GiehenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang (952 Montag, den 29. August Nummer 67 Regenbogen. Bon Friedrich Gräntz. Der kühnste Regenbogen sprang. Ein Luftgeschenk, ein Wanderglück, Steil über Strom und Regenhang, Fiel In den fernsten Wald zurück. Ist das mein Tal, noch eben dicht Verhüllt von kalter Schauer Wut? Aus Wolkenschächten stürzt das Licht, Bergschatten ruhn auf Glanz und Flut. Im slücht'gen Luftring jugendlich Frischbunte Welt, frischbunte Zeit. Durch Silber furcht ein Nachen sich. Von Uferblüten überschneit. Gine. Von Erika Mann. Schon heute gab es nur Suppe, aber die eigentlichen Vorbereitungen begannen am anderen Morgen. Gine wußte, daß die Blinddarmoperation um neun getätigt werden würde. Um sechs weckte man die ruhig Schlafende. Auf leisen Sohlen und in tiefem Ernst erschien die Schwester bei ihr, der Wärter, „Bitte, zum Wiegen, Fräulein!" Dann gingen sie lautlos voran. In den Pausen zwischen den Handlungen lag Gine auf dem Rücken und schaute das Bild an, das ihr gegenüberhing. Da gab es einen Teetisch, reichbestellt, mit Blumen garniert, Damen gab es in Dekollete und Spitzen, zwei Herren lehnten artig plaudernd neben ihren Stühlen derweilen im Hintergrund eine Magd etwas brachte, mehr Tee vielleicht. Unten am Gatter erschien ein dicker Mensch, dem es heiß war. Er wischte sich mit spitzenbesetztem Tüchel die Stirn Aber darunter stand in großer, weithin leserlicher Schnorkelschrist „Goethe in Frankfurt". „Wieso?" summte sie, „wieso nicht Schiller tn Stuttgart, Kleist im Himmel? Läppisch!" . , , ,lL . Schon kam der Wärter. „3n den Operatlonsjaal, bitte! sagte er. „Heu, heu", sagte sie, „also schon!" Unsinnigerweise hielt der Wärter seinen weißen Tisch bereit, auf den mußte sie sich legen. Und er half dem Mädchen, auf dem hohen Gerat zurecht zu kommen. Sie fuhren die Gänge hinunter, jemand kam vorbei, Rosen in der Hand. Gine dachte plötzlich, wie scheußlich es wäre, wenn dieser Gast sie nun für tot hielte, und schnell setzte sie sich hoch aus ihrem Tisch. Der Operationssaal war wundervoll. Riesiger Kuppelbau, ganz aus Glas: Licht, Klarheit, Eindeutigkeit in der Luft, deren leichter Aether- gehalt wie reinigend wirkte. Was man sah, war Metall und Glas. Dann harte sie die Schwester ein „Schlafen Sie gut! sagen, das ihren Ohren sonderbar klar. Das natürliche „Schlafen Sie gut. vor dem Todes- fchlaf der Narkose. Immerhin machte sie ein flottes: „Ei freilich! und wandte sich dem jungen Arzt zu, dem die Einschläferung anvertraui war. Er war Japaner, sie hatte ihn nie gesehen. Gme schloß dre^Augen. Worte und Klänge kamen von weither zu: ihr, „Ruhig atmen^ horle sie. Das klingelte weit, weit am Ende der Welt, eine Glocke. „Ruhig , klingelte sie, „Atemen". Sie erwachte am späten Nachmittag erst. Zuerst hatte sie nach einer Spritze verlangt, sich herunrgewor en und bos getobt. Dann, während das Morphium wirkte, hatte sie in ihrem Dämmerzustand Muße gehabt, sich mit einem Säugling zu ^gleichen, einem Kind in der Wiege. Als ihr einfiel, daß sie Milch mit Morphiu zu vergleichen im Begriff war, schämte sie ßch und dachte lieber gar nichts mehr. „Laß das Denken überhaupt. Urschet! sagte sie noch zu sich, ehe sie entdärnmerte. m .. Am Abend gab es nichts als Uebelteit, und die . w°r um angenehm. Aber am nächsten Morgen begann das Anstaltsleben m ganzer Selbstverständlichkeit. Sechs Uhr wecken, wo. chen meßen, halb sieben Uhr Frühstück, zwölf Uhr Mittagessen drei Uhr Tee, s.chs Uhr Abendessen, waschen, schlafen. Eine wußte, daß es vierzehn Tage lang so fortgehen würde, so bekam es für sie vom ersten Tag an Am^Taq darauf gab es Verbandwechsel. Der Wärter kam: „3um Verbinden",' kündigte 'er an und hob Gine mit starken weiße aus seinen Tisch. Vor einer Tür am Ende eines besonders langen Ganges standen fünf oder sechs von Ginesgleichen weiße T iche mi Patienten, die des Verbundenwerdens harrten. „Drei ha . drinnen", sagte der Wärter. Ihr Tisch wurde emgereiht. Links von war es ganz still, aber gegenüber stöhnte einer zwei-, dreimal im Verlauf von fünf Minuten. Es war ein junger Mensch, dessen Gesicht nichts zeigte als Bräune, Jugend und Nettigkeit. Die eine Hand hielt er unter der Decke, die andere lag auf dem Weiß, bronzebraun, mit starken Fingern, rundnagelig, eine Sportshand. „Und so was stöhnt hier!" Der Vorletzte wurde in den Saal geschoben, nun blieben nur noch der Junge und sie. Er stöhnte wieder, schien aber nichts davon zu wissen. Sie schaute ihn an, sein Mick ging gerade auf den ihren zu, zu sehen schien er nichts. Gine schämte sich, weil sie die Andeutung eines Lächelns versucht hatte, und' das bronzene Gesicht unbewegt geblieben war. Sein Wagen kam in Bewegung, er war an der Reihe. Gine, während ihr Verband entfernt wurde, war nicht bei der Sache. Es tat einmal sogar weh, sie konstatierte es obenhin: dann fragte sie: „Der ... der Fall vor mir ... was Ernstes?" „ „Leider." Der Geheimrat zuckte die Achseln. „Unfall auf der Rennbahn — na, werden ihn schon wieder zusammenflicken." * Man war leidlich zufrieden mit ihr, man rollte sie zurück. Sie lag in ihrem Zimmer und atmete die Luft dieses Hauses. Lautlos gingen die Schwestern aus und ein, sie hießen Creszencia und Carnuta, — Gine hatte Mühe, sich das alles zu merken. Zweimal des Tages war Aerzteparade. Der Geheimrat erschien, gefolgt von Arzt, Assistentin, Schwestern. Das waren große Augenblicke jedesmal. Unmittelbar hinter dem kurzen Klopfen tat die Tür sich auf, und da standen sie. Der Geheimrat mächtiger Buddha mit fleischigen Händen, die alles konnten, zart sein und zupackend schmissig, der Arzt, schmaler Blondine, der Angst hat, die Assistentin, schöne, junge Amazone, die den weißen Kittel trägt wie einen Panzer. Es war glänzend, ihnen zuzusshen. Der Geheimrat pflegte denn auch durchs Zimmer zu gehen, einen aufmunternben Witz auf den Sippen, er lobte Blumen und Geschenke, die ihm auffielen. „Pikfein!" sagte er und war schon draußen. Mit ihm sein Stab, der die Tür hinter ihm schloß. Des braunen Burschen, der so arg verunglückt war, daß er den Geheimrat ganz ernsthaft gestimmt hatte, gedachte sie zu mehreren Malen. Nicht einmal angeschaut hat er dich, brummte sie. — Vielleicht zu krank? ... Immerhin, sie strich ihn aus ihren Gedanken. Bekam sie Besuch, Freunde und Verwandte, zeigte sie sich matt und ablehnend. „Seid nicht so laut", bat sie Häufig, und anstatt den Gesprächen zu folgen, die man für sie anspann, horchte sie auf den Stundenschlag der Glocken drüben von der Kirche her. Man verließ sie nicht ohne Besorgnis. Viel zu lange schon tag sie nun hier, und es schien, als wollte sie nicht gesund werden. Den Braunen hatte sie wirklich beinahe vergessen, als er norm Verbandsaal unversehens neben sie zu liegen kam. Er war verändert, das sah sie gleich. Die Backenknochen traten viel stärker vor als beim erstenmal, und die Haut schien blasser geworden unter der Sonnen» bronze. Die Linke hing seitwärts vom Tisch: er trug ein richtiges Knabennachthemd. Gine sah gerührt die roten Käntchen an der Manschette. Seine Augen blieben einen Moment lang bei Sine zur Rast, .[ein Blick lag auf ihrem Gesicht, diesmal mar sie es, die nicht antwortete. Nur ihre rechte Hand ließ sie vom Tisch gleiten, — nun hingen ihre Arme nebeneinander, feiner mit der Knabenmanschette und ihr schmaler, der mädchenhaster, der nackt war. Unruhe kam in die Reihe, ein Tisch wurde in den Saal geschoben, andere wurden rangiert. Eines linker Nachbar bekam einen neuen Platz der Wärter stieß ungeschickt an ihr Fahrgestell, das wiederum tat einen kleinen Ruck in Richtung des Braunen, der rechts lag. Dabei geschah es, daß ihre Hände sich berührten, die Handrücken fielen leicht gegeneinander. Sie sah ihn an, schnell, als gäbe es etwas zu versäumen. Er verzog den Mund, so daß ein paar Zähne .frei wurden, starke, weiße, — von der Nase abwärts gab es zwei harte Falten — er war magerer geworden, man sah es, nun, da er lächelte. Die Hand, mit der er Sines Hand gestreift hatte, zog er langsam zu sich herauf. Nun log sie auf feiner Brust. Das war alles. Dann lag Sine wieder im Zimmer. Am Abend kam die Parade. „Sagen Sie, Herr Geheimrat", — Sine gab sich einen Ruck und redete den Buddha an, „dieser — dieser lädierte Sportsmann — wird er bald gesund sein?" „Nein", der Geheimrat senkte einen kurzen Augenblick die Stirn, „den gibt es nicht mehr ... heute Mittag, ganz plötzlich, zuviel kaputt innen '... wissen Sie ..." „Er war noch ganz jung", sagte Gine nur. ,Den also gibt es nicht mehr', sagte sie. ,Sie werden ihn durch den Keller gefahren haben. Heimlich. Haben ihn sterben lassen', dachte sie, .sonst konnten sie nichts.' Zwei Tag« blieb Sine noch in der Klinik. Es galt das Sehen wieder zu erlernen, ihr wurde immer schwindlig dabei. Oft sah sie angekleldet am Fenster und las. Ingrimmig las sie in ihren modernen Buchern; von der großen Abgeschiedenheit draußen im Grün wollte sie nun nichts mehr wissen. Mochten Schwestern hin und wieder gehen, machen still die Kranken in den Himmel schauen — man, hatte Ernst gemacht zum Teufel, hatte einen sterben lassen, den Sine kannte, sehr gut kannte, obgleich sie ihn nur einmal hatte lächeln sehen. Dann kam der Augenblick, da sie entlassen wurde. Ihr Köfferchen trug der Wärter hinunter. Aber sie selber wußte schon den Weg, absichtlich ließ sie dem Weißen einen gehörigen Vorsprung. Von den Schwestern hatte sie sich herzlich weltlich verabschiedet, die Trennung von der Aerzteparade hatte am Abend vorher schon stattgesunden, anläßlich der Visite, scherzhaft und ohne allen Aufwand. Drunten norm Anstaltstor warteten die Kleinen im Auto. „Mach' das Zwergerl!" quietschten sie, und Sine machte das Zwergerl, obgleich es ihr nicht leicht fiel. Die Klinik im Rücken, hockte sie sich trotzig nieder schnitt die Zwergengrirnrnasse, die Mucks und Pucks ganze Freude war und landete schließlich atemlos und überanstrengt im Wagen. Sie fuhren dahin durch die belebte Stadt und weiter hinaus, dem elterlichen Landsitz zu. Sine atmete wie eine Erlöste. Der Herbst hatte einen schönen Wind für sie, der fuhr durchs Haar und kühlte. „Sind viele gestorben?" fragte Puck, mit einem neugierigen kleinen Sekicher. „Ja, — viele ..." sagte Sine, „aber ich darf leben." Oer Vater der Aufklärung. Zum 300. Geburtstag von John Locke. Von Dr. Kurt Haack. Auf einem Kupferstich hat Chodowiecki einen Pflüger dargestellt, der der ausgehenden Sonne entgegenschreitet. „Aufklärung" lautet die Unterschrift. Unter solchem Bilde sah das 18. Jahrhundert die große Setstesbewegung, die erst das Himmelslicht der Erkenntnis entzündet haben sollte und dem menschlichen Verstand alle Weiten und Tiefen des Daseins erschloß. Derjenige, der das Problem des Erkennens zur Srunblage der Philosophie gemacht und damit dem Verstände das Recht zu allem Suchen und Forschen eingeräumt hattö, war der Engländer John Locke. Seine Lehren bilden, wie Windelband gesagt hat, „für die große Jdeen-Syrnphonie des Aufklärungs-Zeitalters das Präludium, in dem alle Strömungen, alle Bewegungsformen bald stärker, bald leiser angeschlagen werden". Nicht immer entspricht die Srdße einer Persönlichkeit ihrer Wirkung. Der nüchterne, klare, trockene, bei allem Wahrheitsdrang nachgiebige Engländer gehört gewiß nicht zu den gewaltigen Senien der Menschheit, wohl aber zu den einflußreichsten Denkern aller Zeiten. Seine Geistesarbeit hat nicht nur die Richtung des 18. Jahrhunderts bestimmt, sondern seine Srundsätze, besonders auf religiösem und politischem Sebiet, sind zu unentbehrlichen Elementen der modernen Weltanschauung geworden, die noch immer leidenschaftlich erörtert und heiß umstritten werden. In der Vorrede zu seinem philosophischen Hauptwerk, dem „Essay on human understanding" erzählt er von dem ersten Anstoß zur Entstehung seiner erkenntnistheoretischen Untersuchungen. Einige Freunde stritten in seiner Gegenwart eifrig über irgendeinen Segenstand, und bald stellte sich heraus, daß sie sich über die einfachsten Grundbegriffe im Unklaren waren und aus ihren Zweifeln keinen Ausweg fanden. Locke kam dadurch zu der Einsicht, daß es erst einmal unumgänglich notwendig fei festzustellen, wie weit überhaupt der Verstand des Menschen reiche und welche Grenzen ihm gesetzt seien. In dieser Fragestellung, die er nach langem Nachdenken durch seinen vierbändigen „Versuch" zu beantworten unternahm, liegt seine unvergängliche Bedeutung für die Geschichte d e s menschlichen Denkens. Wohl hatte man schon früher Zweifel an der Allmacht des Verstandes geäußert, sie auch geleugnet, aber doch nur gelegentlich und ohne eingehendere Prüfung des Problems. Nun wurde diese Frage zum Mittelpunkt gemacht und damit der ganzen modernen Philosophie ihr erkenntnistheoretischer Charakter ausgeprägt. Locke wurde zum Vorläufer Kants, der in feiner „Kritik der reinen Vernunft" ebenfalls den Ursprung und die Grenzen der menschlichen Erkenntnis behandelt, aber freilich zu einem ganz andern Ergebnis gelangt. Während nach Locke alle Erkenntnis aus der Erfahrung gewonnen wird, fetzt der Königsberger Weise von Anfang an voraus, daß es zwei Arten der Erkenntnis gibt: eine, die aus der Erfahrung, und eine, die nicht aus der Erfahrung stamme. Locke wandte sich zunächst gegen die damals durch Descartes zur Herrschaft erhobenen Lehre von den „eingeborenen Ideen", nach der der Mensch gewisse Vorstellungen und Einsichten schon bei der Geburt mitbringt. Dies verneint er: nur die natürlichen Fähigkeiten ober Anlagen sind angeboren; alles andere muß erwarben werden. Die Seele gleicht in ihrem ursprünglichen Zustand einem unbeschriebenen Blatt Papier, einer „tabula rasa" und wird durch ein einziges Wart ausgefüllt: Erfahrung! Diese ist eine äußere und eine innere; die erste ent- . steht durch unsere Sinneswahrnehmungen, ist Empfindung-, die zweite wird durch das Beobachten der Tätigkeit des Geistes gewonnen, und zwar durch eine Reihe von Operationen wie Wollen, Denken, Glauben ufro., die unter dem Begriff „Reflexion" zusammengefaßt werden. Die äußere und innere Wahrnehmung sind nach Codes Ausdruck die beiden einzigen Fenster, durch die das Licht des Verstandes in die Dunkelkammer unseres Inneren fällt. Aus dieser äußeren und inneren „Erfahrung", deren geheimnisvolles Wesen nicht näher erläutert wird, beruht der gesamte Bau des menschlichen Denkens und Wissens. Da aber die Verknüpfung der Ideen durch Worte geschieht, so untersucht Locke die Gefahren, die dem Denken aus der Sprache erwachsen, und kommt dabei zu einer bedeutsamen, seitdem immer wieder ousgenom- menen Kritik der Sprache, in der er die wichtigste Quelle des menschlichen Irrtums entlarvt. Diese Methode der Lockeschen Erkenntnistheorie ist psychologisch und hat damit das ganze Denken des 18. Jahrhunderts bestimmtz das haupt- ächlich psychologischen Interessen zugewandt war. Das Problem der eingeborenen Ideen" und der damit zusammenhängenden Begriffe werden das am meisten besprochene Thema in den philosophischen Buchern und der beliebteste Gesprächsgegenftand in den Salons der Aufklärung. Locke übertrug seine Leugnung der „eingeborenen Ideen" auch auf das praktische Gebiet und gelangte zu einer Weltanschauung, in der er für persönliche, wirtschaftliche und politische Freiheit eintritt. Die Quelle aller Tugend ist nach ihm die Willensfreiheit, d. h. das Vermögen, Handlungen zu beginnen und zu unterlassen, fortzusetzen und zu unterbrechen. Der Mensch ist also frei, und es steht in feiner Macht, das Gute zu erkennen und zu tun. Indem Locke jein« Grundsätze aus die wichtigsten Fragen der Religion, Politik und Erziehung anwandte, wurde er gleich- am das gute Gewissen seiner Zeit und schuf das Weltbild der Aufklärung, das von England aus die ganze Kultur, besonders in Frankreich und Deutschland, beeinflußte. „ Seine religiösen Ideen sind in seinen „Briefen über Toleranz' und ■einem Buch über das „vernunftgemäße Christentum" niedergelegt. Er prebigt hier das Evangelium der Liebe und der Duldung; auch Juden, Mohammedaner und Heiden sind eingeschlossen, da sie makellos sittliche Menschen sein können; nur der Atheist, nach seiner Lehre, ist unfähig, in sich Tugenden zu entwickeln. Codes „vernünftiges Christentum" besteht im Glauben an Christus als Erlöser, verbunden mit einem Ceben nach den Lehren der Evangelien. Im übrigen ist Duldung in Reli- g i o n s b i n g e n die Forderung, auf die er immer wieder zurückkommt; er bringt auf die strengste Trennung von Kirche und Staat und hat in der Verfassung für den nordamerikanischen Staat Karolina, die er auf Veranlassung seines Gönners, des Lord Shaftesbury, ausarbeitete, schon den Begriff der „freien Kirche im freien Staat" voraus- geahnt. In seiner „Abhandlung über die Regierung", die 1689 erschien und nach Bayle „das Evangelium des Tages" wurde, verfolgt er zunächst die Absicht, „den Thron des großen Wiederherstellers der englischen Freiheit, des Königs William,, zu befestigen, dessen Anrechte aus dem Willen des Volkes abzuleiten und die englische Nation wegen ihrer neuen Revolution vor der Welt zu verteidigen". Wenn er hier, wie Milton für Cromwell, für den Herrscher eintritt, der dem von der Restauration verfolgten Philosophen die Rückkehr in die Heimat ermöglichte, so knüpft er auch sonst an die vom Dichter des „Verlorenen Paradieses" erhobene Forderung nach kirchlicher, politischer und häuslicher Freiheit an. Er bekämpft die Theorie des „patriarchalischen" Absolutismus, die die königliche Gewalt auf die väterliche zurückgeführt hatte; er gründet vielmehr die Entstehung des Staates auf die An- nähme eines Vertrages zwischen Herrscher und Volk. Zur Sicherung der Freiheit verlangt er Trennung der gesetzgebenden, richterlichen und ausübenden Gewalt. Die höchste, die gesetzgebende, geht vom Bolk aus und muß beim Volk bleiben, bas seine rechtmäßigen Vertreter in die von ihm gewählte gesetzgebende Versammlung sendet. Die ausübende Gewalt hat nur die vom Volk gegebene Gesetze auszuführen. Der König ist nichts als die Spitze dieser ausübenden Gewalt; er steht also unter, nicht über dem Gesetz und geht durch Mißbrauch seiner Gewalt seiner Würde verlustig, wird zum Tyrannen. Locke hat damit als erster die Theorie der modernen konstitutionellen Verfassung ausgesprochen und die Ideen entwickelt, die Montesquieu und Rousseau weiter ausführten und die auf dem Kontinent erst durch die französische Revolution zum Ferment der Po-litik gemacht wurden. Auch in feiner Erziehungslehre nimmt Locke, in gemäßigterer Form, bereits viel von den Ideen voraus, durch die Rousseau die Pädagogik auf eine neue Gundlage stellte. Die Erziehung soll nichts von außen in den Zögling hineintragen, sondern seine Anlagen naturgemäß entwickeln. Das Kind soll z. B. nicht zu dicke und nicht zu enge Kleider tragen, auf hartem Lager schlafen, viel in freier Lust fein, soll nicht die alten Sprachen, sondern die Natur und die Menschen kennenlernen. Die Regeln gehen fast nur auf das unmittelbar Nützliche, und Lockes Ideal ist der wohl erzogene, praktisch tüchtige Gentleman. Diese Pädagogik hat vor allem die noch heute geltenden Erziehungsgrundsätze Englands stark beeinflußt, aber auch die deutsche Pädagogik der „Sturm- und Drang"- Zeit. Sie erklärte der im Barock herrschenden Unnatur und dem Zwang den Krieg, die das Kind, wie einen „kleinen Erwachsenen" behandelt. Von der Umwälzung der Gesühlswelt, die Rousseau entfesselte, ist allerdings Locke weit entfernt. Er hat den durch die Erfahrung genährten Verstand auf den Thron der Kultur gesetzt und damit jene mächtigen Geisteskräfte entbunden und gefördert, die das Zeitalter der Aufklärung durchströmen. Lebende Braunkohle. Von Dr. R. Francs. Es ist vielleicht gut, wenn wir uns in diesen Jahren der Armut und Sorge daran erinnern, daß gerade Deutschland drei Schatzkammern besitzt, die unerschöpflich erscheinen und in ihrem Umfang und wahren Wert eigentlich noch gar nicht richtig bekannt find, weil sie in der Tiefe des Bodens liegen und nur durch harte Arbeit ans Tageslicht gebracht und verwertet werden können. Aber dann stellen sie ein Vermögen von Hunderten von Milliarden dar, das allein genügen müßte, um allen Braunkohlenländern unbeschränkten Kredit in der Welt zu sichern. Diese drei Schätze sind die Kalilager, die Steinkohlenflöze und die ungeheueren Braunkohlenfelder, die fast durch ganz Böhmen, Deutschland und Oesterreich verstreut sind. Nur von der Braunkohle soll hier die Rede sein. Wo haben wir Braunkohle? In großen Tiefen und steil aufgefaltet sogar in Bayern, flach liegend und an der Oberfläche, manchmal in £>O bis 100 Meter mächtigen Lagern im Tagbau ohne sonderliche Mühe gewinnbar in Sachsen, in der Lausitz, am Niederrhein, im Braunschweigischen, immer wieder fast in ganz Norddeutschland. Wie viel Braunkohle liegt bar Die unmittelbar gewinnbare Masse schätzt man auf über 9000 Millionen Tonnen und man vermutet, daß nochmals 4,3 Milliarden Tonnen in der Tiefe liegen. Braunkohle allein ist also ein Wert unseres Landes, .aus dem man alle europäischen Schulden bezahlen könnte. Wie hat der Boden dieses unvorstellbare Vermögen erworben? Will man die Antwort auf das Wesentlichste und Einfachste zusammenträngen, so kann man sagen: dadurch, daß es einst ein besseres Klima in Mitteleuropa gegeben hat als heute. Ein Waldklima von großer Feuchtigkeit, das es gestattete, daß bei uns Urwälder märchenhafter Art grünten. Die find versunken und kommen nun als Braunkohle wieder zutage. Die Vorstellung hat nur eine Schwierigkeit. Wie können denn ganze Riesinbäume, ganze Wälder im Boden versinken? Wenn in unseren Horsten ein Baum altersschwach vom Sturm gefällt wird, dann Der« ‘fault er regelrecht. Die Käfer und ihre Larven zehren ihn auf, die Holz verzehrenden Pilze verwandeln ihn in Mulm. Es dauert schon ein paar Jahrzehnte, aber dann ist er dem Erdboden gleichgemacht und in Humus umgebildet. Wird aber dann aus Humus Kohle? Wenn wir ■einen der großen sächsischen oder norddeutschen Braunkohlentagbaue besuchen, da zeigen uns die Arbeiter wirklich einen braunen Humus, der so massenhaft vorhanden ist, daß man ihn industriell verwerten kann. Man macyt nämlich eine ausgezeichnete Farbe, die Möbelbeize daraus. Mer dieser Braunkohlenhumus deckt uns oben die Lager zu. Darunter sind erst die eigentlichen Flöze voll schöner tiefbrauner oder pechglän- zender schwarzer „Klarkohle" und „Knarfelkohle", und noch tiefer kommt Sann der „Lignit" zutage, der eigentlich ein in Kohle verwandeltes Holz ist; es find Baumstämme, denen man die Holzstruktur ohne weiteres ansieht. In manchen Kohlengruben, z. B. im bayerischen Penzberg, kommen da Stämme mit Rinde so wohlerhalten ans Tageslicht, Daß man wohl sagen kann, das sind einfach zu schwarzer Kohle gewordene Baummumien. Und zuallertiefst im Flöz steckt dann erst noch ber „Wurzelboden", voll von waagrechten, weitverzweigten Buumwur- ieln, an derer mancher, wunderbar genug, noch ein mächtiger Baumlamm aufrecht steht, so wie er im Boden versunken ist. Solches kann sich heute in keinem deutschen Walde mehr ereignen, bi« Braunkohlenwälder müssen also einen Boden und auch Bäume ganz besonderer Art gehabt haben. Natürlich fragt man sich da, aus was für Pflanzen sie bestanden. Sie sind so gut erhalten, daß man ohne weiteres diese Vorwelt wieder ausbauen kann. Da zeigt sich denn, daß eg in den meisten Fällen wunderbare tropische Sumpfwälder gewesen |eln müssen, die in wasserreichen Ebenen grünten. Namentlich die Braun- Sohlenwälder der älteren Zeit bestanden aus Vertretern eines Riefen- geschlechtes, aus Sumpfzypressen und dazu noch Nadelbäumen, die den Mamutkiefern Amerikas nahestehen. Dazu riesige Eichen und Ulmen imb eine massenhaft vorkommende Fächerpalme, die man wissenschaftlich Sabal nennt. Dazwischen Lianen, und Mengen von Büschelfarnen, ganze Wälder von Wasserrosen und sonstigen fettreichen Wasserpflanzen, die sich manchmal in einen ganz öligen und gasreichen Schiefer, in die sog. .Mattkohle", umgewandelt haben. Feenhafte Vorstellung: in Sachsen ober im flachen Land von Bitter- Ielb, wo heute zwischen Rübenfeldern Fabrikschornfteine rauchen, einst eiche Tropenpracht, aber noch viel packender, daß es das alles, den leibhaftigen lebendigen Braunkohlenwald in feiner ganzen Marchen- spracht auch heute noch gibt und man gleichsam zufehen kann, wie sich »us ihm die Braunkohle bildet, Bäume und Pflanzen unmittelbar in Kohle üb ergehen. _ Amerika birgt dieses Wunder. Der am wenigsten bekannte Teil der löblichen Vereinigten Staaten, die Länder, die nur ganz selten in den Heilungen erscheinen und dann nur wegen ausgefallener, echt ameri- »anischer Absonderlichkeiten, wie Lynchjustiz, Tornado oder Milliardars- launen in Luxusbädern. Von dem Staat Carolina bis Florida, zu- Ifammen in einer Ausdehnung, die, auf Europa übertragen, sich von Schweden bis Sizilien breiten würde, gibt es dort immer wieder aurp heute noch unzugängliche Urwälder, in denen sich Braunkohle bildet. •Einige hat man als geschützte Naturheiligtümer erklärt, so die 12 000 Quadratkilometer messenden „Everglaaes" im Süden von Florida; sie Ifinb Indianer-Reservation und darum für den Weißen noch kaum be- ttretbares Urland. Das ist ein hübsches Stück Land; da kann schon ÜUwald grünen und unberührte Schöpfung Hausen, als ob es noch keinen Menschen auf Erden geben würde. Um die Entstehung der Braunkohle zu studieren, habe ich diese Gebiete besucht und einige Zeit im -Braun« Itohlensumpf gelebt. . , . Alles was sich einst Knabenphantasie von fernen heißen Landern »u Märchen zusammenspann, verwirklicht sich an solchem Ort. -Die Everglades in Florida liegt ganz an der Grenze des Wendekreises haben «iso Tropenhimmel, kennen keinen Winter, dafür ungeheure Regengüsse üm Sommer; sie ersticken fast im Wasser. Es ist eine ^Bobenbilbunq da, und diese scheint die Vorbedingung zur Entstehung wvu Kohle zu sein. Der Boden ist sandig, aber schon kaum einige Meter ttiefer unten ist er fester, wasserundurchlässiger Kalkfels, so daßdas ganz Srunbroaffer oben steht, immer wieder austritt und gewissermaßen 'ganze Wälder ersäuft. Wege gibt es nicht, man muß auf ^n ftefaen« 1 Hormiatn Baumwurzeln klettern oder sich im Ruderboot den zay - »osin Wasserarmen wie im Spreewald, der ein wenig an diese Wasserwelt erinnert, vorwärtsbringen. Wer aber glaubt, daß ein Kohlenwald diister wnb grämlich, ein finsteres Dickicht sei, irrt sich. Lichtgrun, fonnenflirrenb "h hier alles, «her in Dampf gekocht als schattig. , , i ... Wenn man Braunkohle kennt, ist man zunächst ganz .armlos von 'Mm Anblick. Da sind ja dieselben Sumpfzypressen wie in den dem IMn Vraunkohlengruben, meist jung und unansehnlich, aber auch riesig i mnt> vielhundertjährig mit breiten, weit verlaufenden Plankenwurzeln, t '"m unteren Ende ausgeweitet, oft umstarrt von esnem ganzen Verhau ! Mn Atempseilern. Mit ihnen ungeheuere immergrüne Sumpfeichen du ■Mfaeber, Pappeln, Ahorne und dann wieder ganze Dickichte von Pal Men Die uns von der Braunkohle her wohlbekannte Sabalpalme breitet ■ prachtvolle Fächer und am Boden starren ftachelspitz die MfmJtoroi t i Mk überall wo es «In wenig trockener ist. Großblätterige Magnol en- baume sind über und über bedeckt mit ihren riesigen weißen Bluten igvldgrün {lammen Farnwildnisse, klimmende Rosen werfen Slutengarbe von den Hecken, riesige Terpentinkiefern überragen schlank und malerisch diese Verhaue, die zu den schönsten Waldbildern gehören, welche die Erde bietet. Von allen Bäumen hängen wie wallende Bärte die langen Girlanden des spanischen Mooses; fast jeder der Waidesalten, auch die zahlreichen abgestorbenen und geistevyaft bleichen Bäume sind besiedelt von tropischen Ueberpslanzen, unter denen die flammendrote Blütenbüfchel ausstreckende Verwandten der Ananas am meisten das Auge fesseln. Dicke Lianen ringeln sich schlangengleich und wilde Weinarten, Baum und Strauch verspinnend. An vielen Orten ist es in dickem Urwald unmöglich, vor Pflanzenreichtum durchzudringen, an anderen brechen breite Lichtinseln ein. Es sind ganze Wiesen voll scharfen mannshohen Sägegräfern, Ried ober Wasserarme, auf denen die ßotosmafferrofe lila blüht, gelbe und weiße Sumpflilien feenhaft winken. Dort goldgelb eine ganze Wiese breiter Blätter und draußen ein Dickicht entzückender, saftig grüner, nie gesehener Pflanzen, mit blasig aufgetriebenen Blattstielen und unvergleichlich krokusblauen Blütendolden. Wer aber diese Wiese betreten würde, den verschlänge das moorbraune Sumpfwasser, mit seinem tiefen schwarzen Schlamm. Denn die trügerische schwimmende Wiese der „Water- Lily" ist es, die uns da verlockt, die gefürchtete Wasserpest all dieser Tropenströme, die mit oft undurchdringlichen Pflanzenbarren bis in die Hafen der Städte hinein die Schiffahrt hindert. Man findet kein Ende mit dem Beschreiben dieser Urwelt, so wie das immer wieder erneute Erleben neuer Naturbilder im Braunkohlenwald Floridas Tage und Wochen nicht endete. An einer Stelle verirrt man sich in wahren Stetzenwäldern, unter deren Wurzelgerüst dunkler Schlamm und gleißend grüne Wasser glucksen, dort kämpft man mit der Lianenwildnis und dem unerschöpflichen Blattwerk der Wasserpflanzen, unter denen schreckliche Schlangen hervorschießen und Alligatoren lauern. Das schönste aber ist die Fahrt auf den Urwaldströmen; sie erinnern ganz an den Amazonas, wenn über den Palmenwipfeln und blütenduftenden roten Lianenhecken edelsteinschimmernde riesige Tropenfalter gaukeln und weiße Reiher fliegen. Dann wieder fährt man durch Land- schäften, die den Harz in Erinnerung rufen, so dunkel versonnen sind sie mit den Flechtenbärten auf den Riesenzyprefsen und dem Schatten- dunkel unheimlicher Modergründe. Und das Wunderbarste an diesen Erlebnissen ist bann immer wieder der Anblick der sich bildenden Kohle. Bevsunkene Bäume starren aus den Fluhtiefen und zahlreiche Seen, behangen mit Moos, besetzt mit Schleimpilzen, und man sieht manchen von ihnen zugeschüttet mit Schlamm und Sand und bann wieder von einer Ueberschwemmung bloßgelegt, in schwarzbraunen Lignit verwandelt. Die fettreichen Wasserpflanzen, in solcher Fülle sich gegenseitig erstickend, bilden einen öligen, tiefschwarzen Schlamm, ganze Waldstellen versinken, und manchmal stehen die Stämme senkrecht im weißen Triebsand, andere sind gestürzt, Treibholz staut sich in Barren, und gerät unter Sand und Schlamm. Alle Einzelheiten der Braunkohlenbildung vom Wurzelboden bis zum braunen Deckenhumus sind hier wie an einem Modell ftubier- bar. Und immer wieder durchrieselt uns der Schauer: hier ist Schöpfung. Ein Stück Erdbilbung steht lebendig vor uns. Wir sehen gleichsam die Hand der ewigen Mächte, vor denen Jahrmillionen Gegenwart sind. Oer Sturz in den Malstrom. Erzählung von Edgar Allan Poe. (Schluß.) Es kann nicht mehr als zwei Minuten gedauert haben, bis wir fühlten, daß plötzlich die Wellen nachließen und wir in Schaum eingehüllt waren. Das Boot machte eine scharfe Drehung nach Backbord und schoß dann in seiner neuen Richtung vorwärts wie ein Blitzstrahl. Im gleichen Augenblick wurde das Heulen des Wassers vollständig übertönt durch eine Art von schrillem Schrei, einem Laut, wie Sie ihn sich vielleicht vorstellen können, wenn Die Dampfpseisen einiger tausend Schiffe zu gleicher Zeit ihren Dampf auslassen. Wir waren nun in dem Dunstgürtel, der immer den Wirbel umgibt; und ich dachte natür- sich, daß der nächste Augenblick uns in den Abgrund hinunterreiben müsse, in dessen Tiefe wir nur undeutlich sehen konnten infolge der furchtbaren Schnelligkeit, die uns weiterzog. Das Boot schien gar nicht in das Wasser zu sinken, sondern wie eine Luftblase aus ber Oberfläche ber Branbung hinzugleiten. Seine Steuerbordfeite war bem Wirbel zunächst, während Backbord die Welt des Ozeans sich erhob, den wir verlassen hatten. Er stand zwischen uns und dem Horizont wie ein un- heuerer sich windender Wall. Es mag sonderbar erscheinen, aber jetzt, da wir im Rachen des Abgrundes waren, sühlte ich mich ruhiger als solange wir uns ihm nur näherten. Daß ich mich damit abgefunben hatte, nichts mehr zu hassen, befreite mich zum großen Teil von bem Schrecken, der mich zuerst entmutigt hatte. Ich nehme an, baß es bi« Verzweiflung war, bie meine Nerven anspannte. Es mag wie Prahlerei klingen unb doch sage ich Ihnen die volle Wahrheit, ich begann nun zu überlegen, wie herrlich es sei auf diese Weise zu sterben, und wie töricht es von mir war, angesichts dieses herrlichen Beweises von Gottes Größe an etwas so jämmerliches wie mein eigenes persönliches Leben zu denken. Ich glaube, daß ich vor Scham errötete, als dieser Gedanke meinen Geist durchfuhr. I Nach kurzer Zeit ergriff mich die heftigste Neugierde auf den Wirbel selbst. Ich empfand tatsächlich den Wunsch, feine Tiefen zu erkunden : trotz des Opfers, das ich bringen mußte, und mein größter Kummer ! war daß ich nie in ber Lage fein würbe, meinen alten Gefährten am Ufer von den Geheimnissen zu erzählen, die ich sehen würde. Das. waren zweifellos sonderbare Einfälle für den Geist eines Mannes in höchster Not Se'ther habe ich oft gedacht, bah ber Kreislauf des Bootes rings um den Wirbel mich wohl etwas im Kopfe verwirrt hatte. Noch ein anderer Umstand trug dazu bei, meine Selbstbeherrschung wieder herzustellen, und dies war das Aufhoren des Windes, der uns in unserer jetzigen Lage nicht erreichen konnte, denn, wie Sie es selbst sahen, ist der Dunstgürtel wesentlich niedriger als das allgemeine Bett - des Ozeans und dieses türmte nun über uns eine hohe schwarze Ge- birgskette Wenn Sie nie in einer schweren Brise zur See waren, tonnen Sie ich keinen Begriff von der Geistesverwirrung machen, die von Wind und Gischt zu gleicher Zeit verursacht wird. Sie blenden, betäuben und ersticken uns und nehmen uns alle Fähigkeit zu handeln oder zu denken. Aber wir waren diese Plage jetzt in hohem Matze losgeworden, wie den zum Tode verurteilten Verbrechern noch kleine Ver- günstigungen gestattet werden, die ihnen versagt waren, so lange das Urteil noch ausstand. Ich kann nicht sagen, wie oft wir um den Gürtel herumfuhren. Wir jagten vielleicht eine Stunde lang um und um, mehr fliegend als treibend, mehr und mehr in die Mitte der Sturzsee gelangend, und dann näher und näher zu ihrem fürchterlichen inneren Rand. Während dieser ganzen Zeit ließ ich den Ringbolzen keinen Augenblick los. Mein Bruder war im Heck und hielt sich an einem kleinen Wasserfatz fest, das, sicher unter dem Korb der Quittung befestigt, das einzige Ding an Deck war, das nicht über Bord ging, als der Sturm uns ergriff. Als wir uns dem Rande des Schlundes näherten, ließ er los und stürzte sich auf den Ring, von dem er in seiner Todesangst meine Hände gewaltsam entfernen wollte, da er nicht groß genug war, um uns beiden einen Halt zu bieten. Niemals habe ich tieferen Schmerz empfunden als damals über den Versuch meines Bruders, obgleich ich wußte, daß er im Wahnsinn handelte, im rasenden Wahn der blassen Furcht. Ich wollte aber nicht mit ihm über diesen Punkt sprechen. Ich wußte ja, daß es nichts ausmachte, ob sich überhaupt einer von uns festhielt, deshalb ließ ich den Bolzen los und ging achtern zu dem Faß. Ich hatte dabei wenig Schwierigkeit, da das Boot gleichmäßig genug herumflog, den Kiel frei von Schwankungen, nur hin und her den riesigen Schwingungen, dem mühsamen Ringen des Wirbels folgend. Kaum hatte ich mich in meiner neuen Stellung geborgen, als wir einen wilden Ruck Steuerbord bekamen und kopfüber in den Abgrund stürzten. Ich murmelte ein rasches Gebet zu Gott und glaubte, nun sei alles vorbei. Als ich den greulichen Schwung des Sturzes fühlte, hatte ich mich instinktiv fester an das Faß geklammert und die Augen geschlossen. Während einiger Sekunden wagte ich nicht, sie zu öffnen, denn ich erwartete den sofortigen Tod und wunderte mich, daß ich noch nicht im Wasser mit dem Tode kämpfte. Aber Sekunde auf Sekunde verging und ich lebte immer noch. Das Gefühl des Fallens war vorbei und die Bewegung des Schiffes schien wieder so zu sein wie bevor wir in den Schaumgürtel geraten waren, mit der Ausnahme, daß es jetzt längs lag. Ich nahm meinen Mut zusammen und blickte wwder auf meine Umgebung. Niemals werde ich die Gefühle von Angst, Schrecken und Bewunderung vergesfen, mit denen ich um mich sah. Das Boot schien wie durch ein Wunder rnitt- roegs nach der inneren Oberfläche des Trichters zu hängen, der von weitem Umfang und ungläubiger Tiefe war, und dessen glatte Seiten man für Ebenholz gehalten hätte ohne die erschreckende Schnelligkeit ihres Herumwirbelns und den grausigen Schwimmer, den sie aus- strömten, wie die Strahlen des Vollmondes aus dem kreisrunden Spalt, den ich schon beschrieben habe, die eine Flut goldenen Scheines auf die schwarzen Wände und weit hinunter in die innersten Winkst des Abgrundes gossen. Zuerst war ich zu sehr verwirrt, um irgend etwas genau beobachten zu können. Die plötzliche Erscheinung schrecklicher Größe war alles, was ich begriff. Als ich wieder zu mir kam, fiel mein Blick zufällig nach unten. In dieser Richtung konnte ich ungehindert sehen, wie das Boot auf der geneigten Oberfläche des Strudels hing. Es lag parallel, d. h. das Deck lag auf gleicher Ebene mit dem Wasser — aber dieses lag schräg in einem Winkel von mehr als 45 Grad, so daß wir zu kentern ichienen. Trotzdem konnte ich bemerken, daß es mir in dieser Lage kaum mehr Mühe machte. Halt und Stand zu wahren, als wenn wir ganz eben gelegen hätten, und ich vermute, daß dies von der Schnelligkeit kam, mit der wir uns drehten. Die Mondstrahlen schienen den untersten Grund des tiefen Schlundes zu durchsuchen. Aber noch immer konnte ich nichts genau sehen, durch den dicken Nebel, der alles einhüllte und über dem ein herrlicher Regenbogen hing wie die schmale, schwankende Brücke, die nach dem Glauben der Mohammedaner den einzigen Pfad zwischen Zeit und Ewigkeit bildet. Dieser Nebel oder diese Gischt entstand zweifellos durch den Anprall der großen Wände des Trichters, wenn sie in der Tiefe alle zu- sammenstießen, aber für das Gellen, das aus dem Nebel zum Himmel drang, habe ich keine Erklärung. Unser erstes Eingleiten aus dem Schaumgürtel in den eigentlichen Abgrund hatte uns ein großes Stück den Hang hinunter getragen, aber unser weiterer Sturz stand nicht im Verhältnis dazu. Um und um schwangen mir, nicht mit einförmiger Bewegung, sondern in schwindelnden Stoßen und Rucken, die uns manchmal nur einige hundert Ellen weit, manchmal aber auch durch den ganzen Umfang des Wirbels warfen. Unser Vorwärtskommen bei jeder Drehung war langsam aber merklich. Als ich um mich schaute über die weite Wüste von flüssigem Ebenholz, die uns trug, merkte ich, daß unser Boot nicht der einzige Segen- ftanbjn den Fängen des Wirbels war. Ueber uns und unter uns wurden Schiffstrümmer sichtbar, große Massen von Bauholz und Baumstämmen nebst vielen kleineren Gegenständen wie Möbeln, zerbrochenen Kisten, Fässern und Stabholz. Ich habe schon die unnatürliche Neugierde beschrieben, die auf meinen ursprünglichen Schrecken gefolgt war" Sie schien zuzunehmen, je näher ich der Erfüllung meines furchtbaren Schicksals tarn. Ich begann nun mit sonderbarem Interesse die vielen Dinge zu beobachten, die mit uns zusammen herumschwammen. Ich muß wahn- finnig gewesen sein, denn ich fand Vergnügen daran, die jeweilige Geschwindigkeit ihres Absturzes in den Schaum unter uns zu erraten. „Diese Fichte", hörte ich mich einmal sagen, „wird sicher der nächste Gegenstand fein, der den furchtbaren Sturz tut und verschwindet". Dann war ich enttäuscht, als ich sah, daß das Wrack eines holländischen Fracht, schiffes sie überholte und zuerst unterging. Nachdem ich schließlich mehr, rnals so geraten und mich jedesmal geirrt hatte, brachte mich diese Toi fadje — die Tatsache meiner immer wieder falschen Berechnung au| einen Gedankengang, der meine Glieder erzittern und mein Herz wieder schwerer schlagen ließ. Es war kein neuer Schrecken, der mich so et, regte sondern das Dämmern einer neuen Hoffnung. Diese Hoffnung ent, stand teils aus der Erinnerung, teils aus augenblicklicher Beobachtung Ich rief mir die große Verschiedenheit des schwimmenden Materials in Erinnerung, das auf der Küste der Lofoten zerstreut lag, nachdem «s von dem Mofkoeftrom verschlungen und wieder ausgeworfen worden war. Weitaus die meisten Gegenstände waren in ungläubiger Weise zet, schmettert — so zerrieben und rauh, als wären sie mit Splittern b(, spickt — aber dann besann ich mich genau, daß einige auch gar nicht entstellt waren. Für diese Verschiedenheit konnte ich keine andere Er, klärung finden, als daß die rauhgeriebenen Trümmer die einzigen marem, die vollständig verschlungen wurden, und daß die anderen zu so spät» Zeit der Flut in den Wirbel l geraten oder aus einem anderen Grunde nach dem Einstürzen so langsam gesunken waren, daß sie dm Grund nicht erreichten, bevor der Wechsel der Flut oder der Ebbe - wie der Fall eben lag — eintrat. Ich hielt es für möglich, daß fi« wieder auf die Fläche des Ozeans in die Hohe zurückgewirbelt waren ohne das Schicksal der anderen zu erleiden, die früher heruntergezogm oder rascher verschlungen wurden. Ich machte außerdem drei wichtig« Beobachtungen: Die erste war eine allgemeine Regel, daß, je graften ein Körper ist, desto rascher sein Sturz fein muß; die zweite, daß vom zwei Körpern gleichen Rauminhalts, der eine tueglförmige, der ander« von irgendwelcher anderen Gestalt, der kugelförmige die größere Ge, schwindigkeit des Fallens hat; die dritte, daß von zwei Körpern gleicher Größe, der eine zylinderifch, der andere von beliebiger anderer Gestalt:, der zylindrische am langsamsten verschlungen wurde. Seit meiner Er rettung hatte ich verschiedene Unterhaltungen über diese Fragen mit einem alten Schulmeister unserer Gegend, und von ihm lernte ich bi« Ausdrücke „kugelförmig und zylindrisch". Er erklärte mir — aber W habe seine Ausführungen wieder vergessen — daß ich Tatsachen beolu achtet habe, die nur die natürliche Folge der Gestalt der schwimmenden Trümmer seien, und zeigte mir, wie es kam, daß ein in einem Wirb.' schwimmender Zylinder der Saugkraft mehr Widerstand entgegensetzt« und mit mehr Mühe heruntergezogen wurde als ein ebenso großer Körper von irgendeiner anderen Gestalt. Noch ein überraschender Umstand, der erheblich dazu beitrug, mir diese Beobachtungen aufzuzwingen und mich eifrig bestrebt zu mache«, sie auszunutzen, war, daß wir bei jeder Drehung an einer Art Faß, oder vielleicht der Segelstange eines Schiffsmaftes vorbeikamen, während viel« der Gegenstände, die in gleicher Höhe mit uns gewesen waren, als idj zum ersten Male die Augen aufschlug, um die Wunder des Wirbels zu sehen, jetzt hoch über uns waren und sich nur wenig von ihrer urfprüng tieften Lage entfernt zu haben schienen. Ich überlegte nicht länger, was zu tun sei, sondern beschloß, mutt fest an dem Wassersaß anzubinden, an dem ich mich hielt, es von der Quittung abzuschneiden und mich damit ins Meer zu werfen. Ich er ■ regte meines Bruders Aufmerksamkeit durch Zeichen, deutete aus das schwimmende Faß, das in unsere Nähe kam, und tat alles, was in meinen Kräften stand, um ihm begreiflich zu machen, was ich zu unter nehmen im Begriffe stand. Schließlich glaubte ich, daß er meine Absich" verstanden habe, aber gleichviel ob dies der Fall war oder nicht, eir schüttelte den Kopf verzweifelnd und lehnte es ab, seine Stellung an« Ringbolzen zu verlassen. Es war mir unmöglich, ihn zu erreichen, dm dringende Lage gestattete keinen Aufschub, und so überließ ich ihn naffl schwerem inneren Kampfe feinem Schicksal, befestigte mich an dem Fass'! vermittelst der Laschen, die es an der Quittung festhielten, und stürzt mich damit ohne einen Augenblick des Zögerns ins Meer. Der Srfolgi war genau der erhoffte. Da ich selbst Ihnen die Geschichte erzähle, Sm also sehen, daß ich entkam, und da Sie schon wissen, auf welche $ßeip" meine Rettung geschah, Sie also schon im voraus ahnen müssen, was im noch weiter zu sagen habe, will ich meine Erzählung rasch beenden, fe mochte ungefähr eine Stunde vergangen fein, nachdem ich das Boot uer lassen hatte, als es, nachdem es eine weite Strecke unter mich gefturyf war, drei ober vier wilde Drehungen rasch nacheinander machte und — meinen lieben Bruder mit sich fortreißend — plötzlich kopfüber unter-' tauchte und auf ewig im schaumigen Chaos der Tiefe verschwand. Da* Faß, das mich trug, war nur weniger tiefer gesunken als in die Mitt" des Abstandes zwischen dem Boden des Abgrundes und der Stelle, ww ich über Bord gesprungen war, als der Wirbel sich vollständig veränderte. Die schrägen Seiten des weiten Trichters wurden jeden Augen blick weniger steil. Die Drehungen des Wirbels nahmen zusehends an Heftigkeit ab. Nach und nach verschwanden sowohl der Schaum als au® der Regenbogen, und der Grund des Schlundes schien langsam auszn steigen. Der Himmel war klar, der Wind hatte sich gelegt, und der Voll mond ging strahlend im Westen auf, als ich mich auf der Oberflach" des Ozeans angesichts der Küste von Lofoten roieberfanb über der Steller, wo der Wirbel bes Malstromes gewesen war. Es war Stillwafferzeit — aber bie See wogte noch immer in bergähnlichen Wellen infolge bw Orkans. Ich würbe mit Wucht in ben Kanal bes Stromes getragen unü nach wenigen Minuten auf bie Küste ber Fifchplätze geworfen. Ein Boe« fischte mich auf, vor Miibigkeit erschöpft unb (jetzt, da bie Gefahr vorüber war) sprachlos in ber Erinnerung an ihre Schrecken. Die mich aa Borb zogen, waren meine alten Kameraben unb Gefährten, aber sie erkannten mich nicht besser, als wenn ich ein Reisenber aus dem Geister'' lande gewesen wäre. Mein Haar, am Tag vorher noch rabenifftroarg war so weiß, wie Sie es jetzt sehen. Sie sagen auch, daß mein Gesichts ausbruct sicy veränbert habe. Ich erzählte ihnen meine Geschichte, und I« glaubten sie nicht. Ich erzähle sie Ihnen jetzt, aber ich tannjaum erwarten, baß Sie mir mehr Glauben schenken als bie luftigen Fischer bei Lofoten. erantwortlich: Or. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Univerf itäts»Duch» und Steindruckerei. A. Lange, Gießen. bezug ie mit tanjö. eklW, in, du ijrieb; it sah i über früher -Wie Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1952 Montag, den 1. August Nummer 59 i) mit r barf »erließ angen; le ein« Istrnße e [teile e itjm grüße« Jjetrn Stabt er ihr füllte einem i einen einem lachten :el gehl lieber!' rch den ch alte ihr g: der [lieg Pe können! lu[[ch"l> eile des en !«hl wischet leppen’ jertnird rar [’m Srunbe doch etwas Geheimnisvolles dabei. Denn die Bauern in ‘*en Bergen find trotz aller Kirchenfrömmigkeit abergläubisch, es liegt Men einfach seit jeher im Blut. Und so ist es auch nicht verwunderlich, IQ6 den Tag allerlei Gerede und Geranne aufkommt, und gesteigert wird '°s noch, als in ger nächsten Nacht, die wieder so klar war wie die oor- äeht eine Bewegung durch die Menschen, uno einige ertennen iyii, m ihm begegnet waren — ja, wiederholt er noch einmal, schließlich habe er nicht mehr ausgehalten, verrückt fei er worden darüber daß es für feinen Platz geben sollte, und er vermöchte doch zu schaffen jur zwei, ihn keinen Platz geben sollte, uno er vermoryre oocy zu mmnen |ur uwei, wenn es darauf ankäme. Doch weil nirgend Gelegenheit war, fei ihm der Gedanke gekommen, es anders zu versuchen, ganz gleich ob er damit Erfolg habe ober nicht, nur einmal wieber bas Gefühl, baß man schaffen könne und nicht alle Kraft aus ben Armen gegangen fei — bann habe er sich ein altes Sensenblatt erbettelt unb zurecht geschliffen und an einen Stil gemacht unb habe hier angefangen, zur Nacht zu mähen. Und vielleicht vermöchte einer der Bauern zu sehen, daß er arbeiten könne unb rote. Unb bas wäre alles, was er zu sagen hätte. — Und roas er am Tage gemacht habe, wurde er gefragt. Da sei er «m Wald gesessen und habe auf die Nacht gewartet. Und wovon er gelebt habe? Von dem, roas er sich an Essen erbettelt hätte. Jetzt nachdem der Fremde alles gesagt hat, sehen ihn die anderen überhaupt erst recht. Da steht einer wie sie, mit mächtigen Armen wie sie bei den aufgekrempelten Aermeln sehen, und nur der Unterschieb ist ba daß diese Arme nicht zu schaffen haben. Aber vielleicht spuren das nicht einmal bie Umstehenben so genau, nur ganz allgemein kommt cs bem einem ober dem anberen. Auch, daß über die Stirn des fremden Knechts ein paar für ein junges Gesicht zu tiefe unb nachdenkliche Falten laufen daß der Mund bitter zusammengepreßt ist, daß d'e Augen bittend und trostlos zugleich ausschauen, vielleicht fällt das niemandem richtig auf, nur alles zu ammen wirkte so, daß nach einer Zeit in ber feiner wußte, roas zu machen sei, der Bauer, dessen Wiese der fremde Mähder zuerst hergehende, abermals von gegen Mitternacht an bis zur Dämmerung bas raschenbe Mähgeräusch vernommen werben fann, unb es biesmal von vielen gehört wird. Es kommt von einer anderen Stelle, von weiter hinten im Grund; zu sehen ist nichts, nur der eintönige Sensenlaut bringt burch äs - ■ oanesA zu kurzer Stille unterbricht ober in Dengeln Colour & Grev Control Cnart man am andern Morgen ein ähnlich großes * )as erste. In der dritten Nacht ist es wieder reu Stelle. Und nirgends lassen sich Spuren r entdecken; die Sache wird geheimnisvoller, Lerghöfen wächst. Daß das „Schrättele" ob einen narrt, oder ein Gehenkter im Wald bie man sich gewöhnt hat. Aber das? Einer li der Sternfall bedeute das Unglück für die , es hieße Glück, und sicher ist nur, daß es rn zusammenhängende Sache handeln muß. , daß jemand für den andern die Wiese ab- «er und schnell. Da muß alles mit Spuk unb Black Grey 4 Grey 3 White Grey 1 Grey 2