GiehenerZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger ) ihrgang <951 Freitag, den <3. März Nummer 2[ Drohung. Von Carl Spitteler. Wenn du dich noch einmal unterstehst Und mir im Kops herumgehst, Hol ich gleich nebenbei Die Stadtpolizei. Die hängt dir jedenfalls Einen Schandbrief um den Hals, Damit jeder es liest. Was für ein Spitzbub du bist. Wenn du mir das noch einmal machst Und mich im Traum anlachst. Guckt aus der Münstertür Der Kapuziner herfür. Der malefizt dich mit seinem Latein Bon Schwarzkunst so rein, Daß von dir Hexenweib Bloß das Apfelhäuschen bleibt. Wenn du mir nur noch einmal kommst Und nicht gleich zu mir kommst. Hetz ich mein Hündlein nach dir. Das beißt dich zu mir. Dann sperr ich dich, Gott sei Dank, In einen gläsernen Schrank, Ein Schlüssel hängt dran, Daß ich auch hineinkann. Die Königin von Saba. Erzählung von Knut Hamsun. Copyright 1931 by I. L. A. Wien. Ich bekam in meiner Jugend eines Tages Geld zu einem Ausflug irgendwohin. Ich fuhr nach Schweden hinüber und wanderte frohen Mutes an der Eisenbahn entlang, während Zug auf Zug jeden Tag an mir vorbeijagte. Bereits bevor ich nach Göteborg kam, trat das Ereignis ein, von dem ich berichten will. Ich war bis zur Karriolstation Bärby gekommen. Es war spät am Abend, und ich war vom frühen Morgen an gewandert, so daß ich beschloß, hier für heute Raft zu machen. Ich ging in die Stube hinein und verlangte Essen und Unterkunft. Ja, Essen könnte ich bekommen, aber Unterkunft hätte man nicht mehr. Es war ein junges Mädchen, mit dem ich sprach, die Tochter des Hofes. Ich sehe sie an und tue, als wenn ich sie nicht verstehe. Was für eine Menge Wagen hier stehen! sage ich gleichgültig. Ja, das sind Marktleute, die hier übernachten, erwidert sie. Daher haben wir keiki leeres Bett mehr übrig. 9iun begann mir halbwegs Angst zu werden. Aber Herrgott, sehen Sie denn nicht, daß auf dem Marsche meine Stiefel zerrissen sind? rief ich. Sie jagen doch wohl nicht Menschen mit solchem Schuhzeug hinaus? Nein, aber die Schuhe werden doch auch bis morgen nicht besser, bemerkte sie lächelnd. In demselben Augenblick geht die Tür auf und es stürmt wieder ein junges Mädchen herein. Was gibt's, Lotta? Und Lotta antwortet ihr etwas, was ich nicht höre, aber ich verstehe, daß sie von mir flüstern. Die zuletzt hercingekommene Dame schüttelt den Kopf und ist im Begriff, wieder hinauszugehen. Als sie zur Tür gekommen war, wandte sie sich plötzlich um und sagte: Aber ich kann ja heute Nacht mit dir zusammen schlafen, Lotta, dann kann er mein Zimmer bekommen. Pause. Lotta denkt nach. Ja, wenn Sie wollen, Fräulein. Und dann, zu mir gewandt, führt Lotta fort: Die Dame will ihnen also ihr Zimmer überlassen. Ich springe auf, schlage die Haken zusammen und sage der Dame, sie hätte mir eine Liebenswürdigkeit erwiesen, die in meinem Leben einzig dastände. Und schließlich erklärte ich, daß ihr Herz ebenso gut wäre, wie ihre Augen schön. Sie errötete und lief mit lautem Lachen auf die Tür zu. Lotta eilte ihr nach. Ich blieb zurück und dachte nach. Es stand sehr gut; sie hatte gelacht, war errötet und hatte wieder gelacht, es konnte nicht besser anfangen. Herrgott, wie jung sie war, kaum achtzehn Jahre, mit Grübchen in den । Wangen und einer Vertiefung im Kinn. Und dazu einen schweren, dunklen I Blick im süßen Gesicht. I Eine Stunde später sehe ich sie draußen auf dem Hofplatz; sie hat sich in einen der leeren Wagen gesetzt und sitzt dort und knallt mit der Peitsche. Wie jung und lustig sie ist, sie sitzt ganz allein da und summt und knallt mit der Peitsche, als sei angespannt. Ich nähere mich, mir schwebt etwas vor von Pferde ausspannen und Wagen ziehen. Ich lüfte den Hut und bereite mich vor, etwas zu sagen... Da erhebt sie sich plötzlich, hoch und stolz, wie eine regierende Fürstin, sieht mich einen Augenblick an und steigt aus dem Wagen. Ich werde das niemals vergessen; obschon sie keinen Grund hatte, die Sache so schlimm aufzufassen, war sie wirklich großartig als sie sich erhob und ausstieg. Ich setzte den Hut auf und schlich mich verlegen und bedrückt fort. Der Teufel soll den Einfall holen, den Wagen zu ziehen! Ich setzte mich auf die Treppe und zündete mein Pfeifchen an. Die einzige Lektüre, die ich mit hatte, war eine Karte von Schweden. Ich sitze da und rauche und ärgere mich, schließlich nehme ich meine Karte aus der Tasche und beginne zu studieren. Es vergehen so einige Minuten, Lotta erscheint in der Tür, sie will mir mein Zimmer zeigen, wenn ich es wünsche. Es ist zehn Uhr geworden, ich erhebe mich und gehe mit. Im Flur treffen wir das Fräulein. Das Paneel im Flur ist frisch gestrichen; aber davon weiß ich nichts, ich trete also vor dem Fräulein beiseite, als wir ihr begegnen, und da ist das Unglück geschehen. Das Fräulein schreit atemlos auf: Die Farbe...! Aber es ist zu spät, ich habe schon meine ganze linke Schulter an das Paneel gelegt. Sie blickt mich ganz bestürzt an, sieht dann Lotta an und sagt: Was machen wir nun damit? Und Lotta antwortet: Das reiben wir mit etwas ab! Worauf sie beide in Lachen aus- brechen. Nun gehen wir wieder alle drei auf die Treppe hinaus, und Lotta holt etwas, um mich damit abzureiben. Und ich fetze mich! Dann beginnen wir zu plaudern ... Du magst es mir glauben ober nicht, ich sage dir, als ich mich an diesem Abend von dem Fräulein trennte, hatte ich die besten Hoffnungen. Wir hatten geplaudert und geschwatzt und über alles mögliche gelacht, und ich bin überzeugt, daß wir eine gute Viertelstunde dort auf der Treppe saßen und schwatzten. Als wir uns endlich trennten, sagte sie obendrein zweimal gute Nacht; schließlich öffnete sie sogar noch die Tür ein wenig, sagte langsam noch ein drittes Mal gute Nacht und warf dann die Tür zu. Darauf hörte ich, daß sie und Lotta drinnen auf das lustigste zu lachen anfingen. Ja, wir waren alle bei bester Laune. Ich begebe mich also in mein Zimmer — in ihr Zimmer. Es war leer, ein ganz gewöhnliches Gastzimmer mit kahlen, blaugemalten Wänden und einem schmalen, niedrigen Bett. Auf dem Tische lag eine Uebersetzung von Jngrahams: Der Frust aus Davids Haus. Ich begann im Buche zu lesen. Noch höre ich das Kichern und Lachen aus dem Zimmer der jungen Mädchen. Welch ein hübsches, lustiges Mädel; dieser dunkle Blick in dem jungen Gesicht. Wie ausgelassen sie lachen konnte, obschon sie so stolz aussah! Ich versank in Gedanken; die Erinnerung an sie glühte stumm und mächtig in meinem Herzen. Am Morgen erwachte ich darüber, daß mich etwas Hartes in die Seite drückte — es zeigte sich, daß ich mit dem Fürsten aus Davids Haus zusammen geschlafen hatte. Ich auf und in die Kleider, es war neun Uhr. Ich komme in die Stube hinunter und bekomme mein Frühstück; von dem Fräulein sehe ich nichts. Ich frage endlich Lotta, wo die junge Dame geblieben ist. Ja, antwortete Lotta, das Fräulein ist abgereist. Abgereist? Gehörte das Fräulein nicht zum Hause? Nein, es war das Fräulein oben vom Herrenyof. Sie ist früh am Morgen mit dem Zug abgereist; sie wollte nach Stockholm. Ich wurde so verzagt, daß ich mich nicht einmal nach ihrem Namen erkundigte. Alles war mir gleichgültig. Nein, auf Weibertreue sollte man niemals bauen. Ich wandere schlaffen Blicks und wunden Herzens nach Göteborg. Wer hätte sich das auch denken können; sie, die so ehrlich und stolz aussah! Aber es war gut, ich wollte es wie ein Mann tragen; niemand im Hotel sollte sehen, was ich litt... Es war gerade um die Zeit, da Julius Kronberg fein großes Gemälde, die Königin von Saba in Göteborg ausgestellt hatte. Wie alle andern ging denn auch ich hin, um dieses Bild anzuschauen, und als ich es sah, wurde ich ordentlich davon ergriffen. Das Merkwürdigste war, daß die Königin selbst äußerst meinem Herrenhoffräulein zu ähneln schien — nicht, wenn sie lachte und scherzte, sondern in dem Augenblick, als sie in Oer 13. März 1881 WI3n Arlöf löste ich bann eine Karte bis Lund, die Königin von Saba fuhr vielleicht: nach Lund zu Besuch. Ln'm-Kch «« ?Äi.« MK »Ä --SSLSKSKLSW- Dem leeren Wagen ausgerichtet stand und mich mit den Augen zer- 1 t*SÄÄl**4 V- AA -1 äÄ*3Ä* »«I”'9»' s£ÄXs”“Mot’ UWUSSV UBSLLWlMUW- »“ifig Jp^bem Taae bat mein Herz auch immer das wunderliche Mad- chm La Lr S Königin von Saba genannt. “AS"S.'SS"»n e«b. --- und ,«-nm »-lm--.su» M- über Daraus war ich nicht vorbereitet, ich bin äußerst erstaunt und kan I mid) nicht mm Handeln entschließen, bis es .beinahe zu spat ist. Hal I über S tomme ich noch in den Kalmar-Zug hinein, als er gerade ^Jch werse mich auf einen Platz. Ein paar Minuten später höre ich. Bitte, die Fahrkarte! Es ist ein anderer Schassner. Die Fahrkarte' Jawohl! antworte id) und gebe ihm meine Karte. Die qilt nicht, sagt er, dies ist die Kalmarlinie. Sa, das ist wohl nicht meine Sache, wenn man mir eine Karte verknust,'die nicht gilt? Wo wallen Sie denn hin? Nach Stockholm natürlich, antworte ich. Ja, aber dies ist ein Zug nach Kalmar, sagt er ärgerlich. In' was machen wir nun da? frage ich^ , o. . Das machen Sie ja ... ja, wo wollen tote nun hin? Auf dieser ßimc kommen Sie nicht nach Stockholm! . .., , & . Gut dann reife id) also nach Kalmar, td) meinte eigentlich auch Kal- mar, erwidere id); Stockholm hat mid) eigenilid) niemals recht %'ann bezahlen Sie also eine Karte bis Gemla und vierzig Oere Zu- schlag, sagt der Schassner. Aber in Gemla müssen Sie dann eine Karte bis Kalmar lasen. _ (Schlug folgt.) Von A. Gra - fe. Am 13. Marz 1931 fahrt sich zum fünfzigstenmal der Tag, an dem Alexander II. von Rußland ermordet wurde. -W-SM-MWM MM-W-UM und -d-ndr-l» Taktik, man weiß ihr zu begegnen oder glaubt igr 8 9 o , Der Maaen befindet sich aus dem Rückwege zum Schloß. Da s ) ein Manu eine Bombe in den Wagen Die Bombe explodier lrWAZWUWW ZZZ-MUSWZW "'‘SfÄwÄ-’SSSJ'Ä ™« SirSF d-r «---AEZi WWWAW-S-LL MWUWMM ZWMWW “©Ä'Ä6®*« A-°u -ui°mm« di, « s n B RÄUi’rÄ »S'ÄJÄÄ in^bieier Form nicht so konnten Bombenwerfer ihr Opfer immer noch äuf ossener Sttaße zur Strecke bringen. Da der Zar am. 13. Marz nicht über die unterminierte Straße fuhr, gingen die Bombenwerfer an ihr Werb n-rit nm 19 März konnten die Organisatoren des gegluckten Attentats s^tet werden Die Frau die sich Woinowa nannte, entpuppte sich als ein^iunaes^Mädcheii^der aristokratischen Gesellschaft. Sie hieß mit w,rk- tidiem Namen Sosie Perowska, war bildschön und intelligent. Sn einer Kartenbauswohnung an der Peripherie der Stadt wurde bann das Haupt- ?uartier de7 Terroristen ausgehoben. Der Mann, dem die Wohnung aebörte ein gewisser Nikolai Sablin, erschoß sich beim Erscheinen bei Polizei.' Man fanb Bomben, Stabtpläne, Auszeichnungen und Proklamationen. Erst nod) der Haussuchung in der Wohnung Sablins kam bie Polizei auf die Spur der Mine im Kolonialwarenlaben. Dre Untersuchung ^ Labens ergab baß bie Arbeit nur von einem außerordentlich geschickten Ingenieur hatte a'usgeführt werden können. Zweiunddreihig Kilo Dyn am i । hatten, falls die Explosion zustande gekommen wäre, eine surchtbare Ve - l)Ce»"rSei’tä am 26. März'begann de^Prozeh gegen die Zarenmorder oor dem Obersten Gericht. Am 29. März wurde das Urteil gefallt. Es lautete nnf Tod biircki den Strang. Da die Perowska zum Adelstand gehörte, mußte bä! Todesurteil vom Za?en bestätigt werden. Der Sohn des Ermorde en I oar Alerander 111 setzte seine Unterschrist unter das erste offizielle Urteil, bas Sgrau in»nb dem Tob! preisgab. I fid) vergebens für bie Begnadigung der Perowska em. Cie mürbe z Ich hin nod) nicht fertig mit ihr, vier Jahre später tauchte sie reife von Kopenhagen nach Malmö, ich will dort jemand besuchen, der mid) erwartet Meine Sachen habe ich im Hotel abgegeben und man ■ KüTum/es ist ein Abteil erster Klassen das ich eingestiegen bin und e! sitzen nur ein paar Reisende darin. Wo wurde das Schick,a m di nun binführen? Ick) wollte dorthin reisen, wohin die Königin von Saba reifte es kam nur daraus an, gut aufzupassen; wo sie ausst'eg- würde ich auch aussteigen. Als der Schaffner kam und meme Fahrkarte - haben wollte, hatte ich keine. 21ber wo ich beim hmwollte? rSK«*.;» ->»-« °°» Dere In Arlöf mühte ich bann eine Fahrkarte weiter losen. Ich tat wie der Schassner sagte, und bezahlte mit Freuden den Zu- J'ilber die Königin von Saba stieg auch in Heßleholm nicht aus^ Nun wurde ich wütend, ich bezahle an den Schaffner bis Battngslos, | vmiilirm Sühlen für mich verloren, das sah ich klar, aber em b ßchen verlegen war sie und sie schlug bie Augen meber, wenn ich Borbeitam. 8, grüßte nicht,'das vergaß ich jedesmal; hätte ste mcht m einem so chen Kasten von Damenabteil eingeklemmt gesessen, wurde ick) >hr natürlich iclion läng'! meine Auswartung gemacht und sie daran erinnert Haben, Lß ich äiiänäl iä ihreiä Bett geschlafen habe; ich hätte s.e bannt erfreut, snG 1(4) nnn^ QU5QG3cid)nct Qefd)lnfen fyobe, biö neun U»jr. 'S »mlA ” i«' --w°-d°» »«». »UN w-r d- X ÄÄI«. w>, Stoor». Bto-Nd-. Dann kommen wir nad) Alsoesta. Unter Tropenblitzen. Von Friedrich Schnack. Tagsüber war es ungeheuer heiß gewesen, in der Glut rosteten die Berge, und dem fruchtbaren Boden der immergrünen Jnsellandschast ent- schwelten Dämpfe, als läge die ganze Gegend in Fieber. Erstaunlich eigentlich, daß der anscheinend klapperdürre Bambus imDschungel nicht r. • < . hin GVttao fniftprtp unh fttGcftc unter dem Brodern der Tropensonne. Aber diese hohen Knotenrohre waren mit Wasser vollgespeichert. (Legte man an sie Feuer, wurden die «taugen von den Explosionen des kochenden Wassers knallend zerrissen: das klang wie Gewehrfeuer.) Nachinittags kam ein Gewitter, das sich über den Bergurwäldern zusammengebraut hatte. Wie schwarze sacke rutschten die Wolken über die waldigen Höhen, wo morgens und abends die Lemure greinten. Fürchterliche Regengüsse platzten aus den Wo kenbauchen Man fah wie plötzlich die langen, grauen Wasservorhange voll Wucht herunterstürzten und auf das Tal des hier offen strömenden Urwaldflusses zurasten. erl°sch°n setzt der neuen, grundsätzlich anderen Auffassung von Raum und Körper. Man berief sich um 1800 auf die Antike, jedoch ohne das Schema ische, archäologisch Genaue, man nahm — ohne sich dessen bewußt zu sein — das Impulsive des Barock mit in den neuen Stil hinüber Die Jahre 1805 bis 1815 bringen Schinkels malerische Werke. Die Ungunst der Zeiten, in denen es an großen architektonischen Aufträgen fehlte, zwingen ihn dazu, den Pinsel zu führen. Es enstehen da m erster Reihe die Panoramen, besonders genannt das von Palermo, fast alles ist leider verschollen, nur weniges auf uns gekommen. Biel Anklang fanden diese Schinkelschen Veduten beim Publikum, eindrucksvolles Dokument dafür ein Brief des Zeitgenossen Achim von Arnim aus dem 3e sind Symbole der momentanen, gesühlsgesättigten Stimmung chres Schöpfers. Caspar David F r i e d r i ch s Kunst blickt hinüber, [euie Shmmung5b.lber höchster Vollendung. Der Gegensatz zwischen Romantik und Klassik, der der Zeit geläufig war, macht sich bei Schinkel geltend: er gibt zum Beispiel eine klassische Natur mit Figuren in altdeutscher Tracht. Und er setzt I unter einer deutschen Trauerweide einen römisch-deutschen Kaiser! Selten nur hat er Landschaften ohne Architektur geschaffen: '.Reine Landschaften lassen Sehnsucht und Unbefriedigung in der Seele ;^,,Der Ueberbl.ck eines I Landes, in welchem noch kein menschliches Wesen ouß gefaßt hat kann I Großartiges und Schönes haben, der Beschauer wird aber unbestimmt, I unruhig und traurig, weil der Mensch das am liebsten erfahren will, wie I sich seinesgleichen der Natur bemächtigt, darinnen gelebt und ihre «chon- I heit genossen haben." * I ^allen Sei^schw°ll Wasftr,die Blitze zerstachen den schwarzen Himmel und Übersäbelten flach die Bergkämme. Weiße geuersalven. Ei ern I polterte der Donner. So eine halbe Stunde rang und brüllte die tropische I Natur dann war es vorbei, aber die schöne Landschaft lag zerrissen da, I zerzaust und zerrupft. Die Eingeborenen tauchten auf und halsen ihren I ^"Gut^daß^es^auM^e^Abends war ich ja zu einer Geburtstagsfeier I eingeladen, im Tal des Sahandas-Flusfes, der von ä(ernrUr®°bernemb= I stürzte Zu einem Kolonialenglandcr, der von der Briefmarkeninsel .Naur> ' tiu/ stammte, und seiner heut zwanzigjährigen hübschen Frau Marlern einer Kolonialweihen aus der madagassischen Hafenstadt Tamatave. Er 'war Angestellter eines Bergwerksunternehmens. Beide liebenswiirdig, gastfreundlich, aber von einer fast unvorstellbaren, sagenhaften Weltferne. I nock nie waren sie in Europa gewesen. Italien, Frankreich, England, ■ I Deutschland waren ihnen nur Bücher- und Z^ungsbegrisfe und wie . I nebelhaft mochten die Länder Dänemark, «chweden, Norwegen, Numano > für sie sein! Niemals hatten sie eine Stadt mit mehr als i^bzigtausend t Einwohnern betreten, ihre Jnselstädte waren alle klemer Der 51nb t 1 er elektrischen Straßenbahn war ihnen ebenso unbe annt wie ifjrten ffodi- und Untergrundbahnen. Sie kannten kaum eine Eisenbahn. Die Mauritius und Madagaskar waren eingleisige Bummelzuge für nolz- Von Dr. Olga Bloch. I Man hat sich daran gewöhnt, anzunehmen, daß Schinkels Wirk- | lufeit einzig und allein auf die Reichshauptstadt beschrankt gewesen sei, 1 1« er in erster Reihe dem Berlin der ersten Halste des 19. Jahrhunderts I »c* charakteristische Gepräge gegeben habe Doch dem ist nicht: fo..Weit I Berlins Grenzen hinaus, über ganz Preußen, bis an den Rhein, I udh Schlesien, Pommern, nach Ostpreußen und bis nach Posen hin reichte künkels architektonisches Wirken. Und die meisten Menschen kennen uber- h<»pt nur, wenn sie den Namen des größten deutschen Baumeister-, des Wimzismus hören, Schinkels architektonische Schöpfungen. Nur wenige Linen daß er auch ein bedeutender Maler gewesen ist, daß er auch das ji listaewerbe seiner Zeit befruchtend beeinflußt hat, indem er zahlreiche tz twiirse für deutsche Möbel geschaffen und Modelle für das Berliner j ii den Zeiten der deutschen Renaissance Elias Holl für Augsburg « liefen war, das bedeutete Schinkel im 19. Jahrhundert der deutschen S ichshauptstadt im Norden. Des Meisters Biograph August Grieb ach «gleicht fein eindrucksvolles Wirken nur noch mit der architektonischen Ttigkeit von Schinkels Zeitgenossen Weinbrenner für die badische ^ SchinkeVift^n^der Mark Brandenburg, in Neuruppin, geboren wo (im Vater Superintendent, alle seine Vorjahren Pastoren gewesen sind. Z, seinen bleibenden Jugenderinnerungen soll eme umfangreicheBrand- Wastrophe gehört haben, die seiner Eltern Besitztum nicht verschonte und dr einzig und allein die bekannte Kirche der Heimatstadt, die Donum- kmerkirche zu Neuruppin, überdauerte. Man weiß, daß spater der Soljn dsser Heimatstadt, Schinkel, die Wiederherstellungsarbeiten, m> Laufe der 5nhre notwendig geworden, an dieser schönen gotischen Kirche leitete. Mst 13 Jahren kam der junge Schinkel nach Berlin. Die Schule, die e besuchte, war das historisch interessante Gymnasium zum Grauen s oster Man kann sich vorstellen, daß die architektonisch anregende Um- al'unq für den jungen Menschen unb späteren Baumemer uveraus e i)af) der an|ct)emeno tiapperuiure u» ••**•?* fzselnb gewesen ist: Die klösterlichen Schulräume, die als Klassenzimmer Mtl ch ß Dstkichten ballte sich bie Hitze. Es knisterte und knackte d«nten, und insbesondere die alte Kirche mag anregend gewirkt haberg | O ,hör Tmnpnfnnnp 9fhpr diese hoben Knotenrohre waren nd man aeht nicht fehl, auf manchem späteren Gemälde Schinkels dieft ftühen Jugendeindrücke verwertet zu sehen. Damals hatte die Kirche noch i re ursprüngliche Fassade, die in dieser ihrer gotischen Urwüchsigkeit die siftantasie Schinkels besonders beeindruckt hat. Aber nicht nur dem Alten mit das Interesse des jungen Menschen, auch das Neue erregte feine | Bewunderung und seinen Beifall. Auf einer AusstellungvonEntwurfen ,, einem Denkmal Friedrichs des Großen, die in der Residenzstadt eröffnet i urde sah Schinkel den Tempelbau, den kein Geringerer als der gemale i vchUcft i^riedrich Gilln aus dem Leipziger Plat^ t.rri ) c erioicnen aue ntinuen yutucn. vic —«-u—• o- I fgraphen — wie stark seine Epoche dem vorangegangenen Barock ver- ^Vach ^er' Rückkehr in die Heimat entstanden sodann Schinkels große Meisterwerke bie man im Auge hat, wenn man an fein Schäften denkt I tu ! 5,1, 1«1U hü' Wacke 1818 kam ber Auftrag zum Bau bcs Berliner I et.... I S2.mUnielhmüesb 18^ das Alte Museum, 1824 der Bau der Werderschen I war I Se PDaneben zahlreiche Privataufträge, Schlösser unb Herrenhäuser | gast! ®n£ Markund außerhalb ihrer Grenzen. 1820 fand der Besuch Schm- | IP < < • n f h p ffntf hpr die UntcrbciltunQ mit bein ^ßduineiftev „unter schönsten de^ rechnet der die EMwürse zum Bai. des Bert ner 'Schauschelhausts vorgelegt erhAt und aus tiefstem Herzen We^llnb feuerung (Eine moderne Schnellzugslokornotioe fuhr wahrscheinlich nicht einmal in ihren Träumen. Sie wußten sich den Betrieb eines Riesenhotels nicht vorzustellen, hatten keine Ahnung von Hoch- und Glashäusern. Premieren in Theatern und Lichtspielhäusern waren ihnen unbekannte Genüsse. Zu ihnen waren nicht die Namen der internationalen Sportgrößen gedrungen. Doch besaßen sie ein Columbia-Reisegrammophon mit neuen Schlagern, gaben also den Zeitgenossen hierin nichts nach. Immerhin lebten sie glücklich, und wenn sie Gäste bei sich hatten, trug die sanfte, großäugige Frau Marlene ihr schönes schwarzes Seidenkleid nach neuestem Pariser Geschmack. Zu ihnen also sollte ich gehen, dahinten in den Bergen, wo die alten Wälder kühn abwärtsstelzen und der mehr als dreißig Meter hohe Wasserfall niederdonnerte. Aber abends umzog sich der Himmel wieder, ferne Blitze langten traumhaft über die Höhen. Nach Einbruch der frühen Dunkelheit, gegen 18 Uhr, machte ich mich rasch aus den Weg. Nicht zu Fuß, ich ließ mich nach Landessitte tragen. Das Traggerät in der Wildnis ist die Filanzana, eine Art Stuhl auf zwei Tragstangen mit einer an Lederriemen befestigten Fußstütze. Wollte man die Wege zu Fuß zurücklegen, bräche man sich nachts Hals und Bein; bei Tage, in der Hitze, würde man bald an Ermüdung erkranken, und Fieber wäre unausbleiblich. Die vier Träger, braunschwarze, halbnackte Burschen, nahmen die Tragstangen aus die Schultern und schoben los. Der Pfad zog steilab, die Füße krachten auf den am Boden liegenden Blättern der zusammengehauenen Bananenstauden. Unten zog sich der Weg hin, dem Fluß folgend. Aber wo waren in der ebenholzschwarzen Finsternis Fluß und Weg? Ich gewahrte nur die schattenhaften Umrisse meiner zwei vorderen Träger, kaum ihre Füße, die mit wunderbarer Sicherheit dahinschritten. Ein langer Blitz zischte über den Himmel: oben strudelnde Wolkenmassen, von unten sprangen mir, der hoch über den Schultern der baumlangen Männer schwebte, Landschaft, Büsche, Weg, Fluß grellblau entgegen. „Vorwärts!" Ich trieb sie, die eine gemächliche Gangart angesch'agen hatten, zur Eile. Unheimliche Stimmung. Hoffentlich erreichte ich mein Ziel, ehe das Wetter losbrach. Die Träger strebten rascher vorwärts, sie rissen Witze und ihr Gelächter schallte in dick lauernde Nacht. Ich versprach ihnen, um sie noch schnellfüßiger zu machen, eine Sonderration Reis. Sie lachten. War es Zustimmung? Ablehnung? Es donnerte und krachte. Bengalisch giühten die Bäume und das Zuckerrohr stand wie ein Schwertergarten von blaugrünem Metall. Nun die Brücke. Sie bestand aus wackeligen Balken, die über eine Schlucht gelegt waren. Zwei Träger schalteten aus, vier kräftige Arme hielten mch in der Schwebe, zwei vorne, zwei hinten ... Schritt für Schritt, tastend, fühlend. Atemlose Spannung wie beim Höhepunkt des equlibristischen Kunststückes im Variete. Da hieb wieder ein Blitz mitten durch die Finsternis, ich vermeinte im Feuer zu schweben. Es war ungeheuer hell, an meinem Gesicht flammte sinnlich wahrnehmbare Glut, lieber den schwarzen Rücken des mit gespannter Willenskraft mich hochstemmenden Einzelträgers lief der Widerschein; unter mir in der Tiefe, wir befanden uns auf halber Brücke, glänzte der Bach, eine sich windende Glanzschlange. Mir kam vor, als bemächtigte sich des Trägers eine momentane Unsicherheit... Blitze, Donner. „Hel Oder wollt ihr lieber fünf Franken zusammen?" rief ich schnell. Das wollten sie. Der Träger hatte im Augenblick seine Sicherheit zurückgewonnen. Da waren wir auch schon hinüber, und die beiden anderen nachkommenden Burschen sprangen wieder ein. „Gut! Vorwärts!" Sie legten sich ins Zeug. Geld wirkte: jedem, der täglich zwei Franken fünfzig verdiente, ein halber Tageslohn. Knallend raffelten die Regentropfen in die Brotfruchtbäume. Gespenstische Baumgestalten zuckten auf. Das Wetter bracht los. Auf meinen Tropenhelm prasselten Eimer voll Wasser. Wasserfälle rollten mir über den Rücken. Durch sekundenkurze Helle, sekundenkurze Dunkelheit eilten die Träger. Sie schnoben und stöhnten. Der Weg lief auf und ab. Neue Brücken, neue Bäche, neue Blitze. Dann und wann enthüllte die Berglandschaft die gewaltigen Linien ihres der Finsternis entrissenen fremdartigen Antlitzes. Der Donner verübte einen Höllenlärm. Dämonen schienen in den Affenwäldern zu heulen. Ich reiste in einer sausenden Regenwoge. Endlich, nach langem Marsch, schimmerte das Licht des Bungalows vor mir. Gleich einem triefenden Taucher trat ich in die Veranda, wo die elektrische Lampe ihren freundlichen Schein auf nüch niedergoß, und die junge Geburtstagsfrau im schwarzen kleinen Abendkleid lächelnd mich erwartete. Hinter mir kreuzten die Blitze ihre Flammenschwerter. Ich war geborgen. Oie Schatten des Fräuleins von Gournay. Ein Histörchen aus dem 17. Jahrhundert. Von Karl Federn. In der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts lebte in Paris eine gelehrte alte adelige Dame, Marie von Jars, Fräulein von Gournay. Sie nannte sich die Adoptivtochter Montaignes; sie hatte ihn einst in Paris tennengelernt, !hn besucht, an ihn geschrieben und für ihn geschrieben und nach seinem Tode seine Werke herausgegeben. Sie schrieb selbst, Epigramme und gelehrte Bücher; das bekannteste davon, ein Sammelsurium non Gedichten und Abhandlungen, nannte sie den „Schatten oder die Gaben des Fräuleins von Gournay". Sie war eine überzeugte Frauenrechtlerin, wie es deren im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert in der vornehmen Gesellschaft viele gab, dabei eine Verehererin alles Alken, — die neuern Schriftsteller waren sämtlich Schmierer für sie, — und in jeder Hinsicht ein Driginial. Sie wohnte ziemlich armselig im obersten Stock eines alten Hauses in der Rue de l'Ärbre sec, einer engen Gasse, die heute noch von der Rue St. Honore zum Quai du Louvre verläuft. Metel von Boisrobert, ein kleiner AbbS, witzig und gutherzig und der bevorzugte Spaßmacher Richelleus, wollte ihr helfen und verschaffte ihr eine Audienz beim Kardinal. Der furchtbare, überbefchästigte, leidende Mann hätte seine gutmütigen Stunden, aber selbst sein Scherz tat nie wohl. Er begiüßte die alte Dame mit einer Ansprache, die aus möglichst geschraubten Stellen ihres Buches zusammengesetzt war. Bestürzt und wieder schnell gefaßt, antwortete sie: „Sie spotten der armen Alten, gnädiger Herr, aber lachen Sie nur, ein so großes Genie darf spotten, und wenn ich Ihnen zur Unterhaltung diene, bin ich glücklich." Betroffen von dieser Antwort und entwaffnet, fragte der Kardinal nach ihrer Lage und sagte bann zu Boisrobert: „Wir müssen etwas für Fräulein von Gournay tun: ich gebe ihr eine Pension von zweihundert Talern." Während sie strahlte und dankte, sagte der Abbe: „Ja, und ihre Dienerschaft, Eminenz?" — „Was hat sie denn für. Dienerschaft?" — „Nun, das Fräulein von Samin, die Tochter von Amadis Jamin, dem Pagen des berühmten Ronsard!" — „Also dann soll sie noch 50 Livres haben." — „Ja, da ist auch noch Piaillon, ihre Katze!" — „Also noch 20 Livres mit der Bedingung, daß sie Därme bekommt." — „Aber, gnädiger Herr, die Katze hat doch gejungt!" Und der Kardinal bewilligte eine Zulage von weiteren 20 Livres für die Kätzchen. Die jungen Herren am Hose spielten dem alten Fräulein manchen Streich. Sie hatte ihr Buch einem damals sehr geschätzten Lyriker, dem Herrn von Racan, geschickt, und der Chevalier von Bueil und der junge Porande erfuhren, daß Racan ihr eines Nachmittags um 3 Uhr einen Dankbefuch machen wollte. Bald nach zwei Uhr erschien der Chevalier an ihrer Türe. Abweisend sagte ihm Jamin, das Fräulein dichte. Aber do diese hörte, daß ein junger Edelmann sie sprechen wolle, sagte sie: „Der Gedanke war schon, aber er kann wiederkommen, und der junge Herr kommt vielleicht nicht wieder." Dieser stellte sich vor: „Ich bin Racan" sagte er, „und komme, Ihnen für Ihr Buch zu danken." Sie kannte jenen noch nicht persönlich und war entzückt. Er sagte ihr die libenswürdigsten Schmeicheleien und erzählte ihr luftige Geschichten; sie ließ die Katze, die gelangweilt oder Ijungiig zu miauen begann, aus dem Zimmer schaffen. Kaum war der Chevalier gegangen, die Türe stand noch offen, so drängte sich Pvrande herein und sagte: „Ich nehme mir viel Freiheit heraus, mein Fräulein, ober dem berühmten Fräulein von Gournay gegenüber handelt man eben anders als bei gewöhnlichen Menschen ..." „Nett gesagt", bemerkte die alte Dame, „geben Sie mir die Schreibtafel, Jamin, ich muß das aufschreiben." „Ich komme, Ihnen zu danken, mein gnädiges Fräulein, für die große Ehre, daß Sie mir Ihr Buch geschickt haben." „Ich, mein Herr? Ich habe es Ihnen nicht geschickt, aber ich hätte es schicken sollen. Jamin, einen .Schatten' für diesen Herrn ... „Ich habe es schon, mein Fräulein, und zum Beweis will ich Ihnen Stellen daraus aufsagen." Er tat es und entzückte die alte Dame damit. „Ich bringe Ihnen zum Dank hier meine eigenen Verse", fuhr er fort. „Wollen Sie mir die Ehre erweisen, darin zu lesen?" Sie las: „Das ist recht hübsch, was Sie da schreiben. Hier freilich ahmen Sie Malherbe nach und hier Colomby. Aber das macht nichts, es ist doch hübsch. Darf ich Ihren Namen erfahren?" „Mein gnädiges Fräulein, ich heiße Racan." „Jetzt wollen Sie sich über mich lustig machen..." „Ich, mein gnädiges Fräulein, über eine Heldin wie Sie, die Adoptivtochter des großen Montaigne, das berühmte Mädchen ... mich luftig machen!" „Schön, schön, dann hat der andere mich zum Besten gehalten; ober vielleicht doch Sie. Aber das macht nichts, die Jugend darf sich mit dem Alter einen.Spaß machen. Jedenfalls freue ich mich, zwei so reizende und geistreiche junge Kavaliere tennengelernt zu haben." Pvrande geht. Wenige Minuten später kommt der wirkliche Racan. Dick, asthmatisch, war ihm das Steigen auf der engen Wendeltreppe, wobei man sich an einem schlechten Seil festhalten mußte, schwer gefallen. „Ent... ent... entschuldigen Sie, mein Fräulein", begann er, denn er stotterte ein wenig, „a... aber, i... ich muß mich setzen." „Was will der lächerliche Mensch, Jamin?" rief Fräulein von Gournay. „Mein Fräulein, in einer Vi... Bi... Viertelstunde, wenn ich zu Atem komme, tue... werde ich Ihnen sagen, wa... was ich will. Wo... warum, wo... wohnen Sie so hoch. Herrgott, ist das hoch!" Und keuchend sagte er: „Ich wi... will Ihnen für den Scha... Schatten danken, den Sie mir ge... geschenkt haben Es war wi... wirklich liebenswürdig von Ihnen. Sie maß ihn mit den Blicken. „Klären Sie den Herrn auf. Jamin. Ick) habe meinen Schatten nur dem und dem und noch Herrn von Mal- hcrde und Herrn von Racan geschenkt, sonst niemandem." „Nun, mein Fräulein, das bin ich." „Jamin, schauen Sie sich den Menschen an! Die andern zwei waren wenigstens liebenswürdig; aber der da ist ein unangenehmer Narr." „Mein Fräu... Fräulein, ich bi... bin Racan!" „Ich weiß nicht, wer Sie sind; ich will cs auch nicht wissen. Jedenfalls sind Sie der dümmste von den Dreien!" Und damit kam ihr die Galle. „Ich erlaube nicht, daß man sich über mich luftig macht!" schrie sie „ich lasse mir das nicht gefallen! Es ist eine Unverschämtheit!" Sie tobte. „Mein Fräulein, ne... nehmen Sie das Bu.. Buch: ich sa... sage Ihnen mei... meine Ge ... Gedichte auf, jedes, we... welches Sie wollen." „Nichts da! Ich will Sie los fein! Werden Sie gehn, sonst rufe ich um Hilfe!" und sie schrie bereits so, daß unten die Leute aus den Wohnungstüren traten und Racan, so schnell er konnte, die Treppe hinunter- und davonlief. Noch am selben Tage erfuhr sie die Wahrheit und war verzweifelt. Sie nahm sogleich einen Wagen und fuhr zu ihm. Aber sowie er sie kommen sah, floh er erschreckt aus seiner Wohnung; und erst nach vielen Versuchen ihrerseits faßte er Mut, ihr standzuhalten; und sie wurden dann gute Freunde. Boisrobert aber unterhielt den Kardinal und alle Gesellschaften, wenn er diese Gesch chte wieder und wieder erzählte und mimisch darstellte. Racan selbst lachte bis zu Tränen und stotterte: „Es wa... war wi... wirklich so! Ge... genau so!" Derantwortlich: 1)r. HanLTHyriot. — Druck und Der lag: Brühl'jche Univ erfitäts-Buch» und Steindrucker ei.'R. Lange, Gießen.