°°rn< Tbe!" e 1*4 ihn« auf um loen, wtts °n Ucc(( t. 'hgen wtz tr vervch. fragte er. und nin|i anzu,„jchi it den 5m ahn, der In mar, dew W uszubeMh« L W Lty » Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang (932 Montag, den 22. August NummeHö Requiem. Von Conrad Ferdinand Meyer. Bei der Abendsonne Wandern, Wann ein Dorf den Strahl verlor. Klagt sein Dunkel es den andern Mit vertrauten Tönen vor. Noch ein Glöcklein hat geschwiegen Aus der Höhe bis zuletzt. Nun beginnt es sich zu wiegen, Schaum war wenig zu bemerken, außer in unmittelbarer Nähe der Felsen. „Die entferntere Insel", sagte der alte Mann, „wird von den Norwegern Vurrgh genannt. Die in der Mitte liegende heißt Moskoe, eine Meile weiter nördlich liegt Ambaaren. Dort drüben sind Jslesen, Hotholm, KeildHelm, Suarven und Buckholm; weiter weg, zwischen Moskoe und Vurrgh, Otterholm, Flimen, Sandflesen und Stockholm. Das sind die richtigen Namen dieset Orte. — Aber warum man sie überhaupt benennen mußte, ist mehr als Sie und ich verstehen können. Hören Sie irgend etwas? Sehen Sie irgendeine Veränderung des Wassers?" Wir waren nun seit etwa zehn Minuten auf dem Gipfel des Helseggen, den wir von innen her aus den Lofoten bestiegen hatten, so daß wir vom Meer nichts sahen, bis es von der Höhe aus plötzlich sichtbar wurde. Während der alte Mann sprach, hörte ich einen lauten, langsam anschwel- Horch, mein Kilchberg läutet jetzt! io«- gröfte Rq ■ief: „0, h: widert mit Oer Sturz in den Malftrom. Erzählung von Edgar Allan Poe. ich« 8# jr(en. W l-M er * in zu, mf läbigfter h i Männer» sachmP 5 Ä lp ib irfpil jl nicht an fc| i ließ list« )»s 8'“’T eben M11 MW'M unsere« i°sM° ' wederI ein M'I uerri^*1 ,1 tuaefe* •i küsse"?'' Wir hatten nun den höchsten Gipfel der Klippe erreicht. Wahrend einiger Minuten schien der alte Mann zu erschöpft, um zu sprechen. „Vor kurzem noch", sagte er, „hätte ich Sie auf diesem Wege so gut führen können wie mein jüngster Sohn; aber vor drei Jahren hatte ich »in Erlebnis wie es noch keinem Werblichen Men^chei^ geschehen lji, ober wenigstens wie es noch keiner überstanden hat, um davon erzählen zu ■önnen — und sechs Stunden Todesangst haben mir Leib und äectc zer- jte; dies i Ito, ta* luumieu __ unu |cu;x> v.»..»». --------öl. ----- ! Herzog ® Miet Sie halten mich wohl für einen ganz alten Mann, aber das btn unter uns in die See." v ™ . Ich sah verwirrt auf eine weite Strecke des Meeres deßen Wage^ ^ tmtensäwarr war daß es mich sofort an den Bericht des nützlichen w graphen vom Meer der Schatten erinnerte. Lün öderes emsameres Pano^ cama tonnte die menschliche Einbildungskraft nicht °usdenke'i. !bechts und inks, soweit das Auge reichte, erstreckten sich, wie Schutzwehren der Erde, Reihen schrecklicher, schwarzer, schroffer Klippen, deren D f h Brandung, die heulend und schrillend ihre ^ißen gespenstigen Kamme nuswarf, nur noch mehr heroorgehoben wurde. Gerade denBorgebirge gegenüber, auf dessen äußerster «pitze wir standen, etwa a entfernt, war eine kleine öde Insel im Meere zu sehen 0-c Lage war durch die wilde Brandung, die fie umgab furchtbar iroei Meilen näher am Lande erhob sich eine anber ■ «emere bteUW« ierrissen, kahl und an mehreren Stellen nut Klumpen bunif 0 -I i landen war. _ Zwischen der entfernteren Insel und dec Küste hatte ber ^^E^ganz ungewöhnliches Aussehen. Obgleich zur Zett eine sie f I , wehte so batz eine Brigg die in einiger Entfernung unter boppeit g rafflem Gaffelsegel lag, dauernd ihren ganzon Rumpf untertauchte d ß -nan ihn nicht mehr sah. war hier gar keine eigentliche 1^nung sondern »»s Wasser schlug wild nach allen Richtungen, auch gegen den Wind. Vo ich nicht Weniger als ein Tag hat genügt, um dieses einst pechschwarze Sans: „6- , fiaar ,u bleichen meine Glieder zu erschlaffen und meine Nerven zu chwächen so daß ich jetzt bei der geringsten Anstrengung zittere und mich viel W '. vor dem Schatten fürchte. Wissen Sie, daß ich kaum über diesen kleinen " " T"‘l Abhang sehen kann, ohne schwindlig zu werden? „Der kleine Abhang", über dessen Rand er sich so sorglos zur Rast itiebergetoorfen hatte, daß der schwerste Teil seines Körpers.uberhing, während er nur dadurch vom Fallen bewahrt wurde, daß er sich mit dem Ellbogen an seiner äußersten schlüpfrigsten Kante auf,tutz^, dieser klein. Abhang erhob sich als unüberbrückbare Steilwand aus jchwarzem glan- Senbein Felsaestein von etwa 1500 bis 1600 Fuß aus einer Welt von Klippen unter uns. Nichts hätte mich näher als höchstens sechs Ellen an ; ihren Rand locken können. Ich war tatsächlich so "regt durch die gefahr- ' irfje Stellung meines Gefährten, daß ich der Lange nach hmfiel m ch an dem Gebüsch ringsum festhielt und nicht einmal wagte, nach dem > _ -nufwärts zu schauen; dabei kämpfte ich vergeb ich mit nur um mich von Dem Gedanken zu befreien, daß die Grundfesten des .Berges durch . ®ut des Stromes gefährdet seien. Es dauerte lange bis^lchden notigen Mut zusammenbrachte, um mich aufzurichten und in dis cherne zu blicken. Sie müssen diese Einbildungen überwinden , sagte der Führer,^,,denn :ch habe Sie hierher gebracht, um Ihnen die beste Aussicht auf ben o^am platz des erwähnten Ereignisses zu bieten und um Ahnen die ganze Gerichte zu erzählen, während Sie die Stelle vor ^gen Hatzen. I Wir lind fetzt" fuhr er in der ihm eigenen umständlichen Art fort, .genau Über der norwegischen Küste, auf dem 68 Grad "«dücher Brette m ber großen Provinz Nordland, in dem °den Gebiet ber ßofo en Der Berg, auf dem wir stehen, ist der Hel,eggen, der wolkige. Jetzt ncht.n f Sie sich ein wenig auf — halten Sie sich am Gra; fl> ^aürtel chwinülig werden — so — und nun blicken Sie über den Dunstgurtet lenden Ton, wie das Brüllen einer Büffelherde auf amerikanischen Prärien; und zu gleicher Zeit fiel mir auf, daß die Bewegung, die die Seeleute das ^Stoßen" des Meeres nennen, sich rasch in eine nach rechts gewendete Strömung verwandelt hatte. Zusehens erreichte diese Strömung eine furchtbare Geschwindigkeit. Jeden Augenblick nahm ihre Eile, ihr überstürztes Ungestüm zu. Nach fünf Minuten war die ganze See bis nach Vurrgh hin in unbezähmbarer Wut; aber zwischen Moskoe und der Küste hielt der Aufruhr feine Wut an. Hier brach plötzlich das weite Bett der Gewässer — in tausend widerstreitende Kanäle eingeengt und getrennt — in krampfhafte Zuckungen aus und stürzte sich wallend, zischend, brausend, in riesigen unzähligen Wirbeln kreisend und alles fortreißend und in die Tiefe ziehend, nach Osten, mit einer Schnelligkeit, die das Wasser sonst nirgends annimmt, außer in jäh abstürzenden Fällen. Nach wenigen Minuten kam eine neue gründliche Veränderung über die Szene. Die ganze Oberfläche wurde etwas ruhiger und die Strudel verschwanden nach und nach, während gewaltige Schaumstreifen sichtbar wurden, wo bisher überhaupt keine zu sehen waren. Die Streifen, die sich über einen großen Raum ausdehnten und sich vereinigten, nahmen schließlich die drehende Bewegung des überwältigten Wirbels in sich auf und schienen den Kern eines anderen, größeren, zu bilden. Plötzlich, ganz plötzlich, trat dieser in deutliche und begrenzte Erscheinung in einem Kreise von mehr als einer Meile Durchmesser. Der Rand des Strudels wurde durch einen breiten Gürtel glänzender Gischt umschlossen, aber kein Teil davon glitt in den Schlund des furchtbaren Trichters, dessen Inneres, soweit das Auge es erspähen konnte, ein glatter, glänzender, pechschwarzer, in einem Winkel von fünfundvierzig Grad zum Horizont geneigter Wafserwall war, der sich in schwindelnder Hast drehte, mit schwingender, rasender Bewegung, und nach allen vier Windrichtungen ein furchtbares Getöse schickte, halb Schrei, halb Heulen, wie selbst der mächtige Niagarafall in seinem Ringen ihn nicht zum Himmel sendet. Der Berg erzitterte in seinen Tiefen und der Felsen wankte. Ich warf mich auf mein Gesicht und klammerte mich in äußerster Nervenerregung an das schwache Gras. „Das", sagte ich schließlich zu dem alten Manne, „das kann nichts anderes fein als der große Wirbel des Malstromes." „So nennt man ihn manchmal", sagte er, „wir Norweger nennen ihn den Moskoestrom nach der Insel Moskoe in der Mitte." Die bekannten Berichte über diesen Wirbel hatten mich durchaus nicht auf das Schauspiel vorbereitet, das ich nun sah. Der von Jonas Ramus, der vielleicht der ausführlichste von allen ist, kann nicht im entferntesten einen Begriff geben, weder von der wunderbaren Schönheit noch von dem Grauen des Schauspiels, noch von dem verwirrenden Eindruck des Nie- gesehenen, das den Beschauer erschüttert. Ich weiß nicht, von welchem Gesichtspunkt aus der Versafser es sah, noch zu welcher Zeit; aber es kann weder vom Gipfel des Helseggen aus, noch während eines Sturmes gewesen sein. Immerhin mögen einige Stellen seiner Beschreibung bezüglich der Einzelheiten anerkannt werden, obgleich ihr Ausdruck viel zu schwach ist, um ein solches Schauspiel zu schildern. „Zwischen den Sofotten und Moskoe", sagte er, „beträgt die Tiefe des Wassers etwa 35 bis 40 Faden. Aber an der anderen Seite, nach Ver (Vurrgh) zu, nimmt sie so stark ab, daß sie nicht für die Durchfahrt eines Schiffes genügt ohne Gefahr, an den Felsen zu zersplittern, was auch bei ruhigstem Wetter vorkommt. Wenn Flut ist, rast der Strom mit tobender Schnelligkeit die Gegend zwischen Lofoten und Moskoe herunter. Aber bas Heulen seiner heftigen Ebbe kann kaum mit den lautesten und schrecklichsten Wasserfällen verglichen werden, denn der Lärm ist mehrere Meilen weit zu hören, und die Wirbel ober Schlünde sind von solcher Ausdehnung und Tiefe, daß jedes Schiff, bas in bie Nähe ihrer Saugkraft kommt unvermeiblich verschlungen unb in bie Tiefe gezogen wird, wo bie Felsen es in Stücke zerschmettern und, wenn die Wasser sich zu- rückziehen, seine Trümmer wieder heraufgeworfen werden. Aber diese Zeiten der Ruhe entstehen nur beim Wechsel von Ebbe unb Flut und bei stillem Wetter, unb sie bauern nur eine Viertelstunbe; bann kehrt die Wucht nach und nach zurück. Wenn der Strom am ungestümsten ist, und feine Wut durch einen Sturm erhöht wird, ist es gefährlich, sich ihm auf eine norwegische Meile zu nähern. Laote, pachten, Schiffe stno hmweg- qetragen worden, wenn sie sich nicht rechtzeitig in Sicherheit brachten, bevor sie in seine Nähe kamen. Es geschieht auch häufig, das; Wale dem Strome zu nahe schwimmen und durch seine Heftigkeit überwunden werden; dann ist ihr Heulen und Brüllen bei dem fruchtlosen Kämpfen um Befreiung unbeschreiblich. Als einst ein Bür versuchte, von Lofoten nach Moskoe zu schwimmen, wurde er vom Strom gefangen und herunter- aezoqen und er heulte so furchtbar, daß man ihn an der Küste horte. Große Mengen von Kiefern und Fichten, die von der Strömung ver- fdilunqen wurden, erscheinen wieder in so zerrissenem Zustande, als ob Stacheln auf ihnen gewachsen wären. Dies beweist zur Genüge, daß die Tiefe aus klippigen Felsen besteht, zwischen welche;, sie hm- und her- aewirbelt wurden. Dieser Strom wird von Ebbe und Flut des Meeres geregelt da immer alle sechs Stunden das Wofser hoch steht und wieder tief. Im Jahre 1645 raste er am frühen Morgen des Sonntags Sexa- gesima mit einem solchen Lärm und einer solchen Wucht, daß die Hauser an der Küste zusammenfielen." .. . . Ich konnte nicht verstehen, wie es überhaupt möglich fein sollte, die Xiefe des Wassers in der unmittelbaren Nähe des Wirbels festzustellen. Die 40 Faden" müssen sich nur auf Stellen des Kanals dicht an der Küste von Moskoe oder Lofoten beziehen. Die Tiefe in der Mitte des Moftoestromes muß unermeßlich groß [ein, und einen besseren Beweis dafür kann es nicht geben, als einen Seitenblick m den Abgrund des Wirbels von der höchsten Klippe des Helseggen. Ms ich von dieser Spitze auf den heulenden Phlegethou heruntersah, mußte ich lächeln über die Einfalt mit der der ehrliche Ionas Ramus als eine kaum glaubliche Sache die Anekdoten von Walen und Bären wiedererzählte, denn mir jchien es tatfächlich ganz selbstverständlich, daß das größte Schiff aller Verkehrslinien wenn es unter den Einfluß diefer todbringenden Anziehungskraft gerät,' ihr so wenig Widerstand bieten kann wie eine Feder dem Orkan, und sofort leibhaftig verschwinden muh. Die Versuche, das Phänomen zu ergründen, von denen mir einige beim Durchlesen ganz glaubhaft vorgekommeu waren, machten mir nun einen ganz anderen, unbefriedigenden Eindruck. Die allgemeine Ansicht ist daß dieser Wirbel sowohl als die drei kleineren bei den Ferroe-Jnseln keine andere Ursache haben als den Zusammenprall der steigenden und fallenden Wogen bei Ebbe und Flut gegen eine Reihe von Felsen und Riffen, die das Wasser so einpressen daß es sich wie em Wasserfall herabstürzt; so muß der Fall um so tiefer sein, je höher die Flut steigt, und die natürliche Folge alles dessen ist ein Wirbel oder Strudel, dessen wunderbare Saugkraft durch weniger bedeutende Versuche genügend bekannt ist. Das sind die Worte der Encyclopädia Britannica. Kircher und andere glauben daß sich in der Mitte des Bettes des Malstromes ein Abgrund befinde, der durch die Erdkugel hindurchdringe, und an einer entfernteren Stelle münde — in einem Antle toirb ziemlich bestimmt Der Botkni che Meerbusen genannt. . Diese Ansicht, so müßig sie an und für sich ist, war doch biejemge, die meiner Einbildungskraft am wahrscheinlichsten schien, als ich hinblickte; und als ich sie meinem Führer gegenüber erwähnte, war ich ziemlich überrascht, daß dies zwar die allgemeine Aufsassung in Norwegen, aber doch nicht die [einige fei; was aber die frühere Ansicht betreffe, so gestehe er daß er sie nicht begreifen könne, und hier stimmte ich ihm zu, denn so'schlüssig sie auch auf dem Papier scheinen mag, so wird sie doch ganz unverständlich und sogar widersinnig inmitten des donnernden Abgrundes. „Jetzt können Sie den Wirbel gut sehen", sagte der alte Mann, „und wenn Sie um diese Felsspitze Herumkriechen wollen, so daß Sie in ihren Schutz kommen und das Heulen des Wassers nicht hören, so will ich Ihnen eine Geschichte erzählen, die Sie überzeugen wird, daß ich etwas vom Malstrom wissen muß." (Fortsetzung folgt.) Glücksritter unter der Mitternachtssonne. Besuch bei lappischen Goldwäfchern in Finnmarken. Von PerSchwenzen. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Zwei Tagereisen mit Flußbooten stromaufwärts von der bunten Lappenstadt Karasjok liegt das erste Goldwäscherlager. Die Erde dieser Ufer weist einen gleichmäßigen Goldgehalt auf, zu schwach, um Reichtum zu schasfen, zu viel, um keine Hoffnungen zu wecken. Der Forstverwalter von Karasjok fuhr uns flußaufwärts bis zur Sommerstadt Assebakte, von wo wir ein Lappenboot nehmen wollten. Assebakte! Das ist eine wunderliche Sache. Dieses Nomadenvolk hat auch hier in Karasjok nicht ohne einen Rest des Wandertriebes auskommen können. Wenn die Renntierlappen im Frühsommer mit ihren Zelten und Herden in die Berge ziehen, bann macht sich die „seftwoh- nenbe" Bevölkerung, bie Flußlappen, mit Kinb und Kegel auf, mit Haustier und Hausrat, um — 50 Kilometer weit stromaufwärts in bie Sommerstabt Assebakte zu ziehen, wo jeher ein kleines Anwesen hat, entsprechend kleiner als der Winterplatz in Karasjok ... Hier also wohnt der Peer Soleng. Er war gleichsam zuständig für Fremdenverkehr und dergleichen. Er sprach ein fließendes Norwegisch. Er war einem Sektenprediger in die Hauptstadt gefolgt, hatte eine Bibelschule besucht, war mit vielen Kenntnissen heimgekehrt und gehörte nun zu den Bevorzugten, die als Wahlkandidaten und Dolmetscher eine wirtschaftlich und moralisch gehobene Stellung innehaben. Peer Soleng zeigte sich menschlich und machte einen annehmbaren Preis aus. Während wir in seinem Blockhaus zwischen Hunden und Kindern auf dem Bettrand sitzen und Kaffee trinken, macht er mit feinem Schwager das Boot fertig. Er hat — eine weitere Konsequenz der Bibelschule — einen ordentlichen Außenbordmotor. Wir knattern davon, die Sommerstadt, die Föhrenwälder verschwinden, zart über hellem Sandbruch leuchten Birkenwälder. Dies lappische Flußland erinnert an thüringische Uferlandschaft, an hessische Berge — nur daß Birke und Moos das deutsche Grün mit Weih und Silbergrau versetzen. Oft wird das Wasser so flach, daß Soleng die Schraube nur den Wasserspiegel peitschen läßt, während der Schwager, vom Bug des langen Kanus stakend, uns durch schmale Furten lotst. Gegen Abend erreichen wir die erste Etappe unserer Reise: ein kleines Blockhaus die staatliche Schutzhütte. Sie ist leer. Eine Hausordnung besagt daß die Fahne zu hissen und pro Kopf für Uebernachten 1,50 Krone zu deponieren fei. Holz ist am Kamin und Ofen gestapelt, Geschirr im Schrank Birkenreiser und Renntierfelle in den Bettstellen, alles ist von - anderer, herber Wohnlichkeit, wie es diese Welt der Weite und Ein- amteit paßt. Peer Soleng schraubt seinen Außenbordmotor ab und montiert ihn an der Bettstelle. Das macht man hier so, nicht etwa, um ihn in Sicherheit zu bringen — nein, er wird hier ganz einfach deponiert. Denn ab morgen müssen wir durch die Stromschnellen am Ufer entlang staken und können keinen Motor brauchen. Da wird er eben ans Bett geschraubt und kann schlafen, bis wir übermorgen zurückkommen. In her staatlichen Blockhütte ist noch nichts verschwunden — wohin denn auch? Die Weiterfahrt am nächsten Tage hatte ihren besonderen Reiz. Das von uns gemietete Boot fuhr nämlich — ohne uns. Während die beiden Männer mühsam längs des Uferranbes gegen bie Stromschnellen statten, bürsten wir uns hügelauf, hügelab einen Weg suchen. Am Nachmittage langten wir am Golbwäscherlager an; eine „Gamme (Erbhutte) und zwei Zelte. Ein alter Küchenherb stand im Grase und streckte sein langes Ofenrohr wie eine Prothese in den Himmel. Eine primitive Esse mit Blasebalg sah auch nicht viel munterer aus. Das also war das Lager. Es war leer. Wir gingen dem Klang der Spitzhacken nach zur Arbeits- stelle Diese ganze Goldwäscherei sieht nicht viel anders aus als eine im Bau befindliche Dränierungsanlage. Etwa in zweihundert Meter Lange ist der Boden aufgehackt, die Männer stehen tief im Erdreich und brechen Stein rohen Wurzeln. In Schulterhöhe ist eine hölzerne W a s s e r - leitung gebaut, bie an einen höher gelegenen Bergfee angeschlossen ist, im Augenblick aber trocken liegt. Am Boben der kastenförmigen Rinne sind Rippen und kreisrunde Vertiefungen zu sehen. Der Vormann her Gemeinschaft, die sich hier im goldenen Sommerglück versucht, heißt John Balto — für einen Lappen ein wahrhaft goldgräberischer Name! Er erklärt uns bie Arbeitsvorgänge. Wenn genügend Erde gelockert ist, so zieht man die Schleuse oben am See. Das Wasser fließt reißend in bie Rinne. Man schaufelt nun zwei Tage lang Erbe in den künstlichen Bach. Das Wasser löst die Erdteile auf und spült sie in den Fluß hinaus. Die schwereren Metallteilchen aber, der Erzstaub, mit Gold ver- mischt sinkt herab und setzt sich in die Rippen und Locher des Rinnenbödens. Nach zwei Tagen stellt man bas Wasser ab, und bas Goto fällt aus bem Erzstaub mit Hilfe von Quecksilberlösung heraus. Um ben Golbgehalt eines für bie Anlage in Aussicht genommenen Gelänbeteiles zu bestimmen, wäscht man eine Stichprobe in der Pfanne. John Balto füllt zwei „Pfannen", einfache Blechschüsseln, bis an den Rand mit der rötlich-kleberigen Erde. Wir gehen damit zum Fluß hinab. Dieses Goldwäschen in her Pfanne ist eine ausgezeichnete Geduldsprobe. Man hockt da auf einem Stein im Wasser und läßt die Pfanne vorsichtig voll Wasser laufen, um es ebenso vorsichtig auszugießen. Mit bem abfließe n,den Wasser folgt bie aufgelöste Erbe, Grus und Lehm mit, während der schwarze Erzstaud zu Boben sinkt. Steine werden vorsichtig in der Pfanne abgespült und weggeworfen. Mit ungeheuerer Präzision muß man zum Schluß Löffelportionen über ben Raub her Pfanne ein- unb ausfluten lassen, bis eine ganz bünne schwarze Schicht Eisensand zurückbleibt, barunter bas Golh — wenn überhaupt! — verborgen liegt. Drei Pfannen Erbe habe ich in ben Fluß hinausgewaschen, ehe ein, zwei Gold- punkte im schwarzen Staub erglänzten. So reich wie bie früheren Golbgräber in Alaska und Kalifornien können bie guten Lappen hier nicht werben, wenn auch bie bescheibenen Ansprüche dieser Leute, die während des Sommers ja kaum etwas m ihrer Abgeschiedenheit verbrauchen, reichlich befriedigt werden. Sie b'ben ausgerechnet, daß sie pro Kopf und Tag zwifchm dreizehn und fünfybn Kronen verdienen, da können sie sich immerhin im Winker bald ein Holzhaus in Karasjok leisten, zweistöckig und gemalt wie das vom Lehnsmann ober Pfarrer. John Balto unb feine Leute sind sehr zufrieden. In der Gamme beim Abendessen zeigen sie mir einen kleinen Beutel, die bisherige Ernte. Es sind die Arbeitstage von fünf Menschen, einen ganzen Sommer lang, aber ich kann sie mit ben Händen umsch'ießen. Stumm hin — Gold ist eine sichere Sache, es wird nicht ranzig, wie Ziegenmi ch, es kann nicht weglaufen, die Beine brechen ober krank werden wie bas Renntier, es kommt kein' Pilz unb kein Wurm, ber es frißt, meint John. Unb Diebe? — frage ich. Die fünf blicken mich verstänbnislos an. „Hier gibt es hoch keine Diebe ..." sagt der alte Biti schließlich „Hi" kommen nur Leute aus Karasjok herauf, unb bie kennen uns hoch, sind gute Freunhe. Unb bie Norweger, ja, hu mußt schon entschuldigen, die kommen ja nicht so oft, daß man sich fürchten müßte, sinh ja alle feine Herren, bie hierher kommen ... aber ba oben am Meer, wo sie bau'm unb immer neue Menschen aus bem Silben kommen — ba müßte man wohl nachts mit bem Gewehr im Arm schlafen. Hier liegt bas Golbsäckchen in ber Gamme unb nicht einmal ein Hunb bewacht es." Bei biefen Zeiten ber Arbeitslosigkeit, bie auch in Norwegen empfindlich fühlbar ist, müßten bie Goldufer der Finnmarkenflüsfe eigentlich wen mehr Leute anlocken. .Denn immerhin ist hier doch bei verhältnismaM geringen Spesen ein ertragreicher Sommer zu erhoffen. Nur die enorm n Entfernungen, die Umständlichkeit des Reifens in den weglosen Gebieten läßt es erklärlich erscheinen, daß nicht schon weit mehrere bas Los ocj Arbeitslosen im Süden des Landes mit dem des Glücksritters unter der Mitternachtssonne vertauschten. Die Heimkehr durch bie Stromschnellen geht mit reißender Geschwindigkeit. Senkrecht hüpfen bie Wellen, weit höher als bie Borbwand o ’ langen Kanus, ohne jeboch ins Boot zu fchlagen. Der Kiel schürft u nur i(l 65 MM ’n Heines innnj i(, >50 Stein Grr in, 15 ist non und (Ein, ntiert ij, in 6id)((, Dem oi mg ftuta Seförauil staatlich!! Reiz J« die beihen en ftnffen, achmitiij, (Srbf)ütte) reite |« ritioe G' Jas finger, r Mtfe j Is eine m \ ‘ter fiänge i lid brechm Ba||er' Wen ist jen Mw rmann i» heißt Äst Name! 6t tert ist, I« end in i« idjen M inaus. Sie td ter Löcher is ; das M ‘nomtneö er Pst» is an in butbsprobe. e oorststst it dem st it, wähttst btig i" * i 1,11,1 , und a» lurütf»“1! liegt.®'" Jjei* Aaiist’""' befdjeibcnen n et»®1 Sie Ü* nd fünli' ” ’6 ein stE ße&n*"" efM t"1 > di-L- !?<*" ,-Ä rdch" ? I" tk '«'L/ te<,„» ant»bt!" .(Ernte® , qani’” 3*5 S* 5 al1’ rutfdjt über Steine, die Männer stehen in Bug und Steven schreien sich Kommandos zu, stoßen die Stangen wie Lanzen mit voller Wucht in den Grund, zwischen Blöcken hindurch auf weißer Wasserbahn geht die Fahrt, es ist deutlich zu sehen, wie der Wasserspiegel voraus tiefer liegt als achteraus. Wir sind bald an der Schutzhütte und können uns gegen Mitternacht auf Birkenlaub und Fellen zur Ruhe legen. Früh am Morgen schrauben mir den Motor von der Bettkante und gehen von Strom und Propeller in pfeilschneller Fahrt nach Assebakte, der Sommer», und weiter nach Karasjok, der Winterstadt, zurück. Oer Siegeszug des Kaffees. Von Dr. Georg Kuhn. Immer wieder kommt die Nachricht, daß Brasilien ein paar Tausend Sack Kaffee vernichtet hat, weil es keinen Absatz dafür findet. Bei uns tiber würden Hunderttausende glücklich sein, wenn sie von diesem lieber« fluh etwas abbekommen hätten, denn viele können sich den Genuß dieses Getränkes nicht gestatten. Dabei ist der „braune Trank der Levante" kein bloßer Luxus, sondern ein Mittel der Anregung und Belebung, das im Laufe der Jahrhunderte viel Segen gestiftet, ja das ganze Geistesleben befruchtet hat. Der französische Historiker M i ch e l e t hat geradezu den Aufschwung des französischen Geistes im 18. Jahrhundert aus dem Erscheinen des Kaffees erklärt. „Die Weinschenke ist entthront", schreibt er, „die ordinäre Weinschenke, in der die Jugend zwischen Tonnen und Weibern herumtollte. Kein Gejohle während der Nacht, weniger große Herren im Rinnstein. Der Kaffee, dieser besonnen machende Trank von so ge- Waltiger Wirkung aus das Gehirn, der die Klarheit und Helligkeit des Geistes verstärkt, — der Kaffee, der die dumpfe und lastende Poesie der schwelenden Phantasie unterdrückt, der aus der scharfen Beobachtung der Wirklichkeit den Funken der Wahrheit aufsprühen läßt, — der Kassee, der durch den Aufschwung des Geistes die niederen Begierden verdrängt ..." Der geheimnisvolle Kaffee-Strauch mit seinen scharlachroten Früchten, die die Kaffeebohne enthalten, hat seine Urheimat in Abessinien, und zwar in der Nähe von Kaffa, woher er seinen Namen erhalten hat. Zu Anfang des 15. Jahrhunderts ist dieser Strauch, dessen durch Verbrennung der sruchtbeladenen Zweige entstehendes Aroma dem Eingeborenen ausgefallen war nach Südarabien gebracht worden, nach dem Lande Jemen, dessen Ausfuhrhafen Mocca lange Zeit der Welt den köstlichen Trank vermittelte. Hier in Mocca erhebt sich noch heute die Moschee des Kaffee- Heiligen Ali ibn Omar al Schadhili, der 1418 den Kaffee als Getränk einsührte und seitdem als Patron der Kaffeeköche und Kasfee- irinter verehrt wird. Der fromme Mann gründete das erste Kaffeehaus, unb bald entstanden überall solche „Schulen der Weisheit", wie sie genannt wurden, wo besonders die Derwische und Mullahs den „roten Kahwa schlürften, um sich bei ihren Gebetsübungen wachzuhalten. Bald aber erstanden dem neuen Getränk Feinde, und auf der ersten Kaffeesynode in Kairo 1511 wurde der Kaffee dem Wein gleichgestellt und den Jüngern des Propheten verboten. Den Ungehorsamen predigte man, sie würden mit Gesichtern ins Paradies kommen, die schwärzer seien als der Kaffee, und die Strafe bestand darin daß die llebeltäter, rückwärts auf einem Esel sitzend durch die Straßen geführt wurden. Trotz aller Verfolgungen ließ sich jedoch der Siegeszug des Kaffees nicht aufhalten, und sein Ruhm drang Ende des 16. Jahrhunderts bis nach Europa. Die orientalische Dichtung ist voll von Hymnen auf den Kaffee. Dort hat man zuerst seme Freuden ausgekostet und seine belebende Wirkung auf Geist und Geselligkeit gefeiert. „O Kaffee, du zerstreust die Sorgen, du bist das Getränk der Gottesfreunde, du gibst Gesundheit denen, die arbeiten, um Weisheit zu erroerben. Nur der Mensch, der Kaffee trinkt, erkennt die Wahrheit. Der Kaffee ist unser Gold: da wo man ihn darbietet, genießt man die Eesell- schast der besten Menschen." So heißt es in einem Gedicht des Scheit Abd- Alkader, und in einem andern arabischen Gedicht hören wir von den Freuden des Kaffeehauses: „Eile zu genießen die Gesellschaft des. Kasfees ■an den Orten da er seinen Sitz aufgeschlagen, denn die göttliche Gute umgibt, die, die teilnehmen an seinem Feste. Siehe dort die Schönheit der Deppiche, die süßen Freuden des Lebens, das Gluck der Gaste, alles g *in Bild der Stätte, da die Seligen wohnen. Keine.Sorge vermag dem Kaffee zu widerstehen, und jeder Kummer flieht beim Anblick der v (gesetzten Tasse an dem Ort, wo der Kaffee herrscht." . Von Konstantinopel, wo die ersten Kaffeehauser 1554 eingerichtet wur- iden, brachten bann Reisende am Anfang des 17. Jahrhunderts de s. lirfjen Bohnen nach Europa, zunächst um sie einem vertrauten Freundes- Ikreise vorzusetzen. Die frübften öffentlichen Kaffeehauser entstanden an Hasenplätzen, die mit dem Orient in enger Beziehung waren, 1° m Bene- idig 1647, in Marseille um 1659, in Hamburg 1677. Die Verbreitung aber sanden der Kaffee und das Kaffeehaus ,n..®"9[a^:n7'” wurden Kaffeehäuser 1650 in Oxford und 1652 in London eröffnet SBiUiam Harvey, der Entdecker des Blutkreislaufes hinterließ den Londoner Geraten 50 Pfund Kaffee, damit sie Wirkung erproben konnten. «Seine Kollegen waren so begeistert, daß s’e das neue Getränk als e,n Heilmittel gegen alle Krankheiten empfahlen. So strömte denn. alles inden -Käsfeehäusern zusammen, und sie wurden bald ein Mittelst Agitation. Die Frauen protestierten entrüstet dagegen, daß die Manner Vage und Nächte im Kaffeehaus verbrachten und die Regierung lleß 167o mlle Kaffeehäuser schließen. Doch dieses Verbot dauerte nicht lange, und „duld schossen wieder die Kaffeehäuser aus der Erde, die nun zum wich vmsten Element des gesellschaftlichen und literarischen Lebens Ebern In •änderen Ländern bürgerte sich der Kaffee langsamer ei . v $ 6em l Gilb bas erste Kaffeehaus 1672. In Wien erhielt em f°lba au. de Z-ere Johann Sobieskis, der die Stadt von den Tunken befreit hatte Külschii-kj ols fiohn für seine Tapferkeit das erste Privileg für em Kaffeehaus, zu dem ihm der im türkischen Lager erbeutete affee u - Halfen wurde In Leipzig erstand das erste Cafe 1685 in Berlin. erst . In der Frühzeit seiner Ausbreitung segelte der Kaffee। unter’ 0 “Q9 Arznei Es gab Aerzte, die ihm alle nur erdenklichen günstigen Lm aotrhingen auf die Gesundbeit nachrühmten, und sein beruhmttst - ■ Kampfer war der holländische Arzt B o n t e k o e. der wohl von der am Kaffee-Geschäft stark beteiligten Holländischen Kompanie bestochen war. Bald aber setzte eine Gegenbewegung ein; man konnte die Wirkung des Kaffees nicht für schädlich genug erklären. Man behauptete, dieser schwarze Teufelstrank sei ein Gift, das die Nerven schädige. In den Briesen der Frau de Seoigne finden wir beständige Nachrichten vom Kriegsschauplatz des Kaffees; bald warnt sie ihre Tochter davor, weil er zum Ruin führe, bald empfiehlt sie ihn. Lieselotte von der Pfalz will von dem Kaffee nichts wissen und wünscht sich als Morgengetränk eine gute Bier- (upppe, aber leider gebe es kein anständiges Bier in ganz Frankreich. Trotzdem verdrängte der Kaffee allmählich als Morgengetränk die bis dahin übliche Bier- oder Mehlsuppe. Die Bekämpfung des Kaffees war besonders heftig im 18. Jahrhundert, in dem er auch aus wirtschaftlichen Gründen verboten wurde, weil die Fürsten nicht wollten, daß dadurch so viel Geld aus dem Lande ginge. Heute ist der Kaffee dasjenige Getränk der kultivierten Welt, das mit dem Tee um die größte Verbreitung ringt. Zwar wird ihm eine nervenschädigende Wirkung vorgeworfen, aber doch wohl zu Unrecht, denn die besten Kenner stimmen darin überein, daß die Reizwirkungen auf das Gehirn nicht schädlich sind, wenn der Kaffee nicht in übermäßigen Mengen getrunken wird. Bei llebererregung des Gehirns durch Kaffee tritt, wie der Toxikologe Lewin beobachtet hat, eine auffallende Redseligkeit auf. Anderseits ist von allen Geistesarbeitern, die dem Kaffeegenuß huldigten, von Buffon und Voltaire bis zu Balzac und Ibsen die außerordentliche Anregung der Phantasie durch den Kaffee betont worden. Mirabeau hat gesagt, daß Kaffee und Tee das Laster der Trunkenheit wirksamer bekämpft haben als alle Lehren der Moralisten, und die Kulturhistoriker heben den neuen Geist der Geselligkeit hervor, der sich mit dem Kaffee über die Welt verbreitete. Er hat „dem einförmigen und schwerfälligen Leben des deutschen Bürgerhauses eine erhöhte Regsamkeit und Beweglichkeit verliehen, er beförderte die auf größere Zierlichkeit und gefällige Repräsentation hin- zielenden Bestrebungen." In England war zu Zeiten die Geschichte des Kaffeehauses aufs engste mit der des geistigen Lebens verknüpft. In den Kaffeehäusern Londons traf sich im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts die ganze Gesellschaft, und zwar sonderten sich nach anfänglichem Durcheinander bald die Kreise. So tarnen z. B. in Lloyds Kaffeehaus die Kaufleute zusammen, weil man hier die schnellsten Nachrichten über alle wirtschaftlichen und politischen Vorgänge erhielt. Architektur in Muscheln. Von Josef Ponten. Die Westküste der Halbinsel Florida verhandelt mit dem Ostrand des Mexikanischen Golfs noch über die Grenze. Da sind nicht die klaren Verhältnisse von ziemlich tiefem Meer, felsiger Steinküste und hochgischtender Brandung wie an der bretonischen Küste geschaffen, da streicht das Land als ein außerordentlich breiter und flacher Schelf unter das Meer hin. Wenn man der Westküste der langen Jnselreihe der „Keys", die, Florida südlich vorgelagert und es fortsetzend, weit in den Golf von Mexiko hineinbiegen, entlangfährt, erstaunt man über die grüne Farbe des Meeres. Man erinnert sich nicht, ein solches Grün je gesehen zu haben. Kein Wunder, grün ist die Farbe der Meeresuntiefe, auf weite Entfernung hin ist das Meer nur einige Fuß tief, die Schiffahrt bedarf besonders flach gebauter Küstenboote, und da der Meergrund weißer Korallenfand ist, so scheint er durch, und das Meer ist hellgrün. Einzelne Teile des Landes sind so niedrig und das umflutende Meer ist so flach, daß die Grenze unstet ist: eine Wattenlandschaft, amphibisches Land. Wie für Korallen, welche die Keys aufbauten, so ist flaches Meer günstiger Nährboden für Muscheln. Sieh, während wir da im warmen Februar auf der Veranda des kleinen Hotels der Insel Marko fitzen — was übertönt das harte Rauschen der Wedel der Palme vor dem Moskitogitter? Fabrikpfeifenton! Eine Muschelfabrik verarbeitet die gemeine, grobschalige kinderfaustgroße „Clam"-Muschel zu Konserven. Und da verstehen wir die Dämme und Wellenbrecher, die, aus Clammuscheln aufgebaut ,in den Sund hinausgeschüttet werden und auf die einfachste Weise kleine Häfen gewinnen lassen: der Abfall der Fabrik bewirkt Landsicherung und -gewinnung. So auf die Spur gesetzt, untersuchen wir das Jnselland weiter und finden, daß andere Menschen mit anderen Muscheln, vorzugsweise mit der Schale der gemeinen Auster, landsichernde Dämme gebaut haben, offenbar vorgeschichtliche Menschen. Schon oberfächliche Untersuchung ergibt, daß nur die Schalen eßbarer Muscheln zu Wällen und Hausen aufgeschichtet sind, also hat man die Muscheln zuerst als Futter und dann als Baumaterial verwandt. Nicht etwa nur weggeworfen als „Kjökkenmöddinger", wie skandinavisch der Küchenmüll vorgeschichtlicher Menschen genannt wird, sondern aufgeschüttet in Verfolg einer Bauabsicht. Nun bringen wir — wir sind mittlerweile in Camaxas am anderen Jnselende und am offenen Meer, einige Meilen vom Hotel am Sunde entfernt — in den Busch hinein der die mounds (so nennt man in Amerika Hügel vorgeschichtlichen Charakters) toll überwuchert: wilde Ananas, Agave, die „spanisches Bajonett" genannte Pucca, besonders aber viele Arten des Kaktus, eine gefährlicher als die andere, suchen den Eintritt zu wehren, und man hat auch ein wachsames Auge für die Klapperschlange. Und nun wird es offen« bar' Die Anordnung dieser Hügel und Wälle hat System, sie stehen rechtwinklig zum Meer, zwischen ihnen laufen gerade, gegen das Land an« | steigende Mulden: das sind die Docks, in welche frühe Menschen ihre I Kanus von der See her heraufgezogen haben, und die ganze Bauanlage ist ein vielarmiger Hasen. Die Docks stoßen gegen eine Plattform, darauf steht das Haus eines Settiers, an derselben Stelle haben früher die Hütten der alten Ansiedler gestanden. Wir finden in den Muschelhaufen schwarze Striche und darunter Zemente: es waren die Feuerstellen, das Feuer hat den Kalk der Muscheln zu Zement verbacken. Zahllose Scherben von Topfen eines primitiven Hausgewerbes beseitigen die letzten Zweifel. Nun war der Eifer eines Winterftischlers, ob auch nur eines Laien, dort im Mangrovenarchipel des Mexikanischen Golfes hoch entzündet. Es fand sich — denn auch in Amerika sitzt hier und da der geistige Mensch, . Spezialist eines Prwatstudiums, namentlich der Orts- und Heimatge- ; - schichte —, der freundliche Mr. Watson, dessen Frau oon ^nnsylvanisch- deutscher Änkunst ist, freilich kein Deutsch mehr spricht. Es sand ftd) aud), wie meist in solchen Fällen des höchsten Bedürfnisses, das eine notwen- • dige Buch (ohne einige sorgfältig gewählte Literatur wird Resten immer oberflächlich sein). Den Jahrgang der „Procedings of the I osophical Society of Philadelphia“ im Auto, fuhr ich in der Nacht heim mit so heißem Kopf wie man ihn als Knabe hatte, wenn man em Luch von Reisen und Abenteuern erwischte, und es muhte schon der Präriewolf, der Kojote durch das Scheinwerferlicht schnüren und im Mangrovensumpf, durch den der Weg eine Strecke ging, ein Alligator dumpf bellen, um mich aufhorchen zu lassen, den Wagen zu stoppen und eine Weile den heimlichen Tönen einer tropischen Nacht zu lauschen. Lor dem Hotel lohte noch das Lagerfeuer der in Zelten kampenden Fischer aus dem winterkalten Norden der Staaten, aus Chikago oder Acil- waukee, Männer und Frauen, die nach einigem glücklichen Geschäft als moderne Nomaden ohne Heim im Auto im Herbst die 2000 bis 3000 Meilen an die warmen Südküsten und im Frühjahr an die großen Seen der kanadischen Grenze fahren, um dem Nationalsport Amerikas, dem Fischen, zu huldigen. In Amerika ist Fischen frei. Auch ein Mann deutscher Herkunft mit Namen Bauer, ist dabei. Während das übliche, wenig besagende good kellow“-Geschwätz der amerikanischen Männer dahinplätschert, und von Zeit zu Zeit ein neuer Block die Glut nährt, die bald hoch aufflammt und Funken in die Wedel der Kokospalmen schießt: während die Moskitos, vom Rauch bedrängt, seltenere Angriffe auf eine weiße Hautstelle unternehmen- während das Blut von erjagten, bis mannsgroßen, aufgehangten Tarponfischen leise tropft, sitze ich in dem aus einem Baumstamm gesägten Sessel (die Schnittfläche ist nicht vollrund, ein Stück Holz und Borke blieb als Rückenlehne zurück) und lese ... lese in ben„Procedings ... „Zehntausend Inseln“ heißt diese geographische Welt, aber wohl niemand kennt die genaue Jnselzahl, denn Inseln tauchen auf im amphibischen Reich und verschwinden, wenn nicht die rote ober schwarze Mangrove Zeit hat Fuß zu fassen unb sie zu befestigen. Ueberall in biefer Welt sieht man von ben Sunden aus nur Mangroven, die dunkelgrünen Strauchbäume welche Stelzwurzeln des unsicheren Grundes im Uferschlamm wegen und Luftwurzeln entwickeln, weil Sumpfwasser sauerstoffarm ist. Bei Ebben hangen die Wurzeln voll von Individuen, Schnüren unb Paketen ber Auster. Aber von ben größeren Inseln finb nur bie Räuber von Mangroven besetzt. Im Innern fühlt sich bie Kokuspalme wohl, bie Yucca hebt 'ihre weißen Lilien hüttenhoch auf. unb eine Pflanzenwilbms, bes Botanikers Parabies, überwuchert ben Sanb. Hier unb da finbet sich eine einsame Siedlung. Ja, hier können Menschen einsam leben! Die Sunde sind steif von Fischen. Die Natur bedankt freigiebig die Bemühung ber Aussaat: Reiher, Ibisse, blaue unb weiße Herons unb Kraniche stehen im Schatten ber Mangroven im untiefen Wasser unb lauern auf Beute. Möwen und Seefchwalben wimmeln in Scharen an ber offenen See, wo keine Mangroven, aber Palmen über bem weißen Stranb stehen. Der kleine rotköpfige Geier ist frech, unb man sieht vielleicht auch mal ben weihen Abler auf einem abgestorbenen Baurn einsam stehen. Der schwarze Pelikan aber ist ber auffälligste ber großen Vögel, kein Bilb der Lanbfchaft ist ohne ihn er sitzt sischenb allein auf bem Wasser ober auch in Gesellschaft auf Mangroven, bie bann weiß beklattert finb. In Süßwafserteichen aber wohnt der Alligator. Man muh sich diesen Krokodilsvetter nicht zu ge- sihrlich denken. Es ist kein Fall von Angriff auf einen Menschen bekam-t F. -'-ch. sein Aeußeres schützt ihn vor Zudringlichkeit, unb einen gewissen vorsichtigen Abstand vor ihm wird ein jeder wahren. Im Teich in ben Kiefern, heiht es, finb fünfzehn Alligatoren. Wir beschleichen ben Teich, leise tuenb int Gestrüpp ber Palmettos, ber niedrigen, wuchernden Strauchpalmen, um wenigstens eine ber Riesenechsen in ber modernen Weise des Jägers, ber nicht töten will, mit ber des Tieres Sein in seiner Welt für die Erinnerung und das Wissen fixierenden Kamera zu „erlegen“. Wir treten in die Sumpflichtung, auf das Schwingmoos, wir biegen vorsichtig bie Sumpfgräser auseinanber unb Haden auch Blick auf den Teich — nichts. Ich meine, einen Alligatorenkopf zu sehen, aber das Görzglas belehrt mich, baß da nur ein alter Baumstrunk schwimmt. Ein blauer Heron setzt mit bem kreischenben Ton ber Wasservögel quer über ben Teich. Die Sonne brennt. Die Insekten peinigen bich. Es ist nichts von unseren roilben Freunben zu sehen. Wir brehen uns in ben Binsen zum betrübten Abzug um — da liegt einen Schritt entfernt ein Alligator, aber cs ist leider nur ein toter. So ist heute das Aussehen ber Mangroveninseln — so war es vor Iahrtausenben. Die Mangrove schützt unb befestigt bie Inseln gegen bas Wasser — ber Mangrove mag es ber früh'e Mensch abgeschaut haben. Er befcftigte bie Inseln mit Dämmen ber Muschel, ber Auster unb ber Concha. Allenthalben in biesem Reich finben sich „mounds“ wie bie von Marko und Camaxas, wir suchen auch einige auf anderen Inseln auf. Biele mounds mögen noch unbekannt fein. Sicher ist, baß biefe heute nur sehr dünn besiedelten ober auch leeren Inseln einst volkreich waren. Die frühen Menschen mögen mit ber Strömung im Mexikanischen Golf von Yukatan in Mittelamerika ober von Kuba herübergekommen sein, die Vorläufer ber heutigen Jnbianer, benn es ist ungewiß, ob sie beren Vorfahren waren. Sie haben auf biefen zehntausenb Inseln gesiebelt, hier muß eine Art „.Reich" gewesen (ein. Eine Insel mit so vorzüglichen Bauten ist bekannt, -aß es nur wenig verwegen ist, sie als bie Hauptstabt anzusprechen. Wir fahren hin. Wir brauchen zwei Tage Autofahrt auf bem Festland nach Norden, ehe wir schließlich mit Hilfe einer Brücke unb bann burch endlose, eintönige Kiefernwälber an bas Norbenbe ber langen Insel Big Pine Island kommen. Solange wir noch abseits von der vielbefahrenen Hauptstraße auf einsamem Waldweg waren, hatten wir entgegen der Landessitte einem wandernden Neger gestattet, für ein Dutzend Meilen auf bem Trittbrett zu stehen. Enblich finb wir in ber entzückenben Siedlung Bokselia unb schlafen eine helle Monbscheinnacht unter Palmen. Die Wirtin ist deutscher Herkunft, ihre abwesende Mutter soll noch deutsche Bücher lesen tonnen. Wir haben den Wirt bestimmt, uns in seinem Motor- boot nach „Dumoureys Key“ zu fahren. In der Frühe am Morgen rattern wir los. Das Jnfelreich entfaltet sich. Die Seevögel Herons, Seeschwalben unb Möwen sind beim morgendlichen wischen Auf'Seezeichen sitzen große Albatrosse, die kein gefettetes Gefieder haben unb also ihre Flügel nach bem Tauchen trocknen mu)fen; fie sitzen da beibe ober auch nur einen Flügel ber Morgen:onne dar- bietenb, wie in Bronze gebilbet. Eine Mangroveninsel nach ber andern. Es erscheinen aber auch da hinten gegen bie Auhensee weiße Haitz er, Leuchttürme unb Tanks, ein Hotel, und wenn ich nun unsren emfilbigen Bootsmann frage: wem gehört dies dort?, weg eignet das da., so ergeijt es mir ähnlich wie bem Mann, ber fanb, bas alles bem „Kannitverstan 3U eigen hei. Hier gehört alles bem Collier, bie Zehntausend In,ein unb große Teile des Festlandes, so viel, baß ber Staat einen Collierkreis aus- qeschieben hat. Collier hat bas Plakatanzeigengeschaft in ben amerikanischen Straßenbahnen, cs setzte ihn in ben Staub, mehr als eine Million Acker (Morgen) zu kaufen unb zukünftigen Geschlechtern als em Stabtegrunber unb Lanbesahn zu gelten. Die von ben Spaniern San Marko getaufte Insel heißt amtlich bereits Collier City. Aber ba erheben sich ja Pfahlbauten aus dem Wasser, regelrechte, lebende Pfahlbauten, keine fossilen ober instruktiven, wie bie ber Gegend von Ueberlingen am ®oben ee wir halten, wir landen: eine Neuyorker Romanbichterm wohnt im Winter hier- währenb unter ihrem Hause sich bie Falle mit Fischen füllt schreibt sie oben ihre Bücher. Sie ist glücklich. An einem ber anberen Pfahlbauten (egt regelmäßig bas Dampfboot an und bringt bie verfluchte unb doch geliebte Post. Mehr als 15 Meter kann man nicht Spazieren gehen. Allright! Goodbye! , Wir tauchen wieber ins Reich ber Mangroveninseln, unb ba erhebt sich, äußerlich in nichts von ben anberen Inseln unterschieden, Dumoureys Key. Rundum Mangroven, denn wir fahren herum, ein dichter Kranz. Nur au einer Stelle eine Palme und ein pflanzenleerer Fleck: ein Siedler hat hier gehaust aber fein Haus ist spurlos verschwunden. Die Landungsstelle ist jetzt bei Ebbe zu seicht für bas Boot. Wir (anben an ben Mangroven. Auf allen Bieren geht es mühsam über ben Wurzelgürtel: bie wie scy warze Wuiiben aussehenben Borkenrisse ber glatten Wurzeln werben als Triio punkte benutzt. . , „ , „ Die Insel ist zugewachsen. Es gelingt uns em paar Pfabe aufzumachen unb einige hunbert Meter in biefer unb jener Richtung in ben Busch zu bringen. Da gibt es wieder Kaktus und jede Art Dorn, unb als ich auf einen roiftämmigen Gumba-limbo-Baum klettere, um von Baurneshohe bie unwegsame Insel wenigstens überschauen zu können, rutsche ich ab, so glall ist bie Rinbe. Wir bringen auch noch schweißtriefenb (benn im Bitzch sieh, unbewegt bie heiße Luft) burch ein Felb übermannshoher verwilbeter Baumwolle, aber bann ruft Kaktus und Dorn: Ende! Doch wir haben genug von ber Insel gesehen, um uns von ihrem geschichtlichen Wesen tm Verein mit bem, was bie Archäologie früher, als bie Insel weniger ver- roilbert war auf ihr entbeckte, ein Bilb zu machen. Die runbe Insel batte einen hufeisenförmigen Oberbau, der, vielleicht in der Natur vorgesehn, von Menschenhand durch Muschelmauern verstärkt wurde Der tiefere Boden in bem bie Baumwolle steht, war Garten ober Felb. Auch hier sind bie Docks“ für bie Kanus unb Häfen. Aufkommenbe Wege waren da und Terrassen, auf denen sich Pyramiden erhoben, von denen eine sakrale Bestimmung geglaubt wird. Wir finden nun auch, halb in ber Erde versteckt — unb legen es mit vorsichtiger Hand, ben Staub wegstreichenb, ein wenig bloß — ein Stück einer Terrassenmauer, in einer regelrechten Weise errichtet aus großen Muscheln der Concha. Alle finb im »oben burchlochert, man hat bas einwohnenbe Tier getötet unb gegessen. Die unteren spiraligen Seiten finb nach außen gelegt, scharf ineinander sich fugend, ohne ,ede Vermörtlung, die langen Hälse der Conchen stecken in der Erde bes Mauer- gebilbes. Die Anorbnung ber nächst höheren Muschellage ist so, baß ähnlich dem System „Läufer unb Binber“ in einer Ziegelmauer, ber VoU- törper ber oberen Muschel auf ber Fuge zwischen ben zwei unteren lieg • Unb so fort. Unb währenb bie Mauer in ihrer Ebene schräg gebofdjt i|t, steigen die Fugen in schrägen Reihen auf — es ist sowohl ein ben Um« stäuben nach solides wie schönes Mauerwerk. Nur relativ groß sind Die Taten ber Menschen, unb barum ist dieses Werk früher Menschen, die in einem Reich bes Wassers auf skelettlosen Inseln lebten unb nicht eintna Steine hatten, fonbern sich mit gebrechlichen Muscheln als Baumaterial begnügen mußten, nicht geringer zu bewerten als bas funfzigstockige Stahb unb Betonhaus bas auf bem festen Granit von Neuyork steht. Unb aiirt) das Malerische biefer vielen Stufen, Terrassen unb Pyrarniben aus Muscheln benken wir uns an biefen Ort, ben wir wohl nur mit Vorsicht Hauptstabt in einem zentralistischen Sinn, besser vielleicht Hauptort obei auch Kultstätte nennen werden: benn wenigstens bie späteren Jnbianer haben Zentralgewalten nicht gekannt unb in ben bemokratischen Formen bes Nebeneinanders gelebt. Unb mit einigem staunen im Sinn verlassen wir bie einsame Insel. ' . , . In unb nach ber spanischen Zeit war diese Weit mit ihren unbewohnten Eilanden und tausend Sunden ein Schlupfwinkelreich für Bukaniere unb Piraten. Noch heute leben Abenteurer ba; es soll neulich vorgekommen sein baß ein Farmer feinen Arbeiter, ber lange ohne Lohn bei ihm gedient hatte, erschoß, als er in seinem Baut bavonfahren wollte, um Hilfe bei Erzwingung ber Lohnzahlung zu holen. Wer sich hier verbergen will, bem ist schwer beizukommen, Obbach braucht er kaum, unb Futter sinder er im Wasser. Auf einer entlegenen Insel, bie wir noch besuchten, fanden wir einen «infamen Siedler mit Namen Williams. Plötzlich redet er mich deutsch an und bekennt, Meinhardt zu heißen — er habe Gründe, hier [ einsam und unter angenommenem Namen zu wohnen. (Selbstverständlich sind bie von mir genannten Namen nicht bie gehörten.) . - Nach einem halben Monat verlassen wir bas Inselreich. Als wir fort- > fahren steigt gerabe am Himmel eine göttliche Wolke ber selten gemor- i denen rosafarbenen Löffelreiher auf, nach denen wir bisher vergeblich aus- geschaut haben. Ein rosenroter Abschiedsgruß vom blauen Himmel. "-antwortlich: Dr. Hans Thhriot. - Druck und Verlag: Vrühl'sche Univerf itäts°Duch. und Steindruckerei, A. Lange, Gießen.