GiehenerZainilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger 3 chrgang <931 Freitag, den 6. Februar Nummer ll Oie heilige Klamme. Von Heinrich Lersch. Reines Feuer unsrer Seele! Nur dem reinsten Ziel geweiht, nährst du dich aus heil'gen Gluten, Gott, aus dir, seit Ewigkeit. Wir, aus Erde, staubgeboren, sind von heiliger Lust durchbebt durch das Licht der reinen Sehnsucht, das aus deinem Wesen lebt. Was von deinen Erdgeschenkcn du uns gabst, ward heilig Gut: Weib und Bruder, Volk und Freiheit, heilig durch der Liebe Glut. Nur was irdisch und vergänglich, senkt sich dem Verderben zu. Aber du, du heilige Flamme, unsere Sehnsucht, glühe du! parseval, i> r Erfinder aus Pflichterfüllung. Zu seinem 70. Geburtstag am 5. Februar. Von Erich Bauer. Als der Königlich bayerische Leutnant August von Parseval in der ersten Hälfte der achtziger Jahre sich Zukunftshosfnungen hingab, die seine militärische Laufbahn betrafen, ahnte er nicht, daß er einstmals Mitbegründer einer neuen Wasfe, Pionier eines neuen Verkehrsmittels, Erfinder eines Luftschiffes, des ersten wirklich brauchbaren Luftsch ffes werden sollte. Man war damals in diesen Dingen nicht sehr optimistisch. Die jungen Offiziere sprachen vielleicht -von den Aussichten einer militärischen Luftsch fsahrt, wie man heutzutage von den Aussichten der Roketenfliegerci sprechen mag. Die älteren Herren zuckten dazu verächtlich die Achseln. Sie meinten immer noch, eine gutg: führte Patrouille tauge mehr als der schönste Fesselballon. Und im Heere herrschte nicht gerade Begeisterung, als man zu jener Zeit auch in Deutschland daran ging, Lustschifferbataillone zu bilden. Diese Einrichtung wurde eigent- l ch nur übernommen, weil die lieben Nachbarn sie gleichfalls hatten. Man mußte „auf der Höhe bleiben ..." 1871 hatte Leon Gambetta das belagerte Paris im Luftballon verlassen. Vereinzelt bedienten sich die Franzosen der Fesselballone. Eine gewisse Brauchbarkeit war den merkwürdigen Seidenkugeln nicht abzusprechen. Namentlich die Franzosen wollten den nächsten Krieg partout in der Lust führen. Zu diesem Zweck mußten sie den Luftballon allerdings lenkbar machen. Der junge Herr von Parseval mag betrübt festgestellt haben, daß die französische Militärverwaltung der neuen Sache weit mehr Interesse entgegenbrachte, als die konservativeren Machthaber in Bayern und Preußen. 1884 tauchten Nachrichten aus, wonach der französische Major Rcnard in aller Heimlichkeit ein lenkbares Luftschiff gebaut habe und daß dieses Luftschiff, „La France", wirklich geflogen sei. Allerdings nicht sehr schnell und nicht sehr weit, weil der benutzte Elektromotor völlig unzureichend war. Nun gab es für die jungen Offiziere der Lustschiffer- abteilung, zu der auch Parseval abkommandiert war, kein Halten mehr. Das Luftschiff mußte, auch in Deutschland — und zwar besser — gebaut werden. Die Behörden sorgten allerdings dafür, daß die Bäume nicht in den Himmel wuchsen. Sie verlachten einen pensionierten württembergi- schen General namens Graf Zeppelin, der 1887 seinem König allen Ernstes den Bau eines Groh-Luftschiffes vorschlug, das 24. Stunden in der Luft verbleiben, Menschen, Vorräte und Sprengstoffe transportieren, Meere und Gebirge überqueren und die Erde (Nordpol, Jnner- afrika) erforschen sollte Das mar ja auch ein starker Tobak. Auch die jungen Offiziere erzählten sich mit Behagen die Anekdoten über den „ver- riickten Grafen" Die Luftschifferabteilung hatte zunächst minder hochfliegende Pläne. Es sollte ein wirklich brauchbarer Fesselballon konstruiert werden, der bis dahin noch gar nicht vorhanden war. Der Vater dieses Projekts war der Instruktor beim bayerischen Luftschifferbataillon, Herr von Siasfeld. Parseval wurde sein intelligentester Schuler und schließlich sein Mitarbeiter. Sie haben in der ersten Hälfte der neunziger Jahre den sog. Drachenballon konstruiert, durch den das Problem des Fesselballons restlos und vollkommen gelöst war. Dieser Erfolg hat Herrn von Parseval sehr viel genützt, obwohl er noch lange nicht seinen kühnen Hoffnungen entsprach. Der Fesselballon war immerhin ein halbes Luftsch ff. Man hatte Aerodynamik (eine völlig neue Wissenschaft!) studieren und erforschen müssen. man hatte sich mit dem Material vertraut gemacht. Man hatte schließlich l°8ar ein kleines Vermögen erworben. Ganze WO 000 Mark! Parseval enWofe ßch, mit diesen WO 000 Mark ein Luftschiff zu bauen. Stus eine Unterstützung durch die Militärverwaltung konnte er nicht hoffen Die Herren dachten gar nicht daran, Utopien zu finanzieren. Im Jahre 1900 entwarf Parseval seine ersten Pläne Bis dahin hallen die Franzosen einige nicht sehr taugliche Schiffe gebaut. Und in Fried- n k i^"wr noch der verrückte Graf, den niemand ernst nahm. Und die Motorenfabriken waren immer noch nicht imstande, brauchbare Motoren zu liefern. Parseval tat gut daran, ein wenig zu warten. Seine Vorgesetzten hätten ihn schief angesehen. Pensionierte Generale durften mi allgemeinen noch verrückt sein. Nicht aber aktive Hauptleute. Parseval konnte warten. Er gehörte nicht zu jener Sorte von Er- fmdern die mit dem Kopf durch die Wand gehen. Parseval war in erster Linie Offizier, er tot seine Pflicht, er erfüllte, wenn er ein Schiff er» fanb, auch nur seine Pflicht. Und so hat er denn bis zum Jahre 1905 gewartet, bis zu dem Jahre, das für die gesamte Luftschiffahrt das ent- scheidende Jahr war. machten die Brüder Wright ihre ersten Luftsprünge. Und der verrückte Graf baute endlich, endlich sein erstes Schiff. Es „ging los". Parseval gehörte nicht zu den Leuten, die den alten Grafen verlachten, er kannte als Fachmann trotzdem die Schwierigkeiten, die der Laie Zeppelin noch gar nicht ahnte. Das Zeppelin-Schiff mit feinem Metall- gerippe muhte, sollte es wirklich leistungsfähig fein, eine Größe erhalten, tue für die damalige Technik unerreichbar war. Und dieses riesige, emp- 'mdliche Schiff entsprach wiederum nicht den militärischen Anforderungen. Die Militärs wollten ein kleines Schiff haben, das man wie einen Fesselballon verpacken, mit der Bahn befördern, heute hier, -morgen dort benützen konnte. Parsevals Pflicht war es, ein solches Schiff zu bauen Er hat es gebaut. Es wurde das erste Luftschiff der Welt, das wirklich und wahrhaftig fliegen konnte. Sein Schiff, der P. L. 1, unternahm am 28. Mai 1906 den ersten Aufstieg und bewährte sich bei allen folgenden Fahrten. Es war mit seinen 2300 Kubikmeter (gegen 100 000 des „Graf Zeppelin") nicht gerade ein Luftriese, die 85 PS. des einzigen Motors machten gleichfalls keine weiten Sprünge. Aber das Schiff konnte fliegen. Fliegen, wohin der Steuer- niann wollte. Das war bisher nicht dagewesen. Fliegen konnten weder die Flugzeuge jener Zeit, noch das erste Luftschiff Zeppelins. Dessen Er- folge kamen viel, viel später. Ueber das System Parseval ist zu sagen, daß es mit geringsten Mit- teln Größtmöglichstes leistete. Es war genial von der ersten bis zur letzten Schraube. Parsevals Schiff war ein Prallballon ohne jede Veisteifurg. Die Hülle blieb straff, auch nach Gasverlusten, denn im Inneren befanden sich zwei Luftsäcke, die nach Bedarf aufgeblasen wurden und dadurch stets gleichen Jnnendruck erzielten. Das Schiff hatte bereits die aerodynamisch günstige Zigarrenform (vorne rund, hinten spitz), die andere Systeme erst viel später angewandt haben. Die Gondel war auf Rollen aufgehängt, konnte vor- und rückwärts laufen und dadurch jede Verschiebung des Schwerpunktes ausgleichen. Große Stabllisierungsslächen sorgten für ein sicheres Jnnehalten des Kurses. Auch das haben „die anderen" erst viel später gelernt. Die Behörden reagierten sehr schnell auf Parsevals Erfolg. Man gründete die Motorluftschifs-Studiengesellschaft. Sie kaufte das System und den P. L. 1 und übernahm den Bau weiterer Schiffe. Aus der Studiengesellschaft wurde ein Industrieunternehmen, die „Fustfahrzeug-Ge- sellschast", die sogar einen Luftschiff-Export aufnahm. Im Kriege wurden die Parseval-Schisfe ein Opfer des Systems. Man hatte sich auf die Starr-Luftschiffe von Zeppelin und Schütte-Lanz ein- gestellt, die etimnber wie ein Ei dem anderen glichen, man sabotierte den Außenseiter Parseval, dessen Prall-Schisse ganz anders geartet waren. So wurde der im Kriege erbaute P. L. 27 der letzte seines Schlages. Er war ein Riese von 30 000 Kubikmeter Inhalt, ein schönes, vorzügliches Schiff, das bereits die „Stondard-Form" der heutigen Luftschiffe erreicht hatte. Parseval, der Erfinder aus Pflichterfüllung, resignierte nicht. Er blieb immer noch der große deutsche Lustschisfachmann, dessen Stimme überall Gehör fand. Man ehrte ihn durch den Dr.-Jng. und den Dr. phil. ehrenhalber, man übertrug ihm eine Professur an der Berliner Technischen Hochschule. Die Luftfahrzeug-Gesellschaft wartet auf bessere Zeiten, sie besitzt herrliche Pläne von Großluftschisten mit einer Stahlnetzhülle. Sie baut Wasserfahrzeuge und -Kleinluftschisfe. Eines davon ist als Reklame- luftjchiff in ganz Deutschland bekannt. Professor August von Parseval wird an seinem 70. Geburtstag in seiner neuen Wahlheimat Berlin mannigfache Ehrungen über sich ergehen lassen. Diese Erhrungen, mögen sie noch so groß, noch so aufrichtig sein, können aber die Bedeutung dieses Mannes nicht mehr vergrößern. Sein Name ist längst ein Begriff geworden. Seltsame Begegnung. SchM ^ch !a7ge n ch °°ll hatten und der Reis überhaupt keine Ladung Dann aber waren wir an Land gegangen; in einem Gnmpnn roaren wir an der Juda Ezechiel Street gelandet, und als wir die Rikschakulis und die Hackneywagen zum Teufel geschickt hatten, sah ich da einen Hlndurnönch stehen, der mir aus den ersten Blick sehr bekannt vorkam. Das war kein Inder und auch kein Angehöriger einer dieser östlichen Nassen, die man alle daran erkennt, daß sie ein wenig nach Holzkohle riechen. Ich habe mir im Laufe meiner Fahrten so allerlei Nase anqewöhnt; und wenn ein fremder Hund über die Straße laust, fann ,ch sagen, wenn ich sehe, wie er seinen Schwanz halt, von welcher Richtung der Wind blasen wird. s Ä.TÄÄ’® eines Mannes festsetzen. I So fuhren wir denn ohne Robert Linker; und es war auch selten die Rede von ihm; nur der erste Offizier, der die Personalien fertig machen mußte für di« Vermißtenliste des.Seeamtes in Hamburg, g'ng herum wie eine Henne, die Eier legen will. Er fragte uns und sagte, I wir hätten doch Robert Linker gekannt und in seinen Vieren fei ba eine Rubrik Charakter oder so und da müsse er hmemschreiben, was dieser Robert Linker für ein Kerl gewesen fei. Verheiratet war er nicht gewesen, und von Frauen»hatte er auch nie I gesprochen, und fleißig und schweigsam, wie sich das bei einem SeemanN j gehört, hatte er sich auch benommen. Er hatte täglich das Wasser gepeilt, I und er hatte den Schweinestall ausgebessert und den Liegstuhl für den Kapitän. Hinterlassen hatte er auch nichts als «'nen alten Anzug, der nach Teer und Hobelspänen roch, und unter diesem Anzug sand sich ein Neues Testament. Der erste Offizier hatte den Anzug und das T^tament genommen und war mit diesen Dingen zum Kapitän tn die Kammer gegangen; und die Herren hatten sich hinter geschlossenen Türen eine Zeitlang über den Fall unterhalten. Nach dieser Unterhaltung war von Robert Linker nicht mehr die Rede gewesen; wir hatten ihn vergessen, da wir noch viele Häfen angelaufen hatten; und überall waren mir an Land gegangen und hatten getrunken und getanzt und waren abends mit einem Sampan und einem rudernden Wilden zur „Brasilia zuruck- aekehrt Nur einmal, glaub ich, im Mittelmeer, als wir Hamburg sozusagen schon ganz nahe waren und die Leute sich Überlegten, wer am Kai stehen würde, wenn sie von Bord gingen, hatte jemanb gesagt. , Weiß du, Heinrich, ein Weib war es sedensalls nicht. Er hatte damit die Ursache des Verschwindens unseres Zimmermanns gemeint; und wir begannen zu beraten, was wir den Angehörigen sagen wurden, wenn mir sie am Kai mit den anderen Angehörigen winkep sahen. Wir haben ihnen irgend etwas gesagt, und sie haben gemeint, und es war eine Seeamtsverhandlung, und am Ende haben sie ausgehort zu meinen. Dann aber ist folgendes passiert. Nach drei Jahren kam ich mit der „Oklahoma", einem feinen Schiff, mieber nach Rangoon; mir ankerten vor Hastings, ganz in der Nähe des englischen Klubs, und, menn mir gerade keinen Dienst hatten, hatten wir Zeit, die feinen Damen zu beobachten, wie sie mit ihren Tennisschlägern aus dem Klub kamen und ins Auto stiegen. Das waren unsere damaligen Vergnügungen; denn wir hatten mächtig viel zu tun; und unser Oller war ein wilder Mensch, Der die Leute zur Arbeit hetzte, weil er sagte, mir mußten sehen, daß bie bcutf’he Handelsschiffahrt wieder ihren alten Platz aus dem Weltmeere Das Gespenstertrapez. Von Rene Bizet. (Deutsch von Käte Minz.) Ich weiß nicht, ob Sie in Europa Ihre Sagen haben, meinte bei einem Glas Whisky Bob Clok zu mir, der Clown aus dem - Imperator m Manchester, aber ich kann Ihnen versichern, man erzählt sich '" Sud amerita unter den Akrobaten Geschichten, daß es Ihnen kalt den Rucke" hinunterläust. Wenn man darüber nachdenkt, ist es verständlich. Unser Handwerk gleicht stark dem der Seeleute. Immer auf dem Meere, immer in neuen Häse? immer Wagnis ... Nehmen Sie noch hmzu.daß auch die Zigeuner zu uns gehörten und bei den Truppen, nut benen sieeine Zeitlang auftraten, sicherlich bie Sehnsucht nach ihrer Musik und ihren Märchen hinterließen ... Ich erhebe keinen Anspruch darauf, in Ihnen bas Interesse zu erwecken, nach bem Ursprung dieser Legenden zu forschen aber ich kann Ihnen die Versicherung geben sie sind es wert, be- tonnt zu werden und außerdem hangen sie mit etwas zusammen. Womit? ?r.%lit dem Bedürfnis nach Geheimnisvollem, das mir alle in unserem schweifenden Beruf empfinden. Sicherlich?"Und ba*? gefällt^Ihnen an uns, lieber Herr, Ihnen und Ihresgleichen und unbewußt dem großen Publikum. Wenn Sie einen Clown sehen, so erblicken Sie das Leben, poetisiert bisweilen grotesk, aber mit seinem warmen Humor; wenn <5ie einen Akrobaten am Trapez beobachten, bewundern Sie die Geschmeidigkeit, biese Poesie der Be- roegunq ... Und in all diesen Artisten, bie Sie m ihrem Privatleben, wenn ich so sagen bars, für mehr oder minder bescheidene Burger halten, werden Sie die Seele eines Dichters finden. Jawohl ... Bob Clok packte mich am Rockärmel und zog mich hinaus auf bie araue und im Winterabend leuchtende Straße. Er schob feinen Arm unter meinen und sagte halblaut zu mir: Kennen Sie die Legende vom Gespenstertrapez? All" hören Sie ... Sie wurde mir in Pernambuco erzählt: ich stellte selbst in Montevideo fest, daß sie nicht so unwahrscheinlich ist, wie es beim ersten Hören den Anschein hat. So sagte mir der Voltigeur der Arondastruppe, als mir uns eine Nacht in den Bars von Pernambuco herumtrieben, er hätte nur vor einer einzigen Sache auf der Welt Furcht, in dem Zirkus bas Gespenstertrapez zu sehen, und seinem Empfinben nach mürbe es nicht mehr lange bauern. Er erklärte mir, eines Abends hätte sich in bem Zelt eines Wanderzirkus, wo drei Zigeuner am Trapez arbeiteten — zwei Männer und ein junges Mädchen — etwas ganzAo- sonderliches zugetragen. Das junge Mädchen als Voltigeur, das heißt sie glitt von einem Trapez zum anderen, war gestürzt. Zu der damaligen Von Richard Huelfenbeck. da?''englische''W°^ud-^^i^ M getto^n^ind'^kGewott WLWM-AAZ -MZML-MZh dn?n vernünftigen Ollen, der sich feine unnötigen Sorgen machte und den Tag mit einer Flasche Rotspon aus dem Sattel hob. Wir hatten an der Reling gestanden und 'n das dunkleölige Wasser UulnhmnW er rannte wie ein Hase, haben wir ihn bann in der Nähe des Wohnhauses Whitaway zu erwischen vermocht °>.r Drachen m SS^br^Sto^gSÄn8^ Ä9 Äa“ ober so ähnllch und wollte partout nicht wahr haben, daß er Bobert Linker der frühere Zimmermann der „Brasilia sei. Söirrebetenaber ununterbrochen auf ihn ein und fragten ihn wie er dazu gekommen sei, unter die Hindupriester zu gehen und ob id) bas auch lohne. Am Ende mußte er zugeben, baß -r Robert Linker sei, und .r /nntp xag L; kein Geschäft, das sich lohne, und er habe es aus -«Den I.“ wszsp« I L'L ffiytiÄSSS to? SU *4 ZNZMMHM Z-ZWHWWM mSTÄw ÄÄJ. &’« dl--n-,and« ö S --'sucht. In -i"‘.rjTni,^ruI‘bÄn” m aebadü bie3 vielleicht in ihrem Klub saßen und morgen hinter ihren Gpra(i>e reden, ertfarte, das werde er Nicht tun. Er habe emen y Bureautischen hocken und viel Geld verdienen wurden. Derartige Dinge |e!b(t unerklärlichen Widerwillen gegen SW unbnie wolle hatten wir gesagt Fünfhundert Meter voraus war eine Leuchtboie, d e Zimmermann werden, sondern immer Mönch blechen. . . .. im drehenden Wasser hin und hergerissen wurde; und sie sah aus roie ° mir gingen eine Zeitlang mit ihm; und dm Sonne brannte sH-W ein Streickbolzkops der sich über dem Fluh bewegte. Ich hatte daran I auf bem Gehsteig, daß uns bie Fußsohlen schmerzten. öebadjt daß es jetzt für Robert Linker nicht mehr leicht sein mürbe, I roi[$f€n wir uns ben Schweiß aus bem Nacken, un . ^ie sä W«SSB* Sinter n»r nicht «Wenen; und um Io,«enden 7°"uni" nd <7?nd ‘Y'ld 7«“te dndS Tn« Lnültto«. In aller üerrgoitoleüM »ar der «afenme.ft«In dl- SnllMeen n„S if»' "»«ÄÄ" ‘Mert Sinter; -.......— ““ Ä. ÄÄ5 SVrtm sehr sich Einzelheiten im Kops feinen mehr getrunken. Und bann saßen wir -ine Zeltlang in der Var des Herrn Anderson, Robert in seiner gelben Mant.lle und mein Kamerad und ich. Der Kellner brachte mir und meinem Kameraden einen «einen Whisky; aber Robert trank hintereinander zwei große Glaser, er wischte sich den Mund, erhob seinen Betteltrog zum Gruß und verschwand in der Drehtür. Wir haben ihn nicht wieder gesehen. nur der sibirischen Verbannung zu verschwinden wie die Hunderttaufende der Opfer seines Geschlechtes. Was diese wenigen Grundlinien an historischem Schicksal weltumspannenden Ausmaßes umschließen, weiß die Menschheit. Die Schauer, die seinen Schauplatz umwittern, kann man nur hier erleben. Das Große Schloß — ein rauschendes Brio der Fürstenherrlichkeit. Es war einmal von außen kobaltblau mit schwer vergoldeten Bronce- beschlägen. Die sind noch da, aber die Vergoldung war schon zu Katharinas Zeiten aufstichbedürstig, und die verbat sich die kostspielige Erneuerung. Ihre Herrschermacht hatte solche Folie nicht nötig, wie die Tochter der Magd sie sich bestellt hatte. Dafür baute die Achtundsechzigjahrige auf die vierstöckigen Seitenflügel noch zwei Stockwerke aus als „Dienstwohnung" sür ihren letzten achtundzwanzigjährigen Galan. Schon vorher hatte sie auf der Rückseite die bezaubernden Gartenterrassen ansugen lassen, die ihren Schmeichlern Gelegenheit gabeik, sie die „Semiramis des Nordens zu taufen. Und inmitten dieser Hochgarten lieh sie sich durch den Engländer Cameron ein Privatschlößchen für ihre geheimsten Freuden schassen. Ein seltsames Liebesnest. Die klassizistische Feierlichkeit einer tempelhaften Räume stimmt wenig zu der Vorstellung, daß hier eine der strotzenden grandes amoureuses der Weltgeschichte die letzten Trunkenheiten ihrer Unersättlichkeit ausgekostet hat. Wie müde und bläßlich neben diesem Furioso der Menschen- und Herrscherkraft das geschmäcklerische Empire des Alexanderschlossesl Auf dem Wege zwischen den Schlössern liegt ein winziges Kirchlein. Hier wurde seine und des großen Schlosses Erbauerin von einem Schlaganfall betroffen. Sie schleppte sich noch aus dem Heiligtum und brach an einer Stelle zusammen, auf der jetzt stattliche Bäume ragen. Die Hofetikette gestattete nur dem Arzt, die Kaiserin zu berühren — er mußte erst von weither herbeigeholt werden, und zwei Stunden lang lag Elisabeth Petrowna inmitten ihres händeringenden Hofgesindes auf der nackten Erde... In dem Kirchlein aber hängt eine uralte Ikone der Schmerzensmutter. Vor ihr bat Alexandra Fedorowna Tage und Nächte lang in Jammer und Verzweiflung, als ihr die Kunde geworden war, ihr Gatte habe unter dem Druck der Vertreter feines revoltierenden Volkes auf die Krone des Selbstherrschers aller Reußen verzichtet. Wenige Minuten später stehen wir in einem rondellartig in den Park einspringenden Saale des Alexanderschlosses. Unsere Fuhrerm weiß zu berichten, daß in dieser Halle Nikolaus den letzten Besuch seines Freundes Wilhelm II. empfing. Und von eben dieser Stelle aus nahm Nikolaus vierzehn Tage vor seiner Abdankung den letzten Vorbeimarsch der in Zarskoje garnisonierenden Ersatzbataillone entgegen, die damals noch „die seinen" waren... Einige Wochen spater ziehen die gleiten Truppen unter fliegenden roten Fahnen heran und beerdigen im Mittelpunkte des Parks, genau dort, wo die Vedutenlinien beider Schlosser sich chneiden, die Opfer der Revolutionskämpfe ... Der Entthronte steht müde und reglos durch die Spiegelscheiben des Rondells zu. Der Flugel- adjutant: „Wollen Majestät sich nicht das widerwärtige Schauspiel ersparen?" Der Exzar: „Nein, lassen Sie mich nur hier, ich finde das äußerst interessant"... „ . , Und dann kommt die Nacht, da wird die ganze Zarenfamilie nach Sibirien „verladen"... Nicht unvorbereitet. Sie hat packen dürfen. Die unglückselige Alexandra Fedorowna hat die sämtlichen Heiligenbilder, mit denen sie das eheliche Schlafgemach und diejenigen ihrerKinder ausgerüstet hatte, zur Reise in die Verbannung verstaut. Ein paar Riesenkisten sind's geworden. Der rote Offizier, der den Transport leitete, hat sich geweigert, diese Kisten mitzunehmen. Lange nach der Revolution, als die Sowjetregierung das Schloß als Museum dem Staunen.des russischen Volkes zur Verfügung stellen wollte erhielt die Persönlichkeit, deren Führung wir uns anvertraut hatten, den Auftrag, diese Kisten auszupacken. Es fanden sich achthundertneunundzwanzig Heiligenbilder ""^Da'steht ihr Iugendportröt in ihrem Empfangzimmer, von Kaulbach gemalt: eine starr aufgerichtete Gestalt in Brokat und Diademflimmer, den seltsam ahnungsvollen Blick auf ein anderes Gemälde gerichtet, ein nicht minder ahnungsumfchauertes. Es stellt die Krönung des letzten Zarenpaares im feierlichen Halbdunkelder UspensklMathedrale des Kreml dar. Seltsam: das junge Paar steht völlig un Schatten. Rur e»n grelles Strahlenbündel wirft sein volles Licht auf — Maria FedoroWna, die Kaiserin-Mutter und -Witwe. Die war einmal die dänische Prinzessin Dagmar und mit dem damaligen russischen Kronprinzen verlobt. Er starb srüh an der Schwindsucht, und sein jüngerer Sruber Alexander HI. erbte zur Krone die Braut, ohne jemals mehr als ihre Achtung erringen zu können. Dagmar Maria war eine leidenschaftliche Seinbin der Deutschen. Nun muß sie es erleben, daß die deutsche Prinzessin Alix von Hessen, als Alexandra Fedorowna zum griechischen Glauben uber- qetreten, ihre Schwiegertochter und Nachsolgerin wird. Aber Maria Fedorowna ahnt kommendes Schrecknis. Mit Kafsandraaugen starrt sie ins Grenzenlose, durch den Goldschleier des Krönungstages hindurch... Noch seltsamer das Pendant, zu dem Alexanders Blstk hinüberf-bweist. Es ist ein Porträt — Marie Antoinettes ..., das geschmackvolle Brautgeschenk Frankreichs für die junge Kaiserin des damals ckon in die verhängnisschwere Bündnisgenossenschaft verstrickten RussenreiMes.. . Roch dazu in einem blutroten Kleide .. Alexandra selbst hat dem Bild diese Platz bestimmt. „Ich fürchte mich nicht vor dem Schicksal Marie Antoinettes. .." . s Und als Palladium ließ die Zarin zwischen ihr Kronungsbild und das Porträt der letzten Bourbonenkönigin — eine Soldatenhene Ylnein- hängen. Ein Regiment marschierender Donkosaken, öle beaeistert o Zarenhymne singen... „Wir haben unsere treue Armee, sagte sie, „QU uns zärtlich liebt." Wir wissen, wie diese Liebe auf den Schlachtfeldern von Mukden, Tannenberg, Gorlice verspielt worden ist. »eit gab es kein Netz, sie blieb tot liegen! An dem Tage war sie gerade Iiebzehn Jahre alt geworden. Der Vater, ein alter Zigeuner, bekannt mit öllcn Zauberkünsten feines Stammes, hatte in feinem wütenden Schmerze «ine Verwünschung ausgestohen, dann beim Aufbrechen erklärt, alle Woltigeure, ob Männer oder Frauen, die ihre Nummer an ihrem sieb- -jehnten Geburtstag in der Gegend von Montevideo absolvierten wurden auf die gleiche Weise sterben und dies solange, als die Erde die Erde Märe, und es Trapeze unter der Zirkuskuppel gäbe ... Er hatte diese künftige Rache so gebieterisch angekündigt, daß alle, Sie ihn umgaben, starke Furcht empfanden, was sich von Zirkus zu Zirkus mitteilte, dergestalt, daß kein Heranwachsender jahrelang gewagt hatte, -in Montevideo oder den naheliegenden Städten zu „voltigieren . — Dann kam eine Zeit, wo man die Reden des alten Zigeuners vergaß. Alles nahm wieder seinen natürlichen Laus bis zu dem Abend es >st ungefähr zwanzig Jahre her — wo ein junger Bursch, der gerade an dem Tage siebzehn Jahre alt geworden war, bei einer Hebung stürzte. Er verschied nicht sofort, aber in seinem Todeskampf röchelte er daß er aus ber Erde sich erschlagen hätte, weil er nach Betreten der Manege den Schatten eines Trapezes und einen riesenhaften Mann gesehen hatte, der sich dort neben ihm im gleichen Rhythmus wie er hochoben unter der erleuchteten Kuppel schaukelte ... Der Unglückliche delirierte die ganze Nacht und hauchte beim Morgengrauen seinen letzten Seufzer aus indem er mit den Händen die Umrisse des Gespenstertrapezes in der Lust nach- Oer Schauplatz einer Kaisertragödie. Bon Walter B l o e m. Wir haben, meine Frau und ich, von Leningrad aus den Zaren- fchlössern in Zarskvje Selo einen Besuch abgestattet. Unter denkbar sachkundigster Führung. Eine Persönlichkeit hatte sich uns övr Verfügung gestellt, die, aus innerster Herzensüberzeugung der kommunistischen Partei angehörig, hohen russischen Osfizierskreisen entstammt. Sie hatte bei der Erhaltung der Schlösser bedeutsame Sonderaufträge zu erfüllen und konnte dabei Einblicke in die Schicksale des letzten Abschnitts der Zaren- geschichte tun, die von unerhörtem Interesse sind. Also keine „Besichtigung — ein aufwühlendes Erlebnis. Inmitten des zarentreuesten aller russischen Landstädtchen, am Rand des zauberischen Babolowiskij-Parks, liegen das Große Schloß und das Alexanderschloß. Jenes erbaute Friedrichs russische Gegenspielerin, die stramme Elisabeth Petrowna, Peters des Großen legitimierte Tochter aus seinem Bündnis mit einer Leibeigenen. Die große Katharina hat das Schloß teilweise für ihre urperfönlichsten Zwecke ausgebaut. Das Alexander- oder Neue Palais wurde 1792 in Katharinas Auftrag erbaut als Heim der jungen Ehe, die ihr Enkel Alexander I. sechzehnjährig mit einer Vierzehnjährigen schloß, und die bald in lebenslängliche Erkaltung und Fremde sich wandelte. Eine -tragobie leitete das Schicksal dieses Zarenschlosses ein. Tragödie hundertmal grausiger war der Ausklang seines Daseins als Herrschersitz. Heute ist es das Museum dieser welterschütternden Begebenheit. In dieses Schloß zog sich Zar Nikolaus II. nach der ersten großen Revolution im Jahre 1905 zurück und lebte hier in menschenscheuer^ angstgehetzter Selbstverbannung, bewacht von tausend Geheimpolizisten. Des Volkes Witz nannte sie die „Botaniker", weil sie spazierengehend Blümchen pflückten... Nach seiner Abdankung im März 1917 war Nikolaus in Zareskoje ein Gefangener des russischen Volkes, bis er mit feiner unglückseligen Familie in der Nacht vom 30. bis 31. Oktober 1917 das Schloß verlassen mußte, um in zeichnete. Das sagte mir in Pernambueo der Voltigeur der Arondas, der im Laufe der nächsten Woche siebzehn Jahre alt werden sollte und zitterte, als er mich an die Legende erinnerte. Ich gab ihm zu bedenken, daß — vorausgesetzt sie wäre wahr — er nichts zu befürchten hatte, da er über dem ausgefpannten Netz arbeitete. „Es ist richtig", meinte er, „aber trotzdem habe ich nicht viel Zutrauen ..." Genau acht Tage später spielte ich im Zirkus Los Siellos in Montevideo den Clown in dem gleichen Programm wie die Arondas. Natürlich dachte ich an nichts anderes als an die Geschichte, die mir der junge Mensch berichtet hatte, und ich weiß nicht, ob es mir gelang, das Publikum zum Lachen zu bringen, aber ich kann Ihnen versichern, ich habe niemals mit gepreßterer Stimme und keuchenderem Atem Späße gemacht. Als man das Netz unter den Trapezen ausspannte, fühlte ich mich etwas erleichtert. Als ich die Arondas kommen sah, den Vater, den ältesten Sohn und den jüngsten, als sie die Strickleiter bis zu ihrem kleinen Brettchen hinaufkletterten, packle mich die Angst von neuem. Um so mehr, da ich den verzweifelten Blick bemerkt hatte, den der Voltigeur mir beim Vorüber- gehen zuwarf. Die Lichter erloschen, die Scheinwerfer versilberten die drei Männer und die Nummer begann. Kaum zwei Minuten, verstehen Sie dauerte ihre Arbeit, als ich einen Schreckensschrei verhalten mußte: in der Lust waren zwei schwingende Trapeze und zwei Voltigeure ... der der Arondas und der andere ... Sagen Sie nicht, es war der Schatten des ersten, nein es war etwas Ungeheures, ein Riese aus einem Eichenstamm, wenn 'Sie wollen, der sich gleichlaufend mit dem richtigen schaukelte und den jungen, der brüllte, anstoßen und hinunterstürzen wollte. Das habe ich gesehen und gehört, wie ich Sie sehe und höre ... Und auch das folgende. Als der Junge das Entsetzensgebrüll ausstieh, das aus Tausenden von Mündern widerhallte, wurde er vom Schwindel gepackt, glitt aus und fiel in die Manege, jawohl, in die Menge, denn das Netz riß an der Stelle, wo sein Körper aufschlug. — Sein Gesicht war voller Blut ... Er schlug seine verglasten Augen auf, hob den Arm wie um mich zu berühren und starb dann ohne ein Wort zu sprechen. Dessen bin ich Zeuge gewesen, lieber Herr, schloß Bob Clok. Und wenn ich Ihnen diese Geschichte nicht im Kafseehause erzählt habe, so geschah es, well ich nicht wollte, Sie könnten sagen, ich erfinde, dieweil ich-mich betrinke. Ich bin nüchtern ... oder beinahe ...ich habe seit heute morgen fünf Whisky getrunken. Jll 3t im Kopfe. stopfe. i Da merkte ich's denn wohl, der alte Puppenspieler ließ ihm keine he! sein Freund, der gute Heinrich, genügte ihm.nicht mehr als Publi- wohl erzählen! nur nachgerade einmal nach uns sehen 2 erantw örtlich: l)r. HanSThyriot. — Druck und Berlag: Brüh I sche Universität »'-Buch« und Eteindruckerei. Lange, Sieben» 9e ru 3c St eit ilti eit he. Sei 8u Pie |u( Un iu, 6e 9e Sc & 5ut «ul 'Rf( geil s Um hin nicht wieder hären." Paulsen stand auf, und wir gingen aus den Spazierweg hinaus, der auch hier hinter den Gärten der Stadt entlang sührt Nur wenige Leute kamen uns entgegen; denn es war schon um die Vesperzeit. „Siehst du" — begann Paulsen seine Erzählung wieder — „der alte Teniler war derzeit mit unserem Versprach gar wohl zufrieden; er gemachte meiner Ettern, die er einst gekannt hatte, und er faßte auch zu inir Vertrauen. Ueberdies war er des Wanderns müde; sa, seit es ihn in die Gefahr gebracht hatte, mit den verworfensten Vagabunden verwechselt zu werden, war in ihm die Sehnsucht nach einer festen Heimat immer mehr heraufgewachsen. Meine gute Meisterin zwar zeigte sich nicht so einverstanden; sie fürchtete, bei allem guten Willen möge doch das Kind des umherziehenden Puppenspielers nicht die rechte Frau für einen seßhaften Handwerksmann abgeben. — Nun, sie ist seit lange schon bekehrt werden! --Und so war ich denn nach kaum acht Tagen wieder hier, von den Bergen an die Nordseeküste, in unserer alten Vaterstadt. Ich nahm 3)U At S» Ra tar ti|d Sri bat da uu Bo St bei bei fto j an I 3H Ruhe; sein Freund, v«.» «,«■•»••*» —*» (um, er mußte einmal wieder öffentlich vor versammeltem Volke seine * Münzen mit einem Drittel Silbermischung aus den alten Silberbergwerken im Harz. • Kremnitz ist eine ungarische Stadt mit Gold- und Silberbergwerken. übereingekommen, feine dahinzlelenden stehen; für die Frau eines Bürgers und Hand- das denn doch nicht ziemen. gerade, wer das Lisei ift’" „Das ist die Frau Paulsen!" erwiderte ich. „Als ob ich das nicht längst gemerkt hätte! Sie sagt sa noch immer „nit" und hat auch noch die schwarzen Augen unter den fein gepinselten Augenbrauen " Mein Freund lachte, während ich mir im stillen vornahm, die Frau aen, wenn wir ins Haus zurückkämen, doch einmal recht daraus ehen, ob noch das Puppenspieler-Lisei in ihr zu erkennen sei. — „Aber", fragte ich, „wo ist denn der alte Tendier hingekommen?" „Mein liebes Kind", erwiderte mein Freund, „wohin wir schließlich alle kommen. Drüben auf dem grünen Kirchhof ruht er neben unserem alten Heinrich; aber es ist noch einer mehr in sein Grab mit hineingekommen, der andere kleine Freund aus meiner Kinderzeit. Ich will dir's laß uns ein wenig hinaucgehen; meine Frau könnte tach uns sehen wollen, und sie soll die Geschichte doch Stücke aufführen. Ich suchte es ihm auszureden; aber er kam immer wieder darauf zurück. Ich sprach mit Lisei, und am Ende konnten wir nicht umhin, ihm nachzugeben. Am liebsten hätte nun freilich der alte Mann gesehen, wann Lisei wie vor unserer Verheiratung die Frauenrollen in seinen Stücken gesprochen hätte; aber wir waren übereingekommen, feine dahinzielenden Anspielungen nicht zu verstehen; für die Frau eines Bürgers und Handwerksmeisters wollte sich das denn doch nicht ziemen. Zum Glück — oder, wie man will, zum Unglück — war derzeit ein ganz reputierliches Frauenzimmer in der Stadt, die einst bei einer Schauspielertruppe als Souffleuse gedient hatte und daher in derlei Dingen nicht unbewandert war. Diese — Kröpcl-Lieschen nannten sie die Leute von wegen ihrer Kreuzlahmheit — ging sofort auf unser Anerbieten ein, und bald entwickelte sich am Feierabend und an den Sonntagnachmittagen die lebhafteste Tätigkeit in Vater Josephs Stübchen. Während vor dem einen Fenster der alte Heinrich an den Gerüststücken des Theaters zimmerte, stand vor dem anderen zwischen frisch angemalten Kulissen, die von der Zimmerdecke herunterhingen, der alte Puppenspieler und exerzierte mit Kröpel-Lieschen eine Szene nach der anderen. (Schluß folgt.) Pole Poppenspäler. Erzählung von Theodor Storm. (Fortlegung., --Und Lisei hatte mir ihren treuen Tochteraugen recht gesehen. Als kaum die beiden in einem kleinen Gasthause untetgevracht waren und der Alte schon seine Pläne zur Weitetfahrt entwarf — denn hier wollte er jetzt nicht vor die Leute treten —, da zwang ihn ein Fieber, im Bett zu bleiben! Bald mußten wir einen Arzt holen, und es entwickelte sich ein längeres Krankenlager. In Besorgnis, daß sie dadurch in Not geraten könnten, bot ich Si|et meine Gettmittel zur Hilfe an; aber sie sagte: ,J nimm's ja gern von dir, doch sorg' nur nit, wir sind nit gar so karg.' Da blieb mir denn nichts anderes zu tun, als in der Nachtwache mit ihr zu wechseln ober, als es dem Kranken besser ging, am Feierabend ein Stündchen an seinem Bett zu plaudern. So war die Zeit meiner Abreise herangenaht, und mir wurde das Herz immer schwerer. Es tat mir fast weh, das Lisei anzusehen; denn bald fuhr es ja auch mit seinem Vater von hier wieder in die weite Welt hinaus. Wenn sie nur eine Heimat gehabt hätten! Aber wo waren sie zu finden, wenn ich Gruß und Nachricht zu ihnen senden wollte. Ich dachte an die zwölf Jahre seit unfern: ersten Abschied; — sollte wieder so lange Zeit vergehen oder am Ende gar das ganze Leben? ,Und grüß mir aa dein Vaterhaus, wenn du heimkommst!' sagte Lisei, da sie am letzten Abend mich an die Haustür begleitet hatte. .Ich seh's mit mein’ Augen, das Bänkerl vor der Tür, die Lind' im Gart'l; ach, i vergiß es nimmer, so lieb hab' ich's nit wieder g'funden in der Welt!' Als sie das sagte, war es mir, als leuchte aus dunkler Tiefe meine Heimat zu mir auf, ich sah die zärtüchen Augen meiner Mutter, das feste, ehrliche Antlitz meines Vaters. ,Ach, Lisei', sagte ich, ,wo ist denn jetzt mein Vaterhaus! es ist ja alles öd' und leer.’ Lisei antwortete nicht; sie gab mir nur die Hand und blickte mich mit ihren guten Augen an. Da war mir, als hörte ich die Stimme meiner Mutter sagen: .Halte diese Hand fest und kehre mit ihr zurück, so hast du deine Heimat wieder!' — und ich hielt die Hand fest und sagte: .Kehr' du mit mir zurück. Lisei, und laß uns zusammen versuchen, ein neues Leben in das leere Haus zu bringen, ein so gutes, wie es die geführt haben, die ja auch dir einst lieb gewesen sind!' .Paul', ries sie, .was meinst du? I versteh' di nit.1 Ader ihre Hand zitterte heftig in der meinen, und ich bat nur: ,Ach, Lisei, versteh' mich doch!' Sie schwieg einen Augenblick. .Paul', sagte sie bann, ,i kann nit von mei’m Vater! gehen.' „ .Der muß ja mit uns, Lisei! Jrn Htnterhause, die beiden Stübchen, die jetzt leer stehen, da kann er wohnen und wirtschaften; der alte Heinrich hat sein Kämmerchen dicht daneben.' Lisei nickte. .Aber, Paul, wir sind landfahrende Leut'. Was werden sie sagen bei dir daheim?' .Sie werden mächtig reden, Lisei!' .Und du hast nit Furcht davor?' Ich lachte nur dazu .Nun', sagte Lisei, und wie ein Glockenlaut schlug es aus ihrer Stimme, .wenn d u sie hast, — i hab schon die Kuraschi!' .Aber tust bu’s denn auch gern?' .Ja ul. wenn i's nit gern töt’, — und sie schüttelte ihr braunes Köpfchen g.gen mich — ,gel, da tät i’s nimmermehr!' — „Und mein Junge", unterbrach sich hier der Erzähler, .wie einen bei solchen Worten ein Paar schwarze Mäi.chenaugen ansehen, das sollst du nun noch lernen, wenn du erst ein Stieg (Stieg = 20 Stück) Jahre weiter bist!" „Ja, ja", dachte ich, „zumal so ein Paar Augen, die einen See aus» brennen können!" „Und nicht wahr", begann Paulsen wieder, „nun weißt du auch nach- mft Heinrich die Geschäfte rüstig in die Hand und richtete zugleich die beiden leerstehenden Rimmer im Hinterhause für den Vater Joseph ein. — Vierzehn Tage weiter — es strichen eben die Düfte der ersten Frühlingsblumen über die Gärten — da kam es die Straße herausgebimmelt. .Meister Meister', rief der alte Heinrich, .sie kommen, sie kommen!' Und da hielt schon das Wägelchen mit den zwei hohen Kisten vor unserer Tür. Das Lisei war da. der Vater Joseph war da beide mit munteren Augen und roten Wangen; und auch das ganze Puppenspiel zog mit ihnen ein; denn ausdrückliche Bedingung war es, daß dies den Vater Joseph aus sein Altenteil begleiten solle. Das kleine Fuhrwerk wurde in den nächsten Tagen schon verkauft. Dann hielten wir die Hochzeit; ganz in der Stille; denn Blutsfreunde hatten wir weiter nicht am Ort; nur der Hafenmeister, mein alter Schulkamerad, war als Trauzeuge mit zugegen. Am Hochzeitsmorgen legte Vater Joseph zwei Beutel vor mir auf den Tisch, einen größeren mit alten Harzdritteln', einen kleinen voll Krem- nltzer Dukaten'. ,Du hast nit danach fragt, Paul!' jagte er. .Aber so völlig arm is doch mein Lisei dir nit zubracht. Nimm's! i brauch's allfurt nit mehr.' — Das war der Sparpfennig, von dem mein Vater einst gesprochen, und er tarn jetzt seinem Sohne beim Neubcginn seines Geschäfts zu ganz gelegener Zeit. Freilich hatte Liseis Vater damit fein ganzes Vermögen hingegeben und sich selbst der Fürsorge seiner Kinder anvertraut; aber er war dabei nicht müßig, er suchte seine Schnltzmesser wieder hervor und wußte sich bei den Arbeiten In der Werkstatt nützlich zu machen. Die Puppen nebst dem Theaterapparat waren in einem Verschlage auf dem Boden des Nebenhauses untergebracht. Nur an Sonntagnachmittagen holte er bald die eine, bald die andere in sein Stübchen herunter, reol- feierte die Drähte und Gelenke und putzte oder besserte dies und jenes an denselben. Der alte Heinrich stand dann mit seiner kurzen Pfeife neben ihm und ließ sich die Schicksale der Puppen erzählen, von denen fast jede ihre eigene Geschichte hatte; ja, wie es jetzt herauskam, der so wirkungsvoll geschnitzte Kaspar hatte einst für seinen jungen Verfertiger sogar den Brautwerber um Liseis Mutter abgegeben. Mitunter wurden zur besseren Veranschaulichung der einen oder anderen Szene auch wohl die Drähte in Bewegung gesetzt; Lisei und ich haben oftmals draußen an den Fen- ftern gestanden, die schon aus grünem Weinkaub gar traulich auf den Hof hinausschauien; aber die alten Kinder brm waren meist so in ihr Spiel vertieft, daß ihnen erst durch unser Beifallklatschen die Gegenwart der Zuschauer bemerklich wurde. — — Als das Jahr weiter rückte, sand Vater Joseph eine andere Beschäftigung; er nahm den Garten unter seine Obhut, er pflanzte und erntete, und am Sonntage wandelte er, sauber angetan, zwischen den Rabatten auf und ab, putzte an den Rosenbüschen oder band Nelken und Levkolen an seine, selbstgefchnitzie Stäbchen. So lebten wir einig und zufrieden; mein Geschäft hob sich mehr und mehr, lieber meine Heirat hatte unsere gute Stadt sich ein paar Wochen lebhaft ausgesprochen; da aber fast alle über die Unvernunft meiner Handlungsweise einig waren und dem Gespräche so die gedeihliche Nahrung des Widerspruches vorenthalten blieb, so hatte’ es sich bald selber ausgehungert. Als es bann abermals Winter würbe, holte Vater Joseph an ben Sonntagen auch roieber die Puppen aus ihrem Verschlage herunter, und ich dachte nicht anbers, als baß in solchem stillen Wechsel ber Beschäftigung ihm auch läuft g die Jahre hingehen würden. Da trat er eines Morgens mit gar ernsthaftem Gesichte zu mir in die Wohnstube, wo ich eben allein an meinem Frühstück saß. .Schwiegersohn', sagte er, nachdem er sich wie verlegen ein paarmal mit der Hand durch seine weißen Haar- spießchen gefahren war, .ich tann’s doch nit länger ansehen, daß ich alleweil so das Gnadenbrot an Enerm Tisch soll essen.' Ich wußte nicht, wo das hinaussollte, aber ich fragte ihn, wie er auf solche Gedanken komme; er schaffe ja mit in der Werkstatt, und wenn mein Geschäft jetzt einen größeren Gewinn abwerse, so sei dies wesentlich der Zins seines eigenen Vermögens, das er an unserem Hochzeitsmorgen in meine Hand gelegt habe. Er schüttelte den Kopf. Das reiche alles nicht; aber eben jenes kleine Vermögen habe er zum Teil einst in unserer Stadt gewonnen; bas Theater sei ja noch vorhanben, unb bie Stücke habe er auch alle noch