Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Jahrgang Montag, den 2. März Nummer (8 Gesang der Bäume. Von Irmgard vonFaberduFaur. Soweit ich greife, ist die Welt lebendig und ist von einer tiefen Glut durchbebt, soweit ich immer wachse, weil inwendig der Stern des Lebens auf und nieder schwebt. Er mag nicht durch die harte Rinde schimmern, er waltet im Verborgnen treu und klar — doch, wie auf einmal tausend Sterne flimmern, wird auch zuletzt mein Wesen offenbar. Die abertausend Knospen werden springen, ich werde sein wie eine runde Welt, durch die die Wogen eines Willens schwingen, die brausend wird und nichts zurückbehält. Wenn Duft und Blüten traumhaft euch umhüllen, werd ich erschauernd vor mir selber stehn: Mag solche Gnade sich an mir erfüllen, mag solches Wunder denn durch mich gescheh». Und abermals werd' ich verstoßen scheinen — die Blüten fallen, und die Frucht ist fern — doch, wollten wir den neuen Mond beweinen — er schwillt heran und wird zum schönsten Stern. Die gleiche Himmelskraft und Wundergüte wird auch an mir sich zeigen, ewig treu: Die Frucht schmückt mich so herrlich wie die Blüte, ich steh erschauernd ewig jung und neu. Soweit ich greife, ist die Welt lebendig und ist von einer tiefen Glut durchbebt, solange nur im Innern, treu beständig, der Stern des Lebens auf und nieder schwebt. Oer verschwundene Brillant. Von H. G. Wells. „Wir haben eben über Preise gesprochen, die für Vögel erzielt werden können; nun, ich war einmal dabei, als für einen Strauß dreihundert Pfund bezahlt wurden", sagte der Tierpräparator, der seiner unsteten Jugendzeit gedachte. Er sah mich über seine Brillengläser an. „Und ich habe gesehen, wie man einen andern nicht für vierhundert Pfund hergab! Nein, es waren ganz gewöhnliche Strauße und ich möchte sagen, daß sie nicht besonders aussahen wegen der Lebensweise, dze sie bei uns an Bord aushalten mußten. Es war auch nicht weiter schwierig, sich welche zu verschaffen. Nur muß ich Ihnen sagen, daß einer von den fünf Straußen einen Brillanten verschluckt hatte. Dieser Brillant gehörte dem erhabenen Mohini Padischah, einem in London und in seinem Heimatlande durch seine Eleganz bekannten Manne, dessen häßlicher Mulattenschädel von einem riesigen Turban geschmückt wurde, der seinerseits mit besagtem Brillanten verziert war. Der heimtückische Vogel, vermutlich angelockt durch den Glanz des Steines, hatte danach gehackt und ihn sofort verschlungen; als er dann sah, daß der Hindu sich wie ein Toller gebärdete, begriff er sicherlich, daß er etwas angestellt hacke, und lief schnell zu seinen Gefährten zurück und mischte sich unter sie, um nicht herauserkannt zu werden. All das hatte sich in kürzerer Zeit abgespielt, als man braucht, es zu erzählen. Ich lief als einer der ersten beim Geschrei des Opfers hinzu und kam gerade recht, um zu hören, wie dieser Heide seine sämtlichen Götter verfluchte angesichts von zwei Matrosen und dem Straußenwärter, die alle drei wie verrückt lachten. Schließlich ist es eine merkwürdige Art, ein Schmuckstück zu verlieren. Da der Wärter im Augenblick des Diebstahls nicht zugegen gewesen war, wußte er nicht, welcher Vogel ihn begangen hatte. Infolgedessen war der Brillant tatsächlich verloren. Um die Wahrheit zu sagen, regte es mich nicht Übermäßig auf, denn dieser Hindu schwatzte uns schon zu lange die Ohren voll mit seinem Brillanten. — Auf einem Schiff verbreitet sich eine solche Geschichte wie ein Lauffeuer. Eine Viertelstunde war von nichts anderem die Rede. Padischah vergrub sich mit seiner schlechten Laune zutiefst in seiner Kabine. Beim Dmer schmollte er an einem kleinen Tisch in Gesellschaft von zwei anderen Hindus; der Kapitän neckte ihn etwas, und Padischah nahm es ihm gewaltig übel. Dann, sich zu mir wendend, vertraute er mir im Flüsterton an, daß er die Vögel nicht kaufen, aber seinen Brillanten wieder haben wolle. Er verlangte als britischer Staatsangehöriger behandelt zu werden, wie es ihm zustand. Sein Brillant mußte, koste es was es wolle, wiedergefunden werden; das war etwas, wovon er niemals abgehen würde. Im Notfall würde er sich an das Oberhaus wenden. Indessen gehörte der Strauhenwürter zu den beschränkten Menschen, bei denen es unmöglich ist, ihnen einen neuen Gedanken einzuhämmern. Er weigerte sich hartnäckig, den Vögeln ein Abführmittel zu geben, wie ihm von allen Seiten geraten wurde. Er hatte Auftrag, sie auf eine bestimmte Art zu ernähren, und er würde seine Stelle verlieren, wenn er sie nicht auf diese bestimmte Art ernährte. Dieser Padischah war, wie die meisten Bengalis, ein richtiger Krakehler und sprach von nichts geringerem, als die Vögel mit Beschlag zu belegen und einen Prozeß an» fangen zu wollen. Aber ein alter Herr, der einen Anwaltssohn in London haben mußte, erklärte, was von einem Vogel verschluckt wäre, würde ganz von selbst ergänzender Bestandteil dieses Vogels, und der einzige Aus- weg für Padischah wäre, Schadenersatz zu verlangen; aber der Gegner könnte noch den Einwand der Fahrlässigkeit erheben. Er könne keinerlei Recht einem Strauß gegenüber in Anspruch nehmen, der ihm nicht gehöre. Diese Behauptungen verstörten Padischah um so mehr, weil die meisten von uns diese Ansicht als richtig bezeichenten. Kein Mann des Gesetzes war an Bord, um das Problem zu lösen, so daß jeder behauptete, sich am besten darauf zu verstehen. Schließlich, als wir schon hinter Aden waren, schien er sich der allgemeinen Meinung anzuschließen, und indem er den Straußenwärter beiseite nahm, schlug er vor, er wolle ihm seine fünf Tiere abkaufen. Das gab am nächsten Morgen beim Frühstück eine nette Auseinandersetzung. Der Wärter erklärte, er könne nicht über die ihm anoertrauten Vögel verfügen, und nichts brachte ihn dazu, sie zu verkaufen; aber wie es scheint, erzählte er Padischah, daß ein Eurasier, ein gewisser Potter, sie ,hm schon hätte abkaufen wollen; Padischah beeilte sich, uns mitzuteilen, was er von diesem Potter dachte. Ich glaube indessen, die meisten von uns waren der Ansicht, Potter hätte großen Scharfblick bewiesen, und ich erinnere mich — als ich erfuhr, besagter Potter hätte während unseres Aufenthalts in Aden wegen des Vogelkaufs nach London telegraphiert — daß ich mich Dummkopf titulierte, weil ich eine so schöne Gelegenheit nicht wahrgenommen hatte. In Suez meinte Padischah richtige Tränen, als er erfuhr, Potter sei Besitzer der Strauße geworden, und bot ihm umgehend für die fünf zweihundertfünfzig Pfund, was zweihundert Prozent des Betrages vorftellte, die Potter für sie bezahlt haste. Potter entgegnete, er würde für keinen Preis auch nur eine einzige Feder abgeben, und er beabsichtigte, sie nacheinander umzubringen, bis er den Brillanten gesunden hätte; später zeigte er sich zugänglicher. Dieser Potter war ein wilder Spieler und hatte eine besondere Art mit den Karten umzugehen; ich glaube infolgedessen, daß er in dieser Angelegenheit nur das Mittel zu einem großen Schlag sah. Sicher ist, daß er wie zum Scherz vorschlug, die Vögeln einzeln zu versteigern, jeden an einen anderen Käufer, zu einem Erstgebot von achtzig Pfund pro Tier, wobei er für sich das Recht beanspruchte, einen zurückzubehalten, um selbst sein Glück zu versuchen. Ich muh Ihnen sagen, daß der Brillant, von dem ich Ihnen erzähle, sehr großen Wert hatte (ein kleiner Edelsteinhändler, der mit uns reifte, hatte ihn auf drei- bis viertausend Pfund geschätzt), und der Gedanke, um die Strauße zu spielen, wurde mit allgemeiner Begeisterung ausgenommen. Nun hatte ich früher öfter mit dem Straußenwärter gesprochen und im Laufe der Unterhaltung hatte er mir anvertraut, einer der Vögel wäre krank und müsse einen verdorbenen Magen haben. Besagtes Tier hatte am Schwanz eine fast weihe Feder, wodurch ich es leicht erkennen konnte, und als am nächsten Morgen der Verkauf mit ihm begann, beeilte ich mich, Padischahs Erstangebot von fünsundachtzig Psund mit neunzig Pfund zu übersteigern. Zweifellos sah ich etwas zu sicher aus und andererseits so besorgt, den Zuschlag auf dies Tier zu erhalten, daß viele es bemerkten und sich sagten, ich müsse einen „Tip" haben. Padischah selbst kämpfte derart erbittert, daß er vollkommen verrückt zu werden schien. Schließlich eroberte es der Brillantenhändler für den Preis von hundert- fünfundsiebzig Pfund, und gerade in dem Augenblick, als der Hammer fiel, schrie Padischah hundertachtzig Pfund — wenigstens behauptete es Potter. Auf jeden Fall gehörte es jetzt dem Händler, und als man es ihm übergeben hatte, bewaffnete er sich mit einem Gewehr und schoß es tot. Potter gebärdete sich wie ein Irrsinniger und erhob Einspruch, weil dies dem Verkauf der vier andern schaden würde, und was Padischah anlangt, so brauche ich Ihnen wohl nicht erst zu sagen, daß er sich wie ein richtiger Strohkopf benahm. Der kleine Händler beklagte sich nicht übermäßig wegen seines Mißgeschicks — er hatte keinen Brillanten in dem Strauß gesunden — aber Potter wollte den Verkauf nicht fortsetzen, bevor ausdrücklich abgemacht sei, daß künftig die Vögel ihren Käufern erst übergeben werden könnten, wenn die Versteigerung vollständig beendet wäre. Da die Diskussion sich ins Unendliche zu ziehen drohte, vertagte man die Angelegenheit bis zum nächsten Morgen. Beim Diner ging es wieder los, und ich versichere Ihnen, es herrschte ziemliche Aufregung; aber zum Schluß behielt Potter die Oberhand, da niemand ihm bestreiten konnte, daß er feine Strauße besser verkaufen würde, wenn er sie bis zuletzt zurückbehielt. Der alte Herr mit dem Anwaltssohn erklärte überdies daß er da-^ Für und Wider g*S; Äff" SS "S»S SSSSSS s? L'N beweisen, diese Versteigerung sei nichts als eine unerlaubte Lotterie. Trotzdem waren die Gebote am nächsten Morgen sehr hoch. Die Tat- hn6 r« ipbt nur noch vier Glücksm^glichkeüen statt fünfen gab, hatte naturgemäß^ eine schr ^empfindliche Hausse verursacht Die Vogel wurden durchschnittlich für zweihundertsiebenundzwanzig Pfund verkauft merkwürdigerweise erwarb Padischah nicht einen ... nicht einen einzigem ErÄte 3uviel unbfing an, nin Beschlagnahme in dem Augenblick ,u snrecben wo er hätte überbieten müssen; andererseits tat Potter nichts, um S S begünstigen. Einer der Strauße siel einem Metten klein n Dffi’ier zu ein anderer dem kleinen Kaufmann und der dritte den Maschinisten die zusammcngelcgt hatten. Als alles zu Cnbe war, be- H?te l Wes Bedauern, sie verkauft zu haben wöbe, er erklärte, er verlöre dabei genau tausend Pfund, aller Wahrscheinl chkeit würde er doch nichts in dem zurückbehaltenen finden, da er stets nur em Dummkovf aewesen sei. Indessen gestand er mir, als ich ihm belseitenahm, ob er mir Den letzten freundschaftlich abließe, er hätte lhn schon einem.an Bord befindlichen Politiker verkauft, der seine Urlaubszeit dem Studium der indischen Gebräuche und sozialen Fragen gewidmet hatte. Dieses ^ier wurde ür zweihundert Pfund verkauft. - Kurz, als wir nach Brmdisi kamen, wurden drei dieser Unglücksvögel ausgeschifft (trotz des Widerspruches des alten Herrn, der behauptete, es verstieße gegen die Zollbe- ftimmunqen) und Potter und Padischah verließen uns ebenfalls. Der Hindu schien'toll zu werden, als er seinen Brillanten sich so gewis.ermahen verflüchtigen sah. Er wiederholte allen, die es Horen wollten, daß er die Tiere mit Beschlag belegen würde, und gab jedem, der einen Bogel gekauft hatte, seinen Namen und seine Adresse an: auf die Art, meinte er, könnten sie nicht sagen, daß sie nicht wüßten, wohin sie ihm seinen Bril- ’Ä’Ä« Sta. »f d-m «». SchU« nahm i-°« einen andern Zug. Ich setzte die Fahrt bis Southampton fort, und dort sah ich beim Verlassen des Häsens den letzten Strauß; es war der, den die Maschinisten gekauft hatten, und er stand nahe bet der Lauft rucke in einer Art Korb, ein merkwürdiger und grotesker Behälter für einen Brillanten von derartigem Wert, falls er ihn wirklich in fernem Innern hatte. Das Ende der Geschichte? Aber ich habe es Ihnen soeben erzählt. Falls nicht ... vielleicht ... Doch, es gibt etwas was sie em bißchen verständlicher machen könnte. Ungefähr eine Woche naa) meiner Ankunft gehe ich durch die Regent Street, um einige Einkäufe ZU machen, und wen sehe ich. Arm in Arm und höchst vergnügt? Meinen Padischah und meinen Potter! Wenn man es sich recht überlegt, kann man nicht umhin 3U Ia^dUser'Gedanke ist mir gleich gekommen. Nur, verstehen Sie, der Brillant war wirklich echt. Und dann war Padischah ein Hindu aus großem Hause. Ich habe seinen Namen in den Zeitungen gelesen ich hab« ihn sogar häufig gesehen. Aber hatte der Strauß tatsächlich den Brillanten verschluckt? ... Das ist eine andere Frage. (Deutsch von Käthe M i n tz.) Bettine Brentano und das Jahr 1848. Von Romain Rolland. Copyright 1931 by I. L. A. Wien. Der folgende Aufsatz ist Romain Rollands neuestem Buche „Goethe et Beethoven“ entnommen, das im Herbst in den „Editions du Sablier“ (Paris) erscheint. fühlten sich geschmeichelt, aber zugleich eingeschüchtert durch die großen ^Wartungen dieser Debora, deren Stirn Goethe gesalbt hatte- ©•« mimten cs nicht allzu heftigen Einspruck) zu erheben: Das Jahr 1848 imlste heran und diese Strömungen minderten die Macht der Staatsoberhäupter. Sie sollte sich später nur um so harter auswirken. Bettine hatte in Berlin einen großen Partner: Alexander von Humboldt "Außer ihr war er der einzig überlebende der glorreichen Schar einstiger GoethegeMssen. Er stand ftr tatkräfllg bei verteidigte chr %'irhpr oeaen die Zensur, die ihnen beiden größten Abscheu UNO utei üntprftüfeie ihre Anregungen. Er übermittelte dem König ihre Br iS? Ünb fKaren btW mit ihren Bemerkungen Verein waren sie eine Mach" und König Friedrich Wilhelm IV. fürchtete ihre Meinuna Interessante noch unverösfentlichte Erinnerungen, die mir eine L Enkelinnen Betti'nens^ Frau Irene Ford es-Mosse mitgetellt hat, schildern sie als Porzia, die unermüdlich für die Opfer der sozialen Ord Unter den Bündeln von Dokumenten, deren Manuskripte im Vor;ahre versteigert wurden, notiere ich zuerst den Rechtshandel des Dichters Hasf- mann von Fallersleben, der wegen seiner „Unpolitischen Lieder U n= onöbe fiel und seine Professur verlor. Dann den Fall F. W. Schloffels, des Besitzers einer Maschinenpapiermanufaktur und (Ftfiih lebenden schlesischen Weber; er war unter der Anschuldigung kommunistischer Gesinnung und des Hochverrats ins Gefängnis gesetzt wor- deu"— BeUine machte seine Sache zu der ihren und trägt selbst Material für ein Armenbuch" zusammen. Im Jahre 1846 wird der polnische Re- Lttionär Mieroslawski, der eingekerkert und zum Tode. verurteil. i , auf ihr ungestümes Einschreiten hm begnadigt. — Im 3aljre qr der Revolutionär Kinkel zum Tode v°?urUilt. Bettine verbring Tage und Näckite damit, ihn zu verteidigen, sie schreibt Brief auf Brief an Eönio her ihr mit ber gleichen Hartnäckigkeit antwortet. Ich besitze in meiner Sammlung Entwarft zu unveröffentlichten Briefen Bett.nens voll leidenschaftlicher Glut. Man muß anerkennen, daß der König die Rügen dieses Engels des Aufruhrs mit einer Hochachtung und e'nf,rr,ß“"9mut ^^0^6, bie ,f)n ehenfn wr Ehre gereichten rote Bettine selbst. Im Jahre 184c scyriev er mit Bema auf Mieroslawski: „Sie lieben unb fordern Osfenheit und Wahrhaftigkeit Da haben Sie Beydes. Es hört Osfenheit und Wa r- hastigkeit nicht auf, Offenheit und Wahrhaftigkeit zu sein, auch wenn sie aus dem Munde eines Königs kommen. Aber Bettine geriet in (Erregung. Und ihre aufbrausenden Worte beleidigten schließlich den Hochmut des Herrschers. Ende .1847 kam es zu einem Konflikt. Gleichzeitig war Bettine m einen Streit mit dem ®er- liner Magistrat verwickelt, sie wurde der Majestätsbeleidigung angeklagt ""Ä SS"-« 6n.nbm.rtl noch ben Kops hoch, als bie demokratischen Hoffnungen vernichtet wenen. S^ie blieb freiheitsbegeistert" bis an das Ende. So groß war ihr Ansehen so leuchtend die Aureole, mit der ihr Meister Goet^ sie umgab, daß der König von Preußen und die Fürsten trotz ihres Grollens nach 1848 Rücksichten für Bettine haben und sich, 1851 dis 1852 surchie Verwirklichung ihres Goethe-Denkmals in Weimar interessieren, über b Stolze schlägt das königliche Anerbieten aus, „weil Goethe nur vom beut- (rhen Volk ein Denkmal erhalten könne". . ' Unbedingte Selbstlosigkeit. Trotz den dringlichen Einladungen des Könias aina Bettine niemals zu Hofe. Sie lebte in immer größerer 3u- kückgL-genheitz verträumt, ganz klein und fein tn ihrem nonnenhaften schwarzen Wollkleide, und verlieh ihr Zimmer fast nur mehr des Aben..s, um im pompejanischen Saal ihres Hauses die Quartette zui i)i r < denen Joachim die erste Geige spielte. Die Schatten ihrer Jugend, Beethoven und Goethe, nmren ihr Abendlicht. Dorf auf Korsika. Das leidenschaftlich bewegte Leben Beitinens ist noch lange nicht zureichend geschildert worden. Ihre Beziehung zu Goethe hat fast ausschließlich die Blicke der Forschung aus sich gelenkt. Aber jo intensiv diese Liebe auch war, so falsch wäre es zu glauben, daß bas Universum Beitinens bann beschlossen gewesen sei. In biesem Universum brennt wohl eine Flamme ber Erinnerung, ober seine Grenzen reichen weit über ben Horizont bes Lebens, ja selbst ber Gedankenwelt Goethes hinaus. Abgesehen von der literarischen Tätigkeit Beitinens, die zum Teil untersucht worden ist, wäre viel von ihren Ansichten über Musik zu sagen, ferner von ihrem weitverzweigten Briefwechsel mit den berühmtesten Persönlichkeiten ihrer Zeit, wie etwa mit Alexander von Humboldt, Jakob und Wilhelm Grimm, Schleiermacher, Emanel Arago, Moritz Saniere, Peter Cornelius, Emanuel (Seibel, Friedrich Förster usw., schließlich aber von ihrer politischen Wirksamkeit. . Diese war so auffallend unb bedeutend, daß es mir nützlich scheint, hier einige Worte Darüber zu äußern. Man wird daraus, ersehen, daß Bettine wenngleich ber alte Goethe diese Wirksamkeit vielleicht mißbilligt hätte, dem Beispiel des Prometheus seiner Jugend besser die Treue hielt als er selbst. „ Seit ben vierziger Jahren bemächtigten sich bie Jbeen sozialer Eie- recht.gkeit und politischer Freiheit Bettinens. Die Klagen des Elends, die Schreie der Unterdrückten, der Ausruhr der Völker finden in ihr weit mehr als nur ein Echo. Sie greift ein. Sie handelt. Eine glückliche Verkettung von Umständen und die von ihr erworbene Autorität gestatten es ihr sich unmittelbar an die Fürsten, an den König von Preußen zu wenden. Es behindert sie weder die Ehrfurcht vor den Hoheiten, noch die Angst zu mißfallen. Sie spricht freimütig und laut. Sic hatte sich ein Idealbild der Fürsten als Diener ber Allgemeinheit zurechtgelegt und wollte es ihnen aufnötigen. „Alles gehört dem Volk", schrieb sie an den Kronprinzen von Württemberg, „der Fürst kann darben, sick) selbst alles versagen, wenn nur das Volk vor Mangel bewahrt ist.' Die durften Von Victor Klag es. Morgens in aller Herrgottsfrühe, verläßt das Verkehrsauto Ajaccio. Es ist ein ehrwürdiger Kasten mit schütterem Verdeck, der gemächlich die Jahrzehnte an sich vorbeiziehen sah; wenn einmal unterwegs keine Panne zum Aufenthalt zwingt, triumphiert der Chauffeur unb blickt stolz um sich An der Steilküste läuft der Weg in tausend Windungen. Mal geht s rauf, mal geht's runter. Ein korsischer Wagenlenker muß das Gefühl hoben als fahre er immerzu Achterbahn. Die Reifen sind rötlicher Grämt, eine Art Ginster wuchert überall, dazwischen kleine Bestände von Euka- (npten und Olivenbäumen. Das blaue Meer, ft blau, bleibt fast immer in Sicht Biegt die Straße ins Gebirge ein, offnen sich dckMAlen die so wild aussehen, daß man meinen konnte: hinter jebetn tfelsblod (afje ein Korsar". Aber bies ist ein zivilisiertes Land, unb bie Korsaren haben keinerlei Ehrgeiz mehr, Stoss für Fortsetzungsromane zu liefern, sondern treiben friedlich ihre Esel. Meistens allerdings ziehen sie es vor, ^In^Cargese und Piana wird gerastet. Verschlafene Bergdörfer, die heute, am Sonntag, noch verschlafener sind. Die Sonne glüht em Ssel schreit irgendwo mordsmäßig; Menschen, ine nichts zu tun haben, lungern umher, begucken sich das Auto, an dem sie jebe Schraub e kennen, und stellen profunde Betrachtungen an. Zu verstehen ist kein Wort. Man hat hier bie Angewohnheit, korsisch zu sprechen, und dap Korsische ist eine undefinierbare Mischung von französischem Dialekt und Italienisch mit einigen arabischen Zutaten. Die Leute bleiben somit durchaus unter sich. Sie beantworten aber prompt jebe französisch gestellte Frage, wobei sie das r fürchterlich rollen. Es ist das einzig Fürchterliche an ihnen. ... .. n. , , Jetzt gleitet das Auto in ein Tal hinab, ganz mit Eukalypten bestanden. lieber ben kleinen Fluß, der zum nahen Meere strebt spannt sich eine aus Granitquadern geschichtete Brücke. An der Brücke steht ein Haus, auch aus Granitquadern, mit einem Schild. „Hotel du Pont” ist darauf gemalt. Hier soll Porto sein. Wo? fragt man sich. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein Hotel kein Dorf. Der junge Mann neben mir versichert, nach Porto sei es noch ein bißchen weiter. Er hat geschwindelt, aber aus Familienegoismus. Das Auto ist kaum angefahren, da stoppt es schon wieder. Ein paar Granithäuser links, darunter das „Hotel” Spinosi. Der junge Mann ist der Sohn der Wirtin. Ein braver Sohn. * So kommt man ins Hotel Spinosi. Natürlich ist es gar kein Hotel, nicht einmal ein Gasthof. Zwischen einer Laube vorn und dem, was der Franzose „Cabinet" nennt, rückseits einsam an den Berg gezimmert, liegt ein Granitkästchen mit zwei, drei Zimmern. Hier ist alles aus Granit, der den Bauleuten sozusagen vor die Füße rollt. In dem weißgetünchten Raum steht ein riesiges Bett, offenbar für eine siebenköpfige Familie gemacht. Daneben ein Tisch mit einem Näpfchen. Dank angeborener Intelligenz kommt man bald darauf, daß dieses Näpfchen zum Waschen bestimmt ist. Schräg gegenüber zur Rechten liegt ein niedriges Haus, und schräg gegenüber zur Linken liegt noch ein Haus. Das ist, abgesehen von ein paar halbverfallenen und nur teilweise bewohnten Gebäuden am Meer, der Weiler Porto. Bis zum Meer aber muß man, immer unter Eukalypten, etwa einen Kilometer weit gehen. Die Küste--nun, was kann sie schon sein? Roter Granit. Mächtig schäumt das Wasser empor. Baden ist hier unmöglich. Der Strand breitet sich jenseits eines Granitberges, auf dem die Genuesen vor 600 Jahren zu ihrem Spaß einen viereckigen Turm errichtet haben; er leidet sehr an Altersschwäche. Das Badezeug unterm Arm, sieht man sich gezwungen, zeitweise die Eigenschaften eines Maultieres zu entwickeln. Leider ist Der Paßgang eine schwierige Sache. Man springt, rutscht, biegt die Knie bis ans Kinn, und wenn der Berg überstanden ist, kommen die Klippen, und dann heißt es: über die Mündung des kleinen Flusses einen Doppelsalto schlagen — gerade so breit ist sie. Porto weiß noch nichts von internationalen Bequemlichkeiten, von Treppen und Stegen, und es wäre unrecht, deshalb zu schimpfen. * Das Meer ist grandios. Das Eukalyptental berückend schön. Von oben blicken durch bläulichen Dunst die Granitschroffen herab, die bis zu 800 Meter aufsteigen. Ueberdies sind hier so gut wie keine Fremden. Also unbedingt ein Paradies. Da verbreitet sich, unmittelbar vor dem Abendessen, das Gerücht, daß in diesem weltvergessenen Hotel Engländerinnen wohnen. Die Alte mit dem schwarzen Kopstuch, die Liebermann malen mußte, sagt was zu ihren Töchtern, und da ich Ohren mache wie ein afrikanischer Elefant auf offener Wildbahn, hör' ich aus dem Korsischen die Worte „les dames anglaises" heraus. Es werden auch drei Gedecke auf den Nebentisch unter der Laube gelegt. Nun ist es gewiß idiotisch, gegen Engländerinnen voreingenommen zu sein, aber merkwürdigerweise haben reisende Damen Dieser Nation meistens das zulässige Mittelalter überschritten, und ein Schrcckschauer, der das Rückgrat entlangrieselt, ist daher deutlich zu spüren. Ueberflüssige Angst. Die eine ist sogar jung und hübsch. Die beiden ihr zur Seite können reizend plaudern, und man ist schließlich kein Unmensch und drückt gern ein Auge zu, wenn das andere was zu sehen hat. Wir sind bald en famille, genießen den Abend und das Abendbrot. Tomatensalat mit Anchovis, gebratene Gurken, Reis mit den traurigen Ueberreften eines ehemals lebenslustigen Huhns, Weintrauben, Ziegenkäse. Dazu schwerer roter Korsenwein. Leider trinkt man ihn mit Wasser vermischt. Um nicht aufzufallen, muß man dieser Gepflogenheit nachahmen. Es ist ja nicht gerade nötig, daß man das halbe Glas mit Wasser füllt, wie es die anderen tun. An einem Draht unter dem Laubendach hängt eine Karbidlampe. In den Eukalypten oder irgendwo sonst zirpen die Grillen. Mrs. Turner meint, daß wir absolut die Staffage für „Cavalleria Rusticana" abgeben. Diese Illusion wird nachher etwas abgeschwächt. Die Wirtin stellt ein Grammophon auf den Tisch; es schmettert mit krächzender Stimme „Ramona". Battiste, der Hund, kriecht unter einen Stuhl. Er würde vermutlich auch den Schwanz einziehen, wenn er einen hätte. * Was man so den ganzen Tag hier tut? Nichts, und das auf die glücklichste Art und Weise. Da ist vor allem der Eukalyptenwald im Tal, der sich bis unmittelbar an den Strand erstreckt. Stundenlang kann man, vom süßen Geruch der Bäume leicht benommen, auf einem gefällten Stamm sitzen und wie Buddha meditieren, in dem man auf ein und denselben Punkt starrt. (Es braucht ja nicht der eigene Bauchnabel zu (ein.) Wenn die Brise aussetzt, brütet hier eine sengende Stille. Eidechsen und Ameisen sind die einzigen Lebewesen rundum. Zuweilen trampelt ein Esel auf Nahrungssuche durchs Farnkraut. Die Buddha-Pose des schweigenden Menschen muß auf ihn ansteckend wirken. Er bleibt stehen und döst. Unglaublich dämlich sieht so ein Esel aus, wenn er auf dem Fleck verharrt und den Kopf ins Leere steckt ... Hat man Lust, die Beine zu bewegen, läuft man eine Stunde weit nach dem Dörfchen Ota. Dort ist ein uralter Priester, aus dessen wasser- blauen Augen kindlichster Friede leuchtet. Er weiß ganz genau, daß der Fremde beim Herrn Spinoza in die Schule gegangen ist (nicht zu verwechseln mit dem seligen Gatten der Inhaberin des Hotels Spinosi), aber er nennt ihn trotzdem „mon ami", plaudert mit ihm und empsiehlt, einen „Cap Corse" zu trinken, wofür der Fremde größtes Interesse bezeugt. Nock) vor dem Abendbrot wird der Cap Corse probiert. Es ist ein süßbitterer Wein von roter Farbe, die ins Schwärzliche übergeht. Das Glas kostet 16 Pfennig. Man- kann hier mit bestem Willen kein Geld ausgeben. Die junge Engländerin behauptet, man habe sogar die Belustigung umsonst, denn man träume so schön, und das sei Kino otynt Entree. ♦ Als heute abend wieder das Grammophon in Tätigkeit gesetzt wird, fassen sich zwei junge Bauern, die in einer Ecke still ihre Nudeln ge- geffen haben, graziös unter die Arme und tanzen einen Tango. Sie machen das hervorragend, aber warum tanzen sie miteinander, wo doch die beiden Wirtstöchter, die leidlich hübsch sind und nur einer durch- greifenden Veimnassage ermangeln, in der Tür stehen? Ein wandernder französischer Student, der mit uns gespeist hat, gibt die Erklärung: Wenn ein korsisches Mädchen eine Viertelstunde allem mit einem Manne spricht, geschweige denn mit ihm tanzt, muß der Mann es heiraten. Ein peinlicher Brauch. Für Landesunkundige geradezu katastrophal. Ich hatte am Sonntag auf der Sttaße nach Ota so viele Pärchen gesehen und heiter die Internationalität des Flirts gesegnet. Jetzt stellt sich heraus, daß alle diese Pärchen schwer verlobt sind. Am nächsten Morgen will mich Maria, die jüngere Wirtstochter, „einen Augenblick" sprechen. Ich rufe schleunigst die ehrsame Mrs. Turner als Kronzeugin. Maria klagt, dos Grammophon sei kaputt Ich bin furchtbar traurig, Mademoiselle Maria, aber reparieren Sie sich bitte Ihr Grammophon selber ... » Mrs. Turner hatte eine Heuschrecke im Bett. Porto ist ihr verleidet, und sie reift ab. Die anderen folgen Nun ist man ganz mutterseelenallein. Den ganzen Tag will es scheinen, als sei dies angenehm. Aber schon am Tag drauf sehnt man sich — hol's der Teufel! — nach reisenden Engländerinnen. Die Stimmung sinkt um mehrere Grade. Die untergehende Sonne gibt sich alle Mühe, diese Stimmung zu heben, hat aber kein Glück. Knallig rot vor Wut zischt sie ins Meer. Da kommt Maria und stellt mit einem verschämten Sehnsuchtsblick den Cap Corse auf den Tisch. Maria, du bist doch ein Engell Deine Sehnsuchtsblicke zwar sind nicht exportsähig, im übrigen aber wird deine freundliche Geste dankbar akzeptiert. Und nach einer Stunde fühlt man sich gar nicht mehr so einsam. Vermutlich macht das die milde Abendluft. Oie drei gerechten Kammacher. Erzählung von Gottfried Keller. (Fortlegung.; Aber sie machten nichts aus, sondern standen da bleich wie der Tod und lächelten einer den andern an; dann gerieten sie in eine furchtbare Aufregung, da dies die verhängnisvollste Stunde war; denn die Ankündigung des Meisters war ein sicheres Zeichen, daß er es nicht lange mehr treiben und das Kammfabrikchen endlich wieder käuflich würde. Also war das Ziel, nach dem sie alle gestrebt, nahe und glänzte wie ein himmlisches Jerusalem, und zwei sollten vor den Toren desselben umkehren und ihm den Rücken wenden. Ohne alle fürdere Rücksicht erklärte jeder, dableiben zu wollen, und wenn er ganz umsonst arbeiten müsse. Der Meister konnte aber auch dies nicht brauchen und versicherte sie, daß zwei von ihnen jedenfalls gehen müßten; sie fielen ihm zu Füßen, sie rangen die Hände, sie beschworen ihn, und jeder bat insbesondere für sich, daß er ihn behalten möchte, nur noch zwei Monate, nur noch vier Wochen. Allein er wußte wohl, worauf sie spekulierten, ärgerte sich darüber und machte sich über sie luftig, indem er plötzlich einen spaßhaften Ausweg vorschlug, wie sie die Sache entscheiden sollten. „Wenn ihr euch durchaus nicht einigen könnt", sagte er, „welche von euch den Abschied wollen, so will ich euch die Weise angeben, wie ihr die Sache entscheidet, und so soll es dann sein und bleiben! Morgen ist Sonntag, da zahle ich euch aus, packt euer Felleisen, ergreift euren Stab und wandert alle drei einträglich zum Tore hinaus, eine gute Halde Stunde weit, auf welche Seite ihr wollt. Alsdann ruhet ihr euch aus und könnt auch einen Schoppen trinken, wenn ihr mögt, und habt ihr das getan, so wandert ihr wieder in die Stadt herein und welcher dann der erste fein wird, der mich von neuem um Arbeit anspricht, den werde ich behalten; die anderen aber werden unausbleiblich gehen, wo es ihnen beliebt!" Sie fielen ihm abermals zu Füßen und baten ihn, von diesem grausamen Vorhaben abzustehen, aber umsonst; er blieb fest und unerbittlich. Unversehens sprang der Schwabe auf und rannte wie besessen zum Hause hinaus und zu Züs Bünzlin hinüber; kaum gewahrten dies Jobst und der Bayer, so unterbrachen sie ihr Lamentieren und rannten ihm nach, und die verzweifelte Szene war alsobald in die Wohnung der erschrockenen Jungfrau verlegt. Diese war sehr betroffen und bewegt durch das unerwartete Abenteuer; doch faßte sie sich zuerst, und die Lage der Dinge überschauend, beschloß sie, ihr eigenes Schicksal an des Meisters wunderlichen Einfall zu knüpfen, und betrachtete diesen als eine höhere Eingebung; sie holte gerührt ein Schatzkästlein hervor und stach mit einer Nadel zwischen die Blätter, und der Spruch, welchen sie ausichlug, handelte vom unentwegten Verfolgen eines guten Zieles. Sodann ließ sie die aufgeregten Gesellen aufschlagen, und alles, was diese ausschlugen, handelte vom eifrigen Wandel auf dem schmalen Wege, vom, Vorwärtsgehen ohne Rückschauen, von einer Laufbahn, kurz vom Laufen und Rennen aller Art, so daß der morgende Wettlauf deutlich vom Himmel vorgeschrieben schien. Da sie aber befürchtete, daß Dietrich als der jüngste leicht am besten springen und die Palme erringen könnte, beschloß sie, selbst mit den drei Liebhabern auszuziehen und zu sehen, was etwa zu ihrem Vorteil zu machen wäre; denn sie wünschte, daß nur einer der zwei älteren Sieger würde, und cs war ihr ganz gleichgültig, welcher. Sie befahl daher den Wehklagenden und sich Bezankenden Ruhe und Ergebung und sagte: „Wisset, meine Freunde, daß nichts ohne Bedeutung geschieht, und so merkwürdig und ungewöhnlich die Zumutung eures I* zu besetzen. (Fortsetzung folgt.) - Druck und Verlag: Drühl'fche Univerf rtätöer Sieger sich feines Glückes nicht überheben wird, so sollen die, welche unterliegen, nicht verzagen und keinen Gram °der Groll von dannen nehmen fon- i '^üÄen’ünöerbroffen'Ne” Wand hinan. Er blickte ihr dern unsers liebevollen Andenkens gewärtig sein und> als. vergn gl Verwunderung nach; solange sie im Blauen gmg, war Wanderfunglinge in die wecke Welt ziehen, denn die Menschen y o i ti u£)n ber 9Banb ,u unterscheiden; als ste aber aus dem de- viele Städte gebouet, welche so, schon oder noch Seid Bereich hinaustrat und die letzten vereinzelten Spritze hinter wyla; Rom ist eine große merkwürdige Stadt, allwo der heilige B ' { uiandelte das gute himmelblaue Tierchen weithin sichtbar seine wohnt, und Paris ist eine gar mächtige Stadt nut vielen Seelen und 1 I ) W«, buntteren Bezirke. Wehmütig sank Jobst in den Psulmen herrlichen Palästen, und in Konstantinopel herrscht der Sultan von tur° Bahn ourch^.e ounn z machte, rührte diese Er- kifchem Glauben, und Lis abon, welches einst durch ern Erdbeben ver zurua, , g I ^fühl in ihm auf, als ob er doch auch endlich schicktet ward, ist desto schöner wieder ausgebaut worden Wien. ist ^mung^och^fegr n cin gutes Zeichen zu fein, die Hauptstadt von Oesterreich und die Kaiserstadt genannt, undLondon er Unabänderliche ergeben und sich wenigstens mit gutem ist die reichste Stadt der Welt, ,n Engelland gelegen an emem Fluß, daß er « ,n"nav - » ruhigeren Gedanken kehrte der die Themse benannt wird Zwei jMionen JÄL*! seine natürliche Bestnnenheit und Weisheit zurück, und indem er die Petersburg ist die Haupt- und Residenzstadt von Rußland, so wie Neape s überlegte fand er, daß wenn er sich ergebungsvoll und die Hauptstadt des Königreiches gleichen tarnen sm 11 b e m Je ue r fp c I , .b Anstelle sich 'dem schwierigen Werke unterziehe und dabei sich den Berg Vcsnvlns, -- »°» “ »« ’»«'>«”■ eine verdammte Seele erschienen ist, wie ich m einer rneriwuiume o i bf{ v könne Sachte stieg er aus dem Bette und begann seine Reisebeschreibung geleien J Cl£ffltann aemefen Sachen zu ordnen und vor allem seinen Schatz zuheben und zu unterst angehoret, der vor hundertunbfunfzig Jahren em gott oser g 1 > ö Felleisen zu verpacken. Darüber erwachten ogleich seine Ge- und nun besagtem Hauptmann einen Auftrag erteilte «N ferne NaftP L°°n wie diese sahen, daß er so gelassen sein Bündel schnürte, verkommen in England, damit er erlöst wurde, denn der ganze Feu g i [9 > 2 und noch mehr, als Jobst sie mit versöhnlichen ist ein Aufenthalt der Verdammten, wie auch in des gelehrten Peter | wun°erten sie ,,cy i^-yr^uno j , mtnrnon wünlckite. Weiter lieft chaslers Traktatus über die mutmaßliche Gelegenheit der Holle zu lesen ist. Noch viele andere Städte gibt es, wovon ich nur noch Mailand, Venedig/ das ganz im Wasser gebaut ist, Lyon, Marftilingen,^Straßburg, Köllen und Amsterdam i it | Worten anredete und ihnen einen guten Morgen wünschte. Wecker ließ > I er sich aber nicht aus, sondern fuhr in seinem Geschäfte ftm unb fneo- j' fertig fort. Sogleich, obschon sie nicht wußten, was er im Schübe führe, । nennen "will' Bar!s hab' ich schön gesagt, aber | witterten sie eine Kriegslist in seinem Benehmen unb ahmten es auf ^ni^^ürnbera^Augsbura 7nb Frankfurt Basti' Bern unb Genf, ber Stelle nach, höchst aufmerksam auf alles, was er strner beginnen ^WZW-W8 Z8MMWW reinen Gewissens auferlegen, wollen wir uns bem Schicksalsrufe unter- I stehen soll. ™ ... ... ziehen Darum gehet unb bereitet euch zur Wanberschaft, aber als ge- I So waren sie unversehens zum Aufbruch gerüstet, ber Meister zahlte rechte unb sanftmütige Männer, bie ihren Wert in sich tragen, wo sie I ihnen ben Lohn aus unb gab ihnen ihre Wanberbucher, welche von ber auch hingehen unb beren Stab überall Wurzel schlägt, welche, was sie I Stabt unb vom Meister die allerschonsten Zeugnisse geschrieben waren auch ergreifen mögen sich sagen können: .ich habe bas bessere Teil I über ihre gute anbauernbe Führung unb Vortrefflichkeck, unb sie stauben erwählt?" wehmutsvoll vor der Haustüre der Züs Bunzl.n, tn lange braune Rocke 9 „ ... ... ( I aetteibet mit alten verwaschenen Staubhemben (eine Art Mantel) darüber, Die Kammacher wollten aber von allem nichts Horen, sondern be- 1 gerietet mit uuen vri », > .... . < ----------- stürmten die kluge Züs, daß sie einen von ihnen auserwahlen und da- bleiben heißen solle, unb jeher meinte bamit sich selbst. Aber sie hütete sich eine Wahl zu treffen, unb tünbigte ihnen ernsthaft und gebieterisch an, daß sie ihr gehorchen müßten, ansonst sie ihnen ihre Freundschaft auf immer entziehen würde. Jetzt rannte Jobst, ber älteste, mieber davon unb in bas Haus bes Meisters hinüber, unb spornstreichs rannten die anberen hinter ihm her, befürchtenb, baß er dort etwas gegen sie unternähme und so schossen sie den ganzen Tag umher, wie Sternschnuppen und wurden sich untereinander so zuwider wie drei Spinnen in einem Netz Die halbe Stadt sah dies seltsame Schauspiel der verstörten Kamm- .nacher, die bislang so still unb' I Ümsta^de7d??ernsten"drei Manner unb wünschten ihnen Glück auf ben Den baruber ängstlich unb hielten die ck:rscheinung sur ein gepeiiiuiiauuuc i i toi n qÜ5 unter der Türe, mit scierl cher Miene, und zog Vorzeichen schwerer Begebenheiten Gegen Abend wurden sie matt und Weg. D° erjchien .Zu» umer oer Iqus -@ie »ä »»OB B&Äter-ö K'imU’Z Sä ungerechterweise. Er ließ seine Augen umhergehen an den Wanden uns wählte alle die vertrauten Spuren von den vielen Gesellen, die hier schon gewohnt kürzere oder längere Zeit; hier hatte ber seinen Kopf zu reiben gepflegt unb einen dunklen Fleck verfertigt, dort hatte jener einen Nagel eingefdilagen, um seine Pfeife daran zu hängen, und das rote Schnürchen hing noch daran. Welche gute Menschen waren das gewesen, day sie so harmlos wieder davongegangen, während diese, welche neben ihm lagen durchaus nicht weichen wollten. Dann heftete er seine Augen auf di- Gegend zunächst seinem Gesichte, unb betrachtete ba die kleineren Gegenstände, welche er schon tausendmal betrachtet, wenn er des Morgens oder am Abend noch bei Tageshelle im Bette lag und sich eines seligen kostensreien Daseins erfreute. Da war eine beschädigte Stelle in dem Bewurf, welche wie ein Land aussah mit Seen unb Stabten, unb ein Häufchen von groben Sandkörnern stellte eine glückselige Inselgruppe vor; weiterhin'erstreckte sich eine lange Schweinsborste, welche