Jahrgang MO Freitag,-en 26. September Nummer Deines Leibes GietzenerKmiilienbläüer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Lillys Tob. Eine Hundegeschichte. Von Friedrich von Oppeln-Bro nikowski. schrien Ä, “nb erf‘ »W finde ich den Mut, dies zu - Ad .-Wunde so weit vernarbt, daß ihre Berührung nur leicht torpn" hKr^mmrar-t’T beine kleinen Füße über das Parket das Gesauchze hinter der Haustür, wenn ich heimkebrte '"E" Schritt schon längst auf der Treppe gchürt hMest Du Mn etnlS freui>[°5 gewordenen Haushalts, der nur noch Krankheit erfüllt war. Und wie gut verstanden kn ober «2 nur Uebe--Hebung, deinesgleichen Verstand abzustrei- ob"r ^ful ) x Sprache und das Mitteilungsvermögen! Wie lachte Söröe^nnr VU?'n--6 Umn'e ,t1)man':,.(i,en' roie wackelte der ganze kleine lprack nnh w,e klug spitztest du die Ohren, wenn ich mit dir Dtnn'bu °lebiUrf5a° Egtest du sie an, wenn dir etwas mißfiel, du mit der Köchin statt mit mir oder mit meiner Frau auegehen LS tofecb^n frummer Lücken und dein Armsündergesicht von beiriXi^i Lüsten Gewissen, wenn du mal etwas ausqefressen hattest Wie ÄnnÄ bU ba5 ??kchen ab oder verkrochst U in eine duEe ÄX ? S1"9'1" lQ9te: „Ich kann dich nicht mitnehmen!" Und V t Rol enschlagen, wenn ich sagte: „Spazierengehen!" War sns ?ut. „G-eh Körbchen!" Das befolgtest du sofort. Lr A 'rS. U,'ib sagte zu dir: „Paß auf! Heute kommt Taa nn, k £ber! ' J° haktest du keine Ruhe inehr, lagst den ganzen dir^auck schlugst beim geringsten Geräusch an. Was man Augen kLlitz des Verstehens in deinen schwarzen ouf9b?e npr^x6"" ""Hk nur auf deinen Namen, sondern auch P«or atonnu mp*Fn r,tOnrf,rSn Kosenamen, die ich dir beilegte und die alle eine oon " n . nllt ben fahren vermehrten und schließlich auf ^' ^^ kanei bildeten. Saßen wir beim Frllhstückstisch und du lagst Äs 6aS'" Sonne so brauchte ich nur ganz leise zu flüstern: solche sR,nrf f Püppchen - so warst du schon da. Freilich aßest du DerqruMt fu" blt pflegtest nicht zu frühstücken, aber du Kopfes L t e wit Scharren und mit seltsamen Schiebebewegungen des wieder h„r,,^n K'ssen, die auf deinem Stuhl lagen, um sie erst zum Vesper zu fi<(egb“ c f °^tne™ ( ^"grubst du dir auch Knochen, um sie tonn'1'®;!. ^Kkest es gut bei uns; ich bin froh, daß ich es heute sagen 9ei)orfani ■"!! "le ernste Konflikte miteinander, denn du warst ' unb wir liebten uns. Nur zu Anfang stahlst du mal einen MtzEKS-LLMZ " oen Blicken. Eine Stunde vor der Mahlzeit ertoienft tu, in stde Hawieruna aufmerksam auf einen Kllchentisch verfügtest ' Lu totkfMAtipSriA Ä’r !üU ^gusaugen und kochtest mit Ich glaube hättest 'd> 6M) f bft fod)e" können, wenn du Menschenhände gehabt MMWMS8 «»“ Ä1$ ÄÄS m„Te,n. br-aunes Gesichtchen wurde zusehends weiß, und der ftäbv« wurden immer weniger. Einen, der lange Zeit wackelte zog ich dir lckliek- S*Änm^T3U befreien. Selbst dein feines GehL das m^L Ä1“ yy**,»*.«1” «ÄÄW'aSS TrLL b? be'des Nicht hattest, wurdest du stumpf und in dich gekehrt b-”“‘9 kochst, du dahin. Früher war das Spazierengehen größtes Vergnügen gewesen, jetzt wolltest du nur noch schlafe» Wenn b" ""-geh«" solltest, recktest du dich faul und sträubtest Lick oder ver" krochst dich unter die Tische und Sofas. Sonst warst du immer vorwea- galoppiert, hattest alle Wege dreimal gemacht. Jetzt schlichst du matt binter- d- und. wurdest erst,wieder lebendch, wenn du merttest d7ß es nach » ?'r7-v* Rkan "mßte dich beständig an die Lein« nehmen "damit dir kein Unglück geschah. In der Nähe des Hauses, wenn man eine Besorauna hatte, wartetest du nicht mehr geduldig vor den Läden, ondkrn ginnst Wv"6 "ber die Straße, der Haustür zu. Wenn man dich zurückrie hortest du nicht, denn du warst halb taub. öuluunel, Möbe^'Enk ftief3elt?U L°9ar ?er Wohnung mit dem Kopf gegen die Möbel, wenn es nicht mehr ganz hell war. Nein, es ging nicht mehr mit T, Ti'T' KW-1'1? '*---- 3alnm-rs und wurdest ei tagstch medn Und 8 BK. “.£» UW "* - |r*fl * ~r r,.l?st'stchtzst'?bAu'"^7Lst'w!7«-."-""Sr“ Hatte man dich fragen können, du hättest es gewiß verneint Du ickienkt zah am Rest deines Lebens zu hängen. Das war auch die Ansicht des Tierarztes, zu dem ich dich schließlich, des Drängens satt, brachte. Er w^r ^n Tiernarr, liebte die Hunde über alle Maßen, berief sich auf den alten Britz und auf Schopenhauer, diese zwei großen Menschenverächter und Hundefreunde. Wozu das Tierchen umbringen? fragte er. Es lebt noch Myer": Und er redete mir ins Gewissen, keinen Mord zu begehen. ' Ü d>ebischer Freude, aber zur Verzweiflung meiner Frau und der '^b'ch wieder nach Hause. Ich wollte nichts mehr von ^,r.Sach« Horen. Es gab Szenen Lorwllrfe; die Köchin drohte zu gehen; :ÄSftks i-4 ä x 5 , u,',-?""de sind doch keine Menschen. Deins Hundenarrheit wird krank- haft, bekam ich zu Horen. Aber wenn mein Blick auf dein schwaries leidiges Fell fiel, entsank mir aller Mut. 97 3 - 3n diesen letzten Wochen klammertest du dich in deiner Hilflosigkeit an mich, als hattest du gewußt, daß dein Leben in meiner Hand lag Früher h"ktest du in der Wohnung deine eigenen Lieblingsplätze gehabt- jekt wolltest du nur noch in meinem Zimmer sein. Ich machte dir ein Lager auf meinem Diwan. Aber das war dir zu weit entfernt. Ich legte dich neben mich an meinen Schreibtisch. Aber du sahst mich nicht mehr wolltest Elegie an eine ferne Geliebte. Von Diemar Moe ring. ™ ^.^pi-lin unter den blauen Hängen des Libanon, Oft denk ich deiner. Du warst schön Wie ein Abend über der Wehmut verlassener Mädchenweiher, Zart wie eine Vase aus den bernsteinfarbenen Bergkristallen deiner Heimat — Eine weifte Taube war dein Gesang Schwebend über den rosigen Morgenzinnen der Heiligen Stadt. Wie lange schon, ach, seid ihr versunken, o Tage des Friedens! E,n Fremdling nun irre ich unter den grauen Gefpensterhimmeln anderer Zonen umher, Von Land zu Land jagt mich der Winde Geisterlachen. nichts nenne ich mein eigen mehr: Nur du noch Blühst, «in« liebliche Blume, in den zerbrochenen Gärten meiner Erinnerung. — 0 der Nächte, da deines Mundes demütiger Mufchelmond korallen über den flatternden Zelten meines Traumes hing — gotbenes Saitenspiel bebend jubelte unter den seidnen . . , Zephiren der Lust — 0 der achatnen Wälder deiner Augen, drin hold deines keuschen Frauen- mu,„n .. . . _,,..£ sommers braune Rehe weideten... Wenn ich deine schlafen in meine Hände nahm Sank deines Scheitels Haar dir kühl über die 'weißen Frühlingswiefen der Stirn, Rauschend wie die Abendguelten in den Zypressenhainen deiner Jugend! mich wenigstens fühlen, dich bei mir geborgen wissen. Schließlich kam es soweit, dich du dich hinter mich aus den Schreibtischstuhl klemmtest. Das war nicht gerade bequem für mich, aber ich litt es aus Mitleid. „Wie kannst du das nur aushalten", spottete meine Frau. Schließlich ging es wirklich nicht mehr. Da sah ich ein, es mußt« geschehen. Ich werde den Tag nie vergessen. Ganz brav, wenn auch mit gesenkten! Köpfchen, gingst du an^ deiner Leine neben mir her, eine lange Straße hinunter; dein letzter Spaziergang. Gut, daß du es nicht ahntest! Ich trug ein Kästchen im Arm — deinen Sarg. Ich konnte die Tränen kaum bezwingen; noch heute treten sie mir wieder in die Augen. Endlich langten wir an. Unten im Hause war ein Schlächterladen; ich suhlte mich selbst wie ein Schlächter. Die Haustür, eine schwarze Eisentür wie bei einem Grabgewölbe, war geschlossen. Ich war nahe daran, wieder umzukehren. Da ging die Tier auf. Der Tierarzt in seinem weißen Kittel erkannte mich sofort wieder. „Diesmal muß es fein", würgte ich heraus und legte dich auf den Operationstisch. Der Tierarzt streichelte dein schwarzes, glänzendes Haarkleid, schüttelte den Kopf, wollte mein Gründe nicht gelten lassen. Gibt es etwas Gräßlicheres, als um den Tod eines geliebten Wesens, und sei es ein Hund, mit Gründen zu streiten? „Ich kann ihn nicht mehr zurückbringen", stieß ich hervor. „Es geht nicht mehr. Eine Etagenwohnung, vier Stock hoch." Und ich wiederholte die mir eingetrichterten Worte: „Das Tier ist sich selbst ebenso zur Qual wie den Menschen." Der Tierarzt sah, daß ich festblieb. „Nun ja", sagte er, „die Menschen gehen schließlich vor." „Wollen Sie eine Einspritzung machen?" „Nicht doch, das ist Tierquälerei, Erstickungstod. Ich brauche nur Chloroform." Er nahm ein Fläschchen von einem Ständer, legte Watte auf dein Näschen, umwickelte dein blindes Gesichtchen mit einer Mullbinde. Du littest es ruhig wie ein Opferlamm. Bei den ersten berauschenden Tropfen wurdest du lebendig. Er mußte dich festhalten. Der Rausch steigerte sich schnell. Plötzlich kläfftest du laut, wie wenn du im Traum eine imaginäre Beute verfolgtest. Du zucktest immer heftiger mit den Beinen. „Leidet er nicht?" fragte ich bang. „Sonst ..." „Nein, er ist schon betäubt." Da sankst du hin, schliefst ein, um nicht mehr zu erwachen. Ich stieß ein paar wirre Worte hervor, die eine Tränenflut jäh erstickte. Alles weitere tat ich wie im Dämmerzustand, als hätte ich selbst Chloroform eingesogen. Erst zu Hause kam ich zu mir. Bekannte hatten vor der Stadt eine Villa mit Garten. Ich fuhr hinaus mit deiner kleinen Last, die ich so oft auf den Armen getragen, grub dir selbst ein Grab in einem Winkel am Zaun. Auf das kleine Grab pflanzte ich drei Rosenstöckchen. Sie blühen jetzt im Sonnenschein, von Vögeln umzwitschert. Musik und Magie. Von Professor Dr. Curt Sachs. Curt Sachs ist einer der besten Kenner der Musik der Primitiven, deren Erforschung und Ausdeutung in vielen Fällen den Schlüssel zum Verständnis unserer eigenen Musik liefert. Das finden unsere Leser bestätigt in des Verfassers soeben erschienener „Vergleichenden Musikwissenschaft" (Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Kart. 2,80 Mark, Leinenband 3,60 Mark), der wir den nachstehenden Abschnitt entnehmen. Der Mensch sieht sich umgeben von tausend Wirkungen, deren Ursache er nicht kennt; tausend Schicksalen ist er ausgeliefert, deren Grund und Herkunft ihm verborgen sind. Geburt und Tod, Zeugung und Fruchtbarkeit, Wachstum und Dürre, Regen und Trockenheit, Sonnenglanz, Dämmerung und Nacht, Wind, Blitz und Donner — wer macht sie, wer schickt sie? Aber noch wichtiger: Wie das Unwillkommene wenden, Unfruchtbarkeit, Siechtum und Tod fernhalten, Gesundheit, Nachkommenschaft und reichliche Ernte sichern? Und die Antwort lautet keineswegs im Sinne der Verständigkeit: durch Hygiene, angemessene Ernährung und unermüdliche Arbeit, sondern: durch Rufen, Versöhnen oder Bannen derjenigen Mächte, die der Ueberlieferung nach in der Lage sind, schicksalgestaltend dem Menschen gegenüberzutreten. Dieser dauernde Abwehrkampf gegen Naturkräste, denen man, wie fast selbstverständlich, die seelischen Eigenschaften der Menschen und Tiere beilegte, nimmt schon auf mäßiger Zivilisationsstufe feste Formen an. Auf der ganzen Erde sehen sie sich ähnlich; in kalten Gegenden Zauberriten zum Herbeirufen der Sonne, in den heißen umgekehrt Regenzauber, Zauber zum Wiederzunehmen des Mondes, zum Beschwören von Krankheiten, zur Abwehr des Todes und — wenn er dennoch eingetreten ist — »ur Förderung der Wiedergeburt und zur Unschädlichmachung des Totengeistes. Schon in sehr frühen Kulturen übt ein besonders Fähiger beruflich die Kunst aus, vorübergehend das Menschliche abzustrcifen und in rausch- «rtiger Erhebung Geisterkraft zu erlangen und zu betätigen. Ihm, dem Medizinmann, Zauberdoktor oder Schamanen, liegt es vor allem ob, durch magische Handlungen in der Ekstase die Krankheitsdämonen zu verscheuchen. Hauptmittel dazu sind Tanz, Schall der Kürbisrassel und rhythmisch begleitetes Singen. Stundenlang tanzt und singt der Schamane seine Zaubersprüche, bis ihn sie Erschöpfung einzuhalten zwingt. Bei all diesen Medizinmanngesängen, so verschieden sie im Stil sein mögen, ob knapp oder weit ausschwingend, ist die fast eigensinnige, besessene Rückkehr auf einen bestimmten Ton bemerkenswert. Daß in diesen magischen Kulten der Schall eine besondere, unvergleichliche Rolle erlangt, ist die Folge seiner physiologischen Wirkungen. Die Heraushebung aus dem Stande ruhigen Alltagslebens, die Steigerung ins Außermenschliche, Geisthafte, von der schon die Rede war, verbindet sich dem natürlichen Schluß, daß die Dämonen, die es zu scheuchen und zu rufen gilt, dem bannenden Zauber des Tones und der Melodie ebenso wehrlos erliegen, wie der Mensch. Krankheit und Tod, Sonne und Regen, Fruchtbarkeit des Leibes und der Erde müssen der Kraft des Klangs gehorchen. Daher stehen Sang und Spiel ebenso wie der Tanz fast ganz im Dienste dieser Zauberhandlungen. Eine bevorzugte Stellung haben sie bei der Totenfeier. Das ursprüngliche Gefühl, mit dem der Mensch auf den Tod blickt, ist nicht Trauer, auch nicht feierliche Ergriffenheit. Grauen im Angesicht des Unfaßlichen, Entsetzen vor dem unbegreiflichen Wandel, der sich vollzieht, Furcht vor dem eigenen Schicksal — das ist es, was den Primitiven an der Leiche eines Angehörigen befällt. Die Abwehrmaßnahmen richten sich auf zwei Ziele: den Toten unschädlich zu machen, der als denkendes, handelndes, wirkendes Wesen zu bestehen nicht plötzlich aufgehört haben kann, von dem man aber, da er sich nicht mehr bewegt, Böses fürchtet, wie von allem Unstimmigen und Unnatürlichen; zweitens, dem Toten, wie man es sich selbst wünscht, zur Wiedergeburt zu verhelsen, vielleicht auch nur, gerade in der gefährlichen Gegenwart des Todes, das Leben als solches zu schützen und zu fördern. Die Welt der Musikinstrumente bietet eine Fülle verschiedenen Schalles, der diesen Zwecken günstig erscheint. Das Wirbeln der Schwirrhölzer, das Kreischen geschrapter Kerbstöcke, das Knattern geschwungener Kürbisrasseln, das Pfeifen der kleinen Knochenflöten, das dunkle Brüllen der Holztuben und der Schneckentrompeten, dumpfes Trommeln begleiten den Tod vom Augenblick des Sterbens bis zum letzten Akt der Bestattungsriten. Das Großartigste und Ergreifendste an Totengesängen haben die Indianer geschaffen. Der Gefühlsinhalt fremdländischer Melodien öffnet sich uns freilich nie. Aber es gibt Fälle, in denen uns Naturvolkmelodien ganz unmittelbar menschlich berühren. Zu ihnen gehört der Totengesang mexikanischer Pueblo-Indianer. Die heftigen, synkopierten Akzente mit dem Absinken auf das dumpf gemurmelte cis’ und dann zweimal der wilddämonische, ganz elementare Aufschrei zum hohen e" — das packt auch uns. Wir erschauern unter der Gewalt dieses urtümlichen Pathos, eines Pathos im eigentlichen Sinne des Wortes, dem alles Gestellte, alles Theatralische fehlt. Hier, im letzten Mysterium des Menschenlebens, fühlen wir uns eins mit den ungebändigten Kindern der Steppe. Ja, hier müssen wir einmal bekennen, um wieviel blasser und seelenloser die zivilisierten Trauermärsche und Trauerchöre unserer hochentwickelten Europäermusik sind als diese Jndianerweise, in der wahrscheinlich nichts von Trauer in unserm Sinne lebt. Den breitesten Raum gewinnt die musikalische Feier da, wo Völker von schweifender Lebensweise, vom urwüchsigen Aufsammeln der Natm- erzeugnisse, von Fischfang und Jagd zur geordneten Bestellung des Bodens, zum Fruchtanbau, zu Aussaat und Ernte übergehen. Denn zwischen Saat und Ernte ist der Mensch machtlos. Das Leben des einzelnen und der Gesamtheit hängt jetzt ab von der mystischen Wandlung des Kornes in Frucht, vom Erscheinen der wärmenden Sonne und des befruchtenden Regens. Für Wind und Regen haben die Naturmenschen ein sehr einfaches Mittel gefunden. Schon die Altsteinzeit kennt es. Der Regenmacher bindet an eine Schnur ein kleines, Fruchtbarkeit wirkendes Brettchen und wirbelt es saufend über dem Kopf. Je nach der Größe und Schnelligkeit pfeift es wie die Bö oder heult und donnert wie der Sturm; der Wind und mit ihm der ersehnte Regen, durch das verwandte Geräusch angelockt und herbeigezwungen, sie müssen kommen und der Pflanzung helfen. Und wie in der Steinzeit, so noch heute bei den Naturvölkern aller Erdteile und — in Schottland. Gesungener Zauberspruch tut ein übriges. Einer großen Komposition des Meisters Orlando di Lasso im sechzehnten Jahrhundert schrieben die Zeitgenossen die gleiche Kraft zu, und die Regen-Bittprozession, die in katholischen Gegenden der Priester über die Felder führt, ist ein Rest des alten Brauches. Jüngere Kulturen halten sich bei der Feldbestellung vielfach an die Kraft der großen Meerschnecke; in Indien muß, ganz wie bei unserer Regenprozession, der Priester Saat und Ernte mit der Schneckentrompete bcblasen. Denn da sie aus dem Wasser kommt, muß auch ihr Schall Wasser herbeizichen. Umgekehrt werden diese mächtigen Tritonsschnecken noch heutigen Tages im badischen Kinzigtale und im Böhmerwald geblasen, um — ganz homöopathisch — Unwetter zu bannen. Der Znlu- zauberer macht das mit einer windmäßig pfeifenden Knochenflöte. Wenn Gewitter droht, besteigt er einen Hügel, bläst in die Pfeife und schrem „Du Himmel, geh fort, ich habe nichts gegen dich, ich bekämpfe dich nicht! Immer und überall kehrt der Gedanke wieder, mit Lärm gegen Unwetter vorzugehen. Die Schneckentrompete ist in Europa meist der Kirchenglocke gewichen. .Fulgura frango', steht auf der Schaffhauser Glocke, die Schiller besungen hat; „Blitze brech ich!" Im unteren Jnntal springen zu Georgi die Knaben mit Glocken und unter vielem Lärmen über die Felder, um das Gras auszuläuten. Der Bauer bewirtet sie: denn wohin die Grasausläuter kommen, da gibt es gutes Wachstum. , . Nirgends sind diese Gebräuche so fein und reif durchgebildet wie bei den Malaien im Südosten der asiatischen Welt. Denn hier tritt hohe musikalische Veranlagung mit einer unvergleichlichen Bedeutung der Reisernte für das Leben einer ganzen Raffe zusammen. Schon die alten Mexikaner hatten den Priestern der Wasser-, Erd- und Maisgottheiten lange Stove in die Hand gegeben, in deren hohlen Knäufen Kügelchen raffelten. W gestampft wirkten sie doppelt: die eingefchlosfenen Rasselkügelchen zauberten den Samen im Schoße vor, und das rhythmische Aufstampsen übertrug den Keimzauber auf die Mutter Erde. Ganz entsprechend Haven die Malaien Stäbe mit Kvrnerfüllung; bei der Reisaussaat Säemänner mit feierlich-ernsten Tanzschritten vor und stechen mit oe Stäben, deren Füllung leitermäßig abgestimmt ist, die Saatlöcher in oe Boden; die Weiber folgen und werfen den Reis ein. Steht die 6rn bevor, so wird in festgesetzter Weise auf ausgehöhlte Holzblöcke gesaM Am A Bambi fingen: Selbst werden getrage rausch man li diese fei liches i die Sti Farbe, von Hc Rhythn wird d gondan erklinge Sie nicht en seinem Ich Geschick, veracht! habe de Leibniz! Hering« Eegenst als etw Papinsck Oft Ersindu noch au physika!! oder „C Phlloso; beste zu Glasgefi und in Glas«, i auf die aus- un des Fin! gepreßt etwas S und fini Accaden lichen E in welch nafius $ Physiker abfpielen Das Exp a|s „Exf Fartefio geklärt, bürgerte lernt, g« Inn? Sie Präsident bischen I deckung und im : den beta ilorscher, schrieb 11 in Fran sollet ve lösche zi parat bei i>abe dor “nb Steil Mphie I »er „Klei . Eine der nicht 'Gerung “'n 155! Horts V. -üinggehä dsichreibt “°ch iübi den die ($ sich ! fingen: Steige» r, oer= euchen ielodie le und ft des nz im „Stampft, Freundinnen! Denn wir blicken abwärts, blicken nieder auf den flehenden, den flehenden neuen Reis!" Am Abend des Crnteopfers ziehen die Mädchen mit körnergefüllten Bambusrohren heim, stampfen sie taktmäßig auf den Mutterboden und ickt, ist «gesicht h voll- ritiven m un- len zu da er n und )t, zur rlichen irdern. Schal- chölzer, iürbis- en der en den Lestaten die elodien urvolk- rt der gierten dann ,en e" mlichen i alles Men- rn der er und : hoch- wahr- Völker Natur- tg des Denn es ein- ndlung nd des nfaches macher en und lligkeit Wind ch an- mzung n aller briges. f o im oft zu, Jriefter an die inferer ampete Schall inecken ild ge- Zulu- Wenn schreit: nicht!" weiter ngloife >chil- ;en zu er die wohin >ie bei musi- sernte ikaner Stäbe . Stuf’ zau- mpfen haben m die t den n den Ernte lagen. Selbst das Abschleppen der Ernte geschieht musikalisch: die Reisbündel werden an einem langen, seilbespannten Bambusrohr von zwei Männern getragen; dabei laßt man sie so schaukeln, daß sie mit klagendem Geräusch an den Bambus scheuern. Zum Schälen der frischen Ernte hat man liegende, oft mehrere Meter lange Holzblöcke mit Vertiefungen; in diese schütten ine Frauen den Reis und enthülsen ihn durch gemeinschaft- Iches Stampfes mit Holzstocken. Da die Höhlungen verschieden tief und die Stocke verschieden groß sind, so ergeben sich Geräusche abweichender Farbe, deren herrschende Teiltone eine Art Melodie im Durcheinander von Hoch und Tief, Hell und Dunkel innerhalb der oft recht verwickelten Rhisthmen und Gegenrhpthmen vortäuschen. Bon 'allen Beobachtern wird der Reiz dieses Klanggewebes gepriesen: „Ting tung tutunanulan gondang , besingt es schallnachahmend ein einheimischer Dichter Dam erklingen uralte Gesänge im Takt der Stampfer " d >2%ben m"ben der Musik selbst in den Hochkulturen nidjt entzogen Der Kulturmensch vergeistigt sie aber, indem er die Magie (einem großartigen Weltgebaude einfügt. u Unter falscher Flagge. „Erfinder", die keine waren. Von Graf Carl v. Klinckowstroe m. m (*i*f^rnforrn5 ”sC vergessen, wie mich einst im Gymnasium mein (M(Wtsprof€ffor, der von meinen Kenntnissen nicht eben viel hielt jcrad,tl.cf) fragte ob j* Leibniz für einen Keksfabrikanten hielte. Ich habe den Herrn Professor keiner Antwort gewürdigt. Leibniz ist an den ieibmzkeks ebenso unschuldig wie Bismarck an den nach ihm benannten beringen. Cs springt in die Augen, daß der Zusammenhang zwischen Gegenstand und Namengebung hier eine ganz andere Bedeutung hat als etwa bet der Sacher-Torte, bei den Hoffmannstropfen oder beim Papmschen Dampftopf. Oft aber finden wir wirkliche Urheberbezeichnungen, die mit einer Erfindung oder einem Projekt unlöslich verknüpft erscheinen und den- f>uf emem Irrtum beruhen. Dazu gehört zum Beispiel das bekannte physikalische Spielzeug, das man allgemein als „Cartesianischen Taucher" oder ..Cartes,anisches Teufelchen" bezeichnet. Dieses hat nämlich mit dem Philosophen Eartesius (Descartes; gestorben 1650) nicht das min- deste zu tun Dieser kleine Apparat besteht aus einem mit Wasser gefüllten (fegefafj, das oben mit einer elastischen Membran abgeschlossen ist Md m welchem als Teufelchen gestaltete kleine Figuren aus hohlem i die eine feine Deffnung haben, schwimmen. Durch Fingerdruck auf die abschließende Membran kann man die Figürchen nach Belieben au,- und abfteigen lassen. Die Erklärung ist die, daß durch den Druck des Ringers die Luft im oberen Teil des Gefäßes ein wenig zusammen- Scpre&t mirö. Der Druck pflanzt sich durch das Wasser fort und treibt cltMs Wasser in die hohlen Glaskörper, wodurch diese schwerer werden >md sinken. Dieses Experiment wurde zuerst um 1645 im Schoße der Eademia de Lyncei zu Florenz angestellt, und zwar in feiner urspriing- I ld,enrS.efta^,al^ Thermoskop in offener Glasflafche mit engem Hals, m roeldjem Glashohlkugelchen mit kurzem Röhrenstück schwammen. Atha- uasius Kircher und R. Magiotti, die zu den hervorragendsten I Physikern des damaligen Italien zählten, untersuchten die sich dabei I °dsp,elenden Vorgänge und gaben bereits 1648 die richtige Erklärung p°s Experiment wurde damals und noch bis ins 18. Jahrhundert hinein k rper.."?’enf2m Ftorentinum" bezeichnet. Wer zuerst die Bezeichnung ^attefianlscher Taucher" prägte, und warum dies geschah, bleibt unauf- I Wart. Diese Benennung taucht erstmalig und vereinzelt um 1710 auf, »ärgerte sich aber erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts ein (JU kn ersten elektrischen Apparaten, die der Mittelschüler feinten» Sefiort die bekannte Leidener Flasche. Was hat sie mit Leiden zu » 'l* e,nc Erfindung des Camminer Domherrn und Hofgerichts- I ®roa[b Bürgen von Kleist (1745), der sich eifrig mit elek- MHYen Experimenten beschäftigte. Kleist korrespondierte über seine Ent- «ung sogleich mit deutschen Physikern in Berlin, Halle und Danzig, mo im Januar 1746 wurde, wie wir wissen, der Versuch zuerst in Lei- I ~ mie- ob durch Kleist selbst oder durch einen der deutschen iZ'k mrf)t bekannt. Der holländische Physiker M u s s che n b r o e k Miev 1746 darüber an Reaumur, und von diesem erhielt der damals I " -ich maßgebende Physiker Abbe Rollet davon Kenntnis. I 1,77* veröffentlichte d,e Beobachtungen mit der elektrischen Verstärkungs- I K3U*a*??men mit anderen elektrischen Versuchen und gab dem Äp- I khJx Rumen „Leidener Flasche", weil er der Meinung war, man | unh b,c Entdeckung zuerst gemacht. So führte sich dieser Name ein, I be,n Slaby schon 1897 als den Vater der drahtlosen Tele- si ,^otte das Nachsehen. Es wäre daher richtiger, von I '.Kleistschen Flasche" zu sprechen. der Erfindung, an die sich der Name eines Mannes knüpft, ! latern1^, tlrheber ist, ist das sog Cardan-Gehänge, d. h. die Ring- I Uni issä^'^ovynms Cardanus ist zu dieser Ehre gelangt, weil er I einem Ringgehänge gelagerten Tragsessel Kaiser ! ;Lnnbeschreibt, der noch im Museum zu Madrid vorhanden ist. Das I teÄiM9* mar schon der Antike bekannt: Philon von Byzanz! 'N iühif*5 Uw vor Christus als „Aufhängung eines Tintenfasses I knbeÄ.?trt; Wilars skizzierte um 1245 einen „Wärmeapfel", Um Fiz, ^k'ikuchen in den damals ungeheizten Kirchen am Altar benutzten, I laoerunn *5 ')onde zu wärmen. In diesen „Aepfeln" schwebte in Ring- j «ijo sm’x6 Ekeme Pfanne mit glühenden Holzkohlen. Man konnte | -warmekugel drehen wie man wollte, die Kohlenpfanne blieb 1 “\!n "^gerechter Sage Einen Kompaß im fR^e^ngc finden wir unter ben zahlreichen Zeichnungen, die uns Leonardo da Vinci hinterlassen hat (um 1500). 1" c 1 °r ^nd hundert Jahren erregte das Drummondsche Kalklicht großes Aufsehen das insbesondere für Zwecke der Bildprojektion eine bis dahin I ^rveichk starke Lichtguelle bot. Auch diese Erfindung segelt unter fal- | wer flagge, denn Thomas Drummond gilt zu Unrecht als Erfinder I @5rf ^ulklichts (1825). Die Beobachtung des intensiven Leuchtens von Kalk und anderen Mineralien im Knallgasgebläse ist schon lange vor Drummond gemacht worden, wenn auch unter anderen Gesichtspunkten Leuckstwlrkung, so von Robert Hare (1802), H. Davy I e 3 e 11 u s (1820) und B. Billiman n (1823). 1823 ver- I c^icbe b«r englische Arzt Goldsworthy (Burnet, eine Schrift in welcher er auf die Bedeutung des Kalklichts als Lichtguelle für ver- I schiede ne Zwecke hmwies. Ein Jahr später hat George Birckbeck erstmalig das Kalklicht im Projektionsapparat verwendet. Drummond kommt €rft/lr ^'tter in Frage: ihm gebührt nicht die Ehre dieser Erfindung. Schließlich erweist sich auch die berühmte Geschichte von dem Ei des Columbus als eine Anekdote, die wahrscheinlich mit dem Nachentdecker Amerikas nichts zu tun hat. «ie geht offenbar zurück auf die volkstümliche spanische Redensart „Hänschens Ei". In Caldera ns Lustspiel „La dama duende" („Die Dame Kobold"), 1629 aufgeführt, heißt es: I „ ■.. das andere (Geheimnis) Kennst du doch, mit Hänschens Ei? Womit viele hocherhabene Geister sich umsonst bemühten, Um auf einen Tisch von Jaspis Solches aufrecht hinzustellen: Aber Hänschen kam und gab ihm Einen Knicks nur, und es stand." I - ®ie Redensart „Hänschens Ci" übertrug Vafari in feinen 1555 erschienenen Kunstlerbiographien 1550 auf den Baumeister Filippo | Vrunelles ch, (gestorben 1444). Als dieser gelegentlich einer Versammlung von Architekten aus allen Ländern, die 1421 nach Florenz berufen worden waren, um zu beraten, wie man den unvollendeten Bau i„;L >nl£S Sam,a Mar>a del fiore mit einer Kuppel abschließcn könne, feinen kühnen Plan entwickelte, wurde er bitter verhöhnt. Zornig nahm er erst dann wieder an den Beratungen teil, nachdem eine ehrenvolle m‘nf;a,-Un?-un ,f)n "gangen war. „Die anderen Baumeister", erzählt nnh Mn"m?^nr(9ern ■9eJe^P/ b"6 er seine Meinung eingehend bargelegt unb fein Modell gezeigt hatte. Das wollte er nicht. Aber er machte den fff m?fr«*iS al-,