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Es dringt hervor wie leise Klagen, Die immer neuem Schmerz entstehn, Wie Wehruf aus entfchwund'nen Tagen, Wie stetes Kommen und Vergehen. Du hörst, wie durch der Bäume Gipfel Die Stunden unaufhaltsam gehn. Der Nebel regnet in die Wipfel, Du weinst und kannst es nicht verstehn. Der schwarze Prinz. Von Hermann Linden. Jeden Abend, wenn die Sonne wie eine sterbende Rakete hinter dem Lido ins Unsichtbare versank, wenn die Dunkelheit Schatten über die Gesichter warf, fuhr mit langsamen Ruderstößen eine merkwürdige Gondel durch die von Fahrzeugen aller Art oollgedrängten Lagunen. Liese Gondel war ohne Zierat, es flatterten keine seidenen Wimpel an ihrer Kabine, es tönte niemals die Musik eines Instruments oder der Ton eines Liedes aus ihr: schwarz und lautlos glitt sie durch den Trubel. Dennoch gehörte sie einem Aristokraten und keinem Totengräber. Ganz Venedig wußte, daß in dieser Gondel der Prinz Remi Galante spazierenfuhr, obwohl noch niemals der Vorhang der Kabine von der Hand seines Insassen zurückgeschoben worden war und der Prinz, heraustretend, sich gezeigt hätte. Man kannte den Gondelier, das war Pietro, der einzige Diener des Prinzen. Unbelästigt, von keinem Wort der Ironie, von keinem boshaften Lächeln, aber von vielen teilnahmsvollen Augen verfolgt, kreuzte die schwarze Gondel jeden Abend zwei Stunden auf den Gewässern. Der Mann, der im Innern der Kabine durch die kleinen ovalen Glassenster den zauberischen Abendanblick seiner Heimatstadt genoß, war ein großer, schlanker, gutgewachsener Mensch von etwa dreißig Jahren. Er war ein außerordentlich schöner Mann. Seine Gesichtszüge waren edel wie die Linien einer antiken Gemme. Starkes schwarzes lockiges haar bot einen seltsamen Kontrast zu der geisterhaften Blässe seiner haut. Die Mundwinkel waren von häufiger Melancholie etwas schief nach unten verzogen, ein Umstand, der dem Gesicht etwas Krankhaftes gab, ohne es zu verzerren. Dieser Mann war der Prinz Remi Galante, ein Mensch, der nach Rang, Reichtum und persönlicher Schönheit berufen gewesen wäre, zu glänzen, zu bezaubern und zu verführen wie Generationen vor ihm Gasanova, indes mar er nichts als ein Individuum voller Marotten, ein Mensch, der an jener Krankheit zu leiden schien, für die man den Ausdruck Schwermut erfunden hat. Remi Galante, den die Venezianer fast kaum zu Gesicht bekamen, da er nur selten in Gesellschaften ging, genoß jene Volkstümlichkeit, deren Wurzel Mitleid ist und die schönen Kranken sehr oft zuteil wird. Da man ihn noch niemals in Farben gesehen hatte, immer nur schwarz gekleidet, nannte man ihn kurzweg den „Schwarzen Prinzen" und ließ ihn leben, wie er lebte, ohne Diel' Kritik, in Bücher und Sonnenuntergänge vertieft; ein Sonderling war er, ein Geheimnisbelasteter, den die Venezianer nicht begriffen und nicht begreifen konnten, ihrer Tradition, ihrem Temperament und ihrer Lebensfreude nach. Die Frauen Venedigs schüttelten mitleidig ihre schönen Kopfe über ihren seltsamen Mitbürger, dessen Leben niemals das Gerücht von fiiebesaffären um- Ishnob, für sie war er ein männliches Rätsel, da er sich nicht verachte in sie, in sie, die Venezianerinnen, denen die Welt huldigte, feit Man sie verewigt hatte. Dennoch liefen die feurigen Augen mancher »gnorina über das bleiche leidenfchastslose Antlitz des Prinzen, wenn er zuweilen in einem ihrer Säle erschien, höflich, wortkarg und unbegreiflich. Diese Blicke endeten in Seufzern, ausnahmslos. .An jenem Abend, der Anlaß gibt zu dieser Erzählung, saß der minz wie meistens im Turmzimmer seines kleinen Palastes. Dieses Gemach, in schwarze Seide gekleidet, von mittlerer Größe, dreieckig ge- fout, enthielt nichts als eine scharlachrote Ehaiselongue, einen kleinen, treisrunden Marmortisch und zwei hochlehnige Stühle. An der breitesten ^er drei Wände befand sich ein hohes schmales Fenster, das, rechtwinklig beginnend, oben in eine Wölbung verlief. Es führte auf de» Canale Brande. Die Kerzen, die auf dem Tisch standen, brannten nicht. 1 m einzige Beleuchtungsschimmer, der das Gemach matt erhellte, ”ac der rötliche Schein der Portalfackeln, der durch das Fenster drang. Nummer 81 Zwei Tage zuvor hatte der Doge einen Sohn bekommen und aus diesem Anlaß ein dreitägiges Fest gegeben für ganz Venedig, dessen letzte und lauteste Stunden soeben gekommen waren. Der Prinz, mit allen Zeichen eines nervösen und überreizten Menschen, betrat durch die einzige Tür den Raum. Er trug einen schwarzen Pyjama. An solchen Tagen öffentlicher Lust geriet er stets in leidende Erregung. Er bemerkte, daß das Fenster geöffnet war und wollte es schließen. In diesem Augenblick fuhr ein langer Zug von Gondeln über den Canale, eine ausgelassene Streichmusik, sowie das Helle Getriller vieler durcheinander lachenden Weiber erfüllte den Raum. Steif und gefesselt stand der Prinz am Fenster, ohne es zu schließen. Er flüsterte: „Es ist nichts. Nichts, wie immer nichts! Haben meine Knie gezittert? Es fiel ihnen nicht ein, zu zittern! Wie lange noch hält mich die Hexe zum Narren? Gestern tarn die Tochter Ganalottos aus dem Kloster. Sie soll die schönsten Schultern in Venedig haben. Dozza hat es sofort gesehen. Er muß es wissen. Er ist ein Maler. Haben meine Knie gezittert vor Guiletta? Es fiel, ihnen nicht ein, zu zittern." Der Diener Pietro trat ein und überreichte dem Prinzen einen Brief. Langsam, in der Bewegungsart eines gelangweilten Herrn, öffnete der Prinz den Umschlag und las — etwas deklamatorisch: Der Marchese ... beehrt sich ... zum Souper und Tanz ... für morgen abend in seinen Palast zu bitten. Der Marchese sowie alle guten Herren und schönen Damen der besten Familien unserer Stadt bitten den Prinzen, ausnahmsweise einmal feiner komischen Marotte zu entsagen, stets in schwarzem Kostüm zu erscheinen. Er erscheine endlich einmal, wie es einem Manne seiner Jugend, seines Ranges und nicht zuletzt seiner Schönheit zukommt — ein lachender Kavalier! Der Prinz drehte den Brief zwischen seinen Fingern. Pietro war längst verschwunden. Er erwartete keine Antwort auf solche Briefe, die jeden Tag tarnen, bündelweise. Der Prinz trat wieder an das Fenster. Es war noch immer offen. Leise und zittrig stieg die Musik der Gondelgitarren zu ihm empor. Cs war eine schmerzliche Melodie, die des Prinzen Ohr erreichte, und sie tat seiner Seele wohl. Er schloß das Fenster, um sie gedämpfter zu hören. In diesem Augenblick, als er sich in einen der beiden hochlehnigen Stühle setzen wollte, erreichte ein Lachen sein Ohr. Es war das Lachen einer einzelnen Frauenstimme. Dieses Lachen wurde immer lauter, heller, strahlender, es schien von einer unendlichen Dauer und hatte im Klang etwas, was man ätherisch zu nennen pflegt. Der Prinz stand auf und horchte wie ein Verzauberter. Seine Knie begannen zu zittern. Dann prang er mit einem Satz ans Fenster, einen Stuhl umwerfend, er prang so, als ob er fürchtete, das Lachen könnte ihm entfliehen. Er riß iie Flügel auseinander, horchte noch einmal einen Augenblick lang und chrie dann mit einer geradezu gellenden Stimme in den schmalen Hof hinunter, der das Haus von der Lagune trennte: „Pietro — Pietro — das Lachen — Pietro! — Hast du das Lachen gehört? — Dort, das Lachen — Herrgott, das Lachen. — Dort — da fährt sie, die Gondel — Ihr nach — ihr nach — Pietro, das Lachen — Sie fährt weg — das Lachen fährt weg — Pietro — sie ist schon unter der Brücke — Pietro — tausend Sire, wenn du die Signorina bringst!!!" Bebend mit allen Nerven stand der Prinz am Fenster. Sein Blick hing an den beiden Gondeln, deren letzte Pietro mit großer Schnelligkeit vorwärtstrieb. Einige Minuten, nachdem die Gondel Pietros hinter einer Lagunenbrücke verschwunden war, kam sie wieder zum Vorschein. Hinter dem Diener saß eine vollkommen in Weiß gekleidete Frau. Als der Prinz beide erblickte, stieß er einen Seufzer aus, dessen Farbe und Tiefe unbeschreiblich war. Darauf verließ er das Zimmer. Kurz darauf trat eine Dame in das Turmzimmer ein. Sie war goldblond, hatte ein junges, energisches Gesicht. Ganz in Weiß gekleidet. Sie sah sich um in dem verlassenen Raum: „Das ist echtes Venedig. Rätsel über Rätsel. Ein alter Diener, Geheimnisse, Fackeln, dieses einsame Haus! Wie rasch man hier leichtsinnig wird! Folgt einem wildfremden Ruf. Was ist denn das für ein Zimmer? Drei Wände, keine einzige Sampel Ich bin neugierig auf diesen Hamlet, der hier nisten soll. Sehr gespannt!" Sie ging an die Tür und horchte die Treppe hinunter. Kein Saut war zu hören. Erstaunt sagte sie: „Hat man je so etwas erlebt? Wird man beschworen, hierher zu kommen, und kein Mensch ist im Haus. Selbst der Alte ist fpurlos verschwunden. Nettes Abenteuer scheint das zu werden!" Gin Geräusch veranlaßte sie, sich herumzudrehen. Vor ihr stand der Prinz, einen großen Kronleuchter mit zehn Kerzen in der Hand, den er langsam auf den Tisch niederstellte. Mit dem Prinzen war eine sichtliche Veränderung vorgegangen, die nicht nur an dem hellen Straßenanzug zu erkennen war, den er jetzt trug. Beide Menschen sahen sich einige Sekunden sprachlos an. Des Prinzen Gesicht war glatt, gefaßt und ohne Ausdruck von Trauer. Montag, den 2v. Moder Da sagte die junge Dame: „Cs gibt doch Lebewesen in diesem Hause. Eine erfreuliche Tatsache. Ich dachte schon, zwischen Gespenster geraten zu fein. Führen Sie mich zu dem Prinzen!" Galante schwieg und sah sie fortwährend an. In seine Augen kam ein brennender Glanz. Sie sagte: „Hurtig, hurtig! Uebrigens — was ist denn das für ein Zimmer? Wie komisch, ganz schwarz, kein einziges Bild, dreieckig! Sagen Sie, mein Herr, was ist das für ein närrischer Raum? Eine Zwangszelle? Schlafen Sie hier?" Galante lächelte: „Dieser Raum ist das Zimmer der Melancholie, schöne Signorina! Die Dame horchte einen Augenblick dieser melodischen Erklärung nach, dann trat sie mit ihrem kleinen Fuß heftig auf den Boden und sagte nervös: „Jetzt rufen Sie doch schon den Prinzen, ja?. Erst setzt er mir nach wie ein Wolf, und dann eilt es ihm keineswegs, mich zu sehen! Ist so das galante Venedig? Erst sagt er, wie heißt er — Pietro? — das heißt, er sagte es nicht, er beschwor mich — in — in Santa Maria Namen — einen Augenblick zu dem Prinzen Galante zu kommen. Nun stehe ich hier und unterhalte mich mit — wer sind Sie eigentlich? Ganz nett sehen Sie aus! Etwas blaß! Sind Sie sein Sekretär? Jetzt gehen Sie doch schon, oder glauben Sie, ich sei hierhergekommen, um mich von Ihnen fixieren zu lassen?" Da lachte der Prinz sehr laut und sagte mit einer Verbeugung: „Ihr ungeduldiges Temperament ist bezaubernd, mein schönes Fräulein --Galante!" „Weshalb sagen Sie so — so soignierk — Galante? Wollen Sie etwa damit sagen ...?" „Daß ich Remi Galante bin. Erraten!" „Sie?" rief da die junge Dame und fiel vor Erstaunen in einen Stuhl. Und der Prinz rief: „Ja. Ich. Vor zehn Minuten nur eine düstere Ballade von Venedig und jetzt ... „Und jetzt?" „Auf dem Wege zum Himmel!" Dieses geflissentlich überhörend sagte das Fräulein: „So. Das ist ja reizend. Man hat mich also hinters Licht geführt. Betrogen. Man fing midjjin wie einen Fisch mit einem seltenen Köder!" „Signorina!" „Leben Sie wohl, Herr Signor, Exzellenza oder wie man hierzulande Herren mit Ihrem Titel nennt. Ich weiß das nicht. Ich bin erst einen Tag hier. Leben Sie wohl!" Sie knöpfte sich gelassen die Handschuhe zu und warf während dieser Tätigkeit noch hin: „An der Art, wie Sie Ihre Abenteuer versuchen, merkt man sehr wenig von Ihrem Rang!" Worte und Benehmen der Dame schienen den Prinzen zu versteinern. Er sprang auf, als sie sich zur Tür wandte, ergriff sie an der Hand, die alten Leidensfalten traten wieder in fein Gesicht: „Signorina" — in diesem Augenblick war der verführerische Stimmglanz des Südländers in feinen Worten — „Sie wollen gehen, und ich weiß noch nicht einmal Ihren Namen, bitte, warten Sie noch etwas!" Sie trat wieder näher und sagte leise: „Ich heiße Gesta, bin aus Schweden und ein Mädchen ohne Beruf!" Der Prinz ergriff ihre Hände: „Aber vielleicht mit Berufung!" Da löste sie ihre Hände und wurde wieder lebhaft: „Als Pietro mich bat, zu Ihnen zu kommen, wie er als den Namen feines Herrn den Ihrigen nannte, lachten meine sämtlichen Begleiter. Ich fragte sie, warum. Sie sagten, Sie seien der schönste und der traurigste Mann von Venedig. Und mein Vetter, ein Mensch, der ohne Randbemerkungen „nicht leben kann, hieß mich zu Ihnen gehen; er liebt Sensationen. Sie würden sich nur für Tiere und alte Bücher interessieren. Sie seien ohne Gefahr. (Sie sah wieder den Leidenszug um Galantes Mund.) Aber ich wäre auch so gekommen. Jetzt weiß ich aber nicht, was ich hier soll. „Es ist doch gar nicht wahr, daß Sie so traurig sind. Sie sind doch ein junger, flotter, lächelnder Mann. Nicht wahr, das find Sie doch? Sie tragen ja auch einen hellen Anzug!" Matt und ironisch erwiderte Galante: „Noch nicht. Wohl nie. Vor dem Eingang des Paradieses hat man mir die Tür vor der Nase zu- geschlagen. (Er raffte sich auf.) Sagen Sie, schönes Fräulein, wer in aller Welt macht so gute Witze, über die man lacht, daß der ganze Ganale darauf horcht?" Etwas unsicher antwortete Gesta: „Habe ich so laut gelacht? Sie dürfen mich nicht fragen danach. Ich kann es Ihnen nicht sagen. Ich weiß es selbst nicht. Aus dem Fenster eines Palastes, gerade neben dem Ihrigen, sahen wir einen Menschen fallen. Er flog mit einem solch gewaltigen Schwung in die Lagune, als habe man ihn von weither durch das Fenster geschleudert. Wir ruderten sofort auf ihn, um ihn zu retten. Es war eine Puppe, aus Holz und Seide, eine ganz gewöhnliche tote Puppe, die sicher von einem Betrunkenen durch das Fenster geschleudert worden war. Da lachten wir alle recht herzlich; ich wohl am lautesten. Doch schien es mir selbst, als sei es etwas zu laut gewesen!" Der Prinz faßte Gesta an der Hand: „Blondes, schwedisches Mädchen. Sieben Jahre war ich alt, da kam eine Wahrsagerin heimlich in unser Haus. Sie war ein Savoyardenweib, wie sie oft durch Venedig ziehen. Wir Italiener sind ein abergläubisches Volk. Dieses Savoyardenweib sagte meiner Mutter, daß der Sohn, den sie geboren habe, krank sei in der Seele bis zu jenem Tage, wo ihm vor dem Lachen einer Frau die Knie erzittern würden. Hinter einem Vorhang habe ich es gehört. Meine Mutter hat es mir nie verraten. Vorhin ist es geschehen, und als Sie hereintraten, hat der Prinz Remi Galante zum erstenmal in feiner Jugend wie ein Glücklicher gelacht!" Und Gesta sagte nun die seltsamen Worte: „Als ich zehn Jahre alt war, Remi Galante, kam in einem Tckmm ein Stern auf mich zu, der ein menschliches Antlitz hatte. Dieses Antlitz war so traurig, daß ich erschrak vor ihm, und er war mir, als rief es mich, und es hat mich nicht mehr verlassen bis zur heutigen Stunde. Dieses Gesicht hatte dieselben Augen und denselben Mund wie Sie, Remi Galante, jetzt sehe ich es genau!" „Und Sie fanden mich leichtfertig und frech!" „Das nicht. Aber begreifen Sie das doch. Seit Jahren verfolgt mich dieses Gesicht, und jedesmal, wenn es mich rief, sagte ich ja, ja; dem es war mir, als wäre ich dazu berufen, dieses Gesicht der Sonne zu. zudrehen. Dann heute — dieses rätselhafte Lachen auf dem Ganale. Ihr Diener, Sie. Ich folgte Ihrem Diener wie einer Ahnung, obwohl ich zu einem Fest geladen war. Und dann sah ich Ihr Gesicht, verglich es mit dem Traumgesicht, sie waren ähnlich, aber in Ihrem Gesicht mar von Trauer nichts zu sehen, und ich mußte daher glauben, ein Phantom habe mich jahrelang genarrt!" Der Prinz strich über ihr schönes Haar, wogegen Gesta sich nidjl wehrte: „Es war das Wunder Ihrer Erscheinung, die in dem Spiel raum eines Augenblicks meine Seele auf die andere Seite wandte. Ah Sie kamen, fanden Sie schon den neuen Galante vor. Sie standen in der Tür, ein wahrer Engel des Heils! Und Sie haben mein erstes Lachen mit Frivolität, meinen Ruf mit einem alberften Abenteuer verwechselt. Treten Sie jetzt zurück?" Da flüsterte die blonde Schwedin: „Von morgen an werden sie dich nicht mehr den „Schwarzen Prinzen" nennen!" Der Prinz griff nach dem Kuvert auf dem Tisch: „Da liegt ein Bries von dem Marchese ...; er kann das Vergnügen haben, zuerst den Weiß« Prinzen zu empfangen. Am nächsten Abend vermißte man auf den Lagunen die schwarz, Gondel des Schwarzen Prinzen. Man hielt ihn für noch kränker ai- gewöhnlich, bis am nächsten Tag von Lippe zu Ohr, von Ohr zu Lipp die Tatsache der wunderbaren Verwandlung sprang. Es ist noch lange nicht endgültig bewiesen, daß Sterndeutung uni Wahrsagerei verwerflicher Unsinn ist. Die großen Eroberer, die gewii keine unintelligenten Menschen waren, haben felsenfest daran geglaubt Und es hat sich schon oft gezeigt, daß die Mächte des Blutes stärke! waren als die Erwägungen des Verstandes. Wenn man dieses bebenii, und die Abhängigkeit vornehmlich südländischer Menschen vom Aber glauben nicht vergißt, dann erscheint die soeben erzählte Geschichte ot wiß ebenso wahrscheinlich als wunderbar. Dies Denn Was ist die Lese, die sie selber hält; heute löst sich von den Zweigen nur, vor dem milden Strahl der Sonne fällt. HerbstSild. Von Friedrich Hebbel. Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen fahl Die Luft geht still, als atmete man kaum Und dennoch fallen raschelnd fern und nah' Die schönsten Früchte ab von jedem Saum. O stört sie nicht, die Feier der Natur! Der Wein der Welt. Von Dr. Emil Garzaus. Mehr noch als die stürmische Winzerdemonstration von GermershM die auf Ausrottung gewisser Kreuzungsformen von deutschen Reben m der amerikanischen Fuchsrebe andrang, hat das neue Weingesetz die W merksamkeit auf unseren Weinbau und den des Auslandes hingeleB und das mit Recht. Spielt doch der Rebensaft im Kulturleben schon I« Jahrtausenden eine große Rolle, die sich selbst auf das religiöse ®eW erstreckt von den Tagen der Bacchusfeier bis zur Einführung des Heilig» Abendmahles. Nicht wundernehmen kann es, wenn die Weinernte ta Welt in manchen Jahren zweihundert, durchschnittlich aber hundertachtzj Millionen Hektoliter umfaßt. „ Obgleich die Rebe eine wärmeliebende Pflanze ist, die nur noch in W südlicheren Teilen der gemäßigten Zone rechtes Gedeihen findet, sagt ff doch die Sonnenglut der Tropen so wenig zu, daß sie unter dem Aequo!-: allein im Halbschatten bet sorgfältigster Pflege Früchte zeitigt. Nur >- einer Gegend, an der trockenen Küste von Peru, reicht der Weinbau« die Tropenzone hinein und wenn auch das trockene Klima der Subtrop« dem Rebstock von seiner Heimat im Süden des Kaukasus her sehr zM so erstreckt sich doch die Rebenkultur heute hauptsächlich auf das nöW Mittelmeergebiet und die angrenzenden Länder des mittleren Gurop® In ersterem wachsen in der Glut der Sommersonne die als Subtw« bekannten zuckerreichen Weine, die sich nach längerem Lagern durch W hohen Alkoholgehalt auszeichnen. Die Weine des mittleren Europas!» im allgemeinen ärmer an Alkohol, dagegen entwickeln manche von ch« vor allem die deutschen Rhein-, Main- und Moselweine ein wundem feines Aroma, bei ersteren als Bukett, bei den Moselweinen als -öu® bezeichnet. _ , ., Was die Menge des Rebensaftes angeht, so stehen Frankreich ® Spanien mit mehr als der Hälfte der ganzen Weitproduktion unter« Weinbauländern der Erde obenan. Frankreich, dessen „Gewächse . Güte die italienischen im allgemeinen weit übertreffen, brachte nach «!’■ reicher Bekämpfung der Reblaußplage durch Einführung der aM nifchen. Fuchsrebe als Wurzelstaude und Pfropfung von „franzWv Gbelingen auf diese im Jahre 1908 nicht weniger als sechzig MlUio Hektoliter Wein hervor. — Schon im ersten Jahrhundert n.Eyr. aus der damaligen römischen Provinz Gallien so viel und so vorzugi Wein nach Italien, daß Kaiser Domitian zum Schutze des dortigen a baues die Hälfte aller Weinberge in Frankreich zerstören ließ. Heim. sieht dieses Land wieder sozusagen die ganze Welt mit den. Gewächsen des Bordeaux- und Burgunderweines, mit „erstklassigem w‘ pagner und Gognat. Französische Schloßabzüge erfreuen sich M p langem so starker Nachfrage, daß es zur allgemeinen Gewohnheit ' den ist, auf jedes Etikett von französischen Rotweinflaschen das i Chäteau zu setzen. folgt Michl ja; denn sonne zw anale. Jh, ibwohl ich verglich es Besicht war Phantom sich nidjl em Spiel andte. Al; standen in nein erste; rteuer ven ien sie dich t ein aSrtcf ien Weißen ie schwarz, kränker al, r zu ßipp, ,utung uni die gewij n geglaubt ites ftärtei [es bebenti, vom Aden eschichte gt> ermersheiq i Reben m setz die N 5 hingelench en schon \® giöse Gedii des Heilig« einernte k undertnW noch in ta rdet, sagt em Slequali: tigt. Nm i' Weinbau ii r Subtrog» ■ sehr juM das nöriW en Guropei ils Südmii n durch Wj Europas [i'< e von if)i!l i wundert t als SW ankreich m unter«1 ewüchse' « ■ noch erfrf? der aniew- sranzösO1 iq Milli«»1' n.Thr.x vorzugllff' rtigen fleute«’ t den Mit einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 52 Millionen Hektolitern vor dem Kriege brachte Italien in manchen Jahren mehr Wein hervor als Frankreich unter dem Einfluß ungünstiger Witterungsoerhält- niffe. Zu verachten sind gewiß auch die besseren italienischen Weine nicht, und der schon von Horaz so gerühmte Falerner, der schäumende Asti der Chianti, ganz besonders aber der auf der Asche des Besuves wachsende Lacrimae Christi sind herrliche feurige Weine. Dasselbe kann man auch von manchen Gewächsen der Pyrenäischen Halbinsel sagen, vor allem von dem nach seinem Aussuhrhafen l'eres benannten Sherry, dem nach seinem Umschlagort Oporto als Portwein bezeichneten Rebensaft und auch dem in alle Welt verschickten Malaga. Einschließlich der ihm gehörenden Inselgruppe der rebenbekränzten Balearen erzeugt Spanien jährlich durchschnittlich 21 Millionen Hektoliter Wein, der leider zu oft verschnitten und verfälscht wird. Die Weinernte der sranzösischen Kolonie Algier beträgt heute schon 8,6 Millionen Hektoliter, und ebenso haben sich einige Gegenden des benachbarten Tunis als für die Rebenkultur sehr geeignet erwiesen. Nachdem ein Deutscher ihm vor zweihundert Jahren den richtigen Weg gewiesen, ist auch im Kapland der Weinbau so ergiebig geworden, daß ein Hektar Rebengelände durchschnittlich 170 Hektoliter von dem feurigen Kapwein hervorbringt, während man bei uns mit einer Ernte von 35 Hektoliter auf dem Hektar schon recht zufrieden ist. In dem Nilland hat die Rebenkultur nach dreitausendjährigem Bestehen unter den Ptolemäern ein Ende genommen. Auch in China ist sie bei einem Alter von angeblich vier Jahrtausenden zweimal von der Regierung unterdrückt worden, doch scheint sie dort wieder auszukommen. Edles, den Bordeauxweinen ähnelndes Gewächs zeitigen auch die Berge von Kaschmir am Südabhang des Himalaya. Ausgegangen ist der Weinbau Asiens und überhaupt der ganzen Welt aller Wahrscheinlichkeit nach von Mesopotamien, dem Lande der Noah-Sage, für deren großes Alter schon der Umstand spricht, daß sie Vater Noah als den Ahnherrn der Semiten, Hamiten und Japhetiten hinstellt. Bezeichnend ist, daß die biblische Sage der persischen von Sck)ah Dschemschid und der schönen ©ulnare, der Rosenwange, die sich als erste mit Wein berauschte, so überraschend ähnelt. Ist doch nach Hafis und Mirza Schafsy Persien das Paradies der Rebe und der Rose, und der Wein der Rosenstadt Schiras darin einzig, daß er keinen Katzenjammer verursacht, lieber Syrien, Palästina und Kleinasien gelangte die Rebenkultur nach Aegypten und nach den griechischen Inseln und von diesen nach dem europäischen Festland. Ueberatt, wohin später der alkoholfeindliche Islam kam, wurde kein Weinbau geduldet. Heute aber liefern Palästina und Syrien wieder vortreffliche Weine, und die Türkei bringt mit der schon im Altertum gerühmten Insel Cypern jährlich wieder ebensoviel Wein hervor wie Griechenland (1% Millionen Hektoliter). Große Abweichungen zeigt die Qualität der deutschen Weine. Hier Johannisberger, Hochheimer, Steinwein, Markgräfler, Liebfrauenmilch als hochfeine Gewächse, dort Grüneberger, Bomster und Konsorten. Man hört sagen, nur der Satan könne den Schlesiern und Sachsen eingegeben haben, Wein zu bauen. Man vergißt aber, daß die Rebenkultur aus dem Mittelalter herrührt, wo es wegen der schlechten Verkehrsverhältnisse geraten schien, sich überall den für das Meßopfer des christlichen Gottesdienstes benötigten Wein durch Eigenbau zu verschaffen. Solchen Spuren begegnen wir auch in Norddeutschland bis nach Schleswig-Holstein und Ostpreußen hin, selbst in England. Der Potsdamer Rote und einige andere norddeutsche „Rachenputzer" verdanken allerdings ihr zeitweises Auftauchen übel angebrachter landesväterlicher Fürsorge. Was die Rebenkultur der Neuen Welt angeht, so war es ein Deutscher, Tyrker, der bei der ersten Entdeckung von Amerika durch die Normannen 1003 an ihrer atlantischen Küste (in den späteren Neuenglandstaaten) wildwachsende Weintrauben sand. Man nannte das entdeckte Land, wo noch heute hier und da die Fuchsrebe wildwachsend gefunden wird, deshalb auch Binsland (d. i. Weinland). Heute ist Kalifornien mit einer Ernte von mehr als 1,6 Millionen Hektolitern das Weinland von Nordamerika. Das von Südamerika ist Chile, dessen Weine mit Recht gerühmt werden. Auch die östliche Neue Welt, Australien, bietet namentlich in der gebirgigen Küstenregion von Victoria und Südaustralien der Rebenkultur ein vielversprechendes Feld. Das hat die aus Schlesien ausgewanderte Familie Seppelt gezeigt, die in Australien durch den Weinbau sehr reich geworden ist und die in der Kolonie „Seppeltssield" die größte Weinkelterei der Welt besitzen soll. Wie bewegt sich unsere Erde? Bon Universitätsprofessor Dr. Adolf Marcuse. Im großen und ganzen handelt es sich um vier verschiedene Bewegungsformen unseres Planeten, nämlich um die tägliche Drehung der Erde oder die Rotation, um die jährliche Bahnbewegung der Erde ober die Revolution um die Sonne, um die translatorische Bewegung der Erde mitsamt dem ganzen Sonnensystem im Weltenraume, um die periodische Schwankung der Erdachse im Erdkörper, wodurch die Lage der geographischen Pole sich verändert. Die Beweise für die Drehung oder Rotation der Erde sind durchschlagend und zahlreich. Bei dieser Umdrehung unseres Planeten um seine Achse bewegt sich ein Oberflächenpunkt am Aequator, wo das Maximum der Rotationsgeschwindigkeit stattfindet, mit einer Geschwindigkeit von 456 m in der Sekunde. Vergleicht man diese Geschwindigkeit mit anderen näherstehenden, etwa mit des schnellsten Eisenbahnzuges, die ungefähr 30 m in der Sekunde beträgt, oder mit der Geschwindigkeit der gewaltigsten Orkane, die etwa 50 m in der Sekunde erreichen, so kommt war, zu dem Ergebnis, daß ein Oberslächenpunkt am Aequator sich mit zehirmak größerer Geschwindigkeit fortbemegt als die Luftteilchen beim stärksten Orkan. Ferner nimmt die Rotationsgeschwindigkeit vorn Aequa- wr nach beiden Polen hin ab: an den Polen ist sie Null, weil dort die -swtaiion ruht. In Berlin z. B. auf dem 52%. Breitenparallel beträgt tu nur noch 284 m in der Sekunde, und 100 km nördlich und südlich davon haben mir je 6 m Unterschied in der Drehungsgeschwindigkeit. Mm hat es daher bei der Erdrotation nicht nur mit einer gewaltigen Drehungsgeschwindigkeit zu tun, sondern, was vielleicht noch wichtiger ist, mit großen Geschwindigkeitsunterschieden auf der Erde. Diese letzteren bedeuten schon an sich ansehnliche Windbewegungen und spielen in der Meteorologie eine große Rolle, wenn die Luftschichten in verschiedenen Zonen der Erde betrachtet werden. Die Drehung der Erde um ihre Achse hat aber auch wegen ihrer großen Gleichförmigkeit und hohen Beständigkeit unermeßliche Bedeutung, da sie als natürliche Normaluhr als Grundlage unseres ganzen Zeitdienstes und zur Kontrolle unserer feinsten Uhren dient. Ist nun die Erdrotation wirklich ganz unveränderlich? Theoretische Betrachtungen sprechen zunächst gegen eine vollkommene Beständigkeit dieses feinsten Zeitmaßes. Reibungen der Flutwellen, Ablagerungen unzähliger, auf die Erde fallender Meteor- maffen könnten die Notation unseres Planeten verlangsamen. Dagegen scheint der allmähliche Wärmeverlust der Erde und ihre dadurch bedingte Zusammenschrumpsung die Umdrehung des Crdkörpers zu beschleunigen. Aber in der Praxis liegt bisher kein Anhalt dafür vor, daß die Umdrehungszeit der Erde sich in den letzten Jahrhunderten auch nur um */ioo Zeitsekunde geändert hat. Was nun die Bewegung unserer Erde um die Sonne oder ihre Revolution betrifft, so haben schon Kopernikus, Kepler und Newton diese mathematisch genau festgestellt, nachdem auch bereits der altgriechische Philosoph A r i st a r ch von Samos diese jährliche Erdbewegung um die Sonne erkannt hatte. Einen schönen Beweis für diese Erdbewegung bieten die scheinbaren jährlichen Ortsveränderungen von uns näheren Fixsternen, in denen sich die Jahresbewegung der Erde um die Sonne oder die Fortbewegung des irdischen Beobachters auf der gewaltigen Bahnstrecke von etwa 300 Mill, km um die Sonne perfpek- tivifch widerspiegelt. Feinste Messungen von Sternörtern in den letzten Jahrzehnten haben bisher ungefähr 100 Fixsterne erkennen lassen, bei denen eine äußerst kleine scheinbare jährliche Bewegung sich zeigt. Besonders deutlich tritt diese sog. jährliche Parallaxe in Betrage von etwa B/io Bogensekunden bei dem hellsten Stern des südlichen Himmels in der Konstellation des „Centaurus" auf, der unserer Erde mit am nächsten steht und dessen Licht nur ungefähr 4 Jahre gebraucht, um zu uns zu gelangen, während andere Sterne Tausende von Lichtjahren von der Erd« abstehen. Noch ein anderer sehr anschaulicher und interessanter Beweis für die jährliche Erdbewegung sei erwähnt, der durch die Sternschnuppen geliefert wird. Die Geschwindigkeit, mit der diese kleinsten Weltkörper, die Auflösungsprodukte von Kometen sind, in die Erdatmosphäre eindringen und daselbst durch Reibung sich entzünden, setzen sich zusammen aus den Eigengeschwindigkeiten der Meteore und aus der Erdbewegung um die Sonne. Letztere beträgt 30 km in der Sekunde, und die Sternschnuppen bewegen sich mit Geschwindigkeiten von 20 bis 80 km in der Sekunde. Wenn nun diese Sternschnuppen hinter der Erde Herkommen, so bringen sie mit der Differenz zwischen ihrer eigenen und der Erdgeschwindigkeit in die Atmosphäre ein. Wenn sie aber der Erde entgegenkommen, so summieren sich diese beiden Geschwindigkeiten; bei seitlichem Eindringen treten naturgemäß Zwischenwerte für diese Geschwindigkeit auf. Aus den Richtungen, in denen jene kleinsten Weltkörper, besonders im August und September, also zur Zeit der bedeutendsten Meteorschwärme, in die Erdatmosphäre einbringen, kann man mit Hilfe von Geschwindigkeit und Richtung der Erdbewegung im Raume die wahren Bahnen jener Meteore herleiten. So fand man, daß große Scharen von Meteorkörpern in den Bahnen bekannter Kometen einherwandeln. Umgekehrt liefern gerade diese Uebereinstim- mungen den Beweis für die Richtigkeit der Erdbewegung um die Sonne. Die translatorische Bewegung der Erde im Weltenraume mitsamt dem ganzen Sonnensystem vollzieht sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 19 km in der Sekunde, und zwar in Richtung nach dem Stern- bilde des „Herkules", wie aus spektroskopischen Messungen mit Sicherheit gesunden wurde. Diese Vorwärtsbewegung, die der irdische Beobachter mitmach!, eröffnet eine interessante Perspektive für die ferne Zukunft. Wenn nämlich die Erde nach Hundertiausenden von Jahren an eine ganz andere Stelle des Weltenraumes gekommen fein wird, bann kann bas Wort „Siehe, bie Sternbiiber ber alten Aegypter, sie leuchten auch uns", nicht mehr gelten. Die feit Jahrtausenden uns bekannten Konstellationen werden sich alsdann perspektivisch verschoben haben und in anderen Gruppierungen am nächtlichen Firmament leuchten. Die periodische Schwankung der Erdachse im Erdkörper, wodurch bie Lage ber geographischen Pole auf ber Erdoberfläche sich verschiebt, bildet eine der interessantesten Grenzfragen zwischen Astronomie und Erdvermessung. Ihre Lösung ist in aller Strenge eigentlich erst im 20. Jahrhundert gelungen. Es handelt sich hierbei aber nur um ganz kleine, höchstens bis zu 20 m hin- und hergehende Ausschläge ber Erdachse auf ber Erboberfläche. In bemfelben Sinne unb Beträge änbert sich dann auch die Lage der geographischen Pole auf der (Erbe, ohne daß dadurch etwa irgendwelche klimatischen Aenderungen verursacht werden können. Wodurch werden nun solche kleinen periodischen Schwankungen der Erdachse im Erdkörper veranlaßt? Es kann als sicher angenommen werden, daß wechselnde Belastungen des Crdkörpers bedingt durch meteorologische unb hydrologische Vorgänge in ber gasförmigen unb flüssigen Hülle ber Erde diese Bewegungen ber Erbachse mit sich bringen. Allein bie durch barometrische Maxirna unb Minima bedingte, mit den Jahreszeiten wechselnde Luftdruckverteilung über den Kontinenten und Meeren der Erde, reicht unter Berücksichtigung des wechselnden Luftgewichts völlig aus, um die Schwankungen der Erdachse im Erdkörper zu erklären. Eine zweite Frage ist bie, ob man diese Lagenänderungen etwa voraus berechnen kann ober ob sie fortlaufenb experimentell bestimmt werden müssen. Das letztere ist ber Fall; unb zu biefem Zweck besteht auch schon seit etwa 20 Jahren ein internationaler Erdachsendienst in Ver- binbung mit ber Internationalen Erdmessung, durch den die Bahn der Erdpole fortlaufend bestimmt wird. (Gawasls sind die zünftigen Tänzerinnen, die Almehs die Sängerinnen | die Schoara die Märchenerzähler des Landes), singen die Almehs und er' Verantwortlich: Dr. Kan» Thyrtvt. — Druck und Verlag: Vrühl'sche AniverfitütS-Buch- und Steindruckerei. jt. Lange, ©iefien- Dunkle Blätter. Aus dem Taschenbuch eines deutschen Ingenieurs. Von Max E y th. (Sortierung.) Ich füllte seine Tasse bis zum Rand und schmuggelte mit Taschenspielergeschicklichkeit die zweite und letzte Flasche, die ich besaß, aus dem Kaffer. Er tat, als ob er nichts bemerkte, brummte befriedigt und fuhr fort: „Frauen können es nicht lassen, den Helden des Glaubens nachzulaufen, in dieser und in jener Welt. Um die dritte und vierte Nachtstunde des großen Festes des Mulid el Hassanen wimmelt deshalb auch die Moschee der Heiligen, so daß die Derwische kaum Raum finden für ihre Sikrs und das Allahu und das Geschrei den toten Krieger Gottes wecken könnten. Mitten im Gedränge war auch die Prinzessin Zohra mit ihrer Gouvernante und zwei Eunuchen des vizeköniglichen Harims. Auch sie wollte beten, denn sie verehrte die Helden mehr als den Propheten, der doch der erste aller Helden ist. Die Leute wichen aus, so gut es ging, aber es gelang den Eunuchen nur schlecht, Platz für die Damen zu machen. Wenn der Geist der Derwische die Menge packt, ist ihr eine Prinzessin wie ein andres Weib. Da plötzlich erhob sich ein furchtbares Geschrei und Getümmel. Sie hatten einen Christen entdeckt, der in die Moschee geschlichen war. Heute ist es anders. Damals war es noch ein großes Verbrechen und eine Entheiligung, wenn ein Ungläubiger sich dem Schrein Husseins näherte. Hundert Stöcke erhoben sich, Messer funkelten, Flinten gingen los. Es war ein großer blonder Mann, der gegen eine Säule lehnte und, wie ein Wolf von Schakalen umringt, sein Leben zu verteidigen hatte. Der Turban war ihm abgefallen. Das blonde Haar zeigte jedem, daß er aus dem Norden und ein Nusrani (Nusrani ist eine Bezeichnung für Christen, „Nazarener") war. Er hatte eine nagelbe- schlägene Keule in der Hand, die er einem daliegenden Derwisch entrissen hatte. Zwei andre stürzten heulend zu Boden. Aber sie drängten von hinten, namentlich die Weiber. Was war der eine gegen Tausende. Er mußte erdrückt werden. Da erkannte die Gouvernante den Mann und schrie auf. Es war ihr Bruder. Und die Prinzessin verstand alles, wie wenn ein Blitz des Allmächtigen sie erleuchtet hätte; erleuchtet und berückt. Auch sie stieß einen Schrei aus, so laut, so gellend, daß die tolle Menge stillstand, solange sie den Arm ausstreckte. Der junge Engländer aber, den blutenden Kopf gebeugt, gehorchte ihrer drohenden Hand und ging festen Schrittes durch die Menge, die ihm murrend eine Gasse öffnete. Als er verschwunden war, brach das Geheul aus wie ein entfesselter Sturm: .Allahu! Allahu!' und die Prinzessin warf ihre Arme gen Himmel und rief mit: «Allahu! Allahu!' — Das war ihre erste Begegnung. Auch zwei von den jungen Mamelucken Abbas Beys — er war damals erst Bey — hatten sich in der Moschee befunden. Sie hatten alles mit angesehen und brachten die Geschichte nach Hause. Er sei an der Säule gestanden wie ein wahrhaftiger Deli, ein Krieger aus der Zeit der Helden. Er hätte noch ein Dutzend erschlagen, ehe man ihn überwältigt hätte. Aber eine Schande sei es, daß ihn die Weiber gerettet hätten. Ich dachte ebenso. Abbas ließ sich alles dreimal erzählen und war still wie eine Schlange, die sich zum Sprung zusammenrollt. Einige von uns wurden auf Kundschaft geschickt. Wir erfuhren, daß er O'Donald hieß. Er war ohne Zweifel der richtige Bruder der Gouvernante. Als Soldat war er mit den Engländern zum erstenmal nach Aegypten gekommen, während sie im Jahre 1840 nach der Belagerung Beiruts unter Napier vor Alexandrien lagen. Damals hatte das Glück den großen Pascha verlassen. Er konnte es nicht hindern, daß seine Feinde Nilwasser tranken, soviel ihnen beliebte. Und nun kamen sie zurück, einer um den andern. Denn wer Nilwasser getrunken hat, sagen die Araber — und sie sagen die Wahrheit —, kommt wieder an den Nil. Der Strom läßt dich nicht mehr los. Du wirst es auch noch erleben, o Baschmahandi, wenn du uns verlassen solltest. Vielleicht hatte ihm auch seine Schwester geschrieben, die seit einigen Jahren wie die Schwester Zohras gehalten wurde. Kurz, er war nach Alexandrien gekommen und lebte dort seit etlichen Monaten als Beamter der Schiffsgesellschast, die den Ueberlandverkehr von dort nach Suez leitete. Er war keiner ihrer großen Kaufmannsfürsten, keineswegs! Aber er war schön und stark, und wenn er seiner Schwester glich, so hatte er heißeres Blut, als seine Landsleute gewöhnlich haben. Gott weiß, was dann geschah. Er ist der Allwissende und weiß, was er tut; nicht wir. Zohra hätte längst verheiratet fein können, aber ihr Vater verlangte einen Sultan für sie oder den Sohn des Kalifen. Der Schah von Persien wäre ihm zu gering gewesen, und so hatte es sich nicht machen wollen. Denn auch sie dachte wie ihr Vater. Aber nun kam es Über sie gleich einem Wirbelwind. Die Liebe verzehrte sie wie ein Feuer. Sie weinte die heißen Nächte durch. Sie biß seine Schwester in die Wange vor Sehnsucht, oder weil diese ihr nicht helfen wollte, ihn zu sehen. Denn die Engländerin erschrak vor solcher Leidenschaft. Immer wieder hatte sie von ihrem Bruder erzählen müssen: wie er als Knabe gelebt, wie er im Sudan Löwen gejagt und in Indien gefochten habe, und jedes Wort begann sie zu bereuen. Denn es war Gift für Zohra. Sie schrieb und warnte ihren Bruder, der nach Alexandrien zurückgekehrt war und bald alles wußte, was mit der Prinzessin vorging. Doch anstatt zu fliehen, ließ sich der Betörte nach Kairo versetzen, wo seine Gesellschaft ein Kaufhaus zu errichten gedachte. Sie sahen sich wieder in der dritten Nacht des folgenden Beirams. Du weißt, o Baschmahandi, wie in diesen Nächten arm und reich, groß und klein auf die Friedhöfe zieht, um an den Gräbern zu beten und den Toten zum Feste Glück zu wünschen. Im Süden und Norden der Stadt, auf den öden Sandhügeln, wo fönst nur der schrille Jammer der Klageweiber gehört wird oder das Heulen des Schakals, sammelt sich die halbe Stadt im Feftschmuck. Es ist ein lustiges Leben. Die Kinder schaukeln mit den Alten, Derwische beten ihre Sikrs, und dazwischen tanzen die Gawasis zählen die Schoara ihre Geschichten. Für die Nacht werden Zelte ausgeschlagen, und das Getümmel wird kaum stiller, ehe die Morgendämmerung über die Felsen des Mokattam heraussteigt. Auch Zohra zog mit chrem Harim nach der Grabstätte ihrer Brüder und Schwestern, und dort unter der erbleichenden Mondsichel, sahen sie sich wieder. Ich glaube, sie liebte ihn, wie in alten Zeiten schöne Frauen die Helden des Glaubens geliebt haben, denen Allah einen Vorgeschmack des Paradieses geben wollte. Und auch er mag sie geliebt haben wie ein Wahnsinniger, denn er mußte wissen, daß er sich zwischen nackten Dolchen bewegte und Schlimmerem. Ob sie den Plan hatten, zu fliehen oder nur an ihre Liebe dachten, weiß ich nicht; beides war gleich toll." „Aber, Rames Bey", unterbrach ich den Tscherkessen endlich, denn auch mir wurde die Geschichte zu toll, „wenn das alles auch nicht ganz unmöglich klingt: woher weißt denn du, wie es In Zohras Harim und Herzen aussah? Du warst damals ein kleiner Mameluck, der Abbas Paschas Pfeifen blank hielt. Die Prinzessin hat dir ihre Geheimnisse wohl nicht anvertraut." „Auch weiß ich es erst seit vier Jahren", antwortete Rames gekränkt. „Halim Pascha hielt sich zum drittenmal damals längere Zeit in Paris auf, und ich durfte ihn begleiten. Eines Tages gingen wir frühmorgens an der Kirche von St. Sulpice vorbei, als die Leute aus ihrer Messe tarnen. Da ging ein bleiches großes Frauenzimmer mit schneeweißen Haaren dicht an uns vorüber, und Halim erkannte sie. Es war ßueie O'Donald, die frühere Gouvernante feiner Schwester. Wir liefen ihr nach; wir besuchten sie. Halim wollte ihr Geld geben, aber sie hatte genug, mehr als genug. Sie erzählte ihm aus jenen Tagen des Glücks und des Schreckens, was ich nie zu erfahren erwartet hatte. Aber Gott sieht alles und redet, wann er will. Der Allgegenwärtige lebt in Paris unter den Ungläubigen wie in Musr und offenbart alle Geheimnisse zu seiner Zeit und an seinem Ort! — Ich bitte dich um etwas Wein, o Baschmahandi." Ich öffnete, um die Gefühle des frommen Mamelucken nicht nutzlos zu verletzen, die zweite Flasche heimlich unter dem Koffer und füllte seine Tasse. „Das Schicksal rollte feinen harten Weg entlang", fuhr er fort; „es war nicht mehr zu halten. Zohra hatte eine prachtvolle Dahabia (Dahabia heißen die Nilboote, die für den Personenverkehr eingerichtet sind, in denen man unter Umständen auch monatelang zu wohnen pflegt), das Geschenk ihres Vaters. In der Nacht des Nildurchstichs fuhr sie aus dem festlichen Gedränge der Boote, unter dem Schießen und dem Feuerwerk der Fantasia, die der Vizekönig gab, in die Nacht hinaus gegen Schubra. Der Engländer besaß eines jener langen Boote seiner Landsleute und ruderte wie ein Fisch. Er ruderte in tiefer Nacht dreimal um das Boot der Prinzessin. Sie fang ihm aus dem Fenster der goldglänzenden Kajüte ihre arabischen Liebeslieder, bis sie schluchzte. Auf dem Deck stand feine Schwester, zitternd vor Angst. Denn es war nicht die Nacht für ein solches Abenteuer mit tausend Lichtern, die auf dem Nil hin und her schwammen wie warnende Geister. Aber sie wußten nicht mehr, was sie taten. Das Feuer hatte beide erfaßt. Später, und nicht nur einmal, fuhr die Dahabia der Prinzessin in finftrer Nacht von Roda, wo sie einen Garten besaß, den Nil herab über Bulak hinaus. Dort, im Schatten der hohen Dämme, lag sein Boot und schoß wie ein Gespenst über die braune, gurgelnde Flut, wenn sich das einfache Licht zeigte, das in ihrer Kajüte brannte. Ihr Mut wuchs mit der Gefahr; aber dies war allzu gefährlich. Sie war ihrer Dienerinnen sicher und des Eunuchen, der sie begleitete, aber die Schiffer und der Reis (Reis heißen die Kapitäne der Nilboote), obgleich sie fürstlich belohnt wurden, konnten plaudern. Die Wasserfahrten mußten aufhören, und bann fand O'Donald den Weg in den Garten ihres Harims. Niemand, selbst wir nicht, wußten, wie Abbas Bey, unser Herr, lauerte. Er hatte die Jahre in der Militärschule zu Kanka nicht verschmerzt und glaubte, daß er sie nur Zohra zu verdanken gehabt habe. Er wußte bald mehr als genug. Es lebte damals eine französische Jüdin, Madame Rieochette, in Kairo, die mit Schmuck und Juwelen aus Paris handelte und in allen Harims der Vornehmen aus und ein ging. Abbas kannte das Weib und bezahlte sie mit der Freigebigkeit des Hasses. So erfuhr er, was er zu wissen wünschte. Und so kam es, daß er mit vier bewaffneten Mamelucken O'Donald am Gartentor des Harims der Prinzessin begegnete, als dieser den Garten im ersten Morgengrauen verließ. Sie hatten stundenlang gewartet. Doch wagte Abbas nicht einzudringen. Es war das Harim der Tochter seines Großvaters. Von ungeduldiger Wut verzehrt, hielt er vor dem Türchen Wache, das ihm die Jüdin bezeichnet hatte. O'Donald war nicht ohne Waffen. Zwei Mamelucken lagen blutend und heulend am Boden, ehe die zwei andern vor dem wütenden Teufel, wie sie nachher gestanden, die Flucht ergriffen. Abbas, der kein Feigling war, trat ihm entgegen. Aber das Blut des Engländers war in Wallung. Ein Fußtritt schleuderte unfern dicken jungen Herrn in den Graben am Weg. O'Donald ging langsam davon; hinter ihm ein wimmerndes Schlachtfeld. Er hatte Abbas schwerlich erkannt, aber er wußte, daß alles zu Ende war. Doch hatte er noch heilige Pflichten, ehe er an seine Rettung denken konnte. Er mußte Zohra warnen und seine eigne Schwester retten. 31’ solchen Stunden verwirren sich die Sinne. Nur Allah kann dann helfen. Aber weshalb sollte Allah den Ungläubigen retten? War er nicht frech genug und reif für feine Strafe? \ Er wendete sich, nicht zum erstenmal, ebenfalls an die Jüdin, die er als Kaufmann kannte und der er lachend manchen guten Dienst geleistet hatte. Alles ging wunderbar glücklich, wie es ihm schien. Madame Rico- chette machte keinerlei Schwierigkeiten, trug seine Botschaft und brachte Antwort. Er mußte Zohra in der kommenden Nacht noch einmal sehen, zum letztenmal; und seine Schwester muhte Kairo mit ihm verlassen, w* war sein Plan, soviel man weiß. (Fortsetzung folgt.) __ Jahr Bor ach Im Du Ich sitze In dess Sielleid Ein Du Was es Ich bin Ich sehe Geht eit Der Wi Klänge Was far Will die Da a bert S deutschen dessen Le des Kvrp gesenkt t Gedenken feiner Di dadurch f ein still , Held sein Bewafsm wie er s kriegerisch sondern C so vollen seinen W gepriesen- tung wir Trost. De ist die Ge europäisch ein einzig fame Züg ist es, daß »ns betör so wie da eine Sach einrechen nichts roei: eines fo I in dem un vereinsamt bestaunen Staube ?er zu fin Vtndien tr Erlern «n erma sauber de Spiegel ge 9en, Trau erwarte ke man, die * ab Jt, t>on ei fern (Semit m der Luft Des wl Me sei di ®*nn die j