrige Handlanger langten diesmal sich selbst die vortrefflichsten Stücke aus dem Trüffel- frikasfee zu. Des Abends kamen die Frauen und Töchter, und es begann ein großer Ball. Krespel walzte etwas Weniges mit den Meisterfrauen, setzte sich aber dann zu den Stadtmusikanten, nahm eine Geige und dirigierte die Tanzmusik bis zum hellen Morgen. Den Dienstag nach diesem Feste, welches den Rat Krespel als Volksfreund darstellte, fand Yellow Grey 3 Blue White Cyan Grey 1 Green Grey 2 Red Grey 4 Magenta Black CRaf Krespel. . Novelle von E. T. A. Hoffmann. Rat Krespel war einer der allerwunderlichsten Menschen, die mir jemals im Leben vorgekommen. Als ich nach H. zog, um mich einige Zeit dort auszuhalten, sprach die ganze Stadt von ihm, weil soeben einer seiner allernärrischsten Streiche in voller Blüte stand. Krespel war berühmt als gelehrter gewandter Jurist und als tüchtiger Diplomatiker. Ein nicht eben bedeutender regierender Fürst in Deutschland hatte sich an ihn gewandt, um ein Memorial auszuarbeiten, das die Ausführung feiner rechtsbegründeten Ansprüche auf ein gewisses Territorium zum Gegenstand hatte, und das er dem Kaiserhofe einzureichen gedachte. Das geschah mit dem glücklichsten Erfolg, und da Krespel einmal geklagt hatte, daß er nie eine Wohnung seiner Bequemlichkeit gemäß finden könne, übernahm der Fürst, um ihn für jenes Memorial zu lohnen, die Kosten eines Hauses, das Krespel ganz nach jein em Gefallen aufbauen lassen sollte. Auch den Platz dazu wollte pninilipiHnHipill|IIHpilipHipHinilipiHnnipHipill|HHHHI|llll|HII|HII|IHI|llll|linpilinill|llll|llll|llll|llll|IIH|llll|llll|llll|llll|llll[llll|llll[llll|HII|llll|HII|ll 0 cm 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 6 8 L 9 ihn, sich morgen Bei Anbruch des xages mit lamtuajen o>e|euen uno Burschen, vielen Handlangern usw. in dem Garten einzufinden und sein Haus zu bauen. Der Baumeister fragte natürlicherweise nach dem Bauriß und erstaunte nicht wenig, als Krespel erwiderte, es bedürfe dessen gar nicht, und es werde sich schon alles, wie es sein solle, fügen. Als der Meister anderen Morgens mit seinen Leuten an Ort und Stelle kam, fand er einen im regelmäßigen Viereck gezogenen Graben, und Krespel sprach: ,^Hier soll das Fundament meines Hauses gelegt werden, und dann bitte ich, die vier Mauern so lange heraufzuführen, bis ich sage, nun ist's hoch genug." — ,F)hne Fenster und Türen, ohne Quermauern?" fiel der Meister, wie über Krespels Wahnsinn erschrocken, ein. „So wie ich Ihnen es sage, bester Mann", erwiderte Krespel sehr ruhig, „das übrige wird sich alles finden." Nur das Versprechen reicher Belohnung konnte den Meister bewegen, den unsinnigen Bau zu unternehmen; aber nie ist einer lustiger geführt worden, denn unter beständigem Lachen der Arbeiter, die die Arbeitsstätte nie verließen, da es Speis' und Trank vollauf gab, stiegen die vier Mauern unglaublich schnell in die Höhe, bis eines Tages Krespel rief: „Halt!" Da schwieg Kell' und Hammer, die Arbeiter stiegen von den Gerüsten herab, und indem sie den Krespel im Kreise umgaben, sprach es aus jedem lachenden Gesicht: „Aber wie nun weiter?" — „Platz!" rief Krespel, lief nach einem Ende des Gartens und schritt dann langsam auf sein Viereck los; dicht an der Mauer schüttelte er unwillig den Kopf, lief nach dem andern Ende des Gartens, schritt wieder auf das Biereck los und machte es wie zuvor. Noch einige Male wiederholte er £ V £ Z VUl uuts Ul VC» 4>IV|C||U17 WU| V* sich auch wohl, auf den gepolsterten Stuhl steigend, ein Bild von der Wand herab und hing es wieder auf. Dabei sprach er viel und heftig, bald (bei Tische wurde es auffallend) sprang er schnell von einer Sache auf die andere, bald konnte er von einer Idee gar nicht loskommen; immer sie wieder ergreifend, geriet er in allerlei wunderliche Jrrgänge und konnte sich nicht wiederfinden, bis ihn etwas anders erfaßte. Sein Ton war bald rauh und heftig schreiend, bald leise gedehnt, singend, aber immer paßte er nicht zu dem, was Krespel sprach. Es war von Musik die Rede, man rühmte einen neuen Komponisten, da lächelte Krespel und sprach mit seiner leisen singenden Stimme: „Wollt' ich doch, daß der schwarzgefiederte Satan den verruchten Tonverdreher zehntausend Millionen Klafter tief in den Abgrund der Hölle schlüge!" — Dann fuhr er heftig und wild heraus: „Sie ist ein Engel des Himmels, nichts als reiner, Gott geweihter Klang und Ton! — Licht und Sternbild alles Gesanges!" — Und dabei standen ihm Tränen in den Augen. Man mußte sich erinnern, daß vor einer Stunde von einer berühmten Sängerin gesprochen worden. Es wurde ein Hasenbraten verzehrt; ich bemerkte, daß Krespel die Knochen auf seinem Teller vom Fleische sorglich säuberte und genaue Nachfrage nach den Hasenpfoten hielt, die ihm des Professors fünfjähriges Mädchen mit sehr freundlichem Lächeln brachte. Die Kinder hatten überhaupt den Rat schon während des Essens sehr freundlich angeblickt, jetzt standen sie auf und nahten sich ihm, jedoch in scheuer Ehrfurcht und nur auf drei Schritte. „Was soll denn das werden?" dachte ich im Innern. Das Dessert wurde aufge-