Ute. 60 machk ehr Um rett nut mnd d„ }te. Das er jeden n besten ihm ver< l tonnte, gen und ihm w (Biefjcner ^amilicnblötter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger e, seiner 'ast beim schick (iit sie nach , bebrüt ig zeigte, tüte, und Stückchen eften ein. n sie auch , glitt |it in Chinn em Krieg, : Japaner i>e Natur, en könne, r Teebrett k sprechen, mit hilse e, war es iar bis zi es, das [it ischt hatte, Feuer und aran hatte, lßte, wo |it res abends die @(ä|et end sie st „Sag mal, ein bißchei so viel d» was so da. scheu tarne, daß immer il, ungesW seh ich mr staple los. h, was die ich wieder Jahrgang 1930 Montag, den 25. August Nummer 65 An meinen Vetter. Von Eduard M ö r i t e. Lieber Vetter! Er ist eine Bon den freundlichen Naturen, Die ich S o m m e r w e st e n nenne. Denn sie haben wirklich etwas Sonniges in ihrem Wesen. Es sind weltliche Beamte, Rechnungsräte, Revisoren, Oder Kameralverwalter, Auch wohl manchmal Herrn vom Handel, Aber meist vom ültern Schlage. Keineswegs Petit-maitres, Haden manchmal hübsche Bäuche, Und ihr Vaterland ist Schwaben. Neulich auf der Reise traf ich Auch mit einer Somrnerweste In der Post zu Besigheim Eben zu Mittag zusammen. Und wir speisten eine Suppe, darin rote Krebse schwammen, Rindfleisch mit französischem Senfe, Dazu liebliche Radieschen, Dann Gemüse und so weiter: Schwatzten von der neusten Zeitung, Und daß es an manchen Orten Gestern stark gewittert habe. Drüber zieht der wackre Herr ein Silbern Büchslein aus der Tasche, Sich die Zähne auszustochern: Endlich stopft er sich zum schwarzen Kaffee seine Meerschaumpfeife, Dampft und diskuriert und schaut in- Mittelst einmal nach den Pferden. Und ich sah ihm so von hinten Nach und dachte: Ach, daß diese Sieben, hellen Sommerwesten, Die bequemen, angenehmen, Endlich doch auch sterben müssen! perlendiebstahl. rumpetung vor. „Als Ihnen Ihr Freund die Kette gab, wußten Sie da schon, daß es die Perlen der Gräfin waren?" Josefine hob mit einem Ruck den Kopf. Er lächelte ihr zu. „Sprechen Sie nur, Fräulein", sagte er gewinnend, „wir werden Sie schon herausbeißen." „Ihn auch?!" Brendels Gesicht regte sich kaum. „Ich will es versuchen", sagte er, „aber nun erzählen Sie mir alles. Wann gab er Ihnen den Schmuck, was sagte er dabei?" Josefine zögerte: Brendel erschrak. Irrte er sich doch, war er auf falscher Fährte? Aber die impulsive Frage: Ihn auch?! ließ ihn hoffen. „Es geschah alles heute, nicht wahr?" Sie nickte stumm. „Als was ist Ihr Freund beschäftigt?^ wart er leicht hin. „Friseur", sagte Josefine. „Und wo?" „Bei Lademann auf der Wallftrahe." Brendel achtete scharf auf sich; nur hier nicht merken lassen, daß er Wichtiges erfuhr. „Warum gab er gerade Ihnen den Schmuck?" Die Frage mußte gut fein, er fühlte es. Josefine Kall hob einen strahlenden Blick zu dem Juristen auf. „Georg liebt mich!", sagte sie stolz: aber dann fiel ihr wohl ein, in welcher Sage sie sich befand und sie ließ schluchzend wieder den Kopf sinken. Brendel redete auf sie ein, er strich ihr sogar über den Nacken, aber es war nichts mehr aus Josefine herauszubringen. Da ließ er sie fort« bringen. „Schröder", sagte er zu dem Beamten, der hinter dem Vorhang saß und diese Unterredung stenographiert hatte, „Sie müssen mir den Friseurgehilfen Georg bei Sademann auf der Walltorstraße herausfinden: er muß sofort hierher." Schröder ging in den Friseurladen. Er hatte eine genaue Zeit verabredet. Pünktlich rief eine Dame an. „Georg, bist du da?" Der Gehilfe legte den Hörer hin. „Moment, Fräulein Kall", sagte er seiner Sache sicher und winkte einen Kollegen heran. „Georg, deine Kleine." Da stand Herr Schröder auf. „Kommen Sie mit", sagte er, und wies sein Schildchen, „am Telefon ist niemand mehr. Wir wollten nur erfahren, wer Georg ist." Brendel empfing den jungen Mann. „Sie können sich setzen", sagte er, „mir haben einiges zu sprechen. Ihre Personalien sind bekannt. Zunächst einige Fragen. Sie haben Ihrer Freundin Josefine Kall eine Perlenkette gegeben, nicht wahr?" „Jawohl: allerdings; das heißt — ich meine, wieso weiß die Polizei davon?" „Ruhe", sagte Brendel, „alles ohne Aufregung. Ich erzähle Ihnen die Geschichte nachher ausführlich. Jetzt sind noch Sie an der Reihe, lieber Freund." Er sagte wirklich: lieber Freund; er war ein netter Herr, der Referendar Brendel, besonders, wenn man es ihm wie in diesem Fall so leicht machte. „Woher hatten Sie die Perlen? Ich frage nicht aus Neugierde, es ist nur, weil man ihrer Josefine Vorwürfe machte." „Wer macht ihr Vorwürfe?" „Sieber Freund, Sie fragen immer. Sie sollen antworten! Aber Sie mögen es wissen: die Gräfin Bork erhob diese Vorwürfe." eigentlich? I Spaniai. . Und bann hast, dm en Großen Bank, uni nach Sp» Und oint ten." a, wenn ei ©iefi*”* h auch 9*' nach N’ Hutter w iltnism-W iit gen* venneu» i Bedurs«- x was de> Hegt. 61^ aber r das M ie Hus au! Von Frank F. Braun. »Sieber Brendel", sagte Amtsrichter Paschke, „verhören Sie doch bitte das Mädchen, das man da eingeliefert hat. Ich muß zur Staatsanwalt- Mft hinüber." Er ließ ein Protokoll über den Tisch flattern. „Wissen Sie Bescheid? Perlendiebstahl bei der Gräfin Bork in der Burgstraße. Segen Sie zu, daß das Mädchen gesteht." Er lief davon. Srenbel las den Bericht und ging hinunter. Er ließ sich das Mädchen vorsiihren. Josefine Kall war blond und hübsch. Ihr Gesicht war freilich in dieser Stunde rot und verquollen vom vielen Weinen. Sie hielt noch !mmen das Taschentuch bereit und tupfte damit gegen die Augen. Brendel betrachtete das Mädchen. „Sie können sich setzen, Fräulein Kall", sagte "und mar sich klar, welche Taktik hier eingeschlagen werden mußte. »Ich möchte Ihnen einige Fragen vorlegen und bitte Sie in Ihrem eigenen Interesse, mir zu antworten. Sie haben dem Kriminalbeamten me Äussagen verweigert; mir müssen also von den Tatsachen ausgehen. S'e Md als Zofe bei der Gräfin Bork beschäftigt. Wie lange sind Sie injon dort?" „Sechs Monate", sagte Josefine Kall und unterdrückte einen Schluchzer, «tenbel sah sie aufmunternd an. „Wollen Sie mir nun nicht sagen, mie w-u , *en der Gräfin in Ihre Handtasche geriet?" Josefine Kall Welte den Kopf. „Schade", sagte Brendel, „das hätte die Angelegenheit vereinfacht. Eine Kollegin von Ihnen hat die Perlenkette in Ihrer »Vk: bemerkt und die Gräfin benachrichtigt. Man stellte fest, daß - oie Perlen der Gräfin roaren und ließ Sie festnehmen, da Sie sich «eiy Auskunft zu geben, mie Sie in den Besitz des Schmuckes „ Qn9* seien." Er sah das Mädchen an. Josefine wird die Kette nicht Gienen Huben, dachte er, sie hätte sonst ein besseres Versteck gewählt. «.*er r ulsv bekommen, denn sie war nicht überrascht, die Perlen in liVsm $.u entdecken. Von wem bekommen? Von einem Mann natür» n?* Aurde sie als Werkzeug benutzt? Ich kann nicht das gesamte männ- mX, ,^?nal des gräflichen Hauses hier mit erhobenen Schwurfingern imarschieren lassen. Er räusperte sich und stieß entschlossen zur lieber» „Wieso? Was geht es die Gräfin an, wenn ich Josefine eine Perlenkette schenkte?" Brendel sah auf seinen Bogen Papier. „Ja", meinte er, „die Gräfin besitzt auch solche Perlen, und da wünschte sie nicht, daß Josefine die gleichen trüge." Herr Georg war ehrlich entrüstet. „Was für eine Idee! Ich bitte Sie, Herr, als ob es nicht hunderttausend solcher Ketten gebe. Außerdem wird die Frau Gräfin doch echte Perlen tragen, denke ich." „Josefine trägt keine echten Perlen?" Herr Georg belächelte den guten Witz. „Sie würde schon ganz gern", meinte er heiter, „wenn sie nur echte bekäme." „Sehr wahr", gab Brendel zu, „da ist der Haken. Nun sagen Sie, bester Freund, woher hatten Sie diese Kette, die jetzt Josefine trägt? Es ist eine sehr hübsche Kette, nicht wahr?".Georg nickte erfreut, aber dann überlief ein Schatten sein Gesicht. „Muß ich sagen, woher ich die Kette habe?" „Sie haben sie hoffentlich nicht von einem Unbekannten gekauft?" „Nein." Brendel ließ seinen Bleistift fallen; als er wieder aufrecht saß, war er rot im Gesicht. Entweder dieser Junge log sehr geschickt, oder der Kriminalfall war hier zu Ende. „Wann und wo fanden Sie die Kette?" „Gestern in der Burgstraße." „In der Burgstraße? Dort wohnt die Gräfin Bork. Wollten Sie vielleicht Ihre Freundin Josefine treffen?" Georg nickte. „Der lange Sühmann ging mit mir, wir fanden die Kette eigentlich gemeinschaftlich, denn mir sahen sie zur gleichen Zeit; aber Sühmann ließ die Kette mir; er hat keine Braut und viel wert ist so eine Kette ja auch nicht." „Meinen Sie nicht?" „Bei Tietz kosten sie 95 Pfennige", sagte Georg, „die ich fand, war allerdings besser, die märe nicht unter zwei Mark zu haben gewesen." „Das glaube ich auch nicht", sagte Brendel; „setzen Sie sich eine Weile, lieber Freund; mir lassen nur fefffteüen, ob Ihre Erzählung wirklich stimmt. Ihr Kollege Sühmann wird das beweisen können." Er ging hinaus. Herr Schröder telephonierte mit dem Friseurgehilfen Sühmann; der gab den Perlenfund genau wie der Kollege Georg an. Napoleon und Josephine — ein seltsames Liebespaar. verboten. Nach geschichtlichen Quellen von Liesbet Dill. Nachdruck Wollte man einen Menschen nach seinen Liebesbriefen beurteilen, diesen leidenschaftlichen, ungestümen und naiven Ergüssen an seine junge Frau, bliebe das Bild eines in der Liebe noch sehr unerfahrenen Mannes aus der Provinz zurück, der sich von einer eleganten, mondänen Frau verführen und blenden ließ. Josephine, die zweiunddreißigjährige Witwe eines Generals, mit zwei Kindern, Kreolin, mit südlichem Blut und oberflächlicher Leidenschaft, die rasch erlischt und die der Besitz tötet, hatte den jungen Soldaten fasziniert. Sie wurde sein Schicksal. Sie wußte diesen ungewöhnlichen Menschen jahrzehntelang zu fesseln, daß er ihr alle Schwächen und Lügen verzieh, ihre schlechte Behandlung schweigend ertrug. Ihre Briefe hat Napoleon : sofort nach dem Lesen vernichtet. Es stand wohl auch nicht viel Bedeu- tendes darin. Sie dagegen ging so nachlässig mit den Briefen ihres Man- ‘ nes um, daß sie sie herumfahren ließ und verlor, und so sind sie der Nachwelt erhalten geblieben. Auch die intimsten, die man gewöhnlich vernichtet... Josephine war klug, gewiß. Geistvoll? Man weiß zu wenig von diesem „Geist", weiß nur, wie schön sie war, daß sie Geschmack besaß, sich zu kleiden, und wußte, was ihr stand. Ihre lässigen Gebärden, ihre natürliche Sicherheit und siegesgewisse Anmut bezauberten die Männer. Cs war die Frau mit dem Hündchen im Arm. Der kleine Hund, den Napoleon so haßte, schlief sogar immer in ihrem Bett, und Napoleon mußte ihn hinnehmen, obwohl er ihn oft ins Bein biß. „C’est mon rival", sagte er. Er fand ihn schon vor, als er Josephines Schlafzimmer zum ersten Male betrat. Sie gab nichts von ihren Gewohnheiten auf, auch nicht um einen Napoleon, dessen Wert und Größe sie erst erkannte, nachdem er sich von ihr zurückgezogen hatte. Erst dann setzte ihre Kunst ein, ihn an sich zu fesseln, dann erst kamen die Tränen, die Kniefälle der Tochter, erst dann bequemte sie sich, zu reisen, um ihn „einzuholen". Aber dann war es zu spät. < Napoleon war, als er sich verheiratete, in der Liebe ein Neuling. Er wußte, daß ihn die raffinierte Frau schon auf dem Standesamt betrog, indem sie sich vier Jahre jünger machte, und er gab um ihretwillen ein ■ Jahr dazu, „damit es besser aussah". Ihre Flitterwochen dauerten zwei Tage und verliefen sehr, stürmisch. Napoleon war ein ungestümer Liebhaber, den die kühle Josephine gar nicht begriff. Sie blieb immer eiskalt, immer in Reserve, und schaute immer mit ihren halb geschlossenen Kreo- linnenaugen über seine Schulter hinweg. Nach wem? Nach irgendeinem, der elegant, scharmant und jung war und ihr den Hof zu machen verstand. Mehr wollte sie nicht. Weshalb hat sie Napoleon geheiratet? Nicht aus Liebe, bewahre. „Ich liebe ihn gar nicht", gestand sie ihren Freunden gegenüber. „Er soll meinen Kindern ein zweiter Vater sein." Er heiratet die „veuve Beauharnais". Eine kühle Berechnungsheirat von ihrer Seite aus. Sie wollte gefeiert sein, in Paris bleiben, ihm um Gottes willen nicht im unbequemen Reisewagen in den Italienischen Krieg folgen müssen, in unsauberen Herbergen übernachten, auf schlechten Wegen Staub schlucken, sich in Schnee und Regen erkälten, um von einem Napoleon geküßt zu werden? Wozu? Sie blieb in Paris, in dem behaglich eleganten Hause, stand spät auf, ließ sich frisieren und ankleiden und auf Gesellschaften feiern. Ihre Liebhaber nahm sie in die neue Ehe mit, wie den kleinen Hund. Barras? Man weiß es nicht genau. Die Geschichte hat hell in dieses Halbdunkel geleuchtet. Napoleons Ernennung zum Feldherrn in Italien als „Barras' Mitgift an seine Geliebte, Josephine", zu bezeichnen, stimmt nicht. So weit ging Barras' Einfluß nicht. Und dann ' war doch Madame Tallieu da. Hätte diese eine solche Intimität zwischen Josephine und Barras geduldet? Sicherlich nicht... Napoleons Briefwechsel zwischen den Schlachten in Italien und Paris ist eine Tragödie. Immer schreibt er zuviel und zu rasch, zu leidenschast- lich und zu erregt, zu wild und zu verliebt. Und sie schreibt immer zu wenig, zu langsam, zu kalt. Zum Verzweifeln ist das für einen feurigen jungen Feldherrn, der aufatmend zwischen zwei Schlachten diese langersehnten, dustendcm Briefe an die Lippen drückt. Er schläft nicht mehr, er arbeitet des Nachts, um ihr Bild zu verscheuchen. Doch es kommt wieder, es verfolgt ihn bis in feine unruhigen Träume. Immer steht Josephine vor ihm. Einmal zerbricht das Glas des Medaillons, das er auf seinem Herzen trägt mit ihrem Bild. Er erbleicht. Das bedeutet Schlimmes: sie ist ihm untreu oder krank geworden. Wahnsinnig mißtrauisch, rasend vor Eifersucht, sieht er sie an, zu kommen. Sie verspricht Da fiefc sich Brendel mit der Gräfin Bork verbinden und erzählte ihr den Fall. Die Dame war untröstlich. „Aber natürlich, Herr Referendar , versicherte sie, „das wird stimmen. Ich vermißte die Kette am Abend, Ich glaubte selbst, daß ich sie auf der Straße verloren hätte, da sagt nur die Zofe Mary, in der Handtasche der Josefine seien die Perlen! Das dumme Ding, die Fine, heulte und verweigerte jede Antwort. Was blieb mir, ich mußte die Polizei benachrichtigen, nicht wahr?" „Natürlich, Frau Gräfin, aber nun ist die Geschichte wohl beigelegt? Kann ich Ihnen die Josefine Kall wieder zufchicken?" „Ich bitte darum. Ich begreife gar nicht, warum das Mädchen das nicht alles sofort erzählt hat!" „Frau Gräfin, die Josefine liebte den Georg. Sie begriff nicht mehr. Ihr Georg — ein Dieb? Eingebrochen in dem Haus, wo sie bedienstet war! Die Welt stürzte ihr ein." Die Gräfin sagte- leise: „Das arme Ding. Schicken Sie sie mir her, Herr Referendar. Weitere Folgen hat meine Meldung für die Beteiligten doch nicht?" „Fundunterschlagung", sagte Brendel trocken, „aber das Objekt lohnt nicht." „Pardon, das Objekt lohnt nicht?" „Nein", sagte Brendel, „Ihre Kette kostet bei Tietz, erfuhr ich, zwischen 95 Pfennig und zwei Mark. Der Fall wird niedergeschlagen." Und er lachte: „Empfehle mich sehr, Frau Gräfin." es; aber — sie kommt nicht. Er schreibt ihr die Reiseroute vor, bitte, zärtlich, sich zu schonen, aber zu kommen, rasch, rasch... oder langsam — wie sie will. Wer sie zieht es vor, in Paris zu bleiben. Es zieht j,f nichts zu diesem Manne hin. Sie hat Liebhaber genug. „Sie ist di« einzige, die den Enthusiasmus nicht teilte, den die ganze Welt für eine« Napoleon empfand", sagt Arthur Lövy. Während er sich mit dem Feinde herumschlägt und Schlachten gewinnt aus denen er mit Schmutz bespritzt, vom Regen durchnäßt, heiser und todmüde heimkommt, erwartet ihn höchstens ein kühler, oberflächlicher Brief aus Paris, der von Josephines glänzenden Festen berichtet. Viel, leicht hätte seine Liebe bei einer hingebenden, treuen, braven Frau, di« immer zu seiner Verfügung stand, nicht solange dieses zehrende Feuer bewahrt; aber Josephines Methode war das nicht. „Erst amüsiert, bann gepackt und verliebt, und wenn der andere Feuer gefangen hatte, erkalte! und schließlich gleichgültig." Napoleon brachte dieses Spielen mit feiner Geduld zur Raserei; aber es tötete seine Liebe nicht. Sein Begrifs von Ehe war „von Bürgermoral durchtränkt". Er verlangte Hingebung und Treue; er wollte sich „ausruhen", wenn er heimkam, wollte geliebt sein von einer zärtlich und leidenschaftlich sich gebenden Frau. Vielleicht wäre er auch, wenn er das gefunden hätte bei Josephine, bald von ihr gesättigt gewesen; aber diese Frau befriedigte nie. Ihre Liebkosungen machten nut „hungrig nach mehr". Alles, was sie gab, hatte keine Dauer; sie wo: immer neu, veränderlich, gleihnerisch und trugvoll. Gewandt im Umgang mit Männern, die sie leicht nahm und leicht hergab, schien sie selbst nie gefesselt. Ihr Besitz war ungesichert, auch von einem Napoleon. Er nennt sie in seinen Briefen grausam, untreu; er gesteht: „Tu as fais mon malheur. Aber ich lasse Dich nicht." — „Eines Tages", droht er, „werden Deine Türen nachts auffliegen und ich werde da [ein, unerwartet... und wehe Deinem Liebhaber!" Er vermutet immer einen anderen bei ihr. Josephine war ihm untreu; sie betrog ihn so öffentlich, daß selbst seine Freunde ihn nicht zu warnen wagten. Er ahnt das wohl „Mein Leben ist ein cauchemar perpetuel", klagt er ihr von Tortone aus. Er jagt Kuriere nach Paris, die sich vier Stunden dort aufhalten, um einen Brief von ihr mitzunehmen, einen einzigen, kleinen Liebesbrief den sie dann schreiben wird, schreiben muß. Josephine stellt sich krank, um ihm nicht in dieses schreckliche Kriegs« lager folgen zu müssen; sie gibt vor, ein Kind zu erwarten. Sie schreck! vor keiner Lüge zurück, um in Paris bleiben zu können. Napoleon i|t gerührt. Nein, sie soll jetzt nicht reisen. „Gib mir keine Küsse in Briesen", schreibt er, „sie verbrennen mein Blut." Er weint, er leidet, aber feine glühenden Briefe werden kaum gelesen, diese „ewigen Briefe, die nach Antwort schreien". Die träge Kreolin schreibt nicht gern. Solche vor« geschriebenen Liebesbriefe strengen ihren Geist an, der mit allem nut spielt. „Zehn Seiten mußt Du mir schreiben", fleht Napoleon. Wie ihr das schwer wird, in dem kleinen Schreibtisch zu sitzen, die Feder einzo« tauchen und den schönen, zerstreuten Kopf anzustrengen, um zehn Seiten fertigzubringen an diesen unbegreiflichen, immer noch von ihr berausch!«« Mann in der Ferne, dessen Schlachten und Siege sie absolut nicht inter« essteren. Nur die Erfolge, deren Echo in den Pariser Salons Widerhall!, interessieren sie, denn sie heben ihre Stellung. Dafür hat sie sich jo geopfert, ihre Witwenfreiheit aufgegeben. Er stellt sie sich vor, wie ft sich ankleidet, schminkt und pudert, frisiert und schmückt; er sieht sie, di« reizenden Arme, den schönen Busen im Spitzenhemd, das kleine Tascha« tuch, mit dem sie kokettiert, ihre Hand, den weihen, festen Arm, den ft lässig nach ihm erhebt. Oh, er hat nichts vergessen, „je 'n oublie pas tes petites visites, tu sais bien". Es ist eine süße Qual, so fern von ihr m die grausame Frau zu denken. Bist du mir treu? Die Frage fiebert ii ihm, läßt ihm keine Ruhe, durchrast sein Blut beim Anblick ihrer ^Briefe. Ihre Frauenerfolge sind ihr tausendmal mehr wert als die seinen auf Schlachtfeldern. Alle jungen Offiziere macht sie toll, fasziniert alle M» ner, die ihr nahekommen, hat immer einen Kreis von Verehrern um sch sie hält Hof in Paris, noch ehe sie Kaiserin ist. Napoleon versetzt die Liebhaber in ferne Garnisonen, sucht sie w schädlich zu machen; aber er bricht nicht mit Josephine. Dem Ska» und der Lächerlichkeit setzt sich kein Napoleon aus, der „roi parvenu. Die ganze Welt würde lächeln, alle Höse triumphieren. Er duldet « schweigt. Er weih, dah der Notar seiner Verlobten Vorwürfe mach«, daß sie „einen armen General heiratet, statt einen reichen Kriegslichrw ten". Er weiß, dah sie ihr Alter fälschte; er ignoriert das Geflüster über Barras, er resigniert. Bon dem Piedestal, das er Josephine errichtet w bröckelt sie selbst mit ihren schönen Händen Stein um Stein ab.« Scheidung geschah aus anderen Gründen. Die Erbfolge sollte gesiW werden Er' brauchte eine Frau, die ihm Kinder schenkte. Nachdem ip seine russische Geliebte, Madame Walewska, einen Sohn geschenkt, n>» er, daß er noch Kinder haben könnte. Er brauchte Oesterreich... n Kaisertochter für einen Napoleon. Er heiratete Marte-Luise. .. Als Josephine von dem Plan erfuhr, fetzten ihre Versührungsku ein, um ihn zu behalten. Aber es war zu spät. Sie war vom verdrängt worden, von einer Kaisertochter. - Am Tage der Scheidung verließ der Kaiser Paris und zog sich " ' Trianon zurück. Es war verboten, ihn zu besuchen, zu stören oder, Briese vorzulegen. Er wollte mit sich allein fein. Es waren vielleiH drei einzigen Tage seines Lebens, da er wirklich allein war. Es war eine glückliche, ruhige, fast normale Ehe mit Marie-Luise, „frisch wie eine Rose" in Paris erschien. Napoleon war alter ge und ruhiger. Er hat Josephine noch später nach Malmaison in M bannung Briese geschrieben voll schmerzlicher Freundschaft und den > ! Bedauern, etwas verloren zu haben, das ihm einmal gehörte, ui sahen sich später wieder; sie dinierten sogar miteinander. Er P J L die Einrichtung ihres Schlosses, sogar für die Gartenanlagen. « T, die Rosen, und ganz Malmaison blühte unter einer bunten/miy. Er sorgte für ihre Toiletten, ihren Schmuck, bcftii üe ihr eine $ Zulage; sie sollte keine Sorgen haben, sich keine Gedanken bin nur zufrieden, wenn du es bist — nur glücklich, wenn ou ’ Sogar an ihr Tischporzellan dachte er. Als sie sinnlos Geld vepo; ließ falla L stau ''-i Mar habe keine Josti I lebt die i mit nicht C hierir hat 1 „gero wand des f er.bgü eigen« des i volle den 2 vom ' Kc Verst« die A die hc iriftal Ar reiche: genan menjcf spiele. 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In Schloß Malmaison zwischen den vielen Rosen unter alten Bäumen lebt ihr leuchtendes Bild. Marie-Luise war eine Kaisertochter, eine Frau, die ihm einen Erben schenkte; das andere, was Napoleon später noch mit Frauen erlebte, waren Liaisons. Aber eine Josephine war es nicht mehr. Carcassonne. Bon Hilaire Belloc. Carcassonne unterscheidet sich von anderen monumentalen Städten hierin: daß es sich die Baugestalt vieler Jahrhunderte genau erhalten hat bis zu einem gewissen Zeitpunkt, und von diesem Zeitpunkt ab „geronnen" ist und sich nicht weiter veränderte. Längs seinen Mauern wandernd, steht und spürt man all die Generationen, von jener Krise des fünften Jahrhunderts an, als man an der römischen Staatsgewalt endgültig verzweifelte, und jede Gruppe des Westreiches bloß noch auf eigenen Schutz bedacht war, — bis hinauf zu jener letzten Vollendung des dreizehnten Jahrhunderts, als die mittelalterliche Zivilisation ihre volle Blüte erreicht hatte und nun reif war für den Verfall, welcher auf den Tod des heiligen Ludwig und das Verwehen des deutschen Traumes vom Reich folgte. Keine andere Stadt vermag eine so lebenstreue und wohlerhaltene Versteinerung von jenen siebenhundert Jahren zu bieten, in welche sich die Auflösung der Antike schmelzend ergoß, und aus welchen sich dann die hochdisferenzierte Mannigfaltigkeit unseres modernen Europa heraus- kristallifiert hat. An zauberhaftem Reiz urältesten Alters sind manche englischen Orte reicher: Winchester und Canterbury mögen unter Hunderten genannt sein. Für die Uebereinandertürmung von Epoche auf Epoche menschlicher Geschichte bieten Arles und Rom weit erstaunlichere Beispiele. An historischer Kontinuität wird es von den meisten Städten Europas übertroffen — beginnend mit Paris, wo Rechtsprechung, Gottesdienst und Markt nun schon sechzehn Jahrhunderte dieselben Stätten bewahrt haben, bis auf London, dessen City zumindest sich die alten römischen Grenzen nach drei Seiten hin erhalten hat. Aber keine Stadt kann so wie Carcassonne diesen überwältigenden Eindruck von Ueberteben und Auferstehung geben. Die Lage, die ganze Attitüde von Carcassonne verstärkt diesen Eindruck. Hoch über dem Fluß, doch etwas zurückstehend von dessen Niederung, erhebt sich gerade gen Morgen (wenn man von Toulouse her durch die Frühe näherkommt) ein langer, steiler und isolierter Felsen, dessen ganzer Rücken, vom jähen Nordabhang bis zu dem im Süden, verzweifacht ist in seiner Höhe durch etwas, das eine einzige Riesenmauer fcheint — und mehr als zwanzig Türme. In der Tat, gerade zu solcher frühen Morgenzeit, und am besten im Winter, wenn der Frost jeden Umriß ausmeißelt, sollte Carcassonne gezeichnet werden. Man sieht es dann als glattgewobenes Band von dunklem Blaugrau, ausgezackt, zinnengekrönt und emporgetürmt, mit dem metallischen Schein der Dämmerung dahinter. So diese Stadt gesehen zu haben, macht ein Schreiben darüber, ja selbst deren Malen, schwer; man wünschte vielmehr sie aus Email auf einem Grunde von Bronze auszuarbeiten. Dieser Felsen, gänzlich bedeckt von den Bauwerken der Stadt, steht mit dem Blick auf die Pyrenäen gerichtet und behauptet das einzige ebene Tal zwischen dem Mittelmeer und der Garonne. Und wenn man selbst nichts darüber gelesen hätte, würde man dennoch verstehen, warum es alle die Legenden über die Rückkehr der Heere von Spanien erfüllt, warum das Erinnern an Carcassonne Victor Hugo keine Ruhe ließ, und warum es so tief verwoben ist in die Geschichte von Karl dem Großen. Doch es gibt noch einen anderen, besseren Grund für die Eigentümlichkeit Carcassonnes, und zwar ist das jener Gewaltakt — ohne Gegenstück in der gesamten christlichen Geschichte — durch den der heilige Ludwig etwas, das bis dahin eine lebendige Stadt gewesen, nun plötzlich in eine bloße Festung verwandelte. Jeder einzelne Einwohner von Carcassonne wurde hinausgesetzt, und dabei nicht etwa in Vorstädte, sondern geradewegs, eine Meile und mehr über den Fluß, auf die Stelle jener entzückenden Stadt, welche das heutige Carcasfonne der Landkarten und Eisenbahnen ist, jener Ort, wo uns das siebzehnte Jahrhundert mit seinen graziösen Ornamenten begrüßt, und wo, nach meiner bestimmten Kennt- nis, sich das beste Wirtshaus südlich des 45. Breitengrades befindet, b- Louis wandelte den Felsen in eine bloße Festung um, verstärkt sie, baute neue Türme und umgürtete diese mit jenem unübertrefflichen Kauerwerk des Hoch-Mittelalters, welches man jetzt noch in Aigues- Kortes und in Carnarvon bewundern kann. Dieser politische Akt der Fortschaffung einer ganzen Stadt mag noch vielen anderen Orten vollzogen worden fein; er wird ganz sicher von vielen berichtet: doch kann ich mich keines erinnern, wo, wie in Car- 11 f üne' Wirkung auch bestehen geblieben ist. Dazu haben manche Machen beigetragen, vor allem aber die, daß die neue Stadt aus den uegeln eines schmalen Plateaus gerade in jenem Augenblick in die offene Übersiedelte, als alle anderen Städte Westeuropas wuchsen und ihre Wanfen brachen, gerade, nachdem die Hauptstädte in Nordwest-Europa to Verfassungen erhalten hatten, und Paris (die typische Munizipalität »r, bittet langsam Zieht fie !. ist die ür einen gewinnt, üser und stächlicher tet. 23iel= 5rau, die de Feuer ert, bann e, erkaltet nit seiner griff von bung und iliebt sein richt wäre r gesättigt achten nur ; sie wm i Umgang selbst nit t: „Tu as es", droht : da sein, wer einen össenilich, das wohl irtone aus. galten, um Liebesbrief, Mathilde Möhring. Roman von Theodor Fontane. (Fortsetzung.) Hugo schrieb Briefe nach Haus. Auch ein paar Zeilen an Rybinsk!, um ihn wissen zu lassen, daß alles gut ab gelaufen fei. Als er gegen sieben wieder hinüberging, fand er ein kleines Souper vor, daß Thilde samt einer Flasche Rüdesheimer (mit einer aufgeklebten Rheinlandschaft als Beweis der Echtheit) aus einem benachbarten großen Restaurant herübergeholt hatte. Das Aufmerksame, das darin lag, und beinah mehr noch der gute Geschmack, mit dem alles arrangiert worden war, blieben nicht ohne Wirkung auf Hugo, der sich plötzlich von dem Gefühl ergriffen sah, doch vielleicht in seinem dunklen Drang das Rechte getroffen zu haben. Gewiß, es waren einfache Menschen und etwas unter seinem Stand, aber doch gut und ordentlich zuverlässig. Und alles andere war ja nur Schein und Plattiertheit. Und er reichte über den Tisch hin Thilden die Hand, womit er sagen wollte: Wir verstehen unsl Dann ließ er sich's schmecken, und als er den wiederholten Widerstand der alten Möhring, die jedesmal die Hand über das Glas hielt, endlich besiegt und auch ihr von dem goldklaren Wein eingeschenkt hatte, verstieg er sich bis zu einem launigen Toast, darin er die gute Möhring mit dem guten Examinator verglich und die beiden im Verein leben ließ. Nach Tisch brachte Thilde den Kaffee, der zu Ehren des Tages von einer Extrastärke war. „Höre, Thilde, der geht aber ins Blut. Ich kriege dann immer solch Jucken." „Ach laß nur, Mutter, wenn er nur schmeckt." „Ja, schmecken tut er und stark ist er, ober wie Möhring immer sagte: Mutter, da is keine Bohne vorbeigesprungen!' Jott, wenn ich so an Vatern denke, was würde der wohl gejagt haben!" Und nun mußte sich Hugo in einen Großvaterstuhl setzen und genau berichten, wie es eigentlich gewesen wäre. Ja, Thilde fragte sogar, ob er auch nicht zu sicher geantwortet hätte. Sie habe mal gehört, das könnten die Herren nicht leiden. Hugo beruhigte sie hierüber, und als alles erzählt und im Vorbeigehen auch erwähnt war, daß er gleich an seine Mutter und Schwester nach Owinsk geschrieben habe, kam er überhaupt auf Owinsk und seine Jugend und sein Elternhaus zu sprechen, und welch forsches Leben sie da geführt hätten. Bürgermeister und Apotheker und Rechtsanwälte, die lebten immer am forschesten, weil sie das meiste Geld hätten, und eigentlich fei solch kleinstädtisches Leben viel vergnüglicher als ein Leben in der großen Stadt, und immer sei was los, und wenn sie nicht Skat spielten, so spielten sie Theater, und wenn nicht Ball wäre, so wäre Schlittenbahn, und dann bimmelte das Schellengeläute den ganzen Nachmittag, und die Schneeflocken flögen, und die hübschen Frauen (denn in den kleinen Städten der damaligen Zeit wie auch der heutigen) seinen Umfang und feine Bevölkerung verdreifachte. Und als die Uebersiedlung der Bevölkerung einmal vollzogen war, hörten Stein und Türme von Carcassonne auf zu wachsen und sich zu verändern. Die Menschen waren gegangen. Noch war die Festung von großem Wert im Kriege, noch versuchte der schwarze Prinz sie zu zerstören, und es ist erst kürzlich und innerhalb lebendigen Erinnerns, daß sie aufhörte, als befestigter Platz in Atlanten (und Regierungsämtern!) zu figurieren: doch die Notwendigkeit unmittelbarer Verteidigung, und fomit auch der Werkeifer der Umgestaltung, sie find längst verschwunden. Die neue Stadt in der Eebene veränderte sich beständig und verändert sich noch. Sie hat fast alles Mittelalterliche verloren; noch führt sie, als eine Art Trägheitsmoment, ein gewisses Louis Quatorze-Arom mit sich, aber die Maurer sind dort ebenso eifrig dran, wie allüberall zwischen Mittelmeer und Aermelkanal: denn Niederreißen und Neubauen ist die ewige Lust der Franzosen. Die Felsenfeste aber dauert aus. Sie wird in Ordnung gebracht, sobald ein Stein herausfällt — kein Mensch hat hier Unsinn geschwätzt gegen eine Restaurierung, denn das Gefühl der Vergangenheit ist einfach zu stark — aber wiewohl es sorgfältig und ständig repariert wird, verändert sich Alt-Carcassonne nicht. Es gibt keine andere Mauern-Reihe in Europa, von der man ein gleiches sagen kann. Wenn man rund um diese Wälle wandert und von ihrer Höhe aus die lange Gebirgslinie betrachtet, so ist man anfangs gebannt von jenem modernen Ding, der Landschaft, oder von dem noch moderneren Reiz hoher Berge. Dann aber fühlt man, was das Mittelalter hier geplant, gewollt hat mit Masse und Gewicht und Höhe, und fragt sich, durch welchen Glücksfall des Geistes ihm die Suggestion der Unenolichkeit solchermaßen gelingen konnte: man denkt an Beauvais, das unendlich hoch ist gegen Abend, und an den Turm von P o r t r u t, welcher höher scheint als jeder Gipfel. Doch wenn diese allgemeineren Empfindungen durchlaufen sind, kommt man auf eine ganz andere Sache. Ein kleiner Turm dort, der gefährlich aus der Mauer herausragt, zeigt drei Reihen kleiner roter Ziegel in einem mörtelähnlichen Stein. Ms ich diese Mauerung erblickte, ging ich nah heran und berührte sie mit meiner Hand. Sie war römisch. Ich erkannte die Merkmale fehr wohl. Diese Ziegel hatte ich schon gesehen, ich hatte sie locker aufgelesen in einem arabischen Stall am Saume der Sahara, und ich hatte sie auch durch das Moos blicken sehen in den Hochmooren von Northumberland. Ich kenne einen Mann, der diesen Ziegel voll Ehrfurcht heim zu sich nach Sussex brachte, biejen Ziegel, den er weit hinter Damaskus unversehrt im syrischen Sande gefunden hatte. Es ist leicht, vom Imperium zu reden und zu sagen, daß es feine Ordnung von Tyne bis zum Euphrat aufgerichtet hatte. Aber wenn man die Welt einsam, zu Fuß, kreuz und quer gewandert ist, wenn man ihre ungeheure Mannigfaltigkeit und Weite gesehen hat — und dazu dennoch überall diese Einheitlichkeit selbst der Ziegel in ihren Schichtungsreihen, dann beginnt man langsam jenen Namen Rom zu verstehen. (Autorisierte Ueberfetzung von Sigismund v. Radecki.) he Kriegs- Sie schreit apoteon ist i Briesen' aber (eine e, die nach Solche voi- allem M n. Wie ih eher einzii- ;ehn Seiten berauschte« nicht inten Widerhall, sie sich i« or, wie sie ieht sie, die ne Taschen- rm, den sie >lie pas les von ihr a« e fiebert in ;rcr Briese. seinen <® alle Minnen um sich; rcht sie m- »m SkaM i parvenu* duldet ml irse machte, iegsliefen» slüster Net rrichtet hch- in ab. 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Ich will ja nichts sagen, aber sie rennt immer gegen, weil sie nichts sehen kann, und schlägt alles 'zwei. Heute wieder die grüne Lampenglocke." „2a, das is schlimm, Mutter..." «Wo gehst du denn eigentlich immer hin?" „Lesehallen für Frauen, Mutter." „Na, und da?" „Da lese ich Zeitungen." „Aber Hugo kriegt doch jeden Tag eine!" „Freilich, aber eine is nich genug, ich brauche viele." „Na, wenn du meinst — für mich wär es nichts." And dabei blieb es. Die Alte kam nicht wieder darauf zurück bis eine Woche später diese halb geheimnisvolle Zeitungsleserei auch ohne weitere Frage ihre Erklärung fand. w Es war ein Sonntag, an welchem Tag di« Lesehalle nur von elf bis eins auf war, und um halb zwei war Thilde wieder zu Hause. „Guten Tag, Mutter. Es riecht ein bißchen nach verbrannt. Du ha» wohl nicht recht nachgesehen?" „Doch, Thilde, jetzt eben. Und da habe ich es auch gleich gemerkt und habe ein paar Kohlen rausgenommen und habe auch aufgegossen. Und geärgert habe ich mich auch, denn es kost't ja so viel, aber ich konnte nich eher rausgehen, weil die Schmädicke hier war." „Na, di« hätt auch wegbleib«n können I Die Schmädick« bedeutet nie was Gutes und kommt immer bloß aus Neugier oder aus Boshaftigkeit und um einem armen Menschen einen Floh ins Ohr zu setzen." „Ach, Thilde, da tust du ihr aber unrecht, wenigstens heut. Sie kam bloß, um uns zu gratulieren von wegen Hugos Examen, und wann denn nu Hochzeit sei..." „Und da hast du gesagt, noch lange nicht, nicht wahr? Kann ich mir denken. Denn du bist ewig in einer Todesangst und glaubst immer noch es wird nichts werden, und alles is umsonst gewesen und alles für nichk ausgegeben. Das is immer deine Hauptangst, und wenn du deine Aengste kriegst, dann machst du dich klein und jämmerlich und auch vor solcher Person wie dieser Schmädicke, dieser spitznasigen Posamentierswitwe." „Nein, Thilde, das hab ich nich gesagt. Ich habe nich gesagt ,noch lange nich'. Ich habe bloß gesagt, ich wüßte es nich, aber du tätest mitunter so, als ob es wohl bald losgehen würde." „Und da, was sagte sie da?" „Nu, da sagte sie: ,3a, liebe Frau Möhring, manche haben Kurag«. Referendar is nich viel un eigentlich bloß ein Anfang. Aber aller Anfang is schwer, un ich kann man sagen, es is immer etwas, un Minister wird er ja wohl nich werden wollen. Oder am Ende vielleicht doch. 3ott, wenn ich mir denn Thilden denke.. .'" „Das sagte sie?" „Ja, Thilde, so was war es." „Unverschämte Person. Und dumm dazu. Aber sie wird sich wundern, wenn wir ihr die Hochzeitsanzeige schicken." „Ach Thilde, rede doch nicht so was. Wenn man so was red't, denn bered't man's, un es wird nie was. Aber es hat doch schon so viel gekostet, un ich weiß mitunter gar nich, wo's herkommt." „Ja, Mutter", lachte Thilde, „ich kann eben hexen." „3od, Kind, nu red'st du auch noch so. Wenn man den Teufel ruft, is er da. Und zum Spaß darfft du doch so was nich sagen in einer so ernsthaften Sache. Vater sagte auch immer: ,3a, die Leute glauben, es is n' Vergnügen. Aber es is kein Vergnügen, un der Hochzeitstag is der erfthafteste Tag, und manche, die sich nich recht trauen, sehen auch scheu so aus/ Und nu sprichst du von Hexen und tust, als ob alles schon da wäre, und als ob es zu 3ohanni losginge." „Geht es auch, Mutter." „3a, aber Thilde, das fährt mir ja in alle Glieder! Denn du stehst ja so da, wie wenn du alles schon in der Tasche hättest!" „Hab ich auch", und dabei holte Thilde einen halben, zweimal zusam- mengefalteten Konzeptbogen aus der Tasche, schlug ihn auseinander und sagte: „Nu lies mal, Mutter." „Ach, wie kann ich denn lesen, und alles Bleistift geschrieben, und ohne Brille..." „Nun, dann hör zu, dann will ich lesen." Und Thilde las: „Qualifizierte Personen... Verstehst du, Mutter?" „Oh, ich werd' schon, lies nur weiter." „Qualifizierte Personen, das heißt Personen, die mindestens das erste juristische Staatsexamen bestanden haben und darüber vollgültige Zeugnisse vorlegen können, werden bei Geneigtheit hierdurch aufgefordert, sich um die Bürgermeisterstelle unserer Stadt zu bewerben. Gehalt 3000 Marl bei freier Wohnung und einigen andern Emolumenten. Aspiranten werden ersucht, ihre Zeugnisse einzusenden, wenn sie nicht vorziehen, sich dm Unterzeichneten, gleich persönlich vorzustellen. Magistrat und Stadtverordnete zu Woldenstein, Westpreußen." Die Alte war an die Chaiselongue gegangen und ließ sich daraus nieder, was sie sonst immer vermied, namentlich seit das Wertstück durch Hugos fünfwöchige Krankheit etwas gelitten hatte. „3ott, Thilde, is es denn möglich? Du bist doch ein und aus. Bon Hexen red' ich nich, denn fliegt es wieder weg. Aber hat er denn « Stelle schon? Es gibt ja doch jo viele für so was. Und wenn er auch n sehr schöner Mann is und den Augenaufschlag hat, daß man gleich denkt: nu liest er die Sonntagsepistel — ja, ich denke mir, es gibt so viele P' Und manch« sind fixer wie er und schnappen es ihm weg..." „Das laß nur gut sein, in Fixigkeit soll ihm diesmal keiner über je«. Er muß noch heute weg mit dem Nachtzug. Woldenstein liegt eine «tun« von der Bahn, und ein Omnibus wird doch wohl da sein. Um fünf er auf der Station und um sechs in Woldenstein in Westpreußen u Gasthof zum .Goldenen Roß' oder so irgend etwas wird doch wohl o» sein, ich denke mir, dem Rathaus gerade gegenüber, und da kann er zehn Uhr schlafen. Denn ausschlafen muß er erst, sonst is er nicht z brauchen. Und dann frühstückt er und macht sich fein, und um «w » zwölf tritt er an und macht seine Verbeugung. Und ich will nicht -W heißen, wenn sie nich gleich alle sagen: Natürlich, der muß es wer« Und der Neid von der alten Schmädicke hilft auch noch, und den s nach 3ohanni hat sie die Anzeige." (Fortsetzung folgt.) ___ (fläbe es immer hübsche Frauen) hätten die Hand im Muff, und wenn .es sehr kalt wäre, auch die Hand von ihrem Partner. „3ott", sagte die alte Möhring, „was heißt Partner? Wo sind denn die richtigen Siänner, die dazu gehören?" „Die sind in einem andern Schlitten." Hugo plauderte noch so weiter, und es gelang ihm, auch Thilden ein kleines Lächeln abzugewinnen. Die Moralia der Owinsker waren ihr um so weniger ängstlich, als sie sich überzeugt hielt, daß ihres Bräutigams Hand nie in solchem Muff gesteckt hatte. Hugo malte nur gern so was aus, weil er es hübsch sand, aber es tag nicht in ihm, solche Bilder in Taten umzusetzen. All das wußte Thilde recht gut, die denn auch, statt sich mit Eifersucht zu quälen, aus Hugos Schilderung des Owinsker Gebens nur das heraushörte, was sie für ihre eigenen Pläne brauchen konnte. Was immer bei ihr festgestanden hatte, daß Hugo in eine kleine Stadt und nicht in eine große gehöre, das war ihr jetzt klarer denn je zuvor. Hugo selbst zog sich früh zurück, denn wenn auch siegreich, war es doch ein heißer Tag gewesen. Aber er mochte noch nicht schlafen und ging auf und ab in feinem Zimmer. Alles in allem war ihm nicht sehr siegerhaft zumute. Er war Referendar, alles gut, aber nun blieb noch der Assessor, und wenn er daran dachte, daß diese zweite Weghälfte notorisch viel, viel steiniger sei, so überkam ihn das gleiche Angstgefühl wieder, das er schon auf dem Heimweg von der Examinationsstätte bis zur Georgenstraße gehabt hatte. Mit Thilde war nicht zu spaßen. Und er rechnete mit halber Bestimmtheit darauf, daß sie vielleicht morgen schon das am Neujahrstag mit ihm geführte Gespräch wiederholen und ihm zum zweitenmal die Leviten lesen würde, vielleicht wieder unter Bewilligung einer Ferienwoche. Dann nahm das Repetieren bei Tag und das Frag- und Antwortspiel bei Abend wieder von neuem seinen Anfang, und davor erschrak er und zweifelte, daß er’s überwinden werde. Vielleicht wäre es besser gewesen, er wäre durchgefallen, dann wäre die ganze Quälerei vorbei. Verlobt war er freilich, aber doch erst ein Vierteljahr. Das wollte nicht viel sagen. Und am Ende — muhte es denn gerade die 3uristerei sein, die so gar nicht zu ihm paßte, weil alles so steif und hölzern war? Rybinski lebte doch auch! Und wenn er auf der Posener Bahn fuhr — dessen entsann er sich jetzt mit Vorliebe — und an den kleinen Stationen vorüberkam, wo das Bahnhofsgebäude halb im wilden Wein lag und der Bahnhofsvorstand mit seiner roten Mütze den Zug abschritt, während eine junge Frau mit einem Blondkopf neben sich halb neugierig und halb gelangweilt aus dem Fenster der kleinen Beletage sah, — Gott, da war ihm schon manch liebes Mal der Gedanke gekommen: ja, warum nicht Bahnhofsvorstand? Und dieser Gedanke kam ihm wieder, und wenn nicht Bahnhofsvorstand, warum nicht Güterinspizient oder Telegraphist? Das bißchen Tippen mußte sich doch am Ende lernen lassen, und mitunter tarn auch ein interessantes Telegramm, und man kriegte Einsicht in allerlei. Diesen Betrachtungen hingegeben, wurde er ruhiger. Aber am andern Morgen war die alte Sorge wieder da, und er war verlegen, als ihm Thilde seinen Kaffee, den er immer noch allein nahm, in fein Zimmer brachte. „Guten Morkgen, Hugo. Sieh bloß, wie prächtig die Sonne heut scheint, das ist dir zu Ehren! Und es ist auch warm draußen. Du solltest spazieren gehen und dich nach all den Strapazen ein bißchen erholen. Denn wenn einer auch noch so tapfer ist" — und sie lächelte dabei —, „vor einem Examen hat doch jeder Furcht. Gehen macht wieder frisch, und vielleicht bringst du uns ein paar Neuigkeiten mit. Die Tochter der Luft ist ja wohl nicht mehr da, sonst ließe sich darüber reden, und wir könnten vielleicht hingehen... Heut vormittag muh ich in die Stadt. Soll ich dir etwas mitbringen, oder hast du viel-« leicht auf etwas Appetit, mein lieber, alter Mensch, du? Du bist mir doch recht blaß geworden!" And dabei gab sie ihm einen Kuß mit ihren schmalen Lippen und nickte ihm dann im Hinausgehen von der Tür herüber nochmal freundlich zu. „Merkwürdiges Mädchen!" dachte Hugo; „so gut und so tüchtig. Aber Küssen ist nicht ihre Force... Nun, man kann nicht alles verlangen, und jedenfalls bin ich froh, daß sie nicht gleich wieder davon angefangen hat. Es wird wohl nur eine Galgenfrist gewesen sein, aber wie viele Tage Hat denn das Leben, und ein Tag ist schon immer was." *