SiehenerKmiilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1932 Zreitag. den 15. Mai Nummer 57 pfingstlied. Bon A. H. Hoffmann von Fallers lebe n. Wieder ist das Fest der Pfingsten, Wieder naht der Liebe Geist, Der dem Aermften, dem Geringsten, Allen tröstend sich erweist, Blumen blühen allerorten, Und den holden Blumen gleich Kündet mit der Liebe Worten Er das neue Himmelreich. Laßt uns Mai'n imb Sträuße pflücken Nach der Väter schönem Brauch! Laßt uns Haus und Türen schmücken, Aber unsere Herzen auch! Denn der Geist der Liebe kehret Nur in reine Herzen ein. Da nur weilet er und lehret, Gottes Kinder hier zu sein. • Pfingsten 1896. Von Franz Hessel. Alle Rechte im Rowohlt-Verlag. Das Schönste war die Erwartung. Sekundaner war ich und in festlicher Stimmung, nicht nur wegen der Feier- und Ferientage. Ich hatte das Pfingstkapitel der Apostelgeschichte zum erstenmal griechisch gele en und das wunderbare Wort „in Zungen reden mit lunger Innigkeit ^Auch im Hause bereitete das Fest sich vor. Unser Mädchen, die kräftige, muntere Toni, deren Nähe mich oft mehr belchaftigte, als ich mir em- zugestehen wagte — denn mit Bewußtsein liebte ich ein zartes Fraukm unseres Kreises verehrerisch von fern« — die Toni also hatte ihre neuen weißleinenen Schnürschuhe mit einer kreidigen Masse eingerieben und ms sonnenostene Küchensenster gestellt. Die wollte sie äu P mgs en tragen, ivenn sie mit ihrein Schatz ausging. Hossentlich bekam er Ur a • bei der Marine, mußte von Kiel Herkommen nach Berlin es konnte atter^ Hand Hindernisse geben. Aber wenn er kam, dann wurde sie m d>e,en schönen, damals modernen Schuhen mit ihm ausgehen und d z großen neuen Strohhut aufsetzen. 9 nn Ich aber, wenn alles nach Wunlch ging, hatte Ausflug befreundeter Familien teilzunehmen, den auch i , . ehrte, wahrscheinlich mitmachen würde. Es war noch nicht entichleden, ab eine Kremiervartie nach Tegel oder eine spreedampserfahr nach Grünau oder nach der Waltersdorfer Schleuse ^macht werden sollte. Ich malte mir für beide Fälle meine Chancen aus.M Kremser: |afc man nut all den andern io dicht Zusammen, da konnte ich nicht gut mit ihr reoen. Wem7aber dünn im Tegeler Park das Picknick ausgebreitet wurde und die andern sich gierig aus das Futter stürzten, wurde s e i ch ^w ß abseits halten und dann konnte ich mich gut 'hr g° eUen. Auf dem ^precbciinvfcr binucocn n>ar mehr opicltflutn. B L . B. < nah um die Musik herum, so war Aussicht daß Bartha gelegentlich an Heck ging oder auf die Kommandobrücke. Ich hatte hw I iiber das vielleicht würde ich es fertig bringen,,ihr S°r meine Gedankenuber^da Zungenreden mitzuteileir. Es gab da (o verfuhrerttche g ch - nicht aiich die Liebe über uns wie die pfmgstlichen»euerzungen d e sich auf die Häupter der Erwählten fetzten? Ist sie nicht auch dief und gemeinsame Sprache, in der man einander veis i) war voll beinüiiger und eitler Gedanken. ? ( n cnree, Psingstsonntaqmorgen war strahlendes Wetter. J '«etter Edgar dampfer, aber beständig saß mein erwachsener und wißiger Vetter C^ar neben Martha. Mich beachtete sie kaum. Gleich hinterder Jannowtz^ brücke hatte er sich zu ihr gesellt. Und als die Kapelle Zu s z begann, reichte er ihr einen Kalmusstengel zum Blasen ) einen an die Lippen. Be. ihm war's mir gleichgültig d^/'die Backen aufblies. Aber Martha, die doch sonst »Wangen und keine Lacke hatte, konnte ich nun, als sie blies, nicht ansehen .sonst bekam sie auch Backen. Sie beiden waren sehr miteinander befrfMtigt uni) Men voriibergleitenden Ufer. Nur manchmal, wenn secertagttche v°m Lande dem Dampfer zuwinkten, winkten Edgar und Martha aucy ein bißchen. Sie mit seidenem Tüchlein. Unb dann muß e einen Spaß von Edgar lachen. Aber auf der Heimfahrt rückte sie auf einmal von ihm weg. Sie hatte! sich über ihn geärgert. Er sah an allem nur das Komische, und sie wurde gegen Abend wohl gern etwas gefühlvoll. Ich kam gerade vorbei, als ets sagte: „Ja, ja, wir Berliner lieben die Natur. Ich habe 'ne Tante, dis kam aus der Schweiz zurück und sagte: „Rein, diese Berge! Wenn man, die so von seinem Balkon in der Potsdamer Straße vor sich hätte!" —< Da stand sie auf, nahm mich am Arm und fetzte sich mit mir abseits von! den andern nieder. Mir wurden die abendlichen Ufer mit ihren magere» Kiefernwäldern zur tropischen Landschaft. Unablässig hingen Marthas, Blicke an der gleitenden Ferne. Und ich saß schweigsam neben ihr, aber? meine Augen folgten den ihren und ich meinte in pfingstlicher Eintracht: ihre Gedanken zu denken. Manchmal sah ich verstohlen an ihr entlang und auf ihre Hände, die, leicht um das seidene Tuch gefaltet, im Schoß lagen, und da war mir, als wäre mein Schicksal ebenso in diese geliebten Finger eingetan und würde von ihnen gehegt und gefaltet. Inzwischen aber hatte der Himmel sich verfinstert. Gewitter grollte- Die ersten Tropfen fielen. Und der Vetter kam an und hatte eine» Schirm. Ich hatte keinen. Sie ging unter feinen. „Es war doch so schönes Wetter gewesen", sagte sie, und dann — ein bißchen dümmlich —: „Ich der Mensch denkt und Gott lenkt." „Der Mensch denkt nicht und Gott lenkt nicht", sagte der Vetter srivöL ° und sicher und entsührte sie in die Kajüte. Ich blieb zurück in Sturm und Regen. Ich hatte einen Pelerinenmantel, in den ich mich tragisch hüllen konnte. Mochte sie lachen mit ihm und im Warmen und Trocknen hocken- Gut, daß ich ihr nichts vom Zungenreden erzählt habe. Sie konnte sich meinethalben lieber von dem Vetter etwas über Volapük, die praktische Weltsprache, erzählen lassen... Als ich spät zu Hause auf mein Zimmer ging, kam ich an Tonis Kammer vorbei. Die Tür stand halb offen. Das Mädchen faß weinend bei der Kerze. Hatte „er" am Ende keinen Urlaub bekommen ober maf „er" schlecht zu ihr gewesen? Sie war vielleicht gerade so verlassen und enttäuscht wie ich. Teilnahmsvoll unb etwas lüstern flüsterte ich: „Warunr weinen Sie, liebe Toni?" „Na, sehn Se boch bloß meinen neuen Hut an." — Jetzt bemerkte ich erst, daß eine zerknautschte Vogelscheuchenhaube vor ihr auf dem Tisch lag — „unb bie Schuhe" — sie zeigte auf zwei schlammige Gebilde in der Ecke. „So'n Kommißaffe darf natürlich keinen Schirm mitnehmen, Das soll ein Kavalier sein?" Sie ist bann auch nicht mehr lange mit ihm „gegangen", wie die Bev« (iner Dienstmädchen es nennen. Mein Vetter hingegen hat bald danach die Martha geheiratet unb ganz zu seiner hanbfesten Weltanschauung bekehrt. O heilger Geist... Znufahrt zu Pfingsten. Von Fritz Reck-Malleczewen. Sieh, nun ist der Himmel ein kobaltblaues Zelt, und bie Mimingev Gipfel haben weihe Firmungskleiber angelegt, und in lichten blauen Atlasbündern gleitet der Fluß durch bie Wiesen mit ihrem schmetternden Trompetengelb von Löwenzahn und Dotterblume. Schwer bepackt sü? große Fahrt ist unjer Boot mit Zelt und Schlafsäcken und den Gummtz- kossern für unseren Stadtdreß, nimmt ächzend bie wuchtigen Brecher des Flusses über, der hier mit all seinen Stromschnellen unb Wirbeln noch ein ganz ungebänbigter Lümmel ist. Du aber, meine süße Lady, fürcht« dich ja nicht, wenn vor dir bie Wasserwände sich aufbäumen unb du wie auf einer Achterbahn niedergleitest von den Gipfeln in die tiefen Wellen« täler: zwei große Freuden hat das Leben den Mannsbildern beschert, Hindernisreiten und das Parieren solch grober Brecher. Beide KünstL einander verwandt durch den Zwang, zuerst unb vor allem das zaghafte Herz über das Hindernis zu werfen. Verwandt auch durch dieses selige Hinauf und Hinab ... durch das endliche Siegesgefühl des Uebermunben- habens. Schon ist das Leben dem, der es zu leben wagt. — Sieb, nun läuten die Glocken den Pfingstsamstag ein, unb hier ist noch nicht jenes fröhliche unb fast schon italienische Gebimmel, wie von den Barocktürmen des Unter-Jnntales. Schwer unb beinahe drohend Hingt es über die asketische Landschaft des Oberlaufes. Unten bei Hall unb Jendach — da breitete sich weit unb prächtig bas lachende Tal mit (atteren Wiesen und fetteren Böden unb reicheren Höfen. Hier, ob Innsbruck da ist alles, den bunten Wiefen zum Trotz, ein fast gotischer Ernst: die dunklen Dur-Akkorde der Kiefernwälder und die Oede des Sanb- reißes unb die ärmlichen und spärlichen Dörfer und die asketischen Gesichter der Menschen. Pfingsten ist dies wohl — aber es ist ein ernstes und beinahe schon nordisches Pfingsten... Stams wo in der Zifterziensergruft die alten Grafen von Tirol schlafen '. Tests übergeschäftig und industrieoerdorben ... die Martins- wand endlich, wo der Strom, eingeengt auf zehn Meier Breite, wütend gegen den Fels prescht und mit riesigen Widerwellen zurückprallt und ganz und gar deinen neuen Dreß durchnäßt. Geh ... fei nicht böse druml Und dann der Blick auf die Eispanzer der Zillertaler und der muntere klare Bach, der sich nicht mischen will mit dem Schmutzfink Inn und die verwitterten Ruinen von Schloß Kropfsberg: hier ist gut fein, und auf dem einsamen Wiesenplan über dem Strombette, da laß I uns Hütten bauen. ... _... .. „ I So aber ist es schon mit uns Zeltnomaden: heute mit den Fursten- kindern ... morgen mit den BeseNbindern ... gestern ein triefnasser I Biwakplatz ohne Brennholz mit elendem Konservenfutter heute eine appetitliche Wiese und genug Treibholz, um em volles Jahr die Holle zu heizen und duftendes Heu und an der Schleppangel ein zappelndes Fischlein. In Butter gewälzt, in Salbeiblätter gepackt, in der heißen I ^Unb^bic Abendnebel kommen und unheimlich wirb ber Fluß unb aleitet schwarz wie ber Styx vorüber an unserem Zelt, und du denkst daran, wie es wäre, wenn er nächtlings über die Ufer käme in unser schönes sauberes und warmes Zelt. Unb Jupiter oben hat feine große Blenblaterne angezunbet unb Areturus leuchtet und die blaue Spiea, die den wandernden Leuten wohlgesinnt sind. Unb voll heimlicher Geräusche ist die Nacht, und gestohlenes Biwakholz brennt immer am besten, und ich erzählte bir der- | weil liebe kleine Räubergeschichten. Wie es ist wenn man Europa hinter sich hat und das Schiff geht unaufhaltsam weiter vor dem Nordostpasfat und es versinken die alten Sternbilder, die einst über den behüteten Gärten unserer Kindheit standen Und der große Wagen steht jämmerlich dicht über dem Horizont unb UM ganz unb gar verkehrt, unb ber Schwan unb Kassiopeia sind nur „och ein blutloses mattes Leuchten, wie ber flüchtige Gruß einer fernen Geliebten. „ . Ober ich erzähle dir, wie es ist, wenn im Dschungel von Kenia arme kleine Tommys am Fieber sterben müssen und im Delirium noch ihre Sünden beichten. Oder wie es ist, wenn einen drüben, bei funsundvierzig im Schatten ber Tropenkoller packt unb man streicht (einen Foxterrier Blnky" pesserrninzschnapsgrün ober bleu picasso an unb beginnt im Spleen allerlei Dummheiten zu machen unb schickt aus Morogoro am Kilimanktzcharo mit bezahlter Rückantwort in bie Heimat folgenbes Telegramm: _ . . ... _ . Se hohen Exzellenz, bem kaiserlich russischen Knegsmnnster Suchom- linow. Felbmoching bet München. Rückbrahtet sofort, ob Dostojewskij als Fähnrich bie Schügenschnüre aehabt hat, eventuell welche Schiehklasse. R e ck - M a 11 e c z e w e n. Siehst du, so kommt es, wenn man Tropenkoller hat. Unb wenn bir bas nicht genug ist, bann erzähle ich dir, von allen Herrlichkeiten, Kolospa. (Eine heitere Pfingst-Spargelgeschichte. Bon Carry Brachvogel. Auf dem Matthiesschen Gut, in einer gesegneten Spargelgegend gelegen ging es in den Monaten Mai/Juni immer hoch her, und das Haus' wurde nicht leer von Gästen und Dauerbesuchern, denn die Matthiesschen Spargelpartien und Psingstschmause genossen der «anzen Umgegend berechtigtes Ansehen. Das nahm niemand Wunder, denn Herr Georg Matthies war nicht nur auf rein agrarischem ®ebiet eine . Kapazität, mästete nicht nur Hühner, Enten und Ganse auf ebenso humane wie treffliche Art, fonbern galt auch als ein Gemüsezüchter von Slang ber es befonbers in ber Spargelkultur zu bemerkenswerten Er- | folgen gebracht hatte. Er war ältlich, unverheiratet, von kratzigem Jung^ aefeUenbumor, feinschmeckerisch unb mit einer angenehmen Gabe bi Junggesellen nicht immer eigen ist: er sah von selbst wo andre Leute b Schuh brückt, unb verstanb ihn bequemer zu machen .. - Darum be> sanden sich unter seinen Logiergästen stets etliche Maler, die m dieser den Künsten so unholden Zeit hier sorgenloie, srohliche Wochen ge- nassen unb obenbrein vom Hausherrn Auftrage bekamen, denn bas Gutshaus bot noch Raum für viele Silber unb die leeren Wände des neuen Speisesaales schrien geradezu nach ihnen. Doch seltsam! Georg Matthies hatte dies Jahr keinen Gedanken übrig für Gemälde denn e dachte immerfort nur an Kolofpa, deren Bild und Verheißungen ihn^ verlockt und die ihn, wie es schien, schmählich hinters Licht g« I 'l^ffie’atroar~Kolospa? Irgendeine fremdländische Schöne, an deren s Glutaugen der ältliche Junggeselle Feuer gefangen und die ihn zum. Narren gehalten hatte ober noch hielt? Solche Vermutung läge nah . ginge aber in bie Irre, benn Kolospa war nur bie hochmoberne Zusammenziehung zweier Worte in eines, bedeutete „Kolosfal-Spargel unb war ein neues Spargel-Düngemittel, das, wenn man (einer Anpreisung unb ben Reklamebilbern glauben durste, Spargel oon einer Größe erzielte, wie bie Welt sie noch nicht gesehen hatte Don allem was aus feinem Gut gemästet, gezüchtet unb geerntet mürbe, lag Matthies nichts fo sehr am Herzen wie seine Spargelkultur, und darum hatte ec 1 eifrig unb gläubig nach Kolospa gegriffen die ,hn nun bitter enttäuschte, denn so zahlreich bie Beete auch mit dem neuen Mittel gebungi würben, wollte sich doch kein einziger Spargel-Goliath aeigen, und | Matthies Miene verdüsterte sich von Tag zu Tag worüber besonders b« Maler besorgt wurden, denn sie begriffen, daß ein schlecht gelaunt« Mäeen keine Aufträge vergibtz ganz besonders nicht wenn er vor Kunst so wenig versteht, wie Georg Matthies. Nur Stilleben, bie (SB bares barfteUten, hatten für ihn Berechtigung unb auch an ihnen mäkelte er noch reichlich herum, selbst wenn sie von allen Meistem herrührten. Da war ber tote Hase anatomisch falsch gezeichnet, bie an, geschnittene Melone zu rot ober zu gelb, bie Iraube jo leblos unb e ber Spargel — ja, wenn er auf alten Hollanbern bie dicken Spargei. bünbel erblickte, konnte er furios werben unb bie gesamte Malergn^ für Pfuscher" erklären. Unb mit seinem kratzigen Junggesellenhume, unb 'feiner etwas heiseren Stimme schrie er bann zwischen Ernst uw ] I Scherz zu ben Malern hin: h Na ja Menschen unb Viehzeug, bas könnt ihr vielleicht! Unb Land fchasten meinetwegen, weil sich bie nicht wehren können. Ader so w°- ganz Feines ... so was, was wächst, was gepflegt unb gehätschelt wer ben mufe ... ba setzfs aus bei euch ... ba feib ihr allesamt Nicht- tönner1" Unb ausführlich legte er ihnen bar, wie ein echter Spargel aus sähe unb baliege unb wie himmelweit ber „Pfuscher" sich von seinem er habenen Vorbilb entfernt habe ... „ , , . ... Lachenb ocrtcibigten bie Maler sich unb alle lebenbigcn unb to«1 i Kollegen, boch ber kratzige Junggeselle lieh sich nicht belehren und ai Jakob Golling (er war nach Ansicht feiner Kameraben „ekelhaft fl«- bilbet"!) mit ber uralten Schulanekbote anruckte von ben gemalte . Trauben, an benen Vögel pickten, brach Matthies in beleibigenbes w i !°d)tDa5QUfoUte für bie Kupft bes ollen Griechen mit bem .vertrackte^ , | Namen sprechen?! Lachhaft! Es spricht nur für bie Dummheit unb Ober säßest bu lieber in der Matrazengrust dieser armm Autos die den 'girier Bera binauffeudyen ... ließest dich lieber ohne Erleben von einer Ka awims rei ur anderen karren? ^ioh, die Menschen ba bnnner. mögen w lehr elegant ein und sich auch (abelhast überlegen vorkommen: arme Schlucker sind's, die im Grunde nichts erleben unb nichts "sitzen, wie es ut m»nn man fein eigenes luftiges Zell baut unb Nichts Witzen von ber ©Seit ber üajerfmcrin ben großen Dschungeln ber Stromuser unb nicht wissen, wie es ist, wenn in Herbstnachten zum ersten Male ber Orion nieberscheint auf unsere einsame Beiwacht. Sieh sie denken, man könne bas Leben betrugen unb den ®eschrvmdig' teitsraujd bes Maschinenmenschen sich versessen, ohne Schaden zu neh. men an einer Seele ... ja, sie kennen nicht bas erste unb primitivste Geheimnis des Reisens: baß vor ben Genuß die Gotter das Mühsal gesetzt haben ünb daß man die Landschaft sich nur erobert durch das *>Jn°JnnÄ>ruck aber, auf dem weihen Sande von H°"ing da trocknet uns wieder bie Sonne unb wir machen uns ,lanbfein. Unb immer uber- fommt ben Wasserwanderer, ber sich entleibet für eine an seinen rauhen üßeqen liegende Stabt etwas von dem Taumel des Seglermatrosen, der zum ersten Male wieder nach St. Pauli kommt: •unb was nützt benn bem Seemann sein Geld, Wenn er damit ins Wasser fällt? ... So ungefähr! Sechs Tage als rauher Nomade im Biwak ... am siebenten als strahlender Kavalier hier auf ber Maria-Theresienstrahe, ober unten in Braunau auf ber unvergeßlichen Feftungsbastion, wo man -u unvergeßlichen Forellen unb unvergeßlichem Gumboldskirchner bie ganze heroische Landschaft ber Inn-Ebene überschaut. Da aber willst ben Pfingstfamstag entweihen, tnbem bu bir Zeitungen kaufst und Witzen willst, „was in ber Welt vor sich . feit wir beibe Walzbrüber geworben sinb, wozu willst bu eigentlich wissen, was berweil in ber Welt vorgefallen ist? Lies also in Gottes Namen beine Gazetten unb laß berweil m.ch zum Brandloch hinaus- fchauend und zum Haselekar, den toten Bergsreunden, eine stille An- ^'Wock'von'Clanvell, am 8.Mai 1905 abgestürzt im Hochschwab. (Emil Spöttel und Melzer, abgestürzt in der Praxmarerkar-Norbwand. Rochus Gras H., in San Franzisko verdorben in einem Opiumkeller. Emil Pätzel, wollte fosort am ersten Kriegstage mit einem einzigen Schlage alle Feinde Habsburgs erlegen, verließ sabelschwingend die Deckung und fiel als erster Oesterreicher in Galizien. Requiescant in pace! Manchmal weht ein eisiger Wind von der Bühne und einer von den Akteuren nach dem anderen tritt ab unb immer heißer sehnt man vom Schicksal sich dieses eine: daß man nicht gerade als der letzte stille Gast muh sitzen bleiben an ben mählich ver- öbeten Festtafeln ber Jugend. Ja, fo ist das — Hall unb die graue Götterburg des Bettelwurf ... Schwaz mit bem Keinen gotischen Mortuarium unb Schloß Trazberg, wo,auf ben Gangen gespenstische Gepanzerte umherwandeln in der Nacht. Und kühl wird s auf dem Wasser und auf bem Karwenbel liegen schon schwere Schlagschatten, und ganz in ber Ferne sinb (chon zu sehn die Turme von Rattenberg, wo, genau wie in Regensburg, ein schlimmer Strubel strenges Gericht hält über pctzsierenbe Frauensleute: nimm bich in bie bu (eben wirst auf unserer weiten, weiten Fahtt. Bon der grafeen RAirife mit ber ber majestätische Strom bie Stabt Wasserburg umfahrt, 2 ben bunten Eisvögel, an seinen Ufern unb den Reihern und den melancholifchen Kormoranen an der unteren Donau ... Bon» den schlimmen Katarakten der oberen Salzach und von der brüllenden Enns und der kleinen gotischen Kirche m Ssi. M chael und bem romanischen Mortuarium in Dürnstein und den maiestatischen Pro- iptf$on^den^groh^ii'Einsamkeiten der Puhta, und wie es ist, wenn im Abendsonnenschein Ochsenherden mit gewundenen Hornern den grohen SAlaTfAlaf'..., behüten dich alle Hunde die rings in f«nen Dor- fern bellen alle Sterne, die auf unser Zelt scheinen. Schlaf, schlaf ... ML. w »ir °°. - den Vers eines alten Psingstliedes sagen: Run her, mein liebstes Vögelein, Wir wollen nicht die faulsten sein, Und schlasend liegen bleiben. Vielmehr bis daß die Morgenrot (Erfreuet dieser Wälder Oed' In Gottes Lob vertreiben ... Morgenbad im eisigen Strom. Den Stoppelbart heruntergekratzt. Feuer angezunden. Ein Frühstück, ein liebes, nettes kleines Frühstück. Frugal aber nett. Schön, süße Lady, ist das Leben ... iodjen ff rgetrojl fnihßt y-!1 >on b(l ael eil tu ?n. >n der Nandzu seinem Goliath schritt, aufgeregt, als ginge er zu seinem ersten SteUb.che>n ... Der große Augenblick nahte. Das Messer in feiner Hand zitterte ein wenig. Er bückte sich, senkte das Messer vorsichtig an den weihen Stamm, der beinahe so dick war, wie ein blutjunges Birkenftammchen ... JJiert- wllrdia das Messer packte nicht an! Er wurde unruhig. Beruhigte sich aber gleich wieder. Natürlich, bei so einem Mordskerl muhte man nnber^ ansetzen, als bei Dutzendspargeln. Also noch einmal und mit mehr, Kraft. Doch der Goliath wich auch jetzt nicht, blieb ungefüllt, "Ee es bleiben, denn ... er war aus Holz mit zierlich aufgemaltem violett-fchmimerndem ^E?n,"'zwei Augenblicke stand Matthies sprachlos vor Verblüsfung begriff bann blitzschnell. Die Maler - sie hatten den Spnrgelgeertigt beqünftigt durch die Abwesenheit des zuverlässigen Gartners in die Erde gesenkt, und jeden Tag heimlich em Stückchen m die stohe geflohen Der Teufel soll sie holen! Mutend nh er den Golla h heraus. Da ... was war denn das? Unter den anhaftenden Erdkrumen kamen Zeichen zum Vorschein, Buchstaben . . Vögel picken an gemalten Trauben, So was kann ein kluger Mensch nicht glauben. Darum sticht er mit dem Messer itzt Einen Spargel, der aus Holz geschnitzt. Matthies war wütend, stand im Begrisfe, Rache zu sinnen und an den Erzeuger von Kolospa im Geist ungemein unhöfliche Briefe zu wr- soffen, aber gerade, als er die Ehrenbeleidlgungsgrenze sch . ■ Pserdelänge überschritten hatte, huschte an Kuchenmagd vorbey die in der einen Hand eine Schussel voll ^lschgepfluckt r ) P9. trug, in der andern eisgekühlte Erdbeeren Eben kam auchder tappige Gärtnerbursche ageschlurst, um die Spargel für d,e JSfmflfttQfel ju Itetgen, und vorn Haus her hörte man schon angenehme S“d)e'’9e^^ duftet von allerlei Ingredenzien und Maiwem. Da verrauchw Herrn Matthiesens Zorn, sein Herz wurde milde undi sand trotz „Kolosp Schabernack und Enttäuschung, daß Psingsten doch das liebliche Fest d .......Mi, b.t.m nicht einen einzigen der hundert und aberhundert ©P R 3 Diener ' auf denen sich die andern Gäste gütlich taten. I h m stell . .. - ah silberner Schüssel, reich garniert seinen hölzernen Goliath hm so d^h scheinbar zuletzt doch Matthies lochte und Mik ihm s c : 1 bcr man dann, angeregt bei Kaffee, Schnapsen und Zigarren s h, sp Gastgeber gutgelaunt zu den Malern: s„mnnftrii>rt habt „Weil ihr nichtsnutzigen Bengels mir, all ocola- demoustr'ert hobst daß ich ebenso dumm bin wie die Vogel im ollen - ch ' ' jncn euch beweisen, daß ihr recht hobt! Ich beauftrage euch nämlich, meinen neuen Speisesoal von oben bis unten vollzuklecksen, den wir später vereinbaren!" . .. , hurften Und jetzt waren es doch die Maler, die zu allerletzt lachen dursten. ( beim ß I -heihu"!" i Licht an bim] ihn l«f läge i* ibernt JJ ,-SpE seiner» von * Bon # a «i»; t°l 6*5 eigen- 1* tonb-tt! •*; nn u «i !nan*: n get b>- “| 0S »nb -x Ibft jpn'.Li: -oaj™ ’ denn b« ßönbe j ml Oer Nachtigall Pfingstgesang. Von Friedrich Rückert. Zu Psingsten sang di« Nachtigall, Nachdem sie Tau getrunken; Die Rose hob beim Hellen Schall Das Haupt, das ihr gesunken. O kommt, ihr alle, trinkt und speist, Ihr Frühlingsfestgenossen, Weil übers ird'sche Mahl der Geist Des Herrn ist ausgegossen. Die Himmelsjünger groß und klein Sind von der Krast durchdrungen. Man hört sie reden insgemein In wunderbaren Zungen. Und da ist keine Jung' am Baum, Kein Blatt ist da so kleines, Es redet auch mit drein im Traum, Als sei's voll süßen Weines. O ihr Apostel gehet aus Und predigt allen Landen Mit Säusellust und Sturmesbraus Von dem, der ist erstanden! Legt aus sein Evangelium, Auf Frllhlingsau'n geschrieben, Daß er uns lieben will darum. Wenn wir einander lieben. Sprecht von der Liebe Löhnungen, Sprecht von des Friedens Schmause. Sprecht von den vielen Wohnungen In unseres Vaters Hause. Die Liebe macht die Sonne drehn. Die Liebe wölbt den Himmel, Und freut sich, unter ihm zu sehn Ein liebendes Gewimmel. Wer liebend sich ans Nächste hält Und will nur das gewinnen, Umfaßt darin die ganze Welk, Und Gott ist mitten drinnen. Ich hab' am heil'gen Pfingstentag, Indes mein Weib gebrütet. Mit frohem Nachtigallenschlag Mein frommes.Nest gehütet. Oie pariser. Roman von Alfred Bock. (Fortfetzung.) Der Rundbrenner lieferte die eingegangenen Postsachen ob und erstattete Meldung über das, was sich im Dorf ^getragen »er Sturm hatte auf dem Teufelsgrund drei Bäume entwurzelt und hatte sonst noch allerlei Unheil angerichtet. Die Frau des Lehrers war schwer erkrankt. Sie hatte schon lang über Kopfschmerzen und Seitenstechen geklagt. In aller Frühe war der Doktor aus Londorf im Schulhaus gewesen^ Der Krachköhler und der Wollbart hatten gestern auf einem gemieteten FUhr- werk Schweine in die Stabt gebracht. Beide waren dicke Freunde, stark benebelt waren sie in stockfinsterer Nacht Ijeimge aljren. ffiie nun ber Krachköhler einen Streit vom Zaun brach, nahm ihn ber Wollbart beim Schlasitch unb stieß ihn kurzerhanb vom Wogen herunter. Mit gebrochenem Arm hatte ihn ber Postkreuber biefen Morgen im Chauffee- graben gefunben. Der Bürgermeister begleitete ben Rapport je nach dem Grab von Interesse, bas bei ihm rege würbe, mit „So, so" ober „Oha'. Daraus fall er bie Briefschaften burch. Ein amtliches Schreiben mußte sogleich an ben Gemeinberechner meiterbeförbert werben. Das übergab er dem Ortsdiener und sagte: „Diesen Abend seist du Punkt halb acht hier." Der Rundbrenner entfernte sich. Bald nach ihm verließ auch Wallenseis das Haus, um einem Gang der Feldgefchworenen burch die Gemarkung beizuwohnen. Als er gegen elf Uhr zurückkehrte erwartete ihn ber neue Pfarrer. Das war ein junger Mann von noch nicht breitzig Jahren ber sich feiner ganzen Veranlagung nach eher zum akabemischen Lehrer 'benn zum Prebiger einer ßanbgemeinbe eignete. Er hatte mit bem Vorsatz bie Kanzel bestiegen, wissenschaftlich erkannte Tatfachen vor seiner Hörerschaft nicht zu verleugnen unb nach bestem Wissen unb Gewissen bie einsache evangelische Wahrheit zu verkunben. Der rem ge= bankenmößige Charakter seiner Prebigt war ben Dörflern ein Buch mit Heben Siegeln. Da er nun so weit ging, biblische Erzählungen für Sinnbilder unb Ausschmückungen zu erklären, bie mit dem wahren Christentum nichts zu tun hätten, lief ein Murren burch bie Reihen. Die Bauern hingen mit zäher Beharrlichkeit am Hergebrachten. Die Bibel galt ihnen als unantastbar unb heilig. Wer baron rüttelte, nerbarb es mit ihnen Die Straf- unb Bußprebigten bes verstorbenen Pfarrers hatten ben rechten Ton getroffen. Diese massiven Naturen brauchten massiven Stoss. Schon am britten Sonntag nach bem Amtsantritt bes jungen Geistlichen hatten sich im Gotteshaus außer den Mitgliedern des Kirchen- recht. — — IV. schwiegen. * Fase-tochs. (Fortsetzung folgt.) t t+ blökt. Mund voll. heut. leichtsinnig charnktertoser Mensch. hin. rille „Da beschwert sich der Eckschulz, der BriiUochs* töt' sein' Dienst n«l mehr. f>at eins dadevon was gehört? Der Eckschulz hat ewig was zu nuscheln", sagte der Beigeordnete Der dicke Balthes fügte hinzu: „Und wann er in ein Lops Mit-Y der Flachs gerate vortrefflich. Ich denk', wir sangen an", brach der Bürgermeister die Unterhaltung ab und legte das Protokollbuch nebst allerlei Geschastspapieren vor sich brauchen. In diesen und ähnlichen Gedanken wurde der Bürgermeister durch seine Frau unterbrochen, die ihn zum Mittagessen rief. Sie war eine Fünfzigerin mit weißem Haar. Ihre stahlblauen Äugen die sonst müde blickten, hatten heute einen eigenen Glanz. Bon dem Missionar, dessen beaeiiterte Zuhörerin sie in jungen Jahren gewesen, mit dem sie seit jener Zeit in Verbindung stand, war ein Brief aus Argentinien gekommen. Das war ein Festtag für sie, und ihr ganzes Wesen war von einer inneren Freudigkeit gehoben. Wallenfels begab sich in die Wohnstube. Diese wies die herkömmliche Einrichtung auf. An den unten getäfelten, oben mit Kalk geweißten Wanden liefen vorn Atter gebräunte Banke entlang. In der einen Ecke stand ein großer Tisch von Eichenhvlz davor altertümliche Stuhle deren Lehnen schönes Schnitzwerk zeigten. In der anderen Ecke hatte em riesiger Kachelofen feinen Platz, dessen unterer Teil aus Eisen bestand während der Aufsatz aus Lehm geformt und kornblumenblau gestrichen war An den Wänden sah man eine Schwarzwälder Uhr, einen kleinen Spiegel und ein paar Oeldrucke, Schlachtenbilder aus dem deutsch- sranzosifchen Krieg. .. Die Annegret trug das Essen auf. Es gab Milch,uppe, geräuchertes Schweinefleisch und eingemachte Bohnen. Während der Mahlzeit wurde so gut wie nicht gesprochen. Auf dem Land gehts nach dem Spruch. Wann das Schaf blerrt*' schad'! 's ihm ein' Muffel"." Als abgegeffen war, wandte sich der Bürgermeister an feine Tochter: 's könnt' fein, wir kriegen die Nacht Frost. Sorg', daß das Erchen- sutter bau*** noch ereinkommt." Ich wollt' hernach die Birn' schälei,", erwiderte die Annegrek „Und dann is heut abend Singprob' fürs Erntefest. Bis ,ch vom Wickenstuck wieder deheim bin, wird mir's zu spät." In der Singprobe, das wußte der Bürgermeister, traf die Annegret mit dem Spechtskarl zusammen. Da wollte er nicht dazwischenfahren. „Dann mag's mit dem Futter bleiben bis morn , sprach er und erhob sich. r., , . An der Tür drehte er sich noch einmal um. Ich versteh' nur net, daß der Spechtskarl jo lang druckst. Schatzerei und Handschlag sein zweierlei. Das merk dir. Und werf dich net weg! Das Gesicht der Annegret bedeckte sich mit glühendem Jtot. Ich mich wegwerfen? Nee, Baier, fo »erfchwobelts- fein ich net. Und der Karl is kein Flappchstj. 's gibt >« Menschen wann die .n die Luft gucken, haben sie schon eine Lug gemacht. Für dem Karl seine Treu- heil leg' ich die Hand ins Feuer!" . Immer wieder kamen dem Bürgermeister Bedenken, ob man dem Pariser trauen könne. Seiner Tochter Zuversicht beruhigte ihn. Die Abfütterung des Viehs nach Tisch besorgte Wallenfels felbstz jetzt zumal, wo der Uebergang vom grünen zum dürren Futter Barsicht erheischte. Danach gab's in der Amtsstube mancherlei zu tun. Die Gange der Feldqe chworenen und Wiesenoorstände waren in das Reister em« zutragen. Ein Kaufvertrag mußte sertiggeftellt werden. Endlich war die Gemeinderatssitzung vorzubereiten, die abends stattfinden sollte. Die ersten vier Gegenstände der Tagesordnung machten dem Lurgermeifter guckt, wird sie sauer." Das mag sein", nahm der Iörgheinrich das Wort, „etz nut den Brü'llochs, da is was dran, Ich hab' auch beobacht, daß er net mehr rStein^unber", sprach der Schmelzersluis, „der Wollbart hängt ihm &l?n Deu"e? cuich!" rief der Bürgermeister. „Jor was gibt ihm die Ke- meind' dann zwei Wiesen in Nutzung? Ich will ihm emal den Leim warm machen. Wann er den Brüllochs net ordentlich halt, kriegt er ih" genommen. Sein die Herrn dademit einverstanden?" ' „Jawohl!" hieß es von allen Seiten. Der Bürgermeister ging zum zweiten Punkt der Tagesordnung über. Durch den Heßlocher Grund sollte ein Weg geführt werden, dessen Bedürfnis außer Zweifel stand. Weder der Bürgermeister noch die Ge- meinderäte hatten ein besonderes Interesse daran, weit ihre Aecker weitav von dem Gelände lagen. Der Schmidtkonrad und der «chmelzersluu sprachen sich für die Anlage aus, die übrigen Gemeinderate hielten Widerpart In hitziger Debatte warfen die Pariser ihren Kollegen vor l>e dächten nur an ihren Sack. Bei der Abstimmung wurde die Vorlage gegen die Stimmen des Bürgermeisters und der Pariser abgelehnt. vorstander nur wenige Leute eingesunden. Darüber führte der Herr WaWr ‘für Sun$ut, Herr Pfarrer", erwiderte der Bürgermeister mit einem Gesicht in dem sich Schlauheit und Selbstbewußtsein spiegelten, „uh will enial stei eweg schwätzen. In einem Teil sein ich für die neumodische Predigung, in einem Teil auch wieder net. Die Wett will vorwärts, dm, wahr Ob sie allefchlag dadebei projektiert, is noch sehr die Frag. Ja, mann einer täm', d r das Wetter machen könnt', das war' was anders. So weit halten wir noch net. Meine Sag' is: Die Bibel >s das Vordermd am Kirchenwagen. Wann das erst zerbricht, dann o weh Dernach Sauert's net mehr lang un die Lumpenstecher kommen un wollen teilen. Die Leut sein hier de' mehrst kirchlich. Und sein auch vom Herr Parrer selig dran gewöhnt, daß deutsch mit ihnen gered't wird. Der,^er^°^er jod9nur ordentlich über die Kanzel donnern, und ich mach eine Wettung, die Kirch' is gestoppt voll." m .. Der Pfarrer, betroffen und verstimmt über die Art und Weise wie der Bürgermeister sich erdreistete, ihn zu belehren, schied, ohne, sich m eine längere Unterhaltung einzulassen. Wallenfels trat ans Fenster und schaute ihm nach. Das war der dritte, den er wahrend feiner Amtszeit erlebte Der erste war auch ein Aufgeklärter, hatte zum Text feiner Antrittspredigt die Worte des Apostels gewählt: „Wir sind weht Herren eures Glaubens, sondern Gehilfen eurer Freude . Dw Mucker hatte er derart mit der Hechel gestrählt, daß sich die Gemeinde beschwerdefuhrend an das Konsistorium wandte. Daraufhin war er versetzt worden. Der iunae Herr da war kein Spottvogel. Und kein Heuchler. Bielleicht zu einem Schaden. So ein bißchen Duckmäusern hatte auch sein«Gujes Nun, es fiel kein Meister vom Himmel. Die Jahre lagen vor «hm. Er konnte noch lernen. Soviel er, der Bürgermeister, von der Sache verstand, war er einer Meinung mit dem neuen Pfarrer. Auf die schonen Auslegungen in der Bibel war nichts zu geben. Das war dazumal für Menschen geschrieben, die sich alles vorschwätzen ließen. Worum drehte sich s in der Welt? Um Leben und Sterben. Mit den Lebendigen mußte man Hausen, mit den Toten konnte man's nimmer. Wie ein Baurn fiel, lag er. Was tot war, stand nicht mehr auf. Da war kein Zweifel. Ader wozu denn das alles an die große Glocke hängen! Das hieß, sich das Heft aus der Hand winden lassen. Die Kirche hatte einmal die Macht und follte sie kein Kopfzerbrechen, wohl aber der fünfte und letzte. Es handelte sich um Öen Bau eines neuen Schulhauses. Die Schulverhaltnisie un j-orf waren Die denkbar kläglichsten. Da sich das alte Lokal für die wachsende Zahl der Schüler als zu klein erwies, wurde der Unterricht vorläufig im .hat- Haussaal erteilt. Der Lehrer selbst wohnte in einer dumpsen, feuchten Spelunke die [eine und seiner Familie Gesundheit untergrub, -rotz der chreiende'n Uebelstände wirkte der Bürgermeister dem geplanten Neubau entgegen. Die Schule war in seinen Augen eine Zwangsanstatt die die Kinder der Haus- und Feldarbeit entzog, vor allem Hatzte er ben Lehrer Moldenhauer, der ihn durchschaute und mit feiner Meinung nuty hinter bem Berge hielt. Die Angelegenheit länger hinausziiziehen war nicht gut möglich ^öenn der Kreisschulinfpektor hatte ein Machtwort gesprochen unö —' was am meisten ins Gewicht fiel — die Regierung hatte einen Beitrag in Aussicht gestellt. Unter diesen Umstanden war im ®eineinÖe« rat schwerlich auf eine Mehrheit zu rechnen, die sich für die Ablehnung der Vorlage entschied. Es war nurmehr zu bedenken, wie d e Gelder beschafft werden sollten. Die Pariser in der Gemeindevertretung, der Schmidtkonrad und der Schmelzersluis, hatten verlauten lassem man dürfe die Gemeindelaste» nicht vermehren, man muffe den Roder köpf nhhnlren und aus bem Erträgnis bie Kosten für den Schulbau bestreiten. Aut dem Röderkopf entsprang der Hesselbach, der des Philipp Wallenfels Säaemühle trttb Fiel der Wald als natürlicher Wassersammler, nahm die^Wasferkraft des Bachs ab, und der Gang des Sagewerks war gefahr- det So wuchs sich die Sache zu einer Existenzfrage für den Sohn des Bürgermeisters aus. Wallenfels war entschlossen, alles aufzubieten, den Schlau von seiner Familie abzuwenden. Der Wald, von dem er einst mü wucherischen Händen Besitz ergriffen, mit ^m der Ruin der Pariser verknüpft geipefem stand plötzlich au ihn mit der Last feiner G^en unö Buchen zu erdrücken. Unwillkürlich reckte er die Arme, ein Bud unbeugsamer Kraft. Er war der Stärkere. Und der Stärkere behielt verantwortlich: vr. Hans Thhriot. - Druck undDerlag: BrÜhl'fche Universitäts-Buch. und ©teinbruderei, R. Lange, Gießen. Pünktlich um halb acht stellten sich die Gemeinderäte neun an ber 3abl mit dem Beigeordneten ein, vom Bürgermeister mit einem „Seid Willkomm'!" begrüßt. Noch vor wenigen Jahren war es geschehen, daß Wallenfels in Anwandlung einer üblen Laune beschloß.eine ^mem^e- ratssitzung, die er anberaumt hatte, nicht abzuhatten. Was tat er. er rückte seine Uhr um eine’ halbe Stunde vor. Da nun die ^Einderat« zur sestgesetzten Zeit erschienen, schnauzte er ste, auf das Zifferblatt deutend an: „Wißt ihr bann net, um wieviel Uhr ich euch bestellt hab? Auf die Einrede, das wisse man wohl, seine Uhr gehe vor donnerte er. Meine Uhr geht recht, und dadenach richt ich mich. Macht, daß ihr enatis kommt!" Seitdem die Pariser zwei Sitze im Gemeindera gewonnen hatten, war dergleichen Unverschämtheiten ein Riegel vorgeschoben. Alle batten bereits Platz genommen, als der Rundbrenner sich ein- änd. Der nahm für seine Person das akademische Viertel in Anspruch. Obendrein hatte er wieder einmal zu tief ins Glas geguckt. Kaum, daß er sich in einer Ecke niedergelassen hatte, fielen ihm bie Augen zu. Die Versammelten traten nicht gleich in die Tagesordnung ein, sie unterhielten sich über die Witterung und über wirtschaftliche Dinge. Als die Rede au den Flachs kam, meinte der dicke Balthes, was er davon geerntet fei weit hinter feinen Erwartungen zurückgeblieben. Der Jorg- Heinrich' riet ihm, zur Saat russischen Lein zu verwenden, mit dem er die besten Erfahrungen gemacht habe. Auch muffe man wohl beachten, ban der Flachs einen gut bearbeiteten Boden brauche. Der ^-chiwrver käsper erzählte, er habe'in diesem Jahre wieder die längsten Stengel in der Gemarkung erzielt. Er habe von seinem Ellervater em Rezept, bas sich stets bewahre. Fastnacht koche leine Frau Schweinerippchen mi Erbsen. Nach dem Essen sammle er die Rippchen und hebe sie aus. «°- er im April den Lein, lege er ein paar Rippchen in das Satuch, und vortrefflich.