Nummer 21 Montag, den März Jahrgang 1952 g mit ilteflen Grotz- 1 nicht eltetch! ir, ich n Mr? :r An- Ginn, l)t dm i: mit r dein Natur Ml ich Heiden ch, Mt führen bleibt ßans- ßafte- M "e\ Ite len her ub.et A Diel«' "goto"« .. S-suV |l„„ ober- S- rn, dar ch habe es, das in ober >em |ie jo nach e Fritz > damit ) über« erbannt uf, und grande e Nutz' Feudal- usgleich komm! der bei nn hchr t hatte, jein lief > Sache ne mehr n einem rnünitig m allen stelluntz, en beeft- ziemlich werden, 'oniinen, |M- und it Adam oir datzU Seiner Samilienblimer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger solchen ; gebe«■ sidetites. qefd)tie! e fioltcn und m. bemerken, jedoch sehlten noch alle Zeichen von umwälzenden Ereignissen. Ich sprach telephonisch mit Großfürstin Maria und erfuhr, daß alle ihre Geschwister im Laufe des vergangenen Tages und der Nacht an den Masern erkrankt wären, sie selber suhle sich auch schon sehr elend. „tßapa ist in Mohilew (dem Hauptquartier) oder Pskow, wir haben keine Nachricht. Niemand weiß, was geschieht, Mama ängstigt sich schrecklich... Nun häuften sich die Schreckensbotschaften von Minute zu Minute; alle Petersburger Truppenteile hatten gemeutert oder waren von Der Uebermacht entwaffnet worden. Revolution alsol Und man wußte nichts, qar nichts über ihre Ziele, ihre Richtung! Ich tat mich mit einigen Kameraden zusammen, und wir baten telephonisch den diensttuenden Kammer- Herrn, der Zarin mitzuteilen, daß wir ins Palais kommen mochten, das lediglich von einer Schwadron Gardehusaren und der Leibwache besetzt gehalten wurde. Sie dankte selber. Es habe keinen Zweck, ihr drohe keine Gefahr, niemand werde ihr und den Kindern etwas zu Leide tun — nie werde ein Russe die Hand gegen die kaiserliche Familie erheben! ... Und am nächsten Morgen, den 14. März 1917, hatte die Revolution mühelos gesiegt. In Zarskoje Sselo drängten sich plötzlich Soldaten aller Wasfengattungen und Regimenter, geschmückt mit roten Schleifen, Die Mäntel trotz eisiger Kälte zum Zeichen errungener Freiheiten weit und unordentlich geöffnet, zum Teil betrunken. Die Leibwache und die Husaren hatten von der Zarin den Befehl bekommen — ihren letzten Befehl! — keinen Widerstand zu leisten. Sie hatten weiße Armbinden angelegt, standen vor dem Palais und blickten voll verbissener Wut auf das Chaos. Das war das Ende. Am nächsten Tage kam der Zar zurück, als Gefangener. # Als ich bann, anderthalb Jahre später, vom fürchterlichen Ende der Zarenfamilie erfuhr, von der grauenhaften Nacht im Keller eines sibirischen Kaufmannes, wo man die Familie Romanow hingemordet hatte, fiel mir dieses letzte Wort, das ich durch den Apparat in Zarskoje Sselo von der Zarin gehört hatte, blitzartig ein:. „Nie wird ein Russe die Hand gegen die kaiserliche Familie erheben! ..." Dreihundert Jahre Dorpat. Von E. von Ungern-Sternberg. Vor dreihundert Jahren beschloß der Schwedenkönig, dem Livland untertan war, in der alten Bijchofsstadt Dorpat als Heimstätte nordischer Wissenschaft eine Universität zu gründen. 1632 wurde die Hoch schule eröffnet. 1699 mußte sie auf zehn Jahre nach Perna» übersiedeln, kehrte aber dann wieder an ihre alte Heimstätte zurück. Erst 1802 unter der Herrschast Alexanders I. von Rußland, der die Hochschule als deutsch Universität mit Privilegien ausstattete und ihr eine reiche Blütezeit ermöglichte, wurde Dorpat ein Zentrum deutscher Kultur. Gelehrte von Weltruf haben auf den Kathedern der dörptschen Universität gelehrt, oder sind aus ihrer Aula hervorgegangen. Der Naturforscher v. Baer, Schiemann, H a r n a tf, der Sanskritforscher Leopolt v. Schröder, Dettingen, Seeberg, Keyserling, der Hamburger Professor v. U e x h ü l l und viele, viele andere, die in der deutschen Wissenschaft bahnbrechend gewirkt haben, sind Balten und Schüler Dorpats. Man war in Dorpat inmitten der srerndstämmigen estnischen Grund- bevölkerung in trotziger Begeisterung deutsch, in ständiger Abwehrstellung gegen das andrängende Russentum. Die deutsche Oberschicht sah in ihrer herrschenden Stellung ein traditionelles Recht, das dis zum Ausgang des vorigen Jahrhunderts durch Ukase der Zaren von Rußland, die ja auch den Titel eines Herzogs von Livhand führten, bestätigt wurde. 5)atte doch Peter der Große nach seinem Siege über Karl X. von Schweden durch einen feierlichen Eid für sich und seine Nachkommen die Privilegien und rette zum Freunde machten. An der Rückseite des Oelberges kletterte das Auto die Serpentinenwege hinauf, knarrend und angestrengt, steil wie eine Treppe, und unser Freund, der Reger, erzählte uns strahlend von einem anderen Lastauto, das hier neulich den Berg hlnuntergerutscht sei, sooo zeigte er mit einer anschaulichen Gebärde, alle Insassen kaputt. ^ Irn Triumph fuhren wir in Jerusalem ein! Die Lichter, das warme Hotel, das gute Mittagessen und der gelbe stärkende Wem, der einen wie eine innere Sonne durchströmte, das alles war Triumph! Gegen Mitternacht erschien ein kupferfarbenes Individuum, das bescheiden in der Tür stehenblieb, mit müden, angestrengten Augen. Es war der Chauffeur des Ford-Autos, der seine Bezahlung holen wollte. Er hatte sie wahrlich verdient. , . In Palästina geschehen heute noch Wunder: er hatte das Auto wieder in Gang gebracht! Wie ich den Zarenthron stürzen sah. Von Felix Dassel. Genau fünfzehn Jahre ist es her, dah sich diese Reihe glänzender, lichter, aber auch düsterer und quälender Bilder in schneller Folge vor meinen Augen abspielte. Wie ein phantastischer Film, der sich zum Teil nur — besonders soweit es sich um psychologisches Verständnis für Szenen und Persönlichkeiten handelte — einem halb unterbewußten Objektiv in mir einprägte und nun, heute, nachdem die Jahre Distanz geschaften haben, mit Worten und Sätzen umrissen, nachgezeichnet werden kann... Durch eine Reihe von Zusällen, durch Verkettung besonderer Umstande war ich, russischer Frontoffizier, Ende 1916 in die Residenz des Zaren, Zarskoje Sselo, das russische Potsdam, gekommen, in diesen beinahe hermetisch abgeschlossenen Mittelpunkt des Zarenreiches, der dem gewöhnlichen Sterblichen immer wie eine andere Welt erschienen ist. Und zwei Wochen vor der Revolution, Ende Februar 1917, wurde ich, der Deutschbalte, von der ehemaligen deutschen Prinzessin Alix von Hessen, jetzt Zarin von Rußland, beauftragt, ihre beiden jüngsten Töchter, die Großfürstinnen Maria und Anastasia, auf ihren Ausfahrten, Spaziergängen usw. zu begleiten. Bis ich wieder, vollkommen hergestellt, frontdienstsähig wäre — ich war während des Ausklangs der Brussilow-Offensive verwundet worden — sollte ich also quasi Ordonnanzosfizierdienste bei den beiden jungen Mädchen versehen. Damit bekam ich Einblick in diese seltsame kleine Welt, die heute wie ein Märchen anmutet, und erlebte ihre Katastrophe. Maria war damals 18, Anastasia noch nicht 16 Jahre alt. Liebe, unkomplizierte Kinder, einfach, sogar sehr einfach und anspruchslos erzogen — ich möchte beinahe jagen: gutbürgerlich! Maria war ziemlich ernst, für ihre jungen Jahre, sehr gehalten und gründlich. Ich habe hin und wieder mit ihr Gespräche — sogar über sozialpolitische Fragen — geführt, wie sie mit einer Angehörigen auch des allerkleinsten deutschen Fürstenhauses undenkbar gewesen wären. Sie dachte viel nach, grübelte sogar ein wenig — oft hat sie mich in Verlegenheit gebracht, wenn sie plötzlich Fragen stellte, die sich auf ein Gespräch bezogen, das wir vor vielen Tagen flüchtig geführt hatten. Anastasia dagegen sprühte, war voller Humor und Temperament, neckte gerne und ließ sich necken. Immer sah dem wunderhübschen, zierlichen Mädchen der Schalk im Nacken, und manchmal ging ihr Naturell soweit mit ihr durch, daß Maria ihr warnende Blicke zuwerfen mußte. In den Erzählungen der beiden Mädchen — sie erzählten oft und gerne „von Zuhause" — spiegelte sich ein ausgeglichenes, inniges Familienleben wieder. Nie habe ich sie vön den „Majestäten", immer nur von „Mama und Papa" plaudern hören. Besonders oft von Papa, dessen Liebling Maria gewesen ist — jedenfalls erklärte Anastasia mehrfach, daß „Ma" vom Papa alles erreichen kann. Das mag wohl daher kommen, daß die Zarin ganz und gar in ihrer Sorge um den Thronfolger ausging, sich in ständiger Furcht um sein Leben verzehrte. Ich selber habe sie mehrere Male gesehen und gesprochen, einige Male den Tee mit ihr in kleinem Kreise eingenommen. Es lag wie eine Starre über ihr, ein Zwang, der nicht allein ihre Worte, sondern auch sogar Bewegungen in bestimmte unverrückbare Schranken dirigierte. Dabei hatte man das Gefühl, daß diese Frau ständig von einem innerlichen Zittern gequält sein muß. Dies Gefühl war so stark, daß es beinahe ... Mitleid auslöste. Mitleid mit der Kaiserin von Rußland! Sie trug damals übrigens immer Schwesterntracht, ebenso die beiden ältesten Großsürstinnen, Olga und Tatjana, die ihren Dienst im Hoflazarett sehr ernst aufsahten und auch wirklich zu allen Arbeiten herangezogen wurden. Die Zarin selber hat oft halbe Nächte am Lager von Schwerkranken und Verwundeten zugebracht. Den Zaren habe ich nur einmal gesehen und gesprochen. Etwa eine halbe Stunde lang, freilich ganz zwanglos, in Gegenwart von nur einem Kameraden. Er unterhielt sich mit uns einfach, ohne jede „Majestät", beinahe wie mit „guten alten Bekannten". Jedenfalls habe ich nach wenigen Minuten eine viel geringere offizielle Distanz zum Selbstherrscher über hundertfünszig Millionen Menschen gespürt, als sie z. B. meinem Regimentskommandeur gegenüber selbstverständlich war. Stark und warm war der Scharm, der von diesem Manne mit den schönen, stillen Augen ausging, welcher berufen war, Das Riesenreich zu beherrschen, und der nichts anderes wollte, als guter Vater [einer Familie [ein. Das war der Eindruck, den ich von diesem bescheidenen, einfachen Obersten — Nikolaus II. hat nie Generalsuniform angelegt, sondern war das geblieben, wozu ihn [ein Vater befördert hatte — empfing. Und von etwas anderem als von persönlichen Eindrücken will ich ja nicht berichten. Die große Liebe und Zärtlichkeit der ganzen Familie gehörte dem kleinen Zarewitsch — dem Thronfolger Alexej. Ich habe ihn nur wenig gesehen, diesen, damals zwölsjährigen schlanken, blassen Knaben mit den großen, lebhaften, dunklen Augen. Sein unheilbares Leiden — bekanntlich war er Bluter; die geringste Verletzung konnte tödlich wirken — bedingte, daß jeder seiner Schritte ängstlich beobachtet wurde, alle Spiele im Freien, zu denen ihn (ein Temperament trieb, waren verboten. Groß- sürstin Maria erzählte mir eine reizende kleine Episode, die wohl seinen, bei' f Pros«! willen1 waren waren and) i fluDiei Jen t Wh weit < angeb las R unb unb 1 werfe: falb, Jim 'M r# . Sa; breite beutje Seit S üijei üitrgl leine $oml mit! «IM nielle burd) Ä!d| PM man bart lein 'N and; bach tone « non «°ez mei| ®ur tisch Sein ring bin flörl Inn! mit ihre ent fiel Pol Uli «e he «n tin i« «ö A io a i $ Si m Dl ! ii b Ziert: M ne tfcp fine m ®arbijte Io lang,; t, bafe ten eint, ^roorbti Wen uni Kufjen - natütliif eben: % fenlietlet wühreni mb ihnti irftörte it unerfdjii: )te such : 6d)eito' ne Strafet icnsmiW er gefagt ut tverin ungeheuer wirWs!« i wie ein rzer Ach f)t wieber: itrafeeiwit 6olbat() :n in in« den Ich« itrafeen ji ireigniffti j alle ih« hl an b« nb. „N eine Nach dj..." u SWinutc n ran bn ifete nichi gen Sam i' Kamwtr Schien, bei ache t>G drohe lei® ibe tun - :heben!... «RtvoIuW baten all« ileifen, * । weit i*1 >ie 5u|ar<> Befehl! - 1 angele?' bas «* i, als i End«^ S’s SS tie Sonderstellung der baltifchen Lande bestätigt Die Abwehrstellung nenen die Umwelt festigte bei den Deutschen das Rassenbewußtsein, den Bnftoh Es galt als eine Pflicht, das deutsche Blut rein zu erhalten, und so kamen denn Mischehen mit den Esten fo gut wie niemals »or fie waren vorn gesellfchastlichen Standpunkte aus unmöglich, und mit Russen oder Russinnen nur, falls die baltischen Deutschen nach Rußland übersiedelten, ober sich in der Petersburger Hofluft verloren und dann in der weiten oder dritten Generation ihr Deutschtum vergasten. n am er Dorpat und die Universität blieben deutsch. Bis gegen Ende be* vorigen Jahrhunberts würben alle Fächer deutsch gelesen. Die Professoren, die meistens aus reichsbeutschen Universitäten, wo sie einen ivili'enschastlichen Ruf erworben heilten, nach Dorpat berufen mürben, waren Vorkämpfer des Deutschtums. Die ungefähr 1500 Studenten waren in ihrer Mehrheit Deutsche, wenn natürlich im Laufe der Zeit auch die wohlhabenden Esten und Letten ihre Sohne an der Universität studieren ließen. Sie verschmolzen sich aber gesellschaftlich wenig mit den deutschen Kommilitonen. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts drangen auch manche russischen Elemente >n du: Studenten- welt ein, die aber ganz für sich lebten und landfremd biteben. Die ton anaebenden Korps, die Livonia, die Estonia, die Kuronia, die rraterm- tas Rigensis und die Neobaltia zählten in ihren Reihen nur Deutsche und wohl nirgends ist das Deutschlandlied nut mehr Begeisterung und lieber,«uqung als auf den Konventsquartieren und auf den Kommersen in Dorpat" gesungen worden. Deutschland war bas geistige Vaterland dös man idealisierte und feierte. Aus baut Domberge hatte man rum Mißfallen der hohen russischen Behörden, dem „Vater Rhein em Bronzedenkmal errichtet. Die bunten Farbenmutzen verdrängten Die russische Stubentenuniform, bie kein Deutscher ohne Zwang anlegte. Das nüchterne Universitätsgebäude in der Johanmsstrahe, mit feiner breiten Front ohne alle architektonische Verzierungen umgab eine Aureole deutscher Tradition, an der alle Umwälzungen und Sturme der letzten Zeit wenig geändert haben. . Die Bewohner Dorpats nannten ihre Stabt gern .»bQ5 '-c,,™a(y= Athen" (ber Embach stiehl durch Dorpat). Es war das em etwas kühner Vergleich, denn Dorpat hat mit der Sonnenstadt Griechenlands gar keine Aehnlichkeit, es sei beim, daß mein bie hohe Ruine auf dem Domberge, in bem die Universitätsbibliothek untergebracht ist, mit der Akropolis vergleichen wolle. Die Bezeichnung paßte nur injofcrn, als geistige Kultur und Bildung in Dorpat das Primat besaßen. Es gab vielleicht etwas geistigen Hochmut, sehr viel Respekt vor der Abstemvelung durch Examina und Inleressenheuchelei für ,..^erle> 3° ehrte Dinge. Selbst alte Damen, um nicht Zuruckzuftehen, fugten sich ''wnchmal ver- pflichtet gelehrte Vorlesungen zu be uchen und Kollegienhefte zu fuhren, man verkapselte sich in der eigenen Weit und vergaß den Zeilae st darüber. Man lebte nach streng vorgeschrlebenen Normen, m ben i-te - fein unumstößlicher Traditionen. Aber das Hochhalten des deutschen Paniers war nicht nur eine Pflicht, sondern eine Religion. Und wenn auch Krieg und Revolution bas alte Dorpat vernichtet 'chbeifoiragi boäi noch jedes Haus und jeder Stein bie Erinnerung an die deutsche Zeit. Die Studentenherrlichkeit Dorpats ist in den Herzen tonen lebendig geblieben. Die feuchten Kommerse d'- Ausfahrten zu ben Bällen nach Fellin und Wenden sind unvergessen. Etwa 40 Kilometer von Dorpat liegt in grüner, hügeliger Landschaft Helligensee, em^ bevorzugter Ausflugsort der Korpsstudenten. Die atten Baume im Park weifen noch Hunderte von Inschriften auf, die in ihre Rinde geritzt wurden. Im Kruge am Seeuser tragen die Wände Hu)ide:rte> oon baltischen Stubentennamen, unb die durchsichtigen Kriege ^aa npfn hpni Träumer all das wieder, was war. Dor dem Kriege lag rings um den See urdeutscher Besitz, blühende Güter, sih^arttge Gebäude, die durch Jahrhunderte den Nachkommen der Deutfchrittei g - hört batten die einst mit dem Schwert unb mit dem Kreuz na.h UU- land gekommen waren, unb die im Verein mit den Herren der Hansa und mit der nachfolgenden deutfchen Intelligenz den emg f h.. L ihre Kultur schenkten, sie zwar in den Feudalzeiten unterdrückten aber für ihre Wohlfahrt und ihre Bildung sorgten; "ur unterließen sie es, sie zu germanisieren ober um ihre Liebe zu werben. Das war e n Hehler, de? ich furchtbar gerächt hat. Die Esten sind f be inrunnes rallenverwandt mit den Finnen und Ungarn. Das -Holt oci i»--sp'-ch. «ir» Volk verstanden sie hat mit dem Deutschen oder Russischen nicht die entfernteste Aehnlichkeit. Obwohl die Esten fo wenig ^^°,'A ^,'nde bildeten die Deutschen dennoch m ihrer M'"e e ne verschwindenb Minderheit. Aber seit ber Feubalzeit waren d>e unbestrittenen Herren i Lanbe bie Deutschen. Unter ben Esten aber, bie sich immer mehr ihrer Nationalität bewußt würben, wuchs di- Auflehnung gegen die Herrfcher- slellung der Deutfchen, die an ihren V°rrech en festhielten und m den politischen Cmanzipalionsbestrebungen der Esten eine attade f ureigenes Gebiet sahen. Man muß sich erinnern, d H baltischen SÄ"«;:: uär^Braudeangesteckl" s'c b^imn^ineii P'u^eungdig^gcn du: Güter der Deutschen, und wenn auch der Aufstand unterdrückt wurde so schlossen sich doch die nationalen esinijchen Berdcinbe gehe bas Denlschlum zusammen, unb als das Reich "ach d c 6ie Boden lag unb der Ausstand ber Bolschewisten ausbrach da würben die Deutschen wie Freiwild gejagt, ber Feuerbrand w . schließlich geworfen, Hunderte unb Tausende wurden ermordet, und fchiiestii ) wurde der deutsche Besitz enlfchadigungslos konfisziert. man. Zwölf Jahre find feit jenen grausamen Tagen f (i-h'm:n0.;n ,ric cher frühere Gutsherr erinnert sich heute mit Wehmut Rr Chwrnsso-Vett vom Schloß Boncourl". Die Wogen des Daffes_ beg tn nen f i d) 3 u g atten Die Universität Dorpat (heule „Tartu ) bestehl fir . mirh soweit das möglich ist, die Universität estnijch geworden ft |o wird doch nach wie vor der deutsche Kultureinstuh be Ich,. Gtine. Roman von Theodor Fontane. (Fortfetzung.) ''Das wag ich nicht vorherzusagen, vielleicht bloß >n den der Lang- weite, vielleicht auch in einen schlimmeren. Unb den Tag danach schreibst du ihr einen Abschiedsbrief unb trittst deine brüte Romersahrt am Rom paßt ohnehin für die Haldems, alt zu alt. Aber nicht Amerika. Ja, für die diggings oder ein Goldgräberkamp ist mir, offen gestanden, auch ^^Wawemar^erhob sich von seinem Platze. „Du hastz Onkel, von deinem Standpunkt aus, ein Recht, so zu sprechen, ja, vielleicht ^ter und Herder nod)- es liegt dir fern, mich kränken zu wollen, ich höre das heraus, und ich danke dir dafür. Aber alles, was bi- gesagl, kann wichnicht nm- ftimmen; es muß bleiben, wie es ist. Ich suhle mich zu.diesem liebens- würdigen Geschöpf, bas nichts ist als Wahrhaftigkeit, Natürlichkeit unb Gute, nicht nur hingezogen, das lagt nicht genug, ich fühle mich an sie gekettet, und ein Leben ohne sie Hal keinen Wert mehr für mich und ist mir undenkbar geworden. Es braucht nicht Amerika zu sein; es findet sich auch wohl . ein Winkel hier..." ”Bann@a“fo drüben.' Und ich bitte bid), mir bei den Eltern in ®rofr Haldern, wenn nichts weiter, so doch das Ausbleiben emes großen, auf- aefteiften Protestes erwirken zu wollen. Eine gegen Mich verhängte Fa° milien-Acht rnöcht ich, wenns irgend geht, vermieden sehen, so wenig Schreckliches alle Bann- und Achlerklarungen von leher fur mich gehabt haben. Ich erwarte kein Ja, keinen Segen; ich verzichte darauf, schon einfack weil ich muß. Es verlangt mich nur, zu Horen, daß man sich in bas Unvermeidliche gefunden hat, daß man sich ihm unterwirft, als war es eine Schickung oder welch -sonstige fromme Bezeichnung man dafür wälllen mag Der junge Pastor kann ja Worte zur Auswahl stellen. Lebte der alle Buntebart noch, so wär es besser. Der Besitz fällt meinem lungeren Bruder zu, trotzdem Groß- und Klein-Haldern Primogenitur sind, sch -vlL den Verzicht gerichtltth aussprechen. Rur -'n Pslichttei ettR t ich mir, um das Nötigste durchfuhren zu können. Und nun noch u'ma , willst du mein Fürsprecher (em, ber wenigstens bas Schmerzlichste von mir nbmenbet unb mir für die Zukunft, und wenn es bie fernste wäre, die Möglichkeit einer Versöhnung osfenhalt? Der alte Graf schüttelte den Kopf. ... Also nein. Und auch das ist gut, weil es etwas Bestimmtes qt. Ich danke dir, daß du mich angehört und mich mit Standesrebensarlenund vor allem auch mit jenem französischen Worte, das bei solchen Gelegen heilen in unfern Kreisen gang unb gäbe ist, verschont hast. Unb nun lebe wohl- ich sehe bich nicht wieder. Alles, was noch zu tun ober zu lagen pich hin, aus und ab. Jetzt aber blieb er stehen und sprach nicht ohne Bewegung vor sich hin: „Und daran bin ich schuld .. .in). Schuld? Du? Schuld an meinem Glück? Nein, Onkel, nur Dank und wieder Dank." Und dabei nahm er den Hut, um zu geben, hielt aber nA einmal an, augenscheinlich in Zweifel, ob er dem Oheim die Hand rCi<2cr alte Graf fat es unb trat seinerseits «men Schritt zurück. So verbeugte sich denn der Nesse nur m aller Förmlichkeit und schritt dann auf bie Tür zu, bie nach bem Korridor hinausfuhrte. d Draußen stand Johann, der gehorcht hatte, nut dem Ueberz.eher schon in der Hand und ließ es an Dienstbeflissenheit nicht fehlen. Aber das nach, drückliche Schweigen, in dem er verharrte, schien doch auch {emerieits eint miifehilliauna ausbrücken zu fallen. War er doch lange genug im Haldern- ftfien^Dienftfum über Mesalliancen noch strenger zu denken als fein Herr. Dreizehntes Kapitel. Erst als er wieder allein war, wurde sich der alte ®raf aUcs befielt, was er gehört hatte, voll bewußt. Allerdings war ihm gleich im elften Sluaenblick bas Blut zu Kopf gestiegen, Walbemars ruhiges «sprechen aber unb vielleicht mehr noch ein ihm tief im Blute steckender Hang nach bem Aparten unb Abenteuerlichen hatte feinen Unmut Aruckg-halten. Ji^efsen dieser Zustanb konnte nicht dauern, und jetzt, wo Waidemar fort unb die Diskussion einer ihn prickelnden Frage geschlossen war, war auch der Moment wieder da, die zurückgedrangten ersten Empfindungen. Entrüstung und Schreck, wieder auflohen zu lassen. . In der Tat auch Schreck. Er war Grund unb Ur fad) all dieser Wirrnisse, di« nicht gekommen wären, wenn er, für feine Person, aus die ton eß Laune "Waldemar bei ber Pitlelkow einzuführen, verzichtet halte. Dieser Hnx o'as seinerseits mußte früher ober später zur Kenntnis seines alteren Srubfrs 'des Majo7atsherrn auf Groß- unb Mein-Haldern, kommen, unb wenn er sich bann verklagt sah, gleichviel laut ober leise, wie wollt er ba bestehen? Unb wenn vor ihm, dem Bruder, wie vor ihr, der Frau Schwägerin? Sie war die stolzeste Frau weit und breit, eme von Petersburger Erinnerungen getragene kurländische Same, oor ber |clbft bie Haiberns nur mit Mühe bestehen konnten unb der eine Schwiegertochter im Stile von Stine Rehbein einfach Tod und Schande bedeu ete Was half es wenn Waldemar aus dem Lande ging und sich für vn}^F erpatrüerte? Die Tatsache der „Enkanaillierung eines Haldern blieb bestehen und mit ihr der Skandal, die Blame, das Ridikul. Und das letztere^ war das^Schlicht"! übcr((?gie der Graf, während er, immer erre^ ter "und nervöser werdend, in seinem Zimmer aus und ab fd^itt. ,,üd) werbe mit Gewalt dazwischenfahren. Ich bin schulb, ja und nochmals ja, nnb immer wieber ja - ich will es nicht von mir abwalzen. Aber meine DummhZt allein hat es nicht bahin gebracht, da steckt meme gute Freun- hin dahinter dieser schwarze Gottseibeiuns, meine gute Pitlelkow, bie ieben Tag röppelköppischer wirb. Denn soviel bon sens sie hat, so ist sie doch vom Hochmutsteufel besessen, und währenb sie nach links bin sich einbildet, mit mir machen zu können, was sie will will sie nach recht bin die blonde Schwester mit ihrer langweiligen Tugendgrimasse direkt LZ < La dv11 io-»" Ul' \Ä 'LV PA .nachsehen", aber der Graf war nicht in der Laune, sich „Was du räumen, es änd a fordern. von dir Ge- die Sie, daß Derainwortlich: vr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag. Brühl'sche Univerfitäis-Buch» und Steindruckerei, A. Lange, Gießen. sn unsere Familie hineinspielen. Aber ich werde dem Hause Pittelkow mit all seinen Annexen zeigen, daß es denn doch die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat. Undankbare Kreatur! Aus dem Kehricht hab ich ste aufgelesen, und als Lohn für meine Guttat zahlt sie mir in dieser • „Guten Tag, Witwe." Die Pittelkow sah, daß er schlechter Laune war, und erwiderte deshalb, ohne sich von ihrer Fensterstelle zu rühren, im gleichgültigsten Tone: „Guten Tag, Graf... Eine schmähliche Hitze..." Der alte Graf bezeugte keine Lust, sich in ein Wettergespräch einzulassen, warf sich vielmehr ohne weiteres ins Sofa und sagte, während er sich mit dem Taschentuch etwas frische Luft zufächelte: „Komme heut in einer ernsten Sache, Pauline. Was ist das mit der Stine?" Was »oll das mit dem anzüglichen Vorwurf und deinem spöttischen Gesichi dabei? Waldemar ist ein armer, unglücklicher Mensch uni) kann freilich keinen Degen verschlucken ober sich einen Amboß auf die Brust legen lassen. Und wenn du das ein „Untätchen" nennen willst, nun, so tu s. Aber seine Krankheit und sein Elend, das ist es ja gerade, was ihm vor Galt und Menschen zur Ehre gereicht. Denn woher hat ers? Aus dem Krieg her hat ers. Er war noch keine neunzehn und ein schmächtiger, dünner Fähnrich bei den Dragonern und sah aus wie ’ne Milchsuppe. das muß wahr sein. Aber ein Haldern war er. Und weil er einer war, war er der erste von der Schwadron, der an den Feind kam: und vor dem Karree, das sie sprengen sollten, ist er zusammengesunken, dann sehen wir weiter." Die Pittelkow war im wesentlichen damit einverstanden und fiel, als ihr Haldern auch erzählt hatte, daß Waldemar nach Amerika wolle, rasch wieder in ihren Alltags- und Gemütlichkeitston. „Ich war von Anfang an dagegen. Un nu will er auch noch nach Amerika! Du mein Gott, was will er da? Da müssen sie scharf ran, un bei sieben Stunden in Stichsonne, da fällt er um. Erst heute früh haben sie hier einen vom Bau vorbeigebracht un war noch dazu ein Steinträger mit Schnurrbart un Soldatenmütze, was immer die stärksten sind. Un nu solch armer Invalide! Graf, ich werd es schon machen und will gleich zu Wanda, die muß mir eine Geschichte zurechtlügen. Un wenn ich die habe, dann packen wir Stinen ein, nach Altlandsberg oder nach Bernau mits Storch- neft ober nach Fürstenwalbe. Sie will immer beistehn un helfen, un wir müssen ihr so was Vorreden von Beistand un Hilfe." Der Graf war erfreut, und fo trennten sie sich. Vierzehntes Kapitel. Die Pittelkow, als der Graf fort war, warf sich in Staat, nahm ihren Umhang und ging in die Tieckstraße, um mit Wanda zu beraten, was zu tun und in welchem märkischen Neste Stine wohl am besten unterzubringen sei. Wanda, dessen entsann sie sich, hatte eine ältere, nach Teupitz hin an einen Schlächtermeister verheiratete Halbschwester; vielleicht wenn man sagte, daß da was Kleines angekommen und der Mann samt seinen bleien Kindern eines Beistandes in der Wirtschaft bedürftig sei? „Ja, so muß es gehn. Un is erst wer in Teupitz, so kommt er sobald nid) wieder weg. Un die Frau wird sie schon festhalten, — so viel wird sie dock) woll von Wanda'n haben, daß sie nid) gleich locker läßt. Un wenn jrade geschlachtet wird, kann Stine ja zusehn und hat en bißchen Zerstreuung." In dieser Richtung gingen die Gedanken der Pittelkow, die, während sie diese Pläne machte, nicht ahnen konnte, baß ziemlick) um eben diese Zeit bereits Entschlüsse gefaßt und Entscheidungen getroffen worden waren, die jeden weitern Klugheitsplan unnötig machten. (Fortsetzung folgt.) „Kann ick) nicht." „Weil du nicht willst." „Oh, ich will schon. Ich habe schon gewollt, gleich als ich schichte kommen sah. Es is ein Unglück für meine Stine." „Was?" Während er nod) so sprach, traf fichs, baß sein Blick von ungefähr in den Spiegel fiel. Er trat benn auch heran, rückte sich bas rote Halstuch zurecki unb lachte: „So also sieht ein Ehrenmann aus, em Witwenretter und Waisenvater... Habe die Ehre." Unb er betomplimenherte sich selbst. Sinnier bas alte Lieb. Sowie man in ber Patsche sitzt, spiest man sich mif ben Unschuldigen hinaus, schimpft über die Komplicen, die meist viel weniger Schuld haben als man selbst, unb läßt andere die Dummheiten entgelten, die man höchst eigenhändig gemacht hat. Und in meinem Falle nennt sid) diese schnöbe Weißwascherei noch aristokratische Gesinnung und erhebt sich über die Pittelkows, die sich wenigstens nicht mit .Noblesse oblige1 durch die Welt zieren. Jammervoll. Wohin man sieht, hat man sich zu schämen. Und doch muß etwas geschehen, und wenn meine Schuld noch zehnmal größer wäre." n Bei diesen Worten zog er die Klingelschnur. „Eine Droschke, Johann! Unb während dieser sich nach dem nächsten Halteplatz aufmachte, machte ber alte Graf Toilette, sorglich unb vor bem Spiegel, aber boch mit der Raschheit eines alten Militärs. Eine halbe Stunde später hielt die Droschke vor dem Eingänge zum Invalibenpark. Der alte Graf stieg aus unb ging, über ben Damm fort, auf bas ihm wohlbekannte Haus zu, bas im grellen Scheine ber Msttags- fonne wie ausgeftorben balag. Pauline stand am Fenster und erkannte den Grafen, als er hastigen Schrittes auf ihre Wohnung zusteuerte. „Jost", sagte sie, „nu schon bei Tage!" Dabei rückte sie ober doch ben Kragen zurecht und warf ihre Kiichenschürze hinter den Ofen. Und letzt hörte' sie’s klingeln. „Mama zu Haus?" . .. Olga wollte „nachsr>/r>. , «vn. vn ...... ,.,vv auf seinem eigensten Territorium allerlei lächerlichen Anmeldeformlich- teiten zu unterwerfen, und trat also, während er Olga folgte, gleichzeitig init dieser in das Vorderzimmer ein. „Es is ein Unglück für meine Stine. Ja, Graf. Oder denken ich so dumm bin,'so was für ’n Glück zu hasten? Ach, du meine Güte, da sind ber Herr Graf mal wieder ans Jrrland, un ganz gehörig. Un nu hören Sie mal ein bißchen zu! Hier drüben wohnt ein Schlosser, ein Kunstschlosser, und hat ’nen Ressen, einen allerliebsten Menschen, der bei den „Maikäfern" gestanden — aber jetzt is er wieder ins Geschäft. Nu, der war letzten Sommer immer um die Stine rum, un wenn der das Mächen nimmt, bann geh ich nächsten Sonntag in’n Dom ober zu Buchsein unb meine mir aus unb danke dem lieben Gott für feine große Guttat un Gnade, was ich nu schon eine gute Weile nid) gedhan habe. Ja, Graf, so steht es. Mein Stinechen is kein Mächen, das sich an einen hängt ober mit Gewalt einen rankratzt, Graf ober nich, un hats auch »ich nötig. Die kriegt schon einen. Is gesunb und propper un kein Untätchen an ihr, was nid) jeder von sid) sagen kann. He?" „Komme mir nicht damit! Das sind Ausweichungen unb Redensarten, bloß um von ber Sache loszukommen. Darum hanbelt sichs nicht. Untätdien. Was heißt Untätchen? Ich habe ber Stine nichts auf den Leib gereb’t, ich weiß, sie ist ein gutes Kind. Aber was soll das mit deinem „Untätchen" unb „was nicht jeder von sich sagen kann"? Meinst du mich? Meinetwegen. Mir tute nichts; ich bin drüber weg. Aber du meinst meinen Neffen, und das reizt mich unb ärgert mist), weils mal roieber deinen schlechten Charakter zeigt. Oder wenn nicht deinen |d)led)ten Charakter, so doch, daß du hart bist und ohne rechte Güte. „Mit Stine?" „Ja. Sie hat da mit meinem Neffen angebänbelt. Unb nun ist er verrückt geworben unb will sie heiraten. Und wer ist schuld daran? Du, Pauline. Du hast mir dies eingebrockt. Du, nur du, Stine macht nicht drei Schritte, geht nicht von hier bis ans Fenster, ohne dich zu fragen; sie hat nie was andres getan, als was du gewollt oder gutgeheihen hast, uf dick) fällt dieser Skandal. Ich frage dick), ob ick) Anspruch auf solche Behandlung habe? Nun, wir wollen sehen, was wird. Wolle du, was du willst, ich will, was ich will. Die Welt ist verrückt genug geworben, ober so weit sind wir noch nicht, baß die Häuser Haldern unb Pittelkow Arm in Arm ihr Jahrhundert in die Schranken Nein, Pauline. Solchen Unsinn verbitt ich mir, unb was ich forbre, ist bas, daß bu dieser Kinderei ein Ende machst." seinem Neffen, das ist die Hauptsache, das hat mich überführt. Ich glaube jetzt, daß du unschuldig an ber Sache bist, und muß auch ein- " dir nicht ähnlich. Du bist viel zu klug und zu verständig, um solchen Ünfinn in Gong zu bringen. Denn du sagst es ja selbst, ein Unsinn ist es und ein Unglück dazu. Und noch dazu für alle beide." Pauline nickte zustirninnd. „Also ein Unglück, sag ich. Unb nun laß uns überlegen, wie wir da rauskommen ober es wenigstens eingrenzen unb wieder Schick in die Sache bringen. Waldemar ist eigensinnig (alle Kranken sind es) und wird von feinem Vorhaben nicht lassen wollen, davon bin ich überzeugt. Es ist also nur dadurch etwas zu machen, daß wir auf den andern Part, auf deine Schwester, einen Einfluß gewinnen." Die Pittelkow zuckte mit ben Achseln. „Du willst sagen, es fehlt auch ihr nicht an Eigensinn. Und ich glaub es beinah. Außerdem ist alles. Zureden umsonst, solange noch die Möglichkeit für Stine bleibt, Waldemar zu sehn und zu sprechen. Den wird sie natürlich lieber hören als uns. Jeder hört am liebsten, was ihm schmeichelt unb wohltut. Ich seh also nur ein Mittel: sie muß fort. Unb ich stelle bir alles babei zur Verfügung. Ueberlege! Sie wirb boch irgenbroo in ber Welt, in ber Priegnitz ober Uckermark, eine Freunbin ober Anverwandte haben, unb wo nicht, jo müssen wir so was erfinden. Da muß sie hin. Nur weg von hier, weg. Zeit gewonnen, alles gewonnen. Unb ist erst eine Trennung ba unb haben beibe vierzehn Tage lang eingesehn, daß sich auch ohne Monbscheinkuß immer noch (eben läßt, so haben wir wenigstens einen guten Anfang gemacht. Unb zwei Kugeln unb ein Bajonettstich, unb bas Pferd über ihn. Unb das mar zuviel für ben jungen Menschen. Zwei Jahre hat er gelegen unb gedoktert unb gequient, unb nun brückt er sich schwach unb krank in ber West herum, unb weil er nicht weiß, was er machen soll, besucht er Stine unb will sie heiraten. Das ist ein Unsinn. Aber komme mir nicht mit allerlei Spitzen und Anzüglichkeiten, die für ben armen Jungen nicht passen. Er hat bas Eiserne Kreuz, unb ich will, baß bu mit Ächtung von ihm sprichst." Pauline lachte. „Jokt,Graf, wenn bas einer hört, so muß er ja wahr unb wahrhaftig benten, ich wollt einem einen Spott braus machen, daß er ein braver Junge gewesen. Ader bas is auch so eine von euren Marotten, bah ihr immer denkt, wir verstünden nichts davon und wüßten nichts von Vaterland und knappzu von Courage. Aber wie steht es benn? Alle Wetter, ich bin auch fürs Vaterlanb und für Wilhelm, unb wer feine Knochen zu Markte getragen hat, vor bem hab im Respekt unb brauche mir nich erst sagen zu lassen, daß ich Respekt vor ihm haben soll. Un benn, Graf, man nich immer jleich mit bie Haldems. Ich habe welche gekannt, bie waren auch erst neunzehn un keine Halberns un saßen nich zu Pferbe, nein, immer bloß auf Ge- brüber Benekens un mußten auch immer vorwärts. Un zuletzt, als es bergan ging un sie nich mehr konnten, ba hielten sie sich an bie Kusseln, weil sie sonst rücklings runkergesallen wären, un immer die verdammten Dinger dazwischen, bie so quietschen un sich anhören wie ’ne Kaffeemühle. Nee, nee, Graf, bie Haldems haben es nich alleine gemackst un ber junge Graf auch nich. Aber er hat feine Schuldigkeit getan un feine Gesundheit drangegeben, und da werb ick) ihm boch nichts anreben — i, da biß ich mir ja lieber bie Zunge ab. Ich habe bloß sagen wollen, daß an Stine kein Untätchen is. Un dabei bleib ich. Un ba wir nu mal davon reden, babei bleib ich auch, baß ans Gräfliche öfter so was is als an unserem, un nu gar erst an Stinechen. Ich weiß nicht, wie bie Dokters es nennen, aber das weiß ich, es gibt Untätchen schon von'» Urgroßvater her. Unb bie Urgroßväter, was so bie Zeit oon’n dicken König -war, na, die waren schlimm. Un bie Halberns werben woll auch nich anders gewesen sein als bie anbern." „Cs ist gut", sagte ber alte Graf mit wiebergewonnener Ruhe, gleich zuerst gesagt hast von dem Sckstosser drüben unb fen, bas ist die Hauptsache, bas hat mich überführt. Ich