GiehenerZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang M2 Montag.-en y. Juli Nummer 53 Ich stand in dunkeln Träumen ... Von Heinrich Heine. Ich stand in dunkeln Träumen Und starrte ihr Bildnis an, Und das geliebte Antlitz Heimlich zu leben begann. Um ihre Lippen zog sich Ein Lächeln wunderbar. Und wie von Wehmutstränen Erglänzte ihr Augenpaar. Auch meine Tränen flössen Mir von den Wangen herab — Und ach, ich kann es nicht glauben. Daß ich dich verloren hab'! Zur „Wald- und Wasserfreude". Novelle von Theodor Storm. Im dritten Hause von der Marktecke, wo in dem Schaufenster der Tempel aus weißem Dragant mit Rosengirlanden und fliegenden Amoretten zwischen einer Garnitur von Franz-* und Sauerbrötchen prangte, wohnte derzeit Herr Hermann Tobias Zippel. Er hatte vordem in einer anderen Stadt des Landes allerlei Handelsgeschäfte getrieben, war aber, nachdem er sich solcherweise ein kleines Vermögen erworben hatte, seiner unruhigen Natur gemäß von dort verzogen, um einmal anderswo was anderes zu beginnen. In seinem jetzigen Hause hatte er eine Konditorei und eine Bäckerei errichtet, deren notwendige Verbindung dem beschrankten Geiste dieser Stadt bisher noch unentdeckt geblieben mar; nach Erbauung des weißen Dragnnttempels wurde dann auch noch eine Tapetenhandlung angelegt, d. h. was man wirklich so Tapeten nennen konnte; denn vor ihm, wie er händcreibend zu versichern pflegte, hatten die Leute sich chre Stuben nur mit einer Art von buntem Löschpapier verkleistert. Herr Zippel war ein blasses Männchen mit vollem dunklen Haupthaar, das er, um seinem arbeitenden Gehirne Luft zu schaffen, alle Augenblicke mit seinen fünf gespreizten Fingern in die Hohe zog. Wohl zehnmal in einer Stunde, gleich einem Marionettenmännchen, erschien und verschwand er in dem Nahmen feiner allezeit offenen Haustür; und den an dem gegenüberliegenden Strahenfenfter strickenden Damen begann etwas zu fehlen, sobald das gewohnte Spiel einmal versagte. Das einzige Kind des Hauses war eine Tochter, ein braunes, grätiges Ding mit zwei langen, schwarzen Zöpfen und damals kaum dreizehn Jahre alt. In der Taufe hatte sie den Namen „Rosalie" erhalten, und wenn Herr Zippel, sei es pathetisch oder auch nur zornig war, dann wurde sie auch so von ihm gerufen, für gewöhnlich aber nannte man sie, aus Gott weiß welchem Grunde, „Kätti". Herr Zippel j/hickte seine Tochter in di- beste Mädchenschule, aber sie war eine berufen ,chiechte Schülerin. Nur in der Geographiestunde pflegte sie mitunter aufzumerken; der Lehrer war einst in vielen Ländern herumgekommen, und seine Vortrage gewannen zuweilen den Ton der Sehnsucht in die weit, weite Welt; dann starrten ihn die schwarzen Augensterne an, und die mageren Arme des Kindes reckten sich über den Schultisch immer weiter ihm entgegen. Auch in den Klavierstunden, die ihr der Vater geben ließ, blieb sie nicht dahinter; ja sie zeigte bisweilen eine Auffassung, die über ihre Jahre hinauszugehen schien, und es konnte dann wohl geschehen, daß sie mitten im Stück aussprang und davonlief, als ob was Fremdes über sie hereingebrochen sei. . ... s. ,, . „ Aber der schwere Klaoierkasten, der so fest gegen die Wand geschoben stand, war nicht das Instrument, das ihr eigenste Natur verlangte. Ein solches, das sie bis jetzt nur in den Händen durchziehender Kustlermnen gesehen hatte, sollte ihr jetzt zuteil werden. . Auf dem Boden des langgestreckten Hauses be,and sich nach dem tfofe Zu ein: Giebelstube, in welche unlängst bei Beginn des i-ommersemesters ein schon älterer Primaner eingezogen war. Aus irgendeinem Winkel hatte Kätti von rotbemützten jungen Herren neben vielen Buchern auq eine Gitarre hineintragen und mit verlangenden Augen hinter der suy schließenden Stubentür verschwinden sehen. Aber eines Nachmittages, da sie ihren Hausqenosien sicher in seiner Gelehrtenschule wußte, und wahrend I sie selber freilich in ihrer Mädchenschule sitzen sollte, huschte sie leise Uber den Boden und blickte durch die geöffnete Tur in die leere Stube Als sie die Gitarre gegenüber an der Wand hangen sah, schlupfte sie hinein und zog hinter sich die Tür ins Schloß. Ebenso ging es am folgenden Nachmittage und noch ein paar Tage •»eiter; endlich kam Klage aus der Mädchenschule; Katt, hatte die letzte Woche jeden Nachmittag gefehlt. Es war kein Zweifel, sie mußte sich * Kleine runde Brötchen aus Weizenmehl. bis dahin zierlich durchgelogen haben; nun aber brach das Wetter über sie herein. Herr Zippel erinnerte sich plötzlich ihres Tausnamens; mit gesträubtem Haupthaar lief er im Hause umher; den Bries der Lehrerin hielt er in der einen Hand und schlug ihn mit der anderen „Rosalie!" rief er, „Rosalie! Wo hat das Unglückskind sich wieder hinverflogen!" Endlich, irgendwoher, erschien sie vor ihm; halb lauernd, halb ängstlich sah sie ihren Vater an. „Weißt du, daß du mein einziges Kind bist", sprach Herr Zippel nachdrücklich, „und daß deine Mutter in der Erde ruht?" Kätti ließ das Köpfchen hängen, daß ihr die langen Flechten über die Brust herabsielen. „Kannst du lesen?" fragte Herr Zippel wieder. Sie antwortete nicht. „Da!" sagte er und gab ihr den Brief der Lehrerin. „Versuch' es; aber es ist geschriebene Schrift! Wie kann man geschriebene Schrift lesen, wenn man nicht zur Schule geht!" „Ich kann wohl lesen!" sagte sie trotzig und erschrak doch, als sie einen Blick hineingctan hatte. Aber sie kannte ihren Vater, sie mußte ihn ruhig austoben laßen. Er hatte den Brief ihr aus der Hand gerissen und vollzog an diesem aufs neue seine symbolische Züchtigung; dabei sagte er seiner Tochter, sie würde seinen sauer erworbenen Ruf zugrunde richten, fein schwarzes Haar würde vor Weihnachten noch weißer als der Schnee fein, und sie selber würde am Ende ihres Lebens an einem sehr hohen Galgen hängen. Das war denn doch zu viel; Kätti brach in bittere Tränen aus. „Aber, Unglückskind, was haft du denn getrieben?" Herr Zippel hatte ihre Hände ergriffen und blickte zweifelnd und ratlos auf sie hin. „Ich habe nicht gesaulenzt", sagte Kätti. „Nicht gefaulenzt! Aber was denn sonst?" „Ich hab' nur was anderes getan, als was sie in der Schule tun!" Und dabei zeigte sie ihrem Vater die Fingerspitzen ihrer beiden Händchen. Herr Zippel besichtigte eine nach der anderen mit wachsendem Erstaunen. „Aber, zum Erbarmen! die sind ja alle wund, die einen noch schlimmer als die andern!" „In", sagte Kätti, „das ist auch nicht so leicht!" „Aber um des Himmels willen, wo hast du denn gesteckt?" Sie schwieg einen Augenblick, dann sagte sie: ,^Zst der Primaner zu Hauses" „Der Primaner? Nein, der ist eben fortgegangen. Aber was soll denn der Primaner?" „Komm!" sagte sie. Und schon hatte sie ihres Vaters Hand ergriffen und zog ihn mit sich fort: die Treppe hinauf, über den Boden, dann in das Giebelstübchen. Rasch langte sie die Gitarre von der Wand, fetzte ihr eines Füßchen auf ein dickes Lexikon, das auf dem Fußboden lag, und ein paar voll gegriffene Akkorde erklangen unter ihren Fingern. Herr Zippel stand mit untergefchlagenen Armen und weit aufgeriffenen Augen gegen bir- Wand gelehnt. Er hatte eine Lieblingskanzonetta. „Kätti", sagte er mit vor Erwartung bebender Stimme: „Es ritten drei Reiter zum Tore hinaus!" Kätti hatte es tausendfach von ihrem Vater fingen, pfeifen und brummen gehört; es war auch das erste gewesen, wozu sie sich die Begleitung auf dem Instrument zusammengelesen hatte. Und nun, während die kleinen Finger aufs neue das Griffbrett faßten, Hub sie an und fang mit ihrer etwas schrillen Kinderstimme: „Es ritten drei Reiter zum Tore hinaus, ade!" „Ade!" fang Herr Zippel schüchtern und wie fragend mit. „Und wenn es denn soll geschieden sein —" Herr Zippel hatte sich hoch ausgerichtet; seine Augen begannen zu leuchten, bald schlug er die Hände über dem Rücken ineinander, bald fuhr er'damit durch feine aufgeregten Haare; dann aber, als der Refrain wiederkehrte, setzte er mutig mit seiner scharfen Tenorstimme ein, und bald fangen Vater und Tochter miteinander, daß es durch Haus und Boden schallte: Ade, ade, ade! Ja, Scheiden und Meiden tut weh! „Rosalie! mein Kind, mein Genie!" Herr Zippel schloß das winzige Geschöpschen in seine Arme und betaute es mit seinen Tränen. „Ja, ja, die alte Schulmamsell mit ihrem Strickstrumpf, mit ihrer trockenen, gelben Jungfernnase, was weich auch die —" Als er infolge eines Geräusches umblickte, stand die dicke Magd mit ihrem Kochlöffel in der offenen Stubentür. „Herr Zippel, vorm Laden ist ein Junge, der will für ’n Schilling Butterkringel!" „Dec Junge soll zum Teufel gehen!" „Aber Herr Zippel!" „So ruf' den Burschen!" „Herr Zippel, ich weiß nicht, wo der Bursche ist." „Nun, so gib ihm selbst die Kringel!" „Aber ich bin nicht für den Laden, Herr Zippel! Er stieb die dicke Magd zur Seite und rannte scheltend über den Boden in das Unterhaus hinab. Die Magd sah ihm ruhig nach und watschelte dann langsam hinterdrein. Kätti war allein. Sie setzte sich ans Fenster, hauchte aus ihre Finger- chcn stützte dann ihr Köpfchen an den Hals der Gitarre und blickte nachdenklich in das Gezweigs des großen, im Hofe stehenden Walnußbaumes, wo ihr grauer Kater „Nickebold" sich mit der Sperlingsiagd beschäftigte. Was half das alles! Das häusliche Ungewitter war zwar vorubergezogen; aber in die dumme Schule muhte sie ja nun doch wieder jeden Nachmittag; und außer den Schulstunden — wann war sie da vor dem Ueberfülle des Primaners sicher? — Plötzlich trat ein entschlossener Zug um ihren hübschen Mund; aber da sie eben wie zur Ermutigung einen nach dem anderen ihrer eingelernten Akkorde griff, schallten junge Männerstimmen von unten und jetzt schon aus dem Treppenhaus hinauf. Im Nu hing die Gitarre an der Wand, und Kätti war wie fortgeblasen. * Ein paar Stunden später saß der hübsche Primaner — Wulf Fedders hieß er — in voller Arbeitstätigkeit an seinem Tische. Bor sich hatte er die Tür nach dem weiten Boden offen stehen; vermutlich nur weil der geschlossene Stubenraum ihm seinen Geist beengte; denn er blickte nicht hinaus, sondern war emsig bemüht, für seinen deutschen Aufsatz eine Kette von Satzfolgen zu Papier zu bringen, welche er eben auf einem Spaziergange in Gedanken sich zurechtgelegt hatte. Anmutig schwebte ihm bei seiner Arbeit das sonst so griesgrämige Gesicht des alten Rektors vor; er hatte ihm heute bei seiner Berdeutschung des Thukydides so wohlgefällig zugenickt; Wulf Fedders sah schon deutlich dasselbe Nicken bei Rückgabe dieses Aufsatzes. Und die Feder des jungen Primaners arbeitete behaglich weiter. . ....... Als er aufblickte, stand Kätti ihm gegenüber; es war chr eigen, plötzlich da zu [ein, ohne daß man sie hatte kommen hören. „Du!" rief er. „Bist du schon lange da?" Sie nickte. ,, „Was willst du, Kind?" sagte er und betrachtete das braune Köpfchen, das er bisher nur ein paarmal flüchtig hatte vorüberhuschen sehen. Kätti zeigte auf das vor ihm liegende Papier und sagte: „Haben Sie noch mehr darauf zu schreiben?" Er schüttelte sein blondes Haar aus der Stirn und lachte. „Noch ein paar Sätze; bann ist's vorläufig genug." „Darf ich solang hierbleiben?" „Weshalb nicht? Setz' dich!" sagte er, indem er schon wieder weiter schrieb. Sie setzte sich auf den Stuhl am Fenster; aber ihre Augen ruhten unablässig auf dem Antlitze des Schreibenden, als wolle sie erwägen, was hinter den gesenkten Lidern sich verbergen möge. Als er dann die Feder wegwarf, schrak sie fast zusammen. „Fertig!" rief er. „Nun, Kätti? — Du heißl doch Kätti?" „Ja, Kätti." „Nun, so komm her und sprich, was du auf dem Herzen hast!" Sie war zögernd wieder vor den Tisch getreten. „Wollen Sie auch nicht böse werden?" „Das werd' ich nicht so leicht; aber ich kann's dir doch im voraus nicht versprechen." Sie besann sich eine Weile. „Dann mögen Sie auch böse werden", sagte sie und zeigte nach der Wand; „ich habe alle Nachmittag auf Ihrer Gitarre da gespielt." „Und weshalb erzählst du mir das jetzt? Nur weil es die Wahrheit ist?" Sie schüttelte heftig mit dem Kopfe. „Nein? Aber weshalb denn?" „Ich möcht' es lernen", sagte sie leise; „ober es ist hier keiner, der darin Stunden gibt." „Ja so! — Nun, Fräulein Kätti, was ich davon verstehe, ist zu Diensten!" Freudenrot und zitternd folgte das Kind mit feinen dunklen Augen, wie er jetzt die Bücher fortschob und die Gitarre von der Wand herunterlangte. Und somit wurde das erste Ringlein fertig als Glied zu einer feinen, unsichtbaren Kette. Wie von selbst waren die Stunden herausgefunden, in denen der kleine musikalische Verkehr sich ungestört entfalten konnte; Kätti säumte nicht zu kommen, und auch Wulf Fedders blickte mitunter über feine Bücher nach der halb offenen Stubentür, ob denn das braune Köpfchen noch nicht durch die Spalte gucke. Wenn sie dann eintrat, hatte er oftmals Mühe, seine bewundernden Augen abzuwenden, damit — so warnte er sich selber — das Kind nicht eitel werde. Er hatte freilich nicht gesehen, wie sie kurz zuvor an ihrem aufgezogenen Schubfache kniete, um ein bestes Krägelchen ober ein anberes Putzstück baraus hervorzukramen; hatte er doch nicht einmal bemerkt, baß erst feit ein paar Tagen eine rote Seidenschieise gleich einem angeflogenen Schmetterling auf ihrem schwarzen Haare saß. Uebrigens waren Kättis musikalische Fortschritte unverkennbar; was der junge Lehrer an Griffen unb Fingersatz ihr beizubringen wußte, war alles rasch erlernt worben. Dagegen kam eines Tages roieber Klage aus ber Mädchenschule; als Wulf Febbers nach ber Klasse in bas Haus trat, zog Herr Zippel ihn in bie Stube unb rief ihn gegen bas ungelehrige Kind zu Hilfe. Und ber blonbe Primaner, unter dessen Scheitel sich neben anderem auch ein Ouintchen Altklugheit versteckte, redete zu Herrn Zippels Entzücken in das arme Ding hinein, daß sie schier Verblasen dastand und in den nächsten Tagen brennend fleißig war. Ganz anders freilich geschah es, wenn sie oben in der Giebelstube saßen, wo die grünen Zweige des Nußbaumes in das offene Fenster nickten unb wo von solchen heiklen Dingen nie bie Rebe war. Zwar hatte bei Wulf Febbers bie Gitarre keine weitere Bebeutung als bas Vögelsingen, wenn es Frühling ist; dennoch hörte es sich anmutig, wenn er mit feinem weichen «Bariton aus seinem Liederschatz zum besten gab. Ein Vöglein singt so süße Vor mir von Ort zu Ort! Wenn er bas onhub, saß Kätti gewiß auf ein paar übereinandergepackten Büchern zu seinen Füßen, und wenn er geendet hatte, sprach er es nach einmal. Der Worte dieses Liedes wurde sie sich kaum bewußt, es war ihr nur die Melodie zu der sich dunkel regenden Empfindung mit der sie in bas hübsche Jünglingsantlitz blickte. (Fortsetzung folgt.) Schwarzschattende Kastanie. Don Eonrab Ferbinanb Meyer. . Schwarzschattenbe Kastanie, mein roinbgeregtes Sommerzeit, bu senkst zur Flut bein weit Geäst, bein Laub, es bürstet unb es trinkt, schwarzschattenbe Kastanie! Im Porte babet junge Brut mit Haber ober Lustgeschrei, unb Kinber schwimmen leuchtenb weiß im Gitter deines Blätterwerks, schwarzschattenbe Kastanie! Unb hämmern See unb Ufer ein unb rauscht vorbei bas Abenbboot, so zuckt aus roter Schiffslatem' ein Blitz unb roanbert auf bem Schwung ber Flut, gebrochnen Settern gleich, bis unter beinern Laub erlischt bie rätselhafte Flammenschrift, schwarzschattenbe Kastanie! Der Zauber der deutschen Landschaft. Van Dr. Anton Mayer. Die Not ber Zeit, bie Verorbnungen ber Not, ber schmal geworbene Gelbbeutel zwingen heute bie Reiselustigen, ferne Oegenben zu meiben, auf bie gewaltigen Eindrücke des Meeres oder des Hochgebirges zu verzichten unb anspruchslosere Lanbschaften aufzusuchen, bie in leicht erreichbarer Nähe ihres Heimatortes liegen — wenn es sich nicht um Die immerhin verhältnismäßig Wenigen hanbelt, bie an ber Waterkant ober im Gebirge zu Hause sinb. Das bebeutet einen Zustanb, ber für viele Menschen recht lehrreich unb, wie sich vielleicht zu ihrem eigenen Erstaunen Herausstellen würbe, auch voller Genuß sein bürste; benn gar oft wirb es geschehen, daß bie, welche im letzten Grunbe nur bie „großartige" Natur kennen, bie verblüffendsten Entdeckungen in ber einfachen unb bis bahin etwas verachteten „Felb-, Walb- unb Wiesen"-Lanbschast machen werden. Es vollzieht sich hiermit wieder ein Wechsel in ber Naturbetrachtung und -auffassung. Wie die ältere Lanbschaftsmalerei, bie Kunst bes 15., 16. unb Ik.Jahrhunberts zeigt, würben nicht bie gigantischen Erscheinungen, wie bas Hochgebirge, bevorzugt, sonbern stille Fluß- unb Parklandschaften, Wiesengrünbe, weite Ebenen, unb „romantische" Gebilde, wie Wasserfälle, Mühlen, Burgen; wo, wie bei einigen Niederländern, das Gebirge, Felsen- bilbungen unb steile Höhen bargestellt werben, wirb bas immer mit einer gewissen Scheu, einer Abwehr vor ber düsteren Größe ber bergigen (Segenben getan. Im Süden, in Italien wurden die „heroischen" Landschaften mehr ober weniger als ibeale Phantasiegebilbe gemalt, bie eine Verklärung ber Wirklichkeit geben wollten; bie Natur in ihren gewaltigsten Steuerungen ber Gletscherwelt unb bes sturmbewegten offenen Meeres blieb lange Zeit ein Gegenstand des Grauens, den man vielleicht beraum bette, aber auch fürchtete. Wit müssen immer bebenten, daß bis zum Ende des 18. Jahrhunderts kein Mensch zum Vergnügen oder zur Er- bolung in die Alpen ging, sondern jeder recht froh war, wenn er sie auf Jtalienreifen möglichst schnell passiert hatte. Das änderte sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts gründlich; die Alpen wurden die große Mode, die Hochtouristik entriß den Bergen ihre Schrecken, und manche schweizer oder tiroler Gegenden gewannen den Ruhm, zu den schönsten Plätzen ber Erbe zu gehören. Erst nachdem der Reiz der Schneeberge und Felsabstürze, ber Hochtäler unb engen Felsschluchten |o ziemlich Allgemeingut geworden war, begannen in der zweiten Hälft- des 19. Jahrhunderts bie Vorzüge einer ganz anbers gearteten Natur entberft zu werben: Fontane schrieb seine „Wanberungen in der Mark" unb begriff bie Wichtigkeit ber Stimmung, welche einer Landschaft das Gepräge gibt. Noch später, um bie Jahrhundertwende wurden Künstler zu Kündern einer bis bahin im ästhetischen Sinne noch ganz unerschlossenen Gegenb: bie Mitglieber der Worpsweder Malerkolonie schilderten auf ihren Werken das Marschland und die Heide des friesischen Bodens. Immer aber blieb die begreifliche Sehnsucht nach lockender Sllpen« größe in den Reisenden vorherrschend — und wenn sie auch mit Recht niemals verschwinden wird, so wäre es doch möglich, daß ein erzwungener Aufenthalt in unberühmten Landen den Sinn für feinere Nüancen, für subtilere Genüsse auszubilden vermöchte. Man mißverstehe mich nicht: ich will keineswegs einer Bescheidenheit im Sinne Leberecht Hühnchens, die in jedem Maulwurfhaufen einen Chimborasso sieht, bas Wort reden: im Gegenteil, es sollen gerade an die einfachen Landschaften ohne Berge, große Seen unb weithinreichende Wälber recht große Anforberungen gestellt werben. Nur müssen wir uns bei ber Betrachtung solcher Oegenben von ber im Grunbe etwas primitiven Vorstellung frei machen, baß die Form der Landschaft in erster Linie zu werten sei. Niemand wird allerdings deren Wichtigkeit bestreiten — wo sie hingehört, nämlich nur im Gebirge, da die rhythmischen Verhältnisse, die Schwingung der Linien, die Ueberschneidungen der Serg« formen bestimmend für die analytische Beobachtungsweise eines in sich abgeschlossenen Nalurkomplexes sind. Es ist eine alte Erfahrung, daß eine synthetische, zusammenfassende Betrachtung im Gebirge sehr schwer Feuerwehr in alter und neuer Leit. Von Dr. Georg Kuhn. die Farben der Wiesengründe ineinander, wie roev lende Meer der Aehren, wie ruhig dehnen sich im Nachtwachen" führte. Patrouillen durchzogen die Straßen; sobald sie einen Brand entdeckten, schickten sie nach allen Seiten Leute, die mit dem Ruf: „Wasser! Wasser!" alles in Erregung versetzten. Die Alarmglocken ertönten- aus der „Hauptfeuerwache" eilten im Laufmarsch die Kohorten, mit Eimern, Aexten, Stangen, Leitern bewaffnet; zugleich fuhren die öffentlichen Spritzen auf. Freilich vermochten all diese Maßregeln nicht viel gegen die Macht des Elementes. Das beweisen die Riesenbrande, die im ersten christlichen Jahrhundert die Stadt verwüsteten, die aus den ungeheuren Feuersbrünsten unter Tiberius, Nero und Titus gleich dem Phönix aus der Asche verjüngt und herrlicher stieg. Das Feuer wütete so furchtbar, weil es an den hölzernen An- und Vorbauten, die selbst die Paläste hatten, stets Nahrung sand, dann aber auch, weil die Spritzen bei der Höhe der Häuser nicht wiksam sein konnten. Die Stoßspritze mit zwei Stieseln war bereits von Hero von Alexandrien konstruiert worden, und die römische Feuerwehr hatte umfängliche Maschinen, die man „Sipha" nannte, augenscheinlich Spritzen mit Schläuchen, wie mari aus den Angaben von Plutarch, Strabo, Cassius Dio und den Loschvorschnften im Gesetzbuch des Ulpian entnehmen kann. Aber da die Romer schon bescheidene „Wolkenkratzer" bauten, vermochten die Spritzen einem Dachstuhlbrand überhaupt nicht zu Leibe zu gehen. Schlimmer als m ber Hauptstadt war es im weiten römischen Reiche um die Feuerwehr bestellt. Als in Nikomedia eine Feuersbrunst wütete, war nach dem Bericht des Plinius an Trajan in der ganzen großen Stadt kein Feuereimer, keine Svrüze überhaupt keine Löscheinrichtung vorhanden. Plinius beantragte, wie es in anderen Städten der Fall war, aus Handwerkern besonders aus denen, die dazu am brauchbarsten waren, den Zimmerleuten und Deckenverfertigern, eine Feuerwehr zu schaffen, aber der Kaiser begnügte sich, zu verordnen, daß in Zukunft jeder Hausbesitzer Eimer und Spritzen bereit halte. Immerhin waren im zweiten Jahrhundert, wie uns auf- ! gefundene Inschriften erkennen lassen, Feuerwehren in säst allen großen Städten erreichtet; sie bestanden noch bis in das frühe Mittelalter hinein, dann aber gerieten wie so viele antike Institutionen auch die Lcstch- anstalten in Verfall. Die Verordnungen KarlsdesGroß en überall Feuerwächter anzustellen, nutzten wenig. Wie in primitiven Zeiten war der Mensch auf sich selbst und auf die Hilfe „guter Freunde, getreuer Nachbarn und dergleichen" angewiesen. umstellen ist, da der wichtigen Einzelheiten zu viele sind — daher das J Mer Grandiosität des Anblicks ost unbefriedigte Gefühl, das uns bei inichauen der Aussicht von einem Gipfel im Hochgebirge überkommt, r5 bleibt eine gewisse, mit unwillkürlich betriebener Analyse verbundene lnruhe in uns, ein Verlangen nach Ausruhen, nach einer Gesamt» leit in der sich nicht mehr sortwährend Einzelheiten bemerkbar und es ins unmöglich machen, alles mit einmal in uns aufzunehmen (die ideale -ösunq der Frage gibt natürlich das Meer und zwar vom Schiff aus, venn lein Land zu sehen ist): kurz, wir bemerken sogleich^ daß eine Landgast die im großen Ganzen Wiesen, Aecker, ein paar Waldstücke, einige Dörfer vielleicht einen kleinen See und Flutzlauf in sich schließt — so ürften die Mehrzahl der mittel- und norddeutschen Ebenenlandschasten ieschasfen sein — bereits wegen der unumgänglichen Synthese und der jogleich aus dieser sich ergebenden seelischen Erholung und Erleichterung itwas ungeheuer Wohltuendes hat. Für nervöse Menschen ist deshalb nichts mehr zu empfehlen als ein Aufenthalt in solcher Umgebung. Natürlich braucht der ganze innere Borgang dem Betreffenden nicht klar zu werden^ aber er wird fraglos rach kurzer Zeit die Wirkung des beruhigenden Gesamteindruckes müren — etwa, wie ich es aus einem Erleben mir sehr Nahestehender weiß, verlorenen gesunden Schlaf überraschend schnell wiederfinden. Es ist ganz klar: die Beobachtungsorgane sagen sich beim Anblick der weit» vgrenßten Sicht, deren Einzelheiten an sich nicht weiter interessant sind and unmerklich ineinander übergehen: „Gott fei Dank — hier brauchen Dir nicht zu registrieren, uns nicht anzustrengen, uns nichts weiter ein- tuprägen — hier haben wir Ruhe und sind dankbar dafür . Wir gewinnen also von Anfang an zwei wichtige Vorteile beim Sehen einer einfachen" Landschaft: Seelenruhe und damit die beste Vorbereitung für bas ästhetische Genießen der Gegend, das nun nicht mehr im fortwahren- ben Verarbeiten wechselnder Einzelheiten besteht, sondern im behaglichen ' Konsumieren aller feinen und spielenden Schattierungen von Farbe, Licht, Lust Wolken, Sonnenschein oder Regenschauern, durch welche die Ge- iamtheit des überschauten Landes bewegt wird oder, wie wir zu jagen pflegen ihre Stimmung bekommt. Es ist natürlich, daß neben einer solchen,' sozusagen makrokosmischen Betrachtungsweise noch eine andere, die nükrokosmische, steht, welche sich an jedem Blatt, am Wunder jeder 1 Blume an der geologischen Formung des Gesteines oder wessen sonst alles erfreuen kann; nur ist diese zweite nicht an die „einfache Landschaft I gebunden, sondern mag überall geübt werden, so daß sie nicht als eigent sicher Charakteristikum der hier wichtigen Beobachtungsart gilt. Jeder, ber mit offenen Sinnen die anspruchslose Gegend im geschilder- - , . , - r.( J. .. .,. w. »vWah Mlrnlö llnOtl liillTP Kaum hat die lang ersehnte warme und tr°ck°ne Jahresze^ chren E.w zug gehalten so reckt der rote Hahn in Stadt und Land, in -toaloeyn “ aus ausgetrodneten Wiesen drohend seinen ^uerkamm gegen mel. Das verheerende Element erhalt in der glühenden ©arme berWft, in der allgemeine Dürre gefährliche Bundesgenosten. Aber ber Menjch hat sich im Laufe der Jahrtausende Massen ge^m,ebet mit benen^^er mutig den Kampf aufnimmt gegen den erbarmungslos n F , gelingt es ihm auch nicht, die Brandgefahr zu beseitig , s 9 £Q5 doch häufig sie zu beschränken und einzudammen. Eine „Wehr 99 Feuer" ist wohl so alt wie die Menschheit; vielleich b Feuers entstandener Waldbrand in Urzeiten Schrecken und Segen des dem erstaunten Sohne der Tertiarzett zugleich besch1 murt>e ;a hoch Bekämpfung des in (einer Wut fo furchtbaren Elementes wurde 1« W erst von den Kulturvölkern unternommen; die Nachbarn tatensich zu men, um dem vom Unglück Heimgesuchten »u helfen, eine steiwiu^ Feuerwehr entstand. Noch wichtiger aber war die F Israeliten den Brand rechtzeitig melden mußte. Deshalb 9° machten und im Aegyptern und Griechen Wächter, die nachts die R ... L ö s ch- Falle einer Brunst Alarm schlugen. Ein ausgebildetes regelrech cy wesen wurde jedoch erst von den Romern gesch ff . . Das Rom der Republik ist van Bränden H^L^rch den stets kaum eine andere Stadt. Die Hügel wuchsen a h ch &enn höher sich aufhäusenden Schutt der. Brandruinen. Sovon endlich Augustus im Jahre 6 n.Chr., eine Beruf i Vorbild einer 70ü0 Mann zu errichten, die ganz militärisch nch Wache für Legion organisiert war. Die 7 Kohorten von denen , de d.e waaje^ zwei der 14 Stadtbezirke Roms zu versehen ha"e Stande nter Befehl von Tribunen, während das Oberkommando der „Praserr Erst im späten Mittelalter wird ber Kampf gegen bas heiße Element wieder bester organisiert. Das Holzwerk der Häuser die hohen Dachstuhle die Dächer mit ihren Strohhauben waren em rechtes Fressen für, bas Feuer, das sich gierig in sich hineinwühlte; das Fehlen von Schornsteinen die Enge der Gassen trugen des weiteren daran Schuld, daß uns lebe iSKL-ÄLWSR» | MWWZMtzW Steinhäusern und bas Vermeiden von Strohdächern hin, doch ohne Erfo g, denn noch im 17. Jahrhundert gab es viele mit Schindeln gedeckte Holzbauten. Aus dem 13.Jahrhundert erzählten uns d,e ersten Feuerorb- nunqen, bie nun neben bie Bauorbnungen traten von der Sorgfalt, bie man dem Löschwefen zuwandte. Ludwig IX. erließ 1254 em Edikt m bem er die Zünfte von Paris zum Kampf gegen bas Feuer verpflichtete und eine Feuerwehr einrichtete, und feine Nachfolger vervollkommneten seine Bestimmungen. In Deutschland stammen die frühesten Feuerorb- nungen ebenfalls aus dem 13.Jahrhundert und zwar aus Nürnberg. Jeder Bader, Torwärter, Weinablader, Weinmesser und Brauer soll einen Wasserzuber in gutem Stand halten und allsogleich bei Feuer aus die Brandstätte bringen. Eine ausführliche Schilderung der mittelalterlichen Löschanstalten findet sich in dem Baumeisterbuch von Endres Tücher von 1449 Sobald ein Feuer ausbricht, haben es die .Scharwachter, ob die Sturmglocke läutet ober nicht, ben Hauptleuten, die über das Feuer- gesetzt sind den Feuermeistern und Viertelmeistern zu melden, die alles leiten. Dann sollen die Scharwächter fleißig nach Dieben ausschauem da diese nickt selten sich bei Bränden einfinden, und bie geretteten Sachen bewachen-Bürgermeister und Ratsherren verfügen sich aufs Rathaus und geben von hier aus ihre Befehle. Auch Armbrust-Bogenschützen sowie die Söldn'r treten sogleich zusammen und warten, bis man ihrer bedarf Die Deutliche Löschmannschaft bilden: die gemeinen Frauen bie Ablader Schröter, Wagknechte, 16 Zimmerleute und 8 Maurer, alle Meister und 3U Lösckmeistern bestimmt, mit ihrem Werkzeug unb alle Baber samt ihrem Gesinde mit Kübeln und Schäffern. Alle Lohnfuhrleute und Muller haben die Wasterkufen, die bereit stehen, auf ihren Schleifen heran- zufahren .. Es entsteht also ein lebendiges und buntes Treiben m ber mittelalterlichen Stabt, wenn ber schaurige Ruf „Feurio! erschallt bas arelle Blasen ber Alarmsignale unb bas bumpfe Drohnen ber Sturm» qiotfcn die Gassen durchtönen. Als eigentliche Massen gegen das Feuer wurden verwendet: Leitern, Feuerschaffer, lederne Eimer und einfache Itandivriken die aus Eisen ober Bronce mim hölzernem Griff waren. Ä verfügte jeder Diertelmeister über vier solcher Spritzen und K Cime" Verfügungen wie in ber Stabt Dürers gab es .m 15 ^äbrbunbe-t überaU. Die Breslauer hatten noch bie weste Verfügung, baß ?er Magsttrat jebem müßigen Zuschauer, Mann, Jungfrau ober I Weid, einzusperren unb zu bestrafen brohte... Alle biefe ausführlichen unb besorgten Anweisungen, bie die Räte ber I Stadt aaben konnten aber erst wirklichen Nutzen stiften, als weittragende I iinh aroste Wassermassen schleudernde Spritzen konstruiert waren. Die ÄanbÄen bat n nur einen kleinen Brand ersticken können und waren arokm Rammen gegenüber machtlos. In Augsburger Rechnungen sind I P crnLr(> 1518 ^nftrumente zum Brünften, S ä" «Ä,"b?e“on eineÄ Goldschmied Anton Blatner ver- . VON dem ihn überströmenden Zauber überrascht werben Me fugt sich plötzlich dem Auge die Rundung der Ebene, welche vielleich. als. Ganz,aS durch einen Kirchturm, einen leicht vorspringenden Hügel ein sanft sich in einer Senkung schmiegendes Waldstück wohltuend gegliedert wird! L spielt der Himmel als durchsichtig-unermeßliche Kuppel, a s Wolkew erdjitettonit als wildes Treiben strudelnder Rebel stets als mächtige Folie mit ber unter ihm sich ftredenben Gegenb! Wie zart schieben sich die Farben ber Wiesengrünbe inemanber, wie weich wiegt fid) bas mal- lenbe Meer ber Aehren, wie ruhig dehnen sich im Glanz der Mittagstille oder im Dämmern des sinkenden Abend- die Stoppelfelder- — vielleicht (Erinnerungen an gute Galopps hinter den Hunden wachrufend... Alles ! fließt sagte der weisen Griechen Weisester: wahrhaftig, die ganze Landschaft' scheint, von niemals endendem Leben bewegt, zu fließen, in ihren i Einzelheiten, die in einander übergehen, untrennbar zu werden und jenes merkwürdige Glück auszuströmen, das stetei bie ®nne lösen vermag Etwa wie Goethe im musikalstch-archttektonischen toinne vom griechischen Bauwerk lagt: „Mich dünkt, ber ganze Tempel singt, ' fo empfinben wir, nehmen wir ben Zauber ben Segen der einfachen Landlchast n uns auf bie ungeheure Wohltat ber Einheitlich ke 11 uns zu Teil werden, die in ber Tat „höchstes Glück ber Crbentmber z sein verbient. übrigens, das; die Erfindung nicht neu fei; er habe schon 1617 eine solche Feuerspritze gesehen, nur nicht so groß und trefflich ausgeführt. Eine weitere Vervollkommnung der Feuerspritze durch Benutzung des Windkessels führten dann Perrault und seit 1720 der Mechaniker Leu - polt) in Deutschland durch und gaben der Maschine im großen und ganzen die Gestalt, die sie auch noch heute hat. Durch die Erfindung des Hollanders van der Heide traten die großen Schläuche hinzu, die leicht zu handhabenden „Schlangenspritzen", und so sah sich die Feuerwehr im Anfang des 18. Jahrhunderts im Besitz von Mitteln, die wirklich eine nachhaltige Wirkung bei der Bekämpfung des Feuers versprachen. Durch diese vortressticheu Einrichtungen wurden im 18. Jahrhundert die Brände weniger häufig, aber die Plage war noch immer arg genug, so daß stets neue Feuerordnungen die Bürger zur Borsicht und Pflicht ermahnten. Typisch ist dafür die berliner Ordnung von 1728. Die Hauseigentümer müssen für jeden Schornsteinbrand 3 bis 4 Taler Strafe zahlen, auf den Böden sollen im Sommer stets Eimer mit Wasser stehen. Die Löschmannschast stellen Bürger und Handwerker, die von „Feuerherren" befehligt werden. Die Kunstpfeifer, die vom Turm herab „Feuer Olafen", die zuerst ankommende Spritze usw. erhalten Belohnungen. Die Not der Abgebrannten suchte man durch Kollekten und Hilsskassen zu lindern. Die Feuerversicherungen, deren Einrichtung schon Leibniz empfohlen hatte, wurden im 18. Jahrhundert überall durchgeführt. Goethe brachte diesen „Feuersocietäten", die die Herzogin Amalie zum Segen des Landes für Weimar schuf, so großes Interesse entgegen, daß er mit dem Ritter von Lang zu dessen größtem Entsetzen von nichts anderem sprach. Eine stehende Berufsfeuerwehr wurde zuerst in Paris 1699 durch Dumourier du Perrier ins Leben gerufen. In Deutschland folgte man erst spät diesem Beispiel. Noch in den zwanziger Jahren des 19 Jahrhunderts war der Feuerlöschdienst sehr schlecht organisiert; immer noch standen die Bürger an der Spritze und „durch der Hände lange Kette" gingen die ledernen Feuereimer, die der Spritze das nötige Naß zusiihrlen. In Berlin war es dis 1850 nicht anders. Es gab eine Anzahl Rohr- und Druckmeister; das übrige mußte van den Einwohnern geleistet werden, die nur in schweren Fällen das Militär unterstützte. Der Polizeipräsident von H i n k e l d e y mar es, der 1851 auf Kosten Berlins eine Berufsfeuerwehr gründete. Sie gab den Anstoß zur allgemeinen Durchführung des modernen Läschwesens. Das Rennen um Evelyn. Bon Willy Zirm L i n b e n a u. Sir Henry Wellington Chikagos gewandtester Detektiv, reichte dem Polizeiagenten, der ihm eine wichtige Mitteilung gemacht hatte, flüchtig die Hand: „Ich danke Ihnen!" ' ' ’ U Dann griff er zum Telephon. „Bitte 384a — V! — Hallo?" „Gouldenborg — Stahlwerke!" „Wellington, Staatsdetektiv. Ist dort Herr Gouldenborg persönlich?" „Ja." „Ich habe Ihnen eine wichtige Mitteilung zu machen! Sie hegen die Absicht, die Pläne einer äußerst wertvollen Erfindung, deren Patent noch nicht angemeldet ist, nach Des Moines zu schicken." „Woher wissen Sie das?" — Staunen, „Eden erfahren. Ich mochte Ihnen raten, die Sendung momentan unterbleiben zu lassen, da von darüber unterrichteter Seite der Plan gehegt wird, mit bedenklichen Mitteln in Besitz der Zeichnungen zu gelangen." „Aber ich bitte Sie..." „Es ist ein UcberfaU geplant. Jedenfalls sichern Sie vor allem die Papiere, bis die Angelegenheit entsprechend geregelt ist." — „Die Papiere sind nicht mehr in meinen Händen." „Sa? — Wo sind sie?" „Bereits unterwegs ..." „Hallo!? — Ja. — Ist dort nicht mehr Gouldenborg? — Nicht? — Wir sind unterbrochen — bitte 384a — V! — Hallo! Gouldenborg?" „Ja. Ich habe meine Tochter Evelyn mit Exprehzug..." „Ihre Tochter mit den Papieren?" „Ja. 7.30 Uhr. Bor 25 Minuten ab Illinois Station." „Kommen Sie sofort mit dem besten Wagen, ich erwarte Sie in zehn Minuten hier, es ist äußerst dringend!" „Ich komme!"--- Wellington telegraphierte während der gegebenen Frist nach Dapen- port Bahnhof, wo der Zug halten mußte. Fünf Minuten später stieg der Detektiv in den eleganten Viersitzer Gouldenborgs — 20 Minuten danach jagte der Wagen in rasender Fahrt durch die Ebene, Chikagos Lichter hinter sich versinkend lassend. * . einem Wagen 1. Ktzsse des Expreßzuges der Pacific Railway saß ein Mädchen, neben sich ein kleines Köfferchen, in ein Buch vertieft. Draußen flogen die Lichter der Stationen, die man in schnellster Fahrt paffierU', vorüber. Es war dunkle Nacht. Gleichmäßig wie Maschinengewehrschüfse scholl das Schlagen der Räder an den Schienenbindungen. Funkengarben, dem Schlot der fauchenden Lokomotive entfliegen, umsprühten den davoneilenden Zug und ver- irrten sich durchs offene Fenster, so daß man es schließen mußte. Das Mädchen hatte geglaubt, im Abteil allein zu sein. Nun, da sie zum Fenster ging, lächelte ihr das bleiche Gesicht eines jungen Mannes entgegen. -Mochten Sie sich nicht ein wenig mit mir unterhalten? Gestatten Sie. ich heiße Mae Tomfon." „Evelyn Oloulbcnborg!" — Dauenport Station. Eine Minute hielt der Zug. Kaum daß man cs gewahrte. Dann hämmerten wieder die Räder und die Lichter der Stabt entschwanden.--- * Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag; Brühl „Fahren Sie schneller, wir müssen den Zug in Davenport erreichen", sagte Wellington. Die Nadel am Geschwindigkeitsmesser stieg. 100 — 110 — 120 Kilometer Gouldenborg steuerte. Es ging um fein Kind. Die zwei Lichtkegel fraßen die Finsternis vor sich auf. Es schien, als ob die Bäume am Straßenrand auf den Wagen stürzen wollten. „Schneller!" 130 Kilometer. „Wenn wir zu spät kommen, werden Sie außer den Papieren auch Ihr Kind verlieren. ' Davenport. Gott sei Dank! Die Station lag im Halbdunkel. Wellington rannte zum Ches. Der machte ein ernstes Gesicht. „Es tut mir sehr leid. Ich erhielt zwar Ihr Telegramm. Aber zwei Minuten vorher fuhr der Zug fahrplanmäßig aus. Ich habe nach Hova City gedrahtet!" „Dort ist es zu spät!" sagte Wellington und eilte davon. * Mac Tomsmi hatte sich gegenüber Evelyn gesetzt. „Man sagt, Miß, daß Gouldenborg eine sehr energische Tochter besitzt, die In den schwierigsten Situationen die Interessen ihres Vaters vertritt. Das hörte ich. Aber ich kann auch sagen, daß Gouldenborg eine sehr schone Tochter hat; das sah ich —" „Ich bitte Sie, die Unterhaltung nicht mit Komplimenten zu bestreiten! — Wollen Sie mir nicht etwas von Ihnen erzählen?" „Von mir? — An -mir möchten Sie wenig Freude haben. Ich bin Techniker, interessiere mich für Erfindungen. Epochale Neuheiten! Es soll da eine Erfindung geben, mit der es möglich ist, Türen nur mit einem bestimmten, aber jeweils anderen Wort zu öffnen und zu verschließen, ohne daß dazu ein Schlüssel nötig wäre. Diese Entdeckung würde Bank- trösors die vollste Einbruchssicherheit geben. Der Scholl allein löst die Tätigkeit des komplizierten Mechanismus aus — das ist doch interessant, nicht?" Evelyn lächelte: „Gewiß! Besonders für Tresorinhaber und Einbrecher." Mac Tomson hatte die Bewegung in ihrem Gesicht wohl betrachtet. „Man sagt, Gouldenborg besäße die Erfindung!" „Man sagt — und weiß es wohl?" „Ja. — Und fürchtet die Tochter Gouldenborgs nicht, infolge dieser Umstände in Lebensgefahr zu kommen?" „Nein. Ich habe stets etwas bei mir." Spielerisch langte sie einen zierlichen Browning aus der Tasche. Eben ging der Kontrolleur durch den Wagen. In rasender Eile durchsuhr der Zug die Nacht. Als ob es eine Wette gelte. In zehn Minuten mußte er die große Brücke erreichen. * Nun faß Wellington am Steuer. Die Nadel am Geschwindigkeitsmesser wippte. An den Kurven drohte der Wagen zu tippen. Um ein Haar! — Der Motor brüllte! An Gouldenborgs Stirn stand kalter Schweiß. „Werden wir die Brücke vor dem Zug erreichen?" „Wir müssen!" „Und warum soll es gerade auf der Brücke geschehen?" „Sie ist in Reparatur. Der Zug fährt dort so langsam, daß man abfpringea kann " „Aha!" „Mac Tomson wird dort erwartet!" — Nun tauchte — Straße und Bahnlinie liefen hier parallel — ein roter Schimmer auf, der nur das Schlußlicht des Zuges fein konnte. „Noch fünf Minuten", stöhnte Gouldenborg. „Könnte es nicht schon geschehen sein?" Der Wind riß jedes Wort vom DJiunbe fort. „Nein! — Sicherheitshalber nicht! Wenn man mordet, darf von der Tat bis zur Fluchlmöglichkeit keine Minute Zeit sein." Sie kamen dem roten Licht näher — bald Seite an Seite mit dem Zug — nun voraus. Noch waren zwei Kilometer bis zur Brücke. * Evelyn legte den Browning neben sich. Mac Tomson sah an die Uhr. Zwei Minuten noch. — Die Luft raste an den Scheiben vorüber. „In Des Moines werde ich übernachten", sagte er. „Ich werde dort erwartet von meines Vaters Geschäftsfreunden." Miß Evelyn sprach weiter: „Vielleicht daß dort ein kleines Vergnügen meiner harrt — morgen ist meine Verlobung!" Noch sechzig Sekunden. „Miß Evelyn Gouldenborg! Sagen Sie mir, kann nian mit diesem kleinen Ding da auch töten?" Er faßte blitzschnell die Waffe, so daß es das Mädchen nicht verhindern konnte. Sie lächelte wieder. „Gewiß!" Mit höhnischem Gesicht hielt er ihr den Browning vor den Kopf. Sie tat verlegen. „Spielen Sic nicht mit geladenen Waffen!" „Nein! — Ich mache em ft!" „Dann seien Sic nicht feige!" „Nein!" Er drückte ab. — Nichts! — Blind geladen. Da erhob Evelyn, ihren Arm, in der Hand einen zweiten größeren Browning. „Mac Tomson! Ergeben Sie sich!" Jäh bremste der Zug. Stand. Fünfzig Meter vor der Brücke. Wellington hatte bas Auto ihm gegenüber auf bie Schienen gestellt. Die beiden Scheinwerfer blendeten den Zugführer. — Mar Tomson bekam Handschellen. Gouldenborg schloß seine Tochter glücklich in die Arme. Der Detektiv bugsierte den Räuber ins Auto. sche Universitäts-Buch» und Steinbruckerei, R. Lange, Gießen.