?bi! h ein. Früh- nniett. I' Und mjeret Heren '9 mit Batet rde in reunbe Schul. GietzenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger uj den Krem. Jahrgang 1931 Montag, den 9.Zedrmr Nummer 12 IS doch n, und NZ ge. trugen iber et )r und ige ans klagen reoi< . nes an neben ist jebe 11 :tungs. t iar den ■ ; icfieren j Drähte I n Fen. d icn fiof : Spiel irt bet! i t, sand r er seine I [anbei || duschen i s ichen. | chr und Wachen ■I meiner [ ie Nch g selber ■ an ben ■ I ter, und i VesOi ir einte; tno 14;;! nad)be® | i| n SW I ich * • ii nrnorjen | .s neu» < en; ille « ® [5 tpubli1 lie!->«' > er all ■ d wen« h hin. V .n öt«’ 6tü»> -ieiendk' ’b txeii * tw; i Din9(” Kberber«’ Lebenslauf. Von Friedrich Hölderlin. Größeres wolltest auch du, aber die Liebe zwingt all uns nieder, das Leid beuget gewaltiger, und es kehret umsonst nicht unser Bogen, woher er kommt. Aufwärts oder hinab! wehet in heil'ger Nacht, wo die stumme Natur werdende Tage sinnt, weht im nüchternen Orkus nicht ein liebender Atem auch? Dies erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern gleich habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden, daß ich wüßte, mit Vorsicht mich des ebenen Pfads geführt. Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen, daß er, kräftig genährt, danken für alles lern, und verstehe die Freiheit uufzubrechen, wohin er will. Oer Dämon. Zum 50. Todesiog Jedor Michajlowitsch Dostojewskijs am 9. Februar. Von Walter Berndt. Obgleich Dostojewskij nun schon fünfzig Jahre von einem Leben voller 2ual, Krankheit, Not, Arbeit ausruht, wenn einem Geist wie ihm je Ruhe vergönnt ist — obgleich mit seinem Andenken heute, unter dem Reg me der Sowjets, wie früher unter den Zarxn, ein unerhörter Kultus [getrieben wird — ist es unmöglich, über chn auch nur annähernd Endgültiges auszusagen. Der Nachlaß, in dem sich Hunderte von intimsten !Briefen, Notizbüchern, Skizzen, Plänen befinden, liegt noch immer fast ungesichtet. Erst in den letzten Jahren ist man ernsthaft darangegangen, i gier die so dringend erwünschte Arbeit zu leisten. Es ist bezeichnend, daß diese Arbeit erst unter den Sowjets begonnen wurde. Unter den Sowjets, die in Dostojewskij zwar einen in bürgerlicher Ideologie befangenen, aber darum nicht minder oerehrungswürdigen Schriftsteller sehen. Die meinen, daß dieser Dichter, der Prediger der Rachelosigkeit und zugleich der Künder der Not des russischen Prole- lariats, zwar nicht bewußt, aber doch unbewußt, ja gegen seinen politischen Willen, zum ersten Propheten ihres Staates geworden sei. Ein Größerer Prophet als etwa Maxim Gorkij, der sich zuerst bewußt gegen ias Regime des Zarismus stellte. Und ebenso bezeichnend ist es, daß mit demselben Fanatismus Dostojewskij auch aus den Kreisen der Weißen, «us den Kreisen besonders der intellektuellen Emigration, reklamiert wird, von Leuten also, die in ihm den Seher der Revolution erblicken, den Seher aller Greuel und aller Verbrechen, die — wer wird es leugnen? — im Namen Lenins begangen worden sind. Die flugs aus dem Seher !»en Bekämpfer machen. Sie haben wohl beide recht, die Roten wie die Weihen, und haben weihe unrecht. Eine im echten Sinne dämonische Erscheinung wie Do- I [Itojewskij wird so leicht keiner Richtung einzugliedern sein — und es wird «ndererseits nicht schwerfallen können, ihn nach irgendeiner Seite hin fest- „uteqen. Dostojewskij ist alles andere als ein Mensch der Prinzipien, der fest- i gelegten Thesen, der eindeutigen Sätze gewesen. Gewiß, er hat Schildeungen hinterlassen, die in ihrer Furchtbarkeit durchaus eindeutig sind. Doch die Folgerungen zu ziehen — hat er das nicht gewissermaßen zu . [einer Privatsache gemacht? Ist es nicht so, daß jeder Dostojewskij-Leser । inen anderen Dostojewskij kennt? Den Grund dieser Erscheinung, die in wer Literatur nicht eben häufig ist, wird man mit Recht in der un- 1 xeheuren Dynamik des Dichters suchen müssen. In einer Dynamik, die ihn ,ti dem größten Dramatiker unter den Romanciers aller Zeiten macht, die es sehr gut verstehen läßt, daß man immer und immer mieber ver- [lucht, seine Romane zu dramatisieren. Diese chaotische Bewegung, diese llmstürzende Gewalt seiner Schöpfungen läßt nicht nur ein solches Unter- inngen von Anfang an unsinnig erscheinen (und tatsächlich hat es bis I beute noch keine auch nur anständige Dostojewskis-Dramatisierung geil eben), der rasende Tanz dieser Gesichte und Gestalten, der fiebernde Daumel des wirkenden Dämons machen es unmöglich, feiner geistig völlig Derr zu werden. Es ist wahr, daß Dostojewskij zuzeiten versucht hat, zur Harmonie etwa Puschkins sich durchzuringen. Aber bgs ist nichts anderes als das Streben des Künstlers gerade nach dem was ihm der Geist versagt hat. "j Ooftoieroffij war dazu berufen, der künstlerische Ausdruck und Exponent liner turbulenten Zeit zu sein — der Zeit, in der im heiligen Rußland I (Werft der Westen erwachte (jener Westen, den Dostojewskij so haßte). Damals wurden die Gemüter allen den Umstürzen bereitet, die nun vollzogen sind und immer noch vollzogen werden. Damals war es, daß bi« Feudalität in jeder Beziehung den Todesstoß erhielt, daß, je mehr der alle Staat mitsamt seinen Ideen und Ideologien sich auf sich selbst und seine Polizeimacht zurückzuziehen gezwungen sah, desto sicherer von außen her der Keim der Revolution einbrach. Und der schärfste Ausdruck dieser allmählichen revolutionären Durchdringung des Russen ist Dostojewskij. Hier ist, so will es scheinen, nicht das, was wir gemeinhin unter Tendenz verstehen. Nicht also eine bestimmte geistige, seelische, wirtschaftliche, politische, ästhetische Richtung Sondern die Tendenz zur Tendenz. Die Tendenz zur Unruhe, zum Chaos, zum Strudel. Die Tendenz zum Leiden, zur Bereitschaft für den Eindruck, zur Maßlosigkeit. Zur Tragödie überhaupt, wenn man nur diesem Wort seinen griechisch-klassischen Sinn nimmt und dafür den Sinn des russisch-tatarischen Menschen unterlegt. Kamps ist diesem Dichter die Welt, aus Kampf bestehen seine Werke alle — Kampf zwischen Intelligenz und Volk, Westeuropa und Rußland, Okzident und Orient, Sozialismus und Christentum, Sodom und Madonna, Fleisch und Geist, Mensch und Gott. Der Kämpfer schlechthin scheint Dostojewskij — und so ist fein ewiges Sehnen nach Ruhe in Harmonie doppelt tragisch. Andere mochten di« Harmonie suchen, sie würden sie finden können — und fei es selbst erst im Jenseits. Ihm war sie versagt, mußte es fein, und doch schrieb er als Quintessenz seiner Lebensphilosophie: „Der Heilige Geist ist das unmittelbare Verstehen der Schönheit, das prophetische Bewußtsein der Harmonie, und folglich unablässiges Hinstreben zu ihr." — „D, wenn die Unbill des Tages vorüber sein und die Zukunft anbrechen wird, bann wird der künftige Künstler schöne Formen finden, selbst für die Darstellung vergangenen Wirrwarrs und Chaos." Daß aus diesem Chaos ein Weg sein müsse, um den er unablässig gerungen hat in dem Bewußtsein, ihn nie zu finden, ein Weg zur neuen, wahrhaft demokratischen Kultur, die die höchsten Prinzipien des Christentums, also zugleich die gereinigten und vergeistigten allrussischen Sein» und Wesens verwirklichen werde, ist der große Traum seines Lebens gewesen. Ein Traum, so erhaben, baß die Hände keiner politischen Partei ihn je erfassen können. Dostojewskijs letzte Taas. Eine Ehrung, wie sie wohl selten einem lebenden Dichter zuteil geworden ist, konnte Dostojewskij acht Monate vor seinem Tode erleben, auf der Puscykinfeier in Moskau im Sommer 1880. Vor ihm sprach Tur- g e n j e f s eine unveralekch sonnoolle Rede, die aber in einer Frage aus- klang und daher unbefriedigt ließ, er wisse nicht, jo schloß seine Ansprache, ob Puschkin auch ein Dichter der Weltliteratur genannt werden könne ... Nach ihm bestieg Dostojewskij das Podium, und ein Augenzeuge, de» Dichters Freund S t r a ch o j f, berichtet hierüber: „Als nur eben Fjedor Michailowitjch zu reden anfing, erfaßte den Saal eine Erregung, und bann ward alles still. Er las zwar nach dem Manuskript, doch das war kein Dorlesen, vielmehr eine lebendige Rede, die unmittelbar und aufrichtig aus der Seele kam. Alle Zuhörer begannen derart aufmerksam zu lauschen, als habe bis jetzt überhaupt noch niemand von Puschkin gesprochen. Jene tiefinnere Begeisterung und Natürlichkeit, welche bie Schreibweise von Fjebor Michajlowitsch auszeichnen, kamen auch bei seinem meisterhaften Vortrag durchaus zum Ausdruck ... bis jetzt noch vernehme ich, wie über der gewaltigen, völlig verstummten Stoffe die von Begeisterung durchzitterte Stimme erklang: „Demütige dich, stolzer Mensch, leg’ Hand ans Werk, müßiger Mensch!" Die Begeisterung, bie bei Ende ber Rebe zum Ausbruch kam, war unbeschreiblich, gar nicht vorstellbar für ben, der nicht ihr Zeuge war. Die Menge, die sich längst schon mit Begeisterung gerüstet hatte und sie bei allem ergoß, was ihr irgendwie dazu geeignet schien, bei jeder lauten Phrase, bei jede» schwungvoll hergesagten Satz — diese Menge sah plötzlich einen Mensche» vor sich, der selber ganz voll war von Enthusiasmus, und sie vernäh» plötzlich ein Wort, das schon werk war der Begeisterung, und da keucht» sie förmlich vor Aufregung, gab sich mit ganzer Seele ber Begeisterung und ber Erschütterung hin. Wir alle stürzten damals zu Fjedor Michail» witsch hin und umarmten und küßten ihn. Einige Zuschauer bemühte« sich gegen alles Herkommen, das Podium zu erklettern, und man erzählt«, ein junger Mann fei in Ohnmacht gefallen, als er sich endlich zu Fjedo« Michajlowitsch durchgedrängt hatte." Rach dieser Rede aber ereignete sich folgendes. Turgenjeff, der b« Dichter bis dahin eisig gegrüßt hatte, näherte sich ihm nunmehr unb drückte Ihm herzlich die Hand: zwei Greise gingen, einander an de» Händen haltend, aus Dostojewskij zu und sagten: „Seit zwanzig Jahre« sind wir Feinde. Oft hat man versucht, uns zu versöhnen, wir haben un» aber immer geweigert. Heute, nach Ihrer Rede, haben roir_ einander angeblickt und wir haben verstanden, daß wir künftig wie Brüder (eben müssen." Aksakoff, ber Liebling ber Moskauer, ber nach Dostojewskij reben nur Uv»,------- und dritter Blutsturz ernstellte. Gutes Beispiel. Von Frida Schanz. Wenn irgendwo in der weiten Welt Ein kleiner Mensch seinen Einzug hält. Wenn Kinderaugen zum Licht erwachen, Da sputen sich alle Sächlein und Sachen, Die nur im Hause stehen und liegen —: Sie wollen auch kleine Kinderchen kriegens Dos steife Bett kriegt zuerst ein Kindchen! Dann lacht das Spind auf ein Kinderspindchen, Die alte Kanne bekommt ein Kännchen, Die Badewanne ein Badewännchen, Der Stuhl ein Stühlchen mit dünnen Beinchen, Sogar der Eßtisch bekommt ein Kleinchen. Im Fluge entsteht so — es ist zum Lachens — Eine ganze Wirtschaft von »einen Sachen. ' Wer nennt sie, wer zählt ste, die Töpfchen, die Säckchen, Die Schühchen, die Hemdchen, die Täßchen, die Röckchen? Sie sind alle zum Küssen niedlich und fein. So istts so war's, so wird's immer sein. Wo ein'kleiner Mensch seinen Einzug hält. — Es ist doch eine lustige Welt! Swei Tage später fuhr abermals ein Auto in schneller Fahrt vor dem Hause des verstorbenen Mr. Baldock vor. Aber diesmal war es ein offener heller Swortwagen, und nur ein einziger entstieg ihm, ein rndi iunaer Mann mit schmalem, zerarbeitetem Gesicht Mit einer Drille. %q5 mar yngüs ©tuart, dem kein Mensch aus der Welt den Berus ansah den er, reich und völlig unabhängig, aus einer seltsamen Freude an der gehirnlichen Leistung heraus ausübte: Angus Stuart war Detektiv. Die “seTt^ber^mit Monokel, Browning und Geistesgegenwart be° wafsneten Romandetektive ist vorüber, die Verbrecher von heute werden durch die Präzisionsarbeit einer mit geradezu gigantischem “Pga- rat arbeitenden Kriminalpolizei aufgeklärt — und b'.e Detektive beschranken sich auf zwei Klassen: auf die der fest angestellten Kriminalbeamten und die Privataufpasser, die eifersüchtige Eheleute sich engagieren, ee ist verflucht wenig Romantik bei dem Geschäft. Hier muh etwas vorausgeschickt werden: es dürfte wenig Menschen geben, die über einen zahlreicheren Bekanntenkreis verfugten als Angus ötuart. (Fr mar überall und unvermeidlich. , ,, . . ... 6r kannte alles, was nur irgendeine Bedeutung hatte, und das nicht "“er"k°nnt°/üch für Seidenraupenzucht, Tennis oder Atomzerspaltung | genau so lebhaft interessieren wie für Bakteriologie, Yoga oder Hunde- | Er"'nannte sich selbst mit der Mischung aus Unverschämtheit und ffZZMWMWD SWZWWW AMLWUWWW »»sä WUMMHZWAW brä sä" Er h7tte dke Gewohnheit in eickschridentzn Lebensauge,M^n m dem ®”“Ä' &SÄ SS3ÄW »Ly°.- & «xc®« düsteren Korridor gelangte man in das dürftig ausgkstattete 3tn*mcr, mo fiotoiernmi auf einen mäßig hohen Katafalk gebettet war. Deutlich war kein Gesicht'zu ehen. Und welch ein Gesicht! Es mußte ledern> unvergeßlich bleiben Da war nichts von der steinernen Ruhe eines Zoten die Zuge Sen in ihrer Ve?klärtheit zu sprechen. Ich hattedasGefuhhalssoll ck den Umstehenden zuflüstern: Weint Nicht, er ist nicht gestoben, er 5rxu nuri __ Neben dem Entschlafenen stand cm kleines Mädchen, «ne Tochter. Sie verteilte schweigend Blumen und Blatter, die sie von >en herbeigetragenen Kränzen nahm. Es war Ehrend für alle die von der Hülle des Mannes Abschied nahmen, der uuch die kindliche Seele nut einem Io großen Feingefühl und einer so zarten Menschenliebe zu durchtränken verstanden hatte. Die unzähligen Personen die sich schmerzvoll nach dem Sterbezimmer drängten, hatten das Gefühl, verwaist zu fein. Die Bestattung trug das Gepräge einer nationalen Trauerfeier. In dem endlosen Zuge^ der Leidtragenden wurden improvisierte Trauerchore an- aeftimmt und alle Kreise waren vereint in dem Gedanken eines erschütternden Verlustes. Stumm wetteiferten auf dem langen Wege nach dem Friedhof Newsky—Lawry ältere und jüngere Leute, um sich tm fragen her Bahre abzu ösen Die ersten, die den blumenumwundenen Saig auf chre Schultern luden, waren'Palm und Plestschejews, die vor zweund- ^eißig Jahren gemeinsam mit Dostojewskij nach dem Schafott gefuh worden waren ...* Oer Fall Baidock. Kriminalnovelle von Ludwig v. Wohl. Niemals seit Menschengedenken war in Chiswick, diesem winzigen SÄ eyr-t SÄÄ.'XÄÄ»' Äs Fensterläden so gar kein geeignetes ObM für em „Mordhaus 3 ^'Immerhin lag in seinem Schlafzimmer der alte Augustus Baldock “ÄSS“'«" !>:»»-- l-l>ni»°r »--ich- mit inleUigenkm D-. -SM« HI-- l6 Jahren im Dienst, nie ist fowas passiert. Sind ein snedttches Volk hier. ^inivektor Price Iah sich wortlos im Zimmer um. Die^ Friedfertigkeit der Chiswicker schien ihn nicht weiter zu int essieren. ------t -»"*»'“=■ >•“ * ba bin Und da war der alte Mann noch warm. Der Kameramann photographierte bereits, bann tmete ber SJrgt Kommission bei ber Leiche nieber und begann ferne ^vtersuchung. ®s bauerte gut zehn Minuten, bis er sich wieder erhob. Seit etwa vier Stunden tot", sagte er. „Todesursache: Erstickung durch Strangulation. Der Hals zeigt deutliche Wurgespurem Hier winkte ber Inspektor dem vierten Herrn der Kommission„der sich nun seinerseits bei der Leiche niederkauerte, um die Fingerabdrucke aufzunehmen. md)t red)t stimmen will", fuhr der Arzt kort" iit daß die Strangulationsspuren, obwohl deutlich genug, nicht N tifeüi&SJnb0- der Srgt war, nicht so stark, daß der Mann daran unbedingt hätte ersticken müssen __ s;e „2IIter Mann", knurrte Price. „Da kommt der Schreck dazu Aufregung —" „Ja, ja. Aber immerhin — Wer wohnt noch hier im Hause, Konstabler? "«Dir. Baidocks Nichte, Sir — und die Kachln. Sind beide nebenan. ?sch komme gleich zu ihnen. Sind Sie fertig, Bradshawr '„Jawohl, Sir. Ziemlich klare Abdrucke. $rÄ"Ärmm?r"Ä£ ’Mci tawn'^SritTerlioben sich z'vri Maile, nerfiörle iu-ve Menlchrn. Ja einer Ecke lehnte eine füllige Weibsperson, der man auf hundert ®*Ä Äft - «*. — ww **• —• ä’e''bSU3Sniig. |ie Ank»«. $»: ein Monier.. gnMIMg ober etwas' energielos ausfehender eleganter Kerl, — ein bißchen M elegant für Chiswick — sie: ein hübsches kleines Ding, mit einem zier- liehen kurzen Näschen und großen grauen Augen. , Mein Name ist Inspektor Price — ich führe dw Unterfuchung. Mr Baldock war mein Onkel", sagte das lunge Mädchen leise. „Ich heiße Jane Campbell. Das ist mein Vetter Tom Beckett. Und das ist die Köchin." । W>. Er mo»n. in Sonlon’ "Bitte nehmen Sie Platz. Es tut mir leib, aber ich muß eine lange Reihe von Fragen an Sie stellen, bie zur Aufklärung ber Sache "°?Btttt,' fragen Sie, Herr Inspektor", sagte Jane Campbell gefaßt. Bescheidenheit, die für ihn typisch war, „den größten Dilettanten der I Welt" und gerade sein unbekümnicrter, von allem Zwang freier Dilet- | tanüsmus ließ ihn da Erfolge haben, wo „Professionals" sich vergebens anstrengten. . , ...». ... Das war Angus Stuart und es bleibt noch übrig zu erwähnen, daß er für Jane Campbell starke Sympathien hatte — aus einer Zeit, wo er, der nun in fünf Erdteilen Bekannte, in Chiswick zur Schule gegangen war. , Auch Tom Beckett kannte er noch von damals her — er erinnerte sich wenigstens dumpf an einen gutmütigen, nicht sehr energischen Jungen, der sich gern um die Sportspiele herumdrückte. Jane hatte ihm vor zwei Tagen geschrieben, er war wirklich zufällig einmal in London gewesen, und hatte alles stehen und liegen lassen, wie er ihr lachend gestand, während er ihr die Hand schüttelte. Schön geworden, dachte er dabei. Das Näschen war Immer noch so kurz und frech wie früher — aber was für Augen. „Also, nun erzählen Sie", sagte er fünf Minuten spater. Sie saßen im Arbeitszimmer des Onkels. Das junge Mädchen starrte vor sich hin. Noch immer hatte sie den furchtbaren Ausdruck auf dem Gesicht des Polizeiinspektors vor Augen, als er auf Tom plötzlich losfuhr: „Nun geben Sie aber zu, daß Sie es waren — Sie verschlimmern Ihre Lage sonst nur!" Und als Tom, leichenblaß, nur noch etwas von seiner Unschuld stammeln konnte, hatte er ihn verhaftet und abführen lassen — „Ich habe Ihnen die Hauptsachen ja schon geschrieben, Angus sagte sie leise. „Zu lieb von Ihnen, daß Sie gleich gekommen sind. Tom ist natürlich so unschuldig wie Sie und ich." „Natürlich", nickte Angus nachgiebig. „Es ist eine unglückliche Verkettung von Umständen , sagte das junge Mädchen erregt „Er kam aus London, um Onkel Augustus um Geld zu bitten Der Onkel war gerade an diesem Tage wieder besonders schlechter Laune — er hat Tom einen armseligen Herumtreiber genannt — einen Lump — einen hergelaufenen Strolch. Tom, der jeden Tag elf, zwölf Stunden arbeitet, um hochzukommen, was kann er denn dafür, daß das Geschäft, in dem er Geld hatte, betrügerischen Bankerott macht! Gar nichts." , r Angus Stuart nickte nur, und sie fuhr fort: „Tom war so außer sich daß er Onkel Augustus einen alten Narren nannte, den man hängen sollte, und dann ging Onkel Augustus auf ihn los, und Tom wehrte sich —" , m. „— indem er ihn am Hals packte", ergänzte Angus Stuart. „Wie hat die Szene geendet?" „ „So, daß der Onkel sich losriß und sagte: „Mach, daß du fortkommft «nd komm mir nie wieder ins Haus" — „Und Tom ging?"' „ ,, _ , _, ,3a Er ging ins Hotel, wo er wohnte und packte seine Sachen. Ich hatte einen Spaziergang gemacht, und als ich wiederkam, erzählte mir die Köchin, daß sie einen heftigen Wortwechsel gehört hatte — und daß sie sich nicht zu meinem Onkel fjineintraute. Ich klopfte bann an seinem Zimmer und bekam keine Antwort — da trat ich einfach ein, und — er — er lag am Boden, und sein Gesicht war furchtbar verzerrt und bläulich — es war schrecklich." Angus schwieg teilnahmsvoll. „Und nun glaubt die Polizei, daß Tom Onkel Augustus umgebracht hat — weil er der Erbe ist —" meinte er schließlich. „Glatt und einfach. Aber leider sind diese glatten und einfachen Dinge meistens auch die wahren Dinge." Jane Campbell sprang auf. „ . . „Angus — Sie glauben doch nicht im Ernst — Sie wollen doch nicht etwa sagen ... —" Ihre Augen funteilen. Beschwichtigend hob Angus Stuart die Hand. Ich glaube noch gar nichts — 'ich muß erst den Inspektor aufsuchen — und Tom. Und jetzt möchte ich das Zimmer sehen, wo es passiert ist. „j)ier — nebenan.* „Bitte, lassen Sie mich eine Weile allein." Es dauerte keine fünf Minuten, als sie ihn rufen horte. Als sie eintrat, stand er am Schreibtisch und hielt eine winzige Spritze in der Hand. „Wußten Sie, daß Ihr Onkel Morphinist war, Jane? Das junge Mädchen preßte die Lippen zusammen. „3a, Angus. Schon seit längerer Zeit. Aber er nahm es nur selten, alle zehn ober zwöls Tage." „Das wissen Sie so genau, Jane? Das junge Mäbchen sah zu Boden. . Zch überraschte ihn einmal, als er sich gerade dieses Zeug einspritzte — er erzählte mir alles, und ich mußte versprechen, niemand etwas davon zu sagen. Ich habe eine schreckliche Zeit hinter nur, Agnus ... wenn er eine Woche kein Morphium genommen hatte, war er unerträglich. Er quälte alle Menschen, die mit ihm in Berührung kamen, sagte ihnen gemeine Dinge und bekam ganz plötzlich Wutanfälle. Darum hatte er auch so gut wie kerne Freunde." Angus Stuart hielt bL .ainzige Injektionsspritze mit spitzen Fingern. Er betrachtete sie. mir ein Kinb ein neues Spielzeug betrachtet. * Von der Tätigkeit Angus Stuarts in Chiswick erzählte man sich später die seltsamsten Dinge. . ... Wahr ist jedenfalls, baß er sich in der Apotheke eine Jniektwns- spritze kaufte, baß er ftunbenlange gemütliche Gespräche mit ber Köchin, mit Herrn Hopkins, beni Nachbarn bes alten Augustus Baldock unb mit Inspektor Priee in Lonbon führte, ber feinen Namen langst kannte, unb ihn mit ber Mischung von Bewunberung unb gutmütiger Herablassung behanbelte, bie etwa ein hunbertprozenliger Jnbustneller für einen glänzenden Schauspieler übrig hat. Priee amüsierte sich über die Bemühungen Stuarts. (Schluß folgt.) Winterlieb. Von 21 uguft Gottfried Bürger. > Der Winter hat mit kalter Hand Die Pappel abgelaubt Und hat das grüne Maigewand Der armen Flur geraubt; Hat Blümchen, blau und rot und weiß. Begraben unter Schnee und Eis. Doch, liebe Blümchen, hoffet nicht Von mir ein Sterbelied. Ich weiß ein holdes Angesicht, Wo Schönheit euch erzieht. Blau ist des Au-ensternes Rund, Die Stirne weih und rot der Mund. Was kümmert Amsel mich im Tal, Was Nachtigall im Hain? Denn Molly trillert hundertmal So hell und silberrein. Ihr Atem ist wie Frühlingsluft, Erfüllt von Hyazinthendust. Wann mich ihr Purpurmund begabt, Ach, welch ein Wohlgenntz! Die Erdbeer' und die Kirsche labt Nicht süßer als ihr Kuß. — O Mai, was frag’ ich viel nach dir! Der Frühling lebt unb webt in ihr. .Russisch l - .Nichts fast gar nicht, ber zweite nur mäßig besetzt; es Kops an Kopf gestanben. — Als man ^So’mar ber Abenb ber Aufführung herangekommen. Ich hatte noch an meinen Büchern zu orbnen unb habe, was geschah, erst spater durch meine Frau unb Heinrich erfahren, welche zugleich mit unserem Vater nach bem Rathaussaale gingen. Der erste Platz bort war f'f auf ber Galerie aber hatte es Kopf — —n . vor biefem Publikum bas Spiel begonnen, war anfänglich alles in Ord- nung oorgegangen; bie alte Lieschen hatte ihren Part.fest unb ohne Anstoß hingeredet. — Dann aber kam das unglückselige Lied! Sie bemühte sich vergebens, ihrer Stimme einen zarteren Slang zu geben; »te Vater Joseph vorhin gesagt hatte, sie grunzte wirklich in der Tiefe. Plötzlich rief eine Stimme von ber Galerie: Jjoger up, Sropel-Lieschen. Höger up!' Und als sie, diesem Rufe gehorsam, die unene.djbaren Bis- tantiöne zu erklettern strebte, da scholl ein rasendes Gelachter durch den Pole Poppenspäler. Erzählung von Theodor Storm. (Schluß.) Endlich war der Tag der Aufführung festgefetzt. Es sollte alles möglichst reputierlich vor sich gehen; nicht auf dem Schutzenhofe, sondern auf dem Rathaus aale, wo auch die Primaner um Michaelis ihre Rede- Übungen hielten, sollte jetzt ber Schauplatz fein; und als am Samstag. Nachmittage unsere guten Bürger ihr frisches Wochenblattchen ausein- anderfalteten, sprang ihnen in breiten Lettern die Anzeige in bte Äugen. .Morgen Sonntagabend sieben Uhr auf dem Rathaussaale Ma r i o - netten-Theater des Mechanikus Joseph Tendier hieselbst. Die schöne Susan na", Schauspiel mit Gesang in vier Aufzügen. Es war aber damals in unserer Stadt nicht mehr bie harmlose, schau- lustige Iugenb aus meinen Kinberjahren: bie Zeiten bes Sojatenminters (ber Winter 1813—14) lagen dazwischen, ur»J namentlich war unter den Handwerkslehrlingen eine arge Zügellosigkeit eingeriffen; bte früheren Liebhaber unter den Honoratioren aber hatten ihre Gedanken jetzt auf andere Dinge. Dennoch wäre vielleicht alles gut gegangen, wenn nur der schwarze Schmidt und seine Jungen nicht gewesen waren. Ich fragte Paulsen, wer das fei, denn ich hatte niemals von einem solchen Menschen in unserer Stadt gehört. _ , .„ .. Das glaub’ ich wohl", erwiderte er, „der schwarze Schmidt tst schon vor'Jahren im Armenhaus verstorben; damals aber war er Meister gleich mir; nicht ungeschickt, aber lüderlich in seiner Arbeit wie tm Leben; der parfame Verdienst des Tages wurde abends im Tr.unk und Kartenspiel vertan Schon gegen meinen Vater hatte er einen Haß gehabt. Nicht allein'weil dessen Kundschaft die (einige bei weitern überstieg, sondern schon'aus der Jugend her, wo er dessen Nebenlehrling gewesen unb wegen eines schlechten Streiches gegen ihn vorn Meister fortgejagt worden war Seit bem Sommer hatte er Gelegenheit gefunden, diese Äd- neigunq in erhöhtem Maße auch auf mich auszudehnen, denn bei ber damals hier neuerrichteten Kattunfabrik war, trotz feiner eifrigen Bemühung um dieselbe, die Arbeit an den Maschinen allem mir übertragen worden, infolgedessen er und seine beiden Söhne, die bei dem Vater in Arbeit standen und diesen an wüsten Treiben womöglich überboten, schon nicht verfehlt hatten, mir ihren Verdruß durch allerlei Neckereien kundzugeben. Ich hatte indessen jetzt keine Gedanken an diese ® Das Spiel auf der Bühne stockte, und zwischen den Kulisien heraus rief bie bebenbe Stimme bes alten Puppenspielers: .Meine rierrschastn i bitt g’wogenllich um Ruhe!' Kasperl, den er eben an seinen Drähten in der Hand hielt unb ber mit ber schönen Su anna eine Szene hatte, schlenkerte krampfhaft mit seiner kunstvollen Na e Neues Gelächter war die Antwort. .Kasperl oll singen! - Schöne Minka, ich muß scheiden!' - Hurra ür Sa perlt doch; Kasperl sein Tochter soll fingen!' — .Jawohl, wischt euch s Maul! Die ist Frau Meisterin geworden, die tut's halt nimmermehr! So ginq's .roch eine Weile durcheinander. Auf einmal flog, m wohl- gezieltem Würtz, ein großer Pflasterstein auf bie Buhne. Er hatte bie Drähte des Kasperl getroffen; die Figur entglitt der Hand ihres Meisters und fiel zu Boden. Later Joseph ließ sich nicht mehr hatten. Trotz Liseis Bitte» hat er Ö daraus die Puppenbühne betreten. — Donnerndes Händeklatschen, hier, Fußtrampetn empfing ihn, und es mag sich freilich seltsam genug präsentiert haben, wie der alte Mann, mit dem Kopf oben in den Sufsiten', unter lebhaftem Händearbeiten seinem gerechten Zorn Lust zu machen suchte. — Plötzlich unter allem Tumult fiel der Vorhang; der alte Heinrich hatte ihn herabgelassen. — — Mich hatte indes zu Hause bei meinen Büchern eine gewisse Unruhe befallen; ich will nicht sagen, daß mir Unheil ahnte, aber es trieb mich dennoch fort, den Meinigen nach. — Als ich die Treppe zum Rathaussaal hinaussteigen wollte, drängte eben die ganze Menge von oben mir entgegen Alles schrie und lachte durcheinander. ,Hurra! Kasper rs dod; Lott is dod. Die Kamedie ist zu End'! — Als ich aufsah, er- blickte ich die schwarzen Gesichter der Schmidt-Jungen über mir. Sie waren augenblicklich still und rannten an mir vorbei zur Tür hinaus; ich aber hatte für mich jetzt die Gewißheit, wo die Quelle dieses Unfugs zu juchen war. Oben angekommen, fand ich den Saal fast leer. Hinter der Bühne saß mein alter Schwiegervater wie gebrochen auf einem Stuhl und hielt mit beiden Händen sein Gesicht bedeckt. Lifei, die auf den Knien vor ihm lag, richtete sich, da sie mich gewahrte, langsam auf. .Nun, Paul', fragte sie, mich traurig ansehend, .hast du noch die Kuraschi?' Aber sie mußte wohl in meinen Augen gelesen haben, daß ich sie noch hatte; denn bevor ich noch antworten konnte, lag sie schon an meinem Halse. .Laß uns nur fest zusammenhalten, Paul!' sagte sie leise. --Und, siehst du! damit und mit ehrlicher Arbeit sind wir durchgekommen. — — Als wir am anderen Morgen ausgestanden waren, da fanden wir jenes Schimpfwort .Pole Poppenspäler' — denn ein Schimpfwort sollte es ja jein — mit Kreide aus unsere Haustür geschrieben. Ich aber habe es ruhig ausgewijcht, und als es dann später noch ein paarmal an öfsentlichen Orten wieder lebendig wurde, da habe ich einen Trumpf darauf gesetzt, und weil man wußte, daß ich nicht spaße, so ist es danach still geworden.--Wer dir es jetzt gesagt hat, der wird nichts Böses damit gemeint haben; ich will seinen Namen auch nicht wissen. Unser Vater Joseph aber war seit jenem Abend nicht mehr der alte. Vergebens zeigte ich ihm die unlautere Quelle jenes Unfugs und daß derselbe ja mehr gegen mich als gegen ihn gerichtet gewesen sei. Ohne unser W.ssen hatte er bald daraus alle seine Marionetten auf eine öffentliche Auktion gegeben, wo sie zum Jubel der anwesenden Jungen und Trüdelweiber um wenige Schillinge versteigert waren; er wollte sie niemals Wiedersehen. — Aber das Mittel dazu war schlecht gewählt; denn als die Frühlingssonne erst wieder in die Gassen schien, kam von den verkauften Puppen eine nach der anderen aus den dunklen Häusern an das Tageslicht. Hier saß ein Mädchen mit der heiligen Genoveva auf der Haustürschwslle, dort ließ ein Junge den Doktor Faust auf seinem schwarzen Kater reiten; in einem Garten in der Nähe des Schützenhofes hing eines Tages der Pfalzgraf Siegfried neben dem höllischen Sperling als Vogelscheuche in einem Kirschbaume. Unserem Vater tat die Entweihung feiner Lieblinge so weh, daß er zuletzt kaum noch Haus und Garten bei uns verlassen mochte. Ich sah es deutlich, daß dieser übereilte Verkauf an feinem Herzen nagte, und es gelang mir, die eine oder die andere Puppe zurückzukaufen; aber als ich sie ihm brachte, hatte er keine Freude daran; das Ganze war ja überdies zerstört. Und, seltsam, trotz aller auf- gewendeten Mühe konnte ich nicht erfahren, in welchem Winkel sich die wertvollste Figur von allen, der kunstreiche Kasperl, verborgen hatte. Und was war ohne ihn die ganze Puppenwelt! Aber vor einem anderen, ernsteren Spiele sollte bald der Vorhang allen. Ein altes Brustleiden war bei unserem Vater wieder aufgewacht, ein Leben neigte sich augenscheinlich zu Ende. Geduldig und voll Dank- >arfeit für jeden kleinen Liebesdienst lag er auf feinem Bette, ,3a, ja', agte er lächelnd, und hob fo heiter seine Augen gegen die Bretterdecke )es Zimmers, als sähe er durch dieselbe schon in die ewigen Fernen des Jenseits. ,es is scho richtig g'wes'n, mit den Menschen hab' ich nit immer könne firti werd'»; da droben mit den Engeln wird's halt bester gehen; und — auf alle Fäll'. Lisei, i sind ja doch die Mutter dort.' --Der gute, kindliche Mann starb; Lisei und ich wir haben ihn bitterlich vermißt; auch der alte Heinrich, der ihm nach wenigen Jahren folgte, ging an seinen noch übrigen Sonntagnachmittagen umher, als wisse er mit sich selber nicht wohin, als wolle er zu einem, den er doch nicht finden könne. Den Sarg unseres Vaters bedeckten wir mit allen Blumen des von chm selbst gepflegten Gartens; schwer von Kränzen wurde er auf den Kirchhof hinausgetragen, wo unweit von der Umfassungsmauer das Grad bereitet war Als man den Sarg hinabgelasten hatte, trat unser alter Propst an den Rand der Gruft und sprach ein Wort des Trostes und der Verheißung, er war meinen seligen Eltern stets ein treuer Freund und Rater gewesen; ich war von ihm konfirmiert, Lisei und ich von ihm Setraut worden. Ringsum auf dem Kirchhofe war es schwarz von Men- hen; man schien von dem Begräbnisse des alten Puppenspielers noch ein ganz besonderes Schauspiel zu erwarten. — Und etwas Besonderes geschah auch wirklich, aber es wurde nur von uns bemerkt, die wir der Gruft zunächst standen. Lisei, die an meinem Arme mit foinausgegangen war, hatte eben krampfhaft meine Hand gefaßt, als jetzt der alte Geistliche dem Brauche gemäß den bereit gestellten Spaten ergriff und die erste Erde auf den ©arg hinabwarf. Dumps klang es aus der Gruft zurück. ,Bon der Erden bist du genommen', erscholl jetzt das Wort des Priesters; aber kaum war es gesprochen, als ich von der Umfassungsmauer her über —------- »» 1 Die Leinwandstreifen quer über der Bühne, die die Lust oder die Zimmerdecke oorstellen. die Köpfe der Menschen etwas auf uns zufltegen sah. Ich meinte erst, es fei ein großer Vogel; aber es senkte sich und fiel gerade in die Gruft hinab. Bei einem flüchtigen Umblick — denn ich stand etwas erhöht auf der aufgeworsenet» Erde — hatte ich einen der Schmidt-Jungen sich hinter die Kirchenmauer ducken und dann davonlaufen sehen, und ich wußte plötzlich, was geschehen mar. Lifei hatte einen Schrei an meiner Seite ausgestoßen, unser alter Propst hielt wie unschlüssig den Spaten zum zweiten Wurfe in den Händen. Ein Blick in das Grab bestätigt« meine Ahnung: oben auf dem Sarge, zwischen den Blumen und der Erd«, die zum Teil sie schon bedeckte, da hatte er sich hingesetzt der alte Freund aus meiner Kinderzeit, Kasperl, der kleine, luftige Allerweltskerl. — Aber er sah jetzt gar nicht lustig aus; seinen großen Nasenschnabel hatte er traurig aus die Brust gesenkt, der eine Ann mit dem kunstreichen Daumen war gegen den Himmel ausgestreckt, als solle er verkünden, daß, nachdem alle Puppenspiele ausgeipielt, da droben nun ein anderes Stück beginnen werde. Ich sah das alles nur auf einen Augenblick, denn schon warf der Propst die zweite Scholle in die Gruft: .Und zur Erde wieder sollst du werden!' — Und wie es von dem Sarg hinabrollte, so fiel auch Kasperl aus seinen Blumen in die Tiefe und wurde von der Erde Überdeckt. Dann mit dem letzten Schaufelwurfe erklang die tröstliche Verheitzung: .Und von der Erden sollst du auferstehen!' Als das Vaterunser gesprochen war und die Menschen sich verlaufen hatten, trat der alte Propst zu uns, die wir noch immer in die Grub« starrte». ,Es hat eine Ruchlosigkeit sein sollen', sagte er, indem er liebreich unsere Hönde faßte. .Laßt n n s es anders nehmen! In feiner Jugendzeit, wie ihr es mir erzähltet, hat der selige Mann die kleine Kunstsigur geschnitzt, und sie hat einst sein Eheglück begründet; später, sein ganze» Leben lang, hat er durch sie, am Feierabend nach der Arbeit, gar manche» Menschenherz erheitert, auch manches Gott und den Menschen wohlgefällige Wort der Wahrheit dem kleinen Narren in den Mund gelegt; — ich habe selbst der Sache einmal zugeschaut, da ihr noch beide Kinder wäret. — Laßt nun das kleine Werk seinem Meister folgen; das stimmt gar wohl zu den Worten unserer heiligen Schrift: Und seid getrost; den» die Guten werden ruhen von ihrer Arbeit.' — Und jo geschah es. Still und friedlich gingen wir nach Hause; den kunstreichen Kasperl aber und unseren guten Vater Joseph haben wir niemals wiedergesehen. --„Alles das", setzte nach einer Weile mein Freund hinzu, „hat uns manches Weh bereitet; aber gestorben sind wir beiden jungen Leute nicht daran. Nicht lange nachher wurde unser Joseph uns geboren, uni) wir hatten nun alles, was zu einem vollen Menschenglück gehört. An jene Vorgänge aber werde ich noch jetzt Jahr um Jahr durch den ältesten Sohn des schwarzen Schmidt erinnert. Er ist einer jener ewig wandernden Handwerksgesellen geworden, die, verlumpt und verkommen, ihr elendes Leben von den Geschenken stiften, die nach Zunftgebrauch auf ihre Ansprache die Handwerksmeister ihnen zu verabreichen habe». Auch an meinem Hause geht er nie vorbei." Mein Freund schwieg und blickte vor sich in das Abendrot, das dort hinter den Bäumen des Kirchhofs stand; ich aber hatte schon eine Zeit- lang über der Gartenpforte, der wir uns jetzt ro ehpr näherten, da» freundliche Gesicht der Frau Paulsen nach uns ausblttfen sehen. ,^Hab' jch's nit denkt!" rief sie, als mir nun zu ihr traten. „Was habt ihr wieder für ein langes abzuhandeln? Aber nun kommt ins Haus! Die Gottesgab' steht aus dem Tisch; der Hafenmeister is auch schon da; und ein Brief vom Joseph und der alt Meisterin! — — Aber was schaust mi denn so an, Bub?" Der Meister lächelte, „Ich hab' ihm was verraten, Mutter. Er will nun sehen, ob du auch richtig noch das kleine Puppenspieler-Lisei bist!" „Ja freili!" erwiderte sie, und ein Blick voll Liede flog zu ihrem Mann hinüber. „Schau nur richti zu, Bub! Und wenn du es nit kannst find'n, — der da, der weiß es gar genau!" Und der Meister legte schwelgend seinen Arm um sie. Dann gingen wir ins Haus zur Feier ihres Hochzeitstages. — Es waren prächtige Leute, der Paulsen und [ein Puppenjpieler-Lisei. Glück. Von Joseph Freiherr von Eichendorfs Wie jauchzt meine Seele Und finget in sich! Kaum, daß ich's verhehle. So glücklich bin ich. Rings Menschen sich drehen und sprechen gescheit, Ich kann nichts verstehen, So stöhlich zerstreut. — Zu eng wird das Zimmer, Wie glänzet dos Feld, Die Täler voll Sch'mmer, Weit herrlich die Welt! Gepreßt bricht die Freude Durch Riegel und Schloß, Fort über die Heide! Ach, hott' ich ein Roß! — Und frag' ich und sinn' ich. Wie fo mir gescheh»? — Mein Liebchen herzinnig. Das soll ich heut sehn! Der antwortlich: llr. Hans Thyrivt. — Druck undDerlag:Brühl'fche AniverjitätS^Duch- und Steindruckerei. D. Lange, E-ießeu.