GietzenerZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger 3 ihrgang <951 Montag, den 26. Januar Nummert Mozart-Quartett. Von Hugo Salus. Tempel der Kunst, wie bist du, Wort, heut wahr! Vielhundert Menschen füllen deine Halle Und fromm begeistert sind e i n Lauschen alle. Vier Priester halten Hochamt am Altar. Rhythmisch bewegte Luft! Wie wunderbar: Mit ganz verschiednen Wünschen kamt ihr alle, Mann, Weib, Greis, Jugend; jetzt dem schönen Schalle Beut dürstend ihr die gleiche Sehnsucht dar. Ihr fühlt euch erdentrückt und atmet kaum. Gewährt euch Seligkeit der Heilige Geist, Daß euer Auge taübefeuchtet glänzt? Kein Geist, doch reinste Schönheit füllt den Raum, Wohlklang, der eure Seelen aufwärts weist, Daß eine Rosenkette euch umkränzt. Wolfgang Amadeus Mozart. Zu seinem 17S. Geburtslage. Von Dr. Rudolf Gerber, Privatdozent an der Universität Gießen. Gedenktage verpflichten. Es ist nicht damit getan, daß wir in mehr oder minder schwungvollen Worten die Persönlichkeit und das Künstlertum eines großen Musikers oder Dichters feiern. Die kritisch-abwägende, sachlich-nüchterne Haltung unserer Zeit verlangt gebieterisch, daß wir uns Rechenschaft geben über unser inneres Verhältnis zu dem Gefeierten. So müssen wir denn auch fragen: was bedeutet Mozart für unser Geschlecht, er, der raschlebige Hofmusikus einer überkultivierten Adelsgesellschaft für uns Menschen des 20. Jahrhunderts, die mir die Greuel des Weltkrieges und die grundstürzenden Umwälzungen der Revolution hinter uns haben? Gibt es für uns überhaupt noch eine Zugangsform zu der rokokomäßig überfeinerten, im duftigsten bei canto erblühenden Kunst des Salzburger Meisters? Wenn wir in Mozart den „ewig heiteren Liebling der Götter", den „Lichtgenius der Tonkunst" erblicken, in dessen Werken nichts von seelischen Spannungen und Erschütterungen wahrzunehmen ist, die vielmehr rassaelitische Heiterkeit, Ruhe und Grazie in einzigartiger Form ausprägen, dann müssen wir diese Frage ohne Zweifel verneinen. Aber die Dinge liegen ja wesentlich anders. Für die Romantiker des 19. Jahrhunderts freilich — aber auch für viele Zurückgebliebene unserer so ganz unromantischen Gegenwart ist Mozarts Kunst der Inbegriff des Klassisch- Schönen, Symbol einer absoluten Lebensfreude und Lebensbejahung, einer Weltanschauung, die über allen seelischen Zwiespältigkeiten hoch erhaben ist — eine unterhaltsame Kunst, die man „spielend" bewältigt. Mozarts Zeitgenossen dachten anders! Für sie war schon so manche Wendung in seinen Jugendsinfonicn ein unbegreifliches Phänomen, eine Kundgebung, die wie ein Wetterleuchten am fernen Horizont Schrecken einflößte. Und je mehr der jugendliche Meister feine Schwingen entfaltete, desto stärker trat dieser dämonische Zug seines Wesens hervor. Das Leben hat den in früher Kindheit Vergötterten hart angepackt. Sein expansives Genie sah sich hineingezwungen in eine gesellschaftliche Stellung, in ein Lakaienverhältnis, das ihm, wenn es hoch kam, gönnerhafte Anerkennung, daneben aber auch erniedrigende Maßregelungen eintrug. Am erzbischöflichen Hofe in Salzburg, wo er als Zwanzigjähriger in Diensten steht, kämpft er voll Leidenschaft um die menfchheitliche Würde des Künstlers, den die Heiduckenuniform im Zeitalter der österreichischen Feudalaristakratie in eine Linie mit dem Lakaien und niederen Hof- bcamten stellte. Er lehnt sich jedoch vergebens gegen die noch herrschenden Gesellschaftsformen auf, scheitert und zerbricht in dem Kampf, aus dem, ein Menschenalter später, ein anderer als Sieger hervorgehen sollte: Beethoven, der mit dem Wiener Adel auf „gleichem Fuße" verkehrte, und feine fürstlichen Bewunderer mit den Offenbarungen feines musikalischen Genies beschenkte, während Mozart seine aristokratischen Gönner und Austraggeber vielfach noch nach altem handwerklichen Brauch mit dem schuldigen Tribut an musikalischem Unterhaltungsstoff beliefert Aber es ist nicht allein dieser unglückselige Zwiespalt zwischen einem mächtigen Unabhängigkeitsdrang, dem Autonomiebewußtsein des klassischen Menschen, und der Gebundenheit an überlieferte und überlebte gesellschaftliche Formen, der dem Leben und Schaffen Mozarts einen tragischen Akzent verleiht. Auch die häuslichen Verhältnisse gestalten sich, großenteils durch die Schuld seiner Frau, in dem Maße trauriger und verhängnisvoller, je mehr sein Genius sich von der espritvollen Konversationsmusik der Zeit losrang und die Höhen und Tiefen wirklichen Erlebens suchte. Als er mit „Figaro" und „Don Giovanni" den Höhenweg beschreitet, der ihn bis zu dem Mysterium der „Zauberflöte" führen sollte, da begannen mehr und mehr die Fundamente seines irdischen Daseins zu wanken. Innerlich hat er sich zwar von allen Vorurteilen frei gemacht, und sich über die Misere des Alltags erhoben. Der Dreißig- jährige ist ein reifer Mensch, der die Welt mit Shakespeareschen Augen heht, für den der Tod ein Stück Natur, der „wahre Endzweck unseres Lebens" ist. Aber äußerlich verfiel er der Einsamkeit, dem Elend. Die Bettelbriefe jener letzten Lebensjahre — erschütternde Dokumente eines verzweifelten Ringens — taten kaum irgendwelche Wirkung. Gleich einem leuchtenden Meteor versank er im Nichts, endete im Armengrab, das alle Spuren seines körperlichen Seins getilgt hat. Dürfen wir annehmen, daß dieses, von tragischen Konflikten und katastrophalen Ereignissen durchsetzte Leben sich nicht, deutlich erkennbar, in Mozarts künstlerisches Schaffen eingegraben hat, daß gar keine Beziehungen bestehen zwischen diesem Menschen und seinem Werk? Ganz gewiß nicht. Lenkt man den Blick allein auf Mozarts Opern, so lassen sich schon in den frühen dramatischen Versuchen des Knaben Züge wahrnehmen, die auf eine eminente Vertiefung der dramatischen Gattung hin- deuten. Er schloß sich an die Italiener an, komponierte opere Serie und opere buffe, ernste und heitere Dramen, ganz nach italienischem Schema und unter Wahrung der traditionellen Charaktermasken, wie sie -von seinen Vorbildern geprägt worden waren. Aber fein Sinn steht nicht nach dem Typischen. Er will die Mannigfaltigkeit des Lebens nach feiner tragischen und komischen Seite im musikalischen Drama festhalten, er will keine Typen, sondern Menschen von Fleisch und Blut durch die Ton- gebarde zeichnen. So schuf er auf der Höhe seines Lebens das musikalische Lustspiel „Figaros Hochzeit" und die dionysische Tragödie des „Don Giovanni" — Werke, in denen er über die konventionellen Typen der opera seria mit ihrer heroischen Geste und der opera buffa mit ihren Harlekinaden hinausgewachsen ist, sie umgewandelt und verschmolzen hat zu einem ergreifenden Schauspiel menschlicher Leidenschaften. Mozarts Don Giovanni ist ein Faust der Sinne, der symbolhafte Träger des allgemein menschlichen, von allen Religionen als dämonisch empfunbenen Triebes des Eros. Das ist fein Schürzenjäger, der sich (wie dies in der italienischen opera buffa stets der Fall war) aus der Verführung der Frauen einen Sport macht. Don Giovanni ist vielmehr der verkörperte Lebens- und ßiebestrieb, der im Verlauf feiner Entfesselung ins Uebermenschliche wächst. Dieser Dämon kann nur durch einen Dämon überrounben werben, ber noch stärker ist als er selber. Das ist der steinerne Gast, ber aus einem, bem Sinnenmenschen nicht erreichbaren Lanbe kommt. Es ist ganz unmozartisch, in dem berühmten 2. Finale etwa das Eingreifen einer sittlichen Weltordnung erblicken zu wollen. Nicht um Schuld und Sühne handelt es sich, sondern um Sein ober Nichtsein. Goethe erkannte den tiefen Sinn dieses gewaltigen Mythus als einziger von Mozarts Zeitgenossen und er sagt im Jahre 1797, daß der „Don Giovanni" ganz isoliert in ber Weltliteratur bastehe, unb baß burch Mozarts Tob alle Aussicht auf etwas Aehnliches vereitelt fei. Mozart der Dionyfier, ber Tragiker! Hier eröffnen sich völlig neue Perspektiven für eine vertiefte Mozartbetrachtung. Wir finben bie'bämo- nischen Schatten aber nicht allein in seinen Opern, sondern auch in seiner Instrumentalmusik, in den letzten Sinfonien, besonders in der O-Moll- Sinfonie, die tiefste Melancholie mit wildester Dämonie paart. Und wir finden sie weiterhin in den reifsten Schöpfungen feiner Kammermusik, etwa in dem düster-leidenschaftlichen 6-Mvll-Streichguintett. Wenn spätere Generationen diese Schatten, das Hellseherisch-Dämonische in Mozarts Kunst nicht mehr wahrgenommen haben, wenn sie in der erwähnten O-Moll-Sinfonie ein leichtes Getändel erblickten, oder in bem Baechusmythos bes „Don Giovanni" eine minber wirksame opera buffa, so lag bies an ben, durch bas 19. Jahrhunbert grunblegenb oeränberten Formen des musikalischen Schassens unb Hörens. Die Allgewalt ber Beethvvenfchen Orchestersprache, fein titanisches Pathos, unb ber gesteigerte Affektstil des Wagnerfchen unb Nach-Wagnerfchen Musikbramas haben anbere Maßstäbe geschaffen, mit benen bie Feingliebrigkeit Mozartscher Kunstwerke nicht mehr zu messen waren. Man sah eben jetzt nur noch bas Zierlich-Glatte, Angenehm-Fließende ber Formen, nicht mehr die zutiefst verborgene Intensität bes Lebens. Erst unserer Zeit blieb cs Vorbehalten, die Mannigfaltigkeit dieses Lebens zu erkennen, jenes falsche Mozartbilb richtig zu stellen unb im einzelnen barauf hinzuweisen, in welchem Umfange bie tragischen unb bäinonischen Akzente in Mozarts Persönlichkeit unb Kunst hervortreten. Gleichwohl müssen wir uns hüten, biefe bunklen Züge seines Wesens einseitig zu betonen. Dies ergäbe ein Porträt, bas gewiß ebenso falsch wäre wie bas romantisch-biebermeierliche. Mozart selbst war alles anbere als ein Pessimist unb Menschenverächter. Er war vielmehr in hohem Maße dem Diesseitigen, Sinnenfreubigen zugewanbt, burchbrang mit dem ihm eigenen Scharfblick die Welt ber Erscheinungen unb erfreute sich an ihrer heiteren Seite. So kennen mir ihn aus feinen zahlreichen ^.-Dur-Stücken, ber berühmten Variationenfonate für Klavier, dem Adieu, ich bin der» gehorsamster Sohn W:A: Mozart gehorsamster danckbarster Diener wolsgang Amade Mozart. P. S. Meine liebe konstanze empfehlt sich beyderseits. * An den Vater. An Ab bä Bullinger in Salzburg. Paris, ce 3 julliet 1778. - Allerbester sreünd! für sie ganz allein. Trauern sie mit mir, mein freund! — Dies war der traurigste Tag ln meinem leben — dies schreibe ich um 2 Uhr nachts —- ich must es ihnen doch sagen, meine Mutter, Meine liebe Mutter ist nicht mehr! — gott hat sie zu sich berufen — er wollte sic haben, das sähe ich klar — mithin habe ich mich in willen gottes gegeben — Er hatte sie mir gegeben, er konnte sie mir auch nehmen, stellen sie sich nur alle meine unruhe, ängsten und sorgen vor die ich diese 14 tage ausgestanden habe — sie starb ohne das sie etwas von sich raufte — löschte aus wie ein licht, sie hat 3 tage vorher gebeichtet, ist Eornuneirt worden, und hat die heilige öehlung bekommen--die letzten drei tage aber phantasirte sie beständig, und heut aber um 5 uhr 21 miauten gris sie in Zügen, verlohr alsogleich darbey alle empsindung und alle sinne — ich druckte ihr die Hand, redete sie an — sie sähe mich aber nicht, hörte mich nicht, und empfand nichts, — so lag sie bis sie verschied, nemlich in 5 stunden um 10 uhr 21 Minuten abends — es war niemand darbey, als ich, ein guter freund von uns (den mein votier kennt) hr: 5)aina* und die Wächterin — die ganze kranckheit kann ich ihnen heute ohnrnöglich schreiben — ich bin der Meynung daß sie hat sterben müssen — gott hat es so haben wollen, ich bitte sie unterdessen um nichts als um das freündstück, das sie meinen armen Datier ganz sachte zu dieser traurigen Nachricht bereiten — ich habe ihm mit der nehmlichen Post geschrieben — aber nur dast sie schwer krank ist — warte dann nur auf eine antwort — damit ich mich danach richten kann, gott gebe ihm stärcke und mutt)! — mein freund! — ich bin nicht izt, sondern schon lange her getröstet! — ich habe aus besonderer gnade gottes alles mit standhastigkeit und gelassen- * Ein Musiker. so verschmutzt. — , Nun habe ich keine geringe arbeit. — bis Sonntag acht tag mutz meine opera auf die Harmonie gesetzt seyn — sonst kommt mir einer bevor — und Hot anstatt meiner den Prosit davon; und soll nun eine Neue Sin- pbonie auch machen! — wie wird das möglich seyu! sie glauben nicht wie schwer es ist so was aus die Harmonie zu setzen — dost es den Blatzinstru- menten eigen ist, und doch dabey nichts von der Wirkung verloren geht. — Je nu, ich must die Nacht dazu nehmen, anderst kann es nicht gehen -- und ihnen, mein liebster Datier, sey es aufgeopfert, —..ste sollen alle Postäge sicher etwas bekommen — und ich werde so viel möglich geschwind arbeiten — und so viel es die Eile zulöht — gut schreiben. — den augcnblitf schickt der graf Zitchi zu mir, und lasst mir sagen ich möchte mit ihm nach laxenburg fahren, damit er mich beyn furft kaumtz auf- ühren kann. — Ich must also schlüßen, um mich anzukleiden — Denn wenn ich nicht im Sinn habe auszugehen, so bleibe ich allzeit in meiner Negligee, den augenblick schickt mir der Copist die übrigen Stimmen, adieu, ich küsse ihnen die Hände lOOOmal, und meine liebe schwesker umarme ich vorn Herzen und bin Ewig dero firnMenben Klarinettenquintett oder dem bekannten, nicht minder (id)b K A SiSSon3ert. Und dieser Mozart spricht zu uns m de Märchenwelt der „Zauberslöte", die gewih auch von uuntten Zugen betoattet ist die aber trotzdem von dem stillen Leuchten der Humamtats- ideeverklärt wird, und in der der Mozartsche Optimismus eine im klassi- «ttSÄTSÄ f-mi< "ich.- m -L hie dämonischen Abgründe der Seele und des Lebens noch der heitere Genuß der Freuden'des Daseins, lieber seiner Kunst liegt die Abendröte einer scheidenden, dem Diesseitigen zugewandten Kultur ber üibalanVber aristokratischen Lebensformen vor der gioßen sianzosischen Revolution Aber tief im Innern diefer vornehm-geschliffenen GeseUschasts- kunst die Mozart in zunehmendem Maße veredelt hat, regt sich die Natur das Gefühl — der Mensch, der die dunklen Hintergründe des Lebens sieht und von metaphysischen Schauern geschüttelt wird. Das Mit- und Nebeneinander des Heiteren und Tragischen, die si°udigeAf- geschlossenheit der Sinne und des Geistes dem Leben gegenüber unb hie tiefe Sehnsucht, den Dingen auf den Grund zu kommen und auch vor seelischen Ersthütterungen nicht zurückzuschrecken, dies erst ergibt den ganz en Mozart, den Mozart der großen musikalischen Uranien und des Requiems, der auch uns heute noch gar manches zu sagen hat. Mozart in seinen Briefen. An die Schwester. Mailand, 17. Februar 1770. Da bin ich auch, da habts mich. Du Mariandel, mich freut es recht daß Du so erschrecklich — lustig gewesen bist. Dem Kmdsrnensch, der 11 Herl, sage, dast ich immer meine, ich hätte ihr alle Lieder wieder guruct- fleftellt, oder allenfalls, ich hätte sie in den wichtigen und hohen Gedanken nach Italien mit mir geschoben, so werde ich nicht ermangeln wenn ich es finde, es in den Bries hineinzupragen. Addio, Kinder, lebts wohl. Der Mama küsse ich tausendmal die Hände, und Dir schicke ich hundert Busserln oder Schmatzerln auf Dein wunderbares Pferdgesicht. Per fare il fine, bin ich Dein. beit übertragen, wie es so gefährlich wurde, so batt ich gott nur um 2 hinge nemlich um eine glückliche fterbftunbe für meine Dlutter unb donn für mich um stärcke und rnuth - und der gütige «ott W nn* eihört, und mir die 2 gnaden in größtem maaße verliehen. bitte sie also bester freünb, erhallen sie mir meinen oalter,-sprechen sie 'hm muth J das- er es sich nicht gar zu schwer und hart nimmt, wenn er das ärgste erst hören wird. Meine schwester empsehle ich 'h'^n ciuch von aauren Herren — gehen sie doch gleich hinaus zu ihnen, ich bitte sie — ffgen sie ihnen noch nichts daß sie tod ist, sondern prepariren sie sie nur o baru — thun sie was sie wollen, — wenden sie alles an — machen sie nur daß ich ruhig seyn kan — unb daß ich nicht etwa ein anderes Unglück noch zu erwarten habe. — Erhalten sie mir meinen lieben vatt_, unb meine liebe schwester. geben sie mir gleich antwort ich bitte sie. An den Vater, vienne ce 20 Füllet 1782. Mon tres eher Pere! Ich Hüffe Sie werben meinen letzten brief worinn ich ihnen die gute aufnahme meinet oper* berichtet habe richtig erhalten haben - *n ift Sie zum 2ten Male gegeben worden; — und konnten sie wohl Der muthen daß gestern noch eine Stärkere Kabale war als am ersten abend, der ganze Erste ackt ist oer-zischet worden. — aber das laute Bravorufen unter den arien konnten sie doch nicht verhindern. — meine Ijoffnung war also das Wuh-terzet — da machte aber das ungluck den fischer fehle" durch das fehlte auch der Dauer (Pedrillo) — und Adamberger allem konnte auch nicht alles ersetzen — mithin gierig der ganze Effect davon verloren, und wurde für diesmal — nicht repetirt. — id) war so in .Butt) daß ich mich nicht kannte, wie auch Abamberger — und sagte gleich daß ich die opera nicht geben lassen ohne vorher eine klerne Probe (für bie Sänger) zu machen. — im 2t ackt wurden die beyde Duetts wie bas Erstemal, unb dazu das Rondeau von Belmont wenn der sreude thranen fließen wiederhollet. — das thealer war noch fast voller als das erste mal. — den tag vorher konnte man keine gesperrte Sitze mehr haben weder auf dem Noble parterre noch im 3ten Stock; und auch keine löge mehr. Die opera hat in den 2 lägen 1200 st. getragen. — hier uberschicke ich ihnen das original davon, unb 2 Bücheln. — Ste werben viel aus gestrichenes darin finden; das ist weil ich gewuft habe daß hier gleich die Partitur copiert wird — mithin ließ ich meinen gebauten freyen lauf — und bevor ich es zum schreiben gab, machte ich Erst hie und da meine Veränderungen unb abkürzungen. — und so wie sie Sie bekommen, so ist fie Qcoeben töorben. — es fehlen unb bo bie tronipetten unb pouctcn, flauten, Clarinett, türkische Musick — weil ich kein papier von so Diel linien bekommen konnte, bie sind auf ein Extra papier geschrieben — der Copist wird sie vermuthlich verloren haben, bann er konnte sie nicht finden. — Der Erste ackt ist (als ich ihn, ich weis nicht mehr wohin tragen lassen wollte) unglücklicher weise im Dreck gefallen; drum ist er Wien, 27. Juli 1782. Liebster, bester Vater! ich muß Sie bitten, um alles in der Welt bitten geben Sie mir Ihre Einwilligung, dast ich meine liebe Konstanze heiraten kann. Glauben Sie nicht, daß es um des Heiraten wegen allein ift: wegen diesem wollte ich noch gerne warten. Allein ich sehe, daß cs meiner Ehre, der Ehre. meines 'Mädchens und meiner Gesundheit und Gemütszustand wegen ununtgänglid) notwendig ist. Mein Herz ist unruhig, mein Kopf verwirrt, wie kann man da was Gescheites denken unb arbeiten? Wo kömmt das her? Die meisten Leute glauben, wir sind schon verheiratet; bie Mutter wird darüber aufgebracht, unb bas arme Mädchen wirb samt meiner zu Tode gequält. Diesem kann so leicht abgeholfen werben. Glauben Sie mir, daß man in dem teuere Wien (o leicht leben kann als irgendwo: es kömmt nur auf Wirtschaft und Ordnung an; die ist bei einem jungen, besonders verliebten Menschen nie. Wer eine tVrau bekömmt, wie ich eine bekomme, der kann gewiß glücklich sein. Wir werden ganz still und ruhig leben und doch vergnügt sein. Unb sorgen Sie sich nicht; denn sollte ich, Gott bewahre, heute krank sein (besonders verheiratet), so wollte ich wetten, daß mir bie ersten der Noblesse einen großen Schutz geben mürben; bas kann ich mit Zuversicht sagen. Ich weiß, was der Fürst Kaunitz zum Kaiser und Erzherzog Maximilian von mir gefpro- * „Die Entführung aus dem Serail" war am 16. Juli zum erstenmal gespielt worden. An den Vater. Mannheim, 8. November 1777. ... Nun folgt die Gratulation! Allerliebster Papa! Ich kann nicht poetisch schreiben: ich bin kein Dichter. 2S kann die Redensarten nicht so künstlich einteilen, daß sie Schatten und Licht geben, ich bin kein Maler. Ich kann sogar durchs Deuten unb durch Pantomime meine Gesinnungen und Gedanken nicht ausdrücken: ich bin kein -renger. Ich kann cs aber durch Töne: ich bin ein Musikus. Ich werde auch morgen eine ganze Gratulation sowohl für Dero Namens- als Geburtstag bei Cannabich auf dem Klavier spielen. Für heute kann ich nichts als Ihnen mon tres eher pfere, alles vom ganzen Herzen wünschen, was ich Ihnen alle Tage, morgens unb abends wünsche: Gesundheit, langes Leben und fröhliches Gemüt. Ich hoffe auch, daß Sie letzt wemger Verdruß haben, als da ich noch in Salzburg war; denn ich muß bekennen, daß ich die einzige Ursach mar. Man ging mit mir schlecht um, ich verbleute es nicht. Sie nahmen natürlicherweis Anteil, aber zu sihr- Seyen Sic, das war auch die größte und wichtigste Ursache, warum ich von Salzburg megeilte. Ich hoffe auch, mein Wunsch ist erfüllet. 'Jlun mu» ich mit einer musikalischen Gratulation schließen. Ich wünsche Ihnen, daß Sie so viele Jahre leben möchten, als man Jahre braucht, um gar nichts Neues mehr in der Musik machen zu können. Nun leben Sie recht wohl; ich bitte Sie recht untertänig, mich noch ein bißchen liebzuhaben unb mit diesem schlechten Glückwunsch unterdessen vorliebzunehmen, bis in meinem engen unb kleinen Verstandskasten neue Schubladen gemacht werden, wo ich den Verstand hintun kann, den ich noch zu bekommen im Sinne habe ... Oie Mozartin in Kopenhagen. Von Niels Hoyer. Zehn Jahre hat die Mozartin in Kopenhagen verlebt. Zehn angenehme, sorglose Jahre. Wer weih das noch? In Kopenhagen fast niemand. Von 1810 bis 1820. Und sie war längst Witwe ihres göttlichen Wolsgang Amadeus, wie sie ihn ohne Unterlah auch in Kopenhagen nannte. Hieß sie auch nicht mehr in ihrem Paß die Mozartin. Denn sie war längst des dänischen Diplomaten und Schöngeistes Georg Nicolaus Nissen Eheweib in Wien geworden. Und dieser Nissen war ein Jahr nach Mozarts Tode als dänischer Gesandtschastssekretär nach der Kaiserstadt gekommen, wo er die Mozartin mit einem sieben und einem kaum ein Jahre alten Söhnchen traf. _ Fast zwanzig Jahre dauerte es, bis die Mozartwitwe Frau Nissen wurde. Und es war keine schlechte Partie, die sie machte. Denn 1808 kurz vor ihrer Uebersiedlung nach Kopenhagen, war er bereits Charge d' Asfai- res, und 1810 in Kopenhagen, wo er der Leiter der Zensurstelle „der dänischen politischen Gazetten und Druckschriften" wurde, bekam er von seinem König Frederick VI. mit hohen Orden auch noch den Etatsrats- titel. Das ist das höchste der dänischen Gefühle. '-it Ich erwarte mit Sehnjuckt Ihre Einwilligung, mein bester Vater' ich erwarte sie gewiß, meine Ehre und mein Ruhm liegt daran. Sparen Sie nicht zu weit das Vergnügen, Ihren Sohn mit seiner Frau bald zu umarmen ... Wunderkind aus Salzburg. Von Wilhelm Schäfer. Ein Wunderkind kam nach Wien: ein Knabe aus Salzburg, Mozart geheißen, spielte der Kaiserin aus dem Klavier, und alle die Herren und Damen Maria Theresias staunten, wie solch ein Kind schon ein Zauberer wäre, mit seinen Tönen den süßen Genuß der Gefühle zu lenken. Und wie in Wien, geschah es in London, im Haag, in Paris: überall staunte das Kerzenlicht um den Knaben aus Salzburg, der das Klavier gleich einem Großen zu meistern verstand. f Lärmender Beifall und lockender Ruhm war um den Knaben, aber der strenge Vater lieh ihn nicht locker in der Zucht seiner Kunst: Beifall und Ruhm sollten seiner Musik nicht die Quellen verschütten. Bor den Herren und Damen der Höfe zu spielen, war nut em Gauklergewerbe: aber den Menschenseelen Gesang und dem Wohllaut der Geigen, Flöten und Hörner harmonische Fülle zu geben, hieß ein Musikmeister der Ewigkeit fein. So wurde das Wunderkind Mozart ein Jüngling und Mann, der seiner Musik den echten Zauberstab hielt; so wuchsen dem Rosenjahrhun- dert der Pompadour Flügel, in den Himmel der Töne zu fliegen. Als Maria Theresia starb, rief Joseph, ihr schwärmender Sohn, Mozart nach Wien, daß er sein Kammermusikus würde; doch hatte der hitzige Schmied kühner Herrscherpläne kein Ohr, das Wunder der -töne 311 Indessen der Kaiser den Blasebalg zog, das störrische Eisen der Herkunft zu schmieden, indessen sein Hof ein kühner Gedankenplatz war, indessen die Stadt an der Donau, unbesorgt solcher Gedanken, die fröhlichen lockte mit reichen und rauschenden Festen, sah Mozart in mancher Bedrängnis. . . Er hatte die schöne Konstanze gefreit, und sein Klavier stand nicht still, um die Gulden zu spielen, die seine Frau fröhlich verbrauchte: auch waren die welschen Musiker dem Neuling aus Salzburg feind, und den Höflingen galt er als eine Marotte des neuerungssüchtigen Kaisers. Aber in blinkenden Nächten, von den Plagegeistern der Tage, von Sorgen und Süchten umlauert, riß seine Seele die Sterne vom Himmel und barg ihre ewige Tröstung in seiner Musik. Als sie in Wien die Hochzeit des Figaro spielten, das fröhliche Stuck von dem srohen Barbier im Perlengewand Mozartscher Töne, da flog dem Zauberer aus Salzburg anderer Beifall und Ruhm zu, denn da er als Wunderkind am Klavier' die Herren und Damen der Höfe mit flinken Fingern entzückte. ,r . Da hörte das leichtgeschürzte Jahrhundert den gläsernen -ton feiner Schalmei, da war die Marquise von Pompadour {eine schelmische Göttin geworden; der Zauberer hielt ihr das Schellenband hm, mit schlanken Beinen hinüberzuspringen. „ Ihm aber, der ihr und der Zeit nut [einer Hellen Musik das Schellenband hielt, ihm lagen schon andere Töne im Ohr: aus der Tiefe stieg 'die Vergeltung mit steinernen Schritten; der Boden barst und die Zeit versank mit ihren Lüsten und Lastern, mit ihrem Gelächter und gläsernen Glück in den Abgrund, als Mozart den Don Juan schrieb. Nie hatte die Kühnheit Heller geprahlt, als da-der freche Versuhrer Himmel und Hölle zum Trotz sein Champagnerlied sang; nie hatte die Ewigkeit so ihren Donnermund ailfgetan, als da der steinerne Gast den Lästerer holte. . So rief er der Zeit den Tag seines Zornes und war doch ihr eigenstes Kind; zwischen Himmel und Hölle tapfer ein Mensch zu sein, lieh Mozart zuletzt die Zauberflöte erklingen. Da hing die irdische Liebe gläubig der eigenen Glückseligkeit an, Schuld und Bedrängnis vermochten nicht, ihren Weg zu beschatten: wie die Sonne am Mittag schritt ihre Allgewalt über die Ströme und smste- ren Wälder, über die Felsen und Abgründe in seligen Tonen hinüber. Als Mozart der Menschheit solches schrieb, hatte der Tod sein Herz schon berührt: noch konnten die fiebernden Hände sein Requiem schreiben, dann sank er selber hinein in die einige Ruhe. Er war ein Kind seiner Zeit wie keiner: alles, was sie zu lächeln vermochte, lächelte er, als ob die Erde ein Blühegarten der Freude, als ob der Mensch aller Blüten und Freuden Nutznieser wäre, so machte Mozart, der 'Meister des Wohllauts, Musik. Es war ein sonderbarer Kauz, dieser Nissen, an dessen Seite die JDio- zartin fast zwanzig Jahre lang „das Wort in der Ehe geführt hatte". — Er machte dänische und deutsche Verse, schrieb ein gewiß mit Recht nie aufgeführtes Tragödienspiel, arbeitete seit den ersten Tagen seines Wiener Aufenthaltes bis zu seinem Tod an einer Mozartbiographie, mit der er nicht fertig wurde. Das holte dann aber die Mozartin nach, die ihm, 1821 wieder nach Wien zurückgekehrt, im Handumdrehen vom Kaiser in der Hofburg, „wo sie halt ein und aus ging", das kleine Wörtchen „von" verschaffte. — „Die lieben Kopenhagener sollen doch mal sehen, wie die Witwe des göttlichen Mozart beim Kaiser angeschrieben ift! , also wetterte sie den Leuten am Oeresund nach. Denn diese „tumpen Dänen" wußten damals noch nicht genug, was „unser göttlicher Wolsgang Amadeus für ein Kerl gewesen!" — Nicht, daß man sie in Kopenhagen nicht genug „ästimier!" hätte. Du lieber Gott, Frau Constanze Cäcilia Josepha Johanna Alsisa geborene Weber, verwitwete Mozart, nunmehrige Etatsrätin von Nissen, puffte ihren Georg Nicolaus auch in Kopenhagen fchon kräftig in den Vordergrund, und er der vier Jahre jünger war, hatte zu parieren, — und zu musizieren. Und zwar vor allem ihres Wolfgang Amadeus Musik. Das war in Kopenhagen damals eine fast revolutionäre Angelegenheit. Wer kannte damals hier oben biefe „hyper-moderne" Musik? Da war der dänische Kapellmeister Claus Schall. Eins, zwei, drei hatte die Mozartin Nissen ihn zum begeisterten, überschwänglichsten Mo- zartianer eingefangen. Und in feinem Heim spielte man alle Mozartschen Streichquartette. Schall wollte von anderer Musik und anderen Komponisten überhaupt nichts mehr wissen. Im Park von „Gorgenfri",. der Sommerresidenz der dänischen Könige, gibt es heute noch einen Erinnerungsstein an Mozart zu sehen, den Schall errichtet hatte. — So eifrig wurde „Mozart betrieben", daß eines Abends verzweifelt Schalls Ehehälfte ausrief: „Sollen wir nun schon wieder den verfluchten Mozart hören? Spiel doch lieber etwas von dir selber!" Aber der „waschechte Mozart" wurde damals nut bei „Etatsrats" in ihrem schönen Haus an der Lavendestraede „geboten", wie die Mozartin Nissen eindringlichst nachzuweisen pflegte, denn „mir haben hier das Pianosorte, auf dem Wolfgang Amadeus gespielt hat, zu unserer Verfügung", betonte mit heißen Augen die Etatsrätin. Und wohin sie kam, hier oben im Musik liebenden Kopenhagen rief sie im schönsten Wiener Dialekt: „Aber nit wahr, jetzt fpietts halt etwas von meinem göttlichen Mozart!" 1807 hatte man in Kopenhagen bereits am Kgl. wheater den „Don Juan" aufgeführt. Wie eine Offenbarung hat diese Musik nicht nur auf Musiker hier oben, sondern auch auf Dichter und Philosophen gewirkt. Weyse, der damals berühmteste dänische Komponist, erschlafft in unglücklicher Liebe und unproduktiv geworden, wurde durch Mozarts unsterblichste Oper wieder wach und schuf seine stärksten Kompositionen. Der Dichter Blicher verherrlichte den Eindruck dieses Musikerlebnisies in seiner Novelle „Vierzehn Tage in Justland", — „den Shakespeare unter den Tondichtern", nennt er den „Göttlichen Wolfgang Amadeus", — und Kirkegaard ruft in seinem „Entweder-Oder" aus: „Mozarts Don Juan Musik ist so malend, daß man sie am liebsten mit geschlossenen Augen anhören sollte." , „ „Mozart" und „Mozartine", diese Vornamen erfanden Mozart begeisterte Kopenhagener für ihre Kinder. Mozart, Petersen, der berühmt gewordene Klarinettist, kam so zu seinem Rufnamen. Dies alles war der Mozartin Werk in Kopenhagen. — Entzückend Mtzlt der hiesige Organist Knud Linhard das Bild eines Musikabends in der Savenbeftraeb Kerzenglanz von Decke und Wänden. Vier Notenständer mit hohen Blechschirmen. Die Etatsrätin trippelt mit ihrer silbernen Lichtschere herum und stutzt ein Talglicht nach dem anderen zurecht. Ein Mozart-Quartett soll gespielt werden. Sie summt leise bas Schema des Andante vor sich hin. Die Gäste kommen hereinspaziert. Zuerst der pünktliche Weyse. — Mozarts winziges Klavier steht schon aufgeklappt da. Wie ein Altar. Mit zuckendem Kerzenlicht. Sann Schall mit Bruder. Ihre Instrumente stellen sie vorsichtig hin. Zu Fuß sind sie gekommen. Und jetzt streiten sie sich, wer den längsten Weg hatte gehen müssen. — Der Herr Zensor und Etatsrat hält sein goldenes Döschen, ein Geschenk des Kaisers in Wien, jedem Gast zu kleinem, erfrischendem Prieschen hin, schnupft selber herzhaft... Und dann wird es still, und das Zauberholz singt lind draußen leuchten die Sterne und am hellsten Mozarts Stern, der Sirius. — Und ist dieser Gottesdienst dann zu Ende, Tränen tieffter Ergrisfenheit bei Männern und Frauen, — und der Ergriffenste unter ihnen, Weyse, er mag dies nicht zeigen, sucht schnell nach einem Witz, denn er ift ja ein echter Kopenhagener: „Wißt ihr, was ich mir nach bem Tode wünsche? Auf ben Sirius zu kommen und bei Mozart, wenn er auf seiner Himmelsorgel spielt, bie Bälge zu treten...Und die Frau Etatsrätin seufzt mit blanken Augen: „War er nicht der Göttlichste, mein Mozart, Nissen?" Und Nissen nimmt wieder ein Prieschen aus feinem Golddöschen... „ ™ Im Jahre 19 besucht Mozarts Jüngster, Wolfgang Amadeus, Mutter und Stiefvater in Kopenhagen, bringt jungen Ruhm mit, den er während feiner Fahrt durch die deutschen Lande als Pianist geerntet und gibt selber im hiesigen Kgl. Theater ein Konzert: das war am 29. September, und was er spielt sind eigene Kompositionen neben unsterblichen Tondichtungen seines Vaters: „Zauberflöte" und Cost fan Tutti. — Nun, es war kein großer Erfolg, dieses eine Konzert von Mozarts Sohn im hiesigen Kgl. Theater. Das Haus war recht leer. Keine Gazeüe erwähnte diesen Abend auch nur mit einer einzigen Zeile. — Die Mozartin soll nicht sehr sanft von den „tumben Leuten hier oben" gesprochen haben, „die halt ka richtiges Blut, sondern nur a bißt Fischblut ham!" m , Im Jahr darauf zog bann die Mozartin mit ihrem Nissen, der wegen etwas Zipperlein die Kur in Gastein mal probieren muß", wieder südwärts. In Salzburg ließ er sich dann wieder häuslich nieder, „um so reckt nahe Mozarts Geist zu sein", schrieb weiter an sein->r Mozart- Biographie, bis der Tod ihm den Gänsesederkiel und den Geigenbogen aus der Hand nahm. Dort liegt er begraben, „der Gatte der Witwe Mozart", wie es auf seinem Grabstein zu lesen ist. Es steht darauf aber auch geschrieben: „dem Wohltäter der Familie Mozart gewidmet von keiner Gattin und seinen dankbaren Stiefsöhnen". Sechzehn Jahre hat die Mozartin ihren zweiten Gatten und Lebenskameraden Überlebt. Sein „Mozart-Werk" brachte sie, fast siebzig Jahre alt, vollendet in Leipzig heraus. Sie kehrte nicht mehr nach Kopenhagen zurück Sie blieb in Salzburg. Dort starb sie. fünfundachtzig Jahre alt. Fünfzig Jahre hat sie ihren „göttlichen Wolfgang Amadeus" überlebt. Und als ihre Todesnachricht in Kopenhagen eintraf, ahnte hier kaum noch jemand, daß Mozarts Witwe als Dänin gestorben ist. Es gibt kein sichtbares Zeichen, das Zeugnis davon ablegen konnte von den zehn Jahren, die die Mozartin hier oben verlebt. — Nicht ein Erinnerungstäfelchen gibt es hier ihr zu Ehren. „Im Musikhistorijchen Museum" besitzt man wohl noch eine Mozart-Reliquie, ein winziges Anhängsel, das Mozart an seiner Uhrkette einst getragen. — Sein Klavier aber das als heiliger Altar im „Etatsrats" Musiksaal des Hauses an der Lave'ndestraede gestanden hat, ist spurlos verschwunden. Die Mozartin nahm er 1820 nicht mit. Der Hofgeiger Füslel, ein intimer Freund Nissens erwarb es. Mehr weiß man nicht... Und hätte auch dies kaum gewußt' hätte der Organist und „Mozartianer" Knud Linhard uns nicht hieran erinnert. Mozarts Textdichter. Von Dr. Anton Mayer. Allen Musikfreunden sind die Melodien des „Don Juan" und der „Zauberslöte", des „Figaro" und der „Entführung" liebster Besitz; die Herrlichkeit des musikalischen Geschehens in Mozarts Werken ist fo stark, daß sie alles Interesse für sich selbst in Anspruch nimmt und nicht ost die Frage nach den Männern austauchen läßt, an deren Worte und Szenen Wolfgang Amadeus feine Kompositionen geknüpft hat. Gewiß waren alle seine Librettisten ihm an Genie weit unterlegen, man kann sogar von einigen behaupten, daß sie nicht einmal Talent besaßen; aber doch sind ste alle merkwürdige Beispiele einer abenteuerlichen Epoche, die eine Fülle kurioser und anziehender Gestalten schuf, wie sie in späteren Jahren kaum noch anzutresfen sind. Gleich der erste, mit dem Mozart als Librettisten in persönliche Berührung kam, der Verfasser des „Jdorneneo", seiner ersten großen Oper, die er als Erwachsener schrieb, war ein sonderbarer Heiliger in des Wortes wahrster Bedeutung: der Abbe G. B. Varesco nämlich amtierte als Kaplan des Erzbischofs von Salzburg und wurde als Textdichter nur deshalb ausersehen, damit „Komponist und Librettist besser zusammen- arbeiten könnten", obwohl der gute Abbe leider keine Spur von Bühnengefühl hatte und einfach an dem Text einer schon 1712 komponierten und in Paris aufgeführten Oper einige Aenderungen vornahm. Als Italiener beherrschte er die äußerlichen, dem berühmten Operndichter Mctastasio — um mich milde auszudrücken — nachempfundenen Formen und brachte so ein Werk zusammen, das als Ganzes unmöglich, einige hübsche Verse enthält. Er war denn auch außerordentlich stolz aus seine Arbeit und verlangte, als Mozart auf einigen Strichen und Aenderungen bestand, sehr erbost, daß sein Drama vollständig im Druck erscheinen sollte. Dieser operndichtende Abbe, ein hochgestellter Geistlicher, ist, ob mit oder ohne Talent, doch ein Typus jener bühnenfreudigen und leichtlebigen Aera des sterbenden Rokoko, gewiß nicht ohne Grazie und mit einem weltmännischen Wesen begabt, das im nüchternen 10.. Jahrhundert von anderen und weniger großzügigen Bestrebungen abgelöst wurde. Aus ganz anderen Kreisen stammte der Verfasser der „Entführung aus dem Serail", dem deutschen Singspiel, welches dem „Jdorneneo" folgte — eigentlich muß man sagen d i e Verfasser, allerdings stellen die Abfassungen des Textbuches eine ganze Reihe von Plagiaten bar. Der Intendant der Oper war ein Mann namens Gottlob Stephanie: er versprach, Mozart das Libretto zu schreiben. Er hatte ein abenteuerliches Leben geführt, galt als notorisch unzuverlässiger Charakter und hatte seine dramatische Laufbahn mit einem Militärstück begonnen; er spielte, da er selbst Soldat gewesen war — was damals gerade keine Empfehlung bedeutete — seine Militärrollen ganz gut. Eine „Macbeth"-Bear- beitung von ihm beherrschte lange als Spektakelstück mit Zaubereffekten die Bühne — was merkwürdig modern anmutet. Im übrigen wird er als der böse Genius der Wiener Bühne beschrieben und ^neidisch, habgierig, unermüdlich und zänkisch" genannt — wobei es amüsant und bezeichnend ist, daß in Wien, wo man immer viel Zeit hatte, die Unermüdlichkeit auch als schlechte Eigenschaft gewertet mürbe. Er war jeden- salls einer der Menschen, die jede sich ihnen bietende günstige Gelegenheit ergreifen, ohne sich weiter Skrupel über die bürgerliche Anständigkeit ober bie künstlerische Moral zu machen. So entnahm er den Text einfach mit einigen Aenderungen dem Singspiel eines gewissen Herrn Bretz- n e r, der sein Buch im gleichen Jahr für den Komponisten A n d r 6 geschrieben hatte und dann auch wütend protestierte, daß man feinem Werk schlechte Verse eingefügt hätte. Ader auch mit Bretzners Autoransprüchen war es nicht allzuweit her: denn sein Stück war eine sehr genaue Nachahmung einer englischen komischen Oper „The captive", die in London mehr als 10 Jahre vorher aufgeführt worden war — die ganze Unbekümmertheit jener Zeit steigt aus solchen literarischen Streitigkeiten auf, die sich übrigens auch bei den Komponisten, sogar bei Mozart, bemerkbar macht, der aus Holzhauers „Günther von Schwarzburg" ganze Stellen in di« Zauberflöte für die Partie des Sarastro übernahm. Sehr viel interessanter aber, eine ganz eigenartige Persönlichkeit, ist Lorenzo da Ponte, der für Mozart den „Figaro", den „Don Juan" und „Cosi fan tutte"schrieb. Er war von jüdischer Abstammiing, sein Vater Geremia Conegliano arbeitete als Schuster in dem Flecken Ceneda bei Conegliano im Venetianischen; als er aber eine Katholikin zur zweiten Frau zu nehmen wünschte, ließ er sich und seine drei Söhne taufen. Die Zeremonie wurde vom Bischof Monsignore da Ponte mit großer Feierlichkeit vollzogen, der Zeitsitte entsprechend nahmen die Täuflinge den Namen des Taufenden an; der älteste Sohn Emanuel wurde Lorenzo genannt. Der Bischof interessierte sich für den sehr geweckten, aber ganz unerzogenen Vierzehnjährigen, der „lo spiritoso ignorante“, der geistreiche Dummkopf, genannt wurde, und lieh ihn auf seine Kosten im Seminar erziehen, wo der Heranwachsende Jüngling mit außerordentlicher Hingebung antike Sprachen und Italienisch studierte. Bald waren ihm die alten und neuen Dichter seines Landes völlig geläufig; er erwarb sich damals jene große Leichtigkeit und Beherrschung der Sprache, bie ihm später bei seinem ungewöhnlich schmiegsamen und sangbaren Operntexten — bi« burch die Uebersetzungen ins Deutsche schrecklich verballhornt worden sind — sehr zu statten kam. Später studierte er Philosophie und Mathematik. Nach kurzer Zeit begab er sich in die damalige Hauptamüsierstadt Europas, nach Venedig, und lebte dort höchst fidel, indem er seine Zeit hauptsächlich am Spieltisch und in den Boudoirs schöner Damen verbrachte. Nachdem er verschiedene Abenteuer mit galanten Frauen und deren manchmal recht ungalanten Männern ober Liebhabern bestanden, auch beständig, wie jeder Spieler, zwischen Ueberfluß und Armut geschwankt hatte, verließ er nach einem Skandal, der wegen seiner freigeistigen Ansichten ausbrach, Venedig, und kam mit einem Umweg über Dresden im Jahre 1779 nach Wien, wo sich damals alles zusämmenfand, was mit Musik, höfischem Leben und Abenteurertum zu tun hatte. Hier machte er sich schnell einen Namen als Operndichter, schrieb für den berühmten ©alierie und arbeitete mit Mozart, dessen Genie er sogleich als einer der ganz wenigen Verständigen erkannt hatte, auf das beste zusammen, bis er im Jahre 1790, nach dem Tobe seines Gönners Joseph II., infolge aller möglichen Jntriguen, an denen er nicht unschuldig gewesen ist, fliehen mußte und nach Triest ging. Dort verliebte er sich in die Tochter Nancy eines englischen Kaufmanns; die Familie des Mädchens hatte gegen eine freie Verbindung augenscheinlich nichts «inzu- wenden, und so verließ das Paar Triest, um in Paris fein Glück zu versuchen. In Prag besuchte er auf der Durchreise Casanova, — zwei ver- verwandte Seelen fanden sich — auf dessen Rat er nach London ging. Hier scheint er indessen nicht viel Glück gehabt zu haben; so finden wir ihn 1805 in Neuyork wieder, wohin er vor seinen Gläubigern geflüchtet war. Nun verlief sein Leben, immer an der Seite feiner treuen Gefährtin Nancy, in ruhigeren Bahnen. Er wurde Sprachlehrer und brachte sich schlecht und recht durch, bis er den großen Moment seines Lebens genießen durfte: 1825 hatte der 76jährige die Freude, seinen „Don Juan" wieder auf der Bühne zu sehen, als Garcia mit seiner eigenen Truppe ein amerikanisches Gastspiel absolvierte. Mit 83 Jahren verlor «r seine Freundin; es ist rührend, eine wie starke Kraft dieses wilde Leben in langjährigem freien Zusammenleben bewies! Immer noch ist die Ansicht vorherrschend, daß Emanuel Schikaneder Verfasser des „Zauberflöten"-Textes sei. Das ist aber nur sehr bedingt richtig, da der Direktor des Theaters an der Wieden jedenfalls nur bie Szenen des Papageno, den er selber spielte, beigesteuert hat, währenb die ernsten, freimaurerischen Auftritt« wohl ohne jeden Zweifel von einem Schauspieler seiner Truppe herrühren, der Johann Georg Metzler hieß, aber als Schauspieler den Namen Gieseke führte. Er war nach einigen Studienjahren an der Universität Göttingen nach Wien zum Theater gekommen (später ist behauptet worden, er sei das Urbild des Wilhelm Meister gewesen, was aber schwierig zu beweisen wäre), und hatte einige Operntexte, wie den zu Wranitzkys „Oberon", geschrieben. Nach feiner Wiener Zeit, deren Dauer nicht feststeht, machte er verschiedene wissenschaftlich-mineralogische Reisen, hörte auch wieder Kollegs der Steinkunde und eröffnete dann in Kopenhagen eine mineralogische Schule. Christian VII. von Dänemark schickte ihn auf eine Forschungsreise nach Grönland (man bedenke die Zeit — 1806!), wo er acht Jahre blieb, um bann, wie ein Eskimo in Pelze gehüllt, 1813 in England zu landen. Hier wurde er herzlich ausgenommen und bekam im nächsten Jahre bie neugegrünbete Professur für Mineralogie an ber Universität Dublin. Als er später ben Auftrag erhielt, bem Kaiser von Oesterreich eine wertvolle Steinsammlung zu überbringen, und bei dieser Gelegenheit Wien besuchte, bekannte er sich als Verfasser ber inzwischen berühmt gewordenen „Zauberflöte"; und es ist nicht anzunehmen, daß er, der inzwischen eine hohe und geachtete Stellung errungen hatte, aus Eitelkeit sich ein ihm nicht zustehendes Recht angemaßt hätte. Er behielt die Dubliner Professur bis zu seinem Tode im Jahre 1833, hielt Vorlesungen und hat auch einige Briese über wissenschaftliche Fragen mit Goethe gewechselt. Er starb als Junggeselle nach einem guten Abendessen, mit bem Portweinglase in ber Hanb, vom Schlag getroffen — ein schönes Enbe für ein Leben, bas phantastisch anmutet wie bie Dichtung, welche uns von ihm geblieben ist. Mozart-Anekdote. Der einzige Lehrmeister. Daß Mozart alle Wunberkinder ablehnte, wissen wir aus mancherlei Begebnissen. Gelegentlich einer Reise kam er in bas Haus eines begeisterten Musikfreundes, bessen zwölfjähriger Sohn sehr gut Klavier spielte. Der Knabe wanbte sich an Mozart: „Ich möchte gern selber auch komponieren. Können Sie mir nicht sagen, wie ich bas anfangen soll?" Mozart wehrte ab. „Du bist ja noch viel zu jung!" — „Sie selber haben boch schon viel früher komponiert, wibersprach ber Knabe. Mozart polterte: „Aber ich habe keinen gefragt, wie mans macht. Wenn man ben Geist dazu hat, so brückts und quälts einen, man muß es machen, und mau rnachts auch und fragt nicht warum." Der Knabe war beschämt. „Ich meinte ja nur, ob Sie mir nicht ein Buch nennen könnten, wonach ich es lernen könnte," sagte er schüchtern. Da streichelte Mozart ihm bie Backe. „Nein, nein", sagte er, bas ist alles nichts. Es gibt nur einen Lehrmeister, der fitzt in Ohr, Kopf und Herz. Wenn es da richtig ist, dann nimm in Gottes Namen die Feder zur Hand und schreib, und wenn bu’s niedergeschrieben hast, dann frag einen verständigen Mann um Rat." verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei« R. Lange, Gießen.