mma .. gedacht, ”at- ft «blau,. schickt» ; "> eint» I ier nun Jen D,t: lni> W —-------------। bä Jahrgang <932 Freitag, den 9. Dezember Nummer 96 erhalt,, übet waren. » : Was ft nehm« ine Kuh i sich mit der elni ifalllt h rich gini enden ji eise (uft galant« daß iii für d«i rnäftuis der olu Staut# tanb M am IG blieb ein ifj es s im teft' er au® schrie * fit fest« in Steil In Still '6 haben, Sagarin, schön», tänbe« ch folgte uen, un i Schw« in einen giettelbrf träftigef q ande« euer# ui f>* t nicht!• auf de> Stufte’ htet, be. euer. * uften * M# sgoinb!' .»« n E M it ft* u115“ »« «arttP* «5 ier»11 ■< Eine Stunde später kam Emma mit einer riesigen Markttasche voll Nüssen nach Hause. Frau Druse war weggegangen. Sie wußte nichts von den Dingen, die in ihrer Wohnung vorgingen. Es waren tolle Dinge, Dinge, wie man sie nicht für möglich hält. Claudius Druse saß aus dem Teppich seines Zimmers. Er hatte einen Hammer in der Hand. Neben ihm waren die zehn Pfund Nässe ausgehäuft. Eine nach der andere» chlug er auf. Es war ein Höllenlärm und in der Wohnung unter Briefes fiel der Kalk von der Decke, aber Claudius nahm keine Rücksicht darauf. Ms er den größten Teil der Nüsse erledigt hatte, klingelte das Telephon. Frau Ilse Windisch war da. Sie wollt« wissen, ob sich die Tibet- nüsse angesunden hätten. „Nein, noch nicht!" , „Dann möchte ich Ihnen Folgendes sagen, Herr Druse. Mein Mädchen hatte von den Nüssen, die Sie fetzt gekriegt habem kuuz bevor Sie telephonierten, zwei Hände voll ' *“ gegeben. Er sollte sich davon i und nun habe ich mir schon geda zurückgegebenen Nüssen welche aus „Na, da fällt ja ein Asse aus dem Nest!" fauchte Claudius. Er ließ sich die Telephonnummer von Windischs Nußlieferanten geben. Dann fragte er bei dem Mann an, ob er vielleicht die Nüsse kriegen könnte, die Windischs zu Reklamationszwecken zurückgeschickt hätten. Er sei Gcheimdetektiv. Er müßte an den Nüssen nach den Fingerspuren eines Rohrlegers suchen, der bei Windischs gearbeitet Hütte und im Verdacht stände, jemanden umgebracht zu haben. Ja, das is nu jo", sagte drüben mit zitternder Stimme der Obst- hä Mer. „Die Lieferung taugte nichts. Die Kundschaft hat mir den größten Teil der Nüsse wiedergebracht. Die habe ich nu alle in den großen Sack zurückgeschüttet. Windischs ihre sind auch dabei, und morgen wollte ich den ganzen Posten an den Grossisten zurückgeben." „Wieviel ist denn drin in dem Sack?" fragte Claudius Druse. Oie perle in der Walnuß. (Eine vorweihnachtliche Geschichte. Von Georg M ü h ! e n -S ch u 11 e. Der Fabrikant Claudius Druse war ein guter Ehemann. So etwas gibt es! Er hatte für 497,80 Mark eine echte Perle getauft. Eigentlich sollte sie fünfhundert Mark kosten. Druse hatte aber 2,20 Mark abgehan- belt und er war stolz darauf, denn das Geschäft hatte ein «chlld mit der Aufschrift „FESTE PREISE“ im Laden zu hängen. Claudius Druse gedachte die Perle seiner Frau zu Weihnachten zu schenken. Sie war noch nicht gefaßt, die Perle. Sie war noch so. w,e sie ich die Perlenfischer der Südsee nach dem Ausiernfruhstuck aus den Zähnen zu stochern pflegen. Ein herrliches Exemplar, groß und von jenem geheimnisvollen Glanz, der die Frauen erregt. Claudius Druse dachte darüber nach, w,e er di« Perle am besten Überreichen könnte. Er kam auf einen guten Gedanken. Er kaufte ein Pfund Walnüsse und schloß sich damit in sein Stmmer ein. ©ine der Nüsse öffnete er. Er polkte den Stern heraus, tat die Perle hinein und klebte die Schalen mit etwas Leim wieder zusammen. Ms er soweit war, klopfte das Dienstmädchen an die Tur und agte ein Polizeibeamter stände auf der Diele; er wünschte, Herrn Druse sofort iU Claudius Druse war erschrocken und verwirrt Wer von uns ist es nicht wenn es plötzlich heißt, ein Polizeibeamter fei auf der Diele. Die Gcse'tzesparagraphen sind zahlreich wie Bazillen und genau so gefährlich; man kann nie wissen ob man sich, nicht irgendwie '"l Z>ert hat. Claudius Dru e warf die präparierte Nuß zu den übrigen. Lr legte bie Düte eiligst in ein Schreibtischschubfach, schloß ab, ließ den öd)luffel stocken und stürzte hinaus. Herr Dvuse möchte doch mal auf das Remer- biiro kommen jagte der Polizeibeamte. Er tot geheimnisvoll, und er steigerte die Unruhe des Fabrikanten ins Unermeßliche. Claudius Drul nabin 5>ut uni) SDlantcl und 9lng 107ort init. . . < w»nf Es handelte sich um einen Quark, und der Fabrikant konnte nach fu f Minuten wieder gehn. In seiner Wohnung trat .hm Olga, seine Frau, ^^Maudius, du^hast den Schreibtischschlüssel stecken lassen!" "N beroabrft du ja im Schreibtisch keine Dinge aus die lu •» r- «**• I »Xn ««»"««ft ™» I» »•»'< 6U‘“6,nl- „Ein Doppelzentner." „Gut! Schicken Sie mir den Sack sofort mit quittierter Rechnung in meine Wohnung." „Ist gemacht, Herr Detektiv! meinte der Obsthändler. Er fügte dann noch hinzu: So etwa fünf Pfund habe ich übrigens rausgenommen aus dem Sack Die Herren vom Komitee für die Bescherung verschämter Armen waren bei mir; sie wollten was für ihr« Kollekte haben, und da habe ich ihnen die fünf Pfund Nüsse mitgegeben." . „Der Schlag soll Sie treffen!" schrie Claudius Drufe ln das Söii(£rPmä6igte sich aber dann und erkundigte sich nach der Telephonnummer des Komitees. Er klingelt« gleich an und forderte die schleunig« Uebermittelung sämtlicher gesammelter Nüsse gegen Erzählung des doppelten Ladenpreises. Danach ergriff er wieder seinen Hammer. Gegen Mittag kam Frau Druse nach Hause. Sie verschaffte ich Einlaß in das Zimmer ihres Gatten. Ein« ganze Weile stand fie sprachlos auf der Schwelle, dann sagte sie: „Claudius, ich nehme an, du bist betrunken! genommen und dem Obsthändler zurück- üoerzeugen, daß die Ware nichts taugt. Ja gedacht, wenn man bloß nicht unter den Stiller Besuch. Bon Erich K ä st n e r. Jüngst war sein« Mutter zu Besuch. Doch sie konnte nur zwei Tage bleiben. Und sie müsse Ansichtskarten schreiben. • Und er las in einem dicken Buch. Freilich war er nicht sehr aufmerksam. Er betrachtete die Autobusse und die goldnen Pavillons am Flusse und den Dampfer, der vorüberschwamm. Seine Mutter hielt den Kopf gesenkt Und sie schrieb gerade an den Vater: „Heute abend gehn wir ins Theater. Erich kriegte zwei Billetts geschenkt." Und er tat, als ob er fleißig las. Doch er sah die Nähe und die Ferne, sah den Himmel und zehntausend Sterne und die alte Frau, die drunter saß. Einsam saß sie neben ihrem Sohn. Leise lächelnd. Ohne es zu wissen. Stadt und Sterne wirkten wie Kulissen. Und der Wirtshausstuhl war wie ein Dhron. Ihn ergriff das Bild. Er blickte fort. Wenn fie mir schreibt, mußte er noch denken, wird sie ihren Kops genau io senken. Und bann las er. Und verstand kein Work. Seine Mutter saß am Tisch und schrieb. Ernsthast vückte sie an ihrer Brille. Und die Feder kratzte in der Stille. Und er dacht«: Gott, hab ich sie lieb! sei vernünftig! Du weißt, daß Nüsse schädlich sind. Sie enthalten ein giftiges Del. Ich glaube, es heißt Nusselin. Paulchen und Lieselotte hatten voriges Jahr tagelang belegte Bronchien, und mir war auch nicht gut* Der Fabrikant stand stell und starr. „Olga", sagte er, „wo sind die Nüsse?" „Ich habe sie Ilse Windisch mitgegeben. Ilse war vorhin auf einen Stipp hier. Ihre Familie ist robuster; sie wird nicht zu leiden haben unter dem Nusselin." „Nein, bestimmt nicht!" meinte Claudius Druse. Er wankte in sein Zimmer und riegelte hinter sich ab. Er ging an den Schreibtisch und nahm den Telephonhörer ab. „Gnädige Frau", sagte er, als er die Verbindung mit Ilse Windisch hatte, „ich habe eine Bitte an Sie, eine hohe, heilige Sittej Geben Sie mir die Nüsse wieder, die Ihnen mein« Frau geschenkt hat." Drüben war eine Zeitlang alles still. Dann antwortete Ilse Windisch: „Das finde ich ja sehr merkwürdig. Herr Druse." „Liebe, gnädige Frau, es ist nicht so merkwürdig. Die Nüsse waren mir wertvoll. Ein Freund hat fie mir aus einem Klostergarten in Tibet mitgebracht. Der Baum, von dem sie stammen, ist von dem alten Buddha persönlich gepflanzt worden. Sie können sich ja denken, daß ich Wert daraus lege." „Ja, aber ich habe sie schon zu den andern Nüssen getan. Nämlich, wir haben zehn Pfund zu Weihnachten gekauft.^ Die Kinder knabbern doch so gern, und Nüsse sind doch auch so gesund." „Natürlich. Ich will Ihnen was sagen, gnädige Frau. Ich schicke unsere Emma zu Ihnen. Geben Sie die zehn Pfund heraus. Ich bestelle Ihnen dafür bei unserem Südfruchthändler einen Viertelzentner." „Aber gerne!" Dann, als Wirkung der '—......... , ,— ■ - - dem Sanitätsrat in der Wohnung eintraf, sang er gerade die .Liebe der Matrosen". „Da sehen Sie das Elend", schluchzte Frau Claudius. „Man halt es nicht für möglich, wenn man es nicht gesehen hat." Sie wankte aus dem Zimmer, aber sie kam gleich wieder herein. Sie hatte zwei Nußschalen in der flachen Hand. „Alles tut er aus Trotz gegen mich", klagte sie. „Ich habe ihm gesagt, daß Nüsse giftig sind. Das stand in der Beilage .Die vorsichtige Hausfrau', und dies ist der Beweis! Diese Nuß hier habe ich heute Morgen in seinem Schreibtisch gefunden. Sie enthält einen reinen Giftkern." Hier erhob sich Claudius Druse. Er nahm seiner Frau die beiden Schalen weg. Ernst erklärte er: „Das ist kein Giftkern, das ist eine echte Perle für vierhundertsiebenundneunzig Mark. Ich suche sie seit heute Morgen." Mit der stummen Größe eines antiken Helden schritt er durch all die Zerstörung, aber in der Tür blieb er noch einmal stehen. „Olga, du bist ein Schaf!" sagte er. Dies war das Ende einer glücklichen Ehe Einheit fanden. Seine Natur war Sturm und Drang, fein Symbol der Schneewind, wenn er Über die Fjorde fegt, fein Monat der April, in dem das Alte zusammenstürzt und in dräuendem Unwetter ein Neues ent- steht. Aber feine Waffen waren die des Friedens, der Schönheit, der Kultur, der Wahrheit. Als Dolkslehrer und politifcher Agitator, als Journalist und als Reformator wie als Dichter hatte er stets die gleiche Grundnote feines Wesens bejaht, die den großen Einheitszug in die vielgestaltigen Formen seines Schaffens bringt. Wenn wir Björnfons enropäsche Bedeutung erfassen wollen, so dürfen wir diese einzigartige nationale Grundlage seines Wesens nie vergessen, die wie eine verstärkende Resonanz in all feinen Aeußerungen mittönt, aber das Werk des Politikers, des Reformators reicht im wesentlichen nicht über die Grenzen seines Vaterlandes oder doch der fkandinav.fchen Länder hinaus. Dieser mutige Vorkämpfer für eine echt nordische Weltanschauung wäre eine Lokalgröße geblieben, wenn er sich nicht allmählich von dem engen Gesichtswinkel, unter dem er ausgewachsen, befreit und als Dichter allgemeine, weltbewegende Probleme dargestellt hätte. Die Wiederbelebung der altnord'schen Vergangenheit, die er herausbeschwor, indem er „die Bauern im Lichte der aitcn Sage und die Sage im Lichte feiner Bauern fah", die lakonisch knappe Kraft des Skaldenstils, die er dem fchönrednerischen Pathos der Romantik entgegenstellte, sie sind heute längst historisch. Was in ihnen schön und sortreißend erscheint, die jugendliche Naivität anschaulicher Erzählung, die weiche lyrische Beseelung von Natur und Menschen, das hätte nicht genügt, um diesen Dichtungen eine internationale Wirkung zu verleihen. Erst die Erscheinung des fpäteren Björnson wirft auch aus bieje Schöpfungen ein Helles Licht zurück In den Dramen, besonders in denen, die sich um die Gestalt des genialen Bauernfreundes Königs Sverre und um die Heldenfigur Sigurds gruppieren, lebten sich Björnfons eigene Träume des Herrscherbewußtfeins und der Bolksbeglückung aus. In ihm wohnte ein tiefes Bedürfnis, wie folch ein Häuptling der Vorzeit sein Volk zu befreien, zu erretten, emporzuheben; fein Ehrgeiz drängte ihn zu Taten, und eine tiefe Liebe ließ ihn vor der Gewalt ,zurückschaudern. Sein Ziel, wie es sich in diesen Werken angedeutet findet, stand schon damals fest vor feinen Augen: er bekämpfte mit leidenschaftlicher Glut die Verbindung Norwegens mit Schweden, tue ihm unnatürlich und verhängnisvoll erschien, er erstrebte Norwegens Selbständigkeit. Eine ungebrochene Nalurkvaft, deren naiver Einfachheit jedes Schwanken un>d jeder Arvei^el sremd ist, lebte stch in alle | einem Wirken aus. Als Redakteur, als Theaterdirektor, als Tagesfchriftsteller wie als Poet wollte er das Norwegische schlechthin. Selbst in der mächtigsten künstlerischen Leistung, die ihm in dieser Epoche gelang, in seiner , Maria Stuart", erscheint das Schottische ganz ins Nordische transponiert. Er war stolz daraus, daß er alle fremden Einflüsse von sich abwehrte stand sest „auf dem Boden des Kinderg'audens" und in den Idealen der nationalen Vergangenheit. Aber es bedurfte einer Auflockerung [einer einseitig erstarrten Anschauungen, um die furchtbarsten Keime feines Dichtens zur Blüte zu bringen. Die rätselvolle, im Sittlichen und Religiösen ausrüttelnde Persönlichkeit Kierkegaards, die auch Ibsen so stark beeinflußt, mag den ersten Anstoß zu Björnfons Zweifeln gegeben haben; Resten ins Ausland das Kennenlernen der modernen Ideen, wie sie Georg Brandes verbreitete, erweiterten feinen Gesichtskreis und ließen eine Welt neuer Probleme vor ihm auferstehen. Aus dem „Norweger" wurde damals der „Mensch"; er hätte sich am licbften in dieser Zeit „Der Mensch unterzeichnet, wie er in einem Briese schreibt. Aus den beschränkten Vorurteilen war er in dem Augenblick heraus, wo er s a h. „Mein argf.er F°ind kann die Wahrheit in Händen haben; ich bin dumm und stark: aber sehe ich, wenn auch durch einen Zufall, die Wahrheit, so zieht sie mich unwiderstehlich an."Als er so sehend geworden, da schüttelte er mit rücksichtsloser Energie das Alte ab und wandte sich ganz dem Neuen zu. Von nun ab ist sein Leben ein einziger Kamps für die Wahrheit, die sich nicht mehr auf norwegische Einzelinteressen, sondern auf die allgemein menschlichen Urgründe des Lebens erstreckt Für diesen neuen Bebens* .werf hat er in der Erzählung , Staub" ein Symbol geschaffen: Staub -st alles Vergangene, sind alter Glaube, alte Vorurteile, die sich wie ein . feiner Dunst und Nebel in den Seelen der Menschen ansammeln und sich b'Sweilen dick und schwer in der Maschine unseres Denkens lagern, so daß sie alles Wirken und Schaffen zerstören können. Nur em resolutes Reinemachen und Auskehren kann vor diesem Staub bewahren, der die Seelen vergiftet. . „ .. ..... . Eine Kritik der politischen Verhältnisse lag ihm am nächsten; im .König" unternahm er seinen rücksichtslosen Angriff auf das Königtum, in dem trotz dichterischer Schönheiten die Tendenz eines radialen Re- publikanertums hervortritt. Mit den sozialen Verhältnissen beschäftigte er sich in seinem „Fallissement", das ihm zugleich seinen ersten großen Buy- nenerfolq eintrug. Die Tragikomödie des Geldes wird in diesem ersten bürgerlichen Drama Norwegens auigeroUt und der Dichter, der so large im romantischen Wikingerkleid erschienen war, fand sich h er meisterhast zurecht im Hauptbuch des Bankrotteurs Tjälde. In einen Erzachungen, die sich nun ebenfalls mit modernen Konflikten befrf-afhqten, tritt bi« ■ Schönheit feiner Poesie reiner hervor. In der phtzchologstch feinen Novelle „Magnh ld" greift er mit aller Energie die Fragen der Sittlichkeit auf und fetzt sich mit dem Eheproblem auseinander. Seine Heidin, das aefunde fta'rte Bauernmädchen, ringt sich in einer entwürdigenden Ctje zu dem'Eiitfchluß durch, diese Festes von sich zu werfen Das Evangelium I der Toleranz predigt das dichterisch reiche Drama „Leonarda , dessen kühne Gedanken in ’ber Forderung einer gleichen Moral für Mann und Weib gipfeln. Und diese Forderung wird dann aufs schärfste sormu'iert in i dem Drama „Der Handschuh", das in ganz Europa von der Frauen- emanzipation m't Begeisterung abgegriffen wurde. Der pädagogische Grundzug feines Wesens, der ihn stets zum Lehren ' und Erziehen hindrängt, findet in einem großen Roman und in einigen feiner schönsten Erzählungen dichterischen Ausdruck. Der Glaube an die Vererbung, in dem er vor allem ein Sortierten morali|ci)er mraqte unö Willensenergien sicht, hatte feine Ueberzeugung von der Macht der Er- 1 ziehung noch gesteigert. Sein Schulideal, das er in dem prächtigen Werke „Nelze mich nichn" antwortete er. Seine Augen rollten, und er schwang den Hammer. An ihr vorbei ging er mal hinaus, und diesen Augenblick benutzte Frau Druse. Sie schloß das Herrenzimmer ah. Mit keuchenden Lungen stürzte sie über die Vordertreppe hinunter zu Frau Kastenrat Fiedler, um ihr die Gesch chte von ihrem Mann und den Nässen zu erzählen. In der Zwischenzeit schickte der Obsthändler den Doppelzentner. Der Träger kam die Hintertreppe herauf. Claudius Druse ließ die Nüsse auf den Fußboden der Küche schütten. Er setzte sich mit seinem Hammer hin und begann zu klopfen. Er war verbittert und entschlossen Er schlug darauslos wie Achilles in der Schlacht bei Troja. Die Nußschalen flogen hier- und dorthin. Eine zerschmetterte die Birne des Beleuchtungskörpers. Eine ganze Menge fiel in das Essen, das auf dem Herd schmorte. Und eine schlug dem Mädchen Emma beinahe einen Zahn aus. Emma stand heulend in der Diele, als Frau Druse wieder heraufkam. Emma jammerte: „Mit dem Herrn is es nich richtig" Frau Druse schleppte sich über die Diele zur Küche. Sie fah das erschütternde Bild fanatischer Zerstörungswut, und sie war einem Zusammenbruch nahe. „Claudius, lieber Claudius", sagte sie so sanft es ihr möglich war, .komm doch mal einen Augenblick in den Salon." Er erhob sich schweigend und ging aus der Küche. Hinter ihm verschloß Frau Druse die Tür. Sie keuchte über die Dienstbotentreppe hinab, kam mfgelöft zu Frau Kassenrat Fiedler und telephonierte mit dem Sanitäts- at Wundklammer. Während dies geschah, rollte das Komitee für die Bescherung verschämter Armen die Nüsse für Claudius Druse an. Zwei starke Männer arbeiteten eine halbe Stunde lang hart. Sie brachten di« Nüsse die Bor- bertreppe herauf, und sie schütteten sie in den Salon. Siebenmal fliegen die starken Männer die Treppe. Jeder von ihnen schasste mit einem Gang zwei Zentner. Das machte vierzehn Zentner im Ganzen. Aber es war noch nicht alles. Die Männer sagten, dies wäre die erste Fuhre; in einer Stund« würden sie mit der zweiten da lein. Um vierzehn Uhr war die Lage in Drufes Wohnung so: Die Küche a>ar verschlossen, und das Herrenzimmer war verschlossen. In diesen beiden Räumen sah es schlimm aus, aber das war nichts gegen das Bild im Salon. Der Salon war verschüttet. Die Nüsse reichten bis an die Tischplatte, und in den Ecken war der Pegelstand noch höher. Von der Thippendale-Garnitur war nur noch der oberste Rand der Lehnen zu iehen. Die Marmorvenus watete bis an di« Hüften in Nüssen, und stietzfche konnte trotz der hohen Säule, auf der er stand, kaum noch itmen. . Auf der Schwelle zwischen Salon und Schlafzimmer saß Claudius Druse. Er hott« sich das Jackett ausgezogen und die Hemdsärmel aus- getrempelt. Er war ernst und gefaßt. Er wußte, daß er, gegen das Schicksal kämpfte, aber er dachte nicht daran zu kapitulieren. Seime Lippen waren eingekniffen; sie verrieten seinen festen Entschluß, die Nuß mit der Perle zu finden ober wie ein Held unterzugchen. Er hieb mit feinem Hammer auf die Gegner ein, und er brach tiefe Vrefchen in ihren Wall. ' Heine Kräfte nachließen erinnerte er sich der belebenden Musik und stimmte ein Mavschlied an. Als Frau Druse mit Björnson. Zum 100. Geburtslage des norwegischen Dichters. Von Dr. Georg Ku h n. Cs ist ein altgermanisches Ideal, den Sänger als Helden zu denken. Der tapferste Mann, der dem Heer vorauszieht in den Kampf, singt beim Siegesmahle, des Gottes voll, das Lied, das die Taten unsterblich fortleben läßt. Leier und Schwert birgt er in den Falten feines Mantels, und fein Herrschertum hebt ihn über die Genossen empor Der Gedanke ist in dieser Vorstellung ausgedrückt, daß der Dichter zugleich der Führer eines Volkes fei. Diese Anschauung vom Künstler steht uns heute sern; ie ist in neuester Zeit nur einmal verwirklicht worden durch Björn- o n, dessen 100. Geburtstag die Welt mit seinem Norweger-Volk begeht. Der Nachkömmling von Bauern, der Sohn eines armen Gebirgspastors, wuchs empor zum ersten Bürger seiner Heimat, und prägte feine durch ein halbes Jahrhundert verfochtenen Anschauungen und Jdea e seinem Volke auf. Es war ein rein geistiger Kamps, durch den er Norwegens Unabhängigkeit erfocht. Er siegte als Streiter für den Frieden, der dem schwedischen Gegner di« wärmste Sympathie bewahrte und der durch keine Gewalt sein Ziel erreichen wollte, sondern die Trennung durch bas immer stärkere Sichdurchsetzen der eigenartigen norwegischen Kultur, des elbftänbigen heimischen Wesens erwirkte. Ein unerschrockener, leidenschaftlicher Kämpfer für die Werke des Frieb«ns war Björnson. Der geheime Widerspruch der darin zum Ausdruck kam, daß er etwa den Weltfrieden predigte und doch in derselben Rede feine Vorliebe für Kamps und Kri n nicht verbarg, wurde durch die Große seiner Persönlichkeit versöhnt n der alle Widersprüche feines Wesens und Wollens eine höhere „'Beflaggt sind Stabt und Hasen" vorsührte, geht darauf aus, Körper und Geist gleichmäßig auszubilden, zu kräftigen, zu veredeln, und dieses Ideal hat nicht nur in Norwegen eine Umwälzung in der Pädagogik hervorgerufen, sondern auch bei uns gewirkt. Wie er überhaupt den Frauen im Leben eine hohe, bessernde Aufgabe zuspricht, so ist es vor allem die Mutter, die die ererbten Triebe und Leidenschaften zu gleich- mäßiger Srastbeherrschung läutert. Die zwei Meisternooellen „Absalons f)aary und „Mutters Hände" fingen ein solches Loblied auf die Mutter als Erzieherin. Der wichtigste Punkt der Pädagogik ist das religiöse Element. So steht denn die Religion im Mittelpunkt eines großen Teils von Björnsons Schaffen: der Pastorensohn, der kindlich Gläubige ist zum Goitzweifler, zum Gottsucher geworden. Aus diesem größten Konflikt im Innern des Dichters ist die Grundidee seines größten Dramas „Heber d i e Kraft" erwachsen. Das Gebot des Christentums erschien ihm, dem praktischen Lebensmenschen, als „über die Kraft". Alles Wundersame, Ewige, was er in der Natur seines Landes und der Seele der Menschen geschaut, das bot er in dieser Dichtung auf, legte fein eigen zerquältes Herz in die Gestalt des ungläubigen Bratt, aber zuleßt ward ihm doch das Wunder feines Helden Sang zu einem naturwissenschaftlich-medigini- 8en Vorfall. Und auch in feinem großen religiösen Roman „Aus Gottes egen", wohl feiner reifsten erzählerischen Leistung, vermochte er nicht, feinen Glauben an das Ueberirdische anju'tnüpfen. Sein Freigeist bekennt sich zu dem Gott des Lebens, der sich im Wirklichen und Irdischen unablässig offenbart. „Heber die Kraft" ist es, das menschliche Geschehen lenken und beeinflussen zu wollen. Das predigt auch der zweite Teil seines Dekenntnisdramas, der bas soziale Problem mit dem religiösen verknüpft und in seinem Schulideal ausklingt. Tiorbmännerlieb. Don I. V. von Scheffel. Der Abend kommt, und die Herbstluft weht, Reifkälte fpinnt um die Tannen, O Kreuz und Buch und Mönchsgedet — Wir müssen alle von bannen. Die Heimat wird dämmernd und dunkel und alt. Trüb rinnen die heiligen Quellen: Du götterumschwebter, du grünender Wald, Schon blitzt die Axt, dich zu fällen 1 lind wir ziehen stumm, ein geschlagen Heer, Erloschen sind unsere Sterne — O Island, du eisiger Fels im Meer, Steig aus aus nächtiger Ferne. Steig auf und em p sich unser reisig Geschlecht — Auf geschnäbelten Schiffen kommen Die alten Götteri bas alte Recht, Die alten Nordmänner geschwommen. Wo der Feuerberg loht, Glutasche fällt, Sturmwogen die Ufer umschäumen, Auf dir, du trotziges Ende der Welt, Die Winternacht wolln wir verträumen! Oer Kriegskommissar des Königs. Roman von Friedrich F r e k I a. Copyright 1931 by August Scherl, G m. b. H.. Berlin (Fortsetzung.) Heinrich begleitete das Mädchen, und es war ein seltsamer Gang durch die ausgcftorbenen Straßen, während über ihren Häuptern toe Zombm brausten, von einzelnen Häusern sich der Kalk und die Stetne losten und krachend herabstürzten. Am Haustor der Glaserin sahen sie emander an Heinrich konnte nicht anders: Er schloß das tapfere Mädchen m ferne Arme und küßte es. Und auf einmal wußte er: Die und keine andere "'"^ie^Not^der Stadt wuchs. Eine zahlreiche russische Kriegsflotte unter bem Admiral Mischakow erschien vor dem Hasen und beschoß die Stadt von der Seeseite. Da gab Beispiel für Tapferkeit vor allem der Kommandant, der alte, wackere Heiden selbst Wo sich die Lemdezum Wall heranarbeiteten, hatte er in einer Kasematte ein Lager °ufschlagen lassen und schlief alle Nächte unausgekleidet in seiner engen Uniform. Sobald irgendwo Gefahr drohte, mar er selbst auf den Beinen. Mitten >m heftigsten Feuer, wenn es um ihn krachte und bornierte, rauchte er sei kleine Tabakspfeife, deren Kopf ganz schwarz vom langen Gebrauch geworden war. Sofort murmelten die Leute, die immer etwas wissen. Ja der Heiden kann sich das leisten — der ist kugelfest. - .. "3 Mer Hoffnung war ein Entsatz durch preußische Truppen, den Heiden durch seinen letzten Kurier vom König gesordert hatte. Wie oft h«ß -s. Preußische Regimenter kommen!" Aber wenn Heinrich m*t etmgen PA ffJfauitänen auf die Galerie des Kirchturms hinausstieg und Ausschau w°hl in der Ferne jagende Kosakenpulke, aber keine maÄtObemn20 September konnte nach Heidens Berechnung Überhaupt «MÄS Äff KÄ ?ASS W'ÄSS 6? s SÄ*"» BiiSiiiStS Alle Gesichter wurden froh, und um fünf Uhr nachmittags konnten bi» Bürger aus der Glockenstube des Tuims und aus mehreren (reigelegenen Giebelfenstern von Wohnhäusern ganz deutlich den Staub von starken, anmarschierenden Kolonnen erkennen. Alles Volk strömte nun in die Kirche, als wären sie dahin gerufen worden. Heinrich ging hinauf zur Orgel, weil kein Organist gekommen war, und stimmte, so gut er's vermochte, das schöne, alte Lied an: „Großer Gott, wir loben dich!" Da fielen alle mit ein, und die Wirkung war so groß, daß die meisten weinten und schluchzten. Wie sic aus der Kirche heraustraten, hörten sie schon das helle Bellen der preußischen Kanonen, die mit den Russen das Gefecht eröffnet hatten. Der Oberst von Heiden rief sein« Mannschaften aus, musterte di« Kräftigen, Beweglichen und Zuverlässigen aus, die Seeleute schlossen sich an, unter ihnen auch Joachim Nettelbeck und Heinrich, und sie machten einen kräftigen Ausfall, um dem preußischen Entsatzkorps zu Hilfe zu kommen. Der Angriff ward so schnell und tüchtig geführt, daß der russische Befehlshaber sofort alle Truppen an sich zog und die Belagerung aufhob. Die Infanterie schiffte sich so eilig wie möglich auf die Flotte ein, und di« russische Kavallerie ritt nordwärts, verfolgt von den preußischen Husaren. In den russischen Gräben und Batteriestellungen wurden viel« Gefangene gemacht: denn nach ihrer Sitte hatten sich selbst Offiziere vor dem Abmarsch sinnlos betrunken — nur, um den Branntwein in ihren Bäuchen forttragen zu können. Heinrich sah, daß große Mengen von Salzfleisch, Mehl und anderen Lebensmitteln zurückgelassen waren. Er forderte Bergungskompanien an, damit diese Kostbarkeiten reicht verwüstet würden. Freiwillig folgten ihm Joachim Nettelbeck und seine Seeleute. Das waren ehrenfeste Gesellen, auf die sich Heinrich verlassen konnte, denn daß bei einer solchen Sache ein jeder auch an sich selbst denken würde, lag ja begründet in der menschlichen Natur. Ms sie das Rusienlager durchforschten, stießen sie auf eine Art von Offiziersschenke, die voll lag von sinnlos Betrunkenen. Hinken, in einem be- onberen Kabinett, fanden sie, in seinem Blute schwimmend, einen ruf« ischeu Ossiz.er und in einem Sessel mit durchschossener Brust ein hübsches, taktisches Mädchen. In einer dunklen Ecke waren zwei struppige So- aken zusammengebrochen. Das Drama war leicht kenntlich: Der Offizier hatte wohl die junge Dame gegen die beiden Kerls verteidigt. Sie trugen den noch Lebenden und das Mädchen hinaus. Als der Glanz der Fackeln auf sie fiel, glaubte Heinrich, die Hölle äffe ihn. Es war Klara — daran war kein Zweifel! Selbst die kleine goldene Kette mit dem Kreuzlein, das sie von Emma geerbt, bewies es. Hub er brauchte sich nicht zu bücken, um die Schrift zu lesen, die er selbst auf das Kreuzlein hatte grameren lassen am Tage nach dem Verlöbnis mit So nahm diese Expedition für Heinrich ein vorzeitiges Ende; denn er konnte sich nach diesem Schlag kaum auf den Beinen halten. Joachim nahm ihn am Arm und fragte: Warum bist du totenblaß wie ein Laken? Bist du verwundet?" — Heinrich gestand, daß sein Herz eine Wunde fei, und erzählte dem Freund, was er soeben erlebt. — „Da soll bod)--!" wollte Joachim fluchen, verschluckte es oder, rief ein paar feiner Seemannstameraben und trug ihnen auf, für die Vorräte, die gefunden waren, zu sorgen. Die anderen Bergungskornpanien hatten inzwischen Arbeit geleistet, und so fuhr Heinrich mit Joachim Nettelbeck auf einem schwerbeladenen Wagen unter Fackelbeleuchtung heim. Cs war eine schöne und milde Mondscheinnacht, und da sie in die Stadt hineinrollten, fanden sie all« Wagen unter Fackelbeleuchttr Mondscheinnacht, und da sie ... --------------------- . . Häuser mit Kerzen beleuchtet; denn zu gleicher Stunde hielt ein Teil der preußischen Entsatztruppen unter dem Generalmajor von Werner ihren Einzug. Es war ein schönes Schauspiel, aber Heinrich hätte sich am liebsten davon gemacht zu seiner Mutter. Doch da der General vom Obersten Heiden und dem Bürgerworthalter Nettelbeck im Rathaus feier- PH empfangen wurde, ward er vom Gouverneur dahin befohlen, um Belobigung und Dank entgegenzunehmen. Mit Jubel wurde General Werner begrüßt. Groß war in der lat bte Energie dieses Mannes gewesen, denn erst am 6. September war er von Glogau abmarschiert und hatte in zehn Tagen einen Marsch von über vierzig Meilen zurückgelegt. _ . Zu Ehren des Obersten von Heiden ließ die Stadt eine^grohe golden« Denkmünze prägen. Auf der einen Seite sah man die Stabt Solberg unter dem Bildnis der Andromeda am Meer« sitzen, wahrend Perseus sie gegen ein Ungetüm, das mit weit geöffnetem Schlund aus den Fluten aussteigen wollte, gezückten Schwettes verteidigte. Auf der anderen «eite war bas wohlgeiroffene Bruftbildnis des Obersten von He den mit Der Unterschrift: „Henricus Sigismundus von der Heide, Colbergae Defensor“*. _ Der General von Werner erhielt eine gleiche Denkmiinzg auf (Emma. Ihm war es, da er den Glanz der Fackeln um sich lohen sah, als stünde er im Feuer der Verworfenen. Warum hatte er nicht den Wunsch des Mädchens erfüllt, warum ihr nicht geschrieben, ihr den Weg gewiesen und Bedeckung geschafft, daß sie sicher hinaufkommen konnte? Nun war alles klar: Die Irrende war Rusten in die Hände gefallen! Was mußte sie erduldet und erlebt haben hier in dem Lager vor Solberg! Da störte ihn in feinem Brüten Joachims Stimme „Da haben wir einen Fang, über den ganz Solberg lachen wird! Nach Gesicht und nach den Papieren in der Tasche ist dies der Oberst Fürst Gagarin, der wi« ein Sriegsgott in Solberg auf getreten ist " Der Verwundete, der inzwischen verbunden und mit Wasser und Branntwein gelabt war, schlug die Augen auf, wandte den Kopf, sah ben Frauenkörper neben sich liegen und seufzte: „Oh m'amie Claire, petite, viens!“ Diese Worte ließen Heinrich erstarren, da er zu ahnen begann, daß noch mehr hinter Klaras Tob verborgen war. Was für Schuld hatte er auf sich geladen? Seinetwegen war sie in Unehre versunken! Das wurde bestätigt; denn da Joachim Nettelbeck dem Fürsten mitteilte, daß diese Dame tot (ei, begann er zu weinen: „Oh pauvre ange!“ Und er bat um ein ehrlich Begräbnis der Gemordeten, das er gern zahlen wollte. * Solbergs Verteidiger. 3utreiben, und bemerkte bei der Inst das Land fei ein Mehlsack — man |i Haus „Zur Rose". Ein Nach einer Wache ging es zu einer größeren Unternehmung gegen die Schiveden. Der Schreiber fuhr auf dem Bagagewagen, auf dem sich die Skripturen befanden, mit hinaus. Heinrich sah, dah er sehr verlegen >var, als er neben dem Traftknecht Platz nahm, einem schönen, kräftigen der einen Safte ebenfalls mit Perseus und Andromeda, auf der andern Seite aber mit seinem Bildnis und den Worten: „Paulus de Werner, Colbergae Liberator“**, Verantwortlich; Dr. HanSThyriot. — Druck und Verlag: DrühlschrUntversitätS-Vuch-und Dteindruckerel, R. Lange, Giehen. Heinrich lies; sich also vor dem Abendessen den Zopf neu ein flecht en, den Rock abbiirsten, zog frtschgemichste Stiefel an und begab sich ins „7. 7 Husar nahm ihn in Empfang und führte ihn ins erste Stockiverk. Schon aus der Treppe hörte Heinrich seltsame Töne. Der Husar, der eine Pfeife im Munde hatte, bemerkte aus dem Mundwinkel: Bauernburschen. Aber sehr wunderte es ihn, als er ein paar Tage danach in einem Dorfwirtshaus den Schreiber neben einem jungen Kornett traf, der durchaus nicht zu den Blödesten gehörte, der sogar als ein böser Weiberheld galt. Heinrich hielt es für seine Pflicht, den jungen Menschen vor diesem Umgang zu warnen. Er riet ihm, sich zurückzuhalten, denn sonst käme er In Berührung mit Trunk, Spiel und liederlichem Welbspack. Er bedauerte gleich, vielleicht zu hart gesprochen zu haben; denn das Schrct- berlein kauerte sich zusammen in die Ecke und weinte. Es mar Heinrich eine große Freude, daß ihn sein Dienst aus ein paar Wochen nach Kolberg zuriicksührte. Er schlug nun sein Büro in der alten Schulstube der Mutter auf und freute sich, mit seinen Lieben vereint zu fein. „Was bst das nur für ein Mensch, den du da haft?" fragte ihn Dorothee am nächsten Abend. „Es ist ein junger Student, Sohn eines Landpfarrers, den ich als Ersah für meinen Unteroffizier in Rostock gewonnen", erwiderte Heinrich. Dorchen sah Ihn fest an. Er wunderte sich, dah sie den Wend über einsilbig blieb. Am nächsten Tage fand er sie mit verweinten Augen. Aus seine Frage, was ihr fehle, gab sie bhm zur Antwort: Das müsse er selbst missen! Er war ratlos, fragte die Mutter; diese muhte von nichts. Am Abend suchte er sein Mädchen und sand es In dem kleinen Gemüsegarten am Zaun lohnend. Er drang tn sie, ihm zu sagen, was Ihr fehle. Sie zuckte die Achseln. Schließlich wandte sie sich um und rief hart: „Wenn du meinst, du hast dich in mir geirrt, so braucht ja nicht wahr zu fein, tuns bisyer war, und ich gebe dir deinen Ring zurück!" Heinrich imifahte die Bebende, versicherte ihr, feine Liebe und Treue sei unverändert. Aber sie stieß ihn zurück und rief: „Nein! Dah sich ein Mann verirrt oder vergafft, das können wir armen Frauenzimmer ja begreifen, denn ihr feit) ein wetterwendisch Geschlecht! Aber dah du mich anlügst, mich und deine Mutter, das will ich dir nie verzeihen!" Heinrich war empört. Was hatte das Mädchen? War sie selbst anderen Sinnes geworden? Machte sie ihm Vorwürfe? Er ging zur Mutter, bat sie, mit Dorothee zu sprechen, und als das Mädchen kam, verlieh er das Zimmer. Rach einer Weile wurde die Tür geöffnet. Dorchen rief hinaus: „Heinrich die Mutter hat dir etwas zu sagen!" Er kam Ins Zimmer. Die Mutter sich ihn traurig an und fragte: „Wer hat dir bei men Schreiber empfohlen?" Er antwortete, der Wahrheit gemäß: „Niemand!" Indem ward an die Tür geklopft. Der Schreiber trat ein. Ihm folgte Dorothee, rot, mit blitzenden Augen, wie ein schöner Racheengel. (Fortsetzung folgt.) Er, sorge Er dafür, dah diese Schläge gerecht verteilt werden! Schlimm genug, dah wir die Leute ausschinden müssen! Tu' Er es wenigsten» honett!" Auf diese Weise gelangte Heinrich nach Rostock und bekam Quartier in einem schönen Hause. Da die einkommenden Gelder burd) seine Hand gingen, erhielt er zum erstemmal fein Gehalt ohne Rückstände von drei bis vier Monaten, wie es bisher der Fall gewesen war. Aus dem ersten Ritt, den er hinausmachte, um mit einer herzoglichen Domäne abzttrechnen, stürzte das Pferd seines begleitenden Unteroffiziers, der zugleich [ein Schreiber mar, so hart, dah der Mann beide Bein« brach unb für viele Monate In ein Lazarett gebracht werden muhte. So lieh er bekanntmachen, er brauche einen neuen Schreiber. Alsbald meldete sich ein hübscher junger Mensch, der zwar sehr dünn und zart ausfah, aber er hatte ein angenehmes Gesicht, ein schönes Auge und eine zwar leise, doch angenehme Stlmime. Er setzte den jungen Mann an den Tisch, nahm die Probe der Handschrift, die recht gut ausgeschrieben war, und merkte, dah dieser Assistent gut zierlich orthographisch und grammatisch richtig schrieb; auch war er der französischen Sprache ziemlich mächtig. Als Legitimation zeigte er ein Papier vor, worin er als Sohn eines nrmen Land Pfarrers ausgewiesen war. Heinrich gab Mütze und Mantel des alten Schreibers diesem jungen Menschen, der freilich wie in einem „Abends singt unser General immer geistliche Lieder!" — Es war schwer, aus diesen falschen, schrillen Tönen die Melodie von „Jesu, geh voran" herauszuhören. Oer Husar klopfte dreimal an. Eine börenmähige Kommandostimme schrie: „Herein!" Heinrich trat ins Zimmer, aber der General, der eine Tonpfeife in der Hand hielt, beendete erst sein Liöd, ehe er sich an Heinrich wandte, Ihm die Hand reichte und seine Befriedigung aussprach, daß er die Ge- e feines Korps Übernähme. Ein kleines Tischchen stand am Fenster; f lag ein grohes lutherisches Gesangbuch. Der alte Belling benutzte den Rest des Tageslichts, uni dem grohaedruckten Text zu folgen. „Ich hoffe doch, Er ist ein guter Christ?" fragte er plötzlich, da er den langen Blick feines neuen Kriegskommissars aus dem Gesangbuch ruhen spürte. Das konnte ihm Heinrich nun mit gutem Gewissen versichern und berichtete auch, dah fein Bater Gardist, Feldprediger und Pfarrer gewesen fei. Das gefiel Belling, und er plauderte behaglich: „Bibel lesen macht mich zu miiibe. Wenn ich tagsüber geritten habe, will ich abends allein fein mit meinem Gott im Kämmerlein, wie es der Doktor Martinas geboten. Sitze ich da und lese, so komme Ich über zehn Bibelverse nicht hinaus und schlafe ein. Aber ich will wach fein, wenn der Adsittant mit den Kerzen kommt und ich die Abendbefehle um neun Uhr unterschreiben muh. Und da habe ich herausgefunden, dah das Singen das beste ist. Ich singe und rauche dazwischen, und so komm' ich fromm über den Abend hinweg, bis alle Geschäfte vollzogen sind." Heinrich erlebte wieder einmal das Wunder eines sonderlichen Menschen. Er kannte diesen zähen, drahtigen Husaren, der bei seinen Leuten ebenso gefürchtet wie geliebt war; aber diese eigenartige Frömmigkeit hätte ei' nie bei ihm vorausgesetzt. Bald merkte er, dah er das .Herz des alten Husaren ganz gewonnen hatte. Das zeigte sich, als eines Tages Belling ihn erst fragte, warum er Wallache nicht einem bestimmten Kaufmann ab nähme, der ihm eine gute Probe ins Hans habe schicken lassen. ** Kokbergs Befreier. Heinrich wies ihm nach, dah dieser Kaufmann einen Posten auch zu ihm gesandt hätte und dah nur die Decktuche schwer wären, alles andere Zunder. ,Hch gebe da bei einem ehrlichen Mann für den Quadralsuh zwei Pfennig mehr, aber ich habe gute Ware!" Belling freute sich, und am nächsten Tage wurde e» stadtbekannt, dah er den Kaufmann, als er wiederg morn men war und sogar dem General eine Geldbörse offeriert hatte, mit einem Fußtritt über die Treppe befördert hatte und ihm die Börse aus dem Fenster wohlgezielt auf den Kopf warf, als er zum Hause hinaustrat. Dazu schrie er: „Gleich aushängen soll man die Schufte, die sich durch Heereslieserungen bereichern wollen und damit unsere armen Soldaten mehr schinden als die Feinde!" Zu Hause vertraute sich Heinrich seiner Mutter an. Die schüttelte den Kops Über feine Selbsdvorwürse: „Das ist Gottes Fügung! Du hast dies Mädchen nicht beiraten wollen — sie ward dir plötzlich in den Weg gestellt. Ich feg es ein: Du konntest nicht anders handeln in deines Herzens Nachgiebigkeit. Aber sie hätte Geduld haben müssen; Ihr unruhig Blut hat sie duvangetrieben. Wer weih, ob's gut ausgelaufen wär' in den Zeitläuften, hättest du sie zum Weib genommen." Dies alles tröstete Heinrich nur halb; die Selbftoorwürfe schwiegen nicht. Da brachte ihm am andern Tag Joachim Nettelbeck nähere Kunde über Klara: Gagarin hatte sie bei einer Streife in einer kleinen Post- hallerel getroffen. Sie war in der Tat aus der Reise nach Kolberg be- Ä, aber die Reiseroute erschien nicht sehr klar; denn sie mar zuvor lunschweig und Berlin gewesen. Gagarin, als schöner Mann, hatte ihr Herz In Flammen gesetzt, und ohne weiteres war sie ihm gefolgt. Ja, selbst Ins Lager war sie nachgekommen, ohne dah er's gewollt hatte, und daraus war das Unglück ihres vorzeitigen Endes entstanden. Doch auch diese Erzählung lieh Heinrich nicht ganz zur Ruhe kommen. Er brütete Trübsal über seinen Skripturen. Da trat um die Mittagszeit Dorothee bei ihm ein und fragte: „Was soll ich von dir denken? Hast du meiner vergessen, oder willst du es tun?" Er schaute auf und blickte in helle Augen. Da 'sagte sie zu ihm: „Denk, was geschrieben steht: Laßt die Toten ihre Toten begraben! Wenn sie deiner vergessen konnte, so gehörte sie nicht zu dir!" — Des Fürsten Gagarin nahm sich die Frau von Modell an, denn sie, als eine geborene Stein von Kamienski aus Preußen, war mit den Gagarins verwandt. Sie bat beim Gouverneur von Helden um die Vergünstigung, den Fürsten in ihrem Hause pflegen zu lassen. Hier blieb der Fürst so lange, dis er abtransportiert werden konnte. Er ward freigelaffen auf Offiziersmort, und Frau von Wedel! nahm ihn mit auf ihr Schloß, damit er bald zu Kräften käme. Christine ging als seine Pflegerin mit. Für Heinrich gab es nach Aushebung der Belagerung einen neuen Wirkungskreis, denn der Krieg ging weiter. So hieß cs, von.der Mutter Abschied nehmen. Die alte Frau war bewegt, dah die Festung befreit war von der Belagerung der Feinde, aber sie war ängstlich und hatte einen Wunsch, den sie sich nicht zu sagen traute. Heinrich und Dorchen drangen in sie, sich doch zu äußern. Sie hatte sich zur Wand abgewandt. Schließlich drehte sie sich um, reichte beiden die Hände und sagte: „Macht mir die Freude und versprecht euch einander!" Die beiden wurden rot; sie sprachen nicht ja und nicht nein, aber sie umfingen sich.und küßten einander, während die Mutter vor Freuden weinte. Im Frühjahr 1761 wurden die Kriegsverhältnilse In Pommern neu geordnet. Der Herzog von Bevern sprach Heinrich seine Zufriedenheit aus und stellte ihm in Aussicht, vberkriegskommlssar zu werden; fürs erste aber sollte er sich bei dem General Belling melden iim Hause „Zur Rose". Belling sei auf ihn aufmerksam geworden und fordere ihn an. Ans die Frage, wann er am besten den General fände, erhielt er vom Adjutanten den Rat, sich nach dem Abendessen zu melden; denn tagsüber fei der General Im Sattel. Belling schickte Heinrich nach Mecklenburg, um Kontributionen ein- struktion: „Unser König sagt immer, lalle nur tüchtig draufschlagen, damit das Mehl herausquölle. Nun, unser gnädigster König hat Recht — aber Sack darin versank. Auffällig war an dem jungen Menscken ein sonderbar scheues Betragen. Er huschte in das Haus hinein, huschte hinaus, als ob er fürchtete, gesehen zu werden. Und dabei war der Kaufmann, bei dem Heinrich ein- quartiert war, ein sehr wohlwollender und rechtlicher Mann, der, ohn« gefragt zu werden, auch dem Schreiber Wurst, Brot und Bier ins Zim- Iner schickte. Auch bemerkte Heinrich von feinem Stehpult aus, daß der junge Schreiber sehr rot wurde, wenn sich das dralle, hübsche Mecklen- biurger Mädchen über ihn beugte; er hielt es für Verliebtheit. Nach einer Woche ging es ;