Helene >ie einer : herum. GMnekKimjlienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger oll, kann i wie die iu haben, dademit > Fenster, nschkerier. rrschränkte „hat mir i’ Begriff, eweil spür > sa,atz, ich Ich muß B zwischen anderster . Was ein an einem oben wollt hmal dacht it dir. Am iefto besser. : ich's hatt, ich's getan air's genug nst, wie du ißt, ein' in cht. Einmal net weiternd red zum iem andern , Christine, rt hört das t, wir werden Augen r mürb, er ding daran, segnete sie, ab. Kumedi, wir net zu Sann Mann Die Kamp- temierst du denkst dein' ilig: ehnder in gesetzte« „Sie haben Darin steR >ren Sache« muß 2hn« Kampman« n ganz W ■etter hem«' bt hat." er Auskunft und bUt* fünften W len, daß e« ig heut 5“«1 Jahrgang MO Hreitag, den 28. November Nummer 92 Lied an die Kaiserin-Königin. Rach Wiedereroberung der Skadk Breslau. Von Johann Wilhelm Ludwig Gleim. Nun beschließe deinen Krieg, Kaiser-Königin! Gib dir selbst den schönsten Sieg! Werde Siegerin! Ueberwinde dich und gib Menschlichkeit Gehör:' ■S)abe deine Völker lieb! Opfere nicht mehr! Unfern Friedrich, der ein Held, Der auch Weiser ist. Der ein Wunder ist der Welt, Wie du selber bist... Der gerechte Waffen trägt Ins Gefecht mit dir, Mit uns kommt und sieht und schlägt, Tapferer als wir... Heldin, den bezwingst du nicht! Gott kann Wunder tun! Schenk ihm Freundesangesicht, Biete Frieden nun! Williger war nie ein Feind, Feinden zu verzeihn. Schneller nie ein Menschenfreund, Ausgesöhnt zu sein ... Nie ein größrer Feind der Schlacht Und der Heldentat Als der Held, der deine Macht Ueberwunden hat! Oie deutsche Kaiserin Ma ia Theresia. Zu ihrem 150. Todestage. Von Alfons von Czibulka. Eine Lebensskizze dieser Fürstin kann nicht ohne Erwähnung des Kuriosums beginnen, daß hier in Deutschland die landläufige Meinung sie als österreichische Kaiserin bezeichnet. Obwohl es doch in jenem 18. Jahrhundert die österreichische Kaiserwürde noch gar nicht gab. Maria Theresia war Erzherzogin von Oesterreich, Königin in Ungarn und Böhmen und deutsche Kaiserin. Es ist dieses Kuriosum eine Folge jener historischen Literatur, die ganz vergißt, daß bis zum Jahre 1806 fast alles österreichische Geschehen durch Oesterreichs tausendjährige Sendung, des deutschen Volkes Schild und Schwert zu sein — erst gegen Osten, dann auch am Rhein —, vor allem Reichsgeschichte gewesen ist. Während des langen Ringens um die Vorherrschaft ist aus propagandistischen Gründen diese Einstellung gegenüber Oesterreich entstanden, die alle preußischen Verdienste Überhöhte, alle österreichischen herabsetzte oder gar verschwieg. So daß man in dem Donau- deutschen schließlich einen Deutschen zweiten Ranges sah. Wiewohl doch die österreichischen Länder durch Jahrhunderte allein es gewesen sind, die mit ihrem Blute in den Stürmen der Türken- und Franzosenkriege Deutschland, ja das deutsche Volk als Ration am Leben erhielten. Wiewohl noch im Weltkriege die österreichisch-ungarische Armee durch den Opfermut, mit dem sie im Herbst und Winter 1914 fast zweimal ihren Bestand vor den russischen Linien liegen ließ, vor allem doch auch Breslau und Schlesien rettete. Und wiewohl endlich noch nach dem Friedens- schluß der beispiellose Befreiungskampf der Kärntner, bei dem die Bauern etwa in einer Nacht das Gailtal von den serbischen Truppen reinscgten, dieses Land der deutschen Sache erhielt. Als Maria Theresia am 13. Mai 1717 in Wien geboren wurde, in den Gassen der Wienerstadt die Volksseste lärmten, mit denen man die Geburt einer Kaiserstochter feierte, war Prinz Eugen von Savoyen eben feinem gewaltigsten Siege, dem von Belgrad, entgegengefahren, wo er m einer Nacht- und Morgenschlacht das dreifach Überlegene türkische Heer "is zur Vernichtung schlug. Es war ein glückhaftes Jahr! Von jener eugenischen Zeit und deren Geist war, als die Erzherzogin ™aria Theresia eine junge Frau geworden, gleichsam nichts geblieben jenes Lied vom Prinzen Eugen, das im Feldlager an der Donau «m kurbrandenburgischer Wachtmeister erdacht und gesungen, da man die musend erbeuteten Geschütze, Hunderte von osmanischen Fahnen und "vtzschweifen über die Donau führte und von den Wällen des hoch- gebauten Belgrads Viktoria schoß. Nach dem Tode des Helden schien alles zu stürzen und zu gleiten. Es waren die letzten Jahre Karls VI., der doch den Sonnenkönig um Frieden bittend gesehen, eine Zeit des Epigonentums, die alle Zeichen aufwies unaufhaltsamen Verfalls. Nach Jahrzehnten wunderbaren Aufstiegs, in denen selbst die Feinde schon im Geiste den Doppeladler aus der Kuppel der Hagia Sophia in Stambul flattern sahen, in denen die Sache Oesterreichs die Sache des Abendlandes war, standen die kaiserlichen Erblande und mit ihnen das deutsche Imperium vor dem Sturze in den Abgrund. Es war eine jener Zeiten der Kleinheit, des Haders, des Unverstandes, der Korruption, wie sie in der Geschichte der Völker glücklichen Tagen unerbittlich zu folgen scheinen wie das Wellental dem Wellenberg. Daß die schöne Erzherzogin Maria Theresia, die sich, noch nicht zwanzigjährig und noch unbekümmert um alle Politik, dem jungen, länderlosen Herzog Franz Stephan von Lothringen vermählt hatte, zur Herrschaft kommen könnte, daran hatte lange Zeit niemand wirklich gedacht. Sie war gut und einfach, wie es scheinen will, sogar ein wenig hart erzogen, aber nichts wies darauf hin, daß man ihre Nachfolge ernstlich erwog. Obwohl doch die Pragmatische Sanktion Karls VI. nicht nur die Unteilbarkeit der Länder sichern sollte, sondern auch aussprach, daß beim Fehlen männlicher Nachkommenschaft die Kaisertöchter thronberechtigt seien. Nur Prinz Eugen, dessen Sorgen vor allem der Einigung des deutschen Volkes und der endgültigen Befriedung des Abendlandes galten, hatte auch hier in Jahrhunderten gedacht. In einer umfangreichen Denkschrift an Karl VI. riet er zur Ehe zwischen Maria Theresia und dem freilich um vieles jüngeren Kurprinzen von Bayern. Wiewohl es müßig ist, so ist es doch verlockend, sich auszumalen, welchen Weg das deutsche Schicksal gegangen wäre, wenn dieser große Plan Eugens von Savoyen sich verwirklicht hätte. Vielleicht hätte bann das Haus Habsburg-Wittelsbach, durch seinen Länderbesitz — die österreichischen Erblande und Bayern — übermächtig im Reiche, jene von Eugen erstrebte Niederwerfung der Reichsstädte, "damit die Einheit aller Deutschen und aller in die deutsche Kultur einbezogenen Länder erreicht. Jenes vom Savoyer gewollte, gewaltige europäische Reich zwischen den flämischen Bänken und dem Balkan hätte entstehen können, damit aber eine Einigung und Machterhebung alles Deutschen, gegen die das später Gewordene doch nur Stückwert bleiben mußte. Als Karl VI. nach langem Schwanken doch nicht groß genug zu denken vermochte, um sein erlöschendes Haus wiitelsbachifchen Stammes werden zu lassen, war wohl die letzte große Möglichkeit vertan, die abendländische Frage im deutschen Sinne zu lösen. Dazu kam, daß mit dem Tode Eugens alles Glück von Oesterreich gewichen schien und das ganze Europa nun auf den Tod des Kaisers wartete, um sich in feine Länder zu teilen. Frankreich hatte die Faust am Degen, um mit dem Ende des letzten Habsburgers Oesterreich zu zertrümmern und damit endlich das feit Jahrhunderten erstrebte Ziel zu erreichen, an die Stelle des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ein folches französischer HerrsAft zu setzen. Im Südosten aber drohte von neuem die türkische Gefahr und auch Spanien wartete, um sich auf die italienischen Besitzungen des Kaisers zu stürzen. So standen die Dinge, als Karl VI., erst 55 Jahre alt, die Augen schloß. So verstört war man durch alle Schicksalsschläge, durch das über dem Donauland sich ballende Unwetter in Wien geworden, daß man in den letzten Tagen des Kaisers an eine wirkliche Machtergreifung durch Maria Theresia nicht mehr glaubte. Man hielt die Aufteilung Oesterreichs für unabwendbar. Von der Erbin des Kaisers aber wußte man selbst an der Donau nicht viel mehr, als daß sie eine schöne, in ihren Gatten verliebte und ein wenig vergnügungssüchtige Frau sei. Um so erstaunter waren die alten Exzellenzen, die verstaubten Perücken und auch die wenigen noch tatkräftigen Würdenträger, als die lebensfrohe Erzherzogin nun mit fester Hand, verblüffendem Geschick, mitreißender Entschlossenheit und dem ganzen Schwung ihrer dreiundzwanzig Jahre die Zügel des dem Ad- grunde zusagenden Staatstarrens ergriff. Am 29. November 1740 starb Karl VI. „An einer Unordnung der Galle, zu der das Podagra gekommen fei", wie die hochweifen Leibmedici sich ausdrückten. Noch am gleichen Tage trat Maria Theresia im schwarzen Staatskleid vor ihre an allem verzweifelnden Räte. Mit ihrer hohen, ebenmäßigen Gestalt, dem edlen, zarten Antlitz, aus dem lebhafte, hellgraue Augen leuchteten, dem blonden reichen Haar, den schönen Händen und Armen ein strahlendes Frauenbild. Ein hilfesuchendes, gebrochenes Menschenkind hakten die alten Würdenträger ihres Vaters für diesen Akt der Huldigung erwartet. Eine Herrin stand vor ihnen. Die tapferen, zukunftssrohen Worte, die sie sprach, waren wie der Sturmwind ihrer großen Seele, deren Feuer nun selbst die Stumpfesten zu spüren meinten. Eben noch hatte man sich im Adel, unter den Staatsräten, selbst in der Wiener Bürgerschaft mit dem Gedanken abgefunden, bayerisch zu werden. Denn schon hatte, wie man wußte, der Gesandte Bayerns, Graf Perusa, die Staatsschrift in der Tasche, mit der er der Wiener Regierung die bayerische Besitzergreifung über Oesterreich notifizieren sollte. Und da sprach nun plötzlich diese seltsame Frau nicht nur zuversichtlich von der Erhaltung der Erblande, sondern auch von den deutschen Dingen und den begründeten Ansprüchen ihres Gemahls auf die römisch-deutsche Kaiserkrone. Als stünden nicht Bayern, Franzosen und Türken vor den Toren Oesterreichs, als Hütte nicht zu allem übrigen der Preußenkönig Friedrich II., der die Welt als Persönlichkeit ebenso überraschte wie Maria Theresia, soeben die bedingungslose Abtretung Schlesiens gefordert. Wieder einmal konnte die Welt „finis Austriae" rufen. Denn als bald nach Maria Theresias Regierungsantritt preußische Husaren, bayerische und französische Reiter schon in der Wiener Landschaft streiften, der bayerische Kurfürst bereits in Linz sich huldigen ließ, der österreichische Hochadel schon dem Wittelsbacher seine Ergebenheit versicherte, nicht 100 000 Gulden mehr in den Kassen waren, die Armee versagte, da schien es kein Oesterreich mehr zu geben. Und auch die deutsche Stellung Habsburgs schien verloren, als Karl Albrecht von Bayern als Karl VII. die deutsche Krone trug. Da war keiner, der die Rettung auch nur für möglich hielt. Nur diese seltsame Frau hat damals, als man ihr riet, aus Wien zu fliehen und auf alles zu verzichten, an Oesterreich geglaubt und, wiewohl von allen verlassen, wagemutig jenen ersten siebenjährigen Krieg begonnen, den man den Österreichischen Crbfolgekrieg nennt. Bor allem hat sie die ewig aufsässigen Ungarn für ihre Sache gewonnen. Auf jenem denkwürdigen Reichstag zu Preßburg, auf dem die trotzenden, jede Hilfe für Habsburg ablehnenden Magnaten, die Zugeständnisse und Privilegien zu fordern gekommen waren, wenige Stunden später, hingerissen von dem Zauber und der Seele dieser Frau, die Säbel zogen und in der Begeisterung ihrer Herzen riefen: „Leben und Blut für die Königin!" Es folgte diesen großen Worten nicht ganz die große Tat. Silber immerhin hat der Funke der Begeisterung, der in den Herzen der Ungarn die Flamme entfachte, dann auch in den österreichischen Erblanden gekündet. Es ist so gewesen, wie der englische Gesandte sagte, daß Maria Theresia es verstehe, jeden Mann, der in ihren Bannkreis trete, zum Helden zu machen. Wohl bekam Friedrich das nie verschmerzte Schlesien. Aber Böhmen wurde zurückerobert, die Franzosen aus Prag verjagt. Es wurde der Rhein überschritten und ganz Bayern besetzt. Selbst vor Rom erschien wieder ein österreichisches Heer. Und kaum war damit, trotz den schweren Niederlagen in den schlesischen Kriegen, die Gefahr einigermaßen gebannt, ging Maria Theresia schon an die Ordnung der deutschen Dinge. Denn sie erachtete sich als die rechtmäßige Erbin der Beherrscher des römischdeutschen Imperiums und betrachtete es als eine ihrer vornehmsten Pflichten, dieses Erbe zu erhalten und zu einem ganzen zu einen. Da Maria Theresia aber nach der Reichsverfafsung, für die ja die Pragmatische Sanktion keine Geltung hatte, die römisch-deutsche Krone nicht tragen konnte, setzte fie die Welt in Bewegung, um ihrem Gatten die Kaiserwürde zu verschaffen, lieber ihn ist sie dann deutsche Kaiserin geworden. Als Karl VII. starb, erzwang sie trotz des Einspruches von Kur- brandenburg und Kurpfalz die Wahl Franz Stephans. Daß ihr dies gerade in den Tagen der friderizianischen Siege von Hohenfriedberg und Kesfelsdorf gelang, zeigte ihr, wie stark ihre Macht und Geltung nun, nach den ersten verzweifelten Jahren, auch im Reiche geworden. Als sie ihrem Gatten nach Frankfurt zur Krönung nachreiste, durfte sie die Freude erleben, daß man überall der Uederzeugung Ausdruck gab, daß Oesterreich die Nation vertrete. Und von den Triumphbögen, die sie an allen Orten empfingen, mag ihr wohl der einer fränkischen Stadt der willkommenste gewesen sein, auf dem der schwarze doppelköpfige deutsche Reichsadler einem Neste zuflog, unter dem die Worte standen: „Das alte Nest war doch das beft!" So sehr war mit einem Male die Stimmung wieder mit dem erstarkten Oesterreich, daß Ranke darüber schreibt: „Alle Abneigung erwachte gegen den preußischen Namen und alle alten Sympathien mit dem Hause Oesterreich." In Frankfurt trug sich dann jene liebenswürdige Episode zu, die uns so viel von Maria Theresias Wesen verrät. Als ihr geliebter Franz im festlichen Zuge, im alten deutschen Krönungsornat ein wenig wunderlich anzusehen, an dem Hause neben dem Römer vorüber kam, wo Maria Theresia an einem Fenster stand, da klatschte fie, über diesen Anblick lachend, jauchzend in die Hände wie eine Bürgersfrau, schwenkte das Taschentuch und rief, daß ihre Stimme alles Volksgebrause übertönte: „Vivat Franciscus!" — Es war wie der Siegesruf dieser heldenhaften Frau. Und es war der Sieg. Denn als die nun fast Dreißigjährige gegen den Willen Frankreichs und Friedrichs diesen Tag ertrotzt, war ihre Macht gefestigt. Und alles, was später durch sie geschah: ihre vielen Reformen, die Abschaffung der Folter, die von ihr begonnene Aushebung der Leibeigenschaft, die Begründung des Volksschuiwesens, das dann dem Auslande zum Vorbild wurde, die Schaffung einer straffen Verwaltung und so vieles heute Vergessene und doch Unvergeßliche, war ja doch nur durch das Wunder ihrer ersten Regierungszeit möglich. Ja selbst jene Jahre, die zumeist als ihre glorreichsten angesehen werden. die Zeit des Siebenjährigen Krieges, in dem ihre verjüngte Armee den Feind immer wieder aus den Erblanden trieb und ebensoviele Siege an ihre Fahnen fesselte wie die preußische, können sich an Bedeutung und Schwere nicht mit dem ersten Jahrfünft ihrer Reiche messen. Denn zu viel hatte schon ihre ordnende Hand, ihre Führerbegabung, ihre durch den großen Staatskanzler Fürst Wenzel Kaunitz nach ihrem Willen geleitete Diplomatie getan, als daß selbst dieser Krieg ihre Herrschaft wirklich ernstlich bedroht hätte. Das Berauschende, Bewundernswerte in dem Leben der Kaiserin und Königin Maria Theresia wird immer deren unbegreifliche Kraft in der ersten Zeit ihrer Regierung bleiben. Doch es wäre irrig zu glauben, daß diese ihre Kraft — oft ist sie im Kreise der Männer der einzige Mann gewesen — allein die Ursache ihrer Gröhe war. Das Rätsel ihrer erstaunlichen Erfolge findet darin seine Lösung, daß sie trotz ihres männlichen Willens Immer ganz Frau und ganz Mutter blieb. Fünf Söhne und sieben Töchter hat sie nicht nur geboren, sondern auch selbst erzogen. Trotzdem ihr Tag völlig mit den Geschäften ausgefüllt war und sie in dem ersten Jahrzehnt ihrer Regierung so übermäßig ritt und tanzte, daß man sich ernstlich um ihre Gesundheit sorgte. Immer war sie eine liebende, wenn auch nicht immer eine sanfte Mutter. Als man ihr anläßlich einer Züchtigung Josephs vorstellte, daß Erzherzöge bisher noch niemals die Rute bekommen hätten, da sagte sie: „Glaub's gern, man hat es ihnen aber auch angemerkt!" Diese wahre Mütterlichkeit hat sie auch auf ihre Untertanen übertragen. Sie war nicht nur die Herrin, sondern auch wirklich die Mutter ihrer vielen Völker und die gute Hausfrau ihrer Staaten. Trotz ihrer braunschweigischen Mutter, der „schönen Lisl" Karls VI., fühlte fie sich ganz als Oesterreicherin, ganz als Wienerin. So war ihr alles Starre, Steife, Hochmütige verhaßt. Durch ihre Fraulichkeit, ihr häufiges Vergeßen des Gottesgnadentums ihrer Würde hat sie mit den Herzen ihrer Völker auch deren Kraft gewonnen, deren Begabungen und Möglichkeiten erschlossen. Dadurch schuf fie, ohne künstlerischen Dingen felbst besonders zugetan zu sein, jene so farbige, von Musikalität beseelte theresianische Kultur, die doch auch die Zeit Mozarts und Haydns ist. Mit Maria Theresia hat jenes Oesterreichertum begonnen, das so viel gescholten und doch von der Welt so sehr geliebt wird. Erst dieses schöne, reine Frauentum, das sie auch mit weiblichem Satt so oft das Richtige, Rettende finden ließ, hat sie so hoch getragen. Das Menschliche, Nichtmeßbare also, ohne das, was unsere Zeit so häufig vergißt, alles Können, alles Nurtüchtige, alles Wissen kraftlos und unschöpferisch bleibt. . . , . ... ., Man hat vielleicht mit Recht gesagt, daß dieses Schöpferische ihres Wesens dem Glücke entsprang, das sie in ihrer Ehe gefunden. Denn Maria Theresia, die ihren Franz abgöttisch liebte, war eine glückliche Frau. Wiewohl es genügend Gründe zu Zerwürfnissen gegeben hatte. Nicht so sehr wegen Franz Stephans gelegentlichen Abenteuern, die ubru qens durch nichts bewiesen sind, als vielmehr dadurch, daß doch eigentlich sie der Kaiser war und nicht er. Wenn auch ihr mit einem ausgezeic^ieten Verstände begabter, nur ein wenig bequemer Gatte sich namentlich um die Staatswirtschaft und die Armee kümmerte, so hatte doch sie m diesen wie in allen anderen Regierungsfragen die Entscheidung. Auch war sie eifersüchtig auf ihre Herrschaft bedacht. Doch mit wunderbarem Tatte vermied fie alle daraus drohenden Konflikte. In den Geschäften war nicht mit ihr zu paktieren. Aber in ihrer vorbildlichen Häuslichkeit betrachtete sie ihn als das Oberhaupt der Familie, dem fie sich fast bedingungslos fügte. Niemals verletzte sie sein Ehrgefühl oder seine Wurde. Für die Ansicht, daß ihre so glückliche Ehe ihr all diese unbegreifliche Kraft gab, spricht, daß alles Schöpferische, alles Beschwingte an ihr dahin war als Franz I. am 18. August 1765 mit siebenundfunfz,g Jahren in Innsbruck einem Schlaganfall erlag. Von da ab ist allesj an. xfyc nur mehr Pflicht und Resignation. Wozu noch kam, daß tue schweren Zerwürfnisse zwischen ihr und Joseph II., der ja nach dem Tode seines Vaters zum deutschen Kaiser erwählt wurde und den sie zum Mttregenten erhob, ihr den Lebensabend verbitterten. Mutter und Sohn liebten einander fast schwärmerisch. Aber ihr, die erkannt ha"-, daß Vernunft allem ein Götze ist und der bloße Verstand nicht des Menschen Kraft und Wesen ausmacht, mußte das Aufklärerische, die Neuerungssucht um leben Dreis in Josephs Seele unerträglich fein. u ~ Nur einmal noch wird sie für einen Augenblick die wunderbare Frau von einst die mit ihrem Wollen das ganze Europa bezwang. Die letzten Taae ihrer Todeskrankheit, in der furchtbare Erstickungsanfalle fie quälten, verbrachte sie, in einen Lehnstuhl gebettet. Als ihr Atem immer schwerer qinq, fragte sie den Arzt, ob das wohl die letzten Zuge waren. Die Ant- wort lautete: „Vielleicht noch nicht die letzten. Das sei gut, meinte fie, denn fie gedenke dem Tod mit vollem Bewußtsein ins Auge zu sehen Und als er kam, da war es wirklich, als wolle sie ihm Äug in Aug qegenübertreten. Denn plötzlich erhob sich Maria Theresia, die von ihren Kindern und den Aerzten umgeben war, aus ihrem Lehnstuhl, stand einen Augenblick lang aufrecht, schritt auf ein Liegebett zu und brach zusammen. Fünf Minuten später stand ihr Herz still. Es war 9 Uhr abend des 29 ats’man'fie zur Kapuzinergruft trug, mußten Grenadiere ihren Sarg schützen weil der Pöbel wegen einer Getränkesteuer erbittert war, die sie kurz vor ihrem Tode bewilligt hatte. Der alte Preußenkönig aber, der doch sonst die großen Worte nicht liebte, sprach, als man ihm den Tod der Kaiserin-Königin meldete, zu ihrem Bilde aufsehend, das über seinem Arbeitstische hing: „Sie hat ihrem Throne Ehre gemacht und ihrem ganzen Geschlecht." Maria Theresia als Mutter. Briefe an ihren Sofjn Joseph II. Schönbrunn, 24. September 1766. ... Wenn Sie auch viel Talente haben, so ist es doch nicht unmöglich, daß Sie die ganze Erfahrung besitzen und alle Umstande der Vergangenheit und Gegenwart kennen, um die Sachen allein machen zu können. Ein Ja, ein Nein, eine glatte Verweigerung wäre mehr wert gewesen, als dieses ganze Aufgebot von Ironie, wodurch Sie Ihr Herz erleichter ten und das Sie Genugtuung darin finden ließ, die Geschmeidigkeit ^yre eigenen Diktion zu bewundern. Hüten Sie sich davor in Bosheiten » gefallen. Ihr Herz ist noch nicht schlecht, aber es wird es werden. Es P die höchste Zeit, daß Sie keinen Geschmack mehr an diesen WitzworM, diesen geistreichen Redewendungen finden, die nur dahin führen, datz W» die anderen betrübt und lächerlich macht, alle anständigen Menschen verjagt und schließlich glaubt, das ganze Menschengeschlecht verdiene nw> geachtet und geliebt zu werden, weil man durch sein eigenes Beneyme alle Guten entfernt und den Schurken, Nachahmern und Schmeichle^ Ihrer Talente die Tür offen gehalten hat... 9! mein sagei des < glaul ober der t I järtli verze mir diene Man Z Wille gedri 3it ft Werd unddi sind sagen den ü Sitte: Prinz Tage dem ihn v werde glaub wenig urteih ich es Di werde große: derber geben! werbe das gi babun aber 6 so Die wenn zu bet Schwe land, das L< so not und b< delbar Me und gi nicht r ten uti währe: Verlas Regier die es erfreue Herz : größer rers. ? Die eine fe sie ihre diese u habe, i Du Bücher, was bi warfen ihm nü Deinen will Di Liebe z fallen I tugendl daran, sien za ihm sei SU unte als ebe: sorgen, Laß nie k mehr kicher n Alle nähme rau und sondern en aus» so über« t sorgte, e sanste llte, daß agte sie: e wahre >ar nicht lker und arls VI., war ihr •feit, ihr mit den igen und Dingen t beseelte ydns ist. > so viel >em Takt gen. Das o häusig ilos und che ihres m. Denn glückliche en hätte, die übrieigentlich zeichneten ntlich um in diesen ) war sie >m Takte war nicht >etrachtete tgungstos egreifliche ihr dahin Zähren in i ihr nur eren Zer- >de seines itregenten ebten ein- inst allein kraft und um jeden rare Frau Die letzten e quälten, r schwerer Die Ant- neinte sie, zu sehen, g in Äug von ihren land einen ch zusam- abenb des ijren Sarg war, die ünig aber, i ihm den das über nacht und er 1766. unmöglich, Vergangen» iu können, t gewesen, erleichter- zkeit Ihrer sheiten 311 den. Es W Vitzworten, , daß man nschen ver° liene nicht Benehmen chmeichlern Nach dieser langen Predigt, die Sie meinem für meine Kinder und meine Länder, allzu zärtlichen Herzen verzeihen mögen, will ich Ihnen sagen, was an Ihren Talenten und Vorzügen ist. Sie sind eine Kokette des Geistes, und ohne Urteil jagen Sie ihm nach, wo Sie ihn zu finden glauben. Ein Witzwort, eine Redewendung, die Sie in einem Buche finden oder von jemand hören, nimmt Sie gefangen, und Sie wenden sie bei der ersten Gelegenheit an, ohne viel zu überlegen, ob es paffend ist... Indem ich diesen Brief beschließe, nehme ich Sie beim Kopf, küsse Sie zärtlich und wünsche, daß Sie mir diese langweilige schlechte Redeweise verzeihen, indem sie auf den Fonds sehen, aus dem sie kommt. Ich möchte mir Sie so geachtet und geliebt von jedermann sehen, wie Sie es verdienen, und daß Sie glauben, daß ich immer Ihre gute, alte treue Mama bin... ♦ o . 24. Dezember 1775. Zwischen uns maltet ein großes Unglück: wir können uns beim besten aüßiUen nicht verständigen. Es ist möglich, daß ich vom Kummer zu niedergedruckt bin, um weder das Vertrauen noch die Offenheit mir gegenüber N sehen, die ich zu verdienen geglaubt habe, und das macht nun den .ueröruB meines Lebens aus. Ich kann wohl sagen, daß ich mich sechs- unddreihig Jahre nur mit Ihnen beschäftigt habe. Sechsundzwanzig Jahre und glücklich gewesen, aber in dieser Stunde kann ich es nicht mehr sagen, ich werde mich den gelockerten Prinzipien in der Religion und den elften nie anpassen können. Sie lassen die Antipathie gegen die alten Sitten und die ganze Geistlichkeit zu sehr sehen und Sie haben zu freie Prinzipien, was Moral und Führung anbetrifft... Diese Nacht und diese Tage sind zu festlich, um sich mit einem Entschluß, wie Sie von mir fordern (Joseph hatte seine Mutter infolge der steten Mihhelligkeiten gebeten, >yn von der Würde eines Mitregenten zu befreien), zu beschäftigen, ich werde ihn Ihnen nach dem neuen Jahr kundtun. Sie können mir wohl glauben, daß mein Herz dadurch mehr als betrübt ist, wenn ich sehe rote wenig das Ihre mit ihm übereinstimmt, und wie Sie Ihre alten Vorurteile vorziehen. Ich wünsche, daß Sie dadurch glücklicher werden, als lch es bin. ♦ _ f . 5. Juli 1777. Dieses schreiben wird Sie in der Schweiz erreichen. Die Leute da werden den Wert Ihrer Gegenwart schätzen ... ich muß zu meinem großen Kummer sagen, daß, was Religion anbetrifft, nichts mehr zu verderben ist, wenn Sie wirklich auf dieser allgemeinen Toleranz zu bestehen gedenken, die, wie Sie sagen, Ihr Prinzip geworden ist, daß Sie nie ändern werden. Ich hoffe, ... daß Sie Gott vor diesem Unglück bewahre, welches das größte fein würde, daß die Monarchie je erlitten hat. Sie glauben sich dadurch Bauern zu verschaffen, die sich zu erhalten und herbeizuziehen, aber Sie werden Ihren Staat ruinieren und die Ursache des Verderbens so vieler Seelen sein. Wozu führt es, die wahre Religion zu besitzen, wenn Sie so wenig achten und lieben, daß Ihnen nichts daran liegt, sie zu bewahren und zu verbreiten... Sie werden es an dieser abscheulichen Schweiz sehen: man sieht und probiert täglich, was sich im Reich, England, Sachsen, Baden, Holland ufro. außer in Preußen zuträgt; aber ist das Land darum glücklicher? Hat es Bauern, diese zum Gluck des Staates so notwendige Menschenklasse? Es gibt kein Land, das weniger glücklich und darin rückständiger wäre als diese Gegenden. Ehrlichkeit und unwandelbare Lebensregeln sind nötig, wo wollen Sie sie finden oder bewahren? 25. Juli 1778. Mein lieber Sohn! Man muß den Mut haben, sich selbst aufzuopfern und gerecht zu urteilen. Wir waren eine große Macht, aber wir sind es nicht mehr. Man muß sein Haupt beugen, wenigstens die Trümmer retten und die Volker, die uns noch bleiben, glücklicher machen, als sie es während meiner unglücklichen Regierung waren, da wir uns trotz unserer Verluste immer auf der früheren Hohe erhalten wollten. Beginne Deine Regierung damit, die Ruhe, den Frieden, das Glück denen zurückzugeben, die es so sehr verdienen. Du selbst wirst Dich an dem Glück der Anderen erfreuen, sogar auf Kosten Deiner persönlichen Größe. Ich kenne Dein Herz und baue darauf; rette Deine Völker und erwirb Dir dadurch größeren Ruhm als durch alle Ansprüche auf den Namen eines Eroberers. Ich umarme Dich... Maria Theresia über die Ehe. Die Kaiserin war nicht nur eine bedeutende Regentin, sondern auch eine sehr feine Menschenkennerin. Dies beweist der folgende Brief, den sie ihrer Lieblingstochter, der Prinzessin Albrecht von Sachsen, sandte, als diese um Rat fragte, wie sie sich ihrem Manne gegenüber zu verhalten habe, um sich dessen Liebe und Achtung zu bewahren: Meine liebe Tochter! Du willst, daß ich Dir über Deine Lage einen Rat gebe. Es gibt viele "ucher, welche diesen Gegenstand behandeln, ich will nicht wiederholen, was diese sagen. Du weißt, daß wir Frauen unseren Männern unter« warfen sind; daß unser einziges Bestreben sein soll, dem Gatten zu dienen, ihm nützlich zu sein, ihn zu unserem besten Freunde zu machen. Du kennst Deinen Mann, Du hast alle Ursache, zu hoffen, glücklich zu werden. Ich will Dich besonders darauf aufmerksam machen, daß Du in der zärtlichen J-iebe zu Deinem Mann nicht in ein Uebermatz gerätst, das ihm zur Last fallen könnte; nichts ist so delikat, als diese Klippe; die zärtlichsten und tugendhaftesten Frauen, und zwar die aus Neigung heiraten, scheitern daran. Je mehr Du Deinem Manne Freiheiten läßt, indem Du am wenigsten zarte Aufmerksamkeiten verlangst, desto liebenswürdiger wirst Du >hm sein; er wird Dich suchen, und gerne Dir leben. Trachte danach, ihn SU unterhalten, zu beschäftigen, daß er sich eben nirgends besser befinde, als eben bei Dir! Um Dir sein ganzes Vertrauen zu erwerben, mußt Du wrgen, es durch Dein Benehmen, Deine Diskretion zu verdienen! — , oß niemals den geringsten Verdacht in Deinem Herzen Eingang finden; lLmet,r Du Deinem Gatten Vertrauen und Freiheit schenkst, desto anhänglicher wird er Dir sein! -alles Glück der Ehe besteht in Gottesfurcht und beständiger Rücksichtnahme der Gatten gegeneinander. Die törichte Liebe vergeht bald, aber man muß sich achten, sich gegenseitig ergänzen und nützlich sein. Ich habe Dich hie und da eifersüchtig bei Deinen Freundinnen gesehen; hüte Dich ja davor bei Seinem Manne; das würde Dir Deinen Gatten nur entfremden! Nicht einmal scherzen sollst Du über diesen Punkt; vom Scherzen kommt es zu Vorwürfen. Alle Ehen würden glücklich fein, wenn man sich so benehmen würde; und glaube mir, meine gute Tochter, es hängt soviel, unendlich viel von der Frau ab; sie soll die rechte Mitte innerhalten, die Achtung und das Vertrauen ihres Mannes gewinnen; sie soll dasselbe nie mißbrauchen, weder damit prunken noch befehlen wollen. Habe keine Vertraute: das soll Dein Mann allein sein. Ich will nicht einmal eine Ausnahme für mich machen, um Dich nicht an vertraute Mitteilungen zu gewöhnen. Haben Worte des Unfriedens Dir den Tag getrübt, so laß die Sonne nicht darüber untergehen; suche vor Abend den richtigen Einklang wieder, damit die Disharmonie nicht in den Morgen übergehe! Dies ist der Rat Deiner treuen Mutter Maria Theresia. Wie die Kaiserin starb. Ihre Tochter Marianne schildert den Tod dieser wahrhaft großen Frau in naiver und doch so plastischer Weise, daß diese Stelle hier wieder- gegeben sein soll: „saß in ihrem Sessel, hatte eine gehoffte Hauben auf und einen braunen Männerschlafrock so sie allzeit fragte und in dem sie auch starb an... wir stellten uns im Crayh um ihren Sessel / machte uns eine Anrede von mehr als einer viertelstund ohne die Stimm zu verändern sie empfahl uns dem Kayser (Joseph II.) sie dankte uns um unsere Liebe vor sie, sie sagte die rürenbften Sachen, sah uns alle in thränen zerfließen und blieb gelassen / der tapfer wollte ihr antworten tonte aber nicht machte einen brillier und kniete vor ihr nieder / sie gab ihm ihren feegen er käste ihr die Hand sie tüste ihm ... endlich sah sie uns an und sagte: gehet hinaus, mir kostet es zu vill euch so zu sehen ... fünff Minuten vor ihrem tod stund sie mit gemalt von ihrem Sessel auf und machte einige schrit bis zu ihrer Chaise-longue wo Sie zusammen sank, mann legte sie so gut als möglich hinauff sie heisste sich noch selbst, der kayser sagte Jhro Mayst ligen sehr übel: ja sagte sie aber gut genug um zu sterben! sie machte noch drey vier akhemzug und verschied." Aus dem Buche „Geliebter Sohn". (Elternbriefe an berühmte Deutsche. Herausgegeben von Paul Elbogen. Verlag Ernst Rowohlt, Berlin. Volksdeutsche Arbeit im Güdosteu. Die Siedlungspoliiik der Maria Theresia. Von Fritz Heinz R e i m e s ch. Im Jahre 1740 war Oesterreich ein morsches, durch die unendlichen Türkenkriege verarmtes Reich, besser gesagt: ein Mosaik von Landfetzen und Herrschaftsgruppen, die im Laufe der Jahrhunderte angeheiratet und erobert, durch Verträge erworben oder durch Erbansall an Habsburg gekommen waren. Ein Reich im Sinne straffer Verwaltung, innerer Zusammengehörigkeit war Oesterreich nicht. Die junge Herrscherin hafte weder Geld in ihren Kassen, noch ein schlagfähiges Heer, als alle die Feinde ihres Geschlechts aufftanben, um sich aus der vermeintlichen Konkursmasse ein Stück zu nehmen. Hätte es vor 190 Jahren so etwas wie ein deutsches Gewissen gegeben, diese Angriffe hätten nicht ftattgefunben; benn man hätte erkannt, baß Habsburg stark sein mußte, um seine große deutsche Aufgabe im Süboften beendigen zu können. Es ist eine seltsame und verhängnisvolle Tragik, daß Friedrich von Preußen und Maria Theresia nicht zusammenkommen konnten, wenn auch nicht als Ehepaar, so doch wenigstens als politische Freunde. Der Haß zwischen Habsburg und Hohen- zollern wurde stets geschürt, und statt die beiden fraglos größten Herrscher ihrer Zeit zu einer gemeinsamen allgemeindeutschen Kulturleistung zu verkoppeln, die beide erkannt hatten, kämpften sie um eine theoretisch und praktisch unergiebige Hegemonie in Deutschland — Mitteleuropa. Maria Theresia und Friedrich der Große haften beide erkannt, daß ihnen von ihrer Zeit eine große Ausgabe gesteckt sei — nämlich die Neu - befieblung untergegangener Kulfurzonen. Die stumpfe Resignation des deutschen Landvolkes verwandelt sich langsam. Es ist ein Brodeln und Gären zu bemerken, das — da sich das Ventil der Auswanderung nach Amerika, wie etwa bei den Pfälzern, als zu eng erwies — zu Explosionen hätte führen können. Die beiden deutschen Großstaaten Preußen und Oesterreich verfügten über genügend Siedlungsland, um Hunderttausende neuer SieMerfteUen der in üppiger Fruchtbarkeit wachsenden Volksmenge zur Verfügung stellen zu können. Für beide Souveräne war die Befriedung und Sicherung ihrer östlichen bzw. südöstlichen Grenzen mit verläßlichen deutschen Grenzern geradezu höchste politische Notwendigkeit. Es hat natürlich gar keinen Zweck, heute darüber rechten zu wollen, daß die Schlesischen Kriege und der Siebenjährige geführt wurden; aber es ist notwendig, festzustellen, daß die Schwächung beider Staatswesen durch die Kriege sich schwer bei der Gestaltung des deutschen Lebensraumes gerächt hat. Wer sich die Volkstumsgrenze von Memel bis Neutitschein ansieht, der erkennt die vielen Ansätze einer gesunden Kolonisationspolitik ebenso, wie er den großen Plan erkennen muß, der in der Besiedlung des Donautieflandes bis zum Eisernen Tor liegt. Den Vorwurf, den die heutigen Geschlechter des Volkes ohne Raum gegen ihre Mtvorderen erheben dürfen, ohne undankbar gescholten zu werden, müßten sie erheben gegen die Saumseligkeit in der Fertigstellung der Volkstumsgrenze. Die Französische Revolution und ihre Folgen haben all das über den Haufen geworfen, was begonnen worden war, nämlich Germanisierung eines Gebietes, das als Sammelbecken deutschen Volkstums hätte dienen können. Wie wollen von Friedrich und seinen Taten absehen und uns an diesem 29. November, da sich der Todestag der großen Kaiserin zum 150. Male jäyrt, ihrer deutschen Leistungen kurz gedenken, Leistungen, die dem deutschen Volke durchaus nicht gegenwärtig sind. Die schöne, geistreiche und fromme Erzherzogin, Königin von Böhmen und Ungarn und Herrscherin über Dutzende verschiedener Völkerschaften, verstand es mit frauenhafter Diplomatie und vollendeter Grazie, nicht nur die rebellischen und störrischen böhmischen und magyarischen Granden an ihren Hof zu ketten, kulturell zu germanisieren und unter Gesetz zu stellen, sie vermochte auch ihr völlig zerrüttetes Land in geordnete wirtschaftliche Verhältnisse zu führen. Maria Theresia war außerordentlich fleißig, dabei von hoher Lebensklugheit, und sie verstand es, Männer an die höchsten Stellen zu berufen, die mit Fanatismus zu arbeiten verstanden. In unseren Tagen könnten wir manches von der „despotischen" Kaiserin lernen. Fünfhundert Gulden waren für jeden Siedler, der nach Ungarn zog, von der Staatskasse ausgeworfen, und in hellen Scharen kamen die Schwaben, Pfälzer, Elsässer, Hessen und Badener, Bayern und Deutschböhmen in das Land und gründeten unter der Leitung vortrefflicher kaiserlicher Intendanten und Ingenieure viele hundert Dörfer, entwässerten die Moräste bewässerten die Steppe, rodeten die Wildnis und kämpften gegen die Malaria ebenso wie gegen die Türken. Die Leistungen dieser Kolonisten sind heroisch; denn fast die Hälfte der Einwanderer ist eines frühen Todes durch die Seuchen gestorben. Die Klugheit ihrer Landesmutter, die nicht als stolze Herrscherin unnahbar über den Weihrauchwolken ihrer Höflinge schwebte, sondern fünf Tage in der Woche zwei Stunden lang für jeden ihrer Untertanen ohne große Formalitäten zu sprechen war, hatte den Schwaben Häuser gebaut und Boden geschenkt. Die Kaiserin schenkte ihnen allen eine neue Heimat, in der sie als aufrechte und freie Menschen leben durften. Heute sind es mehr als 2,25 Millionen deutscher Menschen, die der Kaiserin, dem Prinzen Eugen, den Grafen Mercy, dem Kaiser Josef für ihre Heimat danken, wenn diese heute auch nicht mehr frei ist, wie in früheren Zeiten. Diese große Leistung der Kaiserin ist eine d e u t s ch e T a t von eminenter Wichtigkeit, wenn sie auch nicht ganz gelang. Immerhin steht deutsches Bauerntum heute führend im Südosten Europas, und feine kulturelle Sendung ist noch lange nicht beendet. Oer Hoffapettmeister Ihrer Majestät. (Eine Gluck-Novelle. Von M. Lucca. „Mes compliments, chere amie! Mon adoration, madame!“ Und die beiden Damen knixten, daß der steife Brokat ihrer Röcke sie wie zwei Fäßlein umgab. „A la bonheur — halt, noch eins, liebe Gluckin!" und die Frau Oberst- hofmeisterin Maria Renate Fuchs hielt den Fächer vor den Mund, „noch eines, ma chere, was ich auszurichten ganz vergaß..." Die Damen standen im Vorgärtchen des Wohnhauses Ritter v. Glucks auf der Wieden und die Frau Oberfthofmeifterin Ihrer Majestät der Kaiserin Maria Theresia hielt den Fächer noch mehr vor, denn ihre sie erwartenden Sänftenträger brauchten ja nicht alles zu hören. ,Zhre Majestät wünscht!" und die Fuchsin lispelte noch mehr, so daß die Frau Hofkapellmeisterin sie nicht verstand, — „ach, gehn wir doch noch in Ihren Vorsaal zurück, liebe Gluckin." Madame Gluckin erschrak ersichtlich. Die Besuche der Frau Obersthofmeisterin waren gewiß eine große Ehre — aber sie dauerten leider immer etwas länger als gerade nötig und heute hatte sie vier zarte Rebhühner auf dem Feuer. Gewiß verstand das neue böhmische Dienstmädchen nicht die Rebhühner so zart knusperig zu braten, wie der berühmte Komponist sie liebte. „Also, daß ich mich kurz fasse, liebe Gluckin, die Kaiserin läßt Sie ersuchen, darauf zu sehn — daß bei der neuen Oper „Armida" die Vii- taria Test nicht wieder so unverschämt tief dekolletiert ist, wie in der „Iphigenie auf Tauris". Die Dekolletage war das Entsetzen der Kaiserin! Und Sie wissen ja, unsere Monarchin muß wegen des Gemahls sehr vorsichtig sein!" Und noch leiser flüsterte die Obersthofmeisterin: „II aime trop les dames! Er machte gern lüsterne Augen, der Lothinger!" „Ach, gnädigste Frau Obersthofmeisterin!" stotterte Madame Gluckin geistesabwesend, denn sie dachte nur an ihre gewiß verbrennenden Rebhühner, „wie kann denn da mein Mann helfen?" „Als Operndirektor, meint unsre Herrscherin, hat Ritter von Gluck auch die Verpflichtung, auf die Dezenz der Kostüme zu achten!" Madame Gluckin unterdrückte mit Mühe einen schweren Seufzer, sie wußte, daß ihr Gemahl keine Einmischung in seine Amtsgeschäfte liebte — auch nicht von allerhöchster Seite — aber in der stillen Hoffnung, daß der sie ehrende Besuch sie bann eher verlassen würde, sagte sie. „Ich werde Meister Gluck die Wünsche der Kaiserin als Befehl ausrichten!" . Aber die unermüdliche Fuchsin spann die Rede also weiter: „Wissen Sie denn nicht, ma chere, welches echauffement und grand embarras wir im Vorjahr hatten — nicht? Da interessierte sich der Lothringer plötzlich für eine kleine Balletteuse, allerdings ein reizendes Geschöpf, Maria Anna Veigel hieß sie und sie hatte mit den Kindern, Kronprinz Josef und Prinzessin Maria Antoinette Tanzstunde, damit die artigen Ballettpas der Kleinen den Kindern mehr Lust zur Tanzstunde machen würden. Vierzehn Tage ging auch alles glänzend, der italienische Tanzmeister Spontini war mit den Fortschritten des Prinzenpaares sehr zufrieden. Da wollte eines schönen Tages der erlauchte Gemahl sich die Tanzstunde anlehen. Die kleine Veigelin erblicken, als Balletteuse heißt sie „Violetta', also die kleine „Bioletta" erblicken und ihr gleich sehr verliebte Augen machen, vous savez, des yeux amoureux, war eins! Nun stellen Sie sich, ma chere — diese Fatalität vor, Ihre Majestät, die ohnedies so leicht eifert — war sehr gekränkt! Und dann ruhte unsere Allerhöchste Frau nicht eher, als bis sie der kleinen „Veigel-Violetta" ein Engagement nach London verschafft hatte!" Glücklicherweise Hub in diesem Augenblick die große Vorsaaluhr zu schlagen an. „Mon dien! Schon elf Uhr und um halb zwölf Uhr erwartet mich Ihre Majestät. Also adieu, chere amie und fei Sie vorsichtig, man munkelt, daß die Test mit dem Ritter von Gluck gar so gerne kokettiere!" Nach diesem letzten Nadelstich stürzte Madame Gluckin in die Küche, um zu retten, was zu retten war, und sieh' da, die vier Rebhühner glänzten ihr, appetitlich gebraten, fröhlich entgegen. „Marianka, Sie ist eine Perle!" lobte die überglückliche Frau Hofkapellmeisterin. „Also, bitt’ ich Ihnen, gnebige Frau kann sich auf mich verlassen: Wenn sag' ich, kann sich kochen, so kann sich kochen! Ich lieg sich nie!" „Marianka, Sie kriegt übermorgen zu Nikolo ein schönes Geschenk" unb Mabame Gluckin lief eilig in ben. Vorsaal, wo sie ben bekannten Schritt ihres heimkehrenben Gemahls vernommen. „Bon jour, cherie!" Der Berühmte hauchte einen Kuß auf bie Stirn feiner noch immer hübschen Frau. „Gibt's was Neues, Marianne, bu siehst fo verärgert aus!" Er hob mit bem Zeigefinger unter ihrem Kinn ihren Kopf in die Höhe. „Ader gar keine Idee, Christoferl — nur die Frau Obersthofmeisterin war da!" „Aha! dacht' ich's doch, bläst der Wind wieder einmal von der Seite! Da geht's ohne ein paar Bosheiten nie ab! Aber komm', mein Kind! Ich hab' einen mordsmäßigen Hunger — die Probe zur „Armida" war sehr anstrengend!" Eifrig eilte Frau Marianne ihrem Gatten in die behagliche Wohnstube voran, brachte ihm den bequemen Hausrock und die gestickten Pantoffeln. Ebenso eifrig füllte sie seinen Teller mit der köstlich duftenden Ge- fliigelsuppe. Bei den vorzüglichen Rebhühnern mit dem duftenden Rotkraut faßte sich Madame Gluckin endlich ein Herz und richtete ihrem berühmten Gatten den Wunsch der Kaiserin aus. „Ach Gott erbarm’! Daß doch alle Weiber, ob hoch ober nieber, gar so kleinlich finb. Wie kann ich benn ber Test bie Dekolletage vorschreiben? Du weiht boch, wie launenhaft Primabonnen finb! Unb wenn mir bie Test jetzt auskneift — sie hat glänzenbe Anträge aus Berlin — woher soll ich so rasch Ersatz schaffen?" „Ja, aber bie Kaiserin neigt so zur Eifersucht!" manbte Frau Marianne schüchtern ein — „bie Fuchsin sagt es so!" „Hol’ ber Fuchs — bie Fuchsin!" ereiferte sich Meister Gluck unb wollte sich mit ber Rechten in bie ambrosischen Locken fahren — boch bie Hanb patschte nur auf ben kahlen Schöbel nieber. Die fürsorgliche Frau Hofkapellmeister hatte bie Allongeperücke bes Gatten schon auf den Haubenstock gesetzt — ber bort auf ber Kommobe staub. „Unb bann — bann meint bie Fuchsin, ich soll acht geben, baß bie Test nicht so stark mit dir kokettiert!" „Pfui Teufel! Ist das eine Giftspinne!" entrüstete sich Meister Gluck, „geh' Mariandel, bring’ mir ein Täßchen .Schwarzen' unb ich erzähl’ bir eine schöne Geschichte!" Meister Gluck lehnte sich behaglich in das mit grohgeblümten Kattun überzogene Sofa zurück, schlürfte seinen Mokka und Hub an zu erzählen: „Weißt, Mariandel, oben an der sächsisch-böhmischen Grenz' lebte einst ein armer Förster — dessen ältester Bub große Lust unb Liede zur Musik hatte. Na! unb ba gaben ihn bie Eltern halt, wie er kaum neun Jahre alt war, ins Böhmerland, daß er die Kunst bes Geigenspieles erlerne. Recht unb schlecht ging’s bem Christoferl im Böhmerlanb, oft mußte er bitteren Hunger leiden, denn die armen Eltern konnten ihm nicht viel Geld senden. Aber's Geigenspiel erlernte er aus dem „ff", denn die Böhm' werden alle mit ber Fiebel im Sack geboren. Wie so bas Christoferl zwölf Jahre alt unb ein feiner Geigenspieler geworben, nahm er eines schönen Tages feine Fidel unter den Arm und beschloß, nach der Kaiserstadt Wien zu wandern, denn er hatte gar so viel schon von ihrer Pracht unb Herrlichkeit gehört, baß er bort leichter fein Glück zu machen glaubte. Auf ber Wanberfchaft ging’s ihm erst recht schlecht — manchmal schenkten ihm mitleibige Leute ein Löffelchen Suppe — noch öfter aber mußte er mit tnurrenbem Magen in einen Heuschober kriechen — um bort zu übernachten. Enblich, schon bicht vor Wien, Christoferl hatte fast brei Tage gehungert — was das für einen Buben, ber im Wachsen ist, heißt, kannst bu bir ja benfen — kommt ihm bie gloriose Jbee — boch bie Hühnernester ber Bäuerinnen ein wenig zu plünbern unb bie geraubten Eier bann bei einem Felbseuer zu braten ober roh zu schlürfen! Gebacht — getan! Christoferl hatte sich schon bie Taschen mit Eiern vollgestopft — als er knapp vor Wien ein nettes Lanbhaus erblickte — aus bem schöne Musik ertönte. .Santa madre de dio!‘ hörte Christoferl eine Stimme lamentieren, — ,daß grab heut' ber erste Violinspieler erkranken mußte. Nun können mir nicht ordentlich proben unb übermorgen soll bas Quartett schon vor Ihren Majestäten aufgeführt werben!' Als Christoferl biese Worte aus bem Fenster schallen horte, faßte er sich ein Herz, klopfte an bie Türe unb trug sich als Geigenspieler an. Zuerst war ber Besitzer ber Villa, Hofkapellmeister Pregi, sehr überrascht von Christoferls Antrag — aber bann ließ er ihn ein Stücklein zu Probe spielen — unb war gleich so entzückt von bem Können bes Jungen — bah er ihn mit bem Violinpart betraute. Doch Christoferl hatte im Eifer des Spieles feine feier vergessen — die sagten nun leise krach, und sofort sickerte die gelbe Sauce durch feine Taschen auf den blank gescheuerten Boden." ,M! Daran erinnere ich mich noch!" rief Frau Marianne lebhaft, vobzwar ich erst damals knapp vier Jahre zählte. Der Vater rief: Gey Mariandel, bring’ ein Tuch, daß wir die Bescherung aufwischen! Und bann mußtest bu erzählen, wieso bu zu ben Eiern gekommen bist unb als bu von beinern großen Hunger erzähltest, nahm mich bie Mutter mit in bie Küche, unb ich mußte bir einen Teller warme Suppe bringen! „Ja, Marianbel, unb ba glaubst bu — daß ich meiner kleinen Lebensretterin je untreu werden könnte?" Frau Marianne mußte lachen. „Mi Wenn bie Obersthofmeisterin roiebertommt, werbe ich ber schlauen Fuchsin — bie rührenbe Beschicht' erzählen vom hungernben Christoferl — der es bis zum ersten deutschen Komponisten gebracht hat." Verantwortlich: Dr. Hans Thyriol. — Druck unb Derlag: Drühl'jche Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Wichen. M Als baki au fe'ntroaf 9itrapa| die tauj um sovi wochenl rung - anders Hunger, und nid; ein jede Gottes 1 feine der mit Waldsch! mußte, Zur Fah Drogiste erst seit gestürzt die Stir wie ein Tage ge Nun end tarnen. fes tt Traverse Frieden öus der hmg für Swanzig und dar! Wpfnng *erie zu üußen g