SiehenerZamilieMätter Unterhattungsbeilage zum Gießener Anzeiger________ Jahrgang 1932 Montag, den 50. Mai Kummer M Altassyrisch. Von I. V. von Scheffel. Im schwarzen Walfisch zu Askalon Da trank ein Mann drei Tag, Bis daß er steif wie ein Besenstiel Am Marmortische lag. Im schwarzen Walsisch zu Askalon Da sprach der Wirt: „Halt anl Der trinkt von meinem Dattelsaft Mehr als er zahlen kann." Im schwarzen Walsisch zu Askalon Da bracht' der Kellner Schar In Keilschrift auf sechs Ziegelstein Dem Gast die Rechnung dar. Im schwarzen Walfisch zu Askalon Da sprach der Gast: „D weh. Mein bares Geld ging alles drauf Im Lamm zu Ninive!" Im schwarzen Walfisch zu Askalon Da schlug die Uhr halb vier. Da warf der Hausknecht aus Nubierland Den Fremden vor die Tiir. Im schwarzen Walfisch zu Askalon Wird kein Prophet geehrt. Und wer vergnügt dort leben will. Zahlt bar, was er verzehrt. Ein Mann im Saat. Von Per Sch wenzen. Sie haben kein Engagement bekommen — od'er genommen. «Waren lieber in Berlin geblieben, statt einen Vertrag einzugehen, dec einen Nu - schritt bedeutet hätte. Ehrgeiz und Selbstschätzung hatten den Sieg über die Spielmut davongetragen: lieber einen Winter lang m Berlin mi hungrigem Magen aus der Stelle treten, als einen Schritt vorwärts tun. So hatte dec lange Winter der Entbehrungen und ^Täuschungen begonnen. Mit den endlosen Telephonaten, trügerisch aufflackernden Hoffnungen. Hier eine Filmchance, dort eine Tournee, nichts von allem wa geworden. Fahrten zum Stellennachweis, Fahrten zu seltsamen r in irgendeinem Atelier, mit einem sagenhaften Autor im Hintergiun , in Oppeln oder Aachen eine Konserven- oder Tuchfabrik haben sollte und ganz bestimmt die Uraufführung seiner siebzehn Zeitbilder als n f " u'nbdnes’lagcs, bei einem jener gemütlichen Nachmittage im atteher des Malers, mit Tee und Zigaretten, aus der Stimmung des Galgem Humors, jener vibrierenden Laune, mit der phantasiebegabte .-lensch über Trümmern das Feuerwerk des Witzes und der Idee a , formte sich ein Plan. Ganz aus Eigenem. Und in plötzlicher Em geb ung, aus zurückgedämmter Schaffensfreude sprangen Einfalle ans L'cht f g wie Bälle von einem zum andern, jede malte einen tlemen JJarbf etf darauf. Harmlose, rein formale Einsalle wurden vom 2 l((gemei ; Aktuelle, vom Sentimentalen ins Satirische abgewandelt. , • Decken wurden aus den Schrank, vom Diwan gentzen ■ f P fationen befeuerten den Maler zu bunten Skizzen — der Grimonß oer ^Wern" schrieb herrliche Texte. Kuck - dieser Befcntte■ S>unb - kramte ein paar ausgesuchte Situatiönchen aus seiner letzten - J hell hervor, und der Bedarf an Sketchen war gedeckt. Man schnitt und bemalte große Silhouetten, Kopfe, Versatzstucke nahte'Kostüme. Erwui der Pianist, tastete und wühlte das Klavier nach Einfallen ab meistens aber war es die komische kleine Gillt), die sich irgendeine l Z '"ächligte und mit Krähen und Gliederverrenkungen den Rhythmus fm ein Chanson sand. Das Programm wuchs zusammen. Es wurde Probier. Mit jenem mystischen Eifer, der einen Pfeil ms Blaue niemand wußte einstweilen, wo man überhaupt >P'^" Man s tz eine Hosfnungen aus Gerda. Gerda kannte einen Rechtsanwalt, der per sonlich mit einem Kabarettbesitzer befreundet war. Also bitte. Wenn d keine Basis ist .. Es war eine Basis! Er überließ dem literarischen Kabarett" seine Kunslstätte, die abends ein Programm mit Zillertaler Schrammelmusik, Bauchredner und sechs „Paradiesgirls" abwickelte, für eine Reihe Nachtvorstellungen. Ein allgemeiner 'Kassensturz ergab den Betriebsfonds von 56M Mark. Er wurde in einem Jnferat.und in 1000 Handzetteln angelegt. Dann stieg die Premiere. Die Presse kam, lobte und tadelte, die Verwandten tarnen und lobten, die Kollegen tarnen und tadelten. Es war eine richtige Großsladtpremiere. Drei Tage füllten die Loder und Tadeler so einigermaßen den Saal. Dann war Schluß. Die Handzettel lagen in der Garderobe aus dem Schrant, man hatte kein Geld mehr, Verteiler zu engagieren. Gerda, Lotte und Werner machten sich mit dem Werbematerial auf den Weg. Nach zwei Stunden Wirksamkeit landeten sie auf dem Polizeirevier und erhielten wegen unangemeldeten Zettelverteilens in einer Straße erster Ordnung die erste Ordnungsstrafe ihres Lebens. Für die Mädchen war es jedenfalls der erste Zu- sammenstoß mit dem Staatsschiff. Werner hatte die Staatsräson in desseren Zeiten schon verschiedentlich mit seinem Motorrad durchkreuzt. Die vierte Vorstellung ging noch einigermaßen. Ein Dutzend Freiberger applaudierten stürmisch. Die Ober und der Direktor blickten sinsker drein. Der Konsum war skandaläs. Sieben Helle. Zwei davon mußte das Ensemble bezahlen. Ganz schlimm aber war es am fünften Abend. Die Vorstellung sollte um 24 Uhr beginnen. Die Mitglieder saßen in den ©arba-oben und zogen sich an. Alle fünf Minuten läutete Werner zur Stoffe” munter. Doch, ein Herr sei gekommen. Er habe bereits Wein bestellt. Teufel! Also mußte man spielen! Schon war der Krach da. Vor eine m Mann? Ausgeschlossen, schrien die einen. Erst recht, meinten die anderen. Der Maler, von Haus weniger an Publikum gewöhnt, schrie erbittert, Publikum sei überhaupt nur ein notwendiges Hebet, er, als wahrer Künstler, werde das Programm alleine fingen und tanzen, wenn die anderen kneifen wollten! Lifst) warf ihm die Puderguaste ins Gesicht und entschied: „Kinder, sehen wir uns den Knaben erst mal an!" Drängen und Flüstern hinterm Vorhang, Kampf am Guckloch. Der „Knabe" hatte weiße Haare und 180 Pfund. Erwin stellte eine idiotische Unterlippe fest. Gerda sand ihn bezaubernd. Cilly sagte: „Den habe ich gestern in der El-Bahn gesehen. Der ist meinetwegen gekommen. Es wird gespielt." Woraufhin Gerda seine Unterlippe ebenfalls idiotisch sand. Plötzlich lachte dec Mann im Saal laut und herzlich auf. „Bariton" sagte Gerda. „'Angenehmes Organ", ergänzte Cilly. Dec Mann da unten klatschte in die Hände. Das Ensemble hinter dem Vorhang lachte schallend auf. Der Mann im Saal ries: „Vielleicht kommen Sie erst mal herunter, meine Herrschaften, damit wir uns näher bekanntmachen. Sonst fürchte ich mich vor der Uebermacht." Acht Künstler fliegen ins Parkett. Acht Gläser und drei Flaschen erschienen auf dem Tisch. Werner ging zum Schaltraum und buittelte den Saal ab. Man saß gemütlicher beim Schein der kleinen Tischlampe. „Urgemütlich hier", sagte der Fremde, „ich bin nämlich von Beruf Familien- vater. Zu Hause in M. habe ich acht Kinder." Die Rampenlichter starrten wie aufgecissene Augen auf den Vorhang. ■ Beim dritten Glase taufte Cilly den Fremden „Papa . Aber Papa Publikum zeigte sich bald als echter Shylock. Er steckte sich sein Billett, sein bezahltes Billett ins Knopfloch und bestand auf seinem Schein. Er verlangte das Programm. Was, vor diesen 300 leeren Stühlen?" "Nein, vor einem Mann und 299 leeren Stühlen. Wieviel Stühle, glaubt ihr, ist ein dankbarer Mensch wert? Fangt an!" Seltsam. Plötzlich waren alle von einem ausgesprochenen Lampen- fieher befallen Dieser Mann mit seiner freundlichen Heberlegenheit saß wie auf dreihundert Stühlen. Alle fühlten: der hat ja viel mehr Heiterkeit, der ist viel unbeschwerter als wir alle acht zusammen! Jeder fand einen anderen Grund, warum eben er nicht anfangen könne. , Na, dann trinken wir erst noch ein Glas." Und sie tranken noch ein Glas. , ... Und nun fangen wir an , sagte der Fremde und ging auf die Bühne Er nahm eine Geige,, eine unsichtbare Geige aus der Luft und spielte darauf. Bei Gott! Zarte, zitternde Geigentöne! Er griff in die Luft fand die Tastatur einer imaginären Ziehharmonika, prüfte und probierte unwillig und brachte mit heulenden Tönxn eines asthmatischen Balges alle ins Lachen. Zum Schluß fang er einen „Gassenhauer aus bein 17. Jahrhundert". Alle waren begeistert. Und waren sie vorhin noch gehemmt, so drängten jetzt alle auf die Bühne. Hinauf und hinunter über die Rampe, eine ausgelassene Vorstellung ober Probe das mnr nicht zu unterscheiden. Der Papa im Parkett lachte und applaudierte und salzte die Nummern mit schlagenden Regieanmerkungen. Als der Kellner auf Zahlung drängle, gab er zum Abschied seine Adresse. Ich sagte Ihnen schon, daß ist zu Hause acht Kinder habe. Diese acht treten allabendlich in meinem Lokal „Die Wiege" auf, der erften Kleinkunstbühne in M. Aber nur bis Ende des Monats. Dann nehme ich wieder acht neue Kinder. Zum Beispiel euch, wenn ihr Lust habt und nicht zu teuer seid. Darüber morgen. Um 12 Uhr erwarte I ich eure Abordnung im Esplanade. Guten Morgen, Kmder ..." Vom größten Büchernarren. Von Corl Georg von Maaßen. ^eder Büchersreund, der von einer mehr als gewöhnlichen Leidenschaft ,u den Büchern gepackt wird, läuft Gesahr, von seinen Zeitgenossen für einen Sonderling gehalten zu werden. Es ist auch nicht zu leugnen, daß so mancher Verehrer der Erzeugnisse der edlen Buchdruckerkunst von seiner Liebhaberei derartig gefesselt und in Anspruch genommen wird, daß er alle Sorgen um sein irdisches Dasein vergißt, ja, daß ihm der I Sinn für das bürgerliche Leben und dessen Forderungen völlig abhanden kommt. Die Geschichte der Bibliophilie weist zahlreiche Beispiele h>er- Einer der merkwürdigsten Bibliomancn, vielleicht sogar der merk- I würdigste von ihnen, war der italienische Gelehrte Antonio Magliabecchi. I (£r würde am 2». Oktober 1633 als Kind armer Eltern zu Florenz geboren und erlernte anfangs das Goldschmiedehandwerk, dem er aber I keinen Geschmack abgewinnen konnte. Seine große Liebe zu den Buchern I zog ihn zum Studium der Literaturgeschichte. Da er ein ausgezeichnetes Gedächtnis besaß, so uermochte er sich im Lause der Zeit einen Schatz I bedeutender Kenntnisse zu erwerben, die ihn befähigten, mit den größten I Gelehrten M'Gedankenaustausch zu treten. Er stand mit ihnen m be- I ständigem Brieswechsel und erfreute sich seines erstaunlichen Wissens wegen eines großen Ansehens. Targioni gab im Jahre 1745 den Brief- I wechsel des schreibfrohen Mannes in fünf Bänden heraus. Im Jahre I 1673 hatte ihn der Großherzog Cosimo III. de Medici zu seinem Bibliothekar ernannt, lieber die höchst eigenartige Lebensweise dieses einzig- j artigen Sonderlings liegen uns eine Reihe zeitgenössischer Zeugnisse vor, von denen wir einige der interessantesten hier mitteilen wollen. I Heinrich Bartsch besuchte dieses gelehrte Original im Fruchahr des Jahres 1692 und berichtet darüber: „Zu Florenz war ich an den berühmten Bibliothekar Magliabecchi von Herrn Professor Schurzfleisch rekommendiert, welcher mich gut ausnahm und mir und meinen Ge- I führten ungemeine Höflichkeiten erwies. Er ist drei ganze Tage mit uns I hcrumgelaufen und hat uns alle Memorabilia, infonderheft die groß- I herzogliche Bibliothek gezeigt. Endlich führte er uns auch in feine eigene Bibliothek. Darinne sah es gar wunderlich aus und habe niemals eine I solche Unordnung gesehen, werde sie auch nicht wieder sehen. Der Mann I lebt ganz allein, er hat keine Frau, Magd ober Jungen, sondern laßt sein Essen bei den Nachbarn zurichten. In seinem Hause (in dei«Gasse della Scala, hinter der Dominikaner-Kirche) findet man nichts als Bücher. Alle feine Mobilien bestehen aus sechs Stühlen (auf welchen Bucher liegen) und aus einer Matratze, auf der er schläft. Wenn man ins Vor- I Haus kommt, liegen Bücher, eins über das andere, fast bis an den Balken, fo daß nur ein Gang für eine Person gelassen ist. So sieht es auch in ' den anderen Kammern aus. Die Treppe ist gleichfalls mit Büchern belegt, fo daß man oft auf dieselben treten muß. Der Stall ist voll Bücher. Im Hofe steht ein Brunnen, auf dessen Rande rund umher Bücher liegen. Und doch weiß er auch das geringste Buch sogleich zu finden. Sein Geld, was er hat, erstreckt sich nicht über 20 Skudi, und das liegt zerstreut zwischen den Büchern. Kommt ein Bettler, so schickt er ihn zuweilen an den Tisch und sagt, er soll nehmen, was er findet. Er hat in feinem Hause gern noch einmal so viel Bücher, als auf der großherzoglichen Bibliothek zu finden sind. Bei dem Großherzog ist er sehr gelitten und kann von ihm so viel Geld bekommen als er will. Aber er achtet kein Geld, es sei denn, Bücher dafür zu kaufen. Schnupftabak ist feine größte Delikateffe, welches wir schon erfahren hatten, deswegen wir alle Tage eine Dose füllten, welche auch aufging. Davon hat er sich die ungeheuere Nase fo verdorben, daß sie aussieht wie ein ungefegter Schornstein. Wenn wir diefes und jenes fragten, fo dis- curierte er so lange und so vehement, daß ihm das Maul schäumte. Er redet schlecht Latein, darum er schwer dazu zu bringen ist, sondern meist italienisch." Ein anderer deutscher Reisender, Heinrich von Huyssen, erzählt von ihm in seiner „Curieusen und vollständigen Reisebeschreibung von ganz Italien (1701): Magliabecchi lebt auf eine ganz besondere Weise und recht als ein Philosophus. Er speiset wenig und beinahe nichts als Eier, und schläft des Nachts nur drei bis vier Stunden, und zwar nicht im Bette, sondern mitten unter seinen Büchern, auf welche er feine ganze Besoldung und alles, was er geschenkt bekömmt, verwendet. Seine Zeit bringt er mit Studien und Correspondenz zu. Den Schnupstabak liebt er über alles, und ob ihm des Mißbrauches wegen der Großherzog denselben gleich verboten hat, leidet er doch keinen Mangel daran, weil es die Fremden wissen, die ihm stets gefüllte Dosen bieten. Er sollte ein Goldschmied werden, hatte dazu aber keine Luft und ergriff das Studieren. Darinne hat er es nun so weit gebracht, daß er genennet wird ambulans Bibliotheka* und dergleichen. Sein Gedächtnis ist ganz vor- trefflid) und so herrlich, daß er alle seifte Bücher, sowie die in der Bibliothek sogleich zu finden weiß, ob sie gleich in verschiedenen Kammern, auf der Galerie, der Treppe ufw. liegen." Auch Johann George Keyßler bringt in feiner berühmten Reisebe- fchreibung (1729) einige interessante Züge zu diesem Bilde und berichtet: „Er hatte ein ganz -vortreffliches Gedächtnis. Die Jesuiten, die er gar nicht leiden konnte, waren ihm sehr feind. In feiner Bibliothek sah es sehr unordentlich aus und der übermäßige Gebrauch des Schnupftabaks brachte seinen Büchern keinen Vorteil. Eier waren seine vornehmste Kost, und da ihm die auseinander gelegten Bücher auch statt des Tisches dienen mußten, so sahen dieselben oft gar fein darnach aus. Seine Nägel hielt er immer in solchem Stande, daß er einen guten Harfenspieler hätte abgeben können. Die Hemden behielt er, solange es nur gehen wollte, auf dem Leibe." Seine Feinde übertrieben es in der Schilderung feiner Person und seiner Gewohnheiten. Der Ritter Marmi aber, der ihn ganz genau kannte, und mit ihm vertraut umging, Jagt in seinem Elogio di Magliabecchi im „Giornale de Letterati d’Itaha“: * wandelnde Bibliothek. • • Er war klein von Statur, trug den Kopf stets auf ine Imke Seite ge. bogen, hatte kleine, graue, stark hervortretende Augen, eine große und weite Nase, eine nicht allzu hohe runzlichte Stirn und einen stets ossen stehenden Mund. Er war bürgerlich, aber ein wenig altväterlich ge- kleidet" — Daß die Bücher in seinem Haus übereinander lagen, sagt er audr „Sein Tisch war ein kleiner Stuhl von geslochtenem Stroh auf einem andern schlief er mitten unter seinen Büchern, die schickstweise um ihn her aufgetürmt lagen. Er wohnte ganz allem und hatte keine Diener." Magliabecchi selbst pflegte im Hinblick auf feine ihm ch lieben Bücher zu fagen: „Optimi consultores mortui (die besten Ratgeber sind die Toten). ,, „ , Von allen Seiten nahm man Zuflucht zu ihm, wenn man „lat gebrauchte wie zu einem Orakel. Und worüber man auch Auskunft begehrte man erhielt sie. Magliabecchi las alles, was er bekommen konnte, und meinte, aus jedem Buch fei etwas zu lernen. (£r ertrug feinen Zwang und der Großherzog, der ihn darin kannte, schrieb lebcsma eigenhändig an ihn, wenn er etwas von ihm wünschte. Kaiser und Papst begehrten ihn in ihrem Dienst zu haben, aber Magliabecchi bheb seinem ^GMaTjebe Nacht so lange, bis er auf einem Stuhl darüber einschlief oder er warf sich völlig angekleidet aufs Lager. Dabei geschah es einmal, daß ihm der Kohlentopf, woran er sich zu warmen pflegte, aufs Bett fiel und es ansteckte. Er erwachte erst, als die Decken und die darauf liegenden Bücher in Hellen Flammen standen. Diesen Kohlentopf trug er ständig mit sich herum und verbrannte sich häufig Hande und Kleider daran, wodurch fein Aussehen sich nicht gerade verschonte. Im Jahre 1708 erkrankte er so schwer, daß ihn Prinz Ferdinand in den großherzoglichen Palast bringen ließ und ihm schöne Zimmer nebst einigen "Dienern zur Verfügung stellte. Aber diese Umgebung gefiel dem sonderbaren Heiligen nicht, und er floh in seine Einsamkeit zurück. Als das Alter ihn hinsällia machte, zog er sich in ein Kloster zurück und über- gab seine Bibliothek dem öffentlichen Gebrauch. Nach feinem Tode wurde sie mit der großherzoglichen Bibliothek vereinigt. Er starb am 2. Ium 1714. Als Gast in einem japanischen Hans. Altes und neues Familienleben in Japan. Bon Dr. Erwin Stranik. Wenn ein Fremder in diesen Tagen als Gast in ein vornehmes japanisches Haus geladen wird, so bedeutet dies eine besondere Ehre. Nicht deshalb bloß, weil gegenwärtig alle Gemüter hier im Osten von i Krieg und Sorge um die Truppen, die in China und der Mandschurei kämpfen, erfüllt sind, sondern auch darum, weil der Japaner für gewöhnlich den Europäer nur nach europäischen Regeln empfängt, sein japanisches Zeremoniell aber bloß seinen Landsleuten gegenüber in Anwendung bringt. Diesmal jedoch wird eine Ausnahme von der Regel gemacht. Der Besuch soll auf ganz japanische Art erfolgen. Schon sind die kleinen Päckchen mit Geschenken gekauft, die man mitzubringen hat, um sich, — nicht beim Eintritt in das Haus des Gastgebers, sondern, ehe man wieder scheidet, für die genoffene Aufmerksamkeit zu bedanken. — Zwei Diener warten im Vestibül, kaum daß man dem Auto entfliegen ist und sich die Türen zur kleinen Vorhalle geöffnet haben, kniet bereits der eine der Domestiken nieder und hilft einem, die Schuhe von den Füßen zu streifen. Nur auf Socken betritt man die Zimmer. Erst im zweiten der winzig schmalen, bloß durch papierene Sbojis (Zwischenwände) getrennten Räume nimmt man den Hut vom Kopf. Dann noch ein paar Schrille über die weichen, völlig den gestampften Lehmboden bedeckenden Matten und man ist im Hauptraum angelangt. Vergeblich blickt man sich nach dem um, was man in Europa als „Einrichtung" zu bezeichnen pflegt. Das ganze Zimmer enthält eigentllch nicht mehr als an den Wänden einige Truhen, in denen Kleider, Geschirre und sonstige für den Haushalt nötige Gegenstände verwahrt werden, in einer Ecke liegen etwa ein Dutzend Polster, davor erhebt sich ein niedriges Tischchen, — bestimmt, hier die „Chanoyu", die Teezeremonie, zu vollziehen. Ein Byobu (Fallschirm) trennt einen weiteren Raum von diesem ab. Er scheint für die Gattin des Hauses bestimmt zu sein, denn man erblickt eine Tokonoma, eine Schmucknische, geziert mit mehreren Porzellanvasen aus Kutani oder von Kyomizu. Auch einige Ha- naites (Blumenvasen) fehlen nicht; Blumen finden sich ja in jedem japanischen Haus und sie gehören mit zu dem Seltsamsten, was der Orient zu bieten hat. Die japanischen Gärtner verstehen nämlich sogar Bäume in winzigen Formen zu ziehen, daß sie noch nach vielen Jahren I Zwerge sind und nicht höher als etwa einem halben Meter wachsen. Jetzt betritt der Herr des Hauses das Zimmer. Er und der Gast I verbeugen sich so tief, daß ihre Stirnen beinahe die Knie berühren. Die Hände sind über der Brust gekreuzt. Noch ist kein Wort gesprochen. I Dann erst hebt die blumige Rede an und hundertfache Versicherungen, wie unendlich die Ehre sei, die man jetzt zu geben ober zu empfangen 1 sich anschicke, werden gewechselt. Als auch dieser Form der Höflichkeil Genüge getan ist, bittet der Gastgeber, auf einem der Polster Platz zu nehmen. Falsch wäre es, zu glauben, daß jetzt der Tee, zu dem man geladen ist, auch schon gereicht würde. Wäre dies der Fall, so zeigte es deutlich, daß dem Herrn des Hauses an seinem Besuche nichts gelegen ist. Denn es ist nicht erlaubt, nachdem man einmal den Tee genossen hat, noch sitzen zu bleiben und das Gespräch sorlzusühren. Das Teetrinken bildet den Abschluß des Beisammenseins, fein Ende ist mit dem Ausbruch gleichbedeutend. Der Gastgeber klatscht in die Hände, ein Diener kommt, doch keine । Tee, wohl aber wartet er geduldig, bis der Fremde das Gespräch beginnt. Es dreht sich in höflicher Form um die Gesundheit des werten japanischen Freundes, man muß sich um die ganze Familie besorgt zeigen und darf niemanden vergeffen, denn dies würde sehr unhöflich fein. Der Gastgeber dankt für die erwiesene Anteilnahme, fragt nun bescheiden auch nach dem Wohlergehen des anderen und erkundigt sich mit Interesse nach dessen Ahnen. Denn da in Japan die Toten immer im Geiste unter den =* 9- °b° uni !|s offen fi nft 9t. . fugt v r°l), au| "chtwch *fe feint 1° litba Ratgeber Mat g(: tunft bt. n fonnte, S feinen jcbtsmni »d Paß b |eintu iber m. i SefM i Pflegte, l und bit oijlenlopl inbe uni önte. ferbinanb mer nebft ,efiel btm iriief. Ai mb üben; be mürbe1 Juni 1714. lornefjmes, ere Ehn Offen » anbfrffutei r für ge= ängf, fei"! ’nüber in' mcht. I» ic fleinti m sich. -1 ian miebet oei ®ien(t, t und : । her fi®! Füßen i« । weiten t*1 qetrenntf ir Schn«' cn Mn«" iuropo al* t tW* leiber. * M»rt«S erhebt B leezcttE ren nt M ■ mit * einige J in < tnas 11 büch'» len 3*' ;•*»[ berübl' gesproch' Ä ..Hintz { »Ä -rfj* Kk fc-benben weifen, und man mit ihnen genau so zu verteilten gewohnt i wie mit den anderen Familienangehörigen, so wäre es unstatthaft, I rer anläßlich eines Besuches nicht zu gebenfen. Der Gastgeber flatscht in bie Hände, ein Deiner kommt, boch feine äorte werben gewechselt. Er weiß, was die Gesten seines Herrn zu Leuten haben: bie Frau des Hauses wirb erwartet. Als sie ins Zimmer i(t — in einen Kimono gehüllt, der bestimmt nicht aus JEfuya Ofudas iaßschneiderei stammt, sondern in Wahl der Farbe und Schmiegsamkeit ;,6 Schnittes geradezu individuelles Wesen widerspiegelt, erheben sich c Männer nicht von ihren Plätzen. Wohl aber beugt sich ihrerseits ie Dame so tief wie möglich zu Boden und wartet, bis ihr der Gatte ien Platz an seiner Seite anweist. Abermals muh das Gespräch erst einige sormelle Klippen umschissen, ne es in geloctertere Formen übergeht. Man ahnt, was den Fremden (in meisten am Herzen liegt, und so verzeiht man die Neugierde, die !»nst in Japan über alles geächtet wird. Und weil der Gast nicht zu -aqen wagt, errät man, was er wissen will. Der Gastgeber selber be* linnt zu erzählen: „Das", sagt er, „was Sie jetzt erleben, finden Sie atiirlict) nicht mehr in jedem japanischen Haus. Es ist auch nicht möglich, itffere alte Familientradition in dem gleichen hohen Sinne aufrechtzuer- inlten, wie wir dies taten, ehe wir bie europäische Zivilisation und Technik übernahmen. Das soll keinen Vorwurf gegen Europa enthalten, i nein, aber die Industrialisierung unseres Landes hat eine völlige Um- ellung der Lebensgewohnheiten mit sich gebracht, die sich besonders Mit dem Eintritt der allgemeinen Weltwirtschaftskrise noch wesentlich verstärkte. Sehen Sie, früher war es in Japan der Mann als das Ober- Inupt der Familie, der auch wirklich für das ganze Haus forgte. Er er* führte und kleidete nicht nur feine Frau und seine Kinder, sondern auch i»inc und ihre Eltern, wenn diese alt geworden waren, und auch alle Innen Anverwandten. Dafür war man ihm Gehorsam in allen Dingen . chuldig, und fein Wort galt als unumstößlicher Rechtsanspruch inner* Lwlb ber Gemarkungen seines Heimes. Dann kamen bie Fabriken unb . nit ihnen bie Notwenbigkeit, daß Männer unb Frauen einem geson- lerten Verbienst nachgingen, um mit bem Lohn ihr Auskommen zu linden. Sobald aber die Gattin das Haus verließ und zu einer (elb* r Itänbig Erwerbenden wurde, hatte ber Mann kein Recht mehr, Hoheits- ikchte über sie auszuüben. Und gar in diesen letzten Jahren, in denen i is auch bei uns oft vorkomml, daß die Männer ohne Arbeit sind, bie I grauen aber, weil sie minber entlohnt werben, noch Beschäftigung finben i unb so von sich aus eigentlich die Familie erhalten ist es ganz un* l möglich, weiterhin altjapanijche Forderungen nach Zucht und bitte ! '^gfn'uebriges tut außerdem die Politik. Unsere jungen Burschen und | Mädchen studieren sehr gerne, und an den Universitäten wird gar oft I liir einen intellektuellen Kommunismus Propaganda gemacht der sich 1 unliebsam unter uns, die noch alten Gewohnheiten anhangen, bemerkbar nacht. Es kommt nicht selten vor, daß die jungen Leute, zu Geheim- Minben zusammengeschlossen, ganz offensichtlich Revolutionen nach russi- sichern Muster prebigen unb alles, was wir bisher taten und forderten f ■ mit nicht mehr als einem ironischen Achselzucken abtun. B'elleicht ist I Ihnen schon aufgefallen, daß wir in Tokio äußerst sntelligente Autobus- ! iinb Straßenbahnschaffnerinnen haben. Das sind meist Studentinnen ost I Rinder hervorragender Familien, bie nun ben kommunistischen Idealen I ljulbigen unb auf biefe Weise, indem sie sich in einfachen Berufen be* I tätigen, Verbindung mit den Arbeitern suche», um auch lene gegen bas | sirrschenbe Regime aufzustacheln. Zwar hat der eben ausgebrochene V Krieg die Gärung im Innern wieder ein wenig gedampft, allein dl Zukunft Japans ift gewiß nicht eine solche wie mit äfften ff1 I sie,em Hause begegnen. Doch genug von solchen Gedanken Hassen mir I iah die guten Eigenschaften unserer Ahnen in den Seelen unserer Kinder I überwiegen unb bie bösen Triebe nicht zu stark werben lassen, .. b hnen ber Weg zum Nirwana nicht burch allzuviele Leben verschlossen I "le'l)er Gastgeber senkt ein wenig sein Haupt. Der Blick in bie Zukunft I >nt ihn sichtlich ergriffen, unb seine Gattin mochte, daß ihr Gemahl t wieder lächle. So fragt sie mit sanfter Stimme, ob es den Herren mel- I eicht angenehm sei, ein altjapanisches Lied zu hören. S> A I »eher fingen noch spielen, aber sie wolle boch versuchen, w I chwachen Kräften ftünbe. Da lächelt ber Gatte bereits wieber 1unt. ofet | durch einen Diener ben Koto bringen, jenes alte. |°PQ",fd’un? bann I infirument, bas einst nur Prinzessinnen erlernen burftem Und dann I Ichwingt eine zarte zirpende Stimme durch den Raum, mela ch Ich | geben, unb bie Saiten tönen bazu wie Harfenklang. a-hnnnnu »alb ist auch bas Lieb vorbei, es wird Abend und Zell, die ^hanoyu. | bie Teezeremonie, zu beginnen. Aus einer Chmre f^eur ) P oerifierter Tee genommen, ein Diener bringt das ^amPf in das die Hausfrau einige Chawan (leefrumen) wirf . starker, bitterer Tee gebraut. Als er in den Schälchen bampst sieht er raff schwärzlich aus. Ihn genießen, heißt mit dem Feuer in Berührung '“‘man darf nicht viel nehmen, nur nippen, ^tzt sind »uch schon bw Rogos, die Döschen für Räucherwerk geöffnet und verstromen rnuoe Düste. Der Gast erhebt sich unb greift nach ben "emen Päckchen m 6en Geschenken. Ehe er an der Tür anlangt, aber feh°U' uachoem e , ) unzählige Male für die erwiesene Gastfreundschaft beban t und ber f Seber seinerseits erklärt hat, baß die Ehre ganz auf ferner -eit g swesen fei, überreicht er, was er mitfarad)te. Der 11 g on Z)er Srau nehmen bie Geschenke in Empfang unb sehen sie n ) njrembe schlüpft in seine Schuhe unb verlaßt bas Ha - Dann ist Adenb über ber Stabt, ein fe«|am .ffeUer »benb Unb man Sjaubt, daß das, was sich eben ereignete, 6^ u,cht wirklich geweftn^^. ®ar man tatsächlich bei diesem japanischen Edlen zu «fßq- e5 ?« die Romantik, die zauberhafte Fremdheit bloß geträumt? Aber es nst boch alles wahr und Wirklichkeit. Unb ine Warte des Gastgev i»e von Wirtschaftskrise, Zertrümmerung der alten uamilientrad r n t -und Gärung unter der Jugend erzählen, weisen ernst und klar m I Zukunft. Oer Fischer. Von I. W. von Goethe. Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll, Ein Fischer saß daran, Sah nach dem Angel ruhevoll, Kühl bis ans Herz hinan. Und wie er sitzt und wie er lauscht, ' Teilt sich die Flut empor; Aus dem bewegten Wasser rauscht Ein feuchtxs Weib hervor. Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm: „Was lockst du meine Brut Mit Menschenwitz unix Menschenlist Hinauf in Todesglut? Ach, wüßtest du, wie's Fisehlein ist So wohlig aus dem Grund, Du stiegst herunter, wie du bist, Und würdest erst gesund. Labt sich die liebe Sonne nicht, Der Mond sich nicht im Meer? Kehrt wellenatmend ihr Gesicht Nicht doppelt schöner her? Lockt dich der tiefe Himmel nicht, Das feuchtverklärte Blau? Lockt sich dein eigen Angesicht Nicht her in ewgen Tgu?" Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll, Netzt ihm den nackten Fuß; Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll Wie bei der Liebsten Gruß. Sie sprach zu ihm, sie fang zm ihm; Da war’s um ihn gescheh»: Halb zog sie ihn, halb sank er hin Und ward nicht mehr gesehn. Oie pariser. Roman von Alfred Bock. (Fortfetzung.) Trotz seines Gebrechens achtete er mit größter Aufmerksamkeit auf seine Umgebung, er grübelte über die Menschen nach unb formte sich ihr Charakterbilb. Die Kenntnisse, bie er sich in ber Anstalt erworben, haben ihn weit über bie bäuerliche Gesellschaft hinaus. Doch lieh er das feinen empfinden. Seine größte Freude war, wenn er bie, die feinen Rat begehrten, aufklären und belehren konnte. Vor vielen feiner Leidensgefährten dünkte er sich begnadet, weil er in seiner Kindheit einen Lichtschein gehabt unb bie Erinnerung an bie Pracht der Farben, an Sonne, Monb unb Sterne, vor allem an Gestalt unb Gesichtszuge ber Menschen in sich trug. , Auch ber Annegret schmales Kinbergesichtchen ftanb noch vor seiner Seele. Wie sie in ber Blüte ihrer Jahre ausschaute, wußte er nicht, aber glückselig, ja anbädjtig lauschte er ihrer Stimme. An deren tieferem, vollerem Klang merkte er eines Tages, daß etwas Neues, Außerordentliches in ihr Leben getreten war. Biel später erst erfuhr er, daß sie mit bem Spechtskarl ging. Wie bie Dinge im Dorf vor der Wahl sich zugespitzt hatten, mar ihm bekannt. Und die Sorge lieh ihn nicht los, daß der Annegret aus der Liebschaft Leid erwachse. In schlaslofen Nächten ging er mit sich zu Rate, wie er die Freundin davor bewahren könne. Doch wohl am besten, wenn er sie offen verwarnte. Das nahm er sich vor und schob es zaghaft von einem zum andern Male auf. Gu'n Tag, Annegret!" rief er der Jugendgefährtin entgegen, deren Kommen ihm schon der Hall ihrer Schritte auf dem Flur verraten hatte. „Gu'n Tag, Franz. Bist fleißig?" „’s passiert*." „Arbeit macht bas Leben süß." „ „Ich sag' als: wer net schassen will, darf net schmieren. "Du schaffst für zwei." ’s is net so schlimm." Sie öffnete ihren Korb und stellte ein mächtiges Stück Kuchen »t>< was ich dir bring’." schon, Bloß**." ihn hin. „Rat' emal, Er lächelte. „Ich riech's „Richtig. „Großen Dank! „Probier'n emal. Warrn schmeckt er de beft. Er hob bie Hanb. „Später. Alleweil geht nix an mich. ,'Was is dir dann?" fragte sie besorgt Ich bin ein wink beneben. ’s is biefen Morgen ein Mann vom Eichten- hof"bier gewest Meine Schwester is beim Wassertragen ohnmächtig zu- sammengestürzt unb hat sich gar net erholen können. Zufällig war ber Dokter ba Der hat sich weiter net ausgesprochen, hat nur cerorbeniert, daß sie in bie Stabt i.ns Krankenhaus sollt’." Ei, bas fein ja böse Sachen", sagte die Annegret teilnahmsvoll. "Ja, böse Sachen", wiederholte er. ,,Ich hab’ als gemeint, die Lene is kerngesund. Das war sie auch bis norm Jahr, wo sie in die H'tz Hinern getrunken hat."Seit bere Zeit macht ihr ber Magen zu schassen." * Es geht an. ** Kuchen. der Schmidtkonrad, „he wird fdjom „Hab' nur Geduld", erwiderte kommen." an freundes nicht vergessen. .Schwätz emal von der Färb', die VIII. bin Eck Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Perlag. Prühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, 2i. Lange, Gietzen. t tt tt-i" heilen. Grübeln, verdächtigen. Liebschaft. Haß. bevormunden. Im ungewissen. leicht seine gliick- Sie brach ab. Man sah's ihr an, das Bekenntnis war ihr nicht geworden. Da der Franz schwieg, stand sie auf und legte die Hand aus Schulter. „Latz mich net im Strandel stehn-ff-f. Glaubst du etz, datz ich Ain Spritzenhaus war ein Zettel angeschlagen, auf dem mit Blau- "stist gut leserlich geschrieben ftanb: „Heut abend 8 Uhr findet im Gasthaus ,Zum Lamm' eine Wähler- versammlung statt, wozu alle wahlberechtigten Ortsbürger eingeladen werden." Die 'Aufforderung ging von den Parisern aus, das war allgemein bekannt. Schon vor der festgesetzten Zeit satzen in der unteren Wirtsstube der Bornschorsch, der Schusterjakob und der Stoffel im Stiimpcheseck bei- sammen. Zu ihnen hatte sich der Salomon Levi gesellt, der mit Fellen handelte und nebenbei ein Spezereiwarengeschast betrieb. Er war unter ben Bauern wohlgelitten. Der Schalk guckte ihn! aus den Augen heraus, und er hatte immer ein paar gute Witze parat, die schallendes Gelächter erregten. Um die Wahlhändel kümmerte er sich nicht, weil er es mit * Geld. ** toujours, immer. *** den Vorzug. schulz, „aber manchem devon." „'s kann Bürgermeister werden, wer will, die Steuern schasst ferne« net ab", sagte der Schreiner Maus vom Lindenplatz. „Die Steuern sein nötig", belehrte ihn der Möhlsheinrich. „Stu müssen nur gerecht verteilt werden." „Du reicher Bannes mutzt's ja wissen", fuhr- der Eckschulz.auf. „£>' fährst mit vier Ochsen, dein Bub' is majorenn und bezahlt kein' PenKinp Steuern. Mein Jung herentgegen muh für die paar Nickel bluten, die e> sich sauer verdient." ><- „Die reichen Bauern haben buschur" das Prä***", bemerkte ein alte« Holzmacher mit braunem, runzligem Gesicht. „Mach' du dich doch net mehlig", wandte sich der Möhtsheinrnt gegen ihn, „du seist ja so dumm wie die Rächt" (Fortsetzung folgt.) lich sein?" „Wann's dein Glück is", sagte er leise, „ich gunn dtr's von Herzen." Aus dem Heimweg sann die Annegret den Worten des Blinden nach. Wo so ein Hatz in der Familie steckt, hatte er gesprochen, geht er ins Blut und erbt sich fort. Da war gewitz etwas.Wahres dran. Aber Zeit und Umstände änderten viel. Und widerlegte der Franz sich nicht selbst, da er gesagt hatte: die Menschen sind wlle verschieden, jeder will in seiner Art verstanden sein. Der Karl hatte keine Galle im Blut. Auch seine Mutter kam ihr freundlich entgegen. Ein Lächeln glitt über ihr Gesicht. Seiner Treuheit ungeachtet war der Franz hier doch ein wenig Partei. Wo sie gewann, befürchtete er zu verlieren Er kognte ohne Sorgen sein. Auch in der glücklichsten Eheschaft würde sie des Jugendentgelten lassen. Du sprichst, wie du's meinst", entgegnete sie. „In btr ist kein Falsch, das'weiß ich. Guck, Franz, wann du an mir was auszusetzen hast, sag's immer nur frei heraus. Ich sein net zimper. Etz über den Karl laß ich nix kommen. Der steht so hoch, datz keine Verbachtlichkeii zu ihm hinaüflangen kann. Und is fest in allem, was er denkt und tut. Und lätzt sich von keinem net bepfärnernf-f. Dem Backhausgeleier nach hätte die Leut' ehnder geglaubt, daß eine Kuh auf Stelzen geht, als daß der Karl und ich einig worden sein. Die Leut' reden gar viel, wann der Tag lang is. Das darf ein' net inschenieren. Ich will dir emal was im geheimen sagen. Daß der Karl sich so gut mit meinem Vater stellt, das red,en ich ihm am höchsten an. Mir tut er's zulieb. Guck, Franz, mein Vater is ein alter Mann. Wann er die Jahr retour guckt, hat er vielleicht manches getan, was er heut net mehr tat. Am End' verhoppaßt sich jedes emal. 's is mein Vater. Und ich weiß, was ich ihm schuldig bin. Daß der Karl und ich.zusammengekommen sein, macht viel wieder glatt. Das hat unser Herrgott im Himmel gewollt." Der Schäserphilipp meinte, man könne derweil einen Solo spielen „Du seist net recht bei Trost", ranzte ihn der Heilmannshenner ----' — x:? heut abend Trumps sein soll." • „Ich wähl' den Alten wieder", erklärte der Schäfer. „Der hat . meisten Schaf' bei der Herd'. Wann he denebig kommt, löst sich oro Schäferei auf, und ich verlier' mein Brot." „Der Melcher hat noch keinem zum Brot verholsen", ries der „Das läßt sich doch wieder ecken*." "Guck'^Osprach Äe° Annegret, fid) auf einen Schemel niederlassend. Da is die Schulfrau. Dere ihr Leben hat an einem psadchen gehangen. Etz hat sie's gepackt. Sie is fieberfrei und nimmt auch wieder Rah- tUll935ne5 dann wirklich wahr?" fragte er sichtbar erfreut. , „’s is wahr. Gest' abend Hais der Spechtskarl, aus m Schulhaus 9ebe?troar das erstemal, daß sie den Namen des Liebsten in seiner Gegeiiwart nannte. Jetzt, schoß es ihm durch den Kops, mutzte er die Gelegenheit nutzen und sprechen. Eine Weile schwieg er, bann sing er an: Weil du gerat)’ den Spechtskarl genannt hast, will id) bog emal was mit dir schwätzen. Guck, Annegret, wann ich von emern schlecht denken soll, muß er schon arg verrüchtigt sein Die Menschen sind ,a auch all' verschieden. Was der eine alterniert, verlacht der andre. Und wie einer is, so tut er. Und will jeder nach seiner Art verstanden fein. Mir wird viel zugetragen. Kannst mir's glauben, mehr wie mir lieb is. Und entschnappt mir so leicht nix. Das Simelieren** wird unjereinem zur zweiten Natur. Daß der Spechtskarl nach dir geht, weiß ich schon lang. Und hab’ mid) gefragt, was dadebei herausspringen soll Gott soll mich behüten, daß ich den Karl oerklabaster'***. Ich setz’ den Fall, er tut net tanzen wie seine Mutter pfeift, und läßt sich net als Schuhspitzengucker brauchen, der Nachgang"** könnt' ihn doch gereuen. Dann wo so ein Hassertf in der Familie steckt, geht er ins Blut und erbt sich fort. Und hat «ft einer den besten Willen. Und kann net. Und 's reißt ihn mit, er weiß net wie. Meine Sag' is: Vorbedacht, was nach könnt' kommen, hat manchem großes Leib genommen. Der Acker, ben bu mit bem Spechtskarl pflügst, babrauf wirb schwerlich was Gutes wachsen. Wahrenb der Franz also seine marnenbe Stimme erhob, saß bie Annegret regungslos ba. Hätte sonst jemanb im Dorf gewagt, sich in ihre Herzensangelegenheit zu mischen, sie wäre in Feuer unb Flamme geraten. Der Franz genoß besonbere Rechte. Bei bem floß olles aus treuem Gemüt. Unb wenn er ihr jetzt auch wehgetan hatte, sie burst's ihn nicht keiner Partei verderben wollte. Beiläufig erwähnte er heut, er gedenke b°'",K^uzgeuütter"^r?ef der Bornschorsch, „was willst du dann in dE’js ein Verwandtes von mir da gestorben", versetzte der Salomon, „und ich bin von wegen der Verlassenfchaft ans Gericht bestell!. Du sährst in einem Tag hin", sagte der Stössel „ich hab' sellemol vierzehn gebraucht. Dreiundsechzig am dritten $ mgfttag ts meine Lis beth mit ihren Leut' hingemacht, am 14. August sein ich abgedampsi Zuerst nach Köln, dernoch nach Lüttich. Da hat mir keins gesagt, daß ich umsteigen müßt'. Und fuhr statt nach Paris nack) Brussel Etz war guter Rat teuer, dann ich fjatt’ net genug Mops . In Brussel ging ich in eine große Kirch', da war ein Parrer. Dem zeigt ich mein Patz, ße schüttelt den Kopp und sagt': „Je ne comprends pas Das hab ich babenad; noch oft gehört. Und mußt net, was es bedeuten sollt. Ich traf aber doch ein', de/hatt' ein Maul wie ein Advokall Und tat Deutsch und. Französisch durcheinanderschwätzen. Und bracht mich vor die Stadt unix mies mir, wo enaus zu dos Paris lag. Ich macht mich auf d.eLappen und dacht', unser Herrgott verläßt kein Deutschen net. Die Nacht hob ich unter Strohhausen und Hecken geschlafen. Und sein auch emal in. einem Haus eingekehrt, da war Hochzeit. Und krag so viel zu essen, ba® ich für ein paar Tag mein' Ranzen stoppen könnt. Eines Abends seia ich dann richtig nach Paris kommen. Und war em Spektakel, baß ich schier burmelig würd'. Und wollt' gleich wieder eraus. Auf einmal seh ich eins bie Straß' herunterkommen. Unb denk , den kennst du doch. IBid war weiß Gott der Hinkelsfauler aus der Mittelgaff. Gu n Abendl sank' ich, wie tut's dann? 's tut so, spricht er, hier heißtS die Obreit steif gehalten. Nu führt' er mich gleich bei meine Lisbeth. Das war eine Freud'! Der Salomon lachte aus vollem Halse. „Was find dann die Franzosen eigentlich für Leut'?" fragte er. Die sein ausklugiert", antwortete der Bornschorsch. „Wer hat baiim bei "uns in ben sechziger Jahren schon an Straßenbampfwalzen gedacht? Kem Mensch. Ich hab' in Paris sieben Stuck laufen sehn. Vorwärts un» rückwärts. Die Gemiiteräser bogen um bie Ecken, baß ich Maul un« Die Franzosen sein auch freiheitlich", gab ber Schusterjakob feine* Meinung kunb, „und lassen fid) net soviel von der Polizei gefallen wir mir. Unb haben einen heißen Kopp. Wann eins Gall m fid) hat, Dir muß eraus. Darnach is alles gut." , Die Hauptfach' war", sagte ber Bornschorsch, „wir haben ein schon Stück Gelb verbieni. Ich halt' ben Monat meine achtzig, auch neunzii, Franken Unb war einer ba, ber schrieb sich Weller unb war aus Enzheim. Der ging in eine Zuckerfabrik. Unb trug am Samstag (eine vierzig Franken nach Haus." Der Stoffel wiegte ben Kopf hin unb her. „Das war all recht gul unb schön. Wir sein aber boch sroh gewest, wie zum Rückmarsch gebla eil murb’. Von bem Zores im Jahr 70 macht sich keins kein Begriff An ber belgischen Grenz' hieß es, bie Männer müßten retour, bie Weibsleut könnten weiterfahren. Um ein Haar, unb die Beamten hätten den Buckel voll gekriegt. Hernach haben sie uns doch durchgelassen. Am 24. Augu!« morgens um fünf hab' ich droben vom Wingertsweg zum erstenmal wieder uns' Kirchturm gesehen. Und hab’ geheult wie ein klein Kind. Er ftanb auf, feine Bewegung zu verbergen, öffnete bas Fenster unio spuckte hinaus. — Es schlug acht. Der Wirt kam herein. Er hasste an biesem Abend et« gutes Geschäft zu machen unb ries: „Ihr Herrn, 's wirb Zeit!" Der Salomon Levi brückte sich. Die übrigen gingen in bas Solche« hinauf, bas sich bereits zu füllen begann. Zumeist waren es Pariser, Die an ben langen, schmale,, Tischen sahen, boch waren auch Partelgangm bes Altbürgermeisters unb allerlei kleine Leute zur Stelle. Der Schwei - zersluis, ber ben Auftrag erhalten hatte, bie Versammlung zu leiten,, ließ aus sich warten. „Wo bleibt he bann?" fragte ber Brückenhannes. ]e @röjrn 5 fie, niil | r9en fil 5 vetlchW 1 «m; rtmit tal] schiede-'I te. M hi«r Dampf [, Joften f ffiiefe" ist men. H *, non ü GiehenerZamilieOMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Nummer Montag, den 2. Mai Jahrgang 1932 Red Yellow Er erhob sich unh nltui in h»r -r -- 10 Nachtgefühl. Von Will Scheller. Die Welt ist hingeschieden So hingewiegt. Durchs Fenster schweift ein Wehen, Ein holder Hauch: „Es kann dir nichts geschehen .. Und ruht nun auch. „surgermelsier! Bürgermeister!" Kroch auch! Das kam nicht oom Hof, das kam oon der Straße her. Und war der Stimme nach ein Weibsmensch. Er öffnete das Fenster, das nach der Straste zu ging und rief hinaus „Wer is da?" „Ich, die Psarrerin", klang's oon unten herauf. „Die Pärnersche (die Pfarrersfrau)?" entfuhrs ihm. „Ja, Bürgermeister. Ihr miistt mir helfen." „Wann ich kann, recht gern." „Mein Mann hat diesen Nachmittag eine Kindtause in Wingertshain gehabt und ist noch nicht zurück." „Stoch net zurück? Is der Herr Parrer dann die Chaussee enabber gemacht oder durch den Wald?" „Das weist ich nicht. Meist nimmt er den kürzeren Weg durch den Wald. Um sechs wollt er wieder hier fein. Und geht auf elf. Ich bin in Todesangst. Seit er im Frühfahr an Rheumatismus gelegen hat, macht ihm sein Herz zu schaffen. Wenn ihm nur nichts zugestohen ist." „Das wollen wir net hoffen. Ich komm' eraus." Er fetzte die Patschkappe auf und verließ die Stube. Gleich darauf stand er Der zitternden alten Frau gegenüber, die er um Haupteslänge überragte. „'s ist de beft", sprach er ruhig, „wann die Frau Parrer heimgeht. Man must net gleich das Schlimmste denken. Der Herr Parrer hat sich am End' oerspät' ober is irr gangen in dere Dunkelung. Ich weüd's schon ausmachen." „Großen Dank, Bürgermeister!" * „Keine Ursach." . „ „Seid so gut und schickt mir gleich Nachricht. „Tutswitt." (Sofort, tout de suite.) oanes, picta t nun «üi': s um dl« Ihr et»«1 eine 64“1 den Linken in die Sarb sie es aiii ftätten »ul der einet lr ihn. ief ihm ü cur in k jegenwätfc mer Pck 5egenlä* rte der it' Dienfte ff iten fielen» g . pes ß# 't die ilich- * d er W ,u Beü k nige All" nW.M v, 3 herz! d- Die pariser. Roman von Alfred B o ck. I. Im liefen Schweigen der Nacht hörte man auf dem Kiichenplotz nur das gleichmäßige Ticken der Turmuhr. Am Himmel glitzerten die Sterne. Aus dem Halbdunkel traten die Umrisse der kleinen Zisterziensertirche hervor, die sich als ehrwürdiger Rest eines längst entschwundenen Klosters en Br* d AW ioch tanjt; Senken, i< rbbab, k »n im S« : halle« zu rotrk en n und mH Kutjni ta einer ii den sei ol nt. Da h ungereimt! en fein, i is roenigi iie Stra&e rben, mal en, habil flicken in sich nur.1” !>§ Eine F i'en 0*5 es » /das üt ia« 7 M ,inft i*( **v ff,** reit getan. Seit er die Sechzig Überschritten, feil seine Augen trüb unb seine Beine schwach geworben waren,beschrankte er sich aus den hoch, gelegenen Kirchenplatz und ließ dem Hornruf sein „^ellt s euch folg - Der Bürgermeister wußte von dieser Pslichlwidrigkeit, doch druckte e ein Auge zu, weil der Hannbalzer zu denen gehörte, die ihm zweimal bei der Biirgermeislerwahl ihre Stimme gegeben hatten. Es war in den ersten Tagen des Oktober. Anhaltendes trockenes Wetter hatte die Herbstsaat verzögert. Jetzt, da der Boden "on reichlichem - 3 durchfeuchtet war, drängte sich die Arbeit zusammen. Noch waren S h rabi, Weißkraut unb Dickwurzeln einzubringen, die Aecker mußten ge- Zackert werden, und mancher Buckel würbe naß und wieber trocken Ore, steifer hat der Bauersmann in seinem mühevollen Berufe: Muskelstarke Ausdauer und einen ausgepichten Magen. In aller Frühe steht er aus, gehl mit den Hühnern zur Ruhe und schläft wie ein Murme tier. Im Unterborf, wo die Pariser wohnten hielt heute nacht das Homg- kochen die Spinnstubenkameradschaft wach. Burschen und Mädchen wäre' im Siebhaus der Spechtsmarie um einen mächtigen, dampfenden »eßet versammelt, und der Honigrührer ging von Hand zu stand- L-WS b Buschur (gebildet aus bon jour) aus der Klostergasse lat wüst "ul und paffte vor sich hin. Als ihn das Markatchen anranzte: „Du Faulenzer leist unserm Herrgott sein Garnaut (Garmchts)! grinste er sie unb sang: „Ei bu schöne Klapperschlange, Du hast mir mein Herz gefange, Liegst mir alsfort in der Haul^ Wie die Wurst im Sauerkraut. Die Mädchen quiekten vor Pläsier, und die Burschen lachten, daß ,ich die Balken bogen. Im Oberdorf war's mausstill und stockfinster. Rur aus der Amtsstube des Bürgermeisters Melchior Wallenfels fiel ein heller Schein auf bie Straße. Der Dorfgewaltige faß an seinem Schreibtisch, den Graukopf über das Grundbuch gebeugt. Der Stoffel (Christoph) im Stumpcheseck batte feinen Sohn verheiratet und wollte den jungen Leuten fein Gut ,;u ■?>«... 50-”01 elfter als Ortsgerichtsmann lag ob, den Aus- Ä- he pressierte, aber bie Arbeit rückte nicht voran. " reits verkratzt. Aergerlich warf er das Schreib- donnerwetterl Die Schrunden an seinen Hänidett war, um aus der Haut zu fahren. Seine Frau 8i Rahm bestrichen. Danach waren die Schmerzen plagten sie ihn aufs neue. Der Schiwwerkäsper im gestern empfohlen, er solle einen Maulwurf I schen den Händen zerdrücken. Dann würden die Ma ein Haar, und er hätte den Quacksalber zur ■ hatte wahrhaftig mehr zu tun, als sich solch wen blasen zu lassen. Und bie Schrunden allein nicht, die ihn heut abend so zwatzelich machten, waren's. Die brachten ihn ganz durcheinander, ing fallen, ob er nach achtzehn Jahren noch das besaß, ob er zum drittenmal bei der Bürger- .35 Feld behaupten würde. Er halte viele Feinde. t Aren die, die im Verborgenen gegen ihn hetzten, darf bie Pariser hatten einen Pik auf ihn. Zuerst halten fie dem Spechlskarl die Kanbibatur angetragen. Der hatte abgelehnt, weil er mit seiner, des Bürgermeisters, Annegret ging. Der spechlskarl hatte eine gewichste Nase und ließ die gute Partie nicht fahren. Später hieß es, fie hätten den langen Filsinger aus der Mittelgasse ausgestellt, den Einfaltspinsel, den Zwetschenpfiffer! Dann gewann's wieder den Anschein, als sei's bloß ein Strohmann, den sie vorschieben wollten. Er hatte seine Kundschafter, doch die erfuhren so gut wie nichts, denn die Pariser spiel-- len unter einem Hütchen und hielten zusammen wie die Kletten. Manchmal fuhr's ihm durch den Kopf: Sollte der Spechlskarl am Ende ein Heimduckser, ein Doppelzüngiger fein, vor dem man auf der Hut sein mußte? Dann schalt er sich selber, weil er alles durch die Angstdrille sah. Der Spechlskarl war kein Dreckkneler, durch den guckte man durch unb durch. Freilich, wie die Wahl verlaufen würde, konnte niemand sagen. Noch hatte er Freunde genug, die auf seiner Mühle mahlten. Zweimal hatten sie ihn durchgedruckt. Warum sollt's nicht zum drittenmal geraten? Mit Stadt und Land , - Colour & Grey Control Chart 9 8 6 2 1 9 8 6 11 12 13 Black Grey Grey Grey 1 White