Inder einen Atem ranch- selben c wie einen i alles Siebener Smnilienblättcr Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger er auf i Tale te sich, redete bauet 1 Höch nan ja davon Darum cht das immer, inneren >em zn >n muß Jahren anfällig ottes in nd doch sie nicht, n sie in i Haslern neues iderswa, orin die schloffen, it> Sorg« d Segen lrrnstichig rt. Mein an mich rügte das tot. Aber damals, er ganze schwarze von der e Hebet« deskinder furchten -erflogen, Her hätte re, wenn cht nxi6, rd etwas s lernen, ehabt, es fange ihr essen und Es solle es ver- lewechseb er Mond Nenschen« sie saßen ch, wenn ollte doch :zen M und mit' it vielem «samtheih Friedlich Tal ent« Muntnieb m Busen Sonne Inet, ■ ihr aber ■bet o«e- Wchen^, Kiefien. MgangMO Montag, den JO. Zum Hummer 50 Die Lindenallee. Von Siegfried von Vegesack. Noch spielt das Licht im Schatten der Alleen, der schweigenden, uralten, dunklen Linden, die ihre Arme schwesterlich verbinden und feierlich im Abendfrieden stehn. Ein süßer Dust von Blüten aus den Höhn, die schimmernd tief im Blättermeer verschwinden, entströmt geheimnisvoll den dunklen Gründen, die noch von still verhaltner Schwüle wehn... Die Sonne sank. Und wie (Erinnerungen verlorner Tage, die schon längst verklungen, das Herz noch lang in banger Liebe hegt, —t so hält der Linden regungsloses Bangen die Gluten des erloschnen Tags umfangen, indes die Nacht sich kühl darüber legt. einem Hügel am Waldessaum, die grünen Wipfel schauten zu den Fen« ftern herein, und höchstens vernahm man da süßen Vogelschlag leise von fernher. Sonst war alles stille. Der Freiherr hatte keine Familie außer einer Tante, einer alten, schweigsam, geräuschlos waltenden Witwe, welche ihm mit einer kleinen Dienerschaft haushielt in den weiten, schweigenden Räumen. Man konnte glauben, das ganze Schloß schlafe, und die Bewohner wachten nur auf, um zu geigen. In dieser tiefsten Stille also machte der Freiherr stille Musik, wenn er in seinen Noten blätterte, wie in einem Geschichtenbuch aus alter Zeit. Trauliche Bilder schauten ihn dazu von den Wänden des Musikzimmers an, Landschaften und Stilleben guter älterer Meister. Es war ein Tempel friedlicher, heiterer, finniger Kunst. Nur ein Bild paßte nicht zu den anderen, in dem kalten antikisierenden Stil der damaligen Pariser Schule stellte es Erato dar, die Muse des Liedes und der Liebe im Liede. Der Kopf war ohne Zweifel Porträt; man porträtierte damals wohl Kinder als geflügelte Genien, Damen als Göttinnen. Aber während der Freiherr, wenn er musikalisch träumend auf und ab schritt, bald einen Everdingen, bald einen Mignon wohlgefällig betrachtete und seine Quartettthemen im Anschauen immer lauter und luftiger pfiff, verstummte er vor diesem Bilde, ward zerstreut und verließ wohl gar den vertrauten Raum. Es schien, als ob dieses Gemälde, welches dem Gegenstände nach von allen ganz allein musikalisch aussah, das einzige unmusikalisch stimmende Bild wäre. Ja noch mehr! Kam der ersehnte Abend und zündete der Freiherr die Lichter an, so mußte der Bediente die Erato jedesmal mit einem grünen Tuche verhängen. Hätte es der Bediente ja versäumt und der Blick des Herrn wäre im Spielen auf das Bild gefallen, so würde er das ganze Zusammenspiel unfehlbar umgeworfen haben; Eratos Auge hätte ihn aufgeregt, in einen fremden, trüben Gedankengang hineingezogen, und zum Quartettgeigen braucht man Sammlung, Ruhe und innere Heiterkeit. Zweites Kapitel. Am Abende des 10. Mai 1799 zog ein schweres Donnerwetter gegen Schloß Strüth heran, wo der Freiherr bereits seit einer halben Stunde im Musikzimmer stimmte, des (Eintritts der Mitspieler gewärtig. Unter dem Heulen des Windes und dem Klirren der Scheiben erschien Schlag sieben Uhr das Violoncell und die zweite Geige in der Gestalt des frei- herrlichen Gutsverwalters und des alten Kammerdieners, denn auf Strüth nahm man nur solche Leute in Dienst, die in der Violinschule wenigstens bis zur dritten Lage sich hinaufgegeigt hatten. Jene beiden waren freilich bloß „stumme Personen", wie man in der Theatersprache sagt, sie geigten fest und redeten nur, wenn sie gefragt wurden. Desto gesprächiger war der vierte oder vielmehr der erste Mann, die erste Geige, welche diesmal ein wenig auf sich warten lieh, Graf Thürmer von Neuhaus. Dampfend vom scharfen Ritte trat auch er endlich herein, gerade vor Torschluß, denn im selben Augenblick begann der Regen strom- weise niederzustürzen, und Blitz und Donner nahten in immer kürzeren Pausen. Dem Grasen folgte fein Diener, einen Geigenkasten unterm Arm. Diesen Geigenkasten blickte der Freiherr so verdächtig an, daß er den Grafen beinahe übersetzen hätte; denn er — der Geigenkasten — mar ein unberufener Eindringling, upb der Haus- und Quartettherr ahnte wohl dessen Bedeutung. Graf Thürmer war nämlich ein Geigennarr; er hatte auf Neuhaus ein ganzes Lager von alten Geigen, echten und unechten, die er alle als vortrefflich pries: die echten, weil sie echt waren, und die unechten, weil sie von Rechts wegen hätten echt sein sollen. Er liebte die Musik, weil er die Geigen liebte, und glaubte, Mozart und Haydn hätten eigentlich nur deshalb so wundervoll komponiert, damit Stradivari und Guarneri ihre Geigen nicht umsonst so wundervoll geleimt und gehobelt hätten. Beim Freiherrn war es umgekehrt. Er schätzte eine gute Geige, weil er eine gute Musik liebte, und der Graf meinte, das heiße doch die Welt auf den Kopf stellen. Da es aber hierüber in früheren Jahren manchmal zum Streit gekommen mar, indem der eine Geigen geigen, der andere aber Musik geigen wollte, so hatte man sich über ein festes Grundgesetz geeinigt. Spielte Montags das Quartett auf Schloß Strüth, so stellte der Freiherr vier gleichartige Instrumente von Stainer, und kein anderes sollte berührt, am wenigsten eine fremde Geige mitgebracht werden. Desgleichen bestimmte der Freiherr das Programm des Abends, und niemand sollte ein anderes Musikstück auch nur zu wünschen wagen. Musizierte man dagegen am Donnerstag beim Grafen, so war dieser der Quartettherr, er konnte ©eigen vorführen, soviel er wollte, und Tonstücke auflegen nach Belieben; der Freiherr war dann sein Vasall, mit Schild und Speer (das heißt mit Fiedel und Fiedelbogen) zu jedem Dienste treu und gehorsam. . . Es muhte wohl eine ganz außerordentliche Geige sein, ein großer Fund der dem Grafen keine Ruhe ließ, daß er so den Montag zum Donnerstag gemacht unb das fremde Instrument gesetzwidrigerweise mit herübergebracht hatte. Das Quartett. Novelle von Wilhelm Heinrich Riehl. Erstes Kapitel. Eine Tagereise von Wien lag einsam das alte Schloß Strüth, in welchem vor siebzig Jahren der Freiherr Leopold von Strüth lebte unb geigte. Die Musik war ihm bas fünfte Element; aber Musik mit Auswahl, denn er liebte nur gute Musik unb hielt ein echtes Streichquartett für die beste unter der guten. Jeden Montag war Quartett auf Schloß Strüth, wobei der Freiherr die Bratsche spielte, unb fein Gutsnachbar, ber Graf Thürmer von Neuhaus, die erste Geige; jeden Donnerstag hingegen ritt der Freiherr nach Neuhaus zum Quartett beim Grafen. Der Bediente des Freiherrn durste Montags zwar die Wachslichter ins Musikzimmer tragen, aber sie aufftecfen ober gar anzünben burfte er nicht, bas tat der Herr mit eigener Hand. Er war sonst recht bequem und ließ sich, gerne bedienen, nur nicht fürs Quartett; denn da konnte er selber sich's kaum recht machen, geschweige ein Bedienter. Unb wer ihn vor ober währenb bes Quartettes sah, ber mußte ihn für einen rechten Pedanten halten; allein das war er bloß in diesem besonderen Falle, und hier war er pedantisch nicht aus Pedanterie, sondern aus Ehrfurcht vor den höchsten Offenbarungen ber Kunst. Darum wusch er sich auch allemal die Hänbe, bevor er ans Quartettgeigen ging, nicht weil sie schmutzig gewesen wären, sondern wie zu einer symbolischen Reinigung, gleich dem Priester, ber sich für ein Opfer im Allerheiligsten rüstet. Jeder Quartettabend warb für ihn zum vollen Quartettage. Schon der Morgen verging in emsiger Vorarbeit. War es Winter, so mußte bas ouartettzirnrner schon tags vorher geheizt werden, damit sich die Jnstru- mente an die Wärme gewöhnten, unb in keiner Krankenstube warb je das Thermometer sorgsamer beobachtet. Vierzehn Grad Reaumur erklärte m Freiherr für die ivcihre Quartettemperatur, während er sonst in den ■Bofmräumen seines Schlosses an sechzehn Grad gewöhnt war. Er schätzte Mr den inneren Wärmezuschuß, welchen ein herzbewegendes Quartett Wt, nach langjähriger Erfahrung auf zwei Grad, so daß Haydn unb •wart, bie überwiegend gespielt wurden, bei zweiundfünfzig Quartett« senden im Jahre wohl eine Heizkraft von anderthalb Klaftern Buchen- Mst darstellten. Zahllose kleine Geschäfte erfüllten den Quartettag; dem Musiker ivären p Mig gewesen, dem Musikfreunde sind sie heiter und behaglich; denn !>e sind ein Vorgeschmack der Quartettseligkeit bes Abends, und wenn der vrecherr Montags höchsteigenhänbig bie Geigen abwischte unb die vier We zurechtrückte, so dünkte ihm das schon halbe Musik. d- Musik aber mar ihm die wichtigste Vorarbeit: die Auswahl .-Programmes. Indem er da die Notenhefte prüfte und verglich, wählte i™ me.Vöarf« Hauptthemen fang unb pfiff, spielte er morgens schon tunt* 1 s6 Quartett, wie abends mit dem Fiedelbogen. Unb wer weiß, au« x5 m rauere Genuß war? Längst verhallte Erinnerungen rauschten atmn Linienblättern auf. Denn was versetzt uns unmittelbar in ver- iiört» c zurück, als bas Wiedererklingen einer Weise, bie wir damals Uluti?'wie oft täuschen mir uns selbst unb halten eine schwache 3eit • " durum für wunderschön, weil sie uns an eine wunberschöne nnnert wo mir ihr zum erstenmal lauschten! in dem Musikzimmer konnte man so weltvergessen geisterweise nen träumen, auch am Hellen läge. Das Schloß lag einsam auf .Ich bringe da etwas ganz Neues, etwas uralt Neues! rief er in brennender Mitteilungsbedürstigkeit. Allein der Freiherr unterbrach ihn im festen Gebieterton des Quartettherren, während er ihm als einem alten Freunde doch zugleich freundlich lächelnd auf die Schulter klopfte: „Auch ich habe eine Neuigkeit oder vielmehr zwei, eine große und eine kleine; die kleine ist ein Quartett von Haydn, neu für uns; spielen mir dies zuerst, dann werde ich nach dem Finale meine große Neuigkeit eröffnen. Der sonst so schweigsame Gutsverwalter räusperte sich und stotterte auch etwas von einer Neuigkeit, welche er mitgebracht, und griff nach der hinteren Rocktasch, als ob er sie da herausholen wollte. Allem elw strafender Blick seines Herrn traf ihn so scharf, daß er verstummte und die Hand ganz langsam und leer aus der Tasche zurückzog. Der Graf aber trat kühn gegen die Lichter und hielt eure prächtige Guarneri-Geige in die Höhe. „Welche Anmut der Form! rief er, „die mediceische Venus hat keine reizendere Taille als diese Guarner,! Welly unvergleichlicher Schnitt der F-Löcher! Kein Bildhauer hätte die Schnecke zierlicher winden können! Bor allem aber bewundert diesen edeln, leuich- tenden, spiegelklaren, unversehrten echten altitalienischen Oellack! Er ist mir lieber als ein ganzes Gemälde in Del. Ein Oellack--" Hier schlug ein Blitz herab, als ob er mitten durchs Schloß gefahren fei, ein kurzer Donner wie ein Kanonenschuß krachte im selben Augenblicke nach, und schwere Steine rasselten vom hohen Giebelfchornstein. — „Gott steh uns bei!" rief der Kammerdiener; — „Jesus, Maria und Joseph!" der Verwalter; — „es hat eingeschlagen!" der Freiherr und sprang hinaus. , „ „Ein Oellack", fuhr der Graf begeistert fort und faßte den Verwalter, der auch hinaustrachtete, am Rockknopf, „hören Sie, ein Oellack, wie er außerdem gar nicht mehr auf unsere Zeit gekommen ist. Der Teufel hole--" . Bei diesen Worten fuhr ein zweiter Blitz hernieder, daß die ganze Stube wie im Feuer ausleuchtete. — „Um Gottes willen, fluchen Sie nur jetzt nicht, fluchen Sie nicht das Schloß in Brand!" flehte der Verwalter. Aber der Graf faßte ihn nur etwas fester, nämlich am ganzen Kragen und fuhr fort: „Ich sage, der Teufel hole die neuen Geigenmacher, welche mit ihrem niederträchtigen Spirituslack nicht nur ihre eigenen schlechten Fiedeln verpfuschen^ sondern oft genug auch noch die edelsten alten Geigen dazu." Dann ließ er den Verwalter los und spielte mit keckem Bogen die Tonleiter auf und ab auf der wundervollen Guarneri und prüfte alle Saiten und Lagen," bis endlich der Freiherr zurückkam und meldete, es habe in einen Baum neben dem Schlöffe geschlagen, ohne weiteren Schaden. Hierauf aber wandte er sich zum Grafen und fragte ihn trocken, ob denn dieser edelste Oellack etwa auch den Ton der Geige veredle. „Der Ton", erwiderte jener, „wird dadurch nicht besser und nicht schlechter; aber ein echter italienischer Lack ist eine Augenweide an und für sich, und ohne ihn wäre die schönste Geige ein totes Bild, wie ein Menschengesicht ohne den verklärenden Lichtglanz des Auges." „Nun gut", sprach der Freiherr, „so wollen wir nachher diesen in Oel leuchtenden Seelenblick deiner Guarneri bewundern, vorerst aber greifen wir zu unseren altgewohnten Instrumenten und zum Quartett" und er begann das a zu streichen, und dies war das Signal, daß jedes Gespräch verstummen solle. Der Graf biß sich in die Lippen und stimmte die dargereichte Stainer-Geige so heftig, als wolle er alle vier Saiten durch und durch spielen, und das Quartett begann. Der erste Satz — in L-Dur — hob ganz gemächlich an, steigerte sich aber bald zu einem überraschend schwierigen Tongewebe. Das war dem Grasen ganz recht; denn er spielte leicht und keck, fast wie ein Virtuose. Der Freiherr dagegen, bei welchem die Musik so überwiegend inwendig sah, spielte schwach und war im Zählen noch schwächer. Nun verließ er sich gewöhnlich darauf, daß ihm der Guts- und Quartettnachbar zur rechten Zeit einhelfe, vorzähle und sonst einen kleinen musikalischen Rippenstoß gebe. Allein die Hilfe blieb diesmal aus. Der Graf war ganz versunken in seine erste Stimme und ließ den armen Bratschisten hilflos suchend umherirren, bis er im nächsten Wirtshause, das heißt beim nächsten Halt, mit den anderen wieder zusammentraf. Der Freiherr merkte wohl, daß dies die Buhe für den Oellack fein solle, und fand seinen Freund, der auch als Mensch ganz besonders durch Lack und Schnitt glänzte, diesmal unangenehmer als je zuvor. Es dünkte ihm impertinent, dah ein Graf so fertig geige, als ob er ein Musikant sei, und über diesem Gedanken verlor er völlig den Boden und „schwamm" und konnte kein Ufer gewinnen. So fing man denn den Allegrosatz vier- bis fünfmal wieder von vorn an und schlug sich zuletzt auch mühsam bis zum Ende durch; allein die Aufgabe war und blieb zu schwer, und man kam zu keinem reinen Genuß des Ganzen. Obgleich nun aber der Freiherr das Spiel zumeist verdorben hatte, ahnte und erriet er doch am tiefsten die verlorenen Schönheiten des Werkes, und da er sie auf seiner Bratsche nicht hatte klar machen können, so begann er, während man eine Weile verschnaufte, dieselben um so beredter mit Worten zu erklären. Das ärgerte nun wieder den Grafen, der so gut zu geigen, aber nicht halb so gut über das Gegeigte zu reden verstand, und er wandte sich deshalb, derweil sein Freund ästhetisierte, an den Verwalter und fragte nach seiner Neuigkeit in der Hinteren Rocktasche. Der Freiherr schaute auf fein Notenblatt und sprach, halb in sich' hinein halb für die anderen: „Der Anfang ist ganz schlicht, ruhig, Stückten: „ t*Qt ^ydn oft; man erwartet ein sinnig gemütliches „Karlsruhe, den 30. April", las der Graf mit halber Stimme in einem Zeitungsblatte, welches der Verwalter aus feiner Hinteren Rocktasche gezogen. — „Der Rastatter Kongreß hat ein schreckliches Ende genommen. Da ber Erzherzog Karl die Franzosen in den letzten Wochen über den Rhein zuruckgeworfen hatte, so rüsteten sich die französischen Gesandten zur Abreise. Allein — "Mein gefesselt von den einfachsten Melodien", fuhr der Freiherr fort „von den unscheinbarsten Themen, aus denen sonst kein Mensch etwas Gescheites machen könnte, werden wir mit jedem Takte durch neue Ton- aebilde überrascht —" _ „Kaum sind sie vorgestern abend um 10 Uhr zum Tore hmausgefahren so wird ihr Wagen von Szekler Husaren angefallen, und die zwei Minister Robertjot und Bonnier werden mit Säbelhieben jämmerlich erschlagen —" „ , „Recht heiter beginnt der Satz, zu tief bewegendem Ernste aber wächst er empor im zweiten Teile —" „Der dritte, Debry, wird schwer verwundet in den Chausseegraben geworfen —" „Denn das ist die wunderbare Art dieses Mannes, daß er uns oft da am innigsten rührt, wo er scherzt und lächelt —" „Indem er sich aber tot stellt, begnügen sich die Szekler,- ihn aus- zuplündern und liegen zu lassen —" Und indem er schwermutsvoll klagende Weisen anstimmt, überkommt uns eine stille Seligkeit, ein heiterer, heiliger Friede —" (Fortsetzung folgt.) Correggio. Von Wilhelm B o e ck. Es gibt eine Auffassung, nach der das große Zeitalter der Renaissance eigentlich erst im 19. Jahrhundert zu Ende geführt worden sei, nach der die Kunstäußerungen des Barock, des Rokoko, des Klassizismus und des „monumentalen" Stils im 19. Jahrhundert sämtlich nur als Abwandlungen der Prinzipien zu betrachten seien, die im klassischen Zeitalter der italienischen Kunst aufgestellt worden sind. An dieser Theorie ist gewiß das eine richtig, daß die Wertmaßstäbe in diesen langen Epochen immer von den unantastbaren großen Meistem Raffael, Michelangelo, Tizian hergenommen wurden und man sich erst feit wenigen Jahrzehnten von diesen akademischen Vorbildern freigemacht hat. Diese Selbständigkeit der Gegenwart ist etwas sehr schönes, nur hat sie begreis- licherweise zu manchen Ungerechtigkeiten gegenüber den früher hochgeschätzten, heute als entbehrlich gekennzeichneten Vorbildern geführt Unter dieser Geringschätzung hat auch ganz besonders ein Künstler zu leiden, der sich im Rokoko, aber auch gerade in der Spätzeit des letzten Jahrhunderts hervorragender Beliebtheit erfreute, nämlich Correggio. Man vergißt bann, daß der Meister die Kunst Europas um Jahrzehnte vorgetrieben hat und ihr Gebiete eröffnet hat, die heute noch fruchtbar find. Man bringt sich vor allem selbst um den Genuß, eine höchst geniale und eigenartige Persönlichkeit kennenzulernen und etwas vom Reiz ihrer Werke ins eigene Leben hinüberzunehmen. Correggios Bilder sind dauernde Ueberraschungen, nicht nur insofern er durch kühne Erfindungen jedem Werk eine ober mehrere Köstlichkeiten, die man noch nicht gesehen, auf den Weg gegeben hat, sondern viel allgemeiner durch seine Entdeckergabe, die ihn den Bildelementen feiner eignen Zeit solche zugesellen läßt, die erst lange nach ihm Stil geworden sind. — Der Meister ist 1489 in Correggio geboren und hieß eigentlich Antonio Allegri. Er war also ungefähr ein Zeitgenosse Raffaels, und wie dieser starb auch er früh. Sein Schaffen erstreckt sich nicht über große zeitliche Entfernungen, wie das bei Michelangelo und Tizian, dem neunundneunzigjährigen, der Fall ist. Und doch vereinigt auch er die Ausdrucksweisen mehrerer Generationen in [einer Kunst. So finden sich neben Eigentümlichkeiten der Frührenaissance, die noch um Abgewogenheit ringt, bei ihm Bewegungsmotive, die man nur als barock bezeichnen kann, und eine weiche Grazie, um derentwillen ihn das Rokoko als Ahnherrn verehrte. Man weiß von seinem Leben sehr wenig und seine künstlerische Ausbildung kann gleichfalls nur aus seinen Frühwerken erschlossen werden, die man in beträchtlicher Zahl, aber ohne ihre Reihenfolge sicher bestimmen zu können, zusammengestellt hat. Von M a n t e g n a, dem großen problematischen Grübler Oberitaliens scheint er ausgegangen zu fein, an» seltsam genug nehmen sich dessen ernste Gestalten in Correggios sW von allem Anfang mehr zum Lieblichen neigenden Bildern aus. Es W sich psychologisch mit dem weichlichen Charakter seiner Formgebung wohl vereinigen, daß der Jüngling sich seinem Vorbild so eng anpaßte, daß er ganze Figuren wörtlich übernahm und nur gewissermaßen ihre Oberfläche persönlich umformte. Das Merkwürdige ist gerade, daß er WH dieser ausgesprochenen Hingabe an Fremdes von Anfang an eine individuelle Natur zeigte. Deren eigentliches, heiter empfindsames w’ fand aber zuträglichere Nahrung bei den führenden Meistern von > iogna und Ferrara, bei denen er sicherlich auch gelernt hat. Eine regelrechte längere Schule scheint er aber nicht durchgemacht zu haben, v war offenbar auch eine innere Unmöglichkeit für ihn, denn MenW feiner Art können nur in einer gewissen Abgeschiedenheit Großes wnM da ihre Lehrer ihnen das Selbstbewuhtsein nehmen und die Nahe« Mitstrebenden sie ebenso entmutigt. Dieses Asyl für sein Schassen m Correggio in Parma, wo er bis zum Ende seines Lebens unberuW- aber mit Aufträgen wohlversorgt seine Tage zubrachte. , «, Die Werke Correggios sind in Parma das große Erlebnis, wenn auch zum Teil — die Fresken nämlich — sehr schlecht erhalten sind. ' fühlt sich so in seine luftige Welt hinein, daß man den Ernst uno Schwere nicht findet, um die archaischen Bauten in der NachbwW- besonders das ehrwürdige Baptisterium, zu würdigen. Lieber steig’ hinter einer Laterne her die stockdunkle, steinerne Wendeltreppe 3 Kuppel der Kathedrale hinauf und stößt sich ein paarmal den SW ' um die von unten zu bewegten Massen verschwimmenden in Auge betrachten zu können und um mit den verwegen umbuo ' Englein Zwiesprache zu halten. Der bröckelige Zustand der Fresken sti, daß die Illusion, als schwebe der ganze Wolkenapparat frei। in’ “'X sich nicht einstellen will. Dafür sind aber die unendlichen Emze v noch ein sehr hoher Genuß. Das Bild in der Kuppel selbst, Himmelfahrt Mariä zum eigentlichen Gegenstand 'hat, bestehl ■ Hauptsache aus Beinen und mutet in dieser Beziehung wohl ' ° modern an. Die Kunst beginnt aber erst bei der unerschöpflichen tion: Alle Engel, die zwischen den Wolken drinstecken, sich wst w" Kr ter töt das Eil füg reg Es leid [ach bei ■ i den sinn, Tat Web Ausl Anla Wese I nent hier, Decke strickt ovale von j nicht Gestal kräftig sich 3- Eindri Auch! ist, len fläche Nel ans P- Raum Dort st miniatr Mythol tänzeris das für ausbefo gangen 8. Giov künstlich vorzügli verhilft. Aebtissin In i seums, i sich hat Bekannt Man er bedeuten Eorregg« überrasch donnend! Mutter il Knäbleinl keil der I 'st ein f| sonst nol blickendel Freude 1 ieilnchmM Grenzen,! stche Lie! «i ifjnerB °n, in bei 2asfrf)ö| sch frei;! ’n den olcin bil ArohlagV ^schuld I druck geM 8q«9s ztW Und nieM «r starW Agios ■ *rirbiffl ®abonnÄ .,3m ■ ststenereW fallen ■ G-fellen,W AbringW ®anbe ■ dildern B MrehtM lche CchW Sehen, tlB ®orirB °"ischeidW '"isoltetW ist ein solches Glück der e Ton- 'fahren, e zwei imerlich : wächst «groben uns oft hn aus- erkommt und Wunder birgt. Abenteuerliche Geschichten und sagen wissen vo^n Schiffen, die sich im Algenschling verstrickten und von tausend schleimigen Armen in den Abgrund gezogen wurden. Andere haben zwischen den einzelnen Tangkolonien die Wasser überraschend klar und glashell gefunden und in riesigen unterseeischen Farnwäldern und Rankengestrüppen Tiere von absonderlichen Formen und leuchtenden Farben schwimmen gesehen. Em zappelndes Gewimmel greifender Fangarme, tastender Fühl- horner und wedelnder Flossen soll plötzlich von seltsamen Stielaugen wie mit Scheinwerfern rot, grün und gelb bestrahlt worden sein. Im nächsten Augenblick habe der dunkle Auswurf tintensischartiger Schwimmer das Wasser verfinstert und alles unsichtbar gemacht. Zu den Geheimnissen der Sargassosee gehört der Laich des Flußaals. Roch nie sind die in Tiefen von etwa tausend Metern abgesetzten Eier gefunden worden. Die weidenblattähnlichen, wasserhellen Aallarven, die ihnen entschlüpfen, verbringen ihr erstes Lebensjahr in der Tiefe. Sie ."ad werden immer mehr lanzettlich. Im zweiten Jahr WhtmiÄ 6 -k5 m^nt'me er kleine Fischchen, die zu Milliarden und Abermilliarden ihre Geburtsstatte verlassen und nach Osten weiterziehen. Manchmal kommen sie auf dieser ersten Wanderung bis zu den Azoren. Aber es geht weiter. In den letzten Frühlings- und ersten Sommer- monaten gelangen die einem unwiderstehlichen Wandertrieb verfallenen durchsichtigen „Glasaale" in die Nord- und Ostsee Hinauf in die Flüsse... . Aufhaltsam wälzen sich Wogen von Aalmassen den Küsten zu. An den Mündungen der Ströme sammeln sie sich zu Riesenscharen. Dann I beg'nnen sie in viele Millionen zählenden Zügen den Rhein und die Wcser. die Elbe und Oder und andere Flüsse aufwärts zu schwimmen. rlneJ>l?>9cat. Diese e begreif- jer hoch- gefüijrt inftkr zu >es letzten reggio. Zahrzehnie fruchtbar ist geniale Reiz ihrer r insofern stlichkeiten, n viel allen feinet geworden i eigentlich >ffe Raft rstreckt fich langet« > doch oer- in feiner iffance, die : man nur -erentwillen rische Ansen merbe«, cher bestirntem großen ,u sein, und ggios % us. Es lab ebung wähl ißte, daß «r ihre Ober- aß er M i eine ga»! imes :n von SB«1 Eine res«’ haben. Sie n Mensche» ,ßes wir!» le Nahe,» cho!I°n..L unberuN- is wenn f|( -n'smdM rnst un,!>7 gachbarM t steigt * eltteppe M >en M J estaltenM umblicke»» besten '* firn Einzelni°d Ost, ! Ls dargestellt, wie ihn gerade der Adler aufgegriffen und hochgehoben bat daß der zurückgeblieben« Hund ihm nur ein unnützes Sellen nachschicken' f°nn. Auf dem zweiten Bilde der Wiener Galerie empfindet Jo die Gegenwart Jupiters in der Wolke, aus der undeutlich ein dunkles Gesicht In der Schilderung weiblicher Hingabe fand des Künstlers weichliche Mentalität auch in dem Berliner Bild« der Leda einen befon= öeren Ruhm. Keinem ist es wie ihm geglückt, sämtliche Vorgänge sinnlich MrMf« C1Vnb FF' Niedrige fernzuhalten. In diesen Bildern ist höchstes aber gehaltvollstes Raffinement des Inhalts wie der Ausführung Selbstverständlich wurde die starke Reiztendenz von Correggios Kunst ein bestimmender Antrieb für die empfindsame Barockmalerei, vor allem 6rf>ur! Fr Caracci, und seine raumillusionistischen ^nden nach seinem Tode noch allgemeiner Beachtung und iT^t^rT^rt Ait> iflninKfnnrt fit*« S«a „ r4. _ _____, • . y c # ° . i der folgenden In den verschwiegensten Gemächern des geräumigen Parmaser Mu- eums, wenn man sämtliche merkwürdige Ahnen des Hauses Farnex über !»» ergehen lassen und mit den unbekanntesten Barockmeistern Bekanntschaft gemacht hat, findet man Correggios große Leinwandbilder. Mn erkennt di« Madonna mit dem heiligen Hieronymus, deren gleich behütendes,Gegenstück sich zusammen mit dem frühesten Madonnenalter 9.92?\m Dresden befindet, und auch die „Madonna della Scodella" M1* durch mehr als ihre Neuheit. Der Reiz von Correggios Ma- Sonnendarstellungen liegt zunächst in den intimen Beziehungen zwischen -Unb Unendlich behutsam hält Maria stets das blonde lockige ^^'"-'Nthrem Blick und dem Lächeln ihres Mundes liegt alle Süßig- L""r^tt°rliebe.^Auch das Kind erstrahlt in leiser Zufriedenheit, es ionft nnrhTm M t'k k“ Zusammengehörigkeit, auch bei den Heiligen, die Hnhen ra r ®’lbc herantreten, daß man die Aufforderung der heraus- @ef$a(teP- »um Kinde hinzuschauen, nur als den Ausfluß einer l degreifen kann, die auch andere an ihrem Übergroßen Entzücken £±Cnfi ta -Hn AlF Ergebenheit der Heiligen weiß gar keine ?fen /"F Vorkommen im Gefühl der Hingabe an die gött- bei auf. Keine Hoffart oder anspruchsvolle Heiligkeit gibt es J u"d doch gehören sie mit allen Fasern einer unirdischen Welt Iöqs'VäL”1’m tLtd)ts Duses antrifft, außer vielleicht ein wenig Koketterie, litfi frpi°nsTO Madonnenbild des Correggios ist aber auch chavon fast gänz- in hin ”n k°gt nicht zuviel, wenn man die „Anbetung des Kindes" Mein HI i,',en das schönste Anbetungsbild Überhaupt bezeichnet. Ganz @t oMnI!,,Un9e butter kniet mit erhobenen Händen vor dem kleinen ^das^reine Fleisch des Neugeborenen leuchtet. Die dmckFbF-F Hilflosigkeit des Kindleins ist unerreicht rührend zum Aus- Wna59äkk,^txble Fröhlichkeit, das Wunderbare des ganzen Vor- tinbnÄ Himmel auf die Erde. Und wirklich sieht kein Christ- ber fSr„ D®1P H'mmel gefallen aus als dieses vor der Mauerecke mit kqqios fGn?QU e 1nbr ber einsamen Landschaft. In keinem Bilde Cor- Mrirdü» n9»" v°uch seine liebsten Farben, reines Rot und Blau, so 'Mon o finh f yA 9ennen Tonen der Umgebung, und die Hände der Im M r durchsichtig. Mtenero & m öon Parma kann man auch eine entgegengesetzte, aber I Rcmen b--! xmJnon-!L. beobachten: das herzzerreißende 'Wehklagen der ®ef«Hen 's ^enhe des Herrn und die wilde Mordgier der tierischen I ^brinaen tiu F* Placidus und die hl. Flavia auf freiem Felde ! Wundeeion""F^uet"ng des jungen Klerikers, dem schon eine tiefe bilder» h.ne; sm A r ebenso hingebend wie auf den Anbetungs- I Mrchten Oinä?9 Fiuiien am Kinde. Dagegen wissen die fürchterlich ! Ii(f)e Echanei- aIIen Reizen geschmückten Jungfrau um fämb- geben, tB0 tirf. „enichtung. Correggio will gerade den Augenblick Darin bin n? losreißt. »»lscheidendsn einzigartiges Vermögen des Meisters, gerade die I ^fallet es nm !"-,"ke von Handlungen anschaulick) zu machen, und er I freiesten in seinen mythologischen Bildern. Ganymed wird * 3n den Gewölbemalereien des kleinen quadratischen Saals im Kon- vent von 8. Uaolo zu Parma scheint alles nur Heiterkeit zu fein, die fich hier, durch keine religiösen Fesseln gehalten, munter äußern kann Die Decke des Raumes ,st als grüne Laube gemalt, die von einem Gerüste tattioer Rippen durchzogen wird und aus der zwischen den Rippen ovale Durchblicke ausgeschnitten sind. Hinter diesen sieht man Gruvven I t i , von ie zwei Putten in verschiedenster Beschäftigung, und zwar sitzende L,eveNs- UNS LiebeSfahlt VeS KlußsalS. nicht in den Deffnungen wie in Rahmen eingegrenzt. Man sieht ihre I tRon Seter «nn», Gestalten niemals ganz und scheint nur ein zufälliges Bild von ihren I ^ekr -8aucr- {räftigen lockeren Körpern zu erhalten. Und da sie nirgends stillestehen I Im Schlamm der Sargassosee... ffinhrnrf n^minnln bewegen, kann man momentan den I Zwischen den Berrnudasinseln und Antillen im westlichsten Teil d-s LfniS •' x nul b,e Hinterbeine auf die Mal- treibende Beerentang, Sargasso, der diesem OzeanaebietdenNamenaab Sm" I MÜLL 4»*» D°rt steht in jedem Felde mit einem warmen Grau plastisch gemalt, ein mnuaturhast zartes, elfenhaft unwirkliches Figürchen aus der griechischen Mythologie,, auch ohne Farbe von einer greifbaren sinnlichen Anmut; tanjerjfd) .reizende Wesen, an denen kein Haar verzeichnet ist. Was mag das für eine Aebtifftn gewesen sein, die sich ihren Speisesaal so freudig ImMnnT -Ft F-aUt2’ roare aus seinen natürlichen Bedingungen noch viel dunkler als die Kuppel im Dome und die verwandte in stinstl^m'i. ,^" btn- wenn nicht in jüngster Zeit eine raffinierte künstliche Beleuchtung eingerichtet worden wäre, die dem an dieser Stelle nSlCF konservierten malerischen Schmuck zu zauberhafter Wirkung A btss 3 b €m Punkte haben wir es heute sogar besser als die Kranze ballen und nach oben streben, zappeln mit ihren elegant geformten Waden auf eine andere Weise in der Luft herum. Jede einzelne Figur könnte man aus ihrer Wolke sorgsam herausschälen und würde finden daß nichts an ihr vergessen sei. Und wiederum find alle diese Glieder nickt Einzelwesen zugehörig, sondern Eigentum eines gewaltigen Taulend- süßlers, der es versteht, in der Luft zu schwimmen. Das Licht ist Correggios Hauptmtttel, um das Auseinanderliegende gemeinsam zu macken Es formt d.e kräftigen Muskeln fahrt an Fesseln und Fersen her^ stteichett lecht über die empftndlichen Fußsohlen. Außer Beinen gibt es haupt- sochl'ch klugen, die famnietschnmrz aus den zarten Gesichtern locken und bei aller Oberflächlichkeit und Gefallsucht traurig machen Correggio gehört auch zu den Künstlern, die ihre eigene Seele aus den Augen ihrer Geschöpfe sprechen lassen, und den gewissen feinen Trüb- ■ ... . ______ _____ sinn, den wir an seinen Menschen gewahren, hat er offenbar auck in ber I 'fu’rtungen fanden nach seinem Tode noch allgemeiner Tat besessen. Nach alten Nachrichten soll zu seinem Charakter ein düsterer I h rFn xbl! ^nb,°9e Jür bie gosamte Plafondmalerei Weltschmerz gehört haben. War denn die Fröhlichkeit seiner Bilder nur ^ohrhunderte. Was bei dem Meister noch gebändigt und in jeder Einzel- Ausdruck sehnsüchtiger Hoffnung und entsprang nicht einer elementaren « ’n ““"nd Gedanken durchzogen war, zerfuhr in der Nachahmung Anlage? Wer kann unterscheiden, wo unsere Sehnsucht sich von unserem Upb c?beit,ln nichtssagender Süßlichkeit. Das sollte Wesen trennt? 7,7 1 m I aber nur ein Beweis für tue überragende Größe Correggios fein daß " mcht zu imitieren und anzuempsinden ist. Seine Kunst ist der 'Au°- druck seelischer Werte, die wir sonst nirgends in der Kunstgeschichte ver- mlnAr-'nbcn® Jft:reln notwendiger Bestandteil im Gesamtbilde des menschlichen Kunstschaffens. Kr ten für traf Sir süß reg Es leid lach bei den sinn Tat Wel Aus Anl< Wes vent hier, Secti ftrut ovosi von nicht Geste kräfii sich i Sind Auch ist, l< fläche N ans s. Raun Dort minra Myth tänzer das fi ausde (junge S. 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Der sonst so schweigsame Gutsoerwalter räusperte sich und stotterte auch etwas von einer Neuigkeit, welche er mitgebracht, und griff nach der hinteren Rocktasch, als ob er sie da herausholen wollte. Allem eiw strafender Blick feines Herrn traf ihn so scharf, daß er verstummte und die Hand ganz langsam und leer aus der Tasche zurückzog. . Der Graf aber trat kühn gegen die Lichter und hielt eine prächtige Guarneri-Geige in die Höhe. „Welche Anmut der Form! rief er, „die medieeische Venus hat keine reizendere Taille als diese Guarneri! Welly unvergleichlicher Schnitt der F-Löcher! Kein Bildhauer hatte die Schnecke zierlicher winden können! Bor allem aber bewundert diesen edeln, leuchtenden, spiegelklaren, unversehrten echten altitalienischen Oellack! Er ist mir lieber als ein ganzes Gemälde in Oel. Ein Oellack — — Hier schlug ein Blitz herab, als ob er mitten durchs Schloß gefahren sei, ein kurzer Donner wie ein Kanonenschuß krachte im selben Augenblicke nach, und schwere Steine rasselten vom hohen Giebelfchornstem. — „Gott steh uns bei!" rief der Kammerdiener; — „Jesus, Mana und Joseph!" der Verwalter; — „es hat eingeschlagen!" der Freiherr und sprang hinaus. , ■ , m ,, „Ein Oellack", fuhr der Graf begeistert fort und faßte den Verwalter, der auch hinaustrachtete, am Rockknopf, „hören Sie, ein Oellack, wie er außerdem gar nicht mehr auf unsere Zeit gekommen ist. Der Teufel $Ola3ei diesen Worten fuhr ein zweiter Blitz hernieder, daß die ganze Stube wie im Feuer aufleuchtete. — „Um Gottes willen, fluchen Sie nur jetzt nicht, fluchen Sie nicht das Schloß in Brand!" flehte der Verwalter. , _ Aber der Graf faßte ihn nur etwas fester, nämlich am ganzen Kragen I und fuhr fort: „Ich sage, der Teufel hole die neuen Geigenmacher, welche mit ihrem niederträchtigen Spirituslack nicht nur ihre eigenen schlechten I Fiedeln verpfuschest, sondern oft genug auch noch die edelsten alten Geigen dazu." Dann ließ er den Verwalter los und spielte mit keckem Bogen die Tonleiter auf und ab auf der wundervollen Guarneri und prüfte alle Saiten und Lagen," bis endlich der Freiherr zurückkam und meldete, es habe in einen Baum neben dem Schlosse geschlagen, ohne weiteren Schaden. Hierauf aber wandte er sich zum Grafen und fragte ihn trocken, ob denn dieser edelste Oellack etwa auch den Ton der Geige veredle. „Der Ton", erwiderte jener, „wird dadurch nicht besser und nicht schlechter; aber ein echter italienischer Lack ist eine Augenweide an und für sich, und ohne ihn wäre die schönste Geige ein totes Bild, wie ein Menschengesicht ohne den verklärenden Lichtglanz des Auges." „Nun gut", sprach der Freiherr, „so wollen wir nachher diesen in Del leuchtenden Seelenblick deiner Guarneri bewundern, vorerst aber greifen wir zu unseren altgewohnten Instrumenten und zum Quartett" und er begann das a zu streichen, und dies war das Signal, daß jedes Gespräch verstummen solle. Der Graf biß sich in die Lippen und stimmte die dargereichte Stainer-Geige so heftig, als wolle er alle vier Saiten durch und durch spielen, und das Quartett begann. Der erste Satz — in E-Dur — hob ganz gemächlich an, steigerte sich aber bald zu einem überraschend schwierigen Tongewebe. Das war dem Grasen ganz recht; denn er spielte leicht und keck, fast wie ein Virtuose. Der Freiherr dagegen, bei welchem die Musik so überwiegend inwendig saß, spielte schwach und war im Zählen noch schwächer. Nun verließ er sich gewöhnlich daraus, daß ihm der Guts- und Quartettnachbar zur rechten Zeit einljelfe, vorzähle und sonst einen kleinen musikalischen Rippenstoß gebe. Allein die Hilfe blieb diesmal aus. Der Graf war ganz versunken in seine erste Stimme und ließ den armen Bratschisten hilflos suchend umherirren, bis er im nächsten Wirtshause, das heißt beim nächsten Halt, mit den anderen wieder zusammentraf. Der Freiherr merkte wohl, daß dies die Buße für den Oellack fein solle, und fand seinen Freund, der auch als Mensch ganz besonders durch Lack und Schnitt glänzte, diesmal unangenehmer als je zuvor. Es dünkte ihm impertinent, daß ein Graf so fertig geige, als ob er ein Musikant fei, und über diesem Gedanken verlor er völlig den Boden und „schwamm" und konnte kein Ufer gewinnen. So fing man denn den Allegrosatz vier- bis fünfmal wieder von vorn an und schlug sich zuletzt auch mühsam bis zum Ende durch; allein die Aufgabe war und blieb zu schwer, und man kam zu keinem reinen Genuß des Ganzen. Obgleich nun aber der Freiherr das Spiel zumeist verdorben hatte, ahnte und erriet er doch am tiefsten die verlorenen Schönheiten des Werkes, und da er sie auf feiner Bratsche nicht hatte klar machen können, so begann er, während man eine Weile verschnaufte, dieselben um so beredter mit Worten zu erklären. Das ärgerte nun wieder den Grafen, der so gut zu geigen, aber nicht halb so gut über das Gegeigte zu reden verstand, und er wandte sich deshalb, derweil sein Freund ästhetisierte, an den Verwalter und fragte nach seiner Neuigkeit in der hinteren Rocktasche., Der Freiherr schaute auf fein Notenblatt und sprach, halb in sick) hinein, halb für die anderen: „Der Anfang ist ganz schlicht, ruhig, bescheiden; das hat Haydn oft; man erwartet ein sinnig gemütliches Stück--" „Karlsruhe, den 30. April", las der Graf mit halber Stimme in einem Zeitungsblatte, welches der Verwalter aus seiner hinteren Rocktasche gezogen. — „Der Rastatter Kongreß hat ein schreckliches Ende genommen. Da der Erzherzog Karl die Franzosen in den letzten Wochen über den Rhein zurückgeworfen hatte, so rüsteten sich die französischen Gesandten zur Abreise. Allein —* „Allein gefesselt von den einfachsten Melodien", fuhr der Freiherr fort, „von den unscheinbarsten Themen, aus denen sonst kein Mensch etwas Gescheites machen könnte, werden wir mit jedem Takte durch neue Ton- aebilde überrascht —" _ • , Kaum sind sie vorgestern abend um 10 Uhr zum Tore hmausgefahren, so wird ihr Wagen von Szekler Husaren angefallen, und tue zwei Minister Robertjot und Bonnier werden mit Säbelhieben jämmerlich erschlagen —" _ „ , j, „Recht heiter beginnt der Satz, zu tief bewegendem Ernste aber wachst er empor im zweiten Teile —" „ .. „Der dritte, Debry, wird schwer verwundet tn den Chausseegraben geworfen —" „Denn das ist die wunderbare Art dieses Mannes, daß er uns oft da am innigsten rührt, wo er scherzt und lächelt —" „Indem er sich aber tot stellt, begnügen sich die Szekler,- ihn aus» zuplündern und liegen zu lassen —" Und indem er schwermutsvoll klagende Weisen anstlmmt, überkommt uns eine fülle Seligkeit, ein heiterer, heiliger Friede —" (Fortsetzung folgt.) Correggio. Von Wilhelm B o e ck. Es gibt eine Auffassung, nach der das große Zeitalter der Renaissance eigentlich erst im 19. Jahrhundert zu Ende geführt worden sei, nach der die Kunstäußerungen des Barock, des Rokoko, des Klassizismus und des „monumentalen" Stils im 19. Jahrhundert sämtlich nur als Abwandlungen der Prinzipien zu betrachten seien, die im klassischen Seitalter der italienischen Kunst ausgestellt worden sind. An dieser Theorie ist gewiß das eine richtig, daß die Wertmaßstäbe in diesen langen Epochen immer von den unantastbaren großen Meistern Raffael, Michelangelo, Tizian hergenommen wurden und man sich erst seit wenigen Jahrzehnten von diesen akademischen Vorbildern sreigemacht hat. Diese Selbständigkeit der Gegenwart ist etwas sehr schönes, nur hat sie begreiflicherweise zu manchen Ungerechtigkeiten gegenüber den früher hoch- geschätzten, heute als entbehrlich gekennzeichneten Vorbildern geführt. Unter dieser Geringschätzung hat auch ganz besonders ein Künstler zn leiden, der sich im Rokoko, aber auch gerade in der Spätzeit des letzten Jahrhunderts hervorragender Beliebtheit erfreute, nämlich Correggio. Man vergißt bann, daß der Meister die Kunst Europas um Jahrzehnte vorgetrieben hat und ihr Gebiete eröffnet hat, die heute noch fruchtbar sind. Man bringt sich vor allem selbst um den Genuß, eine höchst geniale und eigenartige Persönlichkeit kennenzulernen und etwas vorn Reiz ihm Werke ins eigene Leben hinüberzunehmen. Correggios Bilder sind dauernde Ueberraschungen, nicht nur insofern er durch kühne Erfindungen jedem Werk eine ober mehrere Köstlichkeiten, die man noch nicht gesehen, auf den Weg gegeben hat, sondern viel allgemeiner durch seine Entdeckergabe, die ihn den Bildelementen seiner eignen Zeit solche zugesellen läßt, die erst lange nach ihm Stil geworden finb. — Der Meister ist 1489 in Correggio geboren und hieß eigentlich Antonio Allegri. Er war also ungefähr ein Zeitgenosse Raffaels, und wie dieser starb auch er früh. Sein Schassen erstreckt sich nicht über große zeitliche Entfernungen, wie das bei Michelangelo und Tizian, dem neunundneunzigjährigen, der Fall ist. Und doch vereinigt auch er die Ausdrucksweisen mehrerer Generationen in sein« Kunst. So finden sich neben Eigentümlichkeiten der Frührenaissance, di! noch um Abgewogenheit ringt, bei ihm Bewegungsmotive, die man nur als barock bezeichnen kann, und eine weiche Grazie, um derentwillen ihn das Rokoko als Ahnherrn verehrte. Man weiß von feinem Leben sehr wenig und seine künstlerische Ausbildung kann gleichfalls nur aus [einen Frühwerken erschlossen werden, die man in beträchtlicher Zahl, aber ohne ihre Reihenfolge sicher besim- men zu können, zusammengestellt hat. Von M a n t e g n a, dem großen problematischen Grübler Oberitaliens scheint er ausgegangen zu fein, w seltsam genug nehmen sich dessen ernste Gestalten in Correggios fchon von allem Anfang mehr zum Lieblichen neigenden Bildern aus. Es W sich psychologisch mit dem weichlichen Charakter seiner Formgebung wH vereinigen, daß der Jüngling sich seinem Vorbild so eng anpaßte, daher ganze Figuren wörtlich übernahm und nur gewissermaßen ihre Oder- fläche persönlich umformte. Das Merkwürdige ist gerade, daß er WS dieser ausgesprochenen Hingabe an Fremdes von Anfang an eine (m individuelle Natur zeigte. Deren eigentliches, heiter empfindsames W fand aber zuträglichere Nahrung bei den führenden Meistern von c ’ logna und Ferrara, bei denen er sicherlich auch gelernt hat. Eine rege- rechte längere Schule scheint er aber nicht durchgemacht zu haben, vu roar offenbar auch eine innere Unmöglichkeit für ihn, denn MeM seiner Art können nur in einer gewissen Abgeschiedenheit Grcßeswm - da ihre Lehrer ihnen das Selbstbewuhtsein nehmen und die Nahe « Mitstrebenden sie ebenso entmutigt. Dieses Asyl für fein Schaffen M Correggio in Parma, wo er bis zum Ende seines Lebens unbeniW, aber mit Aufträgen wohlversorgt seine Tage zubrachte. , Die Werke Correggios sind in Parma das große Erlebnis, wenn i auch zum Teil — die Fresken nämlich — sehr schlecht erhalten sind. J fühlt sich so in seine luftige Welt hinein, daß man den Emst M - Schwere nicht findet, um die archaischen Bauten in der Nachbars - besonders das ehrwürdige Baptisterium, zu würdigen, ßieber Jteigi'' hinter einer Laterne her die stockdunkle, steinerne Wendeltreppe z Kuppel der Kathedrale hinauf und stößt sich ein paarmal den WL j um die von unten zu bewegten Massen verschwimmenden Gestauen^» in Auge betrachten zu können und um mit den verwegen univu« Englein Zwiesprache zu halten. Der bröckelige Zustand der Fresken ip'^ daß die Illusion, als schwebe der ganze Wolkenapparat frei >m sich nicht einstellen will. Dafür sind aber die unendlichen Emz n noch ein sehr hoher Genuß. Das Bild in der Kuppel selbst, 6(r Himmelfahrt Mariä zum eigentlichen Gegenstand 'hat, bestehl " Hauptsache aus Beinen und mutet in dieser Beziehung wow modern an. Die Kunst beginnt aber erst bei der unerschöpflichen tion: Alle Engel, die zwischen den Wolken drinstecken, sich mit >h I