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Es gehl wohl anders, als du meinst: Derweil du rot und fröhlich scheinst, ist Lenz und Sonnenschein verflogen, die liebe Gegend schwarz umzogen: und kaum hast du dich ausgeroeint, lacht alles wieder, die Sonne scheint — es geht wohl anders, als man meint. * * Herz, in deinen sonnenhellen Tagen halt nicht karg zurück! '»lllroärts fröhliche Gesellen trifft der Frohe und sein Gluck. Sinkt der Stern: allein« wandern magst du bis ans End' der Welt. — Bau du nur auf keinen andern als auf Gott, der Treue hält. * Die Lerche grüßt den ersten Strahl, daß er die Brust dir zünde, wenn träge Nacht noch überall durchschleicht die tiefen Gründe. Und du willst, Menschenkind, der Z: verzagend unterliegen? Was ist dein kleines Erdenleid? Du mußt es überfliegen! Legende vom Kreuz. Von Kurt Münzer. Ich wanderte durch das gottverlassene Land, das der Krieg zerstört hatte, und kannte das einst in seiner Ueppigkeit geliebte nicht wieder. Wo einmal dunkle Wälder mit Tannenduft und scheuem Wild, mit Sögeln und blumigen Lichtungen meilenweit gelagert hatten, war un- sruchtbare nackte Ebene. Obstbaumalleen, Akazienreihen an weißen Straßen waren ohne Spur verschwunden. Der aufgewühlt« Sand hatte noch die wunden Stümpfe der Bäume bedeckt. Und statt der grün und golden wogenden Felder war kümmerliche Saat im Boden, dessen Humus die Granaten in die Tiefe gewirbelt und Steinbrocken und Lehm statt dessen hinaufgezogen hatten. Um so wunderbarer schien es mir, auf einem Hügel, unweit einem neuerbauten, trostlos armseligen Dorf ein Bauerngut zu sehen, das im Schein des Abendlichtes wie eine Vision aus vergangener blühender Zeit »schien. Linden beschatteten es, uralt, üppig blühend. Mich nähernd, horte ich den Chor der Bienen, die die heiligen Wipfel frohlockend und preisend umschwärmten. Ein Garten quoll über von Phlox und Lilien, Rosen, Balfaminen und Nelken. , Di« sinkende Sonn« zögerte in den Fenstern, Rauch kräuselte sich wie »ne stumme sanfte Melodie in die Musik dieses plötzlich glücklich und sromm gewordenen Abends. Den Hügel hinab wogte Weizen, blau Mprentelt von den Blumen, die des Himmels schönste Farbe eingesogen Men. An Spalieren hingen Früchte in Menge, Hühner sammelten ihre Wen, ein Hund kenn mir gastfreundlich entgegen, und neben einem weis auf der Ofenbank saßen drei Kinder, blühend wie diese Oase im verwüsteten Land. .2tber vor der Tür ins Haus stand ein übermannshohes leeres Kreuz Mfgerichtet. Aus dunklem rissigem Holz, schwer und wuchtig, war es roh tommert, fast gefährlich ragte es mit feinen harten Balken über ein «et weißer Federnelken, die da wucherten und dufteten, als gälte es, er Symbol zu bringen. j, ad) mürbe freundlich im Haufe empfangen von den jungen Eheleuten. Mann war damals heil aus dem Kriege zurückgekehrt und hatte „'.W im zerstörten Lande Haus und Frau, Kinder und Vater unversehrt Ki' -in Vliihen und Wohlstand. Und «he ich in die Kammer zur Kur geführt wurde, erzählte mir die Frau die wundersame Geschichte ^glücklichen Fleckchens Erde. m Xer Ee Vater saß dabei und sah auf ihren Mund und nickte zustim- un!) lächelnd. Er war seit kurzem taub geworden. Die Kinder g.“ft der junge Vater schnitzte Löffel und Quirle, und der Mond warf -?chE«n des Kreuzes über die Bank, auf der wir saßen. on _i)ötte ich die Geschichte dieses Kreuzes. die <)rrr "Cln$ roar im Lande. Seine Kugeln mähten die Wälder nieder, aiieen, wühlten die Aecker um. Die Bauern flohen, Angst und Schrecken peitschten sie aus der alten Heimat fort, die sich von. Tag zu Tag schrecklicher in unfruchtbare Wüste verwandelte. Nur der alte Bauer hier oben mit seiner Schwiegertochter und den drei kleinen Buben wollte sein Vatergut nicht im Stiche lassen. Die junge Frau widerriet nicht, sie gingen dem Tag und der Arbeit nach und vertrauten sich Gott. Einmal hatte der alte Bauer in der Stadt zu tun, die zwei Stunden weit fort am Fluß lag. Am Abend kehrte er zurück, und es war noch hell, September war es, heiß und dunstig, als er den Kreuzweg erreichte, der eine Stunde von hier am damaligen Waldrand lag. Dort stand seit Urgedenken ein riesiges schwarzes Kreuz, von Jahr- hunderten verwittert und zerrissen, doch zäh, unzerstörbar. Es war leer, trug keinen Gesalbten an seinen Armen und galt von je als Wahrzeichen wie als Schutz der Gegend. Nun fand der Alte dieses Kreuz von einer Kugel umgebrochen, sein Schaft war zersplittert, es lag im Sande, groß, schwer, düster, wie die gestürzte Gottheit selbst. Da erbarmte es ihn, dieses alte heilige Holz so im Staube liegen zu sehen, bestimmt, verweht zu werden, bedeckt vom Flugsande, nach Jahrhunderten stolzen, demütigen, gnädigen Lebens ein Opfer der Straße. Und er nahm, wie einstmals der Herr, das Kreuz auf sich und beschloß, es heimzuschleppen aus diesem aufgegebenen Bezirk des Landes in fein heut noch sicheres Heim und es dort wieder aufzupflanzen zu Fortbestand und Segen. Der alte Bauer war schon längst von harter Arbeit müde, gebückt und schwach geworden. Er hatte seine Kraft dem Leben, dein Felde, den Nachkommen gegeben. Und er bedachte nicht, welch unmögliche Last er mit diesem riesigen schweren Kreuz auf seine schon so gebrechlichen Schultern nahm. Er brach zusammen, als er endlich das Holz gelupft und sich auferlegfr hatte. Aber mit stillem Gebet, mit Liebe, mit Ehrfurcht und Dank ftemmte er sich empor und begann, die Arme um das Querholz geschlungen, den gewaltigen Schaft den Berg heraufzuschleifen. „O Herr", dachte er, „nun erst weiß ich, wie schwer du dir deinen Tod verdienen mußtest. Laß ihn auch mir leicht werden, Herr, und laß mich zu dir eingehen." Und ganz in tiefsten Gedanken an Jesus schleppt« er seine heilig« Last aus Untergang und Vernichtung der neuen Aufrichtung zu. Aber seine Kraft versagte bald. Es galt, eine Stunde weit dieses Kreuz zu tragen. Di« Nacht fiel nun schon ein, blieb heiß und dunstig. Seine Arme erlahmten, seine Kni« versagt«n, und schließlich brach sein, alter Rücken unter der Last. Da, ehe er niedersank, sich und die Rettung des Kreuzes aufgab, bat et den Herrn um Vergebung, daß seine Kraft nicht reichte, ihm zu dienen, und «r jammerte, daß er nun auf offenem Wege müsse das Kreuz liege« lassen und also sein frommes Beginnen unvollendet. Und wie seine alten Augen von Tränen der Scham und des Erbarmens überfloffen, er die Arme sinken ließ und der Ermattung nachgab, da spürt« er' plötzlich, wie die starren Kreuzesarme weich und warm wurden, ihn liebreich umfaßten, hielten, auf richteten; der starre Schaft wurde lebendiger atmender Leib; er hob ihn empor, und — wie eine Mutter ihr Kind — trug eine himmlische Gestalt ihn, den Alten, in sanften wiegenden Armen dahin, schnell und sicher, geborgen, zärtlich und still. Der 2(lte rührte sich nicht; wie ein Kindlein kam er sich vor. Er satz nur Schimmer um sich, darin ernste milde Augen, deren Blick ihn wie Kirche und Feiertag umfing. Er lag an einem schlagenden Herzen, in dessen Takt sich sein ganzes Leben wie ein frommes Lied loste. Die Lüfte wurden kühl, umwehten ihn lind und frisch, er spürte Duft und Wohlgeschmack, alle Beschwerde verließ ihn, und noch strömte wunderbares Behagen, Ruhen im Sein, Denken im Frieden. So trug ihn, statt daß er trug, das leibhastige Wunder die Stunde Wegs, die Landstraße, den Hügel hinauf. Inzwischen war es Nacht geworden; die Schlacht im Osten schwieg, kein Kanonendonner erschütterte das feierliche Schweigen der aufgegangenen Sterne. Vor der Tür des Hofes ließ es den Alten hinabgleiten, sanft und wohlig; er sah in einem Fenster Licht, da wartete die Schwiegertochter auf seine Heimkehr. Plötzlich stand er wieder auf seinen Füßen, frisch und ausgeruht, und auf seinen Schultern tag das schwere große Kreuz, so leicht und sanft, als wäre es Wolke und Flaum. Bauern bestätigten jpäter feine Erzählung dieses Wunders. Sie wollte« in jener Nachtstunde auf der dunklen Landstraße einen wandelnden Schimmer gesehen haben, einen ziehenden Glanz, über dem Sterne im silberne« Licht mitgewandert wären. Das Kreuz aber wurde vor dem Tor des Hauses in den Boden gerammt, und von der Stund« an blühte das Gehöft auf. Während rinqsum im Lande alles von zerstörerischen Kugeln und Granaten nek, verschonten die Geschosse diesen blühenden Hügel. Den Linden wurde kein Ast geknickt, kein Kornhalm versank im aufgewühlten Acker. Aus den fallenden Wäldern retteten sich die Vögel in die hier unversehrten Bäume. Aus allen verwesenden Gärten kamen die Bienen diesem ^01119= ländchen zugcflogen. Feindliche Soldaten zogen am Fuße des Hügels vorbei, als entzöge ihnen öine Mauer das fruchtbare Anwesen. Wie mit Blindheit geschlagen, sah kein Mann den fröhlichen Rauch der Schlote Die Kinder gediehen in diesem gottgesandten Segen, das Gebet der Frau hatte Wirkung, und der Mann kehrte unversehrt heim. Nur der alte Bauer verlor die Sprache, und, wie er sich verständlich zu machen suchte, darum, weil er sich zu üppig des Wunders und der Gnade gerühmt hatte. „ , t . Deshalb lächelte er mit seinen) zahnlosen Greisenwiinde zustimmend und befriedigt, weil die junge Frau mit wenigen schlichten Worten mir das Begebnis erzählte. Er nickte mit dem Kopf, und im Mondschein sah ich in seinem alten Gesicht den Glanz, das Glück-, die damals cs verklärt haben mochten, als das ungefügige Kreuz ihn wunderbar heimtnrg. Die Luft der Nacht ging kühl und frisch, die Sterne blitzten, die weihen Nelken am Kreuzsuß dufteten, daß ich auch di« Wonne zu kosten meinte, die der Greis in jener Wundernacht erlebt hatte. Der Mond stieg höher, der Schatten des Kreuzes sank vor uns, und ich sah in den unendlichen Raum mit Gefühl, das aus dieser seligen Unendlichkeit stammt. Als Luther in Augsburg war ... Bilder aus der Vergangenheit Augsburger Lrttherflätten. Augsburg und Luther! Zwei unzertrennliche Namen. Man ist gewohnt, wenn man die Zeit der Reformation vörüberziehen Iaht, m erster Linie an Erfurt, Eisenach und Wittenberg zu denken. Sieben Dutzend deutsche Orte rühmen sich, der Reformation ihre weltgeschichtliche Bedeutung gegeben zu haben. In Triaden eingeteilt leuchtet ein Dutzend vor allen anderen aus der großen Zahl: Wittenberg, Eisleben, Erfurt; — Mansfeld, Worms, Eisenach; — A u g s b u r g, Leipzig, Magdeburg;— Marburg, Schmalkalden, Coburg. In dieser Zwülfzahl nimmt Augsburg wieder einen besonderen Rang ein. Gab beispielsweise Erfurt als Großstadt, Universitätsstadt, Klosterstadt dem jungen Luther, nachdem er im April 1501 in die Mauern der Stadt eingezogen war, reichlich Gelegenheit, die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zeitprobleme 311 beobachten, war Wittenberg der Platz, in dem der Universitätslehrer Martinus Luther zuerst die leuchtende Fackel erhob, so ist Augsburg zu der Stätte geworden, in der nicht nur der große Reformator wiederholt persönlich weilte, sondern wo die Reformation, die evangelische Lehre und der evangelische Glaube überhaupt durch die „Confessio Augustana" den fundamentalen Unterbau erhielt. Früh schon hatte Luther erstmals Augsburg aufgesucht; 1512, als der Mönch in schwarzer Kutte von Süden heimwärts pilgerte aus der Stadt des Papstes. Zum zweiten Male kam Luther nach Augsburg, als dort 1518 Kaiser Maximilian Reichstag hielt und Luther sich vor dem päpstlichen Gesandten, Kardinal Kajetan, wegen des Anschlagens der Wittenberger Thesen verantworten sollte. Krank und ohnmächtig war damals der Wittenberger Mönch von einem Bauernfuhrwerk auf der Straße zwischen Donauwörth und Augsburg aufgelesen und vor der Holzbrücke über Wertach abgesetzt worden. Wertachbrucker Tor. Das Wertachbrucker Tor ist somit das erste Mahnzeichen, das uns an Luther erinnert und durch das mit ihm die Reformation in Augsburg Einzug hielt. Schon im Jahre 1282 wird die Wertachbrücke in Augsburgs Geschichte erwähnt, als die Stadt mit dem Bischof in Streit geraten war wegen des einzuhebenden Zolles.. Wann das Tor gebaut wurde, steht nicht fest; es ist ober eines der ältesten Gemäuer. Durch seinen Torbogen nahm der gesamte von Norden herflutende Verkehr seinen Weg. Es werden also nicht nur Luther und Melanchthon und seine Glaubensgenossen, sondern alle die Fürsten, die sich zum Reichstage-1518 und 1530 versammelten, durch dieses Tor in die Stadt eingezogen sein. Augsburgs berühmter Stadtbaumeister Elias Holl hat dann anno 1605 das Tor um zwei „Gaden" erhöht. Heute noch ist das Tor eines der schönsten mittelalterlichen Prunkstücke. Auf massivem Unterbau steht der obere Teil in mächtiger Gliederung, gekrönt von einem Zeltdach mit schlankem, laternenförmigem Auf- s«st- Aus den niedrigen und breiten Oeffnungen mögen die Geschütze getrotzt haben. Der ganze Bau ist von seltener Einheitlichkeit und Mächtigkeit. K a r m e l i t e r k l 0 st e r b e i -S k. Anna. Jin Kloster von St. Anna, dem jetzigen Pfarrhaus der Anim- Gemeinde, hat Luther mit seinen Begleitern, Leonhard Bayer aus Wittenberg und WenzeslaUs Link aus Nürnberg, Herberge genommen. 2bus Briefen wissen wir, daß der Prior des Karmeliterklosters, Johannes Frosch, der 1514—1516 in Wittenberg studierte und unter Luthers Präsidium den Licentiaten der Theologie erlangt hatte, Luther liebevoll aufgenommen hat. Von hier aus trat Luther am Dienstag, dem 12. Oktober, den schweren Gang zu Kardinal Kajetan an. Sechs Buchstaben nur forderte der Diener des Papstes: „Revoco", d. h. „ich widerrufe". Luther aber stellt nur das „Salva scriptura", d. h. „mit der Bibel muß es stimmen" dem päpstlichen Würdenträger entgegen. 24 Stunden Bedenkzeit wurden gegeben. Als Luther auch am Mittwoch schwieg, herrschte der Kardinal ihn an: „Gehe und komme nicht wieder, ohne zu widerrufen". Eine Tafel ist zur Erinnerung an den Aufenthalt Luthers im Kloster- Hof angebracht. Das Kloster samt Kirche ist aus ersammeltem Geld der Bürgerschaft erbaut. Von Bischof Friedrich Späth von Turneck war es 1321 den Karmelitern eingeräumt worden. Diese Geistlichen, auch Frauenbrüder genannt, traten als erste 1526 zur Reformation über und verließen 1534 ihr Konvent. S t. Anna-Kirche. Mik 8er Geschichte des St. Anna-Klosters aufs innigste verknüpft, i(t die der St. Anna-Kirche, die ebenfalls 1321 von Bischof Friedrich Sxüth von Turneck den Karmelitem gewidmet wurde. 1460 zerstörte ein Brand Kloster und einen Teil der Kirche, doch rasch war die fromme Stätte wieder aufgebaut. Schon 1424 war von Konrad und Afra Hirn die St. Egidius-Kapelle angebaut worden; 1429 bis 1889 war diese Kapelle im Besitz der Augsburger Goldjchmiedczimft und hieß' fortan Gold- schmiedekapelle. Den Freskengemälden kommt bei der Seltenheit gälischer Wandmalereien besondere Bedeutung zu. Den westlichen Abschluß des Mittelschifses der j)aupifirdx bildet die Fuggersche Grab ka pelle, 1509 bis 1518 erbaut. Sie ist von überragender Bedeutung als erstes Werk der Renaissance auf deutschem Boden. Der wichtigste Schmuck sind die vier Epitaphe des EhorabschlWz und die Figurengruppe der Beweinung Christi, mit dem stehenden Heiland als Seltenheit, ist eines der edelsten Kunstwerke. Die Namen eines Albrecht Dürer, Burgkmair und D a u ch e r sind mit dieser Kapelle verknüpft. Mit dieser Kapelle hat die Kausmannssamilie Fugger nicht nur der deutschen Kunst ein Denkmal gesetzt, sondern der deutschen GeschiG überhaupt, die während des 16. Jahrhunderts von augsdurgischem Geistesmut durchsetzt war. Es ist eine eigenartige Wandlung im geschichtliche. Geschehen, daß das Geschlecht der Fugger, die durch den Ablaßhandel und ihre Geldsäcke aufs engste mit dem Papst verbunden und „scharf wide: die Lutherei" waren, in ihrer von Jakob und Ulrich gestifteten GM- kapelle heute in einem protestantischen Gotteshause ruhen. Jahrhundeck hindurch, nur 1629 vorübergehend durch das Restitutionsedikt unterbrochen steht die St. Anna-Kirche im Gebrauch der evangelischen G- meinde. Während des Reichstages 1530 war die Kirche Kaiser Karl V. cingeräumt, um ihn günstig zu stimmen. Ueberaus malerisch ist der Blick auf das ehrwürdige Bauwerk. (£vgen= artig ist die Baugliederung mit dem qucrgestellten, unten quadratische», oben achteckigen Turm mit seinem Kupscrdach; ebenfalls ein Werk des Elias Holl. Das Türmchen der Goldschmiedekapellc schmiegt sich mit schutzsuchend der Kirche an die Seite und eine Weide hängt träumerisch ihre Zweige über die Mauer des Hofes. Lu t he r h ö f l c. Ein Kleinod unter den von Luthers Fuß betretenen Stätten ist ins Luiherhöfle. Wir wissen, von wie einschneidender Bedeutung das 1321 von Bischof Friedrich Späth von Turneck gestiftete und nach dem 1460 neuerbaute Karmeliterkloster zu St. Anna seit Ansang der Rchr- maiionszeit für die evangelische «ache in Augsburg und Deutschland mr. Als Luther während des Reichstages 1518 dort bei dem Prior, sei« Freunde Johannes Frosch Herberge genommen hatte, mag er ostmb sinnend den kleinen von Efeu umrankten und bäumebeschatteten Hof mich schritten haben, den man' nun das „Luiherhöfle" nennt. Auch damch als Luther an Weihnachten 1525 zum ersten Male in Augsburg in offen kicher Feier das Abendmahl unter beiderlei Gestalt gespendet Hai, st er nach der heiligen Handlung betend im Hof mit entblößtem Soff angetroffen worden fein. D a hinab ... Nachdem Luther im Oktober 1518, ohne feine Wittenberger Tat rote1 rufen zu haben, den erzürnten Kardinal Kajetan verlassen hatte, m« Luthers Freunde bange um seine Sicherheit. So entschloß sich MM Martinus zur Flucht. Der Domgeistliche Christoph ßan genmantti öffnete ihm in der Nacht zum 21. Oktober heimlich ein Pförtchen in « Stadtmauer. „Da hinab" sollen die Worte gewesen sein, mit W Langenmantel dem aus der Stadt entweichenden Luther den Weg 11» den Graben wies. ........ .. , „ , So erzählt die einheimische Tradition. Geschichtlich ist dieses (£r-W nicht verbürgt; doch ist erwiesen, daß Luther in selbiger Nacht, nm einem alten Knecht begleitet, noch bis nach Monheim geritten >st, erschöpft vom Gaul fiel. Dann gings nach Nürnberg weiter. Zur M» rung an das Geschehnis der abenteuerlichen Flucht Luthers hat«. Bürger, der in der Nähe des Gallusbergleins, den der Volksmmw jener Zeit nun „Da hinab" nennt, wohnte, Luther und ßangennwimi® feine Hauswand malen lassen. Als die katholischen Fugger spater in Stadt wieder obenauf waren, ließen sie das Bild zerflören. Die beim „Da hinab" am ©aUusberg stehende Kirche ift me «W Augsburgs, wie zwei Inschriften auf einem Stein beurkunden. WM soll sie im Jahre 1051 bei der Rückkehr vorn Mainzer Konzil MM haben; 1589 wurde das Gotteshaus erneuert. Außer dein Altar biwi - Kirchlein nichts Merkwürdiges; auf dem Platze aber soll einst em "ll irischer Merkurtempel gestanden haben. Kollegium G t. 21 n n a. Wenn auch nicht mit Luthers Person unmittelbar in Verbi" • stehend, so doch bedeutsam für das Fortschrciten der Reformation 1 Collegium St. Anna. Als im Jahre 1580 durch eine Fuggersche 1 dcr neugegründete Jesuitenorden in die Lage versetzt n>uroe, e ziehungsanstalt in Augsburg zu errichten, taten sich drei 6« burger Bürger und evangelische Kirchenpsleger, Johann H Matthäus Stammler und Adam Rehm zusammen und ,am« unter den evangelischen Bürgern beträchtliche Geldmittel; ein owH, Handwerker, Martin Zobel, hat noch eigens einen größeren zugeschossen. Mit diesen Geldern erwarben sie von Philipp u 1^ unter Verheimlichung ihrer Pläne Haus und Bauplatz und 9" 1582 das „Kollegium", das ist ein Alumneum für cvangmM schiller. Der erste Leiter der Anstalt war D. Georg M y 1 > >• • Als dann während des 30jährigen Krieges den f'L. W Kirchen verschlossen waren, hielten sic in dem geräumigen W » "faiti giums St. Anna" von 1635 bis 1649 ihre Gottesdienste unter 1^ Himmel ab, 14 Jahre lang. Der aus damaliger Zeit uberli ll zeigt den Vorgang eines solchen Gottesdienstes mit “’W eLr «< Epharatshaus, in dem im 1. Stock ein Fenster für den +■' gerichtet war. Heute ist unter diesem Fenster eine Tafel n”J.. M Erinnerung an jene Zeit. Vom Jahre 1799—1829 war dann M ÜK Üt i) SxAH i Brand e Stätte im die Kapelle n @olb= gotischer üldct die ist von deutschem »Muffes n Heiland en eines r Kapelle nicht mit Geschichte n Geistes- chichtlichen anbei und Kirf reibet tcn Grad: hrhunderli >itt unten ischen G r Karl V, erk. (iigen- abratischen Werk des zt sich wie träumerisch ten ist bei } bas 1321 dem Brand der Resna chlanb mir. rior, seinen er ostmal! i Hof durch uch bamals, rg in öfl* >et Hai. |ol ßtem N‘ : Tat mb® jatle, waren sich Br» inmanlei tchen in b« mit mlch» n Weg iibf jes Erlebst cht, nm >»- n ist, w° e Zur Erin«- «rs Hai ® ■Itsntunb |K jenmankl 01 pater in i* st die älteb . Papst L« »nzil tar bietet b« nst ein “ Berbind lation iV Ich- Es de, eine ; cherzte * haind ib iann* ' ongeA stören » ,p FnSS nb griig lisch- W* U 5. ü iteitnnten’ ;"'S* Predigel offen gelaßen, bis der Bayernkönig Ludwig I. sie mit einer zeitgemäßen Organisation wieder ins Leben zurückrief, heute obliegen dort etwa 100 Söhne evangelischer Eltern ihren Studien. Der alte Einlaß. In losem Zusammenhänge mit der Geschichte der Lutherstütten steht der „alte Einlaß". — Kaiser Maximilian, der die Stadt Augsburg und, wie man sagt, auch die schönen Augsburgerinnen besonders ins Herz geschlossen hatte, weilte häufig in der Stadt, die ihm sogar die Ehrenbezeichnung „Bürgermeister von Augsburg" beigelegt hat. Als eifriger Weidmann jagte der Kaiser häufig vor der Stadt. Da kam es denn öfters vor, daß die Nacht hereinbrach und die großen Tor« schon verschlossen waren. Damit der Kaiser mm auch nach der Tor-Sperre ohne großes Aufsehen bei Nacht in die Stadt kommen könne, — wohl mag auch die Jagd nach manchem galanten Abenteuer den „Einlaß" in Bewegung gesetzt haben — wurde 1514 auf sein Betreiben der „alte Einlaß" errichtet. Das war ein Pförtlein in der Mauer zwischen dem Gögginger- und Klinkertor mit einem über den Stadtgraben führenden Steg. Das Tor war mit einer, für die damalige Zeit überaus seltenen Mechanik versehen! ein, nur dem Eingeweihten bekanntes Hebelwerk setzte die ganze Maschinerie nebst Törlein und Fallbrücke in Bewegung. Selbst Königin Elisabeth von England, die sich für dieses Kunstwerk — wer weiß warum — lebhaft interessierte, wurde nicht in die Geheimnisse dieses Einlaßmechanismus eingeweiht. Die Flucht Luthers in der Nacht zum 21. Oktober 1518 vor den Nachstellungen Kardinast Kajetans wird auch auf den „alten Einlaß" übertragen; dem widerspricht die einheimische Tradition, wonach bekanntlich Luther beim „Da hinab" die Stadt verlassen haben soll. — In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurden die wesentlichen Teile der Stadtmauer und des Stadtgrabens eingeebnet; der „alte Einlaß", der in der Gegend des heutigen Stadttheaters gestanden hat, wurde dabei beseitigt. * Mag auch um Stätten, die der hauch der Historie umwittert, sich stets die Phantasie noch freundlich ranken, so wird die Menschheit, solange ihr der Sinn für wahrhaft geschichtliche Größe nicht abhanden gekommen ist, immerdar Ehrfurcht bezeugen vor den ehernen Tatsachen der Vergangenheit. Das „Goldene Augsburg", die Stadt der Römer, der Reichstage, der Renaissance war dazu ersehen, den Schlußstein zu fügen zu dem Werke eines der Geistesgewaltigen, der eine Erschütterung hervorries, wie sie die Welt kaum zuvor erlebt hatte. Oer heilige Wein. Von Josef Friedrich P e r k o n i g. • In einigen herrschaftlichen Kellern des Reiches lagert ein Rheinwein, der seinesgleichen nicht mehr haben soll. Sein Name ist. mir entfallen; nur feine Geschichte, die es erklärlich macht, daß eine einzige Flasche hundert Mark oder noch mehr kostet, ist mir gegenwärtig. Irgendwo am Rhein zog ein kleiner Bauer seine Reben aus einem schmalen Hügel. Er kann aus keiner anderen Erde gehäuft sein als jener rötlich-braunen, die über alle hänge hin zerbröselt ist, und die nämliche Sonne, die freilich aus einem Landstrich ein Paradies macht und aus einem anderen eine Oe de, leuchtet auch über ihm. Und doch geschah es, daß in einem der letzten herbste auf jenem Hügel Trauben reiften, die vor allen anderen die Gnade des reichen Sommers in sich bargen. War es dem Manne, der stets schwer um den Segen der Ernte rang, der sich und fein Haus von einer Lese zur anderen Lese notdürftig erhielt, in einem mythischen Traume verkündet worden, hatte er seine Armut mit einem fröhlichen Aberglauben zu umranken versucht, oder kochte irgendeine Widerglut, gekühlt von geheimnisvollen Winden, doch eine geheimnisvolle Süße in den Trauben gerade dieses Hügels, und fein Besitzer hatte solchen himmlischen Vorrang erahnt, mit dem unheimlich wachen Spürsinn der Men- fchen, die von Wohllaune und Ungnade der Natur abhängig sind, erahnt, — ein Tag, eine Stunde genügten, ihn zu einem Besessenen zu machen. Er wollte einen heiligen Wein keltern, wie er im Lande noch niemals getrunken worden wär, und er schickte sich mit seiner Familie an, alle Handlungen auf dieses glorreiche Ende hin einzurichten. Ein Kult um jede einzelne Beere begann. Es wurde eine tiefe mit andächtigen Fingerspitzen. Und die Beeren sättigten sich an ihrer eigenen schweren Süßigkeit immer mehr; bis tief in den Winter hinein. Dann erst wurden sic gekeltert. Aber nun wollte der dicke Traubensast nicht in Bewegung geraten. Er »erlag sich monatelang als eine träge, überfühte Maische. Und die Rot in dem Hause des Besessenen wuchs. Doch auch der Glaube ist Brot, und so erwarteten sie mit schmerzlicher Ungeduld endlich die Gärung. Aber eines Tages gingen sie weinend hinter dem Fuder Weiki daher, das in die Fremde wanderte. Es hatte den festlichen Tag der Abfüklung in Flaschen in dem nun völlig verarmten Hause nicht mehr erwarten können. Wer unter den auserwählten Trinkern dieses Weines wird die Tränen als einen heimlichen Beigeschmack» auf der Zunge spüren? . Dies ist die sonderbare Geschichte um den einen windigen Rebenberg; leber der Gärten hat seine eigene, und es müßte schon ein gottverlassener Erdfleck fein, an den sich nicht ein Märchen, eine Mythe heftete. Man suhlt es bann im Wein, wie viel an Wunderbarem über seine Heimat in Umrebc ist; die Legende gehört in die Traube wie der Zucker. Götter ruhen auf ihrer Wanderfchast zwischen den Rebenstöcken, heilige treten ?Us Kirchen und Kapellen und wandeln auf umlaubten Wegen, und es ?®nn. 0» das holde Wunder begeben, daß in irgendeinem Berichte von neu Weinhügeln behauptet wird, wie die liebe Frau selber auf diese und ® uiederstieg. Heidentum und Christentum reichen sich über den -Hembergen brüderlich die Hände; hier bezeugen sie, daß sie aus denselben irh iK ^Münden emporstiegen, aus der ewigen Sehnsucht, eine große fv' - . .üreude, einen im Letzten unergründbaren irdischen Segen in hinein zu erhöhen. itoi; entarte und Heiligenkalender sind nahe Verwandte. Neben dem -uychen Lacrimae ch'risti steht die deutsche Liebfrauenmilch, und hinter ihr dann die zahllosen Rheinweine, überhaupt die Weine des deutfch-n Westens; Apostel, Jünger und Kirchenheilige haben sie zu ihren Namenspatronen, und auch die strengsten Asketen und Siegelbewahrer haben niemals darüber geeifert. Es ist, als fänftige der Wein zur Duldung, wie er wiederum, ein sehr diesseitiges Gut, zuzeiten trotzdem die irdischen Bindungen lockert. Denn sonst wäre der Taumel in feinem gefährlichen Dunst nicht möglich, und undenkbar, daß er sogar die Gewalt einer deutschen Gemeinde vorübergehend aufhebt. Im Badischen nämlich ruft ein Bürgermeister während der Wochen, in denen der Ausfchank des „Neuen" wichtiger ist als die ganze zeitgenössische Weltgeschichte, seine Räte zu keiner Sitzung zusammen. Und wahrscheinlich ist er rheinauf rheinab nicht der einzige einsichtsvolle Mann. lieber den Hügeln des Weines steht zeitlose Ewigkeit. Homer sah die Weinstöcke chre Frühlingsliebe verstäuben, nicht um einen haarfeinen Grad anders, als es der rheinische Schifferknecht heute sieht. Der uralte Mond über den reifen Gärten voll Winzergesängen und Gebeten für den jungen Wein ist noch immer die magische Silberscheibe, deren Licht auf dem germanischen Urwald lag. Und der Mensch nimmt die Frucht oder das, was von ihr stammt, in sich, wie feit je, in die tiefen Jahrhunderte hinein wohl immer gedankenloser und undankbarer, in einzelnen, mit der Gabe der Besinnlichkeit Bedachten aber erhöht sich dann der Genuß um so mehr zu einer heiligen.Zeremonie. Und.damit sühnt der eine den raschlebigen Unverstand von Tausenden, die nicht mehr wissen, wie man ein Geschenk empfängt, in dem sich Erde und Himmel vermählen. Und darum darf man nicht auf den schnellen, weltlichen Rheinschiffen die richtigen Weintrinker suchen, nicht in den Schenken am Strom, und trügen sie noch so berühmte Namen. Zu dem heiligen Wein gehört die heilige Einsamkeit, wie sie nur noch einige unbekannte Gasthäuser am Rheine haben. Und mögen die geselligen Kumpane noch so lärmend behaupten, daß man über den Rand d-s Weinglases in ein paar befreundeter oder geliebter Augen blicken müsse, es bleibt darum doch wahr: den wirklich heiligen Wein verträgt nur heiliges Leid oder heilige Freude, und die können nicht anders fein als «infam. Zeitlich über Weinberg, Kelter und Keller steht die Wissenschaft, die Klugheit des erfahrenen Menschen. Dreitausend Jahre Weinbau haben natürlich ihre Gesetze geschaffen, bis in die raffinierte Chemie hinein. Von der frühesten Traubenpresse zur Maschine, di« hundert Hände ersetzt, von dem ersten Maischbottich zum heiligen Gärkeller, vom antiken Weinkauf zur organisierten Weinprobe auf einer der staatlichen Domänen dehnt sich ein unendlich weiter Weg, aber an feinem Anfang und an seinem End« steht die gleiche forgfame Verantwortung vor dem köstlichen Trau- benfaft, steht das unbekannte ober doch unbewußt wirkende Kulturgefühl, das sich ein würdiger Gegenstand noch immer geschaffen hat. Die Weinhauer, von denen uns die Bibel erzählt, wären unter ihresgleichen daheim, wenn sie aus der anderen Welt auf die rheinischen Rebenhöhen entsendet würden. Es ist biblischer Schweiß, der auch hier in die herbe Erde tropft, die sich nur dem immerzu und unbedingt Getreuen ergibt. Es sind dieselben bronzenen Gesichter, di« sich in flehender Stummheit gegen die drohende Wolke wenden, es sind dieselben verkrusteten Hände, für die jeder einzelne Weinstock ein Wesen eigenen Leibes, eigener Seele ist. Von solchen Schweigern, die aus der Mühe eines dürftigen Lebens allmählich in fröhlicher Stummheit mündeten, muß man lernen, was die Dinge reden. Sie verstehen die Sprach« des Weinlaubes und die Lust der Weinbergheimchen, sie Horen eine Musik des Windes, die zu Strom und Straße nicht mehr hinabreicht. Sie wißen den Ton des gärenden Weines, der einen uneingeweihten wohl zu erschrecken vermag, beim es klingt wie das übermäßige laute Schlucken eines Menschen, zu deuten. Man wird neben ihnen in den kühlen, feuchten Domen der Keller, wo sie nur dem Gott Wein zelebrieren, wissend und andächtig zugleich. Auch was der gärende Wein redet, wenn er sich gegen bas Altern aufbäumt, ist einer der Milliarden Dialekte dieser Welt. Sage noch einer in luftiger Verächtlichkeit des Genusses: Wein ist Wein! Wenn er dieses hört, was wenige wißen: Alljährlich, sobald die Rebe blüht, beginnt der Wein, der von ihr stammt, und mag er bann lagern wo immer auf der Erde, sich zu regen; in Heimweh erinnert er sich d-r heimatlichen Hügel, von denen er kam. Diese seltsame Frühlingsgärung klingt Jahr um Jahr immer mehr ab, als vergäße er in dem Kerker langsam feines Schmerzes. Gibt es Lebendigeres als diese Erinnerung? Nein: Wein ist nicht Wein. Wein ist ein Geheimnis. Oie schwarze Spinne. Erzählung von Jeremias G o 11 h e l f. (Fortsetzung.) Dort, oberhalb des Baumes, unter welchem wir gesessen, sollte ein Haus gebaut werden, wie keiner eins hätte in der ganzen Gegend. In hoffärtiger Ungeduld, weil sie keinen Verstand vom Bauen hatten und nicht warten mochten, bis sie mit dem neuen Hause hochmütig tun konnten, plagten sie beim Bauen Gesinde und Vieh übel, schonten selbst die heiligen Feiertage nicht und gönnten ihnen auch des Nachts nicht Ruhe, und kein Nachbar war, der ihnen helfen konnte, daß sie zufrieden waren, dem sie nicht Böses nachgewünscht, wenn er nach unentgeltlicher Hilfe, wie man sie schon damals einander leistete, wieder heimging, um auch zu seiner Sach« zu sehen. Als man aufrichtete und den ersten Zapfen in die Schwelle schlug, so rauchte cs aus dem Loche herauf, wie nasses Stroh, wenn man es anbrennen will; da schüttelten die Wertleute bedenklich die Köpfe und sagten es heimlich und laut, daß der neue Bau nicht alt werde, aber di« Weiber lachten darüber und achteten des Zeichens sich nicht. Als endlich das Haus erbauet war, zogen sie hinüber, richteten sich ein mit unerhörter Pracht und gaben als sogenannte hausräuki eine Kiibi, die drei Tage lang dauerte, und Kind und Kindeskinder noch davon erzählten im ganzen Emmental. Aber während allen dreien Tagen soll man im ganzen Hause ein seltsam Schnurren gehört Haden, wie bas einer Katze, welcher es behaglich wirb, weil man ihr den^Balg streicht. Doch die Kotz«, von welcher es kam, konnte man trotz alles suchens nicht finden: da ward manchem unheimlich, und trotz aller Herrlichkeit lief er mitten aus dein Feste. Nur die Weiber hörten nichts oder achteten sich dessen nicht, mit dem neuen Haus« meinten sie alles gewonnen. .. Ja, wer blind ist, sieht auch die Sonne nicht, und wer taub i|t, hort auch öen Donner nicht. Darum freuten die Weiber des neuen Hauses sich, wurden all« Tage hoffärtiger, dachten an die Spinne nicht, sondern führten im neuen Hause ein üppiges, arbeitsloses Leben mit Putzen und Essen, kein Mensch konnte es ihnen treffen, und an Gott dachten sie nicht. Im alten Hache blieb das Gesinde alleine, lebte, wie es wollte, und wenn Christen dasselbe auch unter seiner Aufsicht haben wollte, so duldeten die Weiber es nicht und schalten ihn, die Mutter aus Hochmut hauptsächlich, das Weib aus Eifersucht zumeist. Daher war drunten keine Ordnung und bald auch keine Gottesfurcht, und wo kein Meister ist, geht es so durchweg. Wenn kein Meister oben am Tische sitzt, kein Meister im Hause die Ohren spitzt, kein Meister draußen und drinnen die Zügel hält, so meint sich bald der der Größte, welcher am wüstesten tut, und der der Beste, welcher die ruchlosesten Reden führt. So ging es zu im Hause drunten, und das sämtliche Gesinde glich bald einem Rudel Katzen, wenn sie am wüstesten tun. Aon Beten wußte man nichts mehr, hatte darum weder vor Gottes Willen, noch vor seinen Gaben Respekt. Wie die Hoffart der Meisterweiber keine Grenzen mehr kannte, so hatte der tierische Uebermut des Gesindes keine Schranken mehr. Man schändete ungescheut das Brot, trieb das Habermus über den Tisch weg mit den Löffeln sich an die Köpfe, ja verunreinigte viehisch die Speise, um boshaft den anderen die Lust am Essen zu vertreiben. Sie neckten die NacPmrn, quälten das Vieh, höhnten jeden Gottesdienst, leugneten alle höhere Gewalt und plagten auf alle Weise den Priester, der strafend zu ihnen geredet hott«; kurz, sie hatten keine Furcht mehr vor Gott und Menschen und taten alle Tage wüster. Das wüsteste Leben führten Knechte und Mägde, und doch plagten sie einander wie nur möglich, und als die Knechte nicht mehr wußten, wie sie auf neue Art die Mägde quälen konnten, da fiel es einem ein, mit der Spinne im Loche die Mägde zu schrecken oder zahm zu machen. Er schtniß Löffel voll Habermus oder Milch an den Zapfen und schrie, die drinnen werde wohl hungrig sein, weil sie so viel hundert Jahre nichts gehabt. Da schrien die Mägde gräßlich auf und versprachen alles, was sie konnten, und selbst den anderen Knechten graute es. Da das Spiel sich ungestraft wiederholte, so wirkte es nicht mehr, die Mägde schrien nicht mehr, versprachen nicht mehr, und die anderen Knecht« begannen es auch zu treiben. Nun sing der an, mit dem Messer gegen das Loch zu fahren, mit den gräßlichsten Flüchen sich zu vermessen, er mache den Zapfen los und wolle sehen, was drinnen sei, und sie müßten einmal auch was Neues sehen. Das weckte neues Entsetzen, und der Bursche, der das tat, ward allen Meister und konnte zwingen, was er wollte, besonders bei den Mägden. Das soll aber auch ein seltsamer Mensch gewesen sein, man wußte nicht, woher er kam. Er konnte sanft tun wie ein Lamm und reißend wie ein Wolf; war er alleine bei einem Weibsbilde, so war er ein sanftes Lamm, vor der Gesellschaft aber war er wie ein reißender Wolf und tat, als ob er alle haßte, als ob er über alles aus wolle mit wüsten Taten und Worten. Er hatte ungleiche Augen, aber man wußte nicht, von welcher Farbe, und beide haßten einander, sahen nie den gleichen Weg, aber unter langem Augenhaar und demütigem Niedersehen wußte er es zu verbergen. Sein Haar war schön gelockt, aber man wußte nicht, war es rot ober falb, im Schatten war es das schönste Flachshaar, schien aber die Sonne darauf, so hatte kein Eichhörnchen einen röteren Pelz. Er quälte wie keiner das Vieh. Dasselbe haßte ihn auch darnach. Bon den Knechten meinte ein jeder, er sei sein Freund, und gegen jeden wies er die anderen auf. Den Meisterweibern war er unter allen alleine recht, er alleine war oft im oberen Hause, dann taten unten die Mägde wüst; sobald er es merkte, steckte er sein Messer an den Zapfen und begann sein Drohen, bis die Mägde zum Kreuze krochen. Doch behielt dieses Spiel auch nicht lange seins Wirkung. Die Mägde wurden dessen gewohnt und sagten endlich: ,Tu es doch, wenn du darfst, aber du darfst nicht!' Es nahte Weihnacht, dis heilige Nacht. An das, was dieselbe uns weihet, dachten sie nicht, ein luftiges Leben hatten sie abgeraten in derselben. Im Schlosse droben haust« ein alter Ritter nur, und der bekümmerte sich wenig mehr ums Zeitliche; ein schelmischer Vogt verwaltete alles zu seinem Vorteil. Um ein Sci^lmenstück hatten sie diesem edlen Ungarwein abgehandelt, neben welchem Lande die Ritter in großem Streite lagen; des edlen Weines Kraft und Feuer kännten sie nicht. Ein fürchterliches Unwetter tarn herauf mit Blitz und Sturm, wie selten sonst um diese Zeit, keinen Hund hätte man unter dem Ofen hervorgejagt. Zur Kirche zu gehen hielt es sie nicht ab, sie wären bei schönem Wetter auch nicht gegangen, hätten den Meister alleine gehen lassen, aber es hielt andere ab, sie zu besuchen; sie blieben allein im alten Hause beim edlen Weine. Sie begannen den heiligen Abend mit Flucljen und Tanzen, mit wüsteren und ärgeren Dingen; dann setzten sie sich zum Mahle, wozu die Mägde Fleisch gekocht hatten, weißen Brei, und was sie sonst Gutes stehlen konnten. Da ward die Roheit immer gräßlicher, sie schändeten alle Speisen, lästerten alles Heilige; der genannte Knecht spottete des .Priesters, teilte Brot aus und trank seinen Wein, als ob er die Messe verwaltete, taufte den Hund unterm Ofen, trieb es, bis es angst und bange den anderen wurde, wie ruchlos sie sonst auch waren. Da stach er mit dem Messer ins Loch und flucht«, er wolle ihnen noch ganz andere Dinge zeigen. Als sie darob nicht erschrecken wollten, weil er das Gleiche schon manchmal getrieben, und mit dem Messer gegen den Zapfen kaum viel abzuringen war, so griff er in halber Raserei nach einem Bohrer, vermaß sich aufs schrecklichste, sie sollten es erfahren, was er könne, büßen ihr Lachen, daß ihnen die Haare zu Berge ständen, und dreht« mit wilden; 'stoße den Bohrer in den Zapfen hinein. Laut aufschreiend stürzten alle auf ihn zu, aber ehe jemand es hindern konnte, lachte er wie der Teufel selbst, tat einen kräftigen Ruck am Bohrer. Da bebte von ungeheurem Donnerschlag das ganze Haus, der Misst, täter stürzte rücklings nieder, ein roter Glutstrom brach aus dem Loche hervor, und mittendrin saß groß und schwarz, aufgeschwollen im ®ifte von Jahrhunderten, die Spinne und glotzte in giftiger Lust über die Frevler hin, die versteinert in tödlicher Angst kein Glied bewegen konnten, dem schrecklichen Untiere zu entrinnen, das langsam und schadenfroh ihnen über die Gesichter kroch, ihnen einimpfte den feurigen Tod. Da erbebte das Haus von schrecklichem Wehgeheul, wie hundert Wölfe es nicht auszustoßen vermögen, wenn der Hunger sie peinigt. Und bald erscholl ein ähnliches Wehgeschrei aus dein neuen Hause, und Christen, der eben den Berg aufkam von der heiligen Messe, meinte, es feien Räuber eingebrochen, und seinem starken Arme trauend, stürzte er den Seinen zu Hilfe. Er sand keine Räuber, aber den Tod; mit diesem rangen Weib und Mutter und hatten schon keine Stimme mehr in den hochaus- gelaufenen, schwarzen Gesichtern; ruhig schlummerten seine Kinder, und gesund und rot waren ihre munteren Gesichter. Es stieg in Christen die schreckliche Ahnung dessen auf, was geschehen war; er stürzte ins untere Haus, dort sah er die Diensten alle verendet, die Stube zur Totenkammer geworden, geöffnet das schauerliche Loch im Bystal, in des scheußlich entstellten Knechtes Hand den Bohrer und auf des Bohrers Spitze den schrecklichen Zapfen. Jetzt wußte er, was da geschehen war, schlug die Hände über dem Kopf zusammen, und wenn die Erde ihn verschlungen hätte, so wäre es ihm recht gewesen. Da kroch etwas hinterrn Ofen hervor, schmiegte sich ihm an; entsetzt fuhr er zusammen, aber es war nicht die spinne, es war ein armes Bübchen, das er um Gottes' willen ins Haus genommen und unter dem ruchlosen Gesinde gelassen hatte, wie es ja auch jetzt viel geschieht, daß man Kinder um Gottes willen nimmt und sie dem Teufel in die Hände spielt. Das halt« keinen Teil genommen an den Greueln des Gesindes, war erschreckt hinter den. Ofen geflohen; ihn allein hatte die Spinne verschont, es konnte nun den Hergang erzählen, Aber noch rvührend das Bübchen erzählte, scholl durch Wind und Weiter Angstgeschrei von anderen Häusern her. Wie in hundertjähriger, aufgeschwellter Lust flog die Spinne durch die Talschaft, las zuerst die üppigsten Häuser sich aus, wo man am wenigsten an Gott dachte, aber am meisten an die Welt, daher von dem Tod am wenigsten wissen mochte. Noch war es nicht Tag geworden, so war die Kunde in jeglichem Hause: die alte Spinne sei losgebrochen, gehe aufs neue todbringend um in der Gemeinde; schon lägen viele tot, und hinten im Tale fahre Schrei um Schrei zum Himmel auf von den Gezeichneten, die sterben müßten. Da kann man sich denken, welch' Jammer im Lande war, welche Angst in allen Herzen, was das für ein« Weihnacht war in Sumiswald! An die Freude, die sie sonst bringt, konnte keine Seele denken, und solcher Jammer kam vom Frevel der Menschen. Der Jammer aber ward alle Tage größer, denn schneller, giftiger als das frühere Mal war die Spinne jetzt. Bald war sie zuvorderst, bald zuhinterst in der Gemeinde; auf den Bergen, im Take erschien sie zu gleicher Zeit. Wie sie früher meist hier einen, dort einen gezeichnet hatte zum Tode, so verließ sie jetzt selten ein Haus, ehe sie alle vergiftet; erst wenn alle im Tode sich wanden, setzte sie sich auf die Schwelle und glotzte schadenfroh in die Vergiftung, als ob sie sagen wollte: sie sei es und sei doch wieder da, wie lange man sie auch eingesperrt. Es schien, als ob sie wüßte, ihr sei wenig Zeit vergönnt, oder als ob sie sich viel Mähe sparen wollte, sie tat, wo sie konnte, viele auf einmal ab. Darum lauerte sie am liebsten auf die Züge, welche die Toten zur Kirche geleiten wollten. Bald hier bald dort, am liebsten unten am Kirchstalden, tauchte sie mitten in den Hausen auf und glotzte plötzlich vom Sarge herab auf die Begleitenden. Da fuhr dann ein schreckliche« Wehgeschrei aus dem begleitenden Zuge zum Himmel auf, Mann um Mann fiel nieder, bis der ganz« Zug der Begleitenden am Wege lag und rang mit dem Tode, bis fein Leben mehr unter ihnen war, und um den Sarg ein Haufen Tote lag, wie tapfere Krieger um ihre Fahne liegen, von der Uebermacht erfaßt. Da wurden keine Toten mehr zur Kirche gebracht, niemand wollte sie tragen, niemand geleiten; wo der Tod sie streckte, da ließ man sie liegen. Verzweiflung lag überm ganzen Tale. Wut kochte in allen Herzen, strömte in schrecklichen Verwünschungen gegen den armen Christen Ä an allem sollte jetzt er schuld sein. Jetzt auf einmal wußten alle, M Christen das alte Haus nicht hätte verlassen, das Gesinde nicht sich W überlassen sollen. Auf einmal wußten alle, daß der Meister für V® Gesinde mehr ober minder verantwortlich fei, daß er wachen solle über Beten und Essen, wehren solle gottlosem Leben, gottlosen Reden um gottlosem Schänden der Gaben Gottes. Jetzt war allen auf einmal Hoffa« und Hochmut vergangen, sie taten diese Laster in die unterste Hom hinunter und hätten es kaum Gott geglaubt, daß sie dieselben noch ior wenig Tagen so schmählich an sich getragen; sie waren alle wieder fromm hatten die schlechtesten Kleider an und die alten verachteten Rosenkranz« wieder in den Händen und überredeten sich selbst, sie seien immer gW fromm gewesen, und an ihnen fehlte es nicht, daß sie Gott nicht M Gleiche überredeten. Christen allein unter ihnen allen sollte gottlos jew und Flüche wie Berge kamen von allen Seiten auf ihn her. Und war« doch vielleicht unter allen der Best«, aber sein Wille lag gebunden । seiner Weiber Willen, und dieses Gebundensein ist allerdings eine Schuld für jeden Mann, und schwerer Verantwortung entrinnt er tw weil er anders ist, als Gott ihn will. Das sah Christen auch ein, «m war er nicht trotzig, pochte nicht, gab sich schuldiger dar, als er war; a damit versöhnte er die Leute nicht, erst jetzt schrien sie einander zu, groß seine Schuld sein müsse, da er so viel auf sich nehme, so wen unterziehe, es ja selbst bekenne, er sei nichts wert. (Schluß folgt.) __- Verantwortlich: Dr. Hans Thyrioi. — Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieö«"- Zahl Untei oft von Weise ir also uns zeugend würdiger seltsamst« Seine Ze geehrt ui und das gehofft a fachen G zum Wir blieb fick Weltgesch rischem i der Wun außerord alles Tui Welt ruh erster Ve und abtöi Graf Munden ausgedehl über den Hunderts, roeiuöürö organisch des britifi fachen, i Mdustrie Mannes r Englands W° meh Ausenthal gerichtet, Lahre, wc tigern U ... Der ge He Wan 'lhes Set 'r°tz aller sonst 'khen in j °?rn Schn ^Bastill Meitsöü Alk, so a ?"'de zu dr°ler mit einem