Jahrgang Mo Sreitag, den 25. Juli Nummer 57 eben. it der Unzug nkbar t von ?" 'n di« einer ’• 3m n den Jinger gub", uchzte unmal s Zu« merk- 1 vom lugen- Blick; feinen r dein ■r den iß der e doch te wie Sölten« n den Zurfche , wie 1 fich's große le und ■egnete ts der an der fwärls ie nun >t und :t. Wie ■d> die »er die Regen hinter mrchen e aus, chelnde >ie ein 1. Wie >r und Das er sie en ge- migteit stehen Kaffen siänzte. largret droben nd der kannte es hin cheiden wußte it dem mnnen silberff nach >au — ■r mir ht. Ja, fchlang wahr- ang in rinnen Jt und I £“S„ Bachstelzenpaar das fein Nest oben auf dem Stamm der Weide Es ZMsB-LWP.enA ZWiWLWMxLFzSÄL I f Und die vertrockneten Muskeln gaben dem Körper keine Rundunn len ZZe'vdterrfte Arrn bestand vielmehr nur aus ein pa7r fchmL mZ Z f'r.m ^^unzelter, harter, rindenähnlicher Haut überzogen I Jx)aren- Er trug einen alten, eng anliegenden, schwarzen Mantel (Fr braungebrannt von der Sonne und schwarz vom Schmutz Nur sein ktaar aSS&ES*" MÄ?Ä« j»ää L ÄffiÄig iSer $orfrat5fnmm^S1mSf-kner Jum Zlusse und dem Riedgras" £UKit?nmb k9tC s^Wr'rz7-ffferch^7n'dkaukKL And »"«'ZK.; chm „„Bun setzte der Sturm wieder ein, und das Wurzelfäserchen flattert« I „ n"l?£r5' Uw sind die Feuerwolken, die Sodom verheerten? Wann äff' nest du des Himmels Schleusen, die die Arche zum Berge Ararat erhoben? Ker? O Zr erZpft lmb bi« Schale deiner Gnade leer O Herr wann kommst du aus deinem sich spaltenden Himmel?" I x D°r Hatto, dem Eremiten, tauchten die Fiebervisionen vom Tnm» &es Jüngsten Gerichtes auf. Der Boden erbebte, der Himmel glllhK Unter lchwarze Wolken fliehender Vögel, über den ZZ Z Z Z-Z Schar flüchtender Tiere. Doch während seine ^?ele von diesen Flebervistonen erfüllt war, begannen seine Augen dem deinen Bogel zu folgen, die blitzschnell hin und her flogen und fügten ™ Der9nu0ten ^e'nen Piepsen ein neues Hälmchen in das Nest raj^r? Alte ließ es sich nicht einfallen, sich zu rühren. Er hatte das Al beten 9mnn'fnbCnn£rn3e6 ^°9 stillstehend mit emporgestreckten Händen z i beten, um so unfern Herrn zu zwingen, ihn zu erhören Je matter e'r-rn °rp«:r ZZbe™0 lebendiger wurden die Gesichte, die fein Hirn nmwpTZ*" sm rtfrk16 Stauern der Städte zusammenbrechen und die Wohnungen der Menschen emsturzen. Schreiende, entsetzte Volkshausen eilten an ihm vorbei, und ihnen nach jagten die Engel der Rache und der Ver- Nichtung, hohe silbergepanzerte Gestalten mit strengem, schönen Antlitz &SXÄ. - »w ** 8«». Ä Mit ihrem steifen Riedgras, und an diesem Flußufer mit seinem Schilf und seinen Binsen war kein Mangel an Baustoff. Sie fanden weder Zeit zur Mittagsrast noch zur Vesperruhe. Glühend vor Eifer und Vew gnugen flogen ste hin und her, und «he der Abend anbrach, waren sie schon beim Dachfirst angelangt. b 1 Aber ehe der Abend anbrach, hatten sich die Blicke des Eremiten mehr und mehr auf sie geheftet. Er folgte ihnen auf ihrer Fahrt, er schalt sie aus, wenn sie sich dumm anstellten, er ärgerte sich, wenn der Wind ihnen Gedicht der Ernte. Von Johannes Heinrich B r a a ch. So um die Zeit, da Sommerwinde dürre Graser wiegen fXZie6® ^ren tief 3U 2Me,t b-egen, ba »auerrt sich vor ihre Scheunen setzen und Sicheln dengeln, Sensen wetzen da erste Eisen in gesäte Wälder klingen, vom Sterben klagen und vom Leben fingen ba..erste Schnitter sich ans Ernten machen spur ich das alte Bauernblut in mir erwachen. Unt» mit den Rücken, die sich an die Erde drücken, W "h "'sh beugen und fühl ich mich bücken, sch ,,..®ld^er ~ wiege scharfe Schneiden in der Hand ?, de 7 rsermesst-n in die goldn« Wand (Zm'x 7" s^i-ein, stech mich an Disteln wund Ick raffeZmk? ben Tag mit eingestaubtem Mund. „5. Z ^?kme halte mit den Schnittern Schritt und trage ihrer schweren Arbeit Mühsal mit. Des körperlichen Werkes bin ich glutbegossen RÄ StreUt mit 5a^rn' Stroh u!!d Sprossen, b"?!5"7^.Brot im weiten Anger steht und Reife durch der Halme Wimpel weht „'e ktust am emsigen Sichregen, Schaffen, So um ®e83eitmn ®arnme(n' Ernten, Raffen. da altes Bauernblut in mir erwacht empfinde ich die ungeheure Macht ".ilen Menschen eignen Erdverbundenheit und der die Crnter segnenden Glückseligkeit. So um die Zeit hrfno( daß es eti den Jung kommen?' Das K herausbekl Tür entlai statt Herei Der S dem Schul mit einer wildeste F Wenn es „Und i " Bald guckten den ganzen Tag sechs runde Köpfchen über den Nest- rand. Des alten Hatto Arm sank immer häufiger zu seinen Augen hernieder. Er sah die Federn aus der roten Haut sprießen, die Augen sich öffnen, die Körpersormen sich runden. Glückliche Erben der Schönheit, die die Natur den beflügelten Bewohnern der Luft geschenkt, entwickeln sie bald ihre Anmut. Und unterdessen kamen die Gebete um die große Vernichtung immer zögernder über Hattos Lippen. Er glaubte Gottes Zusicherung zu haben, daß sie hereinbrechen würde, wenn die kleinen Vögelchen flügge waren. Nun stand er da und suchte gleichsam nach einer Ausflucht vor Gottvater. Denn diese sechs Kleinen, die er beschützt und behütet hatte, konnte er nicht opfern. Früher war es etwas andres gewesen, als er noch nichts hatte, was sein eigen war. Die Liebe zu den Kleinen und Schutzlosen, die jedes kleine Kind die großen, gefährlichen Menschen lehren muh, kam über ihn und machte ihn unschlüssig. Manchmal wollte er das ganze Nest in den Fluß schleudern, denn er meinte, daß di« beneidenswert sind, die ohne Sorgen und Sünden sterben dürfen. Muhte er die Kleisten nicht vor Raubtieren und Kälte, vor Hunger und den mannigfaltigen Heimsuchungen des Lebens bewahren? Aber gerade als er noch so dachte, da kam der Sperber auf das Nest herabgefaust, um die Jungen zu töten. Da ergriff Hatto den Kühnen mit seiner linken Hand, schwang ihn im Kreise über seinem Kopf und schleuderte ihn mit der Kraft des Zornes in den Fluß. Und der Tag kam, an dem die Kleinen flügge waren. Eines der Bach- ftelzchen mühte sich drinnen im Nest, die Jungen auf den Rand hinauszuschieben, während das andre herumslog und ihnen zeigte, wie leicht es war, wenn sie es nur zu versuchen wagten. Und als die Jungen sich hartnäckig fürchteten, da flogen die beiden Alten fort, und zeigten ihnen ihre allerschönste Fliegekunst. Mit den Flügeln schlagend, beschrieben sie verschieden« Windungen, oder sie stiegen auch gerade in die Höhe wie Lerchen oder hielten sich mit heftig zitternden Schwingen still in der Luft. Aber als die Jungen noch immer eigensinnig bleiben, kann Hatto es nicht lassen, sich in die Sache einzumischen. Er gibt ihnen einen behui- amen Puff mit dem Finger, und damit ist alles entschieden. Heraus liegen sie, zitternd und unsicher, die Luft peitschend wie Fledermäuse, ie sinken, aber erheben sich wieder, begreifen, worin di« Kunst besteht, und verwenden sie dazu, so rasch als möglich das Nest wieder zu erreichen. Die Alten kommen stolz und jubelnd zu ihnen zurück, und der alte Hatto schmunzelt. Er hatte doch in der Sache den Ausschlag gegeben. Er grübelte nun im vollen Ernst nach, ob es für unfern Herrgott nicht auch einen Ausweg geben konnte. Vielleicht, wenn man so recht bedachte, hielt Gottvater diese Erde wie ein großes Vogelnest in seiner Rechten, und vielleicht hatte er Liebe zu denen gefaßt, die dort wohnen und hausen, zu allen schutzlosen Kindern der Erde. Vielleicht erbarmte er sich ihrer, die er zu vernichten gelobt hatte, so wie sich der Eremit der kleinen Vögel erbarmte. Freilich waren die Vögel des Eremiten um vieles bester als unsers Herrgotts Menschen, aber er konnte doch begreifen, daß Gottvater dennoch ein Herz für sie hatte. Am nächsten Tag stand das Vogelnest leer, und die Bitterkeit der Einsamkeit bemächtigte sich des Eremiten. Langsam sank sein Arm an seiner Seite herab, und es deuchte ihn, daß die ganze Natur den Atem anhielt, um dem Dröhnen der Posaune des Jüngsten Gerichts zu lauschen. Doch in demselben Augenblick kamen alle Bachstelzen zurück und setzten sich ihm auf Haupt und Schulter, denn sie hatten gar keine Angst vor ihm. Da zuckte ein Lichtstrahl durch das verwirrte Hirn des alten Hatto. Er hatte ja den Arm gesenkt, ihn jeden Tag gesenkt, um die Vögel anzusehen. Und wie er da stand, von allen sechs Jungen umflattert und umgaukelt, nickte er jemandem, den er nicht sah, vergnügt zu. „Du bist frei", sagte er, „du bist frei. Ich hielt mein Wort nicht, und so brauchst du auch deines nicht zu halten." Und es war ihm, als hörten die Berge zu zittern auf und als legle sich der Fluh gemächlich in seinem Bett zur Ruhe. „Wer 1 „Mein nach. Ich Der kll nm, sein 2 den winzig Kock su weiter, die Lebens nu „oll Entset tcn, wenn Hütte einer Stimmen! Keck, in de haben, die Oder sie fa „Was bist Land?" Et für die es non Vater „Was I als wir?" Dumpf dörrte Ras, ging zum j deren Han! untcrm Hir seiner Mut gute Frau dazu, heut Unduldsi Schlag, ruh Einige 1 ab, fuhr in mehr aus. rechten. Ost bis der Sol Der Sch guter Berus storbenen. i hörte er ihr Schritte. Biele Le langsam un daß er so aus Halbmo Toten entge in der Hand über allen, Jebens gebt Kock tra: ihm. Fast a scheuten sich stand. Der M erfahren, Die Lust nu 3ur Nacht r mehr als j, Schicksal käi «bringen. E Reihe. Ja, Müsse er ab «Mutter! etwas milde Eenngheit r Zug. Jene W°h, traf i . Ein hall emgehüllt ir x. Langsam dchuster Ko das; zw »«en. Sie Der Tochter , M ginc M nichtch Ren bei st "Nun sät lri Der zuckt ltle9-sagte Am Strand. Von Hans Friedrich B l u n ck. Es hämmerte und hallte in der Werkstatt. Schuster Kock schlug Nagel um Nagel in die dicken Transtiefel der Fischer, flink ging ihm die Arbeit von der Hand. Ein junger behender Kerl war dieser Ernst Kock, kaum sollte man glauben, daß so einer auf dem Schusterbock saß. Die Leute im -Dorf hatten sich auch gewundert, als seine Mutter ihn daheimbehielt. Handwerk wird in den Stranddörfern nur von Krüppeln und Eingewanderten ausgeübt. Aber schließlich entschuldigte man das Weib, das Mann um beide Töchtermänner auf See verloren hatte. Sie fetzte auch ihren Wiben durch. Als sie starb, war der alt« Teetens, der bisher das Leder geftim hatte, schon ziemlich vergessen. Ernst Kock hatte die Schusterei im Dorf. Der junge Handwerker zeichnete eine Sohle ins Leder und begami b« langsam mit dem Stechmesser auszufchneiden. Es war heiß in der Werkstatt, vom Strom glänzte ein bruttiges Sonnenlicht in die Scheibe. Die Tür ging. Der Knirps Peter Jebens kam mit ein Paar Kniestiefeln hereingeschleppt. Sie waren fast zu schwer für den kleinen Wan", er pruschte auch gewaltig mit seinen sechs Jahren, spuckte aus, wie er e bei den alten Fischern sah und wollte über die Stiefel zu reden beginne • Aber Ernst Kock schob ihn zur Seite, er besah sich die Dinger von ot> bis unten, er wußte schon Bescheid. ... is Der Junge stotterte noch bei ihm herum. „Und die Hacken, weihl w Ernst. — Und weißt schon, Großvater ist geblieben." „ M Kock richtete sich hart auf. Der alte Hinrich Jebens war der oltesie Fischer im Dorf gewesen, keiner war da, der mehr zu sagen hatte' keiner, der mit mehr Glück sein Lebenlang gefahren war. r Schaben tat, tm8"am allerwenigsten konnte er es vertragen, wenn sie sich «in bißchen ausruhten. ...... So sank die Sonne, und die Vögel suchten ihre vertrauten Ruhestätten im Schilf auf. Wer abends über die Heide geht, muß sich herabbeugen, so daß sein Gesicht in gleicher Höhe mit den Erdhügelchen ist, dann wird er sehen, wie sich ein wunderliches Bild von dem lichten Abendhimmel abzeichnet. Eulen mit großen, runden Flügeln huschen über das Feld, unsichtbar für den, der aufrecht steht. Nattern ringeln sich heran, geschmeidig, behend, die schmalen Köpfchen auf schwanähnlich gebognen Halsen erhoben Groß« Kröten kriechen träge vorbei. Hasen und Wasserratten fliehen vor den Raubtieren, und der Fuchs springt nach einer Feldmaus, die Mücken über den Fluß jagt. Es ist, als hätte jedes Erdhügelchen Leben bekommen. Doch unterdessen schlafen die kleinen Vögelchen auf dem schwankenden Schilf, geborgen vor allem Bösen auf diesen Ruhestätten, denen kein Feind nahen kann, ohne daß das Wasser aufplatschert oder das Schilf zittert und sie aufweckt. . . Als der Morgen kam, glaubten die Bachstelzchen zuerst, die Ereignisse des gestrigen Tages seien ein schöner Traum gewesen. Sie hatten ihre Merkzeichen gemacht und flogen geradeswegs auf ihr Nest zu, aber das war verschwunden. Sie guckten suchend über die Heide ‘ hin und erhoben sich gerade in die Luft um zu spähen. Keine Spur von einem Nest oder einem Baum. Schließlich setzten sie sich auf ein paar Steine am Flußufer und grübelten nach. Sie wippten mit dem langen Schwanz und drehten das Köpfchen. Wohin war Baum und Nest gekommen? . Doch kaum hatte sich die Sonne um eine Handbreite über den Waldgürtel auf dem jenseitigen Flußufer erhoben, als ihr Baum gewandert kam und sich auf denselben Platz stellte, den er am vorigen Tage eingenommen. Er war ebenso schwarz und knorrig wie damals und trug ihr Nest auf der Spitze von etwas, was wohl ein dürrer, aufrecht ragender Ast jein muhte. Da begannen die Bachstelzchen wieder zu bauen, ohne weiter über die vielen Wunder der Natur nachzugrübeln. Hatto, der Eremit her die kleinen Kinder von seiner Höhle fortscheuchte und ihnen sagte, es wäre besser für sie, wenn sie niemals das Licht der Sonne gesehen hätten, er, der in den Schlamm hinausstürzte, um den fröhlichen jungen Menschen, die in bewimpelten Booten den Fluh hinaufruderten, Verwünschungen nachzuschleudern; er, vor dessen bösem Blick die Hirten der Heide ihre Herden behüteten, kehrte nicht zu seinem Platz am Fluh zurück, den kleinen Vögeln zuliebe, aber er wußte, daß nicht nur jeder Buchstabe seine verborgene mystische Bedeutung hat, sondern auch alles, was Gott in der Natur geschehen läßt. Jetzt hatte er herausgefunden, was es bedeuten konnte, daß die Bachstelzchen ihr Nest in feiner Hand bauten; Gott wollte, daß er mit erhabnen Armen betend dastehen sollte, bis die Vögel ihre Jungen aufgezogen hatten, und vermochte er dies, so sollte er erhört werden. Doch an diesem Tage sah er immer weniger Visionen des Jüngsten Gerichtes. Anstatt dessen folgte er immer eifriger mit seinen Blicken den Vögeln. Er sah das Nest rasch vollendet. Die kleinen Baumeister flatterten rund herum und besichtigten es. Sie holten ein paar kleine Moosslechten von der wirklichen Weide und klebten sie außen an, das sollte anstatt Tünche ober Farbe sein. Sie holten das feinste Wollgras, und das Weibchen nahm Flaum von seiner eignen Brust und bekleidete das Nest innen damit, das war die Einrichtung und Möblierung. Die Bauern, die die verderbliche Macht fürchteten, die die Gebete des Eremiten an Gottes Thron haben konnten, pflegten ihm Brot und Milch zu bringen, um seinen Groll zu besänftigen. Sie tarnen auch jetzt.und sanden ihn regungslos dastehen, das Vogelnest in der Hand. „Seht, wie der fromme Mann die kleinen Tiere liebt", sagten sie und fürchteten sich nicht mehr vor ihm, sondern hoben den Milcheimer an seine Lippen und führten ihm das Brot zum Munde. Als er gegessen und getrunken hatte, verjagte er die Menschen mit bösen Worten, aber sie lächelten nur über seine Verwünschungen. Sein Körper war schon lange seines Willens Diener geworden. Durch Hunger und Schläge, durch tagelanges Knien und wochenlange Nachtwachen hatte er ihn Gehorsam gelehrt. Nun hielten stahlharte Muskeln seine Arme tage- und wochenlang emporgestreckt, und während das Bachstelzenweibchen auf den Eiern lag und das Nest nicht mehr verließ, suchte er nicht einmal nachts seine Höhle aus. Er lernte es, sitzend mit ernpor- gestreckten Armen zu schlafen, unter den Freunden der Wüste gibt es so manche, die noch größere Dinge vollbracht haben. Er gewöhnte sich an die zwei kleinen unruhigen Vogelaugen, die über den Rand des Nestes zu ihm hinabblickten. Er achtete auf Hagel und Regen und schützte das Nest so gut er konnte. Eines Tages kann das Weibchen seinen Wachtposten verlassen. Beide Bachstelzchen sitzen auf dem Rand des Nestes, wippen mit den Schwänzchen und beratschlagen und sehen [eelenoergnügt aus, obgleich das ganze Nest von einem ängstlichen Piepsen erfüllt scheint. Nach einem kleinen Weilchen ziehen sie aus die allerverwegenste Mückenjagd aus. Eine Mücke nach der andern wird gefangen und heimgebracht für das, was oben in feiner Hand piepst. Und als das Futter kommt, da piepsen sie am allerärgsten. Den frommen Mann stört bas Piepen in feinen Gebeten. Und sachte, sachte sinkt sein Arm auf Gelenken herab, bie beinahe die Gabe, sich zu rühren, verloren haben, und feine kleinen Glutaugen starren in das Nest herab. Niemals hatte er etwas so hilflos Häßliches und Armseliges gesehen: kleine, nackte Körperchen mit ein paar spärlichen Fläumchen, keine 'Augen, keine Flugkraft, eigentlich nur sechs große, aufgerissene Schnäbel. Es kam ihm selbst wunderlich vor, aber er mochte sie gerade so leiben wie sie waren. Die Alten hatte er ja niemals von dem großen Untergang ausgenommen, aber wenn er von nun ab Gott anflehte, die Welt durch Vernichtung zu erlösen, da machte er eine stillschweigende Ausnahme für diese sechs Schutzlosen. Wenn die Bäuerinnen ihm jetzt Essen brachten, dann dankte er ihnen nicht mit Verwünschungen. Da er für die Kleinen dort oben notwendig war, freute er sich, daß bie Leute ihn nicht verhungern ließen. Nest- her- >t sich nheit, Mein mmer laben, >aren. vater. ite er , was jedes er ihn 'nn er 1 ster- e, vor ihren? 5 Nest en mit schleu- Bach- nnaus- icht es en sich ihnen ben sie he wie r Luft, atto es behut- Heraus rmäuse, besteht, reichen, e Hatto )errgott rde wie liebe zu Kindern i gelobt unsers er den- keit der Irm an n Atem chts zu zurück ir keine irn des nkt, um nd um- st srei". lchst du ils legte g Nagel ! Arbeit ;te man n Dors . Hand- mierten nn und Willen geslickt Dorf. ;ann s>« r Mrk- r Knie- Mann, ie er es ■ginnen, m oben eiht i1' efte W als er, Ber Junge wischte sich zwei Tranen aus 8en Stugenmlntetri, er begriff, es etwas sehr Trauriges war. „Großvater ist geblieben?" Kock hatte M Jungen am Arm gefaßt, daß er jammerte. „Wie, wie ist das ge- |tl*" Kind weinte jetzt laut, der Mann konnte nichts mehr aus ihm tärausbekornmen und mußte es laufen lassen. Aber als jemand an der füf entlang kam, Jasper Bartels, der Schneider, rief er ihn in die Werk- natt herein. „Ist das wahr, Jasper?" 1 Ar Schneider nickte, er blieb bedrückt am Pfosten stehen und wagte dem Schuster nicht recht in die Augen zu sehen. Es hatte das Dorf immer mit einer Art abergläubischen Zutrauens erfüllt, daß Hinerk Jebens, der wildeste Fahrer und beste Fischer, auf See grau und alt geworden war. Wenn es den nicht traf, warum sollten nicht auch andere es überstehen? Und so sonderbar, Kock, der Baum im Boot schlägt um und trifft ihn" so wie es jeden mal treffen kann. Sie lachen und wundern sich nur, hab Hinrich Jebens nicht wieder aufsteht. Als sie ihn anfassen, ist er tot." P Wer hat's dir erzählt?" "Mein Bruder ist eingekommen. Er sagt, Hinrich Jebens Boot kommt noch. Ich will man an den Hafen." Der kleine Schneider sah sich noch einmal unsicher in der Werkstatt nm, sein Blick blieb auf dem Schuster haften. Dann seufzte er und ging, den winzigen Kopf scheu in die Schultern gezogen. Kock suchte wieder an dem Leder zu schneiden. Er kam jedoch nicht weiter, die Gedanken gingen ihm zu wild durch die Stirn. Wenn Hinrich gebens nun auch geblieben war — er sah die Augen des Schneiders, die «oll Entsetzen waren, er sah auch viele sonderbare Blicke, die ihn berührten, wenn die Männer abends in die dunkle Weite hinaussuhren. Nie täfle einer zu sagen gewagt, daß Schuster Kock Furcht hatte. Aber ihre Stimmen dämpften sich, wenn sie zu ihm sagten: „Du hast es gut, Ernst M, in der Nacht im warmen Bett zu liegen — deine Frau wird es gut haben, die sich im Sturm nicht sorgen und am Fenster zu stehen braucht." Oder sie sagten es nicht einmal, nur ihre Blicke flogen ihm seltsam nach: „Was bist du für einer? Bist im Dorf geboren wie wir und bleibst an 2onb?" Etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft umspannte diese Männer, für die es nur einen Beruf gab, die alle ein Los hatten und dies Los von Vater auf Söhne erbten. „Was bist du für einer, Kock? Willst du bester oder schlechter sein als wir?" Dumpf und heiß war die Werkstatt, der Geruch des frischen Leders dörrte Nase und Kehle. Der Mann ließ die Arbeit sinken, stand auf und ging zum Fenster. Heiß und glitzernd lag die See da, von der Düne, in deren Hang das Dorf lag, konnte man sie weithin übersehen, bis sie unterm Himmel mündete. Seine Mutter — Kock fühlte den strengen Blick seiner Mutter, die in allem eigene Wege gegangen war. Sie war eine gute Frau gewesen, aber hart gegen ihn und seinen Beruf. Wie kam er dazu, heut an sie zu denken? Was trieb ihn? Unduldsam wie ihr Wort klopfte sein Herz, der Mann fühlte den Schlag, ruhlos und voll dumpfer Hitze. Einige Leute liefen jetzt zum Strand. Kock riß seine Schusterschürze ab, fuhr in die Stiesel und folgte ihnen; er hielt es in der Werkstatt nicht mehr aus. Immer war ihm, als habe er da noch mit seiner Mutter zu rechten. Ost genug hatten sie miteinander getrotzt, lange hatte es gedauert, bis der Sohn ihr nachgegeben hatte. Der Schritt hallte rasch von den mittäglich heißen Hauswänden. Ein guter Beruf, ein sicherer Beruf, hörte er die mahnenden Worte der Verstorbenen. Siehst du, auch Hinrich Jebens ist jetzt geblieben! Es war, als hörte er ihre Stimme im Widerhall und im Knarren und Aechzen feiner Schritte. Siele Leute waren am Strand. Ein Kutter fuhr langsam näher, ganz langsam und feierlich, als wäre es nicht nur des stillen Wetters wegen, dch er so mühsam nähertrieb. Auf einigen Schiffen ging ein Wimpel auf Halbmast. Die Leute drängten näher zur Mole, als wollten sie dem loten entgegengehen. Sie sprachen halblaut miteinander, hatten die Mützen in der Hand. Ihre Blicke fuhren meist am Boden entlang, Unsicherheit lag über allen, ein Kopfschütteln: „Was soll jetzt werden, wo auch Hinrich Jebens geblieben ist?" Kock trat zu ihnen, ihm war zu Mut, als senkten sich die Blicke vor ihm. Fast als bestritten sie ihm heute schweigend ein Recht zu kommen, scheuten sich heut vor einem, der außerhalb der Gemeinschaft ihrer Not stand. Der Handwerker suchte von einem der Heimgekommenen Näheres W erfahren, aber der antwortete einsilbig und sprach mit anderen weiter. Die Lust war drückend, Unwetter mußte im Anzug sein, zum Abend oder zur Nacht würde es aufziehen. Kock fühlte plötzlich: Die Frauen werden mehr als je schlaflos liegen, während die Männer draußen mit dem Schicksal kämpfen, ja, mit der wilden See, der sie ihr bitteres Brot "bringen. Er blieb in Scham zurück, wagte sich nicht in die vorderste Reihe. Ja, es war heut, als dürfe er die Männer nicht ansehen, als müsse er abseits stehen, während sie den Toten erwarteten. „Mutter!" drohte er und krampfte die Hände: „Mutter", wiederholte «was milde in ihm. Aber das Gefühl der Ausgeschlossenheit, das eigener Mringheij vor den andern wurde so stark, daß er die Zähne in die Lippen Mg. Jene Gemeinschaft mit dem täglichen Tod, die sie heute alle um- Woh, traf ihn nicht. Ein Ausgestoßener war er. , Ein halblautes Rufen kam von der Mole herauf, dann trugen sie, emgchüllt in sein Segel, Hinnerk Jebens, den Fischerältesten vorbei. ,^gs°m folgten die andern dem Zug, als gelte es ihn zu geleiten. ®Wter Kock blieb stehen, er vermochte dem Toten nicht zu folgen. Er w 3>Dei Männer auf dem Boot des Fifcherälteften zurückgeblieben aren. Sie verstauten die' Segel und die Netze und deckten die Kapp zu. "chtermann des Toten war dabei. W .ging der Mann zum Schiff, stieg über und half den beiden. Er L?, 'Ws, sie wunderten sich auch nicht, wer sollte ihnen wohl nicht Wn bei solcher Not. • „■Kun fährst du wohl das Boot", fragte Kock den Tochtermann plötzlich, tri?" zuckte die Schultern und arbeitete weiter. „Wenn ich ’nen Mann 9, sagte er. Waren nicht viel Leute für die Arbeit auf den Booten. Da war es, daß der Schuster, übers Netz gebückt, antwortete: „Wemi 1 Du'n Knecht nötig hast, Helf ich dir erstmal!" Der junge Fischer hielt mit der Arbeit auf, er glaubte nicht recht gehört zu haben und schüttelte den Kopf. Er begriff nicht, wie einer, dep gut in den Dünen saß, sich heut zum Fischen wagen wollte. Aber in den Augen des Jüngeren flackerte es böse auf, als würde ey allen Fragen hart begegnen. „Doch, ich geh mit!" Oer bayerische Wahrsager. Von Staatsarchivrat Dr. Fridolin S o l l e d e r. Es war am Samstag des Peter- und Marzellinustages 1668, da pachte ein altes, gebeugtes Männlein an Bastian ©übens, des Wirts, Tür zu Bergrheinfeld, demütig um Gotteswillen Trunk und ein Stücklein Fleifch begehrend. Drinnen lärmte die frohe Schar schaffender Mägde, scheuerte Becher und Kannen, schmorte Schwarzwild und Borstenvieh, briet und dustete, daß es nicht bloß das hungernde Elend der Straße, sondern auch die neugierige Dorfjugend und die arbeitsledige Nachbarschaft anlockte. Galt es doch morgen die feit undenklichen Zeiten am Sonntag nach Trinitatis herkömmliche Dorfkirchweih zu feiern und die hochoermögenden Herren vom Rat und gemeiniglich die Bürger der freien Reichsstadt Schweinfurt, den oder jenen verirrten, edelfesten Junker der fränkischen Häcker und spittelsche Winzerschaft von Escherndorf und Astheim, sowie die Krautbauern der umliegenden Dorfschaften mit Letze und Labung willkommen zu heißen. Jähling öffnete sich die Türe, barsch wies die junge, stolze Wirtin den silberhaarigen Alten von der Schwelle: nicht für ihn, fürs Bettelvolk, für ihre Gäste haben sie das Herrenessen zugerichtet! Der Alte richtete sich hoch auf, wies strafend mit der Rechten auf das ungastliche Haus und sprach ahnend zum Umstand, den scheuen Kleinen und den erschreckenden Dorfleuten, laut und vernehmlich: „Ehe diese Kirchweih zu Ende kommt, wird dieses Haus niederbrennen!" Und als am. Kirchweihsonntag vormittags zwischen 9 und 10 Uhr nach dem feierlichen Hochamt der Kirchenzug vor dem Wirtshaus hielt, da schlug den Festgästen aus Türe und Fenstern die helle Lohe entgegen, griff gierig lechzend um sich, verschlang Kirchweihschmaus und Hausrat und selbst Gebäude und Mauerwerk bis auf den Grund. Geheimes Grauen erfaßte männiglich. Der „bayerische Wahrsager" war im Land. Der so hieß, war ein Siebzigjähriger, Hans Thomas feines Namens, Bayer seiner Geburt, Bettler seines Berufes, Wahrsager und Wundermann nach des Volkes Glauben. Er war bekannt in Frankenlanden, vom gemeinen Manne mehr geehrt, als gefürchtet. Was man von ihm wußte, war herzlich wenig, aber das Wenige wußten sie alle: „Er ist ein bayerischer Mann, er sucht die Almosen", begann der Schultheiß Hans Endres seine Aussage vor Gericht. Unweit Wien, in Oesterreich zu Hause, hatte er eine Zeitlang in der rheinischen Pfalz gewohnt, ward im großen Kriege von lothringischen Völkern erbarmungslos beraubt und ins Elend gejagt. Er habe noch drei Kinder; zwei Söhne: der eine sei seit acht Jahren Pfarrherr, der andere studiere, und eine Tochter, die einen schönen Hof ihr eigen nenne. Zuweilen schickten sie ihm Geld und gemahnten ihn, feinen Lebensabend bei ihnen in Bayern zu verbringen. Doch der Alte verschmähte die Ruhe, verschmähte das Geld, lebte seiner „Kunst", lebte seinem unsteten Wanderleben. Er hatte wenig gelernt, konnte alles, unterfing sich, Leibesschäden und Krankheiten aller Art, ja selbst die fallende Sucht zu kurieren, konnte Kugeln gießen, die nie ihr Ziel verfehlten, weissagte den Kindern in der Wiege, ob sie zu Glück kämen oder zuschanden würden, war Heilsalber und Wundarzt, Seher und Prophet zugleich. Diese Teuselskünfte zu erlernen, war er vor sechzehn Jahren mit Zigeunern gezogen. Seinem Vorgeben nach sei er auch ein guter Bruchschneider, hätte noch einen trefflichen Gesellen gehabt, dem der Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz 1658 zu Heidelberg hatte die Augen ausstechen lassen; er selbst sei vor Leibesnot entwichen, da sie den Kurfürsten gelästert hätten, weil er sich in morganatischer Ehe mit der schönen Gräfin Maria Susanne Luise von Degenfeld verband und die unglückliche Kurfürstin Elisabeth Charlotte sich in ihre stille Heimat nach Kassel flüchtete. Des Reiches Erbschatzmeifter hatte den heilkundigen Abenteurer berufen, feinem Sohne Karl, dem jungen Pfalzgrafen und nachmals kinderlosen verstorbenen Kurfürsten, von seinen Leibesgebrechen zu helfen; doch er warf sich zum unerschrockenen Sprecher des unwilligen Volkes auf und büßte feidem feine Keckheit mit der Verbannung und des Reiches Acht. Und so war er denn auch im Jahre 1668 wieder so von ungefähr gen Franken gekommen. Bald verbreitete sich an den Quellflüssen bes weihen und roten Maines, bald im Freigericht, an den Ufern der Tauber, Sinn, Saale und Warn, bald im Spessart und in der Rhön, bald im Franken-, Steiger- und Odenwald die Kunde im Volk, der bayerische Wahrsager ist im Lande. Am Gründonnerstag hatte er im Landgericht Karlstadt zu Zellingen am Main, dem hochstistlich würzburgischen Marktflecken, bei der Armenhäuslerin Anna Lukasin und dem Hirten Adam Lippert Einkehr genommen. Bald war der Zudrang der Hilfesuchenden außerordentlich stark, von einem Flecken rief man ihn zum anderen, und für manche Heilung wollten die Unglücklichen ihr ganzes Hab und Gut opfern. Den Geringer von Leinach tarierte er an seinem Beinschaden, eines anderen Kind half er von der Wassersucht, des Peter Schnuppen Weid gab er eine Wurzel, damit sie ihr Mann nicht mehr schlage, die sie umhängen und dabei zugleich von den vier Ecken des Tisches schaben müsse, anderen gab er seltene Wurzeln gegen Feuer, Viehseuche und Leutenot, wahrsagte den Männern wieviel Frauen, den Frauen wieviel Kinder sie bekommen würden, redete von Zauberei und Schwarzkunst und machte die Hexen eines Dorfes offenbar. Hier drohte er wegen des gotteslästerlichen Lebenswandels der Bevölkerung eine Feuersbrunst an, so daß die ganze Gemeinde in steter Angst lebte, dort riet er, für ein ermordetes Kind, das um Hilfe schrie, dres Messen lesen zu lassen, damit es zur Ruhe komme; dem einen versprach er, verlorenes Geld beizubringen, den anderen mahnte er, fein Getreide auszudreschen, ehe der Blitzstrahl in seiner Scheune zünde. Doch nirgends blieb er lange. Er hatte es zu keck getrieben. Man munkelte, der Fürstbischof habe seinen Amtsleuten den Befehl gegeben, den unheimlichen Fremdling zu «t-greifcn, wo sie ihn anträfen und der Scharfrichter in Würzburg prüfte öfter als sonst seines Schwertes Schärfe. Am Fronleichnamstag des Jahres 1669 weilte der „bayerische Wahrsager" bei Barthel Baut; zu Bergrheinfeld zu Gast. Kaum sah er das neuerbaute prächtige Wirtshaus, da rief er mit Bedauern, aus; „Es ist schade um dieses Haus; denn sobald das Weib, das das vorige angezündet, darin wohnt, wird es in Flammen aufgehen." Der Wirt erfuhr's, kam und bat flehend, ob er gegen ein so großes Unglück kein Mittel wüßte. Und gegen einen Reichstaler erstand er «in „wunsel". Am Samstag, dem 13. Juli 1669, begegnete der Wahrsager bei der oberen Pforte dem Hans Adam Jörger, schlug die Hände zusammen und vermeldete: „Ei, wie wird's in kurzer Zeit diesem Dorf so übet ergehen!" „Warum?" fragte der Jörger. „Es wohnen zwei Weiber im Dorf in einem Haus, von denen die eine hinkt, dort wird Feuer ausbrechen, könnt's dem Schultheiß sagen, daß er Wacht und Wasser wohl bestellt. Wenn menschliche Hilfe dieses Unglück nicht verhindert, werden bis an die 24 Gebäude abbrennen." Da fragte der Jörger weiter: „Woher habt Ihr diese Offenbarung oder Wissenschaft?" Worauf er antwortete: Unser lieber Gott und sein« werte Mutter täten’s ihm offenbaren; zudem sei er ein gülden Sonntagskind, kenne dergleichen Unglück am Rauch, der aus den Häusern ginge. Da traten des Fürstbischofs Häscher zu und griffen den falschen Propheten. Als man ihn am 15. Juli zu Heiligental verhörte, sprach er zum Vogt, wenn es tage, wolle er ihm offenbaren, wie lange er lebe und in welcher Stunde er sterben würde; doch der Würzburger Schultheiß würde vor ihm sterben. Am 31. August 1669 lieferten Valentin Ruchs und Lienhart Schloßring den „bayerischen Wahrsager" von Heiligental zum Prozeß nach Würzburg aus. Friedlich schritt er neben den rauhen Henkersknechten und taten ihnen, die Zukunft kund. Ruhig ging er einem ungewissen Schicksal entgegen. Ungewiß? Zauberer oder Betrüger, Scheiterhausen oder Henkersbeil? Das war die Frage. In jedem Fall aber wartete feiner der Tod. Oh, daß doch seine Richter so vernünftig gewesen wären, wie.die Armenhäuslerin von Zellingen: Sie aber hätte seiner Rede nicht geachtet und ihn nur für einen Narren gehalten! Soweit berichten die alten Gerichtsakten (im Archiv des Julius-Spitals und im Staatsarchiv Würzburg), dann brechen sie plötzlich ab. Da war ich nun nicht wenig erstaunt, in einer alten Chronik unvermutet wieder die Spur des „bayerischen Wahrsagers" zu finden. Es war in glaubwürdige Erfahrung gebracht, daß der heiligmäßige Wundermann trotz feines hohen Alters zuweilen mit losen Dirnen wandere, zu Zeiten mit ihnen zeche und schwelge, daß er ein nichtswürdiger, gottloser Lanb- betrüger fei, in jener Nacht heimlich in eines benachbarten Bauern Scheune sich verborgen gehalten und das Wirtshaus selbst angezündet habe. Viermal wurde in der Zeit vom 30. Juli bis 31. August vom Würzburger Malefizrichter Dr. Fichte! und dem Malesizfchreiber Eyerich der Alte peinlich befragt. Sie glaubten weder seinem Vorgeben, daß er die Hexen — Manns- und Weibspersonen — kenne und wisse, wieviel jeden Orts seien, noch dem Vorbringen, daß er Offenbarung habe, es käme ein Vögelein und eine Taube zu ihm, von dergleichen habe er seine geheime Wissenschaft. Viermal leugnete der Siebzigjährige trotz furchtbarer Folterqualen jede Schuld. Und nachdem dies der Richter an den Fürstbischof berichtete, lautete das Urteil, daß er zwei Stunden mit einer Bettelkotzen auf dem Rücken am offenen Pranger stehen, darnach mit Ruten aus der Stadt Würzburg ausgepeitscht und aus ewig des Landes verwiesen sein solle. Und so geschah mit ihm am 31. August 1670. Das war des bayerischen Wahrsagers letzte Fahrt durch Franken. Oer holländische Nalionalcharakter. Von Karl Scheffler. Karl Scheffler, der bedeutende Kunstkritiker und Kulturpsychologe, veröffentlichte im Insel-Verlag eine alle Seiten des Landes, feiner Geschichte, Kultur und Kunst umfassende Darstellung „Holland", der wir am Mittwoch eine eingehende Besprechung widmeten. Die folgenden Ausführungen über den holländischen Nationalcharakter sind dem ausgezeichneten Buch entnommen. Es ist gesagt worden, man sollte Völkern nicht Zensuren erteilen. Der Grundsatz ist richtig. Doch wird fortgesetzt dagegen verstoßen. Jedes Volk hat einen bestimmten, nur ihm eigenen Gesamtcharakter, der sich aus Einflüssen ergibt, die zum Teil festgestellt werden können, die sich zum Teil unerkennbar im Dämmer der Geschichte verlieren. Dieser Nationalcharakter bildet sich in Jahrtausenden, im Wind und Wetter der Geschichte. Er muß so fein, wie er ist, er ist notwendiges Ergebnis bestimmender Kräfte, und er darf darum wohl festgestellt, aber nicht kritisiert werden. Wie jede Nation, haben auch die Holländer die menschliche Lust an der Wertung, die nicht selten auf Verurteilung hinausläuft, am eigenen Leibe erfahren. Aus dem Mijnheer hat man zeitweise eine komische Figur gemacht. Er sitzt auf einem Geldsack und raucht seine Pfeife. Wenn man sich ernsthaft um Anschauung bemüht, läßt sich mit einer solchen Betrachtungsweise nichts beginnen. Dem Betrachter, der sich zur Sachlichkeit zwingt, wird es deutlich, daß die Holländer genau so sind, wie sie es ihren Lebensschicksalen nach fein müssen, daß die moralische Wertung dieser geprägten Volksform, „die lebend sich entwickelt", ebenso lächerlich ist, als wolle man die Unterschiede von Tanne und Eiche, von Stier und Löwen, von Schiefer und Granit moralisch nehmen. Die einzige Kritik, die ein gewisses Recht hat, besteht in der Untersuchung, ob ein Volk sich nach dem ihm auferlegten Gesetz entwickelt hat oder ob Störungen nachzuweisen sind, die es mit sich selber in Widerspruch setzen. Im Wesen der Holländer sind einige Züge, die dem Deutschen ni*i durchaus angenehm sind, doch muß man sagen, daß die Nation öi Ganzes das hat, was man Nasse nennt. Sie hat sich früh abgefebioflen so offen das Land stets auch belgischen, französischen und jüdischen Mzü tigen stand, und hat die Bastardierung vermieden. Die Holländer v» stehen es, sich fast so zu separieren wie die Engländer, als ob sie aus einer Insel lebten. Alle Charakterzüge gehören organisch zusammen J ist nichts Fremdartiges dabei, nichts äußerlich Abgenommenes, alles in gewachsen und gesättigt mit Tradition... 1 Die Sitten und Lebensgewohnheiten eines Volkes sind am aufjdjM, reichsten eigentlich im kleinen und Werktäglichen. Wenn man eine deutliche Vorstellung gewinnen könnte, wie es in einer antiken Bierstube aussah und herging, so würde man mehr vom antiken Leben wissen, a[5 Berichte von Kriegstaten geben können. Was uns noch fehlt, ist '(jne umfangreiche vergleichende Kulturgeschichte des Kleinen und Kleinsten Darin müßte das ganz Einfache abgehandelt werden, nicht die große Staatsaktion. Es müßte, 3um Beispiel, darin gesagt werden, wo und (eil wann die Frauen die Lasten vorwiegend auf dem Kopf trugen, oder auf dem Rücken, oder mit der sogenannten Tracht auf beiden Schultern, und warum sie es in so verschiedener Weise taten und noch tun. Es könnte auch gezeigt werden, wie Nationen und Zeiten das Baugerüst verschj-eden- artig konstruieren. Vom Weben der Stoffe müßte die Rede [ein, von, Salzgenuß und der Salzbeschasfung in früherer Zeit, von Gewohnheiten des Essens und Trinkens, die sich nicht ohne weiteres aus der Lage und dem Klima des Landes erklären lassen, vom Ursprung der Volkstrachten sofern sie über das rein Nützliche hinausgehen ufm. Eine Unmenge von Wissen könnte so anschaulich gemacht werden, und immer würde bas Kleine auf ein großes Ganzes weifen. In Holland würde ein solches Unternehmen viel Material finden, weil die Gebräuche weit zurückreichen und sich bis heute in den alten Formen lebendig erhalten haben. Ohne daß man freilich hoffen darf, sie würden sich noch weiterhin lange erhalten. Die neue Zeit verändert vieles auch in Holland. Nicht lange wird es dauern, bis auch dort das Automobil bas Pferdegespann verdrängt hat. Dann wird nicht länger die interessante Beobachtung möglich sein, die man auf der Fahrt nach Holland und durch Holland immer wieder macht: daß es eine ganz bestimmte Grenze gibt für den Gebrauch der von einem Pferd gezogenen zweiräderigen Karren und daß diese Grenze in einer merkwürdigen Weise mit dem französischen Einfluß während der napoleonischen Herrschaft zusammenfällt. Man erblickt diese französische Karren auf der Fahrt nach Westen zuerst im westdeutschen Industriegebiet, und man kann sie dann von Maastrich westlich bis Middelburg verfolgen. Dort verschwinden sie und machen den vierräderigen Wagen Platz. Man könnte der Landkarte eine Grenzlinie einzeichnen. Diese Grenze zu erklären, wäre sehr aufschlußreich. In den (Safes, deren Stühle weit aufs Trottoir hinausgestellt werden, wo man unter gelb gestreiften Markisen (Drange) mitten im Treiben der Straße ist, sitzen die Holländer gemächlich hinter Gläsern mit wasserhellen, gelben ober roten Likören, kleine Käseschnittchen und Fleischklößchen dazu essend. Sie nehmen ihren Genever etwa so zu sich wie die Schweden ihren Punsch: mit einer gewissen nationalen Würde. In diesen Cafes mischt sich das Volk demokratisch durcheinander. Doch gibt es in Wirklichkeit Scheidungen, ähnlich wie in England, wo die Gesellschaft ein Mittel gefunden hat, der freien Vermischung aller Klassen und Stände in den Klubs ein Gegengewicht zu schaffen. Auch Holland ist reich an Klubs, deren Exklusivität wieder Scheidungen herstellt. Der holländische Patrizier drängt sich nicht vor, er verschwindet gern im Volk; doch fühlt er sich in hohem Maße als Patrizier. Er repräsentiert das aristokratische Element. Boni englischen höheren Bürgertum unterscheidet sich das holländische bann insofern, als es in den Kolonien die Blutmischung mit vornehmen Malaien nicht scheut. Der Mischling spielt in der neueren holländischen Kultur eine merkliche Rolle. Vor gewissen Kunstwerken läßt sich, ohne tetz man vom Künstler etwas weiß, die Vermutung aussprechen, daß es sich um Arbeiten von Mischlingen handelt. Und man behält meistens recht. Von alters her wird di« Reinlichkeit der Holländer gerühmt. Sie hat sich wohl entwickelt, weil in dem feuchten Lande alles leicht schimmelt imb steter Pflege bedarf. Uebrigens ist die Reinlichkeit nicht so unbedingt. 3n den größeren Städten geht neben ihr ein« ausgesprochene Unreinlichkeii einher. Sieht man vor den Häusern in den Fischerdörfern die Holzschuhe vor der Tür stehen, die von den Bewohnern beim Betreten des Hous« abgelegt werden, so wirkt das fast japanisch reinlich und behutsam. Und ebenso eindrucksvoll ist die Unermüdlichkeit, womit die Dienstmädchen bi« Hauswände und Trottoirstufen vor den Häusern immer wieder mit Seife und Wasser bearbeiten und die Fenster putzen. Hart daneben sind bie Straßen unb Grachten aber oft arg verschmutzt. Rotterbam und Amsterdam zum Beispiel, aber auch andere belebte Städte, sind ausgesprochen unsaubere Städte. Doch das findet man oft auf altem Kulturboden; bei Schmutz, der Feind der Zivilisation, ist, so scheint es, ein Bestandteil gewachsener Kultur. Alles in allem: es fehlt dem Holländer manches, was bei anderen Völkern in die Augen springt. Dafür hat er Eigenschaften, die in keiner anderen Nation fo charaktervoll ausgeprägt sind. Der Holländer ist kein Mensch der Idee, sondern der Lebenspraxis, er geht meistens den unmn- telbaren Weg. So konsequent, daß er höchst originell erscheint. Wenigsten' auf dem Boden, der ihn erzogen hat. Vom Reisenden aus gesehen, i| Holland nicht eigentlich ein Land für die Jugend. Unb auch die »t* , kommen nicht recht auf ihre Kosten. Romantiker — junge Leute u» Frauen sind es von Natur — sind ziemlich ratlos. Holland ist ein für Männer. Nur wer den Alltag liebt, wem der Werktag mehr vedem als der Sonntag, wer die Regel mehr liebt als bi« Ausnahme, suhlt n t in Hollanb zu Hause. Wer es bann aber einmal kennt und liebt, den > v es nicht wieder los. Denn es wird ihm in gewisser Weis« zum schäm Land Europas. Schriftleitung: i. V. Dr. Fr. W. Lange, Gießen. — Druck und Verlag: Bruhl'sche Aniversitats-Buch- und Steindruckerei, R. Lange in Gießet Mrg Theod! wenn er Jahre alt licher unb Berliner, dürftige 3 Fontai die, so pc kürliche Z teil", wie gewisses l Kampf ge Regierung Großstädte Spreestadt siegt, unb Fontane, i ms macht: hast einen du weißt dem Berge hat der 2 kennt er bas schlag Unausreich deutlich — Möglich nc unbescheide Er kennt doch gesjeg -oimben ni Sandergesc rechte Ber Literatur, sähe dazu hatte sich können. E: aber er ga Lehensbedt Aristokratie ^uch ganz her im „R- Denn t Man doch hat dieser I Arbeit. Fo- — die Bei ersiillung" dm Berlin, dtadten ge deren der öontane h, stabt aber g> * Aus: ■oonbt, Ber