butter, TO' ft Mi* *• Da |g| Heinrich 1 °°n linkt. *n schch 'chlachtm ta rü-N. In in und MM Mühe *t Umstän^. Hin tDMdt stock, Uch irröknb enf. Htfam, da tt sonst &«■ lusgckrchij it des lote. jjtrtfWti «de Fnm md jptch- « Pftmm Klara sch zu W y wird Hui wt dich, * ie M » u mir m- g-r wi® tt, ate Sit heu, fon»" '' R .en it StfjwlJ1 t ,iohw ßdieMx SenM i(6 Er * .eine- oherM Erinne« r ne und p nunn. . ihn A Zl'M! A- n hie 2 Jer*' immer W wen - * m ich *' GichenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger Jahrgang (952 Montag, den 28. November Nummer 95 Advent. Von Ludwig Thoma. Die stille Nacht ist gar so kalt, Weih ist das Feld und weiß der Wald, Es zittern in der Ferne Vor Frost die kleinen Sterne. Und führt ein Engel bei der Hand Das Christkind her in deutsches Land, So mutz es heute kommen. Das hoffen alle Frommen. Und watet es durch tiefen Schnee, Dann horcht im Wald ein armes Reh, Ein Baum erschauert leise Und grüßt es auf der Reise. Wir horchen in die stille Nacht, Die alle Menschen glücklich macht. Hört keiner wohl die Kunde Aus froher Engel Munde? Brief aus Tuskulum. Von Gustav W. Eberlein, Rom. Tuskulum, im November. Als sie drunten in der Stadt die Allerseelenglocken läuteten, brach mf den Bergen mit Ungestüm der zweite Frühling durch. Sommerzluten wichen dem Winzermond, die furchtbare Bräune der Campagna, üe Leichenstarre gab nach, und Leben rauschte herab, Leben strömte wieder ein, Regen, Regen, unsagbar herrlicher Regen. Die Stadter mochten Schirme ausspannen, obwohl auch sie es nur zögernd tun, so !östlich ist die Nässe nach der Dürre, aber die Landleute standen still Md hielten den Kopf nach vorne, damit es so recht fühlbar beglückend den Nacken hinunterriesle. Nicht anders die Erde. Sie atmete tief auf wie ein Genesender und der Strom des Lebens zog mächtig durch ihre Lungen, und es war Auferstehung, was die Glocken läuteten. Da hob sich die Scholle, da brach es weiß und gelb und grün aus den erloschenen Wiesen, es brachen sogar die hartgetretenen Wege zwischen den Rebenreihen und Blühen war ringsum. Blühen. Das ist jedes Jahr Io im November und jedesmal wieder wie ein Wunder. Das gebe es «uch im Norden manchmal, sage ich, denn vor den Wundern der Fremde drängt es einen, die Heimat in Schutz zu nehmen, unsere Bauern sprachen dann von einem Martinisömmerchen. Sia benedetto San Martino! geben die römischen Bauern höflich zurück, aber man merkt es ihnen doch an, daß sie nicht so recht daran glauben. So blau! So warm! Und so jlamm- gelb die Vigna, der Weinberg! Vendemmiano! Das heißt: wir wollen zur Ernte schreiten. der phlegräischen Gefilde, wie sollte man ihn für 38 Gold den Liter verlaufen können? Wo einmal die Männer einsprmgen müssen, machen sw ftcich ein Gesicht, als ob das Traubenpflucken -'ne Arbeitfei, nach Tarif zu entlohnen, aber die donne, nein, die lachen und fingen nur. -in g h das auch viel flinker von der Hand.* Am nächsten Morgen, die Sonne ist noch nicht über den Hügel von tuskulum heraufgeklommen, kommen Ne fmgenö an, mU «Scheren und dangen mit Butten und Körben und Kupferkesseln und scheußlichen Konserven- und Petroleumeimern, alle Gesäße müssen ^fjaen, ber a te Sauer an der Spitze, dann Roß und Mulo, Karren und Hunde, endlich die feminine, die donne. Nur Frauen und Mädchen, denn die männliche Arbeitskraft wäre zu teuer. Wie sollte man sonst Öen golbenen Srascah, len köstlichsten Wein ber Erde nach ben;i Ucnmae Chns Am Sonntag sind) sie nicht einmal bie Madonna hat es schon lächelnd verziehen aur Kirche gegangen. In lila indiana, wir sagen m f 'MrÄ we^n st- cmch ^rck/aus keinen marschierenben Eindruck machen erb eiten sie fiel) durch die Reben bergaufwärts, die Alten und Bie Hatz liehen ftrena darauf achtend, daß die Jungen und Hübschen ja keine Ä.*A ck CAT-. Ä« er in bie Jahre kommt. In Zweifelsfällen liegt bie Entscheidung ausschließlich bei bem Manne: er kann ein Möbel in bie Arme nehmen ober ihm eine pfunbschwere Traube auf ben Munb klatschen und ritzeratze bort verreiben, daß Graziella mit triefendem Kinn dasteht wie eine Bacchantin. Uebrigens ließ sie es in süßer trunkener Ruhe über sich ergehen, in jener „weichen Zerfahrenheit, wie sie Dionysos selber zukommt, und bann beugte sie sich selig zur Schwester herab: Da siehst bu's, er liebt mich boch! * Die Eibechsen, die vor dem Sommer weiß Gott wohin flüchteten, im Juni waren sie jedenfalls verschwunden, sind jetzt ganz toll vor Sonnen» lüft. Es ist ausfällig, wie sie ihre Kleiderfarbe den Reben anpaffen, vom Grün allmählich ins Gelb wechseln und immer lebhafter und intensiver, ocker-, Zitronen- und schließlich hellgelb mit den Blättern werden. Gibt es auch gelbe Edelsteine? Wie soll man bie Smaragbeibechsen setzt nennen? Der Bulli jagt sie, sie sinb groß und stark wie er, denkt er, also ein würdiger Gegner. Er übertreibt gerne, immerhin, mit jungen Krokodilen könnte man sie manchmal verwechseln, wenn sie nicht flink wären wie bie Schlangen, bie übrigens, als Vertreterinnen unserer Ringelnattern, auch flammgelb sind. Die Mäbels kreischen, wenn sie plötzlich zwischen ben Beinen burcyzischen, und haben eine Entschuldigung mehr für die übersehenen Grappoli. Signore, sagt der Bauer, erschrecken Sie nicht! — Vor den Schlangen? — Nein, vor ben Frauen! Gleich werben sie kommen und-- Da waren sie aber schon ba unb klappten blitzschnell nach vornüber, schneller als Smaragbeibechsen, unb quetschten eine Traube auf meine Schuhe aus. Bevor man zur Besinnung kommt, beugen sich anbere herab und wischen den Saft mit dem Taschentuch wieder weg. Das ist bie „mostata“, ber Erntegruß an ben padrone, an bie Herrin, an bie Gäste. Die ihreseits nun nach ein paar Silberlingen suchen müssen. * So kommt bie allegria zwanglos in Gang, bie Heiterkeit. Facciamo un po di allegria! Das kann man im Silben veranstalten, so oft und wann man will, denn bie Heiterkeit steht wie bie Sonne ftänbig am Seelenhimmel biefes Volkes. Unb ist ihm um so näher, je schlechter es ihm geht. Denn was kostet schon ein bißchen allegria? Eine Schüssel Spaghetti, ein Fiasco Frascati — genug unb übergenug zur Seligkeit. Wir machen mit, wir ernten mit, wir blühen mit ben Blumen und leuchten mit dem Himmel, wir werben eins mit Erbe unb Frühling. Mit biesem überirdisch schönen Novemberfrühling. Die Pferde wiehern, daß ber Bulli mit erstaunten Kulleraugen nach oben starrt unb bann aus vollem Hals zu lachen anfängt. Es ist herrlich, einen Bulli lachen zu sehen. Darauf, bas fonberbare Tiergebilbe zu Füßen erblickenb, brachen auch die Röster Fiorella und Rosina in lebhafte Heiterkeit aus. Unb Kaiphas balgte sich mit Tripoli und Turco — Kollegen des Bulli, wenn auch ohne Prätention. ' Drunten in ber Campagna zog ber fieberbannenbe Rauch über die Hürden, über Tuskulum zog der Wechselgang der Winzerinnen. Sie improvisieren Text und Noten, man denkt, es fällt ihnen halt so ein und freut sich mit ihnen, wenn eine Stimme am Ende so recht lang und schmelzend aushalten kann. Das schwebt im Sonnenglaft wie Marien- fäöen, das summt unb fimmt wie Telephonbrähte unb hat etwas von büfteren Dorfkirchen unb klingt aus hohen Domen, endet aber regelmäßig in jenem von der Tonleiter halb harlekinifch, halb gravitätisch herabpurzeln- ben Schnörkel ber italienischen Volksweise, immer mit a—a—a—aaa— aaaaaah ober o—o—o—000—00000h. Oder auf e. Jedes Wort mündet ja in einen Vokal aus. Horchen wir einmal zu: Wie schön wäre es, so fängt ein junges Ding an, wenn uns jetzt einen Liter brächte, nehmen andere das Motiv auf, unsere — Chor — padrona—a—aaaah! Still, sage ich zur padrona, hören wir, was noch kommt! Und es kommt vieles, aber im Grunde immer wieder dasselbe. Darauf hat die padrona wunschgemäß interveniert. Unb bie Pinien bekamen es zu Horen unb in ben Zypressen hallte es nach unb ber Abenbhimmel, flammgelb wie bas Weinlaub, war ein einziger Resonanzboben: Nun tränten wir ben Wein — nun arbeiten wir mit boppelter amor—ee unb fingen unb fingen aus vollem cuo—o—o—ooooooor e—e—eeeeee! Als bie Sonne ins Meer stürzte, es sieht herzbeklemmenb aus, wenn man auf ber Höhe von Tuskulum steht, erlosch mit einem Schlage ber Frühlig Schalten urwelthafter Größe huschten über ben ©Otterberg, ben Monte Cavo, bie Lichter ber Rebstöcke gingen aus, bie Menschen verstummten unb die Pferde trachteten mit ihrer schweren Last nach dem Tale. Der Hauch ber Vergänglichkeit traf bie (Befilbe der Seligen, mitten im Frühling. Spiel um Tod und £e$en. Eine Kriminalgeschichte von Wilhelm Weldin. „Wie gesagt, ich hasse, daß Sie meinen Rat beherzigen werden', sagte der Chef der Kriminalabteilung und zerdrückte nachdenklich seine Zigarette in der großen silbernen Aschenschale. „Dieser Redclisfe weiß, daß Sie allein ihm heute gewachsen sind ... und Sie wären nicht der erste begabte junge Detektiv, der ihm in die Falle ging. Erinnern Sie sich an Meunier von der Pariser Surete? Vierundzwanzig Stunden, bevor er Redclisfe fasse wollte, war er tot. Selbstmord ... sonderbar genug war der Fall ..." Leslie Erskine lächelte das zuversichtliche Lächeln der Jugend. „Bei mir soll Redclisfe an den Unrechten kommen", sagte er und knöpfte seinen weiten, bequem geschnittenen Ulster zu. „Jedenfalls danke ich aber für den wohlgemeinten Rat. Guten Abend, Inspektor!" In drei Tagen habe ich ihn, diesen Redclisfe, dachte er noch, als er schon elastisch die Stufen des großen grauen Polizeigebäudes hinunter- eille. Und dann dachte er an ganz etwas anderes. Wenn ein junger Detektiv ein Rendezvous hat, kann ihm auch ein sechsfacher Mord, Betrug, Einbruch und Bankraub zu einem verstaubten Akt werden, den man gern für eine Stunde aus der Erinnerung löscht Die Uhr auf dem Armaturenbrett von Erskines kleinem Cabriolet zeigte auf fünf Minuten nach sechs. Es war also noch Zeit, nach Hause zu fahren und sich umzukleiden. Um halb sieben hielt der Wagen vor der etwas einsamen einstöckigen Villa in'dem kleinen Londoner Vorort. Es war alles wie sonst. Kein Licht in den Fenstern. Der Garten voll lastender Schatten, wie immer, wenn Leslie Erskine, ost spät nachts über den leise knirschenden weihen Kiesweg schritt, der zum Eingang führte. Erst als Erskine das elektrische Licht in seinem Arbeitszimmer an- gedreht hatte, merkte er, daß doch etwas anders war als sonst. In dem schweren Klubsauteuil vor dem Kamin saß ein Mensch. Dieser Mensch war Allan Redclisfe. Leslie Erskine war nicht eine Sekunde darüber im Unklaren, was der Besuch dieses Mannes für ihn zu bedeuten hatte. Einen Augenblick tauchte das Bild eines Mädchens vor ihm auf, das sich Gladys nannte, einen Augenblick verspürte er einen Stich in der Herzgegend ... aber nur einen Augenblick. Dann fühlte er plötzlich jene elastische Angespanntheit aller Nerven, jene Bereitschaft zu jäher, sprunghafter Handlung, die allen Menschen eigen ist, die es gewohnt sind, Gefahren zu meistern. Nicht die Spur eines Erstaunens war Erskine anzumerken, als er leichthin sagte: „Gott — Sie haben mich beinahe erschreckt, Redclisfe!" Der Mann vor ihm war in Abendkleidung. Seine Haltung hatte etwas Lässiges. Das glänzend schwarze Haar, das glatt an seinem Kopf lag, war tadellos gescheitelt. „Setzen Sie sich!" sagte Redclisfe und wies auf den leeren Klub- fauteuil, der dem seinen gegenüberftanb. „Ich habe mit Ihnen zu reden." „Sehr lieb von Ihnen, daß Sie mich in meinem eigenen Hause so sreundlich empfangen... Erlauben Sie nur, daß ich mir eine Zigarette aus dieser Schatulle hole..." Erskine ging auf seinen Schreibtisch zu und öffnete mit einem schnellen Griff das Kästchen, in dem er seinen Revolver wußte. Es war leer. „Keine Zigaretten im Haus ...?" fragte Redclisfe ironisch. „Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen aushelfen ..." Die Lage war ernst. Erskines Gedanken drehten sich wie wahnsinnig in einem Kreis, aus dem es kein Entrinnen zu geben schien. Dennoch lächelte er unbefangen, beinahe freundlich. Dieses Lächeln war augenblicklich seine einzige Waffe. „Nehmen Sie doch Platz!" sagte Redclisfe wieder, und diesmal klang es fast wie ein Befehl. Etwas Metallisches blitzte in seiner Hand auf. Es war ein Revolver. Leslie Erskines Revolver. Ohne mit der Wimper zu zucken, schlenderte der Detektiv in Schußlinie auf Redclisfe zu und ließ sich in den Fauteuil fallen. „Zweifellos eine interessante Situation", bemerkte er spöttisch. „Finden Sie?" ... sagte Redcliffe und seine Lippen spalteten sich in einem haardünnen Lächeln. „Sehr unvorsichtig übrigens, Ihren Revolver fo offen herumliegen zu lassen!" „Ein Fehler, wie er jedem einmal passiert. Auch jedem Verbrecher. Meinen Sie nicht, Redcliffe?" Redcliffe nahm von dieser Bemerkung keine Notiz. „Sie wissen doch, warum ich gekommen bin?" fragte er kühl. „Ich warte noch auf Ihre Erklärung." Redcliffe ließ den Revolver auf das Rauchtischchen gleiten, das zwischen den beiden Fauteuils stand, zündete sich nachlässig eine Zigarette an, machte einen tiefen Zug und sah dem Detektiv gerade ins Gesicht. „Für einen von uns beiden ist kein Platz mehr auf dieser Welt", sagte er langsam. Sie sind mir hart auf den Fersen. Niemand durfte bis jetzt ungestraft so weit kommen, wie Sie. Niemand aber wurde auch je von mir aus dem Hinterhalt erschossen. Ich sage Ihnen von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann: ich werde Sie jetzt und an dieser Stelle töten. Meine Karten liegen offen vor Ihnen. Fair play." Zwei tadellos gekleidete Herren sahen an einem Rauchtischchen und unterhielten sich miteinander in einem ruhigen, gedämpften Tonfall. Zigarettenrauch schwebte zwischen ihnen ... ein kleines behagliches Wölkchen. Die glänzenden Scheitel spiegelten die Strahlen der Lampe wider. Der Revolver auf dem Tischchen wurde im Rahmen dieses Bildes zu einem originellen elektrischen Zigarrenanzünder ... Scherzartikel eines eleganten Galanteriewarengefchäftes. Leslie Erskine blickte einen Augenblick gedankenvoll in den blauen Rauch, dann sagte er sachlich: „Die Partie fteht ungleich, Redcliffe. Sie stellen ein Schachbrett vor mich hin, auf dem Weih schon beinahe matt ist, und wollen mich zwingen, diese Partie zu Ende zu spielen. Ich finde das nicht fair." „Sie vergessen, daß Sie noch zwanzig Figuren in der Reserve haben ', lächelte Redcliffe. „Ihr Detektivkorps — wo ist es?" fügte er etwas sarkastisch hinzu. beugte sich interessiert „Ich habe Sie für klüger gehalten, Redcliffe. Ich hatte eine sehr hohe Meinung von Ihrer Kombinationsgabe." „Sehr schmeichelhaft! Wie meinen Sie das übrigens?' „Ich meine, daß ich es Ihnen nicht zugetraut hätte, daß Sie sich fo offen Ihr eigenes Grab schaufeln.' „Sie scherzen, mein Freuiü) ...ich schaufle das Ihrige, ober richtiger, es steht schon offen." „Sie vergefsen eines, Redcliffe. Sie haben sechs Morde begangen, die wir Ihnen bis jetzt nicht genau nachweifen können, obwohl nur Sie allein als Täter in Betracht kommen ..." „Ah! Und ...?' „Und wenn Sie mich jetzt töten, wird man ganz genau wissen, daß Sie der Mörder waren, und es wird ein Leichtes fein, Sie zu überführen." Redcliffe lachte keife in sich hinein. „Sie unterschätzen mich, Erskme! Sie vergessen, daß ich Sie mit Ihrer eigenen Pistole erschießen werde. Selbstmord, Sie verstehen ... maximal fünf Zentimeter Schußlinie, Brandring und alles, was dazugehört ..." Leslie Erskine antwortete nicht gleich. Er schien zu überlegen. „Wieviel Zeit veranschlagen Sie zu dieser Prozedur?" fragte er dann kaltblütig. „Ich habe in einer Stunde ein Rendezvous und liebe es nicht, Damen warten zu lassen. Wenn es Ihnen fo besser paßt und Sie mich einen Augenblick entschuldigen würden, könnte ich eventuell auch der Dame telephonisch absagen ..." „Galgenhumor und ein Bluff! Sie müssen mich für sehr dumm halten, wenn Sie glauben, daß ich Sie lebend ans Telephon lasse." „Wie Sie wünschen ...", sagte Erskine fachlich. „Ich habe immer geglaubt, daß Sie ein Gentleman sind, nun ... Uebrigens erfüllt man auch dem zum Tode Verurteilten einen letzten Wunsch ..." Redcliffe schien betroffen. „Sie sollen sehen, daß Sie sich irren!" sagte er sehr korrekt. „Ich bin ein Gentleman und bin es immer gewesen. Stellen Sie eine Bitte, die nicht mit der Befreiung aus Ihrer jetzigen Lage zusammenhängt, und sie soll Ihnen erfüllt werden." Alle Verbrecher sind eitel, dachte Erskine und beugt ~ ' vor. „Ich nehme Sie beim Wort!" „Bitte ..." „Sie werden aus eigener Erfahrung wissen, daß man von seinem Beruf besessen sein kann. Auch der Detektiv ist es. Sie wissen auch, daß ich Ihnen seit zwei Jahren vergeblich nachstelle, daß ich auf nichts brennender gewartet habe, als auf den Augenblick, da ich Sie zu Boden gerungen habe mit List, Gewalt und allen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, und Sie gestehen müssen. Verschaffen Sie mir vor meinem Tode noch die eine Befriedigung, Ihr Geständnis in der Hand zu haben ... fchwarz auf weiß." Eine Sekunde dachte Redcliffe mit gerunzelten Brauen angestrengt nach, dann machte er eine lässige Handbewegung. „Ihr Wunsch ist erfüllt." „Ich danke Ihnen..." sagte der Detektiv und griff in seine Brusttasche. „Hall!" Der Revolver zuckte auf. „Nur mein Füllfederhalter..." lächelte Erskine, zog die Feder und schraubte sie auf. „Ach so ... aber bitte schnell!" Leslie Erskine riß von einem auf dem Rauchtischchen liegenden Block ein Blatt Papier, warf ein paar flüchtige Zeilen darauf und reichte Redcliffe den Zettel. „Unterschreiben Sie das! Es ist das formelle ©eftänb- nis Ihrer sechs Morde. Sie können es ... nachher ... wieder vernichten." Redcliffe nahm Erskines Füllfeder und unterschrieb das Blatt, ohne es auch nur anzusehen. „Bitte", reichte er bann Blatt und Feder dem Detektiv zurück. „Sind Sie jetzt bereit?" Leslie Erskine blickte fasziniert auf seine Füllfeder, in deren glänzendem Knauf die Lichter der Lampe funkelten. „Einen Augenblick!" sagte er abwehrend. „Sie gestatten noch eine Frage?" Redclisses Augen unter den halbgesenkten Lidern waren ganz klein und grün geworden. Mord lauerte in ihnen. Er zuckte ungeduldig die Achseln: „Nun?" „Haben Sie zufällig von jenem Chinesen gehört, dem die Polizei vor kurzem eine furchtbare Mordwaffe abgenommen hat: einen Füllfederhalter, in dessen Hülse sich zwei mit Strychnin vergiftete Stahlpfeile befinden, die durch eine starke Feder abgeschnellt werden und es an Durchschlagskraft mit jeder Pistalenkugel aufnehmen?" „Nicht, daß ich wüßte..." Leslie richtete lächelnd die Spitze feiner Füllfeder gerade gegen Reb- cliffes Brust. „Es ist diese Füllfeder!" sagte er lakonisch. Im Bruchteil einer Sekunde war Redclisfe seiner Verblüffung Herr geworden und hatte die furchtbare Gefahr erkannt, in der er schwebte. Sein Revolver war unentwegt auf Erskine gerichtet gewesen, blitzschnell drückte er ab — Zweimal knackte die Waffe, sonst tat sie nichts. Leslie Erskine war aufgejprungen, alles Verbindliche war aus seinem Wesen gewichen. „Ich wußte ja, daß der Revolver nicht geladen war", sagte er mit eisigem Spott. „Hände hoch!" Noch ehe Redcliffe ganz erfaßt hatte, was geschehen war, schnappten ein Paar Handschnellen um seine Gelenke. Leslie Erskine trat an das Telephon: „Polizeipräsidium!" Und zu Redcliffe gewandt, sagte er mit einem spöttischen Lächeln: „Mein letzter Zug — Schachmatt!" * Eine halbe Stunde später reichte Leslie Erskine in einem Restaurant in Piccadilly dem Mädchen, das sich Gladys nannte, eine dicke, schwarze Füllfeder. „Diese Füllfeder hat mir heute beinahe das Leben gerettet... , bemerkte er lächelnd. Das Mädchen betrachtete den Füllfederhalter neugierig, schraubte ihn auf und fah bann Erskine etwas enttäuscht an. „Das ist doch eine ganz gewöhnliche Füllfeder..." .... „Ja eben!" sagte Leslie Erskine. „Eine ganz gewöhnliche Fuu- feber.. $6 I Bon U ■ meif Ihreinit mittet ■ Unraft | H über Feder ini und « 6*t sich |g er richtiger, S°ngen, di, nut 6ie von feinem n auch, toj nichts bten« i Boden ge* t Bersiiguii reinem toi! u Haden... angestrengt Wunsch P seine Brnst *< L/fArttö etaden * V *' tfi5 1*2 genden W reichte 5)(J' eile W* vernichten Blatt, »Pi , Feder d« tren gW”’ nbli-kl" W n ganr,[2{ igednld'S w ; Polizei wissen, doh le M übet* J. Erskine! en werde, Schußlinie, egen. „Wie* dann kalt* de es nicht, it> Sie mich ll auch der mim halten, habe immer Ilt man auch sich irren!' rer gewesen, hrer jetzigen ; interessiert Faustische Gestalten in deutscher Zeitenwende. Von Professor Willy Andreas. Ein Meisterwerk geistes- und kulturgeschichtlicher Darstellung hat der Heidelberger Historiker Andreas in seinem bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erschienenen Werk „Deutschland vor der Reformation. Eine Zeitenwende" geschaffen. Die Epoche, eine der großartigsten und zugleich gefährdetsten der deutschen Geschichte, die in ihrer Stellung an der Wende zweier Zeitalter mit der unsrigen manches gemein hat, besitzt in der von der Sage gesteigerten, von der Dichtung verklärten Gestalt des Faust einen reprä- entativen Charakter. Diesen faustischen Zug schildert der Ver- asser in einem Abschnitt, aus dem wir einige Teile als Probe einer glänzenden Darstellungskunst wiedergeben. Don allen Geistern der deutschen Renaissance gleicht Paracelsus am meisten dem Bilde des F a u ft, so wie ihn Goethe gezeichnet hat, der einiges aus seinem Leben und seinen Schriften als Modell verwandte. An den wirklichen Faust erinnern allenfalls einige äußerliche Züge, die Unrast seines Wandels, das Aufsehenerregende der ganzen Erscheinung. Aber auch sie gleichen ihm nur auf den ersten Blick oder Schein. Denn selbst die großen Worte des Hohenheim und einige seiner Hemmungslosigkeiten erklären sich doch aus dem Kämpfertum des schassenden Genius. Das Quackjalbertum jenes Doktor Faust stand tief unter der Kunst des Paracelsus, wie er auch menschlich eine minder wertvolle Persönlichkeit war. Merkwürdig aber: Deutschland brachte in der Schwüle der Zeitenwende eine Gestalt nach der anderen hervor, an denen diese oder jene Eigenschaft faustischen Anstrich hat, sei es im Sinne höchsten Erkenntnisstrebens, sei es dunkler Künste, oder auch der Verbindung von beibem. Als ob die Volksseele trächtig sei mit Kräften solcher Art, die ans Licht wollen! Traten sie aber hervor und gewannen sie Gestalt, so war es immer nur ein Bruchstück des großen Faust, den die kreisende Welt schien gebären zu wollen, ein Fragment mit Unvollkommenheiten und allzu Menschlichem behaftet, oder eine Spottfigur des Uebermenschentums, dem sie vergeblich sich zu nähern suchten. War Paracelsus derjenige unter ihnen, der nach Anlagen und Größenausmaß dem Goetheschen Faust am nächsten kommt, so nimmt der wirkliche Doktor Faust seiner eigenen dichterischen Verklärung gegenüber Die niederste Stufe ein. Der ungewöhnliche Eindruck, den er auf seine Zeitgenossen machte, und seine tiefe Nachwirkung wären kaum erklärbar, hätten nicht die Seelensttmmung der Menschen und das Helldunkel der ganzen Wissenschaftssituation die Anziehungskraft des seltsamen Mannes in ihren Leitanschauungen wankend gewordenen, aber noch nicht aus vermehrt Günstig war seinem Auftreten die innere Unsicherheit einer neuen, festen Grund gekommenen Zeit, der Ueberdruß an der Gegenwart und der Hunger nach etwas Unerhörtem, kurz die mangelnde Gleichgewichtslage des spätmittelalterlichen Menschen. Wie hätte stmst ein prahlerischer Schaumschläger eine solche Rolle spielen können? Denn das war Faust wennschon einer, der vermutlich mit hypnotischen oder suggestiven Kräften ausgestattet war und dank dieser oder ähnlicher Gaben seine Zuhörer in Bann zu ziehen wußte. Arzt, Sterndeuter, Schwarzkünstler und Goldmacher in einer Person, erschien der verbummelte Herumtreiber, den es von Ort zu Ort, von Universität zu Universität trieb bald im Lichte des Ungewöhnlichen, und es ist nicht weiter verwunderlich, wenn man ihm, be? sich selber als Philosoph ber Philosophen unb zweiten Magus bezeichnete, Umgang mit dosen Machten nachsagte Sem iah.s, vielleicht gewaltsames Enbe, bas er spater m Staufen >m Breisgau fand wurde denn auch so gedeutet, sein Pakt mit ber Holle fei abgelaufen gewesen, unb es habe ihn buchstäblich ber Teufel geholt. Es ist als ob ber Zeit in biefer abenteuerlichen Gestalt des Doktor Faust das ins Ungeheuerliche verzerrte Spiegelbild ^er eigenen Unraft entgegentrete In seiner anscheinend pathologischen Pers0nllch keit halt ihr^Suchen und Fragen die Züge ber Pseudowisienschast unb größenwahnsinnigen Marktschreiertums angenommen, bezeichnete sich doch Faust, als er sich an ber Ruperto-Carola fürs Stubiurn der Theologie e n- getorieben hatte, als Hemitheos Heidelbergensis (HeibAberger H ld- qothi Fernst soll verunglückte Flugversuche angestellt unb sich mit Gelster- chwörungen abgegeben haben; er behauptete verlorene Hanbschnsten herbeischaffen ober aus bem Gebächinis wiederherstellen zu tonnen In Würzburg brüstete er sich, er tonne °«e Wunder Christi vEnngen, SÄ L'« a« >2 S"sch7n° Mtf'SÄS'tS*- ^sittlicher unb geistiger Hinsicht wesentlich hbcher als Faust stand T r i t h e m i u s, der im Jahre vor L u t h e r s Thefeimnilyiag , Abe? mich @11 ÄS hat Trithem den wirklichen Faust, obwoh s ch d» er »-»«eM'^ihm bürg aufgehalten haben soll, offenbar mch . b über s-rngehalten. Die Schilderung des berühmten Tr.tyemiimorie^, bas Treiben Fausts Kunde gibt, lautet l &ifcrrud)t empfand gegen dahin, ob der gute Abt nicht eme Spur' J b’n Geheimfächern den unlauteren Wettbewerb d'eses Nebenbuhlers^in de^Gey^^I t der Wissenschaft, oder ob er m Faust wohl d n t ion unb bie ’^r dies alles ist bezeichnendfür die geyiiqe schwelgerische E '?ge des Zeitalters, bei vw ‘ Wissen und ein erwartungs- «—«* * *• schen nach dem Unerforschlichen Ms zur Jagd nach dem Verbotenen unb eine gewisse Freude am geistigen Abenteuer, bie deutlich auch an Trithe- mius hervortritt, wiewohl ihm, dem Mann der Kirche, nicht ganz geheuer dabei zumute ist. Denn er betonte stark, daß die wunderbaren Weisheiten, über bie er verfügte, sich nur zur Mitteilung an wenige und einen kleinen Kreis von Eingeweihten eigneten, da ihr Mißbrauch Staatsumwälzungen heraufbeschwören, ihr Bekanntwerden alle möglichen Verbrechen begünstigen könne. Insonderheit, meinte er, sollten regierende Herren diese Geheimlehren sich zu eigen machen und die Art, wie er in seinen Vorreden und vertraulichen Briefen sie ankündigte, rückt ihn etwas in bie Nähe geistiger Taschenspielerei... Gestalten wie ber Doktor Faust unb Trimethius, aber auch die ernsteren Vertreter deutscher Naturphilosophie sind in Wesen und Wirkung erst voll zu begreifen, wenn man sich vergegenwärtigt, welche geistige Atmosphäre sie umgab. Diese an inneren Gegensätzen schier berstende Zeit erzeugte aus sich heraus sonderbarste Gegenstücke zur Schärfe antikirchlicher Kritik und zur Entfaltung verstandesmäßiger Klarheit: Uralte, halb verschüttete dunkle Überlieferungen brachen mächtig hervor, die sich dem erwachenden Natursinn, bem (Ertenntnisbrang und Lebensgefühl einer neuen Generation aufs eigenartigste »ermäfjlen. Doch war es keineswegs nur dem deutschen Geiste vorbehalten, seine Walpurgisnächte zu feiern, begegnen wir doch auch in der Renaissancephilosophie des Südens und sogar bei ihren Größten, Männern wie Gi 0 rdan 0 Bruno und Campanella, ähnlichen Erscheinungen: einer bisweilen hemmungslosen Phantastik, der inneren Unrast und der Abenteuerlichkeit der Lebensgänge, dem Allesergreisenwollen und der Kräftevergeudung. Auch ihre Geistesaufschwünge enthalten trübe Beisätze von Aberglauben unb Allerweltskönnerei. Man muß sich daraus besinnen, daß selbst ein klarer Kopf wie Leonardo trotz hellsten Wirklichkeitsblickes sich Abschweifungen schwärmerischer, ja visionenhafter unb apokalyptischer Art gestattete. Cs finben sich in seinen Fragmenten solche, bie sich orakelhaft über Menschen unb Naturgeheimnisse auslassen. Einigen Raum nahmen immerhin auch bei ihm Magie, Mystik, Alchemie ein, Dinge also, bie bei anderen Renaissancemenschen mehr in ber Mitte gelagert waren ober gerabezu überwucherten. Drängten sie bei ihm auch nicht so erhitzt und zügellos hervor wie bei jenen, etwas von solcher Phantastik lebte auch in ihm, bem ewig Unruhigen unb Fragenden, der gewiß Verkörperung neuzeitlichen Forschersinns ist. Der Kriegskommiffar des Königs. Roman von Friedrich F r e k s a. Copyright 1931 by August Scherl, G. m. d. H., Berlin. (Fortsetzung.) Der Generalleutnant nickte: „Sie sind ein braver Mann — aber der ! Men ich soll im Leben nicht über die Trauer stolpern! Genug! Reiten \ Sie morgen gleich nach Stettin — stellen Sie sich bem Herzog vor! Sie ' werben gut ausgenommen — dafür bürge ich!" i Heinrich mußte noch ehrenhalber eine halbe Stunde am Tisch des ! Generalleutnants bleiben, schlief dann einen traumlosen, kurzen Schlaf ■ und ging am nächsten Morgen ins Haus der Pastorin, um Abschied zu ! nehmen. . , ,, Klara kam ihm entgegen, war ganz rot, weinte und lachte: „Mutter hat mir gefegt, was Sie für uns tun wallen!" ! Heinrich' war sich's gar nicht bewußt, bah er auf bem Stuhl saß und ! das Mädchen auf [einem Schoß, bas ihn umhalste. Die Pastorin kam und sagte: „Besseres hätten Sie meiner Emma nach ihrem Tode nicht erweisen können!" Und so war Heinrich verlobt zum zweiten Male und wußte nicht, wie ... Beide Frauen waren hocherfreut, als er ihnen erzählte, welchen Posten er einnehmen würbe. ; „Ich weiß ja", rief die Mutter, „was für Geschick und was für Gluck ■ Sie" haben! Wenn nur der Krieg erst vorbei ist — unb bas muß ja : bald fein —, bann werden Sie ein Beamter des Königs, und ich komme mit meiner Tochter zu Ihnen!" Als er Abschied nahm, begleitete ihn Klara, die ihr Häubchen aufsetzte, auf die Gasse. Sie legte beide Hände um feinen Arm unb bat: „Heinrich kannst bu mich nicht mitnehmen? Ich mag nicht hier in Halle fein! I Ich'mag nicht in ber Dumpfheit leben und im Erinnern an die Schwe- I ster ... Unruhe ist in mir ... Ich werbe gewiß nicht viel verlangen, i aber behalt mich bei dir!" i Da schüttelte Heinrich den Kopf: „Nein, Kmb! Daraufhin, baß ich jetzt probeweise als Sekreiarius angenommen werde bei der Proviant- i temmiffion in Pommern, kann ich ein Mädchen nicht aus dem wohl- I behüteten Nest nehmen!" I , Aber ich sag dir's doch: Ich halte dies Leben hier nicht langer aus! Ein"Tag ist wie ber andere ... Das Gleichmaß der Zeit erdrückt mich! „Auch diese Tage gehen vorüber!" tröftete Heinrich. „Wenn's nur bann nicht zu spät ist!" rief Klara. Ohne zu bebenfen. daß sie auf ber Gasse waren, umhalste und herzte sie ihn und lief schnell zurück ins Haus. # Zur schicklichen Stunde, um neun Uhr morgens, meldete sich Heinrich in Stettin auf dem Gouvernement. Der Adjutant des H^zogs von Braunschweig-Bevern schien bereits unterrichtet, aber er machte bie Jur Heinrich [onberbare Bemerkung: „Pünktlichkeit ist erwünscht — lieber« Pünktlichkeit manchmal unbequem unb unangenehm! I Heinrich wartete; nach anberthalb Stunben würbe er beim Herzog 1 vorgelassen. Der saß, streng frisiert, kerzengerabe, ohne sich anzulehnen, ! in feinem Stuhl, schaute ihn an, manbte bann ben Blick auf eine kleine 1 Marmortafel zur Linken unb bemerkte: „Nach meiner Zetttabelle hatte ich Sie für übermorgen erwartet. Es freut mich, baß Sie es mit bem Dienst eilig haben. Wollen Sie sich, wie ich es in meinem Schreiben angegeben haben, sofort zu bem Herrn von Puttkamer begeben! Heinrich schaute von bem strengen, kühlen Gesicht bes Herzogs hin- über zum Abjutanten unb erklärte: Jnbem ich um Parbomerung bitte, das Unordnung, wie ein verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Derlag: Drühl'sche Universitäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lange, Gießen. Er daß Sein Aerger hatte einen ganz vernünftigen Grund: denn Heinrich kam Herrn Gruner, dem anderen Substituten, bald darauf, daß er von seinen Rechenkünsten einen sehr schlechten Gebrauch machte. Gruner war früher Kaufmann in Stettin gewesen, hatte sich in das Amt eingeschlichen, um mit früheren Handelsgenossen besondere Geschäfte zu machen. Heinrich hatte schon immer geahnt, daß es mit Gruner nicht recht stünde. Doch als der ihm einen Danziger Kaufmann zuschob, der Häute liefern wollte, stellte Heinrich bei der Besichtigung fest, daß die Häute übel stanken. Durch einen Gerbermeister ließ er sich's bestätigen, daß die Ware faul wäre. Nun meinte der Danziger, für die Vermittlung würde er gern hundert Taler für einen frommen Zweck opfern: den frommen Zweck zu finden, wolle er dem Herrn Sekretarius überlassen. Es mar Heinrich höchst widerlich, doch als er ein paar weitere solcher Fälle gesunden, hielt er Arnim und Stülpnagel Vortrag. Beide verständigten Puttkamer und gingen dann kavaliermäßig vor, wie sich's Heinrich nie gedacht: Sie nahmen Reitpeitschen, gingen ins Büro, ver- „Ach", erwiderte Stülpnagel, „vielleicht kann der neue Sekretär mit Arnim zusammen ausbrütenl" Arnim brummte: er wäre selber auch gern nach Drebkow geritten, nahm Heinrich mit sich in sein Zimmer. Hier wurde es nun klar, Arnim viele Skripturen liegengelassen hatte, das Schreiben machte möchte ich um Jnstruktiones ersuchen, da ich einen Brief nicht empfangen habe." „Der Brief ist untersiegelt und hinausgesandtl" „Bitte abermals um Pardonierung! Ich war in Familienangelegenheiten in Halle und erfuhr dort von meiner Berufung ourch den Generalleutnant von Winterfetdt, von dem ich dieses Billett an den Herrn Herzog zu überbringen habe." Und er zog das Schreiben aus der Brufttchche hervor. Der Herzog schüttelte den Kopf: der Adjutant schüttelte ebenfalls den Kops. „Reglementswidrig!" brummte der Herzog. — „Reglementswidrig!" bestätigte Der Adjutant. — Dann schaute der Herzog ihn groß an aus seinen leeren Augen: „Er scheint diffizil zu sein, wenn auch eifrig ... Herr von Buch, teilen Sie aus dem Notenbuch mit, was die Instruktion besagt!" Heinrich fühlte, wie ihm die Ungeduld aufstieg ob so vieler Umständlichkeit. Die Instruktion, die er nach den Notizen des Schreibers jetzt erfuhr, lautete: „Nach der Vorstellung beim Herzog von Bevern haben Sie sich zum Herrn von Puttkamer auf das Proviantkommissionsamt zu begeben und sich dort in Ihre Dienste einweisen zu lassen!" Das tat Heinrich nun und fand in dem Herrn von Puttkamer einen würdigen, braven, alten Mann, der zu dick und unbeholfen war, um seinen Schreibsessel zu verlassen. Er ließ sogleich die beiden anderen Chefs kommen, einen Herrn von Stülpnagel und einen Herrn von Arnim. Beide traten ein in Reithosen, Stiefeln und Kavaliersrock. Von ihnen bekam Heinrich alsbald einen günstigen Begriff: sie waren lebhaft, freundlich. Der Herr von Puttkamer reichte dem Herrn von Stülpnagel einen Brief mit der Abrechnung über Mehl von der Mühle in Drebkow. „Ist sofort zu erledigen! Schreiben Sie hinüber!" Aber Stülpnagel meinte: „Es sind ja nur zwei Meilen Wegs nach Drebkow: da reit' ich gleich und mach's persönlich ab!" „Es sind doch auch noch die Quäskuren zu erledigen!" ihm Mühe. Heinrich blätterte die Briefe durch und trug knapp vor, wie er es bei Schwerin gewohnt war, was Inhalt und Materie war. Da zeigte sich Arnims anschlägiger Kopf: denn für jede der Fragen hatte er eine präzise Antwort. Heinrich schrieb sie sich in abgekürzter Schrift nieder. „Oh", rief Arnim, „Er scheint ja ein Donnerwetter-Schreiber zu sein! Das ist gut!" Und lächelnd fügte er hinzu: „Stülpnagel und ich haben vor Schreiben die allerhöchste Angst! Darum kommen die Geschäfte nicht weiter ... Das Nächste reiten wir ja alles ab, aber für die Ferne muh man doch schreiben — so unangenehm es ist!" Im Flug war die Zeit bis Mittag vergangen. Arnim führte Heinrich in das Büro der Substituten, seiner eigentlichen Kollegen. Sie hörten schon aus dem Flur einen heftigen Streit. Heinrich sah zwei sich gegenüberstehen: einen kurzen, beleibten Mann in Ueberrock und Stulpstiefeln, dem, wie einem Viehhändler, eine dicke Kette über dem Bauch baumelte, und einen anderen, Schwarzgekleideten in Strümpfen und Schuhen. Die beiden schrien sich an. „Es ist aber ausgemacht, daß die Stadt die Schafe übernimmt! Wir brauchen keine Angestellten! Was soll werden, wenn die Schafe abgetrieben sind? Es ist Unsinn!" — Der Schwarze hingegen meinte: „Ordnung muß sein!" Arnim gebot Stille, stellte den neuen Kollegen vor und machte, daß er hinauskam. Jetzt schauten sich die drei an, und Heinrich merkte wohl, daß der in Stulpstiefeln, namens Braun, angetrunken war. Aber der andere, der sich jetzt geschmeidig verbeugte und Heinrich bat, am heutigen Tag sein Gast zu sein im Luftdichten", war ihm noch unangenehmer. Was half es? Er mußte die Einladung annehmen, um die Kollegen nicht vor den Kopf zu stoßen. Es zeigte sich nun, daß die Besoldung, die für das Amt ausgeworfen war, nicht gerade bedeutend ausfiel. Alles in allem durfte Heinrich auf zweihundertfllnfzig Taler im Jahre rechnen. Doch er fand Quartier bei einer Witwe, die ihn für drei Groschen täglich verpflegte. Freilich, viermal die Woche gab es Fisch und des Abends fast immer Hering. Bald wurde er bei einer solchen Mahlzeit schon vom Ansehen satt, so sehr hatte er sich von den vielen Fischen übergegessen. Die Arbeit war groß: denn das ganze Rechnungswesen stak voller Unordnung, wie ein Garten, der nicht gejätet wird, voller Unkraut. Braun, der früher Oekonomieinspektor gewesen war, erwies sich als tüchtig in der Abnahme und in der Kontrolle des Viehs, aber zumeist war er in einem Branntweinrausch, darum immer heftig und streitsüchtig. i droschen den Halunken und erklärten ihm: Wenn er wiederkehre, würde er eine neue Tracht Prügel beziehen. Und Gruner steckte es ein. Er ' schwur zwar Heinrich Rache, schäumte Wut, aber Arnim, der es hörte, kam zurück und beförderte ihn mit einem Fußtritt hinaus. Nach dem Rausschmiß Gruners nahm sich Heinrich einen Kauf- j mannskommis zur Hilfe, und nun zeigte es sich, daß bei guter Registra- i tur das ganze Amt gar nicht so schwer zu verwalten war. Gruner hatte ! Konten und Gegenkonten angelegt und sich großgetan mit seinem kaufmännischen Wissen um Handelskunde — nur, um Verwirrung zu stiften. Eintragbücher mit angehefteten Quittungen wurden angelegt, alles vereinfacht, und bald wußte das Guvernement bis auf jeden Mehlsack und jede Nummer genau Bescheid, wieviel an Vorräten vorhanden war. Als das Frühjahr kam, mußte Heinrich mit hinausreiten, um die Lebensmittelbestände der Güter aufzunehmen. Dabei gewann er einen Einblick in das, was das Land leistete und dem König darbrachte. Die * Junker waren einfache, tüchtige Männer, die in Feld und Wald genau Bescheid wußten: aber mit dem Schreiben haperte es bei manchem. Die Gesinnung gegen den König war die treuester Vasallen. Es war selbstverständlich, daß die Söhne, sobald sie dreizehn und vierzehn Jahre waren, sich zum Kadettenkorps meldeten und mit fünfzehn bereits ins Heer eintraten. Die Frauen waren tüchtig, packten mit an im Stall und in der Kunkelwirtschaft. Sie lasen auch Bücher, wie zum Beispiel die Fabeln von Gellert und neuerdings Gleims „Lieder eines preußischen Grenadiers". Heinrich galt als ein Ausbund von Wissenschaft, daß er Gellerts Fabeln auswendig konnte: und daß er ein gutes Französisch sprach, erregte allgemeines Erstaunen, denn nur in den gräflichen Familien wurde das Französische von Hausmeistern gelehrt. Die Kenntnis dieser Sprache galt als erstrebenswert und unerläßlich für ein Fortkommen, wenn ein junger Herr oder eine junge Dame an den Hof gehen wollte. Die Kriegsnot wuchs gewaltig. Die Gutsherren klagten darüber, daß, wenn sie Schmiedwerk, Seilerei oder andere Handwerkswaren einkaufen wollten, sie für taufend Taler oft hundert in sechs Monaten Zinsen auforingew mußten. Heinrich sah innerhalb eines halben Jahres, wie manche Herren, die über drei schuldenfreie Güter verfügten, Silbergerät gegen Zinn umtauschten — nur, um das Notwendigste zahlen zu können an Löhnen. In der Stadt aber wurde mancher Roßtäuscher oder Krämer plötzlich reich und stolzierte in Samtrock und Perücke einher. Die Schweden kamen ins Land, schrieben Lieferungen aus an Güter und Städte. Heinrich mußte den Herrn von Arnim als Vertreter der Ritterschaft begleiten, damit auch diese Kriegsgeschäste des Zwanges ordentlich abgewickelt würden. Der Hauptteil der Verhandlungen fiel Heinrich zu, da er französisch parlieren konnte, und die Schweden zumeist dieser Sprache mächtig waren, während sie Deutsch nicht verstanden. Die schwedischen Soldaten erwiesen sich als gutmütige Burschen, die aber wenig leisteten, weil sie wenig herangenommen wurden. Von den Offizieren wußte keiner Bescheid, und so wurden Arnim und Heinrich von Kommando zu Kommando weiterbefördert, bis sie zuletzt im Kriegslager von Anklam anlangten, wo der General Graf Hamilton kommandierte. Der empfing Arnim und Heinrich stehend, ließ sich die Schriftstücke überreichen, sah sie durch. Arnim versuchte französisch zu sprechen, verfiel aber alsbald ins Deutsche. Hamilton antwortete auf französisch und bemerkte dabei, die Bildung sei in Preußen wohl nur auf den Kopf des Königs beschränkt, der ja lieber französisch als deutsche rede, und er sehe ja nun ein, daß sich der preußische König offenbar der Unbeholfenheit seiner Untertanen schämte. Da griff Heinrich ein und bemerkte, daß der pommersche Adel aus seinem eigenen Grund gewachsen sei und nicht in sich so viele Franzosen und Engländer aufgenommen habe wie der schwedische Adel, der ja groß geworden sei durch die Kriegszüge weiland Gustav Adolfs und des großen Königs Karl XII., über dessen Charakter heute die Welt durch die Schriften Voltaires Bescheid wüßte. Hamilton horchte auf und begann, sich mit Heinrich zu beschäftigen. Ja, das Gespräch über Voltaire fesselte ihn so, daß er diesen preußischen Sekretarius und Doktor an seine Tafel bat. Von Arnim erfuhr Heinrich, daß das als ein unerhörtes Faktum von den schwedischen Ofsizieren aufgenommen sei: denn der Graf Hamilton sähe sonst als Menschen nur solche an, die zumindest Oberst und Baron wären. Die Wohlgelittenhelt beim Grafen Hamilton kam Heinrich sehr zustatten. Er erkannte ihn als einen stolzen Herrn, der aber innerlich milde und gerecht war. In der Kriegführung leistete er wenig, well er dem Krieg überhaupt abgeneigt war. Es gab da unter den Schweden zwei Parteien, die der Hüte und die der Mützen. Niemals wurde es Heinrich klar, was den Unterschied der beiden Parteien ausmachte, ober sie waren da — sie beeinflußten die Politik des Landes. Die Hüte schienen die Vornehmeren zu fein: sie waren gegen den Krieg. Die Mützen, die auch eine Adelspartei darstellten, waren für den Krieg. Später unterhandelte Heinrich mit dem General von Recklinghausen. In dem lernte er einen ehrenfesten Mann kennen von preußischer Herkunft: doch die galt jetzt nicht mehr — er hatte der blauen Fahne mit dem gelben Kreuz geschworen und stand nun als Schwede da, für Schweden ehrenhaft bereit. Der schimpfte auch über die lasche Kriegführung, ober er konnte es nicht ändern. Im Herbst des Jahres gingen die Schweden wieder zurück auf ihre Basis, und der Feldzug hatte ein Ende. Die Not des Landes Pommern war wieder mehr gestiegen. Die Grundbesitzer wurden ärmer, die städtischen Händler reicher. (Fortsetzung folgt.) Nummer 86 Jahrgang 1932 Freitag, den 4. November r Gewalt. Da trat ihm Wallenstein entgegen, der der Kampf. Im Schutz der Dunkelheit zieht sich Wallenstein zurück. Schweden haben gesiegt, aber ihr König ist nicht mehr. 1 I für im , «Mwi 65 ikffliiii uhteh» >Wt U ' btt ihi tfet gr» mstaj, m ^5, gute steckte tyt hier stzd ren und« Heu So«, iit Serijj nen, HM« ich mugien men &r- » Wort ji 1, weil iht : Schelm» ahlm, ms 20 21 riefen ev^cyaxroern onmi es yeroin, Es brausen und dröhnen Luft und Erd, Darauf ein Reiter auf weißem Pferd. Signale, Schüsse, Rossegestampf, Der Rebel wird schwarz wie Puloerdampf, Wie wilde Jagd, so fliegt es vorbei; — Zitternd ducken sich die zwei. Run ist es vorüber ... da wieder mit Macht Rückwärts wogt die Reiterschlacht, Und wieder dröhnt und donnert die Erd, Und wieder vorauf das weiße Pferd. Wie ein Lichtstreif durch den Nebel es blitzt, Kein Reiter mehr im Sattel sitzt, Das fliehende Tier, es dampft und raucht. Sein Weih ist tief in Rot getaucht. Was hatte Gustav Adols erreicht und was bedeutete sein Tod Deutschland? „Dem Protestantismus hat er seine Selbständigkeit Reiche zurllckgegeben; niemand wird ihm diesen Ruhm entreißen." (Leopold von Ranke.) Sein Tod war ein Segen für Deutschland, sagen die einen ein Verhängnis, so lautet die Gegenmeinung. Die Frage, was aus Deutschland politisch geworden wäre, wenn Gustav Adolf weiter gelebt hätte und siegreich geblieben wäre, wird wohl stets offen bleiben; denn seine Zukunftspläne kennen wir nicht genau. Auch die Frage nach dem Grund für sein Erscheinen in Deutschland, die ja mit der ersten eng er der Führung des Prinzen Bernhard von Weimar — erneut den Feind an, aber erst mit dem Einbruch der Nacht endet "" * ....... Die 1, lmdem 1 in einen t trocken» Veihmchd einen mit sich in int ) rech! w n Wch»! tten Wch Ä on der 1 holten W echt. ®iw rauhen Ml Oberes rsonnn» ,er mürben. t die * geijflfl* u Bett uni Woihn-P; icö’s Mi der * ,a ihm 8“ & KM chen 9» et ’önife t war y jiefenl *8 &ti< *** GiehenerZamlienbMer Unterhaltungrbeilage zum Gießener Anzeiger bergs und auf den sächsischen Ebenen für sein eigenes Reich und sein Volk. Wenn er aber mit gutem Gewissen die Feld- und Waffenhilfe seiner Schützlinge in Anspruch nahm, wenn er sie künftig zu einem dauernden Bund unter der Leitung Schwedens vereinigen wollte, so war der Grund offenbar der, daß er die Geschicke der europäischen Völker als miteinander verknüpft betrachtete, wie sie es heute noch sind und schon damals waren, daß er deshalb mit vollem Recht behaupten konnte, sein Kamps für die Selbständigkeit Schwedens sei zugleich ein Kampf für die freie Entwicklung des staatlichen Lebens, des Glaubens und des inneren Aufbaus in ollen Ländern ..." Mit der verschiedenen Beurteilung Gustav Adolfs in bezug auf seinen Einzug in Deutschland, seinem dortigen Kamps und seine Pläne für die Zukunft hängt zusammen, daß auch fein Charakterbild in der Geschichte schwankt — wie das seines großen Gegners Wallenstein: vom „hergelaufenen Abenteurer", vom fremden Eindringling, der „wie ein Räuber in unser Reich eingebrochen" sein soll, bis zu dem von Gott gesandten Retter. Bestimmend für die betreffende Haltung gegenüber dem König ist dabei leider wiederholt mehr die Zugehörigkeit zu der einen oder anderen Konfession als nüchterne Sachlichkeit. Erwärmend ist das Charakterbild, daß Heinrich von Treitschke in seinem oben erwähnten Vortrag von Gustav Adolf entworfen hat. „So recht als ein Mann nach des Volkes Herzen", sagt er da, „erschien der siebzehnjährige Jüngling, blond, mit strohlenden/blauen Augen" .. „heiter und lebensfroh, von altnordischer Einfachheit, ein Meister in der Kunst des Gesprächs, und tat es not, dann Oer 6. November 1632. Don Theodor Fontane. Schwedische Heide, Novembertag, Der Nebel grau am Boden lag, Hin über das Steinfeld von Datorn Holpert, stolpert ein Räderkarrn. Ein Räderkarrn, beladen mit Korn; Lorns Atterdaa riebt an der Deichsel vorn, fes I Colour & Grey Control Chart dem verbesserten, Gregoriamschen Kalender, sind es dreihundert Jahre her, feit Gustav Adolf, der große Schwedenkonig, auf dem Schwchtselde bei Lützen sein Leben verlor. Mit feinem Namen verknüpft sich die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg: den unheilvollsten und wr- heerendsten, der Deutschland je heimgesucht hat. Gustav Adolfs große Bedeutung für das Schicksal Deutschlands und die Entwicklung des Prote- ftantismus rechtfertigt es, in diesen Tagen auf fein Leben, ferne Taten und seine Persönlichkeiten einen Blick zu werfen. m -n. Dem Hause Wasa entsprossen, ein Enkel Gustav Wasas, des B.grun- ders dauernder schwedischer Selbständigkeit der außerdem '"Schweden die Reformation eingeführt hatte, folgte Gustav Adolf 'M Jahre '611, siebzehnjährig, seinem Vater Karl IX auf dem Throne Jn den Knegen gegen die Dänen, Russen und Polen bildete er sich !°' ,^12 ZUm Feld- berrn Im Jab re 1630 landete er mit seinen jchwedischen T.uppen es waren nur 15 000 Mann Fußvolk und 3000 Reiter — m Pommern, um in die deutschen Angelegenheiten bestimmend..^"greifen Wi° war in Deutschland damals die Lage für dw Protestanten. « war durch Ferdinands II., des Kaisers bekannten "W-erererstattungsde^ fehl" vom Jahre 1629 derart verzweifelt geroarben, um mit®' Dropsen zu reden, „nur noch Schweden das evangelische Deutsch, an retten konnte". „Gustav Adolf kam, tob,— entt26 m l t Iwar Mächten den schon fast sicheren Sieg. (Johannes Pü-.,. konnte er Magdeburg, vor dessen ^uern der bayerz ie lag, nicht mehr retten, da er durch Verhandlungen mit Bransenvu.g Blue White Yellow Grey 3 Green Grey 2 Cyan Grey 1 Red Grey 4 ers wieder ein Heer aufgestellt hatte. Dieser besetzte wurde dadurch genötigt, ihm dorthin zu folgen. lt bei Lützen, von der uns Einzelheiten bekannt in den Kampf wurde im schwedischen Heere, in Adolfs Führung noch religiöse Begeisterung und i, ein Gottesdienst abgehalten. Dabei wurden die l ist unser Gott" und „Verzage nicht, du Häuflein rückte der König, hoch zu Roß, an der Spitze des nd vor, nachdem er zuvor noch die Worte aus- oollen wir dran. Das walte der liebe Gott. Jesu, •eiten zu deines Namens Ehr." Gustav Adolf, der it im Nebel zu nahe an den Feind geraten ist, verwundetes Roß, das, mit Blut bespritzt, umher- eben den Tod ihres Königs. Um ihn zu rächen, Magenta Black und Sachsen aufgehalten worben war, aber kurze Zeit darauf, im September desselben Jahres (1631), schlug er, vereinigt mit den Sachsen, bei Breitenfeld nördlich von Leipzig Tilly vollständig. „Der Tag von Breitenfeld", sagt Heinrich von °Treitschke in seinem Vortrag „Gustav Adolf und Deutschlands Freiheit", war der Tag der Befreiung. Der deutsche Protestantismus war gerettet, die Parität der Bekenntnisse gesichert. Von einer Ausrottung und Beraubung der Protestanten, wie sie das Restitutionsedikt geplant hatte, konnte fortan nicht mehr die Rede fein 3m Frühjahr des nächsten Jahres gelang es Gustav Adolf, München, —- — panesZv ans, zu erobern. Er stand jetzt auf der Höhe des pictäSy?" es. Ganz Deutschland mit Ausschluß von Oester- zusammenhängt, ist von den Forschern sehr verschieden beantwortet worden. Während nach C. G. H e l b i g s Auffassung vor allem religiöse Be- wenaründe des Königs Handeln bestimmt haben, bestehen für Gustav 2 8 6 16 19 6 8 14 15 12 13 17 18 9 10