Nummer 50 Montag, den 18. April nur wo n i ;«r> den be- das -Som diesen, der auszog, um zu essen. Ein Märchen von Walter Sten ström. Copyright 1932 by I. L. A. Wien. nach t «Pier q;i t der zuzchi, toeniii Ehreajk :n, (oilt bereit !$ herza^ ettte cs i » lieb» r feinet als die' Elfenlied. Von Eduard M ö r i k e. Bei Nacht im Dorf der Wächter rief: „Elfe!" Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief — Wohl um die Elfe! — Und meint, es rief ihm aus dem Tal Bei seinem Namen die Nachtigall, Oder Silpelit hält' ihm gerufen. Reibt sich der Elf die Augen aus. Begibt sich vor fein Schneckenhaus Und ist als wie ein trunken Mann, Sein Schläflein war nicht voll getan, Und humpelt also tippe tapp Durchs Haselholz ins Tal hinab, Schlupft an der Mauer hin so dicht, Da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht. „Was sind das Helle Fensterlein? Da drin wird eine Hochzeit fein: Die Kleinen sitzen beim Mahle Und treiben's in dem Saale; e Da guck' ich wohl ein wenig ’nein! — Pfui, stößt den Kopf an harten Stern! Elfe, gelt, du haft genug? Guckuck! Kuckuck! • Ni « Qii i( "ls jüt ff» PE « in W *6«* Weg zum Fuchs. ' Na Gott fei Dank, daß man endlich etwas in den Magen kommt", sagte der Riese. „Ich komme, um dich auszufressen. Du bist erste, was ich seit sieben Jahren zu kosten kriege." „Ich bin aber doch so zäh!" sagte der Fuchs. „Ach was! Ich habe gute Zähne", antwortete der Riese. „Mache keine Ausflüchte! Jetzt fange ich mit deinem langen Schwanz an!" .Warte ein bißchen!" sagte der Fuchs. „Ich könnte dir verraten, der Wolf wohnt. Der ist viel größer als ich und schmeckt viel besser. „Nun, so sag' wo er wohnt!" rief der Riese. „Was nützt das, wenn du mich doch auffressen willst?" „ , Wenn du mich zum Wolf führst, so werde ich dich eben nicht fressen. Und so kam der Riese zum Wolf. „Jetzt fresse ich dich auf", sagte der Riese, „mache nur feine Ausflüchte! Ich bin so hungrig, daß mir e werd«» Als er ein Weilchen gesucht hatte, stieß er auf einen Kohlkopf. „Ein Glück, daß ich dich gefunden habe", sagte der Niese. „Viel bist du ja nicht für einen hungrigen Magen, doch du kannst ja immerhin dazu taugen, den Appetit zu reizen." „Warte ein bißchen!" sagte der Kohlkopf, „ich kann die einen viel fetteren Bissen zeigen. Wenn du mir heilig und teuer versprichst, mich nicht aufzufressen, will ich dir verraten, wo der Hase wohnt." Das dünkte den Riesen ein guter Vorschlag, und so ging er denn zum Hasen. . r „Jetzt fresse ich dich aus", sagte der Riese. „Ich bin so hungrig, daß mir der Magen kracht." , Dann brauchst du wohl einen fetteren Braten als einen armen Hajen", jagte dieser. „Wenn du mir heilig und teuer versprichst, mich nicht zu fressen, will ich dir zeigen, wo der Fuchs sich aufhält." Und der Riefe versprach, und der Hase lief voran und zeigte ihm nanne B irgäfte, b« ;qte lilung nrt’ jermafen '■ sich der Magen kracht!" , , s » „Bist du so hungrig, dann würde dir em Bar aber bejjer munden, sagte der Wolf, „soll ich dir verraten, wo der Bär wohnt?" „Nein, jetzt habe ich die Geschichte satt", sagte der Riese, ^vom Kohlkopf zum Hasen, vom Hasen zum Fuchs, vom Fuchs zum Wolf! Jetzt bin ich genug herumgelaufen, nun fange ich btt deinen Hinter- Jtinga da nützt wohl fein Sträuben", sagte der Wolf. „Aber dann erzähle ich dir auch nicht, wo der Bär wohnt mit seiner dicken Frau und seinen zwei großen Kindern." Hat er eine dicke Frau und zwei große Kinder?" fragte der Riese und traute sich nachdenflich hinter dem Ohr. „Das macht ja vier Baren. „Ja freilich", sagte der Wolf, „das macht vier Bären, und einer fetter als der andere." , ,,, ™ . „Vier Bären!" sagte der Riese. „Und alle sehr fett! Wenn du mir "sagst, wo sie wohnen, werde ich dich nicht ausfressen." „Dann laß mich los", sagte der Wolf. Das tat der Riese. „Wenn du zuerst tausend Schritte mit der Sonne und dann doppelt so viele Schritte gegen die Sonne gehst, bann triffst du den Bären", sagte der Wolf, und dann schob er ab Tausend Schritte mit der Sonne und dann doppelt so viele Schritte gegen die Sonne, ich muß mich niedersetzen und Nachdenken , sagte bcr fRiefe Aber wieviel er auch nachdachte, er konnte nicht herausbekommen, wie er gehen sollte, und da fragte er die Elster um Rat. „Das ist eine köstliche Geschichte", kicherte die Elster. „Ich kann dir schon zeigen wie du tausend Schritte mit der Sonne und dann doppelt so viele Schritte gegen die Sonne gehen sollst. Aber wohin du dann kommst, das kann ich nicht sagen. Das hängt ja ganz davon «b, wo die Sonne germide steht und wie lange Schritte du machst. Ra, da hat dich der Wolf schon brangefriegt!“ lachte bie Elster unb flog bavon, um die Gelchichte ihren Nachbarn zu erzählen. Aber der Riese merkte, daß er geprellt war, und nun wurde er furchtbar zornig. Wenn ich den Wolf erwische, freße ich ,hn sofort auf der soll mir" nicht entkommen. Und den Fuchs fresse ich auch und den Hasen ebenfalls unb den Kohlkopf erst recht. Wenn ich mich so von einem zum anbern schicken lasse, bann kriege ich ja nie etwas zu essen. Unb so ging der Riese, um den Wolf zu uchen Unterdessen saß der Kohlkopf da und plauderte vergnügt mit sich selbst „Das habe ich gut gemacht! Ich sitze hier und habe solche Angst, daß der Hase kommt und mich aussrißk. Und anstatt dessen kommt der Riese Aber ich schicke ihn zum Hasen, und ,etzt kann ich m Frieden wachsen und dick und fett werden. Jetzt brauche ich mich nicht mehr vor ^"ätber^ im selben ^Augenblick tarn der Hase und fraß den Kohlkopf auf. Ich weiß schon, du hast mir den Riesen geschickt jagte der Hase. Jetzt esse ich dich zur Strafe auf. Hei! ijopfafa! (Es ift eine Suff, zu zu leben jetzt bin ich satt und brauche mich nicht vor dem Fuchs zu fürchten, 'den hat der Riese aufgefreffen " Aber da kam schon der Fuchs unb hatte ihn beim Kragenl iehenerZamilienbljitter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger ahrgang 1952 tniffeM brau*1 ioldkiM - Innen i* scheu be» » man« Älirrcn . tmye tuet, er lumie \u uivi uu, um.mi " trfimiprf mnrhen lefprengt '■ buchte, unb bann war er auch vorn Schuster angeschmiert worden, siiefel angezogen und war nach Aegypten spaziert, das em s h f Lind ist. Und da hatte er einmal nach Herzenslust gegessen-Wir ttminen i auszählen, was er aß. Es ist ganz lustig, es zu Horen. Zuerst aß er einen großen Elefanten, dann ah er zwei gewaltige Fluhpserde vom Strande des Nils und drei fette Krokodile von demselben Or e. mn °h er sieben hohe Dattelpalmen aus einer Oase in der Wüste und dann ftnf Stück Feigenbäume. Und nach all dem aß er ägyptischer Heuschrecken, dicke, grüne Heuschrecken, die noch Konsek ^^'Da^war es wohl nicht verwunderlich, daß der Riese nach einer solchen ^Jetzt bin ich'aber so satt, daß ich nie mehr zu essen brauche", sagte t?r Riese zu sich selbst, der Dummkopf nieder Und bann ging er nach Hause und legte sich nach dem Essen n edem Ms vier Jahre vergangen waren begann der Riese wieder b 9 B erben, aber er verstanb es nicht sogleich, er glaub i , nieder zu essen brauchte. „Mir scheint, ich bin nicht recht ge|unö , P'8«ber als fünf Jahre vergangen waren, merkte, derRiese daß er Aber man weiß ja, wie manche Schuster ^^' ^s^re^ii können N. Das wird im Handumdrehen fertig fein, sagen Re jum i 15ei|p ei, <3er in einem Tage oder in zwei Tagen oder nächste W ch. bje •ärgeren drei und vier Tage ober sogar zwei, drei W ch , Sch-,.-, • iejen noch immer nicht fertig, unb nun hatte ber . f f '«hre nichts zu essen bekommen. „Jetzt kann ich aber nicht h S r arten", sagte der Riese. „Kann ich auch nicht bis nach Aegypten sp i cren, so muß ich eben in den nächsten Wald gehen unb essen. 3rg ‘troas Brauchbares werde ich schon finden." tge’ % &1'- ' Her zuerst mußte er seine Siebenmeilenstiefel zum Schufte l ) - , fd) neue'Sohlen machen zu lassen. Die alten waren schon ganz durch- ,1-bedch» felaufen, das kann man sich denken. raah> her - ’ßgöcn ■ ' „Ich will versuchen, sie in einem Jahr fertig zu machen , jagte 0 Ja, jetzt kommt die Geschichte vom Riesen, der auszog, um zu eßen. Er war so hungrig, der Riese, daß ihm förmlich der Magen krachte. ; über er hatte auch schon sieben runde Jahre N'afts gegessen das klingt, «s ob es gar nicht wahr wäre. Sieben runde Jahre! Senfe nur, wie litte Tage 'im Jahr vergehen und wie viele Sttmden leben Tag. Der Riefe war ein Dummkopf, will ich euch verraten, er hatte sich «"gebildet, er könne so viel auf einmal eßen daß "Nie mehr M essen h zu sh i ibame J aren füll b erzähle , ’m Salle > ttbenk Flöre, 6: mallen l: Flacons, ibschuhe,! i hohen ( ter Gefchs, s ülabete iner Fch tge gehiilt duldete, i n Putz' b ■ die Um- ,l einWdc sich m! daß er i inem A ffieimar h "ber*i Mensch-'' em- bos ent- Die Die Kinder werden nicht, wie wir es gewöhnt sind, von Vater und Mutter allein ausgezogen, sondern es beteiligen ftd) an der Erziehung alle Frauen einer solchen Siedlung. Ls ist auch gleichgültig, wo bas Kinb schläft In welcher Erdhütte ber Grönlanber es gerabe >st, unb wo es miibe wird, bort legt es sich zur Ruhe nieder. Wenn ber Vater bes Kinbes auf ber Jagd verunglückt — 50 Prozent ber Männer sterben burch solche Unfälle — so wird es bas Kind kaum spüren: sein Leben läuft in- ber gleichen Weise weiter, nur baß ein Mann der Siedlung, in diesein Falle gerabe sein Vater, nicht Von Ingenieur Kurt Herdemerlen, Düsselborf, Mitglieb ber deutschen Grönlandexpedition. Es sind im Grund genommen nur zwei Worte, die den Charakter der grönländischen Eskimos so wiedergeben, bah man sie vollkommen versteht wenn man sich biese Worte in ihrer seelischen Begründung zu eigen gemacht hat. Schwierig ist es nur, biese Worte burch Uebersetzung in irgendeiner anderen Sprache verständlich zu machen. Der Grönländer wird vor jede Beantwortung einer Frage bas kleine Wort „imera" setzen. Eine erklärliche Uebersetzung dieses Wortes in die deutsche Sprache liehe sich etwa mit „vielleicht" geben. Der Sinn ist aber tiefer und liegt wohl in dem jahrtausendalten Lebenskampf dieses Volkes mit den Gewalten der Polarwelt begründet. Fragt man einen Grönländer: „Wird das Wetter morgen schon sein?" so wird er antworten: „imera — jo", fragt man ihn: „Ist das Wetter jetzt schön?", auch dann wird er antworten: „imera — ja. Un- | willkürlich fragt man sich, warum antwortet er in beiden Fällen mit „vielleicht — ja"? t , Lebt man längere Zeit in diesem Lande und stellt sich auf seine Lebensbedingungen ein, so wird man es bald erfahren. Der Mensch ist bort oben nicht in ber Sage, bie Natur mit ihren gewaltigen Ereignissen auch nur im geringsten zu erfassen ober gar vorauszuberechnen, unb ber ©rönlänber hat recht, wenn er selbst für bas Momentane eines Naturgeschehens nur ein „vielleicht" hat. Das zweite grönländische Hauptwort ist Juha'. Es ist ber Ausdruck einer so vollkommenen Ergebenheit, das Geschehen von Dingen hin- zunehinen, gleich, ob man sie selbst verschuldet, ober ob bie Natur sie einem aufzwingt, wie man es selbst im Orient nicht roicbcrfinbet. Wir liegen im Zelt auf bem Inlandeis — brauhen tobt ber Schnee- sturm. Wir haben nur noch ein Schneemesfer, bitten ben Grönlanber, ber als Hunbekutscher mit uns bort brauhen lebt, vor bas Zelt zu gehen, mit biefem Mester ein Stück Firn herauszuschneiden, da wir es zum Esfenkochen schmelzen wollen. Er kommt wieder herein, das Messer blieb draußen. Mit unglaublicher Schnelligkeit hat es ber Treibschnee bebeckt, unb es ist für uns verloren. Da bie Fortsetzung ber Reise notroenbig ist, sinb wir überzeugt, bah es ohne Schneemesfer jeben Abend eine Qual sein wirb, bie Mahlzeit zu bereiten. Wir finb noch nicht lange genug un Lande unb fragen ihn beshalb ärgerlich: „Warum vergäbest bu bieses Messer hereinzuholen?" Er antwortet nur kurz: „sussa". Eine solche Einstellung bem Leben unb ben Dingen gegenüber laßt zuerst vermuten, bah man bei einem solchen Volk kaum Lachen unb Fröhlichkeit finben würbe. Aber ganz bas Gegenteil ist ber Fall. Nur aus seinen religiösen Liebern kann man eine gewisse Schwermut her- aushören. Sonst gibt es nur lachenbe, fröhliche Gesichter: der Grönländer ist jeder Zeit zu Tanz, Scherz und luftigen Spielen aufgelegt. Die Grönländer leben in Siedlungen von dreißig bis achthundert Menschen zusammen. Dieses Zusammenleben kann man nicht eigentlich als kommunistische Ordnung bezeichnen, sondern inan müßte die Art des Zusammenlebens mit Kommunalisrnus bezeichnen. Die einzelnen Siedlungen haben miteinander nichts gemein, vielleicht nur, daß man sich gegenseitig besucht, seine Frau von bort holt ober in ber Zeit ber Hungersnot in bic größere Kolonie abroanbert. Das Leben in den -:- gelnen Sieblungen selbst gestaltet sich folgenbermahen: Ein Grönlänber geht mit seinem Kajak im Sommer hinaus auf Meer, fängt einen Seehund, ben seine Frau bearbeitet, b. h. sie hautet ihn, verarbeitet bas Fell unb bereitet bie Speise baraus. ganze Nieberlassung lebt bann bavon. Alle essen bei ihm, trinken Kaffee unb tanzen, finb fröhlich, bis ber Seehunb aufgegeffen ist. Dann wirb roieber einer gefangen, von einem anberen vielleicht, ober von mehreren, unb auch biejer wirb gemeinfnm verspeist. Als das Christentum noch nicht bei den Grönländern roai, hatte ein Mann soviel Frauen, wie er brauchte,^um seine Jagdbeute zu verarbeiten denn bie Arbeit wirb von ber tfrau verrichtet. Als Ve-spiel möchte ich hier anführen: Ein älterer Grönlänber hat eine junge milia (Frau). Ein jüngerer Grönlänber aus ber gleichen Riederlastung hat eine ältere Fran, unb bas Leben biefer betben ist jebes für sich nicht harmonisch. Die Männer kommen zusammen, sprechen darüber und beschließen einen Tausch vorzunehmen, unb ihre „Ehe roirb ba nun bas , Rechte zusammen ist, glücklicher. Die Frauen empfinben nicht, wie unsere I Frauen, barin eine Herabsetzung ober Demütigung Das, roas mir unter Liebe verstehen, ist für sie ein ganz anbcrer Begriff. Aus biefem Grunde habe ich es auch nie gehört, daß Frauen untereinander sich zanken ober , von anderen gehässig sprechen. . . . Heute darf ber Grönländer nur eine Frau heiraten, lebt aber praktisch doch wohl mit mehreren zusammen, und bas ist gut so, sonst wurde er nach unseren Begriffen eben nur fo viel fangen,; um eine Frau zu ernähren unb bie andere Zeit mit Schlafen unb Nichtstun verbringen. Seine Arbeitslust richtet sich eben nur nach ber Notwenbigkeit, so und so viel Menschen ernähren unb mit bem Fell ber Beute betreiben zu fOn(fr’ ift ein freier Herr, an keine Arbeit gebunden, richtet sich mit seiner Jagd, je nach ber Jahreszeit, nach ber Sonne, nach feiner Stimmung unb nach ber Gelegenheit. Die übrige Zeit, bie er nicht auf ber Jagb verbringt, benutzt er, um sich wohlig auf ben Klippen auszuruhen uni) mit einem uralten Fernglas über bas Meer zu schauen, ob nicht eins von ben wenigen Schiffen, die bie bänifche Regierung nach bort entfenbet um Lebensmittel hinaufzubringen, zufällig vorbeikommt. Man kann es'ja nicht wissen ... „imera" ... vielleicht Rur einmal im Jahre bricht eine solche Steblung auf, um in tfW unb Qaqbgrünbe, die sie untereinander feftgelegt haben, zu ziehen. Das große urniak", ober Frauenboot, wie mir es nennen mürben, packt Zelte unb Kochgeschirr, auch eine Anzahl Kinber auf unb Frauen rudern es tagelang über bie großen Fjorbe unb Buchten, oft ben Fallwinben, bie von bem grönlänbischen Jnlanbeis mit ungeheurer Gewalt heruterftürzen, preisgegeben. Die Männer begleiten im Kajak rechts unb links, voraus unb hinterher, bieses Boot, welches ber Sieblung unb nicht einem einzelnen gehört, — ein malerisches Bild . Wochenlang liegen sie bann brausten, bie Manner sangen: Seehund, Walfisch Normal, Dorsch, Hellesisch usm., die Frauen und tue Kinder kochen das Essen und den Iran, der nachher, verteilt für bie ganze Giebiunq, bie Beleuchtung für bie lange Polarnacht ergibt. Das übrige Fleisch roirb an der Lust getrocknet und als Vorrat aufbewahrt und I heimgebrach«. Die Felle gehören allen unb jeben, unb werben gleich ba brausten von ben Frauen in primitivster Art zubereitet. In ber langen Polarnacht geht ber Grönlänber auch auf Fang. Er schlägt Löcher in bas Meereis unb holt sich Fische aus her Tiefe des Meeres. Die anbere Zeit, bie er nicht mit dieser Beschäftigung ver- bringt schläft er, ober alle sitzen in irgenbeiner Hütte zusammen, sind lustig unb tanzen unb fingen. Wann ber Grönlänber im Sommer, sowie im Winter, eigentlich schläft, habe ich selbst währenb 18 Monaten nicht feftftcUen können. Kam ich in eine Sieblung, gleich zu welcher Stunde, so waren immer einige wach unb anbere am Schlasen. Ich glaube, sie fdjlafen, wenn sie mübe sinb, und wenn sie nicht mübe finb, bann schlafen' sie eben nicht. Eine einfache, aber wohl kluge Lebensregel. Hörner und Töpfe. Zur Historie des Domenhutes. Von Dr. Friedrich S p r e e n. In feiner „Liebeskunft" hat Ovib geseufzt, er wolle lieber bie Eicheln an einer großen Eiche ober bie Bienen bes Hijkla zählen, als oll die mannigfachen Kopftrachten, bie ber Frauengcift sich immer neu ersänne. Der Betrachter der Mode, der sich in die Vergangenheit versenkt, wird bei dem Kapitel Damenhüte diese Schwierigkeiten in noch viel höherem Maße empfinden: Eine schier unsastliche Fülle von Formen unb Gestaltungen zieht an ihm vorüber, umtanzt und umgaukelt ihn mit tau- fenbfältigen Neckereien wechselnber Laune, unb er sieht schließlich mit verdutzter Bewunderung vor diesem nie erschöpften Erfindungsgeist, ber in beii wunberlichsten Variationen stets neuen Schmuck für ben Kops erfinbet unb ben Hut, allmählich zur Krönung ber ganzen Toilette aus- geftaltet hat. Auch bie so kapriziös sich gebärbenben, bie zögernden I Lenzeslüfte zum Erscheinen unb zum lustigen Sumpfe mit ihrem einseitigen Sitz tjerausforbernben biesjährigen Frühjahrsformen finb ei’1 erneuter Beweis für bie Kühnheit, mit der Hutformen auftreten. So haben wir den anfangs mit ablehnendem Kopfschütteln, bald aber mit Entzücken begrüßten Topfhut noch in lebendiger (Erinnerung, unb mit biese Formen ber Kopsbebeckung an Extravaganz ben Körben unb Trichtern ber Merveilleusen in ber Revolutionszeit zustrebten, so werben wir vielleicht auch noch einmal bic Wieberkehr jenes riesigen spitzen Horn- hutes ber burgunbischen Zeit mitansehen müssen, salls es ber phantastischen Mobesee gefallen fällte, in fo ferne Vergangenheiten hinabzu- fteigen... , Erst ganz allmählich hat ber Hut im weiblichen Kostüm bie hohe । Bebeutung erlangt, bie er heute besitzt. Die Griechinnen ber klassische" Zeit gingen barhaupt unb setzten höchstens auf ber Reise einen breit’ ranbigen Hut auf, ber sie gegen bie Sonne schützen mußte, ben sie fur Ich weist schon, bu host mir den Riesen auf den Hals geschickt . | sagte ber Fuchs. „Nun fresse ich bich zur Strafe aus. Ha. Heute ist wwklich ein Glückstag, jetzt bin ich satt unb brauche mich nicht mehr vor bem Wolf zu fürchten, ben ber Riese verspeist hat. Aber im selben Augenblick kam ber Wolf unb frafj ben Fuchs auf. Ich werbe es bir schon geben, mir ben Riesen zu schicken , sagte ber Wolf jetzt fresse ich bich. Ja, jetzt ist man einma roieber satt unb zu- frieben ’unb kann über ben Riesen lachen, ber läuft jetzt gerabe taufenb Schritte mit ber Sonne unb doppelt soviel gegen bie Sonne. Aber ba kam auch schon ber Riefe. Unb ohne viel zu fragen, schnappte er ben Wolf unb fräst ihn auf ein paar Bissen hinunter. Ha, bas hat gut geschmeckt!" sagte ber Riese. ,.aU59^e!$nct^r Braten. Merkroürbig bick für einen Wolf, unb ein prächtiger Geschmack. Nicht nur ben gewöhnlichen Wolfsgeschmack, es erinnerte sehr an Fuchs unb auch ein klein bißchen an Hasen, ja sogar eine Ahnung non einem Kohlkopf war in bem Geschmack. Das war wirklich appetitanreizend. Jetzt gehe ich aber unb suche mir ben Fuchs, ben Hasen unb ben Kohkkopft MIs ber Riese sieben Wochen gesucht hatte, kam ber Schuster heran- aelaufen bie Stiesel auf bem Rücken. Nun waren sie fertig, wie ihr euch benken könnt. „Schön, baß bu kommst", sagte der Riese. „Du mußt mir helfen, den Fuchs, den 5)afen und den Kohlkopf suchen. Unb b« Riese suchte, unb ber Schuster suchte. Unb ber Schuster lief heim unb holte seine biete Frau unb seine fünf tugelrunben Sinber unb ben Altgesellen, unb ben Junggesellen unb Hansel, ben Schuster- "1bub! Unb alle halfen sie suchen. Und sie suchten überall, nur nicht am rechten Ort. Denn es fiel ihnen nicht ein, im Magen des Riefen zu suchen. Unb wenn bu Glück hast, so kannst bu sie noch heute suchen sehen, zuerst kommt ber Riese unb bann kommt ber Schuster mit ben Stiefeln auf bem Rücken unb hinterbrein läuft bie dicke Srfju tersfrau unb alle ihre fünf kugelrunden Kinder. Unb dann kommt der Altgeselle und der Junggeselle und dann, ganz rückwärts, Hansel, der oefjufterbub ... (Deutsch von Marie Franzos.) Glückliches Volk. Verichl von den grönländischen Eskimos. 'ter M rJiel)Un W» dl! und WS 50 $rc: 'os Km nur inj er, nitz >r, h«l zu mt ®ei|pid ige nniii iung hi !'ch nitz und t(: nun d« ie unjm oir unln i Gnick ifen ota her prob ift wirii Fron $1 ■rbringm t, |o ml leiden ji sich mil ter 61® t auf k iszuuißi ob nitz noch den mit. Mei die 6**5 nu oli * ° erß- K ?sv ihr^'ii m I*116 & :ö ab- (H g, «lÄ B' **«& ev icroöhnlid) aber an einer Schnur auf ben Rucken herabhangen ließen. hje tofettcre Aera des Praxiteles kennt bereits eine spitze, deckelartige Lpfjier die pikant auf der hohen Lockensrisur balancierte und be- ionbers 'den Tanagrafigurp« einen mondän-graziösen Reiz verleiht. Die ömische Matrone trug in der Zeit der Republik züchtig nur den Soleier und erst in der entarteten Epoche der Kaiser erscheinen die tahllosen Frisurengebäude, Kopsputz der raffinierteften Art, unter dem leit Neros Tode der 5)ut eine wichtige Stelle einnimmt. Die dreihundert 'iopftrachten, mit denen die Gemahlin Marc Aurels paradierte, zeigen, «eich hohen Wert vornehme Frauen aus diesen Teil der Toilette legten. »;ie aber ist der Hut in der Antike bei den Frauen zu einem so notwendigen Element der weiblichen Kleidung auf der Straße geworden, wie er es bei uns ist und wie er es bei den Mannern schon damals war Ueberhaupt hatte die Herrentracht in Hutsormen sehr lange die Rührung [o daß die Frauen ihre Kopfbedeckung von den Mannern übernahmen wie den Federhut in der Renaissance ober den Filzhut m der Rembrandtzeit ober den Zylinder in der Kongreßepoche. Vielfach stand der Kopfputz in engstem Zusammenhang mit der Frisur, wurde im Salon und 'beim Ausgang ganz gleich getragen, Hauben, Mantillen und Spitzenarrangements stritten lange mit ihm um die Herr- fchas, und bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war es Mode, auch für nie feinen Damen unserer nördlichen Lander, mit einem Kopstych ober einem Häubchen auf der Straße zu erfcheinen, eine Sitte, die im Romanischen ja auch noch heute anhält. Die germanische Frau schmückte sich, wenn sie nicht zum Zeichen ihrer Mädchenschaft barhaupt ging und stolz ihre Zöpfe zeigte mit nner i. einfachen Linnenhaube oder bei festlichen Gelegenheiten mit dem „ed)a= Del" einem schmalen Goldreif oder auch Streifen aus buntem Zeug, her 'bei den Vornehmen durch Verzierung mit Edelsteinen und Perlen, durch blumenförmige RofeNen und Zinken zu einer kleinen Krone wurde; allmählich tarnen direkte „Goldhüte" auf, schwere Diademe, die die ganze Frisur bedeckten. Doch zogen die Damen der Ritterzeit solch prunkend offiziellem Schmuck vielsach köstliche Blumengewinde vor. Der aus -Bluten und Zweigen des Gartens künstlich geslochiene Schaferhut, der als kurze Zier des Sommers besondere Freude entsesselte, war hauptsächlich Sdnmuf der jungen Mädchen; ältere Frauen setzten Hute aus Samt und Pelzwerk auf, die im 13. Jahrhundert recht breitkrempig wurden und auch von den Jungsrauen begehrt waren. Doch wenden (id) bie Dichter des Minnesangs sehr scharf gegen diese österreichische Mode, weil von einem hübschen Gesicht bei solch breitem Rand nicht viel zu sehen war. Als eleganteste Kopfbedeckung der Ritterzeit galten die „Pfauenhüte"; sie wurden mit den Spiegeln der fBfauenfebern belegt gefüttert und mit Schnüren zum Festbinden versehen, die feinsten kamen aus England. Auch sonst wurden schon Federn zur ©armerung des ) Im 14. Jahrhundert weichen all diese Kopfbedeckungen einer hohen Haube, die wohl in Frankreich zuerst aufkommt, bann wichtiger Teil der burgunbischen Tracht wird und nun auch in Deutschland sich em- bürgert. Die Frauen lassen sich bas Haar ganz aus der Stirn streichen, ja sogar bis hoch auf den Kops hinauf ausreißen, rasieren d'e ^ugem brauen ab und geben so dem glatten Gesicht jene spitze, nach oben drängende Richtung, die in eine möglichst hohe kegelförmige Btuö• auslauft'. Dieser „Hennin", wie ihn die Franzosen nannten, die ^ornljaube, ift bei Edeldamcn wenigstens einen Meter hoch, Burgersrauen müssen sich mit einer Länge von 50 bis 60 Zentimeter begnügen. Dazu kommen noch ellenlange Schleier, mit denen die Hauben dr a p > ert werden. Diese spitze Mütze verbindet sich dann in den 90er Jahren des 15. Jahihunderts mit einer" schon früher getragenen Sjaubenform b’e über bem W«r- kops mit Draht gestützt wird und dadurch breit ausgebauscht erscheint. Der Kopfputz erhält dadurch einen breiten Unterbau der in ein ge. mattiges Horn ausläuft, und die ganze ungeheuerliche Auftürmung wird durch eine breite Kinnbinde festgehalten. Dazu w'-rden noch gewaltige Kissen auf die Köpfe gelegt, die mit Schleiern umspannt waren fo bafc sie großen Segeln glichen und die Damen nur seitwärts durch die Türen gehen konnten. In einem interessanten Modenbiw hat uns Dur r Lehrer, Michel Wolgcrnut, die Kopfputze dieser Zeit aufbewahrt da sehen wir die ungeheuren, turbanartig umwundenen Wen b äroen, drei- und mehrzipfeligen Kappen, die sich schnorkllg und mit b,zarren Verzierungen um die Frisur herumwindenden Kopstucher, die fpitzen Riesentegel, von denen der Schleier bis herab aus die - ~ , Bußprediger eiferten natürlich gegen diese Mode, m der der Teus gar zu deutlich seine Hörner aus dem Kopse der Mo'^r heraussteckte^. Das nützte aber nicht viel, denn die Flauen „handelten 1 spiel der Schnecke, die, wenn man vorbeigeht, die $°rn'r ber wenn sie nichts mehr hört, sie wieder .hervorstreckt "nd sobald der Prediger aus dem Lande fortgegangen war, vergäße f und nahmen ihre alte Tracht wieder auf, ebenso und selbst noch großer, als sie sie srüher zu tragen gewöhnt waren. Aber weder frommes Eisern noch strenge Kleiderordnungen dw z^- nur den Edeldamen Samt und Seide für den Kopspu den Br g^ rinnen schwarzes und rotes Tuch erlaubten, konnten Hs > ■ b(?r Mode selbst vermochte die tollen Geiswr, bie fie 9C1 f ' (r .^ien von den Frauentöpsen und aus den grauentopfen J niebr Anfang des 16. Jahrhunderts erscheint ec, allmählich» als n,cht mehr elegant, Hörner und Hauben zu tragen. Filz-^unb B - , die Männer tragen, werden auch von den iiraue • ■ ©drückt. Das von reichem Federschmuck umwallte Gunst modern. Die Straußenfeder, die sich seitdem immer r i ... der Damen gesetzt hat, tritt als schönster Schmuck auf 3una Lucas ^ anaih und Bernhard Strigel lachen uns solche Frauen mit schieß g lch^ Federbarett an, um 1520 aber scheint der Federhut ) ) . hot lachen Ständen ganz verbreitet' gewesen zu fein. L eßen. Do; ben, piü 1 grauet oft ta eurer fr- jjflt reO tziedl«! Sceftunb »ie Sink bie g««y )os übrige nährt ui» den M gong, lieft k gung amen, N mer, raten n* er Sinv glaubt. I» sind, bg” h sregsl- sogar ein Dienstmädchen mit einem Federbarett am Waschscha,s darge- siellt Die abenteuerlustige, am üppigen Schmuck und freien Leben sich erfreuende Renaissance-Zeit treibt so auch in den Hüten ihr Spiel. Die spanische Mode macht dieser malerisch frischen Kopstracht ein Ende, und sie ist seitdem nur wieder ausgelebt, wenn man sich an die Renaissance anschloß, fo in dem sog. Rembrandthut, den die Frauen des Rubens häufiger als die Rembrandts tragen, der eigentlich nur feine Saskia mit einem solch breiten Hut geschmückt hat, bann bei den geschmackvollen Damen Gainsboroughs, in den ritterlich gestimmten Bildern der Romantik und in dem „Rembrandthut" der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts. Die spanische Mode bringt eine runde, häusig schief aus dem Scheitel sitzende Kappe, die zu dem eng und glatt gepreßten Haar paßt; dem nonnenhasten Charakter der Zeit entsprechend treten Bcghinenhauben und rundliche Stofskapuzen mit langen Schulterkragen auf. Die geschmackvollste Ausgestaltung findet diese Mode in der sog. „Stuarthanbe", die fiel) mit ihren feinen Spitzeneinsassungen in schon geschwungenen Linien und das an den Ohren gepuffte Haar legt und häufiü mit ber fteifen ^Qlsfrouje und auch mit dem Mnntel in binöung gebracht wird. Die Zeit Ludwigs XIV. verbannt eine eigentliche Kopfbedeckung überhaupt aus der Toilette und fchafft in der Fontange ein Gegenstück zur Perücke, bei der der gewaltige hutartige Spitzen- aufputz mit den zu plastischer Darstellung aller möglichen Gegenstände entarteten Coisfüren unlöslich zusammenhängt. . Die niedrigere Haartracht des Rokokos gewohnt sich allmählich wieder an den Hut;'er trennt sich in der Zeit der Marie Antoinette, die bie kostbarsten und überladensten Aufbauten über dem Haar liebte, wieder von der Frisur. Die Revolution entsesselt alle Kobolde der Huttracht; antike Helme mit Girlanden von Lorbeer harmonieren mit der griechischen Tracht; dann erscheinen pikante Tagues und Baretts, bei denen eine Feder oder ein Palmenwedel aufs linke oder rechte Auge meder- fiel; romantische Turnierhelme aus schwarzem Samt erinnern an die Schwärmerei fürs Mittelalter und bilden den Uebergang zur Schute, bie nun auf lange die wichtigste Hutsorm wird. Sie ist bald lang wie em Ofenrohr; steht bald breit aufwärts wie zwei gigantische Scheuklappen hat bald einen flachen langen, bald einen hohen, schmalen Rand und rückt schließlich immer mehr in den Nacken, bis sie von dem winzig kleinen Kapotthütchen abgelöst wird. Damit wollen wir unsere Betrachtung abschließen und uns nicht mehr in das Chaos der Hutsormen nach 1870 hineinwagen, die uns zum großen Teck noch heute — oder heute schon wieder — vor Augen stehen. Karlsbader Novelle. Bon Erwin Guido K o 1 b e n h c y e r. Copyright by Verlag Georg Müller, München. (Fortsetzung.) Er meinte, als sie unter der Kirchenstiege an dem Häuschen voruber- komen aus dem die Salzpfannen dampften, die ihrem Doktor Becher so viel Mißgunst seiner Mitbürger eintrugen: „Man soll nicht allzuschwere Philosophie an bie Leute "»enden, lieber Goethe. So lange sie einem Handwerk treu bleiben werden sie sich n d)t an das Fremde verlieren. Handwerk ist auch em Stuck Boden subtcker, imaginärer vielleicht als der, über den der Pflug geht, aber doch auch C,KIto'berichtete Goethe seinem Herrn, indes sie auf dem Platze vor dem Spriidelsaale langsam auf und niederschritten, um noch eine kurze Wecke hinzubringen, von den Widerwärtigkeiten, die man dem berühmten Arzte und Gelehrten bereite, dessen Dach sie sehen konnten, und er kam zu etwas von der Leichtfertigkeit des Spieles, das eine geheime Angst überdeckt, an die niemand rühren möge. Wir gehen hiernid)t auf Selsgrunb ober gewöhnlichem Boden, wir gehen auf einer Tofffchale, die ver damm niidie Quell sieb selbst überwölbt hat. Sehen Sie unter bem Steg, ein Balken- und Mauerwerk im Fluhbette. Man sucht den Ouellgeist ein- ziimauern, sein Gewölb vor Erosion zu bewahren daß es nicht allzu dünn werde. Und doch ist man seiner nie Herr und f^er geworben. Da, Cimeih rahllofer Schock Eier hat man unter ben Kalk gemengt, ein Zement besonderer Festigkeit zu gewinnen, aber aller Kitt "erjagt Da iieru hie aeheimste Angst dieser Bürger, die nie erlischt. Und eine andre, 3 m nd r quälende: es könnte ber Zuzug der Gäste stocken ober verbogen, die andere Quelle des Wohlstandes, ebenso ungewiß und-wed, heiße Wasserader einem unlentbaren ed)icf|a!e überantwortet. Seit Doktor Becher hier Salz siedet, ist man hmter ihm her, und 'will d'e Bürger beruhigen, lieber ben Salzverschleiß und seine Ausfuhr ftecte tie die Köpfe heimlich zusammen, weil weder tätliche Bedrohung noch Schmähschrift und Beschwerden fruchten, denn der Doktor hat seine erlauch- trn ^Liine^m Wiern^^ bo$ ga[,i)aii5 sehen, »nd Goethe wZcsden Lakaien an, der ihnen gefolgt war, daß er von dem Doktor den 'edyluffel unb eine Person verlange, bie ihnen zur Ertlarung dienlich sei. Im Sudhause lag ein verdecktes Wasserbehaltnis, etliche Ellen lang und breit eine Elle "hoch, aus Brettern ^gefugt. Zehn mäßig-große, verbleite Blechkessel waren in ben Deckel eingelassen und genau angepafcL das ständig zu- und abströmende Sprudelwasser, bas sie umspülte, )oU e nicht erkalten. In den Kesseln, von einer leichten Kalkhaut bedeckt, dampste 605 EG Kesst? verdampfet in Tag und Nacht zwanzich Seideln, des gibt >mo" Lot Salz, alsdann geben alle zehen auf ein Jahr dntthalbhunnat Lot" erklärte der Diener des Doktor Becher, sehr um eine wohlgefetzte Spräche bemüht. Doch er setzte vertraulicher hinzu: „Des is fei a Brockn Geld halten zu Gnaden, bie Herrn Exzlenz. Sie hielten zu Gnaden, gaben ein Trinkgeld und entfernten stch unter weiteren Betrachtungen über die sonderliche Natur des Sprudels und ber Menschen, bie er aus seinen Karlsbadern gemacht hatte. Men ist mir die Einwilligung de^Dresdner Kabinettskanzlei zugestellt, * danach ich die Schneeberger Gruben befahren darf. Ich werde Dich also bis dahin begleiten können. Für den Abend habe ich mich von allem losgesagt und weiß durch die Waldner, daß Du dem Konzert nicht beiwohnen wirft. Ich will gleich zu Dir kommen, Geliebte, f-er s nur aus eine Stunde. Unsere Zeit — wäre sie doch ganz unser geworden — geht zur Neige Die Fahrt nach Schneeberg noch, und dann, Lotte, will ich für manche Woche verschollen sein. Daß ich Dir zeigen konnte, was Du mir bist, daß ich Dir alle Liebe zeigen könnte!' Die Frau Oberstallmeisterin war von dem Schreibsekretar, auf dessen Platte die erste Seite eines Briefes trocknete,, ans Fenster getreten, indes der junge Vogel aufmerksam wartete. Sie sagte halb abgewendet m den Abend hinaus: ,Zch lasse den Herrn Geheimrat bitten, lieber Vogel. Und der herzogliche Geheimkanzlist Vogel schlüpfte durch die Tur, nahm je zwei Stufen der Treppen auf einmal. Es galt einen Abend ohne Papier Feder, Tinte, Lichtfchere und frei von dieser stockenden, sonoren, selbstsatten Stimme, die ihn bis in den Traum verfolgte. Davon und in den Umtrieb flanierender'Gäste: hinter Bürgertöchter her,,die unter dem Lichtzünden Arm in Arm über die ,Wiese' und den Ring spazierten, während die Alten einander in den dunkelnden Stuben heimsuchten — fpäter bann art den ^Röfyrtaften öorbei, n>o die MäZd^ Söaflcr yatten! Auch hohe Herren verschmähten das nicht. Charlotte hatte sich ans Fenster geletzt und nahm die Nadelarbeit, die enden, Kleid, Haarband und Brusttuch in Ordnung zu bringen. Er kam ohne Hut und Stock. Der .Goldene Strauß' und die .Drei roten Rosen lagen nur durch ein Haus und ein Gäßchen getrennt. Er zog ihre Hand an die Lippen und drückte sie, die zarte, leis« wehrende Hand, als wolle er einen Schmerz bannen, an seine Stirn. „Mein Freund ...?" Er gab sie frei. ,Laß mich eine Weil« in dem Atem sein, der dem Zimmer füllt; ausruhen, mich finden. Da draußen verliere ich mich nur." „Du kannst dich nirgends verlieren, Lieber. — Aus einem nüchternen Grund: weil du dich überall selbst suchst." „Ueberall! Immer draußen, außer mir." Er lehnte sich an den Sekretär, sein schmales Gesicht war abgespannt doch beherrschter, als seine Worte klangen. .Als sei unser Eigenstes nicht mehr bei uns! Aber dort, wo mir es suchen, ist es niemals zu fassen, als griffen wir nach Wolken. Wir jagen unserem Urbild« nach so qualvoll, wie die Pflanze heiter und sriedsam dem ihren nachwächst. Das scheint mir eigenstes Verhängnis der Menschen. Ein göttliches Verhängnis vielleicht! — Könnten wir je erreichen, was vor uns schwebt, ich glaube, die Welt müßte still stehen, und Gott hatte sich wiedergesunden, dieser verausgabt« Gott! So mag «s eine Sehnsucht Gottes sein, unter der wir leiden." Charlotte hatte sich ns Fenster gesetzt und nahm die Nadelarbeit, die zufällig vor ihr auf einem Tischchen lag: sie fühlte, daß beruhigende Zeichen nottaten. Er sah nur ihr zartes Profil und es schien so jugendlich, daß ihm das Herz vor Verlangen schwoll, gut zu ihr zu fein. Sie sagte still: „Du hast in den letzten Tagen jede übrige Stunde dorthin gewendet, wo du nicht mehr bist. Herder hat mir gesagt, wie schwer es dir wird. Darum sindest du dich nicht. Du bist noch nicht alt genug, dein früheres Leben in ein Sammelwerk einzubalsamieren und dabei still zu werden. Aber Herder ist voll von deinen einstigen Geschöpfen; er liebt sie mehr als du." .... Goethe berichtete: „Werther ist gebessert, alles was Kestnern kranken könnte, ist behoben. Gebe Gott, daß es nun gut geraten sei! Götz ist zu Ende, die Mitschuldigen, Clavigo, die Geschwister. Sei es auch gut, wie es sei. Ihr werdet euch zufrieden geben. Aber da stehen die andern: Egmont, Tasso, Elpenor, Faust! Torso bei Torso, von Wilhelm Meistern zu schweigen. Und sie starren mich an. Die sind mein Gleichnis. Darm fiiide ich mich: Stückwerk, Verlangen nach Erfülltheit. Und es ist mir, als könnte ich sie nie beenden. Du hast recht: weil ich ein anderer bin seither. Soll mein Gewissen nicht rege sein? Ich, der ewig Entfremdet«, lege Hand an das, was Wachstum eines überlebten Lebens ist! Ich bin ihr Ursprung nicht mehr, also werde ich weiterhin lügen müssen. — Und überall sonst? Wo bin ich denn noch? Wo ist mein Teil am Herzog hm- geraten, wo an Herdern, Wielanden, Knebeln? Mit Lavater bin ich bis in die letzte Faser zerfallen. Du, du einzige, Lotte, mußt mich noch enthalten!" Er näherte sich ihr, ihre Hände ruhten im Schoße, sie lehnte sich lauschend zurück. „Daß du nie müde werden kannst!" „Ich bin's müde, Lotte, ich bin's." „Ja, du bist's, um andres zu wollen. All dessen bist du müde, was durch dich hindurchgegangen ist, aber all des andern bist du voll Verlangen. Begierig bist du, müde nicht!" Er war nahe daran gewesen, sich vor ihr niederzuwerfen, seinen Kopf in ihren Schoß zu legen. Aber diese kurze Wechselrede brachte ihn zu sich. Er ging einige Schritte in die Tiefe des Zimmers. Dort blieb er stehen und sagte zu dem Schattenriß des Kopfes vor dem Fenster: „Ich habe mir das Karlsbad dieses Jahres anders erhofft. Das schmähliche Warten in Weimar hat mein« Erwartungen Überspannt. Was ist auch geworden? Tag für Tag in den Gärten, in der Allee, in den Sälen, auf dem Schiebhause. Der Herzog will feinen Hofstaat. Mit allen andern hätte es ein ruhiges Leben sein können. Die Lengefelds, Ziegesars, Herder, Linchen und Gustl, di« Waldner, die Imhoffs, si« wären ein stiller Kreis geworden, selbst die Asseburg mit ihrer preußischen Zunge und die Lanthiery mit ihrer Schönheit hätten sich darein gesunden — und du, du wärest mir für manche gute Zeit gebtieben!" Er ging, die Hände auf dem Rücken, hielt ein, ging. „Wär' ich nicht zwei, drei Male mit dem Professor Titius und dem Räcknitz entkommen — etwas Botanik und Gesteins- welt — ich wäre des Hofs nur für den Verleger ledig geworden. — Jetzt sitzen sie im Böhmischen Saale, mir sind nicht dabei, Lotte! Freut es dich nicht?" „Nein, Lieber, ich wäre mit ihnen, wenn ich heut« Musik vertragen könnte." , „ _ Aber er wollte nicht wahrhaben, daß sie unpäßlich sein könne. Er war bei ihr, sie sollte sein Herz fühlen, das voll und bang war. , Musik!" Er wischte das Wort in der Luft aus. „Kann dir ein Quatuor der Czinskischen Musikanten oder ein Arie, etwas Tee oder ein Tanz so viel sein wie die Stunde, die uns allein gehört?" „Warum schlägst du alles in eine Schanze, als müßten die Würfel über uns fallen? Wir werden noch viele Stunden haben, du Lieber, die Musikanten der Czinfka aber gehen mit ihr und sie sind remarquable in ihrer Fertigkeit." „Sie probt für ihr Fest — übermorgen wirst du von den Leuten genug hören." ,. „Eine Tyrannei! Ich weiß, was dir fehlt: war« der Herzog nicht gekommen, so würde Goethe seinen Hofstaat haben." Er lachte, hell und versöhnt, und sie beugte sich auf die Arbeit nieder, daß er nicht merke, wie in ihr Ernst und Neckerei die Waage hielten. „Dann wärest nur du die Herzogin, Lotte." „Nirgends kannst du der Zweite fein, das ist es. Lache, lache nur. Und schon lachte er nicht mehr, er antwortete: .Ich bin stets hintan. Nicht einmal den Zwischenkieserknochen will man mir lassen; auch darüber sei ein Franzose zuerst gewesen. — Der Erste sein, das gilt Genie, der Bedeutendste fein, nicht. So ist es im Leden, so ist es im Staate. Das hab' ich neulich — du warst am Tage früher ab gereift — an dem Marschall von Holland, dem Herzog Ludwig, just gesehen. — Schade, daß er nicht regierender Herr war! Wer sich mit Administration abgibt, ohne regierender Herr zu fein, der ist entweder ein Philister oder ein Schelm oder'ein Narr. Der Marschall war nur des Prinzen von Dranien Verstand, nun haben sie ihn zum Teufel geschickt." „Dich schickt man nicht zum Teufel." „Nein, lieber fährt man selber nach Berlin." Jetzt lachte Charlotte. . „Bald wirst du dich entledigt haben", meinte sie, „und dann wird unsere Stunde um fein. Ober wird sie dann erst kommen?" Er ging mit raschen Schritten zu ihr, aber sie beugte sich über die Arbeit, als wolle sie Herz und Hände schützen. Er sah auf die leicht- gepuberten Locken nieber, die in ihren zarten Nacken fielen. Sie hatte den Faden aus der Nadel gezogen und trennte die letzten Stiche auf, sie mußten ihr mißraten sein. Er hörte: „Bis nach Schneeberg fährst du also mit. Der Herzog hat mir einen Wagen geliehen. Es ist die alte, auf den Schnitt vergoldete Berlin« mit den wackeligen Fensterrahmen an den Türen. Im Magazin an der Brauhausgasse ist sie eingestellt; wir sollten sie besehen lassen." Goethes Mund wurde dünn. „Ich will mit dem Stallmeister reden, morgen, er ist verläßlich. Meine Chaise hat in Eger repariert werden müssen und ist zurückge- gangen. Ich werde von hier nicht mit eigener Gelegenheit fahren. Es ist mir leid darum, daß ich dir nichts anbieten kann. Auch Seibel bleibt in Weimar zuhause; ich werbe ohne Diener sein." „Ich weiß. Auch unter srembem Namen wirst du. reisen. Du versteckst dich gerne." „Kein Versteck." Er fügte langsam hinzu: „Man soll nicht viel reden von dem, was man vorhat. Worte versuchen das Schicksal, Worte wollen bannen und verpflichten. Man soll nicht einmal den Namen an bas knüpfen, was man vorhat, die Widerstünde des Geschicks nicht wecken." Charlotte antwortete nicht, er mußte weiter: „Uns ist freilich das Wort schal geworden, Scheidemünze, nicht werk, was auf der Prägung steht. Aber Rebe, Wort finb mehr. Völker, die noch unabgefunben finb, wissen barum. Man soll kein Schicksal feftlegen wollen. Ich werbe unfrei, wenn ich von dem spreche, was werden soll. Das innere Wachstum ist bann gestört, und dort ruht unser Geschick." „Du willst dein Versteck nicht verraten." Goethe wandte sich ab, er fühlte seine Befangenheit vor ihr. „Das sollte meine Lotte nicht sagen, die mein Herz kennt." „Ja, mein Goethe, die es kennt. — Aber unsere Zeit ist bald um. Du solltest uns aus deiner Iphigenie lesen; bann werben wir alle bei dir fein. Morgen mußt du es tun: übermorgen ist bas Fest, unb um einen Tag weiter finb wir nicht mehr ba.“ „Sag's den andern an, das Zimmer in den .Drei Rosen' ist groß genug." „Goethe befiehlt seinem Hof." „Es ist auch dein Zimmer gewesen, Lotte." Er wich von ihr und setzte sich abseits; sie schwiegen eine kleine Weile. Dann legte sie die Handarbeit ab und schellte. Minchen brachte die beiden Kerzen und ging. Charlotte legte den Brief vor ihn auf den Tisch. „Ich habe an Stein wegen der Meinen' geschrieben. Eine Torhett, für die Werthern zu bürgen!" „Daran wird Stein nichts bessern", meinte Goethe, las aufmerksam unb gab etlichen Rat. Sie sprachen von dem Gute Kochberg, wo Charlotte den Herbst verbringen wollte, unb von Fritz, ihrem Liebling, Der mit Seibel in Goethes Haus wohnte. Was sollte mit Fritz werben? „Ich kann Fritzen biesmal nicht bei mir haben. Seibel wird gut für ihn sorgen; er weiß alles um mich unb ist treu wie keiner sonst." „Deine üibimierte Kopie — so heißen sie ihn." „Mögen sie ihren Spott haben! Ich weiß, was er mir ist, unb auch du halte ihn wert." (Fortsetzung folgt.) Verantwortlich: Dr. HanS Thyriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch» und Eteindruckerei. R. Lange, Gießen.