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Ein feste Burg ist unser Gott, eine gute Wehr und Waffen, er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der alt bös« Feind, mit Ernst ers jetzt meint; groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist; auf Erd ist nicht seins Gleichen. Mit unserer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist: er heißt Jesu Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott; das Feld muß er behalten. Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie saur er sich stellt, tut er uns doch nicht; das macht, er ist geeicht, ein Wörtlein kann ihn fällen. Das Wort, sie sollen lassen stahn und kein Dank dazu haben; er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib; laß fahren dahin, sie habens kein Gewinn; das Reich muß uns doch bleiben. Was bedeutet das Augsburgifche Bekenntnis? Zur 400-Iahrfeier der Confessio Augustana. Von Pfarrer Heinrich Bechtolsheimer. Am nächsten Sonntag, dem 22. Juni, begeht die evangelische Kirche vierhundertjährige Gedenkfeier der Slugsburgischen Konfession. In 1 WSburg selbst werden Festlichkeiten von großem Ausmaße stattfinden, d>e evangelischen Kirchen Deutschlands und des Auslandes werden dort vertreten sein, und die alte Stadt am Lech, die Augusta Vindelicorum, ®irb mehrere Tag« lang von einem großen Gewoge feiernder Menschen ZE sein. Der 25. Juni 1530, an dem die Evangelischen dem Kaiser ihr Mubensbekenntnis überreichten, ist in der Tat ein sehr wichtiger Tag 'n ber Geschichte des Protestantismus. Die Bedeutung dieses Tages soll S allgemeinverständlich dargelegt werden. Zu diesem Zwecke ist es "°ug, den Verlauf der deutschen reformatorischen Bewegung in der Zeit "°n 1S17 bis 1530 in kurzen Zügen zu schildern. - n ~lc deutsche Reformation ist in ihren Anfängen ganz das Werk Martin 7.Hers. Aus lebendiger, religiöser Ueberzeugung heraus machte er „out gegen das seitherige Kirchenwesen und drängte auf eine Erneue- b $-.ff. kirchlichen Lehre und des christlichen Lebens. Als er am 31. Okto- Je*ne 9"g«n den Ablaß gerichteten 95 Thesen an die Tür der ein- „ N" 3U Wittenberg anschlug, ahnte er selbst nicht, daß er damit ermoXeU- ®pod>e >n der Weltgeschichte eröffnen werde. Sein Vorgehen in ün ~€r Seele des deutschen Volkes einen beispiellosen Widerhall, nan, Fhn Tagen waren die Thesen in ganz Deutschland verbreitet, etwas u Außerordentliches, wenn man die damaligen Verkehrsverhältniste und den Umstand in das Auge faßt, daß es damals noch keine Zeitungen gab. Luthers Gesinnungsgenosse, der Pfarrer Friedrich Myconius, sagt von diesen Sätzen, durch die ihr Verfasser ursprünglich nur zu einer Disputation herausfordern wollte: „In vier Wochen haben sie schier die ganze Christenheit durchlaufen, als wären die Engel Gottes selbst Botenläufer." Reizvoll schildert Leopold von Ranke in seiner „Deutschen Geschichte im Zeitalter der Reformation" das Umsichgreifen der neuen Bewegung: „Es war keine Anstalt zu treffen, kein Plan zu verabreden, einer Mission bedurfte es nicht; wie über das geackerte Gefilde bei der ersten Gunst der Frühlingssonne die Saat allenthalben emporschießt, so drangen die neuen Ueberzeugungen durch alles, was man erlebt und gehört hatte, unbemerkt in dem gesamten Gebiete, wo man deutsch redete, fast ganz von selbst ober auf den leichtesten Anlaß zu Tage." Reformatorisch« Bewegungen gab es auch in Hessen. Träger der Bewegung war in Alsfeld der früher« Augustinermönch Tilemann S ch n a bet, der 1512 in Wittenberg studiert hatte. Luther sagte im Jahre 1529 von der Stadt Alsfeld: „Gott hat diese Stadt erleuchtet, daß sie die erste des Hessenlandes ist, die das wahr« Evangelium angenommen." In Butzbach predigte Kaspar Göbel, vor einem Stadttore auf einem Baume stehend, weil man ihm die Kirche verboten hatte. In Gießen fand Luthers Lehre etwas später Eingang. Das älteste Gießener Gotteshaus lag auf dem Seltersberge. Ich habe früher einmal („Heimat im Bild", 1926, Nr. 42) die Ansicht geäußert, daß diese Kirche zwischen der Germania-Drogeri« und dem Hotel Hopfeld, also in der heutigen Friedrichstraße, gelegen habe, aber eine Mitteilung des Herrn Bauunternehmers Heinrich Weimer belehrt mich eines anderen. Herr Weimer hat bei Ausschachtungen, die er da vornahm, wo der Wetzlarer Weg von der Frankfurter Straße abzweigk, viele Gebeine gefunden, so daß die Annahme besteht, daß hiev ein Friedhof gelegen habe. Dieser Friedhof kann aber nur der der altert Kirche zu Selters gewesen sein, so daß wir die Kirche etwa an der gleichen Stelle zu suchen haben. An dieser, einige Jahrzehnte später nieder- gelegten Kirche scheint in den Jahren 1523 bis 1532 ein der neuen Lehre zuneigender Pfarrer tätig gewesen zu sein, während an der alten Stadtkirche, die die Pankratiuskirche hieß, noch die alte Lehre gepredigt wurde. Am Karfreitage 1526 kam es an der Selterskirche zu einem Aufkauf, ein Steinmetz hatte dem Ratsschöffen Melchior Kandegießer (Sannen» gießer) vorgeworfen, daß er gegen die „Evangelischen Brüder" fei. Unter den „Evangelischen Brüdern" haben wir Einwohner zu verstehen, die auf der Seite Luthers standen. Im nämlichen Jahre wurde dann die Reformation durch den Landgrafen Philipp im ganzen Hessenlande «ingeführt. Papst ßeo X. hatte in dem Streite, der über di« Thesen entbrannte, ursprünglich nur ein Mönchsgezänk gesehen; als die Bewegung aber einen immer größeren Umfang annahm, sah die Kirche sich zum Einschreiten genötigt. Zum erstenmal sollte Luther seine Grundsätze bei einem Konvente der deutschen Augustinermönche verteidigen, der im April 1518 in Heidelberg ftattfanb. Wie wenig man Luther damals noch als Ketzer ansah, geht daraus hervor, daß ihn auf der Hinreise Bischof Lorenz von Würzburg sehr herzlich aufnahm. Die Disputation Luthers mit feinen Gegnern vollzog sich auf dem Heidelberger Konvente in ruhiger Form. Unterdessen war der Wittenberger Mönch, Doktor und Professor der Theologie vom Papste der Ketzerei angeklagt und aufgefordert worden, sich binnen sechzig Tagen in Rom zur Verantwortung einzufinden. Es war von Anfang an für ihn von großer Bedeutung, daß fein Landesherr Kurfürst Friedrich, genannt der Weise, für ihn «intrat. Friedrich erreichte auch, daß Luther erlaubt wurde, sich auf deutschem Boden zu verantworten. Das sollte im Jahr« 1518 auf dem Reichstage zu Augsburg geschehen. Die Freunde des Reformators fürchteten für ihn Gefahr von einer Reise nach der schwäbischen Stadt. Der vom Papst zur Beilegung der in Deutschland entstandenen Streitigkeiten entsandte Kardinal Cajetän, versuchte Luther mit kurzen Worten zum Widerruf zu bestimmen, dieser aber, der dem hochgestellten Manne all« Ehrerbietung bewies, war zu einer. Zurücknahme seiner Lehre nicht zu bewegen. Auf den Rat seiner Freunde verließ Luther heimlich die Stadt. In viel freundlicherer Art verhandelte ein Jahr später mit ihm der deutsche Kardinal Karl von Miltitz in Altenburg. Eine im gleichen Jahre in Leipzig anberaumte Disputation sollte den Streit aus der Welt schaffen, doch Luther und fein gelehrter Gegner Eck gerieten scharf aneinander, und als jener geäußert hatte, daß auch die Konzilien irren könnten, eilte Eck nach Rom und brachte seinem Gegner di« Bannbulle mit. Unterdessen war der Kaiser Sari V. auf die deutsche Bewegung aufmerksam geworden und lieh sich angelegen fein, die Wirrnisse zu beseitigen. Er tat das aus wirklicher religiöser Ueberzeugung, aber auch, um di« Einheit seines Reiches zu erhalten. So wurde Luther im Beginn des Jahres 1521 zum Reichstage nach Worms geladen. Nie erscheint dieser Mann größer als in diesem Jahre. Wirkliches Heldentum offenbarte sich in seinen Worten: „Wenn ich gerufen werde, werde ich, so viel an mir ist, kommen, ob ich mich auch krank müßte hinführen lassen; denn man Üarf nicht zweisekn, daß ich von meinem -fjerrn gerufen werde, wenn mich der Kaijer ruft. Der Sott, der die drei Jüngelinge im Feuerofen zu Babel erhalten hat, wird auch mich schützen. Fliehen will ich nicht, widerrufen noch viel weniger... Ich weiß und bin gewiß, daß unser Jesus Christus noch lebt und regiert, auf dieses Wissen trotze ich, daß ich mich vor tausend Päpsten nicht fürchten will." Wirkliches Heldentum offenbarte Luther auch bei der Verhandlung selber. Als der Kaiser ihm am Schlüsse der Verhandlung sagte, er solle eine Antwort geben, die keine Hörner trüge und keinen Mantel umgelegt habe, erwiderte Luther: „Weil denn Euere Kaiserliche Majestät schlicht eine Antwort begehren, so will ich eine Antwort ohne Hörner und Zähne geben: es sei denn, daß ich durch Zeugnisse der Schrift oder durch helle Gründe überwunden werde, so bin ich überwunden durch die von mir angeführten heiligen Schriften und mein Gewissen ist gefangen in Gottes Wort; widerrufen kann ich nichts und will ich nichts. Gott Helf mir. Amen." Auf weiteres Zureden, so meldete einer der Teilnehmer, „verharrte Luther als ein harter Fels". Karl V. stand in seiner ganzen Regierungszeit unter einem tragischen Schicksale. Er hatte viele Widersacher, basogders politische Widersacher. Immer wieder bedrohten die Türken, die Donau aufwärts ziehend, sein Reich, mit dem König von Frankreich hatte er zu kämpfen, aber auch der Papst, dessen Sache er doch sonst vertrat, war zeitweise in politischen Fragen sein Gegner. So lange der Kaiser sich mit diesen Widersachern abzufinden hatte, konnte er an die Unterdrückung -der religiösen Neuerungen nicht denken. Das sogenannte Wormser Edikt hatte Luther und seine Anhänger in die Reichsacht erklärt und die Verbreitung seiner Schriften unter Strafe gestellt. Kaum ein Mensch in Deutschland kehrte sich an diese Bestimmungen, Luther konnte unter dem Schutz seines Kurfürsten weiter wirken. Unter diesen Umständen breitete sich die evangelische Lehre rasch aus. Im Kursachsen hatte sie festen Fuß gefaßt, nun fand sie Eingang in Hessen, Brandenburg, Braunschweig-Lüneburg, Anhalt wie auch in anderen deutschen Territorien, besonders auch in Reichsstädten. Der Kaiser war gegen die Evangelischen machtlos und mußte auf dem Reichstage zu Speyer im Jahre 1526 die Bestimmung annehmen: „Jeder Stand solle in Sachen, die das Wormser Edikt betreffen, mit seinen Untertanen also leben, regieren und sich halten, wie er solches vor Gott und Kaiserlicher Majestät hoffet und vertrauet zu verantworten." Jrn Jahre 1529 war es zwischen dem Kaiser und dem Papste zu einer Verständigung gekommen, und der am 5. August zu Carnbrai mit dem König von Frankreich abgeschlossene Friede gab dem Kaiser weitere Bewegungsfreiheit. Schon im Beginn des Jahres hatte sich feine Lage so weit gebessert, daß er hoffen konnte, auf dem Reichstage, den er nach Speyer berief, mit den Evangelischen fertig zu werden. Mit Stimmenmehrheit wurde in Speyer angenommen, daß bis zu einem zukünftigen Konzile alle Neuerungen abgestellt werden sollten. Hiergegen protestierten am 20. April die evangelischen Stände. Im Oktober 1529 waren die Türken, die bis Wien vorgedrungen waren, abermals zurückgeschlagen worden, und der Kaiser konnte daran denken, auszuführen, was er ein Jahr zuvor nicht erreicht hatte. Von Bologna aus ließ er am 21. Januar 1530 einen Reichstag nach Augs - b U.r g ausschreiben, er selbst langte dort erst am 15. Juni an. Kursürst Johann von Sachsen, der im Jahre 1525 seinem Bruder Friedrich auf dem Throne gefolgt war, hatte sich vor der Abreise nach Augsburg lange Zeit mit seinem Gefolge in Torgau aufgehalten. Luther war anfänglich auch in diesem Gefolge, er wurde aber an der Grenze des Landes auf der Beste Koburg zurückgelaffen, weil er als Geächteter nicht vor dem Kaiser erscheinen durste. Die Koburg war als Aufenthaltsort des Reformators gewählt worden, weil er fo am leichtesten von Augsburg aus zu erreichen war. Unter den Männern, die auf diesem Reichstage über die evangelische Sache zu bestimmen hatten, ragen einige besonders hervor. Zu ihnen gehört, der Kaiser, damals erst dreißig Jahre alt, aber seit langer Zeit im Kriege und in der Politik erfahren, ohne Zweifel ein bedeutender Mann. In Augsburg versuchte er, durch Milde seine Gegner zu gewinnen. Der Reichstag, so hatte er von Bologna aus geschrieben, sollte „bemüht sein, die Zwieträchten hinzulegen, Widerwillen zu lassen, vergangene Jrrsale Christo, unserem Seligmacher, zu ergeben und Fleiß anzuwenden, eines jeglichen Gutdünken, Opinion und Meinung zwischen uns selbst in Liebe und Sittlichkeit zu hören, zu ersehen und zu erwägen, die Zwiespaltung zu einer einigen christlichen Wahrheit zu bringen und zu vergleichen". Rein menschlich erscheint der mächtige Mann in einem günstigen Lichte durch eine Aeuherung, die er dem Markgrafen von Brandenburg gegenüber tat. Dieser hatte bei der ersten Zusammenkunft dem Kaifer gesagt, eher wolle er sich den Kops abschlagen lassen, ehe er von dem Evangelium ließe. Darauf hatte der Kaiser in seinem gebrochenen Deutsch erwidert: „Nit Kopp an, lieber Fürste, nit Kopp ab!" Aus evangelischer Seite hatte Melanchthon die Verhandlungen zu führen, ein Mann von großer Frömmigkeit und tiefer Gelehrsamkeit, aber mitunter zaghaft, pessimistisch, sorgenvoll und nicht standhaft genug. Die Seele des Widerstandes gegen den Kaiser war in Augsburg der junge, «m sechsundzwanzigsten Lebensjahre stehende hessische Landgraf. Es soll an Versuchen nicht gefehlt haben, Philipp umzustimmen. So soll ihm em Schwiegervater, Herzog Georg von Sachsen, die Nachfolge in einem Lande angeboten haben, wenn er sich zur katholischen Partei chluge. Der hessische Geschichtsschreiber Wigand Sauge schreibt, der Versucher habe den Landgrafen auf einen sehr hohen Berg geführt und ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit angeboten, wenn er nach- gebe, Philipp aber fei standhaft geblieben. Es ist das weltgeschichtliche Verdienst Philipps, in Augsburg die evangelischen Fürsten zur Standhaftigkeit ermuntert zu haben. , Doch der geistige Führer der Evangelischen war auch bei dieser Gelegenheit Martin Luther. Ueber seinen Aufenthalt auf der bis auf diesen lag in der alten Form erhaltenen Koburg sind wir sehr genau unter« ndjtet, und aus vielen Berichten lernen wir den großen deutschen Mann in feiner ganzen Eigenart kennen. Vom 15. April bis zum 5. Oktober weilte er an der einsamen Stätte. Eigentlich sollte dieser Aufenthalt wie und rf fc ra fri toi wl Ai Er au wechsl in der unnütz erfülle Sach I nähre, müßig 15 Schejs von 2 er (är «Ulfe 17 Pst auf 30 von fo durch So m — wo eheden bürg, aber n daß w vigcr i nicht Wuche belfer teiqer leicht, Müssen me M< Ge bat zu in ei beb ten aufi traf arbi schei voll, ersct die stur, der ( ganz Hintz in E teuer 200 ( mein nabe 3c bei mar, liche matic wirtfi Ji in de batna merkt Cntiv wart äußer $reifj Suggi nicht a Ilgen Gelbe aber Backe wirfst laufen Di anben nung >tzt itr weiter Seba im Jahre 1521 der Aufenthalt auf der Wartburg nicht bekannt werden aber die Nachricht, daß der Reformator sich auf der fränkischen Veste befinde, sickerte allmählich durch. Humorvoll nennt er in feinen Briefen, die er von der Koburg abfanbte, seinen Aufenthaltsort bald „in der Wüste" bald „aus der Region der Vögel", bald „aus dem Reich der Malztürken"' oder er kehrt den Namen auch um und schreibt „Grubok". Zur Seite stand ihm der junge Magister Veit Dietrich, der nicht ohne günstigen Einfluß auf den großen Mann war und der vermittelte, als zwischen Luther und seinen in Augsburg weilenden Freunden eine gewisse Spannung eingetreten war. Luther erhielt auf der Burg mehr Besuch, als ihm lieb war. Trotzdeiy war er unausgesetzt literarisch tätig und schrieb viele Briefe an feine Freunde und Familienangehörigen. Einem Wittenberger Freunde gibt er eine humorvolle Schilderung des Treibens der Dohlen, die vor feinem Fenster lärmten, er verglich das Treiben der Vögel mit den Beratungen der zu Augsburg Versammelten. Der Kurfürst von Sachsen hatte seine Theologen beauftragt, das Bekenntnis der Evangelischen in angemessener Form aufzuzeichnen. Dieser Auftrag wurde rasch ausgeführt, das Schriftstück wurde in Torgau dem Fürsten überreicht, darum trägt es den Titel die „Torgauer Ar- t i k e l". Melanchthon fiel die Aufgabe zu, diese Artikel zu einer Bekenntnisschrift umzugestalten, die dem Kaiser übergeben werden sollte. Der große Gelehrte hatte in seiner Niederschrift zuerst nur von den Mißbräuchen gehandelt, die sich in der Kirche eingeschlichen hatten, als er aber in Augsburg erfuhr, daß v. Eck in einer scharf gehaltenen Schrift die evangelische Lehre in vielen Punkten verdammt hatte, fügte er feiner Arbeit noch eine Ausführung über die Lehre der Evangelischen zu, diese Ausführung sollte die Uebereinstimmung der evangelischen Lehre mit der Heiligen Schrift nachweisen. Als Grundlage dienten ihm dabei die fog. 17 Schwabacher Artikel, die, eine Arbeit Luthers, ein Jahr zuoor dem Schwabacher Konvent übergeben worden war. Lacher war mit der Arbeit feines Freundes sehr zufrieden, und so wurde beschlossen, diese Bekenntnisschrift, an der hier und da noch etwas gebessert wurde, dem Kaiser zu überreichen. War Luther auch fern von dem Verhandlungsort, so hat er doch an den Verhandlungen fortwährend teilgenommen, die Boten ritten fjin und her auf den Straßen von Augsburg nach der Koburg. Vor allem war es fein Bemühen, den oft zaghaften Melanchthon aufzurichte» und zu stärken. So schrieb er in dieser Zeit an seinen Freund Briefe, die uns den Glaubenshelden Luther in seiner ganzen Größe erkennen lassen. Unter anderem schrieb Luther: „Ausgang und Erfolg der Sache zer-, martern dich, weil du beide nicht begreifen kannst. Doch, wenn du beide begreifen könntest, dann wollte ich mit der Sache überhaupt nichts $« tun haben, viel weniger ihr Berater fein. Sott hat sie an einen gewissen allgemein zugänglichen Ort gestellt, den du in deiner Rhetorik nicht fjaft, auch nicht in deiner Philosophie. Dieser Ort heißt Glaube: da hat alles feinen Platz, was man nicht sieht und was nichts ist ... Der Herr ho! verheißen, im Dunkeln zu wohnen, und hat die Finsternis zu feinem Gezeit gemacht. Wer will, der mache es anders. Wenn Mose- zu begreifen getrachtet hätte, auf welche Weife er endlich dem Heer des Pharao ent I rinnen sollte, dann wäre Israel vielleicht noch heute in Aegypten." Am 25. Juni 1530 wurde die Bekenntnisschrift der Evangelischen in der bischöflichen Kapitelstube — der bischöfliche Palast steht nidi: mehr —, vorgelesen und dem Kaiser überreicht. Dem kursächsischen Kanzl-i I D. Bayer fiel die Aufgabe zu, das Bekenntnis in der deutschen Ans-1 fertigung vorzulesen. Der Raum, in dem sich dieses denkwürdige Ereignis I zutrug, war verhältnismäßig klein, aber man hatte die Fenster geöffnet, | fo daß eine große Versammlung, die sich im Hose zusammengefunden f hatte, die Verlesung Wort für Wort folgen konnte. Der Kaiser nahmdiif Schrift entgegen und versprach, seine Entscheidung später bekanntzugeben. O. E ck lieck auf die Bekenntnisschrist der Evangelischen eint Widerlegung, die „Confutatio" folgen, die von den Evangelischen wiederum mit der „Apologie" beantwortet wurde. An geschichtlicher Bedeutung können diese beiden Schriften mit der Confessio Augustana nicht vergliche« werden. Für die-Evangelischen bedeutete die liebe rreidyung ihres BekenniniP einen großen Erfolg. Melanchthon allerdings blieb sorgenvoll. Luchu aber schrieb einem Freunde: „Die Widerfahr haben erstaunlich gearbeiiet, daß der Kaiser das Bekenntnis nicht annehme; nun ist es auf des Kaisers Geheiß verlesen vor dem ganzen Reich, vor den Fürften und Ständen-, ich muß hier sehen und mit Händen greifen, daß Gott in Wahrheit W ein Erhörer des Gebets." Die Jahre 1517 bis 1530 waren die Sturmjahre der deutschen W*- mation, nun folgten ruhigere Zeiten. Die evangelische Lehre öcrtrei»' sich von Jahr zu Jabr immer mehr, sie erfaßte ganz NordeuM« einen großen Teil Süddeutschlands und die Nordstaaten Schweden, v wegen und Dänemark. Zogen auch mit dem Schmalkaldifche' Kriege schwere Wetter am Himmel der Evangelischen herauf, so> schaffte doch der Augsburger Religionsfriede im Jahre ibt°l der evangelischen Kirche die Anerkennung im ganzen Deutschen Reiche- s Das Augsburgische Bekenntnis gliedert sich in 28 Artikel. Die Ar!!!' 1 bis 21 legen in positiver Weise die Glaubensüberzeugung der EoE lischen dar, die Artikel 22 bis 28 sind überschrieben: „Artikel, von ww Zwiespalt ist, da erzählt werden die Mißbräuche, so geändert sind, t-" kirchliche Gemeinschaft kann ohne ein gemeinsames Bekenntnis nicht p- Man hat gesagt, das Apostolische Glaubensbekenntnis sei aufE. worden zur Lehr und zur Wehr, es sollte die Glieder der fW™:' Gemeinschaft belehren und falsche Ansichten abwehren. Es ist dos M« an der Confessio Augustana, daß sie nicht dogmatisch sondern rciig - gehalten ist. Auf ihrer Grundlage sind die evangelischen LandeskE die leider immer noch nicht zusammengeschlossen sind, aufgebaut «w 1 auf dieser Grundlage stehen sie seit vier Jahrhunderten. Die enange;i Christenheit wird sich rege an der Gedächtnisfeier ihrer ®efennfni5! M beteiligen, diese Feier wird dann zur Vollendung kommen, wen nj Augustana, die in diesem Jahre in vielen billigen Ausgaben ge worden ist, von den Evangelischen eifrig gelesen wird. «erden, este bc= ten, die Wüste", türken", r Seite ünstigen zwischen : Span- uch, als ) schrieb Witten- iens der ben der das Le- t. Dieser gau dem er Ar- iner Veen sollte. )en MH- t, als er n Schrift er seiner zu, diese e mit der i die sog. nhr zuvor r mit der ssen, diese rrde, dem t er doch ritten hin Bor allem uszurichten Briese, die ren lassen. Sache zer- i du beide nichts zn n gewissen nicht host i hat alles : Herr Hai zu seinem n begreifen charao ent< pten." jelischen in steht nicht en Kanzler schon Am- ,e Ereignis er geöffnet, engefunden : nahm di! rntzugeben. nt Wider- rberum mit mg können vergliche« 5 r w EoonS von wel* t find. 6»1 nicht » ekenntnW voll. Luther ) gearbeitet, des Kaiftr- Stänben •• hrheit B chen Refp verbreite» rdeutfchtnllt, neben, rldifch" auf, fo * Jahre Iw :n Reich«- Die Artibi kirchli^ bas ern mbeskrrch- aut »o* evangeiE mntniM wenn» xn Oie wirtschaftlichen Llrsachen der Deformation. Von Dr. Jörg Lechler. Kultur und Zivilisation schreiten in der Welt nicht überall gleichmäßig fort. In vielen abgelegenen Gegenden halten sich alte Zustände trotz des rasenden Fortschreitens der Neuzeit. So trafen deutsche Soldaten im Weltkrieg in Rußland Gegenden, in denen noch alle Geräte der Landwirtschaft, wie Pflug, Egge, Hausgeräte, völlig prähistorisch, nur aus Holz waren, wo Eisenmesser oder selbst Eisennägel eine Kostbarkeit bedeuteten. Auch die Auffassung über das Geld hat sich in den verschiedenen Gegenden der Erde verschieden schnell entwickelt. So endete die prähistorische Geldauffassung- in Deutschland erst vor 400 Jahren. • Geld an sich ist eine Erfindung der Vorzeit, ein feststehender Wertmesser, deren gab es verschiedene: Vieh, wie Rinder, Pferde, Schafe oder Metall in Ringform oder Barrenform. Eine Erweiterung des Begriffes Geld kam vor 700 v. Ehr. in Kleinasien auf, wo der Staat die Metallbarren mit einem Stempel versah, um dadurch deren Gewicht und Güte zu garantieren. Die Münzen entstanden dann dadurch, daß bei dem Edelmetall — Gold nni) Silber — das ganze Metallstück mit einem Stempel bedeckte, um so die-Möglichkeit der Formveränderung oder des unbemerkten Abfchneidens zu verhindern. So war das Geld lediglich ein Wertaufbewahrungsmittel. Das ist eine Auffassung, die der in der Gegenwart kraß entgegengesetzt ist, wo man unter dem Wort Kapital das produktiv arbeitende Geld versteht. Diese Umwandlung der Einstellung des Menschen zum Gelds --- also das Verlassen der prähistorischen Eeldauffassung vollzog sich in Deutschland erst vor 400 Jahren und brachte als Begleiterscheinung wegen des plötzlichen Überangebotes von Geld als Kapital die schwerste Erschütterung des Wirtschaftslebens mit sich: den Valutasturz — und wurde somit Wegbereiter zugleich einer geistigen Revolution, der religiösen Reformation. Gerade der Valutasturz vor 400 Jahren interessiert uns Deutsche ganz besonders, da wir ja kaum die Tage der selbsterlebten Inflation hinter uns haben. Wir alle haben noch die Eindrücke der SchreckensM in Erinnerung, wo das Markenbrot von Tag zu Tag sich sprunghaft verteuerte von der fünfstelligen Zahl auf die sechsstellige, von 50 000 auf 200 000 und so fort. Wie ging es uns zn dieser Zeit? Die Hausfrau oft weinend, verzweifelt, der Hausherr sich Luft machend in Schimpfkanonaden auf die „Wucherer und Schieber", die an allem Schuld haben. Jeder war überzeugt, daß unsere Zeit [o verdorben wie noch kein« andere mar, noch mehr überzeugt aber, daß die Welt noch nie das gleiche Schreckliche durchgemacht hätte. Und doch war es nicht so. Die Zeit der Reformation kennt genau so den Valutasturz wie dessen Folgen di« Zwangswirtschaft usw. Im Jahre 1516 begann in Deutschland das, was unsere Generation in der Inflation erlebte, das Toben auf Wucherer und Schieber, nur daß damals sich niemand über die Ursachen der Teuerung klar war. Wenige merkten nur, daß die Geldentwertung die Ursachen bildete. Die eintretende Entwertung des Geldes mußte sich damals — .wie dies in der Gegenwart auch der Fall war — naturgemäß zuerst in den Auslandsprodukten äußern. So fliegen die Gewürze, die aus Ostindien kamen, rasend im Preise, und als erste luden die großen Handelsgesellschaften wie die Fugger in Augsburg das Odium des Wuchers auf sich. Doch es dauerte nicht lange, da ging es auch gegen die Händler und Kaufleute ganz im allgemeinen los; diese haben freie Hand und können sich infolgedessen der Geldentwertung in ihrem Preisaufschlag am schnellsten anpassen. Bald aber wurden von der Menge zu den „Sündern und Wucherern" auch die Bäcker, Fleischer und Handwerker gezählt, und ganz besonders die Landwirtschaft wurde des Wuchers bezichtigt. Es ist alles fast genau so verkaufen, wie wir dies aus der Inflation „bestens" in (Erinnerung haben. Die Preissteigerung war auch enorm, und die Tatsache, daß jeder den anderen unter die Wucherer rechnete, zeigt, daß die allgemeine Erscheinung tiefere Ursachen hatte. Luther sagt z. B.: ;,Wenn man die Welt itzt ansieht durch alle Städte, so ist es nichts anderes, denn ein großer, weiter Stall voll großer Diebe." Sein Zeitgenosse, der Nationalökonom Sebastian Frank sagt: „Was für redlich Händel jetzt unter den Christen unb christlichen Kaufleuten, Gesellschaften, Wucherern, Zinskäufern, Geldwechslern fürgehen, empfinden wir freilich allzumal wohl, auch das Kind in der Wiegen: das ist eitel Zinskauf, Fürkauf und das ganze Land mit unnützem Händel Gewaaren und Handthieningen zu jedermanns Nachteil erfüllet. Viel wundert, daß fein Geld im Lande ist, die anderen, so die Sach baß bedenken, haben für ein merklich Wunderzeichen, daß wir uns naljren, wie es doch Deutschland zu mög kommen bei soviel unnützen müßigen Geyern." ' 1516 war das Unglücksjahr, wo die „Valuta" ins Rutschen kam. Der «chrsfel Korn — sozusagen das Grundmaß aller Preisbildung — sprang von 2 Groschen schnell auf 9, 10, 11, 12, und erst bei 12 Groschen blieb er länger sieben; in den Augen der Zeitgenossen nur als Folge von <7 u.nb Geiz. Eier gingen — ein zweites Beispiel — von 3 auf 17 Pfennig; der Wein stieg 1517 das Fuder von 5 Gulden auf 25, dann ouf 30. Alles schrie nach Zwangsmaßnabmen und Notgesetzen. Die Leute von damals waren durch die strengen Bindungen in den Ständen unb oura; die genauen Lohnfestsetzungen fast alle in der drückendsten Sage. to0 wurde z. B. unter den Geistesarbeitern zuletzt den Pfarrern 1541 . wohlgemerkt: 1516 war der Sturz — das Gehalt von 30 Gulden von bebetn auf 90 erhöht. Luther seufzte: „der Wucher sitzt zu Leipzig, Augs- urg, Frankfurt und dergleichen Städten und bandelt mit Geldsummen; oer wir fühlen sie gleichwohl hier auf unserem Markt und in der Küchen, bin m,r. roeber Pfennig noch Heller behalten; wir Pfarrherrn und Pre- nirfa n . b*e öon Zinsen leben, kein Gewerbe haben und unsere Pfennige L ll^tgem noch mehren können, fühlen wohl, wie nahe uns die r£r toen: fressen mit uns aus unseren Küchen, trinken aus unserem tnrtCr * i „mmfte, schinden und schaben uns, daß uns Leib und Leben Üi-in '"'. Zauern, Bürger und Adel können ihr Korn und ihre Arbeit leirfu'J/11 Pfennig duppeln unb trippeln und den Wucher damit desto mUN-I fragen: aber die von der Schnur — wie man sagt — zehren 11 ", bte müssen herhalten und sich schinden und würgen lassen." Aber die Gesetze waren all« vergeblich, da sie das klebe! nicht an der Wurzel packten, und Seb. Frank hatte recht, wenn er sagte: „Man kann kein Gesetz, List und Praktik erfinden, man erdenkt ein Gegensatz, List und Praktik. Laß gleich die Herren doppelt von ihren Untertanen fordern, so lehrt sie, die Untertanen, die Not alle Dinge doppelt zu nehmen. Nun laß gleich die Bauern dahin, daß sie ein Hof und Gut um 1000 Gulden geben, daß vor kaum um die Gült hat mögen verkauft werden unb ein Karren mit Heu um 4 ober 5 Gulden geben, eine Kuh um 10 (Bulben, unb gleich ein Horn auch um einen Gulden den Schwanz um 2, die Haut um 3 Gulden, so kann ihr die Welt nicht geraten, noch sic der Welt, so muß der Metzger das Pfund Fleisch um 7 oder 8 Pfennig geben, der Gerber eine Haut um 4 und bis in die 5 Gulden, der Schuster ein Paar Schuh um einen halben Gulden; bas kann der Hafner, Schneider unb Schmidt nicht leiden noch zukommen, er fahre denn auch hinauf unb geb ein Pfennighafen um 1 Kreutzer, der Schmidt das Hufeisen Um 3 Kreutzer, der Wagner das Rad dreimal so teuer, als er vor pstag. Also ifts gleich wie vor, da er wohlfeil war; allein, daß, all Ding in höherem (Selbe schwebt unb man jetzt der Kreutzer für den Pfennig spielt." Worin hatte nun der Valutasturz seine Ursachen? Völlig sicher läßt sich heute bas noch nicht sagen, aber sicher wenigstens in den großen Linien. Durch die vermehrte Ueberausbeute der deutschen Silbergruben mußte das Silbergeld allein in etwa um 50 Prozent an Wert verlieren. (Die Entdeckung des silberveichen Amerikas spielt dabei keine Rolle.) Kaum wurde von den Fürsten di« produzierte Geldmenge als im Werte nicht mehr ausreichend empfunden, versuchten sie durch erhöhte Förderung — statt zurückzuhalten — dem liebel zu steuern und trieben so ben Teufel mit Beelzebub aus. Dann griff man zur weiteren gelbentroertenben Maßnahme der Münzverschlechterung — wir würden Papier gedruckt haben. Auch die vielen Kriege Karls V. trugen das ihre dazu bei. Ferner wanderte alles Gold zur Bezahlung der ausländischen Waren ab, da bas Ausland Silber nicht mehr annahm. Die Hauptursacho aber lag in der Umwertung des Geldes als solchem. Bis dahin war das Geld Wert- aufbewahrungsmittel gewesen, man legte es in der Truhe „auf die hohe Kante". Jetzt verwandelte es sich in ein Umsatzmittel, man legte es produktiv an. Dadurch fing das Geld an schneller zu zirkulieren; der Gewinn reizte immer mehr Leute zur produktiven Anlage, und daburch tarnen riesige Mengen auf den Markt. Zur gleichen Zeit entstand aber auch das Kreditwesen, das seinerseits wieber das Geld flüssiger machte und zugleich solches ersparte, was wieder den Preis des Geldes senkte. Die Geldentwertung rief damals — wie heute — auf der einen Seite-' Luxus, auf der anderen Elend hervor. Das Mittelalter war aber viel religiöser eingestellt als unsere Zeit, unb so suchte man von bieser Seite aus an bie Frage heranzukommen. Man sand in der Bibel die Bestätigung, daß Handel etwas Unrechtes sei, unb so würbe der Kaufmann ein Sünder. Zinsnehmen erschien gänzlich unmoralisch, weil man in der Vorstellung befangen war, baß man Geld nur leih« aus Not. Gerade in der fraglichen Zeit hatte sich aber ein Umschwung in der Wirtschaft vollzogen; Handel unb Verkehr waren zur ungeahnten Entwicklung gekommen, jedoch bie breite Mass« vermochte noch nicht einzusehen, baß man anderen Kapital geben konnte, damit er ein Unternehmen besser fundiere oder vergrößere. Zinsnehmen war und blieb sündhaft. Sehr schön beleuchtet diese Auffassung Luthers naive Aeußerung in der „Vermahnung an die Psarrherren, wider den Wucher zü predigen". Wenn jemand einem anderen ein Darlehen von 100 Gulden gäbe, so dürfe er diesen wohl um die unentgeltliche Benützung seines Kellers bitten, beispielsweise, „es müße wenigstens ein sehr frommer Mann sein, ber sich daraus wolle ein Gewissen machen; warum solle man nicht einen Dienst nehmen für einen anderen?" Was ist da der Unterschied von Zins, fragen mir. Des weiteren konnte man sich nur vorstellen, daß dem Gewinn auf der einen Seite ein Verlust auf der anderen entsprechen müsse, also jeder Kaufmann danach von vornherein den Käufer betrog, denn wenn man auch einsah, daß der Kaufmann für feine Mühe entschädigt werden müsse, so setzte man dafür, weil man kein Urteil über bie Betriebsunkosten eines großen Unternehmens hatte, eine viel zu - gering« Summe an. Die durch die Reformation hervorgerufene sittlich-moralisch« Anschauung der Zeit verdammte eben allen Eigennutz, alles Trachten nach Geld unb Gelderwerb als unsittlich und dem Gemeinwohl schädlich. Daher bie Idee, alle volkswirtschaftliche Tätigkeit durch ben Staat selbst leiten zu lassen, um dem „gemeinen Nutzen" ben Sieg über ben Eigennutz zu verschaffen, baher bie Verdammung des Handels, die Bevorzugung des Ackerbaues, daher auch di« Meinung von der allgemeinen willkürlichen Verteuerung durch den Eigennutz, daher stammen auch schließlich alle kommunistischen Tenbenzen dieser Zeit, wie sie die Wiedertäufer vertraten, welche in dem Aufgeben aller privatwirtschaftlichen Tätigkeit die einzige Möglichkeit sahen, ben Eigennutz völlig zu unterdrücken. Die groß« Preisveränderung mit allen ihren Folgen, bie in all« Lebensverhältnisse eingriffen unb deren wahren Grund niemand versteht, sucht man auf alle mögliche Weis« zu erklären unb wenbet von diesen Erklärungen ausgehend falsche Mittel an, sie zu heilen und abzuwenden. So versucht man allen unb jeden Preis zu taxieren, daher läuft man Sturm gegen ben Wucher, daher klagt man bie Monopole ber Handelsgesellschaften an unb ben auswärtigen Handel, daher schasst man eine umfangreiche, hiergegen gerichtete Gesetzgebung, daher ber Druck auf ben Arbeitslohn unb bie Bewegung ber unteren Klassen, soweit sie von der städtischen Bevölkerung ausgeht, während bei den Bauern die Last der Feudalverhältnisse die große Erhebung herbeiführte: den Bauernkrieg. Klar ist, daß seinerseits wiederum diese wirtschaftlichen Fragen, vor allem also ber Valutasturz, ben Boben für bie religiöse Bewegung der Reformation vorbereitete, wie andererseits z. B. die Fugger Augsburgs lediglich deshalb nicht zur Reformation übertraten, weil sie gegen den Handel so feindlich eingestellt war. Oie schwarze Spinne. Erzählung von Jeremias G o t t h e l f. (Fortsetzung.) „Set ruhig, Großmutter!" sagte der Großvater, „man hat heutzutag alles bald wieder vergessen, und behält nichts mehr lange im Gedächtnis wie ehedem. Man hat die Sache von mir haben wollen, unb es ist besser, di« ßeutc vernehmen punktum die Wahrheit, als daß sie selbst etwas ersinnen; die Wahrheit bringt unserem Hause keine Unehre. Aber kommt und sitzet! Seht, vor dem Zapfen will ich selbst sitzen. Bin ich doch schon viel tausend Tage da gesessen ohne Furcht und ohne Zagen und darum auch ohne Gefährde. Nur wenn böse Gedanken in mir aufstiegen, die dem Teufel zur Handhabe werden konnten, so war es mir, als schnurre es hinter mir, wie eine Katze schnurret, wen man sich mit ihr anläßt, ihr den Balg streicht, und mir fuhr es den Rücken auf seltsam und absonderlich. Sonst aber hält sie sich mäusestill da innen, und solange man hier außen Gott nicht vergißt, muß sie warten da innen." Da faßten die Gäste Mut und setzten sich, aber ganz nahe zum Großvater rückte niemand. Jetzt endlich konnte der Kindbettimann vorlegen, legte ein mächtiges Stück Braten seiner Nachbarin auf den Teller, diese schnitt ein Stückchen ab und legte den Rest auf des Nachbars Teller, ihn mit dem Daumen von der Gabel streifend. So ging das Stück um, bis einer sagte, er denke, er behalte es, es sei noch mehr, wo das gewesen sei; ein neues Stück begann die Runde. Während der Kindbettimann einschenkte und vorlegte, und die Gäste ihm sagten, er hätte heute einen strengen Tag, ging die Hebamme herum mit dem süßen Tee, stark gewürzt mit Safran und Zimt, bot allen an und fragte: wer ihn liebe, solle es nur sagen, er sei für alle da. Und wer sagte, er sei Liebhaber, dem schenkte sie Tee in den Wein und sagt«: sie liebe ihn auch, man möge den Wein viel besser ertragen, er mache einem nicht Kopfweh. Man atz und trank. Aber kaum war der Lärm vorbei, der allemal entsteht, wenn man hinter neue Gerichte geht, so ward man wieder stille, und ernst wurden die Gesichter, man merkte wohl, alle Gedanken waren bei der Spinne. Scheu und verstohlen blickten die Augen nach dem Zapfen hinter des Großvaters Rücken, und doch scheute jeder sich, wieder davon anzufangen. Da schrie laut auf die Gotte und wäre fast vom Stuhle gefallen. Eine Fliege war über den Zapfen gelaufen, sie hatte geglaubt, der Spinne schwarze Beine gramselten zum Loch heraus, und zitterte vor Schreck am ganzen Leib«. Kaum ward sie ausgelacht; ihr Schreck war willkommener Anlaß, von neuem von der Spinne anzufangen, denn, wenn einmal eine Sache unsere Seele recht berührt hat, so kommt dieselbe nicht so schnell davon los. „Aber hör mal, Vetter", sagte der älter« Götti, „ist die Spinne seither nie aus dem Loche gekommen, sondern immer darin geblieben seit so vielen hundert Jahren?" „Eh", sagte die Großmutter, „es wäre besser, man schwiege von der ganzen Sache, man hätte ja den ganzen Nachmittag davon geredet." „Eh, Mutter," sagte der Vetter, „laß deinen Alten reden, er hat uns recht kurze Zeit gemacht, und vorhalten wird euch das Ding niemand, stammet ihr ja nicht von Christine ab. Und du bringst unsere Gedanken doch nicht von der Sache ab, und wenn wir nicht von ihr reden dürfen, so reden wir auch von nichts anderem, dann gibts keine kurze Zeit mehr. Nun, Großvater, rede, deine Alte wird es uns nicht vergönnen!" „He, wenn ihr es zwingen wollet, so zwinget es meinethalben, aber gescheuter wäre es gewesen, man hätte jetzt von etwas anderem angefangen und besonders j«tzt auf di« Nacht hin", sagt« die Großmutter. Da begann der Großvater, und alle Gesichter spannten sich wieder: „Was ich weiß, ist nicht mehr viel, aber was ich weiß, will ich sagen; es kann sich vielleicht in der heutigen Zeit jemand ein Exempel daran nehmen, schaden würde es wahrhaftig vielen nichts. Als die Leute die Spinne eingesperrt wußten, sie ihres Lebens wieder sicher, da soll es ihnen gewesen sein, als seien sie im Himmel und der liebe Gott mit seiner Seligkeit mitten unter ihnen, und lange ging es gut. Sie hielten sich zu Gott und flohen den Teufel und auch di« Ritter, die frisch eingezogen waren ins Schloß, hatten Respekt vor Gottes Hand und hielten milde die Menschen und halfen ihnen auf. Dieses Haus aber betrachteten alle mit Ehrfurcht, fast wie eine Kirche. Anfangs schaudert« es sie freilich, wenn sie es ansahen, den Kerker der schrecklichen Spinne sahen und dächten, wie leicht sie da losbrechen und das Elend von vornen anfangen könnte mit des Teufels Gewalt. Aber sie sahen bald, daß da Gottes Gewalt stärker sei als die des Teufels, und aus Dank gegen bi« Mutter, die für all« gestorben, halfen sie den Kindern und bauten ihnen unentgeltlich den Hof, bis sie ihn selbst arbeiten konnten. Die Ritter wollten ihnen bewilligen, ein neues Haus zu bauen, damit sie vor der Spinne sich nicht zu fürchten hätten, oder diese durch Zufall im bewohnten Hause loskomme, und viele Nachbarn wollten ihnen Helsen, die die Scheu vor dem Untier, vor dem sie so schrecklich gezittert, nicht loswerden konnten. Aber die alte Großmutter wollt« es nicht tun. Sie lehrte ihre Enkel: hier sei die Spinne gebannt durch Gott Vater, Sohn und heiligen Geist, solange diese drei heiligen Namen gelten in diesem Hause, solange in diesen drei heiligen Namen an diesem Tische gesessen und getrunken werde, so lange seien sie vor der Spinne sicher und diese fest im Loche, und kein Zufall mach etwas an der Sache. Hier an diesem Tische, hinter ihnen die Spinne, werden si« nie vergessen, wie nötig ihnen Gott und wie mächtig er sei; so mahne sie die Spinne an Gott und müsse, dem Teufel zum Trotz, ihnen zum Heil werden. Lietzen sie aber von Gott, und wäre «s hundert Stunden von da, so könnte dir Spinne sie finden oder der Teufel selbst. Das faßten die Kinder, blieben im Hause, wuchsen gottesfürchtig auf, und über dem Hause war der Segen Gottes. ’ Das Bübchen, welches so treu an der Mutter gewesen, so treu die Mutter an ihm, wuchs auf zu einem stattlichen Manne, der lieb war Gott und Menschen und Gnade bei den Rittern fand. Darum ward er auch gesegnet mit zeitlichem Gut und vergaß Gott nie darob, ward nie geizig damit; er half anderen in ihren Nöten, wie er wünschte, daß ihm geholfen werde in der letzten Not, und wo er zu schwach zu eigener Hilfe war, da ward er ein um so kräftiger Fürsprecher bei Gott und Menschen. Er ward gesegnet mit einem weisen Weibe, und zwischen ihnen war ein unergründlicher Friede, darum blühten fromm ihre Kinder auf, und beide fanden spät einen sanften Tod. Seine Familie blühte fort in Gottesfurcht und Rechttun. Ja, über dem ganzen Tale lag der Segen Gottes, und Glück war in Feld und Stall und Friede unter den Menschen. Die schreckliche Lehr« vor den Menschen zu Herzen gegangen, sie hielten fest an Gott; was sie taten, taten sie in seinem Namen, und wo einer dem anderen helfen konnte, da säumte er nicht. Vom Schlosse her ward ihnen kein Uebel, aber- viel Gutes. Immer weniger Ritter wohnten dort, denn immer härter ward der Streit im Heidenlande und immer nöter jede Hand, die fechten konnte; die aber, welche im Schlosse waren, mahnte täglich die große Totenhalle, in der die Spinne an Rittern wie an den Bauern ihre Macht geübt, daß Gott mit gleicher Kraft über jedem sei, der von ihm abfall«, sei er Bauer ober Ritter. So schwanden viele Jahre in Glück und Segen, und das Tal ward berühmt vor allen anderen. Stattlich waren ihre Häuser, groß ihr« Vorräte, manch Geldstück ruhte im Kasten, ihr Vieh war das schönste zu Berg und Tal, und ihre Töchter waren berühmt landauf landab und ihre Söhne gern gesehen überall; Unh dieser Ruhm welkte nicht über Nacht wie dem Jonas seine Schattenstaude, sondern er dauerte von Geschlecht zu Geschlecht; denn in der gleichen Gottesfurcht und Ehrbarkeit wie die Väter lebten auch die Söhne von Geschlecht zu Geschlecht. Aber wie gerade in den Birnbaum, der am flüssigsten genähret wird, am stärksten treibt, der Wurm sich bohrt, ihn umfritzt, welken läßt und tötet, so geschieht es, daß, wo Gottes Segenstrom am reichsten über di« Menschen fließt, der Wurm in den Segen kömmt, die Menschen bläht und blind macht, daß sie ob dem Segen Golt vergessen, ob dem Reichtum den, der ihn gegeben hat, daß sie werden wie die Israeliten, die, wenn Gott ihnen geholfen, ob goldenen Kälbern ihn vergaßen. So wurden, nachdem viel« Geschlechter dahingegangen, Hochmut und Hoffart heimisch im Tale, fremde Weiber brachten und mehrten beides. Die Kleider wurden hoffärtiger, Kleinode sah man glänzen, ja selbst an die heiligen Zeichen wagte die Hoffart sich, und statt ihre Herzen während dem Beten inbrünstig bei Gott gewesen wären, hingen ihre Augen hoffärtig an den goldenen Kugeln ihres Rosenkranzes. So ward ihr Gottesdienst Pracht und Hoffart, ihre Herzen aber hart gegen Gott und Menschen. Um Gottes Gebote bekümmerte man sich nicht, seines Dienstes, seiner Diener spottete man: denn wo viel Hoffart ist oder viel Geld, da kömmt gern der Wahn, daß man seine Gelüsten für Weisheit hält, und diese Weisheit höher als Gottes Weisheit. Wie sie früher von den Rittern geplagt worben waren, so würben sie jetzt hart gegen bas Gesinde und plagten dieses, und je weniger sie selbst arbeiteten, um so mehr muteten sie diesem zu, und je mehr sie Arbeit von Knechten und Mägden forderten, um so mehr behandelten sie dieselben wie unvernünftiges Vieh, und daß diese auch Seelen hätten, die zu wahren seien, dachten sie nicht. Wo viel Geld oder viel Hoffart ist, da fängt das Bauen an, einer schöner als der andere, und wie früher die Ritter bauten, so bauten jetzt sie, und wie früher die Ritter plagten, so schonten sie jetzt weder Gesinde noch Vieh, wenn der Bauteufel über sie kam. Dieser Wandel war auch über dieses Hausgekommen, während der alte Reichtum geblieben war. Fast zweihundert Jahre waren verflossen, seit die Spinne im Loche gefangen saß, da war ein schlau und kräftig Weib hier Meister, sie war kein« Lindauerin, aber doch glich sie Christin« in vielen Stücken. Sie war auch aus der Fremde, der Hoffart, dem Hochmut ergeben, und hatte einen einzigen Sohn; der Mann war unter ihrer Meisterschaft gestorben. Dieser Sohn war ein schöner Bube, hatte ein gutes Gemüt und mir freundlich mit Mensch und Vieh; sie hatte ihn auch gar lieb, aber sie ließ es ihn nicht merken. Sie meisterte ihn jeden Schritt und Tritt, und keiner war ihr recht, den sie ihm nicht erlaubt, und längst war er erwachsen und durst« nicht zur Kameradschaft ohne der Mutter Begleit. Als sie ihn endlich alt genug glaubte, gab sie ihm ein Weib aus ihrer Verwandtschaft, eins nach ihrem Sinn. Jetzt hatte er zwei Meister statt nur einen, und beide waren gleich hoffärtig und hochmütig, und weil sie es waren, so sollte auch Christen es sein, und wenn er freundlich war und demütig, wie es ihm so wohl anstund, so erfuhr er, wer Meister war. Schon lange war das alte Haus ihnen ein Dorn im Auge, und sie schämten sich seiner, da die Nachbarn neue Häuser hatten und doch kaum so reich als sie waren. Die Sage von der Spinne, und was die Großmutter gesagt, war damals noch in jedermanns Gedächtnis, sonst wäre das alt« Haus längst schon eingerissen worden, aber alle wehrten es ihnen. Sie nahmen aber dieses Wehren immer mehr für Neid, der ihnen kein neues Haus gönne. Zudem ward es ihnen immer unheimlicher im alten House. Wenn sie hier am Tische saßen, so war es ihnen, entweder als schnurr« hinter ihnen behaglich die Katze, ober als ginge leise das Loch auf, und die Spinne ziele nach ihrem Nacken. Ihnen fehlte der Sinn, der das Loch vermachte, darum fürchteten sie sich immer mehr, das Loch möchte sich öffnen. Darum fanden sie einen guten Grund, ein neues Haus zu bauen, in dem sie die Spinne nicht zu fürchten hätten, wie sie meinten. Das alte wollten sie dem Gesinde überlassen, das ihrer Hoffart oft im Wege nxir, so wurden sie tätig. Christen tat es sehr ungern, er wußte, was die alte Großmutter gesagt, und glaubte, daß der Famjliensegen an das Familienhaus geknüpf^ stn vor der Spinne fürchtet« er sich nicht, und wenn er hier oben am Tische saß, so schien es ihm, er könne nm andächtigsten beten. Er sagte, wie «r es meinte, aber seine Weiber hießen ihn schweigen, und weil er >Y Knecht war, so schwieg er auch, weinte aber oft bitterlich, wenn sie ‘ nicht sahen. (Fortsetzung folgt.) ____ Verantwortlich: Dr. HanS Thyriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche UniversitätS-Buch- und Steindruckerei. Ä. Lange, Giesie"- Mi Ich l hotte, ui Wo eim Vögeln fruchtbar Straßen Der > bedeckt. 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