15 ii'ur nd«. ij In b(t H id)l n g r nidu Ij Jungt« R ui mir ; i inch | J und)«, H euren || n unb || fr mit l5 r W l| m Inili ii Rchell nit bk | als ts I l'ufldn, I iininlen | Kaffee-1 icnnidjl D Ion un I] mrebtn I i lasen I ba mit Wer |o ll nldjl, n (djon uon’n । in rooll Mulje. i ■n unb rt. 3d) | ich ein’ , ständig, b[l, ein I wir b« In ble s) unb । erjeußt. anbern 1 lub ich wch die ’n. Den ’N wai ust!«*• rb buch reunbln DOS Cf’ ’N, alles slerzehn er noch hl. Und fiel, al» । walle, tar ra" )u ineb' Stunbcn itn no>n rbarl u" ner 3"' Üßaiibo, ,e, bann Storni' un i»lr pi«»** I nahm > * ,0hl «* «e e " le Wa'b ’fonmien in 1 5j •ft?"«! blei» SieSenerSamilieniilätter Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger Nummer 22 Zreitag, den 18. März Jahrgang (932 Türmerlied. Bon I W von Goethe. Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt, dem Turme geschworen, gefällt mir die Welt. Ich blick' In die Ferne, ich seh' in der Näh', den Mond unb die Sterne, ben Walb unb ba» Reh. So seh' ich allen die einige Zier, # und wie mir » gesallen, gefall’ ich auch mir. Ihr glücklichen Augen, was je ihr gesehn, es sei, wie eo wolle, es war doch so schonI In jenem Vas Krühstück auf der Heideksburg. Eine Anekdote von Wilhelm Schäfer. mißmutigen Sommer, da die 51'urfürfHn Sibiiia non. Sadjfen sich tapfer in Wittenberg wehrte und dem finsteren Alba die Tore der Lulherstadt nicht eher ausmachte, als bis ihr gefangener Kurfurs es fett.er befahl: behielt noch eine Frau und Fürstin den Mut, deii Männer verloren. Denn als da» spanische Heer danach Über Thüringen kam, wollt die Gräfin-Witwe Katharina non Schwarzburg verhindern, baß Ihrem Land durch'das fremde Kriegsvolk Schade geschähe. Obw vH Prolesta ntiu erwirkte sie doch einen Schulzbrief des Kaisers, und wollte dafür dem Heerhausen, der bei Rudolstadt über die Saalebrucke ginge, Nahrung und Trank liefern, so gut wie sie vermöchte. Als aber das spanische Heer an der Saale herauszog, hatte sie eilig die Brücke bei Rudolstadt abbrechen und eine /Meile oberhalb der Stadl ausschlagen lassen, dast ihr die ungebetenen «»ft« nicht «''dunahe kamen, weil, wie sie sagte, der Wolf im Schassstall gesohrlicher wäre als braußen! So sah der Herzog von Alba, als er mit dem Herzog von 'Braun- schweig an der Spiste des Heeres ankam, wohl eine standsefte Brücke, aber keine Stadt oder Burg, zu der sie führte.nlcht anders cüs ob die Äraste sich über Rackst in die Felder verlausen hätten. Sollen wir unstri -Wahl zeit aus dem Bettelfack hallen, wie die Franziskaners fragte er lkolknd, unb weil der Herzog von Braunschweig des lia nde »k u ndiger war ! eßen sie einen Boten nach Rudolstadt reiten, sich auf der heideksburg zum Frühstück anzusagen. , , Die Gräfin Katharina, als ihr der Reiter vor Aug«n kam und war ein Edelmann des Herzogs von Braunfchweig, de »der 'tarfe 'durch den sonnigen Morgen erhstst batte, lies) ihn wohl fPfr^n, daft selber zustande, sich Gäste zu laben; aber sie gab ihm Defcheio. nicht ohne noch einmal den Schustbrief des Kaisers zu zeigen: was ihr Haus in der Eile vermöchte, wolle sie dennoch auslragen kiffen! Und wie sie versprach, so lies) sie geschehen: noch dritthalb stunden da» Wächterhorn rief und die beiden Herzöge m l bem w otge gegen die steile 5xideksbura ritten, sanden sie oben alles gerüstet zu ihren Empfang. DieKrippenware'n gefüllt ür die Pferde uu ^r hauchvf- leister führte die Herren aus dem wohlbewehrten; Burghof die steinerne Treppe hinauf in den Borsoal, wo die Gräfin Katharina sie nach der Sitte begrüßte, und wo nebenan das Fruhmahl a f bereit war. . . , Sie war schon über die Jahre ihrer Schönheit hüiaiis und im Wl Kleid ihres Witwenstandes nicht eben eine ^rau, Männern ' ^u gefallen; aber ihre muntere Art, die Wirtin öu machen, st . bald den mißlichen Umftanb vergessen, au» dem sie irost chrer verwan^r ten Brücke doch auf der heideksburg waren. An der Tas l saß ihr finstere Alba zur Rechten, der srichiiche Braunfchweiger zur ^n'eii. ats hielten sie ba ihr zu Ehren ein Fest, unb roo» ble Diener auf bertten Schüsseln zu lisch brachten, sah nicht gerafft au», «enug ben Krügen und Steinwein in bauchigen . afchen ©oba))Oer je » a von Braunschweig statt in der hist« zu reiten in der K"hle zu fisten schwor. Da die freundliche Bas«, wie er sie spöttisch benannte, so reichlich gesorgt hätte, möchte er, wenn eo dem Herzog Alba nicht eile, über ben Mittag gern einen fröhlichen Trunk statt einen scharfen Ritt tun. Da sie als Mutter de» Lande» den Schustbrief des Kaiser» besäße — gab dem Herrn Vetter die muntere Gräfin Katharina zurück — molk le gern und gewiß die unerwarteten Gäste nach Ihren Ehren und Wtin chen behalten, solange eo ihnen beliebe, auch wenn dem Herzog von Alba, wie sie wohl sähe, nidil alles behage. Das wiederum ließ der Alba nicht gelten; und well der flinke Zulauf der Diener die leeren Schüsseln gleich wieder gefüllt brachte, auch wehte e» durch die Fenster kchlllch herein, unb das Bier war gekühlt: sahen die Gäste sich gern in die Rast de» heißen .Tage» genommen, al» ob e» kein Krieg wäre, daß sie bafäßen, und Ihre muntere Wirtin war eine Protestantin. Darüber geschah es — ba» Mahl ging zu Enbe, und ble Becher waren schon mehr begehrt als ble Teller - daß der Haushofmeister bestürzt in ben Saal kam, der Jjerrln heimlich zu sagen, draußen stände ein Boie. Die Gräfin erhob sich alsbald unb bat Ihre Gäste um Urlaub; wie sie hinauskam, staub ein Reitknecht Im Borsoal mit böser Nachricht au» breien Dörfern: ba» plünderische Kriegsvolk risse ben Bauern ba» Vieh aus bem Stall unb bedrohe bie mit dem Schwert, ble sich wehrkn! heißt bas dem Kaiser auf spanisch ben Schustbrief halten? sagte die Gräfin gleich mit zornsunkelnben Augen; und Io rasch sie ben Gästen ba" Frühmahl gerüstet hatte, so rasch sie bereit war, onbere Schüsseln auftragen zu lasten: in aller Eile gab sie Bescheid, ble festen Tore der heideksburg heimlich zu sperren, und all ihr Gesinde solle sich wassnen; den Restknecht jedoch hieß sie warten. Al» sie dcknach In ben Saal zurück kam, blieb sie nicht allzuweit von ber Tür stehen. Der Haushofmeister winkte bie Diener hinaus, unb als ble Gäste ben Umstand bemerkten, begann sie redlich zu klagen, ihr würde ber Schustbrief de» Slaifer» übel vertan! Da manbten ble spanischen Herren spöttisch ble hageren Köpke nach Ihrer zornigen Wirtin unb ber Herzog von Braunschweig, ber schon im Wein war, winkte ihr ab, mit beiden Händen erschrocken, den Alba nicht also zu reizen. Der aber lachte zum erstenmal an hem Morgen, böse unb hart: das fei nun einmal ber Kriegsbrauch! fugte er kurz. Hub kein Grund zu plärren! fügte ber Braunschweiger hinzu. Die Base möge sich mieber auf ben Stuhl festen, statt ben Fürsten mit Ochsen zu stören! Aber bie Gräfin Katharina sestte sich nicht, die eine Fürstin von Henneberg war unb also ans einem wahrhaft gefürsteten Geschlecht. Den Schustbrief de» Kaisers In Händen, trat sie noch einen Schritt vor gegen den Herzog von VIIba: Solcher Kriegsbrand) möge in Spanien Reckst lein, in Deutschland müsse ein Kaiserwort gelten! Entweder erhielten ihre Bauern ben Raub zurück ober — sie streckte ben Gästen mit beiden Händen den Bries hin, al» wäre ba» Pergament ihr Gesicht, unb ble Abern am halse schwollen ihr an, so hob ber Zorn chre Stimme: dürften blut für Ochsenblut! rief sie laut in ben Saal, den sie nach diesen Worten schwelgend verließ. Und sllnk wie vorher mit ihren Schüsseln tarnen die Diener, aber sie hielten das Schwert in ber hanb. Und jeder stellte sich schweigend hinter den Stuhl seine» Herrn, indessen sich hinter ihnen der Saal mit Bemas» neten füllte. Es mürbe darnach so still um ble Gäste, baß sie ben wind rauschen horten brauten im Tal, während sie hst-r in ber festen wbeto- bura faßen, fern von ber Brücke, barüber bas Kriegsvolk ba» Meh der Bauern trieb. Und ob e» eine wilde Unmöglichkeit schien, baß die Gräfin bas Wort wahr machen könnte, sich und dein Laub zum Berberben, ble Stimme der zornigen Frau hatte zu schritt in ihren Ohren geklungen, unb sie waren in ihrer Gewalt. Da aber stand der Herzog von Braunschweig ans, unb ble halboffenen Aeuglein feiner Wetntrunkenhett sanden da» Loch In ber Falle. Er lachte aus vollem halse über ben herben Spaß seiner Base unb brachte ber tapferen Laudesmutter ein Glas. Und ob ber Alba ihn böse miblirfte, er musste sich zu ber Vernunft de» trunkenen Herzog» bekennen und seinem Spruch mürrisch Beschelb tun. Nickst lange, so kam bie Gräfin Zurück in den Saal, unb der VIIba gab ihr sein spanische» 'Wort zu beul Schustbrief bes Kaisers, hieß auch einen Herrn beo Gefolge» hinabreiten, ben Bauern sogleich ihr Recht unb ihr Vieh zu verschaffen. Darauf wichen die VWänbe rasch zurück der gewassnelen Leute, bie Diener tauschten die Schwerter geroanbt mit ihren »rügen. Auch sestte bie Gräfin sich wieder auf ihren Stuhl zwischen ben Gästen, die muntere 'Wirtin zu spielen. Aber nun hatte der Herzog von Braunschweig dennoch die Lust au bei Base unb ihren Späßen verloren. Unb auch dem sporn schen Herzog wurden bie Wände kühl. Sie dankten höMch unb gingen hinab zu ben Rossen, bie auch ber Krippe genug hatten. Unb ritten danach von ber heideksburg nieder, als märe ba» Mahl nur ein Mittagsspuk unb die Gräfin Katharina von Schivar',bürg sein Teufel gewesen. Erudition wurde ausgerüstet, Flugzeuge kreuzten über Gebirgen und Wäldern um das Versteck Sandinos auszukundschaften: aber wenn d>e Ntn>-banie'rikaner es am wenigsten vermuteten, brachen die Frcischaren Rnnhinne nus einem Hinterhalt hervor und brachten den Truppen schwere Verluste bei. Dann verschwanden sic wieder, verstreuten sich m, Urwalde nVrfWton tick in flöhten in Indianerhutten und waren doch jeden -Hugen- 6*3 bereit] bem Ruf des Führers zu folgen und wieder m den Kamps 3“ Sibino kennt keine Verräter, obwohl sein Llnhang bunt genug zusammengewürfelt ist. Zu Sandino stohen nicht nur fanatische, opferwickge Vatricken aus Mexiko, Zentral- und Südamerika, sondern auch G ucko- lncker und Desperados aus aller Herren Länder. Ein früherer deutscher Ofsirier ist einer seiner strategischen Berater, ein Spanier ist sein Ae-iutant, und chqar ^einige Nordamerikaner, denen der Boden in der Henna u beiü geworden ist finden sich in feinen Scharen. Hinter Sandino stehen aber noch andere Kräfte, nämlich über ganz Lateinamerika verbreitete uankecfeindliche Organisation der „Apra", d,e den spanisch-mdlamsehen Rasseqedanken in den Vordergrund ihrer Bestrebungen stellt. Reichnch fliehen von allen Seiten General Sandino Geld und Massen zu. Ueber San Salvador hängt der Schatten Sandinos. Eine Revolution ist ausqebrochen nordamerikanische Kriegsschisse ankern nn Hasen, bereu, Truppen zu landen. 5000 Tote sollen den Boden bedecken Die Parole der Aufständischen lautet: Tod den fremden Ausbeutern Tod ihren Dienern, die iick in den Sold des Dollars gestellt haben und ihr Land verraten. Ueber 200 der besten Kasfeeplantagen und über 1000 Quadratkilometer Bananenpflanzungen in San Salvador und Guatemala gehören den Nordamerikanern, der allmächtigen Fruit Co. in New Orleans, deren schneeweiße Dain'pser die kleinsten Häfen Mittelanierikas anlaufen. Die Indianer aber, die als Peone und Halbsklaven auf den Plantagen arbeiten, wachen aus ihrem Fatalismus auf, ihre wilden Instinkte werden geweckt, sie hören den Freiheitsruf und lehnen sich gegen ihre Herren auf E n Drama spielt sich dort unter dem glühenden Himmel der ^open ab, em Drama, über dem soeben erst der Vorhang aufgezogen ist. Es ^nwchch, das, der Funke der Revolte auch in den anderen Staaten, in Costa Rica und Panama zündet, denn überall sind die Bedingungen dieselben, und nur Kirchturminteressen der jeweils herrschenden Präsidenten und unnatürliche Grenzen scheiden die Länder voneinander. Die Indianer beten zu ihrem Gott „Mundo", und die Medizinmänner versammeln sich auf den Gipfeln der Krater, bringen ihre nächtlichen Opfergaben dar um aus der Fronherrschast erlöst zu werden, in der sie nun durch Jahrhunderte geschmachtet haben — aber schließlich sind cs weder die Indianer noch die spanischen Kreolen, die das Schicksal ihrer Heimatländer bestimmen, sondern es sind die mächtigen Nordamerikaner, deren Kriegsschiffe bete.tu im Hafen von San Salvador ankern. Go machen es die Chinesen. Von Norbert Jacques. Als Anfangs des 16. Jahrhunderts England und Portugal nut Gewalt China ihrem Handel eröffnen wollten, haben die Chinesen mit Hilfe ihrer Gilden und Geheimbünde sich abgeriegelt, und noch heute kann der fremde Kaufmann nur mit Hilfe des chinesischen Mittelsmannes, des Compradors, auf den chinesischen Markt gelangen. . Gegen die Japaner aber hatten die Chinesen in dem letzten Zeitabschnitt diesen Abschluß bis zum Boykott verstärkt. Dieser Boykott wurde für Japan ein willkommener Vorwand zu dem begonnenen Versuch, mit Kriegsgewalt sich in den Besitz der Jangtsemündung zu setzen und damit China zu einer Art Kolonie von Japan zu machen. Der Widerstand, das Feuer, die Verbissenheit, mit der die „Mittelalterlichen" Chinesen sich gegen die „modernen" Feinde wehren, hat uns in Europa überrascht und mit Genugtuung erfüllt, denn row haben stärkere Bindungen an den Adel der chinesischen Kultur, als an das Emporkommcnwollen der japanischen Wirtschaft, und es wird jetzt wieder viel gefragt: „Wer sind die Chinesen? Was sind sie? Ich möchte zur chinesischen Psychologie einen Beitrag geben, zusammen- qelegt aus Betrachtungen, die ich auf einer Reise durchs Innere bis an die Grenze des Tibet gefanimelt habe. Zunächst erstaunt dann uberra cht, dann gepackt und geradezu beklommen, stellt der fremde Reifende fest, daß die Chinesen alles anders machen als wir. Wohl zeigt manches Nicht den Unterschied des Wesens, sondern nur einen solchen von Entwicklung und Zeit wie etwa der hohle über Wasser ausladende Bau der Schisse, die unserem mittelalterlichen Schissbau noch angeglichen sind. Aber die Gegensätzlichkeiten reichen meist über diese Gebundenheit hinaus. Um bei grundlegenden Dingen anzufangen: ,, _.. Dcr-Chinese baut das Dach vor dem Haus und macht die Türen rund. Er kleidet sich von innen nach außen, d. h. er zieht gegen die Kälte nicht Kleider unter die Kleider, sondern drüber. .. Immerhin vermag man in diesen beiden Tatsachen Grunde der Herkunft zu erkennen. Unter dem fertigen Dach ist das Weiterbauen geschützt. An einer runden Tür stoßt man sich weniger leicht cn, als an einer eckigen. Zieht man die Anzüge übereinander, statt Hemden, Jacken ufro. unter den Anzug, so kann man auch in der Gesellschaft im Handumdrehen (eine Kleidung der Temperatur anpasscn. Weshalb der Chinese auch sagt: Es ist drei ... vier Kleider kalt. Aber schon die Sache mit der Hose geht gegen unsere Ordnung, denn in China trägt die Frau die Hosen sichtbar, der Mann aber immer einen Rock drüber. So widersprechen auch fast alle gefellschastlichen Sitten den europäischen. Ein Chinese sagt zum Beispiel nicht: Mein Onkel der General Peter Schmidt, sondern Schmidt Peter, General, mein Onkel. Beim Grüßen schüttelt er sich selber die Hand. Empfängt er Gäste in feinem Haus, so setzt er sich rasch die Mütze auf, zieht allerdings die Brille von der Nase. Der Diener schreitet ihm stets voran. Der Gast findet seinen Ehrenplatz an der linken Seite des Hausherrn. Beginnt er aber die gereichte Tasse Tee wirklick zu trinken so wird geglaubt, er habe genug, unb man befiehlt den Tragstuhl. Beim Wettspiel im Klub muß der Chinese trinken, der verliert. _____ Vor Ostern. Don Richard von Schaukal. Ich bin am-Bach gewesen. Er ist stumm, Sonst ging der Schnee in (einem Rieseln um. Die Bäume stehen noch ganz starr und nackt, sie ächzen, wenn sie nachts der Sturmwind packt. Im Garten aber längs dem Gittertor strebt an der Hecke grüner Hauch hervor. Und manchmal zwitschert's so vom Hang ins Haus, als richteten sie eine Botschaft aus. Und Primeln find schon da und Veilchen auch, ■ es duftet leise nach bescheidnem Brauch. Die graue Lust ist leicht und dürftig-rein: es kann nicht mehr so weit zum Frühling sein. Land der Abenteuer. Von E. v. Ungern = Sternberg. Alljährlich kreuzen Hunderte von Dampfern Über die Wasserbrücke zwischen dem Atlantischen und Stillen Ozean. Die Passagiere sehen das bunte Sieben von Panama, bewundern die ie^nischeu Wunder der Schien-. [en bei Gatun, werfen einen Blick aus die Pracht der .ropischen Walder, an denen sie vorbeifahren, auf die Kaffeeplantagen, die Europa die kostbarsten Sorten liefern, unb gleiten dann wieder m die Unendlichkeit des Ozeans hinaus. Zentralamerika, das Land der Indianer, das Land der Abenteuer mit seinen Revolutionen und blutigen iZreihelts- kämpfen, Hai sich ihnen nicht erschlossen. . Freilich wenn der Fremde nach Guatemala ober nach einem der anderen Kleinstaaten Mittelamerikas kommt, so merkt er wenig davon, daß es eigentlich die Indianer sind, die die Grundbevolkerung bilden, er fiebt sie als Arbeitssklaven auf den Plantagen, sic erscheinen ihm geistig träge unb sinb in der Nähe der Kulturzentren dem Alkohol verfallen Hier wirkt, wie auch in den anderen ibero-amenkanifchen Landern, noch immer die Einstellung der früheren Konquistadoren nach, die die eingeborenen als „Oente sin Razon“, als Menschen ohne Vernunft, betrachteten unb behandelten. Weiter ober im Hochland, im Dickicht der Wälder kann der Besucher noch manches Lederstrumpfabenteuer erleben. Der letzte große Jndianeraufstand gegen das Fronjoch der Weißen unb Ladinos fand 1898 statt. Die Chujindianer überfielen Hunderte von Weißen, banden sie an den Marterpfahl und ermordeten fie. Das Straf« bericht war furchtbar, jo blutig, daß die Indianer seitdem keine größere Erhebung wagten. Und doch, nach 1917 fielen mehrere Weiße, darunter auch zwei Deutfche, Klaudius Bornholt und Otto Kreß, einem UeberfaU der Indianer zum Opfer. Sie hatten eine Besteigung des Vulkans Santa Maria in Guatemala unternommen, auf dessen Gipfel die indianischen Zauberer und Medizinmänner ihre Versammlungen abzuhalten pflegten, hort hatten die Weißen einige dem Dämon Sejemit geweihte Gerate in Unordnung gebracht und dadurch die Rache der Indianer heraufbcfchworen. In der Nacht wurde die Gruppe von Indianern überfallen und überwältigt. Die indianischen Dpferftätten findet man über ganz Mitteiamerika, meist in unzugänglichen Wald- und Gebirgsorten, verstreut. Oft befinden sie (ich am Fuße eines Kreuzes, das hier sowohl ein altes heidnisches, als auch ein christliches Symbol ist. Reste von Blumen, von Maiskörnern und von geschlachteten Tieren, die dem „Mundo", dem Gott der Welt, geopfert werden, liegen auf den Stätten umher. Der „Mundo' gilt als ber höchste Gott. Es ist schwer zu ergründen, ob die Indianer damit eine konkrete Vorstellung eines göttlichen Wesens verbinden, oder ob es sich nur um eine formelhafte Zusammenstellung einer Mehrzahl göttlicher und dämonischer Wesen handelt, deren individuelle Namen den Nichteingeweihien unbekannt sind Gefürchtet ist der Dämon Sefemit, der einäugig mit nach vorn gerichteten Fersen dargestellt wird. Seine Farbe ist rot Mit einem Knüppel im Arm durchreist er die Wälder und sucht die Menschen ein« zufangen um sie zu fressen. Er soll in Penon de Siquinala in einem unsichtbaren Palast leben. Auch bei der Finca „El Porvenir" besitzt der Dämon in einem hohlen Felsen ein goldstrotzendcs Schloß, aus dem in der Nacht Hundegebell und Glockenläuten ertönen. Dann lauschen die Zauberer den seltsamen Klängen und wissen, daß ihrem Stamme Unheil droht. Herren der mittclamerikanischen Staaten sind nicht die eingeborenen Indianer sondern die Kreolen spanischer Abstammung und die Mischlinge, Herren sind aber vor allem die Nordamerikaner, die über sechs Milliarden Dollar in Plantagen, in Banken und in Bananenhainen investiert haben, deren Agenten allerlei Waren und Tand in das Gebiet der bedürfnislosen Indios einführen ihre Gier wecken und sie in Schuldabhängigkeit zwingen. Man trägt in Washington der Liebhaberei der Kreolen, Verschwörungen anzuzetteln und Präsidentenwechsel vorzunehmen, Rechnung, jedoch nur solange die eigenen Interessen nicht darunter zu leiden haben. Dann wird rücksichtslos durch Landung von Marinetruppen und durch andere Gewaltmittel Ordnung geschaffen. Panama und Nikaragua sind dafür ein beredtes Beispiel, denn der Präsident in der Hauptstadt Managua hält sich auf [einem Sessel nur im Schutz nordamerikanischer Bajonette, und nord- amerikanische Truppen bringen tief in die Djungeln und Urwälder ein, um den legendären Freiheitshelden Mittelamerikas, General Sandino, zu fangen. Es sind bereits vier Jahre darüber vergangen, daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika ihre Marinetruppen in Managua landen ließen, Puerto Cabezas besetzten und den Präsidenten Diaz zwangen, ihnen die alleinige Konzefsion auf das Graben des Nikaraguakanals, parallel zu dem Panamakanal zu gewähren. Damals war es, daß sich General Sandino gegen die fremden Eindringlinge auflehnte, eine Schar kühner Abenteurer um sich sammelte, in die Urwälder zog unb nicht eher Frieden zu geben versprach bis ber letzte Nordamerikaner aus Mittelamerika vertrieben ober vernichtet sei. Ein blutiger Guerillakrieg begann, Expebition auf Das Essen hat als ersten Gang eine Süßspeise, und als letzten eine Suppe und während man sich in Europa beim Essen aus seine besten Manieren besinnt, läßt der Chinese allen diesseits verpönten Aeußerungen freien Lauf macht es sich bequem, räkelt sich und gibt sein Wohlgesallen an den Speisen dadurch zu erkennen, daß er sie mit möglichst lautem Rülpsen nachgenießt. Dabei sind die Chinesen, was äußere Manieren anbelangt, sonst das besterzogene Volk der Welt. Sie haben die Gesetze, durch die sie den Verkehr miteinander regeln, in einem vielbändigen Werk, dem sog. „Li", niedergeschrieben, und die Formen sind selbst in der Kaste der Kulis wirklich von Adel und hoher Vornehmheit. Die Trauerkleidung ist von weißer oder blauer Farbe. Die Begräbnisse sind außergewöhnlich lärmvoll, mit Zimbeln und Pulversröschen. Die Tragstühle in denen die Seele der Verstorbenen zu Grabe getragen wird, sind mit Junten Bändern und grellbemalten Glasstreifen behängt; die Särge rot und wo bei uns die Konfession des Verstorbenen oft erst beim Begräbnis bekannt wird, rufen die Chinesen die Geistlichen sämtlicher Glaubensbekenntnisse zu ihren Leichen. Der Grabstein wird dann zu Füßen der Leiche gesetzt. Desgleichen äußert sich die Frömmigkeit lärmend. Der Priester aber wird als eine Art von Handlanger der Götter betrachtet. ~ Die Einrichtungen des sozialen Lebens sind gleichfalls von einer Nachdenken will. ,.. , ,r. Nun kann man schon sagen, daß selbstverständlich auch die technischen Dinge gegenpolig von den unsern sind- Die Räderwerke laufen von rechts Hnad) links. Man schaufelt nicht von sich weg, sondern auf sich zu. Der Kompaß ist nach Süden eingestellt, und man sagt: Westsud, Ostnord usw. Das Pferd wird von rechts bestiegen. Der Geigenbogen wird unter den Saiten gestrichen. Die Schriftzeile geht von oben nach unten, die Bucher mwerden von hinten nach vorn gelesen. Bruchteile nennt man nicht zwei- drittel, sondern drittzweitcl. , Auf diesem Wege ist es nicht mehr verwunderlich, datz auch die Rechts- I anschauungen den unsern gegensätzlich sind. Wird jemand angeschuldigt, io braucht der Staatsanwalt sich nicht zu bemühen, sondern der Verhaftete I muß dies inbezuq auf seine Unschuld tun. Etwas zu rationell erscheint uns auch das Hastpflichtgesetz. Ich wurde einmal bei Regenwetter in einer ? iidchinesischen Stadt in einem Tragstuhl eine hohe Stiege hinausgetragen. Es hatte geregnet und der Weg war schlüpfrig. Was ich gefürchtet hatte, trat ein: der vordere Kuli stürzte. Er kam unter die Stange zu liegen. Einer der hinteren Träger eilte heran und half ihn, heraus. Er b.utete 'tark und hatte sich die Nase gebrochen. Schon sah ich ihn auf mich zukommen und mit chinesischer Hartnäckigkeit seinen Unfall gründlich gegen mich in Szene setzen. Aber das geschah nicht. Im Gegenteil, kaum war er . rei, so lief er hastig davon, während der andere Kuli mich zu besänftigen inchte. Sogleich war auch aus irgendeinem Winkel ein neuer Trager erschienen, und wir trappten bald weiter die Stiege hinan. Erst später lernte ich den Zusainmenhang begreifen der mir zunächst >nfaßbar war. Das Benehmen des Gestürzten war in den landesubl.chen f Haftpflichtgesetzen begründet. Bei uns ist bekanntlich der Hausbesitzer ■ verantwortlich, vor dessen Tür jemand sich bei Glatteis das Bein bricht, weil der Hausbesitzer nicht streuen lieh. In China lautet dasstz. Wenn es glatt ist, muß man aufpassen, und kommt semand zu Sck)aden, 'o hat er nicht aufgepaßt und trägt die Verantwortung selber Diese Unterschiedlichkeit reicht bis ins geheimste Triebwerk des Seelen- ebens hinein, bis dorthin, wo der Willen die Grenze zwischen Leben und lob setzt. Ich erwähne ein Beispiel, das ebenso kennzeichnend wie häufig st: die chinesische Vendetta! Ist ein Chinese tödlich beleidigt worden, iw er mit dem „Gesicht verlieren" bezeichnet, so geht er keineswegs■ a fs Leben des Feindes los, um die Schmach zu tilgen sondern verfahrt in Magischer Weise viel gründlicher: er nimmt sich vor der Tur des Gegners "•as eigene Leben, um den Zorn der Gottheit gegen icnen Z - Als die Bahn von Peking nach Hankau gebaut worden war galt sie •ielen als Höllenwerk der weißen fremden Teufel, um China verderben. Sie begingen nun nicht etwa Attentate gegen Schienen oder Zuge. sondern letzen sich vom Zug Überfahren, um sozusagen diese Einrichtung Anrecht zu setzen und göttliche Strafen auf sie ^rabzubeschworen Diese Liste ist nicht vollständig und kann es nicht sein we,l ich sonst -in ganzes Buch hätte schreiben müssen. Doch die aufgezahlten Beispie e .eigen ja schon zur Genüge, daß sie aus e.ner anderen Seelenmasse lammen, daß schon äußerlich erkennbar ein Rätsel Zwischen Abendland Mis"ist die Wahrheit der Chinesen? Mehr als die nackte Aufzählung, ic den Inhalt dieses Aufsatzes bildet, vermag ich von Gsien mch: zu sagen hir ab und zu, sehr selten, vermochte man wohl mstinktirlense,ts von Mus und Kung fu tse zu dringen und etwas von dem. Seelengehe,mnis «uffpuren, ohne daß man aber fällig war, es klar umrisscn läanb zu heben, und es ist eine Reihe von Beispielen weiser Gelehrten zae- ki/iiiiiujiuugtru vv.... r-........ Gegensätzlichkeit zu den unseren durchdrungen, die uns allmählich durch ihre Rätselhaftigkeit stutzen macht. Bei uns macht man Schulden, um sich vergnügen zu können. Der Chinese an seinem großen Fest, dem Neu- jahrstag, bezahlt erst seine Schulden und feiert bann tagelang. Unser Schulsystem ist darauf begründet, daß der Schüler „verstehen" lernt. Der Chinese muß im kindlichsten Alter die am schwersten verstand- licheii Schrift» auswendig lernen, nicht obgleich,- sondern weit er sie nicht versteht. Das Prinzip ist, daß er sich mit dem „Wort" gleichsam durchtränken muh. Das Alter läßt ihn dann in den Geist dieses Wortes hineinwachsen wie in das Gesetz einer Naturnotwendigkeit. Im übrigen I hält sich der Lehrer in einer Ecke auf, die bei uns für den Schüler gilt, der sich etwas zuschulden kommen ließ, und sagt der Schüler seine Lektion auf, so dreht er dem Lehrer den Rücken. Bei Versteigerungen wird nicht von unten nach oben geboten, sondern umgedreht: der Versteigerer muß sich unterbieten. Er nennt eine Summe. i Niemand will für sie den Gegenstand haben. Dann beginnt er sich zu unterbieten. Er nennt eine Summe, bis einem Liebhaber der Preis paßt. Nicht ohne Humor ist die Tatsache, daß der Chinese den Sitz des Hirns scheinbar in der Fußsohle vermutet — denn dorthin faßt er sich, wenn er bekannt, die über dem inbrünstigen Drang, sich eins zu machen mit der Seele dieses Volkes, mit ihrem europäischen Verstand an der Undurchdringlichkeit scheiterten. Stine. Roman von Theodor Fontane. (Fortsetzung.) Waldemar, als er den Onkel verlassen hatte, hatte seinen Weg erst bis Schloß Bellevue hin und von dort eaus nach einem um ein paar hundert Schritte weiter flußabwärts gelegenen Sommerlokale genommen, das er für gewöhnlich an jedem Spätnachmittag, eh er zu Stine ging, aufzusuchen pflegte. Dort im Schatten alter Bäume niederzusitzen und zu sinnen unb zu träumen, war das, was er liebte. Wirt und Wirtin in diesem Lokale kannten ihn längst, ebenso war er Intimus der dort zahlreich ansässigen Spatzen, die, sobald er Platz genommen, den Tisch um- hüpften und die Brocken unb Krümel des eigens für sie bestellten Stück Kuchens aufzupicken pflegten. Das alles war heute gerade so wie sonst, und nur die ihre Köpfe neugierig zusammenfteckenden Kellner beschäftigten sich augenscheinlich mit der Frage, was ihren regelmäßigen Spätnachmittagsgast heute schon zu so früher Stunde hierher geführt haben könne. Denn es war erst zwei. Waldemar hatte seine Freude daran, diese kleine Neugier zu beobachten, unb las aus den Mienen der Kellner den Gang ihrer Unterhaltung mit einer Sicherheit heraus, als ob er sie vom nächsten Baum her hätte belauschen können. Uederhaupt entging ihm nichts, und foenn er eine Zeitlang die Qualmwolken aus dem gerade gegenüber gelegenen Borsigjchen Eisenwerke hatte hervorquellen und nach der Iungfernheide hin abzichen sehen, so gab er seinem Blick mit einem Male wieder eine Seitwärtsrichtung unb zählte dabei die Brückenpfeiler oder die Spreekähne, die von der Stabt her den Fluß herunterkamen. Es war ohne jede Spur befonberer Erregung und beschäftigte sich, was übrigens seinem Charakter entsprach, kaum noch mit dem Gespräche, das er eben erst mit dem Onkel gehabt hatte. Wenn er den Frieden nicht haben konnte, so war es schon viel für ihn, ihn feinerseits ehrlich und aufrichtig gewollt zu haben. Und bas war ja der Fall. Aus diesem Bewußtsein erwuchs ihm etwas wie Trost und Ergebung, unb wenn Ergebung auch nicht das absolut Beste, nicht der Friede selbst war, so war sie doch das, was dem Frieden am nächsten kam. Er blieb wohl eine Stunde. Dann erst erhob er sich und ging auf den Ausgang zu. Von draußen her aber sah er noch einmal über den Staket- zaun in den Garten zurück. Da war wieder die Musik-Estrade mit den wackeligen Notenpulten und gleich dahinter das primitive Büfett mit den eingeschnittenen Querhölzern, daran zahllose Weißbierdeckel wie kleine Schilde hingen. Und dicht daneben und halb überwachsen von einer Kugelakazie stand der eben von ihm verlassene Tisch, auf dessen grüner Platte jetzt die Lichter und Schatten tanzten. Er konnte sich nicht losreißen von dem allen und prägte sichs ein, als ob er ein bestimmtes Gefühl habe, daß ers nicht Wiedersehen werde. „Glück, Glück. Wer will sagen, was du bist, und wo du bist! In Sorrent, mit dem Blick auf Capri, war ich elend unb unglücklich, und hier bin ich glücklich gewesen." Und nun ging er weiter flußabwärts bis an die Moabiter Brücke, weil er vorhatte, den Rückweg am andern Ufer zu machen. Als er aber drüben war, nahm er langsam und unter gelegentlichem Verweilen seinen Weg auf den Hum- boldtshasen und zuletzt aus den Jnvalidenpark zu. Dort blieb erstehen und musterte bas gegenüber gelegene Haus. Stine stand oben am Fenster. Er grüßte mit der Hand und stieg dann in ihre Wohnung hinauf. * Stine empfing ihn schon an der Tür, glücklich, ihn zu sehen, aber doch mit einem Anfluge von Sorge, weil er sonst nie vor der Dämmerstunde kam. „Was ist?" sagte sie. „Du siehst so verändert aus. „Möglich. Ader es ist nichts. Ich bin vollkommen ruhig." „Ach, sage nicht das! Wenn man sagt, man sei ruhig, ist mans nie. ,'Woher weißt du das?" Ich glaube, das lernt jeder, dafür sorgt das Leben. Und dann weiß ich es von Pauline. Wenn die zu mir sagt: ,Stine, nun bin ich wieder ruhig', dann ist es immer noch schlimm genug. Aber nun sag, was ist?" „Was ist? Eine Kleinigkeit. Eigentlich nichts. Ich stand immer einsam unter den Meinigen, und nun soll ich noch etwas einsamer dastehn. Es wirkt einen Augenblick, aber nicht lange..." „Du verschweigst mir etwas. Sprich! „Gewiß, deshalb bin ich hier. Und jo höre denn! Ich war bei meinem Onkel, um ihm zu sagen ... ja, was Stine? um ihm zu sagen, daß ich dich lieb hätte ..." Stine kam in ein Zittern. . . Und daß ich dich heiraten wolle... Ja. heiraten, nicht um eine Gräfin Haldern aus dir zu machen, sondern einfach eine Stine Haldern, eine mir liebe, kleine Frau, und daß wir dann nach Amerika wollten. Und zu diesem Schritt erbat ich feine Zustimmung ober doch eine Fürsprache bei meinen Eltern." „Und?" . . „Und diese Fürsprache hat er nur verweigert. „Ach, was hast du getan," „Sollte ich nicht?" ,Was hast bn getan?" wiederholte Stine, zugleich hinzusetzend: „Und ich Äermstc bin schuld daran. Bin schuld, weil ichs habe gehen lassen und mich nie recht gefragt habe: was wird? Und wenn mir die tfrage tarn, io hab iah sie zurückgedrängt und nicht auskommen lassen und nur gedacht: freue dich, solange du dich freuen kannst! Und das war nicht recht. Daß es nicht ewig dauern würde, das mußt ich, aber ich rechnete doch auf manchen Tag. Und nun ist alles falsch gewesen, und unser Glück ist hin, viel, viel schneller als nötig, bloß weil du wolltest, daß es dauern solle.' Waldemar wollte widersprechen; aber Stine litt es nicht unb sagte, während ihre Stimme mit jedem Augenblick beschwörender und einbring- licher wurde: „Du willst nach Amerika, weil es hier nicht geht. Aber pessimistisches Gräflein 1,11 tir^idimien und sah vor sich hin, Stine aber nahm seine Hand und saqre: „Wie du dich selbst verkennst, Der Tagelöhnersohn aus eurem Dorfe der mag so leben und dabei glücklich sein: nicht du. Dadurch, da» man anspruchslos sein will, ist mans noch nicht, und es ist ein ander Dina, sich ein armes und einfaches Leben ausmalen oder es wirklich flihren. Und für alles, was dann fehlt, soll das Herz aufkommen. Das lann es nicht, und mit cinemmal fühlst du, wie klein und arm uh bin. Ach, dass ich in diesem Augenblick so spreche, das rst vielleicht auch schon eine Schwachheit und ein kleines Gefühl; aber ich kämpfe nicht dagegen itn weil ich glaube, Daß aus allem, was du vorhast, nur Unheil kommt, nur Enttäuschung und Elend. Der alte Graf ist dagegen, und deine Eltern sind dagegen (du sagst es selbst), und ich habe noch nichts zum (Wirf ausschlagen sehen, worauf von Anfang an kein Segen lag. Es ist gegen das vierte Gebot, und wer dagegen handelt, der hat keine ruhige stunde mehr, und das Unglück zieht ihm nach." „Ach, meine liebste Stine, du redest dich so hinein und kommst mir nun gar mit dein vierten Gebot. ®ltnibe mir, das mit dem vierten Gebot, das hat auch seine Grenze. Vater und Mutter sind nicht bloß Vater und Mutter sie sind auch Menschen, und als Menschen irren sie so gut w,e du und ich. Nein, ich will dir sagen, was es ist, und warum du glaubst, io sprechen zu müssen. Ich vei-stehe mich ein bißchen auf das menschliche .Oer: denn steh, wer fahrelang auf dem Krankenbett liegt, der hat viel Zeir' und spürt vielem »ach, und das Verlockendste sind immer die Schtängelgänge des Herzens, des eignen und des der andern. Nun höre, was es ist. Es ist was Hochmütiges in eurer Familie, daran drei Grafen genug hätten etwas Trotziges und Heraussorderndes und ein Hang, die Wahrheit zu sagen und mitunter auch noch mehr. Deine Schwester hat macht über. . Als sie wieder zu sich kam, war sie allein. Fünfzehntes Kapitel. Waldemar ging nach rechts auf das Oranienburger Tor zu, well ihm darum zu tun war, in einem an der Ecke der Linden tinb Friedrichstraße gelegenen Bankhause verschiedene geschäftliche Dinge zum Ahfästuß zu bringen Aber in der Nähe der Weidendammer Brücke fiel ihm ein, daß die Bureaus sehr wahrscheinlich schon geschlossen seien weshalb er segnen Stadtgana aufgab, um sich in seine dicht hinter dem ®eneralftabsgcbaube gelegene Wohnung zurückzubegeben. Er war durch eben diese Wohnung Nachbar von Moltke, welche Nachbarschaft er gern hervorhob und m Ernst und Scherz zu versichern liebte: „Man kann nicht besser ausgehooen sein als gerade da. Wer ,für die große Sicherheit so zu sorgen weih, der 'Ison* der Dorotheenstädtischen Kirche her schlug es fünf, als unser zu Betrachtungen derart nur zu geneigter Freund in den Schissbauerdainm einbog, und ehe noch di« Turmuhr ausgeschlagen hatte, schlugen die kleinen Uhren nach, die sich in ziemlich beträchtlicher Zahl an der Was,er- und Rückfront der jenseitigen Fabrikgebäude befanden Er zahlte die Schläge, musterte den Kai hüben und drüben und freute sich des regen und doch stillen Lebens, das hier überall auf und ab wogte. Nichts entging ihm, auch nicht das Treiben auf den Kähnen, an deren Tauen und Strickleitern und mitunter auch auf quergelegten Ruderstangen allerlei Wäsche zum Trocknen hing, und erst, als er unter langsamem Weiter schleudern die Graefsche Klinik im Rücken hatte, ,eß er von dem Beobachten ad und ging rascheren Schrittes auf die Unterbaumbrucke zu. Hier hielt er wieder und betrachtete- die bronzenen Kandelaber, die. well sie noch keine Patina hatten, in der schräg stehenden Sonne prächtig büßten und flimmerten. „Wie hübsch das alles ist! Ja es kommen bessere Tage. Ri>r wers erlebt! Qui vivra, verra ... Und er brach ab und sah von der Brückenwölbiing aus die tief unten am Kai sich hinziehenden Weiden, aus Deren graugrünem Blattwerk einige tote Aefte wie Besen hervoragten. Es waren, seine Lieblinge, diese Baume. „Halb abgestorben ' ^Eiidttck/war'er vom Kronprinzenuser und der Alsenstraße her bis o» den reizenden, mit Bosketts und Blumenbeeten und dazwischen wieder mit Marmorbildern und Springbrunnen gefchmiirtten Square gekommen, der, dem Königsplatze Vorgelegen, einen Teil desselben ausmacht uns doch auch wieder sich von ihm scheidet. Eine frische Brise ging und milderte Die Hiße von den Beeten aber kam ein feiner Duft von Reseda herüber, ivährend' Drüben bei Kroll das Konzert eben anhob. Unser Kranker sog da« alles in vollen Zügen ein, Duft und Melodie: „Wie lange, daß ich nirfii in frei acatinet habe! .Königin, das Leden ist doch schon — unsterb- er ?ebr stark, und du hast es auch, hast auch Dem Teil Daran. Und sieh, in diesem Deinem falschen Stolze willst du nicht, daß ich auch nur einen Augenblick glauben soll, du hättest an so was wie eine Stine Haldern gedacht. Das ist dir gegen deine Ehre. Hab ich recht, und ist es so. ''Gut" Ich glaube dir. Ich weiß ganz bestimmt, daß du .ja' gesagt hattest wenn du's hättest sagen können. Und daß du dies ehrliche .Nein sagen kannst, das ist schön von dir und läßt mich aufs neue sehen, eine m®e gute Wahl ich getroffen. Und nun soll es an bloßen Einbildungen scheitern. Ich bin aus den Vorurteilen heraus, und nun willst du sie haben. Ich beschwöre dich, Stine, mache dich frei davon, und vor allem entschlage dich deiner Aengstlichkeiten!" Stine schüttelte den Kopf. „Es soll also nichts mit uns werden? „Es kann nicht." . . „ „Und alles soll bloß ein Sommerspiel gewißen sein? "Und es^komint Dir nicht der Gedanke, daß mir dies alles das Leben bedeuten könnte?" Um Gottes willen, Waldemar! k „Ich will keine Ausrufe, ich will eine Antwort. Em ,3a, kurz und bestimmt, und dann fort, fort. Sprich, Stine, du weih,, was ich bitte. Willst du?" Und"sie stürzte weinend an ihm vorüber. Er hielt ft« aber feft unb sagte: „Stine, so wollen wir nicht scheiden. Ein .Nein soll, nicht Dein letztes Wort gewesen sein. Setze dich nieder und sieh mich an! Und nun sage mir: ftaft du mich wirklich geliebt?“ „Ja." „Von Herzen?" n Unb das Krampsschluchzen, unter dem sie sprach, ging in eine Ohn- nicht so frei geatmet habe! .Königin, das Sehen ist doch schön' liches Wort eines optimistischen Marquis, und ein pesstmisttzck plappert es ihm noch." ... t _ Nun schwieg Die Musik drüben, und Waldemar, wahrend er zwischen den großen Rondellen auf und ab schlenderte, musterte zugleich Die Figuren, die hier mit Hilfe von Sternblumen und roten Verbenen in Den Rasen eingezeichnet waren: endlich aber ging er auf eine Bank zu, Die, von allerlei dicht dahinterstehendem Strauchwerk überwachsen, einen vollen Schatten gewährte. Da nahm er Platz, denn er war milde geworden. Das viele Gehen in der Hitze hatte seine Kräfte verzehrt, und so schloß er unwillkürlich die Augen und fiel in Traum und Vergesse». Als er wieder erwachte, mußt er nicht, ob es Schlaf ober Ohnmacht gewesen: „ich glaube, so kommt Der ToD", und erst allmählich sand er sich wieder zurecht unD bemerkte nun ein Marienwürmchen, das sich ihm auf Die Hand gesetzt hatte Da blieb es und kroch hin und her, trotzdem er schüttelte uno pustete. „Einen wie feinen Instinkt Die Tiere haben; es weiß, daß es sicher ist " Endlich ober flog es doch fort, und Waldemar, sich vorbeugend von seiner Bank, begann jetzt allerhand Figuren in den Sand zu zeichnen, ohne recht zu wissen, was er tat. (Schluß folgt in Der übernächsten Nummer.) glaube mir, es geht auch Drüben nicht. Eine Zeitlang könnte «« gehn, vielleicht ein Jahr ober zwei, aber bann war es auch Drüben vorbei, ©taube nicht Daß ich Den Unterschieb nicht sähe. Sieh, es war mein Stolz, ein io gutes Herz wie das Deine lieben S» dürfen unD baß es mich wieder liebte, Das war meines Lebens höchstes Gluck. Aber ich tarne ™ir “l „r unb kindisch vor, wenn ich Die Gräfin HalDern spielen wollte. Ja. WalDe mar fo ist es und Daß Du so was gewollt hast, das macht nun ein rasches Ende Vor Jahren, ich war noch ein. KinD, hab ich mal em Feenstück qeseh», inDem zwei Menschen glücklich waren: «ber hr Muck^o hatte Die Fee gesagt, würbe für. immer hin sein, wenn em bestimmtes Wort gesprv- che» oder ein bestimmter Name genannt werDe. Siehst du, so war «s auch mit uns Jetzt haft du das War? gesprochen, unb nun ist es vorbei, vorbei, weil die Menschen Davon wissen. Vergiß mich: du wirst es. Und wenn auch nicht, ich mag keine Kette für dich fein, an der du Dein Sehen lang herumschleppst. Du mußt frei fein; gerade du. Ich, meine liebe Stine, wie du mich verkennst. Du sprichst.von> einer .Rette' unb daß ich frei fein müsse. Freiheit. Nun I«, mein Sehen war frei, was man so frei sein nennt, seit ich aus meiner Eltern Hause ging, unb in manchen Stücken auch früher schon. Aber wie verlief es trotzdem? Wie war es von Jugend an? Wir hohen soviel davon gep audert, und ich habe dir von meinen Kindertagen erzählt und von dem langweiligen Hauslehrer der den Frommen spiele» mußte nach Anweisung und mich mit Sprüchen und Geboten und dem ewigen .was ist das quälte und> mit dem Glaubensbekenntnis, das ich nie verstand und br auch nicht. Aber der arme traurige Mensch, der (ich sollte vielleicht nicht spotten, gerade ich nicht) 'immer einen Katarrh und eine Liebschaft hatte war lange mäst -der schlimmste. Das Schlimmste war, daß ich im Hmise selbst, bei meinen eignen Eltern ein Fremder war. Unb warum? Ich habe spater Darauf geachtet und es in mehr als einer Familie gesehen, wie bart Eltern gegen ?l)ie Kinder find, wenn diese ganz bestimmten Wunsche» und Erwartungen nicht entsprechen wollen." _ ... , Stine die dieselbe Wahrnehmung auch in ihrer bescheidenen Sphäre gemacht haben mochte, nickte zustimmend, und Waldemar, der«sich dieser Zustimmung freute, fuhr deshalb fort: „Es wird wohl überall fo fein, unb jedenfalls war es fo bei uns. Unb dazu die Saunen und Berftini’ mutigen einer 9rau, weil ihr ein Groß ürst einmal ein Billett gefcbrieoen, dos beinah ein Liebesbillett war, und die sich nun einhiloete, nich viel was andres als eine Mißheirat geschloßen zu haben. Da hast du das Büd meiner Stiefmutter. De» Sommer über war fie verstimmt über bas langweilige Landleben und über die Samen Der Nachbarschaft, Die gar keine Samen waren, wenigstens nicht in ihren Augen, und wenn fte Dann winters zu Hose ging, so war sie noch verstimmter, weil Schönere ober Vornehmere da waren und ihr de» Rang abliefen. Und diese schlechte Saune mußt ich entgelten, diese Verstimmungen trafen mich, der ich ihr überhaupt von Anfang an mißfiel. Unb als ich Dann Hera »wuchs unb wohl auch meinerseits zeige» mochte, daß mir mäst alles gefalle, da war ich vollends nicht auf Rose» gebettet. Unb so ginge, bis ich mit neunzehn eintrat unb mit zu Felde zog und die Kugel kriegte »Der zwe . wovon ch dir erzählt habe. Sa würde es freilich einen Augenblick besser, und ich war ein Vierteljahr lang Der Held und Mittelpiinkt der Harn,l.e besonbers als auch prinzliche Telegramme kamen. Die sich nach mir crtunDigten. Jo, Stine, das war meine große Zeit. Aber ich hätte sterben oder mich rasch wieder zu Gesundheit unb guter Karriere herausmausern müssen, und weil ich weber bas eine noch bas andre tat und nur so hmlebte, manchem zur Last und keinem zur Lust, da war es mit meinem Ruhme bald oor= bei Ser Vater Hütt es vielleicht ändern können, wenn er ein festes Lin= treten für mich gewagt und nicht feinen Hans- und Ehefrieden über mein Glück gestellt hatte. So konnte er sich nicht aufraffen, und fo hab ich Demi durch viele Jahre hingelebt, ohne recht zu wissen, was Herzunb Liebe fei. Nun weiß ich es. Unb jetzt, wo ich es weiß unb mein Gluck festhalten will, fall ich es roieber aus Der Hand lassen. Und alles bloß, weil bu von Ansprüchen sprichst und vielleicht mich Daran glaubst, Die mir im Blute stecken sollen und die — weil im Blute — gar nicht am - -.uneben seien. Ach, meine liebe Stine, was geb ich Denn auf? Nichts, gar nichts. Ich sehne mich Danach, einen Baum zu pflanzen oder ein Aoik Hühner aufsteigen oDer auch bloß einen Bienenstock aiisschwärmen Per an twor tltch. Dr. Hans Thhriot. — Druck unb Verlag: Brühlsche Anivers itäts-Buch- unb Steinbruderci, B. Lange, Gießen.