Hummer 31 zreltag, den 22. April Jahrgang 1932 Bon PaulEipper. hinaus. maligen Pflegling, Ich will hier keinen Hasenroman schreiben, Meister Lampe, nicht mit der schönen Häsin verheiraten, auch keine rührenden ^bh'mgsgesprache zwischen Mutter und den Hasenkindern wiedergeben, denn ich bin ,a em h’XÄ "L'LeNIpaLL'Augenbliike, Geschehnisse die fast aLaubL find und Einblicke gewähren ini den^nUmps Hr Hasentiere. Dazu kommt noch der Vorzug, daß hier kein ^ageriarein am ' Im Spätsommer darauf begegnete di- Försterin P-rfonlich dem ehemaligen Pflegling, der ja nun schon fast dreiiahrig geworden war. Das Getreide sollte am anderen Tag geschnitten werden die F°rsterssrau pflückte am Kornschlag entlang roten Mohn und sah damr eine Weile am Rain Da schob sich schnuppernd ein Hasenkopf durch die Halme, stellte einen Löffel auf, und ehe die Menschenfrau sich fassen konnte, war die Erscheinung wieder weggehuscht: ein schmaler, «chnurgerader toteig durchs Korn wies die Fahrtrichtung. Das war die letzte, einwandfrei festgestellte 'Begegnung Emohrs mit Gießener KnnilienbMer Unterhaltungsbeilage zürn Giehener Anzeiger den Försterleuten. t Jedenfalls ist dein Schützling ein Vagabund geworden", meinte der "Förster, „vielleicht ist er auch an Altersschwache emgegangen: sechs Jahre sind es ja her, seit du ihn zu den Karnickeln gesetzt halt. Auf den Tag sechs Jahre", bestätigte die Hausfrau und chob ihrem Mann ein paar Butterbrote in die Pelzjoppe: denn er wollte mit dem Adjunkten „auf Sauen drücken", und da konnte es spat werden Sauen kamen nicht vor im Trieb: aber ganz zuletzt - das Buchstn- lirfit reichte eben noch — slitzte ein alter Hase dicht vor dem Forster durch Ein Knall, das Tier „zeichnete" und verschwand. Leichte Nach- Waldchaussee Einohr sichte, und daß jeden Morgen die Häsin zuweilen ogar frech ein Männchen mache, während er auf drei Schritte Entfernung an ihr vorbeiradle. . Deshalb begleitete die Försterin ihren Mann auf der nächsten Abendpirsch. „Ich werde Einohr locken, und du wirst sehen sie folgt und kommt zu mir." Sei es nun, daß die umgehängte Buchsslinte der Häsin einen unangenehmen Eindruck machte, jedenfalls kam die Frau gar nicht dazu, ihren Pflegling anzurufen. Denn als sie noch vierzig Schritte vom betreffenden Platz entfernt war, flitzte ein rötliches Etwas über die Straße ins Unterholz, und die Pflegemutter stand enttäuscht am leeren Lager, das dicht neben der Chaussee vielleicht handbreit eingedruckt war im Moos. e Der Sommer verging, ohne daß von Einohr irgendwelche Kunde gekommen wäre. Aber beim Frühstück in der zweiten Septemberwoche schmunzelte der Forster. „Einohr läßt dich grüßen. Ich bin ihr kurz vor 5 Uhr heute morgen begegnet, am Schwarzwassersee. cht Mutter ge- worden, aber keine gute; ich hätte ihr beu ganzen Wurf wegnehmen ^"sie vor Neugier ganz aufgeregte Försterin preßte aus ihrem mundfaulen Mann jede Einzelheit seiner Beobachtung heraus. Er war von y.4 Uhr an im Schirmsitz gesessen am Seeufer, hatte die Reiher beobachtet und die Kraniche: da hoppelte hinter ihm plötzlich eine Häsin aus dem Tusch mit drei winzigen Junghasen, machte einen Kegel, stellte das rechte Ohr während das andere schlapp nach unten hing. „«roß tft sie geworden, deine Freundin, und muntere Kinder hat sie, sage ,ch dir. Sie tanzten und hüpften wie verrückt, spielten allerliebst, versteckten sich, machten sogar Männchen, als sorgten sie selbst für ihre Sicherheitz Na, ich saß gut unter Wind, rührte mich nicht. Die Burschen konnten bodjfteip fünf Tage alt fein, hatten noch ganz versaltete Löffel. Die Satzhasin nahm ein Sandbad, wälzte sich, ließ mich ihren weißen Bauch sehen, und mit einenimal schossen alle drei Jungen auf sie zu durstig gewiß. Die Alte hat sich auf die Seite gelegt, die Hinterlaufe stell nach oben gestellt, die vorderen unter den Hals gezogen. Aber viel Geduld zeigte sie nicht." — _ Auch im Winter traf der Forstmann em,geniale Einohr. Sie wurde eine richtige Berühmtheit im Revier. Anfang Marz erzählte der Forftadjunkt, daß er bei Einohrs Hochzeit Gast gewesen fei. Er habe einen furchtbaren Krach gehört, sei gerade noch behutsam auf die Lichtung gekommen, als ein alter Rammler brummend, mit gesenktem Kops hinter der schlappohrigen Häsin einherjagte. Kreisläufen, Keaelschlagen die beiden tobten wie verrückt, und plötzlich hatte die Häsin genug vom Fangspiel, zeigte dem Werber deutlich, was sie wolle. Da erschien aus dem Ginster ein Rivale, und es kam zu herzhaftem Kampf zwischen den beiden Männern. „Ich Hölle es nicht für mog ich gehalten, daß Hafen-Ohrfeigen so toll knallen können. Einohr saß während der Rauferei still am Lichtungssaum, und da erschien harmlos ein dritter Hasenfreier auf den Plan, und genoß den Lohn, um den sich die beiden andern prügelten. * Raft ein Jahr stockte jede Verbindung mit Einohr: dafür hätte sie der ftöriter im folgenden Februar beinahe totgetreten. Er ging bet Neuschnee quer durch den Forst, auf einem Wildwechsel, den man eher ahnen als sthen konnte, weil eine fast zwanzig Zentimeter hohe F ockendecke in den beiden Nächten gefallen war. Kurz vor dem Austritt auf die Chaufsee sank der Försterstiefel plötzlich ein: es stob, als explodierte eine Granate unter dem Schnee, und mit schrecklichem G-gmek, das sich wie Kinderschreien anhörte, slitzte ein e,nge,chneiter Ha,e aus die Chaufsee Häsin nur ein gesundes, normales Ohr hatte, ist sie dem betreffenden Forstmann ausgefallen: er traf sie d° und dort, kannst U Entwicklung verfolgen, ihr Schicksal von dem hrer Bruder u ° " e (fern unstrlcbeiden Und als sich .ihre Zeit erfüllet hatte tzur rvuoyege gehört nämlich im Interesse der gesunden Arterhaltung auch der waiü^ gerechte Abschuß), da blies jener Forster dem Halen Einohr das groß SS>*l.n »« u.» i- «u..r Reihenfolge die Schicksale der Häsin Einohr. 35e£= -s-WSSZ Shiiw fnh Rn her Silvesternacht war nämlich tfroft eingeueien, ' und ein rechter Jäger muhte deshalb vom ersten F H . bd5 sein, die Futterplätze immer wieder freischlagen, Heu auslegen T """Schau Gr^bloß meine Obstbäume an: die jungen Apfelbäumesind alle geschält, deine Waldhasen ruinieren unsI Das gefiel de p natürlich nicht: er überlegte, ob man den „Hasso Ur Nachts °en Garten setzen sollte, mitsamt der Hundehütte, stopf s ) besehen. Pfeife, ging dann in die Dämmerung hst'ous, um den schaden zu v y Etwas Eigenartiges fand er da, einen Junghasen der si-Y "einer Raubzeugfalle gefangen hatte, feftgetlemmt mit m Ser("fo im das ist doch gar nicht möglich", und doch stak derJle.ne Her |o m Eisen' „Hier hast du einen von den Mißtatern ich werde ihn v>rJjmcQ obnicken", rief der Forstmann; aber davon wollte st $ gtiefte so nichts wissen. Er sei ein herzloser Kerl, das kleine oxasa- roarmen ängstlich, und sie wolle es zu den Karnickeln I tz d^Aufdiese Weise kam eine rötlich graue Waldhäsin ein halber, Kümmerling aus verspätetem Oktoberwurf, in menschich „ wohnte sich schnell an die Förster,,., wurde ^d und feistem Pflege; aber der linke Löffel hing allezeit "elanch sck) „rstört wor- mußte wohl durch den klemmenden ochlag der tfaue z I den fein. * Ende April, als nach trüben Regentagen d" Frlihtzng^die WU Forsthaus leuchtend und farbig machst, versch tfoinmen verstand Häsin das fertig brachte, aus ihrem Berfchlag Z brummte der weder der Förster noch seine Frau „Heul doch nicht - Grünrock, „ich werde deinem Ausreißer schon nned g schick ich ihm den Hasso nach mit einem Gruß- moftbote erzählte Aber die erste Nachricht kam nicht vom Förster. ^ I , & Mitte Juni, daß er fast jeden Morgen an der gieren toteue auf Edler Frühling. Bon Paul Appet. Hellgelobt sei du, Frühling! singen Ne Dichter. Großgelobt sei er! beten sie all und schon. Und sie tauschen und zittern stark. Blumen, fingen sie, legt er den Menschen ins -lug, Legt Wind in die Blumen, legt ihn in Bluten, Daß er da singend einschläft und süß erwacht. Seine Zeit ist offene Zeit! , Emsig blau ist sein Himmel, t«n Sid>ttag! Alle Kinder gehn emsig und weiß: v Frühling! Unter dem Munde quillt ihr Herz, das Herz der Dichter, Und löst sich hoch zur Sonne, schön! schon. Goldne Wünschelrute! rufen sie auf. Dann neigen sie atmend sich Und denken der Sterbenden. Oie Häsin Einohr. k - suche: in großen roten Sternen lag der Schweif auf dem Schnee^ weit konnte Mümmelmann nicht gekommen (ein. Schon nach dreißig Schritten hörte die Schweißspur auf, an einem alten Eichenbaum. „Nanu. Hier ist doch ein Fuchsbau. Sollte der Hase in (einer Angst ...? Ja, so mar es Der Kutscher mußte nach der Försterei laufen, den Teckel holen und einen Spaten. Das Rauhhaar fuhr mit Begeisterung in den Bau und zerrte bald darauf Einohr ans fahle Licht der Schneenacht, die Häsin Einohr, alt und mager, mit einem welk herabhangenden Löffel. „Du bist wirklich ein toller Bursche", brummte der Forster in seinen Bart. „Mit diesem Schuß im Leben noch Mut und lieber» lequnq genug, um auf der Todesfahrt in einen Fuchsbau einzufahren, alle Achtung! Aber ich bin froh, daß du so waidgerecht hinübergingst, altes Einohr!" Friedrich Fröbel, em bodenständiger Volkserzieher. Eine Betrachtung zu seinem 150. Geburtstage. Von Dr. Fritz Halfter. Es ist zur Zeit stiller geworden im Lande von Weltverbesserern. Man hat zuviele Enttäuschungen erlebt und versteht jetzt vielleicht die Mahnung Schillers an einen solchen besser: „Dem Menschen, der dir im engen Leben begegnet, Reich' ihm, wenn er sie mag, freundlich die helfende Hand. Rur für Regen und Tau und fürs Wohl der Menschengeschlechter Laß du den Himmel, Freund, sorgen wie gestern so heut'." Dazu ist nötig, sich historisch zu besinnen. Suchen wir in der Schwere unserer Zeit und — gestehen wir es ruhig: in unserer Ratlosigkeit, nach Führern aus der Tiefe, dann tritt aus den Rebeln der Vergangenheit Friedrich pröbel uns entgegen, dessen Geburtstag am 21.April d.I. zum hundertsünfzigsten Male wiederkehrte. Was Fröbel, unbeschadet seiner menschheitlichen Ziele, auszeichnet, ist seine deutsche Bodenständigkeit. In ihm erschien das deutsche Gemüt mit selbstlosem Tatwillen. Geboren 1782, zählt er zur romantischen Generation, war aber mit Gedanken Arndts, Schillers und Fichtes auf die Idee deutscher Menschheit eingeschworen. Man hat ihn gelegentlich in Abhängigkeit zu bringen gesucht von dem sreimaurerischen Weltbeglücker Krause, dessen tiefgründige Philosophie, in Amerika weit verbreitet, Wilson in der Idee eines Völkerbundes beeinflußt haben soll. Indessen beweist das Leben Fröbels, daß er durchaus selbständig zu seiner Form der Menschenerziehung gekommen ist. Er, der schlichte Sohn Oberweißbachs, das Kind einer damals fast noch hinterwäldlerischen, heute Geschichts-, Natur- und Sportsfreunden zu empfehlenden Gegend, hoch oben in der Nähe des Thüringer Rennftiegs, lebte zuerst feyie Lehre, ehe er sie gab in seinem Hauptwerk „Die Menschenerziehung" 1826. Die einfältige, aber immer lebendige Entwicklung seiner geprägten Form erlaubte ihm aus eigener Kraft eine Fülle von Einblicken in die naturgemäße Erziehung, deren Gediegenheit damit bewiesen wird, daß es in der Gegenwart kaum einen wertvollen erzieherischen Gedanken gibt, der nicht bei ihm anklingt, mehr noch: durch ihn erprobt wurde. Seine Kindheit in der Heimat der „Balsamträger" verlief einsiedlerisch. Sie blieb beschränkt auf den Umgang mit der Natur im Garten seines Vaters, des Pfarrers; bei den Kindern fast ausschließlich auf die Gemeinschaft mit den hundert Unmündigen in der Schule der Mädchen (!) (eines Ortes; fein höheres Sinnen legten die Predigten des Vaters auf die Forderung fest: „Jesu nachfolgen!" Er hörte diese Forderung beständig und an alle Menschen gerichtet, dennoch stets einsam in der Sakristei sitzend, also ausgeschlossen von der Gemeinde. Sein Blick ging dabei durch die breite Fensteröffnung in der Sakristei hinaus in die Ferne, die sich ihm als ein schmaler Erdensaum mit hoch darüber gewölbtem Himmel darbot. Während er den strengen Vater fürchtete und doch auf ihn als den Verkünder christlicher Sittlichkeit stolz wurde, nahm sein Sehnen sehr bald eine verantwortliche Form an. Hier liegt die Quelle des Strebens, das seine „Menschenerziehung" ganz auf den Boden stellte, jedes Kind dort zu verwurzeln, wo es geboren ist: der Mensch solle auswochsen wie die Lilie im Garten, um sich als Kind wie der zwölsjährige Jesus im Tempel wiederzufinden in dem, „das des Vaters ist". Es läuft das hinaus auf die Lehre Pestalozzis von der „Wohn- ftubenfraft", nur mit der klareren Betonung, daß die ganze Erde eine Wohnstube Gottes fei und das gesamte All eine einzige Erziehungsveranstaltung Gottes. Wir sehen also, daß Fröbel unvergleichlich naiver und darum gläubiger den Ruf Rousseaus aufnahm: zurück zur Natur! Im Endziel mündete darum seine Erziehungskunst in der Ausgabe, die freilich eine ewige bleiben wird: nämlich den gegenwartsfrohen, den sinnenkräftigen Menschen der Antike zu vermählen mit dem Menschen christlichen Erbes. Die unbedingte Voraussetzung ist -dabei ein unbedingter Glaube an ein ursprünglich Gutes der Menschennatur. Das scheint Fröbels Achillesserse. Aber noch einmal sei es gesagt, er hat seinen Glauben an seinem eigenen Werden erlebt. Er hielt an ihm fest, trotz einer ungewöhnlich harten Kindheit, während der er von fast allen seinen Nächsten verkannt worden war, wie während seines ganzen Ledens von der breiteren Oeffentlichkeit. Und als ihn 1851, ein Jahr vor seinem Tode, das preußische Ministerium gottlos und Dolksverführer nannte, um seine „Kindergärten" verbieten zu können, bezeichnete er sich selbst als Vollstrecker des Testamentes Jesu. Man hat seinen weltbekannten Ruf: „Kommt, laßt uns unfern Kindern leben!" nie anders zu verstehen, denn als Mahnung zur praktischen Ausschöpfung des Jesuswortes: „Ihrer ist das Himmelreich!" Auf die Linie feines Tuns verpflichtete er feine Jünger im Jahre des Verbots mit dem Bekenntnis: er fetze fein Heil nicht in eine „Methode", sondern ausschließlich „auf und in die Idee", die in jedem Menschen bereit liege. Eine solche Menschheit sei die wahre, „und nicht die durch den Prägstock geformte". Eine Erziehung, die so stark in mystisch-religiösem Empfinden wurzelt, gleichzeitig aber der Erde verhaftet bleibt, konnte nur aus dem romantisierten deutschen Idealismus der Sensation um 1800 entspringen. Es ist abwegig, bei dem selbstgewachsenen Fröbel von schulischer Abhängigkeit, etwa von der Einheitsphilosophie Schellings, zu reden. Als Volkserzieher aus ber liefe tarn Fröbel weit über dem Nationalerziehungsgedanken, wie er in Fichtes „Reden" unter Ausschluß an das „Gemüt" Pestalozzis laut wurde. Nur macht das bisher Gesagte deutlich, daß Fröbel doch der von Fichte gehaßten „niederen" Natur zu innig gegenüberstand, um wiederum etwa Fichtes Nachfolger genannt werden zu dürfen. Der Weg seiner Erziehung in stillschweigendem Festhalten der Hand Jesu als seines „Seelenfreundes" und „ersten Lehrers zu erziehen die Menschen" erscheint so durchaus zunächst als Selbsterziehung. Erst danach macht er das zur Ausgabe auch bei und an andern. Sein Gang war zwar sinnierend angetreten, aber nicht spekulativ philosophisch. Vor allem wurde sein Weg unterbaut durch exaktes Natur- studium und zwar an den Kristallen, die ihm die stummen Lehrer für eine „Frobel-Gaben" wurden. Ehe er zu diesen kam, herrschte bei ihm die praktische Umschau vor. Das unterscheidet ihn vom utopischen Planen wie es rein spekulativen Köpfen eignet. Schlagend wird das bewiesen mit der Tatsache, daß dieser ausübende Erzieher, trotz ner» lockender Anerbieten, aus weitesten Kreisen erziehender Betätigung sich immer kleinere Wirkungsfelder suchte. Bescheidenere, sosern man mit äußeren Maßstäben kommt: denn innerlich gab Fröbel von seiner vielseitig erprobten Idee und von den mit ihr gefundenen Gedanken der Volkserziehung nicht das geringste auf. Wir hören, daß ihm 1816 zu einer Professur an schwedischer Universität geraten wurde; er r>h sich von Berlin los und — schritt zur Gründung einer „Allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt". 1831 machte er, mit diesem feinem Kellhau im damaligen Deutschland scheiternd, in der deutschen Schweiz die Wendung zu einfachen Schulen in Wartensee und Willisau. Die höchste Beglückung solchen Berufslebens erfuhr er 1834 als Leiter eines Wiederholungskurses für sechzig schlichte Landschullehrer und entsagte doch der Lockung, 1836 in Burgdorf als Waisenhausdirektor zu bleiben und dadurch unter günstigen äußeren Umständen als zweiter Pestalozzi in der Schweiz etwas zu bedeuten. Damals fand er für das Wort „Bildung" den kühnen, aber Wege weifenden Ausdruck „Freiung". Um diese Freiung zu wahren gegen alle verfrühten Bindungen an politische oder religiöse Parteien, kehrte er 1836 der unmittelbaren Lehrtätigkeit den Rücken und ging in die Heimat zurück. In Blankenburg am Ausgang der Schwarza ließ er sich als Fabrikant und Verkäufer jener „Gaben" nieder. Naturnotwendig folgte diesem Tun die Schöpfung seines „Kindergartens" im Jahre 1840; man kann sie ebensogut eine Entdeckung nennen. Es handelte sich darin um die Sicherung des rechten Gebrauches eben jener „Gaben", die dem Bildungstrieb der Natur abgelauscht waren. Ihr Gebrauch sollte den Kindern den Charakter eines „schassenden Wesens" (wir würden sagen: des kleinen Gottes der Erde) erhalten. Von keinem andern „Gesetz" soll das Spiel mit Kugel, Walze, Würfel usw. geleitet werden, als von dem der „Stete" oder reinen „Stufenfolge". Es führt der Logos die kleinen Nachschöpfer nach Fröbels Glauben gleich einer liebend magnetischen Kraft ohne Bruch von den untersten, einfachen Gestaltungen (ober Schöpfungen der Natur!) über den Umgang mit Pflanzen, mit andern Worten: es führt der Selbstbetätigungsdrang göttlicher Kraft im selbstvergessenen Spiel das Menschlein an Hand der „Folge" oder „Stete" zwanglos hinein in das Gemeinschaftsleben. Es wird dadurch der Mensch erzogen, der zwar den Lohn seiner Arbeit für Brot, Kleidung und sonstige Notdurst erwarten muß, dem aber die Arbeit selbst das höchste Glück bedeutet. Nirgends mehr als in diesem Gedanken wird Fröbels Evangelium vo unserer Zeit, der Zeit erzwungener Arbeitslosigkeit, verstanden werden. Fröbel, trotz aller äußern Bedrängnis in bezug auf Broterwerb unter glücklicheren Zeiten lebend, erwartete von der Hingabe an die schöpferischen Kräfte im Menschen das höchste der ganzen Menschheit. Es ist das der Goethesche Gedanke inetanrorphosischer Entwicklung, den Schiller in die Worte faßte: „Suchst du das Höchste, das Beste? —Die Pflanze kann es dich Was sie willenlos ist, fei du es wollend.— Das ist's." (lehren. Erst von hier aus erschließt sich die ganze Bedeutung des Menschenerziehers Fröbel, der über den „Kindergarten" den Weg der Volkserziehung mit dem Ziele der Erziehung zur Menschheit und in Menschheit ging. Es erschließt sich zugleich die ganze Sinnigkeit der Bezeichnung „Der Kindergärtner", die Fröbels Namen über die ganze Welt trug. Aranjuez und seine Gärten. Bon Hans Roesel, Madrid. Wie ein Traum von Fruchtbarkeit und buntem, farbenfrohem Leben liegt Aranjuez inmitten einer grauen Ebene. Ringsum dehnen sich die weichen, kahlen Sandhügel der kastilischen Hochebene, auf der kein Baum, fein Strauch gedeiht, nichts als ein paar schon im Mai überreife Getreideäcker und magere Rübenfelder, die nur unter mühevollster Arbeit vor dem Verdorren geschützt werden können. Tag um Tag, Wochen und Monate trotten die Maulesel um den Schöpfbrunnen, die Kanäle zu füllen, die diese wenigen grünen Flecken bewässern. Sonst nichts als Sand, grauer, unfruchtbarer Sand. Und darüber ein tiefblauer Himmel und eine Sonne, die unbarmherzig jede Feuchtigkeit wieder aus dem Boden saugt, daß die Erde springt unter den glühenden Strahlen. Kein Busch, kein Strauch, der Schatten bieten könnte. Die wenigen kleinen Dörfer verlieren sich zwischen den grauen Sandwellen, in der unendlichen Weite. In dieser fast afrikanischen Steppenlandschaft, die sich Stunden um Stunden im Herzen Spaniens dehnt, liegt am Ufer des Tajo Aranjuez, die kleine Sommerresidenz der spanischen Könige, mit den farbigen Schlössern, schattigen Gärten, fruchtbaren Obstanlagen und kühlenden Wasserspiegeln. Es scheint, als ob die Erde alles, was sie den Bewohnern der umliegenden Ebene versagte, hier auf einem einzigen kleinen Flecken konzentriert hätte, um inmitten dieser Trostlosigkeit den Traum von kühlen Schatten, fließenden Wassern und fruchtbaren Gärten lebendig mch, W !hr als " her»11 terb u* n SO' 5 dich liefen. üRcnfif)«1’ icr ®o1? n r ffieit » « A « 53*l| 1 8id)i(s ■t>e. 31it ichk jt. 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Nur das Plätscher» der Brunnen und das Rauschen des großen Wehres unterbrechen die Stille, und ... die Vögel. „Schlagen bei euch in Aranjuez schon Di» Nachtigallen?" schreibt der zu Unrecht immer noch als finsterer, ge- sühlloser Tyrann gezeichnete Philipp II. an seine Kinder. „Hier in Lissabon höre ich sie schon seit zwei Wochen! Jetzt im Frühling muß es bei euch dort besonders schön fein!" Aber nicht nur im Frühling, der hier schon im März grüne Wiesen und blühende Gärten bringt, auch im Sommer, wenn Menschen und Tiere unter der glühenden Sonne fast nicht mehr atmen können, wird Aranjuez zu einer paradiesischen Insel. Und dann wieder im Herbst, wenn Bäume und Sträucher sich färben, vom hellen Gelb der Linden bis zum tiefen Rot des Kirfchlorbeers und die Blumen in einer letzten verschwenderischen Pracht prangen, wandelt man gerne in den weiten Gärten. Selbst im Winter behauptet sich dank des milden Klimas und der immergrünen Büsche und Nadelhölzer noch das Grün. ,. . „ , Von den ersten Sonnentagen bis spät in den November hmem Ziehen die Blumenbeete in immer wechselnder Farbenpracht in Blüte. Das Auge wird nicht müde, immer wieder diese Farbenskalen auf und ab zu tasten, vom warmen Rotbraun des Goldlacks bis zum Purpurrot bet Geranien, vom zarten Blau der Aquileja bis zum leuchtenden Gelb der Dahlien. Die kleinen Pavillons, umrankt von Efeu und Glyzinien, verschwinden hinter den blühenden Hecken von Rhododendron und Azalee». Die Rosen scheinen keinen Winter zu kennen; die Jahreszeiten ner- wischen sich: Frühlingsblumen stehen neben Sommerblüten, und Sommev» blumen enden erst spät im Herbst. Im. weiteren Umkreis dehnen sich Dl» Obst- und Gemüsegärten, die zum San-Jldefonso-Tag, am 23. Januar^ dem Hof die ersten Erdbeeren und Spargel liefern mußten. Zur gleiche» Zeit reifen aber auch schon zwischen neuen Blüten die Drangen und Zitronen, denen die Kirschen, Aprikosen und Pfirsiche, die Feige», Pslaumen und Granatäpfel folgten, bis sich im Herbst die Aeste bet Aepfel- und Birnbäume biegen unter der Last ihrer goldenen Früchte. Zwischen den Oliven- und Weingärten, den Tomaten- und Gemüsefelder» liegen die Geflügelfarmen und Wirtschaftsgebäude, deren Erzeugnisse lange Zeit nur der königlichen Tafel reserviert waren. Eine grüne, fruchtbare Oase in einer dürren, trockenen Steppe, ei» Stück buntes, frohes Leben in einer trostlosen Eintönigkeit: das ist Aranjuez. Karlsbader Novelle. Von Erwin Guido Kolbenheyer. Copyright by Verlag Georg Müller, München. (Fortsetzung.) Er stand auf, seine Stimme klang verhalten: „Mit Fritzen hätte ich auch dich bei mir ... ich will aber mein ®cmüt beruhigen ... stünden mir Natur und alle schönen Künste bet! Ich will ihre heiligen Bilder recht in die Seele prägen und zu stillem Genuß bewahren. Auch für dich, Lotte." Er war dicht vor sie getreten, und sie hatte seine Hand ergriffen. Er trug den Ring, ihren Ring. Ihr Namenszug war in den Stein geschnitten. Sie sah nicht zu ihm auf, sie sah in die Flamme der Kerze. Und die Flamme zerfloß in einen breiten Glorienkranz, der die Auge» füllte. Sie streichelte leise seine Hand. Es kam leise zu ihr nieder: „Ich bitte dich, Lotte, sei nicht süß zu mir." Sie sah auf, ihre Augen waren voll, ihre Oberlippe zuckte. Lotte sagte: „Ich kann nicht wie die artbern, so instinktmäßig. Du hast mich an dich gezogen ... es verlangt mich nach deiner Vollkommenheit ... so viel es auf Erden möglich ist, mußt du vollkommen sein." Das nehme ich mit mir ... mein einziges Wesen ..." Sie senkte die Lider. Er sah ihre Tränen, küßte ihren Scheitel. Er ^'^Stt^hielt die Augen geschlossen und stützte die Stirn in die Hand. Ihr Herz wollte lange nicht still werden. Sie meinte nicht. Ihr war müde lauschend müde, als wäre sie von der weichen, dunklen Stimme aufgehoben, die noch um sie schwebte; sie fühlte sie noch. Und es sank mit dem verklingenden Pochen des Herzens wieder von ihr wie ein Mantel fällt. Er war nicht mehr da, der sie in seine Inbrunst hüllte. Kraft des Umfangens, Aufnehmens! Und das Zimmer war leer kalt war es. Sie schlug die Augen auf, erhob sich, griff nach einem Licht, trug es zum Sekretär. Dann stand sie, sah in die Flamme, wandte sich ab, ging einige Schritte zurück. Was sollte sie? Der Brief war nicht geschlossen, der Bries an Stein. Die Kerzen tropften; sie nahm bie Lichtschere und putzte die Kerzen, holte die andere noch und auch den Brief. Sie schrieb, was Goethe geraten hatte, als Nachwort und fehte Grüße von Goethe hinzu. Draußen war der Abend im Verlöschen. Die kühle Enge des Tales wußte schon vom Herbst. Er fühlte, daß er ohne Mantel und Hut sei. Er mußte sich hüten, war leicht anfällig. In der Flur, einen Fuß schon auf der ersten Stufe, hielt er an und lauschte: die Stimme des Kleinen, ein wohliggurrendes Lallen, auch die leiselockende Stimme der Mutter. Sie hatten kein Licht. Hausfrau Helena mochte an einem der Fenster fitzen über den Wiegenkorb gebeugt. Keine Nachbarin war gekommen, kein Wort war da. — Wenn er einträte? Es wäre vorbei mit dem Glück bieier mütterlichen Stunde, die Kind und Frau in die Laute und Silben einer Urzeit lockte, darin es noch unmittelbares Glück gegeben haben mochte Er würde nur eine artige Wirtin finden, und der kleine Ferdinand müßte über den Raub schreien. Die Hand Goethes hob sich vom Trez-pen- ,u erhalten, den die spanischen Eroberer, die Söhne dieser dürren Erde, im neuentdeckten Amerika und, wenige Generationen später, Don Quichote nur noch in der Phantasie suchten. Seit es ein vereinigtes Spanien gibt, gibt es Aranjuez. Während sich die spanische Krone mehr und mehr in Europa ausbreitete und jenseits des Meeres neue Länder in Besitz nahm, wurden hier, im Herzen Spaniens dürre Landstriche fruchtbar gemacht, Brunnen gegraben, Schlosser gebaut, Bäume und Blumen gepflanzt. Jede Generation trug etwas dazu bei, diesen Sommersitz zu vergrößern und zu verschönern, bis aus bem Kloster mit (einem Gemüsegarten diese monumentalen Schlosser unb weiten Gärten würben. Karl V., der mehr in Flandern als in feinem spanischen Königreich lebte, ließ aus dem Norden Ulmen und Sinöen kommen. Philipp II. sandte aus Portugal an seine Jnfanten Früchte und Pflanzen, die man in Spanien noch nicht kannte und „die sicher auch in Aranjuez gedeihen würden". Mit den Bourbonen tarnen französische Architekten, bie neue Gärten nach bem Versailler Vorbilb anlegten. Karl III. lieh im Schloß Decken unb Wände eines Saales aus Porzellan, der damals berühmten Madrider Porzellansabrik, Herstellen, Jladella II. baute einen anderen nach dem Muster der Alhambra in eine maurische Halle um. Säle und Gemächer, Treppen und Gange füllten sich mit Gobelins, gewirkt nach den berühmtesten Gemälden französischer, flämischer und spanischer Maler. Möbel aus bem Rokoko unb Empire von ausgesuchter Stilreinheit, Vasen aus Porzellan, Marmorkrüge, Schmuckstücke aus Golb unb Edelsteinen: all die vielen wert- v,llen Gebrauchs- unb Dekorationsstücke, ohne die ein prunkvolles, ver- | i venberisches Hofleben nicht zu denken war, fügen sich heute in den «i .inen Sälen zu einem harmonischen Ganzen. Die vielen, oft Jahr- ; hunderte alten Standuhren in den Gemächern, alle heute noch im Dienst, i gehen sicher auf die Tradition Karls V. zurück, der ohne ein paar be- । sondere Uhrmeister nicht reifen konnte. . Die „Casa del Labrador", weit abseits vom königlichen Schloß un dichten Park, ist durchaus kein Bauernhaus, wie es der romantische Name gerne möchte, sondern ein kleiner Palast, den jeweils der Thronfolger bezog. Zwischen den hier in besonderer Fülle ausgehauften Schmuck- stücken mag bem jungen Prinzen manchmal das Leben schwer gesallen fein. Die übrigen Jnfanten hatten ihr besonderes Palais mit anschließenden Gärten, die Königinnen ihre Privatbesitzungen. Höflinge und Granden die nicht fehlen durften, wenn im Sommer der Hof die Residenz von Madrid nach dem wenige Reitstunden südlicher gelegenen Araniuez verlegte, bauten sich inmitten blühender Anlagen ihre eigenen Schlosser unb Villen. Aranjuez würbe langsam für bie heißen Sommermonate eine ebenso glänzenbe Resibenz, wie es das mehr und mehr sich aus- breifenbe Madrid für den Winter wurde. Prunkvolle Feste, Jagden und Turniere losten einander ab. Gesandtschaften wurden empfangen und gingen, Könige wurden geboren unö starben hier. In den Schlössern und Gärten sangen italienische Sanger und pielten französische Komödianten, kleine Flötisten befuhren den Tajo wenn über dem Flusse die Feuerwerke brannten. Draußen war bie spanische Herrschaft längst am Verlöschen; aber hier in Araniuez ging das Spiel weiter, — bis heute. Arn User des Ta,o liegt noch bas Marinehaus, bem bis vor kurzem noch ein Kapttan vorstanb, nut einer Sammlung viel zu großer Prunkschiffe; bas einzige Ergebnis des gr h- zügigen Projektes Philipps II., ben Tajo von AranMZ bis ßt||u schiffbar zu machen, um von einem hier anzulegenben Binnenhafen ben Atlantik zu erreichen. Ader der Traum diefes Monarchen blieb Traum. Der ebenfalls von Philipp angelegte botanische Garten der erste m Europa, und die Gehege, in denen die exotischen Tiere Ausnahme fanden, die die spanischen Eroberer mit übers Meer brachten, die Wa (erspiele Statuen und Blumengärten begeisterten einen zeitgenössischen flaims) Geschichtsschreiber derart, br' er biesen Ort für ein neues Weliwunber ""Die6'Heine Stabt, die erst im 18. Jahrhundert mit königlicher Erlaubnis daneben ange' at werden Durfte, erhalt Sinn und Form nur durch diese höfische- Besitzungen, lebt nur von diesen und durch fie Sie ist streng geometrisch aufgeteilt in Langs- und ^.ue^raßen. D Dienstwohnungen und Verwaltungsgebäude, die Wagenhauser und Mar- ställe geben bem Ort ein gleichmäßiges, uniformes Aussehen. Kein Au und Ab der Häuserfronten, keine eigenwilligen Sttlformen. Der Uri ist offen, weit und gerade nur soviel geschmucktz .daß der Eindruck der Nüchternheit vermieden wird. Er ist der bescheidene Rahmen z prünkvollen Palästen und ausgedehnten ®°rten. p- in Nur dem Tajo verdankt diese Oase in der Wüste das Leben Seme graugrünen Wellen feuchten die Weiden, füllen die Brun , die Obst- und Gemüseanlagen und lassen die Fontänen springen. In tausend kleinen Kanälen und Rinnsalen fließtdas W ff 5. bie weiten Parks und ermöglicht diese grünen, schattigen Lust? (Bärten verschwenderische Pracht der Blumenbeete. Die alteren Teile der Garten zeigen die noch etwas strengen Anlagen der Renaissance oder d> fdjnittenen Büsche unb Hecken Des Barocks; anbcre haben schon d'e fp-ete rischen Formen bes Rokoko mit Nischen und Laubengangen oder die weiten Rasen und dichten Gebüsche der englischen Garten. Dank^ wilden Klimas, der ausgezeichneten Bewässerung und der sch Erde, die teilweise aus den weit entfernten Nord- und ^udpr-nmzen herbeigeschasst wurde, gedeihen hier die Pflanzen aller Z • trotz der Palmen und Zedern, der Granatapfel- und Feigenbäume, d r Kakteen und Agaven haben bie Gärten feinen ausg sp ) ländischen ober gar exotischen Charakter; es ist ein Stuck nutteleuropa. Icher Pflanzen- und Baumwelt, das hier unter einem wärmeren Himm unb unter forafamfter Wege zu einem kleinen Parabies Leworden ist. Schwere dunkle Tannen und Fichten stehen neben bizarren - weicher grüner Ahorn neben ernsten Zypressen ®*4*n “>« Mischen sich zwischen indische Kastanien und Euka.yptusbaume ^'eb und Haselnußsträucher zwischen Kirschlorbeer und Magno en. 3 I) hundertalte Ulmen und Linden säumen die Wege, hohe, Manke ^appein -io Kanäle. Rosenhecken sind zu kleinen Nischen «nd Wandelgangen schnitten, und im Schatten der Taxuslauben träumen diee t griechischer Göttinnen. Kleine Springbrunnen an jeber Kreuzung. danken wurden sie erst der Größe des Goethischen Gedichtes bewußt. Er hatte sie alle abgewendet. Weimar war in Karlsbad gewesen, und Karlsbad war für Stunden untergegangen. Was ihnen alle Weimar bedeutete, wie sehr hing es an ihm! Durch ihn bestimmt, trug er es. Aber am nächsten Morgen wachte Karlsbad in ihnen allen auf. Die Allee vor dem Böhmischen Saale war abgesperrt: das bedeutete einen Umweg über die Brauhausstraße oder über den Chotekschen Weg, der auf dem Hange des Hammerberges lief, wenn man ins obere Tepel- tal wollte. ,Das Frauenzimmer' war schon am Brunnen lebhaft bewegt. Licht war über di« ganze Nacht bei den beiden Marchandes de modes Madame Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Berlag: Brühl'sche Univ erst tat s-Duch- und Steindruckerei, *K Lange, Gießen. «stärker und blieb, eine leise beruhigende Geste, abwärts in die Sufi 8Eb3n e|feinem5,©aa(‘et,abermt)em dreifenstrigen Raum ober Mutter und Sind war wieder alles sein: Spannung, Unrast, Schwere. Er schritt ein worauf und nieder, öffnete das Nebengemach, wo fein Bett stand, ging ituriirt und öffnete die Tür des anderen Kabinetts. Bogel war nicht da. bem Tische lagen, säuberlich geschichtet, die Bogen des Diktates und der Reinschrift, Steine beschwerten sie. Er hob einen Stein ab. Bogel mußte ihn aus der Tepel geholt haben, ein gerundetes Baßiltgefchiebe. Woher' Wie viel Jahrhunderte mußten Flußbett und Wasser an dem harten Gestein geschliffen haben? Jetzt hielt das Stuck Natur den Nieder- schlag seines Geistes auf einer Tischplatte zusammen. Eine Weile .dann sind Papier, Schreiber und Autor fort. Die sorgfältige Hausbau entfernt den Fremdkörper, sieht nach, ob er nicht die Politur geschädigtJ^be. Man wirft den Stein zurück in den Fluh und er liegt Jahre, Jahrzehnt«, eine Hochflut rollt ihn ein Stück weiter. .. . Bielleicht findet er einen Ort, wo er hundert Jahre hegen b ei • , au| ,jjcn Strogen gelegen weroen luimie. dann, wo sind die Menschen bann, die ihn für et ne Weile cu ,g h I ß. » unter dem Brauhaufe und den Waldhang oder der Allee haben? Nicht mehr und nie wieder. 1 - - ------- - *--- Cr--Ck — «..*«..»>— Goethe wandte sich ab, ging in den dunkelnden Saab, griff den Mantel vorn Rechen, Stock und Hut dazu. Er hätte kein Licht »ertragen. Aber am anderen Abend, als sie ihn alle verlassen hatten, ftanb der fetbftoereinfcimte Mensch an einem der Fenster. Friede ruhte auf einem Gesicht. Der Herzog war an den Bersen der Iphigenie weich und besangen geworden, und Herder hatte die Stunde erfaßt. Noch nie im Gespräche Uber eine Dichtung war Herders weitreichendes Vermögen fo glücklich S‘r den engen Menschenkreis ins Menschentum h,nausgewachsen. Lotte so still und beseligt. Des Herzogs verhehlte Schüchternheiten! Sie tbaren noch da, tiefer wohl und wenig bestimmend für ihn, aber fie konnten no chgeweckt werden. Stets kürzer angebunden und ohne Federlesens in Rede und Handlung, ließ er es sonst nicht mehr zu, daß man ar und man noch auf den Straßen gesehen werden konnte. Die Karlsbader hatten bezogen und konnten das Fest im Entstehen beobachten. Die Böller — und Flamme bei Flamme erhellte den Raum unter den hochstämmigen Lindenreihen. Die Wipfel schirmten, verheimlichten die Glut. Prächtig angetan, näherten sich die Gast« der Gräfin durch em Spalier von Menschen, die auch aus den benachbarten Ortschaften gekommen waren, denn nicht in Karlsbad allein hatten die Zurichtungen dieses Fest»? getroffen werden können. Gedeckte, fremdartige Musik erfüllte die Talbucht. An den Eingängen der Allee standen chinesische Lusthauschen, deren Rückwände mit gelber und rosenroter Seide verkleidet waren Ihr Licht vervielfacht durch Spiegel und belebt durch das Blitzen geschlistener Glaskanten, lud an Kredenztifche, vor denen Me Diener der Gräfin m langen Seidenkleidern, bezopft, gelb und schlitzäugig geschminkt, den Em- tretenben aufwarteten. Die breite Mittelallee mar mit frifcfjem eanbe bestreut und hell von großen Feuervasen, die auf bekränzten Sauten zwischen den Bäumen standen: vielhundert Laternen in allen Farben — sie hingen an Girlanden und ließen das Lindenlaub in ihrer Warme zittern — durchhauchten die Seitengänge mit einem Lichtgeheimnis. Das Ende der Mittelpromenade aber schloß ein großes chinesisches Haus ab. f-uu««.«. v.. ........... -- •■•--- .... . ... | Man stand entzückt davor, staunte nicht wenig« über dl« Kunstfertigkeit «lick nach links wandte, die guellenhutenden Turme der Stadtkirche. Und I &er Zjmmermeister und Tapezierer, die diesen Bau nut hohem, lstocklem- er wußte auf den Felsen, die das Tal begrenzten, eingangs und aus- I hMmsiem Spitzdach und bemannten Galerien in einem Tage errichtet gange, und inmitten auf dem Hirfchsteine ragende Kreuze, das Ggnze I j.atten a(5 über di« Pracht der Wandbehänge, der Basen, Figuren und aber beherrscht von dem Kreuzberge, der die drei Zeichen der Erlöst» I e un& Wein zu erlesenen Schlemmerhappen gereicht wurden Die Ein wundersamer Ort: Heilung ugd Heiligung voll starker Sinnsälligkeit, I Musik setzte nur aus, um anderen in Lauben versteckten Kapellen Gehör heiß aus der Tiefe des Grundes sprudelnd und düster von den Hohlen I ,u tÄaffen. In biefem glänzenden Raume empfing die Gräfin unter einem und Klippen herniederweifend, verheißungsvoll! I Seidenzelte die Aufwartung ihrer Gäste: der Herzog war eine Zeitlang Hatte er hier an feinen nächsten Menschen die Brücke vermißt, di« I an ihrer Seite zu sehen. .. , ihn ohne Gewalt in bas Erlebnis bes Südens hin Überleite, fo mochte I Auch die Weimarer Ge|ellfchaft iprach den Getränken und „guten er an der natürlichen Dämonie bes Tales und seiner sakralen Hut den I Pissen heiter zu. Der Herzog wurde rasch lebhaft und wollte rzuhlung seelischen Widerhall gewonnen haben, der ihn bes dritten Heilweges, i mit der schönen Welt, es hielt ihn bald nicht mehr bei den [eines Weges, bewußter werden ließ. I Charlotte fand sich mit Herder und Karoline in einer Nische des chinesi- Jn dieser Nachtstunde glaubte Goethe, daß ihm die neuen Berse seiner I schen Hauses zusammen, die Waldner und Affeburg faßen bei ihnen. Iphigenie an keinem Orte zwingender entwachsen wären. Er brauchte I Herder führte das Wort, daß es an Geist und Wurde su Der schwarzen Widerhall, um zu feinem Heil« zu gelangen. Daß es ein Heil fei, hatte I Seidentracht und den Bäffchen paßte, war zu verstehen. Und sie war'S ar nun an seinen nächsten Menschen erfahren. Heil durch Kunst! Er I zufrieden, daß ihr Freund die Laune des Herzogs teile. Sein -Belud) am wollte es erleben, wo Kunst unter einer glücklicheren Sonne zur Natur I vorgestrigen Abend, dann die Vorlesung m den .Drei Rosen hatten sie, geworden schien, und wollt«, selig des Geschauten, weitergeben. — Los I der leicht zuviel geschah, weithin gestillt, und nun stand noch die Fahri eines deutschen Menschen: seiner inneren Widerstände mußte er erst gewiß I bevor, zu der sie vergeblich auch die Waldner hatte gewinnen wollen, und Herr sein, ehe er frei werden konnte. Wie anders, wie heiter die I Goethe ließ ihr und den andern Herder und die türkische Musik. Li Polker jener Sonne! Sie hielten Kindern gleich das Geschenk der Götter I gab sich dem Eindruck« hin, den die schöne Lanthiery auf ihn machte, und in den Händen, konnten feiner im Spiele wirksam werden. Das deutsche I da der Herzog vorerst noch die bunt« Fülle aller Schönheit und Anmut Wesen mußte es erzwingen. Den Dämon der Tiefe überwinden und I genießen wollte und mit einem Grafen Harrach unter die Gesetlschasi die düstere Mystik eines lebenleugnenden Heiles und dann: frei durch die I getaucht war, spazierte Goethe bald mit der Grazer Gräfin abseits und Kunst! Das war ein anderes, lastendes Geschenk, ein Verhängnis des I halb verborgen am äußersten Rande der Allee. Gottes, der seinen neuen Schaffensweg aus der Kreatur will. I Sie trug ein Gewand aus grünem Taffet, von bauschigen Volants Manche Antwort sank aus der erhellten Nacht dieses Tales, und er I umflossen, an ihrer Coiffure en bandeau damour sprühte eine Biamant- war voll Hoffnung, denn er hatte an ihnen, die von ihm gegangen waren, I agraffe das kostbarste Reiheraesteck, Hals und tiesentbloßter Busen trugen erlebt, daß er schenken konnte. I einige Schnüre Perlen. Sie schwärmte von Italien, ohne zu wissen, wie Die Gesellschaft Goethes zerstreute sich noch vor dem Haustor der I sehr sie Goethes feurige Befangenheit gerade dadurch hob, daß sie von .Drei roten Rosen'. Sie waren alle fo weit über Ort und Alltag in eine I dem Lande feines Verlangens sprach. geläuterte Erlebniswell versetzt, daß ein jeder allein zu fein verlangte. I ,/5ie tragen selbst den Hauch des Südens an sich, Aloisia, Darum Und fie erinnerten sich erst spät, gleichsam ernüchtert, daß Karlsbad schon I wissen Sie ihn zu schildern, daß mir das Blut wallt.' seit Tagen von der Erwartung eines Festes erregt war. Bei diesem Ge- I „Es ist nur Ihr Desir nach Sonne! Die ewige deutsche Passion, Goethe. ' * ' ■’ - ■ ~ ~ ----- - .... . i verbannten Hyperboreer! Wie würde Ihr Genie blühen, Ihre Must jubilieren! Sie mühten ihn einsaugen, den Süden, wie ein Lorbeerbaum, fo satt und grün." „Da Sie ihn lieben, glaube ich ihn zu suhlen. „Ich habe in einer Frühlingsnacht vom Tempel der Sibylla in die Schlucht von Tivoli gesehen: ein profundes Geheimnis! Die Kaskade, schimmernd wie Satin, und der Bogen der Brücke, die weißen Würfelwände der Häuser und ihre Schotten, dazu das Arom der Blüten, die nur in der Nacht ihre Kelche öffnen! Goethe — ein Raviffement!" Sie selbst war ein Entzücken in ihrer reifen Schönheit, obgleich die Satin-Kaskade von Tivoli etwas ernüchterte. Sie liebte einen üppigen Maier und Ntadame Paul zu sehen gewesen, und ihre Mamsellen faßen I Stil, die schöne Gräfin, aber er stand ihr wohl an. Und da die Dame Übermüdet und gehetzt hinter den Fenstern. Daß man an diesem Tage I den Tonfall eines Gespräches anzugeben hatte, fand sich Goethe nut mei in der Allee nicht reiten und fahren konnte, fetzte auch die wohllebigen I natürlichem Feuer und beglückt in die Gehobenheit der Stunde, «tt Kavalier« in Erwartung. Wer das Tal sperrte, der mußte zu entschädigen I schwärmten noch eine Weile. Goethe sah tief in die großen Augen, nno wissen. Die Dienerschaft der Czinfka hatte überall Eile: schwere Fuhren I sie ließ die Lider kaum sinken, er huldigte bewundernden Blickes ihrer streiften ihre Ladungen über die ,Wiese' dem Böhmischen Saale zu: man I rüschenumrahmten Pracht, und sie wehrte ihm nur zögernd, indem sie hörte Axtschlag und Stimmen auf die Brauhauswiefe herüber und herauf I einen zarten Spitzenfächer, dessen Elfenbeinstäbe beim Entfalten leist zur Marienkapelle am Hang« des Hammerberges. Es mußte alles an I klapperten, vor bas Dekollete hob. Da kam der Herzog, angeregt uno einem Tage geschafft fein, die annehmlichen Gelegenheiten des Kurlebens I laut. Er bot der schönen Aloisia den Arm. duldeten keine allzu lange Störung. Die Gräfin Czinfka blieb auf ihrem • (Fortsetzung folgt.)