hen. Und mmt und Eigentum von ein Kapitän - absühi' er Stabt Kapitäns r Dauer nsitetle neroofer 5«ting|le °us den lrde mid len m l, ba ber chgültig, '«drohte, । Stenge Wchen terin an ioffet zu als bas Kapitän n Hönde jagte er, ruhigem lieft, bafi lufterbem i dinner“ sand bas m gefüllt n Augen> ftimmung t-i" ickwünsche ier Tesch nun will erben: di! 5 verhaft re Gesell^ r als w n werde« s Schiff«' entlarv» nb bannt lein Pla> Metts un ; erwart« ksachev oi len juvS« ihrer ber o* muftt« v4 und rcn baut« übrigN'" ubiobe* >n Sern«1' Ar « der dB jn erb* erleid) u”1 Bokh* jot, >W «ad)«*" ft« -s-L-7 war«" i ich, daß ' s auf«,V ie Di*' ;s» LkillaÄ te m«' hcne« GietzenerZaMeMMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang <95( Freitag, den Z.Zuli Nummersj Guter JRat Von Theodor Fontane. An einem Sommermorgen, da nimm den Wanderstab, es fallen deine Sorgen wie Nebel von dir ab. Des Himmels heitere Bläue lacht dir ins Herz hinein und schließt wie Gottes Treue, mit seinem Dach dich ein. Rings Blüten nur und Triebe und Halme von Segen schwer, dir ist, als zöge die Liebe des Weges nebenher. So heimisch alles klinget als wie im Vaterhaus, und über die Lerche schwinget die Seele sich hinaus. lager war sehr ge bestandenen Abh> jen; fern Der Kampf der Tertia. Erzählung von Wilhelm Speyer. Alle Rechte beim Rowohlt Verlag, Berlin W 35. I Die Tertianer hatten sich noch eben gewaltig gestritten. Sie waren einige Kilometer vom Schulhaus entfernt, in ihrem Feldlager. Das Feldlager war sehr geschickt ausgewählt, es befand sich auf einem mit Bäumen bestandenen Abhang des Hochwaldes. Man konnte von dort einen Teil der Eebene mit vielen Dörfern, Aeckern, Teichen und Bächen übersehe ja, an klaren Tagen ging der Blick ungehindert bis zu den ersten Häusi der feindlichen Stadt. Es war gut für die Tertianer, diese Stadt ein wenig im Auge zu haben. Allerdings herrschte schon seit einigen Wochen Friede. Und dies war auch der Grund, weshalb man sich eben gestritten hatte. Man stritt sich nämlich aus Müßiggang, aus nichts und wieder nichts, sozusagen um einen Dreck. So hatten die Truppen des Hannibal in Capua und die Ostgoten in der Romagna gehadert, wenn es nichts zu erschlagen, zu stürmen und zu plündern gab ... Hier, im Feldlager der Tertia, kehrte man einander verächtlich die Rücken zu und richtete sich empört wieder auf, warf sinnlos Steine und Aeste gegen die Baumstämme oder zerrte an den Fellen und Pfoten seiner Hunde, die gespannt auf ihren Bauchen lagen und darauf warteten, ob es bald losgehen werde. Aber es ging nicht los. Das Getöse erstarb im zitternden Schweigen des Waldes und der Ebene. Es gab hier nichts mehr zu tun. Murrend und grollend schlief man sich in leichte Juninachmittagstraume hinüber. Der Große Kursürst übrigens, der dicke Anführer der Bande, schnarchte bereits seit langem. Er hatte sich ein einziges Mal aufgenchteß wie der Lärm übermächtig geworden war, als fei er ein homerisches Getose bei den Schiffen der Argeier. Seine Augen hatten eine gelbliche Glasur gehabt, so verschlafen waren sie und auch so unwillig, herrisch wollte sein Cäsarenkinn sich anspannen, — dann war der Fürst der Tertia zuruck- gesunken. Er war viel zu müde, den Cäsar zu spielen. Sie (Miefen, die Tertianer und ihre Hunde. Nur der Posten wachte, obwohl es hier gar nichts zu bewachen gab. Und über ihm klopfte em Specht an einer Esche. Der Stamm erklang wie eine Violine. Borst blinzelte zur Hexenkuppe hin. Er hatte einen mißmutig-besorgten Ausdruck, wie er sein kleines Affengesicht nach oben wandte. Denn dort stieg ein vereinzelter, höchst abgesonderter Rauch auf. Es war der Rauch aus Danielas Zelt. Weil Daniela, das Mädchen bf.r Tertia, seit Wochen nut ber Klasse grollte und sich an den freien Nachmittagen, zürnend wie Achill m ihrem Seite verborgen hielt, deshalb lag man untüchtig, untätig unmännlich in seinem Lager auf den Bäuchen. Ohne Daniela einen Streich^aus sichrem Man hatte es versucht. Es war daraus etwas geworden das gut genug für die Quarta war, ein kleinmütiger Ulk ohne Saft ""b Kraft, er hatte ihnen geschmeckt wie die Schellfische, bie fie an einem Tage ber Woche anstatt bes Fleisches zu essen bekamen. . . ~ . Das waren noch große Zeiten gewesen als Daniela an de" Freinachmittagen bei ber Bande gewesen war! Man konnte „nicht sagen, daß sie die Anführerin war. Man hatte den Großen KurfuZten wie man Agamemnon hatte. Aber was den Griechen die präzise Wildhe t ) bedeutet hatte, das bedeutete den Tertianern die pfeilgrade Raserei der bogen-bewaffneten Daniela. Borst stand auf. Pflichtvergessen trollte er sich von seinem Posten davon. • Josua, ein struppiger Bastard, dessen Mutter eine echte Pudelin, dessen Vater aber ein unechter Schnauzer gewesen war, gesellte sich ihm zu. Er hatte als ein richtiger Tertiahund dieser faulen Zeiten auf der Seite gelegen, die vier Pfoten von sich gestreckt und ein wenig in die Sonne geblinzelt: zuweilen auch war er wie ein Mensch, ber nicht weiß, was er will, balb in den Schatten, bald in die Sonne gelahmt. Im übrigen war auch bei ihm, wie bei den meisten Tertianern, nur ein Halbschlaf zustande gekommen, der auf bessere Zeiten wartet. Kaum hatte er Borsts Bewegung in feine von der Sonnenstrahlung ausgedörrte Nase bekommen, — denn ein guter Hund riecht bie Bewegung! — als Josua aufstand, ganz langsam übrigens, wie ein alter Mann, der Rheumatismus hat. Er streckte die nach oben gebogenen Vorderpfoten aus, verschluckte gleichsam seinen eigenen Hals und gähnte. Dann war er in zwei freundlichen Sprüngen hinter Borst her. Borst strolchte, absichtslos scheinbar, so herum. Die Hände auf den Knien, betrachtete er einen Ameisenbau. Wo ging die Straße hin? Er überlegte. Er erinnerte sich dann. Jenseits des kleinen Waldweges, der zur Hexenkuppe führte, war ein großer Ameisenhügel. Also dorthin! Er machte sich selber etwas vor. Er interessierte sich gar nicht für Ameisen. Er kannte von daheim aus den Bergwerken armes Arbeitsvolk genug. Er brauchte die Tierwelt nicht, um zu wissen, wie prächtig Grubenarbeit tut. Nach einiger Zeit blieb er furchtsam stehen. Borst, der Kleine, fürchtete sich so ziemlich vor allen Dingen dieser Erde, aber jetzt hatte er ausnahmsweise einmal gute Gründe. Er war an einer Eiche angelangt. An ihrem untersten Aste war ein Pappdeckel angehestet, auf dem mit Bluk schrift zu lesen stand : „Halt! Wer weiter geht, wird erschossen! Ich, Daniela!" Borst erinnerte sich. Vor einiger Zeit war Fritz Lüders weiter gegangen. Er hatte einen Pfeilschuß von unsichtbarer Hand bekommen. Es war eine richtige Wunde im Oberschenkel daraus geworden, denn Daniela schoß nicht etwa ihren sorgfältig zugespitzten Pfeil von einem Bogen aus Weidenholz und mit Bindfaden ab, sondern von einer echten Jnbianer- waffe. „Das muß ja ein merkwürdig spitzer Stein gewesen sein, auf den du da gefallen bist", sagte der Anstaltsarzt, und er sah zur Seite, als sei er es, der gelogen hatte, nicht Lüders. Und der Junge hatte geantwortet, indem er ebenfalls zur Seite sah: „Gehen Sie einmal an den Freinachmittagen auf bie Hexenkuppe, Herr Doktor! Da finden Sie viele solche Steine!" Borst sah Josua und Josua sah Borst an. Dann sahen sie beide nach einer ganz bestimmten Richtung. Aber es gab nichts zu sehen. Es war nichts zu erspähen, nur dieser streng schwebende Rauch über den Wipfeln der Tannen. Borst wurde von einem kalten Schauder ergriffen, wie er jetzt in die Richtung von Danielas Zelt blickte. Seltsamer Wahn, der ihn hierher getrieben hatte! Konnte denn irgendein Junge im Ernst glauben, Danielas Zelt je betreten oder es auch nur von ferne anschauen zu dürfen? Nicht einmal einer von der alten Garde wie der Große Kurfürst, Reppert, Lüders, Hornbostel oder Otto Kirchholtes waren so vermessen! Selbst in den herrlichen Tagen des guten Einvernehmens mit Daniela, wer war so frech gewesen, hier einbringen zu wollen? Daniela war in den Unterrichts- und Arbeitsstunden, bei den Mahlzeiten, abends in der Kapelle, — was aber hatte bas mit Daniela im Zelt zu tun? Wir haben eine Schwester, mit ber wir das Zimmer von den ersten Tagen der Kindheit teilten, — werden wir es wagen, mit ihr zu scherzen oder zu streiten, wenn sie geschmückt zu ihrer Hochzeit schreitet? Borst horchte sehnsüchtig und ganz heiß vor Angst auf einen Laut. Hatten bie Doggen Danielas angeschlagen, diese gelben Hunde mit den leopardähnlichen Fellen? — Nichts! Diese verschmähten es, auch nur einen Laut zu geben. Die Doggen Danielas bellten nicht, weil Borst der Kleine und ber jammervolle Bastard zu seinen Füßen vor ber Bannmeile des Zeltes ftanben. Doch wußte es ber Spähende, daß vier Tieraugen, vielleicht sogar zwei Menschenaugen ihn beobachteten. Aufgeregt seinen Speichel hinunterschluckend und seufzend wandte Borst sich ab. Eilig trabte er zurück, mit seinem einwärtsgekehrten Jungensgang. Da hörte er Schritte. Crwachsenenschritte! Obwohl sie ganz deutlich zu vernehmen waren, dennoch hielt es Borst für angebracht, — denn so hatte er es bei den andern gesehen! — sich platt auf die Erde zu werfen und mit dem Ohr am Boden zu lauschen. Er zuckte vor Entsetzen zusammen, denn ein Käfer kroch ihm am Rande der Ohrmuschel entlang. Borst konnte ihn nicht erwischen. Insekten sind die eigensinnigsten Tiere der Erde: was sie sich vorgenommen haben, führen sie aus. Dieser Käfer hatte es darauf abgesehen, Borst verrückt zu machen. Der Junge krümmte sich, als werde er am Bauche gekitzelt, und er schlug die Arme über seinen irgendein Stück Kaubonbons im ja arbeitslos." „Das könnte Borst spitzte Es war unklar, weshalb sie vorsichtig gehen sollten, aber Borst mußte seine Gründe haben. Man konnte den Großen Kurfürsten nicht wie jeden gewöhnlichen Sterblichen wecken. Borst zerrte also Lüders an seinem verwundeten Bein, wofür er fast eine Ohrfeige bekommen hätte. Lüders kroch sodann zu Reppert hin, der erst einmal ein finsteres und eigensinniges Gesicht machte, jedoch schließlich den Häuptling zu wecken auf sich nahm. Es brauchte lange Zeit, bevor man dem Kurfürsten klarmachen konnte, worum es sich handelte, obwohl es doch ein verhältnismäßig einfacher Tatbestand war. „Herr Falk ist hier und will dich sprechen." „So?" sagte der Große Kurfürst, und er starrte in den Wald. „Hat es denn schon zum Aufstehen geläutet?" Reppert rang die Hände. „Zum Aufftehen! — Zu was für einem Aufstehen läutet es denn bitte im Walde?" Der Häuptling lehnte seinen gewaltig gemästeten Leib gegen seinen Adjutanten, der wie ein Indianer auf den. Knien hockte und nun fast umgefallen wäre. „Ist es denn nicht Morgen, Lieber? Haben wir verschlafen?" Plötzlich schien der Große Kursürst die ganze Sache kapiert zu haben. Er hatte zuwellen solche überraschenden Ansälle von schneller Intelligenz. „Aufstehen! Aufftehen!" brüllte er mit jener Tonstärke, die er des morgens um sechs Uhr anzuwenden pflegte und um deretwillen er berühmt war. Das war Alarm! Wer noch geschlafen hatte, sprang hurtig auf die Beine und sah nach der Sonne. Es mochte vier Uhr nachmittags sein. „Herr Falk ist da!" rief Reppert mit schneidender Kommandostimme. „Herr Falk sagt, daß er uns Arbeit bringen will! Darf ich ihn holen?" rief der kleine Borst mit einer Stimme, die in den hohen Lagen glockenhell war wie Liliputanergesang, in den tieferen jedoch rauh wie Rabenruf. Und er pflegte über diese Rutschbahnfahrten seines Organes zu erröten, wie, nach den Berichten unsrer Altvordern, die jungen Mädchen aus früheren Zeiten errötet waren. Er hatte Falk im Walde zurückgelaffen, denn ohne Einwilligung des Kurfürsten oder der gesamten Bande durste kein Fremder je das Feldlager betreten, und Borst war sehr stolz darauf, das alles so richtig gemacht zu haben! Der Große Kurfürst legte sich das durchlöcherte, nach allen Gerüchen dieses irdkschen Jammertales riechende, ehemals grüne Cape wie einen Krönungsmantel um die Schultern. Den rechten Arm hielt er frei, damit der verschlissene, mit Goldfäden eingestickte Präfektenstern auf seinem Aermel sichtbar bliebe. „Herr Falk soll erscheinen!" Die Knaben waren zu einem starren Haufen versammelt. Mit freudig gespannten und ernsten Gesichtern blickten sie nach der Richtung des Waldes, aus dem Herr Falk hervortreten sollte. Dieser schritt auch sogleich herzu, und abermals lüftete er den Dogel- scheuchenhut. „Guten Tag!" sagte er bescheiden, und seine Falkenaugen irrten verlegen zur Seite. anders werden", erwiderte Falk bitter. die Ohren. Auch der Bastard unten zu seinen Füßen machte Versuche, die viel zu kurzen Pudel-Schnauzer-Ohren zu spitzen. „Also bitte, Herr Falk! Aber vorsichtig!" antwortung! „Er schläft nämlich", sagte er ängstlich. Und er fügte hinzu, wobei er - sgaurnrjn&e ausspuckte, das er an Stelle des teuren Munde herumgewälzt hatte: „Alle schlafen. Sie sind „Guten Tag, Herr Falk!" antwortete der Große Kurfürst, und nun antworteten auch all die andern, vierundzwanzig Tertianer: „Guten Tag, Herr Falk!" „ , Schweigend ließ man sich tn der Runde nieder, Falk auf dem abgestumpften Kegel eines Eichenstammes, die Knaben auf ihren Knien ^^Die Tabakspfeife wurde angezündet, sie ging ringsum, wie dies feit Jahrhunderten bei den Jungens aller anständigen Volker Sitte und dann begann Falk die große Angelegenheit vorzutragen, die ihm o bitterlich am Herzen lag. Still hörten die Tertianer ihm zu. Zuerst mit Erstaunen, fast mü Ablehnung, dann mit größerer Bewegung, mtt gegenseitigen schnellen Seitenblicken, mit fragenden Augen zum Großen Kurfürsten und zu Reppert hin, mit Entrüstung schließlich, mit Empörung nut kleinen Schreien Sauber' Sauber!" — „Schick! Schick!" — „Das ist aber doch! — „Wi Teufel, da muß man ja kotzen!" - „Ja sind d,e denn vom Satan gebifsen?" Und sie spuckten aus oder sie fuhren besorgt mit den Händen in die Felle ihrer Hunde, die ihre klug ausmerkenden Kopfe auf die Kme der Knaben legten. , , , , . - m Wie Falk seine Rede beendigt hatte, sagte er noch.. So ist das. Wie Isaaks Opferung, — so ist das! Man soll nicht glauben, daß ld) Erwache'stets „man", weil er nicht wußte, ob er die Tertianer „du oder „Sie" aNreden sollte. Er hatte ganz einfach den Tatbestand erzählt. Wie ein großer Diplomat hatte er es vermieden, die Tertianer unmittei- ^Mber das? war auch keineswegs von Nöten. Die Tertianer wußten, woran sie waren. Ihre struppigen Haare loderten >m Feuer ihrer Empörung und Entschlußkraft. Auch die Haare des Katers Karlemann auf bem Baum und aller Hunde unten hatten sich gesträubt. Alle hatten sie eine Wendung nach rückwärts gemacht, nach der Ebene, nach der Stadt, zu der das klare Westlicht der Sonne sich eben jetzt herniederneigte. Die Hände an den Halsketten oder an den Strippen der Hu'ide, die in Jagdstcllung sich zu ihren Knien hielten, so blickten sie alle nach Westen, Bann* ober drehte der eine oder andere sich um. Fragende, zweifelnde Blicke gingen zu dem strengen, abgesonderten, seinblichen Rauch «m Hoch- wald. Wurde er fernerhin so vereinzelt dort steigen, oder vermischte er sich bald mit dem Rauch ihrer Lagerfeuer hier unten? Erregte faßten sie sich an den Händen und an den Armen. S,e wußten es, sie hatten jetzt Arbeit bekommen, Arbeit bis zu den großen Ferien. (Fortsetzung folgt.) Kopf zusammen. Aber er hielt es für seine Postenpslicht, platt auf dem Boden auszuharren. So kam es, daß der Ankömmling ihm fast den Borft^schielte über seine Nase hinweg nach oben. Froh sprang er auf. „Herr Falk!" . . ... , Ein Mann stand vor ihm, der nicht nur einen Tiernamen hatte, sondern auch ein Tiergesicht, ein richtiges Falkengesicht mit zwei dicht an ber krummen Nase anliegenben runden Raubtieraugen. Es waren bte Raubtieraugen eines gefangenen und gezähmten Falken, der alt geworden ist und nicht mehr mittun mag. Außerdem aber stand Falk auch noch in beruflichen Beziehungen zur Zoologie. Er war nämlich ein Tierwärter in der Stadt Maineweh, wo er im Botanischen Garten den sogenannten Tierpark zu betreuen hatte: das heißt, einen ausgerupften Adler der wie ein gargekochtes Huhn aussah, ein Reh, eine Kreuzotter, ein Gnu, einen Biber, einen Psau, ein paar Perlhühner und einen irischen Wolfshund. Nach dem Gesetz, demzufolge die Mitglieder einer Lebensgemeinschaft einander ähnlich werden, hatte Falk eine all diesen Tieren gemeinsame Eigenschaft angenommen: er war so mager wie sie, so verhungert und abgezehrt. Die Stadt hatte für.Tierwärter und Tiere nicht viel übrig. Ein Sohn der Stadt, der einmal in Afrika und in Asien"gewesen war, hatte diesen Miniatur-Zoologischen Garten gestsstet. Nun galt es, Falk und seine Zöglinge zu erhalten, mit Ach und Krach und mit viel.jammernden Debatten in der Stadtverordnetenversammlung, die sich alljährlich wiederholten. Falk lüstete höflich seinen Hut, der einem Hut jener Vogelscheuchen glich, die man vom Feldlager aus in den Gärten der Bauern schäbig ““^.Sann den Herrn Großen Kursürsten sprechen?" fragte Falk trüb und höflich. Borst überlegte. „Ist es etwas Wichtiges, Herr Falk?" „Es ist so wichtig wie Abraham und die Propheten." Borst dachte darüber nach, ob Abraham und die Propheten heutzutage noch wichtig seien und was die großen Jungens dazu sagen würden. Ihm wurde heiß vor Aufregung, so groß war die Last seiner Ver- Kreuzblume singt. Von Hans T h y r i o t. Mich, die himmelan jauchzende Krönung des Turms ob allen Fialen, Verklären hell des erwachenden Tages früheste Strahlen. In mir verfängt sich bei Nacht des Mondes milchiges Licht, Wiegt sich und spiegelt auf steinernem Grunde Gottes Gesicht. Meine Geschwister heißen Abendstern, Wolke und Wind Und alle Vögel, die zwischen Himmel und Erde sind. Aber von allen der eine hat es mir angetan: Golden reitet stromüber im anderen Kirchspiel der Hahn. Und hör ich die Orgel unter mir fromme Choräle frohlocken. Bis in mein steinernes Kelchherz dröhnt die Musik der Glocken, Dann schwingt sich mit Glocken und Orgel zu Gott mein Gebet. Daß bis zum jüngsten Tag stromüber der Goldene steht. Kulturtheater. Bon Professor Carl Ebert, Intendanten der Städtischen Oper Berlin. Der neue Intendant der Berliner Städtisck)en Oper und vormalige Leiter des Hessischen Landestheaters in Darmstaor, äußerte sich zu unserem Berliner Vertreter über die Not de- deutschen Theaters im allgemeinen und über die Ziele bes GegenwartsTheaters solgendermatzen: Wenn man die Ursachen und Quellen der materiellen Not, in der sich das deutsche Kulturtheater heute befindet, richtig einschätzen will, muv man einen Blick auf die Vergangenheit werfen, und das Zahlenmaterial früherer Zeiten zur Hilse nehmen; denn Zahlen sprechen bekanntlich eine beredte Sprache. Als Vergleichsmahstab will ich nur zwei Buhnen heran- ziehen: das Mannheimer Nationaltheater, weil es vor einiger Zeit einen sehr lehrreichen Ueberblick über die Entwicklung der Finanzen verosfem. licht hat, und das Hessische L a n de s t h e a t e r in D armstabl, bie Stätte meiner letzten Wirksamkeit. Die Bebeutung dieser Zahlen gern weit über die örtliche Bedeutung hinaus, weil alle Theater ungefähr die gleiche Entwicklung durchgemacht haben und deshalb diese Entwicklungs Unie für alle am Theater Jnterefsierten lehrreich ist. Die Mannheimer Bevölkerung hat 1889 pro Kopf der Bevölkerung 2,15 Mark für ihr Theater aufgebracht ober 173 000 JDtart un ganz Jahr; im Jahre 1928 waren es aber 7,55 Mark ober 1831 000 Mark. Steigerung aller Ausgaben hat allein feit bem letzten Friedensjahr (m , 170 Prozent erreicht. In Darmstabt ist ber Zuschuß von 670 000 Mark ttn ^nhre 1813 auf 1,83 Millionen gestiegen, die Ausgaben von 1,3 Millionen auf 2 5 die Einnahmen von 765 000 Mark auf 1,1 Millionen. Betrachtet man die Ausgabcnpoften näher, fo zeigt sich, das es keineswegs immer die Aufwendungen für den werbenden, nämlich künstlerischen Teil des Betriebes find, sondern datz es vielmehr der große soziale Gedanke der Nachkriegszeit ist, der in seiner praktischen Auswirkung die außerordentliche Erhöhung aller Lasten für diejenigen Teile des Personals beansprucht, deren Lebensminimum in der herrschenden Teuerung immer weiter nach oben gedrückt wurde, deren Arbeit durch keine Aussicht auf eine glänzende Zukunft, durch keinen Applaus, durch keine Befriedigung an der subjektiven künstlerischen Leistung abgegolten werden konnte. Daher die große Zunahme der Kosten für Orchester, Chor und technisches Personal. Im Vergleich dazu sind die Ausgaben für das Solopersonal in Oper und Schauspiel zurückgegangen. Legt man die Jahre 1913 und 1929 zu Grunde, jo betrugen die Ausgaben für Orchester usw. 37 bzw. 46 Prozent der Gesamtausgaben in Mannheim, während in Darmstadt für die gleichen Posten 35 bzw. 44 Prozent eingesetzt werden müssen. Der produktivste Teil des Hauses, die Solodarsteller in Oper und Schauspiel, nehmen an den Gesamtausgaben im gleichen Zeitraum mit 34 bzw. 23 Prozent in Mannheim und 30 bzw. 21 Prozent in Darmstadt teil. Für das unerhört wichtige Werbemittel der dekorativen Gestaltung werden in Darmstadt 3 Prozent der Gesamtausgaben ausgegeben, in Mannheim 51 Prozent (wobei noch Garderobe) Bibliothek und Instrumente mit» gerechnet sind). Das widerlegt am besten das Märchen von der Verschleuderung öffentlicher Gelder auf diesem Gebiete. Aber damit sind die Ausgabenposten nicht erschöpft. Die Aufwendungen für Versicherungen, Pensions- und Krankenkassen usw. betragen heute in Darmstadt 13 Prozent der Gesamtausgabe gegenüber 2 Prozent im Jahre 1913/14. In Mannheim hat man 1889 für diesen Posten insgesamt 139 Mark bezahlt! Diese Zahlen sollen nur ganz kurz die Zwangsläufigkeit der Entwicklung zeigen, der sich kein öffentlich-rechtlicher Betrieb entziehen kann. Es dürfte vielleicht notwendig sein, einmal offen auszusprechen, daß der unbedingte Wille zur Sparsamkeit, den der verantwortungsbewußte Leiter als Verwalter öffentlicher Gelder haben muß, heute in einem erheblichen Teil zerrieben wird durch die zwangsläufige Entwicklung aller mit sozialen Belangen verbundenen Ausgaben, durch ein oft feststellbares Unverständnis gerade jener dadurch geförderten Gruppen, die das Matz ihrer Forderungen nicht einzuhalten wissen, und durch die Angriffe der öfsentlichen Meinung, die geeignet sind, das Publikum dem Theater y ste- matisch zu entfremden; diese Angrisfe richten sich gegen den im toptelplan erscheinenden „Reißer", der die Kasse füllt, ebenso vehement w>e gegen die Erfüllung der unpopulären Pflicht des Theaters gegenüber der werdenden Begabung und gegen die künstlerischen Wagnisse, die dem Kulturthcater seinen Namen und seine Bestimmung geben. Den erhöhten Ausgaben des Theaters stehen nicht im entfernten Maße die erhöhten Einnahmen gegenüber. Zwar ist die Zahl der Tyeatcr- besucher gewachsen, aber durch die Umschichtung des Publikums besteht finanziell ein großer Unterschied. Das Theater muß heute seine Wirkung auf die breitesten Massen ausdehnen, und diese, die in den großen Volts- bünden organisiert sind, sollen Teilhaber eines allgemeinen Kulturgutes werden. Das mächtige Aufblühen dieser Organisationen, ihre Verankerung in der Gesamtheit des Volkes ist eine der großen ideellen Sicherungen des Theaters für seine Existenz, aber gleichzeitig eine soziale Leistung des Theaters, die sich nicht selbst trägt, sondern durch «ine erhöhte Heranziehung des Steuerzahlers ausgeglichen werden muß. Diese Entwicklung der Dinge ist eine gegebene Tatsache, mit der gerechnet werden muß. Sie läßt nur die Erkenntnis zu, daß das Opfer unvermeidbar ist, wenn man nicht allen Gewinn sozialer, humaner und künstlerischer Erkenntnis, die uns die neue Zeit gebracht hat, aufgeben will Das Opfer erscheint Zwar als untragbar groß, aber es kann in einer Oett höchsten materiellen und politischen Verlustes niemals zu groß sein, uw eines der wenigen Güter zu erhalten, die als der letzte und wertvollste Besitzstand unserer Nation zu gelten haben. Das ist eine Erkenntnis d,e sich die Parteien, die politischen Führer und die Ehrerin der osfentlichen Meinung, die Presse, zu eigen machen mußten. Diese Erkenntnis schließt die Forderung in sich nach geistigem Leben, nicht imr nach einem beliebigen Theater, sondern nach dem Theater, das die Bewegungen der Zeit spiegelt, das ernsthaft und entschlossen ist, das keinMuseum -sondern «ne Plattform für alle Auseinandersetzungen des heutigen Geistes sein will das das ungeheure Opfer der Gegenwart nur dadurch lohnt, daß es in jeder Faser, in jeder seiner Aeußerungen gegenwärtig i|t Unsere tiefste Erkenntnis.kann nur die sein: fern Theater der Vergangenheit hätte in solcher Zeit ein solches Opfer verdient, nicht das Theater des höfischen Prunkes oder der gesellschaftlichen Konvention und Sattheit, auch nicht jenes Theater eines überheblichen Bildungsphilisteriums, das den Klassiker unter den Glassturz in die «itnne setzt, die explodierenden Gestalten Shakespeares, Schillers und Aeschylos antckisch odcrbarock- haft entgiftete und mumifizierte, nur letzt und gerade letzt hat es einen Ginn, das Theater selbst mit größten Opfern zu crt’üI(te"',n emem Augenblick. wo es stärker als je zuvor die Forderung seiner beiden groß.n Meister erfüllt, „Spiegel des Zeitalters -nb ;:™oraW** tiefsten Sinne zu fein. Aber gerade diese „moralische Anstalt ist e be so viele Moralisten nicht vertragen können, unb ^eser „SpiegA ber Zeck wirft fn arelle Silber zurück, daß wir es zu verstehen versuchen muffen, wenn vie?e nicht aus bösem Willen, sondern aus Erschrecken zu Gegnern sollen sie alle schweigen, wenn das deutsche Theater ö^uckgedrangt werden soll in eine Wirksamkeit, die dem literarischen. Wer: em-- Schul lesebuches entspricht? Ich bin optimistisch genug, künstlerisch interessierte Oeffentlichkeit ein solches Geschehen Zulassen wird. Fanthippe. Don Lise Baumann. Alle Rechte im Rowohlt Verlag, Berlin W 50. Xanthippe, du Vielgeschmähte, seit zweieinhalb Jahrtausenden lebst tu in der Geschichte, unb nur ganz vereinzelt ist gelegentlich einmal ein Ritter für dich arif dem Kampfplatz erschienen. Wo aber sind die grauen, die sich ihrer unverstandenen Schwester angenommen und den undankbaren Versuch dieser Mohrenwäsche unternommen hätten? Nomen est omen. Sein Name war dein Unglück. Wenn er nicht existierte — man mühte ihn geradezu erfinden. Was kann aufreizender unb tneifenber klingen, als dieser unvermittelt-scharfe Vorstoß der Zunge gegen die Zähne: Ksss—anthippe! Und den Rest gab dir die Klangverwandtschaft mit der „Zank"-thippe, zu der du armes Opfer deines Namens unb beines berühmten Mannes im Volksmunbe würbest. Zeitgenossen unb Nachwelt faßten bie Situation in dem Stichwort zusammen: Armer Sokrates! Es ist aber endlich an der Zeit, mit dem Rus: Arme Xanthippe! auf die Seite der Geächteten zu treten. Wie sah dies Frauenschicksal in Wirklichkeit aus? lieber Xanthippes äußere Reize herrscht beredtes Schweigen. Gegen eine schöne ,^Zänkerin" hätte sich das Männergeschlecht erfahrungsgemäß nicht so einstimmig entschieden. Gerüchte über eine gewisse Sittenfreiheit, die sie vor und wahrend ihrer Ehe geübt haben soll, sind eben als Gerüchte zu werten, denn die Dankbarkeit hätte bas Urteil der Männer wohl zu ihren Gunsten beinsluht. Xanthippe war reizlos, und das war ihr Verbrechen! Aber sie war jung, als sie den sehr viel älteren Sokrates heiratete, jung und — temperamentvoll. Sie wird ihn geheiratet haben, um sich in die Obhut eines Ehemannes zu begeben, so wie vermutlich alle ihre geistig gleich armseligen Gefährtinnen. Von seiner Bedeutung hatte sie, die durchschnittlich ungebildete Griechin, keinen Schimmer. Sokrates war alt, unelegant und von abstoßender Häßlichkeit. Zu jeder Jahreszeit trug er den gleichen, groben Mantel unb ging barfüßig einher. Ob sie jemals seine saunische Häßlichkeit überwunden hat, kündet keine Kunde, wie man sich ja überhaupt mit der Psyche der Frau, wenn es nicht gerade eine Hetärenpsyche war, nicht viel desaßte. Sokrates selbst, dem nach griechischem Sprachgebrauch Schönheit und Zweckmäßigkeit gleichbedeutend war, rechtfertigte seine wulstigen Lippen mit ihren desto weicheren Küssen. Es sei aber daran erinnert, daß er zwar seine ehelichen Pflichten gegen Xanthippe übte, fein außereheliches Vergnügen jedoch bei Aspasia — und nicht nur bei ihr — suchte. Daß er bei Perikies' geistreicher Freundin mehr Interesse für seine verstandesmäßige Natur fand, beweist durchaus nichts gegen Xanthippe. Es war für die grande amoureuse gewiß reiz- voll auch einen gedankenschweren Sil en in ihrer Kollektion zu haben. Sie konnte es sich leisten, für jeden Bereich ihres Wesenskomplexes Befriedigung zu suchen, während Xanthippes gesamte Frauen- und Menschensehnsucht durch Sokrates saturiert werden sollte. Zugegeben, daß sie gar nicht befähigt war, dem sokratischen Fluge zu folgen, so fiel es für ihre beschränkten Kräfte doppelt ins Gewicht, daß sie durch stündlichen Verdruß und tägliche Miseren absorbiert wurden. In welchen Aengsten mag sie nach dem Gastmahl des Platon ihren Eheherrn erwartet haben, der bas Nachhausekommen einmal wieder so gründlich vergessen Halle, daß er sich erst am Abend des nächsten Tages wieder bei ihr einfanb. Daß Sokrates weder ein Amt noch ein Gewerbe ausübte und es verschmähte, seine verschiedenartige Begabung zum Gelderwerb zu benutzen, brauchte Aspasia nicht zu beunruhigen. Sie kannte keine Not, wahrend Xanthippe und ihre Kinder darbten. Wenn Sokrates die zweckmäßige Schönheit seiner vorstehenden Augen preist, die es ihm ermöglichen, nicht nur geradeaus, sondern auch seitwärts zu blicken, so wäre es immerhin denkbar, daß sein junges Weib gern auf diese Seitenblicke zugunsten eines einzigen zärtlichen, gütigen ober auch nur verstehenden Auges verzichtet hätte. Daß seine eingebogene Nasenwurzel es ihm erlaubte, mit einem Auge in bas andere zu sehen, wie er in humoristischer Selbsterkenntnis berichtete, verführte ihn offenbar dazu, einen zu uneingefchrank- ten Gebrauch von dieser Sehergabe in sich selbst auf Kosten feiner uonuhe zu machen, fo daß er sie in „tausendfältiger" Armut schmachten ließ. Er selbst, der Brave, litt wett weniger unter dem Mangel, weil er Hunger unb Durst bet ben Gastereien seiner reichen Freunbe stillte und dabei wiederum fo intensiv mit Weisheitspenden beschäftigt war, daß er es vergaß, auch nur das kleinste Stückchen Kuchen oder einen Becher Weins, bem er so gern unb reichlich zusprach, seiner hungernden Familie nach Haus zu bringen. . . , .. Wen es wahr ist, bah bie Eheleute nur em gemeinsames Dbertlcib besaßen, so lag bie Entbehrung roieber allein als einzige Hülle auf ben Schultern ber armen Xanthippe, währenb ihr Mann sich — unbekümmert um ben ihr aufgezwungenen Hausarrest — auf Straßen und Platzen tn Psychoanalyse versuchte unb mit jebem vorübergehenden Schuster und Schneider philosophisches Seminar abhielll Naturgemäß fürchtete ihr kleinerer Geist die Lächerlichkeit, bie fern überlegener verachtete, wenn er als alter, mit Hängebauch begabter Mann in müllender Vorahnung, Tanzübungen anstellte, um sich beweglich zu erhalten, Musikstunden wie ein Knabe nahm und unentwegt von seiner inneren Stimme sprach, wie die Jungfrau von Orleans. Datz sie barin feinen Daimon nicht erkannte, ist ihr fo wenig zum Vorwurf zu machen, wie Wagners erster Frau, baß sie besten geradezu umsturzlen che musikalifche Kraft nicht zu erkennen vermochte. Es ist eben — auch abgesehen von dem Reichtum der geistigen Veranlagung — doch unendlich viel leichter, als Aspasia unb Mathilde Wesendonck durchs Leben zu gehen, denn als Xanthippe und Minna Wagner. . Wie ist denn überhaupt das auf uns gekommene Charakterbild der Xanthippe entstanden? Hat Sokrates die üble Meinung über sie nicht geradezu der Mit- und Nachwelt suggeriert? Er, der tn Ijaarfpaltenber Dialektik das Innerste aus den Menschen herausfragte, der geborene Psychoanalytiker, hat zweifellos einen ungeheuren suggestiven Einfluß auf die Urteilskraft feiner Mitbürger ausgeubt. Anderseits hchsie diese suggestive Krast es ihm wohl unschwer ermöglicht, aus der zänkischen eine liebende Gattin zu formen —, wenn er gewollt hätte. Der sympathische Herr gibt jedoch mit zynischer Offenheit zu, sie als Objekt zur Geduldübung zu seiner Frau gemacht zu haben, „weil ein guter Bereiter sich nicht mit frommen, sondern mit feurigen Pferden versehe". Sokrates, warum nahmst du nicht lieber gleich ein wildes Pferd statt einer Frau? Und nun zu seiner Todesstunde. Kein Wort des Trostes, der Lieb« oder des Dankes, als die noch junge Gesährtin, mit dem Kind im Arm, im Gefängnis vor seinem Bett steht. Daß er — der mehr als Siebzigjährig« — mit Gleichmut seinem Tode entgegensieht, ist am Ende kein Beweis überragenden Heldentums. Ein weit höheres, wenn auch stilles manifestiert sich im Verhalten dieser geistig Armen, die, mit keiner Silbe ihres eigenen tragischen Geschicks erwähnend, einzig und allein der El»- sttllung des weisen Egoisten Rechnung tragend, wehklagt: „O Sokrates, das ist das letztemal, daß dich deine Freunde sprechen und daß du sie sprichst." Auch in diesem Augenblick empfindet er ihre Anwesenheit nur als lästige Unterbrechung seines unermüdlichen Frage- und Antwortspiels und — statt jeder Antwort — bittet er Kriton, sie nach Hause zu fuhren. Das ist des großen Sokrates Abschied von Weib und Kindl Und nun frage ich euch alle, ihr Vertreterinnen sanfter Weiblichkeit, Thekla und Margarete, Klärchen und auch dich, hold lispelndes Heilbronner Kätchen — Hand aufs Herz: wenn euch das Schicksal statt zur Liebsten eines Max, Faust, Egmont oder Grafen von Strahl zur Frau Sokrates gemacht hätte, wäre nicht selbst eine jede von euch „nur liebetönenden" Gestalten als Frau Xanthippe auf die Nachwelt gekommen? Oberfränkische Städte. Von Dr. Carl Walbrach. Im Tal des Roten Mains, der zwischen Fichtelgebirge und Fränkischen Jura nach Norden flieht, um sich in der Nähe von Kulmbach mit dem am Ochsenkopf entspringenden Weißen Main zu vereinigen, ist die Richard- Wagner-Stadt Bayreuth gelagert. Die Stadt wird zuerst 1194 urkundlich erwähnt; zur Zeit des prachtliebenden Markgrafen Friedrich (gestorben 1763) erreichte sie ihre höchste Blüte. Ihre Geschichte ist eng verknüpft mit der der Markgrafen aus dem Haufe Brandenburg. Befonders den Markgrafen Christian (gestorben 1655), Georg Wilhelm (gestorben 1726) und namentlich dem erwähnten Friedrich, dem Gemahl der geistreichen Schwester Friedrichs des Großen, Wilhelmine, verdankt die Stadt ihre Ausgestaltung. Als mit Christian (gestorben 1769) die Bayreuther Linie des markgräflichen Hauses ausstarb, fiel das Land an die Ansbacher Linie. 1791 trat Markgraf Alexander Regierung und Land gegen em Jahrgehalt an Preußen ab. In den schweren Jahren 1806 bis 1810 unterstand es französischer Verwaltung, dis es am 30. Juni 1810 an das Königreich Bayern kam. Erst in neuerer Zeit ist durch Wagners Festspiele ihr Name in allen Ländern bekannt geworden. Auf die schönen und reichen Baudenkmaler kann nur mit einigen Stichworten eingegangen werden. Die ältesten Teile der Stadtkirche entstammen dem 13. und 14. Jahrhundert, die Hauptbauzeit war um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Der schöne Hochaltar ist 1615 errichtet. Weiter sind an Gotteshäusern zu erwähnen: die Schloßkirche, die Spitalkirche und die Kapit«lskirche des späteren Roten-Adler- Ordens Das alte Schloß ist im 15., das neue um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet; «s enthält heute Museen. Auf dem Schloßplatz steht das Reiterbild des Markgrafen Christian Ernst, eines berühmten Führers im Türkenkrieg 1683. Das Opernhaus wurde 1748 errichtet; seine Buhne ist noch heute eine der größten in Deutschland; es ist deshalb von Bedeutung, weil sehr wenig« Theater aus dem 18. Jahrhundert erhalten sind. Von älteren Bürgerhäusern steht noch mancher schöne Bau, wie z. B. die Hofapotheke und das Palais Reitzenstein. Von den Markgräflichen Schlossern der Umgegend ist neben Fantaisie vor allem Eremitage zu erwähnen, wo die Markgräfin Wilhelmine ihre bekannten Memoiren schrieb. „Für bestimmte Seiten der Kultur des 18. Jahrhunderts eine Illustration von kostbarer Unmittelbarkeit; weniges dergleichen hat sich so gut erhalten", sagt Dehio darüber. Besonders beachtenswert ist neben dem eigentlichen Zellen-Bau, wohin sich die Herren und Damen als „Eremiten" zurückzogen, der Sonnentempel mit den Seitenflügeln. Aus dem kulturellen Leben der Stadt verdient erwähnt zu werden, daß schon vor 1430 eine Lateinschule bestand und 1742 die heutige Universität Erlangen in Bayreuth errichtet wurde. In neuerer Zett beherrschte die Musik das geistige Leben. In Bayreuth hat Wagner seine unsterblichen Werke geschaffen —den Grundstein zu seinem Festspielhaus legte er 1872 — und Franz Liszt. Aber auch andere Große im Reich des Geistes haben hier gewirkt und ihre letzt« Ruhestätte gefunden: Jean Paul und Houston Stuart Chamberlain. Bis 1603 war nicht Bayreuth die Landeshauptstadt sondern Kulmbach, wo die Markgrafen auf ihrem festen Schloß, der Plassenburg, saßen. Kulmbach, heute eine Industriestadt, die von schönen Billen umgeben ist, erinnert durch verschiedene Gebäude aus vergangenen Tagen noch an seine Zeit als Regierungssitz; auch ist noch ein Teil der Stadtbefestigung erhalten. Hoch über der Stadt ragt die Plassenburg, die alte Hohenzollernfeste, empor, die man als hervorragendes deutsches Baudenkmal bezeichnen darf. Die erste, 1554 vollständig zerstörte Anlage stammte aus dem 13. Jahrhundert. Die Burg wurde von 1559 ab in ihrer heutigen Gestalt neu errichtet; Caspar Vischer, der Erbauer des Heidelberger Schlosses, hat besonderen Anteil daran gehabt. 1806 mußten die berühmten Festungswerke auf Napoleons Befehl geschleift werden. Glücklicherweise blieb der „Schöne Hof", der kunstgeschichttich bedeutsamste und größte Turnierhof unverletzt. „Eines der reichsten Dekorationsstücke der ganzen deutschen Renaissance sind die Hosfassaden. Ihre großartige Wirkung beruht auf dem Kontrast des ganz schlicht, ja formlos gehaltenen Erdgeschosses und der zwei in breite Pfellerarkaden aufgelösten, an den Flächen über und über mit Flachreliefornamenten bedeckten Obergeschosse; nur der Rordstügel ist abweichend gestattet, der ehemals den Rittersaal enthielt; die Ecktürme mit den Treppen bilden wieder einfache Massen." Während der Charakter der Städte Bayreuth und Kulmbach in ihrer geschichtlichen Vergangenheit in der Hauptsache von den Hohenzollernschen Markgrafen bestimmt wurde, treffen wir mainabwärts in Bamberg andere Landesherren: die Bischöfe, die hier seit 1007 ihren Sitz hoben. Die Gründung des Bistums Bamberg duxch Kaiser Heinrich II., der samt seiner Gemahlin heilig gesprochen wurde — übrigens neben Karl dem Großen der einzige deutsche Herrscher, der zu den Heiligen der katholischen Kirche gehört — erfolgte vor allem aus politischen Gründen, dann auch aus persönlichen Neigungen des Kaisers. Das erhellt zunächst daraus, daß des Kaisers Vater schon 973 im Besitz der Babenburg (später Bamberg) war, während die Markgrafen von Babenburg ihre Herrschaft auf die immer weiter nach Osten vorgeschobenen Grenzburgen stützten. Dieses Geschlecht hat dadurch Beziehungen zu der Gegend an der Lahn, daß es mit den bei Weilburg und Wetzlar begüterten Konradinern, deren einer den Gleiberg bei Gießen erbaut hat, um die Herzogswürde in Franken gekämpft haben, aber 906 unterlegen waren. Auf den Erfolgen des 1003 gegen den aufständigen Markgrafen Heinrich von Babenberg geführten Krieges beruhte eigentlich die Macht des Kaisers im Gebiet des neuen Bistums, das durch Stiftungen reich ausgestattet wurde. Es war eine Gegengründung gegen Würzburg, dessen Rolle auf der Ostseite des Steigerwaldes damit ausgespielt war. Soviel zur Geschichte des Bistums. Die Stadt Bamberg, die schon im Jahr« 973 zum erstenmal in der Geschichte vorkommt, liegt im fruchtbaren Tal der in mehrere Arme geteilten Regnitz. Sie ist auf drei Seiten von mit Kirchen bekrönten Höhen umgeben. Durch die teilweise Bebauung dieser Höhen bekommt die Stadt ein besonders malerisches Aussehen; daneben mag der Hain, eine ausgedehnte Parkanlage am Ufer der Regnitz, erwähnt werden. Im Zentrum des Interesses steht natürlich die Altstadt, während der neuere Stabteil mit seinen Industrieanlagen sich nach Osten ausdehnt. Das hervorragendste Bauwerk Bambergs ist der Dom. Der erste Bau ist 1004 begonnen, aber noch im selben Jahrhundert durch Brand zerstört worden. In seiner heutigen Gestalt stammt der Dom aus dem 13. Jahrhundert auf den Grundmauern eines Baus aus dem 11. Jahrhundert. Es ist ein kreuzförmiger Bau mit Oft- und Westchor und Quer- schiff im Westen. Entstanden zu der Zeit, da die Gotik von Frankreich her bei uns eindrang, weist er drei Stile auf: der Ostchor und das Langhaus find spatromanisch, das Innere des letzteren frühgotisch (burgundisch) und der Westbau frühgotisch (französisch). Die Westtürme sind wahrscheinlich um 1240 errichtet. Die innere Länge des Gotteshauses beträgt 95, die Breite 28,50 und die Höhe 25,50 Meter. Auf Einzelheiten kunst- geschichtlicher Art kann hier nicht eingegangen werden; ober dies und jenes muß doch wenigstens erwähnt werden. So z. B. der bekannte „Reiter", der angeblich Kaiser Konrad HL darstellen soll, und das Monument des kaiserlichen Stifterpaares Heinrich und Kunigunde, das der berühmte Tilman Riemenschneider um 1500 herstellte. Unweit des Domes findet sich die Alte Hofhaltung mit ihren malerischen Fachwerkhäusern. Die Fassade des prächtigen Einfahrtstores „ist durch die künstlerische Feinheit der asymmetrischen Gruppenbildung eine der allerglücklichsten und bezeichnendsten Schöpfungen der deutschen Renaissance". Der Baumeister ist unbekannt; vielleicht war es Caspar Vischer. — Die gegenüberliegende neue Residenz ist von dem Bischof Lothar Franz von Schönborn 1695 begonnen worden. Es ist ein einförmiger, nüchterner Bau. — Den ganzen übrigen Raum des Domberges nahmen die Einzelwohnhäuser der Domherren ein, die durch ihr« mit Galerien umgebenen Höfe und Gartenterrassen überaus anziehend sind. — Unter den vielen übrigen Kirchen der Stadt verdient die Liebfrauenkirche Erwähnung, der einzige gotische Bau von Bedeutung. In der zweiten Hälste des 14. Jahrhunderts als flachgedeckte gotische Basilika errichtet, wurde das Langhaus 1782 umgebaut. Das Innere ist durch moderne Restauration ohne kunstgeschichtliches Interesse geworden. — Auf der Höhe des Michaelsberges nordöstlich vom Domplatz schaut die Abtei von St. Michael wett hinaus ins Land. Das Regnitztal mit seinen Gärten und Feldern breitet sich aus, während man die alten Bauwerke und Straßen der Stadt zu seinen Füßen sieht. Die Abtei ist ein ehemaliges Benediktinerkloster, dessen erste Bauzeit in die Jahre 1009 bis 1021 fällt. Die Kirche, die auf der Stelle einer romanischen Basilika errichtet ist, hat eine innere Gesamtlänge von mehr als 70 Meter. Sie ist dem Schema der Klosterkirche von Hirsau im Schwarzwald nachgebildet. Auch hier sind verschiedene Stilarten festzustellen: romanisch, gotisch, Rokoko. Das Turm- paar ist gotisch, die vorgeblendete Fassade stammt aus der Barockzeit. Die moderne Restauration des Inneren hat den Gesamteindruck stark beeinträchtigt. Mehrere Epitaphe von Bischöfen sind aus dem Dom hierher versetzt worden. Die Klostergebäude, deren Hauptteil um 1700 errichtet wurde, sind ganz schmucklos, aber doch durch ihre ungeheure Mass« wirkungsvoll. Unter den Profanbauten Bambergs zieht das auf der Regnitzinsel in der Mitte des 18. Jahrhunderts aus einem gotischen Brückenturm umgebaute Neu« Rathaus die Aufmerksamkeit auf sich. Der Bau mit seiner Fassadenmalerei, den Altanen und Stückverzierungen wird von Dehio „überaus glücklich" genannt, „originell in der künstlerischen Ausnützung der Oertlichkeit, ein malerisches Architekturbild ersten Ranges". Die ältesten Privathäuser stammen aus der zweiten Hälft« des 17. Jahrhunderts, der Zeit lebhafter Bautätigkeit mit einem Zug ins Ueppige. Biele berühmte Besucher der Bischofsstadt haben begeisterte Worte für die Schönheit Bambergs gefunden. Den einen zog dis Landschaft mehr an, wie Herder, der 1.788 an feine Frau schrieb: „Es ist die schönste Gegend von der Welt"; dem anderen machte das Stadtbild den größeren Eindruck, wenn er, wie etwa Alfred L i ch t w a r k, sich von dem „Domplatz im Mondschein" gar nicht trennen konnte, weil er die „überwältigende Harmonie" der so verschiedenen Baustile empfand. Diese Eigenschaft ist es, die Bamberg so anziehend macht: die Verbindung einer schönen Landschaft mit einem schönen Stadtbild, dem Jahrhunderte den Stempel ihrer Kultur aufgedrückt haben. Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Brühl'sche UniversitätS-Duch. und Steinbruderei. X Lange, Dieben.