Nummer 45 Montag, den 13. Juni rgang <952 ' Z« be. es m liebeck illten |i4 igentönt e toor's, ftröuti n einem Zwei Lunigedichte. Von Max Dauthendey. Glühwurm im Gras. Die Juninacht, sie hat's entzündet, Und wie ein Blick, der dich ergründet, So liegt ein kleines Licht im Gras, Als flog es dir vom Herzen fort, Ein Liebeswort, das ungesprochen Und ungebrochen weiterglüht, Und lautlos müht sich dir zu nennen. Doch eh' die reife Juninacht Zu End' gedacht, Sollst du's erkennen. Sie hak Rosen angezündek. Meine Liebste ist mit Lächeln Durch die Dornen hingegangen, Und an allen wilden Dornen Hat ein Blühen angefangen. Sie hat Rosen angezündet, Eine blieb am Rock mir hangen. Und blieb dicht an meinem Herzen Bangrot wie der Liebsten Wangen. m, ch. Endlich )en. ih| habe fit mal, m halsluch ijätnnitt hndti. Rinnen, ■ Auch! iw üben in Kleidm Das war meine erste Begegnung mit dem Draußensee, dem toten See, wie ich ihn bei mir nannte, den ich heute als reifer Mann Wiedersehen soll. * Im Sonnenglast liegt die Landschaft am Frischen Haff. Im Osten ein paar holländische Windmühlen, dahinter einige hochstämmige Erlen und Pappeln. Von Norden her grüßt ein Turm: Elbing. Weiterab geistern über glitzernder Wasserfläche die Dünen der Frischen Nehrung. Heber einem Feldbahngleis, das aus ausgedörrtem Gras herausragt, flimmert die heiße Luft; über dem weiten Wiesengelände liegt das müde Gezirp der Grillen. Aber die schlanken, zartflügeligen Libellen, die da knisternd und raschelnd hin und her jagen, kennen keine Mattigkeit. Es ist, als hätten sie alle das Bestreben, ihr kurzes Sonnendasein weidlich zu nutzen. Ob im Kolbenrohr oder über den Seerosen, im Schilf oder über dem Ried, überall Blitzen und Schwirren, Jagen und Rütteln der verschiedensten Jungfern. Und verschieden ist auch die Art des Fluges. Hier Minneflug, dort Beuteflug. Und nebenan int Schilf lautes Geraschelletzte Zuckungen einer sterbenden Libelle, die ihr Leben, das sie gerade erst begann, unter scharfen Kiefern Sushaucht. Ja der Tod kommt hier in der großen Schilföde in jeder Sekunde, wie denn auch in jeder Sekunde das Leben geboren wird — im Röhricht und Laichkraut, zwischen Binsengestrüpp und im Usergehölz. , Der See wird sichtbar. Aber nicht in blanker Wasserfläche tritt er auf uns zu. Nur Schilfwälder sieht das Auge zunächst, Schilswälder, die etwas von der Unendlichkeit des Meeres oder der Wüste haben ober der Ströme. Ad und zu erscheint das Flugbild eines Vogels über leicht schwankendem Rohr. Zuweilen tönt auch ein schriller Schrei. Und jetzt blinkt auch schon Wasser im Sonnenglanz, dunkles Wasser, und allerlei Farben treten aus dem Grün und Grau des Röhrichts hervor — weithin leuchtende Farben. Das sind Seerosen und Mummeln und noch mancherlei andere Pflanzen. Sie alle liegen im erbitterten Kampf mit dem Wasser. Seit ungezählten Jahrtausenden. Sie alle führen einen Kampf, der sonst dem Menschen zusällt: Eroberung des Wassers. Und so wenig einige Jahre auch vermögen, das Gesicht einer Landschaft zu verändern, dieser Naturprozeß hinterläßt schon in einem kürzeren Zeitabschnitt deutlich sichtbare Spuren. Es ist wie mit Wasser und Düne. Aber das Wasser arbeitet unmerklich langsam, und die Dünenbildung ist von einem bestimmten Winde abhängig. Die Verlandung aber, die wir hier sehen, schreitet unaufhaltsam vorwärts, als wären hier viele, viele Hände am Werk bei Tag und bei Nacht. Stumm weist der Fischer auf eine Stelle. Es ist ein Gewirr von Pflanzen, die innig ineinander verschlungen sind. Ein Filz. „Hier warf Ich noch vor zwanzig Jahren meine Netze aus. ‘ Uni) bann bebeutet er auf eine anbere Stelle, auf ber Rohr unb Schiß miteinanber um bie Vorherrschaft kämpfen. „Da konnte ich bamals noch mit bem Boot anlegen. Damals — bas finb erst zehn Jahre her. Weiter geht's burch Erlenbickicht. Dichter wirb ber Pflanzenwuchs, unb munterer tönt es burdjeinanber. Schrille, lockenbe flötenbe Stimmen. Unb ich muß benten an meinen ersten Besuch unb bie Einbrücke biefer Jugenbsahrt. Heute weiß ich, wem biefe Stimmen gehören. Heute? Damals schon wenn ich auch bie Sänger unb bie Rufer nicht zoologisch bestimmen konnte. Unb richtig ist es auch, baß biefer See mit aller ®el in Verbinbung steht: ber graue Vogel, ber bort über ber Schilfbucht schaukelt ist ber Rohrweih unb ber hat ben Winter an ber Mittelmeer- tüfte zu'aebracht; ber kleine Lärmmacher im Rohr ist ber Sumpfrohr- fänqer unb ber ist noch weiter gereift. Unb bie flitzenben schmucken Kerß dien bie ba so behenb über ben Schlamm'trippeln, baß das Auge sich anstrengen muß, die flinken Bewegungen der dünnen Stanberchen zu erfassen sind Stranbläufer. Und bie finb bie reinen ReisAxe m ber Voaelwelt. Aber sie verstehen es mit Genuß zu reifen, biefe Globetrotter. Ohne sonberliche Hast ziehen sie bahin. Wo es ihnen gefallt bleiben sie. Unb hier gefällt es ihnen. Sie haben ,a bie herrliche Fähigkeit, Verzögerungen burch bie Schnelligkeit ihres Fluges wettzumachen. 4 aeia dieser See sieht viele Gäste. Aus fernen und fernsten ßanbern kämmen sie über Meere unb Gebirge, an großen Strömen entlang unb über weite Ebenen. Noch bevor ber Lenz ben See von feiner Eisbecke befreit kommen bie ersten ßuftroanberer. Unb bann halt ber Zug an bis in ben Mai hinein, bis ber Rohrsänger fein schalkhaftes Sieb singt unb die jungen Kiebitze aus ben Eiern schlupfen Unb wenn bas Jahr auf feiner Höhe ist, kommen bereits bie ersten Ruckwanberer, die zierlichen Stranbläufer bie auf ber Reife nach Westen hier längeren Aufenthalt nehmen Wenn aber bie Stare in ben bichten Rohrwalbern große Reife- aeiellschaften bilden, unb ber Nebel bick unb schwer über bem See lastet, roenn in Silber bes ersten Reiss bie Wiesen erglänzen, bann kommen scbon bie ersten norbischen Gäste. Aus bunklem Wasser gleitet unser Kahn an schwarzen Elstern vorbei unb leudjtenben Seerosen. ®in ©emtrr von mfinn«n versperrt uns ben Weg. Hin unb her wiegen sie sich. Em ragender Rohrwalb bleibt zurück. Die Aussicht auf offenes Wasser wird frei. Aber weit geht ber Blick auch l°ßt nicht Da taucht Jdjon eine ber chwimmenden Kämpen, biefer abfonberlidjen Sebilbe, bie ber Arbeit bes i’s un|tt am" ib gegen» ir in da was Jf t hei» ijanbmrf Seit stk ich wß schwätz« geht H ' ich M gelb diU getan net * ibere wie W ' ober rij tuen » d in il)« m rgott nur 5® ) was»' ennft. Ä ib benten errg°tt enon ick ®‘ was m» s iich° mb 'S- intntetf S!'» w huch Der sterbende See. Von Ebmunb S ch a r e i n. Elbing, im Juni. Ein kleiner Junge war ich, unberührt von aller Schulweisheit, als t bie Bekanntschaft biefes Sees machte. Sei es nun, baß es bas erste lußere Gewässer war, bas ich sah, sei es, baß es mir gerabe mir - tnberes zu sagen wußte — ich geriet sofort in seinen Bann unb würbe i“ Erinnerung an biesen See nicht mehr los. Es geht ja oft eine rounberbare Kraft von einer Lanbfchaft, etwa eiem Walb ober See ober Berg aus. Manchmal genügt f$on ein ein- i ner Baum ober ein Stein ober eine .Blume eine starke Wirkung aus ihn Menschen auszuüben, ihn auszuschliehen für Empfangniffe, bie hm tcher versagt waren, ihn zu einer Weisheit zu fuhren, b.e 'hm kem »üehries Buch vermitteln kann, einer Urweisheit die nicht vom Berstanbe trmmt, fonbern von ber Seele. Unb biefer See mit feinen Schilfbickungen iimen unburchbringsichen Rohrwälbern unb feiner ganzen mir damals »verständlichen Pflanzenwelt hinterließ fo tiefe Embrucke bas alles ° bere, was ich bisher gesehen, bagegen aurüdtrat. Ich 9öie dm Flug ungezählter Entenscharen, bie Stimmen ber Rohrsänger, tigenben Rufe der Kiebitze auf ben nahen Wiesen -was war h. S iese, was See? —; ich sah Vögel kreisen Vogel von: wannigfacher Mtalt unb von verschiebenartigem Feberkleib. Ich wußte meüier t'6 es ßänber unb Meere gibt, anbers beschaffen, als bie Stad e meiner feburt. Ich ahnte auch, bah biefer schwer emzu fthenbe SJtlfg mrt Inen ßänbern irgenbroie in Verbinbung stehen müsse, nM durch Wasser^ laßen, fonbern burch feine Vogelwelt. Unb ich ahnte, aß h f 'ch engere Verbindung bestanden haben müsse als he ■ tubung non Mensch zu Mensch ... Es war mir, als dürft 'ch nicht 'ebt Weggehen von diesem See, als sei ich gekettet > - s ftwimmenden Kämpen, wie bie ftüsternben Rohrwalbe dieses ln Schilfbuchten, als sei ich selbst em Stuck von 'h ■ fühlte t-rwassers, bas mir erschien wie em rmgenber Mensch. J . .aq|. daß sich hier einst Großes zugetragen haben müsse. Und> g (« daß halb ein Bilb vor meine Seele trat von einem ka pf '"d daß sich weiter Bilb zu Bilb fügte Unb feen -ch auch )ei^ Lr !ah, ob im Gebirge ober im Flachland dieser ung ge= Mte des Frischen Hasfs ist mir allzeit in lebhafter Crtnner g y ‘Sieben. n . Aber so laut unb bunt bas fleben hier auch «’o'bfoern(än?ten ich !ö)ter ber Fischer über die reiche Beute, bie ihnen war , 'gee tnirbe eine leise Traurigkeit nicht los. Immer er|d) 'immer ver- »n starker unb boch vom Tobe gezeichnete Menfcft^Jmmer v^^ tutete ich hier ein oroszes Geheimnis, bas id) 3 hpmnnbert 'Hhm, sobald ich erst in ber Kunst bes Lesens uud Schee'be, *«■ Als ich dann einige Tage später an einem Gutshof eine '»bile ein Schöpfwerk treiben sah, bas ber ^ntwa ftrung e n »mte, spuckte ich vor bem raudjenben, h b?, ru6ige Heizer Mte auf bie rote Ofentür, daß es 3'We, unb L"" „scherz hielt. Rtnutig lachte, weil er bas für einen übermütig . Maschine, 'der es war kein Scherz, es war Verachtung gegenüber ber ietzenerZamilienbMer Unterhattungrbeilage zum Giehener Anzeiger Rohrs ihr Entstehen verdanken, auf. Allerlei Pflanzen sind auf diesem Stück Neuland bereits seßhaft geworden. Nicht lange wird es dauern, dann wird es ein Eiland darstellen, das dem verschiedensten Getier Zuflucht gewährt. Mit geblähten Segeln gleitet ein Frachtkahn dahin. Die beiden Insassen beantworten kopfnickend unfern Gruß. Es paßt hier nicht her, das laute Wort. Es paßt nicht zu der Stille dieses sterbenden Sees, nicht zu seinen Farben und Stimmen. Weiter geht es durch Binsen und Seerosen in die Schilfwildnis hinein. Hierhin könnte der Mensch im Kahn nicht mehr gelangen, hätten nicht die Fischer für schmale Wasserstraßen gesorgt. Enten, Enten — wohin das Auge auch geht. Und über ihnen, neben ihnen das Weiß der unermüdlich schaukelnden und stoßenden Möwen. Und dort der bunte Vogel, der sich durch rasches Tauchen dem Blick entzieht, ist der Haubentaucher. Abend auf dem See. Leise plätschern die Wellen gegen den Kahn, der in stiller Schilfbucht einen Hafen gefunden hat. Seltener werden die Stimmen. Deutlicher klingt das Rauschen des Rohrs und das Flüstern des Schilfs. Enten ziehen tief über die weiten Rohrwälder. Hart fällt ihr Ruf in die abendliche Stille. Wasser spritzt auf. Und schon kommen andere Flüge — Zug Um Zug. Tiefer senkt sich die Dämmerung herab. Unter ihren Schleiern versinkt allmählich die schwimmende Kampe, und im Dunst der Abendnebel geht das Weidengestrüpp unter. Unken läuten überall und in allen Tonarten. Ein Reiherruf kommt vom dunklen Abendhimmel. Dumpf brüllt die Rohrdommel. Die beherrscht jetzt mit ihrer dröhnenden Stimme die Wasserwildnis. Ein goldner Stern leuchtet über schwarzer Flut. Und die Wellen glucksen und glucksen, als wollten sie uns erzählen von der Vergangenheit dieses Sees. Von den Zeiten, als hier das Pslanzendickicht geringer und das offene Wasser weiter war, als die ersten Männer mit dem Kreuz auf weißem Mantel in diese Wasserwildnis einbrachen, als sich drüben auf den Hängen die wehrhafte Mannschaft um den Reick scharte, den Eindringlichen mit der Waffe in der Hand zu begegnen. Den Männern, die gekommen waren, ihnen die Heimat zu nehmen und den Glauben ihrer Väter. Blutrot steigt über den jenseitigen Erlen der Mond empor, wirft einen leuchtenden Streifen über Wasser Md Schilf. In seinem Glanz tritt die schwimmende Kampe deutlich hervor, scheint zu wachsen. Wie ein Schiff ist sie anzusehen. Wie eines der beiden Kriegsschiffe, das die Ordensritter hier auf diesem Wasser einst trug nach der Stätte, die sie Elbing nannten. Oie Wildkatze von Hoogeschuur. Von Richard Euringer. In der Ferne Hoogeschuur, nördlich von Oostaverne, mit Front auf Wytschaete, nistete eine Batterie des 6. Bayerischen Reserve-Fußartillerie- Bataillons. Der Batterieführer, ehemaliger Flugzeugführer, hielt mit uns Feldfliegern Kameradschaft. Wir erkundeten ihm Ziele, schossen — damals noch mit Leuchtpatronen — seine Langkanonen ein, hatten ihm Lichtbilder versprochen, die verdeckte feindliche Stände, dann aber auch die eigene Stellung nach ihrer Sichtbarkeit festlegen sollten; denn sobald solch ein Nest irgendwie sich kenntlich abhob, hob es Vernichtungsfeuer aus. Und das mußte man den Franzmännern lassen: als Artillerieerkunder sind ihre Flieger „Klasse" gewesen, wenigstens am Kriegsbeginn. (Es war um die Zeit erbitterter Entlastungsangriffe zugunsten der bedrängten Russen Mitte Dezember 1914.) Auf den Bildern, die wir dann knipsten, zeichneten in frischem Schnee sich die Deckungsbauten kaum, aber die Anmarschwege und Munitionsmasken der Batterie um so verdächtiger ab. Wir ritten denn noch am selben Abend zum Stabsquartier vor, meldeten uns durch Ferngespräch an. Den Hauptmann persönlich erreichten wir im Augenblick nicht, doch ließ er sagen, er erwarte uns in einer kleinen halben Stunde an unserem Treffpunkt: bei der „Wildkatze". Wir sollten sie übrigens nicht reizen, daß sie uns nicht die Augen auskratze. Ein Mann der Stabswache führte uns. Wir hatten gehört von jener „Wildkatze"; nun erfuhren wir Einzelheiten: Der Weg in die Sappen des Abschnitts lief an einem zerschossenen Landhaus vorbei, das in friedlicheren Zeiten ein französischer Notar seiner jungen Gattin gebaut und mit Rosengärten umsponnen hatte. Aus einer Liebesehe heraus war der Mann zu den Fahnen gerufen, das Haus den Kämpfen zum Opfer gefallen, der zärtliche Rosengarten erfroren, ein wüstes Gestrüpp in verschneiter Trümmeröde geworden. Angebote der deutschen Verwaltung, die verlassene Herrin in gefahrloser Zone menschenwürdig unterzubringen, schlug diese mit der Haßerklärung aus, sie werde nicht eher von der Stelle weichen, ehe Frankreichs glorreiche Heere ihr Besitztum wiederhergestellt hätten. Einst verwöhnt, eine glückliche Frau, war sie ein verwildertes Weib, eine „Wildkatze" geworden, die um ihr Gemäuer schlich. Im Mund der Feldgrauen hieß sie so. Keine Kolonne ließ sie vorüber, ohne ihr Fluchwünsche nachzuschleudern. Selbst den abgekämpften Ablösungen, die im Morgengrauen heirn- schlappten, sagte sie Tod und Verstümmelung vorher, suchte sich einzelne Leute heraus, weissagte ihnen ihr nahes Ende. Die Mannschaft blieb die Antwort nicht schuldig. Gegen einen, der ihr grob kam, streckte sie schweigend fünf Finger aus, slüsterte ihm etwas zuf das er verlachte und kaum verstand. Als der Mann — einer von vielen — bald nachher armselig umkam, spannen Legenden die Tatsachen weiter. Ehrfurcht vor ihrem Kummer verhinderte Zwangsanordnung. Den Truppen war übrigens verboten, ihren Zuruf zu erwidern. Als wir des Bauwerks ansichtig wurden, schickten wir den Geleiter zurück. Nebel hatte mit Schnee gekämpft. Nun sank frostig die rote Sonne in scharfzackiges Gewölk. Glasig gespensteten Schattenrissen. Die Höhen lichteten sich klar in jenem seltsamen Lila-Gelb, das der Dämmerung vorhergeht. Es summte noch ewiges In den Lüften. Ziemlich still lag die Front; solange Flieger am Himmel kreisten, verriet der Geschützblitz seine Deckung nicht ohne Not. Hier und da, auslebend, knackte das übliche Tacktack. Auf zertrichierten Fußpfaden erreichten wir den BestimmungsUl Hill nti it % Ai Hon bau Üki titt ÜBeije CI Sani1 Quab Sebie «ls S Itiie Son 0(tn 80! iom lchr Safet fcfii nenn »d kin Boi Iro; Well We finio deni ito Ki Ander Enropi M° Ich d wütet fiten, fchmt ilu Mll innen ,r-ßer (teilen, nicht । sichren oerftäi ülrbeit 6omn Mh Zutun iinmöi nie Suftrc teife iet te Um £ bentbi uni I Flicht ein i Lurch Srger $ ort Kalt und verfallen duckte sich unter verschobenem Dach, was tin|U Landhaus gewesen war. Da wir unseren Mann nicht fanden, hatten wir Muße, uns un.B zusehen. Plötzlich stieß mein „Franz" mich an: hinter dem sinnlos ge. g wordenen Pfeiler einer ehemaligen Freitreppe, reglos an das ©emäuttlg gereckt, stand, in schwarzem Taffetkleid, fröstelnd, mit krankhaft glühendes Augen ... ein phantastisches Gesicht in der Leere der Dämmerung. Das war sie. Die „Wildkatze"! „On les tuera", deutete sie mit einem Finger, der aus schwarzmlfs Aermel stieß, über unsere Köpfe hinweg in die Ferne: „Man wird fi;'? töten." Eine Irre. — Grau über die bleiche Stirn wehte ungekämmtes Haar.» Es läßt sich der Fluch nicht wiedergeben, mit dem sie fein oder mein H Geschlecht ausrottete bis in den Keim. | Als ob die Verwünschung sich augenblicks bewahrheiten wollte,. summte am Himmel ein Flugzeug herauf. Sprengwölkchen knallten ra.ij ins milchige Grau. Ein paar Salven belferten. „Zermalmen", überschrie sie sich heißer, „er wird euch zermalmen, euer g Gedärm zerreißen, celuilä!" Triumphierend: „Es ist ein Franzose! C’esl Q un Francais!" Es war kein Franzose. Mit den blauweißroten Kokarden der (Enterte n ein englischer Bristol. Im Rauschen der Abwehr flog er Strich — 2000 Meter hoch — auf uns zu. Wir riefen die Frau an, sich zu decken, als die erste 93om.be schon krachte. Aber sie kannte keine Angst. Theatralisch warf sie dir .fiänbe zum Himmel, als rufe sie den Gegrüßten an. Vielleicht sah et das schwarze Pünktchen. Aber er spähte wohl voraus; in soldatischer Bravour zog er die vorgezeichnete Bahn, ohne sich um Schrapnells zu kümmern. Heber Oostaverne lud er in Ruhe seine Last ab. „Encore un! Encore un! Noch ein zweiter!" jubelte die arme Fron, als werde der Himmel die Schleusen auftun, Heuschreckengeschwader aus« zusenden. Aber diesmal täuschte sie sich; der da über Wytschaede Eier» aufrückte, war ein deutscher Kamerad. Ein normaler LVG. Mindester,z 2000 hoch, ging er sichtlich darauf aus, jenem Rückkehr abzuschneidm Der Engländer schien ihn nicht zu bemerken. Aber plötzlich tackten Schüsse. Mit dem typischen Fernklang des Luftgefechts verbissen sich Selbstlader» Serien. (Man schoß sich damals noch mit Karabinern herum.) Wie erschlagen schwieg die Front. Divisionen starrten hinauf. Es war nicht bei sonders aufregend, aber mit wilden Freudenrufen feuerte die Hohem ihren himmlischen Ritter an, daß er siege. Daß er siege! Sie kannte die Kämpfer nicht mehr auseinander; sie verschwamm« in düsterndem Dunst. Plötzlich knallten Wölkchen dazwischen, mit erstaunlicher Treffsicherheit; die Abwehr hatte sie angemessen. Nicht drei Längen folgten sich, da klappte jäh ein Flügel ein. Mir ein welk gewordenes Blatt klebte er am stürzenden Rumpf, der, um das verbliebene Tragdeck wirbelnd, senkrecht steil zur Tiefe bolzte. C- mögen nicht viele begriffen haben, was da geschah: wie eine SpiuSrl, am Faden ihres Delauspuffs, spulte die flügellahme Maschine unrettbar — und quälend langsam — tiefer und tiefer ... in den Tod. Rasembn Feuer prasselte auf. Ich weiß nicht, ob es dem Opfer galt oder dm schwebenden Bristol drüber, der wohl nicht wußte, wie ihm gefällt. Neben uns stöhnte ein Weib. Sie hatte sich auf die Knie geworfen, eint Betende. Lautlos war der Schrei, den sie schrie. Selbst erschüttert und doch wie erlöst, als die zerblätterte Masrhrnt hinter Schattenrissen versunken, sagten wir ihr ein Wort der TröstmG „Es war kein Franzose. Es war ein Deutscher ..." „Es war ein Men Ä Ein Patriot!" geisterte sie aus dem Dunkel, „es war ein Mensch, M fein Vaterland liebte!" Eine weiße Strähne Haar neigte sich über verweinte Hände. Unser Freund, der Hauptmann, staunte, als er so uns beifammti fand. Unter wüster Schießerei schlüpften wir in den Unterstand der Dcl- terie. Versuche, die Reste des Flugzeuges zu bergen, scheiterten, auch, ui der Nacht. Irdisches war zu Staub zertrommelt. Aber von jener Stunde an gab es keine „Wildkatze" mehr. EW- träger und Kolonnen wollten nicht glauben, was da geschah: Eine « gewordene Frau nickte ihnen bekümmert zu. Manchmal machte sie ei« | Kreuz auf die Stirn, aus scheuer Ferne. Grüße gab sie den Truppen iwl an die Ihren, an die Ihren, da drüben. Den Verwundeten bot sie ;1 trinken. Sie hat keinen mehr verflucht. Sie hatte einmal den Welschen gesehen, hüben und drüben, den Soldaten, der für seine Heim» stirbt. Sie verehrte ihn in Trauer als den, der die Völker versöhnt. Jtaum für alle hat die Erde. Von Professor vr. K. Olbricht. w Wir entnahmen diese Darstellung dem ungemein inftiü’ tiven neuesten Band der Sammlung Wissenschaft und S'» düng: „Bas Erdbild von heute" (geb. 1,80 Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig), in dem $41| Olbricht eine gemeinverständliche Darstellung der IP; tigen geopolitischen Lage gibt. Hat wirklich die Erde Raum für alle, wenn Deutschland ein Ecl ohne Raum genannt wird, wenn auch andere Länder, wie England, ®*J| gien, Italien, China und Japan zweifellos übervölkert sind, wenn fel“J scheinbar leere Staaten, wie die Vereinigten Staaten, Brasilien, ArgilfW tinien und das sehr dünn bevölkerte Australien, der „Raum ohne | ihre Grenzen gegen jede Einwanderung sperren? j Die heutige Lage der Menschheit ist infolge der Weltwirtschaftska V krankhaft. Ist es nicht ein wirtschaftlicher Unsinn, daß auf der ei»*’® Seite über 20 Millionen Arbeiter feiern müssen, daß Millionen »W Menschen unterernährt sind, in Lumpen herumlaufen ober in dürftigst^® kaum geheizten Wohnungen leben, während auf der anderen Seite rie'? m Vorräte an Kohle, Getreide, Baumwolle, Kaffee und anderen Produiü Bl unverkauft liegen ober sogar vernichtet werben, Tausenbe von Spint^ ■ stillstehen und unendlich viele Ziegeleien und Steinbrüche ohne PH Arbeit leer und verlassen daliegen? Alle diese Erscheinungen sind Zeichen einer Krankheit. Sie sind besonders durch zwei Tatsachen bedingt. Einmal dadurch, daß während des Krieges die von der europäischen Industrie obgesperrten Rohstoff- lnnder sich eigene Industrien aufgebaut haben, dadurch Millionen von Europäern arbeitslos machten und an die europäischen Fabriken ihre Rohstoffe nicht mehr verkaufen können. Wichtiger aber ist die Tatsache, daß die Staatsmänner, die nach dem Weltkriege die Welt verbessern wollten, nichts aus den Fehlern der Vergangenheit lernten, sondern Hast säten, wo es galt, abgebrochene Brücken wieder aufzubauen und den schwer leidenden Völkern endlich den ersehnten Frieden zu geben. Auch die Verteilung des Bodens ist durchaus nicht immer richtig. Wir wissen heute, daß uns in Deutschland auf die Dauer nur eine starke Jnnenkolonisation helfen kann, also eine Aufteilung zahlreicher übergroßer, unrentabler Besitze auf gutem Ackerboden in kleinere Bauernstellen.' Ohne diese Umstellung ist z. B. unsere Ostmark auf die Dauer nicht mehr zu halten. Aber auf dem Papier ist dies leichter durchzuführen als in Wirklichkeit. Große Teile des deutschen Volkes sind heute verstädtert und das Leben auf dem Lande und die ganz andere Art der Arbeit daselbst nicht mehr so gewohnt, wie die Tausende von billigen Sommerarbeitern, die wir immer noch aus dem südöstlichen Europa hinzuziehen. Hier einen Wandel zu schaffen, ist eine wichtige Aufgabe der Zukunft. Aber Länder wie Holland und Dänemark zeigen, daß dies nicht unmöglich ist. Noch unerfreulicher liegen die Verhältnisse in Ländern wie den Vereinigten Staaten, Kanada, Argentinien, Brasilien und Australien. Hier gehören riesige Flächen von der Größe preußischer Landkreise nur einigen wenigen großen Besitzern. Diese Riesengüter sind wegen der teuren Arbeitslöhne auf den extensiven Maschinenbetrieb eingestellt. Um Löhne zu sparen, arbeiten dort Maschinen in einem bei uns kaum denkbaren Umfang, und der Boden wird nicht in dem Umfange gdüngt und kultiviert, wie bei uns in Deutschland. Jahrelang bleiben riesige Flächen zum Ausruhen als Weideland liegen. So ist es verständlich, daß ein Land wie die Vereinigten Staaten auf seinen besten Böden irn Durchschnitt noch nicht halb so viel erntet, wie unser deutscher Landwirt, Argentinien sogar nur ein Drittel. Wir sehen also, daß in der Weltwirtschaft große Umstellung«! erforderlich sind, um den der Menschheit gegebenen Raum in der richtigen Weise auszunvtzen. „ , Etwa ein Viertel der Erdoberfläche besteht aus Land. Die gesamten Landslächen der Erde bedecken eine Fläche von rund 150 Millionen Quadratkilometer. Für die Landwirtschaft brauchbar sind aber nur solche Gebiete, in denen Regen und Wärme in genügendem Umfange vorhanden sind. Beides brauchen die Pflanzen zu ihrem Gedeihen, vor allem unsere anspruchsvollen Nutzpflanzen, wie Getreide, Südfrüchte, Hackfrüchte und Faserpflanzen. Zwei große Gebiete scheiden.also> auch in Zukunft für die Landwirtschaft und damit für die dichtere Besiedlung durch die Menschheit aus. Das sind die Wüsten mit ihrer zu geringen Regenmenge und die Gebiete jenseits der Getreidegrenze. Die Wüsten werden umrahmt von ausgedehnten Grassteppen. Große Teile derselben kommen wegen der geringen Regenmenge für die Landwirtschaft nicht in Betracht und sind höchstens zeitweise als Weideland verwendbar. Berechnungen haben ergeben, daß heute genügend regenr ch und zugleich genügend warm etwa 80 Millionen Quadratkilometer s . Ein g'roßer Teil dieser gewaltigen Fläche, d,e mir ° d „Oekumene (Wohnronrn) bezeichnen können, ist noch heute von dichtem, >n Tropen fieberschwangerem und feuchtem und deshalb sehr ung f Wald bedeckt. Die Geschichte zeigt, daß die meisten europäischen Lander, wie auch Deutschland, früher viel waldreicher waren ebenso die Vereinigten Staaten Die Waldrodungen fortzusetzen, hat. aber [«neJBerenten. Waldrodung bedeutet vielfach, wie wir das aus Lta ien, Griechenland und Frankreich wissen, Verschlechterung des Klimas und Nachlassen der Niederschläge. Ein Wiederausforsten macht Schwierigkeiten, da die Sonnenglüt vielfach die für den Wald so notwendigen JB vernichtet hat. Auch in Zukunft wird also em recht 6^" Teil dies 80 Millionen Quadratkilometer als Wald bestehen bleiben. WeiUr muh damit gerechnet werden, daß auch Weweslachen und An s Jndustriepflanzen, wie Baumwolle, Flachs und Jute n°twend g sind. In allergrößten Zügen kann man sagen, daß von diesen verwan- dratkilometer etwa die Hälfte in Kulturland, d. h. in ratfilometer delt werden kann. Heute find erst etwa 8 ^tillwnen Nord- in Ackerland verwandelt (Europa 2,6, Asien 2,S,Afrik - amerika 1,2, Südamerika 0,5 und Australien 0,13), bauon bienen 0,5 J lionen dem Anbau von Nutzpflanzen (Baumwolle, Kaffee, Jute, Kaut,cyur Für die Europäer sind die Räume besonders wichtig, 3™.'^”’ der Palmengrcnze und der Getreidegrenze liegen f unb Sibi- Dereinigten Staaten, Südkanada, der größte Zeil P füblicben riens sowie Teile von Australien, des südlichen Afn Menschen Von Amerika. Heute leben auf der Erde rund 2 Millwrd n Men. Von ihnen sind etwa 850 Millionen Europäer, ^0 Millionen ^ceg , mje lionen Indianer und Mischlinge und ,e 500 llAülw -Nndochinesen Inder, Araber und Malaien und Ostasiaten, w,e Chinesen, Invocymeie Teile Afrikas, Südamerikas und Asiens, vielleich ch farbige Australien und Mitteleuropa günftigere -L.Q^er,"®be^rn,9 b?e9 SatM mc!ci;e als für Europäer bieten. Betrachten wir darum 3 ' die Maximalbevölkerung der einzelnen Erdteile z g r rt,id)en Teile brauchen wir nur die genügend warmen und z g ck) 0 mjt etwa unserer Festländer in Quadratkilometer ^drucken un 200 zu multiplizieren. 6old)e ölad)en unb Kenntnis die Einzelerdteile nach Abzug der Millionen, Nord- Waldflächen wie folgt: Europa 3 Millionen^ « Millionen und °merika 5 Millionen, Afrika 7 Millionen, SudaE ka 8 M.Uwne Australien 1.5 Millionen Mit 200 multipliziert eg Rußland etwa bare Einwohnerzablen: Europa m denn europäischen JWB« „0 600 Millionen, Asien etwa 2 Milliarden, Nord- uno t Gedächtnis. Kummer, etwas, atmen. 1 Milliarde, Afrika 1,4 Mlliarden, Südamerika 1,6 Milliarden und Australien mit Ozeaiiien etwa 5Ott Millionen. Die Zukunftsaussichten für den farbigen Menschen sind also erheblich günstiger. Man nimmt daher an daß in Zukunft der Anteil der Weißen an der Erdbevölkerung ständig inten wird, falls nicht neue wissenschaftliche Forschungen, wie die „Wohn- raumabtühlung", es dem Europäer gestatten werden, auch tropische Räume in Zukunft dauernd und in großer Zahl zu besiedeln. Die Ansichten für den Europäer gegenüber dem Farbigen sind also in Zukunft nicht übertrieben günstig zu beurteilen. Günstiger würden die Verhältnisse für die Weißen werden, wenn große fruchtbare Tropenräume lediglich als Plantagenland benutzt wurden, um mit Hilfe farbiger Arbeiter hier die notwendigen Nahrungsmittel zu erzeugen. Ob dies aber im Zeitalter des „Erwachens der Farbigen" in größerem Umfange möglich sein wird, ist zu bezweifeln. Raum für alle hat die Erde", aber nur bann, wenn Eigenbrodelei, Machtsucht unb Egoismus zurücktreten unb immer größere Teile ber Menschheit für die Menschheit unb nicht von ber Menschheit leben wurden. Oie pariser. Roman von Alfred Bock. (Fortsetzung.) Der Franz aber redete weiter: „Von meinem Musiklehrer muß ich dir noch erzählen. Das war ein treuer Mann, dem ich ewig dankbar bin. He war blind wie ich. Unb halt' ein schweres Schicksal hinter sich. He war brunten im Rheinischen Dokter gewest. Unb war berühmt. Nu hott' er viele Jahr bruber simeliert, wie er eine Arzenei machen könnt', die bas Blut verbessern sollt. Enblich meint’ er, er hätfs ausgeklugt. Unb probiert bas Mittel an sich selbst Zwei, brei Monat' lang. Auf einmal merkt' er, baß er net mehr wt sah Unb rourb’ schlechter babemit unb immer schlechter. Unb eines Tags war er btinb. Wahrscheins is bie Arzenei dabran schuld gewest Etz war er mit einem Mädchen versprochen. Wie das Unglück passiert war, spricht er zu ihr, er gab’ sie frei. Sie wollt' aber mx bevon wissen unb schwur hoch unb heilig, sie töt’ ihn net verlassen. Die Hochzeit war schon festgesetzt. Da kommt ein Vetter vom Doktor an. Der war lang in Amerika gewest. Unb war ein luftiger Bruber. Der Dok.er hatt kein Arg unb schickt ihn als mit feiner Braut spazieren. Mein Amerikaner macht’ sich an sie, verbrehf ihr ben Kopf unb bracht sie richtig so weit, baß sie mit ihm auf unb beoon gangen is. Denkst bu, ber Dokter wär' etz verzweifelt? O nee. He nahm sein Kreuz auf sich. Mit seinem Beruf war's vorbei. Unb weil er immer Freub an ber Musik gehabt hatt' tat er sich babrin ausbilben unb bewarb sich um eine Lehrerstell. Auf bie Art is er bei uns in bie Anstalt kommen. Daß he |id) so viel mit mir abgeben hat, war für mich ein groß Glück. Kannst mjr s glauben, mir is he Vater unb Mutter unb Parrer unb Lehrer zusammen gewest. Wann er abenbs im Anstaltsgarten mit mir auf unb ab ging, brubelt s aus ihm eraus, baß man hunbert Eimer hält' unterstellen können. Ich will mich net rühmen, Annegret, aber bas barf ich wohl sagen, ich hab ein’ guten Behalt*. Freilich geht net alles auf, was so em Mann in ein’ legt. Dann man hat bloß sein' Bauernverstanb. Demwegen hab ich boch soviel profentiert, daß ich mein Leden lang bevon zehr. s gedenkt mir, einmal sprach er von ber Bibel, unb baß ihm bie Geschieht vom Hiob besonbers ans Herz gewachsen wär'. Die könnt er net oft genug hören. Die wär' für die Ewigkeit geschrieben. Und tat >eder sein Teil drin finden, wann er nur suchen wollt'. Was lernt ein der Hiob I Der Mensch is gegen die Welt gestellt net mehr wie ein Stäubchen an der Sonn'. Unb boch kann, er unter seinesgleichen viel bebeuten. Was eigentlich an einem is, bas weist sich erst im Unglück aus. Da geht einer aus sich eraus unb beguckt sich fein' Lebensbaum. Hier is bieJRmb zerrissen ba is ein Ast kaputt. Nu fängt er an zu graben, bis daß er an bie Wurzeln kommt. Sinb bie krank, bann o weh! Sinb sie gefunb, holt er sich von brunten bie Kraft herauf unb bas Vertrauen. Unb weiß, der Baum schlägt wieder aus. Und guält sich net mit Flannern und Fragen. Dann die rechte Antwort steht doch nur bei Gott!" Er erhob sich und trat an die Freundin heran. Gell, Annegret, ich schwätz' als von mir und anderen Leut. Unb (ottf boch von dir schwätzen. Du hast viel durchgemacht. Ich hab s mit dir durchgemacht. Das is nu geschehen. Und is de beft, man rührt net mehr dran. Du muht drüber weg. Und kommst auch drüber weg. Das .s ia ein Segen in deinem Brost**, daß so eine Tüchtigkeit in dir steckt. Guck, wann bu mir als aus ber Zeitung lieft, kann ich mir 1$°” cin Begriff bevon machen, roie’s brausten zugeht m ber Welt Was steht m io einer Zeitung net all brin! Von Politik unb Richtgewalt, von Fabriken unb Gewerbsamkeit, von guten unb schlimmen Sachen unb noch viel mehr unb boch wirb von ebbes*** zu wink geschrieben, von ber geruhigen Arbeit im Haus unb aus'm Selb. Unb was für ein Segen baraus auittt Unb baß sie bie bösen Gebanken Derjagt. Unb bah sie em spuren ,äßt, man lebt net umsonst. Das Rezept verschreib ich btr. Unb schätz, 6u ‘^mieg.^sV aber nahm seine Hand, unb über ihre zitternden Lippen tam’s: „Du seist mein bester Freund! Nach einer Weile fing er wieder an: ... muß ich doch noch emal von mir schwatzen. Ich hab schlechte Nachricht kriegt von meiner Schwester. Ihr' Krankheit hat sich nach m Herz gezogen. Sie is sehr schwach. Ich glaub als, sie hat sich zuviel zw aemusi 's war oft eso, wann sie abends heimkam daß sie kaum noch Idiniebenf könnt'. Unb sie braucht' gar net aus n Fichtenhos. Sie könnt bei mir bleiben. Ich hott' Brot für uns zwei. Sie is holt gar eigen- auch ihr zu leuchten. XII. eine Stätte der Gottesfurcht fei." Wie sah es in Wirklichkeit darin vor sich hin Schriftleitung: i. V. Dr. Ar. W. Lange, Gießen. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindmckerei, 9i. Lauge in Gießen. „Ich bin in Jesu Macht, Jesus gibt mir Kraft. Wer stärker ist Als Jesus Christ, Der komm heran Und greis mich an!" Der Schiwwerkäsper war nachts durch ein unheimliches Getöse aus dem Schlaf geweckt worden. Wie er das Fenster öffnete, gewahrte er den großen schwarzen Mann, der ihm am Abend vor der Bürgermeisterwahl unweit des Röderkopfs begegnet war. Diesmal schwang er eine feurige Kugel hin und her. Ehe sich der Schiwwerkäsper von seinem Schrecken erholt hatte, war der unheimliche Gast verschwunden. Durch den Hof verbreitete sich ein starker Schwefelgeruch. Kein Zweifel, es war dec Teufel. Zum Glück verstand sich der Schiwwerkäsper aufs Besprechen. Während die Glocke das Weihnachtsfest einläutete, ging er mit langsamen Schritten dreimal um sein Gehöft und sprach mit halblauter Stimme Haus eine Stätte der Gottesfurcht fei. Wie sah es in Wirklichkeit dann aus? Der Melcher war ein Götzenknecht, der dem Geld nachjagte. All das Böse in das er verstrickt war, kam von seinem Unglauben her. Ihr Sohn, der Philipp, hing an den Lüsten der Welt und war dem Elternhaus entfremdet. Auch ihre Tochter war von Hoffart nicht frei, war nachlässig im Gebet. So stand sie in ihrem Glauben allein, ohne Einklang mit denen, die ihr die Nächsten sein sollten im Leben. Wenn sie heut starb, ließ sie keine Lücke zurück. Das war das Traurigste, was eine Hausfrau von sich sagen konnte. Ihr Herz krampfte sich zusammen, und unaufhaltsam rannen ihre Tränen. Nun war die Gewalt des bösen Feinds gebrochen. Auf dem Hof hatten Menschen und Vieh nichts mehr zu fürchten. Beruhigt verzehrte der Schiwwerkäsper sein Abendbrot und begab sich darauf in das „Lamm", wo etliche von den Parisern ihren Schoppen tranken. „Was hört man dann von dir?" rief der Buschur dem Eintretenden entgegen. „Der Deubel is bei dir gewest?" „Ja", versetzte der Schiwwerkäsper, „und ’s is mir ein Rätsel, wie he dezu kimmt, bei mir zu haselieren*. Man weiß doch, he hat Speziale*" genunk im Dorf." „Oho!" machten die Pariser. „Gerad' geht mir eine Geschicht’ durchs Hirn", sagte der Schiwwerkäsper, „die mir mein GUertnenn*** verzählt hat. Der is hier im Ort bei eine Frau kommen. Die tat buttern. Und krag mit ein paar Stümpers ein' ganz kolissalen Butterweck. Mein Ellerknenn denkt, das geht net mit rechten Dingen zu. Wie nu die Frau emal enaus gemacht war, hebt he das Butterfaß in die Höh' und sieht ein' roten Lappen drunter liegen. Fix zieht er sein Messer aus der Tasch' und schneid ein Stück devon ab. Deheim sagt' er über seine Frau: .Lang mir emal die Milch.' Sie hott aber nur wink. Die schütt' er ins Butterfaß und legt den roten Fetzen drunter. Wupp! war ein barbarischer Butterweck da. (Fortsetzung folgt.) * sein Unwesen treiben. * * gute Freunde. * ** Großvater. t Stößen. Blick für den Hof." Zur Arbeit fehlte ihr keineswegs der gute Wille, wohl aber die rechte Freudigkeit. Das würde auch nie anders werden. Einst bei ihrer Trauung hatte der Pfarrer gesprochen: „Sorgt, daß euer Bald darauf trat ein Ereignis in ihr Leben, das ihr allen Frohmut nahm und ihrem Denken und Fühlen eine andere Richtung gab. Eine ihrer liebsten Gespielinnen war die Lina Horn am Klappereck. Die hatte unter der Roheit des Stiefvaters viel zu leiden. Nach dem Tod ihrer Mutter verging fast kein Tag, daß sie nicht geschimpft und ge- chlagen wurde. Dabei war sie ein stilles, zartes Geschöpf, das fein Unglück mit Ergebung trug. Nun hatte der Lehrer befohlen, die Schuler und Schülerinnen des obersten Jahrgangs sollten sich ein neues Rechenbuch kaufen. Alle brachten es denn auch mit, ausgenommen die Lina Horn, deren Stiefvater das Geld dafür verweigert hatte. Der Lehrer drohte ihr mit Arrest. Wieder vorn Stiefvater abgewiesen, schlich sie sich in die Kammer ihrer Freundin, der Lisekathrin, entwendete deren Rechenbuch und legte es in der Schule als das ihre vor sich hin. Es dauerte nicht lange, so hatte die Bestohlene die Diebin entdeckt und zeigte sie an. Der Lehrer hielt der Lina eine zermalmende Rede. Noch ehe er dazu geschritten war, sie zu bestrafen, hatte sie sich im Mühlbach ertrankt. Beim Anblick der Leiche wurde die Anklägerin von Krampfen befallen. Wochenlang lag sie fiebernd zu Bett. Als sie genesen war, zeigte sie ein völlig verändertes Wesen. Sie sonderte sich von den Kameradinnen ab und ging jeder Lustbarkeit aus dem Weg. Eine Verwandte roar s dann die sie, da sie erwachsen war, in die Versammlungen der Ge- meins'chaft zu Herleshausen führte. Der Prediger, der sich Bruder Pau- lus nannte, sprach mit ihr wie ein „gemeiner Mann'. Sie klagte ihm ihre Seelennot und fand Ruhe und Trost bei ihm. Fortan war er ihr Berater und Herzensfreund. Mit ihm als Missionarin in fremden Lan- dem für die Sache der Gemeinschaft zu wirken, war ihr sehnlichster Wunlch. Im entscheidenden Augenblick hatte sie dann doch nicht den Mut gehabt, sich von all dem loszureißen, was sie an Eltern und Heimat band. Dem Machtspruch ihres Vaters sich beugend, folgte sie dem Melchior Wallenfels in die Eheschaft. Die Jahre hindurch hatte sie die Wahrheit des Spruchs an sich erfahren: „Erzwungene Eh' bringt Herzensweh., Anfang an war ihres Mannes Rede gewesen: „Du tjaft Jem köpfig. Eh verlangt sie nach mir. Morn will ich mit dem Postwagelchen in die Stadt, 's is gar net abzusehn, wie lang das noch dauerU Die Zeit her hab' ich mir selbst geholfen. Aber 's geht beim besten Willen net mehr. Und da möcht' ich dich fragen, ob du für mich ein wink kochen und Ordnung halten willst, bis die Lene wieder so weit ts.' Bon Herzen gern", sagte die Annegret, ’s war recht schlecht von nur, daß'ich net ehnder* kommen bin. Etz spring’ ich schwind heim und melk. In einer Stund’ sein ich wieder da." .... So schied sie, innerst beglückt, daß sie, wie ehedem als kleine Samariterin jetzt für den Jugendfreund wieder sorgen konnte. All die Tage hatte sie in ihrem Jammer gezagt, zum Zkegenpsad hinunter zu gehen. Der Franz hatte sich als ein guter Propher gezeigt. Eben darum, hatte sie gemeint, müsse der Besuch doppelt peinvoll für sie sein. Nun gatte er jhr's leicht gemacht, hatte nur mit zarter Hand ihr Leid gestreift. Und eine Beruhigung war von ihm ausgegangen, die sie wundertätig empfand. Der Vater daheim grollte ihr. Die Mutter war verschlossener denn je. Einzig der Freund blieb sich in seiner Milde gleich, die alles verstand. Und seiner Blindheit ungeachtet strahlte ein Licht aus ihm, hell genug, Christtagabend. Aus dem Rathaussaal hallte der Gesang der Schulkinder: „Der heil'ge Christ ist kommen, Der teure Gottessohn, Des freu’n sich alle Frommen Am höchsten Himmelsthron." In dem schlecht geheizten Raum machte sich die Kälte fühlbar. Unruhig trippelten die jugendlichen Sänger hin und her und waren froh, als der Lehrer sie entließ. Nur in wenigen Häusern der Bauern hatte der Christbaum mit seinem Lichterglanz Eingang gefunden. Von den Parisern war es allein der Schusterjakob, der sich ein Tannenbäumchen verschafft hatte. Weil ihm die Wachskerzen zu kostspielig waren, hatte er Nußschalen an den Zweigen befestigt hatte kleine Stückchen Docht hineingelegt und Sparöl darauf gegossen. So trübselig die angezündeten Lämpchen brannten, so hatte er doch seine Freude daran. Die Kinder im Dorf waren voll Erwartung und jauchzten auf, da die Eltern und Paten Aepfel, Nüsse, Backwaren und allerlei nützliche Gaben an sie verteilten. Mit leuchtenden Augen zeigten sie einander ihre Reichtümer. Des Eckschulz Schorsch, der im vierzehnten Lebensjahr stand, hatte von seiner Patin einen Riesenweck erhalten. Wie er ihn aufbrach, fiel ein Messer heraus. Das wollte besagen, daß er künftiges Jahr auf ein Geschenk nicht mehr zu rechnen hatte. Sein Altersgenosse, dem dicken Balthes fein Hannes, war besser daran. Er sand kein Messer in seinem Weck. „Seist du-schon abgeschnitten?" wurde er gefragt. „Nee", antwortete er, einen Luftsprung machend, „ich krieg' noch emal!" Die Bürgermeisterin hatte auf das Grab ihres Erstgeborenen em schön geschmücktes Christbäumchen gestellt. Aus dem Heimweg vom Friedhof begegnete ihr die Annegret, die dem Mandlersfranz ein Paar selbst- gestickte Hosenträger brachte. Der Melcher Wallenfels saß an seinem Schreibtisch und entwarf eine Eingabe an das Kreisamt, die feine Anhänger unterzeichnen sollten. Darin wurde unter Beibringung vieler Gründe gegen die Abholzung des Röderkopfs Verwahrung eingelegt. Selbst die Singvögel wurden ins Feld geführt, deren Nutzen für die Landwirtschaft unzweifelhaft sei und deren Nistplätze der Zerstörung verfielen. Der Melcher hatte die Brauen hochgezogen. Er war ganz bet der Sache. Das Schreiben ging ihm flink von der Hand. Herrgottsackermentl Man mußte sich wehren bis aufs 18lut. — Den Hof überschreitend, erwiderte die Bürgermeisterin den Gruß Hannveltes, des Knechts, und zog sich dann in ihre Kammer zurück. Ihre Gedanken waren noch auf dem Friedhof. Der frühe Tod ihres Heinrich hatte sie am härtesten getroffen. Sie hatte sich in dem Jungen selbst wiedergefunden. Ohne daß sie es eigentlich wollte, zog sie ihn ihren anderen Kindern vor. Wenn der Bürgermeister ihr eine Pille zu schlucken gab ober gar seinen Spott mit ihr trieb, _fonnte sie sicher fein, daß sie an dem Heinrich einen Rückhalt fand. Sollte sie eigensüchtig klagen, weil ihn Gott zu sich genommen hatte? Nein, das wäre sündhaft gewesen. Wider Gottes Ratschluß durste man nicht murren. Der Heinrich hatte nun längst allen Schmerz und alles Weh der Erde vergessen und wohnte in den ewigen Hütten des Friedens. Wohl ihm! Draußen hob die Glocke zu läuten an. Sie klang fast so schrill wie die Stimme des jungen Pfarrers, der ihr, der Bürgermeisterin, nicht zu Gefallen predigte. Darum machte sie sich Sonntags jetzt öfter eine Ausrede und ging zu ihrer Schwester nach Herleshausen, mit dieser die Versammlungen der frommen Gemeinschaft zu besuchen. — Hier im Hause merkte man nichts von Weihnachtsstimmung. Sie wollte wenigstens auf ihre Weife den heiligen Abend feiern. Sie stand auf, holte ihr Gebetbuch aus dem Wandschrank und vertiefte sich barem. Nach einer Weile ließ sie bas Buch roieber sinken. Die Erinnerung an bie Weihnachtszeit in Friebborn, ihrem Heimatort, würbe in ihr wach. Einmal am Christabenb war sie, bes angesehenen Talmüllers Lisekathrin, bazu ausersehen worben, als Christkinb zu erscheinen. Sie zog ein weißes Kleib an und bebeckte ihr Gesicht mit einem Schleier. In der einen Hand ein winziges Christbäumchen tragend, in der anderen eine Rute, wanderte sie von Haus zu Haus. Ein Mädchen mit einem Korb voll Gaben folgte ihr. Wohin sie kam, wurde sie von den staunenden Blicken der Kleinen empfangen, Die ihr Gebet hersagten, wurden beschenkt, die sich sträubten, mußten mit der Rute Bekanntschaft machen. So feierlich war ihr zumut gewesen, als fei sie wirklich vom Himmel herabgeflogen. * eher.