SietzenerZamilienbliitter Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang <952 Freitag, den 18. November Nummer 90 Requiem. Bon Friedrich Hebbel. Seele, verfitz sie nicht, Seele, vergiß nicht Ne Daten! Sieh, sie umschweben dich, schauernd, verlassen, und in den heiligen Gluten, die den Armen die Liebe schürt, atmen sie aus und erwärmen und genießen zum letztenmal ihr verglimmendes Leben. Seele, vergiß sie nicht, Seele, vergiß nicht die Dolen! Sieh, sie umschweben dich, schauernd, verlassen, und wenn du dich erkaltend ihnen verschließest, erstarren sie bis hinein in das Tiefste. Dann ergreift sie der Sturm der Nacht, dem sie, zusammengekrampft in sich, trotzten im Schoße der Liebe. Und er sagt sie mit Ungestüm durch die unendliche Wüste hin, wo nicht Leben mehr ist, nur Kampf losgelassener Kräfte um erneuertes Sein! Seel«, vergiß sie nicht, Seel«, vergiß nicht die Dolen! , Gedanken über -en To-, Bon Theodor Däubler. Weit zurück reichen unserer Vorfahren Grabmaler: Vermutungen über ein Weiterleben nach dem Tode sind wahrscheinlich fast überall mit religiösem Leben zugleich erwacht. Menschen in der großen Natur sind auch heute inneren Einsichten häufig zugänglich: wir können daraus wohl schließen, daß sich kindliche Völker, dl« hoch veranlagt waren, heiligender Eingebungen erfreut haben. Darauf berufen wir uns immer noch, wenn wir menschliches Urwissen vollkommen ernst zu nehmen gewillt sind. Auch Sput wird von Kindern und Tieren, und zwar überall auf Erden, gesichtet. Sein Vorhandensein ist unleugbar, ein Gespenst braucht aber keineswegs mit einem Verstorbenen identisch zu sein. Em Herüberwirken aus dem Jenseits scheint aber ziemlich wahrscheinlich, ■lior Erwachsenen in der Vollkraft ihres Lebens, die der Wildms entrückt sind tritt Spuk seltener aus: wer vernunftmäßig urteilen kann, wird seine Weltanschauung schwerlich durch Gespenstererscheinungen be- timmen lassen. Der Unsterblichkeitsglaube erhält auf geradem Wege durch göttlichen Einfluß auf die Seele, Förderung aus einer uns unbegreiflichen Welt. Eines sei jedoch ausgesprochen: im Geheimnisvollen entstehen ununterbrochene Verbindungen zwischen unseren beiden Welthälften, der aßbaren und einer glaubwürdigen. Wir gehören in diese ebensowohl, wie in die andere, nur mit verschiedener Blickrichtung. Märchen und Sagen sind Erinnerungen an eine Kindheit, in der uns die sinne für eine nunmehr unsichtbare Nachbarschaft im Dasein offener standen. ier Mythos hingegen bleibt gerade dem vernünftigen Menschen em gegenwärtiger Freund. Unerklärliche Vorgänge finden da, m uns verstand- öcher Gewandung, ihre Deutung. Das Vertrauen in tue Em sichten »roher Religionsstifter und Weiser erhält die Seele rein: gedanklrhes "ibschweifen 'aus Wissensdrang um die letzten Dinge über die Grenzen i>es Menschlich-Faßbaren, ist meist unkeusch, marktschreierisch und verwirrend. Aus diesem Grunde stehe ich fest zu dem uiir vom Sch s »erteilten Bekenntnis: Sektenbildungen )d>ernen mir unno.ig. Der größte äugenblick meines Lebens ist es gewesen, als ich wahrhaftig em sah, .atz Christi Lehre für uns das höchste Gut eingesetzt hat. Der Heiland wollte sich auf uns verlassen können, wir sollten ohne ^gliche oder nächtliche Beweise, daß «s Engel "nd Teufel gibt Verbauen zu höheren Gewalten, die uns nicht von Seite weichen, be sitzen. Die guten Geister verschmähen es, sich sinnfällig zu zeigen, di« bösen aber sollen ausgetrieben, aus dem Wege geräumt, unspürbar gemacht werden. Wenn wir nun scheinbar allein da sind, kommt es darauf an, daß der Glaube unerschütterlich bleibe. Christi Worten und Taten wohnen unerschöpflich viele Gründe inne; eine seiner Absichten ist es auch gewesen, unseren Charakter, In scheinbarer Gottverlassenheit, durch fein Beispiel im Leben, beim Sterben zu bekräftigen. Seliger wäre darum Thomas gewesen, hätte er schon glauben können, ohne des Heilands Wunde berühren zu müssen. Allen Schwachgläubigen hat der Menschensohn versprochen, er würde ewig bei uns fein. Immer ist Jesus beim Vater und zugleich in der Welt gewesen: die vollkommene Einheit der scheinbar geschiedenen zwei Welthälften hat sich dadurch dreiunddreihig Jahre lang erweisen können. Es ist ein Schluß der Vernunft, daß, wenn es einen allmächtigen Gott gibt, kein Blatt ohne fein Wissen vom Baum fallen wird. Als Christus das ausgesprochen hat, ist unsere Vernunft geheiligt worden. Sein Kreuzestod, durch den er das Leid der Niedrigsten auf sich genommen hat,,beweist die Bergebbarkeit aller Sünden: das Herabreichen des Schöpfers bis ins letzte leidende Geschöpf. Die alle erlösten Wesen zusammenfassende Auserstehung überbietet jedoch im voraus jeden späteren Pantheismus. Eigentlich tut das jedes Sterben. Auch Tiere und Pflanzen find darin unpantheistisch. Sie vollziehen, undeutlicher, ohne Vorhaben, die Sonderung des Alls in zwei Bestandteile: in den ausgeatmeten Atem Gottes, der nunmehr, obwohl geschöpft, versinken muß, und in die im eingezogenen Gotteshauch au des Allvaters Busen heimwärts gewehte Kreatur. Diese Vorstellung ist allerdings indischem Denken und Fühlen entlehnt: sie ist aber nichts destoweniger heute allgemein verständlich und widerspricht kaum grundsätzlich dem Christentum. ' Natürlich ist in diesem — aber nur in diesem — Sinne gegen einen Pantheismus, in dem Hierarchie anerkannt wird, nichts «inzuwenden: er muh notgedrungen als Theologie in Erscheinung treten. Der wirklichste Mensch ist derjenige, der das Unvergängliche in sich selbst am geradesten, ungeschminktesten in seinem Leben zum Ausdruck bringt: deshalb wird Jesu, des Gottessohnes, Wirksamkeit bis aus Ende der Tage nicht vergehen. Wer hätte jemals den Menschen besser gekannt als Jesus, die Fragen der Welt eindeutiger aufgerollt? Das Urteil über alles Unheil auf Erden war ihm vertraut, darum kannte er der Sünde Wesen besser, als die damit Belasteten selbst. Er durchschaute Gründe und Zusammenhänge der Wirrnis vom unverrückbaren Standpunkt des ordnenden Schöpfers aus. Dies« vergängliche Welt hat er erleichtert, weil er das Gewicht in die ewig dauernde gelegt hat: aus ihr herüber wirkt das Gewissen und beeinflußt unser« Handlungsweise. Nur was ewig ist, gilt; wir sollen darum von unserem Wesen so wenig wie möglich mit haltlosen Dingen der Umwelt verknüpfen und es dem Vergehen nicht preisgeben. Wer, der Christum liebt, und in ihm den reichsten Spender erkennt, könnte an der Unsterblichkeit zweifeln? Er hat sie uns durch fein Wort versprochen, durch seine Taten vergegenwärtigt. Vieles von uns bleibt, hier in den Körper eingeschlossen, unbewußt. Es gibt Männer in Indien, die behaupten, ihres Körpers täglichen Auf- und Abbau, ja von Kindheit an des ganzen Leibes Wachstum, dann auch den Verfall schauen zu können. Sie wären also, für sich, bewußt an der Schöpfung teilhaftig. Für uns gelte: das geheime Geschehen in der Seele mag in ihrer Heimat klar erscheinen! Vielleicht sollen die göttlichen Einflüsse, die wir jeßt' nur ahnen, vor dem inneren Lichte hervortreten. Die höheren Errungenschaften um uns könnten dann nicht verhüllt bleiben. Die tiefsten Verzückungen werden lebendig strahlen. Die Auswirkungen unseres Tuns hier mögen dann verblassen: oft sind die Folgen gut gemeinten Tuns auf Erden verhängnisvoll; von Engeln aber heißt es, sie sähen bloß di« Gesinnung. Jede Veranlassung zu menschenwürdiger Handlungsweise verschwindet aber, weil sie aus himmlischem Born gespeist worden ist, in der Sicht eines im Jenseits Geborgenen nie. lieber ein Leben nach dem Tode steht in den Evangelien viel geschrieben, darüber aber, wie es geartet sein wird, nur wenig: wir sollen zu einem christlichen Leben Vertrauen in den Heiland mitbringen. Unser äeitolter, das konkrete Dinge zu erfahren wünscht, fühlt sich aus diesem runde vielfach von Theosophie und anderen Lehren, di« auf des Inders Wissen beruhen, angezogen; denn da wird dem Suchenden viel über die letzten Dinge berichtet. Unsere Seelenverfassung ist jedoch von der indischen so verschieden, daß wir zweifeln können, ob das, was auch dort Symbol bleibt, bleiben muß, von Nordländern wirklich erfaßt werden tonn. Beispielsweise wird die Vorstellung von den Wiedergeburten hier zu buchstäblich genommen. Es heißt doch, daß die Inder selbst, allerdings in ihrer Esoterik, an persönliche Wiedergeburten nicht glauben. Jedenfalls scheut der Buddhist die Reinkarnationen, trachtet er, ihnen durch Zurückgezogenheit vorn Leben zu entgegen; unser« Theosophen hingegen fassen' dies« Doktrin optimistisch, somit unindijch auf: voll von Begeisterung, sind sie gewillt, noch manches irdische Dasein auf sich zu nehmen. Im Abendland haben di« Priesterschasten den Ansichten über das Leben nach dem Tode freieren Spielraum gelassen. So konnten die Dichter, ohne ketzerisch zu erscheinen, ihre vielfältigen Einbildungen walte» lassen. Bei den Griechen scheint, bis in hellenische Zeit, die Vorstellung, daß ein Leben im Jenseits minder beglückend verlaufen müsse als während unseres Aufenthaltes unter der Sonne oder Sternen, vor- geherrscht zu haben. Besonders in späteren Zeiten haben Griechen scharenweise, durch ihre Einweihung in Mysterien, beispielsweise zu Eleufts die Ueberzeugung gewonnen, daß sie nach dem Tode fortleben würden: und zwar in einem gehobenen Bewußtseinszustand. Im christlichen Mittelalter sind Freude aufs Himmelreich, Angst vor der Hölle sehr ausgesprochen gewesen. Ein Dichter, Dante, der über die anderen Welten herrlich gesungen hat, galt vielfach als Seher wahrhafter Reiche, in die wir eingehen müssen. Im Norden müssen die Visionen eines Swedenborg aus der anderen Welt vor „allem ernst genommen werden: er ist ein bedeutender Gelehrter gewesen, und man hat unanfechtbare Berichte über seine außergewöhnlichen okkulten Fähigkeiten feststellen und bezeugen können. Halten wir uns daran, daß unser Stern, wenn er auch nicht der einzig bewohnte sein muß, doch ein zu- höchst erlesener ist. Die christliche Lehre spricht uns von des Schöpfers unendlicher Liebe zu feiner irdischen Kreatur. Wir wissen nur von seinem Sohne, daß er auf Erden als Mensch wie wir zur Welt gekommen ist. Was er uns versprochen hat, kann nur zutiefst Wahrheit sein. Meine Gräber. Bon Theodor Fontane. Kein Erbbegräbnis mich stolz erfreut, Meine Gräber liegen weit zerstreut, Weit zerstreut über Stadt und Land, Aber all in märkischem Sand. Verfallen« Hügel, die Schwalben ziehn, Vorüber schlängelt sich der Rhin, Ueber weiße Steine, zerbröckelt all. Blickt der alte Ruppiner Wall, Die Buchen stehen, die Eichen rauschen, Di« Gräberbüsche Zwiesprache tauschen Und Haferfelder weit auf und ab, — Da ist meiner Mutter Grab. Und ein andrer Platz, dem verbunden ich bin; Berglehnen, die Oder fließt dran hin, Zieht vorüber in trägem Lauf, Gelbe Mummeln schwimmen darauf. Am User Werft und Schilf und Rohr, Und am Abhange schimmern Kreuze hervor, Auf eines fällt heller Sonnenschein. — Da hat mein Vater seinen Stein. Der dritte, seines Todes froh, Liegt auf dem weiten Teltow-Plateau, Dächer von Ziegeln, Dächer von Schiefer, Dann und wann «ine Krüppelkiefer, Ein stiller Graben die Wasserscheide, Birken hier, und da eine Weide, Zuletzt eine Pappel am Horizont, — Im Abendstrahle sie sich sonnt. Aus den Gräbern Blumen und Aschenkrüge, 'Vorüber in Ferne rasseln die Züge, Still bleibt das Grab und der Schläfer drin, — Der Wind, der Wind geht drüber hin. ».Was sterblich war, deckt dieser Stein." Die Grabstätten berühmter Künstler. Bon Professor Dr. Emil Waldmann. Rafael hat sich seine Grabstätte selbst ausgesucht: Er wollt« im Pantheon zu Rom bestattet fein, in diesem herrlichen Rundbau aus der Zelt des Kaisers Augustus, in diesem einzigen, in Mauerwerk und Kupsiel vollständig erhaltenen Bauwerk in Rom aus der über alles geliebten Antike. Ursprünglich allen Gottheiten, oder wenigstens doch den Hauptgöttern des jütischen Kaiserhauses, Venus voran, geweiht, wurde der Rundtempel, diese „Rotonda", dann im 7.. Jahrhundert zur Hauptkirche der christlichen Märtyrer. Durch das Loch, das „Auge" in ihrem Scheitel schaut immer noch wie vor fast 2000 Jahren der römische Himmel hinein. Hier wollte Rafael ruhen. In diesem schönsten Innenraum der Welt sind in die marmorbekleideten Rundwände sieben Nischen eingeschlagen. Da standen unter Augustus und seinem Freunde Agrippa, dem Stifter des Baues, die Statuen der sieben Hauptgötter, planetengleich. Das Christentum stellte Altäre hinein. Und beim dritten Altar, links vom Eingang wurden im Jahre 1520 Rafaels Gebeine eingesenkt. In seinem Testament hat der 37jährige, als er sich zu Tode erschöpft fühlte, eine Summe Geldes ausgesetzt für eine marmorne Madonna über dem Altar. Sein Freund Lorenzetto hat sie gemeißelt. Und Kardinal Bemba versaßt« in elegantem Latein di« Grabfchnft mit den schönen beiden Schluhversen: „Hier liegt Rafael. Da er lebte, fürchtete die Natur, er möchte sie überwinden, da er starb, fürchtete sie, sie müsse mit ihm sterben." ♦ Acht Jahre nach Rafaels Helmgang starb in Nürnberg der größte Künstler Deutschlands, Albrecht Dürer. Als junger Mensch hatte er einmal vor den Toren der Stadt in einem seiner so kostbaren, so mit persönlichster Malergenialität angefllllten Aquarelle das Iohanniskirchlein ab- gefchildert, fein und bunt und leuchtend. Auf dem Friedhof dieses Gotteshauses hat man ihm, im Familiengrab der Familie seiner Frau, Agnes Frey, beigesetzt. Er war erst 57 Jahre alt, als er, kinderlos, von dem von ihm so sehr geliebten Leben scheiden mußte. Auch er, wie Rafael, ein Mensch von zarter Anlage, nervös und kränkelnd; gar nicht der Renaissance-Kraftmensch, als den man ihn sich gern vorftellt und als den er sich selber in dem sehr stark stilisierten Selbstbildnis in München, mit dem Christusbart und dem Christusgelock, gerne vorstellte. Vielmehr ein ,zartes Männlein", mit schmalen Wangen und ein wenig leidendem Zug. Als er 33jährig in Wittenberg im Schloß malte, mußte er, krankheitshalber, mehrfach unterbrechen. Wirklich ernst aber wurde das Leiden, das er sich im Winter 1521 auf 1522 in Seeland, in den Niederlanden, zugezogen hatte. Da fuhr er bei bösestem Wetter an di« Zuidersee, weil dort ein Walfisch gestrandet war. Einen gestrandeten Walfisch hatte er noch nicht gesehen. Seitdem befiel ihn ein Wechselfieber, und er ward immer elender. An dieser unbekannten Krankheit, deren Namen er nie erfuhr, starb er am 6. April 1528 ziemlich unerwartet. Auf seiner Gruft im Freyschen Familiengrabe liegt eine einfache Steinplatte mit lateinischer Inschrift: „Was von Albrecht Dürer sterblich war, deckt dieser Hügel. Darunter steht schlicht und phrasenlos und weltbedeutend sein Künstlermonogramm. * Von Hans Holbeins Grab aber, der ein Dierteljahrhundert später in London von der großen Pest des Jahves 1543 hinweggerafft wurde, als er eben fein 46. Lebensjahr erreicht hatte, wissen wir gar nichts. Einige sagen, er solle in der Kirche St. Catherine Eve«, in Leedenhall Street, bestattet gewesen und dann, als Auigo Jones di« Kirche umbaute, verloren gegangen fein. Wahrscheinlicher ist es, daß man auch ihn, trotzdem er der geschätzte Hofmaler des achten Heinrich war, in das groß« Pestgrob legte und dieses, aus Angst vor der Epidemie, mit löschendem Kalk zudeckte. Von Hans Holbeins sterblichen Ueberresten ist uns nichts erhalten geblieben. * Auch Tizian starb an einer Pestepidemie, an der fürchterlichen Seuche, die im Jahre 1576 Venedig heimsuchte. 99 Jahr« alt war er, als er daran dachte, daß auch er dereinst würde sterben müssen. Er Elte an dem Bilde einer Beweinung Christi. Es sollte einstmals über seinem Grab ausgestellt werden. Und als der Raum halb fertig war mit dem Gemälde, nahte „der Schwarze" und schlug ihm den Pinsel aus der Hand. Aber Venedig wußte, was es dem Großen schuldig warl Von all den Zehntausenden, di« damals von der Seuche hinweggerafft wurden, hat man ihm als Einzigen das Pestgrab erspart. Man hat dafür gesorgt, daß in der Grabeskirche des Venezianischen Adels, wo die Foscaris und die Dandolos, die Pesaros und dos edelste Blut Venedigs ihre Prunkdenkmäler haben, der Leichnam Tizians unter das Steinpflaster gesenkt mürbe. Der Grabstein mit der Inschrift, eine einfache Marmorplatte im Fußboden ist noch da. Darauf stehen zwei italienische Derszeilen: „Hier rut)t der große Tizian von Becelli, Nachfahr des Zeuxis und des Apelles." Jedoch, das herrliche Bild, mit der unvergeßlichen Gestalt der Magdalena, die ihren Jammer in die Welt hinausschreit, hat man ihm nicht über fein Grab gestellt. Es hängt heute im Museum in Venedig. Spätere Zeiten haben sich bemüht, Ersatz zu schaffen für das damals Versäumt«. Es ist danach geworden: eine bombastische und unkünstlerische Allegorie in Marmoraufmachung. Was Rubens später Recht war, hätte Tizian billig sein müssen. Denn dem Rubens ward tatsächlich sein Gemälde des heiligen Georg, das er dafür bestimmt hatte, in feine Grabkapelle gebracht und wird heute noch dort gehütet. In der Jakobskirche in Antwerpen, hinter dem Hochaltar ist es. Heber dem Kapellen-Altar sieht man das Bild, die Verehrung der Madonna durch di« heiligen Bonaventura und Hieronymus und den Ritter Georg; und durch drei heilige Frauen. Rubens fühlte, gegen fein sechzigstes Lebensjahr, fein Ende nahen. Unb nun malte er an diesem leidenschaftlich hingeftrömten Werk, mit seiner schönsten Farbe und feinem raufchendsten Licht, der Madonna vereint, seine Lieben als Heilige, den Vater, feine beiden Frauen. Er selbst ist Junker Jörg, er stemmt die Fahne, schwer arbeitend, sein kriegerisches Gesicht erscheint ein wenig verwüstet, mit zerzaustem Haupthaar und Bart: in all den Stürmen seines Lebens, im Glück, von dem er viel erlebte, und im Unglück, das auch ihn nicht verschonte, hielt er aie Fahne gegen den Wind. Das ganze hinreißende Pathos dieses Mannes, das menschliche wie das malerische, ■lebt in diesem ergreifenden Bilde. Auf dem Grabstein über der Gruft steht in edelstem Latein zu lesen: „Er durfte der Apelles nicht nur seines Jahrhunderts, sondern der Apelles der ganzen Epoche genannt werden." » Wo liegt Rembrandt begraben? Man weih «s nicht. In der schönen Westerkirche zu Amsterdam, deren feinen Turm er abgezeichnet hat, damals, als er, bankrott und fast ein Bettler im nahen Armenviertel, an der Rozengrackst hauste. Hier hatte er sich einst, in den Tagen des äußeren Glanzes, eine Familiengruft gekauft unb bie erste Frau, Saskia, bas wohlhabende Patrizierkind, dort begraben. Anno 1642, als er die „Nachtwache", (ein berühmtestes Gemälde, schuf. Zwanzig Jahr« später starb ihm dann auch die zweite Frau, di« illegitime, Hendrikj« Stoffels, dies einfache Bauernmädchen, bi« aber die große Freundin feiner sehr großen Seele war. Und als sie tot war unb er sie begraben mußt«, fand er sich fo arm, fo sehr bei der Welt in Ungnade gefallen, daß er die paar Dutzend nötiger Gulden nicht besaß, um abermals ein Grab zu erwerben. Und da ließ er den Leichnam Saskias aus dem Familiengrab exhumieren und legte den Körper Hendrikjes hinein, damit fie ruhig schliefel Einige Jahre später, als er, wie Rubens dreiunds« chzigjä h n g verschieden war, begrub man ihn ihr zur Seite. Aber es kümmerte sich dann niemand um die Stätte. Die Familie erlosch. Keiner war da, sich nach dem Grabe umzusehen. Amsterdam aber, die Stadt, die beute, wie das ganze Land, so stolz auf Rembrandt ist, hat damals sein Andenken nicht gepflegt. Unb so konnte es geschehen, baß, wenn man heute am Grade des größten Genius der germanischen Welt still feiner gedenken möchte, daß einem n emand sagen kann, wo dies zu sein hätte. Rembrandt hat auf Erden keine Statt. Der Gendarm war wesentlich stärker. ffor- der Gendarm h'^lt namucy •sxmivftx “ s trt fpäter 1t mürbe, ar nichts, leedenholl umbaute, ihn, trotz- Jas große buchendem ms nichts Menschen, v.t 'unnte, wenn man f ,N«ei, Ml unb 0(ä wündj-en, vielmehr ödendem :r, trank. 5 Leiden, ^tlanden, ”1«, weil hatte er er ward er nie er- ter. Stuft rteinifcher r Hügel.' Künstler- chterlichen t war er, Er malt« ler fernem mit dem der Hand, n all den irden, Hal ■forflt, daß s und die Zrunkdent- nft wurde, im Fuß- ,H!er ruht Apelles.' stagdalena, t über fei” ete Ä nie. Es ifi je in Malin müffea. en ®ewj wird heuil dem N VerehrMS 5 und d<” gegen fei” andiefe« und fei* tefte.W stemmt » w«mS?f 6*‘S > .ft»1 |e'"y-' fei” w . An d-r Sx au, »l8 *U« Vie Mutter wider den Tod. Don Franz Kart Ginzk«y. Copyright 1932 by I. L. A. Wien. 3n meinem Tiroler Kriegstagebuch steht mit dem Dalum vom 13 August 1915 vermerkt: „Man hat mich au fge fordert, Zeuge der 216= leferung sämtlicher Kupferkessel im Faffatal zu jein. Damit verschwindet, l?m Gesicht der Zeit nach, ein ehrwürdiger Gegenstand, der kaum jemals -eiedererjcheinen wird. Ich begab mich in Begleitung eines Oberleutnants, ,nes Finanzbeamten, eines Schatzmeisters und eines Gendarmen in einem ! lenftauto von Ligo die Fassa nach Moena. 2luf dem kleinen, offenen tzmtz vor dem Gasthaus ,Lur Post" sammelten sich die Leut« haus- lummerweise. Nirgends gab es Widerspruch, es ging alles glatt. Manche irr Bauern nahmen für Kessel und Geschirr bis zu hundertfünfzig Kronen in. Binnen kurzem wurden Taufende von Kronen ausbezahlt. Hier bricht die Aufzeichnung ab, ich hatte keine Gelegenheit mehr, das Leiter« nachzutragen, und es schien mir auch später -nicht nötig; ich nutzte, ja, es werde mir, was sich weiterhin zutrug, dauernd im Ge- l-jchtnis bleiben, der Stimmung und dem Geschehnis nach. Ich will es tun, nach nahezu siebzehn Jahren, hier wieder erstehen lassen. Wir sahen also vor einem Tischchen, das wir mitten auf den Platz ^stellt hatten. Es war an einem jener Hellen, ein wenig kühlen Dolo- mtennachmittage, die kein Reisender vergißt, der sie jemals erlebte. !>-i« nahen Wiesenhänge sahen wir mit Krokus übersät, darüber die Wucht ler schwarzgrünen Wälder, und höher darüber die strahlende Sella, Hermelin des Neuschnees um di« königlichen Schultern. Unaufhörlich u«r= nahmen wir das sanfte Grollen ferner Geschütze, eine wunderliche Sprache in dieser auf Erhabenheit und Frieden gestellten Natur. Da ein ziemlich lebhafter Wind ging, hatten wir faustgroße Steine tuf die Hausen von Banknoten gelegt, damit sie uns nicht entflögen, i esterreich hatte heute nicht nur Kriegstag hier, es hatte auch Geschäfts- iig. Es kaufte den Bauern ihr Kupfer ab, denn es benötigte dieses zu nancherlei notgedrungenen Zwecken, vor allem zu guten Führungs- ingen für feine Granaten und Schrapnells. Es kaufte, das heißt, es »ar den Leuten befohlen worden, was immer sie an altem oder neuen kupfer besäßen, an diesem Tage zu Tal zu führen. Und jedermann nutzte, es gäbe hier keinen Widerstand. So kamen also di« Männer und Frauen, fast durchweg alte Leute, leim di« Jugend stand ja im Feld, aus ihren Berghofen herab und -rächten aus den Küchen mit, was sie dort an Kupfer besessen hatten, -mneist ihre großen Wasserkessel mit dem eisernen Bügel, Urvakrhaus- int, oft mit altem gravierten Zierat versehen zum Abschied noch blank icscheuert in der Sonn« wehmütig blinkend. Man konnte Wohlhabenheit cn Armut wohl unterscheiden, j« noch der Last, die jeder trug, und inige mochten auch reich sein, denn sie fuhren ihr« Kefsel m vollge- i,denen Karren zu Tal. v . ra ... „„„ Der Schätzmeister hantierte an der Waage und rief das Gewicht aus. Das Geschäft ging flink, aus Gramme kam es nicht mehr an es ling nach der Masse. Der Finanzbeamte zahlte dar, gutes^Geld, neues 4eld, damals noch siegreiches Geld. Den Dauern kam der Preis, den sie irhielten, offenbar phantastisch hoch vor, sie strichen ihn zufrieden ein. So war Zufriedenheit auf allen Seiten. Berge von Kesseln, Kannen und Topfen begannen sich vor uns auf- iutürmen, und nun wurden sie in Körben n eme nabehegenb« Scheune -«bracht. Dort aber begann jetzt ein grausames Morden Der Schmied les Ortes, ein Riese, schlug mit dröhiiendem Hammer auf alles em G«= t-alt, Bestimmung, Nützlichkeit, das hatte alles jetzt keinen Sinn mehr es oertete nur mehr der Stoff. Und den galt «s voni Eisen zu tren en und ton allem, was sonst nicht Kupfer war. Die Schlage gingen hart und das UnV«s schien jetzt als horchten die Bauern auf. üßas marb mit |»bem Streich hier nicht zerschlagen I Gewohnheit, stille Berbundenhcit, las Herdglück vieler Geschlechter. Das Gelb auf Disch erschien ms jetzt als etwas Kaltes, Feindliches; es war noch ^ad)tig, g tz, 'S bis immer ist, aber zugleich auch fremd und lebensleer, und bie Bauern, die nun mit ihrem Kupfer noch an di« Reihe kam , f ) -ie Banknoten wohl an, doch sie nickten mcht mehr ^z . Das Hämmern ward indessen immer wilder der »es «um Immer klagender, den hochgewachfenen Schmied in der Scheune schie^ -in Taumel blindwütiger Zerstörung erfaßt zu Haden, h ^. ^.(b mberes tat als feine Pflicht. Und so gab er uns fein uHes. toimwito les Krieges ab, der auch zerstört, aus Psticht !°J . 9 iamit ein Neues irgendwie aufzubauen. hä □ar, als verspürten sie dieses Dröhnen, Hieb auf Hieb, w,e tottjiage au; gr Heim, auf ihr Glück, auf ihr eigenes Pand. -kin-mBeamte brüllte, Jndesfen ging die Waage auf und nieder, der 8 ron3n0fen auf bem bnn sonst hätte man ihn nicht vernommen und die »antnoten^auf Dem u(d) nahmen zusehends ab. Es den ^Tisch herum, und man Menschen, die halbe Gemeinde woh um d M q d Drohen- lunnte, wenn man wollte, etwas Enttäuschtes ^uoeies, ^ «es in den scharfgeschnittenen ^'/-^mitten des üärmes eine Helle, [ Und da horten wir nun plotzl'ch mmitl n