SietzenerZamilienbliitter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang |931 Montag, -en 27. April Nummer 35 Mondstimmung. Von Christian Morgen st er n. lieber den weiten schweigenden Wäldern der Welt möcht' ich gleich dir, o Mond, großen Auges dahinziehn ... wenn die dämmerigen Wiesen den Geist ihrer Nebel zu dir emporwölken, und breite Gewässer, schwärzliche Eilande silbern umrinnen ... wenn die Dörfer sich tiefer dem erdigen Boden schmiegen und die steinernen Städte mit weißeren Giebeln und Türmen lautlos vor deinem Angesicht schlafen. Auf die träumende Menschheit dann möchte ich gleich dir großen Auges hinabschauen und der leisen Musik ihres flutenden Blutes lauschen. Oie Versuchung -es Pescara. Novelle von Conrad Ferdinand Meyer. Er st es Kapitel. In einem Saale des mailändischen Kastelles saß der junge Herzog Sforza über den Staatsrechnungen. Neben ihm hatte sich sein Kanzler gestellt und erklärte die Zahlen mit gleitendem Finger. „Eine furchtbare Ziffer!" seufzte der Herzog und entsetzte sich vor der Summe, welche die mit Eil« betriebenen Festungsarbeiten verschlungen hatten. „Wie viele Schweißtropfen meiner armen, hungernden Lombarden!" Und um den Anblick der verhängnisvollen Zahl zu entrinnen, ließ er die melancholischen Augen über die Wände laufen, die mit hellfarbigen Fresken bedeckt waren. Links von der Tür hielt Bacchus ein Gelag mit feinem mythologischen Gesinde, und rechts war als Gegenstück die Speisung in der Wüste behandelt von einer flotten, aber gedankenlosen, den heiligen Gegenstand bis an die Grenzen der Ausgelassenheit verweltlichenden Hand. Oben auf der Höhe, klein und kaum sichtbar, saß der göttliche Wirt, während sich im Vordergründe eine lustige Gesellschaft ausbreitete, die an Tracht und Miene nicht übel einer Mittag haltenden lombardischen Schnitterbande glich und zum Lachen all« Gebärden eines gesunden Appetites versinnlichte. Der Blick des Herzogs und der demselben ausmerlsam folgende seines Kanzlers fielen auf ein schäkerndes Mädchen, das, einen großen Korb am Arme, wohl um die überbleibenden Brocken zu sammeln, sich von dem neben ihr gelagerten Jüngling umfangen und einen gerösteten Fisch zwischen das blendend blanke Gebiß schieben ließ. „Die da wenigstens verhungert noch nicht", scherzte der Kanzler mit mutwilligen Augen. Ein trübes Lächeln bildete und verflüchtigte sich auf dem feinen Munde des Herzogs. „Warum Festungen bauen?" kam er auf den Gegenstand feiner Sorge zurück. „Das ist ein schlechtes Geschäft! Pescara, der große Belagerer wird sie schnell wegnehmen und mir dann noch bie &ne95° kosten aufhalsen. Höre, Girolamo", und er richtete seinen binsensästanken Körper in die Höhe, „laß mich weg aus deinen geheimen Bündnissen und Artikeln, du unermüdlicher Zeltler! Ich will nichts davon rot gen. -Du richtest mich und meine Lombarden zugrunde, du Strafe Gottes. Ich will mich nicht an dem Kaiser versündigen: er ist mein Lehensherr. Und lieber will ich mich von seinen höllischen Spaniern schinden lassen, als daß mich meine neuen Bundesgenossen voranschieben und verraten. Wie ein sich Aufgebcnder ließ er sich, die spitzen Knie vorgestreckt, in ftinen Sessel niedergleiten und rief voller Berzweislung: „Ich will eine Muhme oder eine Schwester des Kaisers heiraten! Das sollst du veranstalten, wenn du der große Staatsmann bist, der zu sein du dir einbildest. Der Kanzler brach in ein zügelloses Gelachter aus „Du hast gut lachen, Girolamo. Bon den fteilften Dächern herabrollend, kommst du wie eine Katze immer wieder auf die Fuße zu stehen! Ich aber gehe in Stücke! Ich und mein Herzogtum verflüchtigen uns in dem Hexenkessel, der in deinem Kopfe brodelt. Miserere: eine ^cha dem Heiligen Vater, mit San Marco, mit den Lilien. 0 die böse Klimax. 0 die unheilige Dreieinigkeit! Dem Papste traut man nicht über den Weg, weder ich noch irgendeiner. Er ist ein Medici! Marcus aber me n natürlicher Feind und Nachbar, ist der ruchloseste aller Heiligem Und nun gar Frankreich, das mir den Vater in einem Kerkerloche verwesen ß und den armen Bruder Max, den du verkauft hast, du Schlimmer, in Paris versorgt!" Die beweglichen Züge des fürstlichen Knaben entstellten sich, als sehe er den Genius seines Hauses die Fackel langsam senken und auslöschen. Eine Träne rann über seine magere Wange. Der Kanzler streichelte sie ihm väterlich. „Sei nicht unklug, Fränz- chen", tröstete er. „Ich hätte den Max verraten? Keineswegs. Es war die Logik der Dinge, daß er sich gab nach der Zermalmung der Schweizer. Ich habe seine Rente mit König Franz Vereinbart und noch um ein gutes hinaufgemarktet. Er selbst sah ein, daß ich es redlich mit ihm meine, und dankte mir. Er ist ein Philosoph, sage ich dir, der die Welt von oben herunter betrachtet, und da er zu Rosse stieg, um von hinnen zu ziehen, bat er, schon im Bügel, noch Weisheit geredet. ,Jch segne den Himmel', sprach er, ,daß ich in Zukunft nichts mehr zu schassen habe mit den groben Fäusten der Schweizer, den langen Fingern des Kaisers' — er meinte die hochselige Majestät, Fränzchen — ,und den spanischen Meuchlerhänden.' Auch hatte der Max gar nicht das Zeug, einen italienischen Fürsten darzustellen, plump und unreinlich wie er ist. Da bist du denn doch eine andere Erscheinung, Fränzchen. Du hast etwas Fürstliches, wenn du dich aufrecht hältst, und dazu die Kunst der Rede, die du von deinem unvergleichlichen Vater, dem Mohren, geerbt. Ich sage dir, du wirst mit den Jahren noch der klügste und glücklichste Fürst in Italien werden." Der Herzog betrachtete seinen Kanzler zweifelnd. „Wenn du mich nicht vorher verkaufst und mein Seibgebing’ in die Höhe marktest", lächelte er. Morone, der jetzt in feinem langen schwarzen Juristenrocke vor ihm stand, entgegnete zärtlich: „Mein holdseliges Fränzchen! Dir tue ich nichts zuleide. Du weißt ja, daß du mir ins Herz gewachsen bist. Du bleibst der Herzog von Mailand, jo wahr ich der Morone bin. Aber du mußt dich hübsch belehren und überzeugen lassen, was zu deinem Besten dient." „Nicht einen einzigen guten Grund hast du mir gegeben für deine neugebackene Liga! Und ich will mich einmal nicht empören gegen meinen Lehnsherrn! Das ist sündhaft und gefährlich!" Schnellen Geistes wählte der Kanzler unter den Truggestalten und Blendwerken, über welche seine Einbildungskraft gebot, eine hinreichend wahrscheinliche und wirksame Larve, um sie seinem beweglichen Gebieter entgegenzuhalten und ihn damit heilsam zu erschrecken. „Fränzchen", sagte er, „der Kaiser ist für dich eine verschlossene Pforte. Hast du ihm nicht die rührendsten Briefe geschrieben, und er hat niemals geantwortet! Es ist ein in der Ferne verschwindender Jüngling und, wie man behauptet, die geduldige Wachspuppe in den formenden Händen seiner burgundischen Höflinge. Da bist du ihm überlegen, du beurteilst die Dinge selbständig. Das Wetter aber in Madrid macht der Bourbone, der verschwenderische Konnetabel, der das Gold mit vollen Händen aus- mirft und dessen Treue außer allem Verdachte steht, da er seinen König Franz verraten hat und jetzt in Ewigkeit zum Dienste des Kaisers verdammt ist. Der Bourbone aber will Mailand. Dein Lehen ist ihm zugesagt. Er ist ein Gonzaga von der Mutter her und strebt nach einem italienischen Throne. Warum kann sich der Kaiser nicht entschließen, dich zu belehnen, nachdem du ihm Hunderttaufende bezahlt hast? Weil er dein Mailand dem Bourbonen zudenkt, darauf nehme ich Gift. Dieser ist seiner Sache gewiß. Unlängst, da du mich in bas kaiserliche Lager sendetest, hat er mich mit Liebkosungen fast erdrückt und mir sogar einen Beutel zugesteckt, um mich auf die günstige Stunde vorzubereiten. Denn freilich sind wir alte Bekannte von der französischen Herrschaft her." Das war Lüge und Wahrheit: der Konnetabel hatte in einer tolle» Weinlaune einen witzigen Einfall feines Gastes fürstlich belohnt. „Und du nahmst. Ungeheuer?" entsetzte sich der Herzog. „Mit dem besten Gewissen von der Welt", erwiderte Morone leichtfertig. „Weißt du nicht, Fränzchen, was die Kasuisten lehren, daß ein Weib so viel nehmen darf, als man ihr gibt, wenn sie nur ihre Tugend behauptet? Das gilt auch für Minister und erlaubt mir, in dieser kargen Zeit unter Umständen auf mein Gehalt zu verzichten. Dafür kannst du dir zuweilen ein gutes Bild kaufen, Fränzchen. Du mußt auch deine ehrbare Ergötzung haben." Sforza war erbleicht. Das Schreckbild des Bourbonen in feiner Burg und in feinem Reiche, welche beide dieser schon einmal — vor feinem berühmten Verrat — jahrelang als französischer Statthalter besessen hatte, brachte ihn um alle Besinnung. „Ich habe immer geglaubt, und es verfolgt mich auf Schritt und Tritt", jammerte der Aermfte, „daß der Bourbone mein Mailand haben will. Rette mich, Girolamo! Schließe die Liga! ohne Verzug! Sonst bin ich verloren." Er sprang auf und ergriff den Kanzler am Arm. Dieser erwiderte gelassen: „Ja, das geht nicht so geschwind, Fränzchen. Doch wird sich vielleicht heute noch etwas dafür tun lassen. Es trifft sich. Gestern ist die Exzellenz Nasi — nicht der Horatius, sondern der schöne Lälius — bei unfern Wechsler Lolli abgestiegen, und durch einen gluck- lichen Zufall auch Guicciardin hier angekommen, der trotz seiner Borsten klagte der Herzog kostbaren Mantel dem Herzog gegenüber an den Marmorvooen uno lagerte sich geschmeidig, den linken Arm aufgestützt, den rechten in die Huste setzend. „Hoheit erlaube", sagte er. Jarl Bourbon lebte seit seinem Verrate in einer sengenden und verzehrenden Atmosphäre des Selbsthasses. Niemand, sogar der Vornehmste nicht, hätte es gewagt, den stolzen Mann auch nur mit einer Miene an seine Tat zu erinnern und ihn das Urteil erraten zu lassen, welches die öffentliche Meinung seines Jahrhunderts einstimmig und mit ungewöhnlicher Härte über ihn gefällt hatte, aber er kannte dieses strenge Urteil, und sein Gewissen bestätigte es. Die gründlichste Menschenverachtung brachte er, bei sich selbst ansangend, der ganzen Welt entgegen, doch beherrschte er sich vollkommen, und niemand benahm sich tadelfreier und redete farbloser, jeden Hohn, jede Ironie, selbst die leiseste Anspielung sich und damit auch den andern untersagend. Nur selten verriet, wie eine plötzlich aus dem Boden zuckende Flamme, ein höllischer Witz oder im Vatikan eine angenehme Person ist. Mit diesen zwei gescheiten Leuten liebe sich reden, und ich habe den Venezianer und den Florentn.er an deine Abendtafel geladen, da ich weih, daß du em harmloses Geplauder und eine unterhaltende Gesellschaft liebst. „O versluchte, nichtswürdige Verschwörung! Das wird er selbst dir sagen. Horch! es läutet Vesper im Dome. "Empfange du ihn, Kanzler!" flehte der Herzog und wollte durch eine Tür entwischen. Marone aber ergriff ihn am Arm und führte ihn zu seinem Sessel zurück. „Ich bitte, Hoheit! Es geht vorüber. Wenn der Konnetabel eintritt, erhebe sich die Hoheit und empfange ihn stehend. Das kürzt ab." Er umkleidete seinen Herrn mit dem am Stuhle hangengebliebenen Mantel, und dieser nahm allmählich, seine 'Angst bekämpfend, eine fürstlichere Haltung an, indem er seinen hübschen Wuchs geltend machte und den natürlichen Anstand, den «r besah. Inzwischen blickte der Kanzler durch das Fenster, das den Schlohplatz und hinter demselben den Umrih eines der neu angelegten Bollwerke des Kaftelles zeigte. „Köstlich!" sagte er. „Da steht dieser treuherzige Konnetabel, zehn Schritte vor seinem Gefolge, und zeichnet unbefangen unsere neue Schanze in sein Taschenbuch. Ich will nur gehen und ihn C"'sar er mit Marone eintrat, der berühmte Verräter, eine schlank« und hohe Gestalt und ein stolzes, farbloses Haupt mit seinen Zügen und auffallend dunkeln Augen, eine unheimliche, aber grohe Erscheinung, verbeugte er sich höslich vor Franz Ssorza, der ihn scheu betrachtete. „Hoheit", sprach Karl Bourbon, „ich bezeuge meine schuldige Ehrerbietung und bitte um Gehör für «ine Botschaft der kaiserlichen Ma,« tat. Herzog Franz antwortete mit Würde, daß er bereit sei, den Willen seines erhabenen Lehensherrn ehrfürchtig zu vernehmen, wankte dann aber und glitt in [einen Sessel zurück. Als der Konnetabel den Herzog sich setzen sah, blickte auch er sich nach einem Stuhl ober wenigstens nach einem Schemel um. Nichts dergleichen war vorhanden und auch kein Page gegenwärtig. Da warf er seinen Mantel dem Herzog gegenüber an den Marmorboden und ein zynischer Späh den Zustand seiner Seele. Nachdem der Konnetabel eine Weile gesonnen, begann er mit angenehmer Stimme und einer leichten Wendung des Kopfes: „Ich bitte Hoheit, mich nicht entgelten zu lassen, was meine Sendling Unwillkommenes iür Sie haben könnte. Meine Person völlig zurückstellend, übermittle ich der Hoheit einen Beschluh der Kaiserlichen Majestät, welchen dieselbe in ihrem Ministerrate gesaht hat, allerdings nach Vernehmung ihrer drei italienischen Feldherrn, Pescara, Leyva und meiner Untertänigkeit." „Wie befindet sich Pescara?" fragte der Kanzler, der gleicher Entfernung von den zwei Hoheiten stand, srech dazwischen. Ist er geheilt von seiner Speerwunde bei Pavia?" . „Frellndchen", versetzte der Konnetabel geringschätzig, „ich bitte Euch, nicht zu reden, wo Ihr nicht gefragt werdet." Da nahm der Herzog die Frage auf. „Herr Konnetabel", sagte er, „wie befindet sich der Sieger von Pavia?" Bourbon verneigte sich verbindlich. „Ich danke der Hoheit für di« huldvoll« Nachfrage. Mein erlauchter und geliebter Kolleg« Ferdinand Avalos Marchese von Pescara ist völlig hergestellt. Er reitet ohne Beschwerde seine zehn Stunden." Dann fuhr er fort: „Lasset mich jetzt zur Sache kommen, Hoheit. Bittere Arznei will schnell gereicht sein. Die Kaiserliche Majestät wünscht sehr, dah die Hoheit zurücktret« aus der neuen Liga, die Sie mit der Heiligkeit, den Kronen von Frankreich und England und der Republik Venedig abgeschlossen hat oder abzuschliehen im Begriffe ist." Jetzt fand der Herr von Mailand den Fluh der Rede und beteuerte mit gut gespieltem Erstaunen und herzlicher Entrüstung, daß ihm von einer solchen Liga nichts bekannt sei und er selbst sicherlich der erste wäre, nach seiner Lehenspflicht den Kaiser ungesäumt zu unterrichten, wenn seines Wissens in Oberitalien derlei gegen die Majestät gesponnen würde. Und er legte die Hand aus das feige Herz. Mit vorgebogenem Haupte höflich lauschend, lieh der Konnetabel den jungen Heuchler seine Lüge in immer neuen Wendungen wiederholen. Dann erwiderte er in kühlem Ton«, mit einer unmerklichen Färbung verächtlichen Mitleids: „Die Worte der Hoheit unangetastet, muh ich glauben, dah dieselbe von der Sachlage nicht genau unterrichtet ist. Wir denken es besser zu sein. Der Friede zwischen Frankreich und England mit einer bösen Absicht gegen den Kaiser ist eine Tatsache, die uns mit Sicherheit aus den Niederlanden gemeldet wurde. Ebenso gewiß sind wir, dah in Oberitalien gegen uns gerüstet wird. Und soweit sich der Heilige Vater beurteilen läßt, scheint auch er, den wir verwöhnt haben, sich verdeckt gegen uns zu wenden. Zu unterscheiden, was getan und was im Baukunst 3000 Jahre vor Christus. Von Universitäts-Prosessor Georg Steindorff. Der vierte Band der Propyläen-Weltgeschichte trägt den Titel „Das Erwachen der Menschheit" und enthält unter den bisher vorliegenden vielleicht das meiste Neue und Unbekannte. Bis auf 20 000 Jahre v. Ehr. kann man jetzt zurückschauen, während bisher die Geschichtsbetrachtung meist erst 5000 v. Ehr. einzusetzen pflegte. Mit Erlaubnis des Propyläen-Verlages veröffentlichen wir aus dem neuen Band diesen Aufsatz: Im Ansang des Alten Reiches vollzieht sich auch die Geburt der nationalen ägyptischen Kunst. Aus schlummernden Keimen wachst sie heraus und gewinnt das schöne maßvolle Antlitz, das sie über Zwei I hr- tausende bewahrt hat. Erst jetzt wird die größt« Begabung der Aegypter o fenbar, die sie neben der Formung des stattlichen Lebens bewiesen haben, und durch die sie, säst mit den Griechen wetteisernd, das künstlerisch am reichsten schassende Volk des Altertums geworden stnd. Als schönste Zeugen der künstlerischen Jugendzeit besitzen wir den Grabstein des Königs Edjöjet-Wenephes (jetzt im Louvre), des dritten Nachfolgers de-- Menes, mit dem wundervollen ausgerichteten Horussalken und dem im Rahmen einer stilisierten Palastsassade stehenden Schnstzeichen einer Schlange sowie das aus grünem Stein gefertigte «itzbild des ttyasechem, eines der letzten Könige der zweiten Dynastie, das den thronenden Herrscher mit der weißen Krone aus dem Haupte zeigt imb bei aller archaischen Gebunbenheit die icherc Hand eines wirklichen Meisters erkennen laßt. Zum ersten Male erreichte die ägyptische Kunst in der Pyramidenzeit ihren Höhepunkt. Um das Jahr 2770 v. Ehr. erbeuten König Dioser und (ein großer Baumeister Jmhoteg die Stusenpyramide von Sattara und in ihrem heiligen Bezirte noch andere Tempel und Graber in deren zierlichen Formen uns ein eigener Stil, der sich sreilich von der Erinnerung an den uralten Ziegel- und Holzbau noch nicht hat freimachen tonnen, entgegentritt. In dem folgenden Jahrhundert von 27OO bis 2600 entstehen bei Gise die großen Pyramiden der Cheops, Ehephren und Myke- rmos in denen sich ein neuer, anders gearteter Kunstwille durchsetzte. Mit vollem Bewußtsein wandte man sich von dem etwas spielensch- leichten Stil des Djoser-Grabmals ab und strebte dem Ziel einer wuchtigen Monumentalität zu; glatte Linien und ungebrochene Flachen gehören zum Wesen dieser neuen Kunst. Statt der gefälligen kannelierten ober zusnmmcngebunbene Rohrbüschel nachahmenden Halbsäulen treten in den Heiligtümern ber Gisepyramiben mächtige viereckige Pseiler als Stutzen auf unb erst in ben Totentempeln von Adusir aus der fünften Dynastie begegnen wir wieder der Säule, die sreilich jetzt eine neue Form gewonnen bat und in der Gestalt stilisierter Palmen ober Papyrusstengel erscheint. Uebcr die technischen Vorgänge bei der Errichtung der Pyramiden und der zu ihnen gehörigen Tempelbauten sowie über das Leistungsvermögen der Bauleute sind mir durch die genauen Berichte griechischer Schriftsteller besonders Herodots und Diodors, vornehmlich aber durch die wissenschaftlichen Forschungen neuerer Gelehrter einigermaßen unterrichtet. Nachdem ein Bauplatz auf der Hochfläche der Wüste für das königlich« Grabdenkmal ausgewählt war, ging man zunächst daran, die Grundsläche abzustccken und die vier Ecken nach ben Himmelsrichtungen genau scstzulegen. Dabei mußte ber wahre Norb nach Maßgabe ber Unter- unb Ausgangsstellen von Nicht-Circumpolarsternen* bestimmt werden, wobei den Aegyptern gewiß schon in alter Zeit ein Instrument zum Anvisieren von Sternen zur Verfügung stand. 'Auch das Verfahren, mit Hilfe einer Setzwaage die rechten Winkel abzustecken, war jenen Architekten wohl vertraut. Viel und oft hat man die Frage erörtert, wie ein Cheops, als er hen Thron bestieg und sich einen Platz von (ast 51300 Quadratmeter für sein Grabmal auswählte, wissen konnte, datz ihm eine ungewöhnlich lange Regierung vergönnte sein würde, um seinen gigantischen Plan zur Ausführung zu bringen. Wäre er etwa im Mecken ober britteii Regierungsjahr gestorben, welchem Sohne ober Nachfolger wäre es wohl möglich gewesen, selbst bei der bereitwilligsten Pietät, einen solchen Plan (eines Vorfahren zu Ende zu führen und dabei noch für sein eigenes Grabdenkmal zu sorgen? Und warum hatten nicht zwanzig andere' Könige gleichfalls den Muk, sich eine etwa 25jährige Regierung zu versprechen und ein solches Werk zu beginnen, dessen Bauplan leicht ongefertigt und gewiß gern genehmigt worden wäre? Heute wissen wir, daß jeder König den Bau seiner Pyramide zunächst nur in kleinerem Maßstabe begann, um sich ein vollständiges Grab zu sichern, auch wenn ihm nur wenige Jahre auf dem Thran beschieden waren. Vielfach blicv es bei der Ausführung eines solchen kleinen Entwurfs; nicht selten aber wurde er von Herrschern, denen eine längere Regierungszeit beschert war ober größere Mittel zur Verfügung stauben, erweitert, inbem man den Pau durch 2(nbauten vergrößerte ober sonstwie das erste Preyeu * Eircumpolarsterne: Sterne in ber Umgebung des Pols. Werden ist, kann nicht unsere Ausgabe sein: wir bauen vor. Ehe die Liga , fügte er mit leiserer Stimme bedeutsam hinzu, „einen Feldherrn gesun- bCn5?ann stellte er seine Forderung: „Hoheit gibt uns Sicherheit in Monatsfrist, daß Sie Neutralität hält. Das ist die inständige Bitte Kaiserlicher Majestät. Unter Sicherheit aber versteht sie: -®crn(’ltffi^,ing ber Schweizer, Beurlaubung ber lombarbischen Waffen au bi« Einstellung aller unb jeher Festungsbauten und Ueber assung dieses ersin- dunasreichen Mannes" — er wies mit dem Haupte seitwärts — „an Kaiserlich/ Majestät. Wo nicht", - und er erhob sich ungestüm, als wollte er zu Pferd springen — „wo nicht, blasen wir zum Ausbruch, den letzten September, um Mitternacht, keine Stunde früher, keine spater, und besetzen in wenigen Märschen das Herzogtum. Hoheit überleg«. Er ver- beugte sich und schied. (Fortsetzung folgt.) noch ein anderer ist eingeritten, im Morgengrauem Dieser 1/Oi sich aus die dritte Stunde nachmittags angesagt, «r wolle erst au ' „Ein anderer? Welcher andere?" Der Herzog zitterte. "GoU ^verpest" den bleichen Verräter!" schrie Sforza. „Was will in ein größeres »mwandelte. Bisweilen wurde (ogor, wie bei der Cheops- pyrannüe, eine nochmalige zweite Vergrößerung des Entwurfs vorgenommen. Die Pyramide selbst bestand aus einem Kernbau, der sich turmgleich mit abgeschrägten Wänden zum Himmel erhob und um den sich verschiedene Mäntel stufenförmig lagerten. War dieser Stufenbau vollendet, so wurden die Stufen mit einem Füllmauerwerk aufgemauert und um das Ganze eine Bekleidung aus weißem Kalkstein, z. T. auch aus roten Granitblöcken gelegt oder, wie das bei der Cheops-Hyramide geschah, es wurden ohne Zuhilfenahme von Füllmauerwerk die äußeren Teile ohne Zuhilfenahme von Füllmauerwerk die äußeren Teile des Kernbaus zusammen mit der weißen Kalksteinbekleidung aufgemauert. Die Blöcke für den Kernbau wurden in nächster Nähe des Bauplatzes auf dem Wüstenplateau gebrochen, während man die Steine für die Verkleidung auf dem Dftufer des Flusses in den großen Brüchen von Iura südlich vom heutigen Kairo gewann und mit Hilfe von Flößen in die Nähe des Bauplatzes schaffte. Zu diesem Transport benutzte man die drei Monate der Ueberschwemmungszeit, da es dann möglich war, die Steine viel näher an ihren Bestimmungsort zu bringen, und ein großer Teil der Fellachen während dieser Zeit beschäftigungslos war und zu den schwierigen Arbeiten auf Befehl des Königs herangezogen werden konnte. Die Granitpfeiler und die Granitblöcke, die man für den Tempelbau oder auch für die Bekleidungsfchichten benötigte, kamen aber nicht aus der Nachbarschaft, sondern weit her aus dem Süden des Landes. Sie wurden in den Brüchen bei Aswan gebrochen, dort noch notdürftig roh behauen und auf Walzen oder Schlitten zum Nilufer auf die Schiffe gebracht, die sie dann stromab nach dem Bauplatze beförderten. Gleich beim Beginn des Pyramidenbaus wurde eine große Rampe angelegt, die vom Rande des zur Ueberschwemmungszeit vom Hochwasser überfluteten Fruchtlandes in die Höhe zu dem auf dem Plateau gelegenen Bauplätze führte, und auf der die Baumaterialien emporgefchafft wurden. Nach Vollendung des Grabdenkmals wurde auf diesem Ausweg ein gedeckter Gang errichtet, auf dem bei der Bestattungsfeier dis Leiche in feierlichem Zuge nach ihrer letzten Ruhestatt gebracht wurde und der auch später noch bei den Totenfesten für die Opferprozessionen bienen sollte. Am unteren Ende des Aufgangs wurde ein monumentaler Torbau errichtet. Ein solcher Ausweg ist bei der Chephren-Pyramide noch heute besonders gut erhalten, seine Länge beträgt hier nahezu 500 Meter. Ganz ähnliche, aus Ziegeln hergestellte Baurampen wurden für den Pyramidenbau selbst angelegt. Sie dienten als Gerüste und wurden nach Vollendung des Baus mühelos wieder abgetragen. Den ganzen Baubetrieb dürfen wir uns überhaupt nicht allzu primitiv Dorftellen. Gewiß haben die zahllosen Arbeiterscharen unendlich viel geleistet und manches ersetzt, was man heutzutage durch Maschinen fertigbringt. Doch fehlte es keineswegs an technischen Vorrichtungen. So besaß man bereits ein ausgebildetes System von Hebezeugen; Walzen und Kippschlitten mit Stricken gezogen dienten zum Emporführen der mächtigen Blöcke. Die schweren Kaltstein- und Granitguader wurden mit Hilfe von großen Zangen versetzt, wobei man zum Heben einfache Krankonstruktionen benutzte. Auch Baugerüste, die man aus ausländischen Hölzern herstellte, tarnen beim Ausrichten von Pfeilern und Kolossalstatuen, wie sie z. B. im Grabtempel des Chephren standen, zur Verwendung. Trotz all diesen Hilfsmitteln sind die Bauzeiten der verschiedenen Pyramiden nicht klein gewesen. Nach den auf den Blöcken erhaltenen Steinbruchdaten hat man an der von König Snofru erbauten Pyramide von Medüm nicht weniger als 17 Jahre gearbeitet. In dieser Zeit sind rund 650 000 Kubikmeter Mauerwerk gebrochen, angeliefert und verbaut worden; das macht für das Jahr etwa 38 200 Kubikmeter, für den Tag 105 Kubikmeter. Unter Zugrundelegung dieser Zahlen hätte die Bauzeit der beiden Pyramiden, die sich Snofru bei Medüm und bei Dahschur errichtet Hat, ferner der großen Pyramiden von Gise, der Pyramide von Abu Roasch und des Grabdenkmals des Schepseskaf in Sakkara-Süd mindestens 200 Jahre gedauert. Die Regierungsdauer der genannten Herrscher, die die vierte Dynastie bilden, dürfte aber nicht viel mehr als 160 Jahre betragen haben, fo daß die Arbeitsleistungen bei den meisten Pyramiden noch wesentlich höher als die bei der Medüm-Pyramide errechneten gewesen sein dürsten. * Zur Psychologie der Aussage. Von Graf Carl v. K1 i n ck o w st r o e m. Bekanntlick' arbeiten sowohl das Gedächtnis wie die Beobachtungsfähigkeit des Menschen durchaus nicht fehlerfrei. Beide find den schwersten Täuschungen leicht zugänglich, namentlich wenn es sich um Dinge handelt, die die Affekte erregen. Diese Unzulänglichkeit fällt besonders schwer ins Gewicht wenn vor Gericht auf Grund von Zeugenaussagen über das Schicksal eines Angeklagten entschieden werden soll. Wie oft widersprechen sich da die Aussagen an sich glaubwürdiger Personen in den ausschlaggebenden Punkten. Und im besten Glauben roerben, da Aussagen beschworen, die den Stempel der Unwahrheit auf der totirn tragen. Die Zeugen sind Opfer von Selbsttäuschuengen geworden. Die Erkenntnis dieser Tatsache hat vor rund 30 Jahren zur Begründung einer Spezial- wissenschast geführt; der Kriminalpfychologie und seither ift auf experimentellem Wege mehrfach der Unwert von Zeugenaussagen überzeugend nachgewiesen worden. Grundlegend war in dieser chchstcht ein Versuch, der 1001 von Franz von Liszt in seinem kriminalistischen Seminar angestellt wurde, und an dem ausschließlich Referendare und ett steht- Einstein und Freud. Noch können wir nicht erkennen, welchem gemeinsamen Ziel die Entwicklungen der Relativitälslehre und der Psychoanalyse zuslreben, wie sie sich dereinst zu einem geschlossenen Unterbau des neuen Weltbildes vereinen werden, und manchem mag es grotesk oder abwegig erscheinen, die ewigen Gesetze des Kosmos mit den feinsten Regungen des menschlichen Unterbewußlseins in logische Verbindung zu bringen. Wer aber nicht nur in seiner Zeit, sondern auch mit ihr lebt, wird deutlich bie gemeinsame Arbeit spüren, die neupsychologisches und neuphysikali ches Denken am Wesen des heutigen Menschen zu verrichten beginnt. Einen ersten leisen Begriff von der Allverbundenheit jeder Lebens- ; unb Dafeinsäuherung, von ber gemeinsamen Grunbstruktur aller Tinge unb Vorgänge gibt uns bie neueste Forschung. Sie erklärt uns nicht wehr unb nicht weniger, als baß bie lebenbige Urkraft allen seins bie Well«, bie Schwingung ist. Aus bem Begriff ber Materie ist bie „TOntene- welle" geworben: ein Erregungszuslanb bes „Raumes , m bem Wellenstrahlungen von bestimmten Eigenschaften sich zu bem „materialisieren , .. was wir Gegenstand, Ding, Lebewesen nennen; unb aus den millionen- fältigen Einbrücken unb Erscheinungen biefer Welt würben elektromagnetische Strahiungen. Licht ist Strahlung; veränbert sich ber Rhythmus, bie „Frequenz" ber Strahlung, so erscheint sie uns als Wärme, Runb- funkwelle Ton, Röntgenstrahlung und so weiter — Vorgänge, bie wir teils mit bem Auge, teils mit bem Ohr, mit ben Nerven ober — bies am häufigsten — überhaupt nicht wahrnehmen, benn unsere Organe sind nur für einen kleinen Ausschnitt ber unenblich großen Schwingungs- skala gebaut. Wir bebürfen komplizierter Apparate, um unsere Wahrneh- mvnqsskala zu erweitern. Ein Beispiel: ein russischer Forscher entbetfte vor einiger Zeit, baß auch bie Pflanzen beim Wachstum Strahlen aussenben, die unter Umftänben roieber anbere Pflanzen organisch beeinflussen können — ein Beweis bafür, bah selbst so „primitiv" konstruierte Organismen, wie bie ber Pflanzen, Wahrnehmungen machen können, bie unseren Sinnen verschlossen sinb! Anbere Schwingungen, bie bekannten kosmischen Strahlungen", würben vor einigen Jahren von ben deutschen Physikern Heß unb Kohlhörster entdeckt. Auch diese Strahlungen gelangen nicht in unsere Bewußtseinssphäre, wenn wir auch mit Bestimmt- j heit annehmen können, daß unser Organismus von ihnen beeinflußt wird. ______________________________ Verantwortlich: Dr. AanS Thhrivt. - Druck unb Verlag: Drühl'fche UnrversrtätS-Vuch. unb ßieinbrudetei. X Lange, Dietzen. MhenerMMmenblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgangs Samstag, den4.April Nummer2? idi ibcruno. unü wie idimieaen. 1 6 11 13 22 oanes. picta Magenta Black wär es! erwiderte er friedlich lachend. Aber, fuhr > ist nicht so — weder das eine noch das andere, edarf immer, — aber die Wirklichkeit, welche die t, ist nur die der Kinder; sie ist wie die vom Hasel- ades-Wirklichkeit, aber nicht des Menschen. Natur- ht des Geistes. ögernd hinzu, sie wissen noch nicht, und sie ahnen er. Mit ihr beginnt der Mensch — im Gleichnis Wahrheit. Nichts ist so wirklich wie Schuld. ummt. Mir klangen die dunklen Worte fremd im en sie nicht vernommen zu haben. Aber es ist wohl iderspricht dem Menschen. MEtjie onij Kni, wii u«ftn Nach der Stadt zurückzusehen. Ans dem hohlen finstern Tor Dringt ein buntes Gewimmel hervor. Jeder sonnt sich heute so gern; Sie feiern die Auferstehung des Herrn. Denn sie sind selber nuferstanden Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, Aus Handwerks- und Gewerbesbanden, Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, Aus der Straßen quetschender Enge, Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht Sind sie alle ans Licht gebracht. Sieh nur, sieh! Wie behend sich die Menge Durch die Gärten und Felder zerschlügt, Wie der Fluß, in Breite und Länge, So manchen lustigen Nachen bewegt; Und. bis zum Sinken überladen. Entfernt sich dieser letzte Kahn. Selbst von des Berges fernen Pfaden Blinken uns farbige Kleider an. Ich höre schon des Dorfs Getümmel; Hier ist des Volkes wahrer Himmel, Zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf idj’s sein. 19 20 21 14 15 16 17 18 9 10 4 5 2 3 7 8 !en, das ohne mein Zutun seine Wege ging, stellte ung eines Mannes, hervorgetreten aus einem Buck), igen, daß ich von ihm sprechen mußte, obwohl diese _ s .’r Stunde so fremd sich ausnahm, wie der Kondor gewirkt hätte Uber dem Spiegel dieses Sees. Weil du, fing ich an, von Wirklichkeit sprachst, so erinnerst du mich des Buches mit Gesprächen und Aeußerungen von Georges Clemenceau, das sein Sekretär herausgab. Das war ein Hasser und ein Fresser des deutschen Wesens. Dennoch — er war wirklich! Uebrigens — du magst es i nationale Voreingenommenheit nennen: doch hatte er in einem fran- ! zösischen Gehäus eine Art deutscher Seele. Ich.bilde mir nämlich ein, । daß nur ein germanischer Mensch eine solche Liebe zu Hellas, wie er i sie bezeigt, haben könne; nicht nur eine so tiefe, sondern eine Liebe von ; solcher Zartheit, Fülle und Wahrheit des Verstehens. Schade, versetzte mein Freund, daß er im Erkennen des deutschen Wesens eine Wahrheit zwar sah,' aber nicht wahrhaben wollte. Du erinnerst dich seiner Erklärung des deutschen Menschen: daß unter allen ; Geschöpfen der Erde nur er eine wahrhafte Liebe, ein Wissen und ein Verlangen, rund — eine Liebe zum Tode habe. Das ist ein Wort, über das sich lange nachdenken ließe. Ja, man empfindet: es ist recht, es ist deutsch, es ist im Sinne der Nation. Er jedoch fährt dann fort, eine Volte schlagend vom Sterben zum Töten: darum — ja, darum sagt er — sei der Deutsche von Natur ein kriegführendes Wesen; er denke allezeit an den Krieg, bereite ihn vor und kenne keine größere Lust als am Gemetzel. Nun, rief ich, was kümmert das uns? Diese Folgerung ist seine Sache; Wir können uns mit dem Vordersatz begnügen. Seine Sache gewiß. Aber da du von ihm selbst sprachst und seine Wirklichkeit anerkanntest — so will ich sie dir zwar zugeben. Aber er ist — gerade das Abgleiten innerhalb jener Erklärung, von der Wahrheit in den Unsinn, von Geist in den Ungeist, beweist es — er ist geblieben — vor seiner Verwirklichung. Aber, sagt' ich, die wird nur erteilt van der Gnade. Ja, und was ihn angeht, so ist es ein Schicksal für ihn, das er mit allen seinesgleichen gemein hat: den großen Handelnden, den Männern des Tuns. Colour & Grey Control Chart Verwirklichung. Lin österliches Gespräch. Von Albrecht Schaeffer. - hier folgende Gespräch^stm^m^^^O^ta^^ms^r^ig^wn Blue White Yellow Grey 3 Red Grey 4 Green Grey 2 Cyan Grey 1 8 9 unterbrochen, in Der toonne glanzten, xue niarjiuyen cu|iv, uu« u>u>i», waren noch bewegt von dem weichen zarten Kampf der Befreiung und der Erneuerung. In den allhin weit offenen Tiefen lag unter uns die stille Bläue des Sees, lagen im goldenen Duft die Inseln, noch dunkel in kahlen Bäumen , mit denen eben erkennbaren Konturen der alten Gebäude, Dächer, Türme; lag der unendliche Kranz der zackigen Berge im Neuschnee, vollkommen österlich funkelnd für den, der den Tag in feinem Inneren wußte. J„ unserem Gehör war nichts als das ferne Geschwätz einer Wolke von Staren und — das freilich schon verhallte Lachen und Freudengetön der Kinder, die vor einer Vierteiftunde noch irgendwo in die Weite gestürmt waren. Es war natürlich, daß Mein 'Freund, nachdem wir eine Weile die goldene Stille mitgeschwiegen hatten, aus sich selber — in sich hinein — sagte: Die Kinder — ja, die Kinder... Weiter nichts; aber er sagte es mit solchem Ton glückvoller Dankbarkeit, daß ich nach einer Zeit versetzte: Das sagst du, als ob deine Kinder die ganze Wirklichkeit in sich und für sich allein hätten, und du nichts bedürftest. § nicht? Die Wirklichkeit Gottes? Aber lieber Freund, wohin bist du jetzt abgeirrt! Denn du selber warft es doch, der das andere Wort nannte, Verwirklichung, die des Menschen. Die Menschen, denen die Werke der Innerlichkeit anvertraut sind, wie du sagtest, handeln gewiß auch; aber sie handeln auf andere Weife. Erkläre mir das. Zwischen einem Werk und einer Tat sehe ich den tiefen Bebens« unterschied: daß sich das eine schließt, das andere sich öffnet. Ja, das Werk — denke an das einfachste Gedicht — mit der Vollendung feines Werdeganges schließt es sich zu. Es verwirklicht sich ganz. Und der Mensch, aus dem es entstand, auch er muß sich in diesem Geschehen mitverwirklicht haben. Das scheinen mir die Verwirklichungen der Dichter, die — von Augenblicken zu Augenblicken des Lebens — das ganze umschließen tonnen und zur Verwirklichung bringen. Das Werk verkennt sich nicht — und später erkennen es die Menschen, die es empfangen — ja, vor ihnen öffnet es sich wieder — wenn sie das Zauberwort Sesam wissen — und schließt sich wieder um sie — zu neuer Verwirklichung.