n fragte «■. Mint?« u«k Uch j uni) SiehenerZamilienblälter Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang (952 Freitag, den November Nummer 88 Liebesbriefe, vergilbt. Von Hans Thyriot. beherrsch»' chmal ist« ms Fr« »urch Bem r. Uni) ach Psarrhch, , gaben fit erhielt jun r ’ßftaunten. it Sraläpftlt amÄier unb die Famü ms ein Ditl ms genojfi ot. Aus bei ! taue M r Koni, i» anb Hei«"» Zuschuß k« ;um heilPl !z eingeW Schutz.* eicht« «r einer UM" Luckeum!!» .5 1752 fH» anbei »W W«* geWlt, • iuberlich • rippe, m » h vor bl* fannte. W*| iaar . 5 SdW* 1NL1 mE en. Er h den W ifjw, lK rj. Sh* am« i"’Md «ra arr«l"L >h" O obere ie| 'un!-1 tir«1 ;„p>| flenn <.;it- Bündelchen Papier, mit dem verblaßten blauen Seidenbande übers Kreuz gebunden: ganz betroffen hast du es gefunden, längst Vergeßnes, im bemalten Kasten, Dessen Fächer schon seit vielen Jahren im verwehten Duft gepreßter Blüten mit den Bildern, Locken, Fingerhüten Jugend und Erinnerung dir bewahren. Hältst sie schmerzlich lächelnd in den Händen, wiegst und wendest sie, die leichte Last, die du mit dem Kreuz gezeichnet hast, als du fühltest: morgen wird es enden. Samt der armen Erbschaft toter Dinge ist dies Bündelchen dir noch geblieben. Liebesworte, einst von dir geschrieben, sind nun deines Herzens Jahresringe. Und dann legst du alles in die Flammen, siehst die blasse Schrift noch einmal glühen, Funken aus der alten Liebe sprühen ... und dann sinkt das Bündelchen zusammen. Napoleons Liebesbriefe. Von Wilhelm Hausenstein. Sie gehören vor allem, ja eigentlich säst nur, einer einzigen Frau, der entzückenden und gefährlichen Jossphine. Jospephine Toscher de la Pagerie wurde 1779 d>e Gattin des Bicomte Alexandre de Beauharnais. Sie gebar ihm zwei Kinder: Eugen und Josöphine war keine reine Europäerin. Sie war Kreolin — und dies aussagen, heißt schon einen Teil ihres erhitzenden Zaubers anbeuten Im übrigen weiß man von vielen Bildern daß sie groß und schenk gewesen ist und über eine seltene Grazie verfugte. Mit einem heroischen Format verband sie Anmut, Leichtigkeit, Geschmeidigkeit - und eben jene Liebenswürdigkeit, die noch in dem Totenmal ihres Sohnes fühlbar ist. Daß sie eine große Künstlerin der Liebe gewesen ist, eine Liebes- tünftterin im französischen Sinne des Wortes eine Meister,n der Zart lichkeit (wenn sie wollte), ist gewiß. Ihre Art zu lieben war gesttre.ch witzig, unterhaltend) ihr Antlitz tragt Kennzeichen einer ungemeinen Napoleon °war sechsundzwanzig Jahre alt, als er 'drverfielUndum es sogleich zu sagen: er verfiel ihr ganz und gar, so daß sie ihrer st-ache auf lange hinaus sicher sein durfte. Sie konnte es wagen, ihn nicht zu verwöhnen, ja, ihn darben zu lassen. Er hat keine wüste Jugend gehabt. Dieser Imperator bereitete seine einzigartige Zukunst in Jünglings- und Jungmannsjahren vor die man kann es nicht anders sagen — in eine säst mönchische Keuschheit gefaßt waren. Man weiß von einer Idylle des jungen Napoleon mit einer Sechzehnjährigen in Marseille; man weiß, bafe; ein $an(er SKab- chen sich auf der Straße einmal an den jungen Offizier gehängt hat. Aber im großen ganzen ist das Bild dieser Jugend von einer ungewöhnlichen Enthaltsamkeit. Man muß daran denken, daß der lunge Bonaparte unter dem Einfluß von Rousseau steht, daß er alfo. naturfi*^«J«t liebt daß er — wagen wir das Wort getrost — em „Sentimentaler ist, ein Empfindsamer nach der Art des ausgehenden 18 Jahrhunderts, freilich im großen Stil. Der junge jBonaparte besitzt neben dem Ehr* geiz, der ihn früh ergreift, ausgesprochen lyrische Instinkte, joZuge einer schwärmerisch-großartigen Unschuld. Und man dars s ch . ) wundern, wenn die Natur diese Zwei Zuge ,neinanderflichtdeneinen im anderen haltend. Es wäre eine durchaus törichte Vorstellung z meinen, ein Imperator müsse auch ein Don Giovanni sein. Dies ist etwa der Bonaparte, den das Schicksal °n Josephine binde. Freilich muß auch hinzugesügt werden: dieser Bonaparte gerade a) seine Laufbahn als Soldat und Politiker angesangen. Der ™en^ hauptmann Bonaparte hat Ende 1793 d.e Engländer durch überlegne Manöver aus der französischen Seefestung Toulon hin ß... im Herbst 1795 hat er sich, als Vertrauensmann des gemäßigten Konvents, als Offizier der Ueberwinder des robespierreschen Schreckens an die Spitze der Ordnungstruppen gestellt. Und nun ist es ein fabelhaftes Bild in des Wortes nächster Bedeutung, zu sehen, wie die erste Liebe und der erste Feldherrnruhm sich in dem nämlichen Augenblick begeisterten Aufschwungs verbinden. Bonaparte wird von der republikanischen Regierung nach Italien geschickt/ um dort die alten Mächte, besonders das nach Oberitalien vorgestreckte Oesterreich und seine Bundesgenossen, zu bekämpfen. Napoleon geht; doch Liebesbriefe an die soeben angetraute Josäphine und Schlachtpläne, kriegerische Handlungen weltgeschichtlichen Formats kommen nun aus ein und derselben Seelenregung, aus ein und demselben Atemzug, aus ein und derselben Begierde des Mannes. Bonaparte bringt vor, erobert Savoyen, Nizza für Frankreich, erficht die Siege von Millesimo und Mondovi, trägt die Fahne voran mit der Linken, mit der Rechten das Schwert, und die langen, strähnigen Haare des Generals der republikanischen Freiheit hangen an den noch mageren Wangen eines Feldherrn herab, der noch weit von den Dreißig ist; das Auge glüht — es glüht dem Ruhm, es glüht — was dasselbe ist — der Geliebten, die als Muse des Ruhms im Hintergrund steht. Man hat die Siege der Jahre 1796 und 1797, den Sieg an der Äddabrllcke von Lodi, die Siege von Arcole und Rivoli, die Eroberung Mailands und Mantuas, die Eroberung der Lombardei und Venedigs nicht verstanden, wenn man nicht verstanden hat, daß dies die Siege nicht bloß des Mars, sondern auch des Eros sind. Die Briefe an Josephine, die in dieser Zeit, zwischen je zwei Schlachten, aus Italien zu ihr fliegen, sind mehr als Beweis. Man zweifelt, ob Napoleon ein „Verführer" gewesen ist. Verführer sind geschickt; aber diese napoleonischen Liebesbriefe haben eigentlich keine Spur erotischer Diplomatie! Wie gibt er sich preis! Wie deckt er seine Karten auf! Rein, er ist nicht Verführer. Aber er hat die Großartigkeit einer vollendeten Leidenschaft, die sich mit ganzen Gewalt, mit ganzer Freigebigkeit dem geliebten Wesen zu Füßen schleudert. Das „Dynamische" an diesem Liebhaber entzückt, nicht die Kunst; er besitzt keine Verführerkünste; er besitzt nur die Macht feines entzückenden Temperaments. Und allerdings: er besitzt eine Kunst des Liebenden — er besitzt die höchste Kunst der zärtlichen Sprache. Er besitzt sie, wie nur ein geniales Gemüt sie besitzt — und ich wage zu behaupten, daß die Genialität dieser Liebesbriefe nicht geringer ist, als die Genialität des musikalischen Gefühls und der musikalischen Sprache bei jenem Beethoven, der die Synfonia Eroica geschrieben hat Wie redet er zu der „sanften" Josephine! O, sie ist gar nicht sanft — aber man meint, unter der Anrede Bonapartes müsse sie schmelzen und es werden. Die Urlaute des Italieners „Buonaparte" brechen hervor: im Augenblick der Entzückung kommen ihm die Worte der Muttersprache auf die Sippen, und er stammelt: mio dolce amor (meine süße Liebe). Er sagt die Küsse, die er gibt — sagt sie bloß: aber man begreift nicht, daß diese geschriebenen Küsse die Empfängerin nicht verbrannt haben. Man begreift nicht, daß sie die (Empfängerin nicht getötet haben — so großartig ist der Klang und Sinn der Worte: „Einen Kuß, tiefer tiefer als die Brust". Das Herz selbst wird hier geküßt, — die ganze Frau. Sie, Josephine, hält zurück. Sie freilich, sie besitzt, was er, der Verschwender genialen Gefühls, nicht besitzt; erotische Diplomatie. Sie antwortet kaum; sie läßt den Liebhaber und Gatten in dem Glauben, sie sei mit Verehrern beschäftigt (und übrigens ist der Verdacht Napoleons wahrscheinlich unberechtigt). Da rast er nun vor Eifersucht, und vielleicht hat die Eifersucht nie oder nur selten eine heftigere Beredsamkeit gesunden. Josephine hat den Gatten in einem Brief mit „Sie" angeredet — mit der Anrede der ehelichen Höflichkeit. Er ist außer sich. „Sie"! Und schreibt: „... und dennoch nennst Du mich ,Sie' in Deinem Brief vom 23., vom 26. des Windmonats! .Sie' — Du selbst! Ach! Schlechte, wie hast Du diesen Brief schreiben können! Wie kalt er ist! Und dann — vom 23. zum 26. sind es vier ganze Tage! Was hast Du gemacht, da Du Deinem Gatten nicht geschrieben hast? ... Ach, meine Freundin, dies .Sie' und diese vier Tage heißen mich den Verlust meines alten Gleichmuts beklagen ... Unglück über den, der die Ursache sein kann! ... Die Hölle hat keine Schrecken, die Furie keine Schlangen — aber dies /sie'! Ach, was wird erst in vierzehn Tagen sein .. Meine Seele ist traurig, mein Herz geknechtet; meine Phantasie erschreckt mich. Du liebst mich nicht mehr so sehr. Du wirst Dich trösten ..." Zuweilen versucht der Liebende, seine Stellung zu verbessern mit einem Wort des Stolzes; aber dies Wort des Stolzes, von einem der stolzesten Männer der Weltgeschichte gesprochen, ist nicht gegen die Ueber- macht seiner hingegebenen Liebesworte. Es hat den Anschein, als trüge Josephine ein Kind. Napoleon ist außer sich; der Liebhaber und der hoffende Vater werden eins; er kann sich nicht genug tun mit der Vorstellung, wie schön Josephine die edle iinb nuL.> heue »erfühlende Würbe her Schwangerschaft Iruflen mürbe... Dkkr uleneral ifl ber tiroße tla((l|d)e Ißerllebie. 'Vhilhmb (|lbl bem 0 ruberer eine fllänjenbe Soiree. flunberte ber ekfluiileften unb fdüliiften 'JHuIh'lnberlnm'ii machen iljm den f)o| und er i)ul nur einen (Gebauten: Oo|6p()lne.*Unb er 1(1 undiplomatisch flenufl, Ihr ble» kibenschnsillch elnzuaeslehegf D, sie kann beruljlflt sein über Ihn. (>r sprich! »um Sirle». Ein Vfreunb (illll; er meidet die», erichllttert neuiifl ijmnr, nm sosort eine neue Viebeoerflilruim sür Josophine an» zuhängen. Ur |d)hri den Ulen er ul Ißuiiot mit eroberten Fahnen nach Part». i mit Ihm zurtlckkomimn, hörst Du? ... Meine iiiiflebelelc Freundin, er sieht Dich, atmet hi Deinem Tempel, »ieileicht gewährst Du ihm die unschätzbare Ulunsl, Deine Wange zu fü||en; und ul) bin allein und (ehr wett fori ..." Die VIriefe haben da» Feuer einem Menschen, ber au« bem Korsika ber Blutrache (lammt Die große Weltgeschichte, eine Umwälzung säst ohnegleichen um« 1(1 (le? (Hne Episode In bem privaten Liebesroman ben Oleneral«. (Jr führt bk,« Kriege für (le. „Was ich tue, das tue Ich burd) Dich." 1804 wird er ,Wolfer, unb er lelbfl Ifl em, ber dieser Frau das Diadem auf die Locken brückt, wie er sich auch seiber gekrtint hat au» eigenen (filmben ... 'IIuii Hl her Ion der Briefe ruhiger geworben, bin Kaiser schreibt einer Kaiserin. Die Briefe gewinnen ben Stil non Bulletin». Die Liebe wirb nun eine Oplfobe der Weltgeschichte; da» Berhtiitnts Mir! fiel) um! Die Uebertegelihett Fos.-phines ist zweifelhaft geworden; nun beherrfcht <■ r die Sllualion. Die Liebesbriefe find wie römische Fnschi Isten unb eigentlich feine Vlebev.brlefe mehr. Es gibt fein Ilehergewlchi In Liebesbiligen, da» fiel) eines luge» nicht uml'ehrt ... '3u, es fommt die Feit ber Untreue: zum Beispiel der Roman mit her schönen 'Maleustko Die Scheidung fommil Fol.F>i)lne bleibt hem Kaiser unfrudjllmr. 0r heiratet die Habsburgerin, Marte-Louise; IHIO. o r schrefbt her Frau feiner Fugend noih viele fchtine Briefe; aber sie flnh wie mm einem Berg herab geschrieben. Rur zurneilen zittert hi ihnen da» (Siebenten an die gewaltigen Erregungen ber elften Fett, dte au» ihm einen großen, heroischen Liebhaber gemocht haben unb — einen großen Feidheri n au eh. 0 ja. Denn »ieileicht ist es |o baß Rapolson bei dieser Frau nie ganz unb gar angekommen ist das! er sie Im nller|d)ihi|leu Sinne nie be|e((en hat. Er befahl über Ihr 'Bell, aber wer weiß, ob er ihre Frauen- (eele je ganz gemeistert hat? lind wenn die» nicht war, so ist hier etwa» uon einer uiiallkflld)en Leidenschaft gewesen; unb bann ließe sich denken, haß dieser Ulebeofrkg, ben er nicht ganz gewann, Ibn Hari gemacht Hut, so ivk er sein mußte, um al« Konsul und Kaiser (ast alle anderen Kriege gegen eine ganze Wett zu gewinnen. 0» wird Foß-Phi ne, die Vlull-belolfe, gewefen lein, die Ihm die ronssennsrhe Empslndsamkelt gänzlick) sorigenommen Hot. „Slofperk reffet hie schöne Prinzessin JCMu-lau.* Bon Lina Stau b. Wir haben schon früher, al» mein Mit deichen noch Nein war, Theater grspielt, mit Paplerpuoven auf einer Heinen Bühne. Spater feierten mir Begebenheiten Im Ablauf de» kindlichen Lebens mit Stegreifspielen, da» heißt, genau gesagt, mir toten es nie bewußt, es wurde mm selbst so, büß mir, al» lrh mm einer Reise zurückfom, eine wunderbare Italien- reife durch meine Stube machten, daß wir die Ankunft ber Pnvpe I ofoful'a eine« gelben, schlitzäugigen Wefenm mit einem Kirsrh bttttensest feierten, daß nur am ersten Vlbvent ein Kiivvenfpiel Impro »Iflerten und um „Tag de« Buche«" al» Buchhündler Büchersenfier Wettbewerb | pleiten. Ein „verriihtlgev Kasperltheater" „uerrldittfl“ sagt mein Madel dien, wenn es die nldjl mehr angreifbare üdithelt einer Sache ausdrücken will hoben wir erst letzte Weihnachten bekommen. Meine Sehuiefter hatte es In Ihrer kunstgewerblichen Werkstiitte, aus ber so viel lustige» Spielzeug In alle Well hinausgeht, gebaut unb es staub In un jerer Weihnachlsstube groß unb herrllrh bunt und für mich selber wie ein kleiner Fauberpaiast vidi, es war nod) unberührt mm der Theater feste diese» Winteröl 0 Ine 'Menge Sdnmjpleler waren do, einfodje Drei- Finger wnbpuppen, ihre Köpfe baumelten rnelandiollsdi über den 'Bübnenrahmen, Arme unb Beine binnen leblos herab, ober fdion in ber Ehristnacht fuhr Leben In (le In (gestalt zweier Kinderhünde, ihr bloßer 'munb, ber flreulldie leufeUM'odien redeten burd) ein (Ire» Kinder münlrben. 3d) war ordentlich besdiümt, mit welchem Onftlnfi ein Kind Vlbnelau|d)fe» aus anderen Kosperlstticken e« oer(ti»mt freilich feine (üeiegenbeit kombiniert unb neu daraus sfhosst Aber In den Weilmachlsferien mußte „verrichlig" gespielt werden, eine große Gaia Borsteilung Fst es nhlil rnrzeihtick), wenn man so unvermutet Intendant wirb, baß inon olle Brülle zeigen will, über b|e man verfüg!? Sie Stücke, die Id) uorßmh, holen feine Rollen für meine Spieler, ich sand, man müsse sie Ihnen eigen« ans den banmellgen Leib schreiben. Fiir da» Kasperle hätte e» la Überall zu tun gegeben, aber wo« nützten mich die unheini- llrhen grünen Augen de« Zauberer», wenn fein schick do war, In dem er sie fürdilerlld) rollen kannte? Hab was der schöne lange Teufel« sihwonz, wenn er sich traurig Im Kosten ringeln sollte, statt rasend ou» her Mammvnskiste herousznsahren? Hub der Regel fürst, her so mafe stlitisch nüt (einem Federbusd) wippen, so schön mit feinen Berkenketten klirren unb so beüngstigend mit feinen riesigen braunen .Künden agieren konnte Dorum fab nufer Theaterzettel, mit der Schreibmaschine „verrlchtig gedruckt", so uns: Die Zaubergeige ober fiafperle reitet die schöne Prinzessin Li-tu-lau Schauspiel In vier Bildern mit Gesang, Ton, und Schlügerei. Personen: Die Prinzessin Ll-Iu-Ian Der Prinz Fang gang-gou Der ölroßmoflul van Tibet Der tnädiilfle Zauberer Bimbamboro Der Teufel Rutzebutz Kasperle OSS!,dne Älnb,r Dos Rhinozeros Bulle-wulle-wau Die Schlange Ringel ginget gou Der Flsch Flitzeblitz. Das Stück spielt in ffhlnefkn, In einem Wald bei Buxtehude und im Stillen Ozean. ♦ Aber Haiti So well sind wir eigentlich nod) gor nichtI Zuerst waren fehl die Bühnenbilder zu machen. Eine feine, ue| lockende Sache für Kinderhände, wie geschaffen, sie zur ftßöpferlfdjcii Betätigung anzuregen. Ehlneflen: Aus leuchtend blauen Hintergrund eine Pagode au« (Boll, unb Silberpapier mit einer Tür, die man öffnen kannte, daneben cm paar phantastische Bäume. Alles großzügig unb flächig aus 'Bunt- i Papier geschnitten und ausgeklebt. Tagelang lief mein kleines Mädeichiü wie besessen mit Schere und Kleistertopf herum. Unb zu was für luftifl.n unb brauchbaren Einfällen ein Klub selbst negative Ergebnisse umblegi! Do« Feufterkreuz von Kasperle« Häuschen war ein bißchen schief geratet, , aber Liselotte machte ihre verfchmltzten Augenschtitze: „Hurra, Id) umift ma»I Wenn der Kafper an« der Haustür kommt, sogt er: 'Jia, Kinder,! ha» seht ihr |a gleich, haß hier der Kasper wohnt, wo alles fo (d)ill krumm unb |d)epp ifll" 'Als Id) da» ganze Bild ein bißchen zu buul füllt», sagte sie vorwurfsvoll: „Aber Mamole! Der Kassier fugt daih, | wenn er kommt. „Rol unb blou , ist Kasperles Frau, und ein bissel grüner find Kasperles Hühner, und ein blffel gelber l|l’o Kasperl felberl" Run, die Kinder haben dann später diese Reime begeistert mit» geträllert. 'Al» ble Bühnenbilder serlig waren, konnte es ans Prolir« gehen, und ha zeigte es (Id), daß auch beim Ka(perie|piel ble Praxis all«! ifl unb daß In der Beschränkung (Id, der Meister zeigt Iau[enbarinl|] wie die Olöttln Kwannon hätten wir sein müssen, um all bas aus bet Bühne geschehen zu laßen, was geschehen füllte ('s war olles oicl ,il kompliziert, febe Szene mußte gewaltig vereinfacht werben. Fck) half mir beiburd), baß ich ben Kasper noch viel öfter, al« es uornefehcn ivar, einen abmurksen ließt So bekam man und) berühmten Musteiii aus ber 1 Teil Inszenieren f^l, kann sie nicht fdjloslofer verbringen. Aber dann kam dock) glücklid) der Tag der 'Bremiüre, an dein n)it da« Wohnzimmer al« Fiifchaucrraum «uorüumlen unb da» Kasper' tljeater In ble Berblndungstür zum anderen Zimmer rückten, die eln- fochste Lösung. Hinter den Kulissen freilich foh's aus wie Im Wagen ber Katharina Knie, ober auch da« ist sicher ein (J)runb(aß für leben, ber zu Haufe richtig für eine Kinderschar spielen will: Wenn fdjoni, bann lachend febe Unordnung, lebe Hnbeguemlichkeil hlniiehmen Liebet seltener spielen, aber bann großzügig alle» bem Willen zum Gelingen Des Spiel» unterorbneii. Al« es dämmerte, kamen sie an, Kleinere unb Größere und nfli'l Große. Mein kleines Mädel nahm fle an ber „Kasse" — sie halle ihre« Beikauisstanb an die Tür gerückt unb faß, feierlich In meinen blaue« italienischen Selbenmantel gehüllt, mit ernstem, Verantwortung»^' nmßtem (Hefldjldjeti dahinter In Empfang und verkaufte für 5 'l’l Eintrittskarten und Programme. Daß sogar ble Garderobe abflenomnir« unb numeriert wurde „hier, 285, bitteI" —, bas hob die Mlnbirt geradezu In ble Flluflon, wtrklld) Theaterbefucher zu sein, und wer wil missen, mleolel Bereitschaft diese kleinen Dinge Im Kind wecken? Steig« >> e» sich doch and) Im felbstvergeßeneii Spiel am Kleinsten in «':l 11 aumrelch Ein paar Minuten vor Spielanfang (ab Ul) von den Kulisfen aus teil entzückendste Bild, um beffentmlllen allein Id, bald wieder Kasper!«' Idealer spielen werde: Fm dunklen Zimmer ein paar Reihen Hinterem' anbei auf bem Boden hockend ble Kinder. Ihre Gesichter rötlld) b«‘ haucht von dem Licht, da» burd) ben geschlossenen farbigen Vorhiwi de» Kasperletheater» schien. Hie unb da glanzten ein paar Augen aWi In dir schon burd) den geschlossenen Vorhang ein Llchtsünkchen von but Herilid)kelt dahinter gefallen war. Unb fetzt: „Gong!" (wenn ein Stück In Ehlneflen |vielt, darf dock) nicht mit dem Welhnachlsglöckchen klingelnI) und „Aaaaah — —- Da flUfl" Afet schwirr !tlbl)a| un« 1 WS < len hoii) 1 !ßi (Haine - M: Will , den nicht flinini inilldi (i> in srin ii non I Un Ichen Ole ro n der so schalte ilbnel teile i üaen schma fine 61 lang in bi Ai holt Stnfpe !hi||d do» s Al iflnde die Jt 6 schlich lOIIIlb fcpp «eil, Hopf stich» un Heb, 'ml' Jot “'In Ulf Di dog »nd Rhob Win f» hl A »illli {k'te Ulfbli ober den ludje, «leig' W» w । >°h Wien N\ Das war auch für uns hinter den Kulissen das „Sesam, tue dich auf!" Man muhte sich zu den hossnungslos Verlorenen zählen, wenn dieser Laut, in dem alle Märchenlust, alle Erlebnissähigkeit des Kindes schwingt, nicht die lejzte Mauer hemmender Bewußtheit und Schwere einrennen wurde, — ach nein, spielend umstoßen mit einem Finger. Wir Haden gespielt aus „Teufel, komni rausl" (er kam ja auch leibhaftigl) In der Hauptprobe noch befangen voreinander, hatten mir uns nun restlos selber vergessen. Keines hat nachher nach gewußt, was es alles gesagt hatte, ii> jedem Fall viel, viel mehr, als je auf den Blattern stand, die wir jetzt nicht mehr vor uns liegen hatten, und doch klappte es wundervoll! Was haben die Kinder gelacht, wenn der Kasper die chinesischen Rainen hosfnungslos verwurstelte, wenn er statt „Pagode „Papagode — Mamagode" sagte, wenn er statt vom „Reich der ausgehenden Sonne" vom „Teich mit der untergehenden Tonne" sprach, wenn er statt über den „Stillen Ozean" über den „Lauten Ozean" fuhr, wenn er, ich weiß es nicht niehr, was er noch für Späße machte! Nur, daß fein unbe- kümmertes Schwatzen im Dialekt — er muh doch sozusagen selber mitten aus der Kinderschar kouuneu, muh reden und handeln, wie sie es in der gleichen Situation täte oder doch träumt, muß ihr Vertreter sein und sich als solcher ihren Rat erbitten — sich in lustigem Zickzack von der höflichen, gewundenen Feierlichkeit der Chinesen abhob. Und unsere Bühnentechnik! Es mar ein einziges Lachen und Kreischen im Zuschauerraum, als Kasperle aus dem Fisch Flitzeblitz durch die wilden Wogen ritt und auf- und untertauchte, mit Hilfe einfacher gezogener Fäden, an denen der Flitzeblitz hing. Und das Unwetter im Stillen Ozean, der Taifun! Wir ließen hinter der Szene den Fön, der sonst nur ein sanft-blondes Kinderköpfchen ein bißchen zaust, lausen, schalteten immer wieder ein und aus, so daß sich das Ausheulen und Abnehmen des Sturmes ergab, zum Fürchten naturgetreu. Dazu schüttelte mein Müdelchen Erbsen in einem Sieb — der Lärm eines gewaltigen Platzregens —, und blitzte aufregend mit der Taschenlampe. Ich schwang den Hammer, wie Thor der Donnerer, nur daß ich eben aus eine Gasherdplatte schlug —. Sie zeigt heute noch Spuren des Unwetters, — und ein paar Tage lang aßen wir „Kasperlesuppe", um das Regenreguisit aus rationelle Art zu beseitigen. Ach, ich will in den nächsten Ferien wieder meinen ganzen Haushalt gefährden lassen durch Theaterdonner, will eine Woche lang Kasperlesuppe essen, wenn's sein muh, um wieder jenen beglückenden Aufschwung, jene Selbstvergessenheit des Spieles zu erleben, in denen das schreckliche Erwachsensein wie eine Bergeslast von einem abfällt. Aber ich will es auch darum tun, damit wieder die rotbeschienenen Kindergesichter in meiner dunklen Stube schweben wie Lampions, damit die Kinder am Ende sich wieder um das Kasperletheater drängen, neugierig in die Kulissen spähen und ausgelassen singen: „In Chinesien, in Chinesien —", damit ich wieder höre, wie einem sonst fast krankhaft schüchternen Kind, das ich heimfllhre, das Mäulchen nujgeht, daß es wunderbare Stücke zusammenphantasiert, die es zu Hause mit seinen Puppen spielen will, und damit mein Mädelchen wieder abends im Bett das Kasperle an sich drückend, daß es unternehmungslustig den Kopf hebt, strahlend fragt: „Mamale, spielen wir morgen wieder — ? Büffeljagd in Uffangu. Von Curt B l o e d o r n. Doktor Sch. und ich kamen von Kirando am Tanganjika. Ich hatte dort Vermessungen geleitet. Doktor Sch. hatte sich mir angeschloßen, und er wollte, wie ich, zur Küste. Sa zogen wir an der Grenze von Rhodesia hin, bogen bei Jkomba ab, um über die Passe des Hochgebirges auf Langenburg zu marschieren. Von dort, durch llssangu, sind es bis Daressalam achthundert Kilometer. Wir hätten einen anderen Weg nehmen können, aber wir woll en Büsfcl jagen. Das Gewaff (die Hörner) der von mir bisher erlegten Tiere war nicht allzu stark. In Staka sagte mir der Lechjager des Häuptlings Mlabese, daß in den Tälern und Ebenen, am Fuße des Gebirges, Büffelherden feien. Die einzelnen Stucke foltten stark fein, aber auch böse. Der Häuptling kam meinem Ersuchen nach und gab mir den Jäger mit. Mbasu sollte ein unerschrockener und grder Sabrterv sucher (ein. Rur solche Leute kann man auf der Jagd aus Bussel, diesem mehr als Grohkatzen gefürchteten Wild, brauchen. h. Bergauf bergab zog unsere Karawane; wir Weihen voran, die Träger0hinterher Trotz der Kletterei war dieser Weg eine Erholung .für uns nach der Hitze in den Ebenen. Frische Berglust gab es, tauige Morgen, die so schön waren, wie sie nur noch n europäischen A pem tälern zu finden sind. Baumriesen geben Schatten. Bergbache frisches Wasser, und Kleinwild war genügend vorhanden, "m frisches Fleisch zu haben. Mbasu, der geliehene Fährtensucher, schien wirklich etwas von waren wir gezogen, als endlich Mbasu meldete: Herr mbogo> __ Büffel!" Hier ist Mist, einen Tag alt. Biele waren d? D'er Jäger machte uns begreiflich, daß mehr als drc.ß.k. °»ewe en feien. „Halt! Lasten 'runter, Lager aufgeschlagen! Wir hatten Zell. Und wenn es acht Tage dauern sollte — einen starken Bussel mu| ) haben. Auch der Doktor, sonst Richtjager bekam Geschmack ander Sache. Am nächsten Morgen pirschten wir Weißen und der schwarze Fahrten sucher die Umgebung ab. Es war em niederträchtiges Klettern, Hricdjen und Springt in dem Dickicht der Urwälder Immer ging es rgan Wäre es nicht so kühl gewesen w,r Weihenha en schlapp gemacht Armdicke Ranken, Bambusdickichte vom Sturm gefällte Baume, ue>^ und einen anderen Weg nehmen cecoer , > f~.< M h..rcf. djtz ein war dasselbe. Ich entdeckte eine nicht allzu L V ' i«._ flatterten kleiner Bach floß. Die Abhänge waren hier freier. In ihn “eiterten wir weiter bergan. Mbasu immer vorauf. Hundert Schritte weiter auswärts lag eine Ebene. Auch die war bewachsen, fast dichter noch als die Bergabhänge. „Hier sind sie drin, vor kurzem waren sie an dieser Stelle. Sieh, Herr, der Mist ist noch warm!" Mbasu trat in einen Fladen, der noch dampfte. Wir hielten Rat. Der Doktor wollte links gehen, der Schwarze sollte die Mitte halten, ich nahm den rechten Flügel. Abstand sollte Rufweite bleiben. Vorsichtig und langsam gingen wir vorwärts. Eine Viertelstunde verstrich, da pfiff der Fährtensucher das verabredete Signal. „Büffel!" Ich blieb stehen, um zu horchen. Vor mir links seitlich brach es im Bambus und Holz. Halt! Da schimmert es graublau durchs Blüttergewirr; kaum habe ich den Fleck gesehen, ist er auch schon verschwunden. Dort ist noch einer — wieder weg! Ich fluche leise. Zu dicht ist der Busch. Soll ich vorgehen? Vielleicht laufe ich dem Wild gerade in die Hörner, und es nimmt mich an. Ich überlege noch; im selben Augenblick bricht es krachend links in den Bambussen. In großem Sprung nehme ich Deckung hinter einem starken Stamm. Keine Sekunde zu spät. Kaum habe ich die Büchse am Kopf, als sich der massige Kops eines alten Büsfelbullen aus dem Bambus hervorschiebt. Breit ausgelegt ruht das kolossale Gemäss gleich einer dicken Wulst über der breiten Stirn. Die Hörner sind lang, an den Enden gebogen, Und hängen voll Ranken und Bambussetzen. Der Bulle steht und schnaubt zu mir herüber, er muß meine Witterung bekommen haben. Jetzt steht er vorne frei, hinten ist er noch gedeckt vom Grün. Mein Mantelgeschoß habe ich erprobt, es durchschlägt den dicksten Schädel. Rur um ein weniges brauche ich den Laus der Büchse zu heben, Kimme und Korn stehen mitten auf der Stirn — der Schuß bricht —, dumpfer Widerhall in den Tälern, an den Bergen. Wie vom Blitz erschlagen, bricht der Büffel am Platz zusammen. „Repetieren!" Einen Augenblick tiefe Stille nach dem Schuß. Dann wurde es um mich lebendig. Die ganze Büffelherde mußte auf meinen- Stand gezogen sein. Ueberall brach, stampfte, schnaubte und polterte ein Stück. Wie hingestellt stand plötzlich ein zweiter Bulle breit und ganz nahe vor mir. Eine Kühe und ein geringer Bulle schoben sich hinter ihm heran. Ich gab dem starken 'Büffel eine Kugel auf den Stich. Der Bulle raste los, die beiden Stücke ihm nach. Richtung aus den Doktor zu. Gleich darauf brach drüben ein Schuß, dann noch einer, und nach einer kleinen Pause ein dritter, dem Hilferufe des Doktors folgten. Ohne mich um meinen gestreckten Büffel zu kümmern, rannte ich den Rusen zu. Hatte er einen Büffel krank geschossen, und ist von ihm angenommen? Das wäre schlimm! Ich rief den Schwarzen an — keine Antwort. Ich meldete mich dem Doktor. Der rief zurück: „Kommen Sie schnell, aber vorsichtig. Ich sitze auf einem Baum, unter mir tobt eine Büffelkuh: ich habe sie angeschweißt!" Melden Sie sich weiter, damit ich gerade aus Sie zugehen kann!" gab ich zurück. Er tat es. — In Strömen floß mir der Schweiß, ich dampfte. Das Dickicht wurde lichter. Ich rannte. Mein Atem pfiff, die Lungen wollten kaum mehr. Endlich! — Da ist der 'Baum, auf dem der Doktor sitzt! Mit nötiger Vorsicht arbeite ich mich durch 'Bambus, denn ich höre schon die Büsselkuh schnauben. Jetzt sehe ich sie. Sie hat den Hut des Doktors auf einem Horn und tobt um den Stamm. Oft stößt sie nach der Erde und trampelt auf einen Gegenstand. Jetzt kommt sie mir breit — ich schieße. Die Kuh taumelt, bleibt aber hach. 'Nochmals schieße ich, schräg von hinten, in den Hals. Das Stück brüllt laut auf, stürzt und bleibt liegen. „Die hat genug!" schreit der Doktor und rutscht vom Baum. „Wie kam bas?" fragte ich. „Ja, sehen Sie, ich schoß, kam zu tief ab, schoß wieder, diesmal zu hoch, bei dem dritten Schuß machte das Tier eine schnelle Wendung, ich streifte sie, und dann nahm die Kuh mich an. Ich konnte auch nicht mehr schießen, hatte Ladehemmung. Was sollte ich machen? Ein Glück, daß der 'Baum mir so nahe stand; ich also hinaus. Und da hing ich, und unter mir tobte das Vieh. Der Hut war mir entfallen; die für mich zwecklos gewordene Büchse ließ ich unten. Der 'Büffel hat meine Witterung an den Gegenständen gefunden und ließ seine Wut an ihnen aus. Da!, sehen Sie, was das Vieh aus ihnen gemacht hat. Das Gewehr ist total unbrauchbar geworden, und der Hut ist in Fetzen!" „Ja, Sie haben noch Glück gehabt, Doktor! — Haden Sie etwas von Mbasu gehört ober gesehen?" — „Nein! NichtsI Wirb sich verbuftet haben, als er bie 'Büffel bemerkte!" Noch ftanben wir bei ber oerenbeten Büffelkuh unb beratschlagten über bas Fortschaffen, — da schnaubte es in kurzer (Entfernung hinter uns. „'Büffel!I7, Schon saß der Doktor wieder auf seinem Baume; ich suchte Deckung hinter einem anderen Stamm. (Ein 'Büffelbulle, wie es sich nachträglich herausstellte. War es der, den ich zuletzt beschossen? (Er brach jetzt durch das dichte Gebüsch und stürmte auf den Platz. Sein massiver Kops war ganz besudelt von 'Blut. Grauenhaft sah das Tier aus. Der 'Büffel raffe heran, sinnlos auf bie gestreckte Kuh los, bohrte [eine Horner in deren Pansen, riß ihn auf, roieber, immer roieber. Versuche, bie Kuh hochzunehmen mit bem Gemäss unb hochzuwersen — es gelang ihm nicht Dann trampelte unb stieß ber Büffel mie verrückt auf bie schon formlose Masse ein. „Schießen Sie borfjl" rief ber Doktor. Als mir ber Büffel breit kam, jagte ich ihm eine Kugel ins Blatt. Der Bulle wankte ... Ich repetierte und schoß nochmals. Halsansatz hatte ich gezielt, boch eine schnelle Bewegung seines Kopses: bk Kugel ging anbers, sie traf oberhalb bes Auges unb ging ins Hirn. Mit bumpfem Fall brach bas Tier zusammen. Der Doktor langte roieber aus ber (Erbe an. Wir betrachteten ben Büffel. Gräßlich sah ber Kopf aus. „Nanu! Was ist bas da am rechten Horn? Ein Tuchfetzen — von Mb'üsu! — Wir standen da und starrten uns an ... Deshalb hatte der gute Bursche sich nicht melden können! Der Büffel hatte ihn auf dem Gewisfen! Mbasu muß dem Büffel direkt entgegengelaufen sein. Der hat ihn angenommen und erledigt. Rasch muß das Drama sich abgespielt haben, denn der Schwarze hatte nicht einmal Zeit gehabt, einen Schrei auszustoßen. Wir suchten und fanden Mbasu. An Ort unb Stelle begruben wir ben Toten. Eine Anzahl Steine würben über das Jägergrab des schwarzen Fährtensuchers gehäuft. — Dann zogen wir weiter, der Küste zu. Oer Kriegskommissar des Königs. Roman von Friedrich F r e k f a. Copyright 1931 by August Scherl, G. m. b. H., Berlin. (Fortsetzung.) Nachher durfte Heinrich mit der Familie zum Gottesdienst gehen, und während sie in der dunkel schattenden Kirche nebeneinandersaßen und die Orgel brauste, fand seine Hand die seiner Emma, und er hörte, wie das Mädchen ihm ins Ohr flüsterte, sie wolle ihm immerdar treu bleiben. Da erst war er ganz glücklich und dankte Gott für die Gnade, daß er ihm eine Braut geschenkt hatte. Es war Großes, was er sich vorgenommen; denn vor sechs oder acht Jahren war nicht daran zu denken, daß er eine Pfarrstelle erhielte. Er mußte sich damit trösten, daß es den meisten jungen Theologen nicht anders ging, und auch die Mutter erzählte ihm, wie sie zehn Jahre auf ihren geliebten Eheherrn, den Pfarrer Mahlmann, hatte warten müssen. ♦ So hatte Heinrich drei Jahre in Halle studiert und rüstete sich, sein theologisches Examen zu bestehen. Er war seiner Sache sicher und voller Zuversicht. Die Frau Pastorin, die sich von ihrer Jugendzeit her in Examensnöten auskannte, gab ihm gute Ratschläge, sich nicht überzustudieren, sondern den Kopf klarzuhalten und abends Spaziergänge zu machen. Emma durfte ihn, da sie seine Braut war, allein begleiten, und mit ihr spazierte er eines schönen Abends nach dem Giebichenstein. Da trafen sie auf einen Haufen arg betrunkener Studenten von einer Landsmannschaft, die sich durch ihre Roheit und Renommisterei einen besonders berüchtigten Namen erworben hatte. Es war unmöglich, diesem Trupp auszuweichen; sie mußten mitten durch die Lärmenden und Singenden hindurch. Die höhnten den Theologen und riefen ihm Schimpfworte zu, doch berührte ihn das nicht weiter, bis ein baumlanger Westfale plötzlich vortrat, Emma um die Mitte griff und auf den Mund küßte. Da übermannte es Heinrich, und er hieb dem Frechling mit dem Spazierstock so heftig über den Kopf, daß das Blut aus Mund und Nase stürzte. Der ganze Haufe wollte über ihn her; aber er verteidigte sich, so gut es ging, bis mittlerweile einige Halloren, die ihn kannten, zur Hilfe kamen und die Trunkenbolde verjagten. Emma weinte; sie konnte es nicht fassen, daß Menschen so roh und brutal sein konnten. Die Lust an dem schönen Sommerabend war beiden zerstört. Am nächsten Morgen kamen zwei Burschen der Landsmannschaft auf Heinrichs Zimmer und meldeten, der Westfale fordere ihn auf scharfe Hiebe. Heinrich, in dem noch die Erbitterung saß, nahm an. Er traute eS sich schon zu, seinen Mann zu stehen, und suchte unter seinen Kommilitonen einen tüchtigen Sekundanten. Er hatte keine Furcht, ging ruhig auf den Fechtboden, wunderte sich über die Gebräuche dort, vertraute aber feiner Kraft und seiner Geschicklichkeit. Bald merkte er, daß der Lange ihm weit überlegen war. Doch er war nüchtern, und der Westfale hatte getrunken. So blieb ihm die Ruhe, und endlich glückte es: Sein Hieber fuhr dem Langen in die Brust. Doch dieser Ausfall gab ihm eine Blöße: Das Eisen des andern durchschlug ihm die rechte Wange. Der Ehre war genug getan, und als Fechter stand er sogar als Sieger da. Aber als er vor dem Spiegel die gespaltene Wange sah, wuxde es ihm klar, daß dieser Hieb feiner Laufbahn als Theologe ein Ende gesetzt hätte. Mit solcher Narbe im Gesicht, die einen Fechter und Raufer verriet, würde niemals eine Gemeinde ihn zu ihrem Hirten annehmen, der den Frieden predigen sollte und nicht den Krieg. Er wagte cs nicht, auszugehen, fürchtete die Vorwürfe der Pfarrerin und die Frage der ihm bekannten Pastoren. Endlich suchte die Pfarrerin ihn selbst auf und lobte ihn, daß er für die Ehre seiner Tochter fo wacker eingetreten sei. Er dankte ihr weinend. Nun folgte Schlag auf Schlag. Das Duell war bekannt geworden: Das Kuratorium entzog ihm das Stipendium; alle Theologen wandten sich von ihm ab. Er selbst machte sich die heftigsten Vorwürfe, ohne Ueberlegen gehandelt zu haben; aber wenn er sich hinsetzte und versuchte, einen Brief an seine Mutter zu schreiben, war es ihm klar, daß sein Schicksal unausweichlich gewesen. In dieser Not redete ihm einer seiner Schüler, ein wohlhabender Leipziger Buchhändlerssohn, zu, an die Pleiße überzusiedeln; sein Vater würde ihn sicherlich als Korrektor in seinen Geschäften verwenden. Heinrich nahm das als einen Wink des Schicksals. Philologie war ihm seit langem lieber als Theologie. So nahm er Abschied von seiner Braut; war es doch auch von Leipzig nach Halle nicht zu weit, um nicht alle Woche hinüberlaufen zu können. In Leipzig erfuhr Heinrich, was eine große, gesellige Stadt einem Menschen zu bieten vermochte. Der Buchhändler, dem er die Korrekturen las, bemerkte das Gedächtnis Heinrichs für die moderne Literatur, und empfahl ihn weiter an eine Bankierfamilie, deren gebildete Töchter auf dem laufenden fein wollten, was der Buchhandel Neues an schöngeistiger Literatur zeitigte. Hier nun hielt der junge Philologe mit der interessanten Narbe im Gesicht jede Woche einen Vortrag. Dabei ergab es sich von selbst, daß er des berühmten Stadtdichters, des Herrn Professor Gellert, Fabel zitierte, und der Bankier stellte mit Staunen fest, daß der junge Mann alle diese Fabeln auswendig wußte. Er hatte Verbindung mit dem berühmten Professor, sprach mit ihm über den jungen Menschen in seinem Hause. So ließ der Herr Professor Gellert den Studiosus aufsordern, bei ihm Besuch zu machen. Er fand in dem berühmten Manne einen stillen, freundlichen Menschen, der aber leider durch eine Leber- und Gallenkrankheit geplagt wurde, die zu heilen er, wenn es ihm seine Mittel erlaubten, nach Karlsbad ins Böhmische fuhr. Heinrich vergalt- dem Professor seine Freundlichkeit, indem er sich wie ein Famulus um ihn bemühte, und der stille Herr liebte es, nun mit ihm des Abends Spaziergänge zu machen ms Rosental und in die weitere Umgebung. Aber er lernte auch die Nachtsetten hn Leben dieses bedeutenden Mannes kennen. Manchmal, wenn er ins Arbeitszimmer trat, fand er den Gelehrten am Tische sitzen und vor sich hinstarren. Nichts konnte ihn bewegen, von seiner Melancholie abzulassen; ja, er wurde sogar ärgerlich, wenn Heinrich ihm gut zusprach. Das ging tagelang, bis die üblen Einflüsse gewichen waren und diesen schwarzen Stunden eine gewisse Heiterkeit folgte. Immerhin, der Professor sagte, Heinrich wäre sein guter Geist, und wenn es auf ihn ankäme, sollte er sich niemals mehr von ihm trennen. Er bewies feine wahre Güte; denn als sich ein Baron von Bielfeld, der aus dem Hamburgischen stammte, an Gellert wandte, er möge ihm zur Ordnung seiner Bibliothek und für tägliche Dienste einen tüchtigen Philologen als Sekretarius senden, da dachte Gellert sofort an seinen guten Geist und empfahl ihn an den Baron, der unweit Altenburg eine fchöne Herrschaft besah, die ihm seine Gattin zugebracht hatte. Es war gerade Ostermesse, und Heinrich fand sich in dem Gasthof ein, in dem der Baron verweilte. Der lud ihn zum Frühstück und sprach mit ihm deutsch, französisch und italienisch. Dabei befragte er ihn über die Neuerscheinungen in jeder Literatur. Es war wie ein kleines Examen und erinnerte Heinrich an jene Stunde, da er mit seinem alten Rektor in Stettin zum ersten Male gesprochen. Er gefiel dem Baron, der ihm freie Station und 150 Taler jährlich Gehalt bot. Er empfand es als doppeltes Glück; denn durch den Professor Gellert wußte er, daß der Baron in Preußen Verbindungen am königlichen Hofe besaß, und er dachte sich, wenn er seinem neuen Herrn ehrlich diene, könne der ihm eine passende Stelle am Gymnasium oder an der Universität verschaffen. Da Heinrich noch fast vier Wochen Zeit hatte, bevor er sein neues Amt antrat, plagte ihn Sehnsucht, Mutter und Braut aufzusuchen. Freilich, nach Halle war er regelmäßig hinübergekommen, hatte dort aus dem Sofa eines Kommilitonen übernachtet und den Sonntag mit der Geliebten zugebracht. Aber anders war es doch, einige Tage mit ihr zusammen zu sein. Diese Vergünstigung ward ihm durch das Schicksal zuteil. Gellert, der sich seiner so treu annahm, lieh ihm auf sein künftiges Gehalt zehn Taler und verschaffte ihm auch einen Pwtz in einer Extrapostchaise, in der ein reicher Berliner Handelsherr von Leipzig über Halle nach seiner Vaterstadt zurückfuhr. Drei volle Tage konnte Heinrich mit den beiden lieben Mädchen Emma und Klara schwärmen, musizieren und Lieder fingen. Emma hatte ein paar zierliche galante Gedichte komponiert. Sie nahm jetzt Orgelstunden, die ihr der Kantor an der Domkirche umsonst gab. Heinrich freute sich ihres Talents. Die Pfarrerin nannte es eine brot; lose Kunst und pflegte zu sticheln, während sie irgendein wohlgekochtes Gericht auf den Tisch setzte. „Wenn dein künftiger Gatte, müde von Arbeit und Aerger mit seinen Scholaren heimkommt, so glaube mir: Sicher wird ihn ein guter Happen besser erquicken als ein gesungenes Verslein!" Und sie wies auf Klara hin, die tüchtig im Hause werkte und schasste. Heinrich kam die Geschichte der Bibel von Maria und Martha in den Sinn, und da sie am Morgen Abschied nahmen vor der Post, flüsterte er seinem Mädchen, während Klara die Pferde mit Brot fütterte, ins Ohr: „Maria hat das bessere Teil erwählet — und das soll nicht von ihr genommen werden!" — Emma drückte ihm die Hand, sie hatte verstanden, was er ihr sagen wollte. Aber diese glücklichen Stunden mußte Heinrich alsbald auf der Reise an der Seite des reichen Bankiers abbüßen. Der ließ ihn allzusehr fühlen, daß er ihn nur aus Gefälligkeit gegen den Herrn Professor Gellert mitgenommen habe, und zeigte ihm, wo er's konnte, die lieber« legenheit, die ihm sein Geld über den armen Kandidaten verlieh. Heinrich war darum froh, daß er van Berlin nach Solberg mit dem Ränzel auf dem Rücken marschieren konnte. Die Mutter fand er dort in dem kleinen Gärtchen, um dessen Pflanzen sie sich bückend mühte. Sie erschrak schier, als er sie anrief, und hatte Tränen in den Augen, da sie ihm mit den Händen über die Wangen strich. Dorchen kam. Sie wurde ganz rot, als sie Heinrich erblickte. Sie war größer geworden und ungelenk, wie ein junger Jagdhund. Da die Stunde des Mittags vorüber war, bestimmte die Mutter, daß Heinrich Speckeierkuchen essen solle. Dorchen ließ es sich nicht nehmen, ihre neu« erworbene Kochkunst zu zeigen. Dann ging’s ans Erzählen. Bruder Friedrich Wilhelm befand sich wohl, als königlicher Forstbeamter in Ostpreußen; er schrieb wenig, sandte aber nahrhafte Geschenke oder Felle, die zur Fütterung für Winterkleider gute Dienste leisteten. Von Theodor war keine Nachricht da. Joachim Nettelbeck aber war im Lande; er war jetzt Steuermann, hatte weite Reisen nach Afrika und Amerika vollbracht. Er fand sich, wie gerufen, an diesem Abend ein und brachte der Mutter einige Pfunde herrlichen indischen Rohrzuckers mit. Er begrüßte Heinrich in seiner stürmischen Art, umfing ihn an den Hüften, hob ihn empor und tanzte mit ihm im Kreise. Er ließ sich's nicht nehmen: Der Jugendfreund mußte mit hinaus in die Stadt, in den Ratskeller und mit einem guten Trunk Rheinweins das Wiederfinden begießen. Ihm hatte es Heinrich zu verdanken, daß er keinen Pfennig für irgendeine Lustbarkeit in Solberg auszugeben brauchte. Aber diese herrlichen Ferien nahmen, wie alles Gute auf dieser Erbe, ein Ende Die Zeit war knapp geworden. So fuhr Heinrich von Solberg nach Süftrin mit der Post. Dort sand er zum guten Glück einen leerfahrenden Kärrner, der gebackene Pflaumen aus' Thüringen nach Stettin gebracht hatte; der nahm ihn für ein Trinkgeld mit nach Halle. Einen Tag war Heinrich wieder mit der Braut zusammen Sie machten des Bormittags einen weiten Spaziergang hinaus aufs Land, aßen in einem Dorfwirtshaus und waren glücklich,'ungestört in Schweigen beieinander zu verharren. Hell schien die Sonne, die Vögel sangen, und am Ufer der Saale spazierten sie nebeneinander her. (Fortsetzung folgt.) Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Duch. und Steindruckerei, A. Lange, Gießen.