Nummer 2< Samstag, den 26. März Jahrgang <952 Das Kreuz. Bon Fritz Diettrich. Ein schmählich Holz ist abgehauen, Gering an Wuchs und Art. Und diesem Holz entsteigt ein Grauen Und überrinnt eiskalt die Frauen, Die um Maria sich geschart. Nie war in dieses Holz gestiegen Ein Saft voll Süßigkeit. Nie war ein srüchtevolles Wiegen, Ein Vogellied, ein Aesteschmiegen In seinem tödlichen Gezweig. Ohn' Trost Ist dieses Holz zu schauen, Als hott' es nie gelebt, Als sei es ganz, aus grauem Stein gehauen. Es schwankt als schwerer Mast im Frühlingsblauen Unsicher hin. Und hoch ein Geier schwebt. D Marterholz, bald fallen deine Schrecken! Du wirst verwandelt sein Und überblühst die Welt an allen Ecken Und reifst auf Golgatha, dem Leidensflecken, Süßesten Wein. Gießener Zamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Gespräch am Abend vor Ostern. Von Hans Franck. Sie hatten ihr Haus hinter sich gelassen, der fünfzigjährige Mann und die vierzigjährige Frau; denn er wußte den Weg nicht weiter. Sie aber hoffte, daß es ihr vergönnt sein werde, im Gehen irgendwann die Hand zu erheben und Mut fürchte Frage zu finden! „Dorthin?" Die Bäume standen noch kahl. Auf der Erde lag letzter Schnee. Der graue Himmel hing so tief herab, als ob es nicht später März wäre, sondern November. Der Mann sah es und seufzte. Auf dem Beet am Haus bettelte das Goldgelb des Winterlings um schwesterliche Sonne. Im Garten läuteten weißgrüne Schneeglöckchen: „Es wird Frühling!" Ein Fink schlug. Die Frau hörte es und lächelte; schmerzlich, aber sie lächelte. Doch erst als sie aus das Feld kamen — das an drei Seiten vom See begrenzt wird, über den hinweg in schweigendem Mitklingen der Wald grüßt, so daß man sich dort frei und zugleich geborgen fühlt — erst da begann sie: „Wie konntest Du drinnen im Haus daS grauenvolle Wort sagend „Welches von den vielen Worten?" „Muß ich es wiederholen?" . „Wenn Du Antwort aus Deine Frage haben wcklst — ja. „Also sei es. Wie, Lieber, konntest Du sagen: Genug!" „Auch Elias, dieser mächtigste aller Glaubensstreiter, schrie: „Es iß genug, so nimm, Herr, nun meine Seele!" Der Prophet des alten Bundes! Der Mittler des Neuen Bundes a6e$ schleuderte nicht die Menschensumme dem Ewigen ins Gesicht; sondern es fragte den Vater unser Aller: „Mein Gott, mein Gott, warum hast D« mich verlassen?" . , ... , „Und was hat der, den auch Jesus mit solchen Worten anklagte, auf diese Frage geantwortet?" Da« weiß ich nicht. Niemand auf Erden Nnrd es jemals wißen. Ich weiß nur, daß dem, der sich selber des Menschen Sohn nannte, die Antwort Gottes hiilreichende Antwort war. Denn er stieg — obwohl er es vermocht hätte — nicht vom Kreuz herab, schrie nicht: „Es ist genug!", sondern nahm das Leid, nahm alles Leid der Welt auf sich, befahl seinen Geist in Gottes Hände und —“ „starb! Elias aber blieb am Leben!' Nachdem Gott der Herr von dem Berge herab ihn zu dem gezwungen hatte, wozu er Jesus zu nötigen nicht braiichte: zu der Erkenntiiis, daß das Göttliche nicht im Sturm, nicht im Erdboden, nicht im Feuer an uns vorübergeht, sondern im stillen sausten Sausen, ja; da blieb Ellas am Leben. Steht Dir dieses Leben höher als Christi Sterben?" Man darf Beides nicht vergleichen. Jesus wußte, baß er wieder auf- erstehen, daß durch dieses Wiederauserstehen am Ostermorgen sein Sao> sreitagsleid wenn nicht aiisgelöscht, daun doch ausgeglichen werde, und dieses Wissen ersparte ihnr die letzte Bitterkeit. Das Wort des Ellas aber war an sein Leben, an die Tragbarkeit seines Lebens gebunden. Hatte sem Leben „och Sinn, so mußte er es leben. War sein Leben ohne Smn geworden, ging das Maß des Leides über die menschlichen Kräfte, so mußte er sprechen wie ich — weil mein Leben sinnlos iourde oder, wenn es lisch einen verborgenen Sinn haben sollte, meine Kräfte nicht mehr ausreichen, es zu tragen — in unserem Hause sprach: „Ich mag nicht mehr! Ich tarnt nicht mehr! Ich will nicht mehr! Es ist genug!" ,Es gibt Eiserer um den Herrn, und es gibt^Dillder um den Herrin Es gibt Streiter durch den Streit, und es gibt Streiter durch das Leid. "Wohl. Und wozu Gott den Elias schuf, wofür er Jesus auf die Welt sandte, das liegt vor Aller Augen. Also erfüllten Beide durch das Gegensätzliche nur ihre Bestimmung; der Eine, wenn er sich ausreckte, Gott das mißlungene Werk vor die Füße warf und ihm zuries: „Genug! — der Andere, wenn er sein Haupt der Dornenkrone neigte, sich geißeln, sich beschimpfen, sich anspeien ließ und den Mund nicht auftat." Auch wozu Gott Dich schuf, bedarf zwischen Dir und mir keiner Worte." "Dann tat ich also nur, was ich tun mußte. Wie Elias." Hast Du gleich ihm gehandelt? Elias sagte rote Du: „Es rst genug! * aber er ging, nachdem Gott seine Augen aufgetan, sein Herz geianstigt hatte in das Leben, ging an sein Werk zurück. Als der Alte, der.Eiserer und doch als ein Neuer, als ein vertiefter Mensch. Tu aber, was wolltest Du tun? Was hättest Du getan, wenn ich nicht im letzten Augenblick zwische« Dich und den Tod getreten wäre?" Der Mann schwieg. So fuhr die Frau fort: Sieh Liebster, der Streiter durch den Streit braucht nicht immer und nicht überall Der zu sein, der es ist. Elias, der vorn Berge Horeb zun-ckkarn, hat — glaubst Tu es nicht auch? — hinfort manchesmal den Nacken gebeugt roo er vordem gesagt hätte: „Ich kann nicht mehr! Ich mag nicht mehr! crch wlll nicht mehr! Genug!" Hat den Nacken gebeugt' Und war in sich füll Der Streiter durch das Leid muß zuweilen den Kops Hochrecken und den Arm zum Schlag beben. Selbst Jesus schwang die Geißel über Widersacher der Ewigkeit, und es heißt von ihm: „Der Eifer um Gottes Haus hatte ihn gefressen!" „Wohin zeigst Tu?' Stille Auferstehung. Von Ernst Wiechert. 0(16 ich ein Kind war, hatten wir einen Holzmeister, der siebzig Jahre all war und jeden Tag, Sommers'und Winters, eine Melle well von feinem Dorf zur Försterei kam. Er saß in der Küche, rauchte seine Pfeife, hielt mich auf den Knien und schlug das Buch seiner Welt vor mir auf. Bet seiner Geburt hatte Goethe noch gelebt, und obwohl ich nichts von Goethe wußte, glaubte ich, daß der Holzmeister noch gut dabei gewesen sem konnte, als die bösen Brüder Joseph nach Aegypten verkauften. Und einmal in der Osterzell begleitete ich ihn ein Stuck Wege- Heun. An seiner Hand, durch den Wald, in dem die Knospen sich öffneten und d e ersten Drosseln sangen. So froh war mein Herz, daß ich aufschrie vor ~ujt, so laut, daß das Echo um uns aufstand. Da legte nur der Holzmeister erschreckt die Hand auf den Mund, eine harte Hand, die nach Harz und t>inde roch. „Still !" sagte er leise, „Christus steht aus... ■ Das ist nun vierzig Jahre her, und immer wenn die ~>e(t laut ist, > der Freude ober im Schmerz, stehe ich still daneben, well eine harte wa d auf meinen Lippen ist und eine leise Stimme über nur. «Still, Lbriftu steht auf..." Es ist nun kein Anlaß zur Freude iimdeutschen Volk um diese Osterzeit. Aber es ist Lärm genug, Lärm ohne Freude, -.arm aus Haß. Leitungen, Plakate, Aufrufe, Versammlungen. »Lazarus, komm heran-. Ach sie schrien nicht, damals als der Tote aus seinen kvrabtuchern ans- erstand. Die Schwestern nicht, das Volk nicht, und Christus nicht, -tränen waren in Christi Augen, Gebet aus seinen Lippen, Schauer in ,einem Herzen. Ja ich glaube, daß die Zeit kommen wird, da Gott über die Städte und Wüsten und Gräber der Erde rufen Wirb: „Lazarus, komm herausUyd daß das deutsche Volk aufstehen wirb, gebunben Et Grabtuchern an Fußen und Händen, und das Blut von seinem Antlitz wischen wird und Gott e heißen wird, es aufzulösen und gehen zu lassen. Und daß danach die neue Erde beginnen wird. Aber leise wirb es geschehen, gan.-, leise, und zuvor wirb eine barte Hand sich auf alle lärmenden Lippen legen und e.ne Stimme ivird sprechen: „Still... Christus steht auf . • • w Nein nicht von denen werden unsere Ostern kommen, die aus dem Markte stehen und den Heiland verkünden. Aber mitunter steht aus »userey Wegen ein stilles Gesicht auf, in den Schulen, aus den straßen, in den dämmernden Ecken einer Versammlung, auf den abendlichen Landstraßen, über die die Wildgans zieht unter dem ersten Stern: em stilles Gesickt, da- die Augen in eine weite Ferne richtet, ein versunkenes Lauschen, eine gläubige Stirn. Aus diesen Gesichtern ivird sie ziisammenwachieii, die neue ,vorm, die Krall, die den Stein vom Grabe wälzen ivird, die Liebe, die den Hab bezwmgen wird, die leise Stimme, die zu uns sprechen wird: „Komm heraus. - Dann werden wir Ostern haben. Nicht solange mir tonrfeht itm iem Stleib, onbern wenn wir nach dein Opfer verlangen statt nach der Macht. Denn noch niemand ist ans dem Leben auferftanben statt au» dem -lou. Wendel. Eine Ostergeschichte von Irmgard von Faber du Faur. Nach altem Volksglauben macht die Sonne am Ostersonntagmorgen drei Sprünge vor Freude über die Auferstehung des Herrn. Es war ein wunderbarer Ostermorgen. Die Sonne machte ihre drei frohen Osterfprünge. Die Sonne war fo froh, daß sie goldene Funken um- herstrcutc in die österliche Welt hinein. Drei Funken fielen in einen Teich, der mitten im Walde lag, und verfaulen. Am Teich lag die Schlange Kluge und gab acht. Tie Schlange Kluge hatte in einem alten Buch gelesen: aus dcnr Teich wird einmal einer kommen, dem die ganze Welt gehört. Die Schlange Kluge hatte ihre Eier in den Teich gelegt, denn sie wollte, daß das ihr Sohu sei, der aus dem Teiche käme und dem die ganze Welt gehöre. Nun gab sie Tag und Nacht acht, ob sich nichts regte. Sic sah die drei goldenen Funken aus der Ostersonnc in den Teich fallen itnb richtete sich auf und crfpähtc, was gcfchah. Die Flut bewegte sich und eine kleine Bachstelze hob sich herauf und wippte fröhlich am User hin und her. Und wieder bewegte sich die Flut und ein Reh hob sich heraus und fetzte seine schönen Füße fröhlich ins Ufergras. _ Die beiden Tiere blickten erwartungsvoll auf den Teich. Die Flut bewegte sich wieder und ein Kind stieg herauf, ein Knabe, in einem strahlenden Licht. Er legte seinen Arm um den Hals des Rehes, und die Bachstelze setzte sich ihm aus biC' Schulter. „Guten Morgen, Schlange Kluge", sagte er, „wie schön ist die Welt. Dies sind meine Freunde, Schönfuß, das Reh, und Tirili, die kleine Bachstelze. Ich bin Wendel, das Kind." Die Schlange fragte: „Wer hat dir meinen Namen genannt?" Das Kind erwiderte: „Ich sah dich an und wußte, daß du klug bist. Willst du mit uns gehen?" Kluge fühlte sich geschmeichelt durch die Anrede des Kindes und sagte ja. Da gingen sie. Voraus das Kind mit seinen beiden Tieren, und hinterher zog sich die Schlange durchs Gras. Und die Schlange sah, wie sich die Osterblumen, wo das Kind ging, aus der Erde drängten und öffneten mib wie die singenden Vögel ihm folgten. Wendel begrüßte jeden Baum, jede Blume, jeden Vogel wie einen »Ilerlicbsten Freund. Da lag mitten im Gras etwas wie ein grauer Stein und der bewegte sich aus einmal. Wendel erschrak davon. Die Schlange richtete frch aus und flüsterte ihm ins Ohr: „Das ist die häßliche giftige Kröte, flieh vor rhr! 1 c>st sie häßlich und giftig?" fragte Wendel und wandte sich um — und sah in zwei tiefe goldene Augen, in ein tieftrauriges Gesicht. Er kam heran und streichelte die Kröte und sagte: „Verzech mit, daß ich vordn erschrak Darf ich ein bißchen neben dir sitzen? — Unb bte Kröte ruckte em wcmg auf die Seite, und Wendel und Schönsuß unb Twill setzten sich hm. „Ich will dir erzählen", sagte die Kröte, „denn ich weiß Mele Geschichten. Aber ich konnte sie noch niemand erzählen, denn niemand hat sich noch still neben mich hingesetzt. Von dem Mond und der Sonne erzähle ich btt, und den Seelen der Bäume und den Geistern der Wasser und Steine. — Und die Kröttz fing zu erzählen an und war so froh, daß jemanb ihr zuhorte, und ihre Geschichten wurden schöner und schöner. Wendel und Schönsuß und Tirrli waren ganz glücklich, aber Kluge wand sich vor Zorn, daß sie nicht recht behalten hatte. _ Zuletzt schliefen die drei ein und wußten Nicht, träumten ste oder erzählte die Kröte noch? - Aber die Kröte, als sic alle drei schlafen sah, war leise weggehüpft, und in einer Pfütze fpiegelte ich der Mond und sie betete zu ihm und dankte ihm, daß er ihr Wendel geschickt hatte. Als die Sonne golden herauskam, wachten die Drei auf und machten sich wieder auf den Weg. Hinterher zog sich die Schlange durchs Gras Sie kamen an eine große breite Straße, bte durch den Wald geschnitten war. Sie sahen einen Mann, der sah böse und wild aus und ging geradeaus ohne rechts und links zu blicken; gerade auf Wendel und bte Aier.e zu. Wendel erschrak und wollte sich hinter ein Gebüsch kauern. Die Schlange zischte ihm ins Ohr: „Das ist ein schlimmer Mensch, ber etwas Schreckliches ÜOtSt er schlimm?" sagte Wendel und sah den Mann an und da sah er nichts als Verzweiflung in feinem Gesicht. — „Es tft em armer Mensch , sagte Wendel zur Schlange und blieb aufrecht stehen, bis der Mann herankam. Er hatte den Arm Schönsuß' um den Hals gelegt und Tirrli faß aus seiner Schulter. Der Mann sah die drei an mit einem scheuen, erschrockenen Blick und drehte den Kopf auf die Seite und wollte Vorbeigehen. Wendel berührte ihn und sagte: „Dürfen wir mit dir kommen? - und schon legte er seine Hand in die Hand des Fremden. „Wohin mit? fragte der Mann. „Weißt du, wohin ich gehe?" - Wendel schüttelte den Kopf. Der Mann sagte: „Seit du vor mir stehst, weiß ich es auch Nicht mehr. Vielleicht hat meine Mutter mich einmal so gesehen, wie ich dich vor mir sehe. — Den Weg, den ich ging, kann ich nicht zu Ende gehen." Er murmelte: „Zu ihr muß ich zurück. Ich wäre ihr fast aus immer verloren gegangen. — «Hab Dank, du Kinb", sagte er zu Wendel, und Wendel sah in ein ganz verändertes gutes Gesicht. „Dort geht's zur Mutter", sagte der Mann und deutete rückwärts und wandte sich und verschwand zwischen den Bä' nett. Wendel und Schönfuß und Tirili gingen auf der Straße weiter und Kluge wand sich böse im Staub hinterher. Auf einmal war der Wald zu Ende — erst kam em graues ödes Feld, und weiterhin standen graue Hauswürfel mit schwarzen Fensterlochern, • einer neben dem andern, und Qualm und Rauch breitete sich darüber aus. Wendel fragte erschrocken: „Wer wohnt dort?" — „Viele Menschen, sagte Kluge. „Auch Kinder?", fragte Wendel. — „Viele Kinder", sagte 5U1'!scf) will sie hinausführen", sagte Wendel, „aus dem Qualm und Rauch in den Osterwald". — „Sie werden nicht kommen", sagte Kluge, „sie haben dort alles, was sie freut. Tiere aus Blpch, die man aufziehen kann, daß sie sich bewegen, Kästen und Drähte, die Musik machen, Bücher, in denen d,e Geheimnisse der großen Leute stehen. Die kommen nicht nut dir rn den Wald" — Ich will es doch versuchen", sagte Wendel und ging mit seinen Tieren in die große Stadt hinein. Er hatte den Arm um den Hals von Schönsuß gelegt und Tirili saß auf seiner Schulter. Stfuge traute sich nicht mit in die Stadt aus Angst, überfahren zu werden. Die Kinder in der großen Stadt fahen zum Fenster hinaus; als sic Wendel und seine Tiere erblickten, liefen sie die Treppen herunter und ließen ihre Tiere von Blech und ihre Kästen, die Musik machen, und ihre Bücher der großen Leute und gingen Wendel und den Tieren nach. Und es wurden immer mehr Kinder, ein ganzer großer Zug, alle Kinder, bte in der Stadt wohnten; und welches Kind nicht gehen konnte, das ließ sich von den andern führen oder in einem Wagen schieben. Und Wendel führte sie in den Osterwald zu den Osterblumen und den großen blühenden Bäumen. Die Vögel empfingen die Kinder mit ihren Liedern, die kleinen Bäche fprudelten und blinkten, die Rehe blickten durchs Gesträuch und die Hasen machten ihre Männchen vor ihnen. Aber Schönfuß ließ sich streichelu und Tirili slog von einem Kind zum andern. Es war unausdenkbar schön für die Kinder. Als sie spät abends alle in ihren Betten lagen, träumten sie weiter vom Osterwald. .... _ - , . ... Wendel hatte sie mit seinen Tieren zurückbegleitet. Daun kehrten sie in den Wald an den Teich zurück, in den die drei Funken gefallen waren und schliefen vor Müdigkeit ein. Rur die Schlange bewegte sich leise. Sie konnte nicht schlafen. Sie kochte vor Wut, daß sie dreimal nicht recht behalten hatte. Als es hell wurde, kroch sie zum Wasser und wollte sehen, ob nichts aus ihren Eiern gekommen war. Da spülte die Flut ihr die Eier hin, die waren verfault und verdorben. Kluge kehrte zu den Schlafenden zurück und sah Wendel giftig ms Gesicht und sagte: „Dir soll die Welt auch nicht gehören", und zu Schönfuß und Tirili: „und dir und dir auch nicht". Eben hob sich die Sonne empor und schwebte zwischen den Bäumen. „Du siehst nach deinen Kindern", fauchte Kluge, „vor mir kannst du fte nicht schützen" und sie versetzte Tirili einen tödlichen Biß. Und Tirili schüttelte sich und wurde ein goldener Funken und flog in die Sonne hinein. Die beiden anderen waren aufgewacht. „Aber dich erreiche ich", sagte Kluge und stach Schönsuß ins Herz. Und Schönsuß hob sich auf und wurde ein goldener Funken und flog in die Sonne. Kluge stürzte sich auf Wendel: „Willst du auch kommen?', fragte d,e Sonne. Wendel hob feine Arme auf und bat: „Laß mich hier." — Und Wendel fühlte sich unter dem Biß der Schlange wie aus einem Traum tauchen. Blick unser deutsches Volk au. Wir waren Streiter durch den Streit mtb" haben Taten getan, davon die Kunde nicht vergehen wird, solange Menschen auf Erden atmen. Aber wir waren auch immer wieder Streiter durch das Leid. Als Napoleon die Gottesgerßel über uns schwang. Als irembe Völker dreißig Jahre auf dem Boden unseres Vaterlandes ihre Kn>ge austrugen; denn nicht ein Krieg war es, sondern Krieg nach Krieg Krieg aus Krieg. Woraus aber ist unser Volk großer hervorgegangen, au bCmAu^dem^Leid^ Wer wollte daran zweifeln? Ein Menschenalter nach jenem europäischen Kriege, den wir den Dreißigjährigen nennen und der unser Heimatland tiefer verwundete, gefährdender ausbluten ließ als der Krieg der nun auch schon fast zwanzig Jahre währt, wurde Johann Sebastian Bach geboren. Und als noch kein volles Menschenalter nach ^ena und Auerstädt vergangen war, schrieb Johann Wolfgang Goethe den d-m --<» D» russt: rast über das Wort des Elias hinweg: „So mmm, Herr, meine Seele. ? Du willst das Leid abwerfen? Du hebst Deine Hand wider Dich selbst, um —?“ a "Di^äKuN°°^Di^bie Worte, die Du Anderen zum Trost sagtest?" ^Welche Worte?" „Nur aus den Vernichtungsbränden steigt der Vogel Morgenrot. Tod ist Leben, Leben Tod. Nirgend Anfang, nirgend Enden." „Ja — auf erftetjen!" „ Dem Karfreitagsleid folgt in jedem Leben ber Ostermorgen. Der Mann gab seiner Frau bie Hand unb legte, als auch bte Augen sich gefunden hatten, ihren Arm in ben seinen. Emen Augenblick dnrch- zitterte es sie, deren Worte tapferer geklungen hatten als ihr Herz: „Wohin? Doch schon sagte der Mann: „Komm. Heim!" Der Himmel hing noch tiefer auf bie Erde herab. Es schneite. Die Bäume froren. Als die Hermkehrenden in ben Garten traten, rief der Mann: „Schneeglöckchen! Die hast Du sicher noch nicht gesehen!" Er pslückte eines ab und steckte es der Schweigenden an die Brust. Da sie unter den Bäumen hingingen, staunte der Mann: Ist es möglich, der Spindelbaum griinelt!" Die Frau antwortete: „Das sah ich in der Tat noch nicht!", und sie brach von dem Untergeholz des Parkes Zweige ab, die voller Erstlingsblättchen waren, um sie vor dem Heimgekehrten hinznstellen. „Hörst Du dort oben den Fink?" fragte ber Mann. Die Frau nickte. „Weißt Du auch", fragte ber Mann weiter, „wie ber Volksmund seinen Ruf beutet, wenn er ihn, Wie jetzt, im verschneiten Märzbaum ausstöht?" „Ja", erwiderte die Frau, ,,'ch weiß es: „De, Tied is door! Dei Tied is door!" Vielleicht ist nun wirklich bte Zeit da, daß Gott das Leid unseres Volkes, daß Gott auch Dein Werkleid wendet. Wenn aber nicht —" „Mich zu knussen, daß ich begreife, hast Du nicht notig! meinte der Manm Die Frau lächelte. Nachsichtig, gütig. Der Mann Wollte, die Treppe empor, in das Haus eilen. „Halt!" tief die Frau. „Hier Wartet noch einer, daß Du ihn nicht wieder übersiehst." Als der Mann die Bluten des Winterlings erkannte — Sonnentüpfelchen im Märzenschnee — kamen ihm nach Wochen der Wirrnis Tränen. Er schämte sich ihrer nicht. „Du — weinst?" tastete die Frau sich zu ihm hin. „Nun", anwortete der Mann, „nun, da das Leid sich in mir löste, da das Leid mich erlöste, nun darf und soll in unserem Hanse Ostern werden." hegte lsund ihr!' -unb heran schrat, wenig ■Ä • Aber neben ib den nb bic e, unb Kluge >et er. h, war betete Die Schlange war weg, die Gräser um ihn wehten im Wind. Die Sonne iäwebte zwischen den Bäumen. Wendel, das träumerische Kind, das früh ,, -nä gegangen war, die Ostersonne springen zu sehen, war allein. ..-ine große Klarheit stieg in ihm auf, wie er sie noch nie gekannt hatte. Er wußte das arme Haus seiner Eltern. Er wußte das arme Leben h-r Menschen. Und er wußte, daß er sein Leben hingeben wollte im Helfen lie Not der Menschen zu wenden. en H iicn c konnte •iS 'in. * lachten j Gras, i jnitten | abeaus j !t.e zu. chlange Glichet sah er rusch", heran- saß aus »denen Wendel n legte Manu. Mann icht hat - Den ,Zu ihr - „H°b ubertes beutete ter unb s Feld, löchern, ;et ans. eschen", ", sagte b Rauch ehaben baß sie men bie in den it seinen als vm iute B als ft ter und and ihre ti).ltn i, die >n ährte Zäumew n Bäche ie Hase» jein uno ch°n. “ ie werte' Stine. Roman von Theodor Fontane. (Schluß.) Als Waldemar sich's aber bewußt wurde sah er daß es Halbkreise waren die sich, erst enge, dann immer werter und gr ßcr J „ Stiefel'spitze hcrumzogen? „Unwillkürliches Symbol memer umge. H l reise! Kern Abschluß, keine Rundung, kein Vollbringen . ..HawM ... Und wenn ich nun einen Querstrich Ziehe (und er zog h lo'mmt !>at das Halbe freilich seinen Abschluß, aber die rechte Rundung Ion . | ''^solche Gedanken verloren, saß er noch eine Weile. Dann stand er | ruf und ging auf seine Wohnung zri. . . Diese, gleich zu Beginn der Zeltenstraße, bestand aus einem> zwei I Ereppen hoch gelegenen Front- und Hinterzimmer, von I .. n hie Parkbäume des Krollschen Gartens dieses, auf ^asb'wachstne | As hart an die Spree sich hinziehende Vauitelle, sah. DaJ)Er°'jrmm | Dächer von Moabit und weiter links der grüne »aum der Iungfernhe'be. * Waldemar liebte diesen Blick, und so kam es daß -r das Zimmer dar •r schlief, zugleich zu seinem Wohn- und Arbeitszimmer gemacht und altdeutsches Zylinderbureau darin aufgestellt 5™®- f ..„ianlckite Er hielt (im auch heute nicht in dem Vorderzimmer auf, vertauiwr« len engen Rock mit einem leichten Jackett und trat a" ü entfann sich Schlafzimmers. Die Sonne war im Niedergehen, und enes Tages, als er, von Stines Fenster aus, dasselbe 1 ßin, iild vor Augen gehabt hatte... „Wie damals - sprach aeiunkeri .lnd er sah in die röter werdende Glut, bis endlich der Ball gesunren ->nd volle Dämmerung um ihn her war. .uh: a unb mit Auf seinem Schreibzeug lag em kleiner Revolver, ö Llf-nbeingriff. Er nahm ihn in die Hand und .sagte. „ p i . ut es am Ende doch. Bei gutem Willen ist viel möglich; >mUemer bloßen Nadel", sagt Hamlet, und er hat recht. Aber ich kann e ) • 6t’ its wäre hier noch alles weh und wund oder doch e lL5aemäfeev Nein, ich erschrecke davor, trotzdem ich wohl sichle, daß 1 ickion soviel und Haldern,cher wäre. Doch was tuts! D.e Halderns d, mrr schon sovitt iu vergeben haben, werden mir auch das nach verzeihen labe nicht Zeit, mich über Punkte wie diese zu gramen. Emmaus. Von Paul Ernst. Zwei Jünger gingen ihres Wegs nach Emmaus. Was sie gesehn, besprachen sie, und was dem Herrn in diesen Tagen war geschehn. sind wie sie redeten und sich besprachen, Jesus nahte da, tzoch daß er Jesus war, der Herr, von ihnen Berden Kerner sah. (r sprach: „Was ist, davon Ihr sprecht, darüber Ihr so traurig seid? Sie sagten: „Weißt nur du allein nicht, was geschehn zu dieser Zeit?" fr fragte: „Welches?" Aber fie: „Von Jefus das, der mächtig war tzor Gott und vor dem ganzen Volk in Wort und Taten wunderbar, Bie unsre Hohenpriester ihn auslleferten zum Kreuzestod; Bit hofften, daß er Israel erretten würde aus der Not. heut ist der dritte Tag, daß das geschehn. Da haben uns erschreckt Die Fraun der Uni ent, denn sie sahn heut früh, das Grab war aufgedeckt. Da sahn sie in das Grab hinein, da fanden sie, das Grab war leer, „ Doch saß ein Engel nebenbei. Der sprach: „Seid froh, es lebt der Herr. Da sprach der Herr: „Er war im Fleisch, war rntt Euch Jüngern ^ag und Da hat er Euch auf offner Hand sein Herz mit Lächeln dargebracht. (Nacht, J8te konnte leben denn der Herr! Er brachte einen Becher dar, Doch trunken war das ganze Volk, und Eurer Keiner durstig war. Da konnte selbst er nicht verstehn, weshalb er war von Gott gesandt; Hott wollte reichen doch durch ihn den Menschen seine Vaterhand. Da war es nötig, daß zum Kreuz er von Euch Menschen ward erhöht, Sodaß von nun am Kreuz allein er vor der Menschen Augen steht; l nd weil nun jedes Wort von ihm vom Kreuz gesprochen sie verstehn, Zweischneidig jedes Wort von ihm muß in der Menschen Seele gehn, heingläubge Ihr, war größer wohl die Qual, da ihn der Tod umfing, Lls da er sprechend zwischen Euch und lächelnd unverstanden ging ? Doch wie kann tot sein, der da lebt? Ihr Menschen lebt ja bloß durch Gott. .jnmBater kommt Ihr durch den Sohn. Zu dem kommt.Ihr durch, semenTod. ',-ichname wandelnd wärt Ihr nur, wenn Ihr nicht lebtet. Lebt Ihr nun, Wie könnt Ihr sehn da Gottes Sohn als Leiche ui dem Grabe ruhn. Seit er am Kreuz gestorben ist, der Herr in Eurem Herzen lebt, Dus dem Ihr Eure ganze Welt mit allen Euern Dmgen webt. Sun lebt er in der ganzen Wett, in jedem Dinge lebt er nun, . Das, eh es war, im Herzen tief von allen Menschen mußte ruhn, Deii Stein nimm auf, zerschlage ihn, und Jesus findest dn 'M Stern, lind spalte Holz, und Gottes Sohn inmitten wird des Holzes sein. So sprach der Herr. Die Männer sahn zu Boden still und schritten aus. Da kamen sie nach Emmaus unb standen vor k>em Hcrbergshau». Da sprachen sie: „Nun bleibe hier, weil es nun Abend werden will, Denn sieh, der Tag hat sich geneigt." Sie setzten sich und saßen stlll. Da wurde ihnen Brot gebracht. Da nahm der Herr zur Hand das Brot, Hub dankte Gott, unb brach bas Brot, bie Halste ledern ^un?er bot «eöfsnet war ihr Auge da; er sprach: „Von nun, wenn Zwei und ^.rei vereint in meinem Namen sind, bin ich, sollt wissen Ihr, dab . Da schauten sie. Noch eben war sein Auge da und seine Hand. ... Sie saßen starr vor Angst und sahn. Vor ihrem Blick der Herr verschwand. Und er legte den Revolver wieder aus der Hand. Zch muß es also anders versuchen", fuhr er nach einer Welle fort. „Und schließlich, warum nicht? Ist die Blame denn gar so groß? Kaum. Es finden sich am Ende ganz reputierlidfe Kameraden. Aber welch«? Ich war nie groß im Historischen (überhaupt, worin?), und nun versagen mir di« Beispiele. Hannibal... Weiter komm ich nicht. Indessen er kann genügen. Und es werden gewiß noch ein paar fein." Während er so sprach, zog er eins der untern Schubfächer in seinem Schreibtisch auf unb Ke nach einem Schächtelchen. Als ers endlich hatte, fiel er wieder In adjtungen. „Auch klein. Noch kleiner als das Spielzeug da. Und doch genug. Es ist eine Ersparnis aus alten Zetten her, und mein Vorgefühl war richtig, als ich mirs damals sammelte." Bei diesen Worten stand er auf, stellte sich eine noch aus dem Süden mitgebrachte römische Campe zurecht und nahm, als er die vier kleinen Dochte derselben angezündet hatte, Kuverts und Briefbogen aus einer vor ihm liegenden Schreibmappe: Dann schrieb er: „Mein lieber Onkel! Wenn Du diese Zeilen erhältst, find alle Wirrnisse gelöst. Etwas gewaltsam. Aber das ist gleich. Es wird Dir obliegen, und jedenfalls bitte ich Dich darum, das Geschehene nach Groß-Haldern hin zu melden. Was ich über mich entschied, war, wie Du bei Eintreffen dieser Zeilen vielleicht schon wissen, jedenfalls aber sehr bald erfahren wirst, der Widerstand von ganz anderer und sehr unerwarteter Sette her. Und so kam, was tarn. Ick) klage niemanden an; ist wer schuldig, so bin ich es. Das gute Kind hatte nur zu recht, mich auszuschlagen; aber ich war nicht mehr stark genug, mich drein zu ergeben. Auf dem letzten Blatt meines Notizbuches hab ich über mein Erbteil von meiner Mutter Seite her verfügt. Ich hoffe sagen zu können, verfugt auch unter schuldiger Rücksicht gegen die Haldems. Ueberweise das Blatt an Justizrat Erb- tamm; er wird danach verfahren. Allerdings weiß ich, daß sie, der diese Festsetzungen zugute kommen und als ein Ausdruck meines Dankes gelten sollen, alles ablehnen wird; aber sorge dafür, daß ihr ein bestimmter Teil gesichert bleibt, auch gegen ihren Willen. Ein Wille kann sich andern, und es beglückt mich die Vorstellung, vielleicht noch einmal, unb wenn es nach vielen Jahren wäre, da helfen und wohltun zu können, wo mirs leider, wenn auch absichtslos, befchieden war, ein H°rz zu beschweren und ihm wehe zu tun. An meinen Vater schreib ich nicht; ich wünsche Auseinandersetzungen zu vermeiden. Meine Sache kann ich> in keine Gestern Hände (egen als in die Deinen, denn ich weiß wohl, mas ich, troß alledem unb alledem, an Dir hatte. So wenig Halbernsch ich vielleicht war, so wünsch ich doch in der Haldernschen Gruft zu stehen Dies mein letztes. Deiner freundlichen (Erinnerung bin ich gewiß. Deen Waldemar. Er schob das Blatt beiseite, legte die Feder nieder unb fuhr sich über Aug und Stirn. „Und nun das letzte." Und er nahm einen zweiten Bogen und schrieb: Meine liebe Stine! Du wolltest den wetten Weg nicht mit mir machen, und so mache ich den weitern. Ich glaube, was Du tatest, war richtig, und ich hoffe, bas, womit ich nun ab schlöße, soll es auch sein. Es gibt oft nur ein Mittel, alles wieder in Ordnung zu bringen. Vor allem klage Dich nicht an! Die Stunden, die wir zusammen verlebten, waren vom ersten Tage an Sonnenuntergangsstunden, und dabei ist es geblieben. Aber es waren doch glückliche Stunden. Ich danke Dir für alle Freundlichkeit und Liebe. Mein Leben hat doch nun einen Inhalt gehabt. -Vergiß mich" - bas darf ich nicht sagen, es käme mir nicht von Herzen und Lär auch töricht, denn ich weih, Du wirst es nicht unb kannst es nicht So denn also: gedenke mein! Aber gedenke meiner freundlich und vor allem verzichte nicht auf Hoffnung und Glück, weil daraus verzichtete. Lebe wohl! Ich schulde Dir das Beste. Dein Waldemar. Als er beide Briefe fuoertiert hatte, warf er sich in den Stuhl zurück, und die freundlichen Bilder, die dieser Sommer ihm gebracht hatte, zogen noch einmal an seiner Seele vorüber. So wenigstens schien es, denn er lächelte. Dann aber nahm er das bereit gestellte Schachtelchen und fdjob das Jnnenkästchen aus der äußeren Hulse heraus. Es ging schwer, und man konnte sehen, bah er lange daran gesammelt und immer neue Kap- stlchen hineingezwängt hatte. ,,Schlafpulver! Ja ich wußte bah eure Stunde kommen würde." Unb nun brach er bie Kapseln einzeln aitt und tat ihren Inhalt, langsam unb sorglich, in ein kleines, halb mtt 2B aff er aefütttes Rubinqlas. „So, bas ist es." Und wahrend er das Glas hob und wieder niedersetzte, trat er noch einmal ans eiste rund Ja h hi naus. Der Mond, eine schwache Sichel, war aufgegangen und ishuttete sein Li ) über den Fluß und weit fenfeit desselben über tfelb und Wald. Es ist hell genug ... Unb ich mag auch bie Lampe nicht brennen unb erst" gegen Morgen verlöschen unb verschwelen lassen, ctts hatt ich ab- geschlossen bei Rausch und Gelage. Mem Leben ein Bacchanal! 91 Unb er löschte die Lichter und trank. Und dann nahm er seinen Platz wieder ein und lehnte sich zurück unb schloß bie Augen. 16. Kapitel. Den dritten Tag danach war von Mittag ab ein stilles aber rühriges Treiben auf dem Bahnhofe von Klein-Haldern. Eine dicht neben dem Stationshause befindliche Pforte wurde mit Tannenzweigen umwunden Oleander und Lorbeerbäume standen, eine Hecke bildend m Front und an dem Querbalken der Pforte hing ein großer Jmmortellenkranz dessen Oeffnunisdas Haldernsche Wappen zeigte. Hinter dem Stationshause hielten mehrere herrfdjaftlidje Wagen, die Kutscher mit einem Trauerflor um ben Hut in einem als Ausläufer des Perrons sich hinziehenden Gartenstreifen aber schritten ein Dutzend schwarzgekleidete Personen auf und ab, Dorfleute von mittleren Jahren, unb sprachen ernst unb leise miteinander. Drei Uhr dreißig kam der Zug. falbem", Klein-Halbern", riefen bic Schaffner unb öffneten ein paar Kupees, aus denen verschiedene Personen ausftiegen: zunächst ein alter Geistlicher von besinderer Wurde, dem man seines Amtes unb seiner Jahre halber ben Vorrang gönnte bann ein Oberst mit seinem Abjutanten unb enblich mehrere resorbierte ■ Verantwortlich: Nr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Brühl'fch-e Univrrf itäts°Vuch- und Steindruckerei, R. Lange, ®icBtri Hand. , 1 2[[g sie s,ch nach einer Weile wieder erhob und ihren Weg inmitl« der Fahrstraße fortsetzen wollte, hörte sie, daß in ihrem Rucken, w, 5 , Groß-Haldern her, ein Wagen in raschem Trabe herankam Und sif ■ umwendend, sah sie, daß es dieselben Personen waren, die wahrend h ' Trauerseier mit in dem herrschaftlichen Kirchenstuhle gesessen hatten. 4 dem letzten Wagen aber saß Waldemars Oheim, den Sommeruberziehr in ihm aussteigenden Verlegenheit rasch Herr werdend, erhob er sich k Wagen und lud sie durch eine freundlich-verbindliche Handbewegung M Einsteigen ein. Ueber Stines Züge ging ein Leuchten, das der schönste Dai! für des alten Grafen, bei Gelegenheiten wie diese nie versagende Jutte- -ichkeit war, aber zugleich schüttelte sie den Kopf und ging unter gelegt lickein Verweilen und sich dadurch absichtlich verspätend auf Klein-Halden zu' von dessen Kirschallee aus sie bald danach die weihe Dampswolke d» auf die Hauptstadt zueilenden Zuges sah. Eine Stunde spater soviel wuß! sie kam ein zweiter Zug, und bis dahin allein zu sein, war ihr keinensall! unwillkommen, ja recht eigentlich das, wonach sie sich sehnte. Dazu ward ihr freilich nun mehr Gelegenheit, als ihr lieb war. Die Z-il wollte nicht enden, und sie sah unausgesetzt den langen Schienenweg hinaH immer nach der einen Seite hin, von der der Zug kommen mußte. W gebens er schien ausbleiben zu wollen. Und doch war sie todmüde wl Erregung und Anstrengung und fror, und ihre Füße trugen sie kaum not Endlich aber sah sie, daß die Signale gezogen wurden, und bald bona auch daß die großen Feueraugen immer näher und naher kamen. U« nun'Halt. Eine Kupeetür wurde geöffnet, und rasch emsteigend, druclli sie sich Wärme halber, in eine der Ecken und zog ihre Manttlle fester um ihre Schultern. Aber es half zu nichts, und ein Lieber Mittelte |it während der Zug nach Berlin weiterdampfte. zusah verweilt hatte, wär unter den letzten die die Kirche verlieh.". Sie hielt sich abseits, ging noch eine Weile zwilchen den Grabern aus un| ab und trat dann langsam ihren Ruckweg nach dem Klem-Halderiu, Bahnhof hin an. Alles war still, es klangen keine Glocken mehr, und [1 hörte nichts als die Lerchen, die mit ihrem Twill aus der ringsum^ in Garben stehenden Mahd in die Luft empörst,egen. Eme stieg hoher al; die andere, und sie sah ihr nach, bis sie hoch °l»en .m Blau verschwun. war In den Himmel ... Ach, wer ,hr folgen konnte Leben: leb« müssen ..." Und im Uebcrmaß^schmerzlicher Erregung und emer Ohnm^ geherrscht hatte. . I So ging es nach Klein-Haldern hinein, ohne daß man etwas anderes als die Schulglocke gehört hätte: kaum aber, daß man nach Passierung I der Schmiede — mit der das Dorf nach der anderen Serie hin "bschloß, I in die von Klein-Haldern nach Groß-Haldern hinüberführende, beinah laubenartig zusammengewachsene Rüsterallee elnmundete, so nahm auch I schon ein allgemeines Läuten, daran sich die ganze Gegend beteiligte, seinen I '»bifanq Die Groß-Halderner Glocke, die sie die Türkenglocke nannten, weil I He von Geschützen gegossen war, die Matthias von Haldern aus dem I Türkenkriege mit heimgebracht hatte, leitete das Lauten em: aber ehe ste I noch ihre ersten fünf Schläge tun konnte, fielen auch schon die Glocken I von Crampnitz und Wittenhagen ein, und die von Orthwig und .lafsenheide I folgten. Es war, als läuteten Himmel und Erde. I Halben Wegs zwischen den Dörfern lief ein Grenzgrabcn, über den eine steinerne Brücke führte. Jenseits der Brücke betrat man d.e Groß- Halderner Feldmark und hier begann denn auch das Spalier, das alt I und jung auf dieser letzten Wegstrecke gebildet hatte. Den Anfang machten die Schulen. Danach kamen die Kriegervereine mit einem Trompeterkorps I ans der nächsten kleinen Garnison, und immer, wenn die Trager an einer Sektion vorüber waren, schwenkte diese dreigliedng em und folgte nut Jesus, meine Zuversicht". Am Schluß aber marschierten em paar Drei- zehner Veteranen mit der alten Kriegsdenkmunze, lauter Achtzigel die den Kops schüttelten: niemand wußte zu sagen, ob vor Alter "der über den Lauf der Welt. Und so ging es nach Groß-Haldern hinein, an dem alten Giebelschlosse vorüber und unmittelbar auf die Feldstemkirche zu, die, hoher gelegen als das sie umgebende Dorf, von terrassenförmig ansteigenden und um diese Jahreszeit dicht in Blumen stehenden Graberreiheir eingefaßt wurde. Vor dem kleinSn Rundbogenportale stand der Dorfgelstliche neben ihm zwei Amtsbrüder, und empfing den Toten an geweihter Statte Zugleich setzten die Träger den Sarg nieder, auf den letzt zunächst Palmen- rweige gelegt wurden, und trugen ihn, als dies geschehen, den Mittel- | gang hinauf bis vor den Altar. Hier stand der alte Genera superintendent, der von Berlin aus mitgekommen war, um die Parentatton zu halten, die großen Lichter brannten, und ihr dünner Rauch wirbelte neben dem großen halbverblakten Altarbilde auf. Es stellte den verlorenen Sohn dar. Aber nicht bei feiner Heimkehr, sondern in seinem Elend und seiner Verlassenheit. Die Kirche hatte sich, als der Sarg unmittelbar über der Gruftsenkung iiiederqelassen war, auf all ihren Plätzen gefüllt, und auch die seit dem Tode Friedrich Wilhelms IV. sonntäglich meist leerstehende herrschaftliche Loge heute war sie besetzt. In Front erblickte man den alten Grafen, Waldemars Vater, in grauem Toupet und Johanniterkreuz, neben ihm in tiefer und soignierter Trauer die Stiefmutter des Toten, eine noch schöne Frau die was geschehen war, lediglich vom Standpunkte des Affronts" aus ansah und mit Hilfe dieser Anschauung über die vorschriftsmäßige Trauer mit beinahe mehr als standesgemäßer Wurde hm- weqkam. Hinter ihr der jüngere Sohn (ihr eigener), Graf Konstantin, dem der ältere Bruder, um das mindeste zu sagen, in nicht unerwünschter Weise Platz gemacht hatte. Seine Haltung war untadelig und gleichfalls von bemerkenswerter Gefaßtheit, ohne die der Mutter ganz erreichen zu können Ein langes Lied, das teilweis in allerkräftigsten Wendungen allem Erdendunkel einen Riegel vorzuschieben trachtete, wurde gesungen: dann sprach der alte Generalsuperintendent schöne, tiefempfundene Worte — tiefempfundene, weil ihn im eigenen Hause schwerste Schicksalsschlage getroffen hatten —, und als er nun vortrat und den Segen sprach und nach dem Singen des letzten Verses der Ton der Orgel nur noch leise nach- zitterte, senkte sich der Sarg mit all den Kränzen, die ganz zuletzt noch auf ihn gehäuft worden waren, in die Gruft hernieder. Eine tiefe Stille trat ein, und die fremden Gäste steckten eben die Köpfe zum Schlußgebet in den Hut, als man hinter einem der Pfeiler ein heftiges und beinah krampfhaftes Schluchzen hörte. Die Gräfin sah empört nach der Stelle hin, von der es kam: aber der deckunggebende Pfeiler ließ glücklicherweise nicht erkennen, wer die Anmaßung gehabt hatte, ergriffener sein zu wollen als sie. * Stine, die die Fahrt nach Klein-Haldern schon mit dem Bormittagszuge gemacht und sich, um die Zwischenzeit hinzubringen, eine Stunde lang und länger am Außenrande des Groß-Halderner Parkes und dann wieder auf dem angrenzenden Wiesengrunde, wo sie dem Vieh, das hier weidete, Shrenfund ei!ie«ttnutt'fpäter sah man nichts mehr als eine Staubwolke, die'sich, immer dichter werdend, auf dem halbchaussterten Irrwege . Ullu „„ .......... . dem nächsten Dorfe zu bewegte. ...... I „«he, setzte sic sich auf einen Stein am Weg und barg ihre Stirn in h aniihr'n S diese Szene sich in Front des Stationsgebäudes ab spielte, j «««£ । » ' । “Ä sä SMsä swsrsfJt tfJWÄS Schritt entfernte Klein-Haldern - «i« W°hn° mürbe, weil sie bas bedrückende Schweigen unterbrach, das bi.- dahm * , Stine Kind, wie stehst du beim aus! Dir sitzt ja der Tod um In Nase " So waren die Worte, womit die schon lange am ersten Treppen- aeiänder wartende Witwe Pittelkow ihr Stinechen empfing und M I zuließ, daß sie noch höher hinauf in ihre Polzinsche Wohnung fliege. Komm Kind, un leg dich man gleich hier aufs Bett! Ra, ich sage[ War'« denn fo toll? Ober haben sie dich geschuppst? Oder haben sie M wegjagen wollen? Oder er vielleicht? Ra, bann erlebt er was, bann j«9 ich ihn zum Deibel. Olga, Bab>), wo bist bu beim? Uff, sag' ich, »u ma* Feuer! Un wenn's kocht, rufst du mir. Hörst du ... Gott, Stine, M bibberst ja man so. Was haben se dir denn gedhan?" Und dabei knop sie der Schwester das Kleid auf und schob ihr Kissen unter und deckte I» mit zwei Deckbetten zu. 1 Nach einer halben Stunde hatte sich Stine so weit erholt, daß I« sprechen konnte. •; Na nu wird es ja wieder", sagte Pauline. „Wenn die Mühle ert wieder geht, is auch wieder Wind da. Kind, dir war ja die Puste re® weg, un ich' dachte schon, nu stirbt die auch noch." Stine nahm ihrer Schwester Hand, klopfte und streichelte sie und sag«- „Ich wollte, es wäre so." Ach rede doch nich so Stine! Du wirst ja schon wieder werden. U- bei "allen« is auch wieder ''n Glück. Gott, er war ja soweit ganz gut 1 eigentlich ein anständiger Mensch, un nich so wie der Olle, der ans G»! schuld is: warum hat er 'n mitgebracht? Aber viel los war nich mit ihn er war doch man miefig." Stine fühlte sich unter der Schwester Guttat erleichtert, und die Irur.r rannen ihr übers Gesicht. • „Weine man, Stinechen, weine man orntlich! Wenn's erst roieMi drip'pelt is es schon halb vorbei, gerade wie bei's Gewitter. Un'nu tri» noch ’ne Tasse ... Olga, wo bist du denn? Ich glaube, die Jöhre schnitt« schon wieder ... Un nächsten Sonntag is Sedan, da machen wir auf mub' Finkenkrug un fahren Karussell un würfeln. Un bann würfelst bu wie!« alle zwölfe." Die Polzin hatte horchend am Treppengeländer oben gestanden n» mit nur zu geübtem Ohre jedes der Worte gehört, womit die PitteW ihr Stinechen unten an der Korridortür empfangen hatte. Gleich ban« aber als sie die Tür unten ins Schloß fallen hörte, war sie wieder in m Stube gegangen, wo sich Polzin eben zu seiner Nachttoilette rüstete. 1™ einer solchen ließ sich wirklich sprechen, denn er trug, weil er anbauer» an einem trockenen Husten litt, auch beim Zubettgehen eine schwarze, H einem dicken Tuchstreifen gefütterte Militärkrawatt'e. I „Nu?" frug er, während er eben das Leder in die Schnalle schob, „n I sie heil wieder da?" „Heil? Was heißt heil? Die wird nich wieder." „Is eigentlich schade drum." „I wo. Gar nich ... Das kommt davon." Gießener ZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger Jahrgang 1932 Freitag, den 4. Marz Nummer |8 tm., »rat« iu. PlCI i II Z £ t7 S 9 Z. 8 6 । lebten Türkenkrieg« war. ivn -LUiienmtqtr ivui. „ f .. Man hört nichts Gutes über diese kaiserlichen Rotmantel die man seit sich den Blue White löchern hoch. Wo die preußischen Husaren reiten, stäuben Kugeln in dem rötenden Schnee. Die Husaren braucht man nicht heil zu fangen wie jungen König dort vorn. ffiziere und ein Dutzend Husaren. Da stößt er •über mit dem Ellbogen in die Rippen: „Das für den ein Herrscher, seine Königin zumindest, 1 anders denken als daß dieser Reiter, der in Mit zwei Sätzen ihrer Pferde waren Friedrich und sein zweiter Adjutant zwischen splitterndem Eis und hochanfspritzendem Wasser am andern Schluchtrand. Für «inen Augenblick verschwanden sie in einer Walke von staunendem Scktne- Dann lob man sie wieder.. Kuneln nfjffen. jRifornette. Aon Theodor Storm. Blühende Myrte — Ich hoffte süße Frucht von dir zu Pflüder yrn moftergarten der Zisterzienserabtei Kamenz in Schlesien wandelt einsam der Abt Tobias Stusche. Er füttert Amseln, die ihn auf den verschneiten Wegen umhiipsen, wirft ihnen Körner und Brotkrumen zu, die er aus der Tiefe seiner weißen Kutte holt. Aber heute sieht er die schwarzen Vögel kaum, die er sonst so liebt. Er ist in Gedanken versunken, sinnt wohl den Weltläusten nach, die in den letzten Wochen die Unruhe auch in das reiche stille Schlesien trugen, in dem man seit des Friedländers Tagen keinen rechten Krieg mehr gesehen. Der Abt wandelt und sinnt. Wie er wohl aussehen mag, dieser neue Kriegsgott aus Potsdam, Den alten Tobias Stusche plagt sonst nicht der Teufel der Neugier. Abkr dieser junge König scheint schon einer kleinen Sünde wert zu sein. , ., .,, . Auch liebt der Abt, alter Händel wegen, diese Defterreufjer nicht iwiderlich: wiewohl er doch ihrer landesfürstlichen Hoheit untersteht. Er möchte den König gern sehen. Könnte ja geschehen, daß man ihn einmal ins Kirchengebet werde «inschliehen müssen. Wenn dieses Schlesien am Ende nicht österreichisch bliebe. Was wohl sein mochte. Wie sollte sich die arme Königin von Ungarn, der niemand das Erbe ihrer Väter gönnt, des ff.iirnnnw er mehren? _______________ , ....... 19 20 12 13 17 18 14 15 16 9 10 6 7 8 2 3 1 späht er die Straße hinunter. in blauem Mantel herankommen. Hundert 4 5 Halse lachte über diesen Spaß, daß die Panduren ihn für Friedrich hielten, und weil seine Schabracke nicht die des Königs war, die man ihnen umständlich beschrieben, sahen sie die beiden Reiter als kleine Punkte gegen das ferne Kloster von Kamenz versckwinden. Da hofften sie wieder. Wiewohl sie nicht beritten waren. Worüber sie in allen kroatischen Flüchen tobten. * Immer noch wandelte, von schweren Gedanken geplagt und frechen Amseln begleitet, der Abt Tobias über die Klosterwege. Als er wieder an die rückwärtige Gartenpforte kam, pochte es. Er meinte ein Wanderer begehre Einlaß, um sich vor dem eben anhebenden Schneetreiben zu retten. Er schob den Riegel zurück. Zwei preußische Offiziere zu Pferd hielten vor der Mauer. Grüßten höflich, baten zum Abt geführt zu werden. .. . , Als Tobias Stusche antwortete, das war« er selber, neigte sich der eine der beiden aus dem Sattel, flüsterte dem Mönch einige hastige Worte '^Al?/Tobias senkte betroffen das Haupt, blickte unschlüssig zu Boden, überlegte Dann warf er einen Blick auf den andern Offizier, verneigte sich vor ihm und ließ di« beiden, die aus dem Sattel glitten, mit ihren Pferden durch die Gartenpforte treten An den Ställen gab er dem dienenden Bruder, der die Gaule abnahm, mit leiser Stimme eine Weisung. Worauf er seine Gäste durch eine kleine Seitentüre ins Kloster führte. Niemand sah sie. Der pfeifende Schneesturm flatterte wie wirbelnde Schleier zwischen den Zettenfensterit und den Gartenwegen. 0 cm 1 eitet, der preußische König sei? Wie kann er bjutant ist, der auf der teils verwehten, teils ■iad) dem besten Wege sucht für den jungen 1, rechts neben dem andern Offizier vor den nmt an die Stelle, auf die vom Schluchtrande gen Hausdach aus, die Panburenaugen zielen, weiß, warum er biefen Punkt, an bem bie hlinge hart nach Norden biegt, zum Ueberfalt luge immer als erste reiten. Wenigstens stellt —e——h— 2 r Stelle muß er seinem Gefolge für eine Welle aus den Augen kommen. Auch ist hier die von steileren Schluchthängen und dichterem Buschwerk gesäumte Straße so zugeweht, daß ein Reiter bis an bie Bügel im Schnee versinken muß. Was auch geschieht. Schnaubenb verschwindet das Pferd des Adjutanten bis über die Sattelgurt in der Schneeflut. Fluchend treibt es der Reiter an. Da pfeift der Pandur, schnellt hoch und gleitet, gefolgt von sechs baumlangen Kerlen, den Hang hinunter. Hat Säbelhand und Zügel des Offiziers gepackt, noch ehe der an [einen Degen zu greifen vermag. Ringsum wimmeln die Ufer der schmalen Neiße plötzlich von Rotmänteln. Wie der Teufel aus der Schachtel fahren sie aus Büschen und Schnee- gelt und schäumt. ... , , -v-, Die Sonne, die schon zwei Spannen hoch über den noch fernen zadjern von Reichenau steht, scheint aus klarem Winterhimmel den preußischen Reitern in das vom Frost gerötete Gesicht. Dem jungen König auch, über dessen Antlitz noch etwas von dem Glanze von Rheinsberg liegt und in dem noch nicht das Jagen und Gejagtwerben ber sieben Jahr« Graben und Falten riß. , ... «.. . c Es ist wohl bi« schmerzende Sonne schuld, daß der König auf oer weißen Schneefläche der Poststraße, auf den kaum zweimannshohen Hängen der flachen Schlucht nur schwarze tanzende Flecken uick» Punkt« sieht in dem blendenden Licht. Nicht aber die roten, die auf Buchsen chutz- weite vor ihm durch bie verhängten Büsche krauchen. Der König reitet. Er sieht nicht den Pandurenhauptmann der eme Rotte seiner roten Teufel neben sich, unter verschneitem Gesträuch liegt unb bie schmale, zu einem Haken geknickte Nase über den schluchtranb |njtel t. Behutsam. Denn, wenn er auch nicht weiß, daß er in diesem Augenblicke am Scheidewege der Weltgeschichte liegt, so weiß er doch, daß es einen König zu fangen gilt. Zu fangen, wohlgemerkt, und unbeschädigt über die mährische Grenze zu bringen. Das will dem Panduren nicht in den Schädel. Er versteht es nicht, daß man seine Feinde fängt unb nicht erschlägt. Aber Denken ist lästig. 'M« tttr.it« u«<. t-fc >■■<« lj« l-^.« “ nnnnsA ii späht er di« Straße hinunter. Colour & Grey Control Chart DMasA ? -............... Yellow Grey 3 Cyan Grey 1 Green Grey 2 Red Magenta Grey 4 Black -ULUIl IJUll IUU/13 Willis ....... , r. , dem Morgen, Gott weiß zu welchem Zweck, burchs Reißetal |treid)en sieht. Ob sie wohl auch der junge König sieht, ber zur gleichen Vormittags- | ftunbe, in ber Tobias Stusche Amseln fütternb unb trübe Gebanken i nährend, durch den Klostergarten geht, mit zwei Adjutanten, em Hularen- pitett hinter sich, eine Stunde von Kamenz entfernt gegen .Äeiii)enau > reitet? Durch das Tal der Neiße, deren eilendes Wasser, vom Glatzer Schneeqebirge herkommend, unter glitzernden Eisbrücken und von den Ufern niederhängenden kleinen Schneewächten neben ber stoftstraße gur-