GietzenerKimilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Siehener Anzeiger Jahrgang 1951 Montag, -en 28. Dezember Nummer 102 Weihnacht. Von Gertrud A u l i ch. Schwere Wunder rauschen in mich nieder, Goldne Flügel, weit aus Urwelttagen, Da im Wehen weicher Liebeslieder Meine Mutter mich ans Licht getragen. Menschenwerdung ewigem Geschlechte! Seid gesegnet, heilige Nächte! O wie schön ist diese Welt im Lichte. Sonnenbrausen und die Sternenstille, Und ein Mensch von meinem Angesichte, Meine Himmelssehnsucht und mein Erdenwille: Denn ein Kind steht tief im Glück und lacht. Sei gesegnet, heilige Nacht! Greller Tag und dunkle Abendstunden, Leid des Lebens, Tod der Kreaturen. Aber Liebe schreitet Freudenrunden Durch die Welt aus eines Traumes Spuren. Und ein Leben hat sich dargebracht Meinen Einsamkeiten. Heilige Nacht! Goldne Wunder rieseln leise nieder: Sternenstille und Gebraus der Meere, Dunkle Glocken, Helle Kinderlieber, Sommerrausch und weiße Winterschwere. Mitten unter uns wacht Ewigkeit Ohne Anbeginn. O Weihnachtszeit! Oie Widmung. Eine Weihnachtserzählung von Liesbet Dill. (Nachdruck verboten.) Es war in den Weihnachtstagen und sehr kalt. Die Welt lag still und weiß wie begraben im Schnee, die Wege durch den Kurpark waren dick beschneit Meine Freundin Ilka hatte sich den Fuß beim Rodeln verstaucht und lag auf dem Sofa am Feuer, als ich hinkam, umgeben von einer Menge Papieren und Akten. Verzeih, ich laß das gleich wegbringen", sagte sie. „Es ist mein Prozeß." Und sie klingelte nach dem Tee. Es war kaum vier Uhr, aber schon Dämmerstunde, draußen rieselte der Schnee fein und dicht gegen die Scheiben des breiten Blumenfensters. Wir hatten die Sessel dicht an die Heizung geruckt und plauderten. „Nimmt denn dieser Prozeß niemals ein Ende?" fragte ich. Kaum Jedenfalls wird er nie ein gutes Ende haben, für mich", sagte sie, „denn mir fehlt das Wichtigste: der Hauptzeuge ...' Sie führte diesen Prozeß mit einer Bank, wegen der Verwaltung ihrer Papiere, mit denen sie große Verlust- gehabt hatte, well man versäumt hatte, sie rechtzeitig zu verkaufen. Sie hatte vor 3gf)ren, vor ihrer ~lb- reife ins Ausland, dem Bankbeamten selbst mündlich ihre Austrage gegeben, er hatte aber vergessen, sie weiterzugeben sedensalls waren sie nicht ausqefiihrt und als sie wiederkam, waren ihre Papiere inzwischen wertlos geworden, der junge Bankbeamte, der den Auftrag entgegengenommen hatte, war nicht mehr da und der Prokurist wußte von keinen Aufträgen. Der Bankbeamte war verzogen, fein Aufenthalt war unbekannt. Es war ein Oesterreicher, der inzwischen ins Ausland gegangen war, niemand wußte feine Adresse, niemand kannte ihn, und ihr Anwalt hatte ihr gestern noch gesagt, sie wurde den Prozeß wahrscheinlich verlieren. Den ganzen Weihnachtsabend hab ich in diesen Papieren gekramt", sagte sie, „aber es ist alles vergebens, ich finde den zeugen mcht mehr. Sie wußte nur feinen Namen. Während wir noch hin und herberieten, was man anfangen tonnte um ihn vielleicht doch im Ausland aueftndcg zu machen, klingelte plötzlich das Telephon. Ein Vetter aus Frankfurt war Mit einem Freund zur Stadt gekommen und lud sie ein, eine Fahrt an den verschneiten Rhein zu machen. „An den Rhein? Im Winter?" fragte meine Freundin erstaunt. „Mein Freund hat den Rhein noch nie gesehen. Ich denke es mir sehr nett, ihn auch mal verschneit zu sehen", sagte die ferne Stimme. „In einer halben Stunde holen wir dich ab, ich fahre selbst, ich weihe meinen neuen Wagen ein, es ist ein geschlossener Wagen, und es hört schon auf zu schneien." „Ich habe aber eine Freundin zu Besuch", wandte Ilka ein. „Um so besser", sagte der Vetter. „Ich habe vier Plätze ... Abgemacht?" „Gut, wir fahren, mit." Meine Freundin hängte an. „Es ist mal etwas anderes", meinte sie. „Ich kann im Wagen meinen Fuß aus- strecken, es wird schon gehen." Eine halbe Stunde später fuhr der Wagen vor, die beiden Herren tranken rasch noch eine heiße Tasse Tee im Stehen, dann wurde Ilka in Pelzdecken eingepackt und wir fuhren an den Rhein. Es schneite nicht mehr. Wintergrau hatte sich der schwer dahinströmende Rheinstrom verhüllt, Raben flatterten über die Rheinebene, die sich zwischen den erfrorenen, kahlen Weinbergen hinzog. Dicke Eisschollen trieben auf dem Strom, der unheimlich und schwarz dahintrieb, von einer roten, kalten Wintersonne bestrahlt, die hinter den weihen Bergen versank. Am Ufer türmten sich die Eisschollen blauweiß in Blöcken, und auf dem stellenweise zugefrorenen Rhein sah man Kinder Schlittschuhe laufen. Die alten Städtchen mit ihren Gassen, so eng, daß der Wagen sich kaum durchwand, waren weißgepudert von gefrorenem Schnee. Dort, wo der Strom sich teilte, zwischen dem „Mäuseturm" und der Insel, die sich mitten in den Rhein schob, am „Binger Loch", schimmerte das Wasser tiefschwarz, von weihzischenden Strudeln umschäumt, in deren Strömung schon manches Schiff gestrandet und an dessen Rissen mancher Schisser ums Leben gekommen war ... Der Freund, ein Wiener, war begeistert. Er fand den Rhein grandios, aber fast überwältigend ernst in dieser Winterstimmung. Drüben glitzerten die Lichter von Bingen, feenhafte Lichterbrücken schwangen sich über den Rhein, Schiffe kamen und gingen wie weihe, ststk große Schwäne und von der Hohe grüßten die Burgen Rheinstein uri,. Reichenstein. Das Auto hielt vor dem gastlichen Tor der „Krone". Im Sommer waren diese -rebenumranften Veranden dichtbesetzt von Gästen, heute raschelte nur ein kalter Wind mit den trockenen Weinblättern. Im warmen Gastzimmer sanden wir einen Tisch am Fenster. Das Abendessen wurde aufgetragen und in den Kelchen schäumte der rote Aßmannshäuser. Als wir uns beim Kaffee die Zigaretten anzündeten, öffnete der Wiener sein Etui und bot feine Zigaretten an. „Es ist eine ganz besonders seine, ägyptische Marke, die ich immer rauche." Ilka griff nach der Zigarette, aber sie stutzte. Auf der Innenseite des silberne Etuis war eine Widmung eingraviert. Sie stieß einen Schrei aus, in der vergoldeten Innenseite stand der Name des Bankbeamten, den sie seit Jahren vergeblich gesucht hatte. Sie war ganz blaß geworden. „Kennen Sie diesen Herrn?" rief sie und zeigte aus den eingravierten Namen. Sie zitterte vor Erregung. „Natürlich kenne ich den", sagte der Wiener. „Was ist daran so Sonderbares? Es ist ein Kollege von mir, der gleichzeitig mit mir in derselben Bank in Buenos Aires war." „Und jetzt?" rief Ilka. „Wo ist er jetzt?" „In Frankfurt. Wir find zusammen auf demselben Schiff herüberge- kommen, ich habe nur diesen Abstecher mit ihrem Vetter gemocht, um einmal den Rhein zu sehen .. „Und Ihr Freund, wo ist der jetzt?" „Im Frankfurter Hof ..." Ilka erhob sich. Sie rief den Kellner und bat ihn, sofort die Verbindung mit dein Hotel in Frankfurt herzustellen. „Was ist denn eigentlich los?" fragte der Vetter, der ihre Erregung nicht begriff. ... Und Ilka erklärte ihm. „Mein Prozeß ... der Zeuge ist gefunden, den wir feit Jahren vergeblich gesucht haben. Mein Prozeß ist gewonnen, wenn er aussagt ..." Endlich kam die Verbindung. In der engen Zelle hörten wir sie sprechen, und eine ferne Stimme gab Antwort ... Strahlend kam Ilka zurück, wie erlöst. Ihre Augen leuchteten. Sie hatte den Herrn gesprochen, er hatte ihr versprochen, morgen herüberzukommen ... „Das war mein bestes Weihnachtsgeschenk." Und sie reichte ihrem Vetter die Hand. Kurze Zeit nach diesem Winterabend am Rhein hat sie ihren Prozeß gewonnen ... Rätselhaft sind die Wege des Schicksals, das Menschen auseinander und wieder zueinander führt ... Dle Heimkehr des Nitters. Cine weihnachtslegende. Don Alfons v. Czibulka. Als Herzog Leopold von Oesterreich das Kreuz nahm und hinter Kaiser Friedrich dem Rotbart ins Morgenland zog, ritt in dem Heerbanne des Babenbergers auch der junge Dietleib von Traun. Seine Siandesgefährien hießen ihn den traurigen Ritter. Doch nicht etwa deshalb, weil er am Ende eine Jammergestalt im Harnisch gewesen wäre. Es war Dietleib von Traun wohlgewachsen und so tapfer in der heiligen Fehde gegen die Ungläubigen, daß man ihn gerne sah im Kreise der Ritterschaft, wiewohl er nicht zu den Grafen und Baronen des Landes zählte und auch mit Gütern nicht gesegnet war. Nichts nannte er an Besitztum sein eigen als eine kleine, verwitternde Donauburg auf kahlem Fels über dem Strom, von deren kümmerlichen Paradiesgärtlein neben dem plumpen Bergfried er auf die fetten Güter der Nachbarn sehen konnte; auf die sonnenwarmen Rebenhänge am blau und silbern blitzenden Bande der Donau, auf Aecker und Wiesen, über die im Herbste das bunte Treiben des Federspiels fegte. Doch war nicht mangelnder Reichtum die Ursache seiner Traurigkeit, die ihn während des Kreuzzugs selten mehr reden ließ als das Alltägliche und Nötigste. Er gehörte zu den wenigen Menschen, die Armut nicht als Unglück empfinden, solange sie Gottes Gnade nur vor Hunger bewahrt. Es litt der Ritter Dietleib unter der Trennung von seiner jungen und schönen Hausfrau, die er wegen des Kreuzzuges hatte verlassen müssen, kaum daß sie einen Monat Burg und Schlafkammer mit ihm geteilt. Wiewohl er ein gottesfürchtiger Mann war, wäre er dennoch nicht schon im Honigmonde aus seiner Ehe geritten, hätte er nicht einst, zwischen Knaben- und Jünglingsalter, der Himmelskönigin gelobt, beim ersten Aufruf des Herzogs zu einem Zugs ins heilige Land unverzüglich und zu welchem Zeitpunkte immer in den Satte! zu steigen. Damals, als er noch mit seiner Bubenarmbrust, nach allerlei Kleintier jagend, durch die Forste strich, hatte ihn nahe der väterlichen Burg und doch soweit von ihr entfernt, daß dort niemand seine Hilferufe zu hören vermochte, eine ihre Jungen hütende Bärin angefallen. Und da er als Wehr nichts bei sich trug als eben jene Knabenarmbrust, mit der er Krähen und Dohlen und zur Not einen Hasen im Klee erlegen konnte, so hatte er in seiner Todesangst der Jungsrau Maria, wenn sie ihm helfen wolle, diese Kreuzfahrt gelobt. Welches Gelübde wohl auch in Gnaden ausgenommen wurde. Denn als er in höchster Not den kleinen Bolzen von der schwachen Sehne schnellte, fuhr das Geschoß dem zottigen Untier durch das Auge ins Hirn, so daß die Bärin wie von einem Wetterstrahl getroffen, zusammenbrach. An seinem Gelübde wollte er nicht deuteln. Darum war er, kaum daß Herzog Leopold den Heerbann aufbieten ließ gegen Sultan Saladin durch reitende Boten und von den Kanzeln, die Donau hinunter gegen Wien geritten. Obwohl ihm doch niemand einen späteren Aufbruch verübelt hätte, weil er eben erst die Dame seines Herzens, ein schönes, aber armes Edelfräulein, in sein Felsennest heimgeführt hatte und er als einzelner das langfam ziehende Heer auch noch nach Wochen erreicht hätte. Wie ja manche Nachzügler erst nach zwei Monaten oder drei sich rüsteten und die übrigen Kreuzfahrer dennoch noch vor den heiligen Stätten erreichten. Wenn er nun sein Gelübde auch treulich hielt und seine Frömmigkeit es nicht zuließ, daß ihn sein Schwur nun gereute, so glaubte er doch manchmal diese Trennung von seinem Weibe nicht ertragen zu können. Um so mehr als seine Hausfrau, da man längst schon vor Accon lag, ihm durch einen Boten gemeldet hatte, daß ein künftiger Burgherr in der Wiege strample und in den Nächten mit den Katern um die Wette greulich musiziere. Je mehr der Wochen vergingen, desto trauriger wurde Dietleib von Traun. Und als zum zweiten Male der Tag sich jährte, an dem man den Weihnachtsabend im Feldlager feiern mußte, glaubte er vor Liebe und Sehnsucht das Leben verlieren zu müssen. Er war am Nachmittage, müde von einem Streifritt, eben in sein Zelt zurückgekehrt, als ihm einfiel, daß in wenigen Stunden in den Donaudörfern das Geläute der Glocken, zu seiner Burg emporschwebend, den Christabend ankünden werde. Da sank er vor. dem Marienbilde in die Knie, das an der Zeltstange über seiner Schlachtrüstung hing. Inbrünstig betete er, es möge die Himmelskönigin ihm die Fraft verleihen, fein Gelübde weiter treulich und freudig zu erfüllen. Denn, so gestand er in kindlichem Vertrauen der Gottesmutter, es sei sein Herz so überströmend von Liebe, das er den Gedanken nicht.zu ertragen glaube, diesen Abend, an dem die Christenheit die gnadenvolle Geburt ihres Sohnes feiere, um dessen heiliges Grab zu streiten er ihr angelobt, ferne von Weib und Kind zu verbringen. Dann warf er sich aufs Lager, um im Schlafe Vergessen zu finden. Auch wollte er nach dem Ritte der Ruhe pflegen, was ihm um so nötiger schien, als ein gefangener Sarazene ausgesagt hatte, daß am kommenden Tage noch vor Morgen der Sultan Saladin selbst mit seiner ganzen Macht aus Aeeon hervorbrechen wolle, um das nach der Christmette spät zur Ruhe gekommene Heer noch im Schlafe zu vernichten. Als der Ritter Dietleib erwachte, war es Nacht. Es fror ihn. Wiewohl doch sonst auch die Nächte glühten in diesen Breiten. Statt Wüstensand und steinerner Oede waren hohe dunkle Tannen um ihn, deren Aeste unter der glitzernden Schneelast zu brechen drohten. Und obgleich er in seinem Zelte eingeschlafen war im heiligen Lande, saß er nun in seiner Reiserüstung zu Pferd, mit Schwert, Lanze und Schild. Ein klarer, noch tief über den Wipfeln stehender Mond goß einen schwachen Schein auf den sachte steigenden Pfad. Die Hufe des dampfenden Rosses versanken in tiefem Schnee. Ritter Dietleib begriff das nicht. Er glaubte zu träumen. Denn es gab doch nicht Tannen und knirschenden Schnee im brennenden Sande vor Accon. Als der schmale Waldweg auf eine weite Lichtung hinaustrat, auf deren Weiße Roß und Reiter lange Schatten warfen in der fast schmerzenden Helle zwischen dem schwarzen Gürtel der Forste, sang ein Horn- stoß von der Berghöhe her durch die Stille der frostigen Nacht. Nun wußte Dietleib, daß es ein Traum fei. Denn er hatte den Horn- ruf erkannt, mit dem fein Wächter im Bergfried den Burgsassen das Nahen eines Gastes zu künden pflegte. Auch ragte nun vor ihm als ein samtener Schatten über dem letzten Streifen- des Waldes auf mäßig hohem Felskegel feine Burg in den goldgrünen Himmel. Rascher trabte er über die Waldblöße. Wiehernd bog das Pferd in das wohlbekannte Strählein ein zwischen letzten, schon schütter stehenden Tannen und schritt dann (angfam den steinigen Burgweg hinaus, #nit dem Kopse schlagend und freudig schnaubend, als wittere es die Nähe des lange entbehrten heimatlichen Stalles. Als Ritter Dietleib aus bem obersten Waldstück hervorritt und Mauern und Turm, von rieselndem Lichte übergossen, nun nahe vor ihm aufwuchsen, scholl zum zweiten Mal das Horn. Die Zugbrücke knarrte und senkte sich. Das Torgatter hob sich. Die Hufe polterten über die blanken Bohlen. Fackeln züngelten in der Zugluft des sich öffnenden Tores. Knechte liefen, um dein Gast aus dem Sattel zu helfen. Einer hob das Licht prüfend vor das Gesicht des Reiters und jauchzte laut: „Unser gnädiger Herr!" Erstarrt und nichts begreifend hielt Dietleib von Traun. Undeutlich wie durch eine Nebelwand sah er eine Frauengestalt hinter eilenden Fackeln über den nach dem Hofe zu offenen Wehrgang laufen. Verwirrt glitt er aus dem Sattel. Da ruhte ein junger Fraüenkopf schluchzend an seinem Harnisch. . Als er das Kind lachend aus der Wiege gehoben, wie ein Wunder bestaunt und bann, ber Rüstung entkleidet, voll wohliger Müdigkeit, das Söhnlein im Arm, in bem hohen Sessel am Kamine saß und seine Hausfrau hundert einander überstürzende Fragen stellte, wußte er keine Antwort. Er vermochte nicht zu sagen, wie es denn zugehe, baß er plötzlich wie ein guter Geist aus bem fernen Morgenlanb hereingeschneit käme und wie er heil burch all bie heidnischen fianber, durch bas Kaiserreich von Byzanz unb bas roilbe Ungarlanb geritten wäre. Nur bas eine wußte er noch, baß er am Nachmittage, nachdem er zur Gottesmutter um Stärkung gebetet, eingeschlafen fei in feinem Zelte vor Accon. Wohl wunderte sich fein Weib über so kurzes Gedächtnis. Doch grämte es sich nicht weiter, weil es dachte, es hätten ihm Freude und Müdigkeit für eine Weile die Erinnerung genommen. Sie horten noch bie Christmette unten im Dorf an ber Donau, wohin sie hinter sackelhaltenben Knechten von ihren Pferben sich tragen ließen. Dann ruhten sie in dieser heiligen Nacht des Wunders unb ber Liebe, indes die Wiege des Söhnleins zu Häupten des Ritters stand, der immer noch zu träumen glaubte unb betete, bah biefes Traumes kein Enbe käme. Was soweit zu Helsen schien, daß er am folgcnben Tage, nicht, wie er gefürchtet, im Felblager, sondern neben seinem Eheweib erwachte. Doch als seine Hausfrau am zweiten Morgen nach ihm sehen wollte, war das Lager neben ihr leer und schien so unberührt, als hätte niemals ein so stattliches Mannsbild darinnen geruht. Und weil sie ihn nirgends zu finden vermochte, auch die Burgleute nicht die Rede auf den Ritter brachten — weil sie nun fürchteten, es sei sein Gespenst gewesen, das sie heimgesucht —, meinte sie, daß sie es wäre, der die Sehnsucht den Kopf verwirrt. Was sie auch weiter nicht gewundert hätte, da doch der Geliebte, statt wie es sich gehörte, bei ihr und dem Kinde zu fein, feit nun bald zwei Jahren gegen heidnische Sultane ritt. Doch tat sie weiter ihr Tagwerk, was gegen Grillen aller Art noch immer des Herrgotts heilkräftigstes Tränklein gewesen ist, und hoffte in ihrem liebenden Herzen, daß auch dieser Kreuzzug, der ihr als ein so schweres Kreuz auferlegt, eines Tages zu Ende käme. Weil der Ritter Dietleib ja doch nur zu träumen geglaubt, so war er nur mäßig enttäuscht, daß er plötzlich wirklich nicht in seiner ehelichen Schlaskammer erwachte, vor deren Söller die Wipfel der Tannen rauschten über dem einigen Siebe bes Stromes, sondern in feinem heißen Zelte vor Accon. Nur wunderte es ihn, daß seine Schiacht- rüftung unter dem Marienbilde so von Blut gerbtet war, da es doch seit geraumer Zeit einen Strauß nicht gegeben. Auch vermochte er sich keinen Reim daraus zu machen, als sein schon ergrauter Reitknecht, Wein unb Morgensuppe bringenb, zum Auf- stehen mahnte, weil bas Heer sich schon zum Gottesdienste sammle, den man heute abhalten wolle zum Danke, bas gestern Accon gefallen. Ritter Dietleib schwang bie Beine herum und blieb kopfschüttelnb am Ranbe seiner Ruhestatt sitzen. Denn wie konnte Accon gefallen fein, ba er buch seit gestern nicht aus bem Lager gekommen. Als aber ber Alte weiterschwätzte unb sagte, baß bas Schönste am gestrigen Tage gewesen wäre, wie Herr Ritter Dietleib hinter ben, siiehenben Sarazenen unb Teufelskinbern als erster durch das Stadttor gestürmt sei, ba lachte Dietleib schallend auf und klopfte mit dem Finger bedeutsam an die totirne. Weil es doch offensichtlich war, daß die Hitze im heiligen Lande dem Knechte das Hirn gedörrt. Wie konnte er durch das Stadttor gestürmt sein, da er doch seit bem gestrigen Tage geschlafen und so schön unb ungestört von Weib, Sohn unb Burg geträumt hatte. Da er aber bas Lärmen in ben Lagergassen hörte, fuhr er nun boch in Keiber unb Rüstung. Doch des Wunderns schien an diesem Tage fein Ende zu (ein. Als er als einer ber Letzten unter bie versammelten Ritter trat, grüßte ihn überall freunblicher Zuruf unb man schob ihn lachenb in bie vorberste Reihe, bamit alle ihn sehen könnten. Noch erstaunter war er, als nach der heiligen Handlung der Herzog, der inmitten seiner Großen vor seinem Zelte hielt, wo er dem Gottesdienste beigewohnt, ihn durch zwei Herolde zu sich befahl. Verwirrt beugte er bas Knie vor seinem Herrn, ber ihn freundlich aushob und bann mit weithin schallenber Stimme sprach: „Ritter Dietleib, stehet auf als ein Gras von Traun! Keinem mürbigeren könnte ich solche Ehre erweisen. Durch Euch war sichtbarlich Gottes Gnabe mit uns. Denn als Ihr als erster gegen Accon stürmtet, ist es gewesen, als wäre die Heilige Jungfrau selbst vor dem Heere geritten". Nun erst begriff Dietleib von Traun, dem der Herzog nicht nur die Grasenwürde verlieb, sondern auch weite Liegenschaften an der Donau, Weinland, Aecker, Wälder und Dörfer, daß, indes er durch ein Wunder bei Weib und Kind geweilt, in seiner Rüstung die Himmelskönigin selber an diesem Weihnachtsmorgen gefochten habe für das christliche Heer. Als Herzog Leopold ergriffen von dem Wunder hörte, überkam ihn die beglückende Ahnung, daß dieses Land, über das ihn Gott und Kaiser gesetzt, dazu ausersehen war, machtvoll zu werden nicht allein durch die Schärfe des Schwertes, sondern auch durch den Zauber der Herzen. Oie zwölf Nächte. Alter Volksbrauch und Aberglaube. Von Hans Sturm. Wie Schatten uralter Naturkulte wirken die Erinnerungen an die „Zwölften", auch Unter- oder Rauhnächte genannt, die sich im Brauchtum unseres Volkes erhalten haben. Es waren damals die Tage des Julfestes, das am 24. Dezember begann und am 6. Januar endete. Auf den Bergen wurden als flammende Opferzeichen die Julseuer entfacht, in deren weithin leuchtendem Widerschein die besonders aufgeschlossenen Stammesgenossen das geheimnisvolle Weben der sich wandelnden Natur und ihres Volkes ferneres Schicksal zu ahnen glaubten und, wie die alten Zauber- und Runensprüche dartun, zu deuten versuchten. In dieser Zeit ruhte jegliche Arbeit, die Jagd wurde eingestellt, in keinem Hause durste sich ein Spinnrad drehen, wenn die wilden Julboten auf weißen Rossen durch die Lande brausten, um jeden zu strafen, der das Gebot nicht befolgte. Man glaubte, in diesen Nächten kämen die Gottheiten auf die Erde und besuchten die Menschenkinder in ihren Behausungen, ließen sich zur Mahlzeit nieder und trügen Fluch und Segen mit. Da jeder Fremde ein solch hoher Gast sein konnte, galt in diesen Wochen die unbeschränkte Gastfreiheit als oberstes Gebot. Einem fremden Wanderer die Türe zu weisen, hätte den surchtbaren Zorn der göttlichen Mächte heraufbeschworen; auch durfte man dem Gast gewisse Speisen nicht vorsetzen. Was der Fremde übrig ließ, mußte verbrannt oder vergraben werden. Die Nachklänge der heidnischen Zeit mischten sich später mit der mittelalterlichen Sterndcuterei und mit kirchlichen Legenden, und so entstand über diese geheimnisumwitterten Tage und Nächte ein Volksglaube, der tiefe Wurzel schlug und sich vor allem bei der ländlichen Bevölkerung zum Teil bis in unsere Tage erhalten hat. Von den ursprünglichen zwölf Nächten feiert man heure nur noch brei: die Christnacht, die Thomasnacht und Dreikönige. Die Christnacht. Ihr galt feit Urzeiten des Volkes besondere Liebe, mit ihr begann das Julfest — Jul bedeutete Freude — die frühgermonifche Wintersonnenwende. Ein sehr alter Glaube ist dos Vorwochen in der heiligen Nacht, in der auch die Haustiere nicht schlafen sollen und deshalb bis zur Frühe wachgehalten werden. Um Mitternacht, also zwischen zwöls und eins, können sie reden in der Sprache der Menschen und wissen zukunftskündende Worte zu sagen. Wehe bem, der sie belauscht, er würde einen ungeheuren Frevel begehen und die Tiere, die in der Sprache des Alten Bundes reden, doch nicht verstehen. Alles auf, unter und über der Erde wandelt sich in dieser Nacht. Das Feuer erhält eine besondere Kraft, denn Holz, das man in dieser Nacht verbrennt und dessen Asche man auf die Felder bringt, nützt der nächsten Ernte. Das um Mitternacht geschöpfte Wasser besitzt besondere Heilkrast und schützt im kommenden Jahre gegen döse Zauber aller Art; ein altes Runenwort sagt: „Alle Wasser werden in dieser Nacht zu Wein, Alle Bäume zu blühenden Rosrnarein". Selbst für Spitzbuben und Wilderer gab es allerlei Bräuche und Regeln, deren Ausübung im nächsten Jahre vor dem Ertapptwerden hüten sollte. Damals entstand auch die Sage von dem Mann, der in der Christnacht, wo weder Mensch noch Tier arbeiten sollen, Holz füllte und deshalb auf den Mond verbannt wurde. Noch viel Unheimlicheres birgt diese Nacht für den Abergläubischen. Wer nach dem letzten mitternächtlichen Glockenschlag an einer erhellten Kirche vorübergeht, kann diejenigen gewahren, welche die fommenbe Weihnacht n'd}t^,nebr erleben werden. So man durch einen Türspalt ober durch ein Fenster in ein tannenbaumgeschmücktes Zimmer blickt, erkennt man die Todgeweihten daran, daß sie ohne Kops auf ihrem Platze fitzen. Wenn beim Anzünden des Lichtes der Schotten eines Anwesenden an der Wand mißgestaltet oder kopflos erscheint, dann kündet dies ein nahes Unheil oder baldigen Tod. Damals wie heute war es der innigste Wunsch der meisten Menschen, immer Geld zu haben; als Symbol der Gelbfülle galten die Mohn- forner, die als Mohnspielen ober als Mohnstriezel gegessen würben. Aehniiche Bedeutung schrieb man dem Karpfen zu, von dem man einige Schuppen in die Geldtasche legte, um immer Geld bei sich zu Haden. Die Thomosnachl. Der kürzeste Tag des Jahres ist dem heiligen Thomas geweiht und gilt im Volksglauben als rechte Spuknacht, in der alle Geister, die guten und die bösen, entfesselt sind und mit der „wilden Jagd" über die Lande stürmen; in der Thomasnacht sollen die Geister geheimnisvolle Kräfte über die Menschen gewinnen, daher ist es ratsam, sie durch allerlei Schreck- und Abwehrbräuche sernzuhalten. Zudem ist diese „verzauberte Nacht" reich an Vorzeichen für die kommende Zeit, deshalb fucht man aus allen möglichen Dingen und Begebenheiten Künftiges zu deuten. So hört man Prophezeiungen aus dem Brodeln siedenden Wassers und aus bem Brausen ber Winde, lieft aus den Formen der Wolken späteres Geschehen. Auch in ßiebesbingen erhält man Antwort; so klopfen die lebigen Mädchen um Mitternacht^on die Rückwand des Hühnerhauses und richten sich nach dem alten Spruch: „Gackert ber Hahn, So krieg' ich ein' Mann, Gackert bie Henn', So krieg' ich kein'!" In manchen Gegenden glaubte man früher, der heilige Thoma« komme in einem feurigen Wagen aus den Lüsten, brause über die Fried» häfe und rufe alle Toten, bie seinen Namen tragen, aus den Grüften, um sie zu segnen. Die Lebenden beteten bann das Thomasgebet, um den Heiligen für die Toten gütig zu stimmen, bann aber auch, um nicht selbst von der wilden Jagd fortgeweht zu werben; allen Ernstes dachte man, man könne von den „Nächtlichen" fortgeführt werben. Es finden sich aus bem Enbe des 17. Jahrhunberts behördliche Akten, die vom plötzlichen Verschwinden von Menschen berichten, die man erst mehrere Tage nachher weit von ihrer Heimat entfernt wieder aufgefunben habe. Um sich unb bas Vieh zu bewahren, schloß man die Fenster und Türen besonders fest und bestreute die Schwellen mit Salz. Drei Könige. Am Vorabend der letzten ber Rauhnächte aßen früher die Hausleute mit bem ganzen Gesinde ^us einer großen Schüssel Milch mit ein« gebröckeltem Brot; bie letzte Schüssel mit Ueberbleibseln blieb für bie Drei Könige. Dann legte jeder behautfam feinen Löffel auf den Schüssel- ranb, und wessen Lössel in der Nacht von den Dreikönigen heruntergestoßen wurde, hatte Unglück zu erwarten im kommenden Jahre. Auch sagte ber Lössel, wer in ben Himmel kommt ober in bie Hölle, je nachbem er in ber Schüssel ober auf bem Tisch liegt. Gabel unb Messer müssen verschlossen werben, bamit bie nächtlichen Gäste sich nicht verletzen können. In Nieder-Oesterreich kehren die Bauern am Abend des 5. Jänner (Januar) „auf’m Tenn" (auf der Tenne) mit dem Rutenbesen einen Kreis aus, in bem nachts die Drei Könige tanzen wollen. Einmal vergaß eine Bäuerin das Kehren unb fanb, wie bas abergläubische Volk sich erzählt, in ber Frühe zu ihrem Entsetzen bas einzelne Bein eines ber Könige, ber es sich auf der ungekehrten Tenne abgebrochen hatte. Man grub es in ber nächsten Nacht am Friedhof ein. Am Drei-Königs-Tage wurde der Kalender für bas ganze kommende Jahr geschaut, und zwar war jeder der zwölf Tage maßgebend für die nächsten zwölf Monate. Alle Berufe, alle Stände standen einstmals unter bem wirksamen Einfluß bes uralten Volksglaubens. „Wie meine Esse ist in ben Rctuhnächken, zugig ober still, trocken ober naß, so wirb ber Sommer", sagte ber Schmied. „Wenn der Wind weht in ben zwölf Nächten, so gerät bas Obst, unb wer schweigend um jeden Baumstamm ein Strohband flicht, bem gefriert die Blüte nicht", fügte ber Gärtner hinzu. Ein finnierenber Schneiber weih: „Wer die zwölf Nächte an einem Kreuzweg steht unb lauscht, ber hört, wie es im tommenben Jahre zugeht: recht unb gerabe, kreuz unb quer!" Ein Tierfreund meint, wenn fein Hund in den Nächten „ben Kopf ängstlich in ben Monbschein legt unb über ben Hof heult", müsse einer sterben. Der Müller will am Klappern seiner Mühle erkennen, ob ber Weizen gerät ober nicht. Die Hausmutter verrät, baß in biesen Tagen nicht gewaschen werden soll, unb, wer bann Erbsen ißt, bekommt blöde Augen, ober: „Wer vor ber Christnacht den Rocken nicht abgesponnen hat, bem fällt er in den Schmutz, unb es wirb kein Flachs baraus!" Alle biefe Bräuche, Gewohnheiten, Sprüche unb Deutungen zeigen, baß unsere Altvorberen mit ber sie umgebertben Natur inniger oerbunben waren als wir Heutigen, unb so konnten sie in ben heiligen zwölf Nächten bie sich roanbelnbe geheimnisvolle unb schicksalsreiche Zeit sehen unb, freilich auf ihre Art, auch beuten. Zwei wollen zum Theater. Roman von Hans-Caspar von Zobeltitz. Copyright 1930 by Carl Duncker-Verlag, Berlin. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Er aß bann mit erstaunlich gutem Appetit; Queis bemerkte es; er schmunzelte: ber hat wohl seit langem fein warmes Abenbbrot bekommen. Er schenkte Peter ein, „Prost, Vetter!" unb roieber merkte er, es schmeckte ihm. Er trank ben Mosel mit mehr Genuß, als einst in Berlin ben besten Sekt. Unb konnte anscheinend auch nicht mehr so viel vertragen wie einst. Sie hatten zuerst über seine Arbeit gesprochen, sehr ernst unb gewissenhaft; auch über seine Zukunft. „Laß man, ich mache schon meinen Weg", hatte Peter gesagt, „der Alte verlangt ja höllisch viel, er schubst mich in olle Fortbildungsstunben. Aber ich mache noch mehr: ich frische mein Englisch auf, besonders nach der technischen Seite. Und bann quassele ich ihn eines Tages, wenn ich firm bin, englisch an, bamit er roieber was zu staunen Hai." Aber bei ber zweiten Flasche kam er ins Schwatzen. Da war ein Ton, ber Leo aufhorchen ließ, benn er war ihm fremb an Peter: ein bißchen weich, ein bißchen elegisch. Erst von Großmutter, bann von Isa. „Es ist boch ein Unsinn, daß bas Möbel sich schinden muh. Mädels sollten nicht arbeiten, sie sind eigentlich viel zu schade dafür. Ich fehe bas boch an unseren Bureaufräuleins. Die finb alle blaß. Unb nun gar bie Rollenlernerei. Ueberhaupt bas Theater. Das ist boch nichts für Jfa. Das ist überhaupt ein Nonsens." Er machte eine Pause, nahm sein Glas unb trank es auf einen Zug aus; aber nicht mehr aus Dürft, auch nicht mehr als Genießenber; nein: er spülte irgenb etwas herunter. „Hast du Nachricht von Isa?" „Großmutter schrieb mir, sie sei überarbeitet unb nervös. Aber sie würbe jetzt Ruhe haben. Der Büchner müßte verreisen, ba hörte eine Weile ber Unterricht auf. Am besten wäre es meiner Meinung nach, wenn dieser Büchner ganz verschwände. Er allein hat die Sache ja angerührt." Nun trank Queis fein Glas leer. Auch in einem Zuge. Eine Weile faßen sie still, schwiegen. Bis Peter plötzlich fragte: „Kommst du Samstag nach Weimar?" „Was soll ich in Weimar?" „Nun in die Premiere." ' „In was für eine Premiere?" „Fräulein Rose sagte mir, du wolltest kommen." „Ach, die Kleine? Ist das Samstag? Dann natürlich. Sie sagte dir? Hast du sie denn gesprochen?" „Ja." Nur das eine Wort sagte Peter und das recht kurz. Im gleichen Augenblick ahnte Leo Queis Zusammenhänge. Er goß ein und fing an von Gertie zu sprechen: wie er sie von der Chaussee ausgelesen, daß sie mit nach Scherkalden gekommen. Erst war Peter still und hörte nur zu. Als aber Leo sagte: „Sie scheint mir ein famoses Mädel zu sein", hakte er ein: „Und ob sie ein famoses Mädel ist. Auch viel zu schade für diese Arbeiterei. Dabei hat sie es nicht einmal nötig wie Isa. Aber sie will selbständig sein, will zeigen, daß sie was kann. Sie will ...", er machte eine Pause, fand seinen Saß nicht ganz zu Ende, «... na, sie will eben. An ihr ist alles nur Wollen." Da war Queis klar, wo Peters Kraftwelle lag. Jena—Weimar: die Nachbarschaft, dazu die alte Freundschaft in Berlin; es lag ja auf der Hand. „Also gut", sagte er, „ich komme Samstag. Und nach dem Theater essen wir zusammen: die kleine Rose, du und ich. Vielleicht auch noch ein paar Kollegen von ihr, du wirst das schon arrangieren, Peter." Er sprach von Gertie Rose und dachte an Isa. Freundinnen waren die beiden. Vielleicht war auch da ein Weg, eine neue Brücke. * Die Generalprobe war vorüber. Sie war nicht so verlaufen, wie eine Generalprobe verlaufen muß: ohne Unterbrechungen, ohne Korrekturen. Im Gegenteil: Fleischmann hatte in jedem Akt dazwischengerufen. Er war immer nervöser geworden. Am Ende des zweiten Aktes gab es sogar eine Heulerei. Gertie Rose hatte wieder einmal einen ihrer sprunghaften Einfälle gehabt: die Bühne stellte die Halle einer Villa dar, die Villa der Eltern jener Bebe, die Gertie Rose verkörperte; sie hatte einen kurzen, stummen Gang über die Bühne zu machen, nachdenklich, überlegend, sollte sich zum Schluß vorn in einen Stuhl setzen und hier den Auftritt ihres Freundes erwarten, mit dem sie dann die Schlußszene hatte. Der stumme Gang war oft geprobt worden, damit das Nachdenkliche klar herauskam. Er ging quer über die ganze Bühne, zwischen zwei Tischarrangements hindurch, vorbei an den Flügel; und heute fiel es Gertie ein, den Gang zu j unterbrechen, sich der Länge nach auf den Flügel zu legen, den Kopf dem Publikum zu in beide Hände zu stützen und die Unterschenkel zu heben und hin» und herzuschlenkern. So wartete sie auf ihren Partner. Der kam natürlich nicht, stand mit dem Inspizienten hinter der Szene und sah nach dem Stuhl, der nun leer blieb. Aus dem Parkett schrie Fleischmann: „Was wollen Sie denn da oben, scheren Sie sich doch nach vorn in Ihren Sessel." — Woraus Gertie antwortete: „Ich finde, ich denke hier oben viel bester nach. Warum kommt Siewers denn nicht?" — „Er wartet doch, bis Sie sitzen." „Da kann er lange warten." — „Sein Gang ist doch einftubiert bis zu Ihnen im Stuhl." — „Er kann doch auch hierher kommen." — „Dann muß er Sie doch erst suchen." — „Das müßte er im Leben doch auch. Wenn er nicht mal soviel Theaterspielen kann, daß er die kleine Ueberraschung runterschluckt!" Nun wurde Fleischmann wirklich grob. „Runter von dein Flügel sage ich, runter. Der Deibel soll Sie sonst holen. Der Siewers hat mehr Bühnenerfahrung als Sie junge Gans. In Ihren Stuhl." Noch einmal trotzte Gertie auf. „Ich finde es aber besser hier oben." Und Fleischmann donnerte: „Führen Sie hier Regie oder ich? Also runter von dem Flügel." Also setzte sich Gertie in ihren Stuhl, und der Akt lief zu Ende. Dann aber nahm Fleischmann im Konverfationszirnrner bei der Besprechung sie vor allen anderen noch einmal vor. „Ich verbitte mir solche Selbständigkeiten, verstehen Sie? Keine Ahnung haben Sie. In Grund und Boden werden Sie mir morgen das Stück spielen." Sie war jetzt doch kleiner geworden. „Ich meine es doch nur gut, Herr Direktor. Ich finde ..." Er ließ sie nicht ausreben. „Es ist mir sehr Wurst, was Sie finben. Ich will Ihre Meinungen nicht hören. Wenn die Leute morgen pfeifen, sind Sie daran schuld. Von mir bekommen Sie keine Rolle mehr. Sie können abreifen übermorgen früh. Zurück zu Ihrem Doktor Büchner." Da heulte Gertie los. Sie sah sich im Kreise um, fühlte, daß alle gegen sie waren, alle dem dicken Fleischmann zustimmten. Sie war allein und begriff nicht: warum; sie hatte ihr Bestes gegeben, es zwang sie, aus ihrem Innerstes heraus, plötzlich das Spiel zu wechseln, etwas anders zu machen; sie war Überzeugt, daß sie es auch bester machte; aber es mußte doch falsch sein, wenn alle es als falsch empfanden. Neulich hatte eine Kollegin ihr gejagt: „Liebes Kind, Sie müssen sich diese Dilettantenmätzchen abgewöhnen." Die hatte wohl recht. Und jetzt warf Fleischmann sie hinaus. Sie heulte. Der dritte Akt verlief entsprechend. Ohne jede Stimmung. Sie hosteten ihn herunter, alle. Als der Vorhang fiel, sagte Konradius, der den Vater der Bebe gab: „Kinder, regt euch nicht auf: morgen um elf ist das Stück ja doch aus." Er stand zwanzig Jahre im Betrieb und hatte schon mehr als zweihundert Premieren hinter sich. Im Parkett hatte der Autor gesessen, auch er etwas zittrig und blaß. Cs war sein erstes Stück. Es war die erste Generalprobe, die er erlebte. Einige Illusionen über Theaterzauber waren ihm bei dem Durcheinander fortgeschwommen. Jetzt wollte er ein wenig die Stimmung heben, er klatschte seinem eigenen Stück Beifall. Da fuhr ihn Fleischmann an: „Auch das noch: Klatschen auf der Probe. Mensch, Sie sind wohl wahnsinnig geworden. Sie graben sich Ihr eigenes Grab. Na, jetzt ist ja alles egal. Wir werden auch den Abend überstehen." Als sie zu der Garderobe gingen, um sich abzuschminken und umzu- zieben, sagte der junge Siewers: „Eins, finde ich, ist ausgezeichnet." Ein anderer fragte: „Was denn?" Siewers lachte hohnvoll. „Das Bühnenbild." Worauf Konradius meinte: „Jawohl, und die Beleuchtung klappt auch." Gertie Hörle bfe Sätze. Ihr wurde nicht heller zumute. Sie teilte ihre Garderobe mit Fräulein Negendank, die am Goethe- Theater jugendliche Chargen spielte. In „Man nennt sie Bebe" gab sie das unvermeidliche Dienstmädchen; sie war Theaterkind, zwischen Kulissen aufgewachsen, ihr Vater war Bühnenmeister bei Fleischmann. Sie fah, daß Gertie vor dem Spiegel saß und ins Glas starrte, statt sich abzu» schminken. Sie hatte Mitleid mit der jungen Anfängerin: warum gingen auch solche Mädels zur Bühne, die keinen Tropfen Theaterblut in sich hatten. Sie hatte kollegiales Gefühl, war auch ein wenig stolz, daß sie morgen nicht an dem Reinfall schuld sein kannte. So versuchte sie Gertie zu beruhigen: „Vater meint, sie machten Ihre Sache so für den Anfang ganz nett. Aber das Stück tauge eben nichts. Er versteht den Direktor nicht, solchen Unsinn von einem neuen Autor herauszubringen. Vater war an vielen Theatern, er hat doch Erfahrung. „Immer diese neuen Sachen", sagte er, „das ist ja Unsinn. Der Direktor sollte ruhig den „Familientag" spielen, oder das „Weiße Röß'l". — Da würden die Leute jetzt auch noch lachen. " Aber dies moderne Zeug. Trösten Sie sich man, Fräulein Rose, es liegt nur an dem Stück." Aber Gertie tröstete sich nicht. Sie hörte nur eins heraus: also das Stück war auch noch schlecht. Sie wartete, bis die Negendank fort war. Dann machte sie sich erst zurecht, schminkte sich ab, zog sich langsam um. Sie wollte niemand von den Kollegen mehr im Haus oder vor dem Theater treffen. Sie versuchte, sich in andere Stimmung zu versetzen, wollte dickfellig werden: es ist ja ganz gleichgültig, ob es schief geht, ich bin ja nicht aufs Verdienen angewiesen. Aber dann überfiel es sie: die Eltern sind ja böse, hätte ich sie doch versöhnt, hätte ich doch geschrieben, Vater war immer fo gut, er hätte nachgegeben, es war schlecht von mir, so ein Dickkopf zu fein — und dumm dazu, mordsdumm. Was mache ich nur, wenn Fleischmann mich fortjagt? Ich krieche erst bei Isa unter; aber Isa hatte auch nicht geschrieben. Sie war ja von aller Welt verlassen; nur Peter war da. Bei dem Gedanken blieb sie: Peter, der liebe Kerl, der gute Kamerad. Sie lehnte sich in ihren Stuhl zurück, sah wieder in den Spiegel: was er nur an ihr gern hatte? — Sie fand ihr Gesicht nicht hübsch, jetzt schon gar nicht, wo die Augen verheult und verängstigt waren, die Augen, die ihr noch bas Beste an ihr schienen. — Peter! — sie ließ die Lider sinken und träumte: die kleine Kneipe oben auf Belvedere, ihr Marsch Arm in Arm, die Weinstube, die Flasche Sekt und dann der Heimweg. Ein rechtes Schaf war der Peter eigentlich: hatte sie zuerst in den Arm genommen und geküßt, war dann den ganzen Tag so brau gewesen; und es hätte doch schon auf dem Weg von Belvedere fo schön sein können; — hatte in Berlin immer getan, als sei er der große Frauenkenner, der Peter, und wußte nicht einmal, daß ein Mädel ebenso gern küßt wie ein Mann, daß es nur gezwungen fein will, überwunden. Morgen würde er kommen und im Parkett sitzen; er würde klatschen, er sicher. Das gab ihr Halt; sie lächelte sogar, machte die Augen auf, sah sich wieder an: ihm gefalle ich. Und bann: wenn es schief geht, bann heirate ich eben ben Peter. Sie war noch köstlich jung. Als sie aber aus ber Garberobe ging und an der Bühne vorbeikam, auf ber bie Arbeiter bie Kulissen für ben Abenb zurechtschoben, stieg boch bie Angst roieber in ihr auf. Das Lampenfieber. Es würbe noch stärker, als sie zu chaufe faß unb ihre Rolle noch einmal vornahm. Nein, sie konnte bie Sätze nicht mehr lesen. War es nicht überhaupt am besten, sie ging zu Fleischmann unb erklärte: sie spiele morgen nicht. Warum beim erst ben Reinfall miterleben, burchmachen, wenn nachher boch alles aus war? Ihre Wirtin klopfte. „Kann ich hereinkommen, Fräulein Rose? Sie müssen mir boch von ber Generalprobe erzählen." „Nein", schrie Gertie burch bie Tür, „jetzt kann ich nicht." „Dann komme ich nachher wieder." Schritte entfernten sich. Gertie sprang auf, riß ihren Mantel aus dem Schrank. Es war für sie nicht auszudenken, daß sie mit der alten Dame über das Stück sprechen sollte. Mit keinem Menschen wollte sie mehr über das Stück sprechen. Sie lief aus der Stadt, lief bie Chaussee entlang nach Tiefurt. Da würbe sie jetzt niemanb begegnen. Sie lief, aber ihre Rolle verfolgte sie. Sie konnte bie Worte, bie Sätze nicht zurückbrängen, sie waren immer wieder da. Sie fing an zu sprechen, unb wußte nicht: mußte sie sich Luft schaffen ober machte es ihr Freube, sich so zu hören? Sie würbe ruhiger, war froh, allein zu fein. So tarn sie nach Tiefurt, roanberte durch das Dorf unb über be# alten Gutshof, freute sich an ben Hühnern, die herumgackerten, freute sich auch auf die Taffe Kaffee, bie sie in der Schloßrestauration trinken würde. Aber dann wurde es alles anders, als sie es sich gedacht. Aus dem Tiefurter Schlößchen schwärmte eine Schar junger Mädels, eine Horde Backfische vom Pensionat, gefolgt von ihrer Erzieherin. Dos vorderste Müdelpaar stieß sich an, als es Gertie sah, es tuschelte miteinander, tuschelte zu den nächsten Paaren, und ehe sich Gertie retten konnte, war sie umringt. „Nicht wahr, Sie sind Fräulein Rose, Fräulein Gertie Rose vom Goethe-Theater?" Unb eine andere Stimme: „Die Neue, bie morgen in dem neuen Stück spielt." Und wieder eine andere: „Wie interessant. So jung noch und schon eine so große Rolle. Wir haben schon gehört." — „Ja, unser Literatur-Professor hat uns erzählt, er schreibt die Kritiken für die Weimarer Zeitung." Schließlich zückte auch noch eins der Mädchen einen Photokasten. „Darf ich oie ausnehmen, Fräulein Rose? Nur ein Bild, bitte." Die andern machten Platz. sFortsetzung folgt.) T?eraniwvrtlich: vr. Hans Thyriot. — Druck undDerlagiBrühlsche Universitäts-Buch- unb Steindruckerest N. Lang«. Sieben. ur m. Jahrgang 195( Freitag, den 4. Dezember Nummer 95 Blue Cyan Green White Grey 1 Grey 2 der JLJS» Hnrdy^war begeistert von der Ungebundenheit seines Lebens. Auch I7 6 £ v 9 L 8 6 b-"- früh ein Bot» nnn mir I le. 15 l* 15» wie N ikr, und doch chen Knecht Rupprecht. Von Theodor Storm. :ujt irte ich- er» nie lern iar chr die fie die eft» ind ich^ als a.tef|inmq war er nicht, aber er ronr kraft Veranlagung und Erfah. rungen frühzeitig mit den Menschen fertig. „Was brauche ich Umgang mit Menschen?", war oft seine Ueberlegung. Der Mensch hatte ihm zuviel Interessen, und er sagte sich immer wieder, da er ein eigentümlicher Beobachter war, daß nur noch die Steine, die Vögel, die Fische und Pflanzen ein Sein hätten. So kam es, daß er sich um den einsamen Wochtdienst aus der weltverlorenen Insel bewarb. Einmal dort, sprach er kein Wort mehr. Denn er war der einzige Mensch auf der Stein- und Schneebarriere von Hog Island. So bildete er auch die eigentümliche, höchst verwunderliche und fast entsetzliche Gewohnheit des Nichtsprechens heraus, die Hardy in den australischen und südafrikanischen Kllstenplätzen zu einem Spuk machte und ihm einen steinernen Ruhm gab. Keiner der Matrosen lächelte oder spottete über Hardy, der für sie olle ein grausames und schweres Leben ertrug. Jedes Jahr schickte di« Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ein Verproviantierungsschiff nach fjog Island. Das kam so: an der westlichsten der Crozzetinseln war ein Johr vorher, im Sturm eines Februarmorgens, das französische Schiff „Tamaris" gestrandet und untcrgeganqen. Von den sechsundzwanzig Mann der Besatzung retteten sich dreizehn. Diese dreizehn, halbnackt, ohne Hilfsmittel und Nahrung, sahen sich dem schrecklichen Leben auf dem unfruchtbaren und vereisten Stein ausgeliefert. In ihrer Not fingen sie und Do die Sie teile Eie onge nichl- ronZ üch. rm- nd> ort. 21 22 23 18 19 20 14 15 16 mit icre. । zu ten: jen? topf, Iter: ollel 9 10 11 12 13 7 8 Ocrn 1 2 3 4 5 y - - O y ■— —- — . — y ■ *■ — - - ■ w««. ♦ • • —■ * * ** •** v » | v »y t geraden Gang größer zu machen schien. Er hatte dichtes, schwarzesHaar, das nach der linken Kopfseite hinstrebte, widerspenstig und ungeordnet. In fein Gesicht mit den kühlen Augen war von ehedem eingezeichnet: der Stein, die Kälte, das Schweigen und äußerste Einsamkeit. Der Mann hatte auf den Meeren gelegen, Jahr für Jahr, war auf den unglaublichsten und schmutzigsten Kähnen gewesen und hatte zuletzt in Walfischkocheroien sich ganz unempfindlich gemacht. Plötzlich marterte ihn nur der eine Gedanke: vollkommene Ruhe zu haben. Ruhe und sonst nichts mehr. Ruhe vor Behörden, Kapitänen, Schiffen, Hafenkneipen, Weibern und Sorgen. Ruhe vor dem Slang der Matrosen und der Musik der Tingeltangel. Gerade Musik haßte er besonders. Man hatte ihm, als ihn in Australien die Gesellschaft für Schiffbrüchige für den Dienst auf der Insel anwarb, eine (Seine angeboten. Zum Zeitvertreib, zum Spielen und zur Erlösung von der Sehnsucht. Er schaute nur verächtlich auf fie. Er kam sich auf der Insel wie der erste Mensch im Paradiese vor. Endlich war er allein und er kniete sich auf den Felsen und betete. Mit ^Befriedigung betrachtete er oft die Weltkarte, die in feinem Blockhaus hin; vor seinem Auge lagen winzige Punkte, Riesenstädte, Anhäufungen non Menschenunrat und Torheit, öondon lag darauf, Kapstadt, Buenos Aires, Sidney, Bombay und hundert andere mehr. Er lächelte, weil sie 2Bo's eitel gute Kinder hat". „Hast denn das Säcklein auch bei brr?" Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier: Denn Aepfel, Nuß und Mandelkern Fressen fromme Kinder gern". „Hast denn die Rute auch bei dir?" Ich sprach: „Die Rute, die ist hier: Doch für die Kinder nur, die schlechten, Die trifft fie auf den Teil, den rechten". Christkindlein sprach: „So ist es recht; So geh mit Gott, mein treuer Knecht". Von drauß vorn Walde komm ich her; Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr! Nun sprecht, wie ich's hierinnen sind! Sind's gute Kind, sind's böse Kind? Magenta Black Red Grey 4 Leben in Einsamkeit verbracht. Von Anton Schnack. Hog Island, das Richard Hardy dreizehn Jahre bewohnte, gehört zum Crozzet-Archipel, der tausend Kilometer von der letzten festen menschlichen Ansiedlung entfernt, fast in die unruhige, ewig stürmische Packeisgrenze der Antarktis hineinragt. Die Meergebiete dieses südlichsten indischen Ozeans waren fürchterlich. Die Insel war eine uralte verwitterte Stein- -hnrriere. UL die der Dämil uuuatetüredien brüllend ontodne. Von Ende Yellow Grey 3 icteb ähtt- f ri6 ftoof 2tuf5 'M' erga- Ml- )lieS" Dl ihn nichts mehr angingen. Er freute sich, daß er ihnen entronnen war und sie nie mehr sehen würde. Richard Hardy hatte sich in den dreizehn Jahren Steine nach verschiedenen Farben gesammelt und sie gezählt. Sie gingen in die Tausende. . l'",“nanesA fetten Fingerabdrücken an den Rändern, schrieb pictäW am 12- Mai, vor dem dritten Schneefall dieses ‘ einen gelben Quarzstein gefunden. Er ist fast und zeigt nur in der Mitte einen dünnen faden- er. Dieser Strich ist schwarz und schimmert, senk- nne gehalten, fast blau." Brandung an der Eclipfebucht hat vier längsherausgeworfen. Sie sind von mildem Schein; ordene Blumenblätter. Wo mag die große Ader rkraft abgerissen hat?" : „Nebel und Dunst seit vielen Tagen. Dahinter sberge an die Steinriffe krachen. Ich wache. Ich das die Barbesucher von Sidney oder London, V. Grad südlicher Breite ein alter Mann lebt, sch und Albatros; ein Mann, der sich geschworen ie Welt sicher für lächerlich hält und für einen n aber kein Narr; denn ich verdiene 25 Pfund , - .. .. , ■ ■ Zu tun als zu essen und zu warten bis Schiffbrüchige mich um Nahrung, Kleidung und andere Dinge bitten." Hardy liebte leidenschaftlich die paar Tage vor der Regenperiode die anfangs Dezember den Winter ablöste und bis in den Mai hinein rauschte, f.utete und brauste. Diese Tage liebte er wegen der ungeheueren und grasgrünen Wetterleuchten, die von allen Himmeln ins Meer fielen und wieder zurückglänzten. Da hielt er sich fast die ganze Nacht im Freien auf; unterhalb seiner Blockhütte saß er an einem Felsengeschiebe öas rote em riesiger Stuhl aussah und wo er mit einem Hammer Stufen ausgeschlagen hatte. Er erschien sich, hier sitzend, wie ein verschollener ©oöengott, dem die Anbeter fehlten. Er dachte sich: ich bin ein alter, weißer König, an den äußersten Rand der Welt gesetzt, um zu wachen. ,, k?em Jahren war kein Schiffbruch mehr vorgekommen. Wer hier scheiterte, mußte warten bis der Proviantdampfer von Australien kam der dte Proviantspeicher ausfüllte und ergänzte. Es waren hier Mehl und Hafergrütze, Konserven, Pökelfleisch, Benzin, Leder, Reis, Bohnen, Nagel und vieles andere mehr deponiert. Hardy kannte die Insel bis zum kleinsten Stein und Strauch; ihr Hauptteil bestand aus Urgestein das fürchterlich hart war. An der Westseite hatte sich Kalk darüber gesetzt. Hier hinein waren auch die Lagerräume für die Depots eingesprengt worden. Des Mannes Hauptarbeit bestand darin, täglich die Aufbewah- rungsftatten zu kontrollieren, damit keine Feuchtigkeit sie verdarb. Es kam vor, daß im Winter auch die Spuren von Eisbären um die Depots herumliefen. Das waren Tiere, die von riesenhaften Eisschollen in strengen Wintern herübergetrieben wurden. Er sah sie nie Die Bären verschwanden wieder hinter den Eisbarrieren. _____Von drauß vom Walde komm ich her; 1 Colour & Grey Control Chart Gießener Zamilienblätler Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger