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Ein Chinese (’s sind schon an zweihundert Jahr) In Frankreich auf einem Hofball war. Und die einen frugen ihn: ob er das kenne? Und die anderen frugen ihn: wie man es nenne? „Wir nennen es tanzen, sprach er mit Lachen, Aber wir lassen es andere machen" Und dieses Wort, seit langer Frist, Mir immer in Erinnerung ist. Ich seh das Rennen, ich seh das Jagen, Und wenn mich die Menschen umdrängen und fragen: „Was, tust du nicht mit? Warum stehst du beifeit?" So sag ich: „Alles hat seine Zeit. Auch die Jagd nach dem Glück. All derlei Sachen, Ich lasse sie längst durch andere machen." Theodor Fontane. Von Richard M. Meyer*. Theodor Fontane ist der klassische „Berliner" der deutschen Literatur, wenn er auch in Reu-Ruppin in der Mark geboren und erst dreizehn Jahre alt nach der Hauptstadt gekommen ist, wenn er auch von väterlicher und mütterlicher Seite von Hugenotten abstammt. Er ist der klassische Berliner, wie Raimund der klassische Wiener ist; er und nicht der enge dürftige Nicolai. Fontane besitzt die wunderbare Ironie des Berliners — eine Ironie, die, so paradox sie klingt, naiv ist; denn sie ist nichts als der unwillkürliche Zweifel an der daneben ebenso naiv auftretenden „Uederheblich- teit", wie Fontane oft und gern sagt. Sicher liegt dem Berliner ein gewisses Uederlegenheitsgesühl nahe. Er gehört einer Stadt an, die im Kamps gegen lauter Antipathien groß geworden ist — Antipathien der Regierung und des Junkertums, der Dichter und der konkurrierenden Großstädte, fast möchte man sagen Antipathien auch der Natur, die die Spreeftabt so karg bedachte. In diesem stetem Kampf hat Berlin gesiegt, und das liegt noch heute jedem Berliner in den Knochen. Auch Fontane, der seinen Freund Lepel zum Organ der eigenen Selbsterkenntnis macht: „Ja, Fontan, du orakelst da mal wieder los. Das macht, du hast einen merkwürdig naiven Glauben an dich selbst und denkst immer, bu weiht so ziemlich alles am besten. Aber ich kann dir sagen, hinter bem Berge wohnen auch noch Leute." Dies stille Gefühl der Superiorität hat der Berliner aber eben erst im Kampfe erworben, und deshalb kennt er im Grunde auch ganz genau seine Grenzen. Niemand kann bas schlagender ausdrücken als wieder Fontane selbst: „Von meiner Unausreichendheit, meinem Nichtwissen, tief durchdrungen, sah ich doch deutlich — kaum zu glauben! — daß das Nichtwissen der anderen womöglich noch größer war als das meinige. So war ich bescheiden und unbescheiden zugleich." Das ist der Berliner, wie er im Buche steht! Er kennt seine Schwächen recht gut; aber er nimmt, da er.mit ihnen doch gesiegt hat, in aller Naivität als ausgemacht an, daß er unter den Blinden noch immer der Einäugige fei. Und hierin liegt der eigenartige Sonbergefchmack der Ironie Fontanes. Fontane ist aber nicht nur der rechte Berliner — er ist der erste eigentliche Großstädter in unserer Literatur, wiederum, obwohl er aus Neu-Ruppin stammt. Schwache Ansätze dazu sanden wir bei Gutzkow, bei Wikibald Alexis; aber Fontane hätte sich nie, wie Alexis, in einer thüringischen Kleinstadt eingraben können. Er hatte einmal den Plan, nach Schmiedeberg üderzusiedeln; «ber er gab ihn bald auf. Für ihn war wie für Hebbel die große Stadt Lebensbedürfnis. Aber Hebbel brauchte Wien nur um der geistigen Aristokratie willen; Fontane brauchte die ganze Großstadt. Und es ist esi W’ komme ich noch mit heran und bringe einen bestimmten Bescheid. diesen Worten griff er wieder nach feinem breitkrempigen Hut aH weichem Filz und empfahl sich von Mutter und Tochter. , Mathilde begleitete ihn bis an die Flurtür. Als sie wieder 3url™ ,.7 hatte sich die Mutter auf das Plüschsofa gesetzt, was sie für bewohn ungern tat, und strich über ein kleines seidenes Rollkisfen hin, dow i gelbe Sterne aufgenäht waren. „Nun, Thilde, was meinst du? Die e‘ steht nun schon seit den Ferien leer, ich finde, daß die Ferien zu 10 J eeternf. Der Pharisäismus warf ihm deshalb „laxe Moral" vor, wie ble Kleinstadt sie den Großstädtern vorzuwerfen liebt; wir sahen, wie wenig das seine Lebensanschauung, feine Lebensführung trifft. Aber er war nicht der Mann, den ersten Stein zu schleudern. Nicht umsonst spielt in seinem ersten Ehebruchsroman, „L'Adultera" das tizianische Bild „Christus und die Ehebrecherin" eine symbolische Rolle. wenn einem n sich > auch Kunst te sich gehört seiner nn es in die s voll- nüsssn, äusern te mit st von waren ib ein Porträt soweit »eit die nd der >5 war llnfang , denn ht alle »er den rch ein bestim- ts und rck war ahren". chsund- aupt |o len. Er er seine >m weg $r war > kaum, er schon en hoch ie wenn ich ging ngekom- iren, er u Möh- oielleicht das als unreihig Sommer . Sonst fer und l Alles Eür, die sich alle rotem ■ Große gebeiz- lenäfjten : einem stnahm, tte, Oel- mieten, ichkeiten nessenen Heizung, liathilde r schöne er ober- hne viel t (Sobo5 rsicherte, te Rede hig und nähme ; Tages b." Bei mt ans ch-kkam, vöhnlied daran! e Stube i u lange । bauern, es wird Zeit, daß wir einen Mieter finden. Er will sich noch desinnen, sagt er, und uns bann einen bestimmten Bescheid bringen. Das j6 so Rückzug. Das sagen alle, bie nicht wieberkommen wollen." „Der kommt wieber." ,',Ja, Thilbe, woher weißt du das? Dann hätte er doch gleich mieten können." „Freilich, gekonnt hätte er, aber so einer sagt nie gleich ja, der besinnt sich immer, bas heißt, eigentlich besinnt er sich nicht, er schiebt's bloß so ein bißchen raus. Gleich ja ober nein sagen, das können nicht viele, und der schon gewiß nicht." „Gott, Thilbe, du sagst bas alles so hin wie's Evangelium und weißt doch eigentlich gar nichts." „Nein, Mutter, alles weiß ich nicht, aber manches weiß ich, unb wenn ich sage: Mutter, so unb so', bann is es auch so; ber kommt wieder." „Ja, Kind, warum soll er denn wieberkommen?" „Weil er bequem is, weil er keinen Muck hat, weil er ein Schlap- yier is." „Ach, Thilbe, sage doch nicht immer so was, bu hast so viele Wörter, bie du nicht in den Mund nehmen solltest." „Warum denn nicht, Mutter?" „Weil es dir den Ruf verdirbt." „Ach, was Ruf, mein Ruf is ganz gut und muß auch. Ich weih, wo Bartel den Most holt, und weil ich's weiß, paß ich auf, ich paffe ganz schmählich auf, mir soll keiner kommen! Und was die paar Redensarten sind — Gott, Mutter, die laß man ruhig, da halte ich mich dran fest, die tun mir wohl, und wenn ich so höre, daß einer immer so fromm und faul drum rumgeht, da wird mir ganz schlimm." „Ganz schlimm — das is nun auch wieber so. Na, rebe wie bu willst, ändern kann ich bich boch nicht. Du hast immer deinen Willen gehabt von klein an, und Bater hat immer gesagt: ,Laß man, bie wird gut, bie frißt sich durch'. Ja, so hat er gesagt, aber wenn's man wahr is. Unb warum hat er denn keinen Muck — ich meine den Herrn, von bem bu sagst, er wird schon wieberkommen? Unb warum wird er denn wieberkommen?" „Du siehst auch gar nichts, Mutter. Hast bu benn nicht seine Augen gesehen unb den schwarzen Vollbart und ordentlich ein bißchen kraus — so viel mußt du doch wissen, mit solchen ist nie was los. Ich will dir was sagen: so ganz hat es ihm nicht gefallen, aber es hat ihm auch nicht miß- faUen, unb weil Wohnungsuchen unb Treppensteigen langweilig is unb einem Mühe macht, so denkt er bei sich: eine Wohnung is wie die andere, unb ruhig is es und kein Klavier unb bie bunte Steppdecke... Warum soll ich da nicht mieten? Und ich will dir auch sagen, wie er nun seine Zeit hinbringt. Von Suchen und Sichumtun is gar keine Rede, dazu is er viel zu bequem. Er is nur hinübergegangen nach dem Bahnhof, da ißt er ein deutsches Beefsteak oder auch bloß eine Jauerfche und trinkt ein Kulmbacher dazu, und bann geht er nach bem Cafö Bauer, unb wenn ihm das zu unbequem is, benn er geniert sich nicht gern unb sitzt nicht gern gerade, was man ba boch muß, bann geht er nach ben Zelten unb trinkt (einen Kaffee unb sieht zu, wie sie Skat spielen ober Schach, unb schmunzelt so ganz still vor sich hin, wenn ein reicher Bubiker mit feinem Wagen vorfährt unb seinem Pferd ein Seidel geben läßt... Und wenn er damit fertig is, bann schlenbert er so burch ben Tiergarten hin bis art ben Schiff- bauerbamm, unb bann kommt er über die Brücke und steigt bie drei Treppen rauf und mietet... Ich will keinen Zeisig mehr im Sauer haben, wenn es nicht so kommt, wie ich sage!" Mathilde behielt recht. Ob ber junge Mann in ben Zelten gewesen war, entzieht sich zwar ber Feststellung, aber so viel ist sicher, baß er zwischen fünf und sechs wieber oben bei Möhrings bie Klingel zog unb mietete. „Meine Sachen stehen noch auf dem Bahnhof hier drüben, hier ist mein Schein. Sie können vielleicht jemand rüberschicken und sagen lassen, daß ein Kofferträger oder ein Dienstmann sie herüberbringt. Ich will noch einen Freund besuchen, und wenn ich wiederkomme, hoffe ich alles vorzufinden." Frau Möhring versprach alles. Als er fort war, sagte Mathilde: „Siehst bu, Mutter, wer hat recht? Du wirst auch noch hören, daß er in ben Zelten war." Die Sachen kamen, ein Koffer und eine große Kiste, und als die Mutter und Tochter die Kiste bis dicht ans Fenster geschoben, den Koffer aber einen Kofferständer gehoben hatten, zogen sie sich in ihr an der Wen Seite des Entrees gelegenes Wohnzimmer zurück. Es sah ordentlich darin aus unb auch nicht ärmlich. Vor bem hochlehnigen Kissensofa lag ein Teppich mit Rosenmuster, unb neben bem Stehspiegel mit dem Riß in der Mitte standen zwei Ständer, in die eine rote und tme weiße Geranie gesetzt waren. Auf einem Mahagonischrank prangte ein Makartbukett, neben dem Schrank an ber Wanb eine Hängeetagere W Perlenstickerei. Der weiße Ofen war blank, die Messingtür noch blanker, und zwischen Ofen und Tür an einer Längswanb, dem Sofa gegenüber, stand eine Chaiselongue, die vor kurzem erst auf der Auktion eines kleinen Gesandten erstanden worden war und nun bas Schmuckstück »k r’°t,nun9 bilbete. Daneben ein ganz kleiner Tisch mit einer Pendel- tm r