SietzenerZamilienvlimer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Nummer (9 Montag, den 7. März )zhrgangl932 März. Von Jürgen Thiel. Nun ist es Zeit. Schon schwillt der Lebensstrom In allem Sein, in Wurzeln und In Adern. Die Felder liegen schwer und breit wie Quadern, Hoch überragt vom Wald, dem ewigen Dom. Und manchmal weht ein Lüftchen, mild und warm. Das Meer will seine kühnen Stürme senden. Das Leben schasst an alten Erdenenden, Die Welt liegt einem süßen Glück im Arm. Und hier und da bricht sich Erfüllung los. Wir glauben blind und werden stumm und reifen. Und noch wo unsre Sinne nichts begreifen, Umblühn uns Wunder, hold und himmlisch groß. Wie lange noch? Der Baum steht lenzbereit, Der Samen keimt im dunklen Schoß der Erde, Auf daß er Blüte, Frucht und Ernte werde. Und alle Herzen schlagen: es ist Zeit! 1(16 mir I 1 Wil bin, | war etl! ’lant it| ir werd!« ec IdjoJi rden ijt,| 1 andern 8 ur Beil iflen) ai!S itrs uni 11 Aelleih n sich bi« q 1) weit« m int, uni | m unter I । in berl ytrates1,1 cichöpsi!. I ach dm 1 htctc Ne 1 ch unter« Fliiged ■ icht auch! nach, oi rohr an. V Aszeh >n hörte, rufe Jein, aus, bis I en, was uar nicht en. „Ah >ern! A: rfeft und ir Area ;ut; auch i Riegel, und den ich ein eigentümliches Klappern. Oben angelangt, sand ich, angenehm überrascht Aufklärung. Im Schein des trüben Nachtlichtes sah ich eine reizende junge Dame stehen, die nach dem dunklen Korridorende starrte und mit den Zähnen klapperte. Galant, wie ich bin, fragte ich sie, ob ihr kalt sei und was ich für sie tun könne. Lange brachte sie nichts anderes hervor als „www, brr" und „oh". Nachdem ist sie eine Weile gestreichelt haste, beruhigte sie sich soweit, daß sie mir sagen konnte, sie habe schreckliche Angst denn sie habe ein leuchtendes Gespenst sitzen gesehen. Me Rolle des Beschützers lag mir, und so ging ich in der angegebenen Richtung, den Geist 'zu suchen. Natürlich war keiner zu finden. Die Nahe eines Mannes beruhigt junge Damen meistens, und bald war auch jene soweit, daß ich sie zu ihrer Tür bringen konnte. Vorher hatte sie mir noch verraten, sie heiße Lieselotte, sei die Tochter des Hauses, im Hause puke es chronisch und sie wäre noch nicht verlobt. Am nächsten Abend blieb ich daheim und lernte. Einmal horte ich am Gang Schritte, die in der Nähe meiner Türen plötzlich innehielten Ich erinerte mich angenehm der jungen Dame, öffnete mit leiser Hosftmng die Tür und lugte hinaus. An der Treppe stand ein gepflegter sehr junger Mann, halle ein Bein vorgestreckt, um auf die erste Stufe hinab- zusteigen, verharrte ober regungslos in dieser Stellung Neugierig schaute ich hinüber und sah gerade, wie sein brillantineglänzender, glatter Scheitel sich langsam aufstellte, sträubte. Es widerspricht meiner Art, mich in die Angelegenheiten fremder Leute einzumengen: ich war aber so neugierig, daß ich nicht umhin konnte, hinzuschleichen und dem Erstarrten schönes phosphoreszierendes Gespenst. Leider verschwand es sofort nach über die Schulter zu sehen. Am Fuße der Treppe salz tatOibbq, rsesgefr meinem Hinzutreten. Der junge Mann war so steif, daß es knackte, als ich ihm den Arm biegen wollte, um ihn abzulenken. So mußte ick) ihn in mein Zimmer tragen, wo ich ihn an die Wand elhnte und ihm Kognak eintrichterte. Er war Lieselottes Bruder, und daher brachte ich ihn, als er sich soweit erholt hattte, zu seiner dankbaren Schwester und ÜDiutter. Nun erfuhr ich erstmalig offiziell vom Hausgeist. Mich berührte das nicht sehr, denn ich halte immer etwas für Geister übrig gehabt und mir schon lange gewünscht, einem zu begegnen. Den fo'g i Abend verbrachte ich mi Gasthaus „Zum Grünen Baum" und b.fand mich bald in einer Gesellschaft junger Studenten. Stark benebelt sand ich eist lange nach Mitternacht heim, und, nachdem ich das Licht verlöscht hatte, fiel ich ins Bett. Ich drehte mich nach der anderen Seite und als ich nochmals blinzelte, bemerkte ich mitten im Zimmer das leuchtende Gespenst. Gewohnheitsmäßig hatte ich meinen Revolver am Nachttisch liegen, und ich tastete danach. Zu meiner Schande muß ich gestehen, ich war damals derart betrunken, daß ich die Lage nur verschwommen erfaßte und nach dem Revolver vergeblich herumgnsf. Ich versuchte es mit „Gsch, gsch, marsch, marsch" und „Gss, gfj . Das Gespenst rührte sich nicht Da gab ich's auf, drehte mich zur Wand rum und schlief bis in den Tag hinein. . In der nächsten Nacht war ich gerade mit den Berben die aus as und t enden, beschäftigt, als sich vom Gang her surchterliches Schreien einer Frauenstimme vernehmen ließ. Besorgt um Lieselottchen riß ich die Tür auf, als mir Lieselottchen auch schon weinend am Hals hing. Das Gespenst habe sie ins Profil gestochen, schluchzte sie. Jetzt war mir klar es mußte ein ganz gemeines Gespenst sein wenn es eine junge hübsche Dame ins Profil stach. Ein Gespenst mit Stacheln ist mir außer- k^lsbatö tarnen familienzitternd die Mutter und der Bruder zu uns herein obwohl Lieselottchen noch immer an meiner breiten Brust Schutz suchte.' Die Mutter jagte, sie sei nun bald mürbe, und werde das Schloß mit Verlust des halben Kaufpreises zurückgeben Einige Nächte war Ruhe. Einmal kam ich wieder spat vom „Grünen Baum" Ich verlegte vorsichtshalber meinen Revolver von der Nach^ tischlode unter das Kopfkissen, st,eg ins Bett und schlief em P otzl.ch fuhr ich auf. Mitten im Zimmer, einen Meter über dem Fußboden, schwebte ein schrecklicher, phosphoreszierender Kopf und starrte mich aus arünleuchtenden Augen unverwandt an. Ich suchte nach Streichhölzern, ober sie waren verschwunden. Für einen Augenblick überkam mich die Versuchung, unter die Decke zu kriechen und zähnezuklappern. Rechtzeitig erinnerte ich mich an meine Männlichkeit, griff nach dem Revolver und entsicherte ihn. Leise stieg ich aus dem Bett, um dem Geist mit einem Fußtritt den Krieg zu erklären. Ich näherte mich Schritt für Schritt, dann zog ich das Knie hoch und ... „Au, wie gemein brüllte ich. Das Gespenst hatte mich in die Fußsohle gestochen. „Hundegespenst, dämliches fluchte ich, „wenn du aus Drei nicht verschwunden bist, schieße ich dich 3UIGin™P®as Gespenst rührte sich nicht. Zwei! Drrrei ... peng ... Der Schuß dröhnte, das Gespenst tarn ein Stückchen naher, räusperte sich und spuckte mir etwas Hartes ins Gesicht. Ich erwischte dies unb suhlte eine Stahlmantelkugel. Nur Ruhe! Ich ziele genau. Peng ...Peng ...Jetzt muß es umfallen, dachte ich, als es wieder ein wenig naher kam. Leider fiel es nicht um aber es spuckte mich zweimal mit Kugeln an. Das war Ich mi i Liebes« «reifanter n bürfen, unserem scher dfe eres sei. ic sich i™ r in bem perlinge! ge reprä= i Freunde Gegenteil, e weist-« sich W möchi i™ Er beult m Amte« iP«g Er'hff >u roenifl« r Laune« illes ®|B Aber pferb, -'« ich bitte« jen W afen* der iinbebei« ngeleH«11' ju um •*' 3« 0 MS, ir beim’J si? Das Leuchtgespenst. Line schreckliche Geschichte. Von Ralph Urban. Der Sturm peitschte den Regen durch die rabenschwarze Nacht In der Behausung des alten Donald saßen wir, em halbes Dutzend Wel en- bummler unb Abenteurer, um den Kamm herum schlurften ®rog unb sprachen von Gespenstern. Willy Kohl, Kapitän snr lange Fahrt unb allerer Seebär, hatte gerabe von einem Sch.fssgespenst erzählt, das vor zwanzig Jahren, als er zweiter Steuermann auf der „Aurora mar, öort iem uMen trieb. Es hielt sich mit Vorliebe im Mastkorb auf unb (eine Lieblingsbeschäftigung bestaub darin, hmaussteigende Matrosen zu erschrecken. War es schlecht gelaunt, brach es bem Matrosen auf Auslug das Genick und warf ihn auf Deck. ... (f Natürlich glaubte keiner ein Wort. Sonderbarerweise hatte diese Er- zühlung auf Fred Mabel großen Eindruck gemacht. Der ruhige Manii wurde lebhaft, goß einen Grog nach dem andern hinter die Bmde und als einer von uns die Geschichte eines Fnedho sgespenstes zum' besten gab, das um Mitternacht mit dem Kopf unterm Arm auf der Mauer saß, ersuchte er uns, mit dem Quatsch auszuhören. Er glaubte nicht an diesen Blödsinn, obwohl er selbst einmal Gelegenheit hatte, eine §anz schreckliche Geistergeschichte zu erleben. Wir ruckten sogleich zusammen und waren „«*»«,.. ».6 VSÄ burdmefaUen war. Darüber kränkte ich mich, ging "ach Afrika, grub Diamanten unb hatte mir in zehn Jahren ein stattliches Urinogen ^u- sammengekratzt. Ich war bamals dreißig Jahre alt und beschloß, me ne Bildung zu vervollständigen. Mit Ausnahme von Boxen, Schieß n unb Reiten war sie sehr mangelhaft, unb als id) eine ^"e verloren hatte, weil ich behauptete, Sokrates fei der zweite Mann Mana Theresias ge^ roe en reifte ich geradewegs nach Europa. Eine kleine Stadt, die außer Studienräten, Studenten unb Jungfrauen nur wenig beherbergte hiett ick für meinen Zweck geeignet. Ich wollte zum Studieren Ruhe haben unb fah mich nach einer geeigneten Wohnung um. Nach längerem Suchen gelang cs mir, eine solche in einem schloßartigen Gebuube außerhalb bes Städtchens zu finden. Das Haus war früher ein Kloster gewesen und sei kurzem In den Besitz einer älteren Dame ubergegangen, die von^mer anderen Stadt gekommen war und hier ein Madchenpensionat emgendstet hatte Vorerst blühte dieses Unternehmen, dann herrschte zwei flachte lang ein fürchterliches Geschrei im Schloß und eines Margens mar- Werten die bleichen Töchter in Doppelreihen nach dem Bahnhof ab. 3m6ÄPff«^9S?'mi. »-»-ÄS nafiaften und mit ihrer bildhübschen, achtzehn,ahr,gen Tochter allem tm Schloß. Sie bemühte sich vergeblich, den Besitz 3u e>nem halbwegs annehmbaren Preise wieder zu verkaufen. Der vormalige ch ßh - mit feinem Sohn im Schloßpark -in Häuschen gewohnte lebte fe.t 3ajren von bem ftänbigen Verkauf des Schloßes. gelang H f roärtige Käufer zu finden, die nach kurzer Zeil und fch . .. kämpfen froh waren, wenn der ehemalige Besitzer des ch 13 halben Kaufpreis zurückkaufte. Von all bem erfuhr .d) erft Pa‘er ’;' Ich bewohnte zwei Zimmer, die nach einem langen Gang gelegen märet. Den Türen gegenüber lag die Treppe. Dame Bisher hatte ich nur flüchtig mit ber alten, /'ebenswurd gen^Dam gesprochen unb interessierte mich nicht für die'sonst। ör(c Als ich einmal spät nach Hause kam unb bie Treppe fftnaufftieg, hone etwas viel, auch für abgehärtete Nerven, kalter Schweiß stand auf meiner Stirne. Es mußte ein wirkliches Gespenst sein, denn ich war damals ein Pistolenschüße, der auf zehn Schritte Entfernung seine Namenszüge in ein Brett zu schießen vermochte. Viermal schoß ich noch und ebensooft spuckte das Gespenst die Kugeln aus. Als ich die letzte Patrone verschossen hatte, stach mich das Gespenst aus zwei Meter Entfernung ins Bein. Ich gab mich besiegt, kroch unter die Decke und klapperte mit den Zähnen. Nach einer Weil« lugte ich hervor. Das Gespenst war weg. Am nächsten Morgen sand ich die ausgespuckten Kugeln auf dem Boden. Es waren tatsächlich die zu meiner Pistole gehörigen. Sonderbar nur, daß an ihnen keine Spur des Dralls zu sehen war. (!8ei gezogenem Laus kerben sich durch den Abschuß Rillen in das Geschoß.) Dieser Umstand und das Morgenlicht ließen mich neuerdings an dem Ueberirdischen der Erscheinung zweifeln. Längs meiner Zimmer und der Front des Hauses lief gartenmärts ein Balkon und durch die Tür, die dorthin führte, mußte das Gespenst verschwunden sein. Ich beschloß, den Geist auf seine Echtheit zu prüfen und mich gleichzeitig zu rächen. Ich lud meinen Revolver und legte ihn in die Nachttischlade, begab mich in die Stadt und kehrte erst gegen Abend wieder. Als ich den 'Revolver nun untersuchte, fand ich meinen Verdacht bestätigt: die Geschosse waren aus dem Magazin entfernt worden und nur die Patronenhülsen waren drinnen. Ich ließ alles wie es war, füllte aber ein Reservemagazin mit neuen Patronen und steckte es in die Tasche. Dann löste ich mit einem Jagdmesser vom Bodenbelag des Balkons vor meinem Zimmer vier Bretter pon den Nägeln, um sie später sofort entfernen zu können. Nach diesen Vorbereitungen ging ich zum „Grünen Baum", blieb dort lange, trank aber mäßig. Bei meiner Heimkehr tat ich, als wäre ich schwer betrunken. Vom Balkon entfernte ich leise die Bretter, wechselte die Magazine meines Revolvers, löschte das Licht, ging zu Bett und erwartete das Gespenst. Alsbald öffnete sich langsam die Tür zum Nebenzimmer, herein kam lautlos das Leuchtgespenst und bezog seinen Platz in der Mitte des Raumes. Ich zielte und dann sagte ich: „Liebes Gespenst, ich zähle wieder bis drei. Bist du dann noch da, so schieße ich, diesmal aber wird jeder Schuß sitzen, denn ich habe die Patronen ausgewechselt. Du wirst lachen! Eins! Awei..." Das Gespenst war schon bei der Balkontür, riß sie auf und — plumps — war es durchgefallen. Unten angekommen schrie es mörderisch, es leuchtete noch immer, auch bemühte sich schon ein älterer Herr darum. Es hatte sich ein Bein gebrochen. Ich beleuchtete die Situation mit meiner Taschenlampe. Das Gespenst hatte sein Gesicht mit Leuchtfarben bemalt und entpuppte sich als der hoffnungsvolle Sohn des Hausbesitzers a. D. Der ältere Mann war der Herr Papa. Ich gab diesem eine Abreibung und empfahl ihm, innerhalb von vierundzwanzig Stunden endgültig aus dieser Gegend zu verschwinden und den Herrn Sohn mitzunehmen. In meinem Zimmer fand ich zwei meterlange Nadeln, die das Gespenst bei seiner Flucht weggeworsen hatte. Stolz wie ein Drachentöter machte ich am Morgen Lieselottchen und ihren Lieben vom Ende des Schemens Mitteilung. Um so erstaunter war ich, als noch am selben Abend Lieselotte zitternd in mein Zimmer stürzte, behauptend, sie habe schon wieder ein Gespenst gesehen und fürchte sich schrecklich. Um vor Geistern endgültig Ruhe zu haben, entschloß ich mich daher, sie zu heiraten. Sie wollten Washington verlegen. Von Josef Ponten. Die Hauptstadt eines Landes, nicht wahr, sollte in der Mitte des Landes liegen. So wie Madrid genau, Paris und Berlin annähernd in der Mitte ihrer zugehörigen Länder liegen. Die Räteleute übertrugen den Charakter der Kapitale vom randlichen Petersburg auf das zentrale Moskau. Als man im Jahre 1790 nach Erringung der Unabhängigkeit daran- ging, dem Bund der jungen amerikanischen Kolonialstaaten eine Hauptstadt zu bestimmen und also 1791 der französische Major L'Enfant den Plan der Stadt Washington „auslegte", da hatte man eine Stelle gewählt, die genau in der Mitte der dreizehn damals die Union bildenden Gründerstaaten lag. Aber die Union dent« sich bald in die fast leeren und zum Teil herrenlosen Räume des inneren Kontinents aus, die abenteuerliche Zeit des „winning of West" begann. Nach einem halben Jahrhundert war das Ziel erreicht, Kalifornien war gewonnen, die Union erstreckt sich quer durch den Kontinent von Ozean zu Ozean. Und wo lag jetzt die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika in bezug auf die Räume des Landes? Sie lag und liegt 2250 englische Meilen oder 3600 Kilometer entfernt von San Franzisko. Man denke sich, Konstantinopel würde die Hauptstadt künftiger vereinigter Staaten von Europa fein, eine Rolle, die offenbar Wien zufallen muß (es besitzt schon die dafür nötigen Staatsgebäude). Man fährt heute von San Franzisko nach Washington in ununterbrochener Eisenbahnreise vier Tage und Nachte, im Automobil bei der außerordentlichen Tagesleistung von 223 Meilen (ungefähr die Strecke München—Leipzig) zehn Tage. 'Uber was ist das gegen früher! In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vor dem Zeitlalter der Eisenbahnen, in dem des „gedeckten Wagens", dauerte die Reise ein halbes Jahr. 211(0 war es kein schlechter, sondern durchaus natürlicher Gedanke, daß die Lage der Hauptstadt der veränderten Raumgröße des Landes angepaßt werden müsse. Viele dachten ihn gewiß, und siehe da, im Kopfe des Bankmannes A. H. Borrow uerbidjtete er sich zu Plan und Gründung. Damals spekulierten die Banken mit Landerwerbungen und Landkäufen in den Räumen westlich des Mississippi genau so wie heute in denen von Florida. Damals waren die unermeßlichen Länder zwischen dem Missouri und dem Felsengebirge noch ganz frei von weißen Siedlern, mit Ausnahme von Utah, wo wenige Jahre vorher die „Heiligen der letzten Tage", die Mormonen, den chiliastischen Versuch ihres Gottesstaates begonnen hatten, der in der heutigen riesigen und profitabel™ Industrie der Bergwerke und Metallschmelzen von Sait Lake City geendet hat. Uni cs vorweg zu sagen: die ersten Siedler in den Räumen zwischen dem großen Fluß und dem großen Gebirge, in den dem Namen nach jedem Knaben bekannten „Prärien", waren Deutsche. Schleswig-Holstein stand um die nämliche Zeit unter dänischer Herrschaft. Im achtundoierziger Jahr empörten sich die Herzogtümer. Preußen erkannte die provisorische Regierung und Kiel als Hauptstadt an, der Kampf ging bis 1852, dann erfolgte die Unterwerfung der deutschen Empörung unter die erneute dänische Herrschaft. Aber in solcher Zeit der üblichen Verfolgung der Freiheitskämpfer von 1847—1857 wanderten viele Schleswig-Holsteiner aus, „um in Amerika eine weitere Freiheit zu suchen". 1849 segelte eine Gruppe von Hamburg ab unter russischer Flagge, verfolgt von dänischen Kriegsschiffen. Man kam in acht Wochen bis nach Reu-Orleans. Viele starben auf der Reise an der Cholera. Wilhelmine Hange, spätere Frau Stolley, verlor Mutter, Bruder, Schwester. Der Führer war der Lehrerssohn Wilhelm Stolley aus Marder, erst 18 Jahre alt, ein äußerst energischer junger Mann. Man reifte den Mississippi hinauf und fiedelte bei voraufgegangenen Landsleuten an der damaligen Weftgrenze der weihen Siedlungen, im Lande Iowa zwischen Mississippi und Missouri. In Dawenport in Iowa hatte Mister Borrow seine Bank. Er kannte die Deutschen, er hielt sie für die richtigen Gesellen, seinen Plan durchzuführen. Fleißig und phantastisch — Leute mit solchen Eigenschaften sind geeignet, im leeren Nichts die Hauptstadt eines Reiches und Kontinents zu gründen. Stolley, damals 26 Jahre alt, war ein „storehalder“, er hatte einen Laden, er hatte weitreichende Beziehungen zu den Siedlern, er warb unter ihnen, er wurde der Führer der kühnen, mit Welt- rolle-Koder geangelten Gesellschaft. 25 Männer und 6 Frauen schlossen den Siedlungsvertrag. Die Dawenport Co. hatte theoretisch gut kalkuliert. In dem neuen Land in der Prärie sollte jedem Siedler 320 Acres Land zugewiesen werden. Das erlaubte die „Territorial Legislature of Nebraska“ — denn Nebraska am Platte-River, wo noch die Pawneeindianer auf den weiten Grasflächen den Bison jagten, war das Land der Spekulation. Aber ein Gesetz der Union erlaubte nur 160 Acres Land als Siedlerzuweis. Run, da sollte jeder Siedler eben 160 Acres der Kompanie überweisen. Dafür wollte die Gesellschaft ihm 10 „lots“, Anteile, am Boden in der neu zu gründenden Hauptstadt der Vereinigten Staaten überlassen. Keine schlechte Spekulation für beide Teile. Die Kompanie würde in den Besitz von vielen Acres kommen — würden 1440 Acres den Siedlern überweisen, so verblieben 2560 Acres der Kompanie. Der Kongreß erwog den Bau einer Irans« kontinentalbahn, die dem Platte-River folgen und von einer Zweigbahn westlich des Missouri von Nord nach Süd gehend, geschnitten werden sollte. Der Kreuzungspunkt würde natürlich «in Verkehrs- und marktpolitisch wichtiges Zentrum werden. Die Bankherrn zerbrachen sich ihr« smarten und die Deutschen ihre eigensinnigen Kopfe, ob das wichtige Zentrum des Westens und di« neue Hauptstadt von Amerika Neu-Washington ober Neu-Philadelphia heißen sollte. (Die erste Hauptstadt der dreizehn Kolonien des Ostens war Philadelphia gewesen.) Es war unnötig, sich die Köpfe zu zerbrechen, denn das Unternehmen fallierte mit der fallierenden unterstützenden Bank. Aber die Deutschen saßen nun da in den Büffel- und Jndianerprärien am Platte-River. Abziehen? O nein, die Deutschen haben dicke Schädel. Allzu beschwerlich war schon die Reise gewesen — die von Iowa her, ganz zu schweigen von der Fahrt im Choleraschiff nach Neu-Orleans —, als daß man nicht Früchte von ihr fordern sollte. Ging nicht ein phantastisches „Neu-Washington", die Hauptstadt eines ungeheueren Reiches aus deutschen Siedlerfäusten in der leeren Prärie hervor und wurden die Farmerspekulanten nicht amerikanisch reich, so entstand doch endlich ein 10 000 bis 20 000 Einwohner zählendes hübsches Städtchen am Platte- River und die Gründer brachten es in Mühen und Gefahren zu einer anständigen Existenz und zu bescheidenem Wohlstand. Was für Mühen und Gefahren! Ich kann sie hier nur ganz flüchtig skizzieren. Also man wartete, bevor man von Iowa startete, das Frühjahr ab, bis Gras auf der Prärie gewachsen war, um die Zugochsen zu füttern. Man hatte fünf leinwandgedeckte Wagen und für diese 16 Joch Ochsen, auch eine Kuh und ein paar gute Hunde. Die Expedition war 35 Köpfe stark, sechs Mitglieder waren Frauen und es war auch ein vierjähriges Kind im Auswandererzug. Auf den Wagen lag der unentbehrlichste Hausrat, auch Munition und Schmiedewerkzeug. Nach einem Monat Fahrt wurden die von langsamen Ochsen gezogenen Wagen von zwei Pserde- suhren eingeholt. Gespräch und mißtrauisches Aussragen. Donner und Doria, diese fremden Amerikaner wollen an eben dem Platte-River, dort, wo der Wood-River einmündet — gerade das ist die Stelle für „unser" Neu-Washington —, eine Stadt gründen! Die Amerikaner sind glücklicherweise geschwätzig, aber die Deutschen schweigsam. Allseitige Beratung der Deutschen im Präriegras — und in der Nacht machen sich alle beim Ochsenzug entbehrlichen Männer zu Fuß auf, um vor diesen unverschämten Fremden am Platz von Neu-Washington anzukommen. Es glückt; die von den Deutschen selbst voraufgesandten $ermef|ungsbeamt«n der Regierung messen den Farmern ihr Land zu. Aber da gab es harte Arbeit und die Enttäuschung des Bankbruchs, wovon zu berichten viele Seiten füllen würde. Ich wüßte von heldischen und komischen Geschehnissen zu erzählen. Es wäre schade um sie, wenn ich sie hier in der Andeutung, die an diesem Platz nur möglich wäre, preisgäbe. Es wird sich eine geräumigere Gelegenheit finden. Im allgemeinen lebten die nun bescheiden farmenden Deutschen in friedlichen Beziehungen zu den Indianern. Als aber der Bürgerkrieg zwischen den Weißen der Union ausbrach, glaubten die Roten ihre Stunde gekommen. Die Cheyenne, die Arapahoes, die Sioux standen auf! Es wurde unbehaglich im Settlement. Das Platte-River-Tal war in Panik. Selbst die Offiziere von Fort Kearney, einige zwanzig Meilen den Fluß aufwärts, rieten den Deutschen, ihre Farmen zu verlassen, die Garnison könne sie nicht schützen. Aber die Deutschen sagten nein! Das Blockhaus, das den Laden von König und Wiede beherbergte, wurde mit Wall und Graden befestigt. Turme wurden an den Ecken des Rasenwalls errichtet. Die Kommandos wurden verteilt. „Fort Jndependanee" war fertig. Ms endlich die Siedler -s [anqe und erfolgreiche Wacht gegen die umherstreifcnden und mordenden Indianer gehalten hatten, kamen die Regierungssoldaten („sie waren reguläre Diebe und benahmen sich wie in Feindesland") und nannten Fort Independance „Fort Sauerkraut". Aber die Osfiziere lobten die zweckmäßige Anlage und den Mut der Deutschen und empfahlen di« Beibehaltung des Notforts. ,, Das ist, sehr roh, die Geschichte des deutschen Forts Jndependance in Amerika am Platz des erträumten Neu-Washington und des heutigen sehr amerikanisch-realen stillen Landstädtchens Grand Island in Nebraska. Wie man derlei deutsche Geschichten, die ich so glücklich bin aus manchen Teilen der Erde zu kennen, erfährt, werde ich oft gefragt. Dafür denn dies als ein Beispiele der Dichter geht mit einem Roman von der deutschen Auswanderung schwanger. Wir waren viele Monate durch die südlichen und westlichen Staaten der Union gefahren, suchend und fragend, und das Ergebnis war gering. Eines Tages in den Rocky Mountains am gespenstigen „Campfeuer", wo sich nach Einbruch der Dunkelheit die vielen in einem solchen Waldlager zusammenströmenden Automobilreisenden zu versammeln pflegen, hören wir in unserer Nähe Deutsche sprechen. Nun ja. es sind die Herrn Schröder, Vater und Sohn, die Familie spricht auch in der zweiten Generation noch Deutsch, was nicht gerade die Regel bei den Amerikanern deutscher Abkunft ist. Vater Schröder ist vor 70 Jahren als «in fünfjähriges Kind mit seinem Vater von der deutschen Waterkant ausgewandert. Ob es dem Vater in Deutschland schlecht ergangen sei? O nein, der Vater war ein Bauer mit 70 Morgen. Aber sein ausgewanderter Freund hatte ihm geschrieben, im Lande Nebraska fliehen die Flusse von Milch, und man braucht nur nachts die Stalltllr offenstehen zu lassen, dann kommen die Büffel der Prärie, lassen sich anketten und werden Haustiere. Vielleicht hatte der Freund nur einen saueren Scherz gemacht, genug, Altvater Schröder verkaufte seinen Hof und zog nach Nebraska. Aber da mangelte es nicht nur an Milch, sondern auch an Wasser in den Flüssen-, die Indianer ritten noch umher, und die Büffel legten sich nur nach Empfang einer Kugel nieder. Der Farmer brach das Land der Prärie um. Die erste Ernte war glücklich, doch die zweite und auch die dritte fraßen die Heuschrecken. Und als die vierte Ernte in Frucht stand, roch es eines Abends brenzlich. Der Alte ging hinaus, nach den Wassertonnen zu sehen, da brauste ein Präriebrand über das Settlement, und der Sohn fand den Vater am anderen Morgen in der Asche des Mais- feldes verkohlt. Nun ja, man fing von vorne an und arbeitete sich hoch, und heute sitzt man in einer blühenden deutschen Kolonie am Platte-River. Wie weit ist das von hier? 700 bis 800 Meilen! Richtung? Ostsüdost! Ich komme hin! Allright! , „ Ja glücklichen Siedlungen ist nicht viel an merkwürdigem Menschenschicksal zu finden. Wir fuhren einige Tage eine Strecke, die der von Hamburg bis Wien gleichkommt, durch Steppen und durch unbeschreiblich eintönige Gefilde entlang dem Platte-River in Hitze und Staub. Das Automobil war ein Schlafwagen. Ich habe selbst am Steuer— glaube ich — zeitweise geschlafen. Unb es kam bas „enttäuschende Glück der Ansiedler. " ifoab(1 tat hm , Pttch, : an, Oentfe lcher jft winberlj Freihq russisch« t Wch, lera. U schwefln, rbtr, (If reifte b(: ‘n an h, । zwischi irr fannli an buch enschasln nb Koch reholder", den Sieb mit Wt Verschollene Romantik. Schmucksorm und Gebrauchsform im Hausrat. Von Dr. Margot Rieß. Jeder der älteren Generation Zugehörige erinnert sich noch mit einem seltsam zwischen heimlicher Sehnsucht und Glück des Entronnensems, die Mitte haltendem Gefühl an jenes Heer attrappenhafter Niedlichkeiten, das im Wesentlichen da zu fein schien, die harmlosen alltäglichen Handhabungen, das Deffnen, Schließen, Eingießen, Ausschütten, Nehmen, Stellen, Schieben, eben den Verkehr mit den Dingen der nächsten Umgebung nach Möglichkeit zu erschweren, ihn so reibungsreich wie nur möglich zu gestalten, mindestens aber von dem schlichten Anspruch, bedient zu werden, weitgehend abzulenken. Um etwa eine Stehlampe anzufassen, mußte man seine Hand erst durch ein Gestrüpp dorniger Bronzegirlanden winden; ein Aschenbecher trat mit dem Anspruch auf, daß man erst einmal das seine Gebrauchsfunktion tunlichst verheimlichende, ihm eingepreßte oder aufgemalte Bild, den Mailänder Dom, den Jager von Kurpfalz ober Wotans Abschied von Brunhilde darstellend, bestaune, ehe man ihn — nun fast verlegen gemacht — zum Gebrauch gerabeju ent= weihte- ober ein Drache, eine Schlangenjungsrau ober em z^huesietschen- ber Mohr versperrte einem breift den Weg von ber Hanb 3um Ding, mit dem Erfolge, daß einem am Ende nichts mehr recht „von bei Doud gehn wollte. Nicht vor ber Küchenschaufel unb nicht vor der Haarbürste machte jene verzierungswütige Epoche Halt, kein Seifennapfchcn, kein Mülleimer war ihr heilig, alles muhte zu irgenbroeldjcn fernabltegenben Assoziationen Anlaß geben; benn man wollte nun einmal Romantik und Illusion um jeden Preis, fei es auch um den der selbstverständlichen Bequemlichkeit und — Abwafchbarkcit! Und das Fatalste dabei war. dies ganze Aufgebot an Relief-, Buntdruck- und Perlenstickerei gewordener Allegorie, Epik und Historie geschah nicht wie in wahrhaft kunstfrohen Zeiten nach dem Gesetz eines schöpferischen Ueberslusses, sondern aus Formunsicherheit unb Jnstinktentwöhntheit. Nur selten macht man es sich ja klar, wie groß ber stumme Einfluß ist, ben bie zum täglichen Gebrauch bienenben Dinge auf uns ausuven, wie burchaus abhängig wir in unserem ganzen Wohlbefinden von ihrer helfenden Bereitschaft, ihrem mehr ober weniger felbstverstanblichen Em- georbnetenfein in unsere Umgebung finb. Wir besitzen eine uns oft u - bewußte Empfindlichkeit dafür, ob und in welchem Grad diese Dinge bereit zum Dienst sich willig in unsere Hand schmiegen oder ob sie ein mehr oder weniger dekoratives Eigenleben führen, das sie wohl zui Schmuckstück, nicht aber zum Gebrauchsgerät taugen laßt. Allerdings haben die Menschen anderer Zeiten, ihrem ganz andern Lebenshabitus entsprechend, anderes von den ihnen alltäglich dienenben Dingen verlangt als wir, denen die Schlagworte „Neue Sachlichke , „Ueberroinbunq des Ornaments", „Materialgerechtigkeit , „Zweckmäßigkeit" ufw. so zur selbstverständlichen Forderung wurden, daß sie uns zum Teil wohl auch den Blick für Berechtigung und Schönheit andersartiger :rafl. $i Land ii eben. irasta « rassiöchs Gesetz In da solid wollte d« rünbenben pefulatta ien Acres verblielm er Iraiw sweigbch ben sollil rktpoliH e smrlti Zenirm iflton oh« ehn Kol» lernehmn Deutsch«« liver. Ab Iowa hei, rleans ein pH«« n Reichs! »urben W >ndlich ti” m P>°«k . zu einet ir Muh«« ähjahr in füttern. ,ch Ochse^ 35 SW1 \ttW* Hst- k nat W ei Pl-rd- >nner liver, dA ir „ti"'” -atunff * alle bel" ^"S ■t; r«- °. >sletzick"E .n(lm* W'! sie, sil-h * rfriefl re 'in San"!" Gestaltungen im Gebrauchsgerät verdunkelt haben. So „vertragen" mir es heute einfach nicht, gewisse Zierate, Ein- und Ausbuchtungen, Einkerbungen, Buckelungen, Durchlöcherungen ber reinen nackten Formgestalt an Tellern, Löffeln, Lampen usw. zu sehen, weil mir in unserer Nervosität allem Zeit- unb «Raumraubenben abhold, unduldsam gegen alles geworden sind, was eine Verschleierung, einen Umweg zu dem Endziel des direkten Gebrauches darstellt. Meistens wollten die Dinge früher auch immer nach Möglichkeit etwas anderes, mehr fein als sie waren: das Salzfaß ein Frachtschiff, der Markenbehälter eine Goldtruhe, das Eierkäftchen ein Reliquienfchrein. Eines Tages aber machten die Dinge Revolution (dzw. der Deutsche Werkbund räumte unter ihnen auf, und nun wollte jeder für sich etwas, seines eigenen Wertes bewußt, fein: das Salzfaß eben ein solches, das Eierkäftchen desgleichen, ufw. Der Henkel brauchte keinen Drachen mehr barzuftellen, der Anfasser keinen Bocksfuß, um gebrauchsfähig zu [ein. Es ging plötzlich auch so. Natürlich ist es unmöglich, einen fo gewaltigen Umschwung, ber einen fo großen Verzicht auf altgeheiligte Rechte der Phantasie, des angestammten Schmuck- unb Zierbedürfnisses ber Menschen in sich einschließt, isoliert mit alleinigem Bezug auf bie täglichen Gebrauchsgegenftänbe zu betrachten. Iebe Gebrauchsform muh ja in eine bestimmte Atmosphäre, einen bestimmten Lebensstil hineinpassen. „Eines schickt sich nicht für alle", gilt auch für Zeiten, nicht bloß für Menschen. Kunst, Mobe, Sprache, gesellschaftliche Formen, soziale Struktur, alles bebingt sich gegenseitig, eins prägt das andere in stetiger Wechselwirkung. Auf bie verfchiebenen kulturell-wirtfchaftlichen Voraussetzungen kommt es hier wesentlich an. Als der beglückend enge Zusammenhang von Kunst und Handwerk noch nicht durch die wirtschaftlichen Verhältnisse gelockert war, als bie zum Teil von den größten Meistern, wie Albrecht Dürer unb Holbein, entworfenen Nürnberger unb Augsburger „Mobelbücher" mit Vorlagen für Pokale, Leuchter, Uhren, Kamine in alle Welt gingen, konnte man sich all ben häuslichen Zierat schon lieber bieten lassen — hatte er doch hier oftmals gerabe ben entgegengesetzten Sinn wie in dem Neu-Rokoko des Maschinenzeitalters: nicht ben, Form unb Funktion des Dinges zu verheimlichen, sondern im Gegenteil zu betonen und herauszuarbeiten. Man denke da z. B. an bie trotz ihres Reliefreichtums solide und wuchtig wirkenden Grundformen mancher bronzenen Mörser des 15. und 16. Jahrhunderts. Traurig wurde es erst, als der besonders in den Golbschmiedearbeiten bes späten 18. Jahrhunberts noch einmal herrlich aufblühende Spieltrieb beim Formen ber Alltagsgeräte im formentfrembeten Zeitalter der Technik längst geschwunden war und man nur noch nach dem Grundsatz „möglichst viel fürs Geld" einen Schwulst an allegorischen und historischen Szenen da anbrachte, wo sie denkbar unangebracht waren — die Literatur mußte ersetzen, was an gesundem einfachem Formempfinden abhanden gekommen war. Da die alten Meister der ßegenbenbarftellung die schöne Naivität besaßen, bas Wanbeln und Wirken ihrer Heiligen mitten in ihre eigene häusliche Umgebung zu versetzen, sind Bilder wie etwa die Darstellung ber Hochzeit zu Kana, bes Abenbmahls u. a. für uns eine bequem erreichbare Quelle zum Slubium des Gebrauchsgerätes vergangener Zeiten. Krüge und Tischgeräte etwa auf Vernarb da Sienas „Hochzeit zu Kana" aus dem 14. Jahrhundert würden sich z. B. ganz merkwürdig gut in unsere „Neue Sachlichkeit" einfügen, da ihrer Hauptforderung, die Form ganz schlicht im engsten Anschluß an ihre jeweilige Funktion zu entwickeln, eben auch hier restlos genügt ist. Gehen wir von hier einmal zur erst kürzlich und vielfach erst theoretisch überwundenen Gebrauchsform der immerhin schon „aufgeklärten" letzten Generation. Vor mir steht da z. B. eine metallene Geldkassette in Form einer Truhe. Ihre Fassade ist durch ein Goldblechband gekennzeichnet, das in getriebener Reliefarbeit Weintrauben in Blättern sehen läßt. Der ganz modern eingestellte Betrachter hat hier pflichtgemäß zu stutzen: ein Ornament, schön, wir wollen nicht fo fanatisch sein. Aber warum ausgerechnet Weintrauben? Soll jedesmal, wenn ich meine erspurten Groschen ober Taler bem Kästchen entnehme ober es in ent- sprechenber Weise fülle, mir bas Wasser im Munbe zusammenlaufen bei dem Gebauten an Weintrauben auch im kältesten Winter — ober soll ich bei bem geschilberten simplen ökonomischen Akt gar bacchantisch gestimmt werben? Halt — etwas hat sich ber Entwerfer (warum ihn gleich Künstler nennen?) doch wohl gedacht; die in runde Beeren aufgeteilten Trauben enthalten, ganz abgesehen von ihrem süßen ober sauren Sach- inhatt ein äußerst betoratioes Element in sich. Aber bann ist dieses eben als solches herauszugreifen ohne Rücksicht auf ben naturgeschichtstreuen Wert dieser botanischen Erzeugnisse. D. h., eine Rhythmisierung der Flache vermittels jener sich in umgekehrten Pyramiden türmenden Kügelchen sei erlaubt — nur muß es sich auf einer dem artfremden Gegenstände angemessenen, gleichsam denaturierten Ebene zutragen, damit nicht wie auf jenem —, auch zu Unrecht verherrlichten griechischen Gemälde die Sögel kommen und daran picken! , Ist nun auch die Zeit dieser und ähnlicher uns fo sympathisch gewesenen Dinge für uns vorbei, wie die Zeit der triumphbogenartigen Tafelaufsätze" der säulengetragenen Nähtischchen, ber weitausladenden Fayenceterri'nen, des blumen- und puttenreichen Tafelsilbers, so braucht man deshalb noch lange keine Furcht vor einer Verödung unseres Alltags zu haben. Statt einer für uns doch nicht mehr naiv erlebbaren Alltagsromantik nachzutrauern, freue man sich an dem geheimen Tanz reiner Formen, dem sinnvollen Jneinandergreisen glatter Flächen und Kurven Wieviel heimliche Musik kann etwa in der Rundung einer glatt- geformten Kristallschale liegen, wieviel Rhythmus und Physiognomie in ber Reinheit unb Strenge der prunklosen Fassade eines gut aufgeteilten Schrankes. Aesthetisch ganz neue Möglichkeiten geben S-B. auch die erst kürzlich in den Gebrauch gekommenen Kochgeschirre, Tassen, Eß- und Suppenteller aus hitzebestäiibigem und feuerfestem Jenaer Glas. Jedenfalls braucht auch die heutige, auf äußerste Rationalisierung gestellte Zeit auf Schönheit im Alltagsgerät nicht zu verzichten. Innerhalb ihrer nur oberflächlichem Blick fo beschränkt schauenden Grenzen ist es durchaus möglich, ein Gebrauchsding zweckdienlich unb zugleich für Tast- unb Augensinn erfreulich zu formen unb zu gestalten. E>i''ne. Roman von Theodor Fontane. lFortjegung.i „Meine Hochzeit, lieber Baron, wenn sie überhaupt stattfindet, wird mutmaßlich einfacher verlaufen. Ich habe nicht unter den Komtessen des Landes gewählt und bin, von unferm Standpunkt aus angefehn, eine gute Stufe herabgestiegen.. ." „Auch das hat seine Vorzüge. Jung« Bourgeoise?" „Nein, Baron, Sie müssen noch eine Stufe tiefer. Ich habe vor, die Zustimmung des Mädchens vorausgesetzt, mich mit der Schwester der Pittelkow zu verloben, mit Stine." Der Baron war aufgesprungen. Er faßte sich aber schnell wieder und sagte, während er sich fetzte: „Sie werden Ihre Gründe gehabt haben. Außerdem weiß ich aus hundert Erlebnissen, um nicht zu sagen aus eigener Erfahrung, welche Launen Gott Amor hat und in welchen Sprüngen und Abweichungen er sich gefällt. Man kann beinah sagen, er hat eine Vorliebe für den Ausnahmefall. Aber Ihr Onkel? Ihre Familie?" „Das eben ist es, Baron, weshalb ich zu Ihnen komme. Daß meine Familie niemals zustimmen wird, ist mir gewiß, auch liegt es mir fern, nur den Versuch dazu machen zu wollen. Ich respektiere die herrschenden Anschauungen. Aber man kann in die Lage kommen, sich in tatsächlichen Widerstreit zu dem zu setzen, was man selber als durchaus gültig anerkennt. Das ist meine Lage. Meine Familie kann den Schritt nie gutheißen, den ich oorhabe, braucht es nicht, soll es nicht, aber sie kann ihn gelten lassen, ihn verzeihn. Und diese Verzeihung macht ich haben, nichts weiter. Ich will keine guten Worte hören, aber wenns sein kann, auch keine ! bösen. Es genügt mir, einer gewissen Teilnahme sicher zu sein, in der sich dann, aufs letzte hin angefehn, doch immer noch ein Rest von Liebe birgt. Und mir diese Teilnahme zu gewinnen, dazu bedarf ich eines Anwalts. ; Glauben Sie, daß mein Onkel geneigt fein könnte, dieser Anwalt zu sein? I Sie kennen ihn besser als ich. Er gilt für stolz bis zum Hochfahrenden, ! andrerseits hab ich ihn in Situationen gesehen, die die Kehrseite davon , waren. Sie wissen, Baron, welche Situation ich meine. Und nun sagen j Sie mir, was hab ich von dem Onkel zu gewärtigen? Sind Sie der Mei- ' nung, daß ich einer heftigen Szene voller Unliebsamkeiten und vielleicht voller Beleidigungen entgegengehe, so verzichte ich von vornherein auf ( den Versuch, ihn zu meinem Fürsprecher bei meinen Eltern machen zu 1 wollen." । Der Baron sah vor sich hin und wirbelte an seinem grauen, etwas mausrigen Schnurrbart. Endlich, als er einsah, daß er wohl oder übel sprechen müsse, warf er sich in den Schaukelstuhl zurück und sagte, während er jetzt ebenso nach der Zimmerdecke hinauf-, wie vorher zur Erde niederstarrte: „Lieber Haldern, wer rät, gerät leicht mit hinein. Und ich gerate nicht gern mit hinein; in nichts. Aber Sie wollen meine Meinung, und so muß ich sie geben und meine Vorsicht opfern. Nun denn, es scheint mir unerläßlich, daß Sie mit Ihrem Onkel sprechen." „Ich freue mich dieser Bestätigung meiner eignen Ansicht." „Sie müssen mit ihm sprechen, sag ich, auf alle Fälle, trotzdem ich weiß, daß er «in absolut unberechenbarer Herr ist und sich aus lauter > Widersprüchen zusammensetzt oder doch aus Eigenschaften, die danach aussehn. Er steckt, und insoweit liegt die Sache zunächst nicht allzu günstig für Sie, bis über die Ohren in Dünkel und Standesvorurteilen, und doch ist ebensogut möglich, daß er Sie küßt und umarmt und vorweg zu Gevatter lädt. Auf Ehr!" Waldemar lächelt vor sich hin, aber es roar ein Lächeln, das mehr Zweifel als Zustimmung ausdrückte. „Ja, Waldemar. Sie lächeln. Und wenn ich Ihren Onkel nach seiner Alltags- und Durchschnittslaune beurteile, so kann ich nur sagen, Sie haben ein Recht zu lächeln. Aber, um es zu wiederholen, er ist auch einer völlig entgegengesetzten Auffassung fähig, und ich hab ihn im Klub und auch sonstwo Dinge sagen hören, daß mir das Blut in den Adern starrte." „Und in Fragen wie diese?" „Wie Sie sagen; just in Fragen wie diese. War es vor oder nach dem Kriege, gleichviel, aber es sind noch feine zehn Jahre, daß sich der jüngste Schwilow mit der Duperre verlobte, Balletteuse conime il kaut. Sie werden sich ihrer erinnern und damals von der Sache gehört haben. Nun, Waldemar, wenn ich sage, die Duperre hatte, was Ruf angeht, einen Knacks, fo sagt das eigentlich gar nichts, den sie war ein Knacks vom Wirbel bis zur Zeh (die Zeh selbst war natürlich ihr Bestes), und alle Welt war außer sich, und der Klub ballottierte den armen Schwilow, den sie damals Schmilow und, ich weiß nicht, wie sonst noch nannten, heraus. I Lauter schwarze Kugeln. Was aber tat Ihr Herr Onkel? Er gab ihm mit Ostentalion eine weiße Kugel. Und als ich ihn auf dem Heimwege nach dem Warum fragte, blieb er vor der Rampe von Prinz Georg stehn, unten, wo die Bohlenbretter liegen oder wenigstens damals noch lagen, und perorierte so laut in die Behrenstraße hinein, daß die Schildwache bis an das Eisengitter der Rampe herantrat und ihnuntersah, um zu fehn, was es denn eigentlich gäbe. Und was war es, das er sagte? Das wäre der erste vernünftige Schritt, den das Haus Schwilow feit fünfhundert Jahren getan. Einer wäre beim Cremmerdamm, in der fogenann- ten .ersten Hohenzollernschlacht' für die neu kreierte Nürnbergerei gefallen, was grab auch nicht das Gescheiteste gewesen, seitdem aber schweige die Geschichte von ihnen, was ein wahres Glück sei, sie würde sonst nur von Imbeciles und im günstigsten Fall von allerlei Durchschnittsware zu berichten gehabt haben, von öden Mittelmäßigkeiten, die sich mit den umwohnenden Ihlows (die gerade so wie di« Schwilows waren) in einem fort versippten und verschwägerten und sich unausgesetzt der Aufgabe Hingaben, die sechzehn Ahnen, die sie schon zu Albrechts des Bären Zeiten hatten, auf zweiunddreißig, v'ierundsechzig und hundertachiundzwanzig zu bringen. Was ihnen denn auch, wie nicht erst versichert zu werden brauche, längst geglückt sei. Denn schon beim Regierungsantritt des Großen Kurfürsten hatten sie die Zahl voll gehabt. Und in derselben riesigen Proportion, wie die Ahnenreihe, sei auch die Stultttia gewachsen, die einzig historisch beglaubigte Ahnfrau des Geschlechts. .Und nun passen Sie auf, Papageno' (so schloß er), ,wir erleben es freilich nicht mehr und können es nur von einem andern Stern aus — vielleicht von der Venus, was mir das liebste wäre — beobachten, aber das sag ich Ihnen, diese Balletteuse bringt die ganze Sippe wieder auf die Beine; der ganze Stammbaum, der gerade deshalb für uns und die Menschheit so dürr ist, weil er für sich selbst so wunderbar grünt und blüht, kriegt wieder ein andres Ansehn, und wo bis jetzt immer nur Landrat oder Deichhauptmann stand, stehn, von Anno 1900 an, junge Genies, Feldherrn und Staatsmänner, und irgendein Skribifax schreibt ein dickes Buch und beweist durch Grab- fchriften und Tausscheine, daß die Duperrä die Tochter oder Enkelin des Admirals Graf Duperre gewesen sei, desselben prächtigen alten Duperrä, der 1830 Algier bombardierte, den Bei von Tunis gefangen nahm und fast fo vornehm war wie die Montmorencys ober die Lusignans. Glauben Sie mir, Baron, ich kenne Familien und Familiengeschichten, und mein Wort zum Pfände, wo das alte Blut nicht aufgefrischt wird, da kann sich die ganze Sippe begraben lassen. Und behufs Auffrischung gibt es nur zwei legitime Mittel: Illegitimitäten ober Mesalliancen. Und, sittenstrenger Mann, der ich bin, bin ich natürlich für Mesalliancen.'" Waldemar sah vor sich hin. Dann nahm er das Wort und sagte: „Wohl, ich könnte mir einen Trost und eine Hoffnung daraus nehmen und eine freundliche Aufnahme beim Onkel wenigstens als eine Möglichkeit gewärtigen. Aber muß ich Sie, lieber Baron, an den alten, unferm gesamten Adel so geläufig gewordenen Satz erinnern: ,Ja, Bauer, das ist was andres? Immer der andre, der andre. Was für die Schwilows gilt, gilt darum noch nicht für die Haldems. Dem .andern', so denkt jeder einzelne, darf alles passieren, aber nicht ihm selbst. Es ist eine merkwürdige Erscheinung, mit welcher Gleichgültigkeit alte Familien sich gegenseitig beurteilen und welches Arsenal von Spott verschossen wird, die sich gleichdünkenden und mitbewerbenden Mächte zu ridikülisieren. Aber dieser Spott, ich muß es noch einmal sagen, ist immer nur für den .andern' da. Was kümmern meinen Oheim die Schwilows? Je mehr Balletteusen, desto besser, denn mit jeder neuen Balletteuse hat er nicht bloß einen neuen Stoff für die Klub mein sance, sondern auch eine beständig erneute Veranlassung, sich mit immer wachsendem Stolze des ungeheuren Unterschiedes zwischen den verduperreten Schwilows und der oherpriesterhast rein gebliebenen Sarastro-Haldern bewußt zu werden. Das zieht sich durch all« Adelsgeschichten, wiederholt sich bei jeder Familie: je freier in der Theorie, desto befangener in der Praxis, desto enger und ängstlicher in der Anwendung auf das eigne Ich." „Es ist, wie Sie sagen, Waldemar, und ich mag mich nicht verbürgen, daß es mit Ihrem Onkel anders steht. Aber steht es mit ihm, wie's wolle, Sie müssen ihm unter allen Umständen das Wort gönnen. Es bleibt doch immer die Möglichkeit seiner Zustimmung, und versagt er sie, nun so war es am Ende bloß der Onkel, bloß eine Halde Respektsperson, der man, wenn es zu toll kommt, den Respekt auch kündigen kann. Und da liegt der Unterschied zwischen Onkel und Vater. Einem Vater gegenüber, und wenn er einem das Furchtbarste sagt, muß man sich ruhig verhalten und sich das Furchtbarste gefallen lassen, das verlangt so das vierte Gebot. Aber das vierte Gebot schneidet scharf ab und versteigt sich, soweit mir bekannt ist, nirgends zu dem Zusatzparagraphen: ,Du sollst Onkel und Tante ehren'. Und das ist ein wahres Glück. Gott, Tante! Ich hatte auch mal eine, eine merkwürdige Frau, die Gott weiß was von mir verlangte, nur nicht das eine, daß ich sie ehren sollte. Beinah das Gegenteil. Nein. Einern Onkel gegenüber kann man sich seiner Haut wehren, einem Onkel kann man antworten und widersprechen und steht schlimmstenfalls Mann gegen Mann, und wär es mit dem Pistol in der Hand. Also nur vorwärts, Waldemar, vorwärts!" Der junge Graf erhob sich, der Baron aber wollte von Aufbruch noch nichts wissen und drückte seinen Gast leise wieder in das Sofa zurück. „Ich bitte Sie, Waldemar, Sie werden doch nicht gehn, ohne meinen ßafitte gekostet zu haben. Ich weiß. Sie machen sich nichts draus, unter allen Umständen ist Ihnen die Stunde zu früh; aber ich lasse Sie nicht los, und wenn Sie nicht trinken wollen, nun so nippen Sie wenigstens. Anstoßen müssen mir doch, um dem Geschäftlichen einen ungeschäftlichen und, wenns sein kann, einen gemütlichen Abschluß zu geben.* Während er noch so sprach, war er an einen Wandschrank getreten, der in seinem untersten Fach zugleich sein Weinkeller war, und kam mit zwei Gläsern und einer Flasche zurück. An der 2trt, wie er den Kork zog, erkannte man den Frühstücker von Fach, und nun goß er ein und stieß an. „Hören Sie, wie das klingt. So harmonisch soll alles klingen. Ja, harmonisch, das ist das rechte Wort. Und nun Ihr Wohl, Waldemar! Ich halte Sie nicht mehr lange fest, aber doch fünf Minuten noch. Ich muß Ihnen nämlich eine Liebeserklärung machen, die Sie mir zugute halten wollen. Sehen Sie, Sie haben ein fo gutes Gesicht, ein bißchen schwermütig, aber das tut nichts, das gibt einen Charme mehr, und ich wollte mein Leben darauf verwetten, daß Sie keinem Menschen je was .zuleide getan haben. Ich schloß Sie gleich in mein Herz, gleich den ersten Abend... Und nun bring ich noch eine Gesundheit aus, aber ohne Namen. Wozu sollt ich ihn auch nennen? Er steht ohnehin in Ihrem Herzen... Und sehen Sie, Sie sind mir seitdem noch lieber geworden. Im ersten Augenblick bekam ich einen Schreck, ich kann es nicht leugnen, und als ich nun gar noch einen Rat geben sollte, ja, das war mir ein bißchen zuviel. Aber das Diplomatische, das Offizielle, das liegt nun hinter uns, und ich kann nun sprechen, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Und da will ich Ihnen denn aufrichtig sagen, aber nur so ganz unter uns, Sie brauchen sich nicht auf mich zu berufen, ich freue mich immer, wenn einer die Courage hat, den ganzen Krimskrams zu durchbrechen." (Fortsetzung folgt.) Verantwortlich: vr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Drühl'sche Univ er fitäts-Buch« und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.