(ter btt ertrag« n beim e Sjerr-. cht aus >ohnuuz mg fehl untfdjen >ig mat, d schin md nicht SichenerKmilkMimer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger -s Auge, t vergiß Inb war honoriz der sich Es gab er hab! i könne»! r einzige, aber die md Kuns! Imst. Unb )st du es ilerig unb ten Ernst richt jedei r nicht |o (o gut mit gar nichts auch nicht n und dit rkst du, es u doch n« rd nehme«, itung, aber haben mit ib zu, H gar nichts ir nicht i« sie sich ei« i und daz« : recht, Sie Zestimmmz erst, weil blühte itzt be ich I«! Backzahn Hi , das Set' n märe, 1« pm srühe« tnerksamkeii Iwollie m- Ing gewese« I alle einig. I mit ihm Meßen urö In mit wch Inentlich i® »um Früh K5 W» tun eigen*' den in ®ieJ(#' n nngeftwli hmal leit«, ar io.) 11« u fnabbern lernuß Lein, gere» lschnle,,«« Lb weit« Jahrgang 1950 Montag, den 18. August Nummer 65 Leitspruch. Von Hugo Salus. Wenn wir das Leben zu ernst genommen, Daß uns in Tränen die Augen geschwommen, Oder wenn wir, wie Jünglinge lieben, Unbehagen zu Schmerz übertrieben, Sprach die Mutter mit ruhigem Klang, Daß jedes Wort uns zu Herzen drang: „Hast du kein Leid, so mach' dir kein Leid, Dazu hast du noch später Zeit!" Später bann hat es in unserem Leben Oft recht schwere Tage gegeben. Daß wir litten und schier verzagten; Da geschah's, daß wir immer uns fragten. Ob wohl jetzt schon die Zeit mag fein? Mutter, wo bist du? Sie sprach in uns: Stein! Hast du kein Leid, so mach' dir kein Leid, Dazu hast du noch später Zeit! Und so hab' ich viel traurige Stunden, Hab' fast das Leben schon überwunden. Mutters Sprüchlein, du treuer Begleiter, Dich geb’ ich heute voll Zuversicht weiter, Hoffentlich klingst du mit Mutters Ton. Präg' bir's fest ein, bann hilft's dir, mein Sohn: Hast du kein Leid, so mach' dir kein Leid. Dazu hast du noch später Zeit! Kranz Joseph. Zum 100. ©eburfsfag des „letzten Herrschers" am 18. August. Von Alfons Freiherrn von Czibulka. Es ist nicht leicht, einer Welt, die sich dem Gelbe unb dem Pseudofortschritt verschrieben hat, deren Bürgerideal im Besitze eines Autos gipfelt, einer Zeit, die Männer, bei denen der Bizeps oder sonst ein Muskel zufällig ausgebildeter ist als bas Gehirn, mit Gold überschüttet, indes sie schöpferische Menschen verhungern läßt, ein Bild dieses Herrschers zu vermitteln, der das vollkommene Gegenteil von dem war, was die heutige Anschauung einen modernen Menschen nennt. Wie sollte eine Zeit, an deren trüben Oberfläche auch nicht der kleinste Sonnenblitz jener Sehens« aussassung zu sehen ist, deren Wert sich nicht in Perzenten unb Dividenden ausdrücken läßt, eine Gestalt begreifen, die das Leben nicht als den Rummelplatz ihres Vergnügens anjah, sondern als leibvolles Bemühen um die Lösung einer Ausgabe begriff, die uns von einer höheren Weltordnung vorgezeichnet ist. Wem, wie den meisten heutigen Menschen, das Gefühl und der Sinn für alle Tätigkeit fehlt, deren Vorteil sich materiell nicht errechnen läßt, der kann auch bas Abstrakte, Mystische, das immer das Wesen eines wahren Königtums bilden wird, nicht erfassen. Darum hat man auch das Urteil über Kaiser Franz Joseph von Oesterreich auf eine leicht faßbare Formel gebracht unb gesagt, daß die Gestalt dieses Kaisers unvergessen nur durch die unwahrscheinliche Dauer seiner Herrschaft unb merkwürdig nur durch das Ergreifende feines persönlichen Schicksals war. Es hat sich daher um ihn schon zu seinen Lebzeiten die Legende gebildet, daß nur Alter unb Tragik ihn mit jenem wunderbaren Nimbus umgaben, dem sich auch Hasser unb Spötter oder dem Königtum sernstehende ober gar feindlich gesinnte Menschen nicht zu entziehen vermochten. Nun ließe sich dagegen einwenden, daß schon über den zweiundzwanzigjährigen Franz Joseph preußische Staatsmänner, die chm nach der Demütigung von Olmütz nicht zugetan sein konnten, sagten, es wäre in seiner Erscheinung etwas, das mehr sei als Würde. Aber diesem Etwas seines Wesens, diesem ungemeinen Zauber, der wn diesem nach außen zumeist falt und unpersönlich erscheinenden Granne ausging, nachzuforschen, hat sich noch keiner der Biographen N«nz Josephs wirklich bemüht. Sie begnügten sich bisher, den tragischen Ablauf seines Lebens zu erzählen unb von seinen Regierungshand- ungen mehr oder weniger wohlwollend zu berichten, um dann schließ- H 8U der beruhigenden Feststellung zu gelangen, daß Franz Joseph nicht zu den Großen unter den Herrschern, auch nicht feines Hauses, gezählt werden kann. Wiewohl nun ein Werturteil über ihn heute noch verfrüht ist und schon deshalb gar nicht endgültig sein kann, weil die Akten über die letzten zwei Jahrzehnte seiner Regierung noch nicht eingesehen werden dürfen, so muß doch zugegeben werden, daß Franz Josephs Regierung keineswegs frei von schweren Fehlern war und im Endergebnis unglücklich gewesen ist. Was vorweg zu sagen, mir am Herzen liegt. Damit der Verdacht nicht entstehe, daß einer, der in dem Heere dieses Kaisers geritten unb vor nun zwanzig Jahren an einem 18. August, an Franz Josephs Geburtstage, der der Armee die jungen Offiziere gab, in der von Maria Theresia gegründeten Militärakademie zu Wiener-Neustadt über der gesenkten Fahne die Klinge mit denen seiner Kameraden kreuzte und den uralten Schwur der Mannestreue sprach „treu bis in den Tod", nun in verfehltem Byzantinismus die Gestalt dieses Herrschers mit dem Feuergolde der Schmeichelei aufzufrischen versuche. Was auch unnötig wäre. Weil das Bild eines Herrschers, dessen makellosen Charakter selbst seine erbittersten Feinde rühmen, und der seine Reiche aus dem Sumpfe geistloser Reaktion unb der Vernichtung einer Revolution auf die Höhe eines so gewaltigen unb vor allem kulturell bedeutsamen Großstaates führte, wie es das Oesterreich-Ungarn 'Franz Josephs trotz allem war, der Glanzlichter und des Firnisses der Schmeichelei nicht bedarf. Auch ist für das Urteil über Franz Josephs Glück oder Unglück seiner Regierung, wie das bereits angebeutet wurde, nicht so wichtig. Ja, er teilt geradezu mit Fürsten, die größer waren als er, das Schicksal, daß alle seine Bemühungen am Ende vergebens blieben. Wahrhaften Herrschern aber hat weder wahrhafte Geschichte, noch gesundes Volks- empfinden das Endergebnis ihrer Herrschaft jemals kleinlich nachgerechnet. Sonst blieben so viele große Herrscher klein. Von dem Staufer Friedrich II. über Kaiser Max, über Karl V., dem Roi Soleil, Friedrich den Großen, den überschätzten Joseph bis zu Napoleon waren es so oft immer gerade die gewaltigsten Könige, die zu Ende ihrer Herrschaft fast alles Geschaffene wieder vernichtet sahen. Womit nun nicht gesagt sein soll, daß unglückliche Regierung das Kriterium für Herrschergröße sei. Es will damit nur darauf hingewiesen sein, daß das Endergebnis seiner Herrschaft auch am Bilde Franz Josephs nichts ändert. So wenig wie das die Schicksalsschläge vermochten, die ihn trafen. Es hat ihm das Zerbrechen feiner Ehe — den Grund für das Zerwürfnis vermag niemand zu nennen — das einzige, allzu kurze Glück feines glücklosen Lebens zerschlagen. Es hat ihn das Ende seines phantasiebegabten, geistvollen und tatenfrohen Bruders Max, der vor dem Exekutionspeiefon halbindianischer Soldaten starb, tief erschüttert. Der Tod seines vielleicht genialen Sohnes, dessen freiwilliges Sterben Sensationslüsternen heute noch Stoff zu geschmacklosem Klatsch gibt unb die Ermordung seiner immer noch geliebten Gefährtin haben ihn gebrochen. Die Katastrophe von Sarajewo, die ihm auch den zweiten Thronfolger nahm und wie wohl ahnte, Reich und Haus zertrümmerte, hat den Greis furchtbar getroffen. Aber an dem Bemühen um feine als einzigen Lebenssinn erkannte kaiserliche Sendung konnte alles dieses nichts ändern. Es haben diese unaufhörlichen Unglücksfälle ihn verschlossener, unpersönlicher und noch ernster gemacht. Aber feine Kraft zu brechen, ihn von seinem Wege abzubringen, vermochten sie nicht. So wenig wie dies die politischen Katastrophen, die ihn trafen, vermochten. Und sie waren doch schwer genug. Denn so sehr auch fein von ihm verjüngtes Oesterreich unter feiner Herrschaft zu bedeutender Macht und zu einem letzten Glanze aufstieg, so war doch seine fast siebzigjährige Regierung, mit Ausnahme der dann doch noch folgenschweren Erwerbung Bosniens und der Herzegowina voll Verluste. Nachdem, er die reiche Lombardei durch Napoleon III., dem gleichen Mann, der ihm den Bruder nahm, verloren hatte, wurde ihm trotz der Siege feiner Heere unb Schiffe im Silben auch noch der letzte Rest deutscher Kaiserherrlichkeit — Venedig entwunden. Unb auch die letzte deutsche Stellung seines Hauses sah er entgleiten. Um so schmerzlicher mußte ihm das sein, als er sich zeit seines Lebens ganz als der Erbe jener Kaiser suhlte, die seit Karl dem Großen über die Deutschen geherrscht. Denn daß die deutschen Reichkleinodien, wie noch heute in seiner Schatzkammer ruhten, war ihm mehr als eine stolze Erinnerung. Lange Zeit hat sein Bemühen der immer wieder versuchten Einigung der Deutschen gegolten. In anderem Gewände wollte er jene weitläufige Monarchie auferstehen lassen, die einst in glücklicheren Tagen von der Nordsee bis an den Unterlauf der Donau, von der Ostsee bis ans Mittelmeer gereicht hatte. Jenes heilige römische Reich deutscher Nation also wollte er sortsetzen, das, Verwirklichung des größten abendländischen Gedankens, allem engstirnigem Spott zum Trotz doch allen wahren deutschen Wesens Ursprung und Heimat war. Wenige Jahre, bevor feine Staaten aus „Kadlow Green." Von Andersen Nexö. Gott. Von Lulu von Strauß und T o r n e y. Der Tag hing grau in Wolken und war doch schwül und schwer, Die blauen Blitze flammten nachts über die Gärten her, Das Korn stand reif im Felde, und goldner war es nie, — Ich bog dem Gott der Liebe mit Zittern meine Knie. Die Sommernelken blühten und brannten purpurrot, — Die ich mir damals pflückte find nun verdorrt und tot, Der Gott, vor dem ich kniete, er schritt an mir vorbei, Ihm nach durch graue Leere ging meiner Sehnsucht Schrei. — In gelbe Lindmwipfel stößt nun der nasse Wind, Ich gehe stille Wege, die menschenferne sind. Die Stirne, die ich senkte in Tränen und in Traum, Streift wieder eines Gottes dunkler Mantelsaum. Und zwischen letzten Gaben, die goldner Herbst beschert, Im Dampf gepflügter Scholle, die junger Saat begehrt, Das strenge Haupt erhoben in freier Winde Wehn, Seh' ich mit starken Füßen den Gott der Arbeit gehnl Der du gebietend schreitest durch Sichelklang und Saat, — Sich mühen heißt dir beten, und Andacht ist die Tat! Im Werke meiner Hände hör' meiner Sehnsucht Schrei: Du Gott, zu dem ich bete, — Herr, geh mir nicht vorbei! „Blo, oder „£ Pfahl zwun Arbei Der c „€ noch! selber BI bösen einen CU5. In stimm hewU! Er und d den 8 Augen Bauer mehr sparen unterh ließ fi< englisä anheu« Se Daß n Dei zwei ; allmäh Dai von B sehr ln befchrm Lbendi sich do Rm Ruf. A ohne S im Go Unk kundige Meilen irgend hatten rcnd ei — eine nach al Als sondern aus bei Mit be hatte b So da brat nach be man bi ganze $ hatte e oerftant fühlte. Chance, Ich offene sammelt Mumme und rot Zimmer Horn u „We „Ja, und bet Es i verstumi Gramm lauschen. Kimmur und Hel! Blon habe, ir die Pho ldlädcher feine 8u[amnu an Cani das Bes den and Blon das ein; sagte nb darüber K nie' Rede sei Die Woche ist herumgegangen mit ihrer einförmigen Tag- und Nachtarbeit. Jeder neue Tag begann mit Abspülen von vorn bis achter, und dann ist Rost abgeklopft, und gemalt, Segelmacherarbeit getan und ein neuer Teppich für den Kajütenboden genäht worden. Der Schweinestall hat neuen Zementboden bekommen, und die Spille find nachgegangen worden. Und an einem sonnigen Tag, während der alte Tramper um Stagen herumfuhr, wurden Bettzeug und Kleider gesonnt und geklopft. Durch das Kattegatt und den Sund war es mit der Arbeitslust nicht weit her; die Besatzung hing über der Reeling und spuckte weit und sehnsüchtig nach Land. Der Alte aber knisf ein Auge zu und ließ die Leute hangen; zum Kuckuck, sie hatten ja Weib und Kinder drin, die meisten von ihnen. Bei Dragär rief er ein Bumboot an und kriegte etwas dänischen Proviant an Bord; es schmeckte doch immerhin nach daheim. ! Und dann ist der Traum dahin. Der Rauch und die Türme Kopenhagens tauchen achter in die See, Stevns kommt und geht wie eine Nebelbank im Westen — ein Abschiedswinken von Dänemarks Küsten. Und das Leden geht wieder seinen Gang. Unten in der Maschine sind sie eifrig dabei. Neues zu drehen und zurechtzufeilen für die Löcher, Zeit und Abnutzung nagen in der alten Kiste — während sie „das Spinnrad im Gang halten und aufpassen, daß es nicht heißlaust. Ab und zu spannt der Obermaschinist einen kleinen mystischen Apparat an dte große unaufhörlich arbeitende Maschine und fühlt ihr sozusagen den Puls - um ihre schwachen Stellen herauszukriegen. Er sieht aus wie ein Zauberer und liest seine Diagramme, wie der Arzt ein Krankeniourna! Heft. Deshalb liegt er auch in ständigem Krieg mit dem Kapitän und behauptet, daß das Ganze auf ihm beruht. Und eines Tages ist's Sonntag — Sonntag in . See freilich, aber trotzdem! In der Kappe zu Steuerbords Back ist der Zimmermann dabei, Bjerregaard die Haare zu scheren; der amerikanische Barthobel geht reihum und an Backbord stehen zwei nackte Heizer und übergießen einander mit Seewasser, um den Kohlenstaub abzuscheuern. Harte Arbeit hat |ie I gezeichnet, eine wunderliche schiefgeschlagene Kraft leuchtet aus ihren mächtigen Rümpfen. Der Lampenmann hat feinen Kanarienvogel au; I dem Ankerspill oben auf dem Back angebracht und unterrichtet ihn m bcr deutschen Gemeinschaft scheiden mußten, hatte Franz Joseph noch den jubelnden Zuruf der Deutschen im Reiche gehört. Der Berliner Historiker Heinrich v. Sybel gesteht, daß der junge Franz Joseph, als er zu Franksurt der Versammlung deutscher Fürsten vorsaß, dort am Mam mit so rauschender Begeisterung begrüßt worden sei, als wäre Kaiser Barbarossa selbst seiner Gruft im Kysshauser entstiegen und in der alten jyssffc -1» fm 2^>re 1859 trotz seiner noch unerschütterten Armee, nur deshalb Frieden f^oß, weil ihn das Grauen des Schlachtfeldes von Solferiiw, auf dem er selbst geführt zu diesem Schritte drängte, eine ungeheure Last bedrucken mochte. Und A auch klarer sehend als fast alle seine Ratgeber den fast unabwenb- ba'ren Untergang seines Hauses vor Augen hatte und in dieser letzten Zeit trotz aller Zuversicht und allem Jubel, den er oft noch horte, seine Pflicht nur mehr in dem gleichen Seelenzustande erfüllte wre der Kapitän auf der Brücke eines verlorenen Schiffes. Aber eben diese Pflicht, die er fast noch als Kind als einzigen Zweck feines Daseins erkannte, erfüllte er unverdroffen und unbeirrbar bis zuletzt. Dazu in einem Maße wie kaum je em Herrscher. Ächtund- leckiia Jahre lang — er regierte länger als je ein Surft —- ist er dieser Pflicht nachgegangen; Tag für Tag dieser fast sieben Jahrzehnte mit der vierten Morgenstunde sich erhebend. Seit jenem 2. Dezenter 1848 in Olmütz, da er nach der Thronentsagung seines geistesschwachen Oheims Ferdinand und seines die eigene Unzulänglichkeit erkennenden Vaters, als Achtzehnjähriger Kaiser geworden war, die Bürde seiner Sendung erkennend, ausgerufen hat „leb’ wohl meine Jugend , bis zum letzten Tage seines Lebens. Denn noch in den Abendstunden des 21. Novembers 1916 saß der Uralte in den Fieberschauern ferner Todeskrank- heit arbeitend an seinem Schreibtische in Schönbrunn, bis sein sterbendes Haupt auf die Akten niedersank, und die Aerzte ihn nun da sein Wille gebrochen war, endlich auf sein Lager betten durften. Vier Stunden vor seinem Tode! , „ . ... MU dieser ungeheuren Arbeitsleistung, die er nur selten durch seine geliebten Jagden unterbrach, hat er seinen Staat aus einer Zeit, m der eben die ersten Eisenbahnen sichren, in der in Ungarn noch das mittelalterliche Latein Amts- und Gerichtssprache war, in der noch der Bauer fronte, in unsere Welt gesührt. Und dies nur durch feine eigene Kraft. Denn wirklich große Ratgeber find ihm auf,zivilem und politischem Gebiete nicht zur Seite gestanden. Und auf feinen großen Marschall Conrad von Hötzendorff, der auch ein Staatsmann von ungewöhnlichen Ausmaßen war, hat er, allzu loyal die Befugnisse seiner Würdenträger wahrend, nur in militärischen Dingen gehört. Immer mußte Franz ' Joseph, wie schon Bismarck ihm n'achrühmt, trotz seiner vielen Minister schließlich immer selbst entscheiden. . Und doch ist selbst dieser Fanatismus der Psiicht und Arbeit, wiewohl ein wichtiger Zug, so doch nicht das Wesentliche an der Erscheinung Franz Josephs. Er teilt diesen Arbeitsfleiß mit fast allen Herrschern seines Hauses. Das Wesentliche an seiner Gestalt ist etwas anderes. Es wurde von ihm gesagt, er wäre der letzte Grandseigneur gewesen. Doch Franz Joseph war mehr. Er war der letzte wirkliche Herrscher. Er hat elbft einmal geäußert, daß er der letzte Monarch alter Schule sei. Doch da irrte er. Denn es gibt kein Königtum alter oder neuer Schule. ., , .. Es ist die Einrichtung des Königtums, gleichgültig, ob uns dies genehm ist oder nicht, ebenso ein in die uns unbegreifliche Weltordnung eingefügtes und unabänderliches Gesetz wie etwa dies, daß allen intellektuellen Alfanzereien zum Trotz der Beruf der Frau vor allem der der Mutter ist. Darum wird auch keine noch so gescheite Beweisführung dieses wahre Königtum jemals wirklich aus der Welt schaffen. Auch wenn der bevorstehende Sturm der Weltwende, von dem wir bisher nur eine steife Brise verspürten, auch noch die übrigen Kronen auf den großen Kehrichthaufen jinferer Welt weht. . . . t .... Das wahre Königtum wird wiederkommen, wie das im Auf und I den ersten Tonen. , . , . , . mif Ab der Geschichte immer gewesen ist. Und wenn es tausend Jahre währt. Auf der obersten Brücke geht der Alte auf und ab »ud plaudert m Weil immer nur ein™ unb nicht die Vielheit führen kann. seinen Tauben; zwischendurch summt er die Melodie zu: ,,E- ist tz-r -h Freilich muß es, soll diese Wiederkehr ein Segen sein, ein wahres I zu fahren, wenn die Matrosen rudern . Sonntags übernimmt er se Königtum sein. Nur bei einem solchen hat dieses Amt Sinn und Würde, beide Wachen, damit die Steuermänner frei find. H EG solcher wahrer König ist noch Franz Joseph gewesen über den Auf der untersten Brücke sitzt der alte Bootsmann Blom und pr°p lchon in früher Zeit das Urteil fiel, daß an ihm alles echt fei. Er I riert das Skelett einer Kobraschlange, wahrend er mir babei einen S I kannte keine Pose. Er trug seine Krone nicht als Schmuckstück. Alles I jn der Weltweisheit erteilt. in Gemachte, alle großen Worte, jeber Pathos war ihm zuwiber. Inmitten „Seeleute", sagt er, wahrenb er ben fttettierten Schlangenkop eines märchenhaften, aus spanischen unb theresianischen Ueberheferungen allen Winkeln blank w e Elfenbein putzt, "Seeleute gibt s nicht geworbenen Hofes blieb er vollkommen schlicht unb anspruchslos. Nie viele! Ich bin halb junsunbbrelßig Jahre gefahren unb bab 31 1 m wagten sich Protektion unb Günstlingswirtschaft in feine Nähe. Kriecherei I Zeit ja ein paar Stück gekannt, aber die meisten von ihnen sino erreichte bei ihm nichts. Er besaß, wie er bas als junger Ofsizier unter Fablow Green gegangen — unb kommen nie mehr wieoer. Rabetzky, später bei Attentatsversuchen unb bei Solferino bewiesen, ben I „Was Fablow Green ist? Ja, sehen Sie, das ist ja ein bißchen |gj Mut des Soldaten. Dazu die noch höhere Tapferkeit, den moralischen I zu erklären. Aber was Sonntag ist, weiß man; der ist da, um Mut der Verantwortung. Einer seiner frühen Ratgeber hat über den I den Weg zum Paradiese zu bereiten. Na, und wie feiern mir1ce jungen Kaiser gesagt „er ist ein furchtloser Bursche". Sonntag?! — Fadlow Green das ist so eine Sorte Weibechatz Franz Joseph sonnte sich nicht in seinem kaiserlichen Glanze. Und großen Tiefseefische, denk ich mir — bei: Dr: hat gI doch war er, ohne auch nur mit einer Geste dazu beizutragen, immer j in öer ®fbel befommen.Jtfber bas tft iraenbnoo H vollkommen Kaiser; auch seinen höchsten Ratgebern gegenüber. Immer I — beshcllb kann es usto boch g h s - schuhen ft# haben es die Habsburger in diesen ganz von ihnen geschaffenen Län- I man sich ja mit seinen ®uf L -^'nuijenleben'? Da rädert dem, denen sie ihre Prägung fast bis ins Landschaftliche gaben und jene Aber der Seemann was kenn der Wohl und Famil enieven eigentümliche, nirgends im Abendlande in dieser Dichte vorhandene er sich vielleicht ab für ^rauundKinderund dch _ W ®o(, Kultur, verstanden, sich die begeisterte Hingabe ihrer Mitarbeiter zu fremd; heute haben seine Madels noch kurze Rocke das n & sichern. Aber vielleicht keiner fo sehr wie Franz Joseph. Und er hat selbst I wenn er sie sieht, erscheinen sie mit einem ch tz sondern unter Hingabe seines eigenen Wohlergehens seinen Völkern die Treue mann soll derartiges sein lassen, er hat doch kein H -> er nicht gehalten. sich ein Ende abbeißen, wo tn der Welt er kann Und wenn Cs hätte das Geschlecht Habsburg, dessen Herrschersendung im großen I mehr tonn, dann ist ja wie gesagt, Fadlow ^een ®a- . grfauff#! wohl dahin ist, vielleicht größer und glanzvoller zu Ende gehen können. I „Da hat man sich über zwanzig Jahre lang mit• > J, wer if1 Aber nicht mit mehr Würde. herumgebalgt. Zerbrechlich .st er wie eme Sardinenbuchse uno ' —________ I es wohl, der ihn in Gang halt? So manchmal sagt aucy chwer, > Nachi- er, und unb ein einestall egangen per um geklopft, ist nicht icit und ’n; zum ten. Bei Proviant Kopen- tDie eine Küsten. Hine sind )er, Zeit pinnrad" unb zu iie große Puls - wie ein njournal itän und ich, aber in dabei, ,eht reiheinander t hat fic us ihren ogel aus t ihn in ibert mit t herrlich er selber b präpo1 n Kursus nkops i” cht mehr u meiner ind nach er." en schrner im einen Seeleute , für die 'n Namen der N" idwo |61 ,en steht )a rarkert a5 Ganze hste Ein 6(<‘ iern rnu« er nlP fausks!« , wer il* der Blom!" sagt er, „s'ist man gut, daß wir dich haben!" Aber Schisser öder bloß Steuermann, das wird son'n alter Seemann nie!" „Oder glauben Sie, es wären zwei Männer hier an Bord, die einen Pfahlstich schlagen ober ein Boot manövrieren können, falls man gezwungen wäre, feine Zuflucht zu ben Rettungsgerätschaften zu nehmen? Arbeiter sinb's, jawohl — heute auf ber See, morgen auf bem Lande." Der alte Blom spuckte verächtlich. „Seeleute ...! Gehen Sie lieber ins Museum unb gucken Sie ba nach! Hier an Vorb gidt's nur einen. Nun sollen Sie zusehen, ob sie sich selber ausrechnen können, wer bas ist!" Blom ftanb auf unb ging seiner Wege. Cr hatte 'einen von seinen bösen Tagen. Er bereute nun gewiß seine Mitteilsamkeit unb grollte mir einen ober zwei Tage lang. Sanft kamen wir ausgezeichnet miteinanber aus. Jnbem ich eine Menge feiner kleinen zerstreuten Bemerkungen zusammenflickte, bekam ich allmählich die Hauptzüge seiner Lebensgeschichte heraus. Die war eigentümlich genug. Er hatte sein Kinberheim mitten auf Varnhalm, in ber Hochheibe, und da in ber Nähe kam er nach feiner Konfirmation in Dienst. Von den Felbern des Gehöfts hatte er immer irgenbeinen Meereszipfel vor Augen, unb so ging es ihm benn wie fo manchem anderen Bornholmer Bauernburfchen: er sammelte Ausweh hinter Pflug unb Egge, sehnte sich mehr unb mehr in bie Welt hinaus. Er wallte nach Amerika! Von Gelbsparen für bas Billett konnte keine Rebe fein, ba er feine alten Eltern unterhalten mußte. Aber fobatb bie beiben tot waren, warf er los unb ließ sich vom Strom treiben. Es lag gerade im Hafenstädtchen ein großer englischer Dampfer unb reinigte Kessel; auf ihm ließ er sich als Heizer anheuern. Seine Absicht war, burchzubrennen, fobatb er Amerika erreichte. Daß man bahin wallte, erschien ihm ganz selbstverständlich. Der Dampfer sollte aber zunächst nach allen anberen Orten. Ungefähr zwei Jahre verbrachte er in ber Hölle bort unten im Heizraum, und allmählich entdeckte er, daß bie Welt groß ist. Dann enblich lief man einen amerikanischen Platz an; er brannte von Borb burch unb lieh seine Schiffskiste im Stich, bie er mit ber Zeit sehr lieb gewonnen hatte. Aber stolz war er; er hatte — wenn auch auf beschwerlichen Umwegen — feine Gratisreife nach Amerika burchgeführt. Dbenbrein waren Leute auf bem fremben Platz, bie ihm babei halfen, sich von Bord zu stehlen, unb ihn an Laub versteckt hielten. Runners würben biefe Leute genannt, unb sie hatten nicht ben besten Stuf. Aber Blom machte nur gute Erfahrungen mit ihnen, unb er lauschte ohne Vorbehalt ihren phantastischen Geschichten vom Glück, bas brüben im Solblanbe lag unb wartete. Unbesorgt vertraute er sich unb seine zusammengesparte Heuer ben kundigen Händen dieser Leute an — unb erwachte eines Tages hunbert Meilen in See als Heizer in einem fremben Teufelskasten, ber für irgenb einen infernalischen Platz bestimmt war. Die verfluchten Kerls hatten ihn totgetrunken, ihn angemustert unb an Borb gebracht, während er seinen Rausch ausschlief; unb sie hatten babei bas „Blutgelb" — einen halbjährigen Vorschuß auf feine Heuer — berechnet. Er war nach allen Regeln ber Kunst shanghaieb worben. Als ber Mann, ber er war, setzte er sich nicht hin unb jammerte, sondern fand sich mit ben Verhältnissen ab. Sobald er konnte, schielte er aus bem Heizraum aufs Deck über unb würbe ein richtiger Seemann. Mit bem Gedanken an ßanb zu gehen, war es vorbei — biefen Plan hatte bas Geschick auf feine Art entschieben. So war er Seemann geworben. Später hatte er seine meiste Zeit da draußen auf ben großen Strichen zugebracht, wo ber Zug geht — nach ben Guano-Inseln, Neu-Seelanb unb bem Sübkap herum — wo man brei bis vier Monate unterwegs ist, ohne ßanb zu sehen, unb ganze Jahre, ohne Veranlassung zum Gelbausgeben zu haben. Familie hatte er nicht gegrünbet, unb Angehörige hatte er nicht, soweit ich verstand. Es kam vor, daß er — wie nun vor kurzem — sich einsam fühlte. Aber in ber Regel war er in Perlenlaune unb nahm feine Chance, wo sie sich ihm bot. Ich hatte mich übers (Belänber gelehnt unb starrte hinab auf bas offene Zwischenbeck. Die Beute von ber bienftfreien Mannschaft versammelten sich nach unb nach ba unten unb ließen sich auf Buke Nummer eins nieber. Sie hatten sich die Haare mit Wasser gekämmt und waren in Morgenschuhen, bie halbe Erinnerungen bargen; ber Zimmermann rauchte aus einer richtigen langen Pfeise mit gebrehtem Horn unb Quasten. „Wer heute an ßanb wäre!" sagte einer. „Ja, wer zu Hause wäre!" sagte ber Zimmermann. „Bei Muttern und den Gören." Es fällt Stille über sie alle bei seinen Worten, einen Augenblick verstummt ihr sorgloses Geplauder. Oben auf dem Achterdeck setzt bas Grammophon bes brüten Assistenten ein mit „Sweet bream", unb alle Liehen. Jakobsen hat heute Nacht vorn Back bas Weiberschiff bie Kimmung entlang fahren sehen in einem Nebel von aufgelösten Haaren und hellem Weiß — unb es ist Sonntag auf See. Blom kommt vorbeigeschlenbert unb fragt, ob ich etwas dagegen Mo, in seine kleine Kabuse zu schauen. Er nimmt aus feiner Kiste ^...Photographie einer Italienerin hervor. „Sehen Sie, das ist mein Mädchen. Ich habe sie auf ber letzten Reise kennengelernt — in Savona 7" feines Porzellan was? — Wenn man sich nun ein bißchen Gelb 8U|ammenge{egelt hat, bann geht man ja wohl eines schönen Tages ?n t-and unb verheiratet sich; bas Familienleben ist doch bas einzige, as Bestaub hat. Aber tun Sie mir den Gefallen, unb erzählen Sie ®l?nberen "'Gis bavon." Er schlug fummenb bie Kiste zu. Bloms Zukünftige war eine ganz gewöhnliche schwarze Italienerin; ["?. Einzige ausfällige bei ihr war, baß sie mir bekannt vorkam. Ich itariit, n,tV*5' "ber für ben Rest bes Tages zerbrach ich mir ben Kopf ruber, wo in aller Well ich sie wohl gesehen habe. In Savona war !}?vnie. gewesen, unb von einer zufälligen Aehnlichkeit konnte nicht die 06 'Ein, bavon war ich überzeugt. Als ich am Abend zum ersten Maschinisten kam, zu dem gewohnten Abendgrog unb Plauberstündchen, würbe bas Rätsel gelöst. Da ftanb die Dame ja nett unb hübsch auf feinem Schreibtisch, nur hier in Kabinett. Auf meine Frage erklärte er, baß fei feine Dame, bie er in Savona kennengelernt habe unb außerorbentlich schätze — ein in jeber Beziehung sympathisches Mäbchen, mit bem er sich möglicherweise eines Tages verheiraten werbe. Für Blom sollte es übrigens keine Rolle spielen, ob bie Sache sich so ober so verhielte. Wir liefen Dienstag in Kronstadt ein, löschten bie Kohlenlabung unb fuhren bann bie Newa hinauf nach Beningrab, um Holz zu laben. Unb hier — enblich — war Bloms Gratisüberfahrt nach ber Neuen Welt zu Ende unb er konnte an ßanb gehen, ohne Gefahr zu laufen, shanghaieb unb roieber an Borb gebracht zu werben. Wir lagen in bem äußeren Hafen — bei Elevator — unb nahmen bie Holzlabung an Borb; verfaulte Prahme tarnen mit ihr tief aus bem Innern Rußlanbs. Eines Tages, währenb ber Mittagspause, fiel von einem ber Prahme ein Kinb über Borb; Blom sah es oben vom Back aus unb warf sich sofort über bie Schiffsseite hinunter. Das Wasser war sehr trübe, unb vielleicht hat ihn ber Strom erfaßt. Wir fanden ihn nach langem Suchen unter einem ber Prahme mit bem Kinbe in ben Armen. Ich war mit babei, ihm bie letzten Handreichungen zu leisten, und bas war eine fonberbare Arbeit. Ueberall an feinem nackten Körper waren große, farbige Tätowierungen: Ein Herz in Flammen, ein lockiges Weib mit roten flippen, ein Bursch unb ein Mädchen Wange an Wange. Schöne Stunden in Hamburg unb Rotterbam unb Hüll, durch einen fingerfertigen Alfons verewigt. Mitten auf ber Brust hatte er brei Symbole: Anker, Kreuz unb Herz ineinanbergefdjlungen. Eine tuschblaue Kette lief von hier aus über seine Schulter, bann ben Rücken hinab — unb verschwcmb unter seinem Sitz. Die Kette entlang ftanb in Englisch tätowiert: If you want more chain, pull on! — Ach, er hatte für saftige Seemannswitze keine Verwenbung mehr. Er starb als Seemann unb kam als Seemann ins Grab. Die Grabrebe über ihn sprach ein schwedischer Pfarrer — in deutscher Sprache — unb wir versenkten ihn in russische Erbe. Wir veranstalteten eine kleine Sammlung unb legten zwei Palmenkränze mit signierten Seibenbänbern in Rot unb Weiß auf fein Grab. Lange sollte er sich aber nicht bamit schmücken: bie Bänber würben von Freubenmäbchen gestohlen, sobald wir weggegangen waren. 21 m Abenb besuchten wir eine Seemannskneipe, um feine Heimfahrt zu begießen. Währenb wir bort sahen unb auf bie Lampe goffen und darüber schwätzten, was für ein brillanter Kamerad Blom gewesen, tanzten oben auf der kleinen Bühne zwei Chansonetten unb trugen bie Seibenbänber als Schärpen. „Leb' wohl, bu guter Kamerabl" ftanb ihnen auf ben Leib geschrieben mit golbenen Buchstaben auf Danedrogs Farben. Es wirkte gar nicht als Profanation, fonbern eher als Willkommengruß. Blom war ein bißchen vorausgegangen — nach Fablow GreenI Mathilde Möhring. Roman von Theobor Fontane. (Fortsetzung.) „Jott, Frau Leutnant, wie soll es gewesen [ein. Sehr fein war es. Rechnungsrat Schultze war auch ba." „Mit ihr?" „Nein, ohne." „Na, bas könnt ich mir benken. Er nimmt es nicht fo genau, die Rätin aber, die hält auf sich wie alle Frauen. Unb wer war benn noch ba?" „Ja, bie Namens weiß ich nicht, Frau^ Leutnant, bloß eine Braut war noch ba, bie sie Fräulein Vella nannten, unb alle sehr drum rum, weil sie sehr hübsch war. Schultze fand es auch. Unb was benken Sie wohl, was sie meiner Ulrike jejeben hat, bie war nämlich auch mit da unb mußte runterleuchten." „Ja, wer will bas sagen, Damen geben boch nie Trinkgelb." „Ja, bie gab aber, einen Taler hat se ihr fpenbiert." „Ach, Unsinn." „Nee, Frau Leutnant, es is so, Ulrike hat mir alles erzählt und wird boch nicht mehr jefagt haben, wo sie mit mir teilen mußte. Das heißt, müssen war es eigentlich nid). Das Fräulein also sagte: ,Hans, gib mir mal das Portemonnaie', unb bann nahm sie's raus unb sagte: ,Wir berechnen uns morgen'. Unb es is nur schabe, bah es Schultze nid) mehr hörte, ober vielleicht war es auch fang jut. Er war schon vorher janz weg, unb es war besser, bah er allein jetommen war." „Unb wie war benn bie Braut, was hatte sie an?" „Sie hatte ihr braunes Merino an mit lila Einsatz." „Unb war wohl eine große Zärtlichkeit, wie? Solche wie Fräulein Thilbe, roenn’s ba mal kommt, bie sinb immer sehr zärtlich." „Rich baß ich sagen könnte, Frau Leutnant. Ich habe nichts jesehen, und bie Wohnung is so, bah man eigentlich alles sehen muß. Alles offen wie aufs Tempelhofer Feld unb kein Vorhang unb keine Schirme. Und Lichter waren überall zu finden. Thilbe war auch immer bloß um bie Schüsseln herum unb präsentierte, wenn Ulrike nicht ba war, und Herr Hugo, was ber Bräutjam is, ber ftanb immer fo ba, unb als ein älterer Herr, aber noch nicht so ältlich wie Schultze, bas Brautpaar leben ließ, ba sah er so verflixt aus, als wenn er nid) fo recht zufrieben märe." „Kann ich mir benken." „Ober eigentlich bloß, als ob er jar nicht fo recht mit babei wäre unb wäre janz wo anbers. Vielleicht is bas noch fo von feiner Krankheit, denn «in bißchen spack sieht er noch aus. Oder vielleicht is es auch nid) ganz richtig mit ihm?" „Das ist es, Runtschen. Es ist nicht ganz richtig mit ihm. Und wenn Sie gehen, nehmen Sie sich bas Steinpflaster mit, das noch neben dem Baum liegt, aber sehen Sie sich vor damit." M Schriftleitung: i. V. Dr. Fr. W. Lange, Gießen. — Druck und Verlag: Brühl'sche Aniversitäts-Buch- und Steindruokerei, R. Lange in ®'( r' ^Ach, Frau Leutnant, bei mir is es nich mehr ängstlich." — Thilde war am selben Morgen in einer gehobenen Stimmung. Sie war nun Braut, und das andere mußte sich von selber geben. Solange sie bloß Fräulein Thilde war und den Tee zu bringen und eine Bestellung auszurichten hatte, lag die Sache noch schwierig genug, jetzt aber hatte sie das Recht zu sprechen und zu handeln. Das mit den Theaterstücken war ein Unsinn und mit dem ewigen Lesen auch, und Rybinski und seine Braut, die ihr übrigens — trotzdem sie die Sachlage durchschaute — sehr gut gefallen hatte, muhten über kurz oder lang beseitigt werden. Rybinski war eine Gefahr, noch dazu eine komplizierte. , .... Zunächst aber konnte von einem Vorgehen keine Rede sein, weil sie deutlich einsah, daß sie zur Erreichung ihrer Zwecke der Fortdauer guter Beziehungen zu Rybinski und seiner Mitwirkung durchaus bedurfte. Wenn für sie feststand, daß sie Hugo zu trainieren habe, so stand auch ebenso fest daß sie so was wie Zuckerbrot beständig in Reserve haben müsse, um Hugo bei Lust und Liebe zu erhalten, und dazu war Rybinski wie geschaffen. Ueberhaupt nur nichts Gewaltsames, nur nichts Uebereiltes, alles mit Erholungspausen. Ihrem natürlichen Gefühl nach hätte sie den ersten Feiertag nicht vorübergehen lassen sollen, ohne mit ihrem Verlobten über ihre Zukunft zu sprechen und gleich ein bestimmtes Programm aufzustellen, aber in ihrer Klugheit empfand sie, daß etwas Nüchternes und Prosaisches darin liegen würde, den Tag nach der Verlobung, der noch dazu der erst« Weihnachtsfeiertag war, mit der Behandlung solcher Fragen zu profanieren, und so bezwang sie sich und nahm sich vor, ihm eine Woche Weihnachtsferien zu bewilligen und ihn zu kleinen Vergnügungen anzuregen. Er sollte sehen, wie gut er's auch im behaglichen getroffen habe, und daß Thilde durchaus verstand, sich seinen Wünschen anzupassen. Am Ende dieser Ferienwoche wollte sie dann mit der Prosa herausrücken unter Hinweis, daß ohne Durchführung ihres Programmes von Glück und Zufriedenheit und überhaupt von einem Zustandekommen ihrer Ehe keine Rede sein könnte. * Ja, diese Ferienwoche. Thilde war nicht zum Wiedererkennen und schien eine Verschwenderin geworden. „Hugo, das ist nun unsere Flitterwoche, wenn ich mir solch Wort, das uns eigentlich gar nicht zukommt, erlauben darf. Aber ich will es mir erlauben, es ist so schön, später solche Erinnerung zu haben. Und ich denke es mir hübsch, wenn wir mal , alt geworden sind, von solcher Zeit sprechen zu können. Und darum muh alles wie Sonnenschein sein, und wir wollen es so recht genießen." Hugo hielt Thildens Hand in der seinen und sagte: „Das ist recht, Thilde. Das freut mich, daß du so sprichst; ich dachte, du hättest gar nicht recht Sinn dafür, für die Freude, für das süße Nichtstun, was doch eigentlich das Beste bleibt." Thilde hielt es nicht sür klug, ihn eines andern zu belehren, sie schwieg unter freundlichem Lächeln, und Hugo fuhr fort: „Ich dachte, du seiest immer nur für Pflicht und Ordnung und Stundehalten, was mir — so sehr es mir gefiel — doch auch wieder etwas ängstlich war, weil man auch im guten zu viel tun kann. Und nun sehe ich, daß ich eine heitere, lebenslustige Braut habe. Ja, das ist beinah mehr Glück, als ich verdiene ... Aber nun sage, Herz, was nehmen wir heute vor? Wähl« aber nicht zu ängstlich und sprich nicht von Geld und bescheidenen Verhältnissen. Wenn man sich verlobt hat, da darf man in nichts ängstlich sein und muß einem zumute sein, wie wenn man das Tischlein-deck-dich hätte." „Schön", scherzte sie, „dann wollen wir ins Opernhaus, Proszeniumsloge, vielleicht haben wir den Kaiser vis-a-vis." „Nein, Thilde, so darfst du nicht sprechen. Ein bißchen Spott ist gut, das kleidet. Aber so viel nicht, sonst werde ich wieder irre an dir." „Nun, dann wollen wir zu Kroll und die Weihnachtspantomime ansehen." Er stimmte freudig zu, fragte bann aber: „Und die Mutter, müssen wir sie nicht mitnehmen?" „Wir werden es ihr wenigstens anbieten müssen, vielleicht, daß sie ,nein‘ sagt. Ich bekenne, daß ich gern mit dir allein wäre, solche Freude genießt sich am schönsten zu zweien." Hugo war wirklich glücklich. Er entdeckte Seiten an seiner Braut, die eine Perspektive auf ein höheres und feineres Glück eröffneten, als er an jenem Abend des ersten Geständnisses erwartet hatte. Was damals in ihm lebte, war eine Dankbarkeit, war ein weiches, sentimentales Gefühl, in dem die vorangegangene Krankheit noch nachspukte. Jetzt schien es ihm, daß Thilde wärmerer Gefühle fähig fei, vielleicht sogar einer Leidenschaft, und sein« Brust hob sich. So begann die Festwoche. Man ging zu Kroll und vergnügte sich ganz leidlich trotz Gegenwart der Mutter, die nach anfänglicher Ablehnung ihren Entschluß geändert hatte, als sie hörte, daß „Schneewittchen und die sieben Zwerge" gegeben würde. Thilde war eigentlich froh darüber, denn der Alten eine Freude zu machen war ihr fast wichtiger als alles andere. Was sie zu Hugo von „Genießen zu zweien" gesprochen hatte, war nur so hingesagt, weil sie wußte, daß er gern so was hörte. Am zweiten Feiertag fuhr man in einer offenen Droschke, deren Vorbau den Wind abhalten mußte, nach Charlotienburg hinaus, aber nicht die große Chaussee hinunter, sondern im Umweg erst nach der Rousfeau- insel und bann am Neuen See vorüber. Auch hier war Mutter Möhring zugegen. Es war rührenb, bie alte Frau zu sehen. Am Neuen See stieg man einen Augenblick aus, um ben Schlittschuhläufern zuzusehen, unb bie Alte freute sich wie ein Kind über bie vielen Flaggen unb Fahnen, aber bloß über die großen. Von den kleinen meinte sie, sie sähen aus wie Taschentücher auf der Leine. Möhring habe auch solche bunten gehabt, weil er immer viel geschnupft habe. So brachte jeder Tag was Neues. Das Glanzstück war aber ein Diner a pari im Restaurant, zu dem auch Rybinski geladen war. Natürlich mit Braut. Bei diesem Diner fehlte bie Alte, weil sie wohl infolge ber ®ei dem 0i Himmc chen h bäume: bild ai rassige, lichem unb fe dem B ... Blc holmer die Wc Haupts: Post st Birken Sonnte der St brenne, Norrlai festlich Eine 11 beiden Länder Weiß ‘ Weiß t der Se Schwed Dingen. B SBai heiierke den Pe stürzen, vor. Di die atti Somme herrlich, schwer Sebt ., berührt, hmter i garten reicht. Fahrt durch den wintersichen Tiergarten und zu langem Stehen im bei den Schlittschuhläufern ihren Hexenschuß gekriegt hatte. Hugo uw damit nicht unzufrieden und diesmal auch Thilde, weil sie einsah, bas feine Restaurant kein Lokal für Mutter war. Rybinski sprach von seinen neuesten Bühnentriumphen und mach, bamit einen großen Eindruck aus seinen Freund und Landsmann Hum, was Thilde mit einiger Sorge wahrnahm. Cs kam ihr aber Hilfe yA Bella, bie die ganze Kunstfrage großartig überlegen behandelte y beständig lachte, wenn das Wort „Talent" fiel. Denn sie meinte, bas gänzliche Fehlen davon fei es ja gerade, was ihr ihren Hans so unoiis. sprechlich teuer machte. Ueberhaupt Talent! Talente gäbe es so viele, fe erschrecke schon immer, wenn sie von einem neuen höre. Aber Hans Rybinski gäbe es nur einen, und ber wiege ihr zehn Talente auf. sei nun mal für bas schöne Menschliche unb in ber Liebe für bas Heben menschliche. „Glaubt ihr nicht", sagte Rybinski gutmütig, „mein Kosinskn hat jh Herz erobert. Ein unvergeßlicher Moment! Noch am selben Abend fm unser Glück an." „Da sagt er bie Wahrheit — aber warum war es so? Als Kofinsd war er er selbst. Schabe, daß die Rolle nicht bedeutender ist unb daß n», sie drüben nicht recht kennt. Ich ginge sonst mit ihm nach Amerika rife, immer quer durch, und wenn wir bei San Franzisko wieder rauskän«, wären wir Millionäre. Jeden Tag bloß Kosinsky mit Polenmütze iife Silbersporen." Während des Essens trank Rybinski auf bas Brautpaar, und ijuti hätte diesen Toast eigentlich in gleicher Form erwidern und auch 0« Brautpaar sprechen müssen. Das konnte er aber doch nicht über fej bringen, und so begnügte er sich, bie Kunst leben zu lassen und zA befreundete Herzen. Die andern waren damit zufrieden. Und nun ging die Weihnachtswoche ihrem Ende zu. Der 31.Dezemfei war ba unb mit ihm bie Frage, ob man in eine Siloestervorstellung mit Schlußakt im Cafe Bauer gehen ober aber zu Hause bleiben, einen gute« Punsch machen und Blei gießen wolle. Man entschied sich für bas letzte», weil bie alte Möhring zwar schon roieber außer Bette war, aber des immer noch Schmerzen hatte. Geladen wurde nur ber Beter Archüch und Ulrike sollte ganz wie am Weihnachtsabend bei Tisch aufwarten. „Die Alte kann ich nicht sehen", hatte Hugo mit großer Bestimmt^ erklärt. Das muhte berücksichtigt werden; aber man wollte sie doch auf nicht ganz weglassen, und so sah sie draußen in der Küche unb doch nachher ben großen Blechlöffel halten, in bem Thilde das Blei schmolz. Als diese zuerst gegossen hatte, erhob sich die Frage, was es sei. Si Runtschen hielt es für eine „Krone", Ulrike aber ging weiter unb er» es für eine „Wiege". Mathilde, die Verlegenwerden albern fand, beftriii Ulrikens Auslegung unb erklärte nur, bas ginge nicht. Worauf Ulrili meinte: „Jott, Fräulein, es geht alles". Denn Ulrike war eine sehr schlm Person, bie ihr Geschlecht kannte. Aber bei Thilde verfing es nicht. Dich ging mit der Kron«, ober was es sonst war, in bas Vord«rzimmer zuck, wo man eine Weile weiterorakelte, bis Hugo die Gläser mit einem gut«, nach eigenem Rezept gebrauten Punsch füllte. Seines Vaters Haus trat berühmt für Punsch gewesen. Der Alte hatte solche Spezialitäten. Es war noch nicht viel nach Mitternacht, als Mutter unb Tech!« wieder allein in ihrem Zimmer waren. Es war etwas stickig, eine mch würdige Luftmischung von Punsch, Wachsstock unb türkischem Tabu!, it daß Thilde sagte: „Mutter, wenn es dir nicht schadet, möchte ich » bas Fenster noch ein bihchen aufmachen." „Ja, mach auf, Thilde, was soll es mir am Ende schaden, und da« is mir auch so sonderbar zurnut und so feierlich, weil gerade Neujcho nacht is. Ich möchte wohl di« Singuhr fpielen hören, bie spielt im« so was Schönes unb Frommes." Thilde rückte ber Alten einen Lehnstuhl ans Fenster, aber so, K sie -ber Zug nicht traf, bann sagte sie: „Ach, Mutter, die Smguhr, ii denkst immer noch, du wohnst in ber Stralauer Straße, ba wohnen K doch aber nicht mehr. Und dann is ja Mitternacht nun schon, lange vom und die Singuhr muß sich doch auch ein bißchen ausruhen." „Ja, du hast recht, Thilde; ich vergeß immer. Ich weiß nicht, ich»« doch noch nicht so alt, aber ich bin schon so taprig. Mitunter denk 4 es is gar kein Unterschied mehr zwischen der Runtschen und mir. „So mußt du nicht sagen, Mutter, du hast überhaupt so was Kl» und Aengstliches. Und man muß sich nicht so klein machen, bann tw einen die Leut« immer noch kleiner." . „Ja, bas is schon richtig, aber man mutz sich auch nich zu P- machen, und daß wir die Ulrike wieder hier hatten, die bloß in® bie Augen so schmeißt und immer denkt, sie is es, unb die alte RuiM muhte draußen sitzen und den Gietzlöffel halten, und ich sah wohl, wie _ die Hand zitterte, weil sie recht gut gemerkt hatte, daß wir sie hier ° nich mehr sehen wollen — ja, Thilde, bas is, was ich so sage, man I • sich auch nich zu groß machen. Unb wenn du auch sagen wirst, «5 J es nich sind, und daß bloß unser Herr Hugo es nich will, 1« w will er es nich? Daß sie das Pflaster hat, das is kein Unglück, uu • meisten haben eins. Und ich sage dir, Hochmut kommt vor dem ö Und so hoch is er doch auch nich. Es is wie ein hartes Herz uns Grausamkeit." , , . . „Ach Unsinn, Mutter, wenn der ein hartes Herz hat, hat ledes u _ chen auch eins. Ein zu weiches Herz hat er, das is es. Das mutz n? > ab gewöhnen. Denn die, die ein zu weiches Herz haben, sind imwe । und bequem unb können auch nicht anbers, weil alles, was yie keinen rechten Schlag hat." „Meinst du, Thilbe?" „Ja, Mutter, wenn man verlobt is, hört man mitunter ben W weil man sich so nahe kommt. Und wenn man anbers wollte, I» es Ziererei. Ja, was benkst du wohl, was er für einen HerzillM ■ Wie ne Taschenuhr." (Fortsetzung folgt.) ___„