Nummer 58 Zreitag, -en 20. Mai rgang 1952 Sie der üerh-l"Z ni * |id) um I Waren )e M m 'M sechii r°h bet Neubau die bi, Lehm it i)inlft üchi |it iprch, te eiim meinte >lehnw, Seite mg, du in, man ;öierlopi eftreiten. iallenitli r, nojm r ursch >ohn b» iten, ta er ein]t : Paris» r Eich ein U e behieii Dienst ?> 15,3 Hais hif itf« rM>" iehemrZaMeMUer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Zchiw^j Stengel K tegept, * ipdjen * . ans,» ätiA )«. d-Ist" gl ÄJ titel’ 7. (i g fif ^'ver Briefmarkenhändler ließ seinen Zwicker fallen, harrte den jungen limn entgeistert an, seßte den ^Zwicker wieder auf und fragte. „Sie meinen die blaue Mauritius, die drei- bis viertausend Ps E^Die blaue Mauritius, die drei- bis viertausend Psund notiert. "Bemerkenswert ." sagte der Briesmarkenhändler und nestelte nervös r "einem Knaps seines Sakkos. „Wollen Sie, bitte, einen Augent tick i an b» >m „Seib 1 chen, bei iemei*! t er? 6i i icinberili - >rWH- llt hahN werte«' [I ihr enaiis1 gemonui1 J oben. ■ sich Achs 1 aum, * I zu. U N Singe- ® er baw'S Der W it dem i! i i deachlrz bei der Tür stehen, der andere besetzte blitzartig den Hinteren Ausgang Xpa Sie haben uns durch Ihren Angestellten telephonisch verständigen lassen daß Sie den Fälscher der blauen Mauritius erwischt haben sagte der Mann bei der Tür zu dem Briefmarkenhändler. „Wenn ich nicht irre, 1,1 Der^jung^Mann mar aufgesprriiigen und suhr auf den Briefmarken- händler los. „Unverschämtheit! Wer sind diese Leute?" „ Mein Freund vom Briefmarkendezernat und ein Kriminalbeamter, sagte der Briefmarkenhändler kalt. ... Der junge Mann trat betroffen einen Schritt zuruck und sah d,e beiden Neuankömmlinge verblüfft an. ... „ Also das ist doch die größte Frechheit, die nur je vorgekommen ist , vlaßte er dann heraus. „Ich biete Ihnen die Chance Ihres Lebens, indem ich Ihnen eine blaue Mauritius zum Kaus anbiete und Sie verdächtigen miet; zum Dank in der unerhörtesten Weise und behaupten, daß meine Sie ist ^auch falsch", unterbrach ihn der Briefmarkenhändler nüchtern. "Dann haben Sie die Marke nicht genau untersucht." Mein Lieber", sagte der Briesmarkenhandler überlegen. „Das ist auch gar nicht notwendig. Kein Besitzer einer echten blauen Mauritius geht in das nächste Briefmarkengeschäft, um sie so mir nichts dir nichts zu verknusen." .In ein schönes Geschäft bin ich geraten! • Der Beamte des Fälschungsdezernats fand es an der Zeit, einzugreisen. „Keine Beleidigungen, bitte! Wir werden den Sachverhalt sofort sest- ftetDer Beamte nahm ein Mikroskop, eine Pinzette und einige Briesmarkenmuster aus einem kleinen Köfferchen und ließ sich die blaue Mauritius geben. Cr legte die Marke unter das Mikros op drehte sie rechts, drehte sie links sah nach einmal in das Mikroskop, hielt die Marke gegeii das Licht neben die Muster, unter das Mikwskop und noch einmal gegen das Licht', neben die Muster, unter das Mikroskop und sein Gesicht wurde sichtlich länger und länger. Mein Herr" sagte er dann etwas verlegen. „Wir müssen um Entschuldigung bitten ... aber nicht wahr, Sie werden verstehen ... mit einem Wort: die Marke ist echt." Ick, verstehe" sagte der junge Mann, die Marke wieder an sich nehmend und sich der Tür zuwendend. „Ich verstehe vollkommen. Ich dm in ein Geschäft gekommen, das seinen Kunden hinterlistig die Polizei aus den Hals hetzt. Ich bin Ihnen dankbar für diese Aufklärung, Herr Ko,nmissar.jesniarkenhündler, der vollkommen benommen dagestanden war, fnnb seine (5prcicbe miebel'. m . Bleiben Sie!" flehte er den jungen Mann händeringend an. „Gehen Sie"nicht ... halt! Ich biete Ihnen dreitausend Psund ... dreitausend fl"^,@utbenrtiixg!" sagte der junge Mann und knallte die Ladentür hinter f,rf| Der Briesmarkenhändler sank halb ohnmächtig in den nächsten Stuhl „Einmal wird einem eine blaue Mauritius angeboten und do muß einem das passieren ... das ... oh, ich Idiot! Drei Tage später betrat der junge Mann wieder den Laden. Sie .'" sprang der Briefmarkenhändler hinter dem Ladentisch her- vor" als wollte er dem jungen Mann um den Hals sollen. ' Ich habe mir die Sache überlegt", sagte der |unge Mann sreundlich, aber etwas herablassend. „Schließlich war Ihre Aufregung begreiflich, na in reden wir nicht mehr darüber ... „ ... , Der Briefmarkenhändler strahlte. Er sprudelte nur so von Entschul- ÖI9USiHaUqten dreitausendsünfhundert?" unterbrach ihn der juifge Mann. "Dreitausendfünfhundert gegen Scheck ... die Bank ist um die Ccke. "Sagen wir, dreitausendsechshundert." „Gemacht!" * Lard Bentworth, der Besißer der viertgrohten Bnefmarlensammlung Welt klopfte dem Briefmarkenhändler wohlwollend auf die Schulter. Ich habe von Ihrem fabelhaften Kauf gehört . blaue Mauritius, Donnerwetter' So etwas bekommt man nicht alle Tage angeboten a propos, ich Hütte Interesse für das Stück. Ich besitze zwar schon zwei (Sremplare der blauen Mauritius, aber der Amerikaner L.ngley soll angeblich auch einer zweiten aus der Spur sein ... wem Konkurrenz S.e wissen ... und ich möchte den Weltrekord in blauen Mauritius halten verstehen Sie?" Der Briefin«rkenhündler verstand. jlnb was — hm — würde das Exemplar kosten? fragte LorP I"tt- worth. ■ tÄ w W» M -• —* ■* °» w**» iihbler wieder an Öen wartenden Kunden. , n»rhie «eberkehrenbe Gelegenheit :ü. eine der wenigen wirknch echten Aaur St erstehen. Wenn man bedenkt---"..... und ,wei Die Ladentür wurde in diesem Augeiiblick heftig fg ■ blieb l^rren mit energischen Gesichtszügen traten schnell em. Der Das Tal Warumdennicht. Boii Carl S p i 11 e l e r. Im Himmel, wie man weiß unb bie Erfahrung spricht. Befindet sich ein Tal, das heißt „Warumdennicht". Hart hinterm Hause, unlerm Garten ift’s gelegen. Mit Blütenseligkeit und Früchtesegen. Ein steinern Sträßlein führt hinunter weit und breit, Dach keiner kommt dahin in alle Ewigkeit. Nicht daß mit strengem Bott unb Bann es jemanb wehrte, Bewahre, baß ein Hindernis den Weg durchquerte. Niemand begreift, weshalb denn und warum denn nicht. Doch in das Tal hinab gelangt kein Angesicht Man darf, man kann, man möchte, aber kann s nicht wollen, Unb hätt es einer noch so sehr begehren sollen. Du wanbelst lustig bis zu einem Quittenbaum Unb lachst „Warum benn nicht?" Doch kaum an biesem Baum, Kommt unversehens bir ein Einsalt in bie Krumm. Du stutzest benkst ein Weilchen noch, bann kehrst bu um Wie schon gesagt, ben Grund kann niemand bir erklären. Doch jedem wird es die Erfahrung neu bewähren. Nur eines weiß man: Im geheimen, in der Stille, Im Quittenbaume häkelt eine blaue Grille, Aeuqett unb reibt das Bein Sobald bie ©rille Zirpt, Issts mit bem Wunsch vorüber, unb ber Wille stirbt Die blaue Mauritius. Bon Wilhelm W e l b i n. Set junge Mann trat in ben Laben unb sagte: , „Ich habe eine blaue Mauritius zu verkaufen. Was zahlen | L Briesmarkenhändler kritzelte ein paar ®”r‘Ln Lr ynneEue das Blatt ab und gab es wortlos seinem Angestellten. Der AngeM 1: den Text sah den Zettel einige Sekunden lang mit offenem Mundi eine Enttäuschung bereiten zu müssen ... „Fünftausend Pfunds „Ra, lassen Sie sehen ..." ßorb Bentworth nahm die blaue Mauritius vorsichtig zwischen seine behandschuhten Finger, hielt sie gegen das Licht und legte sie lächelnd wieder auf den Ladentisch. „Es tut mir leid, Ihnen aber die Marke ist falsch." „Waaaaas? Mylord! Das ist doch nicht möglich ..." "Lieber Mann"^ sagte der Lord etwas herablassend. „Wenn man zwei blaue Mauritius besitzt, kennt man sich aus. Glauben Sie mir das." Aber Bellerby ..." beschwor der Briefmarkenhändler seinen Angestellten. „Sie haben doch selbst gesehen ... der Fälschungssachverständige der Kriminalpolizei hat doch die Marke für echt befunden ..." Der Angestellte war schneller im Bilde, als sein aufgeregter Chef. „Lord Bentworth dürfte recht haben", sagte er erklärend. „Der Mann hat jedenfalls zwei blaue Mauritius gehabt. Die erste — die untersucht wurde, war echt. Die zweite war falsch. * ..... das Leben wird einem heute verdammt schwer gemacht", sagte der junge Mann, der dem Briefmarkenhändler die blaue Mauritius verkauft hatte, auf der Terrasse des Cafe de la Paix in Paris zu einem Freund. „Wenn du heute einem kurzsichtigen steinalten Sammler eine blaue Mauritius aus seiner Sammlung stiehlst, sie durch eine falsche ersetzet und das gestohlene Exemplar verkaufen willst, wird dir kein Mensch glauben, daß es echt ist. Wenn du aber diesen gegebenen Umstand richtig zu nützen versteht und zuerst die echte Mauritius anbietest, beleidigt tust, wenn man dir nicht glaubt ... und dann die falsche verkaufst, so kannst du aus einer an sich verzwickten Lage zehnfaches Kapital schlagen ... das, siehst du, nenne ich Methode ...' Frederick Cook. Nordpolfahrer und Petroleum-Millionär. Von Fred C. 33 i 11 i n g e r. Der Roman des Arztes Dr. Frederick Cook aus Boston, der jetzt 67 Jahre alt wurde, ist noch immer nicht beendet. Ein neues Kapitel hat begonnen. Dieser Mann, der sich durch einige umstrittene Taten eine gewisse Position in der wissenschaftlichen Welt geschaffen hatte, teilte der erstaunten Welt im Jahre 1909 mit, daß er als er ft er Mensch den Nordpol erreicht habe. Er selbst hatte wohl nicht geahnt, wessen eine begeisterte Menschheit fähig ist. Könige empfingen ihn, Völker gerieten in einen Taumel des Entzückens, — bis eines Tages herauskam, daß der Arzt und Polarforscher vermutlich niemals am Nordpol gewesen war. In Neuyork wäre er beinahe gelyncht worden. Er flüchtete nach England und lebte dort in Vergessenheit, die auch durch die Verössent- lichung seines Buches, das ihn rechtfertigen sollte, nur vorübergehend unterbrochen wurde. Dann ging er unter die Spekulanten. Er gründete eine Petroleumgesell^chaft, die in Texas Erdölguellen besitzen füllte, chatte er vorher nicht entdeckt, was vorhanden war, so schien er nunmehr entdeckt zu haben, was nicht vorhanden war. In Amerika versteht man in solchen Dingen keinen Spaß. Daß Cook der Menschheit eingeredet hatte, er sei am Nordpol gewesen, mochte ihm verziehen werden und war schließlich seine Privatsache. Daß er aber Aktien verkauft hatte, die wertlos waren, muhte mit vierzehn Jahren Zuchthaus bestraft werden. Im Jahre 1923 wurde er eingesperrt. Nach ein paar Jahren hat man ihn entlassen, weil er sich musterhaft geführt hatte. Aber Cook, der niemals zugegeben hat, daß er nicht am Nordpol gewesen ist, gab auch in der Frage des Petroleums nicht nach. In Texas mußte es Erdöl geben — und siehe da, es gab welches! Heute ist er Millionär. Jetzt kämpft er um die Wiederaufnahme jenes Verfahrens, durch das er im Jahre 1923 hinter Kerkermauern geschickt wurde. Seine Aktien stehen diesmal ausnahmsweise nicht schlecht. Der Prozeß wird die Welt beschäftigen, die sich noch mit gemischten Gefühlen der Aufregung, der ungeheuren Sensation des Jahres 1909 erinnert. Und Cook glaubt, daß nun auch feine Stunde gekommen ist, um sich als Nordpolforfcher zu rehabilitieren. Es haben sich inzwischen manche Anwälte aus der wissenschaftlichen Welt gefunden, die zwar nicht behaupten, daß Cook wirklich am Nordpol gewesen sei, die aber doch nicht abstritten, daß er weit in das Polargebiet vorgedrungen sein muß. Zu einer vollen Rehabilitierung wird es nicht reichen; vielleicht ist die erzürnte Welt, die sich noch mehr als über Cooks Hochstapelei über ihre eigene Dummheit ärgerte, vor zwei Jahrzehnten dem abenteuerlichen Menschen Dr. Frederick Cook zu schroff entgegengetreten. Als Cook 28 Jahre alt war, nahm er als Arzt an der zweiten Polarexpedition P e a r y s teil, jenes bekannten Forschers, der später Cooks größter Widersacher wurde. Ein paar Jahre darauf war Cook Mitglied einer belgischen Südpolarexpedition. Er hatte also Vorkenntnisse, die ihn unter Umständen in die Lage gesetzt haben könnten, tatsächlich eine eigene Nordpolexvediiion zu unternehmen, die aber sicherlich ausreichen mußten, hübscye Sachen über eine solche Expedition zu erzählen. Im Jahre 1906 unternahm Cook eine Reise nach Alaska, in den Jukon-Distrikt, wo sich der Mount Mae Kinley befindet, der 6200 Meter hoch ist. Diesen höchsten Berg Nordamerikas, den Stuck im Jahre 1913 zum erstenmal erstiegen hat, wollte Cook schon 1906 bezwungen haben. Man glaubte es ihm und stellte erst später fest, daß seine Angaben nicht gestimmt haben können. Aber der Erfolg von Alaska ermutigte Cook zu einem großen Schlag. Reiche amerikanische Bürger gewährten dem Bostoner Arzt und kühnen Bergbesteiger, der schon zwei arktische Expeditionen mit- gemacht hatte, die Mittel zu einer Nordpolreise. Zweieinhalb Jahre hörte man nichts von ihm. Dann kehrte er aus der Region des ewigen Eises nach Spitzbergen zurück und sandte an den Präsidenten der Vereinigten Staaten folgendes Telegramm: „Ich habe die Ehre, dem höchsten Bürger der Vereinigten Staaten zu berichten, daß ich zurückgekehrt bin, nachdem ich den Nordpol erreicht habe." Nordpolexpeditionen gehörten damals zu den größten Sensationen, die es überhaupt gab. Die Welt hielt den Atem au. Endlich hatte es einer geschasst! Das Schiff, das Frederick Cook nach Europa brachte, lief Gern* auf den Shetland-Inseln an, und dort übergab Cook einen Artikel twm 2000 Worten dem dänischen Konsul und kabelte an den amerikanischem Zeitungskönig Gordon Bennett: „Bericht in Verwahrsam des dänischen Konsuls gelassen, 2000 Worte, wosür 3000 Dollars erwarte." Weiten Einzelheiten der Rückreise hat Cook selbst in seinem Buch „M eine Eroberung desNordpols" geschildert. Er schreibt: „Bei ©tagen, dem nördlichsten Punkt Dänemarks, kam ein dänisches Kriegsschiff längsseiü Auf ihm war eine Abordnung des Staatsminifters, um mich zu beglückwünschen; das überraschte mich außerordentlich. Mittlerweile puffte ein Motorboot durch die unruhige See herbei, und ein halbes Dutzend« seekranker Journalisten, die wie nasse Katzen aussahen, schwang sich über die Reeling. Unter dem Vorwand, daß sie Nachrichten vom amerikanische», Gesandten zu überbringen hätten, gelang es ihnen, an Bord zu komme».. Ich unterhielt mich fünf Minuten mit den Berichterstattern. Sie fagteni mir, daß Festessen und Empfänge in Kopenhagen meiner harrten. Das. verwirrte mich. Ich trug einen schäbigen, schmierigen Anzug und ballt1 nur noch eine Garnitur reiner Wäsche und eine Mütze. Wir nahmen Meß und setzten ein Telegramm an einen Schneider in Kopenhagen auf, baniiti er einige Anzüge für mich bereit hielte. In Helsingför begannen Telegramme anzukommen, und von da ab wurde ich ein hilfloses Blatt inu Wirbel der Aufregungen. Ein Telegramm von Bennett, das besagte, er habe noch nie so gern 3000 Dollars gezahlt, machte mir Freude. Wie ein Blitz aus heiterm Himmel brach der Tumult der Kopenhagener Ovationen über mich herein. Als wir uns der Stadt näherten, sah ich im der Ferne Flaggen wehen. Wie ein stürmendes Heer tarnen unzählige Fahrzeuge auf den sonnenglitzernden Wogen auf uns zu. Ein Hurrarufen nach dem anderen ertönte über das Wasser. Hörner bliesen, Musik erscholl, und Böllerschüsse erdröhnten." Als das Schiff von Anker lag, kamen der dänische Kronprinz, die Kopenhagener Diplomaten und vielt; berühmte Leute, die Cook beglückwünschten. Der Empfang war gewaltig. Der König von Dänemark lud Cook zum Empfang ein. Schon in Helsingför waren Hunderte von Journalisten erschiene». Einem von ihnen, dem Engländer Gibbs, der die Northelifs-Press« vertrat, gelang es nur unter Schwierigkeiten, zu Cook vorzudringe». Das ärgerte ihn. Der später geadelte Gibbs hat seine Begegnung mitt Cook in dem Buch „Abenteuer eines Journalisten" verösfcnl- kicht. Als er endlich vor Cook stand, stellte er einige Fragen und merkte, daß der Polarreisende sehr unsicher antwortete. Darauf bat Gibbs um die Erlaubnis, einen Blick in die Aufzeichnungen Cooks werfen zu dürfe», worauf Cook ihm antwortete, er habe kein schriftliches Material mitgebracht. Gibbs war erstaunt. Aufgeregt schrie ihn der Polarforscher an: „Sie haben Nansen, Amundsen und Sverdrup geglaubt; DOM ihnen haben sie keinen Beleg verlangt. Warum wollen Sie mir nidjtt glauben?" Gibbs wurde immer erstaunter. Jetzt war er überzeugt, einem Schwindler vor sich zu haben, und begann einen Pressefeldzug gegen Cook, der inzwischen zum Ehrendoktor der Kopenhagener Universität ernannt worden war. In Neuyork empfing man ihn wie einen Herrschei- Alle Schiffssirenen heulten, als er am 23. September 1909 im Hafen vom Neuyork anlangte. Aber dann bemächtigten sich die Gelehrten der Angelegenheit; sie rechneten die astronomischen Angaben nach und sanden Fehler. Die Kopenhagener Universität nahm ihr Doktordiplom zurück. Miü 150 000 Dollars, die Cook erbeutet hatte, fuhr er nach London. Der Petroleumskandal brachte ihn in das Zuchthaus Leavenworth- Der Richter, der ihn verurteilte, fragte ihn kurz vor der Urteilsfällung:: „Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung anzuführen?" Cook schwieg. „Sie können also nichts sagen?" rief der Richter. „Ihre Verteidiger: müßten sich das Taschentuch vor die Nase halten, wenn sie Sie vertreten. Die Sache stinkt zum Himmel. Ich weiß, daß Sie die Gelder, bis Sie sich erschwindelt haben, versteckt halten. Sie haben diese Gelder Witwen und Waisen gestohlen." Das Urteil lautete auf vierzehn Jahre. Im Gefängnis besuchte- ihn Amundsen, dem Cook ein prachtvoll gesticktes Taschentuch schenkte. Cook vertrieb sich nämlich die Zeit im Gefängnis mit Handarbeiten. Sein Mut scheint während der Straszeit nid)Ä gebrochen worden zu sein. Bei neuen Bohrversuchen auf den Delfelbcrm von Texas wurden Petroleum und Naturgas gefunden. Und damit kehrte in den Greis auch die Kraft zurück, feine Sache, erneut vor der Oesfeni- lichkeit zu vertreten. Das Tier im Spiegel der Sprache. Von Dr. Georg Kuhn. Von feinen Fehlern spricht man nicht gern; vielmehr erwähnt man sic nur andeutungsweise, versteckt, verbirgt unangenehme Dinge hinter Vergleichungen und Wortspielen. Die Sprache besitzt ein reiches Inventar solcher euphemistischer Redewendungen, die sie mit Vorliebe dem Heben der Tiere entnimmt. Spiegelt sich ja doch der Mensch überhaupt und sei» Wesen mit Humor und gutmütiger Beobachtung in dem mannigfaltigen» bunt verzerrten und doch sinnvoll eigenartigen Treiben seiner vielsüßige" Mitbewohner auf der Erde! Die Tierfabel, die von Urzeiten her dieses Verhältnis von Mensch und Tier in dichterischer Form festgehalten haft findet eine reiche Ergänzung in den Sprachen der Völker selbst, in bene» alles Getier eine so wichtige Rolle spielt. Hier ist die lebendigste und eigenartigste Zoologie nicht nach wissenschaftlichen Prinzipien georbnet,, sondern ausgebildet im Gemüt des Volkes mit all feinen Schrullen, Tieft finnigteiten, Neigungen und Abneigungen. Wie unsere Vorfahren siÄ mit ihren „Brüdern in Wald und Feld und Luft" abfanden, in welch? toteUung sie zu ihnen traten, das wird in dem sprachlichen Ausdruck ersichtlich und dadurch für die Seelengeschichte des Volkes, die Kultur- und Kunstgeschichte wertvoller Aufschluß gewonnen. Mit welch einem Haß haben z. B. die bereits angesiedelten und Zivils fierten Deutschen einen grimmen Feind ihrer Fluren, den Wolf, verfolg^ Keine der vielen Verbindungen, in denen sein Name vorkommt, faflj etwas Günstiges von ihm aus. Die alten Germanen jedoch, die im Wo» den Waldgenossen und Psadgänger der Schlacht sahen, haben ihm ein? rühmliche Stellung in ihrer Mythologie, eine ehrenvolle Erwähnung 'n ltrilonife " btS k >■> Ml rnidj ji । weile des Jiijt' in9 lidji1 neritai zu toffir- ■ Sie jorrlen. i uuhniAx j,® t* ls ’c. >■ hrr ß|: Ä elbft'A 'fc"61 »en,'LH 2!ii56r )•: e S»1111 ien^$ K0>t, " , li! 9 Md K j inljmenä; K n auf, fe 1 annen Jt ■ les W < 1 s befagk fi Freude, : ; lagener t> |i i, fal) it H en unj««. | Ein -w V liefen, M I i Met! f en und t» j »ar gewi. I n erfdjittr.l sthtlMM wrzudtirH gegnung' I n" nerilm und «i'-J gibbs«H n zu Ä i ies MHi.t n der ß-W geglaubt: sie mir r'4 erzeugt, I eldzug«»» IninerfilinrJ ten heiM m HafeiM en der »■ und l®t« u zurii- ■ ! in. I ßeavetiwe' [rfeilsfiiW ’ joot W* e JJertÄ sie Serie Selber? . Gelber! in Satire < pradjiw*1 Seit •* -ttafzett'" ien 0 J i danut x der 0? das Delirium tremens präzis und lakonisch bezeichnet. „Den FMen ZU trinken geben“, nennt man im Französischen den Zustand eines voutg Betrunkenen, der in einen so schweren Schlaf verfallen ist, daß er die Flobstiche nicht spürt. Den Abscheu des Trinkers aber vor allem „Gänsewein" kennzeichnen die beiden Ausdrücke für „Waffertrinken : „Frosche in den Magen bekommen" französisch, deutsch aber viel rätselhafter: „Läufe bekommen". Oie pariser. • Roman von Alfred Bock. (Fortsetzung.) Wallenfels machte seinen Eintrag in das Protokollbuch und berichtete dann weiter. „Die vorige Woch' fährt bei der Schachtelmarie ihrem Yäusi ein Weibsmensch vor. Staatsmäßig erausgeputzt. Die Marie weih gar net, was der fürnehme Besuch zu bedeuten hat. Und guckt sich die Augen aus. Auf einmal kreischt sie: .Himmlischer »ater, die Borte! 1 's war richtig ihr' Dortel, die vor zwei Jahr' ausgerückt is, Und bracht' auch ein Kind mit. Und tat ganz großartig, langt ein Zehnmarkstück aus ihrem feinen Täschchen und spricht zu ihrer Mutter, sie sollt' Fleisch holen und sollt' ein gut Essen machen. Die Schachtelmarie hati' ihr Lebtag noch kein Zehnmarkstück in den Händ' gehabt. Und läuft weg wie burmelig. Abends haben sie zusammen gegessen. Die Nacht legt’ sich die Marie oben in ihr Gekriech. Wie sie den andern Morgen herunterkommt, is di« Dortel fort. Ihr Bllndelchen hat sie aber bagelaffen." Er hielt inne, schneuzte sich und schloß. „Nu is die Marie bei mir gewest. Sie spricht, sie wär' net in der Lag', das Kind zu ernähren. Und wär' auch zu aberleibig **, daß fie's bei sich behalten könnt'. Was meint ihren Eigennamen zugestanden. Die Kröte, die Spinne die !Wanze, das । (inö die eigentlichen Parias des Tiergeschlechts, auf die sich die ganze Wut des angeekelten und erschreckten Menschen ergossen hat, wahrend her Svatz der Floh der Fuchs mit mehr Humor behandelt werden und die ©^allgemeinen arg verhaßte Schlange durch Märchen und Sage mit einem verklärenden Schein umwoben wird. Auch der Teufelsglauben des Mittelalters wird auf manche Tiere übertragen, auf den Fuchs, den Kuckuck ( Hol dich der Fuchs, der Kuckuck!"), die Schlange. Die Franzosen haben eine besondere Vorliebe für die Ratte, die ihnen gar possierlich und niedlich vorkommt, während sie Deutschen und Engländern ™mger appetitlich erscheint. Wohl oder übel haben wir aber die halb iron sch, halb schmeichelhaft gemeinte Bezeichnung der „Ratten auch für unsere Heinen Ballettmädchen übernommen. Mit den wissenschaftlich festgestellten Eigenschaften der Tiere nimmt >er Volksmund nicht fo genau, obgleich >m allgemeinen eine sehr scharfsichtige Beobachtung vorwaltet. Den ungewöhnlich klugen Kranich behandelt ^man ungerechterweife als ein ganz dummes Tier, wahrend die geistig beschränkte Wachtel im Italienischen zur Bezeichnung eines sehr lel,lauen Menschen dient. Aus der plumpen Eule haben die Alten den Voael der Minerva der Weisheit und der Wissenschaft gemacht, wahrend Üch die modernen Sprachen Über die Beschränktheit dieses Vogels ganz einig finb S Sonnendem und alle Freude hat sich dagegen au d e luftigen singenden Boten des Frühlings, Schwalbe und Lerche, gesammelt die in den Sprachen besonders beliebt sind. I Die wichtigste Aufgabe der Tiere in der Sprache ist es nun wie bereits erwähnt wurde', in mannigfachen Variationen gewiße gehler od I ä SÄ»«« erscheinen die Dinge weniger peinlich, m w'werer Beleuchtung - st , inhirfinloaie eines Volkes von hohem Interesse, die Zahl uno -an MsS." £< »U =.r|ol».n. M.» 6« m»°ch< Aufklärung über die Leidenschaften der Nationen finden. Wir wollen hier aus der Fülle der Beispiele nur zwei häufig durch WUMM &s WMM beim Frosch, von Ä Hirns „nicht ganz normal sein . Die I ) verglichen Nicht anders ist es werden hier mit den bugfenben Srof ) ■ bcr Franzose von SÄwrÄnÄ'ÄaÄS «-»Ich-» I* * - TÄ*»»«'»» ÄÄSÄ.'B Gestörten mit dem fliegen, Flattern, ch , ' bjc jnl Deutschen ge= Seiner unruhiger Tiere De^I,c^?na J)a^tte ’ er Ratten im Kopf" bräuchlichen Redensarten ' mnaef Käser Raupe, Spinne, auch im Französischen), nut Mucke, Gr Ue Vogel, Kaser, ^a p^P Schmetterling. Der Pariser, sagt- v Zimmerdecke" ist nicht richtig Dache" (ebenso: „Er hat Spinnen unt bc5 Unglücklichen ebenso im Oberstübchen) und meint, bafj °1S, [f ~ Engländer hat sich bie SÄ Ä“s ’UU’ nennt ben bierseligen Kumpanen w h ch> „ h ^nzwurm, so gibt „Käfer" hat, hat, emen Rausch. Gibt es einen ^a,^i pQQr @läs= es auch einen „Hungerrmirm , ber nu französischen Argot heißt chen Schnaps unschädlich gemacht wirb. deutschen Sprich- baher trinken: „ben Wurm toten . - •) Armen sticht, wenn wmt. hat ber Durstige emen Igel.mße.be, beeb^ wie ein er nicht trinkt. Daraus ist bie ^ebenso t ' baf)er nennt man Igel". Einen großen Durst sagt man be @ier zeigt auch ber einen matfern Trinker '^arentrunken . . B Rausch" bebrütet. Wolf, weshalb im Spanischen das Wort „Wolf aua;i „ ’ (-n S1)n0, Auch der Fuchs ist im Endchen Zeinen äußerst festen ni)m für Trunkenheit, vielleicht weil Meister . Qgen Sprachen und schweren Schlaf hat ganz wie e> . • t)eDor,Ugte Symbol aber mit Ausnahme der französischen ist d,Ast^d^ 5 nur der der Trunkenheit. Im englischen Makros s g 6q59 gefäh. aus dem Rausch, sondern auch das berautoenbe t J ^Ähnlichkeit bes man trinkt, „Affe genannt. %ul). J lrutcr Unfug treibenben, „viehisch" Betrunkenen mit bem st^stsucht g - 2 ausgefallen sein, heftig geftitulierenben und ©rimaffen , aefübrt habe, ist nicht Daß bie Vorliebe für Alkohol ZU der S-i ' ^nbe Gang bes Trunkenen anzunehmen. Die Aehnstchkeit, bie der sch kommt in ber italieni- mit ber eigentümlichen Gangart der Krable h bic A^bben". Die schen Rebensart zum Ausbriick: „Er geh Ich f ggfer fymboli- unangenefjmen Folgen bes Rausches b verkörpert. („Unter ben fieren, finb dem Engländer in der e Ratte ^"(Englifri)Cn Rasten fein" = Kater haben.) „Er sieht ^olren , i ihr dadezu?" „Daß der Schachtelmarie ihr' Tochter fo eine Eckewischern worden is , sagte der Schiwwerkäsper, „dadrüber darf man sich weiter net wundern. Die Alt' war in ihrer Jugendheit auch nix nutz. Und der Appel fällt net weit vom Stamm." „Soviel ich von bere Sach' versteh'", gab der Schmelzersluis feine Meinung kund, „wird die Gemeind' für bos Kind sorgen müssen. Man könnt' vielleicht erst emal sehen, ob ebbes*** freiwillig zusammenkommt.“ „Babberlababb!" warf der dicke Balthes dazwischen und lachte vor sich hin. „Für so einer Schnippel ihr Kind geb’ ich kein' Penning! ereiferte sich ber Iörgheinrich. Die Mehrzahl ber Anwesenben ließ ein beifälliges Murmeln Horen. „'s breht sich babrum, wo ber Schachtelmarie ihr’ Dortel steckt", übernahm ber Bürgermeister wieder bie Führung ber Debatte. „Wann ich bas erausfrieg’, jein wir bas Kinb los. Bis bahin Hots die Gemeind auf den Schultern, bas steht fest. Ich hab' mich berroeil nach einer Kostfrau umgegurft. Und fein soweit mit der Schneiderslene in der Mühlgasf einig worden. Die verlangt neunzig Mark das Jahr." Der dicke Balthes fand die Forderung zu hoch, und der Iörgheinrich stimmte ihm bei. Gegen die beiden wandte sich der Schmidtkonrad: „Gelle, wann das arm’ Wurm verhungert, das fcheniert euch net! „Wir brauchen uns deswegen net zu zänken", beschwichtigte Wallenfels den Aufgebrachten. „Die Schneiderslene is eine ordentliche Frau, und bas Kind is da gut aufgehoben. Ich werd' noch emal mit ihr schwätzen. Vielleicht, daß fie’s doch ein wink billiger tut. Ich leg die Sach | den Herrn wieder vor." Die Versammlung hatte nichts dagegen emzuwenden, und der Vor- sikende konnte den vierten Punkt der Tagesordnung, „die Mauseplage , zür Erörterung bringen. Dem Uebel zu steuern, hatte der Schiwwerkäsper seine Aecker mit ben Worten umgangen: „Für mich das Brot, für die Mäuse den Tod, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes!" und hatte seitdem eine Abnahme des Ungeziefers feft- I gestellt Der Bürgermeister bemerkte, er habe das Mittel noch nicht probiert, er halte sich an vergifteten Weizen. Sein Vorschlag, eine größere I Menge davon zu beziehen, wurde denn auch ohne Widersprach an» I $en®be über ben letzten unb wichtigsten Gegenstanb ber lagesorbnung, ben Neubau bes Schulhauses", verhanbelt würbe,^suchte der Bürgermeister unter den vor ihm liegenden Papieren em schreiben des Kreis- amts hervor. Obwohl er sich Mühe gab, ruhig zu erscheinen, zitterten I seine Hände doch ein wenig. Ich hab' ein’ Brief vom Kkeisamt kriegt", begann er. „Dadnn heißt’s, wann uns’ neu Schulhaus Zustand kam, wollt die Regierung achttausend Mark geben. Wie ich gesinnt sein, das wißt ihr. Ich mocht^ die Gemeind' vor der Ausgab’ bewahren. Etz sprecht ihr euch emal aus. I 's w eine harte Nuß", ergriff der dicke Balthes als erster das Wort, aber ’s hilft nix, wir müssen sie knacken." . „ f " Der Möhlsheinrich, der als Mitglied bes Gemeinderats die Regel I hach hielt- Schweigen ist besser als Reden", fühlte sich bemüßigt, seinem I aste' Pausen. Verwegen brauchen wir, weiß Gott, kein Schulhaus zu ^"Jäckermunddidjehl-!“ brach der Schmelzerluis los. »Die Pausen fein I nätia Und sein genau vorgeschrieben. Ich kann fo ein Gedratsch gar net hören Ueberhaupt, wer ebbes gegen die Schul schwatzt, ber is mit dem Dummbeutel gefloppt. Oder stellt sich eso. Wer soll dann den Menschen I bie Augen aufmachen, roann’s die Schul' net tut - Das ßemn hat .ei * Dorothea. * * schwach. * ** etwas. sacre nom de Dieu. 91urt erfunben. Unb wer nix lernt, muh die Säu’ ()üten. Oder die Gass' kehren. Das Haden wir erfahren, wie wir nach Paris gewacht sein. (l(i wallen wir dasiir sorgen, das; unser» Kindern das net passiert. Wie is es dann früher hier zugangen'? Da is der Lehrer nedenher der Ge- ineiiideschreiber gewest. Und hat auch dem Rechner noch Helsen müssen. Dadraus liiftt sich freilich der Moldenhauer net ein. Der spricht, der Lehrer gehört in die Schul'. Und hat hier in dere Perwursielung Ordnung geschasst. Eh guckt euch em al das alt Gelerr an, wo der Mairn einlogiert is. Das Wasser laust gerad' so de Wand' erunter. 's is eine Sund' und Schänd'. Und die Frau Lehrer is aus'n Tod malad*. Fragt nur den Doktor, wovon. Der trügt's im ganzen Kreis erum. Und wir stehn schlechter da wie das geringst' Bettelnest. Im Rathaus versrieren sich die Kinder alleweil schon die Fiiß'. Wie soll das erst im Winter werden'? Wer da noch dischkerieren will, ob das neu Schulhaus nölig lut oder net, der hat sein' Verstand im Ellebogen!" Die temperamentvolle Rede des Parisers machte auf die überwiegende Mehrheit der Gemeinderäte keinen großen Eindruck. Der Jörg- Heinrich und der dicke Balthes steckten die Köpfe zusammen und tuschelten miteinander, die übrigen schwiegen sich aus. Der Bürgermeister gedachte dem Schmelzersluis eins auszüwischen und sagte von oben herunter: „Für und wider die Schul' zu pulatschen, is hier net der Ort. Das is aber klar: das übertriebene Lernwerk macht die Welt rebellisch. Und das End' vom Lied is Mord und Totschlag. Etz von wegen dem neuen Schulhaus können wir meinem Verstand nach über Hals und Kopp kein' Beschluß net fassen. Besser zweimal überlegt als einmal verpfuscht." „Daß das Schulhaus gebaut werden muß", griff der Schmidtkonrad in die Beratung ein, „dadriiber (ein wir, glaub' ich, alt’ einig, 's handelt sich nur um die Kosten. Die Regierung, spricht der Bürgermeister, gibt achttausend Mark. Bleiben dem Voranschlag nach noch zwölf. Die Gemeind' Hal ein’ Bußen Schulden. Und das Kommunal** darf net höher werden Dadriiber, denk' ich, sein wir auch all' einig. Wie bringen wir eß das Kapital zusammen? Wo die Holzpreis' alleweil so gestiegen sein, werden wir mit der Ras' draus gestumpt: wir treiben den Röder- köpf ab Dernach haben mir das Geld, Und mehr, wie wir brauchen." „Das sein so Anschlag' und steckt nix dehiuter", stieß der Bürgermeister heraus. „Erstemal sein keine Leut' zu kriegen. Wir müssen sie von außerhalb kommen lassen und müssen Löhn' bezahlen, daß uns die Augen übergehn. Und dann das Himmelheidengeld für den Holztransport. Gar net davon zu schwätzen, daß den Armen das Lesholz genommen wird." „'s is merkwürdig, daß du auf einmal so warmherzig seist!" sagte der Schmelzerluis. „Wann wir den Ortsarmen statt dem Lesholz jed' Jahr ein paar Mark oergütigen und den Holzmacherlohn rechnen und den Transport dezu, stehn wir uns immer noch besser, als wann mir uns in neue Schulden stürzen und der Sparkass' vier Prozent bezahlen." „Da hat er recht", äußerten die Gemeinderäte, und selbst der Beigeordnete, der sonst durch dick und dünn mit dem Bürgermeister ging, gab seine Zustimmung durch ein lebhaftes Kopfnicken zu erkennen. „Fahrt ihr den Starren nur in den Dreck", schrie Wallenfels rot vor Zorn. „Ich zieh' ihn net eraus. Geseßt den Fall, die Forslbehord' ial Ja und Amen sprechen — ick) glaub’s zmar net — und der Räder kops tat' abgeholzt werden, dernach mär' der Hesselbach kapponieri. Und die Sägmühl' auch. Bild't euch doch net ein, daß sich mein Philipp so verunrechien läßt. Der hängt euch ein' Prozeß an Hals. Und die Brüh' mird teurer wie die Brocken." „Var dem Prozeß fürchten mir uns net, und wann er im Deubel feinem Groppen*** gekocht mird", rief der Schmidtkonrad mit lauter Stimme. „Meine Sag’ is: fein Penning mehr Kommunal, lind das Schull)aus mird vom Wald gebaut!" Für die Gemeinderäte mar ausschlaggebend, daß sie nicht in die Tasche zu greifen brauchten. Auch spielte ein geheimes Behagen mit, daß man dem verhaßten Sohn des Bürgermeisters einen Schabernack antun konnte. Was der Räberkops mit feinen Eichen und Buchen abgetvorfen hatte, stand in feinem Verhältnis zu den Bemirtschaflungskosten. Wenn man ihn mit Fichten bepflanzte, mürbe er zweifellos besser rentieren, greilid) kam der Wechsel im Bestand erst späteren Geschlechtern zugute. Das mürbe lang unb breit besprochen, ohne daß es bem Bürgermeister gelang, mit feiner entgegengeseßten Meinung durchzubringen. Bei ber nun folgcnben Abstimmung traten alle mit Ausnahme bes Mohtsheinrich ber Ansicht ber Pariser bei. Dem Bürgermeister mürbe aufgegeben, beit Beschluß dem Kreisamt zu unterbreiten. Damit mar ble Tagesordnung erledigt, und die Dorfväter entfernten sich. Der Rund breuner, der vom Schmelzerluis unsanft geweckt worden war, torkelte als leßter hinaus. Der Bürgermeister blieb Gift und Gatte speiend zurück. Was war den Infamen Menschen in den Kopf gefahren, daß sie mit den Parisern in ein Korn geblasen und ihn im Stich gelassen hatten? War ihr Gedächtnis löcherig geworden, daß sie seine Guttaten vergessen hatten? Diesem hatte er Feldfrevel nachgesehen, ieitern hatte er Werkholz unter dem Tarifpreis verschosst. Von einem wußte er, baß er ein Wilderer mar, bett andern batte er bei ber Steuereinschätzung sehr glimpflich behandelt. Alles war umsonst gewesen. Der Henker mußte die Kerle holen! Roch mar er ber erste Man int Dorf. Er würde ihnen die Suppe versalzen. Jeßt liefen sie un Orl herum, ble Depefchenträger, ble Blaßmäuler, unb rajaunerten: „Der Bürgermeister is net für ble Gemeind' ber Is für fein’ Sohn." Ja, sprachen sie da nicht die Wahrheit? Ganz gewiß, die reine Wahrheit. Er ftanb hinter seinem Sohn und mürbe kämpsen für ihn bis aufs Messer. * krank ** Die Kommunalsleuern. *** Tops Veran'worllich: Dr. Hans Thhriol. — Druck und Verlag: Brühl V. In Vertretung des Lehrers, der seine schwertranke Frau nicht oer lassen konnte, leitete abends der Gelgenphilipp die Slngprvbe für das Erntefest. Dieser war wohl imstande, den Ehor aus seiner Violine zu begleiten, doch besaß er nicht die Fähigkeit, die Gesangskräfte zusammen zuhallen, geschweige ihnen bett Geist ber Kompositionen zu vermitteln. Daher war heut bas meiste bem guten Willen bes einzelnen überlassen Die Bachschulzmarie eilte ben aitbern regelmäßig um einen halben Takt voraus, unb ber Rohnspeter fang so falsch, baß ihn die empörten Nach barn in bie Rippen stießen Nachdem die Kirchenlieder ein paarmal durchgenommen worden waren, ging man auseinander. Auf der Straße gewann unter dem jungen Mllk gleich wieder die weltliche Stimmung die Oberhand. Burfchen und Mädchen fangen: „Wer Rosen will abbrechen. Der scheu' die Dornen nicht, Weil sie heftig stechen. Ohne Leiden liebt man nicht. Mich drückt, ich darf'» nicht sagen, Mich drückt ein schweres Joch Bon lauter Liebesplagen, O Himmel, hels mir doch' Hätt' ich dich nie gesehen. Wie glücklich könnt' ich {ein. Aber ach, es ist geschehen. Mein Herz ist nicht mehr mein.“ Ohne daß ein Dirigent den Taktstock schwang, rann hier die reine Quelle des Bolksgesangs und es war eine Lust, zu lauschen. Als die leigten schritten ber Spechtskarl unb bie Annegret Hand in Hcmb. Am Tauberls gäßchen bogen sie ab unb gelangten rasch ins Freie. Ein Fußpsab führte am Hesselbach entlang. Den schlugen sie ein. Das Wasser rauschte feine urträftige Melodie. Dort, wo die Erle ihr kahles Geäst in die Lüste streckte, hatte ber Schimwerkäsper einmal nächtens zwei überirbische Reiter erblickt. Die trugen reich gestickte Gewänber unb hatten blißenbe Degen in ber Hand. Ihre Rosse berührten ben '.Boben nicht, fonberit schwebten darüber hin. 'Als nun der Schwimmerkäsper in seiner Angst „Herr Jesses im Himmel!" rief, waren die Reiter plötzlich verschwunden. Ein unheimlich Gelächter aber verfolgte den Alten bis zum Dorf, daß er zitternd unb wie an allen ©liebem zerschlagen feine Wohnung betrat. Der Spechtskarl unb bie Annegret bachten nicht an derlei Spuk. Sie sprachen von der Schul frau, ble in Fieberhitze lag unb tobte, daß der Lehrer Mühe hatte, sie im Bett zu halten. Gegen Abend war der Doktor aus Landors wieder da gewesen und hatte die Weisung hinterlassen, man solle ihm in der 'Nacht einen Boten schicken, wenn ber Zustand ber Patientin sich nicht zum Besseren roenbe. „Der Doktor reißt sie schwerlich eraus, ihr’ 'Natur muß sich helfen", meinte ber Karl. „Sie ist nie net bie stärkst' in ben Nerven gewest", sagte bie Annegret, „unb so eine Krankheit schlägt sich gern auf ben schwächsten Teil." In Paris, erzählte ber Karl, hatte er mit seinem Vater in einem großen Spital ben Schmibtkonrab besucht Der war nach fast sieben wöchigem Krankenlager genesen unb setzte bie Aerzte, bie ihn bereits auf- gegeben, in Erstaunen. Die Pslege, die man ihm hatte angedeihen lassen, war untadelhast. Und doch halte seine kräftige Jlalur das Beste getan. Die Annegret hatte während ihres Aufenthalts in ber Haushaltungs- schule mit ihren Stainerabinnen unter ber Führung einer barmherzigen Schwester bie Einrichtung unb den Betrieb eines Krankenhauses kennen gelernt. Selbigmal sprach sie ein junger Doktor mit ben Worten an: „Ihr Bauersleut’ könnt lachen. Ihr habt sieben Häut' wie bie Zwiebeln. Euch fällt [o leicht nix an." „Das is eso", erroiberte sie, „unb wann ein Krankes bei uns gesunb wird, is ber Dotlgr unschulbig dran." Der Karl lachte. „Dem hast du’s gesteckt. Dabebei fällt mir eine spaßige Geschieht’ ein Der Buschur hatt's in Paris einal im Rücken. Und legt’ sich, Etz sein uns' Leut’ an ihn gangen, he sollt' ei’n Doktor rufen lassen.Das wollt’ he partu net. Wie's nu net besser mit ihm würd', ruht’ fein Petter, ber Stoffel, net, ’s mußt' ein Doktor ’ebei. Der fimmt, unb mein Buschur spricht, ’s tät ihm leib, baß ber Herr ben Weg umsonst gemacht hält’, he hält' bertueil schon ein’ andern Dotier angenommen. Den hott' aber (eins net gesehn. Nach vierzehn Tag’ stehl der Filluh* auf unb spricht: Wißt ihr, wie sich mein Dokter schreibt? Gebulb Der Hilst unb kost' nix." „Das war net schlecht", sagte bie Annegret erheitert. „Rian solll's aber net für möglich halten", erging sich ber Karl, plötzlich ernst merbeub, weiter in Erinnerungen, „wieviel Malabe in bem Paris beisammen sein. Da gibt’s Viertel mit hemmilhohen Häusern, schwarz von Sck)inutz. Dabrin sein achtzig, auch bunbert Familien eingepfercht. Unb fehlt an Licht unb Lust. Da hort das Käuzchen ne lauf zu schreien, 's gehn auch viele zugrund', bie gar kein' Unterschlupf haben. Morgens um brei, wann uns' Aerweb** anfing, zogen bie Obbachlosen an - uns vorbei in bie Markthallen, baß sie sich ein wink wärmten." „Wie kann bann so eine große Stabt bestehn", begehrte die Annegret zu wissen, „wann alsforl die vielen Menschen sterben?" „Das is ganz einfach", belehrte sie der Karl, „der Zuzug is barbarisch groß. läufig die Wach', bas schickt noch nix 's kommt mancher ereilt unb net mehr eraus." (Fortsetzung folgt.) * Filou, Spitzbub ** Arbeit. 'fche Universiläts-Vuch- und Sletnbruckerei, R. Lange, Gießen.