ch. x SietzenerZWilieMiitter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger l als 011$ Jahrgang (932 Freitag, den 24. Juni Nummer 48 ! - ' Ihm? nug gsopfi: ine &ul, ri is da lange er. Dis w bet «H bet Stall vereinsweise Grandioseste derartiges, meistern zu trauen, das Bitte? Nicht möglich: Ein Herr mit Monokel? Das war entweder ein Grieche oder ein versprengter Deutscher. Hier haben wir andre Eigentümlichkeiten, und das Monokel füllt unter die Rubrik „Humor des Auslandes". Wir haben dafür die Mundharmonika und das Schießgewehr. Mundharmonizierend gelangt das Kind zur Welt, benutzt bis zum Laufenlernen die Einloch-Harmonika, bis zur Schule die Zweiloch-Harmonika und wird alsdann Mitglied eines Mundharmonika-Orchesters. Drei Viertel Wem i iger tat. sie für ij einen oifc Zürich-Bummel. Bon Hans Reimann. Regula und ihr Bruder Felix sollen 312 hingerichtet worden sein, ihre Häupter, statt sie rollen zu lassen, in die Hand genommen und vom Flusse Lindomac einen Berg hinauf getragen haben, und Exuperantius schloß sich, einem on dit zufolge, diesem heroischen Beispiel an, weshalb wir heutigentags auf dem Staatssiege! der Stadt Zürich drei Heilige erblicken mit den dazugehörigen Köpfen vor der Brust. Zum Gedenken an die Geschwister ward eine Kapelle errichtet und hernach eine Kirche, die bereits im dreizehnten Jahrhundert einen Kreuzgang aufwies, ein Juwel romanischer Architektur. Aus der Kirche entstand das Großmünfter mit Glockentürmen, die Ende des achtzehnten Jahrhunderts ihre jetzige Gestalt erhielten, einschließlich des lustig proportionierten, genießerisch dahockenden Charlemagnc mit einem harmlosen Schwert aus den Knien. Wer eine Kamera bei sich sührt, versäume nicht, die zahlreichen, vom strengsten Ornament bis zur tollsten Karikatur sich steigernden Plastiken der Kapitelle im Kreuzgang zu knipsen. Und im Münster ein Tausbecken vom Jahre 1598. Und dem Münster gegenüber das ebenfalls knipsenswerte Haus zum Loch. Das eigentlich zum Löchli heißen müßte, weil, wenn man das „li" abschaffte, die ganze Schweiz nackig dastünde. Eine Firma inseriert Berner Rippli und Wienerli und Frankfurterli und Schweinswürstli, und in einem hygienischen Tütli befinden sich Nußknackerli. Und wie aller- würts, wo die Mundart allzu schelmisch um die Ohren flackert, wird der Fremdling dazu verführt, den Charakter der Eingeborenen zu verschelmeln und zu verappetitlichen. Aber man lausche etwas schärfer in diese Sprache hinein, die keine Sprache ist, sondern eine aus dem Alemannischen geborene Mundart. Ein böser Mensch hat das Gerücht ausgesprengt. Schweizerisch sei eine Halskrankheit Er meinte die harten, knochigen Wörter mit dem gegurgelten ch. Abgesehen vom ch finde ich die Vokalisation der Schweizer ebenso knifflich und verkniffen wie ihren Sinn und Geschmack. Und mag sie gern. Schon, weil sie den Philologen in mir nicht zur Ruhe kommen lassen. Vermittels der Firmenschilder wird gratis Sprachunterricht erteilt. Im Baur au Lac wagen sich die Spatzen bis auf den Tisch. Innerhalb einer zu sechzig Minuten gerechneten Stunde erblickt man mehr teure Biagen als in Paris binnen vier Wochen. Es ist laut und geräuschvoll und turbulent, aber um zwölf muß man im Bett liegen, denn die Viertel- willionen-Stadt verzichtet auf jegliches Nachtleben. In einem Cafe gastierte eine ausgezeichnete Kapelle; kurz vor elf war das Konzert zu Ende; nach dem letzten Ton verließen die Zuhörer panikartig das Lokal, und eine Minute nach elf faß ich einsam und verlassen und wußte mit meinem Kummer nicht, wohin. Und wie herrlich ist die Stadt bei Nacht! Schwäne Und Tauben am Limmat-Kai schlummern den Schlaf des Gerechten: das unterhalb des Lindenhofs stationierte Schulschiff, ein wahrhaft groteskes Andiment aus jenen Tagen, da die Schweiz mit Englands Marine wetterte um den schlüpfrigen Lorbeer Neptuns, schaukelt besinnlich in den -Bellen; die Tonhalle, tagsüber ein unbenutztes Objekt für Brisanzwirkungen, tut fe, als fei sie monumental; aus dem Seidenhaus Grieder wcken verwunschene Köstlichkeiten; die Blumenläden Kramer und Marsano ruhen sich aus; das Münster, das angestrahlte, plakatiert sich selbst; und dort, wo eben noch die fremde Kapelle musizierte und das Sechselauten ols Draufgabe spendete, ragen die Hochhäuser, als ständen sie in Hamburg: der Schmiedhof, der Handelshof, das Bakohaus und das Kaufhaus ,pa, das täglich bis 18 000 Franken Umsatz hat und an Samstagen mehr ul- 20 000 trotz frühen Geschäftsschlusses. er." , OlE ch! ,pf M" 9 ein ktz ) ber Volkslied. Dom Prinzen Emil von Schönaich-Carolath. Es steht in Deutschland eine Lind' auf einem Friedhof mitten; in diese alte Linde sind zwei Herzen eingeschnitten. Sie liebten sich, weiß stand der Klee, ihr Glück war kaum zu fassen; doch als die Schwalbe sang ade, da mußten sie sich lassen. Das eine lebt noch auf der Welt, tut singen, lachen und wandern, und betet, daß es bald beigesellt dem andern. der deutschen Mundharmonika-Produktion wandert nach der Schweiz und nach Kanada. Neben der Mundharmonika wird auch die Ziehharmonika gebändigt, und das ist wohl das Ueberwältigendste, das an Wirkung; einen Klub von hundert und mehr Mann ein di fe|t. Stia n Oläubign Hand, ®l nicht M (einer 6fe| rin hck I ende wiifel iftbielenl I ich burH geamMl sich eng m ie Berget?'j ; die et | jem P I e", da r r, ein Sffl ,m eing>'H übergem r. BonF den littet nbeUd Sr.btrIJ roorte?6 id)bl«"* « ch bA .grrt*- trat, Hi feinem H als ein* batte M ichig-d-y Paradiesisch locken um den Kern der Stadt gelagerte Siedlungen mit den üppigsten Blumengärten Europas. In Emmenthal, der Zentrale des prominenten Käses, kann man adrette Misthaufen bewundern, die mit Flechtwerk umgürtet sind. Das graubündner Fleisch, höher als in 1200 Meter geboren, wird hauchdünn geschnitten und lufttrocken verzehrt. Im Corso-Restaurant probiere man Mistkratzerli und in der Paradies-Bar die diversen Frappees, ohne sich durch das mehrfach plakatierte Geschrei „Mähen" abschrecken zu lassen, die in Obstwähen und Käsewähen zerfallen. Gnägi jedoch ist identisch mit Eisbein. Das feinste Cafe ist Neumann (ohne Musik), das zweitfeinste das Odeon. Kellnerinnen werden Serviertochter oder Saaltochter gerufen, und schulentlassene Fräuleins, die für ein Geschäft die Botengänge besorgen, sind Postkinder. Ruhigster Winkel der Stadt mit lieblichem Rundblick und einem Jeanne-d’Arc-Srunnen ist der Lindenhof; im Museum wimmelts von Böcklin, Hodler, Segantini und Welti, die Briefkästen wirken, als seien sie ausschließlich für getrennte Liebespaare angebracht, denn sie rutschen vor Diskretion in die Wände; im verborgenen, schwer zu erspähenden Belvoir-Park träumen die erlesensten Baumgruppen und räkelt sich die süßeste Plastik; Samstags neunzehn Uhr dröhnen die Kirchenglocken, daß sich Dortmund, wo auch nicht übel geläutet wird, dahinter oerkrauchen muß, aber ich finde es wunderschön; zur Wonne sämtlicher Herrenfahrer bietet Zürich mustergültige Parkplätze; selbst der reiche Mann verzehrt tagaus, tagein seine „Rösti" mit Kaffee; die Ruderer auf dem See arbeiten kreuzweise; manchmal erhebt der Rigi seine Krone; mit dem scharmantesten Bürger Zürichs, dem Doktor Korrodi von der Züri-Zitig, im „Kropf" beim bestgepflegtcn Bier zu plaudern, ist nicht jedermann beschieden; von den Plakatwänden leuchtet frisch-fröhliches Kunstgewerbe (Ernst); eine Hochzeitskutsche rattert durch die Straßen und ihre Schimmel tragen Kopfputz wie bei der Paula Busch; den Chauffeuren zehn Prozent Trinkgeld zu stiften, ist Brauch; wer Glück hat, begegnet auf der Dolder-Seite unten am See der seltsamsten Karawane: Säuglinge und Hemdenmätze werden in Riesenkörben offiziell spazieren gefahren; zum Jodeln benötigt man einen Stimmbruch, den d' Moserbuebe sogar den Herrschaften in Philadelphia vorgeführt haben; sowas Buntes wie der Franziskaner (Stüßihofftatt) hab ich noch nicht erlebt; aber in der Brunnengasse geht's gegenüber dem Haus zum Brotkorb ein wenjg bunter zu; der spruchgezrerte Erker an der Gabelung Lindau-Kat und Niedsrdorsstraße ist längerer Betrachtung würdig; links ab verirrst du dich an Zürichs St. Pauli und labst dich an Lacrimae Christi statt an Köhm; der Palast, darinnen das Reformhaus Egli untergebracht ist, ruft Erinnerungen wach an den Zwinger in Dresden am immerhin durchschnittlich 500 Mark kostendes Instrument hören. Das Schießgewehr hingegen beweist das starke Berber auf den Autos mit CH (Confoederatio Helvetica) abgekürzte Staat in seine Bürger setzt, Im Züricher Hauptbahnhof, der die Sperre nicht kennt, stehn die Flinten als Handgepäck wie in München die Regenschirme, und alljährlich im September steigt das Knabenschießen, wo keineswegs in Befolgung der Tell-Sage jeweils ein Eidgenosse senior auf einen Eidgenossen junior schießt, sondern die Schulkinder ihre Patronen in Richtung Uetli verpulvern, das mitunter seewärts abgezirkt wird, weil die Amateursoldaten in friedlichen Gefilden herumknallen. Im übrigen sollte man das Uetli nicht per Bahn erklimmen. Es führt da ein Pfad hinauf, der die Bezeichnung „märchenhaft" verdient; der Linderweg, von Heuried aus einundeinviertel Stunde (und nach Regenwetter das Zehnfache). Dann krabbelt man über die Serie angenehm miteinander verbundener Kämme und faust zurück mit der Sihltalbahn, nicht ohne vorher unter Nummer 143 angefragt zu haben, ob und wann ein Zügli startet. Droben auf dem Uetli begibt sich etwas Nettes: eine Freiluftschule mit blutjungen Lehrerinnen und mit erholungsbedürftigen Schwestern jenseits der 60 sammelt nach dem Motto: „Jeder einmal auf dem Uetli" immer wieder andre Buben und Mädchen. Vom Aussichtsturm wird man gewahr, daß einerseits die Stadt am See, anderseits der See in der Stadt liegt, und daß beide sozusagen eine Hochehe miteinander eingegangen sind. Der See ist Meter für Meter umsiedelt und mit gewerblichem Fleiß verziert. Drüben protzt der ebenso vornehme wie langweilige Dolder, das Paradies für stellungslose Millionäre mit Golfbetrieb, und das ewige Surren in der Lust läßt auf den idyllisch gelegenen Flugplatz schließen. So oft der Zeppelin erscheint, heben die Einheimischen -taum ihren Blick: das kommt davon, wenn man sich nicht rar macht. wieder knien, und sie meinem Nacken, weil Bauche. innen ist er ganz voll jetzt ist mir alles egal, Oben knallten sie, und ich muh jetzt springen. Was soll ich Ihnen sagen, Er bleibt stocksteis stehen, verstehe tzar nichts w^r, ich Oer Tausendfuß. Von Joachim R i n g e l n a tz. Der Mensch braucht — ohne sich zu sputen — Zum Kilometer zwölf Minuten. Die Wanderratte läuft so weit In ungefähr derselben Zeit. Da nun genannte Wanderratte Bis dato stets vier Beine hatte, Wie schnell läuft da ein Tausendfuß? — Ich weiß es wirklich nicht. Weißt du's? Eie zappelt nur. Inzwischen zieht Ali dem Tiger die Haut ab, Heu, und da denk' ich, mich laust der Hanuman, und fresse den Tiger auf. Es war sehr altes Heu, aber besser als nichts. Sie striegeln das Mädchen ab, und ich muh steigen auf und Ali gibt das Tigerfell hinauf. Es riecht nicht ein bißchen, ganz verrückt. Ich lause nach Hause, und Ali wackelt auf Dauschänzli sind cs Immer die gleichen Angler, die hier ihre Leidenschaft abreagieren; die Gedeckte Brücke brauchst du nicht zu photographieren, denn anständiger als auf den vorhandenen Ansichtskarten gelingt dir s taUUnb Gottsried Keller? Hast du genügend über die Drahtseilbahn gestaunt, die da in der Nähe des Hauptbahnhofs rump und ftump mitten durch ein gewöhnliches Mietshaus wackelt - haft du das italienische Viertel (gleichfalls in Bahnhofsnähe) genießerisch durchschlendert — hast du zum zwanzigsten Ma! deine Augen in die Auslagen der Bahnhofstraße grasen geschickt — hast du dich von den naiven Beleuchtungseffekten in den Kinos erholt — dann frage dich zurecht nach dem „Goldenen Winkel , nach der alten Zunftstraße nebst ihren reichhaltigen Antiqultaten-Laden, nach dem Rindermarkt und seinen Blumen-Erkerlis, nach der Chorgasse, nach der oberen Kirchgasse und nach dem „Thaleck" am Zeltweg. Und schließlich darfst du sogar in Kellers Schriften schmökern. Es wird dir em Gewinn fürs ohnehin immer schaler werdende Leben sein. er springt n i ch t!I und nun ist mir das alles zu dumm, ich springe darauf los und hau ihm eins an sondern was er nicht sagt. Also keine Tigerjagd. Warum sagt er das dann aber? Ich wundere mich. Ich setzte Ali auf meinen Nacken, und wir gehen zum Palast. Kommt der Radscha und der Shikari, der Jäger, und kommt ein Mädchen mit einer Haut wie Quark. Quark ist gut, aber viel Quark macht Bauchdonnern, das weih ich. Biel Heu ist besser. Also ich knie, und der Radscha Hilst dem Mädchen hinaus und steigt nach und dann der Shikari, und alle drei haben Feuerstöcke. Also doch Tigerjagd. Warum lügt Ali? Ich laufe aus der Stadt, in den Wald, der Riemen kitzelt ekelhaft an meinem Bauch. Es geht durch Röhricht und an Morast vorbei, wundervollem Morast. Aber mit der Haudah auf dem Rücken kann man sich nicht wälzen, außerdem piekt dann Ali mit dem Lenk-Stachel. Menschen haben eben keinen Sinn für Waschen. Oben wird geredet. Das Quark-Mädchen kann nicht stillsitzen, sie hat vielleicht zuviel ge- sressen oder sie hat Angst vor dem Gestreiften. Dabei riecht es gar nicht nach Tiger. Also was ist los? Treiber sind auch keine da heute. Komische Jagd. Ich muß lachen, und Ali piekt mich. Ich schiele hinauf. Ali blinzelt, und das Mädchen wäscht sich ihren lächerlich kleinen Rüssel mit weißem Staub, es sieht komisch aus. Der Radscha freut sich. Da schreit der Shikari „Tiger! Tiger!" und das ist ganz einfach idiotisch, denn der Wind kommt von vorn und von rechts und es riecht noch immer nicht nach Tiger. Aber oben ist Getrampel, und der Radscha trompetet, und das Mädchen trompetet, und Ali gibt das Schwenkzeichen an meinem rechten Ohr. Ich schwenke also rechts und dann habe ich ein Gesicht gemacht wie ein Baboon, ein Pavian, denn da stand ein Tiger und roch nicht. Ich bekomme Doppelfressen, der Radscha besucht mich im Stall — mit dem Shikari, sie lachen alle und der Radscha sagt: „Wenn er das Heu nicht gefressen hätte, würde Miß Green gemerkt haben, daß der T,ger ausgestopft war." Und der Shikari (agt: , „Ich habe ihr gesagt, sie hat aufs Blatt getroffen, Hoheit. Sie war sehr zufrieden, Hoheit. Und was für ein Glück, daß Poo-Kawa sie in den Morast geworfen hat — sie hätte es sonst doch noch gemerkt, daß wir ihr keinen lebendigen Gestreiften vorgesetzt haben." Sie lachen alle wieder und der Radscha sagt: „Es war die einzige Möglichkeit. Ich habe die Verantwortung für sie. Und er streicht mir den Rüssel. Ihr seht, es stimmt, daß es was zu bedeuten hat, wenn einen der vordere Riemen am Bauch kitzelt. Aber nun möchte ich wirklich wissen: Was hat das eigentlich alles bedeutet?! Oie blödsinnige Tigerjagd. Erzählung des indischen Elesanten Poo Kawa. Bon Ludwig v. Wohl. ein bißchen angesault, wie ich es besonders liebe. Als Ali, mein Mahout (Lenker), zu mir in den Stall kam und mir die Haudah (Tragsattel) sestschnallte, kitzelte mich der vordere Riemen an meinem Bauche. , , . Das hat immer etwas zu bedeuten, schon meine Großmutter hat das gesagt und dann war der Tag auch danach. Also Ali sagt „Tigerjagd" und kneift ein Auge zu. Wenn Ali ein Auge zukneift, heißt das, er meint nicht, was er (agt, den Kopf und er fliegt weit weg, zweimal so west, wie ich lang bin, so leicht ift er geht weiß ich, ich bin sehr krank, eine Tante von mir hat auch lauter solchen Unsinn gesehen und mit Tigern gekämpft, die nicht da waren und wir standen um sie herum und lachten, aber dann fiel sie um und starb, und ich hatte es ja gleich gewußt, daß etwas passieren wurde, als mich der Riemen am Bauch kitzelte. ,, Also ich sehe nichts mehr, ich trompete und schwenke aus meinem eigenen Sinn und laufe zum Tiger und trample sehr. Er liegt ganz still, sein Bauch geht auf und was ist brin? Heu! Trockenes Heu! Ein Tiger, der Heu frißt! 0 Ich war so baff, daß ich eine ganze Weile nicht merke, daß Ali mich piekt wie verrückt. .. Dann muß ich knien, und alle springen heraus, und ich seh mich um, und das Mädchen ist vorhin, als ich schwenkte, aus der Haudah gefallen und steckt in meinem schönen schwarzen Morast und läuft mit den Beinen in der Luft herum. „ , . , . Der Radscha trompetet Ali, er soll dem Tiger das Fell abziehen, und er und der Shikari laufen zum Morast und holen das Mädchen heraus, das sogar zu dumm ist, sich richtig zu wälzen. Das war an einem Tag, an dem das Heu etwas feucht war, und schon angesault, wie ich es besonders liebe. . Roch nicht ! Also ich denke, hab' ich keinen Rüssel im Gesicht oder träume ich, aber selbst im Traum gibt es keinen Tiger, der nicht riecht. Ich hab das nur ein einziges Mal erlebt, wie es ist, wenn man nichts riecht, das war, als ich ein halbes Dutzend Hornissen im Rüssel gehabt hatte, verflucht sei der Tag. Aber bas mit ben Hornissen merkt man, und diesmal waren da keine Hornissen, da war nur leerer Kopf und Ohrenklappen und Nichtverstehen. * werfe den Rüssel hoch, denn der Gestreifte Kranichschnabel urd Ochsenmaul. Eine historische Plauderei vom Schuh. Von Dr. Friedrich S p r e« n. Kranichschnabel und Ochsenmaul! — mit diesen beiden Namen bezeichnete das 15. Jahrhundert die größten Gegensätze der Schuhform, die gegen Ende dieses Säkulums eine kurze Zeit sich ben Rang streitig machten, bis bas breite „Ochsenmaul" den so lange hindurch angebeteten „Kranichschnabel" völlig unter das altmodische Gerümpel verdrängte. Und liegen in diesen beiden Worten nicht auch in der Gegenwart die Gegensätze der Schuhmoden beschlossen? Hier der „Amerikanische Schuh" mit seinem breiten Vorderteil, dort die immer wieder auftauchende und sich behauptende schlanke spitze Schuhform! Aber nicht mehr ist der Schuh wie einst ein reich geschmücktes Symbol, verklärt von Poesie und Sitte. Nicht mehr bringt man, wie vor Zeiten der Germane, den Schuh als treues Unter» pfänd eines innigen Verlöbnisses der Geliebten dar, nicht mehr ziert er bas Wappenschilb eines alten Rittergeschlechtes als Zeichen von Recht und Eigentum, wird der altväterische Bundschuh zum sinnfälligen Ausdruck einer gewaltigen sozialen Bewegung, wie der Bauernkriege uer Reformationszeit. Nicht mehr trinkt der Sänger „in Treuen" den Wem aus dem Pantoffel seiner Barne. Wahrlich, im Schuh, der uns ein so nüchternes und rein praktisches Werkzeug dünkt, spiegeln sich in einer interessanten „Froschperspektive" Geilt und Geschmack der Zeiten, wenn auch freilich nicht selten in wunderlicher Verzerrung und Verirrung. Der erste Mensch — die Dichter meinen, es sei eine Frau gewesen — der sich zum Schutz gegen Dornen, Steine und heißen Sand ein Stua Tierleder unter die nackten Sohlen band, ist von der poetischen Legende verherrlicht worden. Die Sandale entstand jedenfalls aus dieser Urform bes Schuhs; sie ist in ber Gestalt der „gekrümmten Sandale", deren nach außen vorn umgebogene Sohle auch den Zehen Schuh gewährte, bei allen Kulturvölkern des Altertums vorhanden. Daneben erscheinen schon bei den Aegyptern Schuhe und Stiefel, grün gefärbt, mit zierlich geschnittenen Schnürriemen, auf den Sohlen mit Figuren bemalt. Auch im Alten Testament finden wir die Freude an den schönen Schuhen deutlich ausgeprägt. Das Ansehen, das bei Griechen und Römern die Schuhmacher besaßen,, läßt auf eine gleiche Hochschätzung schließen. Die Hellenen kannten bereits Schuhmoden, bei denen luxuriöse Schmuckformen, Arabesken, Sticke-^ reien, Spangen, Kameen.usw. die Fußbekleidung verziehrten. Im allgeme'-» nen aber blieb doch im Altertum die einfach natürliche Sandale, die d>e- edle Gestalt des Fußes, bas feine Spiel ber Muskeln zu bewundert erlaubte, vorherrschend. . Im Gegensatz zu solch geläuterten Formen bes Kulturmenschen stan» ber Schuh" bes Barbaren, der dem Römer fremdartig und fonberbaf erschien. Der früheste germanische Schuh, der uns erhalten ist. stammt aus vorrömischer Zeit und fand sich an einer Leiche, die aus dem Torfgrund der ostfriesischen Gemeinde Etzel gehoben wurde. Dieser aus einem einzigen Lederstück geschnittene Schuh hatte auf dem Spann einen :, und ft IIVl UV vlIlviHHC v*)w* ■ * j - Und bleib' debei. Ich hält' ja gern noch gelebt, ich halt noch allerlei vor. 1 Nu hab' ich mich demit abgefunden, daß ich sterben muß. Am End tut s JIU UUU IUI II HUI WU»U ---M । _ . ' , tyx , . . ,, ja auch nötig, daß eins dem andern Platz macht. Das ts emal Naturgesetz. ganz M löes egal, lken, wti iH-mil das hti der lig« >g für K einen dn itlich alte ** etwas. *** sich eine Erkaltung zuziehen, f wundertätiger Spruch. ch lauter reu, und ni> ftarb, ok Mich mein® Helt und koketten Hingebung bewegt sich die Rbkvkudams Im „Stockek» chnh", doch auf der Strahe gleicht sie, mit den breiten Flügelsalten ihres Nanteau, einem großen, unsicher schwankenden Vogel und kommt auf einen zierlichen Stock gestützt, weit nach vorn gebückt, nur langsam und mit Anstrengung vorwärts. Trotzdem läßt die Frau lange nicht von diesem unbequemen Marterwerkzeug. Aber endlich stirbt auch die in bunten Stickereien und funkelnden Edel- teinen prangenden Kaprice des Stöckelschuhes dahin. An Stelle der heiteren Farbigkeit der Schuhe beginnt im 18. Jahrhundert das blanke Schwarz der Wichse zu treten. Schon seit dem 10. Jahrhundert hatte man die Schuhe mit Wachs und Fett behandelt, mit schwarzen Farbsteinen gefärbt; jetzt wird die blanke Wichse modern. Ungezwungene, zweckmäßige Formen des Schuhes treten in der Zeit auf, da Rousjeaus Evangelium der Natur überall Verehrer findet. Um 1790 ist der Modeschuh ein leichter, offener Pantoffel; die Herzogin von Uork, die wegen ihres schönen Fußes berühmt war, soll ihn eingeführt haben. Die Revolution nimmt ihn begeistert auf. Der Schuh wird nun ganz flach; er hat keinen Absatz, eine Sohle, „so leicht wie ein Blumenblatt", keine Schnalle. Und aus dieser Schlichtheit geht er dann im 19. Jahrhundert zu neuen Formen hervor, die doch nur wieder die alten sind, sich zwischen den ewigen Gegensätzen der Schuhmode bewegen, zwischen hohen Absätzen und ganz flacher Sohle, zwischen spitzem und breitem Vorderteil, zwischen Stöckelschuh und Pantoffel, zwischen Kranichschnabel und Ochsenmaul! Ali mich mich U, > Befallen n Bei« chen, uni n he«, Bei den Frommen drüben in Herleshausen, dachte der Melcher, war seine Frau gut ausgehoben. Die würden ihr zur Seite stehen. Der Gedanke aber, daß sein Kind dienen sollte, erpreßte ihm Tränen. Es war das erstemal, daß die Annegret ihren Vater weinen sah. Am andern Morgen wurde der Doktor aus Landorf gerufen. Der untersuchte den Kranken und stellte einen Schlaganfall fest. Die Herzschwäche vertraute er der Annegret, scheine ihm bedenklich Im Lause des Tages bot der Schiwwerkäsper ferne Drenste an. Er wollte ein Gesahnt über dem Melcher sprechen. Dieser ließ ihn nicht vor. Dagegen nahm er den Besuch des Pfarrers an. Der geistliche Herr erkundigte sich zuerst nach dem Befinden des Kranken und lenkte dann mit aller Vorsicht das Gespräch auf das religiöse Gebiet hinüber. Von Gott, sprach er, könne man nicht groß genug denken. Gott sei weiser und liebevoller, als man zu hoffen wage. Jeglicher, der sich ihm aufrichtigen Herzens nahe, dürfe seiner Gnade sicher sem Wer seiner Schwächen und Mängel recht innewerde, erfasse damit schon Gottes Gnadenhand, wie der Psalmist singe: „Denn keiner wird zuschanden, der dein harret o Herr!" Gott bedeute das ewige Leben. Nichts anderes sei des Menschen Sterben, als ein Aufgehen im Strom der göttlichen Liebe. Der Melcher folgte den Worten des Pfarrers mit großer Aufmerksamkeit. Daraus entgegnete er: _ r Herr Parrer, Sie sollen bedankt sein! Sie dürfen mir das weiter net"übelnehmen. 'ich hab' mein Lebtag mein' Glauben für mich gehabt. Sie w sie in ki , dasi wir Mittag. Von Theodor Fontane. Am Waldessäume träumt die Föhre, Am Himmel weihe Wölkchen nur; Es ist fo still, daß ich sie höre, Die tiefe Stille der Natur. Rings Sonnenschein auf Wies' und Wegen, Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach, Und doch, es klingt, als ström' ein Regen Leif tönend auf das Blätterdach. Oie pariser. Roman von Alfred Bock. (Schluß.) Er begehrte Milch zu trinken. Die Annegret brachte ihm eine Tasse. Die leerte er auf einen Zug. Darauf hieß er alle hinausgehen, er fei müde, er wolle schlafen. Nach einer Weile schlich sich die Annegret wieder herein und hörte ruhige Atemzüge. Dennoch beschloß sie, bei dem Vater zu wachen. Um Mitternacht stöhnte der Melcher laut. Die Annegret sprang auf. Er klagte über Atemnot und über schmerzhaftes Ziehen im Nacken. Seine Glieder feien wie abgestorben. Mit einem langen Blick schaute er seine Tochter an. „ _ , „Alleweil hat's geschellt", sagte er. „Glaubst du, ich war angsterlich? O nee. Ebbes** drückt mich. Wann ich net mehr da sein, was soll's mit euch geben?" „Ich glaub' als, du hast fremd' Luft geschluckt***, Vaters wollte ihn die Annegret beruhigen, „das wird sich schon wieder machen." Er schüttelte den Kopf und wiederholte: „Was soll's mit euch geben?" Da sprach die Annegret frei heraus: „Wann dir was passieren sollt', was Gott verhüt', zieht die Mutter zu ihrer Schwester nach Herleshausen, ich such' mir ein' Dienst in der mif # :en W* , die D a mG Unb Hf je#» nit l«"!’ Ich b« h w'' * Ni-Hl«* ,ues 11# >»r < llig-"8 ntr< Den uns , 4) in i« , 7,.. null’ iiien, ™ irr« 1 v 'Ä Ä lhöii lll ch unssL Ausschnitt, besten eine Langseite in einige Laschen mit Schlitzlöchern zer- ceilt war, während die andere mit Reihen von hübschen Stern- und sonstigen Mustern durchbrochen und mit Riemen besetzt war. Es ist der Typus des allen germanischen Stämmen gemeinsamen Bundschuhs, wie er wiederholt in Torfmooren aufgesunden, bei dem die Riemen durch die gegenüberliegenden Laschen gezogen und über dem Spann mit vielfachen Verschlingungen zusammengeknüpft werden. So einfach diese Fußbekleidung auch war, gestattete sie doch mancherlei Schmuck in bunter Färbung und Vergoldung, in eingepreßten oder eingeschnittenen Ornamenten. „Die Tracht der Franken", berichtete der .Mönch von St. Gallen', „bestand in Schuhen, die außen mit Gold geschmückt und mit drei Ellen langen Schnüren versehen waren." Mit dem Geist des Rittertums und der beginnenden Gotik drang die Liebe zum Schlanken, zum Spitzigen in die Tracht ein und gestaltete auch den Schuh von Grund aus um. Wer war es, der die Welt mit den „Sch n a b e l s ch u h e n" beglückte? Die Legende kündigt von dem Grafen Fulko von Anjou, der ums Jahr 1087 lebte und ein wackerer Held und güttcr war Seine große Anfechtung aber bestand darin, daß er mißgestaltete Füße hatte, und um nun seine „Frostballen" oder besonders riesige Hühneraugen zu verbergen, ließ er sich lange, vorn ganz spitze Schuhe machen. Der ganze Modestil drängte freilich auf diese Mode hin. «Degen Ende des 11. Jahrhunderts tauchte sie unter dem üppigen norman- mischen Adel auf und wurde von ihnen nach England gebracht. Ein Dandy Boni Hofe des anglonormannischen Königs Wilhelms des Roten, Rod- tertus, kam zuerst auf den ingeniösen Einfall, die langen Schnäbel mit Werg auszufüllen und wie ein Widder Horn zu krümmen, weshalb er den Beinamen „Der Gehörnte" erhielt. Diese tolle Erfindung verbreitete Isich im ganzen westlichen Europa. Die „Pigaschen" (picaciae), die gleich Skorpioncnjchwänzen aus den Schuhen herausstachen, galten als besonderes Abzeichen von Ehrenhaftigkeit und Männlichkeit. In Deutschland sanden sie zunächst nur wenig Ausnahme; hier erfreute man sich an hohen geknöpften Stiefeln aus rotem oder violettem Korduanleder, wie sie auf len Miniaturen des „Hortus deliciarum“ die Gestalt der Putzsucht trägt, an leichten Sommerschuhen aus buntem Stoff mit farbigen Spitzen und an warmen Winterschuhen mit Pelzverbrämung. Erst als gegen Ende les 13. Jahrhunderts die vorher kurze Zeit aufgegebenen „Kranichschnabel" wieder, diesmal von Polen aus, ihren Siegeszug durch die Kulturwelt hielten, huldigte man auch in Deutschland diesen sog. „Krackauern", lie die Franzsen „Poulaines" nannten. Nun gehörte es bald zum guten Ion, die Spitzen der Schuhe oder der strumpfartigen besohlten „Beinlinge" um mehrere Zoll über die Zehen hinaus zu verlängern. Im 14. Jahrhundert regelten Verordnungen die Länge des Schuhschnabels bei den einzelnen Ständen. Die Schuhe strahlten in bunten Farben und zwar jeber in einer verschiedenen, der eine grün, der andere rot usw. Bald hingen die Schnäbel schlaff herunter und schlenkerten beim Gehen grotesk umher, bald waren sie durch Fischbein steif gemacht, mit einer klingelnden Schelle bekrönt, gezaddelt oder durch ein zierliches Kettchen am Knie befestigt und so in einer schönen Krümmung festgehalten. In dieser Hochblüte des „Kranichschnabels", im 15. Jahrhundert, tritt nun der Damenschuh selbständiger hervor. Zunächst war die weibliche Fußbekleidung von der männlichen nicht verschieden gewesen. Die Frauen hatten gar kein Interesse an der Verschönerung des Schuhs, denn er war unter den weiten Gewändern nicht zu sehen; es galt für einen argen Verstoß gegen die Sitte, den Fuß zu zeigen. In der Epoche der Minnesinger, da man die Schönheit der Frauen mit offenen Sinnen ju schauen, zu preisen anfing, ward das anders. Die Grazie eines schlanken Schuhes, eines feinen Knöchels entzückte die Männer, die als Ideal einen kleinen, ober hoch gebogenen Fuß aufstellten; die Höhlung unten in der Fußsohle sollte so groß sein, daß ein Zeisig darin Platz haben konnte. Die Kunst des Schuhmachers war daher hoch begehrt, eo richteten sich denn in gleicher Weise gegen beide Geschlechter die Verbote und Strafpredigten gegen die Schuhschnäbel, die im 14. und 15. Jahrhundert im strengsten und im klagendsten Ton laut wurden. Da die Mode nun einmal das Umschlagen von einem Extrem m das andere liebt, so ließ sie ziemlich plötzlich, gegen Ende des 15. Jahrhunderts, an Stelle des Kranichschnabels den breiten „fcntenidjnabel i , dem dann die plumpen ungefügen Vorderkappen an den fogenannten »Kuh- oder O ch s e n m ä u l e r n", aud; $ärentlauen genannt folgten. Zu der ungebunden freien Epoche der Renaissance paßte nicht mehr d groteske, den Fuß einschnürende Kranichschnabel; man wollte sich ungenie^ und bequem bewegen können in dieser wett ausschreitenden grobiamsch zügellosen Aera. Als Schmuck brachte der kecke Landknechtssinn wie in der ganzen Kleidung, farbig unterbauschte Schlitze in Aufnahme, die bunt aus dem Leder hervorquollen. Das Symbol der reiterlustigen Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde dann der Schaftstiefel der z eleganten Manschette umgeschlagen war, um die Eder bei vornehmen Herren ein graziöses Gewirr von Spitzen, Tnll und Band sich g - G die Damen garnierten ihre Schuhe mit Spitzen und l. ßen aus dem geschlitzten Leder Samt und Seide hervorleuchten, ab er balb erfanden Is sich einen neuen Triumph der Schuhmode: den hohen Ab,atz, H - „ "mV Unterjät^ aus Holz waren zuerst bei den UnteZck)uhen^der Kranichschnäbel, den sogenannten „Trippen , aufgetrete . Absatz behielten solche dicken Sohlen an den Pantoffeln bei. Aber der hohe Absatz erscheint in der Mode erst häufiger in der zweiten Halste des 16. Jahr hunderts. Der Wunsch, ihrer Länge eine Elle zuzusetzen, li.ß die 6 uen nachdem die hornartigen Riesenfrisuren erschöpft waren den Versuch von unten her" wagen. Die schöne, aber kleine Gabrwlle d Estrees soll °w ersten Einlagen in den Schuhen getragen Hadem ^ie s tz evheben Jahrhundert immer hoher, immer schmaler, "umer fp tz , f ( sich um 1650 3 bis 4 Zoll über die Erde und Pc2 [ "' n |n r" auffallenden Rot. Dieser „Stöckelschuh" ist e>n mysteriöses «ur ™ert-^u d-sien Herstellung der Schuster sich mit dem Absatzmacher vere, g . Schmuck dient zunächst die breite Bandrosette »std dann d.e rst nur den Abbes eingeräumte Schnalle, die immer großer und kostbarer, wiro le Heiner und niedriger der Schuh ist. Mit einer entzückenden Unbeholfen Der Pfarrer ging. Am Lager Sterbenskranker hatte er mancherlei Erfahrungen gesammelt. Demütige Ergebung in den göttlichen Willen hatte er selten gesunden, desto häuslger grenzenlose Furcht vor dem Knochenmann. Messt waren die Worte gefallen: „Herr Parrer, ich sein gar übel dran. Die Schmerzen sein net mehr auszuhalten. Wann ich's doch erst überstanden hältst" lieber den Altbürgermeister mochte man denken, wie man wollte, die Gefaßtheit, mit der er dem Tod ins Auge sah, nötigte einem Achtung ab. Um die Mittagsstunde genoß der Melcher noch ein Glas Wein. Bald darauf machte sich die nahende Auflösung bei ihm bemerkbar. Er ries, es sei ihm so neblig vor den Augen. Seine Schläfen sanken ein, sein Gesicht begann sich bläulich zu färben, der Atem kam rasselnd aus seiner Brust. In ihrer Kammer lag die Bürgermeisterin aus den Knien und betete laut. Die Annegret wich nicht von des Sterbenden Seite. Sie netzte seine Lippen mit Essig und wischte ihm den Schweiß von der Stirn. In ihren Armen tat er den letzten Atemzug. XV. Soviel der Altbürgermeister auch auf dem Kerbholz gehabt hatte, bei feinem Begräbnis erwiesen ihm selbst seine Feinde die letzte Ehre. Die ältesten Leute im Dorf konnten sich nicht cnsinnen, jemals ein so stattliches Trauergefolgc gesehen zu haben. Der Sckiwwerkäsper aber behauptete, der Verstorbene habe, während der Zug sich in Bewegung setzte, den Kopf aus dem Eulenloch seiner Scheuer herausgesteckt und habe seinem eigenen Leichenbegängnis zugeschaut. Wenige Tage vor dem Osterfest wurde der Hof versteigert. Unter den Kauflustigen fehlten die Ortsangehörigen. Diese glaubten, daß auf dem Anwesen Uniegen ruhe. Den Zuschlag erhielt der Sohn eines reichen Bauers aus Bellersheim. Angesichts des hohen Verkaufspreises, der für das Gut erzielt wurde, eröffnete der Advokat der Bürgermeisterin und ihrer Tochter, daß ihnen nach Begleichung aller Schulden noch etliche tausend Mark verbleiben würden Obwohl ihr nun ein bescheidenes Einkommen gewährleistet war, beharrte die Bürgermeisterin bei ihrem Vorhaben, künftig ihren Aufenthalt im benachbarten Herleshausen zu nehmen. Dem Irdischen abgekehrt, wollte sie nur noch der Sache der Gemeinschaft dienen. Die Annegret hatte sich bereits an die Vorsteherin der Haushaltungsschule in der Kreisstadt gewandt. Die antwortete ihrer ehemaligen Schülerin, sie solle kommen, sie könne so lange bleiben, bis sie eine passende Stelle gefunden habe. Die Annegret gedachte sobald wie möglich der herzlich gehaltenen Einladung zu folgen. — Auch in der Hütte des Mandlersfranz war Trauer eingekehrt. Seine Schwester war int Krankenhaus ihren Leiden erlegen. In der letzten Woche hatte es den Anschein gehabt, als ob ihr die Kräfte wiederkehrten, ja, sie hatte aus Stunden das Bett verlassen können. Dann war ein neuer Anfall gekommen und hatte alle Hoffnung zunichte gemacht. Seit feiner Rückkehr aus der Stadt, wo der Lene sterblich Teil der Erde übergeben worden war, hatte der Blinde sein Handwerkszeug noch nicht wieder angerührt. Der Verlust der Schwester, das Schicksal seiner Freundin, der Annegret, das alles war auf ihn eingestürmt und hatte sein Gemüt verdüstert. Er saß auf seinem gewohnten Platz und grübelte vor sich hin. Zuweilen wandte er den Kops nach den Vogelkäfigen. Das unaufhörliche Gezwitscher der Finken und Drosseln, woran er sich sonst ergötzte, war ihm jetzt lästig. Gestern hatte er die Käfige mit Tüchern verhängt. Heut stand er davon ab. Er wollte den Tierchen, die auch in der Gefangenschaft das Wehen des Frühlings spürten, die Freude nicht schmälern. Aus seinen trüben Gedanken weckte ihn ein lieber Besuch. Es war der Direktor der Blindenanstalt, der um diese Zeit die Provinz bereifte, sich vorn Ergehen seiner früheren Pflegebefohlenen zu überzeugen. Der Franz hatte seinen alten Lehrer gleich an der Stimme erkannt und war aufs freudigste überrascht. Die Teilnahme des gütigen Mannes richtete ihn auf, die Rachrichten aus dem Blindenheim erinnerten ihn an eine glückliche Zeit. Das Gespräch war schon eine Weile hin und her gegangen, als der Direktor sagte: „Es wird Sie interessieren, Mandler, unser alter Helfer, der Andreas Hahn, ist in Pforzheim zum Werksührer aufgerückt. Wir haben seit seinem Weggang die Seilerei aufgegeben. Dagegen haben wir uns jetzt mehr auf die Korbflechterei verlegt. Wesentlich ist, daß uns aus dem Niddatal ein vorzügliches und obendrein billiges Weidenmaterial geliefert wird. Was uns aber fehlt, das ist ein tüchtiger Werkführer. Der, den wir haben, ist feiner Aufgabe nicht gewachsen. Ich habe ja früher schon bei Ihnen angeklopft und möchte es heut wieder tun. Sie wären unser Mann. Kommen Sie zu uns. Sie stehen nun allein. Bei uns finden Sie, was Sie brauchen: gute Freunde und eine ersprießliche Tätigkeit." „Herr Direktor", erwiderte der Franz, „daß Sie das Zutrauen zu mir haben, dadefür bin ich Ihnen von Herzen dankbar. So risch entschließen kann ich mich freilich net. Ich bin ja sellemal in der Anstalt schon ein wink Aussichter gewest, aber viel Hebung hab' ich dadrin noch net. 's is leicht, den Werkführer spielen, man muß es auch fein. Und ’s gibt fein’ Werkführer, der net noch was zuzulernen hält'. No dadevor töt’ ich mich weiter net fürchten. Etz mich auf ein’ Stupp oerheften* und hintennach ’s wieder verkondermandieren** is net meine Art. Dessentwegen macht' ich mir erst meine Ueberlag*** machen." Der Direktor sagte, er wolle ihn beileibe nicht drängen. Zumal heut nicht, wo so Schweres aus ihm laste. Er solle sich alles gründlich überlegen und ihm Nachricht schicken. * gleich zusagen. ** rückgängig manchen. *** Ueberlegung. Da er dem Franz die Hand zum Abschied reichte, bat ihn dieser, ntjj einen Augenblick zu verziehen. „Ich möcht' de» Herr Direktor noch was fragen", brachte er mit flotten, der Stimme vor, gewann aber gleich wieder seine Ruhe und Sicherheit, „'s is hier im Ort ein Mädchen, 's is dem verstorbenen Bürgermeisier seine Tochter. Sie hat viel Unglück gehabt, so viel, daß ich's dem 5)enn Direktor alleweil gar net verzählen kann. Das kann ich aber sagen, |ie is grundbrav und ehrlich und tüchtig. Sie is in der Stadt in der Haus- haltungsschul gewest. Etz sucht sie ein’ Dienst. Den kriegt sie. Zehn fit ein’. Aber wer kennt die Leut', wo so ein Mädchen sich hinvermiet'? 's kann gut ausschlagen, 's kann auch schlecht ausschlagen. Für gewiß wch man's halt net. Wär's dann vielleicht möglich, daß sie in der Anslch ankommen könnt'?" „Mandler", entgegnete der Direktor lächelnd, „da rühren Sie an bm Machtbereich meiner Frau. Da hört mein Einfluß auf. Ich meine als. Sie kommen doch zu uns. Dann tragen Sie der Frau Direktor den Fall otr. Wenn Sie Ihre Landsmännin so warm empfehlen, wird sie, wie ich ft kenne, ein klebriges tun."--- Am andern Mittag richtete die Annegret ihrem Jugendfreund Ims Essen. Kartoffelslampes und Sauerkraut setzte sie ihm vor. Zum erftenmil nach all den trüben Tagen langte der Franz wieder ordentlich zu. Dessm freute sich die Annegret. Als er abgegeben hatte, sagte sie: „Gelle, du hast geft' Besuch gehabt?" „Ja", versetzte er, „der Direktor aus Hainstadt war da." Sein Mund ging über, wovon sein Herz voll war. „Da muß man lang suchen, trö man ein’ Mann finb’t wie den. Dem is net wohl, wann er für feine Leck net zu schaffen und zu sorgen hat. Und wann sie der Anstalt drauß' sind, is er als noch gebifch und hilft, wo er kann. Etz hat er bei mir wieder ungehalten, ich sollt' als Werkführer nach Hainstadt kommen." „Ro unb?z fragte bie Annegret gespannt. „Ich hab' im Sinn, hinzumachen." „Das is recht, Franz. So eine Stell' is für bich alles wert." Der Blinbe ftanb auf unb ging zu seinem Arbeitsschemel, vor dem bie Weidenruten geschichtet lagen. Dann wandte er sich wieder der Freundin zu. „Ein Wort hat geft’ das andre geben. Und da haben wir auch über dich geschwahtf." Die Annegret erbleichte. „lieber mich?" „Ja, über dich. Das kam eso. In der Anstalt sein doch während sieben, acht Frauensleut. Für die Süd)’, für die Wäsch', für’n (Barten, für wo« net all. Und da hab' ich den Direktor gefragt, ob net am End ein Platz für dich wär'." „Franz", sagte bie Annegret gerührt, „daß bu in deinem Leib now) an mich gebucht hast, is gar treu von bir." „Nu hat der Direktor gemeint“, sprach ber Blinbe weiter, „mit bene Frauensleut, bas wär' ber Direktem ihr Sach', 's ließ sich vielleicht gemachen. Ich sollt' emal mit ihr schwätzen. Gingst du bann hin?" „Ja, Franz, tutsroitt*!" „Ich weiß auch, baß bir's gefallen tüt'", sagte der Blinde, von einen frohen Gefühl erhoben. „Guck, Annegret, bie Blindenanstalt is kein Spital. Da hörst bu fein (Begerr** unb kein Geseusz. Da is eine stille, ruhige Freud. Und sind lauter Menschen, die über der Arbeit unb dem (Buten was an ihnen getan wird, ihr Unglück vergessen. Und sind wie bie Sinter in einem Haus. Laß mich nur erst bort sein, ich mach' schon ein Plätzi für bich aus “ Die Annegret legte bie Hand auf bie Brust. „Franz, bernachert wären wir ja alsfort beisammen." „Merkst bu’s bann alleweil erst?" sagte er. „Dadrauf will ich enaus.' Unb es war, als bräche aus feinen erloschenen Augen ein heller Schein. Am Mittwoch noch Pfingsten führte der Postkreuder beim Morgengrauen auf seinem Wägelchen zwei Passagiere in bie Stadt: die 2(nnegre-i, der vorerst die Haushallungssck)ule Unterkunft bot, unb den Mandlers- franz, der von der Stabt aus mit ber Eisenbahn bie Reise nach Hainstadt forisetzen wollte. Langsam rollte das Wägelchen durch das Dorf. Dort auf dem Hof ber Spechlsmarie regte sich noch nichts. Der Schmidtkonrad nebenan war dabei, einen Wagen mit Dung zu beloben. Der Schiwwerkäsper ftanb vo-r feiner Scheuer unb hämmerte an einer Egge herum. Die alte Berwel, bie jetzt beim birken Balthes schaffte, schleppte ein Bünbel Reisholz ins Backhaus. Da sie bie Borübersahrenden bemerkte, rief sie ihnen ,.®n' Morje!" zu. Die Schiebslinbe hatte sich mit jungem Grün geschmückt. Hoö> von ber Krone herab schmetterte ein Buchfink fein Frühlingslied. Hundert Kloster weiter, und man kam am Hof des Melchior Wallenfels vorbei Mus dem Hausährn lief gackernd ein Huhn heraus. Hinterdrein schritt der neue Besitzer, ein kraftstrotzender, junger Bauer. Hannvelte, der Knechts zog eben die Scheck und bie Bläß aus bem Stall. Das laute Brüllen der Tiere erichütterte bie Luft. Die Annegret meinte, bas Herz müsse ihr brechen, unb bie Träne« stürzten ihr aus ben Augen. Der Franz in feinem Feingefühl spürte, was sich in der Seele bes Mädchens schmerzvoll regte. Unb er ergriff ihre Hanb unb sprach: „Sei ftät, Annegret. Unglück unb Hoffnung wohnen in einem Haus!" Bald hatten sie bas Dorf hinter sich. Drunten auf der Niederunz lagerten noch düstere Schatten, hinter den Waldbergen aber, die bem östlichen Horizont säumten, begann ber Himmel sich rot zu färben. Der Postkreuder setzte sein Horn an den Mund und blies eine lustig« Weise. Das Rößlein jpitzte die Ohren und griff wacker aus. So fuhren sie weiter. Immer weiter. Dem Tag entgegen. + geschwätzt. * tout de suite, sofort. '* Weinen. Schriftlettung: i. V. Dr. Fr. W. Lange, Gießen. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stetndruckerei, R. Lange in Gießen,