Jahrgang (952 Sreitag, den März Nummer 20 Straße tat wohl. Wir gingen zu ? Etwas Wunderbares war meiner uife, es war nicht allzuweit, geschenkt. Sie brannte von Vorfrühling. Von Paul Heys». Stürme brauften über Nacht, Und die kahlen Wipfel troffen. Frühe war mein Herz erwacht. Schüchtern zwischen Furcht und Hoffen. Horch, ein traut geschwätz'ger Ton, Dringt zu mir vom Wald hernieder. Niften in den Zweigen schon Die geliebten Amseln wieder? Dort am Weg der weiße Streif — Zweifelnd frag' ich mein Gemiite: Jst's ein später Winterreif, Ober erste Schlehenblüte? faßte: ichvm Wich- unfern er, bas witos tt jeder - m«rt< gegen- die sich r dieser anbern1 tteufen, j einen erneute Unter- fterijaft ehi s«h reier in gstlicher Farben und Tönen, ohne daß ich doch bestimmter Formen noch hätte habhaft werden können; vielmehr sie entwanden sich, wo man sie sest- zuhalten strebte; eine solche Vielgliedrigkeit geklärten Lebens vermochte mein ungeübter Verstand nicht zu meistern. Indes eine Einzelheit war doch ganz genau da, und sie schien mir die Krone des Ganzen. Bald zu Beginn hatte sie mich gefangen genommen, dieses Eine war mir ganz klar geblieben, und mein Bubenherz weidete sich daran. Da ist nämlich, schon im ersten Aufzug, eine Szene, in der der Baumeister Socke! dem allmächtigen Kammerdiener Wolf in die Hände fällt und ihn bestechen muß, damit er und kein anderer den Neubau des Schlosses erhält. Nach abgeschlossenem Geschäft erklärt Wolf scheinheilig, der Vorteil seiner gnädigen Herrschaft ginge ihm über alles, und Sockel geht mit dem Ausruf: „Große Seele!" weinend ab. In der Tür aber dreht er sich noch einmal um und sagt, von rückwärts auf Wolf blickend: „Lump!" — Das war nun ganz unvergleichlich gewesen. Diese Szene war ein Meisterstück, der Schauspieler, der das sagte, schien mir den Preis zu verdienen, und je leichter es mir ward, mir dieses Eine zu wiederholen, gegenüber der kaum mehr zu entwirrenden Farbenpracht des übrigen Spieles, um so mehr stand es mir fest, daß dieser Augenblick der höchste des Abends gewesen sei. Ich ging neben den Eltern her, die Mutter hatte sich in den Vater eingehängt und führte mich an der andern Hand; auch sie schwelgten noch in den Eindrücken des festlichen Abends. Der Mutter Gesicht stand in lichtem Schein. Die Rede des Vaters führte, sie folgte mit leise bestätigenden Einwürfen, jede Szene erlebten sie noch einmal, der Leistung jedes Schauspielers suchten sie Ehre zu erweisen und seine Besonderheit in Worte zu fassen und ich folgte mitgenießend und bald neugierig und gespannt, denn es gab etwas, worauf ich wartete. Ich wurde ungeduldig, sie nannten ja alles und jedes, das alte Weiberl und den Chevalier und die Liefe! und den Bettler, nur nicht was ich hervorgehoben wünschte; bis sch endlich dreinfuhr: „Ja, aber der Baumeister Sockel, wie der sich im Fortgehen noch umdreht und sagt: ,Lump!' — das war halt prachtvoll!" Meine Mutter, in anderen Gedanken, gab mir flüchtig recht. Doch ich blieb hartnäckig und verlangte von meinem Vater die Erklärung, daß es ein großer Künstler gewesen, der das gesprochen hätte. Allein er verweigerte sie, und ich blieb unbefriedigt. Und am Ende verflieg ich mich zu der undankbaren Vermutung, daß meine Eltern nicht so gut wüßten wie ich was schön sei, oder nicht genug aufgepaßt hätten. In dieser seltsamen Einseitigkeit verblieb ich in der nächsten Zeit. Der Gedanke an den schönen Abend kehrte beglückend wieder, es ging ein zauberischer Glanz davon aus! Aber im Grunde bedeutete mir jener eine Augenblick den ganzen Abend; wenn ich den Wunsch hegte, den „Verschwender" noch einmal zu sehen, so war es vornehmlich dieser Stelle wegen, und wenn ich daheim das Hobellied fang, so meinte ich auch damit eigentlich diese eine Stelle, die da kurz und gut lautete: „Lump!", und die freilich nicht gut unausgesetzt rezitiert werden konnte. Der Name des Schauspielers, der den Baumeister Sockel gegeben hatte, schien mir von romantischer Schönheit; er hieß Plateys. Auf dem Schulwege suchte ich ihn immer auf den Theaterzetteln und fand ihn gewöhnlich gegen Ende der aufgezählten Künstler. Nun kam in jenen Tagen mein Geburtstag. Meine Eltern hatten auf mein Entzücken über den „Verschwender" wohl geachtet, und ihre Gute und Aufmerksamkeit wählte als das richtige, das einzige Geschenk, das mir damals Freude machen konnte, das Textbuch des „Verschwenders", und sie legten den „Bauer als Millionär" noch dazu. Die beiden Heftchen sahen recht unscheinbar aus. Aber ich war einfach selig. Der Vater zeigte mir das Hobellied und das Duett zwischen Valentin und Rosa und las es mir vor. Ich war ungeduldig und konnte es kaum erwarten, bis er das Heftchen wieder meinen Händen überließ. Ich durchblätterte es und sah bei jedem Auftritt das letzte Wort nach. Allein ich fand nicht, was ich suchte. Mein Vater fragte. Die Szene des Baumeisters Sockel? Nun, er kannte sich ans in dem Stück und hatte sie mir gleich aufgeschlagen. Da hatte ich es endlich gedruckt vor mir, wie Sockel weinend zu dem garstigen Kammerdiener lagt: „Große Seele!" Danach stand in Klammer: beide in Flottwells Kabinett ab. — Schluß. Und sonst nichts. Ich war enttäuscht. Verstört sah ich den Vater an. „Was hast du denn?" „Das wird nicht das richtige Büchel sein", sagte ich kleinlaut. Der Vater schüttelte den Kopf. „Warum soll das nicht das richtige Büchel sein?" , , „ Ich zeigte die Stelle. „Da soll ja noch Lump stehn. Warum soll da noch Lump stehn?" lachte mein Vater. „Daß du einer gift’ das weißt du auch so, das brauchst du nicht noch gedruckt." Ich sagte unwirsch, wie ichs meinte. Da antwortete der Vater bedächtig: „Mein Lieber, das steht nicht im Buch, weil es der Raimund nicht rau^ 11 Sun 1 Pro, .'N) Eichener KmIieMStter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger bürgen, s wolle, ibt doch nun st on, der Und da lenüber, erhalten i Gebot »eit mit fei und tte auch rlangte, (. Nein, n Onkel ; Mann ur oor- ud) noch zurua. meinen s, unter Sie mast ngstenS' nsM" getreten, [mn nut *ort M :nb M gen. och- *7, ■ zugute bE und 'ch ;» was rn erste" Wrire", ÄÄ ter un^ Lump. Von Max Mell. Es war nicht allzu frühzeitig, daß ich zum erstenmal ins Theater kam; ich ging in die zweite oder dritte Klaffe der Volksschule. Meine Eltern hatten es aufgespart und dann mit Bedacht gewählt. Was ihnen auf der Buhne besonders teuer war, sollte ich als ersten Theatereindruck erleben; den „Verschwender". Wir saßen auf der Galerie, ziemlich hoch, aber mit freiem, schönen Blick auf den leuchtenden Ausschnitt der Bühne. Ich genoß aufgeregt, aber immerhin sachlich und geriet keinesfalls außer Fassung. Kindern ist das Wunder gemäß, sie sind gewöhnt, viel in der Welt der Erwachsenen wahrzunehmen, was sie nicht bewältigen können, und alles mit solchen Dingen gemischt zu empfangen; und so nehmen sie, fast undankbar erscheinend, auch Köstlichkeiten als ihnen selbstverständlich gezollt entgegen. So bat sich mir also das bunte, herrliche Bild des Lebens an, wie es Ferdinand Raimund in seinem Märchenspiel gemalt. Mit festlichem Schwung zieht es sogleich in die Freude und den Trubel hinein, der das Haus des reichen jungen Mannes vor dem Aufbruch zur Jagd erfüllt; wirbelt Herren und Domestiken ergötzlich durcheinander und nährt in -ins doch eine unbestimmte Erwartung — dis denn auch, wie ein frischer Windstoß, der, dem unser Herz gehören soll in dem Spiel, ins Zimmer egt: Valentin, der Tischlergesell, nichts Höheres in diesem Haus als ein bescheidener Diener, aber siegreich mit seiner Laune und feinem tollpatschigen Selbstbewußtsein, einer, der bei sich selbst zu Hause ist, wie :r es uns auch in seinem heiteren Gesang vorürägt. In seinen Monolog stiehlt sich eine Lauscherin herein, Rosa, das Stubenmädchen, sie ist die Herrschaft in seinem Herzen, sie besteht auch daraus und will es in jedem Itugenblirf anerkannt haben, und ihr verliebtes Gezänke, wie wäre es Inders möglich, als daß es sich alsbald auch in Gesang verwandelt, den sie >eide ja eigentlich von Anfang an meinten und in dem sich ihre zufriedenen Seelen wiegen wie die Kinder. Nun, sie sind vorgestellt, sie treten ib, — jetzt aber lernen wir den Herrn des Hauses kennen, den reichen «ingen Fiottwell: und immer inniger schließt sich der Reigen der Gestal- *n, — die Fee Cheristane, zart und ätherisch in ihrem Kummer, deutet nuf eine höhere Leitung, der die Lebenswege des Unbesonnenen und unjer dler besohlen sind, und der Bettler mit seinem seltsam dunklen Lied, in »■ein sich die Rätsel des Daseins vorzutragen scheinen, blickt ins Fenster .'es Lustschlosses und ist niemand anders als die zukünftige Gestalt des Besitzers. Das Geschick des Verschwenders und seines Hauses taucht in Stürme und Schatten, und wir sehen im letzten Aufzug. wie er nach wahren, alternd, gescheitert und verarmt-die Stätte seines Glucks noch intnal aufsucht, sehen auch, was aus allen denen um ihn geworden ist. Immer satter werden die Farben und immer seelenvoller: wie sie es in einem Sommerabend werden, wenn die Sonne scheidet. Und iiber Demütigung und Armut hinaiis wendet sich doch alles noch zum Guten, 1 nt> der brave Valentin, jetzt Tischlermeister und Vater eines ganzen Grüppchens Kinder, hat sein redlich Teil daran; und wie er zu dem äetslein seines kleinen Pepi, der den gnädigen Herrn versöhnen will, '«■läutert: „Das hab ich gedichtet, Euer Gnaden...", da hörte ich neben Nir meine Mutter, deren ich nicht eben viel geachtet tjafte, leije _aup hluchzen und als ich sie ansah, da gewahrte ich. wie ihr die Lranen iber die Wangen liefen. Ich wunderte mich; was sie doch hatte; aber im hätte nicht gewußt, was sagen, und die verklärte Gruppe aut der ahne, (in der sich der Schluß aufbaut, lenkte mich auch sogleich wieder ab. Das Spiel war zu Ende, der Aufbruch aus dem Theater erging iiber inidj als einen Halbbetäubten und Geblendeten; die kalte ~uh auf ici Denn die Japaner Wasser, steigt man tatsächlich wird der Körper krebsrot, und man mutz sofort wieder herauf springen, um nicht einen Schlaganfall zu erleiden. Der Japaner jedoch hat sich seit vielen Generationen und seit frühester Jugend an diese irr- bisher. o Um aus der Fülle dessen, was in Japan alles „ganz anders" ist als M Europa, nur einiges herauszugreisen: vor allem einmal das morgendliche Bad, Der Japaner schätzt es noch weit mehr als der Weitze, selbst der ärmste Mann, der kaum ein paar Yen sein eigen nennt und seinen ganzen Besitz in einem kleinen Bündel auf seinem Rücken trägt, badet täglich. Baden ist sehr billig, sogar die großen öffentlichen Badeanstalten Tokios fordern für ein Wannenbad nicht mehr als fünf bis zehn Pfennige. Darum, bade auch du, Europäer! Das heißt, wenn du es vermagst! — baden nicht in warmem, sondern in kochend heißem in eine Wanne, glaubt man, sofort zu verbrennen, Körper krebsrot, und man muß sofort wieder herauf Von Dr. Georg Kuhn. Der natürliche Vorwurf für die Kunst" — das ist nach einem Wort des"großen expressionistischen Malers Franz Marc das Tierblld, und I damit wird die Stellung bezeichnet, die die Wiedergabe des -Bieres in I unserer modernen Kunst einnimmt. Die reifsten Werke Marcs sind wundervolle Arminen auf den „vierfüßigen Bruder", der der Natur und den Gebeimnissen des Daseins näher steht als der Mensch, in dem wir entarteten Zivilisationswesen die ungebrochene Kraft gesunder Instinkte und die tiefe Weisheit unbewußten Schauens verehren muffen. Wie da^ --.ler- I bild eine großartige Leistung der neuesten bildenden Kunst darstellt, so ist auch in der Tierdichtung unserer Tage ein gewaltiger und erhabener Gellt mächtig. Dem modernen Künstler, der demütig zu den Duellen und Tiefen der Welt herabsteigt, erscheint das Tier wieder als ein höheres Wesen so wie es sich einst dem Naturmenschen als Gott offenbarte^ Damit ist eine Jahrtausende lange Entwicklung der Menschheit in 'hrer Stellung mm ^ier durchschritten, und der Kreis rundet sich, in dem sich Uraltestes auf einer höheren und verfeinerten Stufe mit Alleriungstem vereint Wie Wundt in seiner Völkerpsychologie nachgewiesen hat, ist das Tier der früheste Gegenstand menschlicher Kunstubung. Schon die ersten I Kunstwerke der Urzeit zeigen charakteristische Tierbilder, denn der Ur- I mensch lebte mit und von den Tieren, sah in ihnen seine. Wahrten, seine Götter und Ahnen. In ebenso beherrschender Weise tritt das Tier in der Poesie der Naturvölker hervor. Für den primitiven Menschen ist es ein durch Sicherheit und Stärke der Instinkte überlegenes, geheimnisvoll stummes Geschöpf, das ihm göttlich und gefährlich erscheint. So berichtet er gern von mächtigen und furchtbaren Tieren. Aber er verdautt l dem Tiere zugleich alles, wovon er lebt; deshalb schildert er das Tier als hilfreich und gut. Ueberhaupt verfließen in dieser Fruhzeit der Phantasie die Grenzen zwischen Mensch und Tier. Durch Zauber verwandelt sich das Tier in den Menschen, der Mensch in das Tier, und ebenso nehmen allerlei Dämonen Wohnung in der stummen Kreatur. Aus dieser I engsten Gemeinschast und Verwandtschaft erwächst nun ein tiefes Verständnis des Menschen für die Wesensart seines „Bruders im Wald , er i fühlt im Tier „Blut von seinem Blut", und so gelingt es den primitiven Völkern in ihren Tiersagen und Tiersabeln Aussehen, Stimm« und Lebensgewohnheiten der einzelnen Tiere mit erstaunlicher Genauigkeit und Lebendigkeit zu schildern . . Aus dem Urgrund dieser ansänglichen Naturnahe entwickeln sich dann bei den ersten Kulturvölkern zwei Auffassungen vom Tier, denen wir m ihren Dichtungen begegnen. In Aegypten wird das Tier zum Gott. So wie es die Plastik des Nillandes darstellt, in der Erhabenheit des idealen Typus, monumentaler Gröhe thront es über der Meistchenwell, und m dumpfen Gebeten, in verzückten Hymnen fleht es der Mensch um seine Gnade an. Bei den Völkern hingegen, bei denen die Seelenwanderung in den Mittelpunkt der Religion tritt, so z. B. bei den Indern erblickt der Sterbliche in feinem Körper nur ein anderes Gefäß der Tierfeele, und so kriecht er gleichsam in das Tier hinein, betrachtet sich und die Umwelt mit tierischen Augen, wie dies in manchen indischen Dichtungen so ergreifend geschieht. Der Grieche aber, für den der Mensch das Matz aller Dinge ist, stellt auch das Tier im engsten Zusammenhang mit dem Menschen als seinen Begleiter und Diener dar, vermenschlicht die Kreatur. Dies finden wir sogleich in den hellenischen Tierdichtungen, wie in dem dem Homer zugeschriebenen „Froschmäusekrieg", in dem die Tiere ganz fo wie die Achäer und Troer miteinander kämpfen, und der erste große Fabeldichter A e s o p offenbart die in der primitiven Dichtung viel naiver angedeutete Weisheit der Tierwelt, indem er sie altkluge Lehren und Regeln erteilen läßt. In der chinesischen und japanischen Kunst und Dichtung wird dann hauptsächlich die ästhetische Freude am Tier als einem Schmuck der Natur ausgebildet, und cs wird in mannigfachen Symbolen und Allegorien zum Menschenleben in Vergleich gesetzt. Im Mittelalter ruht der Fluch, der über die Natur ausgesprochen ist, auch auf der Kreatur; sie ist seelenlos und unselig, ein« Auffassung, die noch später, seit Descartes in der Betrachtung des Tierorganismus als einer Maschine sich bemerkbar macht. Erst der heilige Franz von Assisi erlöst mit dem Frühlingsweben der Renaissance das -Lier von diesem Bann, der Jahrhunderte auf ihm gelastet, und umfängt es mit seiner christlichen äUliebe. Er bekehrt den „Bruder Wols", so daß er sanst- mütin und tugendhaft wird, predigt den „lieben Geschwistern", den Vögeln und fischen und gebietet den vorlauten Schwalben Ruhe, so lange Gottes smnrt Jrtiint (Fr ertennt sie gleichsam als Mitmenschen an und stellt sie Xe Ä ©meiSfeJ »ie Me Christen. Diese Auffassung Herr cht dann in der neueren Tierpoesie, die hauptsächlich, ja saft ausschließlich Fabcldichtung ist. Besonders in Frankreich macht sich diese Auslassung des Tieres die in ihm nur den verkleideten Menschen steht von La- f n n t ti p bis au Zola und Daudet geltend, aber nicht minder in den geistvollen Tiergeschichten enchijcher Dichter- von G a y bis^Oscar PfeHe “Sb®laud?u". Die Tier!"tr?gen menschliche Masken und bieten nur ein Spiegelbild unseres Wesens, sowie es bereits m der parodistischen Tierdichtung seit den „Vögeln" des ^.rUto?hanes und m den Ausklängen der altgeruianischen zersäge im ftaU war in dem noch Goethe ein Brevier des Weltlaufes ,ay. crit in der Romantik, die wieder das Urtümlich« und Naive der alten Märchen und Sagen sucht, erhält das Tier ein Phantast,ich-mystüches (Sigenba ein ! une grandios unheimlich« Stimmung, die in den Tierfiguren gotischer Kathedralen anklang. Als geheimnisvoller Dämon erscheint das -Lier in lietfs Märchen und noch gewaltiger in Dichtungen, wie in P o es - Schwarzer Katze", oder lyrisch zarter in dem „Kentaur" Maur,ce de Guerins, in dem der Pferde,nenfch fein zwiespältiges Seelenleben enthüllt Der Mensch nähert sich wieder mehr und mehr dem Tier und I sucht sein Eigenleben zu ergründen, sei es aus tiefem Mitleid heraus, wie dies T o^ ft o i tut, wenn er die Tragödie eines Pferdes im „Lein- wandmesser" schildert, oder aus naiver Marchenfreude, wie And er Jen I und Selma Lagerlöf in der Geschichte von den wunderbaren Reisen I des kleinen Niels mit den Wildgänsen. ., ... - Jahrhunderte lang hatte man die Tiere vermenschlicht und dadurch vielfach verniedlicht oder verzerrt; man halte fr« auch >n ihrer Kraft und Leidenschaft übersteigert. Nun aber sucht der Mensch in sich selbst die Regungen des Blutes zu ergründen, die ihn dem Tier nahebringen, strebt, „das innerlich zitternde Tierleben nachzufühlen . Wissen chastic^ Forschungen wie die von G. Th. Fechner über die u.ierseele, gehen voraus E?n Dichter wie Maeterlinck malt das Leben der Bienen und Ameisen in einer unerreicht herrlichen Verbindung von wstsenichafü kicher und dichterischer Schilderung. Kipling weiß in feinen indischen Tiergeschichten mit bewundernswerter Einfühlung Motive und Emps>n- bunaen der Tiere des Dschungels zu ergründen oder in seinem letzten Merck „Wie der Hund spricht" seinen treuen Hausgenossen »u belauschen. Ein anderer Engländer, Ernest Selon Thompson, zeichnet die „Prarie- tiere und ihre Schicksale". Als Jäger spürt Hermann S o n s dem Wild unseres Waldes und Feldes schnrfhörig und hellhor,g nach, w>e d,es schon Zurqcniero versucht hatte. In der dramatischen Erzählung und Gestaltung solcher Tierschicksale kann der Dane Svend Fleur on ab moderner Klassiker gelten, mag er nun die Erziehimg eines Kalbes das Dasein eines Hasen, eines Uhus oder zweier Schlangen zum ^ema wählen. Ganz hineingelebt in das Wesen des Tieres sich auch d r geniale Erzähler Jack London, der z. B. in seinem Buch „Wenn die Natur inst" darstellt, wie ein Hund nach dem Tode seines Herrn unter die Wölse gerät und zum wilden Tier wird. In dieserAnimalisterung der Kunst", wie man es genannt hat, wird der Mensch eins mit dem Zier. Zum ersten Male hat dies Gefühl der Einheit der Amerikaner WaU W h i t in a n in feinen Hymnen ausgesprochen: „Ich meine, ich konnte mich den Tieren zugesellen und mit ihnen leben! ruft er aus. Er liebkost das Pferd wie eine Geliebte und findet in den Augen des Och en mehr ausgedrückt „als alles Gedruckt«, das ich In meinem Sa nicht. sTßeber die Mutter noch die Tante, nicht der Gustl noch die Köchin noch L Soldat. Und ich schloß manche Vorlesung tiefd eglückt wie von seinem andern Dichterwort mit dem begeisterten Ausruf. „L u m P. konnte mir nicht anders Helsen. Solche Macht hatte damals der Plateys über mich. Tierschicksale im Spiegel der Dichtung. Zn Japan ist alles ganz anders. was dem Europäer wunderlich und verkehrt erscheint. Von Dr. Erwin S t r a n i k. Man hat cs nicht leicht, wenn man erst kurze Zeit in Japan weilt; denn sobald man die Gemarkungen der auf europäisch-amerikanische Art geführten großen Hotels verläßt und auf eigene Faust Land und Leute kennenlernen will, muh man oft Lehrgeld zahlen; da nützt alles vorher erworbene Wissen um die Eigentümlichkeiten dieses gelben Jnselreiches nichts Man vergißt im richtigen Augenblick doch darauf, macht sich lächerlich oder wird zum hilflosen Kind. Aber wenn man Humor besitzt, freuen einen derartige Situationen trotzdem und man fühlt sich nach einer glücklich bestandenen Episode wieder um einen Grad „naturalisierter" als Sri1 ■.rfeKi’ll leben ein wenig zu modernisieren, druckt jetzt dte Tokioer Frautnzeilung „Fujokal" bisweilen Anstandsregeln für Ehemänner ab, in denen sie unter anderem etwa folgende Ratschläge gibt: „Betätigt Euch^ein 9«n<^s Leben lang nicht mehr als Spielverderber und Störensriede. Seid mnnd)= mal spaßig und witzig, auch Eurer Frau gegenüber, nicht nur in Gesellschaft Eurer Freunde." — „Laßt die Frauen nicht immer allein Einkäufe besorgen; begleitet sie manchmal und bevor Ihr heimkehrt, kauft ihr eine Kleinigkeit zu essen. Das erfreut das Herz einer Frau." ^Derartige Ratschläge bilden das Tagesgespräch in den Haushalten von Tokio und Dokohama. Und wenn auch gegenwärtig japanische Kanonen in der Mandschurei und in den chinesischen Häfen donnern, der Japaner nimmt das eine nicht minder wichtig als das andere. Er denkt an alles, bespricht alles in gleicher Weise und hält immer die Waagschale für sämtliche Dinge in gleicher Höhe. erjelÄl fo f* •n G->r» Alle W' lle «ri* sinnige Temperatur gewöhnt und die ärztliche Wissenschaft behauptet, daß eben jene heißen Bäder ihn gegen alle Erkältungs- und Grippekrankheiten beinahe ganz unempfindlich machen. Das heiße Wasser stärkt die Haut, nimmt ihr alle weiche Nachgiebigkeit, — sie wird zur Hornhaut der Siegfriede und unempfindlich gegen alle Wiiterungseinflüsse. Die Blech- oder Kachelwannen europäischen Formats kennen die Japaner nicht. Sie baden in hölzernen Trögen, die durch eine Zwischenwand in einen großen und einen kleinen Teil abgetrennt werde». Im großen Teil befinden sich das heiße Wasser und der badende Mensch, im kleinen steht der Badeofen, der mit Holzkohle geheizt wird und eine ständig gleichbleibende Temperatur des Wassers verbürgt. In Tokio baden die wohlhabenden Leute im eigenen Hause, auf dem Lande, wo die Hütten nur klein sind, trägt man die Wannen des Morgens auf die Straße und nun begibt sich die ganze Bevölkerung, völlig ungeniert, ins Bad. Das Wasser, das erhitzt wird, gilt jedoch nicht nur für eine Person, sondern stets für den gesamten Hausstand. Erst badet der Gast (wenn ein solcher in der Familie weilt), nach ihm steigt der Hausherr in das gleiche Bad, ihm folgt die Frau, hierauf tauchen die Kinder unter, und den Abschluß bilden die Domestiken. Bis vor kurzem war es auch noch gestattet, daß in den öffentliche» Badeanstalten Männer und Frauen gemeinsam badeten, doch ist dies jetzt verboten. Verboten auch: im Bade die Seife zu benützen. Man seift sich erst ein, wenn man das Bad verlassen hat und reibt die Seife wieder trocken ab. . Wenn man durch eine japanische Straße geht, so fallen einem nicht nur die vielen Brillen aus, die die Männer tragen, sondern auch die vielen Regenschirme. Die Brillen sind nicht immer ein Zeichen schlechter Augen, sondern sie solle» eine gewisse Intelligenz ausdrücken. Die Männer schmücken sich damit wie die Frauen mit Edelsteinen. Der Schirm ist em altjapanisches Requisit. Wenn man ihn schließt, darf man ihn nicht wie in Europa mit dem Griff „oben" tragen, sondern mit einer Schlinge an seinem anderen Ende und muß ihn auch in die Schirmständer mit dem iff nach unten einreihen. Will man höflich sein und betritt man ein Haus, so ist es nicht notwendig, sofort den Hut abzunehmen, wohl aber muß man die Schuhe ausziehen. Bringt man ein Geschenk mit, so hat man es bei sich zu behalten, bis man wieder geht. Erst beim Abschied überreicht man es. Wird man zum Essen eingeladen, so sieht es sehr unmanierlich aus, alles von einem Teller zu nehmen. Man muß einen großen Rest übrig lassen so wie unsere Voreltern immer den „Respekt" auf den Tellern zuruckließen. Soll eine Rede gehalten werden, dann besorge man dies vor Beginn der Mahlzeit. Ist das Essen beendet, erhebe man sich sogleich und zögere auch Güne. Roman von Theodor Fontane. (Fortsetzung.) „Es gilt von dieser Ebenbürtigkeitsregel, was von jeder Regel gilt, sie dauert so lange, bis der Ausnahmefall eintritt. Gott sei Dank! daß es Ausnahmefälle gibt. Es lebe der Ausnahmefall! Es lebe... Noch ein halbes Glas, Waldemar. Und was ich Ihnen zum Abschiede noch sagen wollte, ja sagen muh, der jüngste Schwilow, von dem ich Ihnen vorhin erzählte, hatte recht, und Ihr Onkel hatte zweimal recht, und die Gesellschaft beruhigte sich über die Duperre. Noch kein Vierteljahr, daß ich die jetzige Baronin Schwilow auf Tzatschschow, etwas schwer auszusprechen, im Französischen Theater traf, wo die Subra die Freifrau spielte. Sie sah reizend aus, ich meine die Schwilow (die Subra natürlich auch), und als sie im Zwischenakt das Köpfchen warf und dabei die Brillanten im Ohrläppchen hin und her läuteten, da läutete sie zugleich die ganze vornehme Gesellschaft zusammen. Und wissen Sie, wer ihr am meisten den Hof machte? Natürlich der Herr Onkel, der aussah, als ob er selber geneigt sei, das von ihm prognostizierte dicke Buch von der gräflichen Admiralstochter zu schreiben. Ja, ja, Waldemar, Erfolg und Mut! Oder beginnen wir mit dem Mut. Am Mute hängt der Erfolg. Und nun Gott befohlen! Waldemar hatte sich inzwischen erhoben und seinen Hut genommen. Er dankte dem Baron und bat ihn, wenn ein ernsteres Zerwürfnis eintrete» sollte, seinen Besuch wiederholen zu dürfen. Zwölftes Kapitel. Waldemar, als er bei Baron Papageno vorsprach, hatte die Meinung des Barons in einer ihm wichtigen Angelegenheit hören, im übrigen aber in eben dieser Sache durchaus nicht beeilen wollen. Umgekehrt, ein seiner Natur entsprechendes Abwarten und Hinausschieben, und wenn auch nur auf ein paar Tage, war aus diesmal fein Plan gewesen, und erst der ermutigende Ton, in dem der Baron gesprochen hatte, hatte den Gedanken in ihm angeregt, den Besuch beim Onkel, in Ausnutzung der guten Stimmung, in der er sich befand, auf der Stelle machen zu wollen. So bog er denn vom Zietenplatz her in die Mauerstraße ein; sah, als er das Königsmarcksche Palais passierte, zu der zweiten Etage, hinter deren kleinen Fenstern er mit einem vor Jahr und Tag dort wohnenden Freunde manche glückliche Stunde verplaudert hatte, hinauf und stand nach einer abermaligen Straßenbiegung vor dem altmodischen, im übrigen aber gut und sauber gehaltenen Hause, dessen oberes Stockwerk der Onkel seit einer Reihe von Jahren innehatte. Portiersleute sehlten, statt ihrer aber war I ein ganzes System von Gittertüren da,- das, wenn man unten — oder 1 was dasselbe sagen wollte, vor einem mit allerhand unleserlichen Blech- schilden reich ausgestatteten Parterreverhau — klingelte, mitunter wie durch einen rätselhaften Federdruck in seiner Gesamtheit aufsprang, mitunter aber auch nicht, in welch letzterem Falle die nun von Etage zu Etage nötig werdende Einzelklingelei gar kein Ende nahm unb bet ledern neuen Gitter zu dem Erscheinen eulenartiger alter Köchinnen führte deren Eraminationsverfahren um fo peinlicher und eindringlicher war, als nur ihr Auge die Fragen stellte. Waldemar war zu lange und zu gut mit dieser altberlinischen Haus- und Treppeneinrichtung bekannt, um für gewöhnlich Anstoß daran zu nehmen, heute ledoch hatte dieses Absperrungssystem eine gewisse Bedeutung für ihn, unb lebe neu zu passierende Gittertür erschien ihm wie eine Mahnung, „es lieber nicht verfugen ju wollen". Der mitgebrachte gute Mut indes überwand alle Bedenklichkeiten und ließ ihn schließlich bei der dritten und letzten Gittertur ankommen, an der er von einem alten Muffel von Diener (natürlich vom Lande), dessen Umwandlung ins Herrschaftliche sich nur sehr unvollkommen vollzogen hatte, mit einigermaßen llberraschlicher Freundlichkeit empsangen wurde. Der Herr Gras seien zu Haus und wurden sich sehr (neuen. „Er sitzt über die Kupferstiche" (so schloß er), „und wenn er da drüber her is, is er immer guter Laune." t Der Diener ging voran, um zu melden, und der Eindruck, den Waldemar gleich bei seinem Eintreten empfing, war der denkbar günstigste. Wenn schon immer eine gewisse, durch einen guten Geschmack in Einrichtung und Ausschmückung bedingte Behaglichkeit in dem Wohnzimmer des Onkels anzutrefsen war, so war diese Behaglichkeit heute bis zur Gemütlichkeit gesteigert. Die Fenster standen aus, und von den „Linden her klang die Musik eines auf Wache ziehenden Bataillons herüber. Aber das war nicht alles; einfallende Lichter blitzten an den Womben hm und her und auf einem großen unb eleganten Ständer von Mahagoniholz, dessen Wände niedergeklappt waren, lag eine Kupferstichmappe, darin der alte Graf emsig unb andächtig zu blättern schien. Er trug schottisch tarierte Pantalons, Samtrock unb einen Fes mit Puschel, alles m allem ein ziemlich sonderbar zusammengestelltes Kostüm, das freilich vollkommen zu seiner Versicherung stimmt: dem Eklektizismus gehört die Welt. ,Ah, Waldemar. Herzlich willkommen, mein Junge! Nimm einen Stuhl ober stelle dich persönlich hierher... Im übrigen ganz nach deiner Bequemlichkeit. Du findest mich in einer gewissen Aufregung: eben hat nicht eine Sekundei , m _ ... Der Japaner ist ein trefflicher Schütze: Gewehr unb Revolver sind ihm ebenso vertraut wie dem Europäer; aber bas erste, was er lernt, ist auch heute noch der Gebrauch von Pfeil unb Bogen. — Er druckt seine Zeitum gen, die in Millionenauflagen erscheinen, auf Rotationspapier. Doch besonders interessante Geschehnisse werden selbst in unseren Tagen »och handschriftlich vervielfältigt und in kleinen Röllchen in den Handel gebracht. Die Großstädte erleuchten ihre Straßen mit grellen Bogenlampen, — wenn sie im Mittelpunkt des Verkehrs liegen. Kommt man in ein äußeres Viertel, so muß man froh sein, vor den Häusern einige bunte Lampions zu finden, di« ein schwaches Licht über den holperigen Boden werfen, oder man hat sich mit einer kleinen Laterne zu versehen und sich selbst seinen Weg durch die Finsternis zu bahnen. Wird man bei einer japanischen Familie zu Gast geladen und übernachtet man im Hause des Japaners, so erwarte man keine Belten, wie man sie in der Heimat gewohnt ist. Der Japaner verabscheut weiche Polster und Kissen, findet sie lächerlich und würde sie nie zwischen seinen Papierwänden dulden; man gibt Holzklötze für den Kopf zur Sturze und keine Decken zur Umhüllung des Körpers. Auch Stuhle fmbet man auf dem Lande nirgends, sondern bloß Hocker, — etwas höhere für die Männer, etwas niedrigere für die Frauen. Unb wenn man "Tokio auch bereits eine Versuchsanstalt eröffnete, in der man die lapanischen Schülerinnen die europäische Eßart bei Tisch und auf Sesseln lehrt, so ube man sich selber doch lieber in der Geschicklichkeit, seinen Reis mit gesalzenem Pflaumensaft aus dem Schälchen, das auf der Matte auf dem Boden steht, mittels der Eßstäbchen in den ach, so weit davon entfernten Mund Auch an bas japanische Geschäftsleben muh man sich erst gewöhnen, wird man als Fremder betrachtet, bann geht es ganz amerikanisch zu. Kurze Fragen, kurze Antworten, Briefe und Auftrage sind in gedrängter Form gehalten. Kaum aber betritt ein Einheimischer das Büro des Chefs, jo verbeugen sich die beiden Japaner bis zum Boden, halten lange ß- grüßungsansprachen unb brücken in ihrer blumigen Rede möglichst u - stündlich und langsam das aus, was unsereiner in zwei Minuten erledigt. Ist der Chef mit einem Angestellten unzufrieden, fo laßt er if)n rufen und schimpfte ihn aus. Der Gescholtene blickt (emem Herrn 'ns Gesicht und — lächelt. Denn wenn man in Japan getadelt wird, mutz ma lächeln, wenn man gelobt wird, hat man ernst dremzuschauen. Und we der Chef einen Witz erzählt — sei er auch noch so albern —' dann geht es in Japan wie auf der ganzen (Erbe: es haben alle 21ngeftellten aus vollem Halse zu lachen und zu brüllen, daß die Papierwande Zittern. Die japanischen Damen sind in den Großstädten schon so modern „westlich" orientiert, daß sie sehr gerne, wenn sie kernen Mann bekommen, Heiratsannoncen aufgeben. Jede rühmt sich ihrer „unverg e > chsh Schönheit". Aber in einem Punkt wirkt noch die Ueberlieferung nach. in der Versicherung der unbedingten Ergebenheit in die Wunsche künftigen Gatten. So las man folgende Anzeige: „Junge Dame 24 Jahre alt, mit akademischer Bildung, von unvergleichlicher Schönheit, sucht einen sympathischen Ehegesährten, dem sie, wenn notig, als Sklavin dienen will." — Oder: „Junge Same, 32 Jahre alt, mit akademischer Bildung, schön unb bescheiden wie die Pfingstrose im W.nter, laßt es gleichgültig, wieviele Kinder ihr eventueller Ehegatte hat oder welche Stellung bekleidet." — Darum bedient auch heute noch die Drau ben Mann, sobald er sich in feinem Hause befindet, geht erst dann Zu Bett, wenn auch er heimgekehrt ist und erwartet ihn mit freundlichem Lächeln, selbst wenn sie eine ganze Nacht zu durchwachen gezwungen ist. Um aber doch das Ehet S'5* "fc IN'- ;"fe* ?#** ' ®otfK H (teilt |i( II X* I hdeW« (ioilung II m UH inber in' - Oscar I neu bei | ten unb | er paw I unb in I chs" bet [j ah. 6t|t| Märchen enbafein, I i gotische: I Tier in ■ i Pot!,! urice bi 8 elenleben I s Eier uni I her«, I n „SJeinJ bersiil n Reisen I dadurch kraft uni i selbst bit - ebringen, schajtW le, gehen r 'Bienen WM indische« Emps« ;m legten «lausche« • „Prärie bem W dies sch«« iung unb । r o n ol; Abti, Iw n The« auch da Benn d« >rrn untet lülifieru«! 1 m*1 aner ®°1 ich Er liebte Wen IW ie|en”;» Achats Waldemar fragend „Ich nehme an Derantlüörtlich: Dr. Hans Thhriot. - Druck und Verlag: Brühl',che Univerf ilätS-Buch- und Sleindruckerei, R. Lange, Gießen. Iekt war das Lachen aus des alten Grafen Seite, Der gute Baron. Er nennt es Lafitte, Gott verzeih es ihm, und bildet sich noch ein, eine Wein ginge zu haben. Und warum? Weil er von der Voraussetzung aus- aebt ein beständiger Frühstücker müsse sich auch zum Fruhstucksverstan- d aen ausbilden Ein Satz, der grundfalsch ist und an die Doktoren erm- nett die mit Stolz von ihrer fünfzigjährigen Erfahrung sprechen, nachdem ihnen jeder einzelne, wenn irgend möglich, gestorben ist. Glaube mir, Waldemar, wer beständig zwischen Hiller »nd,presse hm.und> her pendelt, kann seine Zunge verseinern, aber aucy nicht. Und das letztre bildet die Regel. Uebrigens um elf beim Baron; was bedeutet das. Da mutz was vorliegen. Und nun heraus damit! „ „Ich war da, mir seinen Rat zu holen. , . , Bei dem Baron, Rat? Nun, da steh ich doch noch lieber zu ! einem Lafitte. Der ist schlimmstenfalls mit Pepsinpastillen zu bekämpfen, aber von seinem Rat ist kein Erholen. Waldemar, ich dachte doch... Rat! Nun, ich bin auch nicht von den sieben Weisen Griechenlands, aber neben dem Baron... Oder vielleicht war der gute Papageno nur Vorstufe. Latz hören! Ist es eine Sache, von der ich erfahren darf, an der ich möglicherweise mit raten und taten kann? .... ... „Ja, Onkel. Und zu dem Zwecke bin ich hier. Es ist, wl« du sagst, der Baron war nur die Vorstufe." „Nun denn?" „ „Also kurz, ich habe vor, mich zu verheiraten. _ Der alte Graf schlug mit der flachen Hand aus den e.i;ch. '^Jch erschrecke nicht. Das ist nicht das rechte Wort, und wenn ich eben mit der Hand auf den Tisch schlug, so war es nur em lebhaftes oder vielleicht auch zu lebhaftes Zeichen meiner Teilnahme. Nervosität nichts weiter Du bist überhaupt ein Gegenstand meiner Teilnahme, Waldemar, denn ich bin dir ungeheuer gut, und wenn ich das Wort nicht Hatzte, weil soviel Mißbrauch damit getrieben wird so sprach ich d'r rundheraus von meiner Liebe. Wahrhaftig, Junge, du bist der beste von allen lebenden Halderns (vielleicht können wir auch die Toten mit emrechnen), und ich weitz nicht, was ich alles für dich tun könnte. Daß du mich beerbst, ver- ftelit sich von selbst: ich wünsche dir jedes erdenkliche Gluck. Aber eines, wenn es eins ist, wünsch ich dir nicht. Ein Mann wie du heiratet nlcht. Das bist du drei Parten schuldig: dir, deiner Nachkommenschaft (die bei kränklichen Leuten wie du nie ausbleibt) und drittens der Dame, die du gewühlt." „Es ist keine Barne." _ . . ™.. ... Der alte Graf verfärbte sich. Unter einem halben Dutzend Möglichkeiten, die durch sein Hirn schossen, war auch eine.. .Nein, nein... Unö et fasste sich wieder und sagte mit wiedergewonnener Ruhe: „Reine Dame. Was denn? Wer?" Stine." „ Der alte Graf Sprang auf, warf seinen Stuhl um einen Schritt zurück und sagte: „Stine! Bist du toll. Junge?" ... „Nein. Ich bin bei Sinnen. Und ich frage dich, ob du mich Horen ™ • «< fx •) 41 Der Graf sagte nicht ja und nicht nein, setzte sich aber wieder und sah gusts Tvori erbitte so geschiehi e's, weil alles Gehässige meiner Natur widerstreitet. Hatz ist mir häßlich. Ich erbitte dein gutes Wort, west uh versöhnungsbedürftig bin und in Frieden aus dieser Alten Welt scheiden möchte. £■-, Was hast du vor? Waldemar, ich bitte dich, du wirst uns doch nicht eine diestr modernen Selbstmordkomödien auf,uhren und dich mit deiner Stine nach erfolgter Kopulation, das Wort bleibt mir in der Kehle stecken, auf eine Bahnschiene werfen oder mr Hans- und Gretestil in einen Dorftümpel stürzen wollen? Ich.bitte dich,, Waldemar, ver chon uns wenigstens mit einem Betnit im P"!'^'^ncht. . Es ist nicht das. Ich habe nur einfach vor, mit der Alten Well Schicht zu machen und drüben ein anderes Leben anzufangen. „Und als Hinterwäldler deine Tage zu beschließen. Umgang mit Cbinaachgook, alias le gros serpent, und Vermahlung deiner ältesten Tochter Komtesse Haldern mit irgendeinem Unkas oder einem Ettotz- grotzneffen von Lederstrumpf. Was meinst du dazu? Und wenn,n cht Hinterwäldler, so doch cowböy, und wenn nicht cowboy, so vielleicht Kellner auf einem Mississippidampfer. Ich gratuliere WÄdemar, ich begreife dich nicht. Ist denn keine Spur von Haldernfchem Mut m dir. Ist es denn so leicht, aus einer Welt bestimmter und berechtigter, Anschauungen zu scheiden und bei Adam und Eva wieder anzufangen. „Da trifsit du's, Onkel. Ja, bei Adam und Eva wieder anfangen, das will ich da liegt es. Was dir ein Schrecken ist, ist mir eine Lust. Ich habe mir sagen lassen alles regle sich nach einem Gesetz des Gegensatzes, das zugleich ein Gesetz des Ausgleichs ist, eine neue Theone von diesem ober ene?die Vorhand ist, glaub ich, streitig. Aber gleichviel, von wen'. st. herrührt, es hat damit nach meiner eigenen Erfahrung unb eben|o nach meinem bißchen Wissen seine vollkommene Richtigkeit. Der Alte tfri8 haßte das Alte Testament, weil er in seiner ^gend erbarmungslos damit aeauält worden war, und der dicke König liebte die Frauen und über Wtzte sie, weil sie fünfzig Jahre lang vom preußischen Hofe verbannt gerne en waren. Alles, was unten ist, kommt mal wieder oben auf, nd was wir Leben und Geschichte nennen, lauft wie em Rad, ,1a grancke roue de l’histoire1 sagen die Franzosen. Und nun laß mich die Nutz anwendung machen. Die Halderns haben lange genug °" der Feudalpyramide mit bauen helfen, um endlich den ^gensatz oder den Ausg e ch oder wie du's sonst nennen willst, erwarten zu ourfen. Und da kommt denn nun Waldemar von Haldern und bezeigt eine Neigung, wieder bei Adam und Eva anzufangen." Der Alte war nicht unempfindlich gegen solche ---atze, die, wenn sich» nicht um Verwirklichung an einem Fami ienrnitgliede gehandelt hatte, sehr wahrscheinlich seinen Beifall gehabt haben wurden. Ein Lächeln inf über sein Gesicht, das ausdrücken mochte: „Sieh, er fuhrt feine Sache aut" ia vielleicht entsann er sich sogar, in Uebennut und Weinlaune mehr L ttnmal dasselbe Proklamiert zi "haben. Und so war es denn in einem oiel ruhigeren Tone, dah er antwortete: „Waldemar, laß uns vernünftig reden! Ich bin nicht so verrottet, wie du glaubst. 2ch kann dem allen folgen und ich habe von der göttlichen Weltordnung nicht die Vorstellung, daß sie sich mit dem Staatskalender und der Rangliste vollkommen deckt. Ja, ich will dir noch mehr sagen: ich habe Stunden, in denen ich ö>emlich fest davon überzeugt bin, daß sie sich nicht damit deckt. Und es weiden, und vielleicht in nicht allzuferner Zukunft, die Regulierungszelten kommen von denen du eben sprachst, und vielleicht auch wieder die Adam- und Evazeiten. Und sie mögen auch kommen, warum nicht? Ich bin vor Adam nie erschrocken und vor Eva erst recht nicht. Aber sind gerade wir dazu da, dem weltgeschichtlichen Umschwungsrade, das du da vorh in Situ "es, sind, sag ich, gerade wir dazu da, diesem grande toue de 1 histoire solchen energischen Vorwärts- oder meinetwegen auch Zuruckruck zu geben. Ueberlasse das andern! Zur Zeit sind wir nur noch bie Beati possidentes. ,Sei im Besitze, und du bist im Rechst ist vorläufig noch für uns geschrieben Warum sich selbst um diesen Besitz bringen unb auf eigene Kosten eine Zukunft heraufbeschwören, von der oie(leid)t keiner profitiert und wir gewiß nicht. 21bam, Neubeginn der Menschheit, Paradies und Rousseau das alles find wundervolle Themata, für die sich m praxi alle bieiemgen begeistern mögen, die dabei nur gewinnen und nichts verlieren können die Halderns aber tun gut, all dies in der Theorie zu belassen und nicht persönlich banad) zu handeln." k Der junge Graf lächelte vor sich hm. „Ja, Onkel, das ist bas Allgemeine, bas Alltäglich-Gültige. Gewiß ich weiß es Da gilt das wasdu jagst. Unb laß mich bir versichern, ick) bin weit ab davon, den Welt- ober auch nur den Gesellschaftsresormator machen zu wollen. Dazu hab ich nicht die Schultern. Aber das Besondre, das Besondre. „Welches Besondre?" "Ja"so' die", sagte der alte Haldern und ließ in allem erkennen daß er im Laufe des Gesprächs den Ausgangspunkt so gut wie vergessen hatte. Ja Stine... Dummes Zeug. Ich kenne bas. Ein Junggeselle, ber über fünfzig hinaus ist, ist mehr als einmal in Gefahr gewesen, an dieser Klippe zu scheitern. Aber bas sinb Anwandlungen, Fieberanfalle. Solange sie dauern legt man sich die Weltgeschichte nach dem »einen Gefühl Brecht das einen gerade beherrscht: aber von heute auf morgen oder, wenn es hocb kommt, von heute bis übers Jahr, hat man sich besonnen unb sieht die Dinge nicht mehr durch das Trug- und Zauberglas unterer erhitzten Phantasie, sondern durch die Fensterscheibe der Alltaglichleit. Stine' Bu sollst nicht brüsk mit ihr brechen, im Gegenteil, besuche sie. solange dichs dazu treibt; habe deine Plauderstunde mit ihr ruhig weiter; aber es mutz ber Augenblick kommen, wo sichs ausgeplmibert hak unb wo bu beinen Irrtum empfindest. Eines schönen Tages fällt es dir wie Schuppen von den Augen, unb du siehst in einen Abgrund. i (Fortsetzung folgt.) ) an. an", fuhr dieser fort, „daß bu mich hören willst. Unb wenn bu meinen ersten Satz gehört haben wirst, so wirst bu ruhiger werden Ich bin in den Jahren unb in ber Lage, selbständig handeln zu dürfen, und ich werde selbständig handeln. An »em allen ist nichts zu ändern; Krankheit macht eigensinnig, und die Halderns sind es von Natur. Ich komme nicht, um eine Familienerlaubnis nachzusuchen. bie mir, wenn das Gesetz eine Verweigerung zuliehe, verweigert werden würbe. Da dies mir Amsler diese Mappe voll italienischer Stiche geschickt, unb ich schwelge | unb so'denn noch einmal: metie Enst-Msft sinb°ge^ßt.^Du sollst nicht ben . (cX i all ** I „.. < ./. ... am* man • aCIaw fite* Sein tllrt C* in) 1) I) f hl) I) P. IT11L in 'jtcminiijtnjeii. öiey. • • i ’/mroan rur imw muu/cn, «»»» whudpi» i— . ' bir «W qefS län'^pert^m^bcS^^Uiit.^^a^tänbm^ ä hä»” ssfä *•* * kürchte- lieber Dntel . Waldemar. Ein Jialianissimus wie sein denn ich seh in deinem Gesichte so was wie Fieberrote die mir d) schwärmte Nächte sind nicht für jedermann »nb sicherlich mch siir duch. yäs Ä-» Ä-'S mußt leben wie eine eingemauerte Nonne; den andern trau ich mcht St Unb nun Sage mir, wenn sichs sagen läßt, woher die.roten F ecke? Waldemar lachte. „Von einem zu frühen Frühstück, lieber Onkel, dcy war beim Baron, unb als ich gehen wollte, hielt er mich mit einem Glase