die Woche > freiwillig aeld'st dich Siebzehnl . Du wirst Karl. Ein t dir?" ). Auf die rzählte er, riet, ob er t Schmutz, schlagen!" r vor dem ranken zu Manschet- bin devon ist, schad'st i. Du hast schon viel nix enaus lann mein ie denkst!" h. Was er Entschluß ankomme, Oadegegen tzen!" ohn stand, e ba. Der rtteb seine t, daß der ) schnauzi- nen guten 5 net aus . Er folgt n. Wann's t bitterem hatte aus den Wind sie gerecht sich selbst -r Konfir« jekornrnen. r Sprache ft!" drang er. „Wie Das gab Sie hatte iroieg. Die ieß,' ihren Later und d als die er unver< den. Was gerungen nrl gegen Milde und tu vorbei, kann ich's u möchtet gar arg, ts an der hielt stch Blick, di- uert mich mgab ihn sie ihn in : Lazarett eregiment Lebewohl. ! Fenster, e Gassen, nbarte sie rmmt net Iiehen. SietzenerZamilieMMer Nummer ________Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1930 Montag, den 24. November I Fkommen — und er könne wohl sagen, daß es am I bi ’h3en Niederrhein kaum eine bessere Malerwerkstatt gäbe „ .Lud wie ba beim Feierabend in der Nürnberger Schänke die Motor. I gefeUen ein Langes und Breites diskutierten über Lueas den Maler ile;®Äa "s? ÄXÄSÄ-ai s™ srs taUtefSi wie^wir^beulKfflbsn3 e.!n. Ansehen zu geben, aus seinem Wittenberg' w e cor 100 Uhr™"h^Uf?en' em Kulturzentrum zu machen. Etwa so,' .1U0 fahren der stammverwandte Karl August aus feiner ReN- ben3 Weimar einen Musensitz machte. Nur daß man nicht die Dickten I ^erbetrief wo hatte es sie damals in deutschen Landen auck aeaeben __ I m?" 9r^n6TO ,er im ®e'ft des neuen Humanismus eine Universität' berief ?f,Är ^Llanchthon, Bugenhagen u. a. jenen M a r t i n L u t h e r arickots™€me" glanzvollen Hof hermachen, wozu alles erst I muffen nnnChh Sä)^er unb Kirchen gebaut und ausgestattet werden "fUßten. Und da gelang es eines Tages — wie und auf wessen Rat weck I maler lenen s gelb von 100 Gulden ats Hof- ma er jenen Lucas Cranach zu bekommen, der nicht eine arübleriscke L°tur war wie der hochverehrte Albrecht Dürer, auch nich?wie E I andere, jener Mathias Grünewald, von einem furiosen Dämon hpfpffpn I o ffPITT rtpfl'hirff Clt, . einen umgänglichen °Menschen°"hatte^zu SW Ä'ÄX ftÄ&iAs ~n. 7-urnier geritten hatte oder wenn die beiden unzertrennlichen Brüder Johann der Beständige von der Jagd heimkamen, dann hatte l.d) 5 b^eben hatte, schon ausgezeichnet, und man brauchte mfsk #c ^orte zu machen. Wahrlich, man hätte keinen besseren Griff tun können. So sparte man nicht an Aufträgen, auch nicht an Fu< ! 9Cns, °be£ '.Verehrungen", wie man damals9 so achtungsvoll sagte I ^°?xbretr$a^rt nad) feiner Berufung verlieh ihm der Kurfürst der feÄtnAUnl mLr 'n Freundschaft wandelte, den Adel und als Wappen die Schlange mit den Fledermausflügeln. Und Cranach, dessen Kllnstlerschaft nicht umsonst weithin gerühmt wurde, den die besten Kunstkenner der Zeit: der Kaiser Max imi- l'nn oder der Kardinal Albrecht von Brandenbura mit Uck^n"qv"f^-dachten, fühlte sich sehr wohl in der Stellung eines kurfürst- hdien Malbeamten Seinem ganzen Wesen nach war er doch von ganz anderem Schlag als jene anderen, „Modernen", der Dürer der Holbein und wie sie weiter hießen. Meisterhafte Kerle. Die waren da unten in 4ta ten und hatten ein ganz neuartiges Kunstwesen mit heimgebracht. $<.Urcr'»W 0ru^te er f,rf> nb, um hinter die Geheimnisse bet Schönheit zu kommen. Wie ein Gelehrter fast quälte er sich, Gesetze und Regeln zu finden. Weim es stimmte, was Erasmus mal gesagt hatte, so ha e er sogar ein Buch über die Messung geschrieben. Welsche Art- nie hatte es so was gegeben unter den deutschen Malern. Man hielt sich an da-, wies der Meister in der Werkstatt machte und einem zeigte Und nach dieser altbewährten Art wollte er, Cranach, es auch halten, freilich, dazu mußte man nicht nur die neuen Ideen haben. Das würde er wokst auch noch zuwege bringen; als er von seiner Reise nach den Niederlanden zuruckkam, wo er in Mecheln den Kaiser und seinen achtjährigen Sohn, den Karl, hatte malen dürfen, hatte er ja auch ein paar Bilder in der rtrt gemacht. Die konnten sich gewiß auch sehen lassen! Aber kam es bc.n"f° auf dieses Neumodische an? Nicht viel mehr auf das, was einer uurtlici? konnte. Und er wollte es noch mit jedem aufnehmen. So richtete Cranach ganz im alten Stil eine Werkstatt ein mit vielen Gesellen bie er abrichtete, ganz in seiner Art zu arbeiten. Da würbe ausgeführt was an Aufträgen herankam. Beileibe nicht nur Altartafeln unb Bild- niffe, audj aHes, was sonst verlangt wurde: Anstreicherarbeiten für die r ™r' Schabracken für die Turniere, Fahnen, Wappen, Häuseranstriche usw. Was keineswegs so etwas Ungewöhnliches war. Ganz im Gegenteil. Ungewöhnlich für die damalige Zeit war das andere, jenes differenzierte Künstlertum, das von Italien her die neuartige Idee aufgriff ein persönliches Schöpfertum zu manifestieren. Vordem, das ganze Mittelalter hindurch war man in die Malerwerkstatt gegangen, ein Bild oder auch Gemaltes zu bestellen, wie man etwa, feinem Gusto entsprechend sich ein schönes Reitzeug fertigen ließ. In Leyden waren ja noch im 17.Jahr- Verwandelte Wiese. Von Peter Bauer. Sie wuchs der kahlen Erde wie ein Fell rar dichtem Haar. Stand hoch im Sommergras Getigert und getupft mit Blumen hell, In die geschmiegt man Weg unb Welt vergaß. Der blaue Himmel sank auf Stirn unb Munb. Z" Ohr unb Atem strömten Duft und Klang. .,'ud spurte durch die Halme wie ein Hund Unb kleine Falter spielten Husch unb Fang. 3u jäh entzaubernd brach im Schwung der Faust Die Sense ein, zerriß Idyll und Traum. Wpr6^oPPrn?((ie6en^rLn k°in Glück mehr haust. Die Klage lautete tm Weidenbaum. Nachts wölkten Nebel schwer wie rauchend Gas. Die kurzen Tage schenkten kargen Schein. Jetzt liegt die Wiese wie im Sarg von Glas Und sieben Raben hocken stumm allein. Lucas Cranach. Bürgermeister, Apotheker, Glaubensstreiler unb deutscher Maler. Von Paul W e st h e i m. hnrMSmhfi November im Verlag Hermann Recken- dorf G.m.b.H Vertin SW 48, erschienenen Buch „Helden und Abenteurer (45 Essays über bedeutende Künstler von Brueqhel bis Dix) von Paul Westheim. 99 In Nürnberg in der Schänke, wenn die Malergesellen, die Steinfetz- oder he°"mpu'lIfen den Bildgießerwerkstätten des Adam Krafft oder des Veit Stoß zum Trunk beisammensaßen, erzählte bald der bald jener von den fahrenden Gesellen, die in der Herberge vorsprachen von einem Städtchen fern im Norden oder Osten, hart an der Grenze des ro°s 65 neuerdings gute Arbeit für Malersleute geben foßte Wittenberg oder so sollte der Ort heißen, von dem kaum je ein Christenmensch noch gehört. Irgendwo oberhalb der böhmischen Wälder mußte er liegen. Ein armseliges Städtchen, nicht zu vergleichen mit Auqs- hnr9rtob6r r0 "' ment ?.öer Mecheln und natürlich nicht mit dem wunderbar großartigen Venedig, wo einmal hinzukommen die Sehnsucht aller Maler war. Ader der neue Kurfürst von Sachsen, ein gottesfürchtiger m‘fXnCr(Vld) nr*rS?eflbJ,,n3 ""legte, schien ein Herz für die Kunst ju haben. Em festes Schloß mit trutzigem Turm hatte er sich aufbauen Mfcn bas prächtig ausgeftattet werden sollte. Auch eine Kirche, für bie man Reliquien in allen Lauben gesammelt hatte. Einer behauptete, man i yaÄe e®,fertiggebrarf?t, nach diesem Wittenberg nicht weniger als 5000 °'H?r Reliquien zu schaffen, und Meister Möller, seines Zeichens Gold- schmied, habe mit einem Gesellen kunstreiche Schreine dafür die Menge hergestellt. Und bann kam, verspätet, weil es wieder viel Arbeit an der -brutferpreffe gegeben hatte, wo alle bie Stiche abzuziehen waren bie ber Fuhrknecht nach ber Frankfurter Mesfe mitführen sollte, einer der Ge- jeuen Durers und meinte, bas könne wohl seine Richtigkeit haben. Ihm |ei zu Ohren gekommen, baß vor seiner Zeit Meister Albrecht selbst einmal da oben m Sachsen gewesen unb Bildnisse gemacht habe für diesen .fürsten, ber mit dem Brandenburger, dem Kardinal, von dem man I e>" Konterfei gefertigt habe, befreundet und beim Kaiser Maximilian hochgeschätzt sei. Das sei aber schon lange her, und was der Meister da gemalt habe, wisse er nicht. Er habe ihn aber öfters reden hören von einem Italiener, den er da in Wittenberg getroffen habe, einem gewissen Jacobo, aaeobo de Barbari ober so, der ein gar kluger Mann mit großem erstand gewesen sein soll und der den Meister unterwiesen habe I mit allerlei Geheimnissen über die Proportion und die Schönheit, wie sie !>e jenseits der Alpen in Gebrauch Hütten. Neuerdings, das habe er von I ßem Rat Peutinger gehört, der wegen der Arbeit eines Gebetbuches des Matfers Max häufig in die Werkstatt komme, solle Kurfürst Friedrich emen neuen Hofmaler haben, einen Maler Lucas aus Cranach ooer Eronach im Bambergfchen. Und bann nimmt ein anberer, schon I "ueeer Gesell bas Wort, haut mit bem zinnernen Humpen auf ben Tisch 't )?9 ' ®a' dieser Lucas, das müsse ein verteufelter Kerl sein. Der sei I «er schnellste Maler im ganzen römischen Reich deutscher Nation. Der ringe es fertig, auf ber Jagd den Hirschen im Sprung auf sein Täfel- zu reißen, und so genau, daß jedermann baß erstaune. Und bann öaijite man sich von biefenr? Cranach bie mertroürbigften Sachen. In ...en habe er Trauben so getreu an bie Wanb gemalt, daß eine Elster I g ommen wäre und banach gepickt habe. Unb roieber einer wollte roiffen, I [,.r5er lener Cranach bas benn habe. Sein Lebtag habe er nichts von Iß Mm Maler gehört, auch in all ben Werkstätten nicht, in die er auf I Au erhielt, tett", t Mi, Ohr be unser . und B zusamn Doch h verschir dem er kehren Ein Heteroc unfeier Auf eil der reo fugierte Jedi dotz di« dein G wie cs spruch i Moos und Felsstein ein Quell rinnt und auf der Höhe eine zinnenbekrönte Burg sich aufbaut. Und um das Christkind spielen pausbäckige flachs- haarige Engelchen, die nicht die klassisch hoheitsvolle Anmut der Raffael- schen Engel haben, die wie die sächsisch-thüringischen Grazien deutsche Früchtchen sind. Und der altfränkische Kerl, der da gemalt hat, wie's ihm ums Herz gewesen, um nicht zu sagen, wie ihm der Schnabel gewachsen war, hat damit als erster das gemalt, was die Welt das Weihnachtsbild nennt. Hundert die Maler der Sattlergilde zugeteilt. Man darf so was nicht mit heutigen Begriffen ansehen. Bei Cranach z. B. kam es einige Zeit nach dem Tod Friedrichs des Weisen vor, daß der Hof auf einmal nicht weniger als 60 Porträts des Kurfürsten bestellte, die man wie heute photographische Abzüge befreundeten ober geschätzten Personen verehrte. Und wie heute der Photograph seine Platte hat, so hatte man da in der Werkstatt eine Vorlage, die der Meister einmal gezeichnet oder gemalt hatte und nach der man, wenn solch ein Auftrag kam, Kopien herstellte. Im Museum von Reims sind eine ganze Anzahl solcher, nennen wir sie einmal: Vorlagen der Cranach-Werkstatt, erhalten. Und als Luther und seine neue Lehre einen immer weiteren Anhängerkreis fand, da war es das Gegebene, das Bild der neuen Volksmünner zu verbreiten. Cranach, der auch hier sogleich die geschäftlichen Möglichkeiten erkannte, fügte der Malerwerkstatt eine Presse zu, wo mit Kupferstich und Holzschnitt für die breiten Massen Bildnisse der Reformatoren hergestellt, Flug- und Streit- schritfen wider die Papisten gedruckt wurden, auch die erste Lutherbibel entstand. Und nachher, als der aufkommende Humanismus mehr und mehr Geschmack fand an Schilderungen aus der Antike, da wurden zu Dutzenden jene Venus-Bildchen, Paris-Urteile, Lukrezien usw. gefertigt. Worringer geht sicherlich zu weit, wen er Cranach als unentwegten Geschäftemacher hinstellt, der die „Konjunktur-Verhältnisse" zu nutzen wußte und dem es nur um „die Vergrößerung des Geschäftsbetriebs" zu tun gewesen. Das schießt weit übers Ziel hinaus. Wenn auch richtig ist, daß er nicht nur in seiner Kunst so staunenswert geschickt gewesen. Während Dürer in dem bekannten Brief an den Besteller des Helleraltars wie ein heutiger Künstler über die schlechten Zeiten, das geringe Honorar für das Altarwerk klagt, galt in der Cranachschen Werkstatt noch der Grundsatz, daß das Handwerk goldenen Boden habe. Man hat Gesellen über Gesellen, und bei jedem Auftrag, der kommt, bleibt auch was übrig. Das Geld wird angelegt in Häusern und Grundstücken, binnen kurzem hat der vielbeschäftigte Hofmaler nicht nur das stattlichste Haus in der Residenz, auch viele andere gehörten ihm und tragen ihren Zins. Barbara Vrengebier, die er heiratet, bringt auch einen Batzen Geld als Mitgift zu. Und da bleibt's nicht bei der Maler- werkstätte und der Presse. Mit Döring zusammen gründet er eine Druckerei. Ein Buchladen kommt hinzu. Ein Ausspann wird eingerichtet, dann ein Ausschank, wo es manchmal turbulent genug zugegangen sein mag. Wenigstens ist aus noch erhaltenen Akten zu ersehen, daß man seinen Schankmeister wegen einer offenbar nicht so ganz unebenen Prügelei mit einer gehörigen Geldbuße belegt hat. 1520 erwirbt er noch ein Apothekenprivileg hinzu, wo es nicht nur Medizinen, sondern auch Gewürze, Honig, Latwergen und Kolonialwaren aller Art gab. 1528 ist er mit 1405 silbernen Groschen der höchste Steuerzahler des Städtchens und schließlich machte man ihn sogar zum Bürgermeister. Man muh sich das nicht so vorstellen, daß Cranach nun hinter dem Schanktisch gestanden oder Salbenbüchsen eingefüllt habe. Dafür hatte man ja seine Leute. Wie in der Malerwerkstatt, wo auch die beiden Söhne tätig waren, so hantierte in der Apotheke ein Pächter. Es muh schon ein reges und geschäftiges Sieben auf dem stattlichen Anwesen an der Elbgassenecke gewesen sein. Und zwischen allem unermüdlich, überall nach dem Rechten sehend, der Meister selbst, dem es Spaß genug machte, selbst zum Pinsel zu greifen und mit ebenso flinker wie geübter Hand wieder und wieder eines dieser Bilder und Bildchen zu schaffen, aus denen ganz von innen her und ganz unverfälscht etwas spricht, das man nicht anders nennen kann als — die deutsche Seele. Und das ist wohl das Merkwürdigste an diesem merkwürdigen Mann, der sein Malergeschäft wie ein Unternehmer betreibt, immer bedacht, seinen Besitz zu mehren, der Bürger und Hofmann und Glaubensstreiter war und schließlich am Ende seiner Tage auch noch ein seltenes Beispiel von Mannestreue geben sollte, indem er seinen sürsilichen Herren freiwillig in die Gefangenschaft und Verbannung folgt, daß er trotz Vielgeschäftigkeit und Werkstattmassenproduktion der Welt ein Stück Kunst hinterläßt, das nirgends sonst, weder in Italien, noch in den Niederlanden, noch in Frankreich, sondern nur hier bei uns zwischen Donau und Elbe entstehen konnte. Nicht weil er das Bildnis des Dr. Martin Luther gemalt und gezeichnet hat, und was mehr ist, diesem Porträt sogleich die welthistorische Größe des Mannes zu geben gewußt hat. Man sehe sich einmal den Altar in Frankfurt an, den nach Deutschland zurückzubringen Swarzenski gelungen ist. Ist das nicht die deutsche Kinderstube mit dem Geherz der Kleinen, ihrem Gespiel und Getümmel? Er kann nicht anders, in jede biblische, auch in jede antike Szene muh er ein Stück oder wenigstens ein Stückchen deutsche Landschaftspoesie mit hineinmalen. „Waldeszauber", das Wort, das drei Jahrhunderte später die Romantiker sich erfanden, hat er es damit nicht schon vorweggenommen? Und wie sonderbar diese ungelenken, so ganz und gar nicht heidnisch antikischen Sachsen- mädelchen, die er als Venus oder Judith oder Salome in der Schönheitskonkurrenz des Paris auftreten läßt. Muther hat von diesen drei Grazien gesagt, sie sähen so aus, als ob sie Käthchen Dortchen und Bär- belchen hießen, und wie sie sich so drehen und wenden, wäre es, als wollte jede dem strengen Preisrichter zurusen: Nicht von vorne, nicht von hinten kannst du solch ein Mädchen sinden. Das „Altfränkische", das die Kunsthistoriker so häufig dem Cranach zum Vorwurf machen, weil er sich nicht auch wie fast alle die anderen an die neue, aus Italien kommende Bildungskunst der Renaissance verlor, war vielleicht gar nicht ein Nichi- verstehen und ein Nichtmachenkönnen. Wie bei Corinth, der von Picasso und Matisse nichts wissen wollte, weil das seinem Wesen fremd war, war es vermutlich ein Nichtmitmachenwollen. Steuerungen von ihm darüber haben wir nicht. Geredet ober gar geschrieben über seine Kunst hat er nicht. Aber sieht man sein Werk, so will es einem scheinen, als ob er, der stattliche Mann, der so fest und sicher in seiner Welt drin stand, mitunter bei sich gedacht habe: „Mag sein, daß es etwas Großes ist um die Schönheit, die die Italiener jetzt wieder gefunden haben, aber für mich ist das nichts. Mich muß man schon so verbrauchen, wie ich nun mal gewachsen bin." Und dann hat er die mit dem hl. Joseph nach Aegypten fliehende Gottesmutter nicht im Wüstensand unter Palmen ruhen lassen, sondern unter einer Weihnachstanne an einem Hang, wo zwischen Musikalische Spielereien. Von Dr. Margot Rieß. Die Möglichkeiten der Musik, innerhalb ihres eigenen Elementes zu spielen und anzuspielen, sind von jeher in reichem Maße von den Komponisten genutzt worden. Sich einmal mit diesem Seitengebiet der Musikliteratur zu befassen, entbehrt nicht des künstlerischen wie psychologischen Reizes, so unscheinbar auch, mit musikalischen Problemen höherer Art verglichen, dieses Kapitel erscheinen mag. Mitunter hilft es wohl auch dazu, ein intimeres Vertrauensverhältnis zu einem Komponisten zu gewinnen, wenn dieser es versteht, uns gelegentlich einmal mitten aus dem Ernst feiner Schöpfung heraus gleichsam versteckt zuzuwinken: so meinte ich es — wir verstehen uns doch? So ist es z. B. immer wieder, wenn wir Haydns weltliches Oratorium „Die Jahreszeiten" zu hören bekommen — wozu, nebenbei bemerkt, leider zu selten Gelegenheit ist — von besonders anmutiger Wirkung, wenn Haydn seinen Ackersmann im „Frühling" nach der Melodie des wohlbekannten Andante aus seiner eigenen „Sinfonie mit dem Paukenschlag" rüstig übers Feld schreiten läßt. Beim Einsetzen der fast volkstümlichen Melodie des gleichen Komponisten an unvermuteter Stelle ist es, als nickte uns ein gutbetantes Gesicht mitten unter Fremden zu, und mit einem befriedigten und zugleich befreienden Gefühl stellen wir hier fest, daß wir „schon Bescheid wissen". Solche Selbstzitate des Komponisten sind eine besonders dankbare Form der musikalischen Anspielung. Mozart wendet sie an, wenn er die Kapelle für die Tafelmusik bet Don Juans fröhlichem Abendessen plötzlich eine uns auch so merkwürdig bekannt vorkommende Melodie anstimmen läßt, zu der Don Juans Diener Loperello, sie nachahmend, noch zum Uebersluß bemerkt: „Ist das nicht aus dem Figaro von Mozart?" An der gleichen Stelle wird auch andern zeitgenössischen Komponisten auf graziös-scherzhafte Weise gehuldigt, indem sie auf der Szene „aufgeführt" werden. Noch feiner und versteckter kommt uns Haydn, wenn er bei der Vertonung der zehn Gebote gerade bei dem siebenten Gebot „Du sollst nicht stehlen" die Melodie eines anderen Komponisten verwendet, sich somit des „Stehlens" schuldig Machend. Schon früh hat man die einzelnen Buchstaben von hierfür geeigneten Namen dazu verwendet, sie als Grundmotiv einer Komposition unterzulegen. So ist der Name Bach unzählige Male komponiert worden, auch des öfteren von dem Meister selber, der besonders häusig in seiner „Kunst der Fuge" das Motiv der vier Töne, die seinen Namensbuchstaben entsprechen, verwendet hat. Am berühmtesten sind die „Sechs Fugen über den Namen Bach" von Robert Schumann geworden. Als echter Romantiker hatte dieser Komponist überhaupt eine ganz besondere Vorliebe dasiir, Spiel und Scherz mit „tieferer Bedeutung" zu verbinden. So ist eine seiner herrlichsten Klavierkompositionen, die man alle mehr ober weniger als persönliche „Consessions" zusammenfassen könnte, in der Weise entstanden, daß ihm, als er nach einer schwärmend verbrachten Ballnacht, träumerisch am Klavier saß, plötzlich die Töne a, b, e, g immer wieder unter die Finger kamen, sich zum leise fragenden Motiv formend: es waren die Buchstaben des Namens seiner Tänzerin, die durch jenes Opus 1, „Variationen über den Namen Abegg" zu einer eigenartigen Unsterblichkeit gelangt ist. In zartem Singen oder glockenhaft schwingend flicht sich immer wieder dieses Motiv a-b-e-g-g wie ein sehnsüchtiger Ruf in die weitgesponnene Melodie hinein, bald aus der Höhe in plötzlicher rhythmischer Veränderung in übermütigem Staccato herabkichernd, bald wie Geisterruf eindringlich mahnend. Ein ähnliches Beispiel aus der Musik der Gegenwart findet sich in Ernst Tochs viersätzigem Streichquartett auf das Wort „Baß". Hier wird zudem dis Tonspielerei noch mit einem Buchstabenspiel verbunden, indem „Baß" sowohl durch die Noten b, as und es als durch b, a und zweimaliges es musikalisch gespiegelt werden kann. So ergibt sich eine bunte Folge untereinander verschiedener Themen, die in geistvoller Verwendung alle gleichsam den Reim „Bah" ergeben. Als eine der ältesten Formen Musikalischer Spielereien ist die musikalische Nachahmung anzusehen, wie sie in den berüchtigten fog. „Künsten der Niederländer" int 15 und 16. Jahrhundert bis zum Uebermah betrieben wurde. Der von einer Stimme vorgetragene Gesang wird von den andern Stimmen kanonartig nachgeahmt, im sog. Spiegel- oder Krebskanon auch rüchwärts oder gar vom verkehrt liegenden Blatte abgesungen. Durch ein Uebermah von seelenlosem Könnertum kam man dabei schließlich zu den verwegensten Experimenten, z. B. indem man einem Stück die Parole zugrunde legte: „noctem in diem verfere", was bedeutete, daß alle schwarzen Noten als weiße und alle weihen Noten als schwarze gelesen werden sollten. Ein anderes Mal wurden alle Intervallschritte nach einer bestimmten Regel verkehrt, aus steigenden wurden fallende Gänge und umgekehrt, oder es wurden einmal alle Pansch unterschlagen und ähnliches mehr. Jedenfalls würden auch wir dabei m den Stoßseufzer des Zeitgenosfen Kaiser Maximilian einstimmen, nm dem er sich von diesen übertriebenen Spielereien der Komponisten ermüdet abwendet: „Sie lesen anders denn geschrieben, sie fingen anders, denn genotieret, sie reden anders, denn ihnen ums Herz." , Einen rückwärts zu lesenden Kanon für drei Stimmen hat selbst noch Haydn als besonderes kontrapunktisches Kunststück der Universität Oxforo zum Dank für seine Ernennung zum Doktor honoris causa gejano. Ueberhaupt kommen wir bei den verschiedensten Arten der musikalischen Spielereien immer wieder auf Haydn, dessen frohe Laune — die {retinv nur ei ein V Da hatte, zuschr« sog. 8 Schlaf dort c adzuhi aurück feinem eine e stellte: ob, (ec fernfer Wer her roui Reihe v die Lus mitten Denn u weite bi scheu, sc das sch denn da werk, d« solle, di Landes-« ja gebot und fogi stunden Diese A wurde d zu besich In c Schwarz liegen hi den Nau Name si erstreckt kleinen s des Wei Täler de der schoi euf seini Bergen, Auch die blick des manne i Wasserim Nietern. ; liehen Er sich seinei einmünd« Schwarzr ende des ansteigt, langen T also, das jo wäre : das gespe «roße En nur einen Teil seiner Wesensart ausmachie — sich gern in solcher Weise ein Ventil suchte. Daß der Paukenschlag in der bereits erwähnten Symphonie den Zweck hatte, in allzu passivem Musikgenuß etwa eingeschlafene Zuhörer auf- zufchrecken, ist bekannt. Einen rührenden Hintergrund hat jedoch Haydns sog. Abschiedssymphonie. Da jedes Mitglied der fürstlichen Kapelle auf Schloß EsterhLz auch seine Familie mit beherbergen wollte, herrschte dort große Wohnungsnot, und um diesem Mißstand in radikaler Weist abzuhelfen, gab der Fürst seinen Musikern den Befehl, ihre Angehörigen zurück nach der Residenz Eisenstadt zu schicken. Nun ließ Haydn vor seinem gestrengen Herrn eine neue Symphonie aufführen, deren Schluß eine ergreifende Anspielung auf die harte Verfügung des Fürsten darstellte: je zwei bis drei Musiker brachen nacheinander plötzlich ihr Spiel ab, legten ihre Instrumente beiseite, verlöschten ihre Pultlichter und entfernten sich, bis schließlich nur zwei Violinen übrig blieben, die auf die gleiche Art die trübselige Szene beschlossen. Der Fürst verstand die Anspielung und nahm gerührt die Verfügung zurück. So hatte Haydns Werk nben der musikalischen auch noch eine soziale Wirkung. Auch die populären Beinamen, die manche der Quartette des Meisters erhielten, deuten auf allerhand Spiel und Neckerei, io das „Voqelauar- tett , das „Rasiermesser-Quartett" u. a. Mitunter ist eine musikalische Anspielung eher für das Auge als fürs Ohr berechnet, z. B. wenn Bach in der Phantasie über den Choral „Christ unser Herr zum Jordan kam" vier Motive in gegenseitiger Umkehrung und Beschleunigung Zusammenwirken läßt, so daß sich hebende, in sich ^l'jm?len'roIenbe und sich gegenseitig überstürzende Wellen entstehen. Doch hat Bach gelegentlich auch eine ganz primitive Tonsymbolik nicht verschmäht; so in dem Choral: „Dies sind die Heilgen zehn Gebot'", bei dem er das Thema der ersten Noten im Pedal einfach zehnmal wieder- tehren laßt. Ein besonderer Reiz kann auch in der scherzhaften Verwendung des Heterogenen, Inadäquaten liegen. So liebte es Gustav Mahler ganz unfeierliche Motive durch betont feierliche Bearbeitung zu ironisieren. Auf eine entsprechende Wirkung ist es abgesehen, wenn Wagner bei der realistischen Prügelszene in den „Meistersingern" bedeutungsvoll den fugierten Stil anwendet. Jedenfalls ist bei all diesen musikalischen Spielereien das Wesentliche, daß die Anspielungen und Scherze nicht eigentlich aus der Logik und dem Geiste der Musik heraus, sondern als Ueberraschungen geschehen, wie es ja eben das Wesen der Komik ausmachen soll, auf „einem Widerspruch zwischen Erwartetem und Erscheinendem" zu beruhen. Donner über dem Schwarzwald. Das Schluchfeewerk und seine Beben fung. Von Dipl.-Jng. Dr. A. H a m m. Wer heuer die gesegneten Täler des südlichen Schwarzwaldes besuchte, der wurde Tag für Tag in seiner genuhfrohen Ruhe gestört durch eine Reihe von Explosionen, die nicht nur tagsüber, sondern sogar des Abends die Luft erschütterten. War denn ein Artillerieschießplatz in der Nähe mitten im Gebirge? Oder übten gar die nahen Schweizer Grenzforts? Denn um kleine Geschütze konnte es sich nach der Heftigkeit und Tragweite des Schalles nicht handeln. Fragte man aber einen der Einheimischen, so wurde man ausgelacht. Das waren nur die Sprengungen für das Schluchfeewerk, die war man feit Jahr und Tag gewöhnt. Ja, was denn das Schluchfeewerk wäre? Nun, ein besonders großes Wasserkraftwerk, das die reichen Gewässer des südlichen Schwarzwaldes ausnützen solle, die halbe Welt sei an dem Bau beteiligt, nicht nur die Badische Landes-Elektrizitätsversorgungs AG. (Badenwerk), in deren Gebiet es ja gebaut werde, sondern auch das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk und sogar mehrere Schweizer Elektrizitätswerke. 450 Millionen Kilowattstunden sollen darin erzeugt werden, die schon alle fest verkauft seien. Diese Auskunft mußte natürlich die Neugier gewaltig reizen, und so wurde der Beschluß bald gefaßt, dieses merkwürdige Werk im Entstehen zu besichtigen. In einem gegen den Feldberg sich hinaufziehenden Tale des südlichen Schwarzwaldes, das selbst schon eine recht erhebliche Höhenlage aufweist, liegen hintereinander zwei Gewässer, der kleine Windgfällweiher, der kaum den Namen eines Sees verdient, und der lang gestreckte Schluchsee, dessen Name schon auf die schlauchförmige Gestalt hinweist. Zwischen beiden erstreckt sich ein mooriges Gelände, das Feldmoos, durchzogen von einem kleinen Flüßchen, das dem tiefer liegenden Schluchfee den Wasserüberfluß des Weihers zuführt. Das Tal ist nicht so freundlich wie häufig die Täler des südlichen Schwarzwaldes; ernst, fast rauh ist sein Charakter, der schon stark an das Hochgebirge mahnt. Nur wenige Häuser stehen auf seinem Grunde, die paar Ortschaften liegen hoch darüber an den Bergen, die es rings herum vollkommen einschließen wie einen Kessel, ^uch die Bahn führt hoch am Rande dieses Talkessels entlang. Der Anblick des völlig geschlossenen tiefen Kessels mußte freilich jedem Fach- wanne den Gedanken an eine Wasserspeicherung nahelegen, denn die Wafsermengen, die er faßt, gehen in die Hunderte von Millionen Kubik- wetern. Dazu kommt noch ein anderer sehr günstiger Umstand. Am süd- ucheu Ende des Schluchsees entspringt die Schwarza, ein Flüßchen, das st?) seinen Weg zur Alb bahnt, in die es dicht unterhalb von St. Blasien timnünbet Dieser Schwarzateil gehört zu den romantischsten Tälern des «chwarzwaldes. Seine Tiefe nimmt schnell zu, die Straße, die am Süd- ende des Schluchsees in gleicher Höhe mit diesem beginnt und nur sachte "»steigt, liegt bei Häusern, am Ende des vielleicht 8 bis 10 Kilometer ‘«»gen Tales, wohl 150 bis 200 Meter über der Schwarza. Gelänge es ?*|°> das riesige Becken des Schluchsees zur Wasserspeicherung auszunützen, 1° ro"re hier in kaum 10 Kilometer Entfernung die Möglichkeit gegeben, "W gespeicherte Wasser die gewaltige Höhe durchlaufen zu lassen und so «rotze Energiemengen zu gewinnen. Frekckch konnte es sich nicht um eine gewöhnliche Talsperre handeln. Bei einer solchen wird das zulaufende Wasser durch eine Sperrmauer in seinem Laufe aufgehalten und angestaut, bis es die Höhe der Mauer- krone erreicht. Von der Menge des zulaufenden und natürlich auch wieder abstießeuden Wassers und der Höhe des Staues hängt die Größe der zu gewinnenden Maschinenleistung ab. Die wäre hier nun kaum beträchtlich gerne)en, die Schwarza führt nur wenig Wasser und trotz der stattlichen Stauhöhe von 150 bis 200 Meter hätte sich keine Leistung der Wasserkraft ergeben, die den hohen Kosten des Ausbaues entsprochen hätte. Dafür wurde aber hier eine Anlage geschaffen, die zwar nicht etwas ganz Neues darstellt, aber in ihrer Eigenart doch zu den technischen Merkwürdigkeiten dieser Welt gehören wird, nämlich eine Pumpspeicher- a.n läge größten Stiles. Um das zu verstehen, ist es notwendig, ein wenig auf die Eigenart des Elektrizitätsverbrauches einzugehen. Im tiefen Dunkel der Winternacht liegen die Großstadt und das sie umgebende Industriegebiet da. Schweigen herrscht in den mächtigen Anlagen. Und im Elektrizitätswerk, das hierher den Strom liefert, herrscht auch Ruhe; zwar laufen 1 bis 2 Maschinen des Nachts durch, aber es find nur kleinere, die Belastung ist ja zu gering. Die großen Maschinen der Jndustriewerke, die den Hauptstromoerbrauch verursachen, stehen noch still, von der Straßenbahn fährt nur hin und wieder einmal ein Wagen und außer den Straßenlaternen brennt kein armseliges Lichtlein. Aber das kann nicht lange mehr dauern, denn der Zeiger der Uhr hat die 6 schon hinter sich gelassen, die Stunde des Arbeitsbeginnes naht. In den Arbeiterquartieren flammen die Glühbirnen auf, die Straßenbahnwagen verkehren in immer dichterer Folge, und bald beginnen auch die großen Jndustriemafchinen ihren gewohnten Arbeitstakt. Allen diesen Bewegungen folgt getreulich der Zeiger des großen Kilowattmessers im Elektrizitätswerk, das den gesamten Stromverbrauch anzeigt. Immer höher steigt er, etne Maschine nach der anderen fängt an, sich zu drehen, ein Kesiel nach dem anderen geht in Betrieb, bald ist die volle Belastung erreicht, die „Spitze" ist da. Nun summt alles gleichmäßig weiter, bis der Mittag kommt. Abermals fällt die industrielle Belastung ab, um nach halb- bis einstündiger Pause von neuem anzusteigen. Wenn es erst 4 Uhr durch ift, meldet sich Überall das Lichtbedürfnis, die Geschäfte schalten ihre Reklamebeleuchtung ein, die Wohnungen und Bureaus erhellen sich. Schlagartig steigt so der Stromverbrauch, wenn die „Lichtspitze" kommt, in kurzer Zeit kann er auf das Mehrfache feines vorherigen Wertes steigen, um dann nach ihrem Vorbeigang, nach Beendigung der Tagesarbeit m der Industrie auf einen ganz geringen Wert abzüsinken. Allen diesen Schwankungen soll das Elektrizitätswerk gewachsen fein. Wenn irgendwo Strom in beliebiger Menge gebraucht wird, muß er in dem Augenblick zur Verfügung stehen, in dem der Schalter eingelegt wird. Das ist nur zu erreichen, wenn immer eine Anzahl Steffel unter Feuer stehen, um gegebenenfalls sofort die Dampflieferung aufzunehmen, wenn rechtzeitig einige große Maschinen angewärmt werden, um ofort in Betrieb zu gehen usw. Alles das aber kostet Kohle, d. h. Geld. Da ist viel idealer der Akkumulator, der geladen dasteht und jeden Augenblick bereit ift, Strom zu liefern. Nur ist er für unsere heutigen großen Verhältnisse mcht mehr recht geeignet; um die Lichtspitze einer Großstadt aufzufangen, waren unvorstellbar große Batterien notwendig. An seine Stelle tritt da wo es die Verhältnisse gestatten, in zunehmendem Maße das Pumpspeicherwerk, der hydraulische Akkumulator. Der Westen Deutschlands ist wie von einem riesigen Spinnennetz von einem Gewebe von Höchstspannungsleitungen überzogen. Dicht bei Köln ist der Mittelpunkt dieses Netzes, voMhier geht es rheinauf und -abwärts mit 100 000 Volt, nach Osten ins Westfälische hinein mit 220 000 Volt und nach Süden über Mannheim, Stuttgart in die Vorarlberger Alpen und zum Oberrhein gar mit 380 000 Volt. An diese 380 000-Volt-Leitung ist auch das Schluchfeewerk angeschlossen. Dampf- und Wasserkraftwerke von vielen hunderttausend Kilowatt Maschinenleistung schicken ihren Strout in dieses Leitungsnetz, das ihn an den größten Teil der rheinisch-westfälischen Industrie weiterliefert. Auch dieses gewaltige Leitungsnetz hat feine Spitzen, die plötzliche Inbetriebnahme von Maschinen notwendig machen. Aber nicht mehr müssen dazu Kessel angeheizt und unter Feuer gehalten werden. Ein telephonischer Anruf von Brauweiler bei Köln nach Häusern im südlichen Schwarzwald genügt. Bis hoch hinauf an die Tal- Hänge wird der Schluchsee angeftaut sein, 30 Meter über dem jetzigen Seespiegel soll das Wasser stehen. Von der Mitte des langgestreckten Schlauches aus, wohl 20 Meter unter dem künftigen Wasserspiegel aber führt ein Stollen 10 Kilometer weit durch den Felsen des Habsberges, bis er im Schwarzatale oberhalb von Häusern zutage tritt. Von dort fuhren eiserne Druckrohrleitungen riesigen Umfanges in senkrechtem Absturze auf den Grund des Schwarzatales, ins Kraftwerk Häusern. Auf den Anruf aus Brauweiler hin werden die riesigen Absperrschieber gezogen, das Wasser des Schluchsees strömt durch die Leitungen, die Turbinen beginnen sich zu drehen, und haben im Zeitraum von Minuten ihre volle Geschwindigkeit erreicht, die Stromlieferung beginnt. Der hydraulische Akkumulator arbeitet wie der elektrische augenblicklich. Ist aber die Spitze vorbei, so werden die Schieber geschlossen, die Turbine steht, eine Nachwirkung ist nicht vorhanden. Das den See entnommene Wasser aber läuft nicht mit der Schwarza zu Tale, sondern wird in einem besonderen Gegenbecken aufgefangen. Des Nachts aber kehrt sich die Arbeitsweise um. Dann wird das Schluchseewerk Plötzlich zum Stromverbraucher. Dieselben Maschinen, die vorher als Generatoren liefen und Strom in die Leitung sckickten, werden nun zu Motoren, die riesige Pumpen antreiben. Diese drücken dann das Wasser aus dem Gegenbecken durch die Rohrleitungen wieder hinauf in den See. Und am nächsten Tage kann er von neuem feine Rolle als hydraulischer Akkumulator spielen. Denn der Nachtstrom, mit dem die Pumpen angetrieben werden, ist nichts wert, weil um die Zeit alle Elektrizitätswerke schlecht belastet sind und leicht Strom abgeben können. Der Spitzenstrom, den die Turbinen liefern, ist aber höchst wertvoll, weil er sehr begehrt ist. So wird ein Abfallprodukt in ein hochwertiges Erzeugnis verwandelt. Das ist der Sinn des Schluchfeewerkes. hl'sche Universitäts-Buch-- und Steindruäerei. L. Lange, GieM verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Berlag: Brü den letzten Weizen verschlangen. . Beim Zehnuhrläuten war der Hannwilm wieder in seiner Stube. Die Neumüllerin brachte ihm das Frühstück. „Ich hab was mit dir zu schwätzen", fing sie an. Der Hannwilm hob die Brauen. „No?" Oer Schlund. Roman von Alfred Bock. (Fortsetzung.) 8. Der Sanitätsrat, nachdem er den Neumüller mehrere Wochen nicht gesehen hatte, fuhr vor, untersuchte den Patienten und äußerte seine Zufriedenheit. Der Hannwilm bestätigte, daß ihn Husten und Atemnot minder belästigten. . ... „ „ Machen Sie von setzt ab bei schönem Wetter einen kleinen Gang , riet der Arzt. „Danach legen Sie sich hin, daß Bewegung und Ruhe gleichmäßig verteilt sind. Gehn Sie langsam die Treppen hinauf. Keine Unvorsichtigkeit. An der Krankenkost halten Sie nach wie vor sest! Aus dem Hof traf der Sanitätsrat die Neumüllerin. „Ihr Mann ist allem Anschein nach über den Berg. Ich denke, daß er bald wieder im Geschäft sein kann!" Die Neumüllerin erblaßte. Die Worte des Doktors bedeuteten nichts Geringeres, als daß ihr, die in der Mühle unumschränkt herrschte über kurz oder lang die Zügel aus der Hand genommen wurden. Ein Gluck, daß sie ihr Geld — es waren nahezu dreißigtausend Mark — beiseite geschafft hatte. Im Weißzeugschrank war freilich dafür auf die Dauer nicht der geeignete Platz. Wie sie das Kapital anlegte, darüber wollte sie sich bei ihrem Vertrauensmann, dem Leopold Falk, Rats erholen. Der Falk war verschwiegen und ausklugiert. Und noch etwas andres. Wenn der Hannwilm gesund war, schasste er sich das Gerenn zur Wecklersanna wieder an. Daraus konnte man schwören. Pläne wurden ausgeheckt, der Karl der Bankert, war's, der dabei gewann. Da galt's vorzubauen. Der Helene Kampmann Erholungszeit war nun bald um. Bei erster Gelegenheit gedachte die Neumüllerin ihrem Mann zu erklären, daß sie ihre Pflegebefohlene, die ihr lieb, ja unentbehrlich geworden war, nicht mehr von sich ließ. Blieb die Helene aus der Mühle, nahm man sie an Kindes- statt an. Der Hannwilm würde sich auf die Hinterbeine stellen. Es war eine harte Nuß. Wenn auch. Die Neumllllerin war entschlossen, ihren Willen durchzusetzen. Mochte es biegen oder brechen. Als der Hannwilm, zum erstenmal nach Monaten, sich im freien erging hatte er Gliederschmerzen. Doch die verloren sich. Er wanderte zum Pfaffenteich. Begierig atmete er die frische Luft. Er hatte das Ge ühl, er würde seine Kräfte wieder erlangen. _ r Auf der Pfingstweide hütete der Schäferkapper seine Schafe. Sobald er des Neu.vüllers ansichtig wurde, kam er, sich auf seine «chuppe stützend, herbei. , _. ,r, ... Ei, ei, der Hannwilm! Hast du dich herausgerappelt? Das t|t recht! Der Doktor nimmt das Geld, und die Natur tut das Beste. Ist s net fo? Er klagte, daß die böse Zeit auch seine Schafe verfolgte. Früher waren sie schneqelfett. Und jetzt? Daß Gott erbarm! Die Jährlinge und trächtigen Tiere follten Oelkuchen erhalten. Die waren schandmaßig teuer. Das Geld dafür war nicht zu erschwingen. Unter den Lämmchen gab es Taumelköpfe. Manche waren so schwach, daß sie bald nach der Geburt getötet werden mußten. 2(n all dem war das schlechte Futter schuld. Der Schäferkapper seufzte. Er hatte den Pferch helmzugeschlagen. Mit der Weide war's vorbei, zumal er etliche Tiere hatte, die nur langes Gras abbeißen konnten. Diese Woche ging's in die Winterquartiere. Niemand wollte die Schafe in der Leihe haben. Die Futtervorrate waren zu gering. Das Brockwerk, das in den Trog geschüttet wurde, war keinen Schuß Pulver wert. „,... , . „ . Langsam, den Kopf vorgeneigt, schritt der Schäfer zu seiner Herde ^^Nahe beim Pfaffenteich holte den Neumüller ber Schollehupper ein. Der wollte nach Oppenrod, wo er Geld ausstehn hatte. Er war die lebendige Dorfchronik und packte gleich allerlei Neuigkeiten aus. Die Schwalbskarline, deren Mann ein großer Drückeberger war entblodete sich nicht, vor den Leuten zu platschen: „Wann sie mein Schorsch nur net enaus schicken. He is gar jähzornig. Und wann die Wut über ihn kommt, schlägt er alles kurz und klein!" Auf die Entgegnung so einen Rauschebeutel könne man im Feld gut gebrauchen, sagte sie: „Ei du liebes Gottche, die Engländer und Franzosen sind doch auch Menschen! Beim Sandhannes war ein Herr aus Frankfurt gewesen, Eier zu Hamstern. Er bekam sie und zwar zu schwindelhaft hohem Preis. Darauf zog er einen Hundertmarkschein aus der Tasche. Ob der Sandhannes wechseln könne? Der antwortete: „Nee!" „'s macht nichts , sagte der Herr. „Sie können den Schein einstweilen behalten. Ich komme schon wieder! Und marschierte mit fünfzig Eiern im Rucksack ab. Der Sandhannes trug den Hundertmarkschein in die Stadt. Auf der Sparkasse hörte er, daß der blaue Lappen gefälscht war. Ein Gauner hatte den andern dran gekrregt. Letzte Nacht hatten Diebe dem Gemeinderechner einen Besuch abgestattet, hatten Geld, Lebensrnittel und Wäschestücke geraubt. Eben nahm der Bürgermeister mit zwei Gendarmen die Besichtigung des Tatorts vor. Viermal war im Laufe dreier Wochen im Dorf eingebrochen worden. Das erzählte der Schollehupper unter lebhaften Gebärden. „Vordem", schloß er, „hat die Furcht die Häuser behüt. Das gibt s alleweil net mehr. Und das End vom Lied? s geht alles kapores! Der Neumüller kehrte um. Er sann den Worten des Alten nach. Der hatte recht, es ging alles kaputt. Draußen tobte der Kriegä trieb die Völker zur Verzweiflung, daß sie auf immer scheußlichere Mittel verfielen, einander zu zerfleischen. Daheim war s bald soweit, daß keiner mehr lebte und handelte, wie er’s vor seinem Gewissen verantworten konnte. Die Welt war ein großer Acker, darauf Disteln und Unkraut „Nach dem, roie's der Bürgermeister bestimmt hatt, müßt die Helene Kampmann in vierzehn Tag heim." „Ja und?" „Ich gedenk sie zu behalten." „Wodefür?" .„Für mich!" „Für dich?" „Jawohl, 's ist ein lieb Mädchen und treu. Du weißt net, wie einer Frau zumut ist, die keine Kinder hat." „Das wär schlimm, wann ich mir das net vorstellen könnt." „Ganz dadevon abgesehen, ich brauch eine Hilf." „Die Karnprnann schwefelt den lieben langen Tag im Dorf herum. Ist das eine Hilfe?" „Daß sie sich erholt, dadefür ist sie etz hier. Wann's sein soll, kann ie auch schaffen." „Zur Hilf magst du dir sonstwen nehmen. Eine vom Schlag wie die Kampmann bleibt mir net auf der Mühl." „Was hast du dann gegen das Mädchen?" „Ich kann sie net ausstehn. Und so eins während im Haus zu haben, geht mir wider die Natur." Aus den Augen der Neumüllerin sprühten Funken. „Ich hab mein' Gusto. Du hast dein'. Und hast dich dademit beschmuttelt!" Der Hannwilm erwiderte nichts auf den Hieb. Er trat ans Fenster. Nach einer Weile wandte er sich um. „’s ist mir schon lang drum zu tun, daß ich emal mit dir dischkerier. Sei net muffig und horch zu!" Die Neumüllerin, einen verbissenen Zug um den Mund, verschränkte die Arme und sah ihren Mann scharf an. „Der Brustschuß", sprach der Hannwilm klar und gewichtig, „hat mir arg zugesetzt. Wie elend ich war, dadevon macht sich keins lein’ Begriff. Ich dacht net, daß ich noch emal aus der Dachtrauf könnt. Alleweil spur ich's, die Wund heilt aus, der Körper hat sie übernommen. Ich so,ätz, ich bin durch. Knall und Fall werd ich kein’ Mehlsack schleppen. Ich muß langsam tun. Ehnder ich in die Mühl geh, liegt mir's an, daß zwischen uns zwei reiner Tisch gemacht wird. Wahrscheins wär alles anderster kommen, wann die Henn hier net vor dem Hahn gekräht hält. Was ein ordentlicher Hausstand ist, babrin ziehen Mann unb Frau an einem Seil. Ich hab bir ben Willen getan, weil ich meine Ruh haben wollt vor beinern Kritteln unb Schnauben, ’s hott nix gebatt’. Manchmal bacht ich, lieber im Stall schlafen beim Vieh, als in einer Stub mit bir. Am liebsten wär ich fortgemacht. Je weiter in bie Welt hinein, besto, besser. Darsst mir’s glauben, Christine: nur in bem Heibenleben, wie ich s hatt, tonnt’s passieren, bah ich zur Wecklersanna gangen bin. Daß ich's getan hab, fällt auf mich, und ich brenn mich net weiß. Du hast mir s genug in die Naf' gerieben. Wie du alsfort bie Geschichten auswärmst, wie du knaschelst und kippelst, das ist zum Verzweifeln. Was es heißt, ein in die Geduldsbrüh tunken, das hast du mir gründlich beigebracht. Ginmai reißt bem größten Bamdel ber gaben. So kann's, weiß Gott, net roeiter- qehn. Ich frag bich, wie soll's werben? Ich bin net giftig und red znm Guten. Wodrurn dreht sich's in der Eheschaft? Daß eins dein andern nachgeben tut, unb baß man zusammen reblich schasst. Ich, Christine, hab's ehrhaft vor. Hab bu etz auch ben guten Willen, ernachert hort bas Stocheln auf. Unb wann's emal räuchert, ist mir’s net angst, wir wer« ben’s schon wieber ins Gleiche bringen!" , Der Hannwilm ließ sich erschöpft auf ber Ofenbank nieder. Die Neumüllerin stand wie stecksteif gefroren, nur in ihren Augen war ein Flackern. Worauf lief fein Gefeif hinaus. Er war murb, er wollte Frieden. Er sollte ihn haben. Sie knüpfte aber ihren Beding daran. „Daß ich in meiner Eheschaft schlecht ankommen bin", entgegnete fie, ohne ihre Haltung zu ändern, „dadevon geht kein Riwwelche ab. Kumedi, soviel kennst du mich, spiel ich net. Desfetwegen brauchen wir net zu r ab aftern. Was an mir liegt, sollst du dein' Frieden haben. Wann Mann und Frau einig sind, tut eins dem andern auch ein’ Gefallen. Die Kamp- mann ist mir ans Herz gewachsen. Laß mir die hier!" Der Hannwilm stand auf. Stellte sich fest auf die Füße. „Ein für allemal, Christine, da geb ich net haardick nach! ' Du Maulschwätzer", brach sie los, „du Kanuff. So aftemierft bu mich? Ich will dir sagen, was du im Stroh hast. Du gedenkst dm Bankert hier einzufetzen. Liber ich versicher dich hoch und Heisig: ehnder das geschieht, steck ich bie Bub an!" De/fiannwilm machte auf. Es war ber Lehrer, ein Mann in gesetzte« Jahren mit hoher Stirn unb schlanken Händen. „Frau Schüttler", wandte er sich an die Neumullerm, Sie hab-« ben Fragebogen über die Helene Kampmann ausgesullt. Darm s Nt sie beträgt sich musterhaft, zeigt sich dankbar und ist -" ihren Sa-h ordentlich. Sie haben das in gutem Glauben geschrieben. Ich muß Ihm im Austrag des Bürgermeisters die Mitteilung machen: bie „Kampim« hat spätestens morgen Ihr Haus und das Dorf zu verlaßen. „Warum?" fragte die Neumüllerin.sich verfärbend. „Die Kampmann", versetzte der Lehrer, „hat sich als ein ganz derbtes Geschöpf entpuppt. Sie hat sich an den Karl Weckler W geschlängelt und hat nicht geruht, bis sie ihn im Garn gehabt hat. Die Neumüllerin nahm eine herausfordernde Miene an. „Wie soll man das verdeutschen?" „Die Kampmann hat den Weckler verfuhrt , gab der Lehrer AuskuS „Er war ein Schüler. Ich hab ihn als gut geartet unb durch und dum anständig kennengelernt. Leider ist er den Verfuhrungskunsten Bochumerin erlegen. Er hat sich das so zu Herzen genommen W» » obwohl er erst übers Jahr zur Musterung kommt, freiwillig hem ö“ Militär gegangen ist." ' (Fortsetzung folgt.) Eine Kurivsui fie als c 18. Jahr! Theresia men unt Es ifl vergißt, Ocsterrei Schwert Rcichsgej Herrschaft Oesterreic reichische, deutschen die österr mit ihre» Dentschlo wohl not Opfermut Bestand i lau unb schloß der etwa in c dieses La, _ Als T ben ©affe bieburt ei seinem ge in einer l bis zur V an D0N jk Alarm Ti wie jenes e>n kurbrc Menb e Avßschrvei