Wink» bis ■ft i>u fjier •eiterreiten )lanis. Cz r Torheit 4 entsetzt, e bei uns. tct? SBos nken ein« r für uns t an, mich ch schwieg Leizenbrot r sich Heu utierenbcr unter dem gefunden, ressen zer< nstvoll im ch handle: er sei, sich »aren fast el morgen Erklärung bekräftigt ie Kinder, s Arabers u füttern, ue Hände, , worüber . Aber ich > den Abu n weniger en meiner Welt zn > behalten t. Achmed >erfchwand ipierenden gfam und feine 2tuf> ir Bauern, über das haft eines .ingen als Langohr laufen der Deltaland- Zlut üben jf halbem j über die Tierarzt, sfa zurülk- zen Stadt se Stunde efe Däm- daiikbar. Das nxu iefe Nacht, Paschg. Zu rzblau der ntaftifchm inn kaum ten meine nn letzes- Herr, der Fellahs", im letzten lt deehald Dhsäckchen Kraft de; auch noch wie ei« Sic dankte zu erteil' teuer und bewegtet tt Dopl-el' statt d'l Gietzen. Siebener,Vaniilicnblälter Hummer 75 Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger I neugtertg in meinem Zimmer um. Dann fing id> an gefdjäföa™ ?äumen ÄSSÄ „T'n'A^S ÄÄ*ÄUt 5 trgenbeme Schule oder in ein Büro. Denn pünktlich um neun Uhr fmiJn w-r uns auf dem Perron und wenn es nur irgeM zu machen war I in?» roLr un,5 gegenüber. Wir schauten einander in die Augen- offen kein Prüfen °fctn $e^rcn- of)ne Heimlichkeit Es war I fx11} -Prüfen, kein Locken, kein Angriff ,m Blick. Es war Nick» .mh I tNeborgenheit und wie Heimkehr. Nur die zwei Menicken dl- f'uh I SIRancbmaf frfri^n r:„ ^ns Umeinander mit dem Mick. $ $ lch>«n sie mir wie ein Mädchenbildnis meiner Mutter Mwas, was zu nur gehörte, ohne mich zu kennen.) Wir sprachen nickt' Wir grüßten nicht einmal. Das war das Schönste hahei TOir Am Lehrter Bahnhof stieg fie hnmer aus W m,. p.'in--»,Pr.q-„. M,i,n ml, »«nm«», Sa wandte sie sich mir zu und blickte mich so an, so... fa so wie fick S1*’1 un Konzert zwei anschauen während der Musik Schweigend^ I Weil man ja weiß... Es ist dieselbe Musik, die man fühlt Und ich ^enn JDn,5 ich ^gen sollen? Was hätte ich sagen können? Wir standen dort auf dem Berliner Bahnhof, beide in der Fremde braufjen in der weiten Welt, die uns mit dem weißen Sprühen der Winternebel das große Konzert gab. Man wußte ja Es war dieselbe Musik, die man fühlte. Jedes Wort wäre trivial und lächerlich geworden. Nach einigen Tagen kam sie mit einem anderen Mädchen, offenbar nut einer °lfen Bekannten. Damals hörte ich zum erstenmal ihre Stimme I und ihren russischen Akzent. Ihre Begleiterin war eine Deutsche, hübsch und fr- ch w,e junges Gemüse und schwatzte lustig und vertraulich. Marfa antwortete gelangweilt und unwillig. Das Mädchen schien das von ihr nicht gewohnt zu sein Merklich betroffen horchte sie auf. Und blickte bann mit gutem Fraueninstinkf mißtrauisch nach mir herüber. Denn sie fühlte- NäheTu betonen bet°nt' Um nart) anderer Richtung eine intime Ms das Mädchen an der nächsten Haltestelle ausftieg, hatte Marfa ein mu&Js £a(Wn: "Wie sind doch diese fremden Menschen lästig'" . und bald hat es sich so ergeben, daß jedes Gefühl und jeder Gedanke in mir eigentlich als Antwort auf sie entstand. Ich sah sie in der dunklen Sde meines Zimmers sitzen und sprach zu ihr. Ich ging unter Menschen nur, wenn ich sie gleichsam mitnehmen konnte. Und wenn wir uns des Morgens trafen, war es immer wie nachher. Man wußte ja. Man blickte sich an und schwieg. (Wir waren sehr jung.) . .3u der vierten Woche geschah es einmal, daß außer uns bloß noch orc' ,®:tubenten im Wagen saßen. Sie fixierten meine Freundin und machten lümmelhaft anzügliche Bemerkungen. Mich packte die Wut und ich wandte mich gerade zu den Kerlen hin. Da stand sie plötzlich auf setzte sich neben mich, nahm mir bas Buch, das ich hielt, aus der Hand und blätterte darin. Sie zeigte ben ©tubenten, daß sie nicht allein fei Das genügte ihnen auch. Sie wurden still und stiegen bei der nächsten Haltestelle aus. 71 Da stand sie auch auf und fetzte sich auf ihren Platz zurück. Wir wurden alle beide sehr verlegen und ein wenig bleich. Denn jetzt werden wir doch endlich miteinander reden. Jetzt wird es sich nicht mehr vermeiden lassen. Ich beugte mich zu ihr hin und wollte sprechen Aber es fiel mir das erste Wort nicht ein. Wie sollte ich beginnen» Sollte ich mich vorstellen? Wie ich heiße? Woher ich komme? Was ich treibe? Sollte ich sprechen wie zu einer Wildfremden, die keine Ahnung hat? Sollten wir alles sagen müssen, was wir nicht wissen und damit Herbstsonne. Bon Peter Bauer. In Gärten, zwischen Dahlien und Gladiolen Der Rosen zweite Blüte sich entfaltet. Wie Frauen glühn, eh' Herbst und Welken waltet. Als wolle Reife Jugend wiederholen. Tagpfauenaugen, rasch entschlüpft den Puppen, Die noch vor Wochen schwarze Raupen waren,' Bestehn entzückt des ersten Flugs Gefahren Im Feuer ihrer Samt- und Silberschuppen, Als locke Maienblust zu Liebesspielen, Und raschle Laub nicht, das die Tritte'trafen, Bon langer Nächte Nahen und Winterschlafen, Die Frost- und Nebelschiffe rauh durchkielen. Glückvoller Trug, da die gekürzten Tage Noch immer golden ineinanderblauen. Als rüste die Natur sich neu zu bauen — Snbes der Wind schon schwillt zu Sturm und Klage. Zwei Menschen begegnen sich. Bon Bela B a l ä s z. UMWWMS-- sthr jung. S?h?jung^ 6tubei6<.rt Savignyplatz ging, hatte ich das Gefühl, er mich sich^ ' feme5 Menschen Auge sehen konnte, daß roar.am 12- Januar. In der Stadtbahn setzte sich ein schmächtiges öS pin'n ^genuber Sie hatte schwarze Haare, ein kreolbkiches Augen' 9r°Ben' bre,ten Mund. Und sie hatte große, schwarze niA^^L^ il? Ä«r nicht gleich bemerkt. Ich sah sie zuerst gar itas '^,^1 J'nrr e uufs Fenster. Ich wollte eigentlich hinausschauen, aber I SÄmwV ."»^laufen unb mein Arm rührte sich nicht, um mir «nb überhmmt sue.zuwischen. Ich hatte nicht bas Gefühl, an ber Sache snr-M^upt 'rgendetwas andern zu können. Renffor Ins fitB-ein schwarzer Muff zwischen mein Gesicht und das ber irfsmar? m '.F/™ Stelle an der Scheibe frei. Dann zieht sich I JWuff zurück und ich blicke ihm verwundert nach. I dien (=£ n XA f,ec5un2 erstenmal gesehen. Es war das tartarifche Mäd- zum Senfter abgewischt — für mich. Sie konnte die Stelle I ,m°i „^"^schauen gar nicht gebrauchen. Erschrocken starrte ich in die I äunon schwarzen Augen. Es waren ganz einfache, traurig-ernste I nidu, s'e^blickten mich ruhig, vollkommen absichtslos an. Sie wollte tonn 11 „XiV u uß mir das Fenster abwischen, damit ich hinausschauen I mein-?. b ^s war erledigt. Erschrocken sah ich aus der Menfchentapete I ö, / Umgebung jemanden heraustreten: ein Lebewesen. teiienhon • m <&ren ^ugen, daß sie mich sieht. Nicht überhaupt den Mit- I Br -k sondern — mich. Sie sieht, daß ich gestern den I iiabe geschickt habe, daß ich geweint und mein Manuskript zerrissen rtmn« m?!". Schreck löste sich in eine sonderbare Scham auf. (Die hatte ^iches, wie wenn man eben gesungen Hai.) Und wir blickten i sehen ihn nur als den heißen, griechenland- Fuß von Bordeaux nach seiner Heimat anf- mns Loses Kainz. Das Wunder einer Stimme. Bon Anton Kuh. Mimen. . , .. Warum? Weil der Sturmschritt, mit dem er, kaum 25iahng, auf tue Bühne des Ruhmes sprang, und alle Tradition des Theaterstils rings umwarf, denkwürdig blieb, alle späteren Früchte der Gesetztheit, die er sich und uns beschert«, reichten nicht hin, daß darob jenes Bild verblaßte. * Wenn man den Namen „Kainz" ausspricht, gesellt sich sogleich ein anderes Wort dazu: Fanfare.. Wie ein Fanfarenklang brach Kainz in das ehrwürdige, altersruhige Gefilde der Hoftheaterdeklamationen ein. Eine Fanfare er selber mit seinen verdursteten Augen, seinem pagenhasten Leib. Eine Fanfare seine an den Nerven zerrende und zugleich zu melodischer Glockenfülle sich wölbende, vesuvisch der Brust entrissene und doch Wohlklang verschwendende Stimme. Wenn man es physiologisch genau nimmt, möchte man sagen, daß er ein Wunder des unbegrenzten Atems war — wie vielleicht Caruso oder in anderer Art Mirabeau. Einen unendlichen Atem haben — heißt das nicht vollkommen sein? Denkt nur daran, wie brustschwach, wie beklemmt, mit welcher ökonomischen Borsicht die andern atmen und wie sie dieser Begrenztheit des Atems die Borsichtigkeiten, Selbstbezähmungen und kleinen Wirkungstricks ihres Lebens anpassen! Sie nennen es dann „Auffassung" oder „Tradition" oder „Schule" oder gar „Kultur" — aber es ist nichts als Atemmangel. Wer aber Herr seines Atems ist, ist Herr durch seinen Atem. Er gibt sich sein eigenes Gesetz. Ein solches Genie des Atems war Kainz. Er war weder alte Schule, noch neue Schule, er war überhaupt nicht Schule. Er verschmähte Pathos und Deklamation des Hostheaters, aber «r verzettelte Wort und Gestaltung auch nicht in den kleinen keuchenden Nuancen, die der Naturalismus eben zum Gesetz erhob. Er folgt« vielmehr, sei es in der edlen Raserei seiner Gebärden, die kein Dorbild und kein Studium kannten, sei es in der Kühnheit von Haltung, Schritt und Kopfwurf bloß seiner ewig dröhnenden Stimme — diesem stolzen Besitz seiner Brust, der ihn hieß: als Souverän auf der Bühne zu stehen,— und stch zu verbrennen. Man muß sich dazu nur erinnern, wie diese Stimme berühmt wurde. Es war — ein Moment. Eine Dame, Tochter eines berühmten Schriftstellers, hat diesen Moment unlängst in ihren Erinnerungen beschrieben: Kainz, der Wiener (streng genommen: Wieselburger), war damals, zu Beginn der achtziger Jahre, in Berlin engagiert. Fünfundzwanzig Jahre alt und wenig beachtet. Eher mochte sogar seine Ungebärdigkeit, das grundlos Auflodernde seines Wesens, für damalige Begriffe eckig und unvollkommen wirken. Da geschah es, daß Kainz — ich weiß nicht mehr, ob er sich auf Gast- fpielfahrten befand oder erkrankt war — mehrere Wochen lang dem Berliner Haus fern blieb. Am Abend seines ersten Wiederauftretens ist „Wilhelm Telk", Kainz spielt den Melchtal. Als nun Melchtals erste Worte aufklingen (sie werden bekanntlich noch hinter der Bühne gesprochen), — Gefühl darauf, daß es die Stimme des jungen Mannes schon lange nicht vernommen — daß es sich nach ihrem neuartig flackernden Glanz, ihrem Goldton worin Jubel und Klage sich mischt, bereits gesehnt hat — automatisch klappen die Hände aufeinander — ein Begrühungssturm bncht los, daß der junge Wiener da oben vor Verdutztheit in seinem Text '""sta diesem Augenblick war das Wunder der Kainzstimme entdeckt. Heu als Zi „Priva zusetzer Als ausgegi Wiener nicht n abende: „Die 2 den Na Wei Presse" wie je: plötzlich Berfoni matenb spielt: , Kainzer «us bei einmal! Imitate ihre W Für weniger Wer gegen l das ps Brecht, großen hot das Es gibt Menschen, die unsere Erinnerung nur als Jünglinge sieht, mochten sie in Wirklichkeit auch das Greisenalter erreicht haben. Hölderlin, der Hellas-Schwab, wurde (freilich in geistiger Umnachtung) über siebzig Jahre alt; aber wir sehen ihn nur als den heißen, griechenlandtrunkenen Jüngling, der zu Fuß von Bordeaux nach seiner Heimat aufbrach. Napoleon wurde zweiundfünfzig — aber wer denkt, wenn er seinen Namen hört, an den fettleibigen Imperator oder den Pflanzer von St. Helena und nicht zuerst an den Sieger von Arcole, wie ihn ©encautt malte, an den haarflatternden, bleichgezehrten Knaben, der die Truppen über di« Alpen führte? ... Zu diesen ewigen Jünglingen in der Bildergalerie unseres Gedächtnisses zählt auch ein großer Schauspieler, dessen Todestag sich eben zum zwanzigsten Mal jährte: Josef Kainz. Er starb mit 56 Jahren, sein Lockenkops war gelichtet, um seine blühenden Lippen zogen sich Furchen. Aber er ist für uns der lockige, fahnenschwingende Held geblieben, der Knabe Achill unter den deutschen 2 i Das @rünbei unb Na wenn a denen ' behördli Verlust rungszu stosse in Gan, fragen i kurzem ten Sto find. N Säuerst: behrlichk stch fchn Ergänzu gen und kann fei Obst, M ordentlü langen Hat Zeit bek in miße dringlich Zubereü hinaus 2 in roeiig werden lief) in g um eine kommt, andere < stch gan feinste , Hier her mit Einfluß produzie entfalten verm i die in C dmworg, Zellartei vieren, i B sp ichteggel . Zum 'm chem °°n der Produkt hohe ge doz in k°!f ist er unser Wissen diskreditieren um das, was man gar nicht sagen kann. Sollten wir jetzt von vorne anfangen? . Denn unsere Worte konnten nicht dort fortsetzen, wo unsere Blick« aufgehört hatten. Wenn ich sie am ersten Tage angesprochen hatte, dann ja Aber jetzt... Es wäre eine Lüge, wenn wir letzt einander Fragen stellen müßten, wie sich zwei Fremde fragen. Sind wir denn Fremde? Wir waren mit unseren Blicken schon zu wmt. Es war zu spat. Sie schaute mir mit stillem, traurigem Blick in die Augen Siehak mich verstanden. Sie hat alles verstanden. Ja, gerade darum konnte ich nie mehr mit ihr reden. Ich senkte meinen Kopf und fühlte em« unbegreifliche, tiefe Scham. Da hielt der Zug. Ich fühlt« die Berührung einer leichten Hand auf meinem Haar, dann hörte ich, wie sie ausstieg. Wir waren am Lehrter Nachher reisten wir noch zehn Tage auf diese Weise miteinander. Wir schauten einander mit ruhigem Vertrauen in die Augen wie Menschen, di« nicht mehr miteinander zu sprechen brauchen. Am zehnten Tage kam sie in einem Reisekleid und hatte drei Tulpen m,^r Hand. Sie setzte sich nicht wie sonst mir gegenüber, sondern neben mich. Als der Lehrter Zug sich dem Lehrter Bahnhof näherte, sagt« sie Plötzlich leise: „Ich reise heute nach Rußland zurück... Ich heiße Marfa Kusmitsch. Ich sagte ihr, wie ich heiße. Kein Wort mehr. Der Zug blieb stehen. Leb wohl", sagte sie und legte mir die drei Tulpen m den Schoß, weil' ich von Traurigkeit gelähmt, nicht nach ihnen greisen konnte. Vorher hatte es bekanntlich schon ein anderer entdeckt: Ludwig II. von Bayern. Man hot die romantische Freundschaft belächelt, die hier einen König mit einem jungen Schauspieler verband. Romantik ist eben immer etwas Unverstandenes. Aber ist es für den Kenner von Ludwigs Wesen (das ein Franzose mit dem Wort „König Hamlet" trefssicher befi» niert hat) nicht ein ausreichender, Standesklüfte überbrückender Freundschaftsgrund, daß er stch auf Berggraten von dem Jüngling erhaben« Textstellen hersagen, die Einsamkeit der Lüste durch die herrliche, nie zuvor vernommene Melodie einer Stimme füllen ließ? Und schließt Nicht der Shakespearesche Dänenprinz selber auch mit einem Schauspieler Freundschaft, weil dessen Stimme ihm »vorher Tränen entlockt«? ... ♦ Der in Berlin Entdeckte kommt an der Schwelle des Mannesolters ans Wiener Burgtheater — Heimkehr über Ruhmesgipfel. Romeo, Leander, Prinz Heinz ist fast vierzig Jahre alt, doch unter den Siebzig- und Achtzigjährigen des Burgtheaters ein Jüngling. Ein Jüngling. — Mehr als dies: ein Neuer. Ein Erster. Die Amtswalter der Intendanz haben Müh«, ihn gegen die alte (Barbe durchzusetzen. Ludwig Speidel, der Jakob Burckhardt unter den Theaterrezensenten, bietet ihm keinen zu freundlichen Willkomm. Bricht dieser Neue nicht auch zu tobend in eine alte Kulturwelt ein? Hat man eine solche Entfesseltheit, solche Schreie, ein solches Berserkerrasen der Stimme schon je erlebt? Und sagt nicht sogar der satirische Zeitschristenrebell der Stadt (der es ihm freilich, wäre die Natur zarter mit ihm verfahren, gar zu gern nachgemacht hätte) höhnisch von ihm: seine Stimmgewalt muss« am Schluß der Vorstellung ja doch dem Donnergebrull des Wagen- rufers weichen, der den Ruf in die Nacht fchmettere: „Hundertvieradochz ga — vurfoahrn!" ...... ^ . s Nein, der später« Vergötterte hat es zuerst nicht leicht. Es ging darum: „Ensemblemitglied" zu scheinen, sich «inzufügen, den Rahmen nicht zu mengen. Welches Ansinnen an jemanden, der als einzelner und einziger dastand der weder modern noch veraltet war, weder „altes Burgtheater noch .neuer Geist", und mit jedem Atemzug den Rahmen sprengen mußte, in den er jeweils gestellt war. Der sich mit seiner Rolle streng genommen niemals deckte, und doch immer deren bezwingendster, unvergeßlichster, strahlendster Träger war! Sein Spiel kam vom Wort her, nicht von der Figur, in Wortflammen gehüllt, durfte er gelten, für wen er wollte; unb konnte nach dem wechselnden Klang des Wortes bald wie ein Knabe aus- lehen bald wie ein Satan oder eine männliche Hexe. Ja, feine Maske folgte bloß den vielfältigen Stimmregistern: zur melodischen Süße seiner Piano trug er das demütige, knabenhafte Leuknantsgeftcht „Frätzchens (des Sudermannhelden), zu den zerfchluchzten, wie «us Brustkratern rauchenden Jammertönen das Voltairegeficht feines Richard II. Und in manchen Momenten konnte man den Uebergang von einem rum andern eben, vom Knaben zum Dämon: wie er etwa als Orest mit blankem Kindergestcht aus der Ohnmacht erwachte, um gleich hernach bei der I Vision des Tartarus voll der Schmerzenshäßlichkeit eines Laokoon den Mund aufzusperren... # Kainz wurde Liebling. Zweimal des Jahres rauften sich die Leute an den Vortragskassen, um ihn fpredjen zu hören. Viele haben diese Kainzsch« Sprechart nachzuahmen ver ucht. Niemand mit Glück. Er war ein Reiter auf dem Wort. Seiner Art: sich mit fa|t hexenhafiem Ingrimm in d-n Anlaut der Worte zu verbeißen — gegen alles Herkommen des Sinns mit verhängtem Zugel die Rhythmen enl- lana zu jagen — doch vor allem: in einem betäubenden treppauf, treppao, hierhin und dorthin der Töne den Bogen der Rede so unendlich zu spannen, daß immer noch ein Nachhall des beendeten in den neuen baß hinübertönte — wer kam darin bis heute Kainz gleich oder auch nut nahe? Moisfi, sagen manche. Nein. Moisst ist ein rounberfcarer Sänget der Rede. — Kainz war ein Sprecher der gebundenen Wortmusik. Ramz war Paganini. Moissi ist dessen selbsttönendes Instrument. ♦ Ich sagte, daß Kainzens Stimm-Dämonie seine Gestalten und Masken folgten. Aber es folgte ihr auch, scheint es, sein eigenes Schick al. Er Ham elber etwas von seines Orest Erinnyen-Gejagtheit. Lebte zwi chen Bctim und Wien zerrissen wie zwischen zwei Möglichkeiten künstlerischen Sems. (Arthur Schnitzler hat diesem Konflikt seines Freundes in einem entzückenden Einakter ein Denkmal gesetzt; und der Held dieses Spiels P da, gleich Kainz, zwei Tonfälle: für Beruf, Umgang mü Kritik, EnM- rnentsabschlutz das Norddeutsche, für den Privatgebrauch aber tue W Hausjopp« des Wienerischen.) Dabei war der Herumgelagte, in TrimnM" Verglühende, ein stiller, milder Knabe. Ich sehe ihn noch vor mir, wie« am Ende der großen Burgtheaterabende beim Buhnenturl mit o lachenden Ruf „Grell!" seiner vielgeliebten Gattin in Me Arme hei einem armen Bubcrl ähnlicher als einem Triumphator. Und diese ww getriebenbeit seines Wesens, seine müde Musik, die aus Somoni Knabentum gepaarte ewige Unrast, die seinen frühen Tod ! anzukündigen wie herbeizurufen schien — sie heftete ihm die FromidW manches Dichters an die Lebensspur, so des selber fruhversto Hermann Bang. Ä . .Im3s I Kainz war ja, knapp vor Torschluß seines Daseins, selber f° „ L wie ein Dichter. Er übersetzte Byrons „Manfred und den „Figaw . Beaumarchais. Man beacht« . die Auswahl! Zwischen dem chelan• ) .' ngen (,ie weroen vetannuicy nocy ymier oer vuyne gejprua/eii;, — i dämonischen Helden des Engländers stvb der schlingelhaft uic geschieht? Das Publikum kommt plötzlich, wie aus einem raschen 1 Figur des Franzosen tag ja die ganze Breite seines eigenen • e nicht ihr«m ■ auto- b richt > Text ft. >'g IL ie hier jt eben abroigs ir defi- ireund- habene fre, nie ;t nicht afpieler >rs ans «ander, d Acht- ! Garde cheater- t dieser an eine Stimme bell der cfahren, ngewalt Wagen- dochz'ga darum: richt zu einziger theater" mutzte, rammen zlichster, von der Ite; und ibe aus- Maske e seines itzchens" stkratern Und in : andern blankem bei der oon den ie Leute Niemand mit fast - gegen nen ent- treppab, idlich zu uen Satz uich nur ■ Sänger ik. Kainz Masken Er hatte n Berlin n Seins, nein ent- piels hat Engage- die liebe numphe» r, wie er mit dem e fiel 7 se Wind anie und > sowohl »undschast storbenen so etwas jaro" de- mchol'sch- rmiittg-" sens. Heute ist es der Ehrgeiz der Schauspieler, sich außerhalb der Bühne als Zivilpersonen gewertet zu wissen. Sie übertreiben sozusagen das „Privatleben". Kainz hat das Recht, seine Bühnenrollen im Leben fort* zusetzen. , Als er im Sterben lag, wurden von seinem Krankenlager Bulletins ausgegeben wie über ein gekröntes Haupt. Er war ja am Schluß von den Kienern geliebt und vergöttert worden wie niemand zuvor, dessen Kunst nicht mit Operette und Schlagertext zu tun hatte. An den Bortrags- abenden im Musikvereinssaal verwandelte sich die Verehrung in Raserei. „Die Wiener Backfische", sagte damals ein witziger Kritiker, „schneiden den Namen Kainz aus der Zeitung und streichen sich ihn aufs Butterbrot." Wenige Wochen nach seinem Tode erschien in der „Neuen Freien Presse" ein Aufsatz Stefan Zweigs, „Die Stimme". Da war geschildert, wie jemand, der Kainzens geliebte Stimme nicht vergessen kann und plötzlich mitternachts, aus dem Bett heraus, von einem unwiderstehlichen Verlangen ergriffen wird, sie wieder zu hören, sich nach einem Automatenbüfett begibt und eine Phonolarolle in Bewegung setzt. Die Walze spielt: „Der Gott und die Bajadere". Es ist Kainz — Kainzens Melodie. Kainzens Wortwut, Kainzens Feuer. Doch alles verdeckt schnarrend, «us dem Grab heraus. Da weiß der Nachtwandler: diese Stimme war einmalig, sie ist unwiderbringlich dahin. Niemand, sei er Dichter oder Imitator, wird den Nachgeborenen sagen können, was ihr Zauber und ihre Wirkung war. Für nnch war Kainz ein „Genie des großen Atems", eines unter den wenigen, die die Erde sah. Wenn ich mich seiner erinnere, verdoppel sich mir die Lust, das Pathos gegen die glatte Vernunft zu verteidigen, die Ueberdimensionalität gegen das psychologische Dreikäsehochtum, Shakespeare gegen Bronnen und Brecht. Man lernt an den Männern des großen Atems das Vorrecht großen Stils. Oder mit anderen Worten: wenn es einen Kainz gab — hat das Burgtheater recht. Ernährung und Körperzustand. Von Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Emil Abderhalden, Direktor des Physiologischen Instituts der Universität Halle. Das Interesse an Problemen unsrer Ernährung ist aus verschiedensten Gründen in weitesten Volkskreisen fortlaufend stark gestiegen. Die Kriegsmd Nachkriegszeit mit ihren Nöten waren in dieser Hinsicht eine gute, wenn auch sehr unwillkommene Lehrmeisterin. Es galt, mit den vorhandenen Nahrungsmitteln auszukommen. Der bei der Innehaltung der behördlich vorgeschriebenen Nahrungsmenge eintretende Körpergewichtsverlust lehrte, daß zur Aufrechterhaltung des Körperbestandes eine Nahrungszufuhr notwendig ist, in der die in Frage kommenden Nahrungsstoffe in ausreichender Menge vorhanden sind. Ganz besonders stark angefacht wurde das Interesse an Ernährungsfragen durch die aufsehenerregende Entdeckung, daß entgegen der bis vor kurzem geltenden Lehre noch nicht alle zur Aufrechterhaltung des gesamten Stoffwechsels des Organismus notwendigen Nahrungsstoffe bekannt std. Neben Eiweiß, Kohlehydraten, Fett, Mineralstoffen, Wasser und Llluerstosf benötigen wir noch bestimmte Stoffe, die in Spuren unentbehrliche Wirkungen entfalten. Fehlen sie in der Nahrung, dann ergeben sich schwerste Störungen. Mit der Zeit sind sechs verschiedene sogenannte Ergänzungsstoffe (Vitamine) bekannt geworden. Wir kennen ihre Wirkungen und wissen, in welchen Nahrungsmitteln sie Vorkommen. Jedermann kann seinen Bedarf an diesen Stossen mit Hilfe von frischem Gemüse, obst, Milch, Butter usw. in vollem Umfange decken, reichen doch außerordentlich geringe Mengen davon aus, um die ihnen zukommenden Wirkungen in unserem Körper in vollem Ausmaße zu entfalten. Hat uns somit die Erkenntnis, daß es außer den schon seit längerer pctf bekannten Nahrungsstoffen noch solche unbekannter Natur gibt, die m außerordentlich geringen Mengen wirksam sind, an und für sich ein* örtnglid> klar gemacht, daß nicht jede Nahrungsmittelart in jeder beliebigen Zubereitung eine vollwertige Ernährung gewährleistet, so haben darüber hinaus Versuche der folgenden Art bewiesen, daß die feineren Zellvorgänge m weitgehender Weise durch die Art der aufgenommenen Nahrung beeinflußt werden können. Zu diesen Versuchen fei bemerkt, daß es sich um absichi- «<9 in ganz einseitiger Weise durchgeführte Kostformen handelt, das heißt, M eine Ernährungsweise, wie sie bei frei gewählter Kost gar nicht vor- fommt. So erhielten z. B. Kaninchen Tag für Tag Hafer, während Mdere ausschließlich mit ©rünfutter ernährt wurden. Die Tiere befanden ich ganz wohl und ließen nicht erkennen, daß in ihrem Zellgeschehen 'Este Veränderungen vorhanden sind. Hier sei eingefügt, daß unser Organismus, wie schon erwähnt, von außen her mit der Nahrung Stoffe aufnimmt, eben die Vitamine, die tiefsten Zufluß auf zahlreiche Funktionen in unseren Zellen haben. Wir selbst mH » ercn nun ""ch Produkte, die in kleinsten Mengen Wirkungen Malten, an die Lebensvorgänge gebunden sind. Jede Zelle erzeugt norm en t e. Das find in ihrer Zusammensetzung noch unbekannte Stoffe, w m Spuren große Umsetzungen zu bewirken vermögen. Ab- und Auf- mivorgänge vollziehen sich unter ihrem Einfluß. Ferner bringen manche «Harten, wie solche der Schilddrüse, der Bauchspeicheldrüse, der Neben- sm't M Geschlechtsdrüsen, des Gehirnanhangs usw. Stosse mit einer spezifischen Struktur hervor, die ebenfalls in Spuren eine aus- Maggebende Rolle im Organismus spielen. iw s, m T^l kennt man diese Stoffe schon so vollkommen, daß man sie Laboratorium bereiten kann. Ein solcher Stoff z. B. ist das Brndi / 'r'^ilddrüse abgegebene Thyroxin. Unter anderem facht dieses fahrt l n Stoffwechsel an und bewirkt, daß er auf einer bestimmten ^7. gehalten wird. Ein weiterer Stoff dieser Art ist das Insulin, StofMfi. t"beren Hellen der Bauchspeicheldrüse bereitet wird. Dieser Feh,! ‘ llir den normalen Ablauf des Zuckerstoffwechsels unentbehrlich. er, dann kommt es zu großen Störiinoen. Bei Airferhnrnruhr (Diabetes mellitus) liegt ein Mangel an jenen Stoffen vor. Auch ber von der Nebenniere hervorgebrachte Sendbote (die hier in Frage stehenden Stoffe werden Sendboten, Hormone, Jnkretftoffe genannt) ist in seinem Aufbau bekannt. Er führt den Namen Adrenalin, und beeinflußt alle unter der Herrschaft des sympathischen Nervensystems stehenden Zell* arten. Führt man nun einem in gewöhnlicher Weise ernährten Kaninchen Adrenalin zu, dann zeigen sich bestimmte, für diesen Stoff charakteristische Erscheinungen. Die gleiche Menge an diesem Produkt wirkt auf ein längere Zeit mit Hafer ernährtes Tier viel stärker, als auf ein mit gewöhnlichem Futter ernährtes Tier ein. Ein mit (Brünfutter ernährtes Tier reagiert ganz besonders schwach auf Adrenalin. Insulin dagegen entfaltet bei dem in letzterer Art ernährten Tieren eine viel stärkere Wirkung, als bei solchen, die längere Zeit ausschließlich Hafer erhalten haben. Füttert man die Tiere mit viel Eiweiß, dann entfaltet Thyroxin eine ganz besonders starke Wirkung. Ferner kann man zeigen, daß je nach Art der Ernährung die aufbauenden Fähigkeiten des Organismus in bestimmter Richtung beeinflußt sind. Je tiefer wir in die Feinheiten des Zellstöff- wechfels einbringen, um fo klarer erkennen wir, daß die Art der Ernährung, sobald sie über eine längere Zeit hinaus gleichartig durchgeführt wird, bestimmte Einflüsse auf das Geschehen im Organismus ausübt. Füttert man ferner z. B. Tauben lange Zeit ausschließlich mit magerem Fleisch, dann beobachtet man zunächst nur, daß die Tiere sich, rein äußerlich betrachtet, sehr gut entwickeln. Nichts verrät, daß sich irgendwelche Veränderungen in ihrem Organismus vollziehen, bis eines sckAnen Tages schwerste Störungen in den Gebilden der Haut auftreten. Die Federn splittern ab; die Krallen brechen; das gleiche gilt vom Schnabel. Geht man zu einer anderen Kostform über, dann entwickelt sich in ganz kurzer Zeit wieder ein normales Gefieder. Gibt man jungen Hunden ausschließlich mageres Fleisch zu fressen, dann beobachtet man nach einiger Zeit auch Störungen. Füttert man Ratten, Mäuse usw. Tag für Tag mit Erbsen, bzw. Lupinen, bzw. Mais usw., dann beobachtet man nach einigen Wochen, daß die Fortpflanzungsfähigkeit der Tiere stark gelitten hat. Läßt man aus der Nahrung Fette ganz weg, dann kommt es nach einiger Zeit auch zu Störungen im Wachstum und auch in der Fähigkeit, Nachwuchs hervorzubringen. Diese Beispiele ließen sich leicht vermehren, wonach die Art der Nahrung tiefen Einfluß auf das Geschehen im Organismus ausübt. Um Mißverständnissen zuvorzukommen, sei ausdrücklich erwähnt, daß nur bann bestimmte Wirkungen zu beobachten finb, wenn die Nahrung absichtlich über lange Zeit hinaus einseitig gehalten wird. Ferner handelt es sich bei den Laboratoriumstieren um solche, die nur eine kurze Lebensdauer besitzen. Es dürften sich bei diesen Umstellungen im Gefolge einer bestimmten Art von Ernährung Wirkungen rascher äußern, als bei Organismen, beten Leben länger dauert, und deren Stoffwechsel in der Regel sich weniger intensiv vollzieht. Für uns ergibt sich aus den erwähnten Beobachtungen die praktische Folgerung, baß bie Kost unter normalen Verhältnissen abwechslungsreich sein soll. Ferner soll sie zu einem großen Teil aus bem Pflanzenreich bezogen werben. Weiterhin ist von größter Bebeutung, daß Tag für Tag ungekochte Nahrungsmittel in Gestalt von Obst unb auch Gemüse (Salat usw.) in ausreichender Menge aufgenommen werden. Kurz gestreift fei noch, daß die unzweifelhaften Erfolge, die vielfach mit bestimmten Diätformen bei bestimmten Krankheitsprozessen erzielt worden finb, durchaus einer wissenschaftlichen Begründung zugänglich finb. Den neuesten Feststellungen (Gerson-, Sauerbruch-, Hermannsborfer- Diät), wonach mittels einer über lange Zeit hindurch durchgeführten Kostform ganz überraschende Erfolge insbesondere bei Hauttuberkulose zu erzielen sind (die Nahrung ist reich an Vitaminen, relativ arm an Kohlehydraten, sehr reich an Fetten unb fast frei von Kochsalz), stehen wir durchaus nicht ratlos gegenüber, wie die oben mitgeteilten Befunde beweisen. Auch hier handelt es sich um eine über lange Zeit hindurch durchgeführte einseitige Ernährung mit dem Ziele einer Umstellung von Stoffwechselgeschehen im Organismus. Nichts wäre verkehrter, als sie wahllos auf alle möglichen Krankheitszustänbe anzuwenden. Cs gilt, Erfahrungen zu sammeln und zu ergründen, worauf im einzelnen ihr Erfolg beruht. Dunkle Blätter. Aus dem Taschenbuch eines deutschen Ingenieurs. Von Max Eyth. (Fortsetzung.) 3m Halbkreis hinter dieser weitausgedehnten fürstlichen Behausung waren fünf bis sechs weitere Zelte aufgeschlagen. Eines beträchtlich länger, aber niederer als das des Paschas, war für die Küche und die bienftleiftenben Mamelucken bestimmt. Die andern, kleiner und rund, waren die Schlafstellen der höheren Beamten und Begleiter, die er mit sich führte. Vor Hakims Zelt war ein gewaltiger schwarzer Teppich mit bunten Stickereien ausgebreitet, auf dem eine Anzahl roter, ebenfalls reich verzierter Kiffen umherlag. Hier faß der Pascha nach Türkenart mit gekreuzten Beinen, die Pantoffeln von den Füßen gestreift, den Tarbusch nachlässig auf den Hinterkopf geschoben, den leichten, schwarz- seidenen Stambulrock geöffnet, fo daß die brennendrote Schärpe, die er unter demselben trug, sichtbar war. Hinter ihm stand Rames Beys Riesengestalt wie eine Statue aus der altägyptischen Zeit, das unvermeidliche Zigarettenetui und einen Rosenkranz in den gefalteten Händen. Vor ihm faßen zwei weiße, ttefverhüllte Gestalten, die mir den Rücken zukehrten. Die drei Sitzenden rauchten ihre Tschibuks in anscheinend feierlicher Ruhe, während zwei Mamelucken, die vom Feuer herkamen, fingerhutgroße türkische Kaffeeschälchen auf einem silbernen Brett herbeibrachten. Wenige Schritte von dieser Gruppe staken ein paar lange Lanzen im Boden. An diesen waren zwei kleine weiße Pferde angebunden, die mit gesenktem Kopf, aber gespitzten Ohren aufmerksam zuzuhören schienen, was in der Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts^Buch» und Steindruckerei. Jt Lange, eine Binsenmatte und einen amerikanischen Schaukelstuhl geschickt. g5 fing bald an wohnlich auszusehen. Rames Bey war einsilbiger als gewöhnlich, während er mir ha» Doch erzählt« er mir mit unterdrückter Leidenschaftlichkeit, die zwei DW ner, die Halim Pascha soeben empfange, seien Schakals, Sohne von Sch,, kals, aus der Wüste bei Suez! Bedaui vom Stamme der Tiyaha, mein ich es genau wissen wolle. Sooft Halim Pascha in jener Richtung ou die Jagd gehe, kommen sie zum Vorschein, aber so weit ins Delta herein hätten sie sich früher nie gewagt. Es sei eine ewige Bettelei, weiter nicht; Der Tfcherkesse hatte offenbar wenig Zuneigung zu den Kindern bei Wüste. „Aber Efendini empfängt die weißen ©entfernen sehr höflich", stgj, ich zweifelnd. „So empfängt man Bettler nicht." „Nein; und das ift unser Unglück", meinte Rames ärgerlich. „Es sitz Bettler und Räuber. Räuber lasse ich mir wohl gefallen. Wir sind auch Räuber, wo ich zu Hause, war; aber Bettler! — Du wirst sehen, ich mH dem Alten, ehe er fortgeht, heute noch zwei oder drei Beutel guter türkischer Pfunde in die Satteltasche stecken, die ich selbst recht gut brauche« könnte. Alles für nichts und aber nichts." „Das wollt schwerlich", warf ich ein. „Einen Grund muß der Prinz wohl haben." „Nun ja!" brummte Rames und schlug zornig auf mein Kopfkissen los, denn er war freundlich genug, mir das Bett zu machen, während ich mich wusch. „Du weißt doch, die Fürstin, die Mutter Effendinis, blt bei ihm in Schubra wohnt, die letzt« Frau des-alten Mohammed Ali - Friede sei mit ihm! —, sie war vom Stamm der Tiyaha, und der alte Schakal, der drüben sitzt — er saß nie auf einem Teppich wie heute sorgt dafür, daß wir es nicht vergessen." „Halims Vetter also?" „Mehr! flüsterte Rames Bey. „Ich ersticke, wenn ich die weihen Hunk sehe." „Aber wie kam das eigentlich? Ein alter Mameluck wie du weiß alles.' „Es ist eine alte Geschichte; sie spielt vor meiner Zeit. Aber hech nacht erzählt man sich gern alte Geschichten. Das liegt in. der Lust bei ,Lefet en Nuß min Schaaban*. Warte, bis der Mond aufgeht. Dann geh uns das Herz auf, und die Zunge löst sich. Denn wenn Allah im Buch des Lebens blättert und die Blätter der Zukunft umwendet, so blättern auch wir. Er, der Allwissende, nach vorwärts, wir, di« Unwissenden, nach rückwärts. Da war geschrieben, daß Mohammed Ali von Suez nach Kain reiten sollte und daß eine Tochter der Tiyaha am Wege sitzen mußt« halb entschleiert, in der brennenden Sonne. Der Pascha war durstig, uni das Mägdlein hatte eine Kullah (eine ägyptische Wasserflasche) neben sich stehen. Die Tiyahas wissen, wo sie im heißen Sande Wasser finden. & gab ihm zu trinken und lacht« über sein finsteres Gesicht, denn er hatd böse Nachrichten von Syrien und von seinem Sohn Ibrahim Pasch bekommen, und sie war wie ein Gazellenzicklein, das noch nichts fünftel Da sprach der Pascha zu ihr: »Du gibst mir Wasser, da ich fast »er« trocknet war, und du lachst mir wie die Sonne am Festtag« der Früh lingslüfte, obgleich es finster um mich ist. Wollah! So soll es bleiben. Nehmt sie mit!* Da setzten die Mamelucken sie auf ein Kamel, das mit Glasperlen unb Federn geschmückt war, und sie ließ sichs gefallen und weinte nicht. Dem sie war schlau wie alle Tiyahas. Und ein Jahr später beugte sich ta ganze Harim des Vizekönigs vor ihr, denn sie war Halim Paschas MM geworden, unfre Fürstin. Ich weiß heute noch nicht, wie die Schakals U der jungen Löwin kamen; denn das war sie. — Bist du fertig?" — Er blies die Laterne aus. Wir gingen nach des Paschas Zelt zuritt vor dem sich das Bild mittlerweile kaum geändert hatte. Da die Nach! kühler zu werden begann, hatte sich auch Halim einen weißen Mankl umwerfen lassen. Die drei Gestalten saßen noch immer in würdiger ha!« tung rauchend auf dem Teppich, hier und da, fast flüsternd, kurze Bemm tun gen voller Höflichkeit austanschend. Doch waren sie am Äbschiednehum angelangt. Halim schien ein anderer Mann zu sein als der, den ich N der ©abefeia oder in den Baumwollfeldern zu Schubra kannte. Seim Bewegungen waren ruhiger, zurückhaltender, sein« Rebe langsamer um feierlicher, fast schien es, als sei seine Hautfarbe brauner — das mach!! wohl der weiß« Mantel —, als glänzte das Weiß seiner Augen wie bas seiner Besucher. Das Beduinenblut in ihm war in sichtlicher Wallung. „Bleibt bis zum Morgen!" sagte er. „Meine Zelte sind eure Zelte! « Nacht ist dunkel, und die Wege sind schlecht und von Kanälen zerschnitt«, bi« ihr nicht kennt." .. „Wir haben dich in der Nacht des Schaaban gesehen, o Bruder; es m genug!" antwortete der Aelfer«, „und du hast meinen Sohn gesehen. » ist genug!. Wenn in einer Stunde das Blatt meines Lebens vom Pafe biefesbaüm fällt, werde ich nicht klagen. Mein Sohn hat unter deinen Zelten gesessen, und all« Beni Tiyaha werden dir gehorchen, wenn » ihm rufst. Grüße deine Mutter, unsre Schwester, die Fürstin. Wir Kairo nicht und wissen nicht, wie wir dir nahen sollen, wenn dich Tun« und Franken umgeben. Aber hier, am Rande der Wüste und der zrM Wasser, bist du der Unsre, und die alten Frauen des Stammes wiM daß deine Mutter ihre Schwester ist. Deshalb rufe, wenn die Sranfen w bedrängen oder die Türken dich verraten. Du weißt, wo die Senfe fein' Stammes wohnen." „Wenn ihr gehen wollt — so geht in Frieden!" antwortet« Halmi ! i im gleichen Tone. „Der Rat des Alters wird immer ein offenen finden; und wenn ich einen jungen Arm brauche oder ein flinkes I! ; so weiß ich, wo ich es zu suchen habe. Gott, der Einzig«, sei gePr,cjlv Der zweite Araber warf sich mit einer impulsiven Bewegung aus sitzenden Stellung auf die Knie und berührte den Boden mit der «n „Es ist kein Gott außer Gott!" fügte er halblaut. „Er weiß erkennt das Herz der Menschen." . ,.i, Da standen alle drei auf, und ein feierliches ©ebärbenfpiel, komisch anzusehen war und fünf Minuten dauerte, leitete den MM (Fortsetzung folgt.) ____. j Gesellschaft gesprochen wurde. Zwei gewöhnliche Talgkerzen in einer riesigen, aber nichts weniger als eleganten Laterne standen am Boden unb kämpften vergebens mit bem roten Schein, der vom Feuer her über bas nächtliche Bild flackerte. „Ah — Herr Eyth!" rief Halim, als mich der erste matte Schimmer der zweifelhaften Beleuchtung traf. „Sie kommen später, als ich erwartete. Aber Sie haben sich doch wieder hergesunden." Ich sprang vom Esel, berJn fast unerklärlicher Weise sofort in der verdienten Dunkelheit versank. Wenige Sekunden später hörte man seinen fluchtartigen Galopp. Der Schech von Maraska, sein Herr, verstand besser als ich, das geängstigte Tier in Bewegung zu setzen, und hatte ohne Zweifel keinen andern Gedanken, als sein kostbares Eigentum so schnell als möglich aus der vornehmen Gesellschaft, in die es zu geraten drohte, zu erretten. Es gelang, und noch heute bin ich dem besorgten Mann das Backschisch schuldig, das ich ihm gern gegeben hätte. Doch das ist nun (eine Sache. Rasch trat ich auf Halim zu, indem ich nach bestem Wissen unb Gewissen tejminifierte, ein Gruß, ber sehr viel malerischer ist als das Hutabnehmen, selbst wenn man ihn nicht von einem arabischen Zeremonienmeister gelernt hat, zu bem sich Rames Bey gelegentlich mit Bereitwilligkeit für mich hergab. „Ich hätte früher hier fein können, Monseigneur," sagte ich, „aber em Zwischenfall, ber mir überaus peinlich —" ,Jch weiß, ich weiß!" unterbrach er mich lebhaft, währenb ein finsterer Schatten über sein Gesicht flog, aber ebenso rasch wieber verschwanb. „Haben Sie bie Zeichnungen, die wir brauchen?" „Gewiß, Hoheit", antwortete ich, um ein gutes erleichtert, unb zog das klein« Paket aus ber Brusttasche. Er nahm es mit ber ihm eignen raschen, nervösen Bewegung aus meiner Hanb. ,®ut, sehr gut!" sagte er habet. „ Ich habe Sie nicht nach Schubra geschickt, um auf Pferd« aufzupasfen. Das war bi« Sache Achmebs, bes Mamelucken. Der Bursche kann von Glück sagen, baß heut« bi« Nacht en Nuß min Schaaban ist." (Die „Seiet en Nuß min Schaaban" heißt wörtlich die „Nacht ber Mitte des Schaaban", bes neunten Monats im Jahr; die Aegypter nennen sie wohl auch bie „Nacht bes Verhängnisses' unb feiern sie als eines ihrer wichtigeren Feste.) Er schwieg einen Augenblick, wie wenn er etwas verschluckte. Dann fuhr er fort: ,, . „Sie werden müde fein und hungrig. Rames, zeige Herrn Eyth bas für ihn bestimmte Zelt! Ihre Sachen habe ich holen taffen. In einer halben Stunbe effen wir zu Nacht. Reiben Sie sich ben Staub ein wenig ab; Sie sehen nicht übet aus, mein Freunb!" Das muntere, freunbliche Lächeln, bas mich schon öfter in harten Augenblicken bei frischem Mut erhalten hatte, war zurückgekehrt. Rames Bey winkte mir. Während ich mich verneigte, sah ich zum erstenmal die zwei Paar funkelnden Augen, die mir aus den scheinbar kohlschwarzen Gesichtern ber dichtverhüllten, am Boden sitzenden Gestalten nachblitzten. „Achmed kann den Allbarmherzigen preisen", sagte mein Führer halblaut und vertraulich zu mir, während wir nach meinem Zelt gingen, „und bei Gott, dem Einzigen, du auch. In ber .Nacht bes Verhängnisses* verzeiht er jebem, was er im Monat Schaaban gesündigt hat. Es ist ein Gelübde, bas er feit zehn Jahren hält. Mir zahlt er pünktlich bie Spielschulden, bie ich ihm heute gestehe. Allahbuk! er ist ein schlimmer Herr! Möge ber Erzengel bes Allglltigen, ber im Buch des Lebens in bieser heiligen Nacht die nötigen kleinen Verbesserungen für bas nächste Jahr vornimmt, seiner gebenten! Brauchen können wir es alle, unb ber Gesegnete bes Herrn hat es schon einmal für uns getan: heute vor zehn Jahren. Das soll mir ntemanb ausreden." All dies bezog sich auf die eben angebrochene Nacht „en Nuß min Schaaban", in welcher Allah, soweit dies angeht, seinem himmlischen Geheimschreiber, dem Erzengel Gabriel, kleine Korrekturen diktiert, die dieser sodann in der Urschrift bes Buches vornimmt, in welchem bas unabänderliche Schicksal jedes Sterblichen seit Uranfang ber Dinge verzeichnet steht. „Aber wie ist das möglich?" fragte ich Rames Bey bei einer andern Gelegenheit, denn bie Geheimnisse ber Nacht beschäftigten ben bentenben Tscherkesfen nicht wenig. „Weiß ber Allwisfenbe nicht schon längst ganz genau, wie alles kommen wirb?" „Oh, biese Ungläubigen!" antwortete mir Rames mit einiger Entrüstung. „Weiß der Allwissende nicht auch, daß er sein Wissen ändern wird? Bist du nicht beschämt, o Baschmahandi? Aber bie Ungläubigen verstehen bas Einfachste nicht. Möge bich Gott von beinen Irrwegen ablenken!" Auch geht Allah, wenn er mit bem Buche fertig ift, heute nacht an bem Sotosbaum vorüber, ber einsam an ber äußersten Grenze bes Paradieses steht unb auf dessen Millionen Blättern bie Namen ber Menschen geschrieben sinb, bie auf ber Erde leben. Da sind frische unb welke, Helle und dunkle; jeder Mensch hat sein Blatt. Diesen Baum schüttelt der Allmächtige mit eigner Hand, und wessen Blatt zur Erde fällt, ber wird im kommenden Jahr auch zur Erde fallen. Es ist für jeden Gläubigen eine bedenkliche Nacht, und es war mir nicht möglich, ein Lächeln des Zweifelns auf Rames Beys ruhigen Zügen hervorzulocken, was zu andern Zeiten nicht schwierig gewesen wäre. „Ja," fuhr er fort, indem er meinen Zeltvorhang aufschlug und ein Streichholz anzündete, um bas buntte Innere zu beleuchten, „heute vor zehn Jahren! Damals hing Halims Blättchen nur noch an einer Faser, und bas feines Neffen Abbas Paschas, bes Vizekönigs, schien in strotzenber Reife zu stehen. Aber der Allgevechte schüttelte, und am andern Morgen — Hast du Talgkerzen, o Baschmahandi?" Beim unsicheren Schein eines zweiten Streichholzes entdeckte ich, daß mein gesamtes Gepäck den Boden des Zeltes bedeckte. Rasch war eine Kamelsatteltasche aufgerissen und ein Pfund Kerzen sowie eine arabische Papierlaterne herausgeschüttelt. In kürzester Zeit konnten wir bei festlich beleuchtetem Hause an bas provisorische Drbnen und Einräumen meiner Sachen gehen. Meine eiserne Bettstätte war bereits aufgeschlagen; Halim mit feiner gewohnten Aufmerksamkeit, wenn er in Zelten lebte, hatte mir